... mit welchen Fernweh ich ...
über meinen Atlas gebeugt gesessen bin...




Orte

T





Tenby [RS 239]




Terneuzen [AUS 45]




Terrezín [AUS 265ff]

siehe Theresienstadt


Theresienstadt [AUS 265ff., 331ff.]

tsch. Terezin. Im 18. Jahrhundert als Festung (berühmtesten Gefangenen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Attentäter von Sarajevo: Gavrilo Princip, Nedeljko Cabrinovic und Trifun „Trifko“ Grabež)
Konzentrationslager:


Tjumen [NN 67]



Trouville-sur-Mere [AW 175ff]

französisches Seebad mit ca. 5000 Einw. Département Calvados, Normandie, ca. 200 km im NW von Paris an der feinsandigen Ärmelkanalküste.
Im Gegensatz zu Deauville, einem Ort in unmittelbarer Nachbarschaft am anderen Ufer der Touques und 1859 vom Architekten Brunet auf dem Reißbrett entworfen, ein historisch gewachsener Fischerhafen. Während Deauville mit Regatten und Pferderennen schon früh Urlauber anlockt (Eisenbahnverbindung nach Paris), lenkt Trouville erst die Aufmerksamkeit der Städter auf sich, als Eugène Cornuché im ausgehenden 19. Jahrhundert dort Spielcasino eröffnet. Sukzessive immer beliebter, wovon zahlreiche Prachtbauten der Jahrhundertwende zeugen. Für Touristen aus England Pier (heute nicht mehr vorhanden), der die Passagiere der Fähren aus Le Havre aufnahm. Bekanntes Hotel am Pier waren die Roches Noires , in denen später auch die Schriftstellerin Marguerite Duras eine Wohnung besaß.
In der Villa Montebello das Musée de Trouville mit stadthistorischen und kunstgeschichtlichen Exponaten.


Tulle[CS 241]

Stadt in Zentralfrankreich, Präfektur des Départements Corrèze mit ca. 15.000 Einw. Bekannt durch Tüllspitze, die hier zuerst produziert wurde, Akkordeonfabrikation, Waffenherstellung. Am Zusammenfluß von Corrèze und Solana in engem Tal, gekrönt von sieben Hügeln

Während des Zweiten Weltkrieges begeht die 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" unter Heinz Lammerding im Juni 1944 an zivilen Opfern Geiselmorde in der Stadt sowie weitere im Umfeld.
Anlass für das Massaker der Deutschen ist ein Angriff der Resistance auf die besetzte Stadt Tulle am 8. Juni 1944. Den Widerstandskämpfern gelingt es, die 16.000 Einwohner zählende Stadt vorübergehend zu befreien und 60 Gefangene zu machen, 30 verwundete deutsche Soldaten werden im dortigen Krankenhaus behandelt.
Am darauffolgenden Tag trifft die SS-Division "Das Reich" in Tulle ein. „Spezialkräfte aus dem Osten“, die bereits Erfahrungen bei „Säuberungsaktionen“ gesammelt haben (so genannte Einsatzkommandos aus SS, Wehrmacht und Sicherheitsdienst töteten in Osteuropa über eine Millionen Menschen).
Die Resistance zieht sich nach dem Eintreffen der SS mit ihren Gefangenen zurück. Die SS treibt 4.000 Männer in Tulle zusammen, SS und SD sortieren willkürlich 120 Männer aus, die gehängt werden sollen, was noch am selben Tag gemaß Beschluss von Wehrmacht, SS und SD geschieht.
Schwerbewaffnete SS-Männer in Tarnanzügen riegeln den Markt und die angrenzenden Strassen ab. Hunderte Einwohner des Städtchens sind gezwungen, Zeuge des Schauspiels zu werden. Sie müssen zusehen, wie die Henker fachmännisch Stricke zu Schlingen knüpfen und sie an Laternenpfählen, Balkongittern, Bäumen und Telefonmasten befestigen. Unterhalb der Stricke stellen die SS-Männer Hocker und Stühle auf, die sie aus den umliegenden Häusern holen. Väter werden Zeuge, wie man ihre gefesselten Söhne zum Galgen treibt. Auf ein Zeichen des Kommandierenden führen die Soldaten jeweils zehn der Opfer aus der Munitionsfabrik zu und zwingen sie, auf die Stühle zu steigen, legen ihnen die Schlingen um den Hals und treten die Stühle beiseite. Während die Opfer in den Tod stürzen, sorgt eine SS-Meute vor der "Tivoli"-Bar für Jahrmarktstimmung. Aus einem Grammophon kreischen Schlagermelodien, die die Schrei der Opfer übertönen. Ab und an schallt auch das alberne, widerwärtige Lachen der deutschen Dolmetscherin von der Munitionsfabrik über den Platz. 99 Franzosen sterben an jenem Nachmittag an den Galgen der 2. SS-Panzerdivision "Das Reich". Der jüngste unter ihnen ist der siebzehnjährige Lehrling Viellefond, der älteste der 45jährige Fahrradhändler Maury. Die Mörder lassen sich nach getaner Arbeit mit den erhängten Opfern fotografieren.


Mehr als 100 Bürger der Stadt werden in das KZ Dachau verschleppt, von wo sie nie zurückkehren.
Die Leichen verscharrt man in einem Massengrab auf einer Müllhalde.
SS-Führer Heinz Bernhard Lammerding hat bereits im Vorfeld seines Frankreich-Einsatzes seine neue Strategie ausgegeben. Bis zum 15. Juni sollen 5.000 Menschen festgenommen werden. Ab sofort gilt: Für jeden verwundeten Deutschen werden drei, für jeden toten Deutschen zehn Franzosen umgebracht. Als Hinrichtungsmethode führt er Erhängen anstelle des Erschießens ein. Das Ziel: Willkürlichen Terror unter der Zivilbevölkerung verbreiten und so die Unterstützung für den Widerstand schwächen.
Einen Tag nach den Erhängungen von Tulle wird mit ebendiesem Ziel auch der Ort Oradour von der SS-Division "Das Reich" überfallen und dem Erdboden gleich gemacht, fast alle Einwohner ermordet: 642 Tote.
Lammerding
wird 1951 in Bordeaux in Abwesenheit zum Tode verurteilt, Deutschland liefert nicht aus, er stirbt unbehelligt 1971 im Alter von 66 Jahren in Bad Tölz.
Historiker machen dafür vor allem die deutsche Justiz verantwortlich, „ein Berufsstand, der sich nach dem Krieg selbst amnestiert hat“. Bei der Aufklärung deutscher Kriegsverbrechen habe sie sich „als biegsames Rohr im Wind erwiesen“.
Bemerkenswert:
Eine Zeitung schreibt 1965, dass Lammerding wegen zahlreicher Geiselmorde in Frankreich zum Tode (in Abwesenheit) verurteilt wurde. Lammerding reicht Beleidigungs- und Widerrufsklageklage ein. Er will durch Urteil bestätigt sehen, dass er nicht wegen Geiselmords, sondern "nur" wegen der Hinrichtung von Partisanen verurteilt worden ist.
Die 10. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts eröffnet das Verfahren. Der Vorsitzende erklärt:
"Es ist nicht daran zu rütteln, dass damals ein ruchloser, jedem Recht und Gesetz Hohn sprechender Massenmord vollführt wurde." Der Prozess wird vertagt. Das Urteil vom 18. Januar 1966 lautet: Die Zeitung muss ihre Feststellung nicht widerrufen, der Ausdruck "Geiselmord" sei nicht zu beanstanden.






zum ABC


zurück


AUS: Austerlitz
AW: Die Ausgewanderten
BU: Beschreibung des Unglücks
CS: Campo Santo
LL: Logis in einem Landhaus
LK: Luftkrieg und Literatur
LW: Über das Land und das Wasser
NN: Nach der Natur
RS: Die Ringe des Saturn
SG: Schwindel.Gefühle
UH: Unheimliche Heimat