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Joyce Ulysses



  1. Kap. Telemachos 1. bis 9. Januar
  2. Kap. Nestor 10. bis 18. Januar
  3. Kap. Proteus 19. bis 25. Januar
  4. Kap. Kalypso 26. Januar bis 3. Februar
  5. Kap. Lotophagen 4.bis 12. Februar
  6. Kap. Hades 13. bis 24. Februar
  7. Kap. Aiaolos 25. Februar bis 8. März
  8. Kap. Laistrygonen 9. bis 22. März
  9. Kap. Skylla und Charybdis 23. bis 29. März
  10. Kap. Irrfelsen 30. März bis 13. April
  11. Kap. Sirenen 14. bis 28. April
  12. Kap. Kyklop 29. April bis 26. Juni
  13. Kap. Nausikaa 27. Juni bis 18. August
  14. Kap. Die Rinder des Sonnengottes 19. August bis 10. September
  15. Kap. Kirke 11. September bis 13. November
  16. Kap. Eumaios 14. bis 25. November
  17. Kap. Ithaka 26. November bis 12. Dezember
  18. Kap. Penelope 13. bis 31. Dezember





Die Seitenangaben beziehen sich auf die
Taschenbuchausgabe im Suhrkampverlag


Tonaufnahmen

Anstelle einer Lesung nutzt Klaus Buhlert den Resonanzraum des Radios, das Hörspiel, mit krächzenden Möwen, Glockengeläut, leiernden Drehorgeln. Wer wollte behaupten, dass der „Ulysses“ ein puristisches Sprachkunstwerk ist. „Seine Lippen belippten, bemundeten fleischlose Lippen aus Luft.“ Der Erzähler Manfred Zapatka schmeckt die Labiallaute ab. Buhlerts Schauspieler, darunter wahre Sprachartisten, lassen den Roman atmen.

Der „Ulysses“, in all seinen Facetten, ob als innerer Monolog oder Drama, ist ein musikalisches Ereignis, wenn Wolfram Koch und Milan Peschel den Jargon der Straße hineinrufen in den Gang der Handlung. Wenn Jens Harzer sich von einem inneren Monolog traumverloren treiben lässt. Wenn der Besuch in der grellen Ormand Bar, Ouvertüre zum Sirenengesangkapitel, zur rotzigen Kunstliedtravestie wird. Wenn Jaqueline Macaulay, honigsüß oder heiser, mal Hexe ist, mal Hure.

In der Hörspielproduktion entpuppt sich dieser Großstadtroman als eine grandiose Verdichtung von Stimmen. Corinna Harfouch ist als Erzählerin die Strippenzieherin einer allwissenden List und Intrige, Jürgen Holtz personifiziert als allwissender Erzähler genervte Ungeduld. Anna Thalbach ist eine gute Fee der Anzüglichkeit, sie alle verleihen dem, was schriftlich vorliegt auf rund tausend Seiten, und das ist das ganze Geheimnis dieser grandiosen Produktion, die Illusion spontaner Mündlichkeit.

170 Produktionstage durften beim SWR aufgewendet werden. Das Ergebnis besteht darin, dass sich 22 Stunden Laufzeit beinahe mit 24 Stunden Lebenszeit decken. Damit ist der Roman nicht Wort für Wort wiedergeben, aber an der Jahrhundertübersetzung Hans Wollschlägers entlang, also auch mittelhochdeutsch. Da singt dann ein Countertenor, während ein Leierklang Töne anschwellen lässt, als sollte ein Lebensfaden abgespult werden, altenglische Verse von der Geburt, hopsa, eines Jungen.

Thomas Thieme dagegen ruft eine Erinnerung auf, da macht auch Josef Bierbichler mit, und aus dem Resonanzraum der Thiemestimme und der Bierbichlerstimme wird ein sagenhaft voluminöser Echoraum.

Im vorletzten Kapitel, Ithaka, torkeln Bloom und Dedalus zurück nach Hause. Die Rückkehr als Heimkehr lässt Dietmar Bärs Leopold Bloom zum Sachwalter schlichter Objektivität werden, zum durch und durch durchschnittlichen Vertreter der Menschenart. So verrichtet es auch Bärs Stimme. In seinem Schlepptau, im Sog des Gedankenstroms: Jens Harzer als Schriftsteller; er ist ein zarter Nachdenker. Dann, nachdem Bloom, vom Schlaf übermannt, vom Mutterschoß träumt, nachdem Bloom dahinschlummert, murmelnd von „Sinbad dem Seefahrer und Tindbad dem Teefahrer und Findbad dem Feefahrer“, heißt es noch einmal, und zwar ganz entschieden: „Ja“.

Traumverlorene Braut, Frustobjekt und kalkulierende Nymphe ist Birgit Minichmayrs Molly. Von ganzem Herzen lässt sich ihre Molly treiben, scheulos und ein wenig heiser, von einem der immer mächtiger anschwellenden Bewusstseinsströme der Literatur, ja. Geil ist Mollys Geist und ihr Fleisch hellwach. Beides hört man ihr an.

Sprecher und Mitwirkende:





Wer umfassende und tiefstschürfende Kommentierung zu Ulysses sucht, dem sei dies tolle Buch empfohlen: