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Lexikon O

Oberaar [AW 23]

Die O., Hochtal beim Grimsel-Pass um den Oberaarsee/Schweiz


Oberaarhütte [AW 23]






Oberland [AW 23]

Berner Oberland: die höher gelegenen Teile des Kantons Bern in der Schweiz, die Region um Thuner- und Brienzersee und die südlich davon gelegenen Täler, beliebtes Touristenziel


Oberstdorfer Schuhplattler [CS 225f]




Obskurantismus [LL 159]
Begriff aus der Aufklärung, zurückgehend auf die im frühen 16. Jahrhundert erschienenen sog. Dunkelmännerbriefe, lat. Epistolae obscurorum virorum. Obskurantismus und die Bezeichnung für dessen Anhänger, Obskurant, werden als Vorwurf etabliert („anti-aufklärerisch“, „metaphysisch“ oder „religiös“), Gegenanschuldigung Szientizismus.
Heine ordnet zahlreiche Zeitgenossen, insbesondere die Anhänger einer rückwärtsgewandten Romantik, dem Obskurantismus zu.


Obszönität [Nach der Natur S. 81] [LW 54]
von obscenus (lat. schmutzig, hässlich, ekelhaft, anstößig)
(Nach der Natur S. 81)
Jetzt aber kommt
ein farblose Zeit. Du, inmitten
der blendenen Obszönität
werd ich dein banges
Auge erinnern, wie ichs
zum erstenmal sah,
damals, als wir in Haarlem
durch eine Deichlücke schwammen.
(Über das Land und das Wasser S. 54)
Kommt eine farblose Zeit, Du
inmitten der Schönheit
der Obszönität werden Dich
meine Nächte erinnern
ein gebleichtes Stück Eis
das langsam zergeht





Ölberg [AW 204, 208]

Erhebung (809m) nordöstlich und östlich des Tempelbergs und der Jerusalemer Altstadt. Der Name leitet sich vom ursprünglichen Bewuchs mit Olivenbäumen ab. Beliebtes Ausflugsziel für Touristen, da sich herrlicher Blick auf die Jerusalemer Altstadt bietet.
In der Tradition von Judentum, Islam und Christentum besondere Stellung. In Erinnerung an biblische Geschichten sind mehrere Kirchen errichtet:
- Die russisch-orthodoxe Maria-Magdalena-Kirche
- Die von den Kreuzfahrern 1152 errichtete Himmelfahrtskapelle
Weitere bekannte Kirchen sind die unter Kaiser Wilhelm II. gebaute zum Auguste-Viktoria-Hospital gehörende evangelische Himmelfahrtskirche nördlich der Himmelfahrtskuppe in der Nähe des Skopusbergs, sowie die Paternosterkirche, in der das Vaterunser in 140 Sprachen auf ebenso vielen Keramiktafeln zu lesen ist. Sie gehört zu einem französischen Karmelitinnenkloster.


Österreichischer Lloyd [LW 70]
(ital. Lloyd Austriaco) größte Schifffahrtsgesellschaft Österreich-Ungarns und des Mittelmeeres. Gesellschaft mit Sitz in Triest 1833 von 19 Seetransportversicherungsgesellschaften, Banken und 127 Einzelaktionären gegründet. Zweck der Unternehmung, nach Vorbild des Londoner Lloyd’s aufgebaut, war Informationsbeschaffung für die teilhabenden Versicherungen. Ab 1836 auch der Postverkehr in der Adria übernommen, womit der Grundstein für die folgende Expansion sowohl im Fracht- als auch im Passagierbereich zu einer der größten Reedereien der Welt gelegt war. Wahlspruch „Vorwärts“, ganz entgegen dem damaligen Trend lateinische Formulierungen zu verwenden. Selbst die k. u. k. Kriegsmarine verfügte mit Viribus Unitis (mit vereinten Kräften) übereinen lateinischen Leitspruch. Der größte direkte Konkurrent war lange die von den Ungarn betriebene und geförderte Schifffahrtsgesellschaft Adria, die ihren Sitz im zur ungarischen Reichshälfte gehörenden Fiume hatte. 1891 wurde jedoch auf staatlicher Ebene ein Abkommen getroffen, dass die Aufteilung der Einzugsgebiete der beiden Gesellschaften regelte und die gegenseitige Konkurrenz beendete.
Dienstsprache italienisch, die Prospekte in deutscher Sprache, für die Levante- und Indien-Ostasien-Linien auch auf französisch und englisch abgefasst. Gesellschaft mit hohen staatlichen Subventionen bedacht, weshalb das Unternehmen nicht zuletzt wegen verschiedener Verpflichtungen von staatlicher Seite als „halbstaatlich“ bezeichnet werden kann. Nach Ende des Ersten Weltkrieges geht der Österreichische Lloyd in italienischen Besitz über, 1921 bis 2006 als Lloyd Triestino (Triestiner Lloyd).


Offenbarung Johannis [LL 39]
Offenbarung des Johannes (Apokalyse) das letzte und einzige durchgehend prophetische Buch des Neuen Testaments. Das Buch richtet sich in Briefform an sieben im Römischen Reich verfolgte oder stark bedrängte christliche Gemeinden in Kleinasien im östlichen Hinterland von Ephesus, die von der Mission des Paulus von Tarsus theologisch geprägt sind, aber auch an weitere Adressatenkreise. Es enthüllt den göttlichen Heilsplan und will damit die Gemeindemitglieder ermutigen, den römischen Kaiserkult abzulehnen und auf die Wiederkunft Christi als Endrichter zu hoffen. Der Autor greift auf alttestamentliche Prophetie (vor allem Jesaja und Ezechiel) und ihre Bildersprache sowie die der frühjüdischen Apokalyptik zurück.


Oktoberrevolution [CS 185 f]
gewaltsame Machtübernahme durch die russischen kommunistischen Bolschewiki im November 1917 (nach julianischem Kalender Oktober), die die aus der Februarrevolution hervorgegangene Doppelherrschaft aus sozial-liberaler Übergangsregierung unter Alexander Kerenski und den Sowjets beseitigt. Sie errichten neuen Staat, der sich selbst als Diktatur des Proletariats versteht.
Lenin, Führer der bolschewistischen Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, erreicht die russische Hauptstadt aus seinem Exil in der Schweiz über Deutschland, Schweden und Finnland, wobei ihn deutsche Behörden unterstützen. Durch das Eingreifen Lenins und anderer Revolutionäre in das politische Geschehen, erhofft sich die deutsche Oberste Heeresleitung Destabilisierung Russlands, um daraus an der Ostfront militärischen Nutzen ziehen zu können.
Es folgt ein langer und grausamer Bürgerkrieg, verbunden mit dem Kriegskommunismus. Die Rote Armee kämpft bis 1920 gegen die Weiße Armee. Über 20.000 Juden wandern vor dem Bürgerkrieg und dem verbreiteten Antisemitismus nach Palästina aus ("Dritte Alija").
Die sozialen Probleme des Landes bleiben unzureichend gelöst. Während des Bürgerkrieges führt die Regierung auch Kriege gegen Polen, Finnland und Lettland.


Olga Leonardowna [LW 69]
siehe Knipper


Onkel Tadeusz [RS 129]
Tadeusz Bobrowski, Bruder von Evelina Korzeniowski der ihren Sohn Joseph (Conrad ) , nach dem Tod beider Eltern aufnimmt.


Opel Kapitän [AW 100]


Auto, 1938 bis 1970 produziert, zusammen mit dem „Admiral“ und dem 1964 erschienenen „Diplomat“ eines der Oberklassenmodelle von Opel. Alle Kapitän-Modelle mit Sechszylinder-Reihenmotoren, Hubraum von 2,5 bis 2,8 Liter, selbsttragende Karosserie.


Opiumkriege [RS 170ff]
1. Opiumkrieg 1839 bis 1842: militärischer Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China, das zur Öffnung seiner Märkte und Duldung des Opiumhandels gezwungen wird.
Ab ca. 1820 weitet die britische East India Company den Export bengalischen Opiums nach China systematisch aus. Allein zwischen 1821 und 1837 verfünffachte sich die umgeschlagene Menge; führt zu zunehmenden Problemen mit der chinesischen Verwaltung und zu einem Handelsbilanzdefizit auf chinesischer Seite. Nicht zuletzt aus Besorgnis um den Abfluss von Silber ins Ausland bemüht sich Kaiser Daoguang jahrelang nachdrücklich, aber mit mäßigem Erfolg um eine Eindämmung des Opiumhandels.
Ausländischen Händler zeigen sich wenig kooperativ und forcieren illegale Opiumeinfuhr nach China massiv. Die Situation eskaliert, als man 350 in den Opiumhandel verwickelte Ausländer in ihren Faktoreien interniert. Die Herausgabe von über 22.000 Kisten (= 1,4 Mio. kg) Opium vom englischen Superintendenten Charles Elliot wird erreicht, um die chinesische Bevölkerung vor weiterer Drogenabhängigkeit zu beschützen. Das Opium wird ins Meer gespült.
Trotz energischer Intervention der überwiegend britischen Opiumhändler und der Ostindienkompanie keine förmlichen Kriegserklärung an China (Sebald spricht von "Kriegserklärung" S. 170?), lediglich Entsendung eines Flottenverbands, der vom Kaiser „Genugtuung und Wiedergutmachung“ fordert und gegebenenfalls chinesisches Eigentum als Pfand nimmt.
1842 endete der Krieg mit dem Vertrag von Nanking, dem ersten der sog. Ungleichen Verträge. Er verpflichtet die Chinesen zur Öffnung der Handelshäfen Kanton, Xiamen, Fuzhou, Shanghai und Ningbo für Ausländer, zur Duldung weitgehend unbeschränkten Handels, zur Abtretung Hongkongs sowie zu Reparationszahlungen. Leitet Niedergang Chinas zu halbkolonialem De-facto-Protektorat westlicher Mächte ein, was bis zur Wende zum 20. Jahrhundert so bleibt.
Und die Erinnerung bei Chinesen und anderen Völkern der Region bis heute: Es sind die eingesetzten Mittel, mit denen die Öffnung Chinas erfolgte: mit militärischer Gewalt erzwungender Opiumimport zur Durchsetzung der kolonialen Wirtschaftsinteressen.
2. Opiumkrieg oder Arrow-Krieg 1856 bis 1860 : Großbritannien und Frankreich gegen das Kaiserreich China
Wegen des Vorgehens chinesischer Beamter gegen Opiumschmuggelverdächtige und unter dem Vorwand von Rache für Hinrichtung französischen Missionars (Auguste Chapdelaine ) in Guangxi erklären Frankreich und die Briten China den Krieg, tatsächlich aber will man die Erweiterung der eigenen Einflusssphäre. 1860 erreichen Truppen Peking und nahmen es ein. Die Truppen verwüsten Sommerpalast. Bei Plünderungen Kunstschätzen aller Art geraubt.
Pekinger Konvention: Großbritannien, Frankreich, Russland und die USA haben das Recht, in Peking (bis dahin eine geschlossene Stadt) Botschaften zu eröffnen. Opiumhandel wird legalisiert und Christen bekommen Recht, chinesische Bevölkerung zu missionieren sowie Eigentum zu besitzen.


Oranienbaum [NN 41]
siehe bei St. Petersburg


Orbis Pictus [LL 81]
Abkürzung für 'Orbis sensualium pictus' (Der abgebildete Erdkreis des Sinnlichen, Orbis=Erdkreis pictus=gemalt senualis=sinnlich) von J. A. Comenius (Komenski) 1658. Welt von Gott bis zu den Insekten beschrieben und mit 150 Holzschnitten illustriert, auf Latein und Deutsch erläutert. In hunderten von Auflagen nachgedruckt. Erfindung des Schulbuchs, Vorläufer des Comics, erstes "multimediales" Unterrichtsmaterial. Lebt fort im Bildlexikon, und zuletzt - seit 1995 im interaktiven Orbis Pictus Revised




Orbis Tertius [RS 5, 89ff]
(lat) "der dritte Kreis", wohl frei übersetzt: die dritte Welt, siehe Tlön



Orford Castle [RS 274]

in Orford , Suffolk, England, mit Blick auf Orford Ness und Orford Island . 1165 bis 1173 erbaut, um königliche Macht in der Region zu festigen und Fluss Ore zu kontrollieren, gilt als eine der besterhaltenen Burgen der Zeit
Blick vom Dach:



Orford Ness [RS 278ff]

Halbinsel an der Mündung des Flusses Alde in der Nähe der Ortschaften Orford und Aldeburgh, mit rund neun Quadratkilometern (Länge etwa 15 km) größte bewachsene Nehrung Europas. Auch genannt "The Island" oder Orford Island

Auf der Halbinsel Leuchtturm, Überreste eines Verteidigungsturms aus dem 19. Jahrhundert sowie ehemalige Militäranlagen aus dem 20. Jahrhundert, wo während beider Weltkriege und während des Kalten Krieges geheime Tests des Britischen Verteidigungsministeriums stattfinden, darunter solche zur (Weiter-)Entwicklung von Kernwaffen. Siehe BBC-Report von 2002

Heute Naturschutzgebiet, ehemalige Militärgebäude gesperrt.
Große bekannte Sendeanlage Mittelwelle BBC World Service in den Gebäuden der ehemaligen experimentellen Überhorizontradar-Anlage Cobra Mist.
Um Orford Ness und Umgebung mehrere Mythen: zB Behauptung, dass kleine deutsche Invasionseinheit während des Zweiten Weltkrieges auf der Nehrung landet, wo sie allerdings sofort zurückgeschlagen wird. Oder: Im benachbarten Rendlesham-Wald Landung eines UFOs 1980











Interessantes Filmmaterial bei YouTube:


Organizzazione Ludwig [SG 93]
siehe Gruppe Ludwig


Oriel College [AUS 101]
Das College, 1324 gegründet und zu den konstituierenden Colleges der berühmten, ältesten Universität Großbritanniens gehörend, die 39 solcher selbständigen Colleges unter ihrem Dach vereint, heißt vollständig: The House of the Blessed Mary the Virgin in Oxford, commonly called Oriel College, of the Foundation of Edward the Second of famous memory, sometime King of England). Das ursprüngliche Gebäude hieß L'Oriole, wonach das College den Namen erhielt.


Orion [SG 270]

Sternbild auf dem Himmelsäquator, sichtbar in Mitteleuropa etwa von August bis April. Aufgrund seiner Vielzahl heller Sterne und ihrer einprägsamen Anordnung das auffallendste Sternbild des Winterhimmels, gilt als das schönste. Das Sternbild soll einen mythischen Himmelsjäger (der Icherzähler vermisst den Jäger Schlag!) darstellen. Beteigeuze und Bellatrix bilden die Schulter, Rigel und Saiph die Füße. Haupterkennungsmerkmal die auffällige Reihe der Sterne Alnitak, Alnilam und Mintaka, sie bilden den Gürtel des Orion, unterhalb vom Gürtel leuchtet eine blassere Sternenreihe, die gut als Schwert vorstellbar.
In der Antike identifiziert man ihn mit dem großen Jäger Orion. Horaz' Oden, Homers Odyssee und Ilias sowie Vergils Aeneis erwähnen das Sternbild.


Orkan vom 16. Oktober 1987 [RS 7, 272, 315ff]
Westeuropa-Orkan, sehr starker Sturm, dessen Höhepunkt in England und Nordfrankreich in der Nacht von 15. auf den 16. Oktober 1987, schwerster Sturm in England seit dem Großen Sturm von 1703. Tiefdruckgebiet (Kerndruck von 955 hPa) zieht aus der Biskaya nach Frankreich. Kostet 29 Menschen das Leben, Sachschaden 6 Milliarden DM


Orlov [AW S. 181]
Orlow bekanntes russisches Adelsgeschlechts, unter Katharina d. Gr. zu Ansehen und Reichtum gelangt.
Stammvater Iwan O. Ende des 17. Jahrhunderts Strelize (Angehöriger der Palastgarde des Zaren). Peters I. will ihn hinrichten, O. beweist solche Kaltblütigkeit, dass der davon beeindruckte Zar ihn begnadigt und zum Offizier ernennt.
Familie später in Fürstenstand erhoben. In Gattschina Schloss mit 600 Zimmern, Orlow-Diamant in die Spitze des goldenen Zepters der Zaren eingearbeitet.
Alexej Graf Orlow erdrosselt 1762 den entthronten Zaren Peter III., Graf Orlow-Tschesmensky nimmt so an Leibesfülle zu, dass er zu dick zum Reiten ist, züchtet das perfekte Wagenpferd: Orlow-Traber, heute gibt es rund 25.000 davon.


Ormolu-Uhr [AW S. 26]
(engl) = Goldbronze-


Ormuzd [NN 80] [LW 52f]
(Ormazd), späterer persischer Name für die höchste Gottheit der alten Nationalreligion Irans, in Keilinschriften Auramazda genannt.
Die Griechen kennen ihn bereits als obersten Gott der Perser, als den aus dem reinsten Licht entstandenen Urheber der guten Dinge und als Schöpfer der Welt. Sein Gegner ist Anromainyus (der "böse Geist"), der spätere Ahriman. Zwischen diesem und Ormuzd hat der Mensch zu wählen. O. selbst ist in der späteren Religion Schöpfer sämtlicher anderer Götter. Ahriman, tiefste Finsternis, Inbegriff alles Bösen und Unreinen. O. befindet sich in stetem Kampf mit Ahriman, welcher alle seine Kräfte anstrengt, um die Welt zu vernichten.


Orwell Park [RS 265]
Gut in den "Sandlings", siehe


Osiris [RS 36]
ägyptische Gottheit. Steht für das Jenseits, die Wiedergeburt der Toten, Vegetation, Nil und Fruchtbarkeit.
Nach neueren Thesen Ägyptern das Sterbild des Orion und Stern Sirius bekannt. Orion soll Osiris, Sirius mit Isis gleich sein. Osiris von Bruder ermordet und zerstückelt. Isis sucht die Teile wieder zusammen; durch ihre Liebe wird Osiris wiederbelebt, gemeinsam zeugen sie Horus, Orion und Osiris Konsonanten wie Sirius: SrS


Ostmark [AUS 244]
bis 1942 Propagandabezeichnung für Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus 1939 bis 1945. Österreich wird mit dem „Anschluss“ am 12. März 1938 dem Deutschen Reich (ab 1943 Großdeutsches Reich) eingegliedert. Hitler lässt das neu gewonnene Gebiet in Ostmark umbenennen. (eine im 19. Jht aufgekommmene Übertragung des mittelalterlichen Namens Marchia Orientalis; sollte das regionale Identitätsbewusstsein schwächen und zugleich die Selbstwahrnehmung als Teil einer einzigen deutschen Nation im politischen Konstrukt des Altreiches stärken. Zusätzlich sollten offene Konnotationen zur mittelalterlichen Einheit des Deutschtums in diese Richtung arbeiten).
Mit dem Anschluss beginnt systematische Ausgrenzung der Juden und anderer Minderheiten aus Gesellschaft und Wirtschaft. In einer Welle von „wilden Arisierungen“ Geschäfte jüdischer Mitbürger von SA-Angehörigen und Zivilisten mit Hakenkreuz-Armbinde geplündert, Unternehmen und Wohnungen unter fadenscheinigen Begründungen enteignet oder einfach übernommen. Bis 10. August 1938 ca. 1.700 Fahrzeuge und bis Mai 1939 ca. 44.000 Wohnungen beschlagnahmt. Mobiles Eigentum frei verkauft oder versteigert. Emigranten müssen für ihre „Auswanderung“ die Reichsfluchtsteuer, die Auswandererabgabe und die Sozialausgleichsabgabe an das NS-Regime entrichten, nach dem Motto „der Jud muss weg – sein Gerstl (Geld) bleibt da.“ Anfang 1938 leben in Österreich noch ca. 200.000 Menschen, die gemäß den „Nürnberger Gesetzen“ Juden waren. Im Zeitraum bis November des Jahres verlassen 130.000 Menschen das Land. Während der Novemberpogrome Höhepunkt gewalttätigen Übergriffe auf Judenen. Ab 1940 Deportationen in großer Zahl in Konzentrationslager. Eichmann „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ hatte zum Ziel, die „Ostmark“ schnellstmöglich von Juden zu säubern. Das System so gut koordiniert, dass es als Vorbild für das „Altreich“ (Deutschland) dient. Klima des Terrors, in dem die Juden und Regimegegner gezwungen werden, die Flucht zu ergreifen, entsteht.
Verzweifelt versuchen Exilanten Nachbarländer bzw. nach Übersee zu gelangen. Exil hieß Ausbürgerung, Entrechtung und Heimatlosigkeit. Dazu im Aufnahmeland die Schwierigkeiten der Neuorientierung und des Wiederaufbaus einer beruflichen Existenz, verstärkt durch Geldmangel und Sprachprobleme, begleitet von Heimweh und der Sorge um das Wohlergehen der zurückgebliebenen Verwandten und Freunde. Die Suche nach aufnahmebereiten Ländern für die ihres Vermögens beraubten Menschen mit großen Schwierigkeiten verbunden, da viele Staaten die Einwanderung mittelloser Juden ablehnen.


Ovidius Naso [RS 322f]
genannt Ovid. * Sulmo 43 v. Chr. † Tomis wohl 17 n. Chr. römischer Dichter. Vater wohlhabender Angehöriger des Ritterstandes. Bricht Ämterlaufbahn ab, wird Dichter. Erste und auch die zweite Ehe bald wieder geschieden. Mit dritten Frau bis zum Lebensende verheiratet. 8 n. Chr. auf der Insel Elba erreicht ihn Beschluss des Kaisers Augustus, dass er nach Tomis (heute Constanta in Rumänien) am Schwarzen Meer verbannt ist. Ovid gibt an, dass Ursache für Verbannung carmen et error gewesen seien, ein Gedicht und ein Irrtum (sicher die Ars amatoria, die dem sittenstrengen Augustus Dorn im Auge war. Ovid deutet an: Er habe etwas gesehen, was er nicht habe sehen dürfen.)
Hic ego qui iaceo tenerorum lusor amorum
Ingenio perii, Naso poeta, meo.
At tibi qui transis, ne sit grave quisquis amasti,
Dicere: Nasonis molliter ossa cubent.

(lat. Ich, der ich hier liege, Naso, der Dichter, Spieler zärtlicher Liebesgeschichten, bin an meinem eigenen Talent zugrunde gegangen. Aber für dich, der du vorbeigehst, wenn du je geliebt hast, soll es dir nicht schwerfallen zu sagen: Mögen die Gebeine des Naso weich ruhen!)
Zitat aus Brownes Musaeum Clausum :
A Poem of Ovidius Naso, written in the Getick Language, during his exile at Tomos, found wrapt up in Wax at Sabaria, on the Frontiers of Hungary, where there remains a tradition that he died, in his return towards Rome from Tomos, either after his pardon or the death of Augustus.


Oxford Society [RS 19]
Oxford University Society (incorporating the Oxford Society) (OUS) the official alumni organisation of the University of Oxford



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AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat