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Lexikon V

Valckenborch, Lucas van [AUS 19]

* Löwen um 1535 + Frankfurt/M 1597. Flämischer Maler
1566 verläßt er mit Bruder Marten, Hans Vredeman de Vries und Hendrik Steenwijk dem Älteren aus Glaubensgründen die Heimat, geht nach Aachen, dann Lüttich. In Antwerpen Kontakt mit Erzherzog Matthias, Statthalter der Spanischen Niederlande, ab 1579 in dessen Diensten, folgt ihm 1581 als Kammermaler nach Linz. 1592/93 Frankfurt am Main, wo sein Bruder lebt. 1594 Bürgerrecht.
siehe Antwerpen mit zugefrorener Schelde von 1589


Valley [AW 324]
Anton Graf von Arco auf Valley * Sankt Martin im Innkreis 1897 † Salzburg 1945, deutscher Adeliger. Ermordet 21. Februar 1919 den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Valley war der Sohn des bayerischen Adligen Maximilian Graf Arco-Valley (1849–1911) und der Emmy Freiin von Oppenheim (1869–1957) aus der jüdischen Bankiersfamilie Oppenheim. Als Jurastudent und ehemaliger Leutnant des bayerischen Leibregiments erschießt er in München in antisemitisch aufgeheiztem politischen Klima Kurt Eisner, der ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammt. Der pazifistische USPD-Politiker erster Ministerpräsident Bayerns nach dem Sturz der Monarchie, auf dem Weg in den Landtag ermordet, wo er nach der verlorenen Landtagswahl seinen Rücktritt anbieten wollte.
Arco gehört zum Umfeld der Thule-Gesellschaft, einer Keimzelle der NSDAP. In seiner Studie zu den okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus beschreibt der englische Historiker Nicholas Goodrick-Clarke ihn als „einen jungen Juden, der über seinen Ausschluss aus der Thule-Gesellschaft aufgebracht war und durch den Mord (an Kurt Eisner) seine nationale Gesinnung zeigen wollte.“ (Arco war wegen seiner jüdischen Mutter Emmy von Oppenheim aus der Thule-Gesellschaft ausgeschlossen).
Alternativ werden ihm Verbindungen zu den Monarchisten zugeschrieben, die König Ludwig III. wieder einsetzen wollten.
Der Tod Eisners führt mit dazu, dass knapp zwei Monate später eine linksradikale Münchner Räterepublik gegründet wird, die Anfang Mai 1919 Reichswehr und Freikorpsverbänden wieder niederschlagen.
Unmittelbar nach dem Attentat wird Arco durch Schüsse von Eisners Begleitern lebensgefährlich verletzt. Anfang 1920 des Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt. Der rechtsgerichtete Richter Georg Neithardt sagt in der Urteilsbegründung, dass die Tat „nicht niederer Gesinnung, sondern glühender Liebe zum Vaterland“ entsprungen sei. Durch Neithardts oberflächliche Verhandlungsführung die (vermuteten) Hintermänner des Attentats nicht aufgedeckt. Arco als Einzeltäter verurteilt, obwohl im Verhandlungsprotokoll festgestellt, dass Offiziere Mitwisser waren. Das Verfahren vor einem Volksgericht, Sondergericht, das durch die Regierung Eisner ein Jahr vorher eingeführt war, um politische Gewalttäter schnell, oberflächlich und ohne Berufungsmöglichkeit aburteilen zu können. Schon einen Tag später begnadigt die Landesregierung Hoffmann Arco wegen der genannten Motive, die Todesstrafe umgewandelt in eine als ehrenvoll geltende Festungshaft. Der Attentäter sitzt seine Strafe ab Januar 1920 in der Festung Landsberg am Lech ab. Er darf dabei nach Belieben ausgehen und Besuche empfangen, tagsüber arbeitet er als Praktikant auf einem benachbarten Gut. Im Mai 1924 vorzeitig auf Bewährung entlassen. 1925 veröffentlichte er „Aus fünf Jahren Festungshaft“. 1927 endgültige Amnestie.
Anfang der 1930er Jahre Direktor der aus Reichsmitteln finanzierten Süddeutschen Lufthansa. 1934 Heirat, fünf Kinder. In der Zeit des Nationalsozialismus gilt er als „Held der Bewegung“, obwohl gleichzeitig nach den Kriterien der Nazis Halbjude. 1945 bei Verkehrsunfall tödlich verunglückt.
Bekanntes Bier in Bayern: Brauerei Arco-Valley Graf-Arco-Straße 83626 Valley


Vallülamassiv [RS 98]
auch Dominique-Joseph-René Van Damme, Graf von Unebourg (auch: Unsebourg, Ursbourg) * Cassel, Département Nord 1770 † Cassel 1830 französischer General in den Napoleonischen Kriegen. 1805 kämpft er bei Austerlitz , gerät in den Verdacht, die Kriegsbeute des Feldzuges zur Tilgung seiner ungeheuren persönlichen Schulden verwendet zu haben, nach Frankreich zurückberufen.


Vandamme, Dominique Joseph [AUS 104]
auch Dominique-Joseph-René Van Damme, Graf von Unebourg (auch: Unsebourg, Ursbourg) * Cassel, Département Nord 1770 † Cassel 1830 französischer General in den Napoleonischen Kriegen. 1805 kämpft er bei Austerlitz , gerät in den Verdacht, die Kriegsbeute des Feldzuges zur Tilgung seiner ungeheuren persönlichen Schulden verwendet zu haben, nach Frankreich zurückberufen.


varellus [CS 212]
nur als Eigenname 'Varellus' vorkommend


variellus [CS 212]
u.a. in der Zusammensetzung 'Choetochilus variellus', eine Mottenart


variolus [CS 212]
nur in der Zusammensetzung 'Latrodectus variolus' Nördliche Schwarze Witwe (Spinne)


varius [CS 212]
(lat) mannigfach, allerlei, abwechselnd, bunt, vielfältig, mannigfaltig, wankelmütig, verschieden


Varvaras, Cap [AW 190]

Kap Varvaras, gr. Akr. Varvaras


Vater [CS 240]
zu Sebalds Vater vgl. bei Väter



Vauban, Sébastian de Prestre [AUS 21]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 209]
* Saint-Léger-de-Foucheret (Dept. Yonne) 1633 † Paris 1707 französischer General, Festungsbaumeister Ludwigs XIV. und Marschall von Frankreich
Sébastien le Prestre, der spätere Marquis de Vauban, aus bescheidenem burgundischem Landadel, zeigt als Schüler große Begabung für Mathematik. Mit 18 Kadett im Regiment des Prinzen Condé, erste Erfahrungen im Festungsbau. 1653 in Gefangenschaft, Kardinal Mazarin überzeugt den talentierten und vielversprechenden jungen Ingenieur-Soldaten zum Übertritt in die königliche Armee, wo er bis in die höchsten Positionen aufsteigt. 1655, mit 22 „Ingénieur ordinaire du roi”, leitet erfolgreich Angriffe auf Montmedy, Gravelines, Ypern und Oudenaarde. 1676 Feldmarschall, 1678 „Commissaire géneral des fortifications” (Generalkommissar aller französischen Festungen). 1703, mit 70 Maréchal de France, 1705 Aufnahme als Ritter in den exklusiven königlichen „Ordre du Saint-Esprit”. 1707 anonym publizierte und an zahlreiche Freunde und politisch interessierte Bekannte verteilte Schrift „Projèt d’une dîme royale” (Projekt eines königlichen Zehnten, in der er eine Reform der vor allem für die Landbevölkerung drückenden Steuern vorschlägt) bringt Vauban am Ende seines Lebens beim König Ungnade. Vaubans Geburtsort Saint-Léger-le-Foucheret per Dekret Napoleons III. „Saint-Léger-Vauban”.
Vauban hat 33 neue Festungen geplant, für 160 Plätze über 400 Projekte geliefert und unzählige bestehende Festungsanlagen modernisiert. Schöpfer der „enceinte de fer”, des eisernen Gürtels, mit dem Frankreich unter Ludwig XIV. seine Außengrenzen sichert. Bedeutendster Militärarchitekt der Barockzeit. Hauptwerk: Festungsstadt Neuf-Brisach/Neu-Breisach .

Daneben befasste er sich mit Stadtplanung, Landwirtschaft, Wasser- und Verkehrswegebau mit Schleusen, Kanälen und Aquädukten, Statistik, Ökonomie, Steuerwesen und Finanzpolitik, Religion und Philosophie, pflegte ausgedehnte Korrespondenz mit zahlreichen Geistesgrößen seiner Epoche. Mes Oysivetés (Meine Müßiggängereien), Traite de l’attaque et defense des places 1737 (Der Angriff und die Verteidigung der Festungen) u. v. a.


Veddel [CS 77]
Die Veddel, Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte, liegt auf den drei Elbinseln Veddel, Peute und Wilhelmsburg



Vendetta [Aufzeichnungen aus Korsika 143]
=Blutrache, Prinzip zur Sühnung von Verbrechen, bei dem Tötungen oder andere Ehrverletzungen durch Tötungen gerächt werden. Die Familie straft die Familie des Opfers, den Täter und seine Familie oftmals aus der Absicht heraus, die vermeintlich verlorene Familienehre wiederherzustellen.
In Korsika Synonym für die bis ins 19. Jahrhundert belegte Blutrache


Verdi, Guiseppe [CS 239]
* Le Roncole bei Parma 1813 † Mailand 1901 italienischer Komponist der Romantik, vor allem durch seine Opern berühmt


Vergil [NN 70]
* Andes bei Mantua 70 v. Chr. † Brindisi 19 v. Chr. eigentlich Publius Vergilius Maro (nach Schreibweise der Spätantike auch Virgil), neben Horaz bedeutendster römischer Dichter der "Augusteischen Zeit. Autor der "Aeneis" Nationalepos der Römer. Freundschaft mit Publius Ovidius Naso. Werke: Eklogen 42 v. Chr. nach der Niederlage von Brutus und Cassius, Mörder Caesars, entlassene Soldaten der Sieger auf enteignetem Land angesiedelt. Das erste Gedicht der zehn Eklogen: Dialog zweier Hirten, Tityrus und Meliboeus vor dem Hintergrund einer ländlichen Szenerie.
Der Ekloge liegt die Landverteilung in Oberitalien an die Veteranen des Augustus zugrunde, die von den Einheimischen als Katastrophe erlebt wird. Auch Vergil zunächst betroffen, erhält aber später seinen Besitz zurück. In der Gestalt des Tityrus stellt er sein eigenes Glück dar. Im Gegensatz zu ihm wird der Hirte Meliboeus verdrängt und muss mit seinen Ziegen seine Heimat verlassen (wie Sebald seine Heimat verlässt - wovon der 3. Teil des Elementargedichts handelt).
Meliboeus begegnet Tityrus auf seiner Flucht und erfährt von ihm, wie er zu dem Glück kam, weiterhin seine Rinder weiden und musizieren zu dürfen, und wem er es zu verdanken hat.
Ekloge schließt mit der Einladung des Tityrus an Meliboeus, die Nacht in seiner Hütte zu verbringen. Doch für Meliboeus gibt es auch für die kurze Spanne einer Nacht keine Rückkehr mehr in die heile, an das Goldene Zeitalter gemahnende Welt der Hirten.
Georgica, Aeneis
Tityrus
Diese Nacht doch könntest du wohl hier neben mir ausruhn
Auf grünlaubiger Streu. Mild schmeckende Äpfel,
Weiche Kastanien auch und gepreßte Milch zur Genüge.
Schon auch steigt in der Ferne der Rauch aus ländlichen Hütten,
Und von den Höh'n des Gebirgs entsinken jetzt größere Schatten.



Verne, Jule [LL 132]
frz. Schriftsteller siehe wiki .


Verkohlung [RS 202]
Holzkohle als fester Brennstoff entsteht, wenn lufttrockenes Holz (auf 13 bis 18 % Wasser getrocknet) unter Luftabschluss oder ohne Sauerstoffzufuhr auf 275 °C erhitzt wird (Pyrolyse). Die Temperatur steigt dabei von selbst auf 350 bis 400 °C an. Die leichtflüchtigen Bestandteile des Holzes verbrennen, Rückstand: neben gasförmigen Zersetzungsprodukten (vgl. Holzgeist) etwa 35 % Holzkohle, schlägt beim späteren Verbrennen keine Flammen und brennt mit einer höheren Temperatur als Holz.
Mit der gleichen Technik Torf zu Torfkohle umzuwandeln. Torfkohle mit ähnlichen Eigenschaften wie Holzkohle, im 18. und frühen 19. Jahrhundert aufgrund von Holzknappheit weit verbreitet, heute kaum noch anzutreffen


Versehgang [SG 261f]
Nach kath. Kirchenritus Spendung der Sakramente der Buße, der Krankensalbung und der Wegzehrung bei einem Kranken in unmittelbarer Todesgefahr. Der Mensch soll für das Sterben zugerüstet - versehen - sein. Wenn erforderlich, nimmt der Priester zuerst die sakramentale Beichte des Kranken entgegen.


Verstörung [AUS 301]
Verstörtheit
1967 erschienener Roman des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Motivkomplexe Krankheit, Tod, Wahnsinn, Selbstmord im Zentrum des Textes. Romanfiguren erfahren Lebenswelt als einen zunehmend verstörenden, seelen- und sinnlosen Katastrophenzusammenhang. Welt und Natur werden in der Lebensfeindlichkeit ihres stetigen Werdens und Vergehens als fortwährende, nicht intelligible Monstrosität vorgestellt, durch welche jedwede Rationalität nicht nur verhöhnt, sondern nach und nach verstört und dem Zerfall preisgegeben wird. Motto aus Blaise Pascals Pensées: "Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern"
Ben Hutchinson: "Die Bernhard'sche "Übertreibungskunst" hat Sebalds Prosastil entscheidend geprägt. Nicht nur den Grundton, den manchmal etwas monotonen Pessimismus des Bernhard’schen Duktus hat Sebald übernommen, sondern auch genau zu identifizierende Aspekte seines Stils. Abgesehen von den verschiedenen Beispielen der Struktur "je mehr... desto weniger", die er bei Bernhard unterstrichen hat, fallen bei Sebalds Lesespuren vor allem zwei komplementäre Merkmale des Bernhard’schen Satzes auf: Steigerungswörter ("zunehmend", "in zunehmendem Maße") und Momente eines dialektischen Umschlags ("gleichzeitig", "einerseits/andererseits").
Die erste Gruppe von Konstruktionen mag zwar durch solche Steigerungswörter einen Prozess des Fortschritts vortäuschen, aber der Fortschritt, der beschrieben wird, ist in der Praxis dermaßen 'negativ', dass er gleichsam einer Regression gleichkommt. Sebald streicht etwa eine Stelle in Verstörung an, wo Bernhard "ein zunehmend Melancholisches, das sich mehr und mehr über uns alle ausbreitete", beschreibt; die Steigerungswörter "zunehmend" und "mehr und mehr" kommen in einem solchen Kontext eher einer Fortschrittskritik als einem wahren Fortschrittsprozess gleich."


Victoria, Königin [RS 350]
auch Viktoria, eigtl. Alexandrina Victoria
* Kensington Palace, London 1819 † in Osborne House, Isle of Wight 1901, 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, ab 1876 Kaiser von Indien. Tochter von Eduard August, Herzog von Kent und Strathearn und Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit ihrem Tod endet die Herrschaft des Hauses Hannover auf dem britischen Thron, mit ihrem Sohn König Eduard VII. beginnt die Herrschaft des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha.
Als konstitutionelle Monarchin Herrscherin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung. Während ihrer Regierungszeit erleben die Ober- und Mittelschichten Großbritanniens beispiellose wirtschaftliche Blütezeit, das Britische Weltreich steht auf dem Höhepunkt seiner Macht. Prägend für ihre Regentschaft war der Einfluss ihres Ehemannes Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und ihr fast völliger Rückzug aus der Öffentlichkeit nach dessen Tod 1861. Sie regiert über 63 Jahre, länger als jeder andere britische Monarch. Durch ihre zahlreichen Nachkommen Beiname „Großmutter Europas“, Namensgeberin des Viktorianischen Zeitalters.
Ihr Beerdigung wird, wie Victoria es verfügt, ganz in weiß gehalten (Kleidung der Herzogin von Teck?)


Vierzehn Nothelfer [NN 8]

Lindenhardter Grünewald-Altar
Gruppe 14 Heiliger der katholischen Kirche :
- Achatius (4)
- Ägidius (7)
- Barbara (12)
- Blasius (3)
- Christophorus (9)
- Cyriacus (8)
- Dionysius (2)
- Erasmus (10)
- Eustachius (5)
- Georg (1)
- Katharina (13)
- Margareta (14)
- Pantaleon (6)
- Vitus (Veit) (11)



Vincent, Claude Marie [LL. 27]
Jean Claude Marie Vincent, Marquis de Gournay, 1712-1759, französischer Wirtschaftswissenschaftler.
1744 Marineministerium, 1751 Handelsintendant. In dieser Funktion beginnt er, sich für die Bedeutung der Nationalökonomie zu interessieren und übersetzt die Schriften von Josuah Child, David Hume und Josiah Tucker. Befürworter wirtschaftlichen Liberalismus. Ihm wird das Motto zugeschrieben: „Laissez faire, laissez passer, le monde va de lui-même" („Lasst es geschehen, lasst es vorübergehen, die Welt geht von selbst weiter"). Einer der Begründer der Physiokratie als Reaktion gegen die Einseitigkeit des Merkantilismus.


Virtual Cemetery [CS 37]
Siehe 'Memorial Grove' .


Vischer, Peter [RS 107]

der Ältere * Nürnberg um 1455 † ebda 1529 deutscher Bildhauer und Rotschmied. Übernimmt Messinggießerei vom Vater, die unter seiner Leitung zur berühmtesten in Deutschland wird. Vater von Hermann(1486-1516), Peter(1487-1528) und Hans(1490-1549) Vischer. 1511 beruft ihn Stadtrat mit Albrecht Dürer als Sachverständigen für die Ausbesserung des Schönen Brunnens (1385–96) auf dem Hauptmarkt.
In früher Schaffenszeit Grabplatten (im Magdeburger Dom Messingtumba des Erzbischofs Ernst von Sachsen).
Sebaldusgrab im Ostchor von St. Sebald in Nürnberg Hauptwerk der Vischer-Werkstatt und bedeutendes Zeugnis deutscher Renaissanceplastik.



Vita Nuova [RS 298]
Jugendwerk Dantes von 1293 , in dem er seine Liebe zu Beatrice beschreibt, die sein Leben erneuert habe.
D. entwickelt in der Tradition der mittelalterlichen Minnedichtung die Geschichte seiner großen Liebe. Der Begriff „neu“ hat dabei vielfache Bedeutung, verweist sowohl auf die Jugend der Liebenden als auch die erneuernde Kraft der Liebe, weiterhin auf den neuen Stil. Historischer Hintergrund der Geschichte umstritten. Text besteht aus einem erzählenden Kommentar, der eine Reihe von Sonetten und Kanzonen verbindet.


Vitus [NN 9]
volkst. Veit, * Mazzara auf Sizilien † Lucanien 304
Märtyrer, Heiliger .
Einer der vierzehn Nothelfer


Volkssouveränität [LL 99]
Volk ist souveräner Träger der Staatsgewalt. Die Verfassung als politisch-rechtliche Grundlage eines Staates beruht auf verfassungsgebender Gewalt des Volkes. Nicht absoluter Monarch, sondern das Volk in seiner Gesamtheit steht einzig über der Verfassung, Gegenbegriff zum monarchischen Prinzip. Volkssouveränität abgeleitet von souveraineté (frz. höchste Staatsgewalt) und superioritas (lat. Oberherrschaft)


Vologda [RS 6]
Verbannungsort des Vaters von Joseph Conrad in Sibirien


Vorarlberg [CS 243]

Bundesland im Westen Österreichs.


Vormärz [UH 17, 23][LL 97]
Bezeichnung für Zeit vor der Märzrevolution von 1848 in den Bundesstaaten des 1815 gegründeten Deutschen Bundes.

Für manche Historiker beginnt die Periode des Vormärz bereits 1815 (Vormärz im weiteren Sinne), mit dem das Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleon Bonapartes endgültig zu Ende ging. Vormärz im engeren Sinne hingegen umfasst lediglich 1830 bis 1848 (Zeitalter der Restauration.)
Epoche in politischer Hinsicht durch das Aufkommen von Liberalismus und Nationalismus in einem Klima der Verfolgung und Unterdrückung gekennzeichnet. Stärkstes Bollwerk der konservativen Restauration sind die Mächte der sogenannten Heiligen Allianz. In der Formel „Einheit und Freiheit“ manifestiert sich die politische Grundforderung der jungen liberalen und nationalen Bewegung, die den konservativen Herrschern gegenübersteht. Die daraus resultierende Auseinandersetzung mit dem restaurativen Obrigkeitsstaat, der eine konträre Ideologie vertritt und mit harten Repressionsmaßnahmen verteidigt, charakteristisch für das politische Geschehen der gesamten Epoche.
Wirtschaftlich Phase der zögernd einsetzender Industrialisierung. In der Übergangsphase vom Agrarstaat zum Industriestaat offenbaren sich nicht selten soziale Missstände – der Pauperismus, strukturell bedingte Armut weiterer Bevölkerungsteile, charakteristische Erscheinung dieser Zeit.
Für denselben Zeitabschnitt in Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte eher die Begriffe Biedermeier oder Romantik geläufig
Seit der Französischen Revolution von 1789 blicken die Deutschen auf Frankreich. Die einen von der Verheißung fasziniert, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verwirklicht werden könnten. Die anderen haben vor allem Angst vor der Gewaltanwendung im Zuge der Revolution. Revolutionäre französische Truppen und später die Truppen Napoleons haben in der Folge große Teile Deutschlands besetzt oder in Abhängigkeit gebracht.
1815 besiegen die vereinten Armeen Russlands, Englands, Preußens und anderer Länder Napoleon endgültig in der Schlacht bei Waterloo. Die Fürsten wollen eine erneute Revolution und einen weiteren Gewaltherrscher wie Napoleon verhindern. Der Deutsche Bund im selben Jahr als loser Staatenbund in Deutschland gegründet. Zu seinen Aufgaben gehört letztlich auch die Unterdrückung politischer Unruhe.
Die Franzosenzeit lässt die Zahl der einzelnen deutschen Staaten drastisch sinken, von über 300 auf wenige Dutzend. Preußen erhält große Gebiete im Westen, Bayern die Pfalz, außerdem kommen mit Baden, Württemberg und Bayern mittelgroße süddeutsche Staaten auf. Den Vormärz prägt Konkurrenz der beiden Großmächte Österreich und Preußen, die sich 1866 zugunsten Preußens entscheidet. Beide deutschen Großmächte politisch besonders konservativ.
Die Ideen der Französischen Revolution lebendig. Liberale bilden die gemäßigte Richtung; sie wünschen sich ein Parlament mit Wahlrecht für die Reichen. Demokraten oder Radikale fordern viel schärfer Gleichheit für alle Staatsangehörigen und allgemeines Wahlrecht.
Konservative wie der österreichische Staatsmann Fürst von Metternich wollen die alten oder 1815 wiederhergestellten (restaurierten) Verhältnisse bewahren. Mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 beginnt System von Verfolgung und Unterdrückung, mit Zensur und Verbot von politischen Parteien. Manche Bürger verzagen und ziehen sich ins Privatleben zurück, andere organisieren sich in scheinbar unpolitischen kulturellen Vereinen. Letztere Grundlage für die 1848 sich so rasch bildenden politischen Parteien oder Gruppen.
Bestimmte Ereignisse politisieren und mobilisieren Bevölkerung. Die erneute französische Revolution 1830: Unruhen und Reformen in vielen Ländern Deutschlands und Europas; Belgien löst sich von den Niederlanden, Luxemburg wird geteilt. Hambacher Fest von 1832: Massendemonstration. Spannungen zwischen Kirche im Rheinland und dem preußischen Staat machen katholische Bevölkerung politisch bewusst. Die Rheinkrise 1840: Frankreich fordert den Rhein als natürliche Grenze, führt in beiden Ländern zu einer Welle des Patriotismus und der Feindseligkeit (aus dieser Zeit Lied der Deutschen, seit 1922 Nationalhymne).
Abermals durch Februarrevolution 1848 in Frankreich entscheidende Impulse: Märzrevolution 1848/1849 führt anfangs zur Verwirklichung vieler Forderungen des Vormärz, allerdings 1849–1851 in der sogenannten Epoche der Reaktion wieder rückgängig gemacht. Viele Ideen des Vormärz, einschließlich des damals entstandenen deutschen Fünfparteiensystems, und das allgemeine Wahlrecht der Märzrevolution von großem Einfluss in der Zeit vor der Reichsgründung 1867/1871.
Im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik schauen die Linken auf den Vormärz zurück: Schlagwort „Trotz alledem“ übernommen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren unter linken Intellektuellen große Aufmerksamkeit für den Vormärz, sie erkennen bei den Revolutionären des Vormärz das Gefühl wieder, in einer rückständigen und unterdrückenden Gesellschaft zu leben. Liedermacher wie Hannes Wader oder die Gruppe Zupfgeigenhansel spielen die politischen Lieder des Vormärz. Auch die Geschichtswissenschaft nimmt sich verstärkt der Epoche an.


Voyager 2 [RS 123]
Raumsonde der NASA zur Erforschung des äußeren Planetensystems, gestartet am 20. August 1977 von Cape Canaveral mit einer Titan-IIIE-Centaur-Rakete . Gilt als einer der größten Erfolge der NASA und der Raumfahrt allgemein, da geplante Lebenserwartung bereits weit übertroffen und noch heute regelmäßig Daten zur Erde gesendet (Mai 2010). Zuletzt 13 Milliarden Kilometer entfernt von der Erde, beim Flug die starke Gravitation von Jupiter genutzt („Swing-by“).
Beim Saturn sehr hohe Windgeschwindigkeiten (1800 km/h)
Idee des Sendens einer „Botschaft ins All“ mittels der Voyager Golden Record-Platte erregte große Aufmerksamkeit. Datenplatte mit Bild- und Audio-Informationen, in der Hoffnung hergestellt, etwaige intelligente, außerirdische Lebensformen könnten dadurch von der Menschheit und ihrer Position im Universum erfahren, auch wenn die Wahrscheinlichkeit äußerst gering ist und die Menschheit dann vielleicht nicht mehr existiert. Mit einer geschätzten Lebensdauer von 500 Millionen Jahren werden die Platten aber zumindest Zeugnis darüber geben, dass es Menschen gegeben haben wird.

Zusätzlich zu den Grüßen in verschiedenen Sprachen befindet sich neben einer geschriebenen Nachricht des UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim eine von US-Präsident Jimmy Carter:
This is a present from a small, distant world, a token of our sounds, our science, our images, our music, our thoughts and our feelings. We are attempting to survive our time so we may live into yours.
Vielfach kritisiert. Die Designer der Platte hätten ein verzerrtes Bild der Menschheit erschaffen und die erste Nachricht, die wir unseren „Brüder“ im All senden, sei eine Lüge. Solange nicht auch Bilder von hungernden Kindern, Geräusche von sterbenden Walen und Hinweise auf die kriegerische Geschichte des Planeten mitgeschickt würden, wäre die Kommunikation verlogen und keine gute Basis für eine Kontaktaufnahme.
Kommentar eines Bloggers: Die Voyagersonden sind übrigens das einzige, was es von den Nazis wirklich in den Weltraum geschafft hat. Die Grußbotschaft der goldenen "Sounds of Earth" Schallplatte wurde nämlich vom damaligen UN Generalsekretär Kurt Waldheim eingesprochen, einem alten SS-Mann, wie sich bei seiner späteren Wahl zum östereichischen Bundespräsidenten herausstellte.


Vyrnwy, Lake [AUS 74ff.]

Der Stausee von Vyrnwy (Llyn Efyrnwy/Fyrnwy/Walisisch, sprich förnwi), erbaut 1881 bis 1888 mit dem Steindamm (Länge 1172m, Höhe 144m, Basisdicke 144m) der erste seiner Art weltweit, soll die schnell wachsende Stadt Liverpool mit Frischwasser versorgen. Die Städte Britanniens wimmeln von Arbeitern in den neu entstehenden Industrien und Mühlen. Für die wachsenden Slums im Umkreis dieser Städet ist frisches Wasser bitter nötig, um Krankheiten zu verhindern. Auch die Fabriken selbst brauchen enorme Wassermengen für Dampfmaschinen. Das Dorf Llanwddyn im Vyrnwy-Tal muss weichen.
Vier Pipelines führen auf der Ostseite des Tanat-Tals nach Liverpool.












Vyšehrad [AUS 228, 287]
südlich der Prager Innenstadt unmittelbar am rechten Ufer der Moldau. Als zweite Prager Burg der Premysliden bereits im 10. Jahrhundert gegründet, in der Romanik und Gotik mehrfach ausgebaut. Heutige Gestalt im wesentlichen durch den Umbau zu einer barocken Festung bestimmt.



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AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat