
1847-1921 franz. Major (Commandant), Fluidalfotograf, Fotokünstler. Tritt um 1900 mit sogenannten Geisterphotographien hervor.
Traumtänzerinnen, sprechende Verstorbene und schwebende Tische liegen im Zeitgeist. Zu der weltweiten Welle paranormaler Begeisterung trägt naturwissenschaftliche Forschung bei, die erstmals Unsichtbares sichtbar macht (1895 Fotos von Röntgenstrahlen und Kinematograph). Marie und Pierre Curie übrigens, die 1898 die Radioaktivität entdecken, nehmen regelmäßig an spiritistischen Sitzungen teil. Die Fotografie, zentrales Hilfsmittel vieler Wissenschaftler, avanciert zur visuellen Kronzeugin dieser Séancen und okkulten Phänomene.


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"Der Adler", gewonnen 1896 durch zehnminütige Auflage einer Platte auf die Stirn der in mediumistischen Schlaf
liegenden Madame Darget
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Zitat: Der Gedanke ist eine strahlende, schöpferische, fast materielle Kraft, das Fiat lux der Bibel....Während
des Denkvorgangs versetzt die Seele die Gehirnatome in Schwingungen und bringt den Phosphor
im Gehirn zum Leuchten. Die leuchtenden Strahlen werden nach aussen geworfen. Wenn man seine
Gedanken auf irgendeinen Gegenstand mit einfachen Umrissen, etwa auf eine Flasche konzentriert, so
tritt das fluidische Gedankenbild durch die Augen heraus und beeindruckt durch seine Strahlen die
fotografische Platte, sodass man eine Aufnahme davon enthält. (1911)
Die Vermutung, dass das unsichtbare 'Fluidum' sichtbar sei, bewegt seit jeher
Okkultisten. Ab 1895, ermutigt durch die Entdeckung der Röntgenstrahlen, suchen sie intensiv und unermüdlich das Fluidum auf fotografischem Wege festzuhalten und zu beweisen. Louis Darget will das Lebensfluid, bzw. die V-Strahlen, welche nicht nur durch die Augen sondern auch über die Fingerspitzen auf die fotografische Platte übertragen werden, fotografiert haben (Elektrographie). Auch soll er sich bei einem Wutausbruch eine photographische Platte an die Stirn gehalten haben, auf der sich wirbelartige Strukturen einpägten.
Die Entstehung seiner farbigen "Gedankenphotographien" erklärt Darget unterschiedlich. Mal sind es magnetische, mal uranische und manchmal auch Röntgenstrahlen, die aus dem Hirn fluteten und sich zu abstrakten Bildern formten. Bis heute unerforscht, wie der Major schon so früh Farbfotografien herstellen kann.
Darget schickt 1913 seine Schrift „Exposé des différentes méthodes” und einige Farbklischees an Kandinsky und hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf dessen Abstraktion. Der Symbolismus wiederum okkupiert die mediumistische und spiritistische Photographie ziemlich schnell für sich und die Avantgarde des 20. Jahrhunderts, mit ihrem Sinn für das Groteske, Traumhafte und Absurde, Humoreske und Visionäre, eröffnet neue Horizonte der Photographie.
Wer glaubt, das alte Geisterphoto der Jahrhundertwende habe sich verflüchtigt,vor dem türmt sich neues Photomaterial: Heute sind es Aufnahmen aus dem Marko- und Mikrokosmos, die den Bereich des Wunders tangieren
vgl.
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Und seit Bilder digital bearbeitet werden, können politische Begegnungen arrangiert werden, die es nie gab. Die Abrufbarkeit von Geistern ist unbeschränkt.