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Wer die Flügel des Altars der Pfarrkirche von Lindenhardt zumacht und die geschnitzten Figuren in ihrem Gehäuse verschließt, dem kommt auf der linken Tafel der hl. Georg entgegen. Zuvorderst steht er am Bildrand eine Handbreit über der Welt und wird gleich über die Schwelle des Rahmens treten. Georgius Miles, Mann mit eisernem Rumpf, erzen gerundeter Brust, rotgoldnem Haupthaar und silbernen weiblichen Zügen. |
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Immer dieselbe Sanftmut, dieselbe Bürde der Trübsal, dieselbe Unregelmäßigkeit der Augen, verhängt und versunken seitwärts ins Einsame hin. |
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Auch kehrt Grünewalds Gesicht wieder |
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Darum wohl |
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Es ist der heilige Dionysius, |
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Lang vor der Zeit |

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Blasius, |
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![]() der wirklich wunder- schöne heilige Veit mit dem Hahn, schauen ein jeder in eine andere Richtung, ohne daß wir verstünden, warum. |
Die drei Nothelferinnen |
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Der ausgetriebene |
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Im Chicagoer Art Institute hängt das Selbstbildnis eines unbekannten jungen Malers, das im Jahre 1929 aus Schweden in den Frankfurter Kunsthandel kam. Das kleine Ahorntäfelchen zeigt einen kaum Zwanzigjährigen in einer engen Stube am Fenster. Hinter ihm, auf einem in der Perspektive nicht ganz richtigen Bord, Farbnäpfe, ein Reibstift, eine Muschel und ein kostbares Venezianer Glas mit einer durchsichtigen Essenz. Ein schön geschnitztes beinernes Messer hält der Maler in seiner Hand und schneidet die Reißfeder, um alsbald weiterzuzeichnen an dem Akt einer Frau, welcher vor ihm neben dem Tintenfäßchen liegt. Durchs Fenster zu seiner Linken sichtbar ist eine Landschaft mit Berg und Tal und dem Band eines Wegs. Dieser sei, philosophiert Zülch, der Weg in die Welt, und kein anderer sei ihn gegangen als der spurlos verschwundene Mann, dem seine Nachforschung gilt und dessen Kunst er in dem anonymen Bild zu erkennen vermeint. |

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Zuunterst in der linken Ecke kauert der von syphilitischen Schwären überzogene Leib eines Insassen des Isenheimer Spitals.
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Darüber | erhebt sich eine doppelköpfige und mehrarmig verzwitterte Kreatur, im Begriff, dem Heiligen mit einem Kieferknochen den Garaus zu machen.
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Rechterhand ein stelzenbeiniges Vogeltier, | das mit menschlichen Armen einen Prügel erhoben hält. |

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Bild unserer irren Anwesenheit auf der Oberfläche der Erde, einer in abschüssigen Bahnen verlaufenden Regeneration, deren parasitäre, ineinander verschlungene und in- und auseinander gewachsene Formen eindringen als ein dämonischer Schwarm in die Ruhe des Eremiten. Derart beschrieb Grünewald, stillschweigend den Malpinsel führend, das Geschrei, das Grölen, das Gurgeln und das Geraune eines pathologischen Schauspiels, zu dem er, und seine Kunst, wie er wohl wußte, selber gehörten. Der panische Halsknick, überall an den in Grünewalds Werk vorkommenden Subjekten zu sehen,
der die Kehle freigibt und das Gesicht hineinwendet oft in ein blendendes Licht, ist der äußerste Ausdruck der Körper dafür, daß die Natur kein Gleichgewicht kennt, sondern blind ein wüstes Experiment macht ums andre und wie ein unsinniger Bastler schon ausschlachtet, was ihr grad erst gelang. Ausprobieren, wie weit sie noch gehen kann, ist ihr einziges Ziel, ein Sprossen, Sichforttreiben und Fortpflanzen, auch in und durch uns und durch die unseren Köpfen entsprungenen Maschinen in einem einzigen Wust, während hinter uns schon die grünen Bäume ihre Blätter verlassen und kahl, wie oft zu sehen auf Grünewalds Bildern, hineinragen in den Himmel, überzogen das tote Geäst von einer moosig herabtriefenden Substanz. Der schwarze Vogel, der dem heiligen Antonius zu seinem Platz in der Wüste im Schnabel die Brotzeit bringt, ist vielleicht der immer schon näher an uns heranfliegende mit dem gläsernen Herz, von dem ein anderer heiliger Mann der letzten Tage verkündet, er werde ins Meer scheißen, so, daß es auskochen wird, daß die Erde wackelt und die große Stadt mit dem eisernen Turm im Feuer steht, der Papst in einer Zille hockt und die Finsternis kommt und dort, wo das schwarze Kastl hinfällt, ein gelber und grauer Staub das Land überdeckt.
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Die extremistische, eine jede Einzelheit durchdringende, sämtliche Glieder verrenkende und in den Farben wie eine Krankheit sich ausbreitende Weltsicht dieses seltsamen Mannes war mir, wie ich immer gewußt hatte und nun durch den Augenschein bestätigt fand, von Grund auf gemäß. Die Ungeheuerlichkeit des Leidens, das, ausgehend von den vorgeführten Gestalten, die ganze Natur überzog, um aus den erloschenen Landschaften wieder zurückzufluten in die menschlichen Todesfiguren, diese Ungeheuerlichkeit bewegte sich nun auf und nieder in mir nicht anders als die Gezeiten des Meers. Dabei begriff ich allmählich, auf die durchbohrten Leiber schauend und auf die vor Gram wie Schilfrohr durchgebeugten Körper der Zeugen der Hinrichtung, daß an einem bestimmten Grad der Schmerz seine eigene Bedingung, das Bewußtsein, aufhebt und somit sich selbst, vielleicht - wir wissen sehr wenig darüber. Fest steht hingegen, daß das seelische Leiden praktisch unendlich ist. Wenn man glaubt, die letzte Grenze erreicht zu haben, gibt es immer noch weitere Qualen. Man fällt von Abgrund zu Abgrund. |
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und daß ich dabei doch spürte, wie der furchtbare Zustand einer vollkommenen
Schmerzlähmung der inneren Verfassung, die
über die Jahre die meine geworden war, auf die denkbar akkurateste Weise entsprach. Ich erinnere mich außerdem, daß die krumme Stellung, die ich notgedrungen einnahm, mir quer durch den Schmerz hindurch eine Fotografie ins Gedächtnis rief, die der Vater von mir als Zweitkläßler gemacht hatte und die mich zeigte, tief über die Schrift gebeugt. |

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Nachtrag: |