wgsebald.de

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Lexikon K

Kafka, Franz [RS 148][UH 14][LL 11, 70f, 131, 158, 180][SG 101][AUS 99][CS 11, 140, 174, 179ff, 193ff, 231][LW 67][Auf ungeheuer dünnem Eis 52, 55-64, 68, 71, 73, 77, 97f., 173f., 200, 238, 264]
Jan Peter Tripp : Der späte Kafka

1883 - 1924, deutschsprachiger Schriftsteller. 4. bis 16. Juli 1916 in Marienbad (siehe Verschlungene Minnen ), meistens in Gesellschaft seiner Freundin Felice Bauer, Hotel Balmoral (Haus Nr. 390, hinter dem Stadttheater), besucht das Tal bei der Waldquelle.
Hauptwerk: Der Process, Das Schloss und Der Verschollene, Erzählungen sowie Briefe. Die meisten Werke pothum gegen seinen erklärten Willen von Max Brod veröffentlicht. Übten bleibenden Einfluss auf die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts aus.
K. und das Kino siehe bei Zischler
In der Strafkolonie, Erzählung 1919. Einem Forschungsreisenden wird das Rechtssystem einer Strafkolonie vorgeführt. Es besteht darin, dass jeder Angeklagte unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld von einem Apparat in minutiösem Ablauf stundenlang gefoltert und dann getötet wird. Es ist ein überdimensionaler Parlograph in der Funktionsweise eines Phonographen mit vibrierender Metallplatte und Nadel, Hauptgegenstand der Erzählung und repräsentiert die „Einheit von Schrift und Tod, von Ekstase und Thanatos“.
Auszug aus Ein junger Student
In der Thamühler Synagoge lebt ein Tier von der Größe und Gestalt etwa eines Marders,
Die Synagoge von Thamühl ist ein einfacher kahler niedriger Bau aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. So klein die Synagoge ist, so reicht sie doch völlig aus, denn auch die Gemeinde ist klein und verkleinert sich von Jahr zu Jahr. Schon jetzt macht es der Gemeinde Mühe die Kosten für die Erhaltung der Synagoge aufzubringen und es gibt Einzelne, welche offen sagen, daß ein kleines Betzimmer durchaus dem Gottesdienst genügen würde
In unserer Synagoge lebt ein Tier in der Größe etwa eines Marders. Es ist oft sehr gut zu sehn, bis auf eine Entfernung von etwa zwei Metern duldet es das Herankommen der Menschen. Seine Farbe ist ein helles Blaugrün. Sein Fell hat noch niemand berührt, es läßt sich also darüber nichts sagen, fast möchte man behaupten, daß auch die wirkliche Farbe des Felles unbekannt ist, vielleicht stammt die sichtbare Farbe nur vom Staub und Mörtel die sich im Fell verfangen haben, die Farbe ähnelt ja auch dem Verputz des Synagogeninnern, nur ist sie ein wenig heller. Es ist, von seiner Furchtsamkeit abgesehn, ein ungemein ruhiges seßhaftes Tier; würde es nicht so oft aufgescheucht werden, es würde wohl den Ort kaum wechseln, sein Lieblingsaufenthalt ist das Gitter der Frauenabteilung, mit sichtbarem Behagen krallt es sich in die Maschen des Gitters, streckt sich und blickt hinab in den Betraum, diese kühne Stellung scheint es zu freuen, aber der Tempeldiener hat den Auftrag, das Tier niemals am Gitter zu dulden, es würde sich an diesen Platz gewöhnen und das kann man wegen der Frauen, die das Tier fürchten, nicht zulassen.
Siehe

Synagogengebäude (CS 174):
"In unserer Synagoge (Die Synagoge von Thamühl)" Prosafragment von 1922.
Beschreibung eines seltsamen Tieres, das sich in einer alten Synagoge aufhält. Seine Wirkung auf die Synagogenbesucher symbolisiert sowohl das Verhältnis zwischen Männern und Frauen als auch zwischen dem alten Glauben und dem der assimilierten Juden.
...auch das ängstlichste Tier hätte sich schon daran gewöhnen können, besonders wenn es sieht, daß es nicht etwa der Lärm von Verfolgern ist, sondern ein Lärm der es gar nicht betrifft. Und doch diese Angst. Ist es die Erinnerung an längst vergangene oder die Vorahnung künftiger Zeiten? Weiß dieses alte Tier vielleicht mehr, als die drei Generationen, die jeweils in der Synagoge versammelt sind?


Kaiserbirne [AW 49]

Bosc's Flaschenbirne (Synonyme: Kaiser Alexander, sowie: Calebasse Bosc, "Kaiserbirne", "Alexanderbirne"), alte Birnensorte. Herkunft unklar. Entweder von Professor van Mons um 1807 in Belgien gezüchtet oderZufallsämling, 1793 (als Baum) bei Apremont/Frankreich gefunden. Benannt nach Louis Augustin Guillaume Bosc, von Hadrian Diel als Kaiser Alexander benannt


Kaiserfleisch [LW 67]
spezifisch österreichischer Begriff, schon zur Zeit Maria Theresias bekannt. In der Wiener Küche bezeichnet der Zusatz „Kaiser“ allgemein etwas besonders Hochwertiges; in der österreichischen Küche entweder das Bruststück oder geselchtes saftiges Bauchfleisch vom Schwein, in Wien auch einfach zartes Fleisch eines jungen Schweins (Jungschweinernes).


Kalendergeschichten [LL 12]
siehe bei Hebel


Kalkstein [AUS 258]
siehe bei


kalmückisch [SG 90]
Kalmücken, westmongolisches Volk, das heute vor allem in der Autonomen Russischen Republik Kalmückien siedelt. Begriff schon im frühen 15. Jahrhundert von islamischen Historikern für die Oiraten verwendet, später von den Russen für an der Wolga siedelnde Splittergruppen der Oiraten übernommen. Einziges buddhistische, mongolischsprachige Volk in den Grenzen Europas.


Kaltnadel [SG 290]
Bei der Kaltnadelradierung wird die Zeichnung unter Kraftaufwand mit einer in Holz gefassten Stahlnadel oder einer aus massivem Stahl bestehenden, etwas schwereren Radiernadel direkt in die Druckplatte (Kaltverformung des Metalls) eingeritzt. Dabei bewirkt ein stärkerer Druck der Nadel auch eine stärkere Linie. Zu beiden Seiten der Rillen stellt sich das verdrängte Material auf und bildet einen scharfen Grat (der beim Kupferstich als Span entfernt wird). Alle Flächen bestehen aus einer Konzentration von vielen Linien. Auf die Platte wird anschließend vollflächig Druckfarbe aufgetragen und anschließend wieder blankgewischt. Dabei bleibt im feinen Grat neben der eigentlichen Linie zusätzlich zur Rille Farbe haften. Auf dem Abzug zeigt sich dann der Strich als erhöhte Farbablagerung, der Grat als feiner Einschnitt, der zuweilen sogar weiß bleibt und eine sich dem Grat anschließende samttonige Verschattung, die die Farbe wiedergibt, die beim Wischen an den Außenseiten des Grates haftengeblieben ist. Die dadurch entstehende malerische Wirkung ist das Erkennungsmerkmal gegenüber dem geätzten Strich der Radierung.


Kamisol [CS 231]
Kleidungsstück des 16. und 17. Jahrhunderts, ein mit Ärmeln versehenes oder auch ärmelloses Oberteil. Ging als kurze Schoßjacke in Frauentrachten mancher Gegenden ein.


Kammerjäger [AUS 258]
umgangsspr. Schädlingsbekämpfer


Kamtschatka [NN 48]



Kanariensekt [RS 297]
Früher als Kanariensekt die gewöhnlichen trocknen (sec) Weißweine der Kanarischen Inseln getrunken, gewürzt mit Zucker, Zimt, Muskatnuß, gebratenen Äpfeln, Eiern (Falstaffs Lieblingsgetränk).


Kannitverstan [RS 5, 60f]
Kalendergeschichte von Johann Peter Hebel , 1808 im Rheinländischen Hausfreund
Junger Handwerksbursche aus der deutschen Provinz (aus Tuttlingen, damals Herzogtum Württemberg) besucht zum ersten Mal in seinem Leben die Weltstadt Amsterdam und betrachtet dort mit Erstaunen ein besonders prächtiges Haus und ein großes Schiff, das mit den kostbarsten Waren beladen ist. Unbedarft fragt er nach den Besitzern des Hauses und des Schiffes und erhält beide Male die Antwort „Kannitverstan“, was auf Deutsch so viel heißt wie Ich kann dich nicht verstehen. Der einfältige Handwerksbursche jedoch glaubt, dass es sich bei „Kannitverstan“ um den Namen eines Mannes handelt und ist beeindruckt vom Reichtum des vermeintlichen Herrn Kannitverstan. Gleichzeitig fühlt sich der Handwerksbursche bedrückt angesichts seiner eigenen Armut. Schließlich beobachtet er eine Trauerprozession und fragt einen der Trauernden nach dem Verstorbenen. Als er wieder die Antwort „Kannitverstan“ erhält, trauert er um den verstorbenen Herrn Kannitverstan, fühlt sich aber gleichzeitig sehr leicht ums Herz, da ihm bewusst wird, dass der Tod keine sozialen Unterschiede kennt und alles im Leben vergänglich ist. So erträgt der Handwerksbursche seine eigene Armut viel leichter.
Erzählung, deren Kernaussage sich allen Lesern mühelos erschließt: Jeder Mensch soll zufrieden sein mit dem, was er hat und was er ist, denn am Ende ereilt jeden, egal ob arm oder reich, der unbestechliche Tod, wegen der leicht erschließbaren Kernaussage und des humorvollen Stils Schullektüre.
An diese Geschichte denkt der Ich-Erzähler, als er die Leichenlimousine beim Bahnhof in Lowestoft sieht (S. 60 f)


Kansu [RS 176]
siehe Gansu


Kap der elftausend Jungfrauen [CS 221]
Das Kap zum Eingang der Magellanstraße in der Nähe des 52. Breitengrades von Ferdinand Magellan „Kap der Jungfrauen“ - Cabo Virgenes - genannt, da er es am 21. Oktober (Gedenktag der Heiligen Ursula) 1520 sichtete.


Kapitalakkumulation [AUS 17]
in der klassischen Schule die von Kapitalisten durch Investieren des auf dem Markt realisierten Mehrwerts vorangetriebene Erweiterung des Kapitals. Begriff Karl Marx zugeschrieben. Marx versteht dabei Akkumulation doppelt: auf der einen Seite immer mehr Kapital in den Händen der Kapitalisten, auf der anderen Seite der Arbeiter immer mehr Elend


Kaplanhaus [SG 275]
Haus des Kaplans, des römisch-katholischen Priesters in den ersten Jahren nach seiner Weihe, in denen er in der Regel einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt.


Kapp, Johanna [LL 123f.]
(1824-1883) Heidelbergerin, SAchauspielerin, Tochter des Politikers und Philosophieprofessors Christian Kapp, in deren Vaterhaus Gottfried Keller verkehrt und um die er jahrelang wirbt. "Als Dichter muß ich immer neben der Hausfrau sitzen; denn die Deutschen ästimieren diese Menschengattung", berichtete er von Heidelberg brieflich seiner Mutter. "Ich esse hier viel Trauben mit einer schönen und noblen Jungfer, welche mich in ihrem Garten und Weinberg herumführt." Keller gesteht der jungen Johanna seine Liebe: "Die Traube schwoll so frisch und blank,
Und Ich nahm froh und frei
Aus Ihrer Hand den jungen Trank -
Und als die letzte Traube sank,
Da war der Traum vorbei."
Johanna liebt den materialistischen Philosophen Ludwig Feuerbach und rechnet darauf, er werde sich ihretwegen scheiden lassen - was er nicht plant und nicht tut.
Antwort Johannas 1849 auf Kellers Liebesgeständnis:
"Ich bin so tief erschüttert, daß ich kaum weiß, wie ich es Ihnen schreiben soll, und doch drängt mich's dazu. Ihr lieber Brief hat mich furchtbar traurig gemacht, obgleich Sie mir's verbieten. Ich möchte Ihnen danken und tu's auch aus vollem Herzen; aber es kommt mir schrecklich traurig vor, daß ich so viel Unheil anrichte. Es ist mir oft ganz unbegreiflich. In den letzten Tagen hab' ich wohl gefühlt, daß Sie mich gern hatten; aber ich hielt es für eine schöne menschliche Teilnahme und hätte mich auch gefürchtet, etwas mehr zu glauben. Nun aber liegt der Reichtum Ihres schönen Herzens plötzlich vor mir in neuem Glanze, und ich hab' tief aufseufzen müssen! Ich hab's Ihnen schon gestern gesagt, daß ich ebenso glücklich wie unglücklich, weil ich getrennt bin, aber geliebt! Der Mann, der Ihrem Kopfe ward, was Ihr edles Herz in mir fand, dieser herrliche Mann ist es, und der wundersame Zufall, der Sie uns beide zusammenstellen ließ, hat mich mit stürmischer Freude ergriffen. So mag Ihnen denn das Rätsel gelöst erscheinen, das meine in Schmerzen erblühte Liebe Ihnen sein mußte. Wie verwickelt dieses tragische Verhältnis ist, können Sie aber nicht ahnen; doch glaub' ich noch an eine Möglichkeit, die aber mit saurem Kampfe errungen werden muß und nach meinem Gefühl die einzige Versöhnung wäre für das herbe Leid, darunter viele leiden, am meisten die arme edle Frau, deren Glück ich zerstören mußte.
Die höchste Gabe, die der Mann einem Weibe bieten kann, ist seine Liebe, und für dies Geschenk muß ich Ihnen danken, so traurig mich's auch macht. Ich hab' Sie wirklich lieb und glaube Sie zu verstehen in der tiefen Innigkeit Ihres Wesens"
Kapp stirbt geistig umnachtet.
Als Keller fünf Jahre nach seiner Enttäuschung mit Johanna Kapp, 1854, in Berlin am Schlußband zum "Grünen Heinrich" arbeitet und dort die 23jährige Betty Tendering kennenlernt, beschränkt er sich schon darauf, seine Liebesnöte ganz allein auf der Stube zu verarbeiten. Frucht dieser qualvollen Arbeit ist eine Schreibunterlage, auf die er an die hundertmal Bettys Namen in allen Schriftarten kritzelt, nur unterbrochen von so traurigen Äußerungen wie "Herr Gottfried Thränensimpel" und dem Satz "Resignatio ist keine schöne Gegend".
Die Qual seiner Passion, die auszusprechen er sich nicht getraut, trägt er in Wirtshäuser, wo er die Hausknechte prügelt: "Ich trieb mich mit gebrochenem Herzen umher und kratzte, mir zur Erleichterung, andern Leuten an den Köpfen."


Kaputrock [UH 25]
auch Kapot, Mantel mit einer Kappe, französisch Capot


Karbol [AUS 92]
oder Karbolsäure, früherer Name des Phenols, Derivat des Benzols. 1834 bei der Destillation von Steinkohlenteer entdeckt, von charakteristischen, aromatischen Geruch. Anfangs als Antiseptikum bei Wunddesinfektion eingesetzt; wegen hautirritierender Nebenwirkung bald durch andere Antiseptika ersetzt. Phenol verursacht Verätzungen und ist Nerven-/Zellgift. Phenol-Resorcin-Formaldehyd-Kleber im konstruktiven Holzbau verwendet.


Kardinaltugend [RS 109]
(von lat. cardo, „Türangel, Dreh- und Angelpunkt“), seit der Antike eine Gruppe von vier Grund-Tugenden, erstmals bei Aischylos belegt (467 v. Chr. "Sieben gegen Theben", Vers 610). Platon übernimmt in seinen Dialogen Vierergruppe: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Verständigkeit, Klugheit oder Weisheit. Auch im Judentum dieselben vier Haupttugenden. Cicero in "De officiis" -Über die Pflichten): Weisheit oder Klugheit (sapientia bzw. prudentia), Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo, magnitudo animi) und Mäßigung (temperantia). Ambrosius von Mailand verwendet erstmals den Begriff "Kardinaltugenden" (virtutes cardinales)


Kardiogramm [CS 182]
Bei der Elektrokardiographie die Ableitung und kurvenmäßige Aufzeichnung (Abk. EKG) der durch die Tätigkeit des Herzmuskels entstehenden feinen Herzströme mittels des Elektrokardiographen. Aus dem EKG kann auf die Herztätigkeit (Rhythmus, Frequenz), die Erregungsbildung u. -leitung und die Beschaffenheit des Herzmuskels geschlossen werden.


Karl Friedrich [LL 27]
Großherzog von Baden, 1728-1811, mit 73 Jahren "Amtszeit" einer der am längsten regierenden Monarchen der Geschichte
Ausbildung an der Académie de Lausanne 1743–1745, 1745/46 Reisen nach Paris und in die Niederlande 1746 Übernahme der Regierung. Gerüchte über losen Lebenswandel (Kartenspiel, amouröse Abenteuer) 1747 weitere Reisen: Niederlande, England, Italien, Heirat, Englandreise
Musterbeispiel aufgeklärten absolutistischen Herrschers, fördert Schulen und Universitäten, Rechtsprechung, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Städtebau. Reorganisation der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1767 Abschaffung der Tortur und 1783 (offensichtlicher Schreibfehler bei Sebald: 23. Juli 1783, nicht 1723) der Leibeigenschaft.
Mitglied einer englischen Freimaurerloge.
Der Großherzog war aufgrund des Studiums der französischen Physiokraten - insbesondere Mirabeau und Du Pont Anhänger dieser Ideen. Er schreibt selbst eine Zusammenfassung der physiokratischen Ideen: „Abrégé des principes de l’économie politique“. Versuch der Einführung des physiokratischen Systems in den drei badischen Dörfern Dietlingen, Bahlingen und Teningen, gescheitert


Karl Theodor [RS 338f]
Karl (oder Carl) Philipp Theodor * Schloss Drogenbusch bei Brüssel 1724 † München 1799 Kurfürst von der Pfalz, ab 1777 auch von Bayern. Seine Regierungszeit von enormer Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.


Karmelitská [AUS 207]

Straße in Prag/Mala Strana. Zum Staatsarchiv



Kasack, Hermann [CS 72ff]
* Potsdam 1896 † Stuttgart 1966 deutscher Schriftsteller, Dichter. Pionier in der Vermittlung literarischer Inhalte in der Anfangszeit des Rundfunks. Hörspiele unter Pseudonymen Hermann Wilhelm und Hermann Merten.
1933 jegliche Mitarbeit am Rundfunk verboten. Dennoch das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichnet 1947 bekanntester Roman Die Stadt hinter dem Strom , 1952 Das große Netz


Kaspar [CS 57ff]
Sprechstück von Peter Handke 1968
Handke will nicht die Geschichte Kaspar Hausers nacherzählen, der 1828 in Nürnberg völlig hilflos, ungebildet, unzivilisiert, als eine Art "Wilder" in der biedermeierlichen Gesellschaft auftauchte und unter ungeklärten Umständen später ermordet wurde. Den Autor interessiert dieser Fall nur als Modell: wie sich ein Fremder in einer geordneten Welt mit Hilfe der Sprache zurechtfinden, wie er damit sich selbst erkennen und seine Umgebung, die ihm als ein Chaos erscheinen muss, ordnen kann.
Thema des Stücks ist das schon im 'Programm' des Sprechtheaters genannte Problem der Manipulierbarkeit des Menschen durch die Sprache. Es demonstriert, "wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann" und verdient insofern zu Recht die Bezeichnung "Sprechfolterung". Weiter will das Stück zeigen, wie der Prozess einer zunächst erreichten, dann aber wieder verlorenen Selbstfindung vor sich geht. Dieser Vorgang wird in verschiedenen Stationen realisiert und variiert. Handke hat im Stück die Fabel der Kaspar Hauser-Erzählung anklingen lassen; zumindest übernimmt er Teile davon.


Kaspar Hauser [CS 221]
* angeblich 1812 † Ansbach 1833 Findelkind ungeklärter Herkunft.


Kassiopeia [AW 190]
Sternbild Cassiopeia, mit einer Deklination von etwa 60°N (deshalb zweifelhaft, ob der Tagebuchschreiber Ambros es "lotrecht" über sich von Delphi (nördliche Breite etwa 38°) aus - wie den Schwan - sehen konnte)


Katechet [AW 53]
Religionslehrkräfte, die der evangelischen oder römisch-katholischen Kirche unterstellt in Anlehnung an das allgemeine Lehrerstudium von deren Instituten dazu ausgebildet sind, um an deutschen öffentlichen Schulen ausschließlich das Fach Religion zu unterrichten


Katharina [NN 9] [AUS 128] [SG 79]

Katharina von Alexandrien
historisch nicht belegt, eine der bekanntesten katholischen Heiligen, gilt als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Schutzpatronin der Schulen, der philosophischen Fakultäten, der Näherinnen und Schneiderinnen. Erstmals im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Der Überlieferung nach lebt sie im 3. oder 4. Jahrhundert. Eine der vierzehn Nothelfer
Legende: junge, intelligente Schönheit, die sich als geweihte Jungfrau Christus versprochen hatte. Königstochter aus Zypern, die im ägyptischen Alexandrien von Eremiten zum Glauben geführt wird. Als der römische Kaiser Maxentius Christen zum Märtyrertod verurteilt, tritt Katharina ihm entgegen und fragt, weshalb er nicht zum Christentum übertrete, statt von den Christen Götzenopfer zu verlangen. In einer öffentlichen Diskussion, zu der der Kaiser seine besten 50 Philosophen und Gelehrten aufbietet, bringt Katharina so einleuchtende und gelehrte Argumente für das Christentum vor, dass sich alle fünfzig zum Christentum bekehren. Weil sie nicht vermocht hatten, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, schickt der Kaiser sie alle auf den Scheiterhaufen. Von ihrer Schlagfertigkeit und Schönheit beeindruckt, bietet er Katharina mehrmals an, als „gewaltige und hochgezierte Königin“ an seiner Seite zu herrschen. Sie lehnt ab, wird gegeißelt und ohne Nahrung zwölf Tage lang in finsterem Verlies eingekerkert. Folterwerkzeug ihres Martyriums das Rad. Auf Katharinas Gebet hin kommt Engel und zerstört das Folterinstrument mit solcher Wucht, dass 4000 Heiden getötet werden. Enthauptet, aus ihren Wunden fließt Milch. Engel bringen sterbliche Überreste zum Berg Sinai. 500 Jahre später ihre Gebeine dort gefunden, ihr zu Ehren Katharinenkloster an Fundstelle gebaut.


Katzenberg [LW 77]

In Bamberg stellt der Katzenberg Verbindung zwischen Sandgebiet und Domberg her. Name auf die früheren Geschütze, die Feldschlangen und Feldkatzen, die zur Verteidigung der Domburg dienten, zurückzuführen. Auf der rechten Seite einige der schönsten Bürgerhäuser der Stadt


kauscher [LL 24]
oder koscher nennen die Juden das Reine und dessen Genuß oder Gebrauch durch das Gesetz ihnen erlaubt ist, in der deutschen Umgangssprache „einwandfrei“, „unbedenklich“


Kaznelson [SG 165]
Lise Weltsch: Schwester des Schriftstellers Robert Weltsch und Cousine von Kafkas Freund Felix Weltsch, später Frau Lise Kaznelson.


Kebelsbergsches Palais [LW 79]
Wohl Schreibfehler, gemeint das Klebelsbergsche Palais


Keller, Gottfried [LL 5f, 95ff]
[Auf ungeheuer dünnem Eis 109]

* Zürich 1819 + ebda 1890 Schweizer Dichter und Politiker. Eltern (Vater Drechsler) aus Glattfelden im Norden des Kantons Zürich. K. kommt im Haus „Zum goldenen Winkel“ zur Welt. Kurz darauf kauft Vater das Haus „Zur Sichel“. K. beschreibt es in Der grüne Heinrich. Vater Parteigänger der liberalen Bewegung, Eltern in der evangelisch-reformierten Kirche.
Vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr Schule für Arme, danach zwei Jahre weiterführende Anstalt, auch Französisch- und Italienischunterricht. Früh das Bedürfnis, sich malend und schreibend auszudrücken. 1833 kantonale Industrieschule. 1834 Teilnahme an Aufmarsch, als Rädelsführer denunziert der Schule verwiesen. Berufsziel Landschaftsmaler. (siehe Grüner Heinrich „Schwindelhaber“) 1837 Begegnung mit Rudolf Meyer („Römer“ im Gr. Heinrich). 1840 Erbschaft, in München Kunstakademie. Typhus, Erbschaft aufgebraucht, Schulden, Heimreise. Lyrik erscheint 1845, 1844 und 1845 Teilnahme an Zürcher Freischarenzügen nach Luzern. Von der angebeten Luise Rieter Korb: "Er hat sehr kleine, kurze Beine, schade! Denn sein Kopf wäre nicht übel, besonders zeichnet sich die außerordentlich hohe Stirn aus“. Staatsstipendiat 1848 bis 1850 in Heidelberg. Hört Feuerbach (seine „Wende zur Diesseitigkeit“ zentrales Thema des Gr. Heinrich)
1850 bis 55 freier Schriftsteller Berlin. Schreibt in qualvoller, oft monatelang unterbrochener Arbeit den Grünen Heinrich, die Novellen Leute von Seldwyla (1. Band), verliebt sich in Betty Tendering, 22 (Dorothea Schönfund = Bella Trovata im Gr. Heinrich), bis 1861 freier Schriftsteller in Zürich, dann Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich, gescheiterte Heirat.
Am bekanntesten: Der grüne Heinrich , Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla. Meister der Novellendichtung und bedeutendster Erzähler des bürgerlichen Realismus.
siehe auch


Kellermann, François-Etienne [Schwindel. Gefühle. 21]
[Austerlitz 104, 401]
Herzog von Valmy, Pair von Frankreich, * Metz 1770 † 1835
Französischer Kavalleriegeneral . Teilnahme an der Schlacht von Austerlitz


Kempter Calender [LL 13ff]
Gibts noch heute:




.


Kensington [Die Ringe des Saturn 259]
Ortsteil von London


Kernkraftwerk Sizewell [NN 94]
AKW beim Fischerdorf Sizewell .


Kerry, Stanley [RS 221ff.]
1923 - 1980 Professor in Manchester, zu dem Sebald eines besondere Affinität entwickelte


Kertbney, Karl Maria [UH 39]
1824 - 1882 (geborener Karl Maria Benkert) österreichisch-ungarischer Schriftsteller. Bekanntschaft mit vielen Schriftstellern. Erinnerungen an Charles Sealsfield (Brüssel und Leipzig 1864). Intensive lit. Beschäftigung mit Homosexualität.


Kessel von Bohušovice [AUS 268]
In diesem Kessel spielt sich am 11. November 1943 ein traumatisches Ereignis ab. Eine Differenz von 30 Personen in der Lagerevidenz ist Anlass für die Zählung aller Gettoinsassen des Gettos von Theresienstadt .
Das Ergebnis einer Personenfeststellung in den Unterkünften befriedigt den Kommandanten nicht, er ordnet einen Appell an. Federica Spitzer, 1911 in Wien geboren, Sekretärin, seit Oktober 1942 in Theresienstadt, beschreibt das Geschehen: "Um 5.30 Uhr des 11. November, es war noch ganz dunkel, wurden wir aufgefordert, uns anzuziehen und bereitzumachen. Das galt für alle, mit Ausnahme von Schwerkranken und einigen Verantwortlichen für Wasser und Elektrizität. Alle großen Betriebe, überhaupt alles wurde geschlossen. Jeder von uns erhielt eine kleine Eßration auf den Weg. Es herrschte große Konfusion. Zehntausende zum großen Teil alter und schwacher Menschen in geordneten Abmarsch zu bringen, war nicht leicht. Es dauerte Stunden, bis wir, außerhalb der Festungsmauern, ins Bauschowitzer Becken geführt werden konnten. Das Wetter war kalt und neblig und wir zitterten vor Angst und Kälte. Zur Erleichterung der Zählung standen auf dem weiten Felde Tafeln mit Nummern, um die herum je eine bestimmte Anzahl von Personen gruppiert werden sollte. Auf den Hügeln ringsum waren Gendarmen mit auf die Menge gerichteten Gewehren postiert. Niemand durfte seinen Platz verändern, nicht einmal, um seine Notdurft zu verrichten. Vereinzelt mitgebrachte Decken wurden um eine Person herum hochgehalten, um in einem solchen Fall das Schamgefühl nicht zu verletzen. Das war aber nur in wenigen Fällen möglich, und so mußte man sich auf das rücksichtsvolle Wegsehen der Umstehenden verlassen.»

Die apokalyptische Situation des Zählappells wird besonders aus dem Bericht einer Berlinerin deutlich. Hedwig Rosenthal, im Mai 1943 zusammen mit ihrem Mann nach Theresienstadt deportiert. Das Ehepaar hatte im jüdischen Leben der Reichshauptstadt eine wichtige Rolle gespielt; beruflich in der Damenkonfektion als Unternehmer tätig, gehörten sie zahlreichen jüdischen Organisationen an. Der 73-jährige Ehemann starb im Juni 1943 in Theresienstadt, Hedwig Rosenthal überlebte und gab im Dezember 1955 in Stockholm ihre Erinnerungen an die Volkszählung in Theresienstadt zu Protokoll (teilweise übertrieben und mit falschen Fakten): «Am 11. November 1943 wurden alle gesunden Menschen von Theresienstadt frühmorgens um 1/2 6 Uhr vor ihren Häusern versammelt. Zu angeblicher Volkszählung wurden wir mit wenig Proviant in den Bauschowitzer Grund unter Führung von Männern des Jüdischen Arbeitsdienstes gebracht. In Hunderten von Zügen wurden wir aufgestellt und nichts geschah. Auf den Wällen standen Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten, über unseren Köpfen kreisten Hunderte von Flugzeugen und in Autos kamen die Gestapoherren, voran Herr Brunner aus Wien und Eichmann aus Berlin. Wir wurden immer zu 100 abgezählt und so standen wir unter Todesängsten stundenlang auf einer Stelle in schneidender Kälte ohne Nahrung und etwas Warmes. Es sprach sich bald herum, dass die Liquidierung vor sich gehen sollte und auf jedes Zeichen durch die Soldaten und Flugzeuge haben wir verzweifelt gewartet. Es wurde spät und später und auf einmal kam wieder ein Auto mit 2 Gestapomännern, die wahrscheinlich eine Meldung brachten. Kurz, die Autos fuhren ab und es geschah nichts. Als die Dunkelheit kam, sind wir eigenmächtig fortgegangen. Es war furchtbar, man konnte keinen Weg sehen und sehr viele sind gefallen, mit Arm- und Beinbrüchen liegengeblieben und erfroren. Ich mit fast 70 Jahren kam um 1/2 12 Uhr nachts total erschöpft und verfroren in meinem Zimmer an, wurde ausgezogen und mit heissem Tee ins Bett gebracht. Ich habe mir ein schweres Herzleiden und doppelten Leistenbruch zugezogen und habe noch heute darunter zu leiden.»
Der Zählappell im Bauschowitzer Kessel gibt vielen der Gemusterten den Eindruck, die Aktion habe eigentlich der schlagartigen Vernichtung der mehr als 30.000 Insassen des Ghettos Theresienstadt dienen sollen. Es ist aber tatsächlich nur eine generalstabsmäßig vorbereitete Zählaktion, nicht die einzige, aber die aufwändigste.


Khayyām, Omar [Die Ringe des Saturn 238]
oder Umar * Nischapur, Provinz Chorasan 1048 † 1123 persischer Mathematiker, Astronom, Philosoph und Dichter .


Khoranan [Die Ringe des Saturn 247]
wohl Schreibfehler, gemeint Khorasan (Chorasan), bekannteste historische Bezeichnung über viele Jahrhunderte für Norden und Westen des heutigen Afghanistans (bedeutende Gebiete des historischen Khorasan).
Wohl Anspielung auf Omar Khayyāms
Geburtsort


Killeen Rockingham [Die Ringe des Saturn 261]
eine literarische Kombination aus zwei Schlössern:

1)Killeen Castle in Royal Meath, 1181 von Hugh de Lacy als Teil des strategischen Burgenverteidigungssystems für Nord Leinster gebaut. Von 1403 an war das Schloss Sitz der Plunkett Familie , Earls of Fingall, eine der ältesten anglo-irish Familien. Der 12. und letzte Earl of Fingall verkauft es 1951, seit 1997 Golf Hotel
2)

Rockingham House, nahe der Stadt Boyle im County Roscommon, Irland, erbaut im frühen 18. Jht. vom englischen Grafen John King. Bemerkenswert die Vorderfront, und seine 365 Fenster. Es brannte 1957 ab und wurde von der irischen Land Commission übernommen, in den Sechzigern verfällt es. Auf den Originalfundamenten wurde der Moylurg Tower errichtet, Teil eines Freizeitparks, von wo man einen spektakulären Blick auf den See hat.



Kinderszenen [AU 305]
op.15 - aus kurzen Klavierstücken bestehender Werk-Zyklus von Robert Schumann


Kindertransport [AU 212, 248]
(Children Movement), Bezeichnung für Ausreise von fast 10.000 Kindern, die als „jüdisch“ im Sinne der Nürnberger Gesetze galten, aus Nazi-Deutschland ober bedrohten Ländern zwischen 1938 und 1939 nach Großbritannien. Vor allem Kinder aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei gelangen ins Exil. In Zügen und mit Schiffen können die Kinder ausreisen, die meisten sehen ihre Eltern nie wieder, oftmals sind einzigen Überlebenden des Holocausts aus ihren Familien.
Die Reichspogromnacht gegen Juden vom November 1938 führt der Weltöffentlichkeit drastisch vor Augen, dass Juden in Deutschland schutzlos sind. Dennoch machen es die strengen Einwanderungsbestimmungen vieler Länder deutschen Juden trotz ihrer Verfolgung nahezu unmöglich, Deutschland zu verlassen. Nur die die britische Regierung und die Bevölkerung Großbritannienss handeln schnell. Chamberlain empfängt Abordnung einflussreicher britischer Juden, um über eine vorübergehende Aufnahme von Kindern und Jugendlichen zu verhandeln. Die jüdische Gemeinde verpflichtet sich zur Stellung von Garantiesummen für die Reise- und Umsiedlungskosten der Kinder in Höhe von 50 Englischen Pfund pro Kind (nach damaligem Wert rund 1.500 €) und verspricht, die Kinder im Land zu verteilen und ihnen eine angemessene Ausbildung angedeihen zu lassen. Später sollen die Kinder mit ihren Familien vereinigt eine endgültige neue Heimat in Palästina finden. Wenige Tage später lockert die Regierung die Einreisebestimmungen, es ergeht ein Aufruf an die britische Bevölkerung, Pflegekinder in der eigenen Familie aufzunehmen. Jüdische Kinder bis zum Alter von 17 Jahren dürfen einwandern, sofern eine Pflegefamilie gefunden ist. Hintergedanken der britischen Regierung: könnte die USA dazu bringen, ihre Einreisebestimmungen ebenfalls zu lockern. Das US-amerikanische Parlament lehnt dies indes wenig später. Geertruida Wijsmuller-Meyer, einflussreiche niederländische Bankiersfrau, verhandelte zeitgleich mit Adolf Eichmann, es gelingt, pauschale Duldung solcher Transporte unter strengen Auflagen zu erlangen. Kinder dürfen nur einen Koffer, eine Tasche und zehn Reichsmark mitnehmen; Spielsachen und Bücher verboten, nur eine Fotografie erlaubt. Wertsachen beschlagnahmt. Den Reisegruppen werden Blockvisa ausgestellt, jedes Kind bekommt eine Nummer. Um tränenreiche – und damit öffentlichkeitswirksame – Abschiedsszenen zu unterbinden, ist Eltern und Angehörigen verboten, bei der Abfahrt der Kinder den Bahnsteig zu betreten.
Schon im Dezember 1938 – nicht einmal drei Wochen nach der Pogromnacht – beginnen die Briten, jüdische Kinder in ihr Land zu holen. Ein Jahr lang, bis zum Kriegsausbruch 1939, werden die Transporte von den Nazis geduldet. Die Kinder fahren mit dem Zug von ihren Heimatbahnhöfen über die Niederlande, meist nach Hoek van Holland, und von dort weiter per Schiff zu der englischen Hafenstadt Harwich. Der erste Transport kommt am 2. Dezember 1938 in Parkeston Quay, Harwich, an. Daneben wird auch versucht, tschechische jüdische Kinder durch derartige Kindertransporte zu retten. Schon nach wenigen Wochen aber überseigt die Anzahl der ankommenden Flüchtlingskinder die angebotenen Pflegeplätze. Manche Kinder werden als kostenloses Dienstpersonal ausgenutzt, viele in Flüchtlingslagern interniert. Hinzu kommt das Leid der Kinder, die überwiegend die Umstände ihrer Deportation nicht kennen oder verstehen, oftmals glaubten, ihre Familie habe sie verstoßen. Letzter bekannter Kindertransport durch den niederländischen Frachter „SS Bodegraven“, der mit 80 Kindern an Bord am 14. Mai 1940 unter deutschem Maschinengewehrfeuer von IJmuiden aus den Kanal überquert und schließlich in Liverpool landet.
Mit Ausbruch des Weltkrieges verschärft sich die Situation der Flüchtlingskinder in Großbritannien. Viele Pflegefamilien geben sie in Flüchtlingslager ab, verdächtigen sie als deutsche Spione. Dennoch: knapp 10.000 Kinder entgehen durch diese humanitäre Aktion weiterer Verfolgung oder einem eventuellen Tod im KZ. Viele der Kinder erfahren erst nach Kriegsende Details ihrer Deportation und des Schicksals ihrer zurückgebliebenen Familie.
Das Schicksal der Kinder und ihre weitere Geschichte weisen bleibende Spuren der Traumatisierung auf. Viele sahen ihre Eltern nie wieder, und selbst wenn Mutter oder Vater am Ende der Naziherrschaft zu den Überlebenden gehörten, kamen meist keine normalen Beziehungen mehr zustande. Unter den Kindern sind Depressionen und Beziehungsstörungen, Ängste aller Art, Ruhelosigkeit und Misstrauen besonders häufig, Folgen eines traumatischen Identitätsverlustes. Hinzu kommt das „Schuldgefühl der Überlebenden“ („survivors guilt“): Ähnlich wie bei Menschen, die als „versteckte Kinder“ unter falscher Identität der Vernichtungsmaschinerie der Nazis entgingen, wurde den Kindern der Rettungsaktion die eigene Trauer über das Erlittene nicht zugestanden, nicht von der Umwelt und nicht vom eigenen Gewissen.
Seit 2002 wird das Drame der Öffentlichkeit in Österreich ins Bewusstsein gerufen. Schulprojekt "A Letter To The Stars" und Künstlergruppe "Counter/Act", die in Wien Pappschachteln verteilt, in denen auf Papierstreifen der Rassismus angeprangert wird. Unter anderem befanden sich in der Schachtel Anzeigen jüdischer Eltern, die 1938/39 dringend Adoptiv- oder Pflege-Eltern in England für ihre Kinder suchten. Anzeigen in Originalform nachgedruckt, eine lautete:
Auf der Suche nach einem Ausweg: Welche großmütige Familie übernimmt in der heutigen harten Zeit die Sorge für meine Kinder oder adoptiert sie? Ihr Vater ist Dr. Ing., lange Zeit Mitarbeiter der Österr. Staatsbahnen, und als Jude jetzt arbeitslos. Die zwei Kinder sind 10 und 12½ Jahre alt, hübsch und vollkommen gesund. Die Eltern wären glücklich, die Kinder in einer jüdischen gläubigen Familie zu wissen. Dr. Ing. S. Morgenstern, 2, Böcklinstrasse, Wien 2. In London auf Initiative von Prinz Charles ein Denkmal am Bahnhof Liverpool Street Station aufgestellt, an dem Bahnhof, wo die meisten jüdischen Kinder aus Deutschland eintrafen. In Wien wurde am Wiener Westbahnhof im März 2008 eine ähnliche Skulptur aufgestellt, die von den Österreichischen Bundesbahnen finanziert wurde. In Berlin wurde am 30. November 2008 am S- und U-Bahnhof Friedrichstraße eine analoge Skulptur eingeweiht. Diese Skulptur wurde durch Spenden finanziert. An die vom Bahnhof Hamburg-Altona abtransportierten und geretteten 1000 Kinder erinnert bisher noch kein Denkmal.
Siehe auch Bechhöfer, Skulptur


Kindt, Aris [CS 135]
[RS 22ff]
auch Adriaan Adriaanszoon, Leydener Strauchdieb, gewalttätiger Straßenräuber, 1632 wegen seiner Verbrechen gehängt, den Dr. Tulp obduziert, nachdem man ihn in einer der ersten Droschken Europas vom Galgen direkt ins Amsterdamer Anatomietheater befördert hatte.


Kinski, Klaus [CS 233]
1926-1991, deutscher Schauspieler.
Spezialisiert auf die Darstellung psychopathischer und getriebener Charaktere, in diesem Rollenfach auch international gefragter Filmschauspieler. Künstlerisch herausragend seine jahrelange Zusammenarbeit mit Regisseur Werner Herzog, der ihn in Filmen wie Nosferatu – Phantom der Nacht, Aguirre, der Zorn Gottes oder Fitzcarraldo besetzt.


Kirchenjahr [AW 53]
Als K. (lat. annus ecclesiasticus oder annus liturgicus, deutsch auch Liturgisches Jahr, christliches Jahr oder Herrenjahr) bezeichnet man im Christentum die jährlich wiederkehrende festgelegte Abfolge von christlichen Festen und Festzeiten, nach der sich vor allem die Gottesdienstpraxis und Liturgie richten. Damit soll Heilsgeschichte Christi als Ziel der wiederkehrenden, gleichbleibenden Natur- und Universalgeschichte für die Gemeinschaft der Nachfolger dauerhaft nachvollziehbar werden. Vor allem aus den um Ostern, Weihnachten herum gebildeten Festkreisen bestehend. Den Festzeiten bestimmte liturgische Farben zugeordnet


Klebelsbergsches Palais [LW 79]
Goethe war während der Kur dort abgestiegen (vgl. "Marienbader Elegie" )
Zitat aus Walsers Roman "Ein liebender Mann":
"Das Klebelsberg-Palais, sagte er, ist schon eine Provokation. Hundert Zimmer auf drei Stockwerken, eine Prachtsfassade, fünfzig Meter breit. Kann das gutgehen? Exzellenz, wenn etwas gutgehen muss, geht es gut, sagte sie streng belehrend. Eigentlich in seinem Ton. Goethe staunte. Und fragte, wenn sie so rede, wen er da reden höre. Mich, sagte sie. Aber so wie er über Gewittertote und Seneca alles von einem Kriminalrat in Eger habe, so habe sie alles, was Marienbad angehe, von ihrem zukünftigen Stiefvater, dem Grafen Klebelsberg, und ihrem Großvater, dem Baron Broesigke. Die beiden sollte der Geheimrat abends einmal reden hören. Marienbad, die grünste Einöde Europas, an der Europas Reichste immer vorbeigefahren sind, nach Karlsbad. Die werden jetzt Halt machen in Marienbad. Klebelsberg, im Hauptberuf immerhin österreichischer Finanzminister, und ihr Großvater Broesigke seien Rechner. Der Großvater habe hier mitgebaut. Der sei übrigens, und das sage sie nur, dass Goethe wisse, auch in ihrer Familie komme Höheres als Älteres vor, der Vater ihrer Mutter sei ein Patenkind des großen Preußenkönigs Friedrich."


Kleemann, Jessie [LW 93f]

* Grönland 1959 grönländische Dichterin.



Kleine Eiszeit [AUS 186]
Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein, in der heutigen Klimadiskussion als klassisches Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation


Kleist, Heinrich von [LL 119, 184]
[Auf ungeheuer dünnem Eis S. 34,66]

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist
* Frankfurt/Oder 1777 † am Kleinen Wannsee/Berlin 1811 deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist.
Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit, entstammt pommerschen Uradel, Tod des Vaters 1788, K in Berlin in der Pension des reformierten Predigers Samuel Heinrich Catel. 1792 getreu der Familientradition Eintritt ins Garderegiment Potsdam. Teilnahme am Rheinfeldzug gegen Frankreich sowie an der Belagerung der ersten bürgerlichen Republik auf deutschem Boden in Mainz. 1795 Fähnrich 1797 Leutnant. 1799 Absicht, den als unerträglich empfundenen Militärdienst aufzugeben und seinen Lebensplan, auch gegen den zu erwartenden Widerstand der Familie, nicht auf Reichtum, Würden, Ehren, sondern auf die Ausbildung des Geistes zu gründen und ein wissenschaftliches Studium aufzunehmen.
Entlassung aus dem Militär, Studium der Mathematik, Physik, Kulturgeschichte, Latein und Kameralwissenschaften 1800 Verlobung mit Generalstochter Wilhelmine von Zenge. Studium abgebrochen Volontär im preußischen Wirtschaftsministerium in Berlin, vermutlich als Wirtschaftsspion tätig.
1801 mit Schwester Ulrike über Dresden (bei Familie von Schlieben, siehe unten) nach Paris. Ab April 1802 auf einer Insel in der Aare bei Thun in der Schweiz (siehe ). Bruch mit Wilhelmine, die nicht seinen Vorstellungen gemäß als Bäuerin mit ihm zusammenleben will. 1803 Deutschland. Mit Ernst von Pfuel wieder Paris, in Deutschland Antrag auf diplomatischen Dienst. 1804 Königsberg, trifft Wilhelmine wieder (verheiratet). 1807 auf dem Wege nach Berlin K. und Begleiter von den französischen Behörden als angebliche Spione verhaftet. Nach Freilassung über Berlin nach Dresden, gibt 1808 das Journal für die Kunst (so der Untertitel) Phöbus heraus. 1809 - 1811 Berlin, erschießt mit deren Einverständnis die an Krebs erkrankte Henriette Vogel und dann sich.
Das literarische Schaffen auf Zeitgenossen und spätere Leser widersprüchliche, aber nachhaltige Wirkung.
Auszug aus dem Brief an Karoline von Schlieben (zu "Glückskranz") Paris, den 18. Juli 1801
Liebe Freundin. Entsinnen Sie sich wohl noch eines armen kleinen Menschen, der vor einigen Monaten an einem etwas stürmischen Tage, als die See ein wenig hoch ging, mit dem Schiffchen seines Lebens in Dresden einlief, und Anker warf in diesem lieben Örtchen, weil der Boden ihm so wohl gefiel, und die Lüfte da so warm wehten, und die Menschen so freundlich waren? Entsinnen Sie sich des Jünglings wohl noch, der zuweilen an kühlen Abenden unter den dunkeln Linden des Schloßgartens, frohe Worte wechselnd, an Ihrer Seite ging, oder schweigend neben Ihnen stand auf der hohen Elbbrücke, wenn die Sonne hinter den blauen Bergen unterging? Entsinnen Sie sich dessen wohl noch, der Sie zuweilen durch den Olymp der Griechen voll Göttern und Heroen führte, und oft mit Ihnen vor der Mutter Gottes stand, vor jener hohen Gestalt, mit der stillen Größe, mit dem hohen Ernste, mit der Engelreinheit? Der Ihnen einst, am Abhange der Terrasse an jenem schönen Morgen die Halme hielt, aus welchen Sie den Glückskranz flochten, der Ihre Wünsche erfüllen soll? Dem Sie ein wenig von Ihrem Wohlwollen schenkten und Ihr Andenken für immer versprachen? Blättern Sie in Ihrem Stammbuch nach - und wenn Sie ein Wort finden, das warm ist, wie ein Herz, und einen Namen, der hold klingt, wie ein Dichternamen, so können Sie nicht fehlen; denn kurz, es ist Heinrich Kleist.
zu Karoline von Schlieben


Klengel, Wolf Caspar von [AUS 21]
* Dresden 1630 † ebda 1691 deutscher Baumeister, kursächsischer Artillerieoffizier, Oberlandbaumeister und Hofarchitekt. Begründer der sächsischen Barockbaukunst, kunstgeschichtlich der wichtigste sächsische Baumeister im 17. Jahrhundert. Oberlandbaumeister und Oberinspektor der Zivil- und Militärgebäude unter dem sächsischen Kurfürst Johann Georg II. (1613–1680). Studienaufenthalte in Holland, Frankreich und Italien, gründliche Kenntnis des Fortifikationswesens, 3 Jahre im Krieg in Nordafrika (mit Maltesern), Bebauungspläne für Dresden. Unter seiner Anleitung Schloßturm und Hausmannsturm, zahlreiche barocke Gärten, Landhäuser und das Palais im Großen Garten. Das nahe dem Neustädter Markt gelegene Barockviertel entsteht unter seiner Leitung. Neue Bauordnung nach dem verheerenden Stadtbrand von 1685: keine Holzbauten, Baustoff ausschließlich Stein. Teilweise orientiert sich der Wiederaufbau an der Architektur von Versailles, welcher August der Starke prunkvoll nacheifert. Gemeinsam mit Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und dem Bildhauer Balthasar Permoser erlangt die Architektur des Dresdner Hochbarock ihren Höhepunkt. Klengel läßt Befestigungsanlagen von Dresden erweitern, ebeso die des Königstein, verhinderte Bebauung der Dresdner Elbwiesen, 1688 Kommandant auf Schloss Sonnenstein bei Pirna, das er zur Festung ausbaut.


Klopfkäfer [AW S. 165] siehe bei Totenuhr


Klopstock, Friedrich Gottlieb [NN 36]
* Quedlinburg 1724 † Hamburg 1803 deutscher Dichter.
Fürstenschule, Studium der Theologie, in Langensalza Hauslehrerstelle: leidenschaftliche Liebe zu Maria-Sophia Schmidt, Entsagung. Oden, Begeisterungssturm, Geburtsstunde der reinen Dichtung. Einladung vom König nach Dänemark. Heirat, Frau stirbt vier Jahre später an Entbindung. 30 Jahre besingt er sie in Elegien. Quedlinburg, Braunschweig, Halberstadt, Kopenhagen, Karlsruhe. Werke: Messias, Die deutsche Gelehrtenrepublik, Oden, Messias Das Zitat aus den Oden, Band 1


Kloster des Ordens der heiligen Maria von Bethlehem [AU 186f36]
Bedlam, byname of Bethlem Royal Hospital, the first asylum for the mentally ill in England. It is currently located in Beckenham, Kent. The word bedlam came to be used generically for all psychiatric hospitals and sometimes is used colloquially for an uproar.
In 1247 the asylum was founded at Bishopsgate, just outside the London wall, by Simon FitzMary, former sheriff of London; it was then known as the Priory of St. Mary of Bethlehem (from which sprang the variant spellings Bedlam and Bethlem). Bedlam was mentioned as a hospital in 1329, and some permanent patients were accommodated there by 1403. In 1547 it was granted by Henry VIII to the City of London as a hospital for the mentally ill. It subsequently became infamous for the brutal ill treatment meted out to its patients. In the 17th and 18th centuries Bedlam was open to fee-paying spectators, but this disruptive practice was ended in 1770. The hospital was moved in 1675–76 to Moorfields (just north of the ancient London wall at Moorgate), in 1815 to St. George’s Fields (now in Southwark), and in 1930 to Monks Orchard, Beckenham. Now a part of the National Health Service, it is linked administratively with the Maudsley Hospital. Since 1936 the old hospital building in Southwark has been the site of the Imperial War Museum.


Kloster Saint Antoine de Viennois [NN 21]
Satmmkloster der Antoniter , Lage siehe


Klosterkirche von Saint-Antoine-en-Viennois


Kluge, Alexander Ernst [CS 144, 172]
* Halberstadt 1932, Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller und Drehbuchautor sowie promovierter Rechtsanwalt.
Einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films, den er in Theorie und Praxis mitbegründet und weiterentwickelt, siehe


Kluniazenser [NN 20]
Kluniazenser sind Mitglieder von Benediktinerklöstern, die der Kongregation von Cluny angehörten. Ihr schlossen sich im 11. Jh. viele Klöster in Frankreich und Italien an. Der Verband der Reformklöster unterstand dem Abt von Cluny, die einzelnen Klöster wurden durch Priore geleitet.


Knipper, Olga Leonardovna [LW 69]
* Glasow 1868 † Moskau 1959 russische Schauspielerin. Gehört zu den ursprünglichen Mitgliedern des heutigen Moskauer Tschechow-Theaters und war die erste, die Arkadina in Die Möwe (1898), Mascha in Die Drei Schwestern und Madame Ranewskaja in Der Kirschgarten (1904) spielte. Mit Tschechow, dem Autor dieser Stücke seit 1901 verheiratet. Die deutsche Schauspielerin Olga Tschechowa ihre Nichte.


Kobylisy [AUS 251]
Stadtteil im Norden Prags nördlich der großen Schleife der Moldau.

Den Schießplatz im Norden am Dáblický háj benutzen die Nazis 1942 für Massenhinrichtungen.
Südlich des Hains zwischen zwei Geländewällen der 1890 eingerichtete Militärschießplatz. Nach dem Attentat auf Heydrich beim Ausnahmezustand 1942 richten die Deutschen hier täglich mehr als zehn Männer und Frauen hin, insgesamt mehr als 500 tschechische Widerstandskämpfer (Geistliche der tschechischen orthodoxen Kirche, die den Fallschirmspringern und Heydrich-Attentätern halfen, Studenten, Polizei- und Gendarmerieangehörige, Mitglieder der Turnbewegung Sokol, Männer und Frauen aus Lidice), 1975 Gedenkstätte







Koechlin [AW 181]
weit verzweigte Familie von Erfindern, Ingenieuren, Industriellen und Künstlern, die über Jahrhunderte im elsässischen Mülhausen ansässig ist.


Kölner Dom [Die Ringe des Saturn 53]

römisch-katholische Kirche in Köln, Kathedrale des Erzbistums Köln. Mit 157,38m Höhe nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas. Die Kathedrale steht rund 250 Meter vom Rhein entfernt an der nördlichen ehemaligen römischen Stadtgrenze in direkter Nachbarschaft von Hauptbahnhof, Hohenzollernbrücke, Museum Ludwig und Römisch-Germanischem Museum. Populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands: 2001 fünf Millionen, 2004 sechs Millionen Besucher aus aller Welt.
Größere Schäden während des Zweiten Weltkrieges unter anderem durch 70 Bombentreffer. Von Brandbomben ausgelöste Brände löschen Mitarbeiter sofort, die in und auf dem Dom postiert. Durch die Bombentreffer stürzen unter anderem im Langhaus einige Deckengewölbe ein, Dach bleibt dank des eisernen Dachstuhls bestehen.


König Lear [Die Ringe des Saturn 225f.]
engl. The Tragedy of King Lear, herausragende Tragödie von William Shakespeare von 1605


Kokarde [LL 27]
kreisförmiges Abzeichen oder Aufnäher, meist militärischer oder politischer Bedeutung, auf Kleidern, an Uniformmützen, als Lackierung auf Flügeln von Militärflugzeugen usw.
Im Frankreich der Französischen Revolution verbreitet sich die Kokarde intensiv.

Sie wird an den Kleidern oder auf Mützen als sichtbares Zeichen, Anhänger der Revolution zu sein, getragen. Die Heere Napoleons bringen die blau-weiß-rote Kokarde nach ganz Europa, und in den Befreiungskriegen verwenden die Gegner Napoleons Kokarden in ihren Landesfarben als militärisches Erkennungszeichen
In Deutschland bzw. in den deutschen Staaten vor der Reichsgründung werden Kokarden zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt.
1815 erscheint in den Kalendergeschichten Hebels "Weltebegenheiten", eingeleitet wie folgt:
Der Rheinländische Hausfreund hat zwar schon seit dem 19. Oktober 1813 bis zum 31. März 1814 wieder an seiner guten alten deutschen Pelzkappe gebürstet und Schleißen abgelesen, und wiewohl die schönen goldenen Schnüre dran und das goldene Quästlein schon lange herabgetrennt und mitgegangen sind in den großen Abschlund, hat er sich doch herzlich gefreut, wie er zum erstenmal nach soviel Jahren wieder darin erscheinen will, und wie ihn seine geneigten Freunde und Landsleute fast nicht kennen werden, bis sie ihn hören reden. Gleichwohl hat er den besten Lust, und setzt das leichte fremde Hütlein noch einmal auf, und ein lustiges Federlein drauf, weil alles so gut gegangen ist. Eine Kokarde hat er nie getragen, trägt auch keine, sie sei denn deutsch. Denn auch das Hütlein trägt er nicht von Herzen, sondern bald aus Mutwillen, bald aus Unmut, bald aus Klugheit oder weil's Mode ist, und nobel aussieht. Diesmal hauptsächlich, weil er mit seinen geneigten Lesern und den Alliierten eine Reise nach Paris anstellen will.
19. Oktober 1813: Napoleon wird in der Völerkschlacht von Leipzig besiegt
31. März 1814: Napoleon kapituliert in Paris
Seit 1813 wurde die Kokarde in Deutschland allgemein getragen (in Baden rot/gelb).


Kolbenheyer, Guido [LL 12]
1878-1962, österreichischer Romanautor, Dramatiker und Lyriker
Dr. phil. Freier Schriftsteller in Tübingen. Romantrilogie Paracelsus. Vertritt in seinen Werken Biologismus, glaubt an fundamentale biologische Unterschiede zwischen den Völkern, und versucht, spezifische Eigenarten z.B. der deutschen Dichtkunst auf biologische Grundlagen des deutschen Volkstums zurückzuführen. Seit 1928 im Förderkreis des Kampfbunds für deutsche Kultur. 1933 bis 1944 unterstützt er die Nazis in zahlreichen Reden und Schriften. 1940 Eintritt in NSDAP. Vielfach ausgezeichnet, 1944 von Hitler auf die Sonderliste der Gottbegnadetenliste gesetzt, genießt Privilegien, wie Freistellung von sämtlichem Kriegsdienst, auch an der Heimatfront.
Nach 1945 wegen aktiven Unterstützung des Nationalsozialismus 5jähriges Schreibverbot. Mitglied der rechtsextremistischen Gesellschaft für Freie Publizistik.
Werner Bergengruen 1946: „In seiner großen Eitelkeit war er der Meinung, das geistige Leben Deutschlands kulminiere in seiner Person“


Kollation [SG 82]
leichte Mahlzeit an Fastentagen


Kolowrat [AUS 104]
Generalleutnant, befehligt in der Schlacht bei AUS die 4. Kolonne (23.000 Mann), die mit Generalleutnant Miloradowitsch im Zentrum den Angriff der drei Kolonnen verstärken sollte.


Komet 1811 [LL 19]

Komet Flaugergues, kann über mehr als acht Monate freiäugig gesehen werden. Im Oktober erreicht er seine größte scheinbare Helligkeit. Die Koma ist 2 Millionen km breit, der etwa 15 Mill. km lange Schweif überdeckt mehr als 90° des Himmels.


Kompert, Leopold [UH 12]
1822 - 1886 böhmisch-jüdischer Erzähler und Publizist, einer der ersten deutschen Verfasser von Ghetto-Novellen (1848)
siehe wiki


Kongo [Die Ringe des Saturn 154]
Geschichte der Kongo-Gräuel siehe:


Kongomission [AUS 126]
Beginn der Missionierung des Kongo durch die (kath.) Kirche 1482 mit Feld-Geistlichen der portugiesischen Expedition, die unter Führung von Diego Cam die Mündung des Kongo-Flusses entdeckt. Portugiesische, spanische und italienische Priester missionieren das Gebiet am Unterlauf des Kongo.
1518 ernennt Papst Leo X Don Enrique, Sohn von König Alphonsus I. zum Bischof, erster schwarzer Bischof von Afrika, 1613 entsendet der kongolesische König ständigen Botschafter zum Hl. Stuhl. 1624 erster zweisprachigen Katechismus in Portugiesisch und Kikongo. Ab 1640 von „Propaganda Fide“ gesandte Missionare (Spanier und Italiener) gehen in Mpinda an Land, es folgen in den nächsten 200 Jahren 400 weitere.
Innere Kämpfe im Königreich Kongo und die Unterdrückung der Missionsorden durch die liberale portugiesische Regierung (Dekret 1843) bereiten der missionarischen Präsenz das Ende. 1880 Wieder-Eröffnung der Angola-Mission. 1923 400.000, 1960 (Kongo-Kinshasa unabhängig) 5 Mill Katholiken. 1962 Ermordung von gut 200 Priestern, 1973 Druck der Regierung auf die kath. Kirche.


Konjektur [SG 288]
[Die Ausgewanderten S. 185]
1. (veraltet)Vermutung, Mutmaßung 2. auf Vermutung beruhende Lesart eines überlieferten Textes 3. verbesserte Lesart eines überlieferten Textes


Konrad [CS 139]
Siehe Struwwelpeterbuch


kopf des vitus bering, der [NN 37]
Prosatext von Konrad Bayer (1958). Er thematisiert darin verschiedenste Erscheinungsformen physiologischer und psychisch-emotionaler Transgression. In der Engführung wissenschaftlicher und irrationaler Denk- und Artikulationsweisen erkundet der Text Möglichkeiten einer Existenz jenseits von herkömmlichen (auch poetischen) Bewusstseins- und Ausdrucksmodellen.
Siehe auch , Vitus Bering
Und: Eine Fußnote in Bayers Text führt Sebald zu Georg Wilhelm Steller, und seine literarische Laufbahn beginnt ... (siehe am Ende bei Steller )


Kornak [NN 52]
= Mahut, der Führer und oftmals Eigentümer eines Arbeits-Elefanten, für seine Ernährung und Pflege verantwortlich und über Jahrzehnte mit dem Tier verbunden. Ein Mahut reitet auf dem Nacken des Elefanten und dirigiert ihn mit seinem Elefantenstab.
Mahuts gibt es, wie die Arbeitselefanten, in Indien und Hinterindien, vor allem in Thailand. Meist für Waldarbeiten werden dort oft noch Elefanten eingesetzt, weil sie im Gegensatz zu Traktoren und Raupen im Gelände beweglicher und nicht auf das Anlegen von Straßen angewiesen sind. Elefanten verursachen so bei der Waldarbeit wesentlich weniger Umweltschäden als Maschinen.
Mahut und Elefant arbeiten soweit möglich jahrzehntelang zusammen. Die notwendige vertrauensvolle Beziehung entwickelt sich bereits während der gemeinsamen Arbeit in der Elefantenschule. In Thailand gibt es 2003 etwa 2.000 Mahuts, die mit ihren Elefanten in den unwegsamen Waldgebieten im Norden Thailands arbeiten.


Korsakow-Syndrom [AW 149]
oder amnestisches Psychosyndrom. Symptome: anterograde Amnesie (Patient nicht in der Lage, neue Inhalte kognitiv zu speichern oder lautsprachlich wiederzugeben (Merkfähigkeitsstörungen)) oder retrograde Amnesie (Patient kann erlebte Inhalte aus der eigenen Vergangenheit nicht verarbeiten, erkennen oder wiedergeben) oder Konfabulation (Patient erzählt Geschichten, die objektiv falsch sind, aber von ihm selbst als wahr empfunden, zumeist zusammengesetzt aus Bruchstücken tatsächlicher Erlebnisse) oder Desorientiertheit (Patient wähnt sich in einer früheren Zeit und an einem anderen Ort). Bei chronischen Alkoholikern, Hirnschädigungen und Toxikosen, bei Enzephalitis oder Infektionen


Korzeniowski, Apollo [RS 6, 127ff]

* Honoratka (Russland, heute Ukraine) 1820 † Krakau 1869, polnischer Schriftsteller und Patriot. Vater von Joseph Conrad . Vater verarmter Adliger, der als Offizier in der Napoleonischen Armee kämpft. Oberschule in Schytomyr studiert in Petersburg 1840 bis 1846 Rechtswissenschaft und Orientalistik. Gutsverwalter in Podolien . 1856 Heirat mit Ewelina Bobrowska Anstellung bei publizistischer Gesellschaft, Leitung eines polnischen Theaters. Gedichte, Theaterstücke. Übersetzungen französischer Autoren wie Alfred de Vigny und Victor Hugo, im Exil Beschäftigung mit Shakespeare (Studia nad dramatycznoscia w utworach Szekspira, Studie über das Drama im Werk Shakespeares), übersetzt Die Komödie der Irrungen und Charles Dickens.
Sozial und politisches Engagement, 1861 Warschau, schließt sich Patrioten an. In seiner Wohnung geheimes Stadtkomitee. Verhaftung, Verbannung in Wologda. Frau folgt mit Sohn in die Verbannung. Später nach Tschernihiw verlegt, wo Frau stirbt.


Koterie [UH 22]
(frz. coterie) veraltet für abgeschlossene Gruppe (geschlossene Gesellschaft, Kränzchen) negativ für Clique
zB: Karl Marx 1859: Indessen gab damals Lord Derbys Machtantritt gleichzeitig einer Koterie der herrschenden Klasse das Signal, herbeizustürzen und die Posten zu besetzen, die eben frei geworden waren.
Gottfried Keller: Denn es dauerte nicht lange, so hörte man nur noch die Worte Honorar, Verleger, Clique, Koterie und was noch mehr den Zorn solchen Volkes reizt und seine Phantasie beschäftigt.
Im Deutschen seit längerem nicht mehr allgemein gebraucht, ist das aus dem Französischen entlehnte coterie im Englischen geläufig: bezeichnet eine exklusive Gruppe mit einem gemeinsamen Interesse, oft abwertend im Sinne von Klüngel


Kotzebue, August von [LL 164f]
August Friedrich Ferdinand von K. * Weimar 1761 † Mannheim 1819 .
Dramatiker und Schriftsteller. Sein zweiter Sohn Weltumsegler Otto von Kotzebue , seine Schwester die Schriftstellerin Karoline Ludecus.Studium der Rechtswissenschaften, Sekretär des Generalgouverneurs in Sankt Petersburg. 1783 Obersten Gerichtshof in Reval, heiratet Tochter eines russischen Generalleutnants. 1785 Präsident des Magistrats der Provinz Estland. Romane Die Leiden der Ortenbergischen Familie, Die Geschichte meines Vaters, Dramen. Der positive Ruf der Werke zerstört durch die drastische zynische Satire Doktor Bahrdt mit der eisernen Stirn unter dem Namen Knigges. Nach Tod der ersten Frau vom Dienst in Russland zurückgezogen, Paris, Mainz. 1795 Anwesen nahe Reval, literarische Arbeit, sechs Bände Skizzen und Erzählungen, mehr als zwanzig Dramen, 1798 Direktor am Hoftheater in Wien an, Rückkehr nach St. Petersburg, wegen des Verdachts, Jakobiner zu sein, an der Grenze verhaftet, nach Sibirien verbannt. Zurückgeholt, begnadigt und mit einem Gut in Livland entschädigt, in Petersburg Direktor des deutschen Theaters. 1801 Berlin, flieht 1806 vor Napoleon nach Russland, zahlreiche satirische Artikel gegen Napoleon. 1817 als Generalkonsul im russischen Auftrag nach Deutschland. Greift deutsche Universitäten, vornehmlich Burschenschaften und Turnerbünde als Brutstätten der Revolution sowie den politischen Liberalismus an (dessen Ziele: Demokratie und Pressefreiheit) und verspottet den von den Studenten verehrten Turnvater Jahn. Auf dem Wartburgfest 1817 im Zuge der dort zelebrierten Bücherverbrennung seine Geschichte des deutschen Reichs den Flammen übergeben, worauf er nach Mannheim umzieht. Der Jenaer Burschenschafter und Theologiestudent Karl Ludwig Sand folgt ihm dorthin und ersticht ihn 1819 vor den Augen seiner Kinder mit den Worten „… hier, Du Verräter des Vaterlandes.“ Unter anderem mit diesem Mord werden die im September 1819 vom Bundestag in Frankfurt in Gesetzesrang erhobenen Karlsbader Beschlüsse begründet. 1820 Sand wegen des Mordes hingerichtet.
... ein gewisser Otto von Kotzebue gehörte, gegen den Walser sicher ein ebenso unüberwindliches Vorurteil hatte wie gegen den gleichnamigen Theaterdichter, den er einen Biedermann nannte und von dem er behauptete, daß er eine zu lange Nase, Glotzaugen und keinen Hals gehabt habe und daß überhaupt sein ganzer Kopf verkrochen und verborgen gewesen sei in einem ungeheuerlich großen nd kühnen Rockkragen. Kotzebue habe, so Walser weiter, eine Menge Lustspiele geschrieben mit glänzendem Kassensturzerfolg in einer Zeit, in der Kleist verzweifelte, und diese seine massiven, sämtlichen, gedruckten, in Kalbsleder gebundenen, gekotzten und gebutzten Werke habe er dann der Nachwelt vermacht, die erblassen müßte vor Scham, wenn sie sie läse. Das Risiko, mitten im schönsten Südseeillusionismus erinnert zu werden an diesen von ihm abschätzig zu den Heroen der deutschen Geisteswelt gerechneten literarischen Glücksritter, ist ihm wahrscheinlich zu hoch gewesen.


Kotzebue, Otto von [LL 164f]
* Reval 1788 † ebda. 1846 Offizier der Russischen Marine deutscher Herkunft, dreifacher Weltumsegler.
Zweiter Sohn des aus Weimar stammenden Dichters August von Kotzebue . 1795 Marinekadettenanstalt Sankt Petersburg, bis 1806 erste russische Weltreise unter Adam Johann von Krusenstern auf „Nadeschda“. 1815 bis 1818 Kommando „Rurik“: Expedition zur Erforschung der Nordwestpassage (naturwissenschaftliche Mitarbeiter: Adelbert von Chamisso, Johann Friedrich von Eschscholtz und Ludwig Choris. Mehrere Inseln und der nach ihm benannte Kotzebuesund in Alaska entdeckt sowie über 400 Inseln kartografiert. Kalifornien und Hawaii, 1817 die Romanzowinsel entdeckt.) Dritte Weltreise auf der „Predprijatije“ von 1823 bis 1826


Kozara-Schlacht [RS 121f]
(engl. Operatation West-Bosnien by the Axis), wichtige Schlacht der jugoslawischen Partisanenbewegung 1942 beim Kozaragerbirge im Nordwesten Bosniens, vgl. Film "Kozara"
Im Frühling 1942 befreien jugoslawische Partisanen das Zentrum und den Westen von Bosnien (Bosanski, Petrovac, Drvar, Glamoc, Prijedor). Im Mai wird die Erste Krajina Kampfbrigade gegründet, sie erhält Panzer und bescheidene Luftunterstützung. Das befreite Gelände erstreckt sich von der Save südwärts über die Berge von Kozara und Grmec. Im Winter fügen die Partisanen den Deutschen schwere Verluste zu, aber sie sind geschwächt, weil Tschetniks in die Gegend von Kozara kommen. Viele Serben erheben sich mit ihnen und die Partisanen verlieren an Rückhalt. Ein noch größerer Verlust aber ist der Tod ihres Kommandanten Mladen Stojanovic, bekannt als "Komandant Mladen" im März 1942.
Als die Deutschen und Ustaše-Behörden feststellen, dass Banja Luka und die Erzmine von Ljubija in Gefahr ist, unternehmen sie eine Gegenoffensive. Die Deutschen stellen 15.000, der Unabhängige Staat Kroatien (Ustaše) ungefähr 22.000 Soldaten, die Ungarn nehmen mit 5 Überwachungsschiffen teil.
Die Partisanen haben ungefähr 3.000 Soldaten, sie rekrutieren noch ca. 60.000 Zivilisten im freien Gebiet.
Nach einer wilden Schlacht durchbrechen in der Nacht vom 3. Juli einige Partisaneneinheiten den Belagerungsring, aber das Hauptkontingent bleibt eingschlossen und wird fast ganz aufgerieben.In Široka Luka werden ungefähr 500 verwundete Partisanen getötet. Währen der Schlacht verlieren die Partisanen ungefähr 1.700 Soldaten, die Achsenmächte etwa 7.000. Während und nach der Schlacht werden viele Tausende serbischer Zivilisten



zum Ustaše-KZ Jasenovac verbracht. Ungefähr 900 Partisanen überleben und gründen die Fünfte Krajina Brigade.
Zur selben Zeit marschiert die Hauptgruppe der Partisanen mit Josip Broz Tito von Ost- nach Westbosnien. Nachdem die Truppen der Achsmächte abgezogen sind, werden Teile des verlorenen Gebiets im September 1942 zurückgewonnen.
Ungefähr 25.000 Serben werden während der Operation umgebracht, meistens in KZs.
In der Republika Srpska zählt Kozara auch heute noch zu den wichtigsten Gedenkorten

an den Zweiten Weltkrieg, wo eine der größten Schlachten auf jugoslawischem Boden im Zweiten Weltkrieg stattfand, in der zehntausende Zivilisten aus dem umliegenden Dörfern und Partisanen ihr Leben verloren, auch danach in der folgenden Deportation der serbischen Zivilbevölkerung durch die Deutschen nach Jasenovac.


Krähwinkel [LL 97]
Ortsname ohne Bezug auf einen der konkreten Orte dieses Namens: redensartlich für kleinstädtische, spießbürgerliche Beschränktheit
In der Schreibung Krehwinkel von Jean Paul in dessen Satire "Das heimliche Klagelied der jetzigen Männer" (1801) gebraucht, weite Verbreitung erlangt in der Schreibung Krähwinkel durch August von Kotzebues Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter" (1802)


Krankenhausinsel La Grazia [SG 79]
siehe La Granzia


Kratzer [AW 44]
2.427 m hoher mehrgipfliger Berg in den Allgäuer Alpen.


Kraus, Karl [UH 14]
1874 - 1936 einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker sowie scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückt, der Journaille, siehe wiki


Kreta [AW 27]

größte griechische Insel mit 625.000 Einw.


Kretische Kunst zwischen die Hörner zu springen [LW 31]
Bei den Stierkämpfen der Minoer auf Kreta packt der Athlet den Stier an den Hörnern und vollführt Sprünge über seinem Nacken


Kreuzgang [RS 32]
Fortbewegung, bei dem die diagonal liegenden Beine gleichzeitig vom Boden abgehoben und wieder aufgesetzt werden. Sind die Beine eher seitlich am Rumpf „befestigt“, ergibt das schlängelnde Gangart wie bei Echsen, befinden sie sich unter dem Rumpf einen lockeren Trab wie bei Pferden.
Der Kreuzgang ist weiterhin eine Technik, eine Leiter zu besteigen. Dabei werden abwechselnd der linke Arm und der rechte Fuß sowie anschließend der rechte Arm und der linke Fuß zusammen eine Leitersprosse hochgesetzt.


Kreuzherren [UH 16ff]
Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern (lat. Ordo militaris Crucigerorum cum rubea stella) entwickelt sich im 13. Jahrhundert aus einer Laienbruderschaft, die in der böhmischen Hauptstadt Prag caritativen Aufgaben nachgeht. 1252 lassen sich die Kreuzherren an der Judithbrücke (Vorgängerbau der Karlsbrücke) nieder, kurze Zeit später Kloster sowie das Spital mit St. Franziskuskirche erbaut. Ordensritter übernehmen wegen der Lage des Konvents an dem wichtigen Handelsweg und Flussübergang Schutz, Befestigung und Wartung der nahegelegenen Brücke. Schnell erweitert sich der Orden über Böhmen hinaus. Niederlassungen entstehen in Mähren, Schlesien, Polen und Ungarn.
Ordensstatut von 1675, angepasst erst in den 1870er Jahren. Höchste Vorsteher des Ordens trägt den Titel Meister (später General und Hochmeister). Bis zum 18. Jahrhundert hat der Orden auch Laienbrüder, später nur noch Priester. Ausgenommen der Prager Konvent erlöschen andere Niederlassungen während der Hussitenkriege.
Bis zur Säkularisation im Jahr 1810 bestehen Kommenden in Schlesien, vor allem Breslau, Bunzlau, Schweidnitz und Liegnitz. Der Orden der Kreuzherren mit dem Roten Stern besteht bis heute, kein Ritterorden mehr.


Kronstadt [NN 41]
siehe bei St. Petersburg


Krummenbacher Kapelle [SG 203]




Kuang-hsu [RS 179ff]
Siehe Guangxu


Kürnberger, Ferdinand [UH 33][LL 108]
österr. Schriftsteller, siehe
Auswanderer-Roman: Der Amerika-Müde, amerikanisches Kulturbild (1855) Kap. 6:Was mich wundert, das ist, daß unter uns Deutschen, wie einst unter den Juden, nicht längst sich die Sage von einem Messias gebildet. So oft ich diese Bezirke betrete, – und ich betrete sie gern, denn man liebt das Vaterland in zwölf Quadratschuhen noch eben so sehr als in zwölftausend Quadratmeilen, – so oft ich diese Schauplätze deutscher Leiden und Kränkungen besuche, geschieht es nicht ohne das Geleite irgendeines beschämenden Gedankens.


Kuhn [AW 127]
Kuhn, Loeb & Co. amerikanische Investmentbank, mit Hauptsitz in New York City. 1867 von Abraham Kuhn und Salomon Loeb gegründet, wobei Loebs Vermögen von $500.000 das Startkapital bildet. Seit Beginn 20. Jahrhundert eine der einflussreichsten Investmentbanken in den USA


Kunigunde von Luxemburg [LW 77]

* um 980 + 1033 Gemahlin Kaiser Heinrichs II. führt nach dessen Tod Regierungsgeschäfte des Reichs. Gehört (wie ihr Mann) zu den Heiligen der katholischen Kirche und wird vor allem in Bamberg verehrt. Für die Ausstattung des Bistums Bamberg muss K. ihr Witwengut zur Verfügung stellen, denn die Stadt wird ihr von ihrem Gemahl als Heiratsgut übertragen. 1201 werden ihre Gebeine im Bamberger Dom in einen Altar erhoben. 1513 Tilman Riemenschneiders Grabdenkmal aus Marmor für die beiden heiligen Bistumsgründer Heinrich II. und Kunigunde im Bamberger Dom. Im Spätmittelalter überholt Kunigunde in Franken (vor allem im Bistum Bamberg) als populäre Heilige ihren Ehemann. Ihr mariengleicher Ruf als „Königin und Jungfrau“, der dem mittelalterlichen Frömmigkeitsideal entspricht, maßgeblich dazu beigetragen. Noch im Zweiten Weltkrieg, davon sind fromme Bamberger überzeugt, soll Kunigunde mit einem Nebelschleier ihre Stadt vor den alliierten Bomberverbänden gerettet haben. Neben den Gebeinen der Kaiserin weitere Reliquien mit ihrem Namen : „Gürtel der Heiligen Kunigunde“ und die „Schale der Heiligen Kunigunde“. Als Gründer von Dom und Bistum Bamberg ist Kunigunde gemeinsam mit ihrem Mann im Figurenprogramm des Gewändes der Adamspforte am Bamberger Dom zu sehen.


Kurtine [AUS 22]
Abschnitt des Walles, der zwei Bastionen, Geschütztürme oder Rondelle miteinander verbindet


Kutusow, Michail Illarionowitsch [AUS 104]
Fürst Michail Illarionowitsch Kutusow-Smolenskij * Sankt Petersburg 1745 † Bunzlau1813 Generalfeldmarschall der russischen Armee, "Held des Vaterländischen Krieges von 1812/1813 gegen Napoleon" Oberbefehlshaber des russischen Heeres in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz , in der er sich nur äußerst widerstrebend den Plänen des österreichischen Befehlshabers Franz von Weyrother beugt. Russland kämpft dort an der Seite Österreichs gegen die Armee Napoleons in Böhmen, muss sich jedoch geschlagen geben. Dreikaiserschlacht und der Krieg gegen Napoleon im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi thematisiert. 1943 stiftet Stalin den Kutusoworden. Die ehemals östlichste Stadt des deutschen Reiches Schirwindt nach dem Krieg Kutusowo genannt.


KZ Jasenovac [RS 120ff]
In Zentralkroatien in unmittelbarer Nähe des Zusammenflusses von Una und Save befand sich während des Zweiten Weltkrieges das größte Konzentrationslager auf dem Balkan, das von der kroatischen Ustascha geführt wurde, das KZ Jasenovac (zum Ort siehe ).
Der von der Ustascha bewachte Lagerkomplex bestand aus insgesamt fünf Nebenlagern und drei kleineren Lagern 95 km südöstlich von Zagreb. Zu den Lagern gehörten drei Kinderkonzentrationslager: KZ Sisak als größtes, KZ Gornja Rijeka als kleinstes sowie das KZ Jastrebarsko.



Die Angaben über Opferzahlen voneinander stark abweichend. Die Lager wurden 1941 formal legalisiert. Das Gesetz erlaubt die Internierung von gefährlichen und unerwünschten Personen in Lagern. Der Lagerkomplex Jasenovac unterstand dem Kommandanten Vjekoslav „Maks“ Luburic, zugleich Gründer und erster Organisator, genannt „der Metzger“. Er war zur Ausbildung im SS-KZ Sachsenhausen gewesen und brachte von dort auch die Idee zur Produktion in einem Konzentrationslager mit. Jasenovac war zur Verhinderung von Fluchten günstig gelegen am Zusammenfluss der Save mit Una und Strug und zugleich für einen großen Lagerkomplex verkehrstechnisch in der Nähe der Bahnlinie Belgrad-Zagreb geeignet. Hauptzweck Vernichtung von Juden, Roma, Bosniaken, Serben samt ihrer Angehörigen und Kinder sowie die Ausrottung von Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche. Darüber hinaus Panzer repariert, Lederwaren für das Ustascha-Militär sowie Schiffsketten hergestellt. Auch eine große Ziegelei befand sich auf dem Lagergelände.
Zeitweilig dient das Lager auch als Sammellager für Gefangene auf dem Weg in andere Vernichtungslager. Gleichzeitig werden bis zu 5000 Menschen interniert und mussten Zwangsarbeit leisten.
Die meisten der mit Viehwaggons und Lastwagen herangebrachten Opfer wurden direkt von der Bahnendstation am Fluss Save mit einer Fähre ans andere Flussufer nach Donja Gradina (im heutigen Bosnien-Herzegowina) gebracht und dort massakriert, bis zu über tausend an einem Tag.
Hier gab es keine Gaskammern, es fand keine „industrielle“ Massenvernichtung statt. Alles war „Handarbeit“, zunächst mit Schusswaffen, später vor allem mit Messern , aber auch Hacken, Beilen, Äxten, Sägen und Hämmern.





Am 22. April 1945 findet ein Ausbruchsversuch von Gefangenen statt, der jedoch scheitert. Von den letzten noch lebenden ca. 1050 Gefangenen, die während der Zerstörung des Lagers durch das Ustascha-Personal im Gebäude der Näherei des Frauenlagers eingesperrt sind, entkommen lediglich etwa 80 in einen angrenzenden Wald. 520 kommen bei dem Aufstand um, die restlichen im Lager Verbliebenen, die zu alt, zu schwach oder zu krank für die Revolte sind, werden umgebracht oder bringen sich selbst um, kurz bevor das Lager am 5. Mai 1945 von jugoslawischen Partisanen befreit und aufgelöst wird - es war bereits zerstört, alle Unterlagen und alle Gebäude bis auf Teile der drei bis fünf Meter hohen und 3,5 km langen Mauer vernichtet.
Ein ehemaliger Franziskanerpater, Miroslav Filipovic-Majstorovic, genannt „der Teufel“, übernahm vorübergehend das Kommando in Jasenovac. Er wurde 1946 in Zagreb gehenkt. Unweit von Jasenovac, in einem Umkreis von nicht mehr als fünfzehn Kilometern, gab es noch die Lager von Prijedor, Stara Gradiška und Banja Luka , in denen die kroatische Miliz, im Rücken gestärkt von der Wehrmacht und in der Seele von der katholischen Kirche , auf ähnliche Weise ein Tagwerk vollbrachte ums andere.



zurück


AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat