... weil es ja immer, wenn man
gerade die schönste Zukunft sich
ausmalt, bereits auf die nächste Katastrophe zugeht.
Lexikon
K
Kafka, Franz [Austerlitz S. 99]
[Campo Santo S. 11, 174, 179ff, 193ff, 231]
[Logis in einem Landhaus S. 70f, 158, 180]
[Schwindel.Gefühle S. 101]
[Über das Land und das Wasser S. 67]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 52, 55-64, 68, 71, 73, 77, 97f., 173f., 200, 238, 264]
Jan Peter Tripp : Der späte Kafka
* Prag 1883 † Kierling bei Klosterneuburg, Österreich 1924, deutschsprachiger Schriftsteller.
4. bis 16. Juli 1916 in Marienbad (siehe Verschlungene Minnen ), meistens in Gesellschaft seiner Freundin Felice Bauer, Hotel Balmoral (Haus Nr. 390, hinter dem Stadttheater), besucht das Tal bei der Waldquelle.
Hauptwerk: Der Process, Das Schloss und Der Verschollene, Erzählungen sowie Briefe. Die meisten Werke pothum
gegen seinen erklärten Willen von Max Brod veröffentlicht. Übten bleibenden
Einfluss auf die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts aus.
K. und das Kino siehe bei Zischler
Auszug aus Ein junger Student
In der Thamühler Synagoge lebt ein Tier von der Größe und Gestalt etwa eines Marders,
Die Synagoge von Thamühl ist ein einfacher kahler niedriger Bau aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. So klein die Synagoge ist, so reicht sie doch völlig aus, denn auch die Gemeinde ist klein und verkleinert sich von Jahr zu Jahr. Schon jetzt macht es der Gemeinde Mühe die Kosten für die Erhaltung der Synagoge aufzubringen und es gibt Einzelne, welche offen sagen, daß ein kleines Betzimmer durchaus dem Gottesdienst genügen würde
In unserer Synagoge lebt ein Tier in der Größe etwa eines Marders. Es ist oft sehr gut zu sehn, bis auf eine Entfernung von etwa zwei Metern duldet es das Herankommen der Menschen. Seine Farbe ist ein helles Blaugrün. Sein Fell hat noch niemand berührt, es läßt sich also darüber nichts sagen, fast möchte man behaupten, daß auch die wirkliche Farbe des Felles unbekannt ist, vielleicht stammt die sichtbare Farbe nur vom Staub und Mörtel die sich im Fell verfangen haben, die Farbe ähnelt ja auch dem Verputz des Synagogeninnern, nur ist sie ein wenig heller. Es ist, von seiner Furchtsamkeit abgesehn, ein ungemein ruhiges seßhaftes Tier; würde es nicht so oft aufgescheucht werden, es würde wohl den Ort kaum wechseln, sein Lieblingsaufenthalt ist das Gitter der Frauenabteilung, mit sichtbarem Behagen krallt es sich in die Maschen des Gitters, streckt sich und blickt hinab in den Betraum, diese kühne Stellung scheint es zu freuen, aber der Tempeldiener hat den Auftrag, das Tier niemals am Gitter zu dulden, es würde sich an diesen Platz gewöhnen und das kann man wegen der Frauen, die das Tier fürchten, nicht zulassen.
Siehe
Kaiserbirne [Die Ausgewanderten S. 49]
Bosc's Flaschenbirne (Synonyme: Kaiser Alexander, sowie: Calebasse Bosc, "Kaiserbirne", "Alexanderbirne"), alte Birnensorte.
Herkunft unklar. Entweder von Professor van Mons um 1807 in Belgien gezüchtet oderZufallsämling, 1793 (als Baum) bei Apremont/Frankreich gefunden. Benannt nach Louis Augustin Guillaume Bosc, von Hadrian Diel als Kaiser Alexander benannt
Kaiserfleisch [Über das Land und das Wasser S. 67]
spezifisch österreichischer Begriff, schon zur Zeit Maria Theresias bekannt. In der Wiener Küche bezeichnet der Zusatz „Kaiser“ allgemein etwas besonders Hochwertiges; in der österreichischen Küche entweder das Bruststück oder geselchtes saftiges Bauchfleisch vom Schwein, in Wien auch einfach zartes Fleisch eines jungen Schweins (Jungschweinernes).
Kaltnadel [Schwindel.Gefühle S. 290]
Bei der Kaltnadelradierung wird die Zeichnung unter Kraftaufwand mit einer in Holz gefassten Stahlnadel oder einer aus massivem Stahl bestehenden, etwas schwereren Radiernadel direkt in die Druckplatte (Kaltverformung des Metalls) eingeritzt. Dabei bewirkt ein stärkerer Druck der Nadel auch eine stärkere Linie. Zu beiden Seiten der Rillen stellt sich das verdrängte Material auf und bildet einen scharfen Grat (der beim Kupferstich als Span entfernt wird). Alle Flächen bestehen aus einer Konzentration von vielen Linien. Auf die Platte wird anschließend vollflächig Druckfarbe aufgetragen und anschließend wieder blankgewischt. Dabei bleibt im feinen Grat neben der eigentlichen Linie zusätzlich zur Rille Farbe haften. Auf dem Abzug zeigt sich dann der Strich als erhöhte Farbablagerung, der Grat als feiner Einschnitt, der zuweilen sogar weiß bleibt und eine sich dem Grat anschließende samttonige Verschattung, die die Farbe wiedergibt, die beim Wischen an den Außenseiten des Grates haftengeblieben ist. Die dadurch entstehende malerische Wirkung ist das Erkennungsmerkmal gegenüber dem geätzten Strich der Radierung.
Kamisol [Campo Santo S. 231]
Kleidungsstück des 16. und 17. Jahrhunderts, ein mit Ärmeln versehenes oder auch ärmelloses Oberteil. Ging als kurze Schoßjacke in Frauentrachten mancher Gegenden ein.
Kamtschatka [Nach der Natur S. 48]
Kannitverstan [Die Ringe des Saturn S. 5, 60f]
Kalendergeschichte von Johann Peter Hebel , 1808 im Rheinländischen Hausfreund
Junger Handwerksbursche aus der deutschen Provinz (aus Tuttlingen, damals Herzogtum Württemberg) besucht zum ersten Mal in seinem Leben die Weltstadt Amsterdam und betrachtet dort mit Erstaunen ein besonders prächtiges Haus und ein großes Schiff, das mit den kostbarsten Waren beladen ist. Unbedarft fragt er nach den Besitzern des Hauses und des Schiffes und erhält beide Male die Antwort „Kannitverstan“, was auf Deutsch so viel heißt wie Ich kann dich nicht verstehen. Der einfältige Handwerksbursche jedoch glaubt, dass es sich bei „Kannitverstan“ um den Namen eines Mannes handelt und ist beeindruckt vom Reichtum des vermeintlichen Herrn Kannitverstan. Gleichzeitig fühlt sich der Handwerksbursche bedrückt angesichts seiner eigenen Armut. Schließlich beobachtet er eine Trauerprozession und fragt einen der Trauernden nach dem Verstorbenen. Als er wieder die Antwort „Kannitverstan“ erhält, trauert er um den verstorbenen Herrn Kannitverstan, fühlt sich aber gleichzeitig sehr leicht ums Herz, da ihm bewusst wird, dass der Tod keine sozialen Unterschiede kennt und alles im Leben vergänglich ist. So erträgt der Handwerksbursche seine eigene Armut viel leichter.
Erzählung, deren Kernaussage sich allen Lesern mühelos erschließt: Jeder Mensch soll zufrieden sein mit dem, was er hat und was er ist, denn am Ende ereilt jeden, egal ob arm oder reich, der unbestechliche Tod, wegen der leicht erschließbaren Kernaussage und des humorvollen Stils Schullektüre.
An diese Geschichte denkt der Ich-Erzähler, als er die Leichenlimousine beim Bahnhof in Lowestoft sieht (S. 60 f)
Kansu [Die Ringe des Saturn S. 176]
siehe Gansu
Kap der elftausend Jungfrauen [Campo Santo S. 221]
Das Kap zum Eingang der Magellanstraße in der Nähe des 52. Breitengrades von Ferdinand Magellan „Kap der Jungfrauen“ - Cabo Virgenes - genannt, da er es am 21. Oktober (Gedenktag der Heiligen Ursula) 1520 sichtete.
Kapitalakkumulation [Austerlitz S. 17]
in der klassischen Schule die von Kapitalisten durch Investieren des auf dem Markt realisierten Mehrwerts vorangetriebene Erweiterung des Kapitals. Begriff Karl Marx zugeschrieben. Marx versteht dabei Akkumulation doppelt: auf der einen Seite immer mehr Kapital in den Händen der Kapitalisten, auf der anderen Seite der Arbeiter immer mehr Elend
Kaplanhaus [Schwindel.Gefühle S. 275]
Haus des Kaplans, des römisch-katholischen Priesters in den ersten Jahren nach seiner Weihe,
in denen er in der Regel einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt.
Karbol [Auserlitz S. 92]
oder Karbolsäure, früherer Name des Phenols, Derivat des Benzols. 1834 bei der Destillation von Steinkohlenteer entdeckt, von
charakteristischen, aromatischen Geruch.
Anfangs als Antiseptikum bei Wunddesinfektion eingesetzt; wegen hautirritierender Nebenwirkung bald durch andere Antiseptika ersetzt. Phenol verursacht Verätzungen und ist Nerven-/Zellgift.
Phenol-Resorcin-Formaldehyd-Kleber im konstruktiven Holzbau verwendet.
Kardinaltugend [Die Ringe des Saturn S. 109]
(von lat. cardo, „Türangel, Dreh- und Angelpunkt“), seit der Antike eine Gruppe
von vier Grund-Tugenden, erstmals bei Aischylos belegt (467 v. Chr. "Sieben gegen Theben", Vers 610). Platon übernimmt in seinen Dialogen Vierergruppe: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Verständigkeit, Klugheit oder Weisheit. Auch im Judentum dieselben vier Haupttugenden. Cicero in "De officiis" -Über die Pflichten): Weisheit oder Klugheit (sapientia bzw. prudentia), Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo, magnitudo animi) und Mäßigung (temperantia). Ambrosius von Mailand verwendet erstmals den Begriff "Kardinaltugenden" (virtutes cardinales)
Kardiogramm [Campo Santo S. 182]
Bei der Elektrokardiographie die Ableitung und kurvenmäßige Aufzeichnung (Abk. EKG) der durch die Tätigkeit des Herzmuskels entstehenden feinen Herzströme mittels des Elektrokardiographen. Aus dem EKG kann auf die Herztätigkeit (Rhythmus, Frequenz), die Erregungsbildung u. -leitung und die Beschaffenheit des Herzmuskels geschlossen werden.
Karl Theodor [Die Ringe des Saturn S. 338f]
Karl (oder Carl) Philipp Theodor * Schloss Drogenbusch bei Brüssel 1724 † München 1799 Kurfürst von der Pfalz, ab 1777 auch von Bayern. Seine Regierungszeit von enormer Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Karmelitská [Austerlitz S. 207]
Straße in Prag/Mala Strana. Zum Staatsarchiv
Kasack, Hermann [Campo Santo S. 72ff]
* Potsdam 1896 † Stuttgart 1966 deutscher Schriftsteller, Dichter. Pionier in der Vermittlung literarischer Inhalte in der Anfangszeit des Rundfunks. Hörspiele unter Pseudonymen Hermann Wilhelm und Hermann Merten.
1933 jegliche Mitarbeit am Rundfunk verboten. Dennoch das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichnet
1947 bekanntester Roman Die Stadt hinter dem Strom , 1952 Das große Netz
Kaspar [Campo Santo S. 57ff]
Sprechstück von Peter Handke
1968
Handke will nicht die Geschichte Kaspar Hausers nacherzählen, der 1828 in Nürnberg völlig hilflos, ungebildet, unzivilisiert,
als eine Art "Wilder" in der biedermeierlichen Gesellschaft auftauchte und unter ungeklärten Umständen später ermordet wurde.
Den Autor interessiert dieser Fall nur als Modell: wie sich ein Fremder in einer geordneten Welt mit Hilfe der Sprache zurechtfinden,
wie er damit sich selbst erkennen und seine Umgebung, die ihm als ein Chaos erscheinen muss, ordnen kann.
Thema des Stücks ist das schon im 'Programm' des Sprechtheaters genannte Problem der Manipulierbarkeit des Menschen durch die Sprache.
Es demonstriert, "wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann"
und verdient insofern zu Recht die Bezeichnung "Sprechfolterung".
Weiter will das Stück zeigen, wie der Prozess einer zunächst erreichten, dann aber wieder verlorenen Selbstfindung vor sich geht.
Dieser Vorgang wird in verschiedenen Stationen realisiert und variiert. Handke hat im Stück die Fabel der Kaspar Hauser-Erzählung
anklingen lassen; zumindest übernimmt er Teile davon.
Kassiopeia [Die Ausgewanderten S. 190]
Sternbild Cassiopeia, mit einer Deklination von etwa 60°N (deshalb zweifelhaft, ob der Tagebuchschreiber
Ambros es "lotrecht" über sich von Delphi (nördliche Breite etwa 38°) aus - wie den Schwan - sehen konnte)
Katechet [Die Ausgewanderten S. 53]
Religionslehrkräfte, die der evangelischen oder römisch-katholischen Kirche unterstellt in Anlehnung
an das allgemeine Lehrerstudium von deren Instituten dazu ausgebildet sind, um an deutschen
öffentlichen Schulen ausschließlich das Fach Religion zu unterrichten
Katharina [Nach der Natur S. 9] [Austerlitz S. 128] [Schwindel.Gefühle S. 79]
Katharina von Alexandrien historisch nicht belegt, eine der bekanntesten katholischen Heiligen, gilt als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Schutzpatronin der Schulen, der philosophischen Fakultäten, der Näherinnen und Schneiderinnen. Erstmals im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Der Überlieferung nach lebt sie im 3. oder 4. Jahrhundert.
Eine der vierzehn Nothelfer
Legende: junge, intelligente Schönheit, die sich als geweihte Jungfrau Christus versprochen hatte. Königstochter aus Zypern, die im ägyptischen Alexandrien von Eremiten zum Glauben geführt wird. Als der römische Kaiser Maxentius Christen zum Märtyrertod verurteilt, tritt Katharina ihm entgegen und fragt, weshalb er nicht zum Christentum übertrete, statt von den Christen Götzenopfer zu verlangen. In einer öffentlichen Diskussion, zu der der Kaiser seine besten 50 Philosophen und Gelehrten aufbietet, bringt Katharina so einleuchtende und gelehrte Argumente für das Christentum vor, dass sich alle fünfzig zum Christentum bekehren. Weil sie nicht vermocht hatten, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, schickt der Kaiser sie alle auf den Scheiterhaufen. Von ihrer Schlagfertigkeit und Schönheit beeindruckt, bietet er Katharina mehrmals an, als „gewaltige und hochgezierte Königin“ an seiner Seite zu herrschen. Sie lehnt ab, wird gegeißelt und ohne Nahrung zwölf Tage lang in finsterem Verlies eingekerkert. Folterwerkzeug ihres Martyriums das Rad. Auf Katharinas Gebet hin kommt Engel und zerstört das Folterinstrument mit solcher Wucht, dass 4000 Heiden getötet werden. Enthauptet, aus ihren Wunden fließt Milch. Engel bringen sterbliche Überreste zum Berg Sinai. 500 Jahre später ihre Gebeine dort gefunden, ihr zu Ehren Katharinenkloster an Fundstelle gebaut.
Katzenberg [Über das Land und das Wasser S. 77]
In Bamberg stellt der Katzenberg Verbindung zwischen Sandgebiet und Domberg her. Name auf die früheren Geschütze, die Feldschlangen und Feldkatzen, die zur Verteidigung der Domburg dienten, zurückzuführen. Auf der rechten Seite einige der schönsten Bürgerhäuser der Stadt
Kaznelson [Schwindel.Gefühle S. 165]
Lise Weltsch: Schwester des Schriftstellers Robert Weltsch und Cousine von Kafkas Freund Felix Weltsch, später Frau Lise Kaznelson.
Kindertransport [Austerlitz S. 212, 248]
(Children Movement), Bezeichnung für Ausreise von fast 10.000 Kindern, die als „jüdisch“ im Sinne der Nürnberger Gesetze galten, aus Nazi-Deutschland ober bedrohten Ländern zwischen 1938 und 1939 nach Großbritannien. Vor allem Kinder aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei gelangen ins Exil. In Zügen und mit Schiffen können die Kinder ausreisen, die meisten sehen ihre Eltern nie wieder, oftmals sind einzigen Überlebenden des Holocausts aus ihren Familien.
Die Reichspogromnacht gegen Juden vom November 1938 führt der Weltöffentlichkeit drastisch vor Augen, dass Juden in Deutschland schutzlos sind. Dennoch machen es die strengen Einwanderungsbestimmungen vieler Länder deutschen Juden trotz ihrer Verfolgung nahezu unmöglich, Deutschland zu verlassen. Nur die die britische Regierung und die Bevölkerung Großbritannienss handeln schnell. Chamberlain empfängt Abordnung einflussreicher britischer Juden, um über eine vorübergehende Aufnahme von Kindern und Jugendlichen zu verhandeln. Die jüdische Gemeinde verpflichtet sich zur Stellung von Garantiesummen für die Reise- und Umsiedlungskosten der Kinder in Höhe von 50 Englischen Pfund pro Kind (nach damaligem Wert rund 1.500 €) und verspricht, die Kinder im Land zu verteilen und ihnen eine angemessene Ausbildung angedeihen zu lassen. Später sollen die Kinder mit ihren Familien vereinigt eine endgültige neue Heimat in Palästina finden. Wenige Tage später lockert die Regierung die Einreisebestimmungen, es ergeht ein Aufruf an die britische Bevölkerung, Pflegekinder in der eigenen Familie aufzunehmen. Jüdische Kinder bis zum Alter von 17 Jahren dürfen einwandern, sofern eine Pflegefamilie gefunden ist.
Hintergedanken der britischen Regierung: könnte die USA dazu bringen, ihre Einreisebestimmungen ebenfalls zu lockern. Das US-amerikanische Parlament lehnt dies indes wenig später. Geertruida Wijsmuller-Meyer, einflussreiche niederländische Bankiersfrau, verhandelte zeitgleich mit Adolf Eichmann, es gelingt, pauschale Duldung solcher Transporte unter strengen Auflagen zu erlangen. Kinder dürfen nur einen Koffer, eine Tasche und zehn Reichsmark mitnehmen; Spielsachen und Bücher verboten, nur eine Fotografie erlaubt. Wertsachen beschlagnahmt. Den Reisegruppen werden Blockvisa ausgestellt, jedes Kind bekommt eine Nummer. Um tränenreiche – und damit öffentlichkeitswirksame – Abschiedsszenen zu unterbinden, ist Eltern und Angehörigen verboten, bei der Abfahrt der Kinder den Bahnsteig zu betreten.
Schon im Dezember 1938 – nicht einmal drei Wochen nach der Pogromnacht – beginnen die Briten, jüdische Kinder in ihr Land zu holen. Ein Jahr lang, bis zum Kriegsausbruch 1939, werden die Transporte von den Nazis geduldet. Die Kinder fahren mit dem Zug von ihren Heimatbahnhöfen über die Niederlande, meist nach Hoek van Holland, und von dort weiter per Schiff zu der englischen Hafenstadt Harwich. Der erste Transport kommt am 2. Dezember 1938 in Parkeston Quay, Harwich, an. Daneben wird auch versucht, tschechische jüdische Kinder durch derartige Kindertransporte zu retten. Schon nach wenigen Wochen aber überseigt die Anzahl der ankommenden Flüchtlingskinder die angebotenen Pflegeplätze. Manche Kinder werden als kostenloses Dienstpersonal ausgenutzt, viele in Flüchtlingslagern interniert. Hinzu kommt das Leid der Kinder, die überwiegend die Umstände ihrer Deportation nicht kennen oder verstehen, oftmals glaubten, ihre Familie habe sie verstoßen.
Letzter bekannter Kindertransport durch den niederländischen Frachter „SS Bodegraven“, der mit 80 Kindern an Bord am 14. Mai 1940 unter deutschem Maschinengewehrfeuer von IJmuiden aus den Kanal überquert und schließlich in Liverpool landet.
Mit Ausbruch des Weltkrieges verschärft sich die Situation der Flüchtlingskinder in Großbritannien. Viele Pflegefamilien geben sie in Flüchtlingslager ab, verdächtigen sie als deutsche Spione. Dennoch: knapp 10.000 Kinder entgehen durch diese humanitäre Aktion weiterer Verfolgung oder einem eventuellen Tod im KZ. Viele der Kinder erfahren erst nach Kriegsende Details ihrer Deportation und des Schicksals ihrer zurückgebliebenen Familie.
Das Schicksal der Kinder und ihre weitere Geschichte weisen bleibende Spuren der Traumatisierung auf. Viele sahen ihre Eltern nie wieder, und selbst wenn Mutter oder Vater am Ende der Naziherrschaft zu den Überlebenden gehörten, kamen meist keine normalen Beziehungen mehr zustande. Unter den Kindern sind Depressionen und Beziehungsstörungen, Ängste aller Art, Ruhelosigkeit und Misstrauen besonders häufig, Folgen eines traumatischen Identitätsverlustes. Hinzu kommt das „Schuldgefühl der Überlebenden“ („survivors guilt“): Ähnlich wie bei Menschen, die als „versteckte Kinder“ unter falscher Identität der Vernichtungsmaschinerie der Nazis entgingen, wurde den Kindern der Rettungsaktion die eigene Trauer über das Erlittene nicht zugestanden, nicht von der Umwelt und nicht vom eigenen Gewissen.
Seit 2002 wird das Drame der Öffentlichkeit in Österreich ins Bewusstsein gerufen. Schulprojekt "A Letter To The Stars" und Künstlergruppe "Counter/Act", die in Wien Pappschachteln verteilt, in denen auf Papierstreifen der Rassismus angeprangert wird. Unter anderem befanden sich in der Schachtel Anzeigen jüdischer Eltern, die 1938/39 dringend Adoptiv- oder Pflege-Eltern in England für ihre Kinder suchten. Anzeigen in Originalform nachgedruckt, eine lautete:
Auf der Suche nach einem Ausweg: Welche großmütige Familie übernimmt in der heutigen harten Zeit die Sorge für meine Kinder oder adoptiert sie? Ihr Vater ist Dr. Ing., lange Zeit Mitarbeiter der Österr. Staatsbahnen, und als Jude jetzt arbeitslos. Die zwei Kinder sind 10 und 12½ Jahre alt, hübsch und vollkommen gesund. Die Eltern wären glücklich, die Kinder in einer jüdischen gläubigen Familie zu wissen. Dr. Ing. S. Morgenstern, 2, Böcklinstrasse, Wien 2.
In London auf Initiative von Prinz Charles ein Denkmal am Bahnhof Liverpool Street Station aufgestellt, an dem Bahnhof, wo die meisten jüdischen Kinder aus Deutschland eintrafen. In Wien wurde am Wiener Westbahnhof im März 2008 eine ähnliche Skulptur aufgestellt, die von den Österreichischen Bundesbahnen finanziert wurde. In Berlin wurde am 30. November 2008 am S- und U-Bahnhof Friedrichstraße eine analoge Skulptur eingeweiht. Diese Skulptur wurde durch Spenden finanziert. An die vom Bahnhof Hamburg-Altona abtransportierten und geretteten 1000 Kinder erinnert bisher noch kein Denkmal.
Siehe auch Bechhöfer, Skulptur
Klebelsbergsches Palais [Über das Land und das Wasser S. 79]
Goethe war während der Kur dort abgestiegen (vgl. "Marienbader Elegie" )
Zitat aus Walsers Roman "Ein liebender Mann":
"Das Klebelsberg-Palais, sagte er, ist schon eine Provokation. Hundert Zimmer auf drei Stockwerken, eine Prachtsfassade, fünfzig Meter breit. Kann das gutgehen? Exzellenz, wenn etwas gutgehen muss, geht es gut, sagte sie streng belehrend. Eigentlich in seinem Ton. Goethe staunte. Und fragte, wenn sie so rede, wen er da reden höre.
Mich, sagte sie. Aber so wie er über Gewittertote und Seneca alles von einem Kriminalrat in Eger habe, so habe sie alles, was Marienbad angehe, von ihrem zukünftigen Stiefvater, dem Grafen Klebelsberg, und ihrem Großvater, dem Baron Broesigke. Die beiden sollte der Geheimrat abends einmal reden hören. Marienbad, die grünste Einöde Europas, an der Europas Reichste immer vorbeigefahren sind, nach Karlsbad. Die werden jetzt Halt machen in Marienbad. Klebelsberg, im Hauptberuf immerhin österreichischer Finanzminister, und ihr Großvater Broesigke seien Rechner. Der Großvater habe hier mitgebaut. Der sei übrigens, und das sage sie nur, dass Goethe wisse, auch in ihrer Familie komme Höheres als Älteres vor, der Vater ihrer Mutter sei ein Patenkind des großen Preußenkönigs Friedrich."
Kluniazenser [Nach der Natur S. 20]
Kluniazenser sind Mitglieder von Benediktinerklöstern, die der Kongregation von Cluny angehörten. Ihr schlossen sich im 11. Jh. viele Klöster in Frankreich und Italien an. Der Verband der Reformklöster unterstand dem Abt von Cluny, die einzelnen Klöster wurden durch Priore geleitet.
Knipper, Olga Leonardovna [Über das Land und das Wasser S. 69]
* Glasow 1868 † Moskau 1959 russische Schauspielerin. Gehört zu den ursprünglichen Mitgliedern des heutigen Moskauer Tschechow-Theaters
und war die erste, die Arkadina in Die Möwe (1898), Mascha in Die Drei Schwestern und Madame Ranewskaja in Der Kirschgarten (1904) spielte. Mit Tschechow, dem Autor dieser Stücke seit 1901 verheiratet. Die deutsche Schauspielerin Olga Tschechowa ihre Nichte.
Kölner Dom [Die Ringe des Saturn S. 53]
römisch-katholische Kirche in Köln, Kathedrale des Erzbistums Köln. Mit 157,38m Höhe nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas. Die Kathedrale steht rund 250 Meter vom Rhein entfernt an der nördlichen ehemaligen römischen Stadtgrenze in direkter Nachbarschaft von Hauptbahnhof, Hohenzollernbrücke, Museum Ludwig und Römisch-Germanischem Museum. Populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands: 2001 fünf Millionen, 2004 sechs Millionen Besucher aus aller Welt.
Größere Schäden während des Zweiten Weltkrieges unter anderem durch 70 Bombentreffer. Von Brandbomben ausgelöste Brände löschen Mitarbeiter sofort, die in und auf dem Dom postiert. Durch die Bombentreffer stürzen unter anderem im Langhaus einige Deckengewölbe ein, Dach bleibt dank des eisernen Dachstuhls bestehen.
König Lear [Die Ringe des Saturn S. 225f.]
engl. The Tragedy of King Lear, herausragende Tragödie von William Shakespeare von 1605
Kolowrat [Austerlitz S. 104]
Generalleutnant, befehligt in der Schlacht bei Austerlitz
die 4. Kolonne (23.000 Mann), die mit Generalleutnant Miloradowitsch im Zentrum den Angriff der drei Kolonnen verstärken sollte.
Konrad [Campo Santo S. 139]
Siehe Struwwelpeterbuch
kopf des vitus bering, der [Nach der Natur S. 37]
Prosatext von Konrad Bayer (1958). Er thematisiert darin verschiedenste Erscheinungsformen
physiologischer und psychisch-emotionaler Transgression. In der Engführung
wissenschaftlicher und irrationaler Denk- und Artikulationsweisen erkundet der Text
Möglichkeiten einer Existenz jenseits von herkömmlichen (auch poetischen) Bewusstseins- und Ausdrucksmodellen.
Siehe auch ,
Vitus Bering
Kornak [Nach der Natur S. 52]
= Mahut, der Führer und oftmals Eigentümer eines Arbeits-Elefanten, für seine Ernährung und Pflege verantwortlich und über Jahrzehnte mit dem Tier verbunden. Ein Mahut reitet auf dem Nacken des Elefanten und dirigiert ihn mit seinem Elefantenstab.
Mahuts gibt es, wie die Arbeitselefanten, in Indien und Hinterindien, vor allem in Thailand. Meist für Waldarbeiten werden dort oft noch Elefanten eingesetzt, weil sie im Gegensatz zu Traktoren und Raupen im Gelände beweglicher und nicht auf das Anlegen von Straßen angewiesen sind. Elefanten verursachen so bei der Waldarbeit wesentlich weniger Umweltschäden als Maschinen.
Mahut und Elefant arbeiten soweit möglich jahrzehntelang zusammen. Die notwendige vertrauensvolle Beziehung entwickelt sich bereits während der gemeinsamen Arbeit in der Elefantenschule. In Thailand gibt es 2003 etwa 2.000 Mahuts, die mit ihren Elefanten in den unwegsamen Waldgebieten im Norden Thailands arbeiten.
Korsakow-Syndrom [Die Ausgewanderten S. 149]
oder amnestisches Psychosyndrom. Symptome: anterograde Amnesie (Patient nicht in der Lage, neue Inhalte kognitiv zu speichern oder lautsprachlich wiederzugeben (Merkfähigkeitsstörungen)) oder retrograde Amnesie (Patient kann erlebte Inhalte aus der eigenen Vergangenheit nicht verarbeiten, erkennen oder wiedergeben) oder Konfabulation (Patient erzählt Geschichten, die objektiv falsch sind, aber von ihm selbst als wahr empfunden, zumeist zusammengesetzt aus Bruchstücken tatsächlicher Erlebnisse) oder Desorientiertheit (Patient wähnt sich in einer früheren Zeit und an einem anderen Ort). Bei chronischen Alkoholikern, Hirnschädigungen und Toxikosen, bei Enzephalitis oder Infektionen
Korzeniowski, Apollo [Die Ringe des Saturn S. 6, 127ff]
* Honoratka (Russland, heute Ukraine) 1820 † Krakau 1869, polnischer Schriftsteller und Patriot.
Vater von Joseph Conrad .
Vater verarmter Adliger, der als Offizier in der Napoleonischen Armee kämpft.
Oberschule in Schytomyr
studiert in Petersburg 1840 bis 1846 Rechtswissenschaft und Orientalistik.
Gutsverwalter in Podolien .
1856 Heirat mit Ewelina Bobrowska
Anstellung bei publizistischer Gesellschaft, Leitung eines polnischen Theaters.
Gedichte, Theaterstücke. Übersetzungen französischer Autoren wie Alfred de Vigny und Victor Hugo,
im Exil Beschäftigung mit Shakespeare (Studia nad dramatycznoscia w utworach Szekspira, Studie über
das Drama im Werk Shakespeares), übersetzt Die Komödie der Irrungen und Charles Dickens.
Sozial und politisches Engagement, 1861 Warschau, schließt sich Patrioten an.
In seiner Wohnung geheimes Stadtkomitee. Verhaftung, Verbannung in Wologda.
Frau folgt mit Sohn in die Verbannung. Später nach Tschernihiw verlegt, wo Frau stirbt.
Korzeniowska, Evelina [Die Ringe des Saturn S. 127ff]
+ Tschernihiw 1865 Mutter von Joseph Conrad
verheiratet 1856 mit Apollon Korzeniowski , Vater von Joseph Conrad
Kotzebue, August von [Logis in einem Landhaus S. 164f]
August Friedrich Ferdinand von K. * Weimar 1761 † Mannheim 1819 .
Dramatiker und Schriftsteller. Sein zweiter Sohn Weltumsegler Otto von Kotzebue , seine Schwester die Schriftstellerin Karoline Ludecus.Studium der Rechtswissenschaften, Sekretär des Generalgouverneurs in Sankt Petersburg. 1783 Obersten Gerichtshof in Reval, heiratet Tochter eines russischen Generalleutnants. 1785 Präsident des Magistrats der Provinz Estland. Romane Die Leiden der Ortenbergischen Familie, Die Geschichte meines Vaters, Dramen. Der positive Ruf der Werke zerstört durch die drastische zynische Satire Doktor Bahrdt mit der eisernen Stirn unter dem Namen Knigges. Nach Tod der ersten Frau vom Dienst in Russland zurückgezogen, Paris, Mainz. 1795 Anwesen nahe Reval, literarische Arbeit, sechs Bände Skizzen und Erzählungen, mehr als zwanzig Dramen, 1798 Direktor am Hoftheater in Wien an, Rückkehr nach St. Petersburg, wegen des Verdachts, Jakobiner zu sein, an der Grenze verhaftet, nach Sibirien verbannt. Zurückgeholt, begnadigt und mit einem Gut in Livland entschädigt, in Petersburg Direktor des deutschen Theaters. 1801 Berlin, flieht 1806 vor Napoleon nach Russland, zahlreiche satirische Artikel gegen Napoleon. 1817 als Generalkonsul im russischen Auftrag nach Deutschland. Greift deutsche Universitäten, vornehmlich Burschenschaften und Turnerbünde als Brutstätten der Revolution sowie den politischen Liberalismus an (dessen Ziele: Demokratie und Pressefreiheit) und verspottet den von den Studenten verehrten Turnvater Jahn. Auf dem Wartburgfest 1817 im Zuge der dort zelebrierten Bücherverbrennung seine Geschichte des deutschen Reichs den Flammen übergeben, worauf er nach Mannheim umzieht. Der Jenaer Burschenschafter und Theologiestudent Karl Ludwig Sand folgt ihm dorthin und ersticht ihn 1819 vor den Augen seiner Kinder mit den Worten „… hier, Du Verräter des Vaterlandes.“ Unter anderem mit diesem Mord werden die im September 1819 vom Bundestag in Frankfurt in Gesetzesrang erhobenen Karlsbader Beschlüsse begründet. 1820 Sand wegen des Mordes hingerichtet. ... ein gewisser Otto von Kotzebue gehörte, gegen den Walser sicher ein ebenso unüberwindliches Vorurteil hatte wie gegen den gleichnamigen Theaterdichter, den er einen Biedermann nannte und von dem er behauptete, daß er eine zu lange Nase, Glotzaugen und keinen Hals gehabt habe und daß überhaupt sein ganzer Kopf verkrochen und verborgen gewesen sei in einem ungeheuerlich großen nd kühnen Rockkragen. Kotzebue habe, so Walser weiter, eine Menge Lustspiele geschrieben mit glänzendem Kassensturzerfolg in einer Zeit, in der Kleist verzweifelte, und diese seine massiven, sämtlichen, gedruckten, in Kalbsleder gebundenen, gekotzten und gebutzten Werke habe er dann der Nachwelt vermacht, die erblassen müßte vor Scham, wenn sie sie läse. Das Risiko, mitten im schönsten Südseeillusionismus erinnert zu werden an diesen von ihm abschätzig zu den Heroen der deutschen Geisteswelt gerechneten literarischen Glücksritter, ist ihm wahrscheinlich zu hoch gewesen.
Kotzebue, Otto von [Logis in einem Landhaus S. 164f]
* Reval 1788 † ebda. 1846 Offizier der Russischen Marine deutscher Herkunft, dreifacher Weltumsegler.
Zweiter Sohn des aus Weimar stammenden Dichters August von Kotzebue . 1795 Marinekadettenanstalt Sankt Petersburg, bis 1806 erste russische Weltreise unter Adam Johann von Krusenstern auf „Nadeschda“. 1815 bis 1818 Kommando „Rurik“: Expedition zur Erforschung der Nordwestpassage (naturwissenschaftliche Mitarbeiter: Adelbert von Chamisso, Johann Friedrich von Eschscholtz und Ludwig Choris. Mehrere Inseln und der nach ihm benannte Kotzebuesund in Alaska entdeckt sowie über 400 Inseln kartografiert. Kalifornien und Hawaii, 1817 die Romanzowinsel entdeckt.) Dritte Weltreise auf der „Predprijatije“ von 1823 bis 1826
Kozara-Schlacht [Die Ringe des Saturn S. 121f]
(engl. Operatation West-Bosnien by the Axis), wichtige Schlacht der jugoslawischen Partisanenbewegung 1942
beim Kozaragerbirge im Nordwesten Bosniens,
vgl. Film "Kozara"
Im Frühling 1942 befreien jugoslawische Partisanen das Zentrum und den Westen von Bosnien (Bosanski, Petrovac, Drvar, Glamoc, Prijedor). Im Mai wird die Erste Krajina Kampfbrigade gegründet, sie erhält Panzer und bescheidene Luftunterstützung. Das befreite Gelände erstreckt sich von der Save südwärts
über die Berge von Kozara und Grmec. Im Winter fügen die Partisanen den Deutschen schwere Verluste zu, aber sie sind geschwächt, weil Tschetniks in die Gegend von Kozara kommen. Viele Serben erheben sich mit ihnen
und die Partisanen verlieren an Rückhalt. Ein noch größerer Verlust aber ist der Tod ihres Kommandanten Mladen Stojanovic, bekannt als "Komandant Mladen" im März 1942.
Als die Deutschen und Ustaše-Behörden feststellen, dass Banja Luka und die Erzmine von Ljubija in Gefahr ist, unternehmen sie eine Gegenoffensive. Die Deutschen stellen 15.000, der Unabhängige Staat Kroatien (Ustaše) ungefähr 22.000 Soldaten, die Ungarn nehmen mit 5 Überwachungsschiffen teil.
Die Partisanen haben ungefähr 3.000 Soldaten, sie rekrutieren noch ca. 60.000 Zivilisten im freien Gebiet.
Nach einer wilden Schlacht durchbrechen in der Nacht vom 3. Juli einige Partisaneneinheiten den Belagerungsring, aber das Hauptkontingent bleibt eingschlossen und wird fast ganz aufgerieben.In Široka Luka werden ungefähr 500 verwundete Partisanen getötet. Währen der Schlacht verlieren die Partisanen ungefähr 1.700 Soldaten, die Achsenmächte etwa 7.000. Während und nach der Schlacht werden viele Tausende serbischer Zivilisten
zum Ustaše-KZ Jasenovac verbracht.
Ungefähr 900 Partisanen überleben und gründen die Fünfte Krajina Brigade.
Zur selben Zeit marschiert die Hauptgruppe der Partisanen mit Josip Broz Tito von Ost- nach Westbosnien. Nachdem die Truppen der Achsmächte abgezogen sind, werden Teile des verlorenen Gebiets im September 1942 zurückgewonnen.
Ungefähr 25.000 Serben werden während der Operation umgebracht, meistens in KZs.
In der Republika Srpska zählt Kozara auch heute noch zu den wichtigsten Gedenkorten
an den Zweiten Weltkrieg,
wo eine der größten Schlachten auf jugoslawischem Boden im Zweiten Weltkrieg stattfand, in der zehntausende Zivilisten aus dem umliegenden Dörfern und Partisanen ihr Leben verloren, auch danach in der folgenden Deportation der serbischen Zivilbevölkerung durch die Deutschen nach Jasenovac.
Krankenhausinsel La Grazia [Schwindel.Gefühle S. 79]
siehe La Granzia
Kratzer [Die Ausgewanderten S. 44]
2.427 m hoher mehrgipfliger Berg in den Allgäuer Alpen.
Kretische Kunst zwischen die Hörner zu springen [Über das Land und das Wasser S. 31]
Bei den Stierkämpfen der Minoer auf Kreta packt der Athlet den Stier an den Hörnern und vollführt Sprünge über seinem Nacken
Kreuzgang [Die Ringe des Saturn S. 32]
Fortbewegung, bei dem die diagonal liegenden Beine gleichzeitig vom Boden abgehoben und wieder aufgesetzt werden. Sind die Beine eher seitlich am Rumpf „befestigt“, ergibt das schlängelnde Gangart wie bei Echsen, befinden sie sich unter dem Rumpf einen lockeren Trab wie bei Pferden.
Der Kreuzgang ist weiterhin eine Technik, eine Leiter zu besteigen. Dabei werden abwechselnd der linke Arm und der rechte Fuß sowie anschließend der rechte Arm und der linke Fuß zusammen eine Leitersprosse hochgesetzt.
Krummenbacher Kapelle [Schwindel. Gefühle. S. 203]
Kuang-hsu [Die Ringe des Saturn S. 179ff]
Siehe Guangxu
Kuhn [Die Ausgewanderten S. 127]
Kuhn, Loeb & Co. amerikanische Investmentbank, mit Hauptsitz in New York City.
1867 von Abraham Kuhn und Salomon Loeb
gegründet, wobei Loebs Vermögen von $500.000 das Startkapital bildet.
Seit Beginn 20. Jahrhundert eine der einflussreichsten Investmentbanken in den USA
Kunigunde von Luxemburg [Über das Land und das Wasser S. 77]
* um 980 + 1033 Gemahlin Kaiser Heinrichs II. führt nach dessen Tod Regierungsgeschäfte des Reichs. Gehört (wie ihr Mann) zu den Heiligen der katholischen Kirche und wird vor allem in Bamberg verehrt. Für die Ausstattung des Bistums Bamberg muss K. ihr Witwengut zur Verfügung stellen, denn die Stadt wird ihr von ihrem Gemahl als Heiratsgut übertragen. 1201 werden ihre Gebeine im Bamberger Dom in einen Altar erhoben. 1513 Tilman Riemenschneiders Grabdenkmal aus Marmor für die beiden heiligen Bistumsgründer Heinrich II. und Kunigunde im Bamberger Dom. Im Spätmittelalter überholt Kunigunde in Franken (vor allem im Bistum Bamberg) als populäre Heilige ihren Ehemann. Ihr mariengleicher Ruf als „Königin und Jungfrau“, der dem mittelalterlichen Frömmigkeitsideal entspricht, maßgeblich dazu beigetragen. Noch im Zweiten Weltkrieg, davon sind fromme Bamberger überzeugt, soll Kunigunde mit einem Nebelschleier ihre Stadt vor den alliierten Bomberverbänden gerettet haben. Neben den Gebeinen der Kaiserin weitere Reliquien mit ihrem Namen : „Gürtel der Heiligen Kunigunde“ und die „Schale der Heiligen Kunigunde“. Als Gründer von Dom und Bistum Bamberg ist Kunigunde gemeinsam mit ihrem Mann im Figurenprogramm des Gewändes der Adamspforte am Bamberger Dom zu sehen.
Kutusow, Michail Illarionowitsch [Austerlitz S. 104]
Fürst Michail Illarionowitsch Kutusow-Smolenskij * Sankt Petersburg 1745 † Bunzlau1813 Generalfeldmarschall der russischen Armee, "Held des Vaterländischen Krieges von 1812/1813 gegen Napoleon"
Oberbefehlshaber des russischen Heeres in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz , in der er sich nur äußerst widerstrebend den Plänen des österreichischen Befehlshabers Franz von Weyrother beugt. Russland kämpft dort an der Seite Österreichs gegen die Armee Napoleons in Böhmen, muss sich jedoch geschlagen geben. Dreikaiserschlacht und der Krieg gegen Napoleon im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi thematisiert. 1943 stiftet Stalin den Kutusoworden. Die ehemals östlichste Stadt des deutschen Reiches Schirwindt nach dem Krieg Kutusowo genannt.
KZ Jasenovac [Die Ringe des Saturn S. 120ff]
In Zentralkroatien in unmittelbarer Nähe des Zusammenflusses von Una und Save befand sich während des Zweiten Weltkrieges das größte Konzentrationslager auf dem Balkan, das von der kroatischen Ustascha geführt wurde, das KZ Jasenovac (zum Ort siehe ).
Der von der Ustascha bewachte Lagerkomplex bestand aus insgesamt fünf Nebenlagern und drei kleineren Lagern 95 km südöstlich von Zagreb. Zu den Lagern gehörten drei Kinderkonzentrationslager: KZ Sisak als größtes, KZ Gornja Rijeka als kleinstes sowie das KZ Jastrebarsko.
Die Angaben über Opferzahlen voneinander stark abweichend.
Die Lager wurden 1941 formal legalisiert. Das Gesetz erlaubt die Internierung von gefährlichen und unerwünschten Personen in Lagern. Der Lagerkomplex Jasenovac unterstand dem Kommandanten Vjekoslav „Maks“ Luburic, zugleich Gründer und erster Organisator, genannt „der Metzger“. Er war zur Ausbildung im SS-KZ Sachsenhausen gewesen und brachte von dort auch die Idee zur Produktion in einem Konzentrationslager mit.
Jasenovac war zur Verhinderung von Fluchten günstig gelegen am Zusammenfluss der Save mit Una und Strug und zugleich für einen großen Lagerkomplex verkehrstechnisch in der Nähe der Bahnlinie Belgrad-Zagreb geeignet. Hauptzweck Vernichtung von Juden, Roma, Bosniaken, Serben samt ihrer Angehörigen und Kinder sowie die Ausrottung von Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche. Darüber hinaus Panzer repariert, Lederwaren für das Ustascha-Militär sowie Schiffsketten hergestellt. Auch eine große Ziegelei befand sich auf dem Lagergelände.
Zeitweilig dient das Lager auch als Sammellager für Gefangene auf dem Weg in andere Vernichtungslager. Gleichzeitig werden bis zu 5000 Menschen interniert und mussten Zwangsarbeit leisten.
Die meisten der mit Viehwaggons und Lastwagen herangebrachten Opfer wurden direkt von der Bahnendstation am Fluss Save mit einer Fähre ans andere Flussufer nach Donja Gradina (im heutigen Bosnien-Herzegowina) gebracht und dort massakriert, bis zu über tausend an einem Tag.
Hier gab es keine Gaskammern, es fand keine „industrielle“ Massenvernichtung statt. Alles war „Handarbeit“, zunächst mit Schusswaffen, später vor allem mit Messern , aber auch Hacken, Beilen, Äxten, Sägen und Hämmern.
Am 22. April 1945 findet ein Ausbruchsversuch von Gefangenen statt, der jedoch scheitert. Von den letzten noch lebenden ca. 1050 Gefangenen, die während der Zerstörung des Lagers durch das Ustascha-Personal im Gebäude der Näherei des Frauenlagers eingesperrt sind, entkommen lediglich etwa 80 in einen angrenzenden Wald. 520 kommen bei dem Aufstand um, die restlichen im Lager Verbliebenen, die zu alt, zu schwach oder zu krank für die Revolte sind, werden umgebracht oder bringen sich selbst um, kurz bevor das Lager am 5. Mai 1945 von jugoslawischen Partisanen befreit und aufgelöst wird - es war bereits zerstört, alle Unterlagen und alle Gebäude bis auf Teile der drei bis fünf Meter hohen und 3,5 km langen Mauer vernichtet.
Ein ehemaliger Franziskanerpater, Miroslav Filipovic-Majstorovic, genannt „der Teufel“, übernahm vorübergehend das Kommando in Jasenovac. Er wurde 1946 in Zagreb gehenkt.
Unweit von Jasenovac, in einem Umkreis von nicht mehr als fünfzehn Kilometern, gab es noch die Lager von Prijedor, Stara Gradiška und Banja Luka , in denen die kroatische Miliz, im Rücken gestärkt von der Wehrmacht und in der Seele von der katholischen Kirche , auf ähnliche Weise ein Tagwerk vollbrachte ums andere.