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1. März

Mozart KV 173d/345 (336a) Thamos, König in Ägypten
Chöre und Zwischenakte

Odyssee 4, 561 - 592

Telemach in Sparta bei König Menelaos und seiner Frau Helena


Proteus, der göttliche Greis und höllische Gott, weissagte dem Menelaos, wie dieser erzählt, weiter, die Götter würden ihn in die elysische Flur leiten, wo Rhadamanthys wohnt, dann tauchte Proteus ab ins Meer. Er, Menalaos fuhr weiter, den Nil hinauf, errichtete ein Grabmal für Agamemnon, und dann brachten günstige Winde sie in die Heimat.
Menelaos lädt Telemach ein, doch noch elf oder zwölf Tage zu bleiben.

Menalaos ist in Ägypten unterwegs und Philipp Freiherr von Gebler, der herrschenden Äyptenmode verpflichtet und von Terrassons Heldenroman 'Séthos' stark beeinflusst, schreibt das Stück Thamos, König in Ägypten 1773 in Dresden als Krönung seines Werkes; er beauftragt ursprünglich J. T. Sattler, dann Mozart mit der Vertonung der zwei Chorszenen.

Die Bühnenmusik verwendet Mozart später übrigens noch zwei Mal:
Amadé lässt Anfangs- und Schlusschor mit lateinischen Texten versehen, die heroischen Musiken werden Kirchenmusik (Splendente te, Deus und Ne pulvis et cinis (Anh. 121 und 122)) - Anfang des 19. Jahrhunderts in diesem Gebrauch erfolgreicher als alle eigentlichen kirchlichen Musikwerke Mozarts! Später beeinflusst das Stück Geblers auch noch mehrfach die Zauberflöte ...
Und noch später Beehoven in seiner 9. Sinfonie ...

KV 345 (336a): 1. Chor "Schon weichet dir, Sonne"



KV 345 (336a): 2. Nach dem Ersten Act Maestoso



Mozart - Thamos, König in Ägypten, K 336a/345: II Act I Zwischenspiel



KV 345 (336a): 6. Chor "Gottheit, Gottheit, über alle"



1. Chor
PRIESTER, JUNGFRAUEN
Schon weichet dir, Sonne, des Lichtes Feindin, die Nacht!
Schon wird von Ägypten dir neues Opfer gebracht:
Erhöre die Wünsche! dein ewig dauernder Lauf
Führ' heitere Tage zu Thamos' Völkern herauf!

PRIESTER
Der munteren Jugend
Gib Lenksamkeit, Tugend,
Den Männern Mut!
Nach tapfern Taten
Weisheit zum Raten,
Allen gib Vaterlandsblut!

PRIESTER, JUNGFRAUEN
Erhöre die Wünsche! dein ewig dauernder Lauf
Führ' heitere Tage zu Thamos' Völkern herauf!

JUNGFRAUEN
Ägyptens Töchter
Sei'n ihrer Geschlechter,
Der Gatten Zier!
Vergnügt, im stillen Pflicht
zu erfüllen,
Blühend und jahrvoll wie wir!

PRIESTER
Gekrönt vom Siege,
Schreck' Thamos im Kriege
Der Feinde Reich!

JUNGFRAUEN
Führ' uns durch Triebe,
Sorge und Liebe,
König und Vater zugleich!

Nr. 6 Chor
PRIESTER, JUNGFRAUEN
Gottheit, Gottheit über alle mächtig!
Immer neu und immer prächtig!
Dich verehrt Ägyptens Reich.
Steigend, ohne je zu fallen,
Sei's das erste Reich aus allen,
Nur ihm selbst an Größe gleich!

PRIESTER
Von des Mittags heißem Sande
Bis zum fernen Meeresstrande
Wölkt sich Opferrauch empor.
Früh schon tönen unsre Lieder,
Hymnen bringt der Abend wieder,
Nie verstummet unser Chor.

JUNGFRAUEN
Wie in weiter Tempel Hallen
Unter der Trompeten Schallen
Sanfter Flöten Zauberklang:
So mengt sich, Osiris' Söhne!
Unser Lied in eure Töne,
Sonne! dir ein Lobgesang.

EIN PRIESTER
Was der Mund des Fürsten schwöret,

EINE JUNGFRAU
Was von seinem Volk er höret,

BEIDE
Sei zu beider Wohl der Grund!

EIN PRIESTER
Er uns hold,

EINE JUNGFRAU
Treu wir dem Throne;

EIN PRIESTER
Vatersorgen,

EINE JUNGFRAU
Lieb' zum Lohne,

BEIDE
Ist der wechselvolle Bund.

PRIESTER, JUNGFRAUEN
Gottheit, über alle mächtig!
Immer neu und immer prächtig!
Dich verehrt Ägyptens Reich.
Steigend, ohne je zu fallen,
Sei's das erste Reich aus allen,
Nur ihm selbst an Größe gleich!



2. März

Mozart KV 176 16 Menuette

Odyssee 4, 593 - 624

Telemach in Sparta


Telemach bittet Menelaos, ihn wieder ziehen zu lassen. Er solle ihm auch keine Rosse zum Geschenk machen, nach Ithaka könne er sie ohnehin nicht mitnehmen. Ithaka sei eine unfruchtbare und kleine Insel, nur Ziegen könnten sich dort halten.
Stattdessen schenkt ihm Menelaos einen Mischkrug aus geläutertem Silber, den er selbst einst von König Phädimos von Sidonien als Gastgeschenk erhalten hat. Dann wird das Abendessen serviert.

Zu dem Bankett bei Menelaos und Helena in Sparta spielt Amadé auf. Er ist selbst begeisterter Tänzer, schreibt sein ganzes Leben lang immer wieder Menuette sowie Deutsche, Ländlerische und Kontretänze für den Ballsaal. KV 176 komponiert er für die Hofkapelle des Grafen Czernin. Besonders auffällig ist bei dieser Menuettfolge die phantasievolle Instrumentierung, in der das Fagott aus seiner gewohnten Rolle als Bassinstrument heraustritt und sich zu einem eindrucksvollen Melodieninstrument emanzipiert.

KV 176





3. März

Mozart KV 179 (189 a) Zwölf Variationen für Klavier

Odyssee 4, 625 - 656


In Ithaka vor dem Palast des Odysseus vertreiben sich die Freier mit Scheiben- und Lanzenwurf weiter die Zeit. Antinoos und Eurymachos, die Anführer der Freier, sitzen dabei.
Da kommt Noemon und fragt, wann denn Telemach zurückkomme aus Pylos. Er habe ihm sein Schiff geliehen, das er jetzt selbst brauche, um eine Stute von Elis zu holen. Die Freier sind perplex, sie wähnen Telemach irgendwo auf dem Felde bei seinem Vieh.
Antinoos will wissen, wann Telemach und ob er allein fuhr, ob er bei der Bootsübergabe Gewalt angewendet habe.
Nein, so Noemon, er habe das Boot selbstverständlich freiwillg Mentor überlassen, der ihn für Telemach darum gebeten hatte. Was ihn aber wundere: er habe Mentor gestern des Öfteren gesehen, obwohl dieser doch mit Telemach gesegelt sei.

Wie Telemachs Aktionen gegen die Freier sich ändern, so wächst die Kompositionskunst Mozarts. Die Variationen sind adäquate Begleitung für Freier und Residenzen ...
Die 1774 komponierte Variationenfolge in C-Dur über ein Menuett des Oboenvirtuosen J. C. Fischer, den Mozart während seiner Holland-Reise 1766 kennen gelernt hat, ist bedeutend umfangreicher und kunstvoller ausgeführt als die vorhergehenden Klaviervariationen. Deutlich spürbar ist der Einfluss von Amadés Vorbild Joseph Haydn. Das schlichte Thema ändert Mozart vielfach auf interessante Weise: Die zweite Variation legt er kontrapunktisch an, in der neunten Variation überrascht er uns durch das wiederholte sprunghafte Versetzen der Melodie um drei Oktaven.

KV 179





4. März

Mozart KV 181 (162b) Sinfonie Nr. 23 D-Dur

Odyssee 4, 657 - 702


Antinoos und Eurymachos, die Anführer der Freierbande in Ithaka, sind ergrimmt über Telemachs heimliche Abreise. Antinoos schwillt die Seele vor schwarzer Galle, er tobt: "Auf, gebt mir ein Schiff, dass ich ihm auflauern kann im Sund zwischen Ithaka und Samos, wenn er zurückkehrt!"
Herold Medon hat gelauscht, er warnt Penelope.

Die Ecksätze der Sinfonie Nr. 23 von 1773, in Salzburg geschrieben, dienen Amadé vor allem der Demonstration verschiedener Klangeffekte wie Tonleiter, dynamischer Kontrast, Synkope und Fanfarenstöße. Der Mittelsatz wieder ganz Mozart, dessen Melodien wie immer verzaubern, es erklingt ein kantables sizilianoartiges Oboensolo.
Hören wir nicht Göttin Athene im Himmel frohlocken, dass sich alles zum Besten wenden wird?

KV 181





5. März

Mozart KV 182 (173d A) Sinfonie Nr. 24 B-Dur

Odyssee 4, 703 - 734


Penelope, voller Entsetzen über den Plan der Freier, die Telemach auflauern wollen, fragt Medon, warum ihr Sohn losgesegelt sei. Penelope macht ihren Dienerinnen bittere Vorwürfe, dass keine sie geweckt habe, sie hätte Telemachs Abfahrt zu verhindern gewusst.

Ein ähnlicher Konflikt wie zwischen Penelope und ihrem Gesinde herrscht in Klang und Ausdruck der 1773 entstandenen Sinfonie Nr. 24 unter den mit Oboen besetzten Ecksätzen und dem Mittelsatz. Dieser gleicht einem stilvollen Ständchen: über den gedämpften Violinen erklingen nicht mehr Oboen, sondern ein Flötenpaar. Penelopes Erregung tönt aus dem dritten Satz deutlich hervor ...

KV 182





6. März

Mozart KV 183 (KV 173 d B) Sinfonie Nr. 25 g-Moll

Odyssee 4, 735 - 758


Penelope schickt, um Telemach zu retten, nach Laertes. Da gesteht ihr Eurykleia alles und rät ihr, zu Athene zu beten.

Wie Telemach - zum Entsetzen seiner Mutter - , so geht Amadé ebenfalls neue Wege. Die g-Moll-Sinfonie Nr. 25 hat nichts mit der berühmten Sinfonie KV 550 zu tun, es ist die "kleine" g-Moll des 17jährigen von 1773. Wieder einmal eine Überraschung: Viersätzig unterscheidet sie sich von der Reihe vorangegangener dreisätziger italienischer Ouvertüren-Sinfonien. Die Synkopen und Tremoloeffekte im Kopfssatz erzeugen den neuartigen, vorwärtsdrängenden Charakter; das Menuett ist - fernab höfischer Tanzstilisierung - dramatisiert, die Ecksätze sind durch rhythmische und motivische Verwandtschaft verknüpft.
Penelope Mozart übrigens und ihr Sohn James Gaspard tauchen 30 Jahre später wieder in Vendig auf ...

KV 183





7. März

Mozart KV 184 (161 a) Sinfonie Nr. 26 Es-Dur

Odyssee 4, 759 - 786


Penelope betet zu Göttin Athene für ihren Sohn Telemach. Die Freier führen übermütige Reden und lärmen im schattigen Saale. Antinoos warnt vor allzu großem Übermut, lässt ein Schiff im Hafen startklar machen, seine Männer und er besteigen das Schiff und warten auf die Nacht ...

Wie Telemach oder Antinoos ist auch Mozart noch auf der Suche. Die Sinfonie Es-Dur ist anfangs als Ouvertüre zu einem Bühnenwerk konzipiert - die Besetzung mit einem Flöten- und Oboenpaar sieht Amadé immer nur für Theatermusiken vor.
Viele musikalische Ideen dieser 1773 entstandenen Sinfonie Nr. 26 verwendet Mozart in späteren Es-Dur-Werken erneut, wie etwa im Hornkonzert KV 495.

KV 184





8. März

Mozart KV 185 (167a) Serenade für Orchester Nr. 3 D-Dur "Antretter-Serenade"

Odyssee 4, 787 - 841


Penelope schläft auf dem Söller ein und hat einen tröstenden Traum, von Athene beschert:
Ihre Schwester Iphtime besucht und beruhtigt sie. Göttin Athene selbst wache über ihren Sohn Telemach. Als Penelope von dem Traumbild erfahren will, ob Odysseus noch lebe und wenn ja, wo er sei, erhält sie keine Antwort, wie der Schmetterling Hamadryas joannae entschwindet Iphtime ...

Hamadryas iphtime joannae

Und wie oft Schmetterlinge durch Träume fliegen, so erkennt man das Erwachen des Bewusstseins, den Übergang vom präoperativen zum operativen Denken in der kognitiven Evolution an mehreren Stellen in Ilias und Odyssee bei Homers Traumschilderungen.

In der siebensätzigen Serenade KV 185 für zwei Flöten oder zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Trompeten, zwei Violinen und Streicher, komponiert in Wien 1773 für Familie Antretter in Salzburg, lässt Amadé seine Schmetterlinge schweben. Die Ecksätze gestaltet er als Sonatensätze in festlichem Duktus, den zweiten und dritten Satz als Violinkonzert.

Antretter-Haus

1765 erwerben Kanzler der Salzburger Landschaft und Hofkriegsrat Johann Ernst von Antretter und seine Frau Maria Anna am Mozartplatz 4 in Salzburg das ehemalige Stadtpalais derer von Rehlingen, ein Haus mit zwei Höfen und einem reich gegliederten Korbbogenportal, heute Sitz mehrerer Anwaltskanzleien und des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Salzburg. Die Beziehungen der Familie Antretter zu den Mozarts sind eng und vielfältig: Sohn Cajetan Antretter ist wie Wolfgang Amadeus Mozart Mitglied der Bölzlschützenkompanie, die Tochter ist Schülerin von Amadés Schwester Nannerl.

KV 185





9. März

Mozart KV 166 (159d) Divertimento Nr. 3 Es-Dur
Mozart KV 186 (159b) Divertimento Nr. 4 B-Dur

Odyssee 4, 842 - Ende


Im Sund zwischen Samos und Ithaka, auf der kleinen Insel Asteris im dortigen Doppelhafen verbergen sich die Freier, um Telemach aufzulauern und zu ermorden.



Arkoudi: Privatbesitz eines südafrikanischen Konsortiums

1773 komponiert Amadé im Auftrag eines Mailänder Gönners zwei Divertimenti: KV 166 und 186 für zehn Bläser. Die fünfsätzige Form ist insofern ungewöhnlich, als zwischen den schnellen Ecksätzen zunächst ein Menuett und darauf zwei langsame Sätze folgen. Mozart verwendet im Schlusssatz KV 186 und im 4. Satz von KV 166 Skizzen einer Ballettmusik Josef Starzers. Der dritte Satz von KV 166 stammt in der Substanz nicht von Amadé, sondern ist Mittelsatz einer dreisätzigen Symphonie des italienischen Komponisten Giovanni Paisiello (1740-1816). Vorgängen dieser Art widmen wir heute (zumal nach dem Sturz eines hochadeligen Politikers vom Gipfel einer alle Konkurrenten in den Schatten stellenden Popularität in den Abgrund des Hochstaplers und Plagiateurs) besondere Aufmerksamkeit - zuweilen nicht ohne Stirnrunzeln, weil Plagiat strafbarer Diebstahl geistigen Eigentums ist.

In Mozarts Frühzeit ist die Vorstellung vom Werk als unverwechselbar geistiger Originalgestalt nicht ausgebildet. Das Verhältnis zur Schöpfung eines anderen bestimmt nicht ehrfürchtige Distanz, sondern normale Umgangsart. Bach, Händel und Telemann haben nicht nur eigene Werke für neue Zweckbestimmungen wiederverwertet, sondern auch Themen oder ganze Teile aus Kompositionen anderer Komponisten in ihre eigenen Werke übernommen und verarbeitet, nicht im entferntesten auf den Gedanken kommend, etwas Unrechtes zu tun. Diese Unbekümmertheit im Umgang mit fremden Musikstücken bot eben auch die Chance, sich mit Werken anderer Komponisten kreativ auseinanderzusetzen, eine Möglichkeit, die das moderne Urheberrecht der Musik nahezu vollständig unterbindet.

KV 166



KV 186





10. März

Mozart KV 188 (240 b) Divertimento für Bläser Nr. 6 C-Dur

Odyssee 5, 1 - 27


Wieder beraten im Himmel die Götter.
Athene berichtet von Odysseus' Gefangenschaft bei Kalypso und vom Mordplan der Freier gegen seinen Sohn Telemach.
Gott Zeus befiehlt Athene, Telemach zu beschützen, die Freier sollen unverrichteter Dinge zurückfahren müssen.


Zeus
Maria Teresia - Colloredo - Leopold Mozart

Die Trompetenstöße Mozarts könnten im Himmelsparlament beim Götterrat auf dem Olymp ertönt sein.
Das Divertimento KV 188 von 1773 hat eine Sonderstellung. Durch seine ungewöhnliche Besetzung mit zwei Flöten, fünf Trompeten und vier Pauken entsteht der klangliche Reiz des Werkes, wozu auch maßgeblich Amadés vielfältige, mitunter tonmalerische Kombinationen von Flöten und erstem Trompetenpaar beitragen.

Mozart KV 188





11. März

Mozart KV 189 (167b) Marsch für Orchester D-Dur

Odyssee 5, 28 - 58


Gott Zeus im Himmel fasst einen Entschluss - Odysseus soll von Kalypsos Insel los fahren und am 20. Tag in Korfu landen, von dort bringen ihn die Phäaken nach Ithaka - dann schickt Zeus den Götterboten Hermes weit über die Welt hin, um dies Kalypso zu verkünden.

Zum Auftritt des Boten, der Gottvaters Beschluss verkündet, erschallt standesgemäß Mozarts Marsch KV 189.
Amadé komponiert ihn als Auf- oder Abzugsmusik zur sogenannten Antretter-Serenade KV 185 (siehe 8. März), die Mozart 1773 als Finalmusik für den Universitätsabschluss des ältesten Sohnes Thaddäus des Salzburger Hofkriegsrates und Landschaftskanzlers Johann Ernst von Antretter oder - wofür thematische Bezüge zu Divertimento KV 205 sprechen - für den Namenstag der Frau dieses Salzburger Würdenträgers, Maria Anna Elisabeth von Antretter, schreibt.

KV 189





12. März

Mozart KV 190 (166b) Concertone C-Dur für zwei Solo-Violinen

Odyssee 5, 59 - 84


Hermes landet auf Kalypsos Insel im Paradies.

Vor ihr brannt' auf dem Herd ein großes Feuer, und fernhin
Wallte der liebliche Duft vom brennenden Holze der Zeder
Und des Zitronenbaums. Sie sang mit melodischer Stimme,
Emsig, ein schönes Gewebe mit goldener Spule zu wirken.

Rings um die Grotte wuchs ein Hain voll grünender Bäume,
Pappelweiden und Erlen und düftereicher Zypressen.



Unter dem Laube wohnten mit breiten Schwingen die Vögel,
Eulen und Habichte auch und viel geschwätzige Krähen,
Wasservögel, die sich geschäftig nähren am Strande.

Um die gewölbte Grotte des Felsens breitet' ein Weinstock
Seine schattenden Ranken, behängt mit purpurnen Trauben.
Und vier Quellen ergossen ihr silberblinkendes Wasser,
Eine nahe der andern, und schlängelten hiehin und dorthin.
Wiesen grünten schwellend umher, mit Violen und Eppich.


Odysseus aber sitzt weinend am Strand und schaut auf das öde Meer voll bitteren Grams.

Die zwei Solointrumente, zu denen sich noch andere solistisch hervortun (Kalypso, Odysseus und Hermes), kommen in der zu Mozarts Zeit in Salzburg besonders beliebten Gattung vor: dem Concertone. Der Concertone verbindet alte kontrapunktische mit neuen symphonischen Elementen. Amadé besetzt den Concertone C-dur von 1774 mit zwei Soloviolinen und Orchester, solistisch 2 Bratschen, einer Oboe und im 2. Satz einem Violoncello. Typisch barock ist die Dreisätzigkeit (Allegro spiritoso, Andantino grazioso, Tempo di Menuetto Vivace).

KV 190





13. März

Mozart KV 191 (KV 186e) Konzert für Fagott und Orchester B-Dur

Odyssee 5, 85 -115


Die Nymphe Kalypso bewirtet auf ihrer paradiesischen Insel den Götterboten Hermes mit Götterspeisen und fragt dann nach seinem Begehr. Er verkündet ihr, dass Gott Zeus die Heimkehr des Odysseus beschlossen habe. Sie müsse ihn sofort ziehen lassen.

KV 191, Amadés erstes Konzert für ein Holzblasinstrument aus dem Jahr 1774, gibt dem Solisten die Möglichkeit, sowohl spielerische Geläufigkeit in den beiden virtuosen Ecksätzen als auch kantables Spiel im Mittelsatz unter Beweis zu stellen.

KV 191: 1. Allegro



KV 191: 2. Andante ma adagio



KV 191: 3. Allegro



2006 gewann Laura Costa hat mit dem Fagott-Konzert den Wettberwerb "Audi Mozart!" in Rovereto!



14. März

Mozart KV 192 (186f) Missa brevis F-Dur

Odyssee 5, 116 - 144


Nach 7 Jahren muss Kalypso gemäß dem Ratschlag der Götter Odysseus ziehen lassen.
Sie zürnt den Neidern, die es Götinnen verargen, wenn sie sich mit sterblichen Männern einlassen. Sie erinnert an Eos und Demeter. Sie selbst habe den schiffbrüchigen Odysseus gerettet und gesund gepflegt.
Aber Kalypso beugt sich dem Willen von Gott Zeus; mehr als mit gutem Rat zu seinem Kurs könne sie Odysseus aber nicht beistehen.

Menschen wie Halbgötter haben sich Gottes Willen zu beugen, auch in Messen.
Mit seiner Missa brevis (kurze Messe, auch "Kleine Credo-Messe") vom 24. Juni 1774 sprengt Amadé überdeutlich den Umfang der Form. Das Kyrie beginnt mit einem Orchestersatz. Die formal instrumentale Anlage der Messe ist mit der Gewichtigkeit der Vokalstimmen ausbalanciert. Gloria und Credo weisen Ritornellform auf. Das im Credo verwendete Motiv scheint Mozart von Fux’ "Gradus ad parnassum" zu übernehmen, wir finden es auch wieder im Finale der Jupiter-Sinfonie KV 551.

KV 192









15. März

Mozart KV 193 (186g) Dixit und Magnificat C-Dur

Odyssee 5, 145 - 179


Odysseus' Liebe zur Nymphe Kalypso ist erloschen, er will weg, zurück auf seine Heimatinsel. Kalypso kommt zu ihm an den Strand, wo er weinend sitzt, gebietet ihm, Bäume zu fällen, ein Floß zu bauen. Sie werde ihn mit Proviant und Kleidern versehen. Odysseus argwöhnt, sie meine es nicht ehrlich. Sie solle ihm schwören, dass sie nichts Böses im Schilde führe.

Auch Mozart scheint es, wie Odysseus, eilig zu haben, von Salzburg weg zu kommen. 1774 vertont Amadé - zu seiner Zeit üblich - zur Teilvesper KV 193 nur die beiden Ecksätze, Psalm 109 und das Canticum Magnificat.
Höchst charakteristisch für die Fähigkeit des siebzehnjährigen Mozart ist es, wie er die formale Knappheit mit äußerster Prägnanz der Textausdeutung verbindet. Die Solisten treten völlig zurück hinter den Chor. Bedeutende Textaussagen hebt Amadé hervor, so im Psalm das Juravit Dominus und das Judicabit. Erst bei Gloria Patri kommt im Psalm die Bewegung kurz zur Ruhe, um dann gleich einem lebhaften Fugato zu weichen, das den Psalm festlich beschließt.
Ein strengeres kompositorisches Prinzip waltet im Magnificat vor: die Intonation der Choralmelodie, die der Komponist gleich zu Beginn exponiert, fasst alle Verse wie eine Klammer zusammen und demonstriert damit die Bindung an die Liturgie. Auch hier herrscht imitatorischer Kontrapunkt vor, hebt Mozart wieder wichtige Aussagen wie Fecit potentiam und Suscepit Israel imitatorisch hervor. Er schließt mit einer Fuge über Et in saecula und wartet sogar mit der schulmäßigen Engführung auf.

KV 193









16. März

Mozart KV 194 (186 h) Missa brevis D-Dur

Odyssee 5, 180 - 213


Kalypso auf ihrer Insel schwört dem Odysseus, dass sie ihn nicht hereinlegen wolle. Er könne getrost heimwärts segeln. Wenn er wüsste, was ihm noch alles bevorstehe, würde er bei ihr bleiben. Und seiner Gattin stehe sie - als Göttin - wohl in nichts nach, eher sei sie doch vorzuziehen?

Die im August 1774 entstandene Messe KV 194 (186h) ist kontrastierend auf KV 192 (siehe 14. März) bezogen. Mozart kehrt zurück zu einem der Missa brevis entsprechenden Umfang. Die geforderte Kürze erreicht er durch eine rapide Choraldeklamation; dem abschließenden Dona nobis gibt Amadé den Charkter eines Wechselgesangs von Soli und Chor in Gestalt einer Arie von Vaudeville. Der Schlussteil steht erstmals in Sonatensatzform und wird dadurch zum Schwerpunkt dieses Werkes. Mozart zeigt so eine neue Formlösung für das Messenfinale.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass der leidenschaftliche Cäcilianer*) W. X. Witt, der Mozarts (und Haydns) Kirchenmusik in Bausch und Bogen ablehnt, ausgerechnet diese unbeschwert heitere Musiziermesse - als einzige Mozarts - für die Liturgie geeignet hält.

KV 194



*) Cäcilianismus: kirchenmusikalische Restaurationsbewegung des 19. Jahrhunderts, die Rückbesinnung und Orientierung auf einen an Palestrina angelehnten a cappella-Stil verlangt, mündet in Gründung des Allgemeinen Cäcilienvereins für die Länder deutscher Sprache durch den Theologen und Kirchenmusiker Franz Xaver Witt 1868.



  







17. März

Mozart KV 195 (186 d) Litaniae Lauretanae D-Dur

Odyssee 5, 214 - 227


Odysseus auf Gozo - im Abschiedsgespräch mit der Nymphe Kalypso, die ihn 7 Jahre hielt - antwortet, er wisse nur zu gut, dass Penelope nicht mit Kalypso zu vergleichen sei. Dennoch sehne er sich nach seiner Heimat. Und wenn ihn ein Gott auf dem Meer verfolge, so müsse er auch das ertragen.
Dann schlafen Odysseus und Kalypso ein letztes Mal miteinander.

Litanei ist ein Bittgebet in Form eines Wechselgesangs, der ständig Akklamationen wiederholt. In ähnlicher Stimmung ist Odysseus, als er an seine Heimreise denkt, die Rache des Meergotts Poseidon fürchtend.

Amadé komponiert in Salzburg vier solcher Litaneien (KV 109, 125, 195, 243). Er verteilt den Text auf musikalische Einzelsätze und arbeitet vor allem mit Kontrasten, indem er zwischen strengem und freierem Stil abwechselt. Mozarts Litaneien enthalten sowohl an die Oper erinnernde Arien als auch homophone und polyphone Chorstellen. Litanei ist ein Bittgebet in Form eines Wechselgesangs, der ständig Akklamationen wiederholt.

KV 195 von 1774 übertrifft seine erste Lauretanische Litanei (KV 109, siehe 19. Februar) deutlich an Länge und Besetzung; sie ist für einen größeren Rahmen im Salzburger Dom bestimmt.

KV 195















18. März

Mozart KV 196 La finta giardiniera

Odyssee 5, 228 - 261


Odysseus bei der Vorbereitung zur Abreise von Gozo.
Kalypso zeigt ihm Pappelweiden, Erlen und Tannen, die er für seinen Floßbau verwenden kann. Er fällt deren 20 und baut mit Nägeln und Klammern das Floß, setzt einen Mast hinein mit Rahen, zimmert ein Steuerruder. Baut eine Reling aus Weidenflechten, nimmt Ballast an Bord und aus den Tüchern, die Kalypso ihm bringt, fertigt der erfahrene Sailor kunstreich Segel.

Wie verwickelt die Liebe sein kann, Odysseus hat es auf Gozo bei Kalypso erfahren. Weiß davon auch der kleine Amadé?
Die späte Pubertät des 15jährigen Kapellmeisters hat in gesellschaftlich geregelten Bahnen zu verlaufen, sein Bewegungsdrang, der ihn oft "im Zimmer wie ein Hund in Flöhen" gehen lässt, sucht nach einem Ausweg aus dem Salzburger Dilemma, Mozart ist aufs Reisen konditioniert. Als aus München vom bayerischen Kurfürsten der Auftrag für eine komische Oper zum Karneval 1775 eintrifft, packen Vater und Sohn ihre Sachen und verlassen Salzburg in der eigenen Chaise bei eisiger Kälte. Mozart komponiert La finta giardiniera nach einem Libretto von Giuseppe Petrosellini. Die "Verstellte Gärtnerin" ist nach der "einfachen Finte" das zweite Dramma giocoso Mozarts; sie wird am 13. Januar 1775 im Münchner Hoftheater uraufgeführt.
Die Befürchtung, der Münchner Theaterintendant Graf Joseph Anton Seeau, der es eher mit dem Mittelmäßigen hält, könnte Amadé Schwierigkeiten bereiten, erweist sich als unbegründet. Zahlreiche Verkleidungen, komplizierte Liebesverwicklungen und viele Personen - Mozart schenkt dem Publikum lebendige Finali, bei denen alle sieben Solisten mitwirken, und musikalische Höhepunkte, vor allem durch die in seinen Arien wirkende Charakterisierungskunst.
Wie der Floßbau für Odysseus erster wichtiger Schritt zur Heimkehr ist, stellt La finta giardiniera für die Entwicklung Mozarts als Komponist dramatischer Musik eine bedeutsame Vorstufe zu späteren Werken dar.
Der Beifall lässt auf einen größeren Auftrag im kommenden Jahr hoffen. Dieser bleibt jedoch aus.

KV 196: Overtüre



KV 196: 11. Geme la Tortorella



KV 196: 13. Vorrei punirti indegno



KV 196: Vorrei Mozartband



13 Aria
AKMINDA (Kalypso)
Vorrei punirti indegno,
Vorrei strapparti il core,
Ardo nel sen di sdegno,
Ma mi trattiene amore,
Che sospirar mi fa.
Questa mercede, ingrato,
Tu rendi all'amor mio?
Ah! mi confondo, oh Dio,
Fra l'ira e la pietà.

Ich wollte dich, Nichtswürdiger, bestrafen, Ich möchte dir das Herz ausreißen, Ich glühe innerlich vor Verachtung, Aber die Liebe Die mich seufzen macht, lässt es nicht zu. Diesen Lohn, Undankbarer, Zahlst du für meine Liebe? Ach! ich bin zerrissen, o Gott, Zwischen Zorn und Mitleid.



19. März

Mozart KV 197 (Anh 186e - Anh. C 3.05) Tantum ergo D-Dur

Odyssee 5, 262 - 281


Eines der bekanntesten Sternbilder ist Orion, der Himmelsjäger, in Europa das markanteste und schönste Wintersternbild. Drei Sterne (auch drei Könige, Jakobsstab oder Jakobsleiter bekannt) bilden den Gürtel des Orion, daran das Schwertgehänge und darin der berühmte Orionnebel. Nach diesem Sternbild soll Odysseus astronomisch navigieren. Die Ägypter haben auf Orion - für sie Gott Osiris - sicher ähliche Hymnen wie Mozarts Tantum ergo gesungen. Vier Tage braucht Odysseus für seinen Floßbau auf Kalypsos Insel. Am fünften Tag sticht er in See. Kalypso rät ihm, das Sternbild Orion immer Backbords zu lassen. Odysseus hält sich daran, nach 17 Tagen erreicht er Korfu, wo die Phäaken wohnen.



Wo und wann genau Amadé KV 197 schreibt, wissen wir nicht. Das Tantum ergo ist - wie KV 142 (siehe 17. März) - eine Sakralmotette auf den Text der fünften Strophe des Fronleichnamshymnus "Pange lingua gloriosi", des berühmtesten eucharistischen Hymnus, der dem Kirchenlehrer Thomas von Aquin zugeschrieben wird. Mozarts KV 197 für gemischten Chor, Orchester und Orgel in D-Dur mit einem homophonen Chorsatz, der am Prinzip der Sonatenhauptsatzform (ohne Durchführung) orientiert ist, könnte auch eine Bearbeitung einer fremden Komposition sein.

KV 197



Die Sterngucker im Altertum sahen übrigens alle etwas anderes im Orion.
Bei den Sumerern war er ein Schaf, bei den Ägyptern eine Widerspiegelung ihres Gottes Osiris.
Manche leiten seinen Namen vom Akkadischen Uru-anna, »Licht des Himmels«, ab oder vermuten, dass die Griechen die Heldengestalt aus dem sumerisch-babylonischen Epos um Gilgamesch übernahmen, dem mythischen König von Uruk.
Die Germanen erkannten in dem Sternbild einen Pflug.
Bei den Wikingern findet sich oft die Interpretation als Gott Thor, der durch einen Fluss watet und Gott Loki an seinem Gürtel hängend hinüber zieht. Im alten China war das Sternbild eines der 28 chinesischen Tierzeichen und bedeutete »drei« (wahrscheinlich nach den Gürtelsternen).
Für die Insulaner der Südsee stellte die Konstellation ein Kriegsboot dar.
Orion ist ein Jäger der griechischen Mythologie, die ihn als riesige Gestalt beschreibt. Er war der Sohn des Poseidon, des Meeresgotts und Zeus' Bruder. Als Orion für den König von Chios in dessen Auftrag die wildesten Tiere in seinem Land erlegen sollte, entbrannte er in einer sehr einseitigen Liebesbeziehung zur Königstochter Merope und bediente sich in seiner Werbung auch der Gewalt. Der erzürnte Vater ließ den Jäger blenden, doch die Strahlen der aufgehenden Sonne gaben ihm das Augenlicht zurück. Eos, die Göttin der Morgenröte, verliebte sich in Orion und entführte ihn. Artemis duldete dies nicht und tötete Orion mit Pfeil und Bogen. Homer nennt diese Geschichte in der Odyssee als Beweis dafür, dass es Gottheiten nicht erlaubt sei, sich in Sterbliche zu verlieben. (Kalypso hat allen Grund zu klagen, denn Hermes untersagt ihr gerade ihr Verhältnis zu Odysseus).

Wie Orion an den Himmel kam, dafür gibt es zwei Überlieferungen:
Der heldenhafte Jäger verliebte sich in die Plejaden, die sieben Töchter des Atlas. Eines Tages genügten ihm heimliche Gefühle nicht mehr und er begann sie zu verfolgen, letztlich sogar zu jagen. Als Zeus dies nicht mehr mit ansehen konnte, versetzte er sie als Sternbilder an den Himmel, wo Orion sie noch heute verfolgt aber niemals erreicht.
Oder: Orion ließ eines Tages auf der Jagd in Kreta verlauten, er werde alle Tiere auf Erden töten. Darüber war Gaia, die uralte Göttin der Erde, so erbost, dass sie einen Skorpion aus ihrem Schoß entsandte, um Orion mit seinem Giftstachel zu töten. Artemis, die mit ihm auf der Jagd gewesen war, versetzte ihn an den Himmel. Zur Untergangszeit des Skorpions steigt Orion im Osten auf. Kehrt der Skorpion an den Nachthimmel zurück, so verschwindet Orion unter dem Westhorizont...





20. März

Mozart KV 198 (Anh. C 3.08) "Sub tuum praesidium" F-Dur Offertorium

Odyssee 5, 282 - 332


Als Odysseus auf seinem Floß Kurs Heimat segelt, kommt Poseidon aus Äthiopien zurück. Den Meeresgott packt die Wut. Mit seinem Dreizack wühlt er das Meer auf, ruft einen Orkan hervor. Auf seinem Floß klagt Odysseus:
Weh mir, ich elender Mann! Was werd' ich noch endlich erleben!
Ach, ich fürchte, die Göttin verkündete lautere Wahrheit,
Die mir im wilden Meere, bevor ich zur Heimat gelangte,
Leiden die Fülle verhieß! Nun wird sich alles erfüllen!
Weh, wie fürchterlich Zeus den ganzen Himmel in Wolken
Hüllt und das Meer aufregt! Wie sausen die wütenden Stürme
Aller Enden daher! Nun ist mein Verderben entschieden!
Dreimal selige Griechen und viermal, die ihr in Trojas
Weitem Gefilde sankt, der Atreiden Ehre verfechtend!
Wär' ich doch auch gestorben und hätte die traurige Laufbahn
An dem Tage vollendet, als mich im Getümmel der Troer
Eherne Lanzen umflogen um unsern erschlagnen Achilleus!
Dann war' ich rühmlich bestattet, dann sängen mein Lob die Achäer!
Aber nun ist mein Los, des schmählichen Todes zu sterben!

Also sprach er; da schlug die entsetzliche Woge von oben
Hochherdrohend herab, dass im Wirbel das Floß sich herumriss;
Warf ihn weit vom Floß in die See, es fuhr ihm das Steuer
Aus den Händen fort und mit einmal stürzte der Mastbaum
Krachend hinab vor der Wut der fürchterlich sausenden Windsbraut.
Weithin flog in die Wogen die Rah' und das flatternde Segel.
Lange blieb er untergetaucht und strebte vergebens,
Wieder empor zu kommen im Schwall der rollenden Brandung,
Denn ihn beschwerten die Kleider, geschenkt von der hehren Kalypso.
Endlich tauchte er auf und spie aus dem Munde das bittre
Wasser des Meers, das strömend von seinem Scheitel herabtroff.
Dennoch vergaß er des Floßes auch selbst in der schrecklichen Angst nicht,
Sondern schwang sich ihm nach durch reißende Fluten, ergriff es,
Setzte sich wieder hinein und entfloh dem Todesverhängnis.

Hierhin und dorthin trieben das Floß die Ströme des Meeres.
Also treibt im Herbste der Nord die verdorreten Disteln
Über das Feld, und sie treiben dicht ineinander geknäuelt: Also trieben durchs Meer ihn die Winde bald hiehin, bald dorthin.
Jetzt warf ihn der Süd dem Nordsturm hin zum Verfolgen;
Jetzt gab ihn der Ost dem brausenden Weste zum Spiele.


Odysseus wäre es sicher auch danach gewesen, zu singen:

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir,
o heilige Gottesgebärerin.
Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren ...


Manch einer zweifelt an der Urheberschaft Mozarts, Entstehungsort und -jahr sind unbekannt. Im Offertorium Sub tuum praesidium in F-Dur für zwei Soprane, Orchester und Orgel verzichtet Amadé ganz auf einen Chor. Er gestaltet die Melodie liedhaft und den Part der Solostimmen sehr schlicht. Ergebnis ist ein wunderbar klangvoller und weicher Ausdruck. Der Anfang der Komposition erinnert an das Duett von Michael Haydn "O Amaryllis".

KV 198



Sub tuum præsidium confugimus,
Sancta Dei Genetrix.
Nostras deprecationes ne despicias in necessitatibus nostris,
sed a periculis cunctis libera nos semper,
Virgo gloriosa et benedicta.
Domina nostra, mediatrix nostra, advocata nostra,
tuo filio nos reconcilia,
tuo filio nos commenda,
tuo filio nos repræsenta.
Amen.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau. Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. Amen.



21. März

Mozart KV 199 Sinfonie Nr. 27 G-Dur

Odyssee 5, 333 - 362


Odysseus kämpft während der Fahrt nach Nordosten auf seinem Floß im Orkan, den Poseidon aus Zorn erregt hat, um sein Leben. Ino, eine Götttin, hat Mitleid mit Odysseus, sie rät ihm, ans rettende Ufer zu schwimmen. Odysseus traut der Stimme nicht, er will auf dem Floß ausharren und geduldig sein Schicksal ertragen ...
Die Sinfonie symbolisiert die Stimme der Göttin Ino - Odysseus misstraut ihr ...
Amadé folgt in der 1773 entstandenen frohgemuten Sinfonie dem Muster der dreisätzigen italienischen Ouvertüre. Im knappen, heiteren Kopfsatz spielt er auf reizvolle Weise mit einer Hemiolenfigur (rhythmische Akzentverschiebung innerhalb eines Dreier-Taktes, zwei Takte zu einem großen Dreiertakt zusammengefasst - abweichend von der regulären Taktbetonung):

Ihm schließt sich das Andantino grazioso an, in dem Mozart über gedämpften, hohen Streichern und dem Pizzicato der tieferen mit beiden Flöten im Terzabstand eine Art Ständchen darbringt. Die einzelnen Formabschnitte des Mittelsatzes beendet der junge Komponist (17!) ungewöhnlich mit zwei Takte andauernden Oktavsprüngen in der Violine. Dem Finale gibt er nach dem anfänglichen Fugato einen fröhlichen gigueartigen Charakter.

KV 199





22. März

Mozart KV 200 (189 k) Sinfonie Nr. 28 C-Dur

Odyssee 5, 363 - 393


Meeresgott Poseidon quält Odysseus auf seiner Fahrt zu den Ionischen Inseln im Orkan.
Endlich besänftigt Göttin Athene die Wogen und nach drei Tagen erreicht Odysseus, sich an einen Stamm seines Floßes klammernd, das rettende Ufer.

Die viersätzige Sinfonie schreibt Mozart 1773 in Salzburg, optimistische Begleitmusik zur Rettung von Odysseus. Das Stück weist zahlreiche Bezüge zu anderen Werken auf, wie z. B. Ähnlichkeit zum Eingangssatz der Sinfonie KV 182 (siehe 5. März).
Im übrigen sind die drei zeitlich aufeinander folgenden Sinfonien KV 183, 200 und 201 frühe Parallele zur sinfonischen Trias der Sinfonien KV 543, 550 und 551, in der auch eine g-Moll-Sinfonie von zwei Dur-Geschwistern begleitet wird.
Dem Kopfsatz in KV 200 in lebhafter 3/4-Takt-Motorik schließen sich ein kammermusikalisches Andante sowie ein durch einen Hornruf markant gegliedertes Menuett und ein finales Presto an.

KV 200





23. März

Mozart KV 201 (186 a) Sinfonie Nr. 29 A-Dur

Odyssee 5, 394 - 429


Odysseus auf seinem Floß Kurs ENE; er kämpft weiter im tobenden Meer. Irgendwann wirft ihn eine Welle ans Ufer, er klammert sich blitzschnell an einen Felsen, gerettet?

So, wie Odysseus ans rettende Ufer gelangt, findet Amadé in der Sinfonie Nr. 29 von 1774 zu eigenem Ausdruck. Beachtlich schon der Beginn: Statt der üblichen Akkordschläge erklingt im piano das aus einem Oktavsprung und einer Gruppe drängender Achtel bestehende Thema, das er in den Folgetakten sequenziert. Der Oktavfall, der erneut im heiteren Finalsatz erscheint, verbindet die Ecksätze motivisch. Das zarte Andante lässt das folgende Menuett energisch erscheinen; fernab höfischer Tanzstilisierung bildet es einen gewichtigen Sinfoniesatz. Die Sinfonie gehört zusammen mit KV 183 (siehe 6. März) und KV 200 (siehe 22. März) zur frühen sinfonischen Trias.

KV 201





24. März

Mozart KV 202 (186b) Sinfonie Nr. 30 D-Dur

Odyssee 5, 430 - 457


Die Welle, die Odysseus aufs Land geworfen hat, sie kommt zurück und reißt ihn wieder ins Meer hinab. Athene aber erhört sein Stoßgebet, glättet die Fluten und eine sanfte Welle spült den Ohnmächtigen an das Ufer einer Flussmündung - er ist auf Korfu im Land der Phäaken gestrandet.

Wirkt die Sinfonie - verglichen mit den drei vorangehenden (KV 183, 200, 201) - nicht unpersönlicher, weniger ernst? Muss sich Amadé - wie Odysseus - erst in einem neuen Land zurechtfinden? Die Sinfonie scheint eine Rückkehr in Unterhaltung und Galanterie. Trotzdem weist sie eine Tendenz zur Zyklusbildung auf: Kopf- und Finalsatz sind durch ein punktiertes Dreiklangsmotiv zu Beginn der Sätze unüberhörbar miteinander verknüpft. Das nur mit Streichern besetzte Andantino bedient sich eines liedhaften Themas, das zu Anfang fugatoartig verarbeitet wird.

KV 202





25. März

Mozart KV 203 (189b) Serenade für Orchester Nr. 4 D-Dur

Odyssee 5, 458 - Ende


Korfu Ermones-Bucht.

Odysseus, ans Ufer gespült, küsst die Erde und spricht tief aufseufzend:
Weh mir Armen, was leid' ich, was werd' ich noch endlich erleben!
Wenn ich die gräuliche Nacht an diesem Strome verweilte,
Würde zugleich der starrende Frost und der tauende Nebel
Mich Entkräfteten, noch Ohnmächtigen, gänzlich vertilgen;
Denn kalt weht aus dem Strome die Luft her gegen den Morgen.
Aber klimm' ich hinan zum waldbeschatteten Hügel,
Unter dem dichten Gebüsch zu schlafen, wenn es vielleicht mir
Frost und Ermattung vergönnt und der süße Schlummer befällt mich,
Ach, dann werd' ich vielleicht den reißenden Tieren zur Beute!

Odysseus verkriecht sich unter einem dichten Gestrüpp, froh, gerettet zu sein, wartet, was kommt und schläft ein ...

Amadé komponiert für den geretteten Odysseus liebliche Traummusiken...

In der achtsätzigen Serenade für zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten und Streicher lässt er Trompeten nur in den raschen Ecksätzen erklingen, es ergibt den festlichen Klang für Kommendes. In die Gruppe der Streicher arbeitet Mozart in den Sätzen zwei bis vier ein Violinkonzert ein, in den zwei Menuetten wechselt er flott zwischen vollstimmigen bläserbetonten Abschnitten und reinen Streichertakten. Amadé schreibt die Serenade Nr. 4 D-Dur 1774 in Salzburg.

KV 203





26. März

Mozart KV 204 (213a) Serenade für Orchester 5 D-Dur

Odyssee 6, 1 - 40


Auf Korfu/Scheria herrscht König Antinoos. In dessen Palast weckt Göttin Athene die Königstochter Nausikaa - an Wuchs und reizender Bildung einer Unsterblichen gleich - in Gestalt deren liebster Gespielin und sagt:

Liebes Kind, was bist du mir doch ein lässiges Mädchen!
Deine kostbaren Kleider, wie alles im Wuste herumliegt!
Und die Hochzeit steht dir bevor! Da brauchst du was Schönes,
Anzuziehen für dich und die anderen, welche dich führen.
Denn dadurch gewinnst du Ehre dir bei den Leuten
Rings, und es freun sich der Vater darob und die liebe Mutter.
Laß uns denn eilen und waschen, sobald der Morgen sich rötet!
Ich will deine Gehilfin sein, damit du geschwinder
Fertig werdest, denn, Mädchen, du bleibst nicht lange mehr Jungfrau.
Denn schon werben um dich die Edelsten unter dem Volke
Aller Phäaken rings, da du selbst von edler Geburt bist.
Auf! erinnere noch vor der Morgenröte den Vater,
Daß er mit Pferden dir den Wagen bespanne, worauf man
Lade die schönen Gewände, die Gürtel und prächtigen Decken.
Auch für dich ist's so viel schöner, als wenn du zu Fuße
Gehen wolltest, denn weit von der Stadt ja liegen die Wäschen.

1775, Salzburg.
Amadé komponiert eine siebensätzigen Serenade D-Dur, KV 204, als Begleitmusik zur Odyssee. Im 5. Satz, einem marschartig schreitenden Andante, ermahnt Göttin Athene die Königstochter Nausikaa. Auffallend die grotesken Ein- und Zuwürfe von Flöte, Oboe und Fagott. Und der Schlusssatz zeigt ein formales Experiment: Wechsel zwischen dem elegant fließenden Andantino grazioso im 2/4-Takt, das als Ritornell fungiert, und dem Allegro im 3/8-Takt, das Mozart zum Vorstellen neuen motivischen Materials nutzt.

KV 204





27. März

Mozart KV 205 (173a/167 A) Divertimento Nr. 7 D-Dur

Odyssee 6, 41 - 65


Auf Korfu erwacht die Königstochter Nausikaa, erzählt ihren Traum der Mutter und bittet Vater Alkinoos, er möge ihr einen Wagen anspannen lassen, sie wolle die Wäsche der ganzen Familie am Fluss waschen.

Eine andere Traummusik:
Amadé ist mit seinem Divertimento in D-Dur dabei, wenn Nausikaa ihren Traum erzählt, in der dunkel getönten Klangsphäre, die Mozart seiner Musik verleiht durch ungewöhnliche Besetzung (ohne zweite Violine - dafür mit Verstärkung der Bassstimme durch Fagott) und mit einer Fülle an gestalterischen Details.

KV 205





28. März

Mozart KV 207 Konzert Nr. 1 B-Dur Violine und Orchester

Odyssee 6, 66 - 84


Der Fürst auf Korfu, Antinoos, errät den Wunsch seiner Tochter, dass sie vor allem ihre Hochzeit im Sinn hat, als sie um einen Wagen für die Wäsche bittet. Er lässt anspannen, Nausikaa lädt ihre edelste Wäsche ein, die Mutter gibt ihr Gebäck und Wein im Ziegenleder und Öl in einer goldenen Flasche mit. Nausikaa nimmt die Zügel und los geht die Fahrt; ihre Mägde begleiten sie.
geigt Amadé - hier kongenial Anne-Sophie Mutter - den dritten Satz seines B-Dur-Konzerts, wenn Nausikaa durch die griechische Ebene zum Fluß jagt, der von Göttin Athene arrangierten Begegnung mit dem schriffbrüchigen Odysseus entgegen ...

Fünf große Violinkonzerte hat Mozart mit Bestimmtheit komponiert. Mit Ausnahme dieses ersten schreibt Amadé sie kurz nacheinander 1775. Das B-Dur-Konzert ist Mozarts erste selbständige Konzertkomposition, noch vor dem Klavierkonzert KV 175 (siehe 28. Februar). Man merkt dem Werk die Unerfahrenheit des erst 17jährigen wenig an. 1776 ersetzt Mozart das Presto-Finale durch ein Rondeaux, was mehr Anklang findet.

In seinen Violinkonzerten sind Mozarts Emanzipationsbestrebungen spürbar, der Solist - es ist der junge Maestro selbst - setzt sich, wie in den Klavierkonzerten, vom Kollektiv ab. Die formale Strenge weicht immer mehr dem Dialog zwischen Solisten und Orchester und den verschiedenen Orchestergruppen untereinander. Das beredteste Zeugnis dafür legt das Es-Dur-Klavierkonzert (KV 271) ab, wir werden es hören ...

KV 207





29. März

Mozart KV 208 Il Rè pastore

Odyssee 6, 85 - 109


So sieht er heute aus der Strand, wo Nausikaa und ihre Mägde die Pferde abspannen und weiden lassen. Die Mächen waschen, legen die Wäsche auf dem Ufer des Meeres in die Sonne zum Trocknen, baden, salben sich mit Öl, nehmen ein Mahl und beginnen mit Ball spielen. Nausikaa, in ihrer Anmut an Artemis erinnernd, singt ein Lied.

Mit einem ähnlichen Idyll wie den waschenden Mädchen verzaubert uns Amadé in seiner Serenata vom königlichen Hirten Aminta.
1775 wird Erzherzog Maximilian Franz Salzburg besuchen. Zu diesem Anlass gibt Fürsterzbischof Hieronymus Colloredos Mozart den Auftrag, die Serenata in zwei Akten Il re pastore nach dem Libretto von Pietro Metastasio zu komponieren. Die im Titel thematisierte Einheit von Königtum und Naturverwurzelung drückt Amadé musikalisch aus durch die Verbindung von Instrumenten mit traditioneller Hirtenspiel-Konnotation (wie etwa Flöten) und Tonarten sowie Gattungen, die Mozart häufig als Chiffre für Herrscher (Es-Dur) oder höfisches Verhalten (Menuett) einsetzt.
Die undramatische aber verwickelte Handlung spielt in Griechenland ein paar Jahrhunderte nach der Odyssee, sie behandelt eine Episode aus dem Leben von Alexander dem Großen.
Der Problematik fehlender äußerer Dramatik, die aus der mehr aus Missverständnissen als existentiellen Konfliktsituationen bestehenden Handlung resultiert, begegnet Mozart, indem er die Arien zum Ausdruck eines inneren Dramas werden lässt und so eine dramaturgische Fortschreitung innerhalb der Oper erzielt. In der Aminta-Aria Aer tranquillo e dì sereni findet der junge Komponist einen unerwechselbaren Ton, in dem Szene, Affekt und Musik in eins fallen. Die Uraufführung findet statt im April 1775 - akklamiert vom hoch aristokratischen Publikum. Tags darauf spielt Mozart auch als Violinsolist auf, nachdem der Erzherzog selbst mit einigen adeligen Dilettanten, darunter auch Erzbischof Colloredo, gegeigt hat.
Mozart schätzt dieses Jugendwerk zeitlebens hoch: Die Ouvertüre erweitert er mit einem Final-(KV 213c) und Marschsatz (KV 214) zu einer Sinfonie. Für ihren langsamen Satz greift Amadé auf Amintas Eingangslied Intendo amico rio zurück, das er auch 1778 (mit Aloysia Weber als Solistin) in Mannheim konzertant zur Aufführung bringt. 1784 schließlich erinnert er sich an seinen Rè, wenn er für die bekannteste Arie des Werkes,L'amerò, sarò costante, "Eingänge" und Kadenz niederschreibt: Keine Geringere als Constanze soll die Beteuerungen von standhafter Liebe, dem König als Hirten in den Mund gelegt, beim häuslichen Musizieren für ihren Mann neuerlich zum Erklingen bringen!



In zeitgemäßem Klang erfreut uns Wolfgang Staribacher samt Mozartband mit Amadés Musik, Wolferl wäre angetan ...

KV 208: Overtura



KV 208: 3. Aer tranquillo



KV 208: 4. Si spande al sole



KV 208: 7. Vanne à regnar



KV 208: 10. L'amerò, sarò costante



Handlung:
Aminta freut sich auf die bevorstehende Heirat mit seiner Geliebten Elisa. Da kommt Alessandro vorbei, der soeben die phönizische Stadt Sidon von ihrem Tyrannen Strato befreit hat. Alessandro will den rechtmäßigen König von Sidon wieder einsetzen. Agenore teilt Alessandro mit, dass dieser König niemand anderes als Aminta ist, der von seiner Herkunft nichts weiß und unerkannt als Schäfer lebt. Alessandro will nun nicht nur Aminta zum König erheben, sondern ihm auch Tamiri, die Tochter des gestürzten Strato und Geliebte des Agenore, zur Frau geben. Während sich Agenore und Tamiri entschließen, aus Gründen der Vernunft dem Gebot des Königs zu folgen, und sich auch Elisa schon mit dem Verlust ihres Geliebten abgefunden hat, widersetzt sich Aminta: Er teilt Alessandro mit, dass er lieber auf den Thron als auf Elisa verzichtet. Der gerührte Alessandro stimmt nun zu, dass Aminta als König seine Elisa heiraten darf. Für Agenore und Tamiri, die so großen Edelmut bewiesen haben, will er ein anderes Königreich suchen, damit auch diese ihre Tugend als Herrscher unter Beweis stellen können.

N. 3 Aria
AMINTA
Aer tranquillo e di sereni,
Freschi fonti, e verdi prati
Sono i voti fortunati,
Della greggia e del pastor.

Che se poi piacesse ai fati
Di cambiar gl'offici miei,
Avran cura allora i Dei
Di cambiarmi e mente e cor.
Nr. 3 Arie
AMINTAS Sanfte Lüfte, heitere Tage, grüne Wiesen, frischer Quell sind das allerhöchste Glück des Hirten und der Erde. Gefiele es einst dem Schicksal, meine Pflichten zu ändern, sollen die Götter Sorge tragen, mir zu wandeln Herz und Sinn.

N. 4 Aria
ALESSANDRO
Si spande al sole in faccia
Nube talor cosi,
E folgora, e minaccia
Su l'arido terren.

Ma poi, che in quella foggia
Assai d'umori uni,
Tutta si scioglie in pioggia,
E gli feconda il sen.

Nr. 4 Arie
ALEXANDER Vor der Sonne Angesicht ziehen manchmal Wolken auf. Sie dräuen, und Blitze zucken hinab zur dürren Erde. Wenn sich auf diese Weise der Gewittergroll zusammenbraut, löst alles sich in Regen auf und labt die Brust. N. 7 Duetto
ELISA
Vanne a regnar ben mio,
Ma fido a chi t'adora
Serba se puoi quel cor.

AMINTA
Se ho da regnar ben mio,
Sarò sul trono ancora
Il fido tuo pastor.

ELISA
Ah che il mio re tu sei!

AMINTA
Ah che crudel timor!

ELISA, AMINTA
Ah proteggete o Dei,
Questo innocente amor

Nr. 7 Duett
ELISA Gehe hin und herrsche, mein Geliebter; bewahre aber in deinem Herzen, wenn du kannst, Treue für deine Geliebte. AMINTAS Liebe. Wenn ich herrschen muß, werde ich auch auf dem Thron dein treuer Hirte sein. ELISA Ach, daß du mein König bist! AMINTAS Ach, welch schlimmen Ängste! ELISA, AMINTAS Ach, schützt, o Götter, diese reine Liebe.

N. 10 Rondeaux
AMINTA
L'amerò, sarò costante:
Fido sposo, e fido amante
Sol per lei sospirerò.

In sì caro e dolce oggetto
La mia gioia, il mio diletto,
La mia pace io troverò.

Nr. 10 Rondo AMINTAS Lieben werde ich sie und beständig sein. Als Gatte und Geliebter treu, seufze ich um sie allein. In dem lieben, holden Wesen, werde ich die Freude finden, meine Wonne, meinen Frieden



30. März

Mozart KV 209, KV 210 Arien für Tenor

Odyssee 6, 110 - 141


Odysseus erwacht vom Gekreische der Ball spielenden Mädchen unter seinem Gestrüpp, wohin er sich verkrochen hat nach seinem Schiffbruch vor Korfu. Nackt, schlammbeschmiert und verletzt bricht er hervor, hält sich einen Zweig vor die Scham, die Mädchen stürzen schreiend auseinander, verstecken sich hinter den Hügeln, nur Nausikaa bleibt. Sie singt für Odysseus die Arie Amadés:

Si mostra la sorte
Propizia all'amante,
Che prova costante
Ardire in amor.

Ma sempre nemica
E pronta all'offese
Distrugge l'imprese
D'un timido cor.

Si mostra la sorte, eine empfindsame Tenorarie (KV 209), komponiert Amadé als Einlage zu einer (unbekannten) Oper. Mozart setzt den Text, dessen Dichter ebenfalls nicht bekannt ist, im Mai 1775 in Salzburg in Musik.

KV 210 Con ossequio, con rispetto entsteht ebenfalls um diese Zeit und ist eine ausgesprochene buffa-Arie - möglicherweise für dieselbe Oper (sie hätte gut gepasst als Odysseus' Spott, nachdem er Polyphem geblendet hatte ...).

Mozart KV 209



KV 210



KV 209
Das Schicksal zeigt dem Liebenden seine Gunst, der standhaften Mut in der Liebe beweist. Doch stets feindlich und zur Verletzung bereit, zerstört es die Unternehmungen eines ängstlichen Herzens.

KV 210

Con ossequio, con rispctto
lo m'inchino, e mi profondo
A un sapiente sì perfetto,
Che l'egual non v'è nel mondo,
E l'eguaie non verrà
(Per l'orgoglio, e l'ignoranza,
Per la gran bestialità).

Mit Ergebenheit, mit Ehrfurcht verneige ich mich und versinke vor einem so vollkommenen Weisen, der seinesgleichen in der Welt nicht hat, und nicht haben wird (wegen seiner Überheblichkeit, seiner Unwissenheit, und wegen seiner großen Dummheit).



31. März

Mozart KV 211 Konzert D-Dur für Violine

Odyssee 6, 141 - 185


Odysseus - in Korfu unter seinem Strauch erwacht und hervorgekrochen.
Er lobt die Schönheit Nausikaas in den höchsten Tönen, als er nackt und bloß, nur von einem Zweig bedeckt, vor ihr steht. Er sei hier am 20. Tag auf seiner Fahrt von der ogygischen Insel nach einem Schiffbruch gestrandet, wisse nicht wo er sei. Er bittet Nausikaa um ein Tuch für seine Blöße und erkundigt sich nach dem Weg zur nächsten Stadt.

Amadés Musik: Untermalung der Komplimente, die Odysseus für die hübsche Königstochter Nausikaa bereit hat.
1775 komponiert Mozart in Salzburg sein 2. Violinkonzert, sein erstes stammt von 1773 (siehe 28. März). Er selbst betätigt sich öfters als Violinist. Violinwerke, insbesondere -konzerte, sind nachweislich in der Zeit sehr beliebt, gute Geiger sowohl in der Hofkapelle wie in Laienkreisen unterstützen diese Musikrichtung.

Hervorzuheben im Violinkonzert D-Dur sind die kunstvollen Figurationen. Mozart schreibt in seinen Violinkozerten nicht - wie in seinen Klavierkonzerten - eine Kadenz, sondern überlässt dies dem Solist "ad libitum", der so seine virtuose Kust zeigen darf.

KV 211