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Lexikon F

Falk, Dr. Samuel [AUS 410]

* Fürth/Bayern oder Pidhaytsi/Podolia/Ukraine 1708 + London 1782 siehe Rabbi, der sogen. 'Ba'al Schem' von London, Kabbalist, schillernde Erscheinung, tut angeblich Wunder, entkommt 1740 mit knapper Not dem Scheiterhaufen in Westfalen (bezichtigt des Zauberns), seitdem London, betreibt alchemistisches Laboratorium, erlangt anrüchigen Ruhm in verschiedenen Zirkeln wegen seiner angeblichen magischen Kräfte. Wahrscheinlich Anhänger der Sekte, die der falsche Messias Sabbatai Zevi gründet, würdiges Grab auf dem Mile Ende Friedhof in London. Führt Tagebuch, das Träume und die kabbalistischen Namen von Engeln enthält



Fallit [RS 235]
veralt. zahlungsunfähiger Schuldner


Fallmerayer, Jakob Philipp [SG 138]
* Pairdorf bei Brixen, Südtirol 1790 † München 1861, österreichischer Orientalist und Publizist. Durch ein Stipendium des Brixener Bischofs studiert er in Landshut und Salzburg (dort orientalische Sprachen). 1813 bayerische Armee. Nach dem Krieg gegen Frankreich Privatdozent in Lindau, Primärlehrer Gymnasium St. Anna in Augsburg Landshut. 1826 Professor für Philologie und Universalhistorie München. Viel diskutierte Schrift „Geschichte des Kaisertums in Trapezunt“ (1827), mit dem russischen General Alexander Iwanowitsch Ostermann-Tolstoi Forschungsreise durch Griechenland und Vorderen Orient. 1840/1842 und 1847/1848 weitere Forschungsreisen in den Vorderen Orient, hauptsächlich durch Arbeit bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung finanziert. 1848/49 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung für den Wahlkreis München II. 1830 zieht er sich mit umstrittener These, dass die antiken Griechen im Mittelalter ausgestorben und durch hellenisierte Slawen und Albaner verdrängt worden seien, den Hass von Philhellenen und griechischen Patrioten zu. Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet. Denn auch nicht ein Tropfen edlen und ungemischten Hellenenblutes fließt in den Adern der christlichen Bevölkerung des heutigen Griechenlands.


Fanon, Frantz [CS 169]
* Fort-de-France, Martinique 1925 † Washington D.C 1961 Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Vordenker der Entkolonialisierung. Umstritten, ob Fanon als Begründer einer „antikolonialen Gewalt“ verstanden werden kann. Fanon sieht in ihr ein Mittel, sich auch von der tiefsitzenden Entfremdung zu befreien. Dabei geht es ihm keineswegs um die Gewalt an sich, sondern ausdrücklich um die widerständige Gegengewalt zur bestehenden Gewaltanwendung der Kolonialisatoren, die auf eine bestimmte historisch-konkrete Situation bezogen ist und nur hier als legitim angesehen wird. Dagegen verweist er deutlich auf die „pathologischen Folgen exzessiver Gewaltanwendung“. Seine Theorie der Befreiung gründet dabei vor allem auf den Existentialismus Sartres als auch auf die „Hegelsche Herr-Knecht-Dialektik“.
Zitat aus seinem Klassiker Die Verdammten dieser Erde 1961: Verlassen wir dieses Europa, das nicht aufhört, vom Menschen zu reden, und ihn dabei niedermetzelt, wo es ihn trifft, an allen Ecken seiner eigenen Straßen, an allen Ecken der Welt. Ganze Jahrhunderte hat Europa nun schon den Fortschritt bei anderen Menschen aufgehalten und sie für seine Zwecke und seinen Ruhm unterjocht; ganze Jahrhunderte hat es im Namen seines angeblichen ‚geistigen Abenteuers‘ fast die ganze Menschheit erstickt.... Also, meine Kampfgefährten, zahlen wir Europa nicht Tribut, indem wir Staaten, Institutionen und Gesellschaften gründen, die von ihm inspiriert sind.


le fantôme de Trouville [Aufzeichnungen aus Korsika 146]
Im August 1836 trifft Gustave Flaubert in Trouville am Strand die schöne 26jährige Elisa, die Frau von Maurice Schlesinger, wie er in 'Les Mémoires d'un fou' 1838 und den zwei Versionen von 'L’Education sentimentale' 1869 schreibt. Mit dem Spitznamen le fantôme de Trouville verkörpert Elisa die unerreichbare Frau.


Fastenprediger [LL 114]
Predigtreihe in der Fastenzeit außerhalb der eucharistischen Sonntagsgottesdienste, soll gemäß der Österlichen Bußzeit den Glauben der Zuhörer intensivieren und ihr Leben stärker am Evangelium orientieren. Meist von bekannteren Kanzelrednern, gelegentlich auch von prominenten Laien, in städtischen Zentralkirchen gehalten.
Seit 1992 Festrede bei der Starkbierprobe auf dem Nockherberg, das Politiker-Derblecken, regelmäßig als Fastenpredigt des Mönchs Bruder Barnabas (Paulaner-Mönch Frater Barnabas (Valentin Stephan Still, 1750–1795)) gehalten


Fausse-Braie [AUS 22]
Wall zwischen Graben und Hauptwall einer Festung. Der zugehörige Wallgang grenzt mit der Rückseite unmittelbar an Hauptwall, Konstruktion erscheint als stufenförmiger Absatz. Vor allem in der niederländischen Festungsbaukunst des 16. und 17. Jahrhundert verwendet.


Federboa [RS 242]
langes, schalähnliches Kleidungsstück, benannt nach der Riesenschlangengattung Boa, ist üblicherweise so gearbeitet, dass die Federkiele rundum von Federn bedeckt sind, als ergänzendes Schmuckelement, vornehmlich bei besonderen Anlässen, auch heute gebräuchlich. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders in den 1920er-Jahren, in vielen Varietees und Nachtclubs die Boa ein erotisierendes Utensil von Showtänzerinnen und Prostituierten


Federschleißen [AW 307]

federnschleißen: Die Daunen vom Kiel trennen, früher - meist gemeinsam - von Frauen gemacht im Winter.
Gänsefedern waren besonders beliebt, aber auch die Federn von den Enten wurden geschlissen: Die Federn werden von den Stielen gerissen und für Polster vorbereitet.
Die Frauen trafen sich in dem Haus, wo die "Veranstalterin" die Federn gesammelt hat und schütten die Federn auf einen großen Tisch. Es mussten alle Fenster und Türen geschlossen bleiben, damit kein Luftzug entsteht, der die Federn im Raum verteilen könnte.
Flinke Frauenhände zupften stunden-, tage-, oft wochenlang, Feder für Feder. Jede einzelne Feder ist wertvoll, besonders die kleinen weißen, weil am weichsten. Der Abfall landet auf dem Boden, das Abgeschlissene – der Flaum - wird in selbstgenähte Polster, Kissen und Zudecks gefüllt. So entsteht das handgemachte, warme Bettzeug für die ganze Familie.
Das Ende dieser oft wochenlang dauernden Arbeit war der "Federnhahn", bei dem "richtig aufgetischt" (mit Schweinsbraten, etc.,) wurde. Oft erlaubten sich die Burschen/Männer einen Scherz und ließen eine Katze oder eine Henne in den Raum, in dem geschlissen wurde ...


Feldscher [NN 67]
unterste Stufe des frühmodernen Militärarztes. Als sogenannter Handwerksarzt Spezialist für äußere Verletzungen, oft fälschlich synonym verwendet mit Medicus. Von diesem grundlegend zu unterscheiden, da der Medicus als Absolvent einer Universität nur zuständig für die Innere Medizin und "unsichtbare" Krankheiten, etwa Epidemien. Begriff im 14. Jahrhundert in der Schweiz entstanden, auch für ungelernte Landärzte verwendet.


Fellini, Federico [SG 263]
* Rimini 1920 in Rimini † Rom 1993 einer der wichtigsten Filmemacher und Regisseure Italiens. Sein Film "Amarcord" (im Dialekt der Emilia-Romagna für „Ich erinnere mich“) von 1973 stellt Fellinis Heimatstadt Rimini zur Zeit seiner Jugend, den dreißiger Jahren, dar


Fernandez, Enrique [CS 221]
Pianist, den Bruce Chatwin in Gaimán trifft. Stirbt mit 40 an Aids siehe


Fernet [AUS 12]
italienischer (Fernet Branca) oder italienisch-böhmischer (Fernet Stock) Bitterlikör


Ferrers [RS 311]
siehe Laurence Shirley, 4th Earl Ferrers


Ferrovia [SG 80]
ital.:Stazione Ferroviaria (der Bahnhof, abgekürzt Ferrovia)


Fesch, Joseph [CS 8]
[Aufzeichnungen aus Korsika 150]
* Ajaccio/Korsika 1763 † Rom 1839 französischer Kardinal, Erzbischof von Lyon. Vater: Franz Faesch, Kapitän eines in französischem Dienste stehenden Schweizerregiments Mutter: Witwe Ramolino, Großmutter Napoleons I. mütterlicherseits, Fesch Stiefbruder Laetitias, der Mutter Napoleons I., dessen Onkel er ist.
Erhält 1796 beim ersten italienischen Feldzug seines Neffen Bonaparte Anstellung als Kriegskommissar, muss aber wegen vieler gegen ihn laut gewordener Klagen (geplündert, namentlich Gemälde) Amt bald niederlegen. Als Bonaparte das Konkordat mit Papst Pius VII. geschlossen hat, kehrt Fesch 1801 zum geistlichen Stand zurück, wird Domkanonikus zu Bastia, 1802 Erzbischof von Lyon, 1803 Kardinal und französischer Gesandter am päpstlichen Hof. 1804 begleitet er den Papst zur Krönung Napoleons I. nach Paris, vollzieht am Abend vor der Krönung die kirchliche Trauung Napoleons und Joséphines, wird Großalmosenier des Kaiserreichs, Graf und Senator und 1806 vom Fürsten-Primas Dalberg zum Koadjutor und Nachfolger gewählt. Er präsidiert 1810 zu Paris einem Konzil des französischen Klerus, spricht sich auf demselben so entschieden für den Papst und gegen dessen Behandlung durch Napoleon aus, dass er fortan zu Lyon in einer Art Verbannung leben muss. Bei Annäherung der Österreicher (1814) flieht er mit Schwester Lätitia nach Rom, wird nach Napoleons Rückkehr Pair von Frankreich, kehrte nach der Schlacht von Waterloo nach Rom zurück, lebt hier in völliger Zurückgezogenheit den Künsten und Wissenschaften.
Seine weltberühmte Gemäldesammlung, die mehr als 20.000 Bilder gezählt haben soll, wird nach Tod von F. nach und nach versteigert.


Festival du cinéma américain de Deauville [AW 171]
Festival des amerikanischen Films, jährlich seit 1975 in Deauville, dem US-amerikanischen Independentkino gewidmet. Seinen zunächst non-kompetitiven Charakter 1995 abgelegt: Einführung Preisverleihung durch Jury. Jeweils vom ersten Donnerstag im September eines Jahres bis zum Sonntag der folgenden Woche.


Feuerbach, Ludwig [LL 123]
siehe wiki


Feuerland [CS 219]

Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas, durch die Magellanstraße vom Festland getrennt. Hauptinsel Isla Grande de Tierra del Fuego. Der östliche, argentinische Teil etwa 127.000, der westliche, chilenische etwa 8.000 Einw.


Feuersee S-Bahn-Station [CS 243]

Feuersee in Stuttgart, Wasserreservoir. Am See die Johanneskirche, Turm im WK II beschädigt, die "Kirche ohne Spitze" gilt heute als Mahnmal gegen den Krieg






Fidler [AUS 257]
Hauptscharführer, von der "Zentralstelle" in Prag, zuständig für die Verschickung der Juden nach Theresienstadt, gefürchtet wegen seiner Rohheit, vgl. H. G. Adler, Theresienstadt: das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft S. 70


Filierungsmaschine [RS 339]
Filieren bedeutet, eine Filetarbeit herstellen, also einen Stoff, in dem durch die Filierungstechnik (mit quadratisch durchbrochenem Netzstoff) Muster erzeugt werden


filiform ... [AUS 39]
... , gras, soudain plus épais ou plus grand, puis de Véau mince, boiteux (fr) auf einmal, fett, plötzlich stärker oder größer, und Kalbfleisch dünn, lahm= siehe Simon


Fitzcarraldo [CS 233ff]
Film von Werner Herzog mit Klaus Kinski als Hauptdarsteller, 1982
Der exzentrische Abenteurer und Opernliebhaber Brian Sweeney Fitzgerald (Kinski), Fitzcarraldo genannt, träumt besessen davon, in Iquitos im peruanischen Dschungel ein Opernhaus nach dem Vorbild des brasilianischen Teatro Amazonas (Manaus) zu errichten und den Sänger Enrico Caruso zu engagieren. Um den Bau finanzieren zu können, kauft er alten Flussdampfer, mit dem er Kautschuk-Handel betreiben will. Der Fluss zwischen den gewinnbringenden Kautschuk-Feldern und dem Amazonas ist jedoch durch Stromschnellen unpassierbar, weshalb Fitzgerald auf die Idee kommt, über den benachbarten Fluss eine Stelle anzusteuern, an der nur ein kleiner, bewaldeter Bergrücken die Flüsse trennt. Hier will er das Schiff über den Berg ziehen, um es auf dem anderen Fluss oberhalb der Stromschnellen als Transportschiff zu benutzen. Dabei helfen ihm unerwartet brasilianische Ureinwohner, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Absichten der Indios sind lange unklar und schließlich sabotieren sie nach gelungener Überquerung des Bergs das Projekt, weil sie das für sie heilige Boot zur Besänftigung der Flussgeister durch die Stromschnellen treiben lassen.
(Fitzcarraldo existierte wirklich. Er schiffte vom Río Ucayali flussaufwärts in den Río Urubamba, dann in den Río Inuya und ließ dort sein Schiff in Teilen über den heute nach ihm benannten Isthmus tragen; für Oper interessierte er sich nicht. Caruso hat nie in Manaus gesungen.)


FitzGeralds [RS 7]
sehr reiche Familie, die ihren Wohlstand ihrem Land und ihren Häusern verdankt. John Purcell heiratet Mary FitzGerald und nimmt ihren Namen an, großer Gruindbesitz in Manchester. Bekanntestes Glied der Familie: Edward FitzGerald (vgl. . Ernest und Elsie Fitzgerald sind zu Ende des 2. Weltkriegs Ärzte.)


FitzGerald, Edward [NN 93] [RS 231ff, 247] [CS 190]

Edward Marlborough FitzGerald oder Fitzgerald (eigentlich Edward Purcell) * Bredfield House/Suffolk 1809 + Merton, Norfolk 1883
britischer Schriftsteller und Übersetzer. 1818 nahm sein Vater, John Purcell, Namen und Wappen der Familie seiner Frau an. Sie hatte kurz vor ihrer Hochzeit über eine halbe Million Pfund von einer Tante geerbt und 1818 hinterließ ihr Vater bei seinem Tod noch einmal wesentlich mehr. FitzGeralds waren eine der wohlhabendsten Familien Englands. Edward FitzGerald bemerkte, dass alle seine Verwandten verrückt wären, er selbst ebenfalls, er sei sich aber deren Tatsache wenigstens bewußt. Berühmt durch erste englischsprachige Übersetzung der Rubaiyats (Vierzeiler) von Omar Khayyam, die bedeutenden Einfluss auf die spätviktorianische und edwardianische Dichtung haben und zu allgemeinem Interesse an der persischen Literatur in Großbritannien beitragen
Nachdem seine Familie einige Jahre in Frankreich (St.Germain und Paris) verbringt, kehrt sie 1818 nach England zurück. Ab 1826 Trinity College Cambridge. Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Thackeray, dem Essayisten und Historiker Thomas Carlyle sowie dem Gelehrten William Hepworth Thompson. Viele seiner Freunde gehören dem Zirkel der Cambridge Apostles an, darunter auch Alfred Tennyson. 1880 Paris, danach Rückkehr. Familienvermögen erlaubte es ihm, sich dort ganz seinem Garten, der Musik und Literatur zu widmen.
siehe auch .
Sein bekanntestes Gedicht:
A Book of Verses underneath the Bough,
A Jug of Wine, a Loaf of Bread - and Thou
Beside me singing in the Wilderness -
Oh, Wilderness were Paradise enow!
Zitat engl. Wikipedia: Fitzgerald was a very eccentric individual. Among his peculiarities included being a vegetarian who loathed vegetables; having vowed to give up meat, and disdaining green vegetables, he lived on a diet of bread, butter, fruit and tea and he rarely drank alcohol. However, he was willing to adjust his eating when he was dining in society; if all others were eating meat, he would eat meat.
Of FitzGerald as a man practically nothing was known until, in 1889, W. Aldis Wright, his close friend and literary executor, published his Letters and Literary Remains in three volumes. These letters reveal that FitzGerald was a witty, picturesque and sympathetic letterwriter. One of the most unobtrusive authors who ever lived, FitzGerald has, nevertheless, by the force of his extraordinary individuality, gradually influenced the whole face of English belles-lettres, in particular as it was manifested between 1890 and 1900.
FitzGerald's emotional life was complex. He was extremely close to many of his friends; amongst them was William Browne, who was sixteen when he met Fitzgerald. Browne's tragically early death due to a horse riding accident was a major catastrophe for FitzGerald. Later, FitzGerald became similarly close to a fisherman named Joseph Fletcher. As he grew older, FitzGerald grew more and more disenchanted with Christianity, and finally gave up attending church entirely. This drew the attention of the local pastor, who decided to pay a visit to the self-absenting FitzGerald. Reportedly, FitzGerald informed the pastor that his decision to absent himself from church services was the fruit of long and hard meditation. When the pastor protested, FitzGerald showed him to the door, and explained that no further visits would be necessary.

Grab in Boulge


FitzGerald, Mary Frances [RS 233ff]

1779 - 1855 Tochter von John Fitzgerald und Mary FitzGerald. Verheiratet mit Lt.-Col. John Purcell dessen Namen sie annimmt


Fitz James, Comtesse [AW 134, 181]
fzr. Adelsgeschlecht, wohl Anspielung auf Comtesse Rosa de Fitz James, geborene Gutmann. Eine der zahlreichen Gastgeberinnen Marcel Prousts. Sie hatte ein Verzeichnis aller jüdischen Heiraten des europäischen Adels als Geheimwaffe in ihrem Schreibtisch. Die hinaufgeheiratete Rosa Gutmann aus Wien gilt zunächst im Adel nicht als akzeptabel, aus der Tatsache, dass ihr Mann, Comte Robert de Fitz James, sie nur betrügt, lässt man sich erweichen.
Das Unglück der schwermütigen Comtesse Rosa beschert dem Faubourg nur Kurzweil und bringt ihr den Namen "Rosa Malheur" ein (nach der Malerin Rosa Bonheur). "Sie wollte einen Salon haben", sagte Comte Aimery de La Rochefoucauld, "brachte es aber nur bis zu einem Eßzimmer." Painter schreibt: "Wenn sie anfing: ''In Wien, wo ich erzogen wurde'', unterbrach sie ihr Mann, der Comte de Fitz James: ''Sie wollen sagen: großgezogen.''"
Der eingeschränkten Wertschätzung für einen aristokratischen Salon, dessen Gastgeberin Jüdin ist, erliegt auch Proust, Sohn einer Jüdin, der in den neunziger Jahren seinen Aufstieg in die höchsten Kreise betreibt.


FitzMary, Simon [AUS 186 f.]
siehe


FitzOsberts [RS 41]
siehe


Fiume Grosso [Aufzeichnungen aus Korsika 142]

Fluss in Korsika



flammendes Herz Jesu [AW 54]


1673 erscheint der 26jährigen Nonne Magareta Maria Alacoque vom Orden der Heimsuchung des heiligen Franz von Sales vor dem Altar ihrer Klosterkirche in Paray-le-Monial das Herz Jesu auf einem Flammenthron, nach allen Seiten Strahlen sendend, mit der Lanzenwunde. Das Herz ist von einer Dornenkrone umgeben und auf ihm steht das Kreuz. Damit beginnt in der katholischen Welt die Herz-Jesu-Verehrung („Kardiolatrie”). Bildersprache des Kultes allgegenwärtig (Sacré-Cœur de Montmartre, Comic-Held Superman mit flammendem S, Scorseses Film, The Last Temptation of Christ). Hat in unzähligen Wohnungen von Katholiken seinen Platz.


Flaubert, Gustave [RS 16ff]
[Campo Santo 46, 216]
[Aufzeichnungen aus Korsika 145ff]



* Rouen 1821 † Croisset 1880 Schriftsteller
Vater Chirurg. Wuchs ohne Zuneigung auf (ungewolltes Kind). Gilt in der Familie als zurückgeblieben und dumm. Tagebucheintragungen von 1840 Korsische Reise siehe Film
Auf Drängen des Vaters Jurastudium, folgt gleichzeitig literarischen Neigungen. 1844 wegen Ausbruchs einer Nervenkrise Studium erfolglos abgebrochen. Reisen nach Korsika, Italien, Griechenland, dem Orient und Nordafrika. Lebt ab 1864 in selbstgewollter Isolation in Croisset (bei verwitweter Mutter). Hauptwerke: Madame Bovary , La Femme du monde, La Spirale, L'Education sentimentale, Trois Contes, Salammbô. Einer der besten Stilisten der französischen Literatur, Klassiker des Romans. Zusammen mit Stendhal und Balzac Dreigestirn der großen realistischen Erzähler Frankreichs.
Die Legende von Sant Julian dem Gastfreien ,
Ein schlichtes Herz


Fliegende Festung [RS 54]
Boeing B-17F „Flying Fortress“ der USAAF, (dt. Fliegende Festung) schwerer Bomber der Firma Boeing. Bekanntester Bomber der US-Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, bekannt dafür, trotz schwerer Schäden aus den Einsätzen zurückzukehren. Die vollständige Besatzung einer Flying Fortress zehn Personen, vier davon ausschließlich MG-Schützen.
Siehe


Floriani, Pietro Paolo [AUS 21]
* Macerata 1584 + Ferrara 1638 deutschstämmiger Militärarchitekt, wird - nachdem er in Spanien, Algerien, Oesterreich, Ungarn, Prag und Bratislava auch als als Offizier tätig war (Theatergebäude, Fortifikationen) - 1634 von Papst Urban VIII 1634 nach Malta gesandt, wo er am Bau der Festungsanlagen beteiligt ist (Um Valletta sowie Fort St. Elmo soweit als möglich aus dem Feuerbereich feindlicher Artillerie herauszuhalten, werden die Befestigungen im 17. Jahrhundert nochmals landeinwärts verschoben. Bau der Floriana Lines begonnen 1635, kritisch die enormen Kosten dieses Bauwerks, außerdem Besetzung der Befestigungen mit ausreichenden Truppen schwierig, was Fertigstellung immer wieder verzögert). Abenteuerliches Leben, vielseitig literarisch tätig.
Seine Diffesa et offesa delle piazze (ital. " Verteidigung und Angriff von Stadtplätzen") Standardwerk des 17. Jahrhunderts zum Festungsbau, reich illustriertes Fortifikationsbuch, 1. Marcerata 1630, 2. 1654 Venedig , 3.1725 London


Florianstor in Krakau [RS 133]



Flotow, Friedrich von [CS 236]
Flotow, Friedrich Adolf Ferdinand von, 1812 - 1883, deutscher Opernkomponist


Flucht nach Ägypten [CS 188]
in der holländischen Malerei:

Joachim Patinir: Flucht nach Ägypten


David Gerard: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten


Flügel des Altars [NN 7]
siehe Flügelaltar


Flügelaltar [NN 7]
auch Klappenaltar, in Mitteleuropa verbreitete Sonderform des Altaraufsatzes (Retabel), bei der der feststehende Altarschrein durch zwei (Triptychon), vier (Pentaptychon) oder mehrere (Polyptychon) bewegliche Flügel zu schließen ist. Je nach Motiven und der Art der Gestaltung (Gemalte Tafel oder Relief) an Werktagen, Sonn- oder Feiertagen wechselnde Ansichten, deshalb auch Wandelaltar. Am Altarschrein manchmal gemaltes Altarblatt montiert, meist geschnitzte Darstellungen (Schnitzaltar)


Flughafen Schiphol [RS 6]
siehe bei Schiphol


Fluhenstein, Burg [AW 58]
Ruine, am südlichen Ortsrand von Berghofen (Stadt Sonthofen ), Hang eines Höhenrückens. Die ehemals stattliche Burganlage befindet sich in desolaten Zustand, nur von außen zu besichtigtigen.




Fluoreszenzangiographie [AUS 55f.]
Sebald schreibt Fluoreszinangiographie (unbekannt - allenfalls Fluoreszienangiographie)
Gemeint wohl Fluoreszenzangiographie: bildgebendes Verfahren zur Diagnostik von Erkrankungen des Augenhintergrundes. Bei medikamentös erweiterter Pupille wird Anflutung und Verteilung eines geeigneten Farbstoffes, beispielsweise Fluorescein oder Indocyaningrün, dokumentiert, der Farbstoff ist Kontrastmittel.
Zunächst wird Netzhaut bei normaler Beleuchtung fotografiert (Farbaufnahme). Anschließend Aufnahme mit rotfreiem Licht mittels grünem Filterglas (verbesserter Kontrast der Blutgefäße zur umgebenden Netzhaut). Aufnahme wie die folgenden in Graustufen wiedergegeben. Nun beginnt die eigentliche Angiografiephase. Blitzlicht der Kamera beleuchtet durch speziellen (blauen) Exciterfilter vor allem in der Wellenlänge, die das Leuchtmittel zum Leuchten anregt. Zurückfallendes Licht passsiert zweiten Barrier-Filter, wodurch andere störende Wellenlängen als die des angeregten Leuchtmittels ausgeblendet werden. Vor Injektion des Farbstoffs Fluoreszenzaufnahme, um sogenannte Eigenfluoreszenz-Phänomene darzustellen. Danach Lösung intravenös injiziert und in festgelegten Zeitabständen weitere Aufnahmen.


Flurumgangs- und Fronleichnamsprozession [CS S. 224] [NN 76]
Das Fronleichnamsfest oder Fronleichnam („Leib des Herrn“; kirchenlat.: Corpus Domini), offiziell „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, Fest im katholischen Kirchenjahr im Mai oder Juni. Vielerorts Heilige Messe im Freien, etwa auf öffentlichen Plätzen. Es schließt sich in der Regel die Prozession an, bei der die Gläubigen die vom Priester getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten (konsekrierte Hostie) in einem Festzug unter Gesang zu mehreren geschmückten Außenaltären begleiten. Dort wird eine Statio mit Evangelienlesung, Fürbitten und abschließendem Eucharistischen Segen der Gläubigen und des Ortes gehalten. Die Prozession schließt meist in der Pfarrkirche mit dem „Te Deum“ und „Tantum Ergo“.


Foreign Office [AUS 206]
Außenministerium, Auswärtiges Amt


Forest Park [AUS 186]
Unbekannte Örtlichkeit


Foret de Bord [AUS 393]
Wald nahe der Seine-Mündung


Foucault, Michel [UH 37][CS 57]
1926 - 1984, frz. Philosoph des Poststrukturalismus, Psychologe, Historiker, Soziologe und Begründer der Diskursanalyse.
Foucault untersucht, wie Wissen entsteht und Geltung erlangt, wie Macht ausgeübt und Subjekte konstituiert und diszipliniert werden. Analysen richten sich auf die Geschichte der Gegenwart, Ethnologie unserer Kultur und die geschichtliche Entwicklung von Wahrheitsspielen. Konkret untersucht er die Geschichte des Begriffs Wahnsinn und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Praktiken, insbesondere des Ausschlusses; ferner den Begriff der Krankheit und die Entwicklung medizinischer Techniken, die Entstehung der Humanwissenschaften und ihrer Grundbegriffe, die Institutionen des Gefängnisses und der Bestrafungsverfahren und die Anheizung der Rede über Sexualität. Einer der ersten, der sich den in den 1960er-Jahren populären marxistischen Denkfiguren und Geschichtsphilosophien entzieht
Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft (Folie et déraison) erscheint 1961. Betrachtet die Art, wie das Konzept des Wahnsinns sich im Laufe der Geschichte verändert


fouragieren [NN 46]
(von frz. fourrage=das Viehfutter) in der Soldatensprache: Tier-, Pferde- Futter holen, die Truppe mit Lebensmitteln versorgen


Fourier, Charles [SG 256]
* Besançon 1722 † Paris 1837 französischer Gesellschaftstheoretiker, Vertreter des Frühsozialismus, scharfer Kritiker des frühen Kapitalismus.
Während der Französischen Revolution und der Herrschaft des Konvents verliert er gesamtes ererbtes Vermögen. Schlägt sich als Handlungsreisender, Kaufmannsgehilfe, Makler und Kassier durch. 1819 Grand traité (Große Abhandlung, 8 Bände).
Vater des Begriffs Feminismus, beschäftigt sich intensiv mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Forderung nach bedingungslosem Grundeinkommen. Antisemitische Hasstiraden.


Fraenger, Wilhelm [NN 8]
* Erlangen 1890 † Potsdam 1964
Kunsthistoriker, Volkskundler, Bibliothekar, Direktor der Schloßbibliothek Mannheim (durch die Nazis aus dem Dienst entfernt). 1945 bis 1947 als Bürgermeister Päwesin/Brandenburg, VHS-Rektor.
Zitate: Fraengers Buch ist durchdrungen von einer erstaunlichen Begabung des Sehens, und was Fraenger über das Physiognomische und das Körpergebaren Grünewaldscher Darstellungen sagt, gehört zum Besten in der Grünewald-Literatur. Meisterhafte Formulierungskraft steigert den Eindruck. Carl Zuckmayer: Fraenger zu zitieren, um seine Sprache zu veranschaulichen, wäre fast so müßig wie das Herausbrechen von einzelnen Steinchen aus der goldenen Aura in einem Ravenna-Mosaik.
Fraenger zum Lindenhardter Altar: Als Anführer der Prozession, der seine Lanze zu äußerst an die Rahmenschwelle pflanzt, ja sie mit seinem Schild sogar schon überschreitet, scheint er [der heilige Georg] uns aus der nächsten Nähe auf den Leib zu rücken. Auch war es dem voran schreitenden Ritter aufgegeben, mit seinem Blick die Zielrichtung des Marsches vorzuschreiben. Doch dazu fehlt dem blondlockigen Träumer jede Energie. Mit seinen schmalgeschnittenen Mädchenaugen weiß er uns noch viel minder als der Isenheimer Patriarch zu packen, da sie mit zwinkernder Zerstreutheit in das Leere schauen (vgl. den Beginn des "Elementargedichts"!).


Frankenhausen, Schlacht bei [NN 31]
15. Mai 1525 eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs, im Wesentlichen dessen letzte. Die Aufständischen unter Thomas Müntzer durch ein Fürstenheer vollständig besiegt. Ursache der Niederlage der Bauern nicht allein Unterlegenheit bezüglich Bewaffnung und Kampfausbildung gegenüber den Landsknechtsheeren der Fürsten, sondern auch Uneinigkeit der Führer der jeweiligen Bauernhaufen. Die Verhandlungstaktik der Fürsten im gesamten Bauernkrieg von 1524/25, die Einigkeit der Bauernheere zu spalten und diese "Haufen" dann nach und nach gewaltsam auszuschalten. Die Schlacht bei Frankenhausen bereits verloren bevor sie begann. Im Grunde Gemetzel, bei dem mehrere Tausend Bauern gemordet und Höfe geplündert. Thomas Müntzer in der Stadt aufgespürt, durch Phillip von Hessen an den Grafen Ernst von Mansfeld übergeben. Im Wasserschloss Heldrungen verhört, gefoltert und am 27. Mai 1525 im Feldlager der Fürsten bei Mühlhausen hingerichtet. Die am Frankenhäuser Bauernaufstand beteiligten Ortschaften mit sehr hohen Strafen und Schadenersatzforderungen des geistlichen und weltlichen Adels belegt, maßlos überzogen und tatsächlichen Schaden des Aufstandes um ein Vielfaches übersteigend.
Zur Erinnerung Bauernkriegspanorama bei Bad Frankenhausen mit Monumentalgemälde Werner Tübkes
Psychologisch-dialektische Analyse: Das Endzeitbewußtsein Müntzers (Nach der Natur 29f) verwechselt die materiell motivierte, revolutionäre Bewegung der Bauern mit der Visionswelt des eschatologischen Endkampfes. im Augenblick der Schlacht befinden sich die von ihm in einen Zustand von Angst und Heilserwartung versetzten Wehrhaufen in absoluter Verteidigungsunfähigkeit und werden vom Fürstenheer abgeschlachtet: 8000 tote Bauern an einem Tag. Die Münsterschen Wiedertäufer errichten ein Neues Jerusalem mit einem messianischen König an der Spitze, halten sich einige Monate gegen die Belagerung nur deswegen, weil das Neue Jerusalem Züge eines straff organisierten, wehrhaften Terrorsystems annimmt.


Frankfurter Auschwitzprozeß [CS 141f]
sechs Strafprozesse gegen Mitglieder der Lagermannschaft des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz vor dem Schwurgericht in Frankfurt am Main in den Jahren 1963–65 (1. Auschwitzprozess), 1965/66 (2. Auschwitzprozess) und 1967/68 (3. Auschwitzprozess) sowie drei Nachfolgeprozesse in den 1970er-Jahren.
Die bundesdeutsche Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die Justiz beginnt 1950 mit dem Gesetz Nr. 13 des Rats der Hohen Kommissare, welches die Einschränkungen in der Verfolgung von NS-Verbrechern durch die Bundesrepublik aufhebt. Zunächst werden nur Verbrechen verhandelt, die von Deutschen an Deutschen begangen wurden. Bis 1952 werden 5.678 Angeklagte rechtskräftig verurteilt. Danach nimmt die Anzahl der Verfahren von 44 im Jahre 1954 auf fast die Hälfte im Jahre 1956 ab.
1958 die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg gegründet, sie sammelt und sortiert einschlägige Unterlagen und stellt den Verbleib der Täter fest Darüber hinaus sammelt sie alle in ihren Verfahren gewonnenen Erkenntnisse in Form von Vernehmungsprotokollen und Dokumenten, um so bei folgenden Prozessen Doppelungen auszuschließen.
Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer – Sozialdemokrat und 1933 in Haft genommen – sowie der Präsident des Internationalen Auschwitzkomitees Hermann Langbein erreichen 1959 die Entscheidung, die Anklagen gegen Einzelpersonen in Frankfurt zusammenzuführen. Basuer ist während des Prozesses zwar nicht im Sitzungssaal aktiv beteiligt, aber als Chef der Anklagebehörde steuert er maßgeblich den Verlauf des Verfahrens. Die Suche ergibt insgesamt 24 Personen, die mit den Verbrechen, die im Lager Auschwitz begangen worden waren, in Verbindung gebracht werden.
1963 wird die Anklageschrift eingereicht.
Zum Austausch des vorsitzenden Richters noch vor Prozessbeginn, berichtete die Berliner Zeitung:
„Bei dem neu ernannten Vorsitzenden des für Ende Dezember geplanten Auschwitz-Prozesses in Frankfurt/Main handelt es sich um den ehemaligen Nazi-Kriegsgerichtsrat und jetzigen Landgerichtsdirektor Hans Hofmeyer. Das bestätigt die westdeutsche Wochenzeitung ,Die Tat’. Das Blatt erinnert daran, daß der ursprüngliche Vorsitzende, Senatspräsident Forester, sein Amt niederlegen mußte, weil er und seine Familie selbst zu dem Kreis der vom Nazi-Regime Verfolgten gehörten.“
Forts. siehe


Frankfurter Grisaille [NN 9]

Seitentafeln des Heller-Altars von Grünewald Hl.Laurentius, Hl. Cyriakus Standflügel des Heller-Altars 1509/11 Mischtechnik auf Tannenholz . Städel Frankfurt .Grünewald schuf die Tafeln als Standflügel für das Altarretabel, dessen Mitteltafel und Flügel der Frankfurter Kaufmann Jakob Heller 1507 bei Albrecht Dürer bestellt hatte. Es befand sich in der Frankfurter Dominikanerkirche und gehörte zur Grablege des Stifters. Dargestellt zwei Diakone: der Märtyrer Laurentius mit dem Rost, auf dem er den Feuertod starb, und Cyriakus, der durch einen Exorzismus eine besessene Prinzessin von ihrem Dämon befreit. Das ikonographische Gesamtprogramm mag auf die Gnadenwirkung eines Vermächtnisses zum Seelenheil im Krankheitsfall ausgerichtet gewesen sein. Die Bilder sind Meisterwerke der Grisaille-Malerei , die hier das Kunststück fertigbringt, die realistische Anmutung der Darstellung zwischen den Ebenen der Malerei, der Skulptur und der Natur umspringen zu lassen. Einerseits vermitteln die steinsichtige Farbgebung und die Sockelzonen mit Inschriften den Eindruck von Bildhauerwerken; andererseits versprühen die differenzierten haptischen Qualitäten der Textilien, der Haare und Pergamente sowie der naturalistisch wiedergegebenen Pflanzen im Hintergrund geheimnisvolles Leben.


Frankfurter Römer [RS 53]

Der Römer seit dem 15. Jahrhundert das Rathaus der Stadt Frankfurt am Main und mit seiner charakteristischen Treppengiebelfassade eines ihrer Wahrzeichen. Unter "Römer" wird schon seit Jahrhunderten der gesamte Rathauskomplex verstanden. (Name: Als die Verwaltung der Stadt im 14. Jahrhundert ein neues Domizil braucht, kauft der Rat am 11. März 1405 die beiden repräsentativen Bürgerhäuser mit den Namen Römer, warum das zentrale Gebäude so hieß, unbekannt; verschiedene, sich widersprechende Deutungen.)
Seit dem Mittelalter bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 Ort der meisten Kaiserwahlen bzw. Königswahlen und -krönungen, herausragendstes Gebäude der deutschen Geschichte.
Im Zweiten Weltkrieg zeichnet sich schnell ab, dass Frankfurt Ziel für Luftangriffe. Am 4. Oktober 1943 erster schwerer Angriff auf die Stadt, am Römer jedoch nur einige Dächer beschädigt, in der Nacht des 22. März 1944 Großangriff, praktisch die gesamte Altstadt zerstört, gewaltiger Feuersturm entfesselt, der noch über mehr als 100 Kilometer sichtbar. Rathauskomplex von vier schweren Sprengbomben direkt getroffen, zahllose Brandbomben entzünden die beschädigten Dächer. Der reine Steinbau Römer und Goldener Schwan brennen innerlich vollkommen aus. Aufgrund der fehlenden inneren Stabilität stürzt der Giebel des Hauses Römer bis auf Höhe der Fensterfront des Balkons ein.


Frankfurter Schule [LL 12]
Bezeichnung einer Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, die an die Theorien von Hegel, Marx und Freud anknüpft und deren Zentrum das 1924 in Frankfurt am Main eröffnete Institut für Sozialforschung ist. Vertreter der dort begründeten Kritischen Theorie.
Kern ist die ideologiekritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und historischen Bedingungen der Theoriebildung und eine damit vermittelte Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Der Zusammenhang ergibt sich aus dem Anspruch, die Totalität gesellschaftlicher Verhältnisse und die Notwendigkeit ihrer Veränderung theoretisch auf den Begriff zu bringen. Theorie wird im Verständnis der Frankfurter Schule als eine Form der Praxis begriffen. Hauptwerk das von Horkheimer und Theodor W. Adorno 1944 bis 1947 gemeinsam verfasste Buch Dialektik der Aufklärung, Philosophische Fragmente.
Max Horkheimer Direktor seit 1931, 1932 die Zeitschrift für Sozialforschung theoretisches Organ des Instituts. Institutsmitglieder Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Leo Löwenthal, Franz Neumann, Otto Kirchheimer und Friedrich Pollock, Walter Benjamin.
1933 durch die Nazis gewaltsam geschlossen, Hauptsitz 1933 Genf, dann USA.
Nach Rückkehr Adornos und Horkheimers an die Goethe-Universität (1950) gewinnt Frankfurter Schule für die 68er-Bewegung große Bedeutung und prägt Teile der deutschen akademischen Soziologie stark in Richtung der Kritischen Theorie.
Erfahrung des Nationalsozialismus und der Shoah für die theoretischen und empirischen Arbeiten der Kritischen Theorie prägend. Die Vertreter der Kritischen Theorie, allen voran Adorno, gehen den Fragen nach, welche Auswirkung eine solche Katastrophe auf das philosophische Denken, Gesellschaftskritik und die Rolle der Vernunft habe. Nach Horkheimers und Adornos Tod repräsentieren vor allem Jürgen Habermas (den zu habilitieren sie noch abgelehnt hatten) und Oskar Negt die Frankfurter Schule. Ihre Kritische Theorie wird in Abgrenzung zur Älteren Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers auch als Jüngere Kritische Theorie bezeichnet und weist deutliche Unterschiede zu ihr auf. Eine Sonderstellung nimmt hier Alfred Schmidt ein.
In der Frankfurter Schule undogmatische Marxisten, wertkritische Kapitalismuskritiker, die davon ausgehen, dass in der marxistischen Orthodoxie kommunistischer Parteien oft nur beschränkte Auswahl der Ideen von Karl Marx wiederholt werde und speziell die philosophischen Implikationen ignoriert werden. Vor dem historischen Hintergrund des Scheiterns der Revolutionen der Arbeiterbewegung nach dem Ersten Weltkrieg und des Aufstiegs des Nationalsozialismus in einer zivilisierten Nation beginnen Horkheimer und Adorno die marxschen Gedanken daraufhin zu untersuchen, inwiefern sie zur Analyse von sozialen Verhältnissen geeignet seien, wie sie zu Marx’ Lebzeiten noch nicht bestanden hatten. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Soziologie Max Webers und die Psychoanalyse Sigmund Freuds, wobei letztere als Mittler zwischen Basis und Überbau eintrat.
In den 1960er Jahren erhebt Jürgen Habermas die erkenntnistheoretische Diskussion in seiner Schrift Erkenntnis und Interesse auf eine neue Ebene. Er identifiziert kritisches Wissen als auf Prinzipien beruhend, die sich sowohl von denen der Naturwissenschaften als auch der klassischen Philologie durch ihre Orientierung an Selbstreflexion und Emanzipation unterscheiden. Damit gibt er den Versuch der alten Frankfurter Schule auf, diesen Momenten in der Vernunft überhaupt einen Ort zuzuweisen.
Die zweite Phase der kritischen Theorie der Frankfurter Schule kristallisiert sich in zwei Werken, die zu Klassikern des 20. Jahrhunderts werden: Die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno sowie die Minima Moralia Adornos. Beide Werke entstehen während des Exils der Autoren in den USA.


Frankfurter Städel [NN 9]
siehe Städel Frankfurt


Frankfurter Vorlesungen [CS 70]
Vorlesungsreihe an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main im Rahmen der Stiftungsgastdozentur Poetik seit dem Wintersemester 1959/60. Gründer und erster Stifter S. Fischer Verlag. Jedes Semester beschäftigt sich ein Autor in einer Vorlesungsreihe unter einem frei gewählten Titel mit den Fragen zur poetischen Produktion und ihren Bedingungen. Viele dieser Vorlesungen sind auch als Buch erschienen. 1964 Heinrich Böll (siehe ): Zur Ästhetik des Humanen in der Literatur


Franz Joseph I., Kaiser [UH 25]
von Österreich (1830 - 1916) von 1848 bis zu seinem Tod im 1916 Kaiser von Österreich, mit einer Regierungszeit von nahezu 68 Jahren übertrifft er jeden anderen Regenten. Hebt Verfassungszugeständnisse auf, regiert absolutistisch und zentralistisch. Die militärischen Niederlagen im Sardinischen Krieg (1859) und im Deutschen Krieg (1866) zwingen ihn zur Verständigung mit den Ungarn und zur Umwandlung des Reiches in konstitutionelle Monarchie. 1867 Doppelmonarchie Österreich-Ungarn als Realunion. Außenpolitisch wächst Gegensatz zu Russland in der Balkanfrage, während er sich immer enger an das Deutsche Kaiserreich anlehnt (Zweibund). Da sich Franz Joseph innenpolitisch föderalistischen Reformen verweigert, bleibt der sich stetig vergrößernde Nationalitätenkonflikt zentrale Problematik des Vielvölkerstaats. Anhaltende Spannungen auf dem Balkan münden 1914 in den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sein Tod Franz leitete - im Verein mit der militärischen Niederlage und den divergierenden nationalen Interessen der Völker - Untergang Österreich-Ungarns 1918 ein.


Franziskanerbrüder [Aufzeichnungen aus Korsika 143]
Franziskanische Orden sind verschiedene vornehmlich römisch-katholische Ordensgemeinschaften, die sich an der von Franziskus von Assisi für den von ihm gegründeten Bettelorden verfassten Ordensregel orientieren


Franziskanerkloster (bei Dunwich) [RS 203f]
Franciscans' Greyfriars priory Dunwich

Gemäß Domesday Book, der Volks- und Vermögenszählung der normannischen Eroberer von 1086, hat Dunwich ungefähr 3.000 Einwohner, acht Kirchen, eine Benediktinerabtei sowie zwei Klöster der Franziskaner und Dominikaner. Im 13. Jahrhundert mit 18 Kirchen und Klöstern nach Norwich die zweitgrößte Stadt in East Anglia. Während eines heftigen Sturms 1286 große Teile der Stadt ins Meer gespült und die Mündung des Dunwich River versandete teilweise. Gegen eine weitere heftige Sturmflut 1328 kämpfen die Einwohner vergebens, um den Hafen zu retten. Ein Viertel der Stadt Dunwich versinkt im Meer, in den folgenden Jahrhunderten fällt der Rest der Stadt der Küstenerosion zum Opfer. Nahezu alle Gebäude im Meer versunken, einschließlich aller acht Kirchen. Nur noch einige wenige Mauern eines Franziskanerklosters und eines Leprakrankenhauses stehen


Französisches Fenster [LW 28]
andere Bezeichnung für Fenstertür oder Türfenster: Zwischenform von Tür und Fenster, ein bis zwei große, bis zum Fußboden reichende Fensterflügel; führt meist auf Terrasse oder in Garten. In einem oberen Stockwerk Absturzsicherung in Form einer Brüstung oder eines Gitters. Berühmt: Matisses "Franz. Fenster in Nizza"



Franzos, Karl Emil [UH 12]
1848 - 1904 zu seiner Zeit sehr populärer österreichischer Schriftsteller und Publizist. Seine Erzählungen und Romane reflektieren die Welt des osteuropäischen Judentums und die Spannungen, denen er als Jude und Deutscher in Galizien und der Bukowina ausgesetzt war, siehe Wiki


Franz von Assisi [LW 14] [SG 79]
* Assisi/Italien ca. 1181 † ebda 1226 lebt streng nach dem Vorbild des Jesus von Nazaret (sogen. Imitatio Christi), gründet Orden der Minderen Brüder (Franziskaner) Mitbegründer des Frauenordens der Klarissen. Gedenktag 4. Oktober, vgl.


Freischütz-Ouvertüre [RS 214]
Ouvertüre zu der romantische Oper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber, op. 77 "Der Freischütz" von 1821, Musik siehe


French Park Estate [RS 261]

im County Roscommon, Irland. French Park Estate bis 1952 Stammsitz der Familie French, Earls de Freyne. 1953 an die irische Land Commission verkauft, Mitte der 1970er abgerissen.

French Park heute


Freud, Sigmund [CS 228]



Friaul [SG 61]

Das Friaul, Landschaft in Nordostitalien um die Stadt Udine, bildet den Großteil der Region Friaul-Julisch Venetien.
Sebald meint mit Zerstörung ("vor wenigen Monaten..."? die Reise spielt 1980!) die starken Erdbeben vom 6. Mai und 15. September 1976, die etwa 1.000 Todesopfer forderten. (Dom von Gemona erheblich beschädigt, der von Venzone vollständig zerstört)


Friedell, Egon [AW 86]
Schirftsteller


Friedhofsinsel von Venedig [SG 78]

seit dem 19. Jahrhundert auf der Klosterinsel S. Michele, die mit der Insel S. Christoforo zusammengelegt ist.


Friederich [CS 139]
Siehe Struwwelpeterbuch


Friedrich II (Preußen) [RS 338]
auch Friedrich der Große, Friedrich der Einzige oder der Alte Fritz
*Berlin 1712 † Potsddam 1786 König ab 1740, durch Siebenjährigen Krieg die europaweite Anerkennung Preußens als fünfte Großmacht in der „Pentarchie“ nach Österreich, Frankreich, Russland und Großbritannien. Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus (sich selbst als „ersten Diener des Staates“ bezeichnet)


Fries, Bernhard [LL 123]
1820 - 1879 deutscher Landschaftsmaler aus Heidelberg. Wichtigste Arbeit Zyklus von 40 italienischen Landschaften.


Frisches Haff [NN 40]
Teil (Haff) der Ostsee, westlich, südwestlich von Kaliningrad (früher Königsberg/Preußen), durch die Frische Nehrung, ca. 70 km lange und 2 km breite Halbinsel von der Danziger Bucht getrennt. Karte siehe bei Danziger Bucht


Fünfstadt [AW 213]
(griechisch Pentapolis), Begriff wird nicht für Gomorrha, Ruma, Sodom, Seadeh und Seboah gebraucht, sondern seit dem Zeitalter der Ptolemäer für die fünf bedeutendsten Städte im Lande der Philistäer/Philister in Palästina, nämlich Aschdod, Askalon, Akron oder Akkaron, heute: akir, Gath und Gaza (heute: ghazze), die von fünf Prinzen regiert wurden.
Evtl. auch Anspielung auf die Freimaurersymbolik, bei der die Zahl fünf eine bedeutende Rolle spielt


Full Gospel [LW 24]
Full Gospel-Bewegung, Ableger des Pentecostalism (Pfingsbewegung) im protestantischen Christentum. Besonderer Wert auf die Gaben des Heiligen Geistes gelegt: Wunderheilungen usw


Funiculaire [AUS 228]
frz. Seilbahn (auf den Petrínberg )


Furlan, Marco [SG 154ff]
siehe Gruppe Ludwig


Fußwaschung [RS 348]
siehe Gründonnnerstag



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