... weil es ja immer, wenn man
gerade die schönste Zukunft sich
ausmalt, bereits auf die nächste Katastrophe zugeht.

AUS Austerlitz|AW Die Ausgewanderten|BU Beschreibung des Unglücks|CS Campo Santo|LL Logis in einem Landhaus|LK Luftkrieg und Literatur
LW Über das Land und das Wasser|NN Nach der Natur|RS Die Ringe des Saturn|SG Schwindel.Gefühle|UH Unheimliche Heimat


Lexikon

M





Madonna von San Sisto [SG S. 12]

die Sixtinische Madonna von Raffael, eines der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte, Dresden, Gemäldegalerie. Ursprünglich Hochaltar von San Sisto in Piacenza.
In Kupferstich wurde die Sixtina reproduziert u. a. von Johann Friedrich Wilhelm Müller (1816), "der nach einer Zeichnung der Madame Seydelmann auf Kosten der Treue eine bewundernswerte markige Kraft und Geschlossenheit im Gesamteindruck erzielt hat". Eine der bekanntesten und beliebtesten Reproduktionen der 'Sixtinischen Madonna'. Müller arbeitete 10 Jahre an dem Stich, der kurz nach seinem Tod erschien. Bald war der Stich bekannter als das Original.


Maechler, Robert [LL S. 132]
1909-1996, Schweizer Schriftsteller und Journalist
Nach überstandener psychischer Jugendkrise und Studien an der Universität Bern 1935 Journalist, religionskritischer Philosoph und Schriftsteller, lebt in Unterentfelden bei Aarau. Als Literat widmet er sich besonders dem Schweizer Dichter Robert Walser mit einer Biographie und als Mitherausgeber der Gesamtausgabe seiner Werke


Mahler, Gustav [CS S. 181f]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 111]

* Kalischt, Böhmen 1860 † Wien 1911 österreichischer Komponist im Übergang von der Spätromantik zur Moderne. Dirigent, Operndirektor Sohn einer jüdischen Familie. Mit zehn Jahren erster Auftritt als Pianist. Konvertiert zum Katholizismus, da er antisemitische Hindernisse fürchtet.
Rückgriff auf „niedere“ Musik z. B. in der 1. Sinfonie, wo Klezmer zu hören ist, siehe Musik




Maikäfer [AW S. 48]

Melolontha Gattung von Käfern innerhalb der Familie der Blatthornkäfer. Am weitesten verbreitet der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Nach Beendigung der Metamorphose gräbt sich der Maikäfer, seinem Namen entsprechend, in den Monaten April und Mai aus dem Erdboden, fliegt hauptsächlich im Mai und Juni und ernährt sich überwiegend von den Blättern von Laubbäumen. Bei der Eiablage werden 10 bis 100 Eier in eher feuchte Humusböden eingebracht. Die Käfer haben nur eine Lebensdauer von 4 bis 7 Wochen. Das Männchen stirbt nach der Begattung, das Weibchen nach der Eiablage. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Engerlinge. Maikäfer haben eine Zykluszeit von drei bis fünf, meist vier Jahren. Das heißt, die frischgeschlüpften Engerlinge des Maikäfers benötigen vier Jahre, bis sie eine vollständige Metamorphose zum geschlechtsreifen Tier durchgemacht haben. Bei Maikäferplage im Jahre 1911 wurden auf einer Fläche von etwa 1800 ha rund 22 Millionen Käfer gesammelt. Literarisches Echo dieser Plagen: die Maikäfer, die Wilhelm Busch im fünften Streich von Max und Moritz im Bett eines nichts ahnenden Opfers verstecken lässt.
Reinhard Mey beschreibt im Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“ die Folgen der massiven Bekämpfung der Maikäfer mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT zwischen Anfang der 1950er Jahre und etwa 1972.
Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Maikäfer als Proteinlieferant geschätzt. In Frankreich und Teilen Deutschlands geröstet zu Suppen verarbeitet. In Konditoreien verzuckert oder kandiert in Tafeln zum Nachtisch



Makrele [CS S. 210]
siehe bei Scomber scombrus


Malachit [Austerlitz S. 258]
siehe bei


Malatesta, Errico [LW S. 30]
* Capuz/Italien 1853 + Rom 1932 Anarchist Medizinstudium abgebrochen, Elektriker, Messerschleifer. Gefängnisaufenthalte, spektakuläre Fluchten. Ägypten, Schweiz, Rumänien, Frankreich, England, Argentinien, Malta, USA. Bekantschaft mit Bakunin, Kropotkin. Ende 1919 Italien, Gründung der anarchistischen Zeitung 'Umanita Nova'. "Was meine Person anbelangt, so besteht für mich nicht der leiseste Zweifel darüber, dass die anarchsitische Idee, welche jede Form von Regierung negiert, den direkten Gegensatz zu jeder Gewalt bildet, schon deshalb, weil ja die Gewalt der ureigenste Inhalt jedes autoritären Systems, die Taktik jeder Regierung ist."


Malibran, María [RS S. 244]
María de la Felicidad Malibran, geb. García (1808 - 1836), französische Opernsängerin (Mezzosopran), als La Malibran gefeiert, gilt als erste Diva der Operngeschichte, die vor allem in Bühnenwerken von Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und Gioachino Rossini brilliert


Mamaroneck [AW S. 129]
Ortsteil von New York



Mamucium [LW S. 23]
Gnaeus Iulius Agricola ließ 79 n. Chr. am Zusammenfluss des Irwell und des Medlock ein Kastell namens Mamucium, das lateinische Wort für „brustförmiger Hügel“. Der Wortteil 'chester' erinnert an die römische Zeit und bedeutet Lager (castrum). Nachdem die Römer im Jahr 407 Großbritannien verlassen hatten, war die Gegend lange Zeit unbewohnt, bis dann im 7. Jahrhundert die Angelsachsen sich hier niederließen. Sie gründeten ein Dorf mit dem Namen Mameceaster, woraus sich Manchester entwickelte. (Ruinen der römischen Befestigung waren bis zum 18. Jahrhundert sichtbar, beim Bau einer Haupteisenbahnlinie endgültig beseitigt)


Mandelmilch [AUS S. 91]
ein aus Mandeln und Wasser hergestelltes pflanzliches Getränk. Seit dem Mittelalter (latinisiert: amygdalate) bekannt. Von der Iberischen Halbinsel bis nach Ost-Asien ausgebreitet. Aufgrund rein pflanzlicher Zusammensetzung (hauptsächlich Mandeln, verschiedene Früchte und Samen) beliebt als Fastenspeise. In mittelalterlichen Rezepten oft Zutat. Heute typisches Getränk in Sizilien ("Latte di Mandorla")


Mandschurei [LW S. 71]
im Nordosten der Volksrepublik China, aus historisch-politischen Gründen Bezeichnung nicht mehr verwendet (Nordostchina genannt).
Mit der Expansion Russlands nach Sibirien und Japans nach Korea gerät die Mandschurei in die Interessenssphäre beider Großmächte. 1858/1860 von Russland annektiert, 1900 besetzt Russland auch die Mandschurei südlich des Amur. 1904 russisch-japanischer Krieg. Russland muss Mandschurei räumen, die an China zurückgeht. Japan sichert sich Einfluss und übernimmt die Südmandschurische Eisenbahn, um Rohstoffe aus der Mandschurei nach Korea bringen. 1938/1939 japanisch-russischer Grenzkonflikt. 8. August 1945 marschieren Russen in die Mandschurei ein. Seit 1946 an China zurück.


Manipel [NN S. 9]
(von lat. manipulus=Mäntelchen) Liturgische Kleidung der röm.-kath. Priester (ungebräuchlich geworden) während der Messfeier. Vereinzelt von lutherischen Pfarrern verwandt. Streifenförmig am linken Handgelenk getragen, d.h. über den Arm so gelegt, dass die Enden gleichlang herunterhängen. In seiner Form ähnlich der (längeren, weil über den Schultern getragenen) Stola.


Manon Lescaut [UH S. 20]
überarbeitete und moralisierte Fassung des Romans von Prévost von 1753, gilt als sein Meisterwerk.
Geschichte des jungen Kleinadeligen Des Grieux, der vor dem Beginn seines geplanten Theologiestudiums der hübschen, ihrerseits fürs Kloster bestimmten Manon Lescaut begegnet, gemeinsam mit ihr nach Paris durchbrennt und aus Liebe zu ihr (die viel Geld verbraucht) nach und nach alle seine Vorstellungen von Anstand und Ehre über Bord werfen muss, bis er schließlich, nach Manons tragischem Tod in ihrem gemeinsamen amerikanischen Exil, von seinem alten Freund Tiberge wiedergefunden und nach Frankreich zu einem sittlicheren Leben (in der Urversion von 1731 sogar zum Priestertum) zurückgeleitet wird.


Mantuaseide [RS S. 350]
Seide aus Mantua, das 4 Mühlen zum Zwirnen derselben hatte


Manufaktur [RS S. 202]
(von lat. manus - Hand, lat. facere - erbauen, tun, machen, herstellen) Betrieb im Übergangsstadium vom Handwerk zur Fabrik


Marais-Viertel [AUS S. 402]
(frz. marais Morast, Sumpf) Stadtteil von Paris am rechten, nördlichen Seineufer (Lage siehe ), begrenzt Bd du Temple im Norden, Bd Beaumarchais im Osten, der Seine im Süden und Bd de Sébastopol im Westen. Ehemalige Sumpflandschaft, im 13. Jahrhundert vom Templerorden trockengelegt. Älteste und prachtvollste Hôtels, die Stadtpaläste des Adels, neben den windschiefen Häusern der Handwerker, die hohen Mietshäuser neben den Ordensniederlassungen der Tempelritter.
Lange Zeit ein Sumpfgebiet außerhalb der Stadtgrenzen. V. Hugo (1835): Zigeuner, entlaufene Mönche, versumpfte Studenten, Schurken aller Nationen, wie Spanier, Italiener, Deutsche, und alle Religionen, Juden, Christen, Mohammedaner, Götzenanbeter, am Tag bettelnd, nachts als Räuberbanden ausschwärmend
Das Marais ist historisches Zentrum des jüdischen Lebens in Paris. Seit dem 13. Jahrhundert haben hier Juden aus Ost und West trotz aller Vertreibungen immer wieder Heimat gefunden. Bildeten vom Mittelalter an zunächst die Sephardim, die aus Hispanien und Portugal vertriebenen Juden, die Mehrheit, kamen nach der Französischen Revolution besonders strenggläubige Juden aus dem Elsass und Osteuropa. Nirgendwo sonst in Europa leben heute so viele Juden: 400.000 Menschen gehören zur jüdischen Gemeinde in Frankreich, fast die Hälfte von ihnen lebt in Paris - und die meisten von ihnen wohnen noch immer im Marais.


Marasmus [RS S. 128]
Entkräftung, Auszehrung (med.); Altersschwäche


Maria-Schnee-Altar [NN S.7]
siehe Schneewunder


Maria Theresia [RS S. 231]
von Österreich (1717 - 1780) Königin u. a. von Ungarn (mit Kroatien) und Böhmen, zählt zu den prägenden Monarchen der Ära des aufgeklärten Absolutismus. Sie erreicht 1745 Wahl und Krönung ihres Gatten Franz I. Stephan zum römisch-deutschen Kaiser (wird, obwohl nicht selbst gekrönt, fortan Kaiserin genannt).


Marie Louise von Österreich [LW] * Wien 1791 † Parma 1847 Tochter Franz’ II. 2.Ehefrau Napoleons I. Durch Verheiratung mit Napoleon Bonaparte erhofft Franz II. Festigung des politischen Verhältnisses mit Frankreich, Napoleon die Legitimation seines Kaiserreichs. 1810 Ferntrauung zwischen der 18-jährigen Erzherzogin und dem französischen Kaiser, offizielle Hochzeit in der Kapelle des Louvre. Marie Louise verabscheut Napoleon, der ihren geliebten Vater mehrmals militärisch demütigte. Sie besitzt sogar eine nach Napoleon benannte Puppe, an der sie ihren Zorn über den Antichrist, wie sie ihn nennt, abreagiert; und hat sich bereits in jungen Jahren in Erzherzog Franz von Modena-Este, einen Bruder ihrer Stiefmutter, der Kaiserin Maria Ludovika, verliebt. Metternich: "Kann man zwischen dem Untergang einer ganzen Monarchie und dem persönlichen Unglück einer Prinzessin wählen?" Sie fügt sich in ihr Schicksal, betrachtete es als persönliches Opfer für das Haus Habsburg. Das französische Volk steht ihr stets ablehnend gegenüber. Als Napoléon sie mit der Aushebung der immer jünger werdenden Soldaten beauftragt, werden diese als "Marie Louisen" bezeichnet. Aus Sicht des direkten Umfelds Napoléons hält Marie Louise dem Vergleich zwischen ihr und Joséphine nicht stand. vgl.


Marienbader Elegie [LW S.79ff]
Sebalds Elegie verfasst am 14. August 1999 in Marienbad (am Tag von Goethes Heiratsantrag)
Goethes Elegie (verfasst zwischen 16. und 18. August 1823 in Marienbad)
(beide Elegien bestehend aus 23 6-zeiligen Strophen):
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt.
Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.
(Zitat aus Tasso)

Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschloßner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüte! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt ans Himmelstor,
Zu ihren Armen hebt sie dich empor.

So warst du denn im Paradies empfangen,
Als wärst du wert des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Tränen.

Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern
Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.

Der Kuß, der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß, die Schwelle meidend,
Als trieb' ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.

Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dies Herz sich nie geöffnet, selige Stunden
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette
An ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mißmut, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere
Belasten's nun in schwüler Atmosphäre.

Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände,
Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Ernte, reift sie nicht? Ein grün Gelände,
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,
Gestaltenreiche, bald Gestaltenlose?

Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben
Schwebt, seraphgleich, aus ernster Wolken Chor,
Als glich' es ihr, am blauen Äther droben
Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du sie in frohem Tanze walten,
Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.

Doch nur Momente darfst dich unterwinden,
Ein Luftgebild statt ihrer festzuhalten;
Ins Herz zurück! dort wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu vielen bildet eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.

Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf stufenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben
Mit Flammenschrift ins treue Herz geschrieben.

Ins Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer
Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,
Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,
Sich freier fühlt in so geliebten Schranken
Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.

War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden,
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher Tat sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir aufs lieblichste geleistet;

Und zwar durch siel - Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere:
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.

Den Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -,
Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn, ihr zu gehören.

In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen's: fromm sein! - Solcher seligen Höhe
Fühl ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.

Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor ihrem Atem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,
Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.

Es ist, als wenn sie sagte: Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,
Das Morgende, zu wissen ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sank und sah noch, was mich freute.

Drum tu wie ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick ins Auge! Kein Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sei's, zur Freude, sei's dem Lieben;
Nur wo du bist, sei alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich.

Du hast gut reden, dacht ich, zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,
Und jeder fühlt an deiner holden Seite
Sich augenblicks den Günstling des Geschickes;
Mich schreckt der Wink, von dir mich zu entfernen -
Was hilft es mir, so hohe Weisheit lernen!

Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute,
Was ziemt denn der? Ich wüßt es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen;
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rat als grenzenlose Tränen.

So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie geläng's, die innre Glut zu dämpfen!
Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,

Fehlt's am Begriff: wie sollt er sie vermissen?
Er wiederholt ihr Bild zu tausend Malen.
Das zaudert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen;
Wie könnte dies geringstem Troste frommen,
Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen?

Verlaßt mich hier, getreue Weggenossen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;
Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt,
Naturgeheimnis werde nachgestammelt.

Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum grabeseligen Munde,
Sie trennen mich, und richten mich zugrunde.
Liebesgedicht Goethes, dessen Anlass seine endgültige Trennung von Ulrike ist, das er 1827 als letztes unter den Titel „Trilogie der Leidenschaft“ setzt.
Im Sommer 1821 reist Johann Wolfgang von Goethe zum Kuraufenthalt in das böhmische Marienbad auf der Suche nach Ablenkung vom tristen Alltag, von Gebrechen des Alters und der Einsamkeit, steigt im Klebelsbergschen Palais ab , trifft auf die siebzehnjährige naiv-kokette Ulrike von Levetzow, die mit ihrer Mutter (mit der Goethe früher eine Verhältnis hatte) und den beiden jüngeren Schwestern den Sommer in Marienbad verbringt. Im fast 72jährigen entbrennt große Leidenschaft zu dem 54 Jahre jüngeren Mädchen. Blind vor Liebe wagt er zwei Sommer später 1823 das beinahe Undenkbare: Mit Hilfe seines Freundes Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach hält er schriftlich und formell bei Ulrikes Mutter, Amalie von Levetzow, um die Hand des Mädchens an. Carl August unterstützt den Antrag, indem er der Familie ein sorgenfreies Leben an seinem Hof verspricht.
Umso erschütternder für den vom Schicksal stets begünstigten Goethe, der sein Leben lang Glück in der Liebe hatte, die höfliche Absage durch Ulrike: „Das Fräulein hätte noch gar keine Lust zu heiraten“ heißt es diplomatisch. Diese größte persönliche Niederlage Goethes wird zugleich zum Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Nach dieser bitteren Erfahrung setzt der Liebende seinem entsagungsvollen Liebeserlebnis schon in der Kutsche nach seinem Aufbruch aus Marienbad ein lyrisches Denkmal: Die "Marienbader Elegie" ein Klagelied, laut Goethe „das Produkt eines höchst leidenschaftlichen Zustandes“. Dieses leidvolle Erlebnis ist zugleich die letzte Liebeserfahrung in Goethes Leben und besiegelt seinen Abschied von der Liebe
Stefan Zweig in "Sternstunden der Menschheit": "eine der reinsten Strophen über das Gefühl der Hingabe und Liebe, die jemals die deutsche und irgendeine Sprache geschaffen"; Otto Erich Hartleben: "das scheußliche Gedicht... Dieses aufgeplusterte hohle Stroh soll der Teufel holen. 'Im Handeln, seis zur Freude seis dem Lieben' - wenn da nicht die Geduld reißt - Gottverdammich! Das ist eine ekelhafte Wichtigthuerei und weiter gar nichts"; Sebald: Mir aber wollte es nicht recht gefallen dies herrliche Geflecht verschlungener Minnen
Sebald zitiert:
- wankelsinnig
- der Tag regt seine Flügel
- letzter grausam süßer Kuss
- herrliches Geflecht verschlungener Minnen
- das allgeliebte Wesen
- Hoffnungslust
- zart gewoben



Marienkirche in Krakau [RS S. 133]



Markt von Almachera [RS S. 323]



Marlborogh College [CS S. 218]
Marlborough: Markt in England Grafschaft Wiltshire an der A4, Verbindung zwischen London und Bath, bekannt für eine der führenden Privatschulen Englands, das Marlborough College im Westteil der Stadt


Marlboroheld [CS S. 43]
Der Marlboro-Man oder -Cowboy, Werbefigur der Zigarettenmarke Marlboro. Konzept: ein oder mehrere Cowboys erfüllen in der Wildnis ihre Pflicht, führen nichts außer der Zigarette mit sich (1954 von Leo Burnett entwickelt), soll Männlichkeit, Kraft und einen unabhängigen Lebensstil vermitteln. Darsteller des Marlboro Mans u.a.Charly Conerly, Quarterback der New York Giants, Schauspieler, Models wie Wayne McLaren (verstorben 1992 an Lungenkrebs).



Margarethe [NN S. 9]
Margareta von Antiochia, * Pisidien † um 305
Legendäre Märtyrerin .
Eine der vierzehn Nothelfer


Marmont [SG. S. 9f]
Auguste Frédéric Louis Viesse de M., Herzog von Ragusa, * Châtillon sur Seine 1774 † Venedig 1852
Französischer Marschall .



Maroquin [LW S.82]
(französisch "marokkanisch") der, auch das, Saffianleder (persisch), pflanzlich gegerbtes, farbiges Ziegenleder mit feinkörnigen Narben, die durch Krispeln entstehen. Geschwärztes Saffianleder heißt Maroquin. (aus rotem Maroquin?)


Marsh Acres, Middleton [RS S. 7]
(engl) Sumpfgebiete, Middleton siehe


Martello-Turm [RS S.274]
Name der 164 kleinen Befestigungen, die das britische Empire zwischen 1804 und 1814 zur Zeit der Napoleonischen Kriege errichtet.
Vermutlich auf die genuesischen Sarazenentürme auf Korsika (vom Turm am Kap Martello (Pointe Mortella)) oder die „Torre da Martello“ (Rundtürme an den italienischen Küsten - mit Hammer (ital. martello) und Glocke Alarm geschlagen, wenn Piraten in Sicht)) zurückgehend.
Form und Dicke der Mauern schützt gegen Kanonenfeuer angreifender Schiffe. In glatt verputztem Ziegelmauerwerk ausgeführt, in der Höhe leicht verjüngend. Rund, 10 m hoch, Durchmesser an der Basis 19, obere Plattform 12m. Türme so postiert, dass sie überlappendes Schussfeld haben, um jeden Angriff von See her abzudecken. Martello-Türme an den südlichen, südöstlichen und westlichen Küsten der Britischen Inseln, auf Menorca, in Kanada, Südafrika, auf Mauritius, in Australien, auf Guernsey und Jersey. (wohl berühmtester Martello-Turm in Sandycove von Dun Laoghaire/Irland, wo James Joyce eine Woche bei Oliver St. John Gogarty wohnt und darüber in "Ulysses" berichtet.)

Martello in der Nähe von Shingle Street, bewohnt


Martin Salander [LL S. 99f., 102ff.]
letzter Roman von Gottfried Keller unvollendet (Arbeitstitel „Excelsior“). Keller meint mit dem vorläufigen Titel „Aufwärtsstreben im »schlimmen Sinne«. Fragment 1886 in der „Deutschen Rundschau“ vorabgedruckt, Buch 1886 Berlin.
Keller legt eine „politisch oder social moralische Entwicklung aus der akuten Misere heraus“ vor. Zwar versagt in diesem paradoxen Erziehungsroman der unvernünftige Vater Martin Salander als Bürge des alten Schulfreundes Wohlwend, als liberaler Volkserzieher und als Vorstand eines fünfköpfigen Haushalts, doch er wird letztendlich vom gescheiten Sohn Arnold zur Räson gebracht. Als Zeitroman an der Grenze vom obsoleten poetischen Realismus zur moderneren naturalistischen Gesellschaftskritik. Für die Gebrüder Weidelich - zwei junge Notare - wird die politische Gesinnung zur feilen Ware. Zudem verspottet Keller die eigenen liberalen Hoffnungen seiner früheren Dichterjahre.


Massa, Marquise de [AW S. 181]
sehr altes und verzweigtes italienisches Adelsgeschlecht


Massaker von Amritsar [RS S. 349]
Es verübten am 13. April 1919 - also genau 76 Jahre (Sebald schreibt - fälschlich - 74!) vor 1995 - in der nordindischen Stadt Amritsar britische Soldaten und Gurkhas an Sikhs, Muslimen und Hindus, die für die Unabhängigkeit Indiens protestierten. Eine zunächst friedliche Demonstration artet bald in gewalttätige Handlungen aus. In Reaktion auf die Brandanschläge auf britische Behörden, Banken und Privateigentümer verhängt Gouverneur des Punjab, Sir Michael O'Dwyer, das Kriegsrecht. Brigadegeneral Reginald Dyer aus dem benachbarten Kanton Jullundur übernimmt die Kontrolle über der Stadt. Die Anweisung O'Dwyers lautet:„Es werden keine Prozessionen oder Menschenaufläufe erlaubt. Alle Versammlungen sind zu beschießen.“
Das Massaker findet in einem von Mauern umgebenen Park, dem Jallianwala Bagh, statt. Den einzigen Fluchtweg versperren Soldaten.Eine Truppe von 150 mit Gewehren bewaffneten Fußsoldaten töten 379 der gewaltlosen Demonstranten und verletzen 1.200. (Die DDR-Geschichtsschreibung behauptet: 1000 Menschen getötet, 2000 verwundet.)
Dyer behauptet gegenüber, er habe sich mit einer „revolutionären Armee“ konfrontiert gesehen und deswegen sei dem Punjab „eine Lektion in Moral“ zu erteilen gewesen. Dyer wird pensioniert und degradiert. Winston Churchill: „Der Vorfall in Jallian Wala Bagh war ein außergewöhnliches Ereignis, ein monströses Ereignis, ein Ereignis, das in einzigartiger und unheilvoller Art und Weise für sich selbst steht.“ Dyer vor dem Untersuchungsausschuß: „Ich halte es für durchaus möglich, dass ich die Versammlung aufgelöst haben könnte, ohne zu schießen. Wahrscheinlich wären sie dann zurückgekehrt und hätten mich ausgelacht und ich war nicht bereit, mich dazu zu machen, was ich als 'lächerlich' einstufe.“ Er gibt zu, den Verletzten keine Hilfe zukommen gelassen zu haben, da dies nicht seine Aufgabe und die Krankenhäuser ja geöffnet gewesen seien.
Hohe britische Offiziere hingegen begrüßen die Niederschlagung einer weiteren „indischen Meuterei“. Das britische Oberhaus stellt Dyer eine ausdrückliche Empfehlung aus und die Tories zeichnen ihn mit einem edelsteinbehangenen Kreuz aus, auf dem die Inschrift „Retter des Punjab“ zu lesen ist. Die Morning Post sammelt £ 26.000 zur Unterstützung Dyers. In Indien provoziert das Massaker kollektiven Zorn auf die Besatzer. Es beflügelt die indische Unabhängigkeitsbewegung im Punjab und ebnet im Laufe des Jahres 1920 der Kampagne der Nichtkooperation Mohandas Gandhis als Massenbewegung des zivilen Ungehorsams sowie der gesamten indischen Unabhängigkeitsbewegung den Weg. Der Nobelpreisträger Rabindranath Tagore legte aus Protest seinen durch den Ritterschlag erlangten Adelstitel ab.
Am 13. März 1940 erschießt der Sikh Udham Singh den ehemaligen Gouverneur der Region, Michael O'Dwyer. Singh sagte während des Verfahrens gegen ihn: „Er war es. Er war der wirkliche Schuldige, der den Geist meines Volkes zerstören und unterdrücken wollte und deswegen hat er es verdient.“ Singh wird für die Tat hingerichtet.


Masséna, André [AUS S. 101, 401]
Marschall von Frankreich, Herzog von Rivoli und Fürst von Essling * Nizza 1758 † 1817 französischer General. Verdienste im Italienfeldzug u.a. bei Rivoli 1797, wofür von Napoléon Herzogentitel erhält, als „L’enfant chéri de la victoire“ (das Lieblingskind des Sieges) bezeichnet wird. Direktorium beauftragt ihn 1799 zum Schutz Frankreichs mit dem Kommando über die „schweizerische Armee“. 25./26. September Zweite Schlacht bei Zürich , er stoppt Alliierte, erzielt legendären Sieg. Im Jahr darauf befehligt Italienarmee, mit der er Genua zur Kapitulation zwingt. Verschafft Napoleon die nötige Zeit, mit starken Kräften über die Alpen nach Oberitalien vorzustoßen, um hier in der Schlacht bei Marengo den kriegsentscheidenden Sieg zu erringen. 1804 Marschall von Frankreich. 1805 erneut Oberbefehl über die italienische Armee. 1806 mit der Eroberung des Königreiches Neapels beauftragt, 1807 führt er das V. Korps in Polen. Jagdunfall 1808 (bei einer von Marschall Berthier veranstalteten Jagd verfehlt Napoleon sein Ziel, die abprallende Kugel trifft Masséna ins Auge.1809 kämpft er in der Schlacht von Aspern/Essling, als Anerkennung von Napoleon den Titel „Fürst von Essling“.
Gilt als einer der fähigsten Heerführer Napoleons, neben Marschall Nicolas Jean-de-Dieu Soult zählt er zu den größten Plünderern der Napoleonischen Kriege (zur persönlichen Bereicherung)


Master of the Horse [RS S. 44]
Ranghöchster Offizier, verantwortlich für die Kgl. Stallungen, Kutschen und Pferde von Majestät. Mehr zeremonielle als Alltagsfunktion. Immer, wenn Majestät bei wichtigen Zeremonien zu Pferd oder mit der Kutsche unterwegs sind, ist The Queen's Master of the Horse anwesend, wie bei 'Trooping the Colour' oder 'State Opening of Parliament'.
Er inspiziert regelmäßig die Kgl. Stallungen und ist dritter hoher Offizier des Royal Household, nach dem Lord Chamberlain und dem Lord Steward. Ursprünglich Amt von politischer Bedeutung, die während des 18. Jahrhunderts sinkt, aber im frühen 19. Jht. wieder zu nimmt; seit 1924 rein protokollarische Bedeutung.



Mata Hari [AW S. 115]
auch Marguerite Campbell oder Lady Gretha MacLeod, Pseudonyme, in Wirklichkeit
Margaretha Geertruida Zelle * Leeuwarden 7. August 1876 † Vincennes 15. Oktober 1917
niederländische Tänzerin, vor und während des ersten Weltkriegs als exotische Nackt-Tänzerin bekannt. Nach umstrittenen Prozess in Frankreich 1917 als vermeintliche Spionin fürs Deutsche Reich hingerichtet. Biografie in ca. 300 Werken beschrieben.



matriarchalisch [LL S. 104]
Matriarchat ein Gesellschaftstyp bezeichnet, in dem alle sozialen und rechtlichen Beziehungen über die Abstammung der mütterlichen Linie organisiert sind, in dem die religiösen Vorstellungen auf eine Ahnfrau oder Große Göttin zurückgeführt werden, und in dem Frauen eine zentrale Rolle in Gesellschaft und Religion einnehmen.
Forschungskonsens, dass „sich das Matriarchat als Mutterherrschaft spiegelbildlich zum Patriarchat historisch nicht nachweisen lässt“.


Mauritshuis [RS S. 6, 23, 230]

Museum in Den Haag, Niederlande, beherbergt seit 1822 die Königliche Gemäldegalerie. Sammlung flämischer und holländischer Meisterwerke aus dem 17. Jahrhundert weltweit einzigartig.
Moritz von Nassau läßt das Gebäude während seiner Zeit als Gouverneur der holländischen Kolonie in Brasilien (1636–1644) unmittelbar neben dem Binnenhof als Wohnsitz erbauen.
Moritz macht sich nach der militärischen Sicherung der niederländischen Herrschaft an den Wiederaufbau der Zuckerindustrie. Zuckerproduktion und Handel sind 1641/1642 so groß wie nie. Den Wohlstand der Kolonie erreicht er durch Sklavenhandel und -arbeit. Vor ihm hat es so gut wie keinen niederländischen Sklavenhandel gegeben. Zwischen 1636 und 1645 aber werden insgesamt mehr als 23000 afrikanische Sklaven nach Brasilien gebracht. Nicht klar ist das Ausmaß der Beteiligung von Johann Moritz selbst am Sklavenhandel.
Die besten Architekten ihrer Zeit entwerfen das Moritzhaus (Mauritshuis): Jacob van Campen und Assistent Pieter Post, eines der schönsten Beispiele für den holländisch-klassizistischen Stil mit Einflüssen der italienischen Renaissance, zum Rijksmonument erklärt. 1820 kauft es der Staat


Maury, René [CS S. 10]
Professor für Wirtschaftswissenschaften, vertritt 1994 in Der Mörder von Napoleon die These, Napoléon sei während der Verbannung auf St. Helena mit Arsen vergiftet worden. Er will den Machenschaften des Compte Charles de Montholon, der die letzte Wohnstätte Napoleons auf der Insel St. Helena verwaltete, auf die Spur gekommen sein. Dieser habe dafür gesorgt, daß ständig eine kleine Dosis Arsen in den Wein Napoleons getan wurde. Am Ende genügt dann die gezielte Verabreichung eines Brechmittels, um im kaiserlichen Magen eine tödliche chemische Reaktion auszulösen, deren Ursachen und Verlauf beim damaligen Stand der Medizin und zumal auf Sankt Helena nicht zu ermitteln waren.
Der Chef des Toxikologie-Labors der Pariser Polizei, Ivan Ricordel, und die Strahlenforscher Pierre Chevallier sowie Georges Meyer untersuchten 2002 19 Haare Napoleons: von Haarschnitten aus den Jahren 1805 und 1814 - also vor seinem Exil, und vom Totenbett 1821. Mehr als tausend Messungen - auf den halben Millimeter genau - zeigten in sämtlichen Haaren deutlich überhöhte Arsen-Werte: Durschnittlich 15 bis 100 Teile pro Million (ppm) des sehr giftigen Halbmetalls wies jedes Haar auf - bereits mehr als drei ppm gelten als überhöht. Napoleon kann das Gift nicht aufgenommen haben, es ist über gut 15 Jahre hinweg und auf der ganzen Länge der Haare gleich verteilt. Die Folgerung: das Arsen kam von außen. Am wahrscheinlichsten Einsatz von Arsenik.


Mauve [LW S. 11]
(frz.) la mauve = die Malve


Mawddach [AUS S. 158ff]
Fluss in Wales, der bei Barmouth mündet





May, Karl [UH S. 29]
1842 - 1912 deutscher Schriftsteller, einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen und einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache, laut UNESCO einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller, weltweite Auflage seiner Werke geschätzt auf 200 Millionen, davon 100 Millionen in Deutschland.
Bekannt vor allem durch sogen. Reiseerzählungen, die vorwiegend im Orient, in den Vereinigten Staaten und im Mexiko des 19. Jahrhunderts spielen. Besondere Berühmtheit erlangen Geschichten um den Indianer Winnetou, viele Werke verfilmt, für die Bühne adaptiert, zu Hörspielen oder als Comics umgesetzt.


Mayer, Tobias [ AUS S. 152]
* Marbach am Neckar 1723 † Göttingen 1762 deutscher Astronom, Geo- und Kartograf, Mathematiker und Physiker. Sorgfältige Erforschung der Libration des Mondes, postum von Lichtenberg veröffentlichte Mondkarte

halbes Jahrhundert lang unübertroffen. Sein Ruhm beruht auf Mondtabellen, womit die geografische Länge auf See bis auf 0,5° genau bestimmt werden können (Lösung des Längenproblems, das bis zu dieser Zeit eine sichere Navigation auf hoher See verhindert hat (andere Lösung für dasselbe Problem etwa um die gleiche Zeit der englische Uhrmacher John Harrison: sie beruht auf Zeitmessung mittels neuentwickelter Uhren, die auch unter den rauen Bedingungen an Bord eines Segelschiffes auf hoher See ausreichend genau gehen))


McDonald’s [RS S. 101]
Fastfood-Restaurant, Unternehmen der Systemgastronomie mit ca. 31.000 Restaurants in über 100 Ländern


Medaille der Krone König Zvnonomirs [RS S. 122]
Den Orden der Krone König Zvonimirs stiftet das kroatische Staatsoberhaupt Ante Pavelic am 17. Mai 1941 zur Erinnerung an Dmitar Zvonimir als Zivil- und Militärverdienstorden des Landes. Verleihung an Ausländer möglich, solange Verleihungskriterien erfüllt sind.
Fünf Klassen mit angeschlossener Medaille in drei Stufen (Gold, Silber und Bronze), bei außergewöhnlichen Verdiensten auch mit Eichenlaub.
Das Ordenszeichen ist ein Bronze vergoldetes weiß emailliertes goldgerändertes kroatisches Kreuz. Im Medaillon goldene Krone
Bei Verleihung für Militärverdienste unter dem Medaillion zwei gekreuzte Schwerter. Bei Verleihung mit Eichenlaub Medaillon von einem nach oben offenen grün emaillierten Eichenkranz umschlossen.
Auf der Rückseite des Ordenszeichens Inschrift BOG I HRVATI (Gott und Kroatien). Im oberen Kreuzarm die Jahreszahl 1076 (Krönungsjahr von Zvonimir) und im unteren 1941 (Gründung des Unabhängigen Staates Kroatien).
Die runde Medaille hängt an einer Krone und zeigt das nach links blickende Abbild von Dmitar Zvonimir in seinem Königsornat. Rückseitig das von einem Lorbeerkranz umschlossene Staatswappen.
Großkreuz an einer Schärpe von der rechten Schulter zur linken Hüfte sowie mit einem silbernen achtstrahligen Bruststern, auf dem das Ordenszeichen aufliegt, getragen. Die I. Klasse als Halsorden, die II. Klasse als Steckkreuz sowie die III. Klasse und die Medaille an einem Dreiecksband auf der linken Brustseite getragen. Ordensband rot mit breiten weißen Randstreifen.


Meißner Figuren [ AW S. 27]

Meißener Porzellan: Porzellan aus der ersten europäischen führenden Manufaktur auf der Albrechtsburg in Meißen, Symbol die gekreuzten Schwerter.


Meißener Pulcinello [ AUS S. 220]
siehe Pulcinella


Meisterweber von Norwich [RS S. 333]

Master Weavers. The whole trade is conducted by a few houses, who command large capitals, and add the sagacity of the merchant to the skill of the manufacturer, Beatniffe 1808
The term ‘master weaver’ was rarely used in Norwich, the preferred terms were simply ‘Worsted Weavers’ in the earlier period and ‘Manufacturers’ in the later period . Nonetheless, we may identify a group of men at the top of their profession who were in effect ‘master weavers’. These men dominated the industry by virtue of their resources, skills and contacts. Of the 500 or so ‘worsted weavers’ admitted to the freedom, a handful had substantial resources, possessing capital of up to £20,000. Such men had a hand in every pie in the city; the securing and sorting of the wool-supply, co-ordinating the various processes of production within the small world of the Norwich textiles community. They also rented equipment and properties to other weavers, and negotiated with the London merchants for the sale of the finished pieces. As well as civic duties such men were cultured, well-travelled, patrons of the arts and connoisseurs.
Being opulent men and generally surrounded by their dependents they had something of a lordly bearing and a marked line of distinction was preserved between the merchants (weavers) and shop-keepers, but they were on the whole and honourable race and exercised much kindness towards those beneath them...Ursula Priestley
Glimpses of the top rank of weavers can be gleaned from insurance policy records. These reveal that entrepreneurs like Peter Columbine insured not only their own houses, contents, workrooms and equipment, but also valuable goods and stock in various stages of completion across the city.
Philip Stannard was a typical ‘master-weaver’, whose letters provide a snapshot of the complicated business life of the pre-industrial textile manufacturer. When trade was at its briskest in the 1760s, he employed some 300 weavers making the top-quality silks, florettas, taboretts and brocades ‘in the flowered way’. His business prospered, with the majority of pieces sold to London merchants. Encouraged by the success of others, he dipped a toe into the export market in the 1760s and ventured into foreign trade with Spain, aiming at the lucrative markets of South America. But such men were not immortal; in 1769 the City was aghast at the news of the firm’s bankruptcy to the tune of £50,000. Stannard was out of his depth in the international forum and his numerous dependent families of weavers paid the price.
Such men left their mark on the city of Norwich, not only in the memorials found in the city’s churches and chapels but in the generosity of their charitable foundations. Many provided the capital that allowed Norwich to expand and move on from textiles. These included the Bignolds into insurance, the Pattersons into brewing and most famously, the Gurneys into banking.


Melancholie [RS S. 19]
siehe René Steiningers Essay "Enzyklopädie der Melancholie"
Dürersche siehe

Melchior [SG S. 278]
einer der Heiligen drei Könige bzw. „Weisen aus dem Morgenland“ in der kirchlichen Tradition seit dem 6. Jahrhundert


Mellamed [AW S. 83]
aus dem Hebräischen: Schulmeister (Lehrmeister, Kinderlehrmeister)
Der "melammed" als Privatangestellter im Haushalt eines Juden begegnet bereits in hochmittelalterlichen Quellen. Zu unterscheiden vom Schulmeister, der von der Gemeinde öffentlich angestellt war und für die religiös vorgeschriebene Grundausbildung (Lesen, Schreiben, Studium des Pentateuch und der Mischna) der Kinder (in erster Linie der Söhne) der mittellosen Familien einer Gemeinde zuständig war. Unterricht in der Wohnung des Schulmeisters.


Memorial Grove [CS S. 37]
The World's First Online Memorial and Virtual Cemetery .


Mengs, Anton Raphael [SG. S. 12]
* Aussig 1728 + Rom 1779
Maler
.
Pastelle:



Mercedeswagen [AUS S. 242]
Mercedes volkstümliche Abkürzung für Mercedes-Benz, eingetragene Handelsmarke für Fahrzeuge der Daimler AG. Name entsteht 1926 nach dem Zusammenschluss der Daimler-Motoren-Gesellschaft (Marke Mercedes) mit Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG.



Merleau-Ponty, Maurice [LL S. 174]

* Rochefort-sur-Mer 1908 † Paris 1961 Philosoph, einer der wichtigsten Vertreter der französischen Phänomenologie.
Im katholischen Sinn erzogen, ab 1926 mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Jean Hyppolite bekannt, Lehrer Repetitor an der École normale supérieure Philosophielehrer an verschiedenen Gymnasien Paris. Lyon Professor der Philosophie. Bricht 1955 mit Sartre und Beauvoir. Widmet sich verstärkt der Arbeit an Das Sichtbare und das Unsichtbare, nicht abgeschlossen.
Statt des Leibes tritt das „Fleisch“, von Merleau-Ponty „chair“ genannt, in den Mittelpunkt, wobei hier der Begriff „Fleisch“ ausdrückt, dass der Philosoph auf der Suche nach einer ursprünglichen, nicht vermittelten Erfahrung ist. Die Motivation Merlau-Pontys wird deutlich, „der noch stummen Erfahrung Ausdruck zu verleihen“ “...die gesehene Welt ist nicht 'in' meinem Leib, und mein Leib ist letztlich nicht 'in' der sichtbaren Welt: als Fleisch, das es mit einem Fleisch zu tun hat, umgibt ihn weder die Welt, noch ist sie von ihm umgeben. Es gibt ein wechselseitiges Eingelassensein und Verflochtensein des einen ins andere.“
Essays über Paul Cézanne beeinflussen die neuere Kunstgeschichte.
Viele Texte in der Studentenbewegung der 60er Jahre rezipiert und diskutiert.
L'Oeil et l'Esprit (Zitat aus Hegels Phänomenologie des Geistes) "Das Auges des Geistes" (regard prehumain = vormenschlicher Blick)


Messepalast [AUS S. 256]



Průmyslový palác im Neobarock-Stil im Austellungsgelände VýstavištéPraha in der unmittelbren Umgebung des Stromovka-Parks.
Das Ausstellungsgelände im Stadtteil Holešovice entsteht anlässlich der Prager Jubiläumsausstellung 1891, aus deren Anlass auch der Aussichtsturm Petřín, die Petřín-Standseilbahn, die Letná-Standseilbahn und die Elektrische Bahn von Belvedere entstehen. Mittelpunkt des Ausstellungsgeländes ist Messepalast.
siehe Zitate Adler



Messerschmidt, Daniel [NN S. 44]
Messerschmidt, Daniel Gottlieb * Danzig 1685 + Petersburg 1735
Sibirienforscher. Medizinstudium Jena u. Halle, Arzt in Danzig, Kontakt mit Peter I. Über siebenjährige Forschungsarbeit in Sibirien (1720-27) Tagebuchaufzeichnungen, umfangreiche Aufzeichnungen über Ornithologie, Pflanzenkunde, Kultur und das Leben der dortigen Völker, sowie alte Felszeichnungen (in Petersburg aufbewahrt), als erster Mammut ausgegraben. 1729 Heirat mit Brigitte Helene Böchler (Boecler), einer Tochter des Obristen B., (eine „rasche wilde“ Frau, welche er in Solikamsk im Traume gesehen haben will - Sebald: "Bäckerstochter aus Sesslach" ?). Stellte Verbindung zwischen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz mit der Petersburger Akademie her. Stirbt verarmt und verbittert - wesentlich unterstützt durch Erzbischof von Nowgorod Theophanes
. Seine junge Witwe heiratet später Georg Wilhelm Steller , den sie schon zu M.s Lebezeiten kennengelernt hatte - Steller war häufig Gast bei M. zur Vorbereitung der Zweiten Kamtschatkaexpedition


Messias Septentrionalis [NN S. 44]
Aus der Interpretation des Lactanz (Kirchenlehrer) zur Apokalypse des Johannes : Tum repente adversu eos hosti potentissimus ab extremis finibus plagae septentrionalis orietur


Methapher [RS S. 30]
(aus dem Griechischen: Übertragung) rhetorische Figur, bei der ein Wort nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht wird, und zwar so, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der übertragen gemeinten eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.
Beispiele: Wüstenschiff – Kamel, Rabenmutter – Mutter, die ihre Kinder vernachlässigt, Nadel im Heuhaufen suchen – eine schwer auffindbare, unauffällig unter sehr vielen ähnlichen Dingen versteckte Sache suchen, Nussschale – kleines Boot, rosarote Brille – positive Selektive Wahrnehmung


Methaphysik der Geschichte [AUS S. 19]
Metaphysik als Grunddisziplin der Philosophie behandelt in ihren klassischen Form zentrale Probleme der theoretischen Philosophie: die Beschreibung der Fundamente, Voraussetzungen, Ursachen oder „ersten Gründe“, der allgemeinsten Strukturen, Gesetzlichkeiten und Prinzipien sowie von Sinn und Zweck der gesamten Wirklichkeit bzw. allen Seins.
Gegenstand sind nicht durch empirische Einzeluntersuchungen zugängliche, sondern diesen zugrundeliegende Bereiche der Wirklichkeit. Fragen nach einem letzten Sinn und einem systematisch beschreibbaren "großen Ganzen" als auf natürliche Weise im Menschen angelegt, werden als ein „unhintertreibliches Bedürfnis“ verstanden (Kant), ja bezeichnet den Menschen sogar als „animal metaphysicum“, als ein „metaphysiktreibendes Lebewesen“ (Schopenhauer). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden, klassischer analytisch-empiristischer und kontinentaler Metaphysikkritik zum Trotz, wieder komplexe systematische Debatten zu metaphysischen Problemen von Philosophen geführt.


Metternich, Klemens Wenzel Lothar von [UH S. 21, 25f.]
1773 - 1859 Diplomat und Staatsmann im Dienste Österreichs. 1809 Außenminister. Seit 1813 zu einem der führenden Staatsmänner in Europa aufgestiegen, spielt auf Wiener Kongress führende Rolle bei der politischen und territorialen Neuordnung Europas nach dem Sturz Kaisers Napoleon I. im Sinne eines Gleichgewichts der Mächte. Als politischer Ausgestalter der Heiligen Allianz steht M. als führender Politiker der Restaurations- und Biedermeierzeit für das Monarchische Prinzip und bekämpft nationale und liberale Bewegungen besonders in Deutschland und Italien, siehe wiki



Miasma [AUS S. 252]
Miasma (gr):übler Dunst, Verunreinigung, Befleckung, Ansteckung. Begriff nicht auf den biologisch-medizinischen Effekt beschränkt, sondern im übertragenen Sinne auch auf die geistig-emotionale Ebene


Miloradowitsch, Michail Andrejewitsch [AUS S. 104]
Graf Michail Andrejewitsch Miloradowitsch * 1770 † 1825 General der russischen Armee. In der Schlacht bei AUS sollte er im Zentrum den Angriff der drei Kolonnen verstärken.


Milton, John [RS S. 9]
* London 1608 † Bunhill bei London 1674 englischer Dichter und Staatsphilosoph Schriften von außerordentlichem Einfluss „Von vielen geliebt, von manchen gehasst“ Bis heute Einfluss in angelsächsischer Literatur und Kultur bemerkbar. Wichtiges Werk episches Gedicht Paradise Lost vgl. bei Zitaten


Milward, Charles [CS S. 219 ff]
Seemann, Großonkel Chatwins, läßt sich Ende des 19. Jht. in Patagonien nieder. M. ist beim Fund von Fossilien in einer Höhle dabei, die man zuerst für die Überreste eines Brontosaurus hält. In Wahrheit handelt es sich um ein Mylodon , ein Riesenfaultier. M. schickt ein Stück des Fells nach England als Hochzeitsgeschenk für Chatwins Großmutter Isobel Chatwin. Sie bewahrt das rotbraune Fell in einer Vitrine neben anderen Kuriositäten auf. Der kleine Bruce bewundert es sehr. Er habe sich nie etwas so sehr gewünscht, wie dieses Stück Fell: sein Fetisch. Leider geht es bei einem Umzug verloren. Auf seiner Reise ("In Patagonien") besucht Chatwin die Mylodon-Höhle, wandelt auf Charles M.s Spuren – seine Suche nach der verlorenen Zeit, Hommage an seine Kindheit.


Minder, Robert [LL S.12, 26]
1902-1980, französischer Germanist. Klavier- und Philosophieunterricht bei Albert Schweitzer, mit dem er bis zu dessen Tod befreundet bleibt. Er lädt Tucholsky, Thomas Mann, Heinrich Mann, Walter Mehring, Hugo von Hofmannsthal, Ernst Robert Curtius und andere zu einer von ihm gegründeten Studentengruppe nach Paris ein. 1925 lernt Minder Alfred Adler kennen, mit dessen Individualpsychologie er sich intensiv beschäftigt. 1933 in Nancy Gymnasiallehrer, Universitätsdozent. 1943 geht er in den Untergrund. 1948 Mitbegründer des Comité français d’échanges avec l’Allemagne nouvelle in Paris. 1949 Ritter der Ehrenlegion. 1957 Lehrstuhl für Langues et littératures d´origine germanique am Collège de France. Döblins Sohn Claude strengt Verleumdungsprozess gegen Minder an.
In seinem berühmten Essay »Heidegger und Hebel oder die Sprache von Meßkirch« von 1972 stellt Minder dem Hebelbild des »schwäbischen« Philosophen den »badischen«, der Aufklärung zugewandten Prälaten und Dichter gegenüber. Er erledigt die Philosophie Heideggers (»Das stolze Schiff zieht weiter seine Bahn«), versteht sich als Freibeuter, der die »Schwächen des Werkes und die Beharrlichkeit dieser Schwächen« aufzuzeigt.
Auszüge:
Überraschend Heideggers Ausspruch: Hebel, ein Unbekannter, in seiner tieferen Bedeutung kaum je erfaßt oder auch nur geahnt. An solch eherne Diktate ist man beim Verfasser von »Sein und Zeit« freilich gewöhnt. Seine Faszination beruht zum Teil - wie bei Stefan George - auf der Unerbittlichkeit des Spruchs »Der Zauber der Heimat hielt Hebel im Bann«. Der Satz steht im Mittelpunkt der erbaulichen Betrachtung und macht gleich stutzig: das ist nicht nur der Tonfall Wagners, sondern das ganze magische Universum des »Rings«. Hebel wird als Siegfried kostümiert wohlig gewiegt von Wagnerschen Ramsch-Assonanzen, die mit biblischen Reminiszenzen vermischt sind, zieht der Denker aus Meßkirch das Fazit für Hebel eine pseudoromantisch mystifizierende Auffassung des Dichters, die uns keinen Schritt näher an Hebel heranbringt, sondern ihn gern vom Lärm des frechen Tages zum Priester des Weltmysteriums weiht
Blutrot beginnt das Wort »alemannisch« in einer dritten Phase zu schimmern, als 1933 ein hoch industrialisiertes, rassisch besonders buntgemengtes Volk sich arische Ahnen beilegte und bald darauf im ganzen besetzten und terrorisierten Europa Tod und Leben des Einzelnen davon abhängen ließ, ob er von Siegfried abstamme oder nicht. Es war die Zeit, wo auch Hebel als sippenverhafteter Bauer auftrat. Heidegger hat der »alemannischen Tagung« in Freiburg beigewohnt, auf der Hermann Burte ein Kleinepos von 400 Strophen über den wiederentdeckten »arischen Hebel« vortrug: streicht man das ominöse Wörtchen, so deckt sich Heideggers Hebel von 1957 bis in die Einzelheiten mit Burtes arischem Hebel von 1936.
Demokraten, ein Begriff, der für Heidegger unverständlich, ja abwegig sein mußte, stammen doch beide aus den radikal umgeschichteten bäuerlich-bürgerlichen Kreisen der Bismarck- und Hohenzollernzeit, die unter Verzicht auf politische Mündigkeit patriotisch strammstanden, nach 1918 das Fronterlebnis sakralisierten, die Weimarer Republik diabolisierten und wie reife Früchte auf den Boden klopften, als blutrot am Horizont der Führer aufgetaucht war. Besondere Beachtung verdient die Einwurzelung oder Wiedereinwurzelung der deutschen Sprache im »vorlateinischen Deutsch«, für die der Philosoph immer energischer einschritt und für die sein eigener Stil Musterbeispiele zu geben versucht.Heidegger in seiner Hebel-Rede ebenso muffig treudeutsch und ländlich verzückt: Hebel wählte nach eigenem dichterischem Ermessen die schönsten Stücke, die er in den Kalender des Rheinischen Hausfreundes gegeben hatte, aus. So schränkte er den Schatz auf das Kostbarste ein, baute ihm ein Schränklein und schenkte es im Jahre 1811 der ganzen deutschen Sprachwelt als »Schatzkästlein« .
Der Philosoph und Polyhistor Heidegger markiert den Bauer, kehrt den Meßkircher heraus, pocht auf den schwäbischen Urkern seiner Herkunft. Der Badener Hebel ist auf diese radikale Weise vom schwäbischen Philosophen verschlungen, verdaut und verheideggert worden, und dagegen sollte hier Einspruch erhoben werden. Denn Hebel gehört nicht zu Heidegger und nicht zum schwäbischen Heuberg: er gehört zum badischen Schwarzwald und zu jener Rheinebene, in der er den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. Er gehört als Humanist und Kosmopolit in den Umkreis eines Mannes, den er zeitlebens verehrt und den Heidegger zeitlebens bekämpft hat: Goethe. Er ist gewissermaßen ein Goethe im Duodezformat, hoher Staatsbeamter und Dichter, treuer Diener seines Herrn und heimlicher Frondeur, eminent kritischer Kopf und wortverliebter Artist, toleranter Christ und urbaner Schüler der Antike ...



Minne [LW S.81]
mhd.: Liebe, seit dem 19. Jahrhundert als literaturgeschichtlicher und rechtshistorischer Fachbegriff gebraucht, zunehmend durch das Wort Liebe ersetzt, quasi ausgestorben. Erhalten nur im Fachterminus Minnesang.


Mitleidiger in der Münchner Verspottung [NN S.7]
siehe Münchner Verspottung


Moab Gebirge [AW S.214]

Totes Meer und Moab Geirge, gesehen von den Höhen bei Ain Jidy
Gebirge Abarim in Moab mit dem Fluß Arnon (Wadi Modschib), Teil des Gebirges im Ostjordanland, unter dem Namen Gilead zusammengefaßt, steigt vom Toten Meer und dem Ghor aus steil an und verflacht sich ostwärts mit allmählicher Senkung in das Steppen- und Wüstengebiet Nordarabiens


Mölkerbastei [LW S. 46]
Rest der Basteien Wiens, der ehemaligen Stadtmauer. Errichtet um 1150, benannt nach dem Stift Melk. Auf der Bastei befinden sich das Dreimäderlhaus und das Pasqualati-Haus (Mölker Bastei 8), dessen Besitzer Johann Baptist Freiherr von Pasqualati, Gönner Ludwig van Beethovens, diesen acht Jahre lang (1804 bis 1808 und 1810 bis 1814) in seinem Haus leben läßt. In der Wohnung im 4. Stock komponiert er seine 5.,6., 7. und 8. Sinfonie sowie das Klavierwerk Für Elise. Siehe auch


Mörike, Eduard [LL S. 5f, 77ff.]
Eduard Friedrich Phillip M. * Ludwigsburg 1804 † Stuttgart 1875 Ev. Pfarrer, Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer.
7. Kind eines Medizinalrates und einer Pfarrerstochter, 12 Geschwister. Vaters stirbt 1817, er kommt zu Onkel in Stuttgart, dem für seinen Neffen die geistliche Laufbahn vorschwebt. Ev. Seminar Urach, bis 1826 Tübinger Stift. Beschäftigung mit antiken Klassikern prägend für später. Mietet „Wirtshaus zur Stadt Rom“ im Schlosspark Hohenheim, Roman Maler Nolten.Verliebt sich in Maria Meyer (1802–1865), dort Bedienung, zum Entsetzen der Schwester Luise (Gefahr, die „seinem edelsten Selbst in der engen Verbindung mit dem Unreinen droht“.), bricht mit ihr. 8jährige „Vikariatsknechtschaft“ und Pfarrverweser: Oberboihingen, Möhringen, Köngen, Pflummern, Plattenhardt (Verlobung und gelöst), Owen, Eltingen, Ochsenwang, Weilheim an der Teck, Owen, Ötlingen, lieber der Schriftstellerei gewidmet, wagt es nicht, sich als freier Schriftsteller durchzuschlagen. Pfarrer Cleversulzbach. 1844 Ruhestand, Bad Mergentheim, heiratet kath. Tochter des Vermieters, Stuttgart, unterrichet Literatur. 1873 Trennung.
Begeisterter Sammler von Versteinerungen


Monstranz [AW S. 53]
(lat.: monstrare, „zeigen“) kostbares, mit Gold und Edelsteinen gestaltetes liturgisches Schaugerät mit Fensterbereich, in dem Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird. Während der Prozession und beim Segen hält Priester die Monstranz mit verhüllten Händen



Montalembert, Marc-René de [AUS S. 21]
* Angoulême 1714 † Paris 1800 französischer Ingenieur für Waffentechnik und Festungsbau. 1736 und 1741 bei verschiedenen Feldzügen in Italien, Flandern und Deutschland (Belagerungen von Kehl und Philippsburg), zahlreiche Abhandlungen für die Académie française, legt aus eigenen Mitteln Munitionsgießereien in Périgord und Angoumois für die französische Flotte an. Während des Siebenjährigen Kriegs zwei Jahre französischer Kommissar bei den russischen und schwedischen Truppen, leitet Verstärkung der Befestigung von Anklam und Stralsund, später befestigt er die Inseln Aix und Oléron nach dem von ihm entwickelten System der detachierten Werke. Für das Artilleriewesen erfindet er niedrige Rahmenlafetten. Entschiedener Anhänger der französischen Revolution. Seine Ideen und Intentionen beeinflussen Neupreussische Fortifikationsmethode entscheidend. Durch die Entwicklung des Systems detachierter Forts entfällt Bastionsfestung, es geht hin zum Tenaillensystem. Anordnung von mehrgeschossigen Geschützetagen in polygonalen oder runden Kavalieren, z.B. Fortifikation Königsberg.
La fortification perpendiculare 1776


Monte Carlo [AW S. 132]
Stadtteil von Monaco, der für sein Casino und seine Prominenz bekannt ist.
Die Spielbank Monte Carlo ist eine der bekanntesten Spielbanken der Welt, 1856 erteilt Fürst Florestan die erste Lizenz an die Franzosen Napoléon Langlois und Albert Aubert.



Das prunkvolle Casino 1863 erbaut, heute noch das Wahrzeichen des Stadtbezirkes Monte Carlo. Es gilt als schönstes Casino der Welt. Im Gebäude auch die Oper von Monte Carlo, die über ein gemeinsames Foyer vereinigt sind. Casino ist das Werk des legendären Architekten Charles Garnier, der auch die fabelhafte Pariser Oper von Paris schuf. Fresken, die den Werken des Malers Boucher nachempfunden sind, Kunstbasreliefe, Skulpturen und Karyatidens, ein atemberaubendes Atrium aus Marmor und Gold - diese Architektur verleiht dem Ort einen feierlichen Rahmen und gibt den Emotionen unvergessliche Intensität.
1897 vergrößert Architekt Henri Schmit das Gebäude, nach ihm ist der Hauptspielsaal "Salle Schmidt" benannt


Monte Ceneri [AUS S. 238]
ein Landessender auf der Mittelwellenfrequenz 558 kHz für die italienische Schweiz, strahlt bis Ende 2012 das Programm der Stimme Russlands aus



Sender steht von 1933 bis 1979 oberhalb der Passhöhe des Monte Ceneri, Turm existiert noch


Montgomery, Comtesse de [AW S. 181]
schottisches Adelsgeschlecht


Morphinist [SG S. 266]
ugs. Morphiumsüchtiger


Morta [AW S. 355]
mit Nona und Decuma die drei Parzen


Mozart [CS S. 226]



Müller, Johann Friedrich Wilhelm [SG S. 12]
* Stuttgart 1782 + Pirna/Sachsen 1816
Kupferstecher. Hauptwerk: Sixtinische Madonna nach Raffael.

Läßt sich von Vater - ebenfalls Kupferstecher - in Geometrie und Perspektive unterweisen; ab 1797 an sticht er Blätter nach Edelinck, Goltzius u. a., 1800 Auftrag Bildnis des bekannten preußischen Leibarztes und Professors Chr. Wilh. Hufeland nach Fr. Tischbein zu stechen. Paris, dann wieder Stuttgart. 1808 Auftrag, die „Sixtinische Madonna“ von Raphael zu stechen. Der Auftraggeber hat sie zu diesem Zwecke von der Malerin Apollonie Seydelmann zeichnen lassen. Müller kopiert aber selbst in Dresden das Original, reist nach Italien, um sich dort in die Kunst Raphael’s gründlich einzuleben. In Rom zeichnet er unermüdlich Studien nach Raphael. 1814 Professor der Kupferstecherkunst an der Akademie in Dresden, wo das Original "seiner Madonna" sich befindet, an deren höchster Vollendung er schon mit einer Art von religiöser Schwärmerei arbeitet. Verfällt in düstere Schwermuth und Wahnsinn, Irrenanstalt auf dem Sonnenstein bei Pirna (soll mit List den Wächter getäuscht haben, um durch einen Sprung durch das Fenster seiner Haft zu entrinnen). Bei seiner Leiche wird ein, wenige Stunden zuvor aus Paris eingetroffener tadelloser Abdruck seiner Madonna aufgestellt.


München [AW S. 7]



Münchner Abkommen [AUS S. 245]
1938 von den Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reiches zur Lösung der Sudetenkrise unterzeichnet. Vertreter der Tschechoslowakischen Republik nicht eingeladen.
Unter Vermittlung Mussolinis geben Chamberlain und Daladier dem Diktator Adolf Hitler Zustimmung zur Eingliederung des überwiegend deutschsprachigen Sudetenlandes und den staatlichen Anschluss an Deutschland. Faktisch Ende der 1918 entstandenen multinationalen Tschechoslowakei. Sie wollten weiteren Krieg verhindern (Appeasement-Politik).
Aufteilung der Tschechoslowakei:
1. Das Sudetenland wird an das Deutsche Reich angeschlossen (Oktober 1938).
2. Tschechisch Teschen bzw. das Olsagebiet wird von Polen besetzt (ab 2. Oktober 1938).
3. Grenzgebiete mit teils ungarischer Ethnie (vgl. Wiener Schiedsspruch) werden Ungarn angeschlossen (2. November 1938) und auch
4. die Karpatoukraine mit ruthenischer Bevölkerung (März 1939).
5. Im März 1939 wird die Rest-Tschechei als deutsches Protektorat besetzt und als Protektorat Böhmen und Mähren der Gebietshoheit des Deutschen Reiches unterstellt.
6. Die Slowakei wird ein eigener Staat.
Das Deutsche Reich im Gebietsstand vom 31. Dezember 1937 stellt bis 1990 den letzten völkerrechtlich unumstrittenen Status Deutschlands dar; die 1938/1939 erfolgte Auflösung der Tschechoslowakei wird nur unter dem Aspekt der Beschwichtigungspolitik geduldet und führt zum Beistandsversprechen Großbritanniens an Polen.



Münchner Verspottung [NN S. 7]

Besteller des Altarsbilds Grünewalds war wohl Viztum Johann von Cronberg, + 1506. Es hing bis 1613 als Epitaph in Aschaffenburg in der Stiftskirche, dann dem bayerischen Herzog überlassen. Alte Pinakothek München. Der 'Mitleidige' (Turbanträger) soll Grünewald sein.
Mitleidiger


Müntzer, Thomas [NN S. 29f]

auch Münzer,* Stolberg (Harz) um 1489 † Mühlhausen 1525 evangelischer Theologe und Revolutionär in Zeit des Bauernkrieges. Als Priester zunächst engagierter Anhänger und Bewunderer Martin Luthers. Sein Widerstand nicht nur gegen die vom Papsttum beherrschte geistliche Obrigkeit, sondern auch gegen die ständisch geprägte weltliche Ordnung. Wegen seiner radikalen, sozialrevolutionären Bestrebungen und seiner spiritualistischen Theologie, welche sich in vielen kämpferischen Texten beziehungsweise Predigten niederschlagen, distanziert Luther sich zu Beginn des Bauernkrieges von ihm. Vom Stadtrat Zwickaus des Aufruhrs verdächtigt, 1521 aus der Stadt vertrieben, letzten Sold quittierte mit Thomas Müntzer, qui pro veritate militat in mundo („Thomas Müntzer, der für die Wahrheit in der Welt kämpft“). Böhmen, 1521 Jena, Erfurt, Weimar, Glaucha bei Halle, 1523 Allstedt Pastor, heiratet entlaufene Nonne Ottilie von Gersen, 1524 erstes Kind. Arbeitet an Reform der Liturgie, Kernpunkt: Einführung der deutschen Sprache bei der Messe. 1524 so genannte Fürstenpredigt zu Allstedt vor Kurfürst Johann und dessen Sohn Johann Friedrich. Fordert die ernestinischen Fürsten auf, der Sache der Reformation (im Sinne Müntzers) keinen Widerstand zu leisten, zugleich die sozialen Missstände scharf angegriffen. Stellung verloren. 1524 Flucht Mühlhausen, schlägt sich auf die Seite der Bauern, wird deren Leitfigur im Deutschen Bauernkrieg in Thüringen. 1525 nach der Schlacht bei Frankenhausen , die in völliger Niederlage der von Müntzer zusammengerufenen Bauernhaufen endet, gefangen genommen, in Festung Heldrungen auf Befehl Graf Ernsts II. von Mansfeld im Beisein des Herzogs Georg des Bärtigen gefoltert und in Mühlhausen enthauptet.
Müntzers Theologie auf mystischem Boden spiritualistische, täuferische, apokalyptische und sozialrevolutionäre Elemente. Anlehnungen an mittelalterliche Mystik. Enge Beziehungen zur Theologia deutsch und zu Johannes Tauler. Prophetische Bücher der Bibel, Buch Daniel und die Offenbarung des Johannes besonders geschätzt. Visionäre Auslegung der apokalyptischen Bibelteile: die mit Purpur bekleideten Hure Babylons (Off. 17,4; 18,16) = Römisch-katholische Kirche, Luther und syn anhang inbegriffen. Seine Zeit nennt er das fünft reich, das ebenfalls aus Eisen besteht, weil es Arme und Unschuldige unterdrückt. Darum sei ein neuer Prophet Daniel vonnöten. An anderen Stellen fordert er alle gottsfüchtgen auf, einen neuen Täufer Johannes zu erwarten. Am liebsten jedoch spricht er von einem neuen Elija, der kommen muss, um die Welt auf gottgewollte Weise zu ordnen. Dazu gehörte seiner Meinung nach auch die Tötung der Baalspfaffen (= papsttreue Amtsträger der alten Kirche) und der Sturz der gottlosen politischen Machthaber. Blick für die sozialen Probleme seiner Tage. Seine sozialethische Interessen in engem Kontakt mit seinen mysthischen und theologischen Ideen. Sein Porträt 1971 bis 1990 auf der 5-Mark-Banknote der DDR.


Murano [SG S. 78]

Insel einer durch Brücken verbundenen Inselgruppe nordöstlich von Venedig in der Lagune
mit 6.000 Einwohnern. Weltberühmt durch Glasbläserei, von Venedig gut mit Vaporetto zu erreichen


Murat, Joachim [AUS S. 104]
* Labastide-Fortuniere, heute Labastide-Murat 1767 † Pizzo, Kalabrien 1815, 1806 bis 1808 Großherzog von Berg, 1808 bis 1815 König von Neapel, Schwager Napoléons und Marschall von Frankreich. Nimmt an der Schlacht bei Austerlitz teil. Den Einzug des neuen Großherzogs Joachim in Düsseldorf 1806 und die Einquartierung eines Tambour-Majors aus dessen Truppe in seinem Elternhaus schildert der in Düsseldorf geborene Dichter Heinrich Heine (1797–1856) aus eigenem Erleben in seinem Werk „Ideen – das Buch Le Grand“, enthalten in Heines „Reisebilder. 2. Teil“ (Hamburg 1827)


Murbacher Kluniazenser [NN S. 20]
Kloster Murbach (Lage siehe ), ehemals berühmte Benediktinerabtei im südlichen Elsass in einem Tal am Fuß des Großen Belchen/Vogesen nahe Guebwiller (dt. Gebweiler) 727 gegründet. Kluniazenser siehe


Musaeum Aldrovandi [RS S. 322]
In seinem Vorwort zum Musæum Clausum erwähnt Browne u. a. ein Musæum Aldrovandi, das Calceolarianum, die Casa Abellita in Loretto, den Kaiser von Wien...
Ulisse Aldrovandi (1522 -1605) Arzt und Biologe und Begründer der modernen Zoologie. Lehrstuhl für Medizin an der Bologneser Universität, wo er 1567 den Botanischen Garten gründet, unternimmt mit Studenten Exkursionen auf die Insel Elba, nach Livorno und in die Veroneser Alpen, legt ein Herbarium sowie ein Naturalienkabinett (Musaeum Aldrovandi) an. Hauptwerk: Historia animalium


Musaeum Calceolarianum [RS S. 322]
In seinem Vorwort zum Musæum Clausum erwähnt Browne u. a. ein Musæum Aldrovandi, das Calceolarianum, die Casa Abellita in Loretto, den Kaiser von Wien ...
Francesco Calzeolari (1521 - 1600), berühmter Apotheker aus Verona, sammelt Heilmittel, besonders solche mit wundersamen Eigenschaften. Er häuft ein unglaublich großes, wohl geordnetes und schönes Kabinett an

und veröffentlicht einen Führer als Calzeolarii Musaeum
Benedetto Ceruti und Andrea Chioco bringen den zweiten Katalog als MUSAEUM FRANC. CALCEOLARII nach dem Tod von Calceolari heraus. Das Museum wird von seinem Neffen Francesco dem Jüngeren verbessert und umgeformt. Der Katalog ist beinahe 10 Mal so umfangreich und gut illustriert





Musaeum Clausum [RS S. 8, 321ff]
Postumes Werk von Thomas Browne , das eine Vielzahl von Traktaten enthält, z. B.:

Eine Auflistung bizarrer Objekte beschließt das Werk. vgl. auch Zitat


Muschg, Adolf [LL S. 99, 118]
Schweizer Schriftsteller, siehe wiki


Musée Fesch [CS S. 7ff]
In Korsikas Hauptstadt Ajaccio, seit 1852 eine der beeindruckendsten Sammlungen italienischer Tafelbilder vom 14. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Klassizistischer Palast, davor Standbild des Kardinal Fesch

Bibliothek im Nordflügel. Sammlung Fesch im Zentralbau Von den etwa 20 000 Gemälden der Sammlung ca. 1000 in Ajaccio verblieben. Tizian, Botticelli, Boccati, Niccolò di Tommaso usw. Napoleon III. läßt die kaiserliche Kapelle bauen, kommt 1869 zur Einweihung nach Korsika (Krypta). website des Museums


Mussolini-Mütze [AUS S. 239]





"My field of corn..." [AW S. 95]
Vorangestelltes Motto der dritten Erzählung "Ambros Adelwarth"
Abgeändertes Zitat aus “Tichborne’s Elegy,” das Werk des wenig bekannten englischen Dichters Chidiock Tichborne (1558-1586). Das Original liest sich wie folgt:
My prime of youth is but a frost of cares,
My feast of joy is but a dish of pain,
My crop of corn is but a field of tares,
And all my good is but vain hope of gain:
The day is past, and yet I saw no sun,
And now I live, and now my life is done.

The way it is stated in “Tichborne’s Elegy,” the line is somewhat arcane: what exactly is a “field of tares”? Tares, or bearded darnel, are an oriental plant mentioned in the parable of the tares among the wheat in Matthew 13: 25-30. As Easton’s Illustrated Bible Dictionary explains, “It is the Lolium temulentum, a species of rye-grass, the seeds of which are a strong soporific poison. It bears the closest resemblance to wheat till the ear appears, and only then the difference is discovered. It grows plentifully in Syria and Palestine” (654). Tichborne thus identifies the crop of corn, promising wealth and nourishment, with a field of obscure, poisonous plants. In the same manner, each of the poem’s lines combines two paradoxical statements. The speaker is in the prime of his youth, yet at the same time he has the “frost of cares” emblematic of old age; a “feast of joy” is simultaneously “a dish of pain,” and so on. Sebald, however, exchanges the nouns “crop” and “field,” and thereby turns a paradoxical statement into a logical one about the nature of time, which will destroy everything so that the “field of corn,” with its promise of a rich crop, in fact only leads to a “crop of tears.” In “Tichborne’s Elegy,” it is not possible to interpret the line chronologically because the crop is mentioned before the field. Sebald has also exchanged the noun “tares,” with its arcane biblical reference, for the more conventionally poetic “tears.” (nach Horstkotte )


Mylodon [CS S. 219]
3,5 bis 4 Meter großes, bodenlebendes Riesenfaultier Südamerikas, das am Beginn des Holozäns ausstarb. Charly Milward wollte es finden.


Myrrhe [SG S. 278]
Harz des Baumes Commiphora myrrha (Balsambaumgewächs), als Räucherwerk verbrannt, ähnlich wie Weihrauch. Im Neue Testament wird erzählt, die Weisen aus dem Orient (so genannte Heilige Drei Könige) führten als Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe als achtungsbezeugende Gaben - seinerzeit wertvoll - mit






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