... weil es ja immer, wenn man
gerade die schönste Zukunft sich
ausmalt, bereits auf die nächste Katastrophe zugeht.

Lexikon

W





W. [Die Ausgewanderten S. 45, 97, 108f.]
[Campo Santo S. 194]
[Austerlitz S. 37]
siehe bei Wertach



Waadtland. [Die Ringe des Saturn S. 15]
Kanton im Westen der Schweiz. Der Kanton wird als die Waadt oder auch als das Waadtland bezeichnet, im Französischen Pays de Vaud. Die Einheimischen werden als Waadtländer, im Französischen als Vaudois bezeichnet.


Wadi Kerek [Die Ausgewanderten S. 213]
nahe dem Toten Meer. Wird mit Fluss Zared in Verbindung gebracht ("Madaba Karte"), der im Altertum in der Nähe der heutigen Stadt Karak geflossen sein soll


Wagendeichsel [Die Ringe des Saturn S. 318]
Sternbild Große Bärin enthält ein Teilsternbild (Asterismus), nämlich 7 sehr helle Sterne, im europäischen Kulturkreis als Großer Wagen bezeichnet. Die Wagendeichsel stellt den etwas zu lang geratenen Schwanz der Bärin dar, während die Kastensterne zu ihrer Flanke gehören.
Sternenhimmel am 17.10.1987 über Norwich siehe


Waiblinger, Wilhelm. [Logis in einem Landhaus S. 78]
* Heilbronn 1804 † Rom 1830 Dichter, Schriftsteller
Hilfsschreiber am Uracher Oberamtsgericht, Gymnasium. Hochbegabt, studiert Theologie am Tübinger Stift, häufig Gast bei dem als wahnsinnig geltenden Friedrich Hölderlin. Roman Phaeton Gehört zum Freundeskreis Eduard Mörikes. Nach (für damalige Verhältnisse skandalösem Verhältnis zur fünf Jahre älteren Julie Michaelis) verzichtet Waiblinger auf den christlich-moralischen Anschein, den er sich wegen des Theologiestudiums geben mußte, Ausschweifungen, Niederschlag in den Werken Lieder der Verirrung, Drei Tage in der Unterwelt. Deswegen vom Tübinger Stift relegiert. Italienreise, Rom (aus kulturgeschichtlicher Perspektive als auch wegen freizügiger Sexualität reizvoll) , ab 1827 in wilder Ehe mit Nena Carlenza, Sizilienreise, Hölderlinbiografie



Waldbaurschokolade [Schwindel.Gefühle S. 272]

Firma Waldbaur 1848 in Stuttgart gegründet, gehört zu den ältesten deutschen Schokoladenherstellern. Gründer Brüder Franz und Gustav Waldbaur mit Sitz in Stuttgart, 1976 von Stollwerck übernommen, Produktion in Stuttgart 1977 beendet.



Wales [Austerlitz S. 206]

Teil des Vereinigten Königreichs, Hauptstadt Cardiff , zu den sechs keltischen Nationen gehörig
ca. 3 Mill. Einw., überwiegend christlich (72 % - Anhänger von Freikirchen wie Baptisten, Kongregationalisten, Presbyterianern und Methodisten sehr stark) sonstige weniger als 1%.
Wales ist von den Teilstaaten Großbritanniens am engsten mit England verbunden, eine eigene Kultur, oftmals um eine Abgrenzung gegenüber England bemüht



Wallfahrt [Die Ringe des Saturn S. 3]
frz. pèlerinage à pied (Motto S. 9)
(lat. peregrinatio religiosa, v. wallen in eine bestimmte Richtung ziehen, fahren unterwegs sein) traditionelle Reise, um ein heiliges Gebot zu erfüllen oder zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung. Pilgerreise, Pilgerfahrt, Betfahrt, im Islam Haddsch oder Ziaret.
Im symbolischen Sinn Initiation oder Akt der Ergebenheit. Hohe moralische Bedeutung, kann auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten, zurückgehen. Im Islam ist das Mekka, die Geburtsstadt des Propheten. Im Hinduismus Benares am Ganges. Für Buddhisten und Christen die Schlüsselstationen im Leben des Gautama Buddha oder Jesu Christi, der Gottesmutter Maria oder eines Heiligen. Im Christentum des europäischen Mittelalters solche "Wundertätigkeiten" vielen Orten zugeschrieben, manchmal auch im Zusammenhang mit Pogromen an jüdischen Gemeinden und erwiesenermaßen erfundenen antijudaistischen Legenden.



Wallis [Die Ringe des Saturn S. 15]
Kanton im Südwesten der Schweiz



Walser, Martin [Logis in einem Landhaus S. 1229f.]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 35,216,259]
Martin Johannes Walser
* in Wasserburg am Bodensee 1927 deutscher Schriftsteller.
Setzt sich wie viele andere linke Intellektuelle (Günter Grass u. a.) für die Wahl von Willy Brandt zum Bundeskanzler ein. 1964 Zuhörer beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt. Engagiert sich gegen den Vietnamkrieg, reist nach Moskau und gilt als Sympathisant der DKP; mit Ernst Bloch, Robert Steigerwald u. a. befreundet.
Das Befremden der linken Szene, die Walser lange als einen der ihren betrachtet hat, wird zum vehementen Protest, als Walser anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche eine Rede hielt, in der er eine „Instrumentalisierung des Holocaust“ ablehnt.
„Wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt. Anstatt dankbar zu sein für die unaufhörliche Präsentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen. Ich möchte verstehen, warum in diesem Jahrzehnt die Vergangenheit präsentiert wird wie nie zuvor. Wenn ich merke, daß sich in mir etwas dagegen wehrt, versuche ich, die Vorhaltung unserer Schande auf die Motive hin abzuhören, und bin fast froh, wenn ich glaube entdecken zu können, dass öfter nicht das Gedenken, das Nichtvergessendürfen das Motiv ist, sondern die Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken. Immer guten Zwecken, ehrenwerten. Aber doch Instrumentalisierung. Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung. Was durch Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualität des Lippengebets“
Als er in seinem 2002 erschienenen Schlüsselroman Tod eines Kritikers den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einerseits als Person und andererseits als Symbol einer unredlichen Kulturszene kritisiert, hagelt es Proteste. Frank Schirrmacher kritisiert sein "Spiel mit antisemitischen Klischees". Das Holocaust-Mahnmal in Berlin wird von Walser während der Planungsphase abwertend als "fußballfeldgroßer Albtraum im Herzen der Hauptstadt" und "Kranzabwurfstelle" bezeichnet. Im übrigen siehe


Walser, Robert [Logis in einem Landhaus S. 127ff.]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 77, 97f.]
* Biel 1878 † Herisau Kanton Appenzell Ausserrhoden, Schweiz 1956 Schriftsteller (deutschsprachig) aus kinderreicher Familie. Bruder Karl Walser bekannter Bühnenbildner und Maler, wächst in Biel an der deutsch-französischen Sprachgrenze zweisprachig auf. Muss Gymnsaium aus fin. Gründen verlassen. Lehre bei Kantonalbank, 1894 stirbt gemütskranke Mutter,1895 nach Stuttgart zu Bruder, Bürokraft bei Verlag. Zu Fuß in die Schweiz zurück, in unregelmäßig und rasch wechselnden Anstellungen 1904 erstes Buch, Diener auf Schloss Dambrau in Oberschlesien, Berlin. Romane Geschwister Tanner, Der Gehülfe, Jakob von Gunten . Prosastücke, Walser, immer begeisterter Spaziergänger, beginnt regelmäßig lange Fußtouren, oft auch Nacht- oder Gewaltmärsche. Prosastücke aus der Sicht des Wanderers, der fremd durch die nahe Fremde geht. Während des Ersten Weltkriegs wiederholt Militärdienst. Ende 1916 stirbt Walsers Bruder Ernst (einige Zeit geisteskrank), Buder Hermann (Professor der Geographie) nimmt sich das Leben. Stil radikalisiert sich: „Mikrogramme“ (so genannt nach der winzigen, schwer zu entziffernden Bleistiftschrift). Angstzustände und Halluzinationen, Zusammenbruch, begibt sich in Heilanstalt Waldau bei Bern. In kleinster Schrift (Buchstaben kaum mehr höher als 1mm) Gedichte und Prosa. Häufiger Besuch von Carl Seelig, stirbt bei Wanderung durch Schneefeld an Herzschlag (Fotografien des toten Spaziergängers im Schnee erinnern unheimlich an Ähnliches in Geschwister Tanner).
Film


Wandervogelbewegung [Die Ausgewanderten 61]
eine 1896 in Berlin-Steglitz entstandene Bewegung, hauptsächlich Schüler und Studenten bürgerlicher Herkunft, die in einer Phase fortschreitender Industrialisierung der Städte und angeregt durch Ideale der Romantik sich von den engen Vorgaben des schulischen und gesellschaftlichen Umfelds losmachen, um in freier Natur eine eigene Lebensart zu entwickeln. Beginn der Jugendbewegung, die für Reformpädagogik, Freikörperkultur und Lebensreformbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse setzt.
Binnen weniger Jahre über den ganzen deutschsprachigen Raum ausgebreitet, vielfältigen Abspaltungen, Neugründungen. Umstritten etwa Fragen der Mädchenbeteiligung oder Alkoholabstinenz. Erster Weltkrieg und NS-Zwangseingliederung massive Einschnitte. 1909 Der Zupfgeigenhansl (Hrsg. Hans Breuer), eines der einflussreichsten und am weitesten verbreiteten deutschen Volksliederbücher. Das heute weltumspannende Jugendherbergswerk und die Reformpädagogik zu erheblichen Teil ihre Wurzeln in der W. Studentischer Ableger Deutsche Gildenschaft von 1923
Kritik der zeitgenössischen Öffentlichkeit im Umfeld einer Affäre mit homosexuellem Hintergrund, im Mittelpunkt Fürst Philipp zu Eulenburg, Freund Kaiser Wilhelms II. Im W. homoerotische Tendenzen von nicht näher bestimmbarem Ausmaß skandalisiert („Päderastenklub“)


Wannsee [Die Ringe des Saturn S. 214]




verkürzter Name "Wannsee" für den Großen Wannsee im südwestlichen Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, an sich Bucht der seeartigen Erweiterung der Havel, der sogenannten Kladower Seestrecke. Abgrenzung die gedachte Linie von der Schwanenwerderbrücke zum Großen Tiefehorn. Havel, Großer Wannsee, Griebnitzkanal, Griebnitzsee und die Glienicker Lake umschließen den inselartigen Berliner Ortsteil Wannsee westlich des Großen Wannsees. Nördlich in der Havel die Insel Schwanenwerder westlich die Pfaueninsel.
Das Strandbad Wannsee am nördlichen Abschnitt des Ostufers mit langgestreckten und unter Denkmalschutz stehenden Gebäudetrakt und FKK-Bereich vor dem Mauerfall beliebtestes Wochenend-Ausflugsziel der Bevölkerung West-Berlins. (1951 Conny Froboess: „Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nüscht wie raus nach Wannsee“). Personenschifffahrt auf dem See und entlang der Havel, nach Potsdam, Werder oder Tegel.
"Wannseekonferenz" am 20. Januar 1942 in der Villa Marlier am Westufer, geheime Besprechung hochrangiger Nazis (Reichsbehörden und Parteidienststellen), Besprechung der Einzelheiten zur Ermordung der europäischen Juden.


Wasserkunst [Nach der Natur S. 18]

System zur Förderung, Hebung und Führung von Wasser bei der Entwässerung und Wasserversorgung, im Spätmittelalter bei der Wasserversorgung von Städten und Burgen eingesetzt, verbreitet im Bergbau oder auch beim Betrieb von Springbrunnen und Fontänen. Zunächst nur die Einheit aus Pumpwerk und Wasserbehälter, später die Gesamtanlage des Röhrensystems. Die ersten Wasserkünste aus Holz, später Stein. Bestandteile: Pumpwerk, antreibendes Wasserrad, Hochbehälter, Röhrensystem, (meist ausgehöhlte Baumstämme=Teucheln).


Waterloo [Die Ringe des Saturn S. 151ff] [Über das Land und das Wasser S. 14]
Löwenmonument Waterloo



vgl.


Watson-Watt, Robert [Die Ringe des Saturn S. 271]

Sir (* Brechin, Aberdeenshire 1892 † Inverness 1973) schottischer Physiker, gilt als Erfinder des Radars. Ab 1936 Direktor im britischen Luftfahrtministerium, arbeitet über die Reflexion von Radiowellen in der Meteorologie. 1935 gelingt ihm der Versuch, einen testweise den Ort Daventry anfliegenden Bomber mittels Radar zu entdecken. Watson-Watt maßgeblich an der Entwicklung der britischen Radaranlagen im Zweiten Weltkrieg beteiligt.


Watts, Stephen [Austerlitz S. 54f]
* London 1952, Poet
My father’s family came from Stoke-on-Trent, my mother’s from the Swiss Italian Alps and I have cultural roots there and in Scotland. In the early 70’s I lived on North Uist working as a shepherd and since 1976 have been working in Whitechapel in the East End of London. I have published two books of poetry – The Lava’s Curl and Gramsci & Caruso and edited several anthologies.. My son, Miquesh, at the present time lives in Lima. und
.


Weihwasser [Die Ausgewanderten S. 54]
Wasser, über das vom Priester ein Segensgebet gesprochen wurde. Dient in der katholischen Kirche zur Tauferinnerung. Im Weihwasserbecken am Eingang jeder katholischen Kirche (manchmal auch in Privaträumen). Gläubige bezeichnen sich damit mit dem Kreuzzeichen und mit der Taufformel: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.


Weiss, Peter [Campo Santo S. 128ff, 150, 165]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 77,83,123,182,198,201,255-257,272]

* Nowawes bei Potsdam † Stockholm 1982 (Peter Ulrich Weiss Pseudonym: Sinclair), deutscher Schriftsteller, Maler , Grafiker, Experimentalfilmer.
Vertreter einer avantgardistischen, minutiösen Beschreibungsliteratur, Verfasser autobiografischer Prosa, politisch engagierter Dramatiker. Internationalen Erfolg mit Marat/Sade und Auschwitz-Oratorium. Die Ermittlung. Abschied von den Eltern. Haupttext: Die Ästhetik des Widerstands


Weißdorn [Über das Land und das Wasser 28]
Die astrologische Zuordnung des baumartigen Strauchgewächses Sonne/Saturn offenbart seine gegensätzliche Erscheinung. Im Winter sehen wir ein dichtes, wehrhaft dornenstarrendes Gezweig, das sich mit verhaltener Kraft verteidigungsbereit in Stellung gebracht zu haben scheint. Die kleinen, zähen, gelappten Blätter signalisieren Zurückhaltung und Genügsamkeit. Dann im Mai aber – welche Verwandlung! Der Strauch hüllt sein dorniges Innenleben in eine lichte Wolke aus weißen Blütenbüscheln und wirkt mit den abertausenden fünfblättrigen Blütchen, als wolle die aufgestaute Kraft sich in einem einzigen lustvollen Akt der Hingabe verströmen.


Wellington, Herzog von [Die Ringe des Saturn S. 235]
Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769 - 1852) Feldmarschall, herausragender britischer Militärführer der napoleonischen Zeit, Außen- und Premierminister. Er besiegt Napoleon in der Schlacht bei Waterloo.


Wenders, Wim [Campo Santo S. 193]
* Düsseldorf 1945
Regisseur, Fotograf und Professor für Film
ua: Im Lauf der Zeit


Wentworths [Die Ringe des Saturn S. 41]
siehe


Wertach [Die Ausgewanderten S. 72]
Sebalds "W.", wo er am 18. Mai 1944 geboren ist. Markt im schwäbischen Landkreis Oberallgäu, heute staatlich anerkannter Luftkurort, liegt in der Region Allgäu am Fuße des Grünten an der Wertach. Der nach der Ortschaft benannte Hausberg ist das Wertacher Hörnle. Das Gemeindegebiet besteht aus einer einzigen Gemarkung. Im Jahre 1893 bis auf wenige Häuser niedergebrannt. St. Sebastianskapelle 1512 nach Plänen der berühmten Wieskirche von Dominikus Zimmermann gebaut, "Kleine Wies" genannt. Heimatmuseum von 1931. Neben handwerklichen Geräten, Waffen und Tieren Gemäldegalerie von Franz Sales Lochbihle (königlich bayerischer Hofmaler). 1874 von den Gebrüdern Kramer der Weißlacker-Käse weltweit erstmalig produziert. Bergkäse-Sennerei.

Sebalds Großvater Josef Egelhofer, der mehrmals in seinem Werk erscheint, ist 20 Jahre Polizeikommissär in Wertach. Bis zu Sebalds 9. Lebensjahr wohnt die Familie bei Seefelder Ulrich und später über der Gaststätte von Pepi Steinlehner. In "Il ritorno in Patria" ("Schwindel.Gefühle"), verarbeitet Sebald Erinnerungen an die Kindheit in Wertach. Zum Gedenken an Sebald ist der Weg von Oberjoch über Unterjoch - die Sorgalpen bis zum Geburtshaus, welches Wegstück "Il ritorno in patria" genau beschreibt, als "Sebald-Weg" bezeichnet und gestaltet. Auf sechs Stelen, die am Originalschauplatz stehen, sind Textstücke aus dem Werk zu lesen. Wissenschaftler, Studenten und Leser aus aller Welt besuchen die Region, um die Spuren Sebalds zu finden.
Gesamtlänge des Weges ist ca. 11 km. Start auf etwa 1200 m in Oberjoch, Ziel in Wertach (Geburtshaus W.G. Sebalds) 915 m. Der Weg beginnt an der ehemaligen Grenzstation in Oberjoch (Bushaltestelle) mit dem wildromantischen Alpsteigtobel, wo sich die ersten beiden Stelen befinden. Die dritte Station an der kunstvoll renovierten Krummenbacher Kapelle. Weiter in Richtung Unterjoch, zwischen Gasthof Krone und dem Fluss Wertach in Richtung Jungholz. Kurz vor der Vorderen Sorgalpe Stele Nr. 4, kurzer Weg zum Alpenhotel Pfeiffermühle, weiter über den Campingplatz Jungholz zur Strasse Unterjoch-Wertach. B 310 wird gequert, bis zur Stele im "Engen Plätt". Auf dem Wanderweg neben der Bundesstrasse am Sägewerk Willer vorbei nach Wertach. Letzte Stele in der Alpenstrasse, weiter bis zur Kreuzung, dann links. Nach ca. 100 m vor der Bäckerei Mayr rechts etwas zurückgesetzt Geburtshaus Sebalds (Gedenktafel).
In der Wertacher Bücherei zahlreiche Werke in verschiedenen Sprachen aus dem Nachlass Sebalds.
Lage:


Widmer, Urs [Luftkrieg und Literatur S. 128]
* Basel 1938 Schweizer Schriftsteller und Übersetzer . 1966 an der Univsersität Basel mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa promoviert (1945 oder die "neue Sprache" ).


Wiedergänger [Die Ausgewanderten S. 66]
auch Widergänger. Bezeichnung für unterschiedliche Gespenstererscheinungen aus verschiedenen Kulturkreisen. Kern des Mythologems ist die Vorstellung von Verstorbenen, die – oft als körperliche Erscheinung – in die Welt der Lebenden zurückkehren. Sie sind den Lebenden meist böse gesinnt und unheimlich. Sei es, weil sie sich für erlittenes Unrecht (z. B. Störung ihrer Totenruhe) rächen wollen; sei es, weil ihre Seele auf Grund ihres Lebenswandels nicht erlöst wurde.


Wiesengrund-Adorno, Theodor [Campo Santo S. 182]
* Frankfurt am Main 1903 † Visp, Schweiz 1969) deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker, Komponist jüdischer Herkunft. Aus dem Doppelnamen seiner Mutter (Maria Barbara Calvelli-Adorno) wählt als er den Hauptnamen Adorno, während er das „Wiesengrund“ des Vaters in der Emigration zu „W.“ verkürzt. Schon vor 1933 nennt er sich Wiesengrund-Adorno. Mahler . Eine musikalische Physionogmik 1960.
Aus einem Briefwechsel 1967/68 Sebalds mit Adorno :
Sehr geehrter Herr Professor Adorno,
vielleicht sollte ich mich Ihnen zunächst vorstellen mit dem, was man 'a person's record' nennt. Geboren und katholizistisch erzogen wurde ich in einem Dorf in den bayrischen Alpen. Viel später studierte ich dann deutsche und englische Literatur an den Universitäten Freiburg und Fribourg. Seit letztem Oktober arbeite ich für die University of Manchester als Assistant im Department of German. Noch bin ich nicht dreiundzwanzig. Und die Atmosphäre der Stadt ist beängstigend, denn sie ist beispielhaft.
Aber ich wollte Ihnen nur eine bescheidene Frage stellen. Sehen Sie, ich arbeite an einer These über Carl Sternheim, den Sie in den Minima Moralia in einem für ihn ehrenvollen Zusammenhang erwähnen -
Keiner unter den abstrakten Begriffen kommt der erfüllten Utopie näher als der vom ewigen Frieden. Zaungäste des Fortschritts wie Maupassant und Sternheim haben dieser Intention zum Ausdruck verholfen, so schüchtern, wie es deren Zerbrechlichkeit einzig verstattet ist. ...
Meine bescheidene Frage lautet also: was hat Sie zu diesem Satz über Sternheim veranlaßt?

W. Georg Sebald 14.XII.1968
Metzgergasse 14
9000 St. Gallen
Sehr verehrter Herr Professor Adorno,
Es ist etwa eineinhalb Jahre, daß Sie mich auf einen Brief, betreffend die verwickelten Verhältnisse Carl Sternheims zu seinem eigenen Werk, einer ausführlichen und sehr freundlichen Antwort würdigten, die mich in der Verfolgung meiner Arbeit durchaus bestärkte. Nur in dem Gefühl, ein weiterer Brief von mir würde die Korrespondenz über Gebühr dehnen, wagte ich es damals nicht, Ihnen nochmals retour zu schreiben. Ich wollte, im Falle Sie mein Schweigen mißverstanden hätten, lieber für unhöflich als für insistent gelten.
Heute nun wende ich mich mit einer Bitte an Sie, von der ich noch weniger als von meiner früheren abzuschätzen vermag, ob Sie Ihnen nicht vielleicht unbillig erscheinen muß. Daß ich es dennoch tue, liegt wohl daran, daß ich mich gegenwärtig in einer Lage befinde, die nur zu sehr jener der armen Seelen gleicht, von denen Benjamin meinte, daß sie sich viel umtun aber keine Geschichte haben. In der Hoffnung, Sie könnten aus einigen wenigen Zeilen sicher genug über mich urteilen, möchte ich Sie, wenn Ihnen das irgend anzugehen scheint, um eine Referenz an das Sidney Sussex College in Cambridge bitten; ich bin dort um ein auf drei Jahre veranschlagtes Stipendium eingekommen.
... Ich habe im letzten Sommer aus gesundheitlichen und materiellen Gründen England verlassen müssen und lebe seither in der Schweiz, wo ich mich mit Unterrichten in einem privaten Institut über Wasser halte.

[11. XII. 1968 schreibt Adorno an Gerschom Scholem:
"Aber hier ist buchstäblich die Hölle los, eine Walpurgisnacht der Studenten, bei denen die Scheinrevolution sich in den wahnwitzigsten Aktionen überschlägt. Sie haben zwar das Institut, bis jetzt, noch nicht besetzt, wohl aber das Seminargebäude, stören sämtliche Lehrveranstaltungen, haben Habermas aus seinem Zimmer dort vertrieben, und verüben Greuel, mit denen nur die völlige Hilflosigkeit und Naivität versöhnt."
Sechs Tage später fordert Adorno die Studenten mit seinen Kollegen ein weiteres Mal dazu auf, das Seminar wieder zu räumen.]


Wilhelm II. [Die Ringe des Saturn S. 268 ff]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 200]

von Preußen * Berlin 1859 † Doorn, Niederlande 1941. Aus der Dynastie der Hohenzollern 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen.
Dreißigjährige Regentschaft sogen. wilhelminische Epoche. Wesentliches Merkmal das Streben des Kaisers, das Reich als wichtige politische Größe unter den bestehenden Weltmächten zu etablieren. Wilhelm II. legt viel Wert auf internationales Prestige. Eng damit verbunden militärische Aufrüstung wie Forcierung der Kolonialpolitik in Afrika und der Südsee. Dies und Verwicklung des Deutschen Reichs in verschiedene internationale Krisen (z. B. Krüger-Depesche 1896, Doggerbank-Zwischenfall 1904, Marokkokrisen 1905/06 und 1911, Daily-Telegraph-Affäre 1908) führen zu Destabilisierung der Außenpolitik.
Vorliebe Wilhelms für militärischen Prunk führt gesellschaftlich zu Überbetonung des Militärs und der militärischen Hierarchie bis hinein ins zivile Leben der deutschen Gesellschaft, in der für eine berufliche Laufbahn – nicht nur im Verwaltungsapparat – die Ableistung des Militärdienstes und der militärische Rang eines Menschen von entscheidender Bedeutung (Militarismus): Rang als Reserveoffizier gilt im wilhelminischen Bürgertum als Eintrittskarte in die gehobene bzw. privilegierte Gesellschaft, Fehlen eines militärischen Ranges stellt einschlägiges Karrierehindernis dar.
Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands während Wilhelms Regentschaft, verbunden mit technologischem, naturwissenschaftlichem und industriellem Fortschritt, begünstigt eine auch vom Kaiser mit getragene allgemeine Technik- und Fortschrittsgläubigkeit. Innenpolitisch setzt er Sozialpolitik Bismarcks fort und erweitert sie.
Wilhelm II. will Innen- und Außenpolitik des Reiches beeinflussen. Das „persönliche Regiment“ des Kaisers oft eine von häufig wechselnden Beratern gesteuerte Politik, die seine Entscheidungen im Urteil der meisten Historiker widersprüchlich und unberechenbar erscheinen lassen. Amtszeit von politischen Machtkämpfen zwischen den Parteien geprägt, die verhindern, dass Kanzler längerfristig im Amt bleiben.
Während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 zeigt sich Wilhelms strategische und taktische Unfähigkeit. Er enthält sich zunehmend relevanter politischer Entscheidungen, gibt Führung des Reiches faktisch in die Hände der Obersten Heeresleitung.
Persönlichkeit: Eine besondere Zuwendung durch Eltern erfährt Wilhelm II. nicht. Schmerzvoll Versuche der Familie, seiner Behinderung entgegenzuwirken. Der aufgrund des Geburtszwischenfalls verkümmerte linke Arm führt zu Gleichgewichtsstörungen und Haltungsschäden sowie häufigen Schmerzen im linken Ohr. Doch der zukünftige König von Preußen soll ein „ganzer Mann“ und kein Krüppel sein. Verschiedene schmerzhafte Therapien für das Kind. Das oft erforderliche Reiten fällt ihm lebenslang schwer.
Die Behinderung vermindert vermutlich Selbstwertgefühl und steigert Egozentrik, leichte Kränkbarkeit und Sprunghaftigkeit. Das Tragen von Uniform und Abstützen der linken Hand auf der Waffe hilfreiche Angewohnheiten. Strittig, ob ernsthafte seelischer Erkrankung oder Anlage zur Geisteskrankheit. Psychiater Emil Kraepelin: „typischer Fall periodischen Gestörtseins“.
Unsicher und arrogant, intelligent und impulsiv, vernarrt in die moderne Technik und zugleich verliebt in Pomp und Theatralik. Anhaltende Schwierigkeiten verhasst. Sprichwörtliche Reiselust. Narzisstische Züge verhindern Einfühlungsgabe und sein Urteil über Andere. Er selbst sieht sich als geradezu und offen, Taktlosigkeiten sind bekannt. Selbstdarstellungseifer. Im Verhältnis zu den Massenmedien wohl erster Medienmonarchen des 20. Jahrhunderts. Eigene Interessen: Archäologie, begeisterter Jäger (er erlegt 46.000 Tiere), im Exil fällte er gerne Bäume. Liebt wie Bruder Heinrich das Segeln. Segelte vor der Küste Südenglands mit seiner Yacht „Meteor“ in prestigeträchtigen Regatten und ist Stammgast bei der Kieler Woche, die er 1894 zum ersten Mal besucht. Siehe auch S.M.Y. 'Hohenzollern' . Automobile machen ihm Freude. Fährt gerne mit den neuesten Wagen und ist Protektor des Kaiserlichen Automobilclubs. Über seinen Kostimierungsdrang Witze: „Serenissimus, im Badezimmer ist ein Rohr geplatzt. – Bringen Sie die Admiralsuniform.“


Willet & Nephew [Die Ringe des Saturn S. 350]
Seidenweberei Norwich


Wilson, Stephen [Campo Santo S. 26ff]
Professor für Europäische Geschichte an der University of East Anglia. Feuding, Conflict and Banditry in Nineteenth-Century Corsica erhielt den Prix du Livre Corse.

Corsica is associated with vendetta and banditry. Using accounts by visitors and officials and particularly judicial records, this book provides a systematical study for the nineteenth century. Accounts of specific feuds lasting over many generations are given, including that which inspired Mérimées Colomba, and the whole phenomenon is set in its proper context of competition for scarce material resources and power in a traditional agro-pastoral society. Attitudes to death and the dead are examined, and reveal a divergence between local practice and belief and official Christianity, and the persistence of the notion that the spirit of the slain requires to be placated with blood. A general theme is the impact upon an isolated traditional society, and its system of sanctions, of incorporation into a modern state with courts and police.


Wilson-Bahnhof [Austerlitz S. 293]
Hlavni nadrazi, Prags Hauptbahnhof, nach Plänen des Architekten Josef Fanta 1900 bis 1909 errichtet. Die Wappen in der Kuppel enthalten die Städte, die von diesem Bahnhof aus zu erreichen waren: Paris, Rom usw., ebenso wie die Statuen darunter Städte darstellen. 28.Oktober 1918 ist der Gründungstag der Tschechoslowakei.
Der Besuch des amerikanischen Präsidenten Bush im Jahre 1990 ist Anlaß, dem Bahnhof wieder seinen alten Namen "Wilson-Bahnhof" zu verleihen, wie vor dem 2. Weltkrieg, (vor dem Gebäude stand ein Denkmal für den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson). Das erinnert an die wichtige Rolle, die Wilson bei den Pariser Friedensverhandlungen nach dem 1. Weltkrieg für die Entstehung der Tschechoslovakei spielte. Während der deutschen Besatzung und in der kommunistischen Zeit nach 1945 heißt der Bahnhof "Hauptbahnhof".













Windlicht [Die Ringe des Saturn S. 202]
einfache kleinere Tischlaterne. Laterne=Kombination aus selbstleuchtender Lichtquelle und Wind- bzw. Regenschutz


Wir gleiten hinunter das Ufer entlang [Die Ausgewanderten S. 62]
Auf den Wellen
von Josef v. Pocci - Melodie: C. M. von Weber

Es murmeln die Wellen, sanft säuselt der Wind,
Sie schaukeln im Spiele den Nachen gelind.
Wir gleiten hinunter das Ufer entlang,
Und singen so munter den Schiffergesang.

Wir folgen den Wellen mit fröhlichem Sinn,
Die plätschernden wissen am besten wohin;
Noch strahlt uns der Morgen mit rosigem Licht,
Wir kennen die Sorgen des Lebens noch nicht.

O Morgen, o Jugend, wie eilst du vorbei,
Gleich lachenden Kindern im blühenden Mai!
Wie spielende Lüfte, wie Wolken im Thal,
Wie Blüthen und Düfte enteilet dein Strahl.

Und wachsen die Schatten, und nahet die Nacht,
In ernster, in stiller, erhabener Pracht,
Dann fahren wir wieder dem Vaterhaus zu;
Wir landen am Ufer und kehren zur Ruh'.


Wittgenstein, Ludwig [Austerlitz S. 58ff]
[Campo Santo S. 226, 235]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 229]



* Wien 1889 † Cambridge 1951. Österreichisch-britischer Philosoph. Bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Hauptwerke: Tractatus logico-philosophicus, 1921 (Schlussatz: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum). Grundlage des Logischen Positivismus und der analytischen Sprachphilosophie.
Das jüngste von acht Kindern Karl Wittgensteins, erfolgreichster Stahl-Industrieller, eine der reichsten Wiener Familien, Mutter begabte Pianistin. Katholisch erzogen, obwohl drei der vier Großeltern Juden. Außerordentliche musische und intellektuelle Fähigkeiten, depressiv (drei der Geschwister Selbstmord), autoritär und rechthaberisch, aber auch sensibel und unsicher. Abschlussdiplom als Ingenieur, 1908 Manchester, Verbesserungsvorschläge für Flugzeugpropeller, Patent. Philosophie-Studium Cambridge, Trinity College. Mit Russells Unterstützung 1911 in die elitäre Geheimgesellschaft Cambridge Apostles gewählt. Erwirbt mit Geliebten D. Pinsent 1913 Holzhaus in Skjolden/ Norwegen, wo er am System der Logik arbeitet. Während Kriegsgefangenschaft in Italien will er Lehrer werden, teilt geerbtes riesiges Vermögen unter Geschwister und junge Künstler auf (u. a. Loos, Trakl, Rilke), 1919/1920 Lehrerbildungsanstalt Wien. Einige Jahre Volksschullehrer in einem der kleinsten Dörfer, es heißt Trattenbach und liegt vier Stunden südlich von Wien im Gebirge. Überfordert, wechselt nach Puchberg-am-Schneeberg, dann Otterthal. Quittiert 1926 Schuldienst, Gärtnergehilfe in Kloster. Erstellt 1926 bis 1928 mit dem Architekten Paul Engelmann für Schwester Margarete Stonborough-Wittgenstein repräsentatives Stadt-Palais in Wien (Haus Wittgenstein), das bald Mittelpunkt kulturellen Lebens in Wien und zu einem der Treffpunkte des „Wiener Kreises“ wird. Daneben bildhauerisch tätig (Büste im Stile des Wiener Künstlers Drobil). 1929 Rückkehr als Philosoph nach Cambridge, wo er mit "Prüfung" über Tractatus promoviert. Finanziell prekäre Lage, auf Stipendien angewiesen, Lehrauftrag. Ab 1936 mit Geliebten F. Skinner Reisen nach Norwegen, Wien und Russland, 1939 Ruf als Pofessor in Cambridge, britische Staatsbürgerschaft (weil nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland W. Deutscher und Jude im Sinne der Nürnberger Gesetze). Zahlreiche Manuskripte (The Blue Book, The Big Typescript, The Brown Book). Im Weltkrieg II freiwillig Pfleger in Londoner Krankenhaus, 1943 Laborassistent (entwirft Experimente und Laborgeräte). 1944 bis 1947 wieder Vorlesungen in Cambridge. Lebt dann zurückgezogen einige Zeit in Irland. Stirbt 1951 - lehnt es ab, in Krankenhaus zu gehen - im Hause seines Arztes an Krebs.
Es ist eine Hauptquelle unseres Unverständnisses, daß wir den Gebrauch unserer Wörter nicht übersehen


Wodzinska, Maria [Über das Land und das Wasser S. 96]
* 1819 † 1896 Verlobte Fr. Chopins



Nichte des polnischen Gesandten Maciej Wodzinski, mit Chopin schon länger bekannt, verliert ihn zeitweilig aus den Augen.
Wegen des Aufstands in Polen 1830 übersiedelt die Familie Wodzinski nach Dresden. Chopin, der sie dort besucht, verliebt sich in die damals 16jährige Maria. Heimliche Verlobung 1836 in Marienbad trotz des Protestes ihres Onkels. Marias Mutter besteht darauf, dass diese bis zum Sommer des darauffolgenden Jahres nicht öffentlich werde. Chopin widmet Maria den Walzer in As-Dur op. 69 Nr. 1 (Abschiedswalzer) sowie ein Blatt mit dem Anfang des Nocturnes in Es-Dur (op. 9 Nr. 2). 1837 kehrt die Familie Wodzinski überraschend und ohne Chopin davon zu unterrichten, nach Polen zurück. Verlobung ohne weitere Erklärung aufgelöst. Die Tatsache erst bekannt durch Schriftstücke im Nachlass Chopins: In einem Umschlag befinden sich die Zeugnisse der Liebschaft, er selbst hat auf dem Kuvert notiert: Moja bieda (mein Leid).
Siehe auch Moja Bieda


Wohltemperiertes Klavier [Austerlitz S. 238]
Das Wohltemperirte Clavier. oder Praeludia, und Fugen durch alle Tone und Semitonia … Sammlung von Kompositionen Johann Sebastian Bachs, heute als Teil 1 des Wohltemperierten Klaviers bezeichnet, Teil 2, entstanden in Leipzig 1744, von Bach selbst nicht mit diesem Titel versehen


Wolkenlehre [Über das Land und das Wasser S. 79]
Goethes Interesse an Meteorologie weckte Luke Howards (1772 - 1864) berühmte Schift "The modifications of clouds" (1803). Ab 1815 beschäftigt er sich instensiv mit mit der morphologischen Wolken-Systematik


W ou le souvenir d'enfance [Campo Santo S. 220f]
Autobigrafisches Werk Geroges Perecs
Ich-Erzähler berichet einleitend von seinen Schreib-Hemmungen, seinem Zögern über eine Reise nach W zu berichten, als einziger Zeuge einer untergegangenen Welt. W, so erinnert der Ich-Erzähler sich plötzlich bei Besuch des Judenvierteis von Venedig, W hieß eine Geschichte, die er als Dreizehnjähriger geschrieben hatte, als Geschichte seiner Kindheit, die sich in seiner Erinnerung reduziert auf W als eine Insel des Archipels Feuerland mit einer einzig und allein auf den Sport fixierten Gesellschaft. Einen der beiden systematisch sich abwechselnden Erzählstränge bildet die Beschreibung des Lebens dieser Gesellschaft, den anderen der Bericht des Ich-Erzählers Georges Perec über seine Kindheit und Jugend. Die Verbindung beider wird hergestellt über die Begegnung eines Ichs namens Gaspard Winckler mit dem Vertreter des Bureau Véritas Otto Apfelstahl, der die Identität dieses Ichs in Frage stellt mit der Behauptung, Gaspard Winckler sei der Name eines nach einem Schiffsuntergang im Feuerland-Archipel verschollenen Jungen, auf dessen Suche er sich machen solle.
Was aber dann im zweiten Teil des Textes folgt, ist scheinbar keine Suche nach Gaspard Winckler, sondern eine Beschreibung der Sportgesellschaft von W, die mit der Autobiografie des Georges Perec alterniert.
Beide Erzählstränge scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Die Insel präsentiert sich mit der legendären Ankunft ihres Namensspenders Wilson und der Traditionsanbindung an Jules Vernes Kapitän Nemo auf der Suche nach dem Idealstaat als Utopia, während die Kindheitserinnerungen von Georges von Anfang an derart im Zeichen Hitlers stehen, dass er lange Zeit seinen eigenen Geburtstag am 7.3.1936 mit dem Tag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf Polen identifiziert hatte.
Nach und nach tritt der unmenschliche Charakter der scheinbar utopischen Insel immer deutlicher zu Tage: Die zunächst nur strengen sportlichen Regeln zu gehorchen scheinenden Weitkämpfe entpuppen sich als brutale, im Extremfall bis zur gegenseitigen körperlichen Attacke reichende Auseinandersetzungen, die willkürlichen Vorschriften gehorchen, Siegern überschwängliche Triumphe gönnen, Verlierer mit härtesten Strafen bis hin zum Tode bedrohen.


Wunderhorn Lied [Campo Santo S. 183]
Des Knaben Wunderhorn, Sammlung von Kunstliedern von Mahler Er vertont 12 Gedichte aus der Gedichtesammlung 'Des Knaben Wunderhorn', die zwischen 1805 und 1808 von Clemens Brentano und Achim von Arnim veröffentlicht wird, üblicherweise als Mahlers „Wunderhorn-Lieder“ bezeichnet


Wyndham, George [Die Ringes des Saturn S. 77ff]
siehe Lexikon fiktiver Namen


Wythenshawe [Die Ringe des Saturn S. 222]
Stadtteil im Süden der Stadt Manchester, Siedlung um Problem der innerstädtischen Slums in den 1920er Jahren zu lösen, einer der größten Siedlungen des Sozialen Wohnungsbaus in Europa





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