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Lexikon B

Baedeker, Karl [AW 201]
* Essen 1801 + Koblenz 1859
aus Buchdrucker- und Verlegerfamilie, selbst begeisterter Reisender. Entdeckt den Markt für Reiseführer, als Autor und Verleger über die Grenzen Deutschlands hinaus erfolgreich. Buchhändler, Verleger, geisteswissenschaftliches Studium. 1830 erscheint in England das Red Book, ein rot eingebundenes Handbuch für Reisende mit dem Titel Holland, Belgium and the Rhine. Dort sind nicht nur Routen, sondern auch Sehenswürdigkeiten verzeichnet und romantische Touren beschrieben. Erstmalig wird der Tourismus in vorgegebene Kanäle geleitet, und erstmalig das Sternsystem angewandt, das die sights nach ihrer Bedeutung einstuft. Mit dem in London erfolgreichen Verleger John Murray jun., dessen "Red Books" zu begehrten Reisebüchern der Engländer geworden sind, vereinbart Baedeker den gegenseitigen Vertrieb der Verlagsprodukte, was die Zukunft des Verlags und seines Programms entscheidend prägt. Roter Einband mit Goldprägung und Baedeker-Sterne werden Markenzeichen, sind lange Zeit die höchste Auszeichnung, die es im Fremdenverkehr gibt. Baedekers Reisehandbücher sind ca. 100 Jahre faktenreiche, niveauvolle Reisebegleiter. Sie legen Wert auf Übersichtlichkeit, Genauigkeit und Aktualität, ihr Name wird zum Synonym für Reiseführer. Baedeker ist einer der Wegbereiter des Massentourismus, aber auch berühmt-berüchtigt für unbestechliche und nüchterne Genauigkeit.
Der "Erbsenzähler" geht auf ihn zurück. Beim Besteigen des Mailänder Doms ertappt der westfälische Freiherr Gisbert von Vincke 1847 Baedeker dabei, wie dieser alle 20 Stufen stehen blieb und eine trockene Erbse von der Westen- in die Hosentasche steckte. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Beim Abstieg machte er dann die Gegenprobe. Eben jener Genauigkeit verdankt er auch seine Verewigung in Jacques Offenbachs Operette "La Vie Parisienne", in deren englischer Übersetzung es heißt: Kings and governments may err, but never Mr. Baedeker. .


Bahnsekretär [LW 12]
siehe


Bakunin, Michail Alexandrowitsch [UH 24][SG 256]
* Prjamuchino, Oblast Twer 1814 + Bern 1876 russischer Revolutionär und Anarchist. Wohl einflussreichster Denker der anarchistischen Bewegung und ihr erster Organisator.
Nimmt 1848/1849 an den Aufständen in Paris, Prag und Dresden teil. 8 Jahre in Gefängnis, 4 Jahre Sibirien, Flucht. In der Internationalen Arbeiterassoziation Hauptfigur der Anti-autoritären, mit Generalratsmitglied Karl Marx im Konflikt, was zur Teilung der Internationale und Trennung von der kommunistischen Bewegung und der Sozialdemokratie führt.
Bekannteste Schrift Gott und der Staat Freiheit, Sozialismus und Föderalismus gehören zum Fundament von Bakunins Konzept einer neuen Gesellschaftsordnung. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei Bakunins Kritik des Autoritarismus und der Religion ein.


Bala-See [AUS 93]

Walisisch Llyn Tegid, engl. Bala Lake, größtes natürliches Gewässer in Wales an der Ostgrenze des Snowdonia-Nationalparks. 6,4 km lang, 1,6 km breit, vom Dee durchflossen. Am Nordufer befindet sich die knapp 2.000 Einwohner zählende Stadt Bala . Llyn Tegid ist berüchtigt für plötzlich auftretende Fluten. In seinen tiefen, klaren Wassern leben Hechte, Flussbarsche, Forellen, Aale und der nur hier vorkommende Gwyniad.
Der Sage nach soll im See ein Monster leben, das dem Owain Glyndwr, walisischer Nationalheld, vor der Schlacht von Pumlumon ein Pferd versenkt und das dieser als "gelben Christenfresser" bezeichnet haben soll.



Balzac, Honoré de [CS 221f]
* Tours 1799 + Paris 1850 französischer Schriftsteller. Gilt den Franzosen neben Molière und Victor Hugo als einer ihrer größten Autoren, mit dem 17 Jahre älteren Stendhal und dem 22 Jahre jüngeren Flaubert das Dreigestirn der großen französischen Realisten. Hauptwerk: rund 90 Titel umfassende, aber unvollendete Romanzyklus "La Comédie humaine" (dt.: Die menschliche Komödie), dessen Romane und Erzählungen Gesamtbild der Gesellschaft im Frankreich seiner Zeit zu zeichnen versuchen.
Romans et contes philosophiques (mit u.a. La Peau de chagrin)


Bandoneon [AUS 249]
Musikinstrument, von Heinrich Band konstruiertes Handzuginstrument, aus der Konzertina entwickelt



Barbara [NN 9]
* Nikomedia oder Heliopolis Ende 3. Jht + Nikomedia 306
Bekannte christliche Heilige .
Eine der vierzehn Nothelfer


Barbierjunge von Segringen [LL 12]
Kalendergeschichte von Hebel Ein eigenartiger fremder Offizier kommt in der Stadt Segringen ins Wirtshaus und verlangt nach einem Barbier. Als dieser eintrifft, verspricht er ihm ein stattliches Entgeld, droht ihm aber den Tod an, falls er ihn beim Rasieren verletze. Vor Schreck läuft der Meister weg und schickt seinen Gesellen, der wiederum die gefährliche Aufgabe an den Lehrjungen weitergibt. Dieser, vom großzügigen Lohn verlockt, nimmt die Bedingung unerschrocken an und rasiert den Fremden furchtlos. Auf das Risiko angesprochen, gibt der Lehrling zur Antwort, dass er im Falle einer Verletzung den Offizier getötet hätte, noch bevor dieser zum Stoß hätte ausholen können. Der seltsame Kunde ist davon so beeindruckt, dass den Lohn erhöht und in Zukunft niemanden mehr mit dieser Drohung erschreckt.


Barke [SG 283]
mastloses Boot. Im weiteren Sinn alle kleineren Wasserfahrzeuge
In Franz Kafkas "Jäger Gracchus" hat die Barke zentrale Rolle.
Symbol aus der Antike: Beim Untergang von Sonne oder Mond führt das Schiff die Gestirne durch die Unterwelt - Boot Sinnbild für das Todesgeschehen: Bild für die Überfahrt des Verstorbenen in das Totenreich. Boot bezeichnet den Übergang, das Hinstreben auf ein Ziel und einen neuen Anfang. Überhaupt ist das Boot wie das Pferd archetypisches Symbol der Reise - in frühester Zeit in bestimmten Gegenden Wasserwege die einzigen Reise-Straßen. Wenn ein Verwandter verstarb, dann verband man den Tod mit der Reise in die Unterwelt oder in die Geisterwelt der Ahnen


Barnabas [CS 231]
In Franz Kafkas Roman "Das Schloss" spielt der Bote Barnabas eine zentrale Rolle.


Barthes, Roland [LL 178]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 110, 167]

* Cherbourg 1915 + Paris 1980
französischer Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker. Markanter Wissenschaftler im Bereich der strukturalistischen Semiotik bzw. Semiologie. Barthes verwendet die Methoden des Strukturalismus und der Dekonstruktion, aber auch der Psychoanalyse, um moderne gesellschaftliche Phänomene wie Texte, Filme, Fotografie, Mode, Werbung oder die Liebe zu untersuchen. Indem er die Methoden des Strukturalismus radikalisiert, wird er zu einem der Begründer des Poststrukturalismus. Als Kritiker zu aktuellen und im Wesentlichen literarischen Ereignissen (z. B. Racine) löst er oft scharfe Auseinandersetzungen aus.
Stark durch Nietzsche beeinflusst, der abendländischen Philosophie verpflichtet, zieht er sich das "in der deutschen Fachphilosophie " nach Adorno " für einen Philosophen tödliche Urteil eines bemerkenswerten Schriftstellers zu. Da er nicht weiter beachtet wurde, fanden seine Werke nicht einmal in Fachbibliotheken einen Stammplatz."
Verliert früh den Vater, der 1916 in der Seeschlacht vor dem Skagerrak fällt. "An der Vergangenheit fasziniert mich am meisten meine Kindheit; sie allein gibt mir, wenn ich sie betrachte, nicht das Bedauern über die entschwundene Zeit."
Als Schüler in einer Theatergruppe. Abschlussarbeit an der Universität über griechischen Tragödie. Musikbegeistert, als Pianist und Komponist. Zur Malerei regt ihn sein Freund Cy Twombly an.
An den Folgen eines Verkehrsunfalls verstorben.
Essay über die Fotografie Die helle Kammer (La chambre claire, 1980)


Basalt [Austerlitz 258]
siehe bei


Basler Bild [NN 8]
Das angebliche Bildnis Grünewalds (Kopf eines Heiligen, Basel Inv. 308) wird Holbein dem J. als Frühwerk zugeschrieben. Angeblich soll dieser Heilige von der Figur des Isenheimer hl. Sebastian inspiriert sein, die früher als Selbstbildnis Grünewalds gedeutet wurde. Der Basler Kopf, so versichert uns der Konservator Alte Meister aus Basel, habe mit dem Isenheimer aber wenig zu tun - weil auch entschieden zu jung


Basler Kreuzigung [NN 26]
Grünewald Kreuzigung Christi, drei Marien, Hl. Johannes Evangelist und Hl. Longinus 1500-1508 Öl auf Holz Kunstmuseum Basel, wahrscheinlich Teil eines Diptychons
Hintergrund


Bassermann, Albert [CS 201]
* Mannheim 1867 + Zürich 1952 Charakter-Schauspieler des deutschen Stummfilms. Filmdebüt 1912 in "Der Andere" (Haupt-Doppelrolle als Rechtsanwalt Haller) Der Film behandelt das Thema Schizophrenie und gilt als der erste deutsche Autorenfilm. Die Kritik war vernichtend, dennoch blieb er dem Film treu.


Bataille, Georges [CS 157]
* Billom, Puy-de-Dôme 1897 + Paris1962 französischer Schriftsteller, Soziologe, Anthropologe, Philosoph 1923-28 in Surrealistenkreisen, mit André Breton und Roger 1935 die antifaschistische Gruppe Contre-Attaque gegründet. Gründer und Leitfigur der 1936 ins Leben gerufenen Geheimgesellschaft Acéphale. 1946 Herausgeber der Zeitschrift Critique Stark von Hegel, Sigmund Freud, Karl Marx, Marcel Mauss, dem Marquis de Sade und Friedrich Nietzsche beeinflusst. Autor eines vielfältigen Werks: Vorlesungen, Gedichte, Essays über zahllose Themen wie die Mystik der Wirtschaft, über Poesie, Philosophie, Kunst, Erotismus und Tod. Bataille interessiert sich für das Opfer, die Transgression, Verschwendung, den Rausch, die Tabu- und Grenzbereiche menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns.


Baumgarten [AUS 256]



Stromovka-Park, 1 km² groß, nördlich der Letna-Anlagen. Baumgarten, Königlicher Wildpark. Die Stromovka hat - trotz ihrer Nähe zum Stadtzentrum - beschaulichen Charakter (uralte Baumbestand, zahlreiche Blumen und Wiesen und fast zahme Eichhörnchen) bewahrt. Zahlreiche Seen und Teiche, hinter kleinem Portal, über dem das Emblem Rudolfs II. - großes "R" mit Kaiserkrone - angebracht ist, verbirgt sich ein in Europa einzigartiges technisches Bauwerk: der Rudolf-Stollen: der über 1km lange, 3 m hohe, 60 bis 80cm breite und 30m tiefe Kanal lässt bis heute Moldauwasser unter dem Stadtviertel Letna in die Seen des Stromovka-Parks fließen (über 10m Gefälle) .
Königlicher Saal (Lustschloss des kaiserlichen Statthalters), Kaisermühle (in der einst Glas und Edelsteine geschliffen werden), Spazierwege.


Bavella-Gebiet [CS 42]



Bawdsey Manor [Die Ringes des Saturn. 267ff]







Sir Cuthbert Quilter's "privates Königreich" in der Grafschaft Suffolk an der Ostküste Englands nahe Ipswich. Der kleine Ort an der Mündung des Flusses Deben einst Privatbesitz von Sir Cuthbert Quilter. Er läßt 1886 Bawdsay Manor erbauen, 1895 erweitert. Bawdsey Manor Estate während 1. WK beschlagnahmt. Standort für Forschungsstation zur Entwicklung von Funkpeilungen ab 1935 und Fortführung der Forschung von Orfordness. 1936 an das Luftwaffenministerium verkauft, Robert Watson-Watt (direkter Nachkomme von James Watt, des Erfinders der Dampfmaschine) Forschungsleiter, Radar entwickelt, erste Chain Home Radarstation. Filterraum für Verarbeitung von Daten. 1941 Coastal Defence Radar bei Bawdsey installiert, Abwehr der V2-Raketen. Heute ist das Landgut mit 48 Hektar großen Park Sitz des traditionsreichen Privatcolleges Alexanders International School (Gelände mit Meerblick, schuleigener Segelclub, Tennisplätze, exzellente Sportanlagen) An den zweiten Weltkriegs und die Entwicklung des Radars erinnern Gebäude, Artefakte und Bilder.


Bebel, August [SG]
* Deutz bei Köln 1840 + Passugg, Schweiz 1913 einer der Begründer der organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland. Politische Anfänge im liberal-demokratischen Vereinswesen von Arbeitern und Handwerkern, ehe er sich dem Marxismus zuwendet. Zusammenarbeit mit Wilhelm Liebknecht. Gründet 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Während Repressionen gegen die Partei durch das Sozialistengesetz zentrale Person der deutschen Sozialdemokratie, ab 1892 einer der beiden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Popularität spiegelt sich in den volkstümlichen Bezeichnungen "Kaiser Bebel", "Gegenkaiser" oder "Arbeiterkaiser". Repräsentiert zwischen einem linken und einem "revisionistischen" Flügel das so genannte marxistische Zentrum der SPD. Einer der bedeutendsten Parlamentarier in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs und einflussreicher Autor.


Bechhöfer, Susi [AUS]
Susi kommt 1936 in München mit ihrer Zwillingsschwester Lotte zur Welt. Ihre ledige Mutter Rosa, Jüdin und bettelarm, weiß keinen anderen Ausweg, als die beiden Mädchen ins Waisenhaus zu geben. Rosa besucht ihre Töchter sooft wie möglich, muss sich dann aber endgültig von ihnen trennen. Im letzten Moment werden die Zwillinge als Dreijährige noch nach England evakuiert, wo sie von einem kinderlosen Ehepaar, einem Baptistenpriester und seiner Frau, aufgenommen werden. Standhaft verleugnen die Pflegeeltern, Edward und Irene Mann, Herkunft und Religion ihrer so plötzlich vorhandenen Kinder. Lotte wird schwer krank und bedarf der ständigen Betreuung durch die Stiefmutter. Susi hingegen wird der "Liebling" ihres Stiefvaters. Das bedeutet, dass Edward Mann seine Pflegetochter ab deren zehnten Lebensjahr immer wieder vergewaltigt, bis in ihr Erwachsenenalter hinein, mit selbstverständlichem Besitzanspruch. Susi Bechhöfer ergreift den Beruf einer Psychotherapeutin, in dem sie auch heute noch arbeitet. Erst fünfzig Jahre, nachdem Susi in England einen neuen Namen, eine neue Religion und eine neue Identität erhalten hat, und lange nachdem sie sich aus den Fängen ihres Stiefvaters endlich in eine eigene Familie hat retten können, ist sie in der Lage, sich durch die Abscheulichkeiten ihrer Kindheit hindurchzuarbeiten und sich auf die nicht weniger strapaziöse Suche nach ihren eigentlichen Wurzeln zu machen. Aus schwer zugänglichen Archiven und aus Erinnerungen von bis dahin nie gekannten Personen fördert sie die erschütternden Einzelheiten ans Tageslicht. Susi muss dies ohne ihre Zwillingsschwester Lotte tun, denn die ist als junge Frau an ihrer Erkrankung gestorben. Das Entsetzliche in der Biographie der beiden ist nicht allein durch den Holocaust bedingt, durch den sie ihre Mutter in Auschwitz verloren hatten, wie Susi Bechhöfers schmerzhafte Recherche ergibt. Es gab da ja auch einen Vater, Otto Hald, ein Soldat aus dem schwäbischen Göppingen. Otto Hald hatte Susis schwangere Mutter Rosa - wie andere Frauen auch - offenbar skrupellos im Stich gelassen. Und die Enttäuschung wird noch größer: nicht nur dieser "arische" Vater, sondern ebenfalls Rosa Bechhöfers eigene Verwandtschaft hatte sich großenteils von der ledigen Mutter distanziert und damit nicht zu ihrer eventuellen Rettung beigetragen. Zunächst kostete Rosa Bechhöfer dies alles die Möglichkeit einer abgesicherten Existenz, innerhalb derer sie ihre Kinder hätte großziehen können. Später kostete es sie nichts weniger als ihr Leben.
Jeremy Josephs/Susi Bechhöfer: Rosas Tochter. Bericht über eine wiedergefundene Kindheit. Piper Verlag München 1998


Bronzeskulpturen Kinder des Kindertransports, Hope Square, London und Friedrichstraße Berlin von Frank Meisler (selbst als Kind auf einem solchen Kindertransport)
Siehe BBC-Sendung
Siehe auch Kindertransport
Siehe auch Kindertransport-Skulptur Deutschland


Bechterewsche Krankheit [AUS 126]
Spondylitis ankylosans oder Morbus Bechterew, chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung von Gelenken, vorwiegend die Lenden- und Brustwirbelsäule und die Kreuz-Darmbeingelenke. Manchmal Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges


Bedfordshire [RS 239]
Grafschaft in England. Bedfordshire grenzt an die Grafschaften Cambridgeshire, Northamptonshire, Buckinghamshire und Hertfordshire. 2009 der in Bedford ansässige Grafschaftsrat aufgelöst, Bedfordshire nur zeremonielle Grafschaft mit den administrativ selbstständigen Unitary Authoritys Luton, Central Bedfordshire und Bedford.



Bedlam [AUS 187, 190]
richtig: Bethlem Royal Hospital. Mitte des 16. Jahrhunderts als Nachfolgeeinrichtung des Hospitals der St. Mary of Bethlehem-Abtei erbaut, um psychisch schwer beeinträchtigte Patienten aufzunehmen. Patienten vegetieren auf Stroh vor sich hin, sind im 17. und 18. Jahrhundert von Schaulustigen gegen Eintrittsgebühr (zur Deckung der Unterhaltskosten) zu besichtigen sind. Auf dem alten Gelände des Bethlem Hospital entstand 1874 der Bahnhof Liverpool Street. (engl. 'Bedlam'=Synonym für Verwirrung) siehe auch


Beecher Stowe, Harriet [UH 28]
1811 - 1896 US-amerikanische Schriftstellerin, erklärte Gegnerin der Sklaverei. bekanntestes Werk Uncle Tom's Cabin von 1852 Roman gegen die Sklaverei, und das gleichnamige Theaterstück erreichen ein Millionenpublikum


Beham, Barthel [NNs 29]
auch Beheim, Peham * Nürnberg ca. 1502 + Bologna/Italien 1540, deutscher Maler, Kupferstecher, Zeichner, Holzschneider, Porträtist. Mit älterem Bruder Hans Sebald Beham gehört er zur Gruppe der "Kleinmeister" (unter dem Einfluss Albrecht Dürers zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den druckgraphischen Künsten wegweisend). 1524, nach einem Aufenthalt Thomas Müntzers in Nürnberg, betätigen sich die Brüder Beham und Georg Pencz, ein Geselle Dürers, religiös und politisch im Sinne des radikalen Flügels der Reformation, schließen sich der sozialrevolutionären Bewegung der Täufer an. Der Rat der Stadt Nürnberg setzt die "drei gottlosen Maler" und andere "Schwarmgeister" am 12. Januar 1525 gefangen, unterzieht sie scharfem Verhör, wo Barthel sich sehr schroff und hochfahrend verhalten haben soll, verbannt sie im Einvernehmen mit der Geistlichkeit am 26. Januar 1525 wegen Ketzerei aus ihrer Vaterstadt. In dieser Zeit entstehen Marienbildnisse, erotische Akte, Kampfgruppen mit Darstellungen aus dem Bauernkrieg und Vanitasbilder (Das neben vier Totenschädeln schlafende Kind), derbe Bauernszenen. 1527 München als Meister der Perspektive bekannt. Religiöse Historienbilder. Während einer Auftragsreise für den bayerischen Herzog in Bologna gestorben.


Beham, Hans Sebald [NNs 29]
* Nürnberg 1500 + Frankfurt/M. 1550, ältere Bruder Barthel Behams , arbeitet mit ihm zusammen in Albrecht Dürers Werkstatt als Maler, Kupferstecher und Zeichner. 1525 auzsgewiesen (siehe bei Barthel B.), kehrt 1528 zurück, 1529 der Verbreitung von Pornographie verdächtigt, abermals ausgewiesen, nach München. 1530 und 1531 arbeitet er unter anderem für Kardinal Albrecht von Mainz. Um 1532 Frankfurt am Main übergesesiedelt, wo er zahlreiche Zeichnungen für Holzschnitte (Bibeln und Chroniken) liefert und als Kupferstecher hervortritt.


Beichtspiegel [AW 53]
heute Gewissensspiegel genannt, in katholischen Gebetbüchern enthalten. Gelten als Hilfsmittel bei der Gewissenserforschung, vor allem in Vorbereitung auf die Beichte, und enthalten Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen, die der Selbstprüfung und Unterstützung des Gedächtnisses dienen.
Im 15. und 16. Jahrhundert fliegendes Blatt mit gedruckter Anleitung zum Beichten und mit Darstellungen Jesu Christi, der Gottesmutter, der Schutzpatrone, des bußfertigen Schächers etc. in Holzschnitt, für die Anfänge der Holzschnittkunst von Bedeutung. Historische B. wichtige indirekte Quelle der Mentalitätsgeschichte, da literarische Zeugnisse abweichenden moralischen bzw. religiösen Verhaltens in der Regel dem Index zum Opfer fallen. Unter jesuitischer Prägung verbreiten sich Beichtspiegel bis in das 17. Jh. auch im protestantischen Bereich. Beispiel:
Die Fragen mit (*) sollen die Schüler auswendig lernen.
Wann habe ich das letztemal gebeichtet? Habe ich gültig gebeichtet?
Habe ich die Busse verrichtet?
1. Gebot (Glaube und Beten)
Habe ich die täglichen Gebete nicht gebetet? (Morgen-, Abend-. Tischgebet)*
Habe ich unandächtig gebetet, unandächtig kommuniziert?*
Bin ich im Religionsunterricht unartig gewesen? Habe ich ihn gestört? *
Habe ich nicht aufgepasst, nichts gelernt?
Habe ich im Religionsunterricht ohne Grund gefehlt?*
Habe ich Glaubenswahrheiten freiwillig gezweifelt? - Wie oft?
Habe ich Reden gegen den Glauben geführt oder gerne angehört?
Habe ich Schriften gegen unseren Glauben gelesen? - Wie oft?
Habe ich mich durch Wahrsagerei versündigt? - War ich abergläubisch?
Habe ich gegen das Gottvertrauen gesündigt?
4. Gebot (Elten und Vorgesetzte)
Habe ich den Eltern oder Vorgesetzten nicht gehorcht?*
Bin ich gegen Eltern oder Vorgesetzte grob und trotzig gewesen?*
Habe ich für das leibliche und seelische Wohl meiner Untergebenen zu wenig gesorgt?
6. und 9. Gebot (Unkeuschheit)
Habe ich unschamhaft gedacht? - angehört? - angeschaut? - geredet? - berührt?*
Habe ich mich von anderen unschamhaft berühren lassen? - Wie oft?*
Habe ich unkeusch gedacht? - angehört? - angeschaut? - gelesen? - geredet? - getan allein oder mit anderen? - Wie oft?*
Habe ich Unkeusches freiwillig begehrt? - Wie oft?
Habe ich genascht?*
Habe ich gestohlen? - Was? - Wieviel?*
Habe ich gefundene oder geliehene Sachen behalten?*
usw



Beige [SG 271, 279]
in der Schweiz, Süddeutschland und Südwestdeutschland: Stapel, Stoß oder Aufschichtung


Belladonna [AUS 52]
Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) Pflanzenart in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).
Die schwarzen Beeren enthalten das Gift Hyoscyamin, aus Blättern Wirkstoff, der krampflösend ist, zu gewinnen. In der Frucht sind Hyoscyamin (Atropin), Scopolamin, Apoatropin, Belladonnin und Scopoletin enthalten, in den Blättern befinden sich zwischen 0,5 % und 1,5 %, in den Wurzeln 0,85 %, im Samen 0,8 %, in den Früchten 0,65 % und in der Blüte 0,4 % Tropan-Alkaloide. Seit der Antike medizinisch genutzt, unter anderem als Schmerzmittel. Im 19. Jahrhundert Wurzel- und Krautextrakte zur Behandlung von Gelbsucht, Wassersucht, Keuchhusten, Nervenkrankheiten, Scharlach und Epilepsie. Die Wahnzustände, die bei höherer Dosis auftreten, brachten oft die erwünschte Bestätigung des Hexenverdachts, außerdem nimmt man an, dass auch die Tollkirsche ein Bestandteil der Hexensalben gewesen sein könnte. Die Tollkirsche wurde zur Abtreibung, gegen Gicht, gegen Tollwut, als Aphrodisiakum und zur Pupillenerweiterung verwendet. Aus der Wurzel der Pflanze wird ein Medikament gegen die Parkinson-Krankheit hergestellt, dieses ist jedoch in Europa nicht zugelassen.
Beiname "bella donna" (ital. "schöne Frau"), weil Hyoscyamin " in die Augen geträufelt " die Pupillen erweitert und den Augen ein dunkles, glänzendes Aussehen verleiht. Durch die Lähmung des Ziliarmuskels jedoch mit erheblichen Sehstörungen einhergehend


Bellini, Vincenzo [CS 226, 234]
[AW 61]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 132f.]

1801 - 1835 italienischer Opernkomponist
Seine letzte Oper 'I Puritani' 1835. ORT UND ZEIT: Eine Festung der Puritaner in der Nähe von Plymouth (nicht Southampton), um 1650.
Arturo (nicht Rodolfo, ein solche tritt in der Bellini-Opfer La sonnambula auf) und die Puritanertochter Elvira lieben sich. Auch Riccardo liebt Elvira. Als jedoch Arturo kurz vor der Hochzeit auf Enrichetta, die Frau des hingerichteten Stuartkönigs trifft, ist er entschlossen, sie zu retten. Riccardo wird davon Zeuge. Elvira deutet Arturos Verschwinden als Treuebruch und verliert den Verstand. Arturo wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Elvira will sterben und irrt halb wahnsinnig durch die Puritanerfestung. Sir Giorgio kann Riccardo überreden, nach dem Kampf für die Begnadigung seines Rivalen einzutreten, um so Elvira zu retten. Arturo kehrt zurück und überzeugt Elvira von seiner Treue, woraufhin diese wieder zu Verstand kommt. Arturo wird festgenommen und sieht keine Hoffnung mehr. Riccardo jedoch bringt das Begnadigungsurteil. (Das Zitat Benedici a tanto amore stammt nicht aus dem dritten Akt, sondern dem ersten - also zeitlich vor dem Wahnsinnigwerden der Elvira, siehe das Duett )


Belzer Rabbi [LW 67]
Zur selben Zeit wie Kafka hielt sich in Marienberg dieser Rabbi auf. Kafkas Einsstellung zu diesen Wunderrabbis ... Brief an Brod, in dem Kafka den Belzer Rabbi und dessen Gefolge schildert, verrät trotz seiner ironisch-humoristischen Distanz doch ... The rabbi's dilemma with his Golem was like that of the sorcerer's apprentice and .... of Prague's most famous Jew after Franz Kafka, Rabbi Judah Löw ben Bezalel (ca. .... them the entourage of the Belzer Rebbe--stream into the country. ... Hier zeigt sich zum ersten Mal eine Schreibweise, mit der Kafka auch andere "esoterische" Figuren beschreibend entzaubert. Zu denken wäre an jene chassidischen Wunderrabbis, mit denen ihn Georg Langer und Max Brod zusammenbringen. Im Juli 1916 berichtet er Brod von einer Begegnung mit dem Belzer Rabbi in Marienbad. Der Brief beginnt mit der Bemerkung, Kafka könne "das Ganze nur beschreiben, mehr als das, was man sieht, kann ich nicht sagen. Man sieht aber nur allerkleinste Kleinigkeiten und das allerdings ist bezeichnend, meiner Meinung nach." Das liest sich wie eine nachgetragene Poetik jener "Physiologie des Sichtbaren" aus "Mein Besuch bei Dr. Steiner", wo es am Ende heißt: "[Steiner] hörte äußerst aufmerksam zu, ohne mich offenbar im geringsten zu beobachten, ganz meinen Worten hingegeben. Er nickte von Zeit zu Zeit, was er scheinbar für ein Hilfsmittel einer starken Koncentration hält. Am Anfang störte ihn ein stiller Schnupfen, es rann ihm aus der Nase, immerfort arbeitete er mit dem Taschentuch bis tief in die Nase hinein, einen Finger an jedem Nasenloch " Ein leicht verschnupfter Mystiker, der nicht hinsieht, um desto besser zu hören: In dieser Pose verabschiedet sich Rudolf Steiner aus Kafkas Werk. Ins physiologisch Okkulte weist nur mehr sein in der Nase bohrender Finger - dann bricht der


Bempflinger Höhe [LL 81]

Höhenzug zwischen Neckartenzingen und Bempflingen, Panorama der Schwäbischen Alb vom Hohenzollern über den Jusi bis zu den drei Kaiserbergen (Mörike-Wanderweg), 389m




Benacre Broad [RS. 77]


Brackwassersee zwischen Lowestoft und Southwold .


Benefiziat [AW 53]
ehemaliger Amtstitel der römisch-katholischen Kirche für Kleriker, der Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe (lat. Benefizium) erhält


Benjamin, Walter [LL 11f, 22, 26, 114, 120, 131]
siehe .


Bereyter, Angéline [SG 27]
Liebhaberin Beyles vgl. die Namensgleichheit !


Bergkristall [UH 12]
-kinder. "Bergkristall" oder Der heilige Abend, Erzählung Adalbert Stifters
Zu Weihnachten verirren sich Kinder im Hochgebirge, und als sie lebendig und wohlbehalten zu ihren Familien zurückkehren, ist das wie eine Auferstehung zum Osterfest. Die Personen der Handlung feiern nicht nur die kirchlichen Feste, sondern erfahren deren Bedeutung am eigenen Leib und Seele. Der erste Satz der Erzählung „Programm“ Unsere Kirche feiert verschiedene Feste, welche zum Herzen dringen


Berg T(h)abor [NN 10]
siehe Berg Tabor


Bergroman [UH 14]
Unvollendetes Werk von Hermann Broch
Von Broch vorgeschlagener Titel: "Demeter oder die Verzauberung", Beschreibung des Einbruchs einer irrationalen Macht in ein alpines Bergdorf, der zu Ritualmord und Massenwahn führt. Erste Fassung 1935, Beispiel des symbolisch-parabelhaften antifaschistischen Romans der 30er Jahre. Neben der politischen auch mythisch-religiöse Ebene. Mutter Gisson, die Gegenfigur zum diktatorischen Marius Ratti, trägt Demeterzüge. 1936/37 unterbrochen, um Völkerbund-Resolution zu schreiben.
Insgesamt drei Fassungen. Fragment der zweiten Fassung des Romans (1936 bis 1938) Stoff 1951 noch einmal aufgenommen, ohne zu beenden. 1953 unter Verwendung der drei Fassungen herausgegeben:"Der Versucher"


Bering, Vitus [NN 37ff]
[AW 49]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 135]
Vitus Jonassen Bering (Behring)
* Horsens/ Jütland1680 + Insel Awatscha 1741
Dänischer Marineoffizier und Entdecker in russischen Diensten, genannt "Kolumbus des Zaren".
1703 von Zar Peter dem Großen als Seekapitän der neuen russischen Marine in Kronstadt ernannt. 1704 bis 1724 führt er Linienschiffe der Baltischen Flotte und der Asow-Flotte. Teilnahme am Dritten Nordischen Krieg gegen Schweden und am Russisch-Türkischen Krieg. 1725 Leitung der ersten Kamtschatka-Expedition, 1733 Leiter der Zweiten Kamtschatkaexpedition mit den ca. 24-m-Schiffen St. Peter und St. Paul, um die Küste Amerikas zu erkunden. Als erster Europäer Alaska entdeckt. Bering läßt einige Wasserfässer füllen, will Rückweg antreten. Streit mit Steller , wenige Stunden nach Ankunft in Amerika Anker gelichtet. St. Peter gerät in schweren Sturm, strandet auf Awatscha-Insel, (später in Beringinsel umbenannt). Wegen Schlechtwetters zur Überwinterung gezwungen. Bering stirbt an Skorbut, wie 18 weitere Besatzungsmitglieder.
B. untersucht und kartiert arktische und pazifische Küste Russlands sowie Alaskas bis zu 69° nördlicher Breite. Entdeckt mehrere Alëuten-Inseln sowie die Kommandeur-Inseln. Elf geographische Orte, zum Beispiel die Beringstraße und das Beringmeer sowie die Beringkultur (ein Entwicklungsabschnitt der Inuit), nach ihm benannt.
der kopf des vitus bering


Beringsche Alaskaexpedition [AW 49]
siehe Zweite Kamtschatkaexpedition
,


Bernadotte, Jean-Baptiste Jules [AUS 104]
später Karl XIV. Johann * Pau/Frankreich 1763 + Stockholm 1844 französischer Kriegsminister, Marschall von Frankreich, Prince de Ponte Corvo, Oberbefehlshaber der alliierten Nordarmee gegen Napoléon sowie als Karl XIV. Johann König von Schweden und als Karl III. Johann von Norwegen, zwischen Napoléon und ihm eine Art Hass-Liebe. Einer der 14 Marschälle von 1804, mit denen Napoléon seine Feldzüge führte. U. a. Schlachten bei Austerlitz und Wagram. Siehe


Bernhard, Thomas [UH 15f.]
1931 - 1989 österreichischer Schriftsteller, international einer der bedeutendsten österreichischen und deutschsprachigen Autoren, siehe wiki


Bernhardt, Sarah [CS 233]
* 1844 + Paris 1923 jüdische Niederländerin, Darstellerin des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Neben Romanen und Lustspielen 1907 Memoiren (Mein Doppelleben), inspiriert zahlreiche Schriftsteller - etwa Marcel Proust in À la recherche du temps perdu zur Romanfigur der Schauspielerin La Berma. Malerei, Bildhauerei. Vielseitige Schauspielerin, erfolgreich sowohl in klassischen als auch in zeitgenössischen meist französischen Dramen. Triumphale Auftritte u. a. als "Dona Sol" in Hernani von Victor Hugo.
1915 Bein amputiert, tritt dennoch auf. Französische Patriotin, weigerte sich stets, in Deutschland aufzutreten, betreut während des Ersten Weltkrieges Truppen. Gilt als berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit, einer der ersten Weltstars überhaupt.


Bertaux, Pierre [CS 37]
* Lyon 1907 + Paris 1986
Germanist, Politiker, Geheimdienstchef, bedeutender Hölderlinforscher. Vater Félix B. ebenfalls Germanist (Vermittler deutscher Literatur vor dem I. WK, unterhält bedeutenden Salon in Sèvres, in dem die Brüder Mann, Ernst Bloch, Alfred Döblin, Walter Benjamin, Ernst Weiß oder Joseph Roth verkehrten). Pariser Ecole Normale Supérieure mit Jean-Paul Sartre und Raymond Aron in derselben Klasse, dann Berlin, als erster Franzose nach 1918 immatrikuliert. Beim Rundfunk Chef des émissions parlées, 1936-37 Kabinettschef beim Unterstaatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten, später Erziehungsministerium. Während des Zweiten Weltkrieges führende Persönlichkeit der Résistance. Nach der Befreiung Commissaire in Toulouse, Präfekt, 1949 Direktor der Sûreté nationale (Posten aufgegeben, weil er alten Résistance-Gefährten, der die Juwelen des Aga Khan geklaut hatte, nicht der Justiz ausliefern will). Universitätsprofessor. Bücher über Hölderlin, Goethe, Heinrich Mann, die Spieltheorie sowie das ehedem französisch kolonisierte Schwarzafrika (für den Sudan saß er eine Zeitlang im Senat). Philosophischer Essay Mutation der Menschheit (1963), in dem er den Begriff des Fortschritts zurückstutzt und für die Zukunft eine "Ethik des Spieltriebs" entwirft. Hatte auf den französisch-deutschen Studentenaustausch so großen Einfluss, dass er in Frankreich offiziell "Programm Bertaux" hieß. Befreundet mit Carlo Schmid (sein Werk "Hölderlin und die Französische Revolution" ist diesem gewidmet). Im Vorstand der Hölderlin-Gesellschaft. Nachwort zu Anton Brenners (linker Lehrer mit Berufsverbot) "Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn". Graffito auf dem Hölderlinturm in Tübingen: Dr Hölderlin isch ed verrugd gwä!


Besatzungstruppen [RS 53]
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Europa Deutschland und Österreich in je vier Besatzungszonen aufgeteilt und durch alliierte Truppen besetzt. Sinngemäß spricht man von der Besatzungszeit und den Besatzungstruppen.



Zur Britischen Besatzungszone zählen die ehemaligen preußischen Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover (später Niedersachsen) ohne das zum Landkreis Lüneburg gehörende Amt Neuhaus, Westfalen und nördliche Teile der Rheinprovinz (später Nordrhein-Westfalen), die Freie und Hansestadt Hamburg, die Freistaaten Lippe (späater Nordrhein-Westfalen), Braunschweig ohne den Ostteil des Landkreises Blankenburg, Oldenburg und Schaumburg-Lippe (alle später Niedersachsen). Hauptquartier der Briten Bad Oeynhausen, weitere Stützpunkte Münster, Düsseldorf, Kiel und Hannover. Die Briten bedienen sich in ihrer Zone nicht ausschließlich eigener Besatzungstruppen, sondern u. a. auch belgischer und kanadischer sowie polnischer Exiltruppen. Bei räumlich abgegrenzten Gebieten, die durch Truppen anderer Nationen besetzt waren (also nicht in Gebieten gemischter Truppen) entstanden Begriffe wie "belgische Besatzungszone" und "polnische Besatzungszone" (Verwaltungshoheit bei den Briten.)
1950 veröffentlicht der Bundestagsausschuß für Besatzungsangelegenheiten Bericht, wonach die neugegründete Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 rund 4,5 Milliarden DM an die alliierten Besatzungsmächte gezahlt hat, was 50 Prozent der gesamten Bundeseinnahmen entsprach. Für jeden Bundesbürger bedeutete dies einen Anteil von 95,46 DM, was fast einem durchschnittlichen Monatslohn gleichkam. 1951 wird die Demontage in der Bundesrepublik eingestellt.


Bethesda, Teich von [AW 204]

Bethesda (Betzada; Betsaida) war der Name eines Teiches in Jerusalem, dem heilende Kräfte zugesprochen wurden. Nach Johannes 5, 1 - 15 war er von Hallen umbaut, in welchen viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Gebrechliche lagen. Der Name ist vom aramäischen beth hasada, "Haus der Gnade" abgeleitet. Unmittelbar daneben wurde 1142 von den Kreuzfahrern die St.-Anna-Kirche erbaut.


Bethnal Green [CS 225] [AUS 199]

Stadtteil im Londoner Stadtbezirk London Borough of Tower Hamlets, U-Bahn-Station in London East End


Betty [LL 125]
Betty Tendering


Beweinung [NN 32]
siehe Aschaffenburger Beweinung


Beyle, Henri [Schwindel. Gefühle. 8ff]

Marie-Henri Beyle, Stendhal * Grenoble 1783 + Paris 1842
Französischer Schriftsteller. Vater Anwalt am Obersten Gerichtshof der Provinz Dauphiné. Mit sechs Mutter bei der Geburt der jüngsten Schwester verloren, traumatisiert. Gefördert vom Großvater. Paris, um an der neuen École Polytechnique zu studieren, fängt an, Theaterstücke und anderes zu schreiben. Nimmt als blutjunger Offizier 1800 an Napoleons siegreichem Italienfeldzug teil, Adjutant eines Generals, etwickelt sich zum Liebhaber italienischer Kunst, Musik und Lebensart. In Bordell mit Syphilis infiziert, 1808 Kaiserlicher Intendant (Art Oberaufseher und Verbindungsmann) für das Département Oker des 1807 gegründeten Königreichs Westfalen, 1812 Teilnahme an Napoleons Russlandfeldzug. Wiederum Syphilis. Mailand, Literat mit Biografien, kunsthistorischen Werken und Reisebüchern, zunächst unter wechselnden Pseudonymen, schließlich dauerhaft als ?M[onsieur] de Stendhal?. 1818 begegnet er seiner großen, unerfüllten Liebe Metilda Dembowski, Gattin eines österreichischen Generals. 1821 als Verschwörer verdächtigt. Paris, London, Italien, 1824 Paris: Journalist. 1830 "Le Rouge et Le Noir". Reisen, historischen Novellen. 1838 "La Chartreuse de Parme"
Siehe


Biblioteca Civica [SG 138ff]
Stadtbibliothek Verona. Dort sucht der Icherzähler nach oberitalienischen Spuren Kafkas aus der Zeit dessen Badereise [SG 166ff]


Bibliothèque de la Pléiade [CS 46]
Seit 1931 eine der wichtigsten Sammlungen französicher Autoren, heute auch Weltliteratur, bei Gallimard. Ledergebunden, Goldschnitt oder Luxusausgaben, hohes Gewicht.


Bidi [LL 46]
indische zigarettenähnliche Tabakware aus einem Tendublatt (Ceylon-Ebenholz, Diospyros melanoxylon) als Hüllblatt und Tabak oder anderen Kräutern als Füllung. Sehr trocken, stark, häufig parfümiert.
Raucher nimmt im Vergleich zu einer normalen Zigarette dreimal mehr Kohlenmonoxid und Nikotin, und sogar fünfmal mehr Teer zu sich.
Bidi-Roller meistens Frauen oder Kinder in Heimarbeit. Wegen des Tabakstaubs leiden viele schon in jungen Jahren an Lungenkrankheiten. In Deutschland - anders in Österreich und der Schweiz - nicht mehr zum Vertrieb zugelassen,


Biebow, Hans [AW 353]

* Bremen 1902 + Lódz 1947 Leiter der nationalsozialistischen deutschen Verwaltung des Ghettos Litzmannstadt in Lódz. Kaffeehändler, biszum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Jahresumsatz von einer Mill. Reichsmark, 250 Angestellte. 1937 Eintritt NSDAP. Bekanntschaft mit Reinhard Heydrich, Chef des SS-Sicherheitsdienst, ernennt ihn 1940 zum Leiter der "Ernährungs- und Wirtschaftsstelle Ghetto". Biebow sind 250 Mitglieder der deutschen "Ghetto-Verwaltung" sowie der Judenrat im Ghetto Lodz unterstellt, der direkt an ihn berichten muss. Biebow ordnete "Ankauf" der Besitztümer der Juden zu einem Spottpreis an, führt zu Mehreinnahmen von 18.181.600 RM, kommt Enteignung gleich. Die Schwerstarbeit, die die Juden im Ghetto verrichten müssen, wift einen monatlichen Gewinn von etwa 1 Mio. Reichsmark ab, ohne dass Biebow für die Zwangsarbeiter ausreichende Ernährung gewährleistet. Biebows Befehlsempfänger im Ghetto ist Mordechai Chaim Rumkowski, der Vorsitzende des Judenrates, seit 1939 von den Nazis zur Kollaboration gezwungen. 1942 ordnet Biebow die Deportation des Großteils der Ghettobewohner (etwa 55.000 Personen) in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) an. Nach seiner Erklärung 1942 gibt es im Ghetto wegen des Kräfteverfalls "keine Arbeitskräfte mehr, die zu körperlich schwerer Arbeit fähig wären". Juni 1944 Befehl zur totalen "Liquidierung" des Ghettos, die der Vorsitzende des Judenrates im Ghetto als "Verlegung" bekannt geben muss.
Biebow taucht nach der Kapitulation 1945 in Deutschland unter, wird von Überlebendem des Ghettos erkannt, von den Alliierten an Polen ausgeliefert, 1947 in Lódz zum Tode verurteilt und hingerichtet.


Bieler See [LL 45ff]
frz.: Lac de Bienne. Mit Murten- und Neuenburgersee einer der drei grossen Jurarandseen der Schweiz im so genannten Drei-Seen-Land. 15 km lang und max. 4,1 km breit. maximale Tiefe ca. 74 m.


Entstanden aus dem Solothurnersee, der nach der letzten Eiszeit eine Länge von 100 Kilometer erreicht hatte. Wichtigste Attraktion die St. Petersinsel bei Erlach, auf der sich Jean-Jacques Rousseau mehrere Wochen seines Lebens aufhielt.


Billings, Joseph [NN 55]
* um 1758 " Moskau 1806 Britischer Seemann, Uhrmacher, Navigator, Expeditionsleiter.
1776 Hilfsastronom auf "Discovery" bei dritter Entdeckungsreise von James Cook im Pazifischen Ozean. Nach Kapitän Clerkes Tod vor der Küste Kamtschatkas wechselt er 1779 auf die "Resolution" . 1782 wegen Schulden inhaftiert. Aufgrund seiner Erfahrungen mit Cook von Zarin Katharina II. mit Leitung der Expedition zur geographischen und wissenschaftlichen Erkundung des Nordpazifiks betraut. Mit Gawriil Andrejewitsch Sarytschew erkundet und kartographiert er im Verlauf der neunjährigen Seereise zwischen 1785 und 1794 die Tschuktschen-Halbinsel, die Beringstraße, die Inselkette der Aleuten sowie die Küste Alaskas. Instruktionen für Billing von Peter Simon Pallas. An Expedition nimmt der deutsche Naturforscher Carl Heinrich Merck (1761-1799) teil. Insgesamt erreicht sie die meisten der Ziele nicht, weil Billings ungeeignet. Nach Rückkehr zur Schwarzmeerflotte, 1797/98 hydrographische Studien an der russischen Küstenlinie des Schwarzen Meeres, von Zeitgenossen geschätzt "Maps and views of the Black Sea area belonging to the Russian empire" (1799)


Bishopsgate [AUS 187, 190]
one of the 25 wards of the City of London, also the name of a major road (part of the A10) between Gracechurch Street and Norton Folgate in the northeast corner of London's main financial district, named after one of the original eight gates in the London Wall. The site of this former gate is marked by a stone bishop's mitre, fixed high upon a building located at Bishopsgate's junction with Wormwood Street, by the gardens there and facing the Heron Tower.
The wards are survivors of the mediaeval governmental system that allowed very small areas to exist as self-governing units within the wider city. They are both electoral/political sub-divisions and permanent ceremonial, geographic and administrative entities within the City. They had their boundaries changed in 2003, though the number of wards and their names did not change.
In Bisopsgate befanden sich die Straßen Angel Alley (long and mean), Peter Street, Sweet Aplle Court (so called from Sir John Sweetapple, Goldsmith, the Owner thereof, a good handsome new built place, with an open Passage for Carts) und Swan Yard.


Blasius [NN 9]
Blasius von Sebaste,+ um 316
Bischof von Sebaste/Armenien, in der katholischen und orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt .
Einer der vierzehn Nothelfer


Bleibtreustrasse [RS 215]

Straße im Berliner Ortsteil Charlottenburg von der Lietzenburger Straße über Kurfürstendamm, Mommsen-, Kant- zur Pestalozzistraße. (benannt nach dem Maler und Grafiker Georg Bleibtreu), in Nr. 2 1927 jüdisches Quellbad (Mikwe) eröffnet.
Hier wohnt bis 1933 der Professors für Kinderheilkunde Richard Hamburger (1884–1940) und dessen Frau Lili Hamburger, geb. Hamburg, eine jüdische Familie, die Eltern von Michael Hamburger , der 1933 mit seiner Familie von Berlin über Edinburgh nach London emigriert.


Bleichfelder [AUS 187]
Bleichplätze: Arbeiter verteilten beim Bleichen das Bleichwasser aus den Wassergräben oder Bächen auf dem ausgebreiteten Leinen, Garne oder Tuch. Auf den Bleichfeldern wurden Gräben in geeignetem Raster gezogen oder die Bleichlauge (Büke) in großen Zubern (Bütten) bereitgestellt. Dann wurde die Bleichware von zwei Seiten beschöpft (gegüttet), damit auch bei Wind die Büke vollständig verteilt wurde.


Bleistiftsystem [LL 152]

In seiner Berner Zeit schreibt Robert Walser ab 1921 in immer stärker verdichteter Form "Mikrogramme": Entwürfe und Texte in winziger, schwer zu entziffernder Bleistiftschrift. Es sind Gedichte, Prosastücke, Szenen und ganze Roman (etwa Der Räuber), die er nur teilweise in Reinschrift ausführt.
Die in den mikrographischen Bleistiftentwürfen enthaltenen, sonst unbekannten Texte werden erst von 1972 bis 2000 entziffert ("Aus dem Bleistiftgebiet") und sind verstärkt Gegenstand der Forschung.
Von Schwerin vertritt in "Minima Aesthetica" die Auffassung, dass die Mikrogramme - formal und inhaltlich - auch im Kleinsten, Fragmentarischen und Verstreuten Miniaturkunst und auf ihre eigene Weise in "Kleinstbezügen" ein eigenständiges Werk des 20. Jahrhunderts bilden. Die Mikrogramme minima aesthetica, hermetisch in sich abgeschlossene, eigenen Gesetzen gehorchende "Metatexte" praktizierten an der Schwelle des eigenen Verschwindens die Kunst des in sich Verschwindenlassens, eine Vorstellung einer Literatur am "Nullpunkt" und wesentlicher Bestandteil von Walsers Werk.
Sie stellt Verknüpfungen zur Medientheorie und Paul Klee her und verdeutlicht die ganz "eigene ästhetische Logik" der Texte Walsers.



Bleston [Über das Land und das Wasser 22ff]
fiktive englische Stadt, in der Jacques Revel, ein Franzose in Michel Butors Roman L´Emploi du temps zeitlich genau situierte Aufzeichnungen macht, um sich über seinen Hass auf die ihn aufsaugende fremde Stadt, sich selbst und ihre makabren Geheimnisse Klarheit zu verschaffen. Revel ist Praktikant für ein Jahr bei einer Exportfirma, Akt des Schreibens zentrale Rolle des Romans (Sebalds Bleston=Manchester (Mancunian Cantical)
Le meurtre de Bleston ist aber auch die Kriminalgeschichte von George Hamilton, die Jacques Revel als Wegweiser durch die fremde Stadt dient (Die Erlebnisses des Ich-Erzählers von den Schwindelgefühlen in Norditalien lassen grüßen!)


Bletsoe [RS 243]
Hund, Labrador, von Edward FitzGerald


Bloch, Ernst [LL 12f.]
1885-1977 marxistischer Philosoph
siehe


Blyth [RS 165]
Fluss in Suffolk



Bodleian [AUS 395]
Bodleian Library (Bodleiana) Hauptbibliothek der Universität Oxford, zählt zu den fünf Pflichtexemplarbibliotheken im Vereinigten Königreich, bei denen nach den Regeln des Legal deposit jedes im Land gedruckte Werk zu hinterlegen ist. Zurzeit rund 9 Millionen Einheiten auf 176 Regalkilometern, davon mehr als 6,5 Millionen Bände. Nach Umbenennung der Oxford University Library Services 2010 in Bodleian Libraries umfasst das Oxforder universitäre Bibliothekssystem über 100 Teilbibliotheken, von denen die Bodleian für rund 40 Bibliotheken zuständig ist


Böhmisches Meer [SG 165]
siehe bei Mila Stern . Shakespeares nachlässiger Umgang mit der europäischen Geografie bei der Lage Böhmens in seinem "Wintermärchen" hat Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht "Böhmen liegt am Meer" aufgegriffen.


Böll, Heinrich [CS 70]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 83, 182, 255]

* Köln 1917 + Kreuzau-Langenbroich 1985
deutscher Schriftsteller, Übersetzer. Einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. 1972 Nobelpreis


Bösendorfer [AUS 238]
Wiener Klavierfabrik, Hersteller von Klavieren und Flügeln. Die Flügel von B. begleiten im 19. und 20. Jhrt die Entwicklung der Klaviermusik maßgeblich


Bois de Vincennes [AUS 402]
Bois de Vincennes (nicht Vicennes, wohl Druckfehler)
ein als englischer Landschaftspark gestalteter Stadtwald am östlichsten Ausläufer von Paris. 995 Hektar, wichtiges Naherholungsgebiete der Stadt, beliebtes Ausflugsziel.

Im Norden begrenzt von Vincennes mit dem gleichnamigen Schloss und von Fontenay-sous-Bois, im Osten von der Marne, im Süden von Charenton-le-Pont und im Westen von der Ringautobahn Périphérique und Saint-Mandé. Wanderwege (60 km), Reitwege (19 km), drei künstliche Seen mit Inseln, Blumenpark Parc Floral (28 Hektar), Sportanlagen, Freizeit-, Vergnügungs- und Unterhaltungsstätten. Trabrennbahn Hippodrôme de Vincennes, Sportinstitut INSEP, Reitklubs, der Zoo von Vincennes (geschlossen), Théâtre de la Cartoucherie sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Modell-Bauernhof, Schule für die Ausbildung von Blindenführhunden.


Bol, Ferdinand [RS 242]
* Dordrecht 1616 + Amsterdam 1680 niederländischer Maler, Schüler Rembrandts, Radierungen in seinem Stil, einige Werke Rembrandt zugeschrieben
Louis Trip, 1652 Mauritshuis Den Haag


Bolzano, Bernardus Placidus Johann Nepomuk [UH 19]
1781 - 1848 katholischer Priester, Philosoph und Mathematiker. (Satz von Bolzano-Weierstraß nach ihm benannt). studiert Philosophie, Mathematikd, Physik Theologie an der Prager Karls-Universität. 1804/05 promoviert, Dr. phil. 1805 Priesterweihe, Lehrstuhl für Religionsphilosophie.
Von seinen Studenten wegen seiner liberalen und böhmisch-patriotischen Ansichten bewundert. Seine Vorlesungen geprägt von gesellschaftlicher Kritik und analytischem Scharfsinn. Bolzano kritisiert österr. Verfassung, vertritt pazifistische und sozialistische Ansichten, 1819, begründet durch angebliche Irrlehren, von Kaiser Franz I. amtsenthoben. 1816 bis 1825 Untersuchung gegen Bolzano, wo Inhaftierung droht. Erbauungsreden und Lehrbuch der Religionswissenschaft 1828 bzw. 1839 auf den Index.
konstruiert als erster Funktion, die überall stetig, aber nirgends differenzierbar ist (Bolzanofunktion)ferner beschäftigt mit großen und unendlich kleinen Zahlen.


Bonaparte, Joseph [CS 8]
eigentlich Giuseppe B. * Corte/Korsika 1768 + Florenz 1844 älteste Bruder Napoléon Bonapartes, erst zum König von Neapel (1806?1808), dann zum König von Spanien (1808?1813) ernannt


Bonaparte, Letizia [CS 8]
oder Laetitia geborene Ramolino * Ajaccio, Corsica 1750 + Rom 1836, genannt Madame Mère, Mutter Napoléon Bonapartes. Verheiratet 1764 mit Carlo di Buonaparte. Als sich dieser dem korsischen Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich anschließt, begleitet sie ihren Mann - mit Napoléon schwanger und Sohn Giuseppe an der Hand - in die Berge.
Vater: Giovanni Geronimo Ramolino, Hauptmann der Kavallerie in Genf * 1723 + 1755 verheiratet 1747 mit
Mutter: Angela Maria de Pietra-Santa * 1723 + 1795, verheiratet in zweiter Ehe 1757 mit Franz Faesch, Kapitän eines in französischem Dienste stehenden Schweizerregiments
Sohn: Joseph Fesch (damit Stiefonkel Napoléons)


Borges, Jorge Luis [RS 34, 87ff]
* Buenos Aires 1899 + Genf 1986
Argentinischer Schriftsteller
Herausgeber des Bestiariums El libro de los seres imaginarios (Buenos Aires 1974), in dem auch der Baldanders aufgeführt ist.
Tlön, Uqbar, Orbis Tertius 1944 siehe und


Borneo [RS 202]
Insel im Indonesischen Archipel aufgeteilt zwischen Indonesien, Malaysia und Brunei. 751.936 km² nach Grönland und Neuguinea drittgrößte Insel der Welt. Küste wenige Buchten, durch Mangrovensümpfe relativ unzugänglich, weite Teile mit dichtem Urwald bewachsen. Durch die wenig kontrollierte Abholzung indonesische Regierung auf internationaler Ebene in die Kritik geraten. Nach Abholzung des Dschungels entstehen riesige Monokulturen von Palmöl-Plantagen. Die CO2-Emissionen Indonesiens, des viertgrößten Emittenten weltweit, zu 80 % auf Entwaldung zurückzuführen. Prognose des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen: bis 2022 98 % der Wälder degradiert oder verschwunden


Borodium [RS 291]
gemeint 'Herodium' siehe


Bosniaken [RS 120]
bosnisch: Bo?njaci, Ethnie mit etwa 3 Millionen Angehörigen, die primär in Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro, insbesondere dem Sandschak sowie in der Diaspora in Europa und Nordamerikas leben. Da die Konfession im Osmanischen Reich und im späteren Jugoslawien als Unterscheidungskriterium der Nationalitäten in Bosnien und Herzegowina verwendet wurde, war lange Zeit der Begriff "Muslime" (bzw. ?slawischsprachige Muslime?) üblich. Die Bosniaken sind neben Kroaten und Serben laut Verfassung eines der drei konstitutiven Völker Bosniens und Herzegowinas. Heute mit dem Wort "Bosnier" (Bosanci) im Allgemeinen Angehörigen des Staates Bosnien und Herzegowina unabhängig von der Volksgruppe bezeichnet, während man mit "Bosniaken" (Bo?njaci) die vormals als Bosnische Muslime (oder auch Slawische Muslime) bezeichnete Volksgruppe unabhängig vom Wohnort bezeichnet.
Bosniaken sprechen eine Variante des ?tokavischen, die als bosnische Sprache bezeichnet wird. Die von ihnen verwendete standardsprachliche Form des ?tokavischen wird heute von den Ländern des Westbalkans offiziell als eigenständige Sprache betrachtet. Sie weist etwas größere Einflüsse der türkischen (mit ca. 1800 Lehnwörtern) und der arabischen Sprache auf als andere Varietäten des Serbokroatischen. Im kulturellen Bereich sind osmanische Einflüsse klar erkennbar.
Bis zum Bosnienkrieg 1992 stellten die Bosniaken vor allem die Stadtbevölkerung des Landes, sie siedelten vor allem im Zentrum und im Osten Bosnien und Herzegowinas sowie in der Region Bihac im Westen. Nach den ethnischen Säuberungen während des Krieges konzentrieren sie sich inzwischen auf den Raum Bihac und die Region um die Städte Sarajevo, Zenica und Tuzla.


Bosnien [RS. 121]
nördlicher Landesteil des Staates Bosnien und Herzegowina und umfasst etwa zwei Drittel des Staatsgebiets. Es bildet heute keine administrative Einheit mehr, sondern ist innerhalb des Staates Bosnien und Herzegowina auf die Republika Srpska, die Föderation Bosnien und Herzegowina, sowie Distrikt Brcko aufgeteilt.
1878 wird Bosnien österreichisch-ungarischer Verwaltung unterstellt (Kondominium), während es bis 1908 formell weiterhin dem Sultan untersteht. In dieser Zeit Begriff Bosnien und Herzegowina (Bosna i Hercegovina) geprägt. 1908 annektiert Österreich-Ungarn Bosnien-Herzegowina und löst damit die Bosnische Annexionskrise aus. Das Attentat von Sarajevo 1914 durch Mitglieder der Studentenbewegung Mlada Bosna und der serbischen Widerstandsgruppe Schwarze Hand von Österreich-Ungarn mit einem Ultimatum und schließlich einer Kriegserklärung gegenüber dem Königreich Serbien beantwortet, was wegen der Garantien der damaligen Großmächte untereinander und gegenüber kleineren Staaten zum Ersten Weltkrieg führt.


Botticelli, Sandro [CS 8]
eigentlich Alessandro di Mariano Filipepi
* Florenz 1445 + ebda. italienischer Maler und Zeichner der frühen Renaissance
Jungfrau mit Kind und Engel (Musée Fesch)


Boulge Park [RS 7]



Bourgeois [LL 100]
siehe bei Citoyen


Bowery [AW 121]



Bragation, Fürst von [AUS 104]
Russischer Befehlshaber in der Schlacht bei Austerlitz


Brahms, Johannes: Klarinettenquintett [CS 226] [AW 61]
siehe bei Musik


Brasilien [RS 202]
Der Name Brasilien hat nichts mit Holzkohle zu tun, er geht auf (port) pau-brasil Brasilholz des Baumes Caesalpinia echinata zurück. "Brasa" bedeutet im "Glut", "glühende Kohlen"; das Adjektiv "brasil" ("glutartig") bezieht sich auf die Farbe des Holzes, das, wenn geschnitten, rot leuchtet und in Europa zum Färben von Stoffen benutzt wurde. [andere Quelle: mit "brasil" bezeichneten die indigenen Ureinwohner das rotfarbene Palisanderholz]. Diese heute vom Aussterben bedrohte Baumart ist zur Zeit der frühen Kolonisation in den Wäldern der brasilianischen Atlantikküste weit verbreitet und wichtiges Ausfuhrprodukt der Region.
Holzkohl heißt (frz) Charbon de bois


Braun, Lily [SG 256]
geboren als Amalie von Kretschmann * Halberstadt 1865 + Berlin 1916 deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin.
Tritt früh der SPD bei, wird eine der Führerinnen der deutschen Frauenbewegung. Versucht, zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung zu vermitteln, wird dafür aber von beiden Seiten scharf kritisiert. Die von ihr propagierte Idee, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit zu verbinden (ein Modell, das sie selbst lebte), von beiden Seiten kritisiert. Als Tochter aus adligem Haus von der sozialistischen Frauenbewegung ? allen voran Clara Zetkin und Ottilie Baader ? eher abgelehnt.
Werke: Memoiren einer Sozialistin " Lehrjahre (Roman) und Kampfjahre (Autobiographie)


Braunmühl, Anton Adalbert Edler von [AW 164]
(1901 - 1957), deutscher Psychiater. Pionier der somatischen Therapie psychischer Erkrankungen, wendet in großem Umfang Schocktherapien an, inbes. die Elektrokrampftherapie. Seit 1946 als Direktor der Anstalt Eglfing-Haar (durch amerikanische Mlitärverwaltung).
Spekuliert über mögliche Krankheiten Adolf Hitlers, etwa Paralysis Agitans (Parkinson-Krankheit); Laienmaler.
Wendet Insulinschocktherapien kombinierte mit Cardiazolschocktherapie an, erprobt Krampfmittel Azoman. Erwirbt Elektrokrampf-Gerät bei Siemens, verabreicht bis 1941 ca. 6.000 Krampfbehandlungen, entwickelt mobile, von Hand geführte Elektroden. Wendet sich gegen Kritiker der somatischen Behandlungsmethodenatrie (die sie mit Drehstuhl oder der Spritzmaschine vergleichen). Bereits kurz nach Eröffnung der Insulinstation stirbt Patient an der Therapie . Radikale Betonung der Therapie Teil der NS-Psychiatrie, nicht heilbare Ptienten, sind der Vernichtung preiszugeben. Befürworter der Zwangssterilisation, weil er Ursache der psychischen Krankheit in den Erbanlagen begründet sieht. In Eglfing-Haar um diese Zeit das Psychiatrieprogramm des Nationalsozialismus in besonders extremer Weise umgesetzt: Während Braunmühl mehr als 500 Patienten mit modernsten Methoden therapiert, werden mehr als 1.800 Menschen in die Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim deportiert und dort ermordet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehört er zu den ersten deutschen Psychiatern, der Leukotomie an seiner Anstalt einführt.


Braybrooke, Robert [SG 296]
* Northamptanshire 1336/37 + 1404. Bischof von London, 1382?1383 Lord Chancellor of England. Kanonist, Alumnus der Universität Oxford, Sekretär Richards II., den er 1382 in Westminister traute (mit Anna, Tochter Kaiser Karls IV. gen. Wenzel ), Rector of Comworth. Grab mit Messingplatte in St. Paul's Cathedral. Das Große Feuer von London zerstört einen Teil der Krypta; beim Wiederaufbau findet man des Bischofs Leiche fast vollständig erhalten ?all tough and dry like a spongified leather.? Der Dekan von St. Paul?s läßt Braybrooke ausstellen. Lord Coleraine erzählt, eine wichtige Dame vom Hof Charles II., Barbara, Lady Castlemaine, sei erschieinen und habe dem Wärter befohlen, sie mit der Leiche kurz allein zu lassen. Nachdem sie gegangen ist, entdeckt er, dass des Bischofs Penis entfernt ist und vermutet, dass Castlemaine dies mit ihrem Mund getan habe.


Break [AW 309]

Wagentyp (schwere Wagonette): Schweres und hohes Fuhrwerk, meist ohne Spritzbrett, zum Einfahren („Brechen“, engl. to break) junger Pferde
Wagonette Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelter offener gefederter Pferdewagen, hinter dem Fahrersitz bzw. der Fahrersitzbank auf den Seiten der Kutsche zwei gegenüberliegende Sitzbänke montiert, Passagiere steigen hinten zu


Breakers [AW 128, 132]

Hotel "The Breakers", das 1896 in Palm Beach seine Pforten öffnete und von Flagler erbaut worden war, um die Passagiere seiner neuen, in den Ort führenden Eisenbahnlinie zu beherbergen. Henry Flaglers Eisenbahnlinien waren der zündende Funke für die Erschließung weiter Teile Floridas. Er baute auch Hotelresorts, das Breakers Hotel und das


Royal Poinciana Hotel, sie bildeten den Kern des heutigen Palm Beach. Flagler selbst ließ sich in Palm Beach ein Haus errichten und sorgte so mit für das steigende Interesse gehobener gesellschaftlicher Kreise an der Gegend. 1894 verlieh West Palm Beach sich das Stadtrecht und in diesem Rahmen wurden Baurichtlinien und Gesetze erlassen, die dafür sorgten, dass die bis dahin bisweilen recht ärmlichen Unterkünfte stabilen Bauten Platz machen mussten. Dies erwies sich als Glücksfall, denn als in den 1920ern scharenweise Investoren nach Florida kamen, stießen sie hier auf bereits gut entwickeltes Gebiet, das vom einsetzenden Boom nachhaltig profitieren konnte. Wichtigste Sehenswürdigkeit Palm Beachs ist "The Breakers", ursprünglich eine Ergänzung zum riesigen "Royal Poinciana Hotel" mit seinen Unterkünften für 2000 Menschen. Obwohl in Großfeuern 1903 und 1925 schwer beschädigt, lief es dem Nachbarhotel bald den Rang ab, so dass vom Royal Poinciana heute nur noch eine Gedenktafel existiert - das Gebäude wurde 1935 abgerissen.


Bredfieldhouse [RS 7, 232]
Bredfield House (auch als White House bekannt) im Dorf Bredfield . Gebäude im jakobinischen Stil und Sitz der Familie Jenney. Geburtshaus von Edward FitzGerald
Im 2. Weltkrieg durch V-1-Rakete schwer beschädigt und danach vollständig abgetragen.
Details siehe


Breendonk, Festung [AUS 27ff]
[CS 153]
Fort in Flandern bei Willebroek; Lage siehe Mechelen
ca. 260 m * 106 m, umgeben von Wassergraben (ca. 3 m und 40 m breit), weitgehend von Erde bedeckt. Ursprünglich Teil des Verteidigungsgürtels um Antwerpen, Baubeginn 1906. 1940 belgisches Hauptquartier, von der Gestapo im September 1940 als Auffanglager eingerichtet. Zentrum der Aktivitäten des Sicherheitsdienstes in Belgien und Nordfrankreich, bis zur Befreiung mindestens 3.532 Menschen inhaftiert, die Hälfte etwa umgekommen. Dann staatliches Internierungslager, seit 1947 Gedenkstätte. .


Haupteingang


Schlafraum für 48 Menschen


Folter


Waggon zur Deportation der Menschen


Trage und Schubkarre


SS-Leute


Kasino der SS-Leute




Arbeiten am Wall




Hinrichtungsstätte




Bregenzer Festspiele [CS 235 ff]
jährliches Kulturfestival im Juli und August in Bregenz (Vorarlberg, Österreich)
Seit 1946, ab 1952 steht den Festspielen mit der 6.400 Personen fassenden Tribüne die größte Seebühne der Welt zur Verfügung, 1979 durch Umbauten zunächst auf 4.400 Plätze reduziert, inzwischen wieder knapp 7.000 Zuschauer fassend. Jährlich große Produktion des Musiktheaters, anfänglich meist Operetten, Singspiele oder Spielopern, seit den 1970er-Jahren vermehrt Opern des internationalen Repertoires und Musicals.
1957 Zar und Zimmermann von Albert Lortzing
1967 Zar und Zimmermann von Albert Lortzing (Holzschuhtanz)
1985 I Puritani von Vincenzo Bellini
1987 Ernani von Giuseppe Verdi
1994 Nabucco von Giuseppe Verdi



Breitbach, Therese [LL 130, 156]
* Koblenz-Ehrenbreitstein nach 1905 + Uberlandia/Brasilien 1996, das "Fräulein Resy" von Robert Walser
Vater Rektor der Volksschule Johann Breitbach Mutter Charlotte, geb. Saleck.
An sie, seine Leserin, schreibt Walser 1925-1932 eine Vielzahl von Briefen.
Resy arbeitet als Krankenschwester in mehreren Orten im Rheinland. 1934 bekommt sie ein Mädchen will aber den Vater nicht heiraten. 1935 Heirat mit Günther Brune, Auswanderung nach Brasilien, wo sie in Uberlandia die erste Einrichtung zur Rehabilitation von postoperativen Patienten und chronisch Behinderten eröffnet und als Dorla Theresa stadtbekannt wird.
Therese Breitbach ist eine jüngere und die Lieblings-Schwester des Schriftstellers Joseph Breitbach


Bremer Roland [RS. 53]

1404 errichtete Rolandsstatue auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, Wahrzeichen Bremens.
Höhe der Figur 5,47m. Rücken von Pfeiler gestützt, von gotisch ornamentiertem Baldachin gekrönt, Gesamthöhe 10,21m, größte freistehende Plastik des deutschen Mittelalters.
1939 Luftschutzmaßnahmen: mit Sand gefüllte Holzverschalung und gemauerter Splitterschutz. Bei der letzten Renovierung 1989 im Inneren des Standbilds eine Kassette mit Nazipropaganda, 1938 dort deponiert, entdeckt


British Museum [AUS 395]
BM, Britisches Museum London eines der größten und bedeutendsten kulturgeschichtlichen Museen der Welt.

Panorama Lesesaal British Museum Library, neu 2000 als Lesesaal British Library mit 25.000 Nachschlagewerken eröffnet


Brightsche Krankheit [RS 184]
Nierenerkrankung, benannt nach dem englischen Arzt Richard Bright, der seine Erfahrungen mit der Krankheit 1827 veröffentlicht


Broadgate [AUS 190]
siehe


Broadstreet Station [AUS 188, 190]
früher bedeutender Bahnhof am nördlichen Rand der City of London, unmittelbar neben dem Bahnhof Liverpool Street, Endstation der Bahngesellschaft North London Railway. 1986 abgerissen, der einzige ersatzlos aufgegebene Kopfbahnhof im Stadtzentrum Londons,1865 eröffnet.
Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs entstand das große Büro- und Einkaufszentrum Broadgate


Broch, Hermann [UH 13f.]
1886 - 1951 österreichischer Schriftsteller, siehe wiki


Brockenhaus [RS 49]
schweiz.: (oder Brockenstube) Selbstbezeichnung vieler Gebrauchtwarenläden für preiswerte gebrauchte Alltagsgegenstände, auf Bibelstelle (Johannes 6.12) über die Speisung der Fünftausend zurückgehend, wonach Jesus zu seinen Jüngern spricht: "Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verloren gehe!" Bodelschwingh, Gründer der Bethelmission, eröffnet Sammel- und Verkaufsstelle für gebrauchte Waren, deren Ertrag der Finanzierung seines sozialen Werkes dient. Er nennt sie in Anlehnung an die Bibelstelle ?Brockenhaus?.


Brod, Max [UH 38][CS 179ff]
1884 - 1968 deutschsprachiger jüdischer Schriftsteller, Übersetzer und Komponist. Sein einst sehr erfolgreiches literarisches Werk heute weitgehend unbeachtet. Verdienst um die Werke von Kafka und Leo Janácek. Entdecker des Dichters Franz Werfel. Begegnet während der Studienzeit 1902 zum ersten Mal Franz Kafka. Brod hielt Vortrag über Arthur Schopenhauer. Auf dem Nachhauseweg spricht Kafka ihn an. Fortan häufiges, oft tägliches Treffen, bis zu Kafkas Tod eng befreundet. Franz Kafka lernt im Elternhaus Brods 1912 seine spätere Freundin und Verlobte Felice Bauer kennen, Kusine von Brods Schwager Max Friedmann. Zusammen mit Brods engem Freund Felix Weltsch und Franz Kafka bilden diese drei den so genannten engen ?Prager Kreis?. 1916 Aufsatz in der von Martin Buber herausgegebenen Zeitschrift "Der Jude" Jüdische Volksmelodien, wo Brod drei spezifisch jüdische Merkmale in der Musik Mahlers herausarbeitet. Kafka stirbt 1924 und hat letztwillig verfügt, alle seine literarischen Aufzeichnungen zu vernichten, als Nachlassverwalter Max Brod eingesetzt. Brod glaubt, die angeordnete Vernichtung von Kafkas Notizen kulturell nicht verantworten zu können, fühlt sich sittlich verpflichtet, die Welt auf Leben und Denken Kafkas aufmerksam zu machen. Brod rühmt Kafka als den ?größten Dichter unserer Zeit?, beginnt 1925 mit der Veröffentlichung der Romanfragmente Kafkas.
Der Ich-Erzähler in CS fühlt sich, auch weil er als "Max" bezeichnet wird (Sebald benutzte nur diesen Vornamen) als das Alter Ego von Max Brod


Browne, Sir Thomas [R S. 5, 8, 19ff, 91, 97, 321ff, 350]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 117f.]


* London 1605 + Norwich 1682
Mediziner, Schriftsteller, Polyhistor
Seine Schriften zeigen eine tiefe Neugier gegenüber der natürlichen Welt. Seine vollendete literarische Kunst zeigt sich in seinen Werken, die durchdrungen sind von häufigen Verweisen auf klassische und biblische Quellen und seiner höchst eigenwillige Persönlichkeit. Sein literarischer Stil variiert je nach Genre in ungewöhnlicher Prosa, von groben Notizen bis zur höchsten barocken Beredsamkeit.
Sohn eines Seidenhändlers aus Upton. Sein Vater starb, als Brown noch jung ist. 1623 Oxford University, graduiert am Pembroke College, niedergelassen in Norwich 1637, wo er praktiziert bis zu seinem Tod 1682. Nach M. A. in Oxford kurz Arzt in Oxfordshire, begleitet dann Schwiegervater Sir Thomas Dutton nach Irland zur Inspektion von Schlössern und Forts. Sodann Weiterbilding an der berühmten Medizinerschule in Montpellier und Padua, eine der berühmtesten italienischen Universitäten. In Leiden Doktor der Medizin, zurück nach England, wo er in Norwich als bekannter Arzt die letzte Hoffnung vieler Patienten wird, weil er ein äußerst erfolgreicher Physikus ist. 1641 Heirat mit Dorothy, Tochter Edward Milehams von Burlingham/Norfolk, 11 Kinder. Ehrenmitglied des Coll. of Physitians in London, 1671 geadelt.
Werke:

  • 1635 Religio Medici
  • 1646 Pseudodoxia Epidemica
  • 1658 Hydriopathia
  • 1658 Urn-burial or, a discourse of Sepulchral Urns, lately found out in Norfolke [Zitat:Among these urns we could obtain no good account of their coverings; only one seemed arched over with some kind of brickwork. Of those found at Buxton, some were covered with flints, some, in other parts, with tiles; those at Yarmouth Caster were closed with Roman bricks, and some have proper earthen covers adapted and fitted to them. But in the Homerical urn of Patroclus, whatever was the solid tegument, we find the immediate covering to be a purple piece of silk (Die Ringe des Staurn . 39!): and such as had no covers might have the earth closely pressed into them, after which disposure were probably some of these, wherein we found the bones and ashes half mortared unto the sand and sides of the urn, and some long roots of quich, or dog's-grass, wreathed about the bones.]
  • The Garden of Cyrus: or, the Quincuncial, Lozenge or Net-work plantations of the antients, artificially, naturally, mystically considered, with sundry observations.
  • 1683/4 The Miscellany Tracts
    nämlich (u.a.)
    - TRACT I. OBSERVATIONS Upon several PLANTS Mention?d in Scripture.
    - TRACT II. OF GARLANDS AND Coronary or Garland-plants
    - TRACT III. OF THE FISHES Eaten by OUR SAVIOUR WITH HIS DISCIPLES After His Resurrection from the Dead.
    -TRACT IV. AN ANSWER To certain QUERIES Relating to Fishes, Birds, Insects.
    - TRACT V. OF HAWKS AND FALCONRY
    - TRACT VIII. OF LANGUAGES, And particularly of the SAXON TONGUE
    - TRACT IX. OF ARTIFICIAL HILLS, MOUNTS or BURROWS, In many pars of ENGLAND. What they are, to what end raised, and by what Nations.
    - TRACT XI. OF THE ANSWERS OF THE Oracle of Apollo at Delphos TO Cr?sus King of Lydia
Aus dem Nachlass 1684:
  • Musaeum Clausum (lat: Verschlossenes Museum), oder Bibliotheca abscondita, The book contains short descriptions of supposed, rumoured or lost books pictures and objects. Untertitel: inventory of remarkable books, antiquities, pictures and rarities of several kinds, scarce or never seen by any man now living.
  • 1712 und 1723 Posthumous works of the learned Sir Thomas Browne Includes: 'An account of Island, alias Ice-land'



Browne, William [RS 238]
Engster Freund von E. FitzGerald , der 16 war, als FitzGerald ihn kennenlernte. Sein früher Tod 1859 durch einen Reitunfall ist die große Katastrophe für FitzGerald


Brücke über den Blyth [RS 6]
Bild siehe bei Wege
Die Bailey Bridge über den Fluss Blyth, Southwold, Suffolk verbindet Southwold mit dem Dorf Walberswick, die durch den Fluss gegtrennt werden


Bruegel, Pieter [NN 90f.]


* Breda um 1525 + Brüssel 1569
Pieter Brueghel der Ältere, genannt de Drol ("der Drollige") oder Bauernbrueghel. Maler der niederländischen Renaissance. Bekannt für Darstellungen des bäuerlichen Lebens im Flandern des 16. Jahrhunderts. Arbeitet in Antwerpen. Während Italienreise zeichnet sich Landschaftsdarstellung als ein Schwerpunkt seines Schaffens ab, ab 1553 für einige Zeit in Rom, danach Antwerpen in Cocks Kupferwerkstatt. Oft Bilder mit 100 und mehr dargestellten Personen (auch Wimmelbilder genannt), geschickte Bildkomposition lassen den Bildraum nicht chaotisch oder überfüllt erscheinen. Bildsprache äußerst komplex, jedes kleine Detail beabsichtigt und Bedeutungsträger.
Der Sturz des Ikarus, 1558,


Büchner, Georg [LL 99]
Schriftsteller, siehe wiki


Bülbül [AW 213]
Vogel. Bülbül oder Haarvögel aus der Familie der Sperlingsvögel; der Name (persisch) bedeutet Nachtigall


Bürgerlegitimation [AUS 257]
siehe Zitate Adler


Buchenwald [Luftkrieg und Literatur 131]
KZ. Eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden , 1937 bis 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar als Arbeitslager betrieben. Insgesamt etwa 250.000 Menschen aus allen Ländern Europas inhaftiert. Zahl der Todesopfer etwa 56.000 geschätzt, darunter 11.000 Juden.Nach der Befreiung am 11. April 1945 durch die 3. US-Armee von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existiert bis 1950 und fordert noch einmal 7.000 Todesopfer. Auf dem Gelände Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Heute in der 1991 neugestalteten Gedenkstätte Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.


Buchteln [Über das Land und das Wasser 80]
(auch: Wuchteln oder Rohrnudeln in Bayern und der Pfalz): süße gefüllte oder ungefüllte Hefeknödel oder -taschen, die im Ofen gebacken werden. Buchteln sind ein typisches Gericht aus der böhmischen Küche, das auch Eingang in die sächsische, schwäbische, bayerische und österreichische gefunden hat


Buckelkraxe [RS 338]
ugs. österr. (gespr. bucklkraxn) Gestell mit Trageriemen zum Transport von Waren am Rücken


Bürgerwehr [Über das Land und das Wasser 30]
oder Bürgergarde, im 19. Jhrt aus der Waffenpflicht der Bürger zur Verteidigung ihrer Stadt hervorgegangene militärähnliche Einrichtung. Bürgerwehren in der Märzrevolution von entscheidender Bedeutung. Mit der Entwicklung stehender Heere verlieren Bürgerwehren ihre Bedeutung, vielerorts nur noch Soldatenspiele.


Buna [CS 169]
siehe bei Auschwitz


Bundesarchiv [AUS 346]
(BArch) obere Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptsitz Koblenz. Hauptaufgabe: Sicherung, Nutzbarmachung und Auswertung von Unterlagen oberster Bundesbehörden sowie nachgeordneter Einrichtungen gem. Bundesarchivgesetz.
1919 (später als in anderen europäischen Staaten) in Deutschland zentrales Archiv für die Organe und Behörden des Reiches gegründet, die Hälfte des Gesamtbestandes im Zweiten Weltkrieg zerstört (nahezu vollständig vernichtet Bestände des - 1936 ausgegliederten - Heeresarchivs). 1952 Bundesarchiv in Koblenz errichtet. 1955 Abteilung Militärarchiv. Wiedervereinigung 1990 führt zur Vereinigung der beiden deutschen Zentralarchive im Bundesarchiv.
Koblenz, Foyer des Hauptgebäudes, Berlin (SAPMO, DDR, Reich, Filmarchiv) usw


Burelvillers [Schwindel. Gefühle. 12]
Rittmeister
In seiner Begleitung überquert Stendhal 1800 den Großen Sankt Bernhard.


Burgsdorff [AU 21]
richtig Borgsdorff, Ernst Friedrich, kaiserl. Oberingenieur , auf Befehl Kaiser Leopolds im Dienst Peters des Großen, leitet 1696 die 2-jähr. Belagerung Asows, (genannt "Erd-Waltzen"), weil er 'auf eine außerordentliche Weise', indem er eine besondere, sonst außergewöhnliche Art, zu approchiren angebe, weil denen solcher Arbeit noch unerfahrnen Russen die gewöhnliche Art in kurtzer Zeit nicht begreiflich zu machen war. 1698 baut er "einige ganz neue Fortressen in selbiger Gegend". Werk (Ulm 1682): Die unüberwindliche Festung, oder das in dem Treffen um die Reputation und Libertät der Völcker erhaltene Feld : Das ist: Gründlicher Bericht, wie gantz neue Festungen auf eine fast unüberwindliche Weise anzulegen, als auch die schon befestigte Plätze nach der Niderländischen Manier, mit ihren Aussenwercken zu corrigiren, zu verstärcken, und in weit grössere Perfection zu bringen


Burte, Hermann [LL 12]
1879-1960 Dichter, Schriftsteller und Maler.
Bekannteste literarische Werke Wiltfeber, der ewige Deutsche (1912) und Katte. Bekannt als alemannischer Mundartdichter. Seit 1912 Verfechter der völkischen Ideologie und später Nazi-Anhänger.
1897 Abitur in Freiburg im Breisgau. Kunstakademie. England, Paris, Schriftsteller. Ideologischer Einfluss Nietzsches und der „völkischen Bewegung“ im Roman Wiltfeber der ewige Deutsche, Zitat: Du bist ein Mann aus deutschem Blute, aber deutsch heißt völkisch, und arisch heißt herrisch, wird zum Kultbuch der völkischen Jugendbewegung.
1924 bis 1932 Mitherausgeber und maßgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach 14-täglich erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift Der Markgräfler, die zur Schwächung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen beiträgt. Januar 1925: „Der Markgräfler bekämpft rücksichtslos und ohne Menschenfurcht den demokrätzigen Parlamentarismus“
1933: „Unter den jüdischen Büchern, die man am kommenden Sonntag in Karlsruhe fast amtlich verbrennt, fehlt – die Bibel!“ 1936, rechtzeitig vor Verleihung des ersten Johann-Peter-Hebel-Preises an ihn, Eintritt in NSDAP. Hitler mit Hymnen bedacht. Der „Führer“ bedankt sich zum 65. Geburtstag mit 15.000 Reichsmark.
Spitzelberichte an Reichsführers SS (SD). 1944 von Hitler in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller aufgenommen.
Nach Ende des Weltkrieges 9-monatige Internierung im Lörracher Gefängnis. Ehrenmitglied beim rechtsextremistischen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes. Die Verwendung des Schulnamens „Hermann-Burte-Schule“ untersagt 1979 Oberschulamt Freiburg der heutigen „Grund-, Haupt- und Realschule Efringen-Kirchen“. Presseerklärung: „im Werk Hermann Burtes starke nationalistische, brutal sozialdarwinistische und nicht zuletzt auch antisemitische Passagen, also wesentlich der nationalsozialistischen Ideologie verhaftete Elemente, enthalten. Denn nicht etwa beiläufige und einmalige, sondern symptomatische und durchlaufende Teile im Werk Hermann Burtes stehen im diametralem Gegensatz zum Erziehungsauftrag der Schule, wie er im Grundgesetz, in der Landesverfassung und im Schulgesetz niedergelegt ist.“
1935 Thomas Mann ins Tagebuch:
„Ärger über alemannisches Blutgeschwätz des Schriftstellers Burte, der Verständnis für Deutschlands 'Wiedergeburt' verlangt. Es ist zu dumm. Wo ist etwas in und an Deutschland, was ein Dichter als 'Wiedergeburt' empfinden und bezeichnen dürfte?“
1959 lehnt Theodor Heuss Ehrenbürgerschaft von Lörrach ab:
„Ich möchte auf keinen Fall mit diesem Mann eines grobschlächtigen Antisemitismus und eines bramarbasierenden Nationalismus in eine Reihe gestellt werden, ihn vielleicht sogar als Ehrenbürgerkollegen bei irgend einem Festchen erleben. Er mag als Dichter so begabt sein, wie viele Menschen offenbar glauben, daß er es ist. Ihn neben dem feinsinnig rationalistischen Johann Peter Hebel als die Heimatfigur herauszuheben, ist für mein historisches Gefühl geradezu eine Groteske. Ich bin es aber mir und meinem Amt, selbst wenn ich es nicht mehr innehabe, schuldig, zu diesem Typus absolut Distanz zu halten.“



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AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat