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Lexikon E

Earl Ferrers [RS 311]

Laurence Shirley 4. Earl Ferrers (1720 - 1760) Nachkomme einer alten Adelsfamilie. Man sagt der Familie Wahnsinn nach, und der Earl ist von früher Jugend an exzentrisch und von heftigem Temperament: 1758 von seiner Frau wegen Grausamkeit geschieden, äußerst selten für die Zeit. Ferrers Besitztum wird Treuhändern übertragen; er selbst sichert sich die Ernennung eines treuen Dieners der Familie namens Johnson als Verwalter der Pacht- und Mieteinnahmen. Johnson versorgt das Amt treuhänderisch, ohne sich den Sonderwünschen des Earls zu beugen. Am 18. Januar 1760 ruft der Earl Johnson in sein Herrenhaus Staunton Harold, Leicestershire, zu sich. Nach geschäftlichen Verhandlungen dreht sich Ferrers um und erschießt Johnson.
Trotz möglicher Schuldunfähigkeit wegen Geisteskrankheit von seine Kollegen in Westminster Hall zum Tode verurteilt. Am 5. Mai 1760 in hellem mit Silber bestickten Anzug (die Kleidung trug er bei seiner Hochzeit) wird er im eigenen Wagen vom Londoner Tower nach Tyburn gebracht und gehängt. Angeblich soll (als Zugeständnis an seine Stellung) der Strick aus Seide gewesen sein.



Der heutige Earl Ferrers * 1929 Politiker, Mitglied des Oberhauses


East Anglia [RS 6ff]
Ostanglien, traditionelle Bezeichnung der Gegend im Osten Englands, die sich zwischen London, dem Mündungsgebiet der Great Ouse und des Welland – genannt The Wash – sowie dem Mündungsgebiet der Themse erstreckt. Umfasst die Grafschaften Cambridgeshire, Norfolk und Suffolk sowie Teile von Lincolnshire. Überwiegend kleine ländliche Dörfer, beliebte Urlaubsziele für die Londoner Großstädter. Gegend sehr flach, größtenteils Moor, Niedermoor und andere moorähnliche Landschaften. Bemerkenswert historische „Gezeitenmühlen“.
Während des 2. Weltkrieges errichtet das britische Militär Flugplätze, nur noch wenige in Gebrauch. Die 1960 gegründete Universität von Ostanglien (UEA, an der Sebald lehrte) liegt einige Meilen westlich von Norwich.
1974 schreibt Sebald in DIE ZEIT im Reiseteil Die hölzernen Engel von East Anglia, eine individuelle Bummeltour durch Norfolk und Suffolk.
Zitate:
Wer die graue Nordsee überquert hat, dem öffnet sich, wenn er am Morgen in Harwich wieder Land gewinnt, die weite ostenglische Provinz, von der aus man einst leichter nach Amsterdam als nach London gelangte und die auch, nachdem sie von der Bahn erschlossen war, in ihrem exzentrischen Dasein verharrte.
Von Butley sind es kaum vier Kilometer nach Orford. Besteigen Sie zunächst den Turm der Kirche, um einen Begriff zu bekommen, von der sehr eigenartigen Umgebung. Parallel zur Küste fließt da der Fluß Ore, vom Meer nur durch eine ganz schmale, aber 15 km lange Kiesbank getrennt, auf die man mit einem kleinen Fährschiffchen übersetzen kann. Orford selbst hat ein Castle aus dem 12. Jahrhundert und ein Restaurant für geräucherte Viktualien inklusive Aal, in dem Sie einiges einkaufen sollten, denn gleich nordwärts liegt Iken, ein Platz, der eine einmalige Aussicht über das weite Bett der Alde gewährt und sich geradezu offeriert für ein 'pique-nique a campagne'.
... Shingle-Street, einer windigen Häuserzeile an desolater Küste, wo Sie auf den Geschmack der ostenglischen Melancholie und das Bedürfnis nach einer hochprozentigen 'nightcap' kommen können.




East End [AUS 185]
in London umfasst die Bezirke östlich des mittelalterlichen Stadtkerns und nördlich der Themse
Ortsangabe East End Synonym für sozial unterprivilegierte oder Arbeiterviertel (während West End Synonym für die „bessere Gesellschaft“ )


Eberhard-Schobacher, Else [LL 14]
1887-1955, Heimatdichterin des Allgäus
Jugend verbringt sie im Allgäu. 1922 heiratet sie den Apotheker Eberhard und zieht in das Haubenschloß von Kempten. In einem der Türme des kleinen Schlosses hat sie ihr Dichterzimmer. 1944 überlebt sie den Luftangriff auf dem Schloss, wobei das Bauwerk stark zerstört wird, sie stellt Gedenktafel mit einer Friedensbotschaft im Schlossgarten auf. Tod durch Verkehrsunfall in Kempten.


Eco, Umberto [LL 184]
* Alessandria, Piemont 1932 italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und wohl der bekannteste zeitgenössische Semiotiker.
Durch seine Romane, allen voran Der Name der Rose, weltberühmt. Seit 1971 Lehrstuhlinhaber an der Universität Bologna, zahlreiche Gastprofessuren in aller Welt, 33 Ehrendoktortitel. 2007 Lehrtätigkeit eingestellt Nennt Borges und Joyce als die beiden modernen Autoren, „die ich am meisten geliebt habe und von denen ich am stärksten beeinflusst worden bin“.
Aktiver und vehementer Gegner von Silvio Berlusconi, dessen Politik er scharf kritisiert. Seit 1962 mit Renate Ramge verheiratet, einer deutschen Expertin für Museums- und Kunstdidaktik


Edikt von Nantes [RS 333, 348]
vom 13. April 1598, also von 1995 an 397 Jahre zurück. Das Edikt von Heinrich IV. gewährt den calvinistischen Protestanten (Hugenotten) im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte, fixiert andererseits Katholizismus als Staatsreligion. Zuvor erlitten die Calvinisten oder Reformierten eine mehr als 60 Jahre dauernde Verfolgung im gesamten Land, die immer wieder zu Bürgerkriegen, sog. Hugenottenkriege, geführt hatte. Zehntausende Protestanten in diesen Jahrzehnten ums Leben gekommen oder verließen Frankreich. 1685 von König Ludwig XIV. wiederrufen, die französischen Protestanten aller religiösen und bürgerlichen Rechte beraubt. Innerhalb weniger Monate fliehen Hunderttausende, vor allem in die calvinistischen Gebiete der Niederlande, die calvinistischen Kantone der Schweiz und nach Preußen.


Egelhofer, Rudolf [AW 324]
1896 - 1919 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands, April 1919 Stadtkommandant von München, Anführer der „Roten Armee“ der Münchner Räterepublik
In der Kaiserliche Marine widersetzt er sich früh dem militärischen Drill. Als 17-jähriger Schiffsjunge entfernt er sich unerlaubt von der Einheit, Fluchtversuch scheitert, im 1. WK als Marineinfanterist in Flandern.
1918 an Novemberrevolution auslösenden Matrosenaufständen an der Nordseeküste beteiligt, verhaftet, angeblich zum Tode verurteilt. Februar 1919 zusammen mit 600 anderen bewaffneten Matrosen aus Wilhelmshaven kommend in München. Unter Kurt Eisner (USPD) November 1918 die Monarchie der Wittelsbacher gestürzt, Freistaat Bayern als Republik mit Eisner als Ministerpräsident einer SPD/USPD-Regierung ausgerufen.
Januar 1919 steigt Egelhofer bei einer Protestversammlung des Spartakusbund ins Bayerische Außenministerium ein, fordert vom Ministerrat (wie die Versammlung von 5000 Arbeitern) Ausrufung der Räterepublik, das Absetzen des Stadtkommandanten Oskar Dürr (1877 - 1959), diplomatische Beziehungen mit den Räten in Russland und Gründung einer Roten Armee.
Anton Graf von Arco auf Valley ermordet Eisner am 21. Februar 1919. Egelhofer engagiert sich in der revolutionären Soldatenratsbewegung, tritt der KPD bei. Oskar Maria Graf schreibt in „Wir sind Gefangene“: Vom offenen Fenster herab sprach E(n)gelhofer, der Kommandant der Armee. Entschlossen und ungeziert, in Matrosenuniform, stand er da, manchmal hob er seine Faust. Wer ihn hörte, musste ihm glauben.
Militärischer Anführer der erfolgreichen Abwehr des "Palmsonntagsputschs" gegen Münchner Räterepublik am 13. April 1919. Revolutionäre Truppen stürmen den Münchner Hauptbahnhof, Egelhofer Münchner Stadtkommandant der nunmehr von KPD-Mitgliedern wie Eugen Leviné und Max Levien dominierten Räteregierung, Anführer der aus Soldaten und Arbeitern bestehenden „Roten Armee“ Münchens, an seiner Seite Pazifist und Schriftsteller Ernst Toller. Aufgabe, mit den schätzungsweise 20.000 kaum ausgebildeten, schlecht bewaffneten und höchst unterschiedlich motivierten Soldaten und Arbeitern innerhalb weniger Tage die Verteidigung Münchens gegen die heranrückende Übermacht der „weißen“ Truppen – die von der Bamberger SPD-Führung unter Johannes Hoffmann zu Hilfe gerufenen Reichswehrverbände und rechtsnationalistischen Freikorps – zu organisieren, für den jungen Matrosen nicht lösbar. Stimmt der Erschießung von zehn Geiseln zu: „Münchner Geiselmord“ einziger Beleg für den später behaupteten roten Terror der Räteherrschaft.
Massiver Terror in der Folgezeit durch die siegreichen „weißen“ Truppen in München, Hunderte standrechtlich erschossen bzw. ermordet. Insgesamt über 2.200 Unterstützer der Räterepublik von Standgerichten zum Tode oder zu Haftstrafen verurteilt. 23-jähriger Egelhofer am 1. Mai 1919 festgenommen, nach schweren Misshandlungen am 3. Mai in der Münchner Residenz ohne Gerichtsverfahren erschossen.


Ehrenbaum, Ernst [CS 212]
* Perleberg 1861 † Marburg an der Lahn 1942 Biologe Prof., Spezialgebiet Meereskunde, bis 1931 Leiter der Fischereibiologie am Zool. Institut Hamburg. Werk: "Die Makrele und ihr Fang. Bericht an den Centralausschuss für die Internationale Meeresforschung. (=Extrait du Vol. XVIII des Rapports et Proces-verbeaux du Conseil International pour l'exploration de la mer, edition allemande)" Kopenhagen 1913


Ehrenstein, Albert [SG 164f]
* Ottakring 1886 † New York 1950, deutschsprachiger Lyriker und Erzähler.


Eibenlabyrinth von Somerleyton [RS 206]
siehe bei Chin. Pavillon


Einsiedler in der Wüste [NN 7]

Linkes Gemälde der dritten Schauseite des Isenheimer Altars von Grünewald : Wunder, das sich bei der Begegnung des Heiligen Antonius mit Paulus Eremita ereignete: Gott schickt heute, da Antonius überraschend zu Besuch kommt, mit dem Raben (oben links) zwei, statt des einen Brots! In Paulus stellt sich Gründewald dar (entsprechend dem Bildinhalt älter: Einsiedler Paulus ist 113 Jare alt - er stirbt übrigens am selben Tag). In Antonius ist Guersi porträtiert


Eisner, Kurt [SG 256]
* 14. Berlin 1867 † (ermordet) München 1919 sozialistischer Politiker (zunächst Mitglied der SPD, ab 1917 der USPD). Während der wilhelminischen Ära des deutschen Kaiserreichs macht er sich als monarchiekritischer Journalist und Schriftsteller einen Namen. Anführer der Novemberrevolution von 1918 in Bayern. Erster Ministerpräsident des von ihm ausgerufenen „Freistaates“, der bayerischen Republik. Wenige Wochen nach dem tödlichen Attentat des rechtsextremen Anton Graf von Arco auf Valley auf Eisner mündete die Revolution in die kurzlebige Münchner Räterepublik.


ekklesiastisch [CS 8]
kirchlich (Selbstbezeichnung der frühen Christen)


Eklektizismus [AUS 16]
Methode, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Stile bedient und deren Elemente neu zusammensetzt, kennzeichnend für die Stilepochen der europäischen Kunst seit Beginn des Klassizismus, aber besonders im Historismus. Im Hinblick auf die jeweilige künstlerische Qualität ist zwischen Imitation und eigener Weiterentwicklung zu unterscheiden. Der Begriff ist mit einer negativen Betonung dann versehen, wenn der Künstler anstelle einer eigenen Kreation unschöpferisch Elemente aus anderen Werken auswählt und zu einem neuen Werk zusammenfügt.


Ektoplasma [AUS 91]
Begriff aus der Parapsychologie: Stoff, angeblich bei einem Medium aus den Körperöffnungen tretend, der es ihnen ermöglicht, sich zu materialisieren und telekinetische Handlungen durchzuführen. Für das nackte Auge oft nicht sichtbar, taucht es angeblich auf Fotografien auf. Möglicherweise liegt es an einer Reihe von physikalischen Faktoren, die von den wahrhaft Übersinnlichen ignoriert werden.


El Alamein [Luftkrieg und Literatur 131]
el-Alamein, ägyptische Kleinstadt an der Küste des Mittelmeers, knapp 110 km westlich von Alexandria und 240 km nordwestlich von Kairo. Westlich der Stadt zwei entscheidende Schlachten des Zweiten Weltkrieges, in denen Großbritannien mit Hilfe der Verbündeten Südafrika, Freie Franzosen, (Britisch-)Indien, der griechischen Königlichen Armee und Australien die deutschen und italienischen Truppen entscheidend schlägt. In der Ersten Schlacht von el-Alamein (1.–31. Juli 1942) Vormarsch der deutsch-italienischen Truppen unter General Erwin Rommel durch die Alliierten gestoppt. In der Zweiten Schlacht von el-Alamein (23. Oktober bis 4. November 1942) Sieg der Alliierten unter General Bernard Montgomery, wendet das Blatt auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz. Anschließend langer, kontinuierlicher Rückzug der Achsenmächte gen Westen.


Elementargedicht [NN 3]
in der Literaturwissenschaft unbekannte Klassifikation.
Für Schütte ist Nach der Natur 'elementar' sowohl als Vorwegnahme von Motiven und narrativen Techniken der späteren Werke als auch, weil die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde die drei Teile durchziehen, und schließlich erweist Sebald sich als 'Elementar'-Denker, der die Stellung des Menschen in Umwelt und historischer Bedingtheit aufzeigt. In drei exemplarischen Lebensläufen konfrontiert er die Protagonisten im Überbau der Naturgeschichte mit den fundamentalen Kategorien des Seins: Liebe, Tod, Krankheit, Schmerz, Heimat und deren Verlust, Glück und Unglück, Hell und und Dunkel


Elia, Heiliger [NN 54]
Prophet Name (hebr.) = "mein Gott ist der Herr (Jahwe)"
* Thisbe um 912 v. Chr. entrückt östlich von Jericho in Palästina nach 850 v. Chr.
Größter Prophet im Nordreich Israel. Anliegen: ausschließliche Verehrung Jahwes. Patron der Flugzeuge und Luftschiffe, der Autofahrer; gegen Gewitter und Feuer. Gedenktag 20. Juli.


Elimination [CS 69]
Entfernung, Tilgung, Beseitigung, Aussparung


Elisabeth [SG 289ff]

Elisabeth Stuart * Falkland Palace, Fife, Schottland 1596 † Westminster, London 1662 Prinzessin von England und Schottland, durch Heirat mit Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, dem Winterkönig, Königin von Böhmen und Kurfürstin von der Pfalz.
1613 mit Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählt. Als diesem nach dem Prager Fenstersturz von den dortigen Ständen die Krone Böhmens angeboten wird, bewiegt sie ihn zur Annahme. Für einen Winter Königin von Böhmen. Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg 1620 gegen die Truppen der katholischen Fürsten unter Tilly geht sie zusammen mit ihrem Mann ins Exil nach Den Haag. Friedrich V. stirbt 1632. Elisabeth Stuarts Hof in Den Haag wurde geistiger Mittelpunkt der protestantischen Gesellschaft. Ihre Beinamen: "Pearl of Britain", "Englands Rose" oder "Queen of Hearts". Gemäß Act of Settlement wird ihre jüngste Tochter Sophie Thronerbin, ihr Sohn Kurfürst Georg I. von Hannover besteigt 1714 den britischen Thron. Elisabeth Stuart Stammmutter sämtlicher Monarchen Großbritanniens.


Elisabeth, Heilige [NN 78] [AUS 128]
Elisabeth von Thüringen (von Ungarn) * in Sárospatak/ Ungarn 1207(?) † Marburg 1231 Tochter von König Andreas II. von Ungarn und Gertrud von Kärnten-Andechs-Meran. 1225 Kontakt mit Franziskanern, deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit grossen Einfluss hat. Kümmert sich um Bedürftige, besucht Armenviertel, von der Familie mehr als skeptisch betrachtet.
Berichte wndersamer Ereignisse: Der Aussätzige, den sie zur Pflege in ihr Bett legen läßt, wird aufgedeckt, aber statt Elisabeth findet sich ein Kreuzigungsbild. Im Hungerjahr 1226 bedeckt sich der Boden des Saales mit Korn, und Korn füllt alle Kammern. Bei der festlichen Ankunft Kaiser Friedrichs II. findet sie kein Kleid, ein Engel überkleidet sie mit Glanz und Schmuck.
1229 zieht Elisabeth, Witwe, nach Marburg. Ihr Beichvater und Lehrer will die Heilige zu einer Heiligen zu machen, verfolgt sie mit Bußübungen, geißelt sie für kleine Vergehen (er wird wegen seiner fanatischen Strenge 1233 erschlagen). Elisabeth stiftet ein Hospital und pflegt dort selbst bis zu ihrem frühen Tod Kranke.
Attribute: Korb mit Rosen, mit Broten, Schüssel mit Fischen, Bettler
Patronin der Waisen und Witwen, Kranken, Notleidenden sowie Bäcker und Spitzenklöpplerinnen.


Elisabeth II. [RS 258]
Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (auch Lisi, Sisi und Sissi genannt; * 1837 + durch Attentat 1898) Prinzessin aus der herzoglichen Nebenlinie Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen des Hauses Wittelsbach, durch ihre Heirat mit Franz Joseph I. ab 1854 Kaiserin von Österreich und ab 1867 Königin von Ungarn.


elysäische Felder [NN 83] [LL 24]
Elysium (griech. Elysion, Elysisches Feld), bei Homer ein schönes Gefilde am westlichen Erdrand diesseit des Ozeans, wo, wie im Olymp, ewiger Frühling herrschte und ein kühlender Zephyr fortwährend vom Okeanos herüberwehte.
Goethe rühmt in einem Brief an die Geliebte (1775) die Wörlitzer Anlagen als elysäische Felder:
Keine Höhe zieht das Auge und das Verlangen an einen einzigen Punkt!



Émigré [CS 8]
Ausgewanderter, Bezeichnung für die während der Französischen Revolution von 1789 ins Ausland, auch nach Deutschland geflüchteten Franzosen. Zur ersten Emigrations-Welle gehören unmittelbar nach dem Sturm auf die Bastille die Prinzen der königlichen Familie. Koblenz, vorübergehend auch Worms Hauptquartier der Flüchtlinge, unter ihnen auch viele Priester. Mit Hilfe der europäischen Mächte unter Führung des Condé Emigrantenarmee aufgestellt, nimmt 1792/94 am Krieg teil, löst sich nach dem Frieden von Lunéville wieder auf. Lockerung der Emigrationsgesetze durch Napoleon veranlasst Großteil der Émigrés zur Rückkehr, Entschädigung für in Abwesenheit enteignete Güter und Besitztümer erst 1814/15. (Réfugiés: die hugenottischen Glaubensflüchtlinge, die Frankreich nach Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) verlassen)


Emmentaler [SG 277]

Hartkäse, ursprünglich aus der Schweiz, mittlerweile in verschiedenen Varianten weltweit hergestellt. 45 % Fett in der Trockenmasse. Häufig als Schweizer Käse bezeichnet.


emparkment [RS 311]
Schon ab dem Mittelalter begann in England die rücksichtslose Entvölkerung ganzer Landstriche, um Schafweideland für den einträglichen Wollverkauf zu erlangen.
Ab etwa 1650 kamen beim Adel große Landsitze in Mode. Dazu entvölkerten, zerstörten oder verschoben die Grundherren, um Platz zu schaffen für ihre ins Landschaftsbild einzufügenden Parks und Gärten, die die Gebäude umgaben, viele Orte: dieser Prozeß wird als emparkment oder enclosure bezeichnet. Zwischen etwa 1760 und 1835 verwandelten vom Gesetzgeber angeordnete "enclosures" die englische Landschaft: Das System des offenen Feldanbaus verwandelte sich in kompakte Farmen und geschlossene "emparkment"-Bereiche. Folge: Größere, effizientere landwirtschaftliche Betriebe, und Vertreibung Tausender Häusler und Kleinbauern vom Land in die aufstrebenden Großstädten.
Die berüchtigten Highland Clearances in Schottland führten zu einer groß angelegten Entvölkerung des Landes.


Empire des Lumières [AW 156]

"Das Reich der Lichter" 1954 von René Magritte (1898–1967), belgischer Surrealist, eine von 15 Versionen desselben Themas, 146 x 114cm Musée d'Art Moderne de Bruxelles
Nächtliche Strasse, ein Haus mit erleuchteten Fenstern, eine Strassenlaterne spiegelt ihr Licht im regennassen Asphalt, dunkel ragt ein Baum in den Himmel. Eine alltägliche Szene - wäre da nicht der blaue, mittäglich helle Sommerhimmel über der ganzen Szenerie. Was man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt, überrascht: die Gleichzeitigkeit von Tag und Nacht.


Emporium [AW 79ff] [LL 105]
lateinische Bezeichnung für Speicher, Märkte oder Handelszentren in Städten.


enceinte [AUS 26]
Umwallungslinie einer Festung


Encyclopædia Britannica [RS 19]
abgek. "Die Britannica", bedeutende englischsprachige Enzyklopädie; sie beansprucht für sich – ähnlich dem deutschen Brockhaus – das menschliche Wissen in möglichst großer Vollständigkeit (The Sum of Human Knowledge) und Tiefe bereitzustellen. Ihr Ruf, in wissenschaftlicher Hinsicht zuverlässige Angaben zu enthalten.
Produkt der schottischen Aufklärung; verfaßt ab 1768 und ab 1820 von Adam und Charles Black in Edinburgh verlegt. Um 1870 zieht Verlag für die 9. und 10. Auflage nach London um, mit 'The Times' verbunden. Für die 11. Auflage arbeit Verlag mit der Universität Cambridge zusammen. Nach der 11. Auflage erneut Umzug: Firmensitz Chicago.
2004 hat Britannica 75.000 Artikel mit 44 Millionen Wörtern. Papierform (32 Bände) online oder CD-ROM bzw. DVD offline. Vermittelt wird eher ein konservatives angloamerikanisches Weltbild, Autoren vielfach namhafte Wissenschaftler oder Publizisten (Urheberschaft nachgewiesen).


endemisch [SG 81]
einheimisch; örtlich begrenzt auftretend


Engels, Friedrich [LL 104]
(1820 - 1895) Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist,kommunistischer Revolutionär, entwickelt mit Karl Marx den Marxismus (Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie)


Engelwirt(schaft) [AW 97]
[SG 212ff]
[CS 240]

Weinstube Steinlehner in Wertach (Sebald nennt sie "Engelwirtschaft"), Grüntenseestr. 9
Die Sebaldfamilie wohnt hier im ersten Stock von den frühen 1947ern bis zum Umzug nach Sonthofen am 16. Dezember 1952
Ich sehe uns noch in der Vorweihnachtszeit des neunundvierziger Jahrs in unserer Stube über dem Engelwirt in Wertach sitzen... (CS 240)


Englische Fräulein [SG 256] [AW 315]
Congregatio Jesu (CJ) Frauenorden mit dem ursprünglichen Zweck der Mädchenbildung, gegründet von Maria Ward als Institutum Beatae Mariae Virginis (Ordenskürzel: IBMV), gemeinhin als Englische Fräulein bezeichnet. 2009 etwa 1.930 Mitglieder, gemeinsam mit den Loreto-Schwestern etwa 4.000.
Gegründet 1609, Ordensregel der Jesuiten übernommen. Zahlreiche Zweigstellen, vor allem in Süddeutschland, wo jetzt noch viele Schulen vom Institut betrieben werden

(Kloster in Regensburg Helenenstraße 2). Auch in England und Österreich Schulen und Gemeinschaften der Englischen Fräulein. Orden teilte sich in drei Zweige, von denen zwei sich unter dem Namen Loretoschwestern wieder vereinigten.


Ensign [AUS 11, 112]
Fotoappoarat engl. Fertigung, siehe

Ensign Simplex Auto


Enzian [SG 269]
Aus den Wurzeln des Gelben Enzians (Gentiana lutea) durch Maischen mit Wasser, Vergären und Brennen hergestelltes Destillat in den Alpenländern, insbesondere Österreich. Alkoholgehalt mindestens 37,5 Vol%, meist 45-50 Vol%.


Epiphanias [AUS 93]
= Erscheinung des Herrn, ursprünglicher Name des am 6. Januar, dem historischen Weihnachtsdatum, begangenen christlichen Festes


Epitaph [LW 12]
Grabinschrift oder Denkmal eines Verstorbenen, Grabrede, liturgischer Gegenstand der orthodoxen Kirche. 'Rosenkranzstunde' wohl Anklänge an Georg Trakls Gedicht Stunde des Grams , 'Bahnsekretär'an Joseph Roths Novelle Stationschef Fallmerayer


Erlanger Bibiothek [NN 8]
= Universitätsbibliothek Erlangen. Dort befindet sich das Selbstporträt des unbekannten Meisters
(Grünewald? )


Erlanger, Madame la Baronne d' [AW 173, 181]
Erlanger, geadelte Bankiersfamilie, bekannter Vertreter Raphael Freiherr von Erlanger (1806 bis Januar 1878) aus Deutschland, Nachfahren des Wechselmaklers Löb Moses, später Ludwig Moritz Erlanger


Ermittlung [CS 143]
Theaterstück von Peter Weiss von 1965, das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963–65 mit Mitteln des dokumentarischen Theaters thematisiert. Untertitel „Oratorium in elf Gesängen“, entwickelt aus den Protokollen Bernd Naumanns.
siehe


Ernani [CS 232ff]
Oper von Verdi Ort und Zeit der Handlung: Aragonien, Aachen, Zaragoza; im Jahr 1519 Lyrische Oper (Dramma lirico) von 1844 in vier Akten und fünf Bildern, basierend auf dem Drama Hernani von Victor Hugo (1830). Handlung fiktiv, obschon auf historische Persönlichkeiten verweisend (Kaisers Karl V.). Thema: Rache, in verschiedenen Facetten und Stufen umgesetzt. Rachegefühl erheischt um so größere Befriedigung, als ein perfektes Glück zweier frisch Vermählter vor der furchtbaren Alternative eines ehrlosen Lebens durch den Tod beendet
Siehe auch Hernani


er-Riha [AW 210]
Jericho = arabisch Eriha; wohl Zitat nach Karl May, Im Reiche des silbernen Löwen
Viele meiner Leser sind, wie ich weiß, in Palästina gewesen. Die meisten von diesen werden wohl auch, wie einst der Mann im Gleichnisse Christi, von Jerusalem hinab nach Jericho gegangen sein. Er-Riha wird diese Stadt vom heutigen Araber genannt. Von ihr aus geht es über eine alte, verfallene Brücke nach dem fernliegenden »Toten Meere«. Nach der andern Seite führt, an zerlumpten, niedrigen Beduinenzelten vorüber, ein bequemer Weg nach Aïn es Sultan...


Erzgebirge [AUS 241]
Mittelgebirge in Sachsen und Böhmen. Knapp nördlich der Kammlinie Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien


escarpe [AUS 22]
innere Mauer oder Böschung des Festungsgrabens, hier meist eine Galerie.


Eschatologie [LL 39]
(gr. die letzten Dinge) theologischer Begriff, der die prophetische Lehre von den Hoffnungen auf Vollendung des Einzelnen (individuelle Eschatologie) und der gesamten Schöpfung (universale Eschatologie) beschreibt. Früher versteht man darunter die Lehre von den „letzten Dingen“ und damit verbunden die „Lehre vom Anbruch einer neuen Welt“.


Esquilin-Hügel [NN 28]
Der Esquilin (Latein: mons Esquilinus) einer der sieben klassischen Hügel Roms. Die 65 m hohe Erhebung zieht sich vom römischen Hauptbahnhof Termini Richtung Kolosseum. Hier soll das Schneewunder geschehen sein


Eustachius [NN 9]
volkst. Eustach, † Rom 118
Legendärer römischer Feldherr .
Einer der vierzehn Nothelfer


Evangelimann [CS 236]
ursprünglich eine Gestalt der sogenannten Wiener Pawlatschen- (Hinterhöfe), die dort bevorzugt an Samstagen oder Sonn- und Feiertagen erschien, zumeist in würdigem und freundlichen Auftreten aus der Bibel zitierte und dafür einige Kreuzer erhielt.
Wilhelm Kienzl benannte ein "musikalisches Schauspiel" in 2 Akten nach dieser Gestalt.


Ewigschneehorn [AW 24]
siehe bei Zinggenstock


Existenzialismus [CS 159]
Im Allgemeinen: französische philosophische Strömung der Existenzphilosophie Jean-Paul Sartres (des Weiteren Bezeichnung für eine allgemeine Geisteshaltung, die den Menschen als Existenz im Sinne der Existenzphilosophie auffasst). Hauptvertreter neben Sartre: Albert Camus, Simone de Beauvoir, Gabriel Marcel.
Wesensbestimmung (Essenz) des Menschen in der Philosophie bisher: Durch die Bestimmung des Menschen als biologisches, als Vernunft-, als göttliches Wesen etc. hat Mensch vor seiner Existenz zunächst schon eine Bedeutung, eben biologisch, vernünftig, gottähnlich. Existentialismus: Mensch als Mensch nicht zu erfassen, wenn nicht je von seiner eigenen individuellen Existenz ausgegangen wird. Jede Wesenbestimmung enthält immer schon einen Theorieaspekt, der sich nicht aus einer unmittelbaren Erfahrung der Existenz speist, sondern der Existenz „nachrangig“ gebildet wird. Hieraus folgt Fokussierung auf die Themen Angst, Tod, Freiheit, Verantwortung und Handeln als elementar menschliche Erfahrungen. Der Mensch versteht sich selber nur im Erleben seiner selbst. Demnach bezieht sich der Existentialismus nicht mehr auf eine göttliche oder kosmologische oder quasigöttliche Ordnung, sondern entwickelt seine Theorie vom Einzelnen aus. Dadurch wird eine religiöse Grundhaltung nicht abgelehnt (auch wenn dies häufig durch die Schriften Sartres intendiert wird), sondern der Glaube wird vielmehr selbst zum existentiellen Erleben.
In Begriffen wie Geworfenheit, Selbstentwurf, Freiheit und Selbstbestimmung zeigt sich die Zentrierung des Existentialismus auf das Problem der Befreiung des Menschen zu seinen eigenen Möglichkeiten hin. Die Notwendigkeit dieser Möglichkeit zu sein, zeigt sich in den Erfahrungen von Absurdität, Ekel, Angst, Sorge, Tod und Langeweile und zeigt eindrucksvoll auf, dass gerade dieses subjektive Empfinden das Leben des Menschen bestimmt, Objektivitätsansprüche vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen verblassen. Der atheistische Existentialismus, für den ich stehe, ist zusammenhängender. Er erklärt, dass, wenn Gott nicht existiert, es mindestens ein Wesen gibt, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, und dass dieses Wesen der Mensch oder, wie Heidegger sagt, die menschliche Wirklichkeit ist. Was bedeutet hier, dass die Existenz der Essenz vorausgeht? Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert. (Jean Paul Sartre) Der Mensch ist ein Sein, das nicht das ist, was es ist, und das das ist, was es nicht ist. Als einziges Wesen, das verneinen kann, einen Bezug zu dem Noch-Nicht oder Nicht-Mehr hat, das lügen kann, also das sagen, was nicht ist, hat der Mensch damit auch die Bürde der Freiheit und damit auch die Verantwortung. Das Hauptwerk zeigt in Analysen menschlicher Situationen, wie sich die Freiheit in allen Bezügen des Seins des Menschen aufdrängt, der Mensch vor dieser Verantwortung flieht und wie der konkrete Bezug zum Anderen ihm erst diese Verantwortung und Freiheit aufzeigt.
Der Existentialismus wird, da er sich unter anderem als politisch engagiert versteht, aus allen gesellschaftlichen Bereichen kritisiert, insbesondere katholische Kirche, Politiker und andere philosophische Richtungen.


Exkreszenz [AUS 401]
krankhafter Auswuchs, Gewebewucherung


Eyck, Jan van [LL 179, 187f]
* Maaseik um 1390 † Brügge 1441 flämischer Maler des Spätmittelalters, berühmtester Vertreter der altniederländischen Malerei, leitet die neue naturalistische Kunstepoche nördlich der Alpen ein. Wegen seiner vollendeten Technik und seines Sinns für Naturalismus von vielen Autoren als „König unter den Malern“ bezeichnet. Großteil seiner Arbeit nicht mehr erhalten. 1422 im Dienst des Herzogs Johann von Bayern als Kammerdiener (valet de chambre) und Hofmaler für die Ausmalung des Binnenhofes der Residenz zu Den Haag zuständig. 1425 bei Philipp dem Guten. Sein Ruf als Maler bringt ihn an den prächtigsten Hof Europas zu Lille. Malt Porträts, dekoriert fürstliche Residenzen, entwirft höfische Kleidung, Schmuck für Zeremonien, Festlichkeiten und Turniere. Bemalt Schilder, Banner und Statuen. Daneben talentierter Diplomat, innerhalb von zehn Jahren auf mehreren Geheimmissionen. Mit einer Delegation in Portugal, um in Philipps Namen um die Tochter König Johanns I., Isabella, anzuhalten, van Eyck malt die Infantin, damit sich sein Herr ein Bild seiner zukünftigen Braut machen kann.
Genter Altar Meisterwerk der Feinmalerei und größtes bekanntes Werk. 1436 auf letzter Geheimmission.

Zum Hochzitsbild Arnolfin siehe


Ezechiel [SG 74]
Buch Ezechiel (Hesekiel) Schrift des Alten Testaments, schildert Visionen und symbolische Handlungen des Propheten Ezechiel, eines israelitischen Priester.
Berühmtester Abschnitt ist Ezechiels Traum vom Tal der verdorrten Gebeine (37, 1-14)



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AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat