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1. Januar

Mozart KV 1 - 5

Odysse 1, 1 - 27


Prolog im Himmel
Homer, der Sänger der Odyssee, ruft die Muse an, ihm zu erzählen von den Taten des vielgereisten Mannes, der, nachdem er das heilige Troja zerstört, gar viel umgetrieben wurde auf dem veilchenblauen Meer der Ägäis. Die meisten der Griechen, die vor Troja gekämpft, sind längst schon zuhause. Homers Epos beginnt da, wo des Odysseus Irrfahrten bald zu Ende gehen: auf der Insel Gozo, wo Kalypso, die Nymphe wohnt, die sich in ihn verliebt hat.

Die Götter beratschlagen - einer fehlt zum Glück: des Odysseus Intimfeind, Meeresgott Poseidon ...

Scheinbar sehr ordentlich und ganz anders beginnt Amadés Odyssee. 1763 startet das Verzeichnis des Dr. Ludwig Ritter von Köchel (KV), in dem alle Werke Mozarts, des wohl größten Musikgenies aller Zeiten, chronologisch aufgereiht sind, mit

Nr 1. Menuett und Trio für Klavier

Zu jener Zeit ist der 7jährige Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart - so lautet sein Taufregistereintrag - als Wunderkind auf Tournee in Paris unterwegs. Der Vater schreibt die Kompositionen seines Kindes, der neben dem Klavier auch Violine spielt, in seiner Schwester Nannerls Notenbuch. Kleine Meilensteine von untadeliger Schreibweise und temperamentvollem Charakter.

KV 1 - 5



2. Januar

Mozart KV 6 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 1, 28 - 79


Prolog im Himmel
Zeus nimmt als erster das Wort und tadelt die Menschen, die sich über die Götter beklagten. Sie erduldeten nur selbst verschuldetes Unglück.
Athene setzt sich für ihren Favoriten Odysseus ein, den eine Göttin auf ihrer Insel von der Heimkehr auf seine Insel Ithaka abhalte.
Zeus erklärt, nicht er hindere Odysseus an seiner Heimkehr, sondern Poseidon. Dieser verüble es Odysseus, Poeidons Sohn Polyphem geblendet zu haben. Poseidon solle aber nun von seinem Zorn lassen, er könne sich nicht gegen alle Götter stellen.

1764 weilen Mozarts zwar nicht auf dem Olymp bei Zeus, aber immerhin im Palast von Versailles, wo Leopold, Amadé und Nannerl König Ludwig XV. zwei Wochen lang musikalisch unterhalten.
Vater Leopold Mozart hat 1756 Versuch einer gründlichen Violinschule veröffentlicht, eines der bedeutendsten Werke zu diesem Thema. Dass bald der eigene Sohn mit einem derartigen Tempo das Violinspiel erlernen und dazu das Klavier so beherrschen würde, dass er die meisten erwachsenen Virtuosen in den Schatten stellt, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Und noch mehr, dass er im Alter von sieben Jahren zu komponieren beginnt.
KV 6 ein Rokoko-Leckerbissen, mit einer liebevollen Widmung an die königliche Prinzessin Madame Victoire de France:

Madame

     Les essais que je mets à vos pieds, sont sans doute médiocres; mais lorsque Votre bonté me permet de les parer de votre Auguste Nom, le succès n'en est plus douteux, et le Public ne peut manquer d'indulgence pour un Auteur de sept ans qui paroit sous Vos auspices.
     Je voudrois, Madame, que la langue de la Musique fût celle de la reconnaissance; je serois moins embarrassé de parler de l'impression que vos bienfaits ont laissée dans mon cœur. J'en remporterai le souvenir dans mon pays ; et tant que la Nature qui m'a fait Musicien comme elle fait les rossignols, m'inspirera, le nom de Victoire restera gravé dans ma mémoire avec les traits ineffaçables qu'il porte dans le cœur de tous les François.

Je suis avec le plus profond respect,

Madame,
Votre très humble, très obéissant et très petit Serviteur


J.W.Mozart

Noch sind es also andere Personen und Mächte, die das Schicksal von Amadé und Odysseus bestimmen, bald aber werden sie es selbst in die Hand nehmen ...

KV 6



3. Januar

Mozart KV 7 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 1, 80 - 113


Prolog im Himmel
Athene bittet, als sie von Zeus hört, Poseidon solle endlich mit der Verfolgung des Odysseus aufhören, den Götterboten Hermes nach Ogygia (Gozo) zu schicken, damit er der Nymphe Kalypso den Beschluss der Götter verkünde.
Sie selbst will nach Ithaka eilen und den Sohn des Odysseus, Telemach, ermuntern, gegen die Freier vorzugehen, und nach Sparta und Pylos zu reisen, um etwas über seinen verschollenen Vater zu erfahren.

In des Menthes Gestalt steht die Göttin vor dem Palast und muss das Prassen und Nichtstun der Freier mitansehen.

Ähnlich wie Athene die Freierschar, so empfindet der streng katholische Vater Leopold Mozart das Treiben in Paris, wo man nicht einmal weiß, was ein Rosenkranz ist; Amadé schreibt derweilen seine vier Violinsonaten KV 6 bis 9 nieder. Das Adagio der Sonate KV 7, kommentiert Mozart, sei von einem ganz beonderen goût.

KV 7



4. Januar

Mozart KV 12 und 13 Sonaten für Klavier und Violone oder Flöte

Odyssee 1, 114 - 143


Ithaka.
Telechmach sitzt mit traurigem Herzen unter den Freiern, grübelnd: soll er sie vom Hof jagen? Als er den Fremdling erblickt, bittet er ihn herein und zu Tisch. Sie setzen sich abseits der lärmenden Freier, er will sie nach seinem Vater befragen. Diener bereiten ihnen das Essen.

Mozarts sind nach London weitergereist; fünf Tage nach ihrer Ankunft spielen Amadé und Nannerl vor dem jungen König Georg III. und seiner musikbegeisterten Gattin auf. Der Vater "gallopiert" herum, um überall zu reüssieren.
Denn wegen ein paar Tausend Gulden bin ich nicht nach England gereist - den unermüdlichen Kampf des Vaters um Anerkennung sollte der Sohn für Liebe halten. Diese Liebe nicht zu enttäuschen, erweist sich als größte Überforderung, mit der Mozart zeit seines Lebens zu kämpfen haben wird.

Unter der Obhut des Vaters komponiert er 1764 weitere Violinsonaten, die sich hören lassen können, wie KV 12 und KV 13.

KV 12

KV 13



5. Januar

Mozart KV 15a - r Londoner Skizzen

Odyssee 1, 144 - 177


Üppig schmausen die Freier in der Burg des Odysseus auf Ithaka - danach zwingen sie den Sänger Phemios, zur Harfe zu singen.
Telemach beschwert sich über die Freier, ist pessimistisch, was den Vater betrifft, fragt den Fremdling, ob er schon einmal Gast im Hause war, woher er komme, wer er sei.
Wir bitten Amadé zu komponieren.

Leopold Mozart beschwert sich über das Londoner Wetter:
Es gibt hier eine Art Nationalkrankheit, die "Erkältung" genannt wird ... für Leute, die nicht sehr stark sind, lautet der beste Rat, England zu verlassen und sofort wieder den Kanal zu überqueren. Es gibt zahlreiche Beispiele für jene, die sich nach diesem Wechsel des Landes sogleich besser fühlten.
Leopold selbst und seine zwei Wunderkinder siedeln lediglich in das idyllische Dorf Chelsea über.
Der achtjährige Amadé schreibt dort sieben Wochen ein Notizbuch mit Noten voll, danach komponiert er 1765 seine erste Symphonie.
Erik Smith hat seine Skzzen so zusammengefaßt:
"Die Begegnung mit dem Knaben Mozart außerhalb der sorgsamen Beaufsichtigung durch seinen Vater, der er sich, während dieser krank war, ganz offensichtlich entziehen konnte, ist eine erstaunliche Erfahrung... die melodische Erfindung ist der der meisten seiner angesehenen Zeitgenossen bereits weit überlegen, die Form jedes Stückes ist überraschend gut gelungen, und vor allem stoßen wir auf einen Mozartschen Gefühlsausbruch, zumindest in dem g-moll-Divertimento (KV 15p - r), den wir in den vollendeten Schöpfungen jener Jahre vergeblich suchen. In diesem Zusammenhang sei an den Bericht erinnert, den Daines Barrington genau zu jener Zeit über Mozart verfasste und in dem es über ein von dem Knaben über das Wort »Perfido« improvisiertes »Zornlied« heißt: »Mitten in dem Stück hatte er sich in eine solche Erregung hineingesteigert, dass er auf sein Cembalo wie ein Besessener einschlug und sich dabei manchmal sogar von seinem Stuhl erhob."

Wir sind still, hören staunend dem 8jährigen Genie zu.

KV 15







6. Januar

Mozart KV 16 Sinfonie

Odyssee 1, 178 - 212


Athene erzählt ihre Story:
Er heiße Mentes und herrsche über die schiffahrtsliebenden Taphier, sei auch schon Gast des Hauses gewesen, Laertes kenne ihn, aber der komme ja aus Kummer nicht mehr aus seinem Weinberg heraus und hierher, seit Odysseus verschollen ist. Odysseus lebe noch, werde aber von Wilden gefangengehalten. Ob er denn Telemach, dessen Sohn sei, weil er ihm so ähnele.

Amadé trägt wie Telemach die Gene seines Vaters in sich.
Ebenso seine Schwester Nannerl, die aus Chelsea berichtet:
In London, wo unser Vater bis zum Tode krank lag, durften wir kein Klavier berühren. Um sich also zu beschäftigen, komponierte Mozart seine erste Symfonie mit allen Instrumenten - vornehmlich mit Trompeten und Pauken. Ich musste sie, neben ihm sitzend, abschreiben. Indem er komponirte, und ich abschrieb, sagte er zu mir: 'Erinnere mich, dass ich dem Waldhorn was Rechts zu thun gebe!'
In Mozarts Sinfonien spiegeln sich die verschiedenen Phasen seine Lebens wieder, sie sind geprägt von seiner spontanen Persönlichkeit. KV 16, seine zweite Sinfonie (die erste ist verschollen), in Chelsea komponiert, lässt die Einflüsse Johann Christian Bachs und Abels erkennen, zwei ebenfalls in London ansässige Komponisten.

Der mystischen "Devise Mozarts" (C-D-F-E, im Takt 7 bis 10 des Andante, Hörner) begegnen wir nicht nur im Credo der Missa Brevis KV 186f, im Sanctus der Missa KV 257, sondern auch im Schlussatz der Jupitersinfonie KV 551, seiner letzten Sinfonie, wieder!
Meister Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn Johann Sebastian Bachs, sitzt klein Amadé beim gemeinsamen Improvisieren auf dem Schoß. Er wird sein wichtigster Mentor. Dessen in Italien gebildeter Stil befruchtet Mozart nachhaltig, wird ihm immer in den Ohren bleiben. Im 2. Satz Klavierkonzert A-Dur (KV 414) errichtet er ihm ein Denkmal, er verwendet als Thema die vier Anfangstakte einer Ouvertüre von Bach.

Die Unvergänglichkeit Amadés zeigt uns die Mozartband mit "Dalla Prima" der CD Volcano Allegre, so muss das Presto der Sinfonie KV 16 von Anfang 1764 klingen! Mitpfeifen!





KV 16



7. Januar

Mozart KV 19 Sinfonia

Odyssee 1, 213 - 251


Athene alias Mentes fragt Telemach, warum die Gäste mit so unbändiger Frechheit im Saale schwärmten, ob hier in dem Gewühl ein Gastmahl oder eine Hochzeit stattfinde. Sein Vater Odysseus, mutmaßt Telemach, sei ein Raub der Sturmesgöttinnen und er selbst ein Raub der Freier geworden. Alle Fürsten Ithakas und der umliegenden Inseln würden um seine Mutter werben. Sie könne die aufgedrungene Vermählung weder ausschlagen noch vollziehen; deshalb verprassten die Schwelger all sein Gut.

Telemach wie Amadé stehen vor neuen Aufgaben.

Mozarts sind von wieder auf dem Kontinent.
Kirchen-, Hof- und Hauskonzerte stehen in Dünkirchen, Lille, Genf, Antwerpen, Rotterdam, Den Haag, Amsterdam, Utrecht und Brüssel auf der Tagesordnung - ein Tourneeprogramm, das die Kräfte aller Beteiligten bis aufs äußerste strapaziert. Der Spaß am Reisen weicht für die Kinder spürbar dem Stress der Verpflichtung, als Wunderkinder zu funktionieren. Ein ehemals lustvolles Abenteuer artet aus in zwanghafte Belustigung.
Amadé schreibt 1765 die erste der drei "holländischen Sinfonien", KV 19. Ihr ist Mozarts Stress ebensowenig anzumerken wie Telemach: begleitet von seinen Hunden geht er souverän vor dem staunenden Volk zu seines Vaters Platz. Ob er dabei das Andante der Sinfonia vorausahnte?

KV 19



8. Januar

Mozart KV 19d Sonate für Klavier zu vier Händen

Odyssee 1, 252 - 305


Mentes alias Athene beschwört den Moment, wenn Odysseus in der Tür steht und die Freier bestraft, der Zeitpunkt aber hänge allein von den Göttern ab. Er/sie ermahnt Telemach, eine Versammlung einzuberufen, die Freier fortzujagen. Falls die Mutter eine zweite Vermählung wünsche, dann solle sie die haben. Telemach möge nach Pylos und Sparta fahren, um sich bei Nestor und Menelaos nach seinem Vater zu erkundigen. Er solle auch, alt genug sei er, über die Beseitigung der Freier nachdenken, sich an Orestes ein Bespiel nehmen, der Ägisthos umgebracht habe.

Telemach muss selbständig werden, Amadé auch.

Er ist 9, als er die vierhändige Sonate in C komponiert und am 13. Mai 1765, begleitet von Nannerl, in Hickford's Great Room in London, Brewer Street aufführt, denn für das Geschwisterpaar stehen fremde Kompositionen nicht zur Verfügung; ein noch stark vom Vater und Johann Christian Bach beeinflusstes Werk, aber Mozarts Eigenständigkeit wächst - wie bei Telemach.

Drei Akkordschläge und eine galant dahinschlendernde Fortsetzung eröffnen den ersten Satz. Das Menuett ist von berückendem Charme, und im Final-Rondo kommt überraschend ein Adagio (Athene alias Mentes schwärmt von Odysseus), bevor es mit dem Thema schließt.

KV 19d



9. Januar

Mozart KV 22 Sinfonie Nr. 5 B-Dur

Odyssee 1, 306 - 334


Athene läßt sich von Telemach nicht aufhalten, fliegt als Vogel davon.
Als Phemion vor der still gewordenen Freierschar von der traurigen Heimfahrt der Griechen von Troja singt, hört Penelope das und steigt aus ihren Gemächern hinunter.

Zwei Jahre vor seiner 1765 in Den Haag komponierten dreisätzigen Sinfonie in B-dur hat Amadé die "Mannheimer Walze" kennengelernt. Gleich nach dem Hauptthema enthält der Allegro-Kopfsatz das typische Beispiel dieser flächigen dynamischen Steigerung. Zwei kontrastreiche Sätze folgen: Das melancholisch gefärbte g-Moll des Andante, dann das ausgelassene Rondo-Finale im Kehraus-Stil (Molto allegro).
Mozart arbeitet (wie Telemach an seiner Selbstfindung) hart an seiner Karriere, angeschoben von seinem Vater Leopold (wie Telemach von Athene), verehrt von den Fürstenhöfen in ganz Europa, die das sagenhafte Wunderkind am liebsten live erleben, das zudem unablässig Orchesterwerke und Kammermusik, Stücke zum Zeitvertreib und solche zur höfischen Unterhaltung schreibt.

KV 22



10. Januar

Mozart KV 23 Arie für Sopran "Conservati fedele"

Odyssee 1, 335 - 364


Penelope bittet den Sänger Phemios, aufzuhören mit diesem traurigen Lied, es zerreiße ihr das Herz in der Brust.
Telemach schickt seine Mutter wieder nach oben zu ihrer Weberei - er sei Herr im Hause. Nicht der Sänger sei schuld an dem Leid, sondern Zeus, der den Menschen ihr Schicksal nach Gutdünken beschere. Und im übrigen sei immer das neueste Lied das beste.
Penelope, erstaunt, verschwindet in ihren Gemächern, trauert um ihren Odysseus, singt:
Bewahre die Treue;
denke daran, daß ich zurückbleibe und leide,
und manchmal wenigstens
erinnere dich an mich.

Denn ich werde durch die Macht der Liebe,
indem ich mit meinem Herzen spreche,
mit dir im Gespräche sein...

und wird vom Schlaf übermannt.

Während Phemios von der Griechen Heimkehr singt, lässt Amadé Artaserse singen:
Conservati fedele;
Pensa ch'io resto, e peno,
E qualche volta almeno
Ricordati di me.

Ch'io per virtù d'amore,
Parlando col mio core,
Ragionerò con te.


Caroline von Oranien-Nassau-Diez

Vermutlich hat Mozart die 1765 nach dem Libretto Metastasios komponierte Arie 1766 für die Prinzessin Caroline von Oranien-Nassau-Diez, seine große Bewunderin, überarbeitet ...
Erstaunlich und unvergleichlich sind Spannweite und Dimension der Empfindung und des musikalischen Formungsreichtums, die Mozart in seinen rund 50 Konzertarien, diesen »Gelegenheitswerken« vielfach höchsten Ranges, zu Gebote stehen. Schon in den frühesten Stücken setzt sich mit der Aneignung der Tradition unüberhörbar und bezwingend der eigene, ein ganz und gar origineller Ton durch, eine tektonisch disponierende Phantasie, die dem Vorgefundenen neuen Sinn eingibt. Die schlichte, empfindsame Arie »Conservati fedele« ist dem Typus der »Aria cantabile« zuzurechnen. Man vergegenwärtige sich, wie Beseelung die musikalische Substanz ergreift.

Am 1. August 1765 um zehn hat das Schiff mit Familie Mozart in Dover abgelegt; auf Drängen des niederländischen Gesandten hat sich Leopold Mozart entschlossen, den Weg über Holland zu nehmen, die finanziellen Aussichten waren so gut.

Amadés Schwester Nannerl erkrankt am Bauchtyphus, steckt ihn an und beide entkommen nur knapp dem Sterben.

KV 23





11. Januar

Mozart KV 25 Sieben Variationen für Klavier über "Willem van Nassau"

Odyssee 1, 365 - 398


Ithaka: Die Freier lärmen im Saal, ein jeder von ihnen wäre gern an Penelopes Seite.
Telemach fordert Ruhe, man solle dem himmlischen Gesange lauschen.
Zum Tagesanbruch des nächsten Tags beruft er eine Versammlung ein, Thema: Heimkehr aller Freier.
Wenn ihr es so bequemer und lieblicher findet,
Eines Mannes Hab' ohn' alle Vergeltung zu fressen,
Schlingt sie hinab! Ich will anflehn die ewigen Götter,
Ob euch nicht endlich einmal Zeus eure Taten bezahle,
Daß ihr in unserm Haus auch ohne Vergeltung dahinstürzt!

Antinoos fleht Zeus an, dass Telemach nie die Herrschaft des Eilandes übernehmen solle.
Telemach darauf: Hier in diesem Hause bleibe er in jedem Fall der Herr, auf Ithaka gebe es genug andere Fürsten. Er selbst nähme die Herrschaft aber auch an, weil es nicht übel sei, zu herrschen. Sein Haus fülle sich mit Schätzen und er steige im Ansehen.


Wilhelm V. Batavus Prinz von Oranien

Auch Mozart gewinnt zusehends an Ruhm.
Die acht Klaviervariationen KV 24 und die sieben von KV 25 spielt der zehnjährige Amadé (der Vater gibt ihn als Neunjährigen aus) am 11. März 1766 im holländischen Den Haag zur Feier der Volljährigkeit des oranischen Prinzen Willem V. KV 25 variiert die holländische Nationalhymne »Willem van Nassau«. (Das Thema lässt Mozart übrigens auch am Ende des zur gleichen Zeit geschriebenen Orchesterstückes »Gallimathias musicum« KV 32 fugiert erklingen).
Die Huldigungszyklen gehen in die Musikgeschichte als »Graaf«-bzw. »Wilhelmus-Variationen«, gelegentlich auch als »Holland-Variationen« ein. Vater Leopold Mozart charakterisiert sie in einem Brief trocken als »Kleinigkeiten, in der Geschwindigkeit hingeschrieben«. Das Wunderkind variiert die Themen nach bewährten Figurationsmustern. Es sind saubere rationale Stilübungen, die von der Frische der Themen ihr Leben empfangen.
Willem V. war nach dem Tod seines Vaters unter der Vormundschaft des Herzogs Ludwig Ernst von Braunschweig, Statthalter der Niederlande gestanden. Auch nach seiner Volljährigkeit 1766 überlässt Wilhelm die Leitung der Staatsgeschäfte dem Herzog von Braunschweig. 1767 heiratet Willem in Berlin Wilhelmine von Preußen, die Tochter des Pinzen von Preußen Ausgust Wilhelm. Nachdem diese mit preußischer Hilfe 1787 die Macht der Patrioten in Holland gebrochen hat, wird der unfähige Willem 1795 von den Franzosen vertrieben und flüchtet nach England.

KV 25



12. Januar

Mozart KV 27 Sonate für Violine und Klavier

Odyssee 1, 399 - Ende


Ithaka: Eurymachos, einer aus der Schar der Freier und Sohn des Polybos, erkundigt sich scheinheilig nach dem Unbekannten, der so schnell wieder verschwunden sei. Nach der Antwort wird Telemach klar, dass es in Wirklichkeit Athene gewesen ist.
Die Freier feiern weiter. Telemach geht schlafen, von seiner ihm seit Kindesbeinen treuen Magd Eurykleia umsorgt; Laertes, sein Großvater, hat sie einst zusammen mit dem Gut als blühendes Mädchen für 20 Rinder erworben.
Amadés Musik wiegt Telemach in den Schlaf - er überdenkt die Reise, zu der ihm Athene geraten.

Leopold Mozart ist mit seinen Kindern noch auf Reisen.

Mozarts zweisätzige Sonate KV 27 in G-Dur entsteht im Februar 1766 in den Niederlanden. Amadé reift - wie Telemach. Im Vergleich zu den wenige Jahre zuvor entstandenen Sonaten für Violine und Klavier nähert sich der Aufbau des Werkes allmählich einer gleichberechtigten Arbeitsteilung der Instrumente.

KV 27



13. Januar

Mozart KV 28 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 2, 1 - 34


Volksversammlung am Morgen in Ithaka.
Der weise Ägyptios - einen seiner Söhne, Antiphos, hat Polyphem gefressen, sein zweiter Sohn Eurynomos ist unter den Freiern und seine zwei anderen Söhne bewirtschaften sein Gut - eröffnet die Versammlung, die erste, die stattfindet, seit Odysseus in See stach.
Ägyptios will wissen, wer die Versammlung zu welchem Zweck einberief.
Telemach muss sich nun - wie Mozart - als brillanter Solist erweisen ...

Die ganze Reihe dieser "Kindheitssonaten" (KV 26 bis 31: »Holländische Sonaten« 1766 im Haag) weist die für galanten Modestil typische Kurzmotivik auf und hat einen erhöhten Motiv- und Themenverbrauch zur Folge. Dennoch sind die facettenreichen, mosaikartigen Werke mit ihren häufigen Stimmungsumschlägen ins Moll und ihrem Kontrastreichtum von bestrickender Wirkung.
Hermann Abert, Mozarts großer Biograph: »Im Ganzen zeigt sich der kleine Mozart bereits hier als der vollendetste Kavalier, der sich in der vornehmen Gesellschaft auch musikalisch mit Sicherheit zu bewegen weiß, schwungvoll, ritterlich, voll sprühenden Jugendmutes.«

KV 28



14. Januar

Mozart KV 31 Sonate für Klavier und Violine B-dur

Odyssee 2, 35 - 83


Volksversammlung in Ithaka. Telemach tritt vor, Herold Peisänor reicht ihm das Zepter. Telemach hält seine Ansprache, schildert seine zweifache Not:
Zuerst habe er seinen Vater Odysseus, König von Ithaka, verloren und nun werde sein Haus und sein Vermögen durch die Freierschar ruiniert. Sie umdrängen seine Mutter mit ungestümer Umwerbung. Sie schlachten Rinder, Schafe, gemästete Ziegen für den üppigen Schmaus, schwelgen im funkelnden Wein. Telemach fleht bei Zeus und Themis: Haltet ein!
Wirft theatralisch das Zepter hin, weint, und rührt die ganze Versammlung zum Mitleid.

Gewidmet ist die Sonate KV 31 von 1766, im Haag, der Prinzessin Karoline von Nassau-Weilburg, der älteren Schwester Wilhelm V. (vgl. 10. und 11. Januar). Bündig in ihrer Struktur, enthält sie zahllose Passagen der Imitation zwischen beiden Instrumenten. Zu keinem Zeitpunkt aber übernimmt das Klavier eine reine Begleiterrolle, nicht einmal in den Variationen zum Abschluß. Bemerkenswert auch, wie Mozart die Tendenz zu erweiterten lyrischen Themen entwickelt.

KV 31

15. Januar

Mozart KV 32 Galimathias musicum (Quodlibet)

Odyssee 2, 84 - 128


Volksversammlung in Ithaka. Als einziger in der Versammlung hält Antinoos dagegen:
Er gibt alle Schuld Penelope, Telemachs Mutter. Sie halte die Freier bald vier Jahre hin, habe versprochen, wenn sie den Mantel fertig gewebt, werde sie einem der Freier das Ja-Wort geben. Eine ihrer Mägde habe Penelopes Betrug offenbart, nachts habe sie das, was sie am Tag gewebt, wieder aufgetrennt. Telemach solle seine Mutter zu Ikarios ihren Vater schicken, um einen der Freier zu wählen. Antinoos droht an, eher würden die Freier nicht weichen.


Hendrik Hooft

In den Niederlanden herrschen ähnliche Spannungen wie auf Ithaka.
Nach dem Tod seines Vaters 1751 steht Wilhelm V. seit 1759 unter der Vormundschaft des Herzogs Ludwig Ernst von Braunschweig, gegen den die Patriotenbewegung unter Leitung von Joan Derk van der Capellen tot den Pol, Hendrik Hooft und Jan Bernd Bicker heftig opponiert. Hendrik Hooft, reicher Kaufmann und Amsterdams Bürgermeister, erfährt in der vorwiegend jungen, republikanisch gesinnten Bevölkerung großen Zuspruch. Ihr Bestreben richtet sich gegen den vermehrt monarchischen Machtanspruch des Hauses Oranien-Nassau, die Patrioten wollen die Wiedereinführung einer starken republikanischen Regierung.
Komponiert hat Mozart das Quodlibet als amüsante Festmusik zur Feier der Installation Whilhelms V. (siehe 11. Januar) zum Erbstatthalter der Niederlande im März 1766 im Haag. »Verworrenes Zeug reden« bedeutet das aus der Mode gekommene Sprichwort »Galimathias reden«. Die disparaten Einzelsätze knüpft Amadé zu einer vorgeblichen Einheit zusammen, mit den üblichen Gattungsbezeichnungen ist sie nicht zu fassen.

Dass es Mozart hier um einen musikalischen Spaß geht, direkt und süddeutsch derb, beweist sich an allen Ecken und Enden. Schon die unterschiedlichen, eine zyklische Abrundung verhindernde Tonarten der ersten (D-dur) und letzten (F-dur) Nummer sind symptomatisch.

Aber auch naiv-plakativ gesetzte musikalische Scherze, wie die orientalisch anmutenden Dissonanzen der Melodiestimme im Quintenbaß (Nr. 4), der harte Abbruch der Schlußkadenz im Übergang von Nummer 5 zu Nummer 6, der im vierstimmigem Chorsatz blödelnd malträtierte »Vanitas«-Gedanke (»Eitelkeit! Eitelkeit! ewig's Verderben! wenn all's versoffen ist, gibts nichts zu erben«)

0der der mehr als bescheidene, etüdenhafte Cembalosatz von Nummer 13 und einige Anleihen beim Volkslied Eahna achte müassens sein (acht Sauschneider!) oder beim Schuhplattler (Nr. 5) deuten auf den nicht allzu tiefsinnigen Charakter hin, aber immerhin gibt es auch eine Schlussfuge: Sie verwendet die holländische Nationalhymne Willem von Nassau.

„Galimathias“ (franz. Ungereimtes, Unsinn) = Nonsens-Couplets im Alt-Wiener Volkstheater

KV 32



16. Januar

Mozart KV 33 Kyrie
Mozart KV 34 Offertorium in Festo S. Benedicti "Scande Coeli limina"

Odyssee 2, 129 - 176

Volksversammlung in Ithaka. Telemach erwidert: Niemals werde er seine Mutter Penelope aus ihrem Hause verjagen. Erfleht dann die Gnade der Götter, ob Zeus nicht endlich den Freiern Einhalt gebieten könne ...
Und Zeus erhört sein Bitten ...
Der allmächtige Gott schickt ein Adlerpaar, das über dem lärmenden Markt der Insel einschwebt, die Vögel zerhacken sich in der Luft Wangen und Hals mit den Klauen, wenden sich nach rechts, stürmen über die Stadt hin ...
Die Menge erstarrt.
Alitherses, des Mastors Sohn - er hatte geweissagt, Odysseus werde nach 20 Jahren heimkehren - ergreift das Wort:
Höret mich jetzt, ihr Männer von Ithaka, was ich euch sage!
Aber vor allen gilt den Freiern meine Verkündung!
Ihre Häupter umschwebt ein schreckenvolles Verhängnis!
Denn nicht lange mehr weilt Odysseus fern von den Seinen;
Sondern er nahet sich schon und bereitet Tod und Verderben
Diesen allen; auch droht noch vielen anderen Unheil,
Die wir Ithakas Hügel bewohnen. Lasset uns also
Sinnen auf Rat, wie wir sie mäßigen; oder sie selber
Mäßigen sich, und gleich! zu ihrer eigenen Wohlfahrt!
Euch weissagt kein Neuling, ich red' aus alter Erfahrung! Wahrlich, das alles geht in Erfüllung, was ich ihm damals
Deutete, als die Argeier in hohlen Schiffen gen Troja
Fuhren ...

Herr erbarme Dich - das Kyrie eleison Amadés (KV 33) wäre die einzig angemessene Antwort der Menge Ithakas auf die Zeichen des Himmels gewesen - am 12. Juni 1766 hat Mozart es in Paris komponiert. Im Winter desselben Jahrs schreibt er auf der Rückreise von Paris nach Salzburg sein Offertorium KV 34 auf den unliturgischen Text eines Benediktinermönchs, Dank eines 10jährigen genialen Wunderkinds an den Abt des Klosters Seeon, Gastgeber der Mozart-Familie.

KV 33

I. Aria
Scande coeli limina,
anima sanctissima,
per lampadum luces,
quos superi duces
itineris obviam dant.

Sed quaeso?
Quid nati?
Qui iacti amore,
afflicti dolore,
hic orphani stant.


II. Coro
Cara o pignora,
protegam vos,
coeli ul patria
societ nos.
I. Aria
Steige empor zu den Pforten des Himmels, allerheiligste Seele, durch der Fackeln Schein, die die himmlischen Weggefährten dir entgegenstrecken.

Indes frage ich: Was sind das für Kinder? Um die Liebe betrogen, mit Kummer geschlagen, stehen hier Waisen.


II. Coro
O ihr Unterpfänder der Liebe, ich will euch beschützen. Auf dass die himmlische Heimat uns vereine.


17. Januar

Mozart KV 35 Die Schuldigkeit des ersten Gebots

Odyssee 2, 177 - 207


Volksversammlung auf Ithaka, es geht es hoch her:
Eurymachos verspottet Alitherses, er solle nach Hause gehen und seinen Kindern das Schicksal deuten. Die Adler sonnten sich, aber würden kein Schicksal verkünden, Odysseus sei in der Ferne verstorben, Telemach solle mit seiner Mutter Penelope zu ihrem Vater gehen und die Hochzeit ausrichten für einen der Freier.
Bis sich Penelope entschieden habe, würden die Freier weiter feiern, davon bringe sie niemand ab, auch keine bösen Vorzeichen am Himmel.

Wie bei der Diskussion auf Ithaka geht es im Oratorium des 11 Jahre alten Amadé um eine Moralpredigt im Sinne der Vernunft. Der laue Christ steht zwischen den Verlockungen des Weltgeistes und den Ermahnungen der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Christgeistes, allegorischen Personifikationen.
Der unfreiwillige Heiterkeitserfolg, den die moralisierenden Rezitative heute hervorrufen, erschwert die Wiederbelebung des Stücks in der Konzertpraxis; was bleibt, ist die Bewunderung der Frühreife und Könnerschaft des kindlichen Genies.
Dass am 12. März 1767 ein Oratorium des zehnjährigen Wolfgang Mozart (Mozart war 11!) ganz hervorragend geklungen habe, belegt das Protokoll des Salzburger Universitätsgymnasiums - Titel:
Die Schuldigkeit des ersten Gebots: Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben von ganzem Deinen Herzen, von Deiner ganzen Seel, von Deinem Gemüth, und aus allen Deinen Kräften. In drey Theilen zur Erwegung vorgestellt von J.A.W.
Fünf Solisten: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Weltgeist als Sopran, Christgeist und Christ als Tenor. Ochester mit den üblichen Streichern sowie Oboen, Fagotten und Hörnern, an zwei Stellen Altposaune. Die vollständige Aufführung der drei Teile dauert mehrere Stunden. Ein ergrimmter Löwe brüllet, malt in Fagotten und Hörnern die Schrecken des ergrimmten Raubtiers. Ein anschließender zweiter Teil schildert die Idylle des schlafenden, seiner Gefahr nicht achtenden Jägers. Das Kontrastpaar wird wiederholt, die Arie ist also vierteilig angelegt usw. usw. Secco und Accompagnato wechseln ständig erregt, und wenn die Stimme des Gerichts ertönt, bricht drohend die Altposaune ein. Weltgeist lässt nicht locker. Bis zum hohen D klettert er, um die Grämlichkeit dessen, der die Freuden der Welt verachtet, flott und fast ironisch darzustellen.

KV 35: Sinfonia

KV 35 Nr 2: "Ein ergrimmter Löwe brüllet"

KV 35 Nr 4: "Hat der Schöpfer dieses Leben"

KV 35 Nr. 7: "Schildre einen Philosophen"



18. Januar

Mozart KV 37 Konzert für Klavier

Odyssee 2, 208 - 256


Volksversammlung Ithaka: Telemach verkündet seinen Entschluss, nach Sparta und Pylos zu segeln, nach seinem Vater zu forschen. Falls dieser lebe, werde er noch ein Jahr zuwarten. Andernfalls werde er seiner Mutter einen Mann geben.
Mentor ergreift das Wort, tadelt die Freier und die anderen, die deren Treiben tatenslos zusehen.
Leiokritos, ein Freier warnt, sich nicht mit ihnen anzulegen, selbst wenn Odysseus zurückkäme, könne er sie in dieser Überzahl nicht besiegen, er hoffe aber, Odysseus kehre nie zurück.
Telemach wird, wie Amadé, auf seinen Reisen wichtige Erfahrungen machen ...

Die Klavierkonzerte der Wiener Zeit sind von unglaublicher Meisterschaft und Ausdruckskraft, Krönung und Gipfel eines instrumentalen Schaffens, für jeden Hörer unerschöpfliche Quelle emotionellen und intellektuellen Vergnügens. Das alles ist nicht vom Himmel gefallen, auch bei Amadé nicht, er hat es vorbereitet in einer mehr als zehnjährigen Beschäftigung mit der Gattung.
Die Konzerte KV 37, 39 bis 41 hat man lange für des Genies Originalwerke gehalten. Alle ihre Themen stammen aber von anderen Komponisten, sind Früchte der langen Reise nach England, Frankreich, Holland, wo der kleine Amadé bekannten Klavieristen wie Johann Christian Bach begegnet. Bei KV 37 stehen Raupach, Honauer und Schobert Pate. Dieses sogenannte "Pasticcio-Konzert" entsteht 1767 in Salzburg, der elfjährige Komponist übt sich im Arrangieren und Orchestrieren solistischer Werke...

KV 37





19. Januar

Mozart KV 38 Apollo et Hyacinthus seu Hyacinthi Metamorphosis


Odysse 2, 257 - 295

Die Volksversammlung in Ithaka löst sich auf, die Freier gehen zurück zum Haus des Odysseus, Telemach betet am Strand, verzagt. Ihm erscheint Göttin Athene in Mentors Gestalt. Zwar seien die wenigsten Kinder so tüchtig wie ihre Väter, aber er solle allen seinen Mut zusammennehmen, sein Ziel zu erreichen. Die Freier werde ihr Schicksal ereilen, er selbst, so Mentor/Athene, werde ihm das Schiff rüsten, ihn auf der Reise begleiten und Freiwillige suchen als Ruderer.
Eine wunderbare Blume wächst aus des Hyazinthos Grab, im Schmerz über den Tod des Knaben lässt Apollo sie sprießen ...

Amadé bewegt sich im Mythen-Kreis von Hellas, wo die Göttin Athene Telemach ermutigt, endlich sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Benediktiner-Pater Rufinus, alias Philosophieprofessor Widl verfasst zur traditionellen Aufführung am Schulende des Universitätsgymnasiums in Salzburg das Theaterstück Clementia Croesi - auf Lateinisch versteht sich. Die hierzu in Inhalt und Aufbau sinnvolle Ergänzung ist die ebenfalls vom Pater verfasste Comedie Apollo et Hyacinthus, die von der Liebe des Apollo zu dem schönen Jüngling Hycinthos handelt, den der Gott im Spiel unabsichtlich tötet.
Das heikle Thema der Knabenliebe vermeidet der Pater, er führt einfach zwei weitere Personen ein: als Vater des Hyacinthus den Oebalus und als Schwester des Knaben die Melia, die nun Gegenstand der Liebe Apollos wird.
Der elfjährige Amadé, der zwischen zwei langen Tourneen - 4 Jahre England, Frankreich, Holland und bald über ein Jahr Wien - in Salzburg an seiner Fortbildung im Kontrapunkt und Komponieren von Anfang Dezember bis April arbeitet (Die Schuldigkeit des ersten Gebots und eine wunderbare Grabmusik entstehen) soll die lateinische Komödie vertonen.
Das kindliche Musikgenie erfüllt den Auftrag meisterlich. Das Duett (Nr. 8 Natus cadit) ist eines jener unerklärlichen Wunder mozartscher Musik, die noch 200 Jahre später ins Erstaunen versetzt.

KV 38 Duetto "Natus cadit"

Nr. 8
OEBALUS
Natus cadit,
atque Deus
me nolente,
nesciente
laesus abit.
Regnum sine Numine
iam non diu stabit:
Numen! quaeso, flectere,
et ad nos revertere!

MELIA
Frater cadit,
atque meus
te iubente,
me dolente
sponsus abit.
Sponsa sine complice
quaeso, quid amabit?
Noli sponsam plectere!
Numen! ah regredere.

OEBALUS Der Sohn tot, der Gott, ohne dass ich es will, ohne dass ich es weiß, beleidigt, verlässt uns. Ohne Gottes Schutz wird das Reich nicht lang bestehen: o Gott, ich flehe, lass dich umstimmen, kehre zu uns zurück!
MELIA Der Bruder tot, auf dein Geheiß, zu meinem Schmerz verlässt mich der Verlobte. Braut ohne Bräutigam, ich bitte dich, wen soll sie lieben? Strafe nicht die Geliebte! Gottheit, ach, kehre zurück!



20. Januar

Mozart KV 41 Konzert für Klavier

Odyssee 2, 296 - 320


Ithaka. Den vom Strand heimkehrenden Telemach nimmt Antinoos lachend bei der Hand, verhöhnt ihn: Er solle mit den Freiern gemütlich weiterprassen, das mit der Schiffsreise werde sich ergeben.
Zornig tadelt Telemach ihn, schwört Rache den Freiern, egal, ob er hier auf Ithaka bleibe oder nach Pylos segle. Er habe ein Schiff gechartert und Ruderer gedungen, er selbst besitze beides nicht, und er werde, koste es was es solle, bald ablegen.

Wie Telemach bei Athene lernt, so Amadé bei bekannten Vorbildern, deren Sonaten er zu Konzerten auf seinem Instrument, dem Klavier, ausarbeitet.
Im letzten "Pasticcio-Konzert" KV 41 bearbeitet Amadé (das Autograph trägt durchweg die Handschrift seines Vaters) im 1. und 3. Satz eine Sonate von Gottfried Honauer, im 2. eine solche von Hermann Friedrich Raupach.

KV 41





21. Januar

Mozart KV 51 (46a) La finta semplice

Odyssee 2, 321 - 360


Ithaka, nach der Volksversmmlung. Auch die anderen Freier verspotten ihn, unterstellen Telemach, sich Hilfe aus Pylos und Sparta zu holen, er sinne auf ihre Ermordung oder Vergiftung.
Telemach steigt in das von Eurykleia wohl behütete und bestens bestückte Kellergewölbe seines Vaters Odysseus hinab und heißt die Schaffnerein Mehl und Wein abzufüllen, er werde abends abreisen.

Entfernt erinnert die seltsame Atmosphäre auf dem Landschloß bei Padua, wo die Finta semplice spielt und auch die von Wien, wo die Kulturmafia deren Uraufführung verhindert, an das Treiben des Freierschwarms auf Ithaka ...

Seitdem Familie Mozart wieder zu Hause in Salzburg ist, will Vater Leopold die Verächter im eigenen Land mit dem auslanderprobten Talent des jungen Komponisten beschämen. Er selbst ist der ewig Zweite am fürsterzbischöflichen Hof (Vizekapellmeister), jetzt aber Impressario europäischen Ranges.
Der Sohn soll es ihnen bei den Feierlichkeiten zeigen. Die Schuldigkeit des ersten Gebots (KV 35) und Apollo et Hyazinthus (KV 38) und diverse Symphonien und Kirchensonaten tun das Ihre.

Schon im September 1767 geht es weiter nach Wien. In der habsburgischen Metropole haben sich die Voraussetzungen geändert. Der Wiener Kulturbetrieb ist in den Händen eigens dafür bestallter Agenten, die der französischen Opera comique und der italienischen Opera buffa den Vorzug geben, jener Operngattung, die sich gegen die aufkommende Verstandeskultur der Musik stellt.
Als Amadé im Juli 1768 sein erstes Dramma giocoso per musica La finta semplice vorlegt, gibt Guiseppe Affligio, angeblich, weil er nicht an den Erfolg glaubt, die Subventionsgelder dafür nicht frei. Der empörte Vater belästigt mit Intrigantenschelte und maßlosen Überheblichkeiten Ihre Majestäten, das Kaiserpaar. Den enttäuschten Wolfgang stimmt die Selbstüberschätzung seines Vaters nachdenklich. Die Familie kehrt nach Salzburg zurück, wird aber schon nach elf Monaten wieder Richtung Süden aufbrechen.
Den Kompositionsauftrag nach einem Text von Goldoni hatte Mozart im Januar vom Kaiser bekommen. Schwerpunkt des als Intrigenspiel gestalteten Librettos liegt auf 21 Arien, in welchen Mozart bereits musikalische Charakterisierungskunst beweist. Als Ouvertüre fungiert KV 45 (bearbeitet). Die Oper wird im Mai 1769 in Salzburg aufgeführt.

KV 51: Nr. 3 "Marito io vorrei"



3. Aria
GIACINTA
Marito io vorrei,
Ma senza fatica.
Averlo, se comoda;
Lasciarlo, se intrica;
Che aspetti degli anni,
Che sole le mani
Gli basti baciar!

In somma io desidero
Un uomo d'ingegno,
Ma fatto di legno,
Che dove lo metto,
La sappia star.

Ich möchte einen Mann, doch keine Plage; mit ihm sein, wenn er mir nicht zur Last fällt, ihn verlassen, wenn er stört, einen, der jahrelang wartet und sich bescheidet, mir die Hände zu küssen!
Kurz, ich wünsche mir einen geistvollen Mann, dabei aus Holz geschnitzt, der an dem Platz stehen bleibt, an den ich ihn stelle.



22. Januar

Mozart KV 45 a Sinfonie G-dur "Alte Lambacher"

Odyssee 2, 361 - 398


Ithaka. Aus Sorge um ihn versucht die treue Eurykleia Telemach von seiner Reise abzuhalten - vergeblich; sie muss ihm sogar versprechen, seiner Mutter seinen Aufbruch zu verschweigen.
Athene derweilen besorgt in Telemachs Gestalt ein Schiff und Ruderer, gießt schweren Schlaf über die zechende Freierbande aus, damit diese nichts merkt. Das Schiff liegt nun startbereit im Wasser am Strand.
Während der Sohn des Odysseus aufbricht, den Vater zu suchen, kehren Vater und Sohn Mozart frustriert und enttäuscht von Wien heim nach Salzburg.

Von alldem merkt man der leichten, schwebenden Musik der Lambacher Sinfonie nichts an. Bereits 1766 ist sie in Den Haag entstanden, die Sinfonie, die Vater und Sohn dem Kloster Lambach bei einer Zwischenstation auf ihrer Rückreise nach Salzburg 1769 für die Gastfreundschaft schenken, in einer überarbeiteten Fassung. (Die zweite dem Kloster überlassene Sinfonie, die sogenannte "Neue Lambacher Sinfonie", stammt von Leopold Mozart - worüber sich aber die Gelehrten streiten...)

KV 45a





23. Januar

Mozart KV 50 Bastien und Bastienne

Odyssee 2, 399 - Ende


Ithaka. Telemach bunkert holt zusammen mit der am Schiff wartenden Crew, sie besteigen das Schiff, auf dem Athene - unerkannt - nahe dem Steuer sitzt, und werfen die Leinen los.

Einen günstigen Wind gab ihnen Pallas Athene,
Frischer West kam über das rauschende, dunkle Gewässer.
Aber Telemachos trieb und ermahnte die lieben Gefährten,
Schnell an die Rüstung zu gehn. Sie folgten seinem Befehle:
Stellten den fichtenen Mast in das Loch in der Mitte des Bodens,
Richteten hoch ihn empor und banden ihn fest mit den Seilen;
Spannten die schimmernden Segel mit stark geflochtenen Riemen.
Voll in die Segel brauste der Wind, es donnerte laut auf
Rings die purpurne Flut um den Kiel des gleitenden Schiffes;
Also durchzog es die Wogen, den Weg in Eile vollendend.
Als nun alles Nötige so im Schiffe getan war,
Stellten sie Krüge zurecht und füllten sie alle mit Wein auf.
Davon spendeten sie den unsterblichen ewigen Göttern

Endlich hat Telemach Initiative gezeigt - und Amadé liefert zur Gattung des deutschen Singspiels seinen ersten eigenständigen Beitrag mit Bastien und Bastienne, nicht etwa das Werk eines frühreifen Kindes, sondern eines zwölfjährigen Genies.
Als Auftragskomposition für Mozarts damaligen Gönner, den Heilmagnetiseur Franz Anton Mesmer (seine Heilmethode ironisiert Mozart übrigens später in Cosi Fan Tutte) entsteht das Singspiel 1767/68. Ausgangspunkt ist Jean-Jacques Rousseaus Intermède "Le devin du village", der 1755 nach Wien gelangt. "Marionettenfiguren" sollen die Personen des Stückes sein, womit Kritiker nicht ganz Unrecht haben, außer der Zauberer Colas, dessen Auftritt die Dudelsackmelodie ankündigt. So recht nach Mozarts Geschmack und Humor ist die Gestalt: Colas ist kein unheimlicher Magier, sondern eher der gutmütige augenzwinkernde Philantrop, was ihn aber nicht hindert , Bastien mit der unheimlichen Befragung seines Zauberbuches in der Arie Diggi, daggi, schurry, murry einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Das herrlich alberne Kauderwelsch von Kunstworten und Brocken verschiedener Sprachen der c-moll-Arie - in merkwürdigem Kontrast zum düsteren Mollcharakter der Musik mit den stürmisch dahinjagenden Läufen der Violinen und der ernsthaften Deklamation - erzeugt eine einmalig komische Wirkung.
Und ist Colas nicht eine Vorwegnahme des Don Alfonso in Cosi Fan Tutte, keimen im Hinweis auf die "Edelfrau vom Schloss" nicht auch schon sozialkritische Ideen Amadés?

KV 50: Intrada

KV 50: Nr. 10 "Diggi, daggi"

Diggi.daggi,
schurry, murry,
horum, harum,
lirum, larum,
raudi, maudi,
giri, gari,
posito,
besti, basti,
saron froh,
fatto, matto,
quid pro quo.



24. Januar

Mozart KV 45b (Anh. 214) Sinfonie

Odyssee 3, 1 - 28


Bei Sonnenaufgang ist das Schiff Telemachs vor Pylos, wo am Strand etwa 5.000 Männer dem Poseidon ein Stieropfer darbringen. Sie legen an und Athene ermuntert den zögerlichen Telemach, sich nicht zu scheuen, mit Nestor zu reden:
Einiges wird dir dein Herz selber sagen, o Jüngling;
Anderes wird dir ein Gott eingeben.

Dem 12-jährigen Knaben Amadé muss ebenfalls ein Gott Musik und Themen eingegeben haben ...
1768 entsteht in Wien seine B-Dur-Sinfonie KV 45b. Ihr Kopfsatz verzichtet auf jegliche Wiederholungen. Unüberhörbar das zweite Thema im Bass: f-g-b-a: Als Fugenthema c-d-f-e begegnet es uns im Finale der Jupiter-Sinfonie wieder.

KV 45b





25. Januar

Mozart KV 47 Veni Sancte Spiritus
Mozart KV 49 (47d) Missa brevis

Odyssee 3, 29 - 61


Peisistratos, der mit seinem Vater Nestor im Palast von Pylos beim Essen sitzt, lädt Telemach und seine Begleiter ein, gereicht Fleisch und Wein. Peisistratos fordert sie auf, danach dem Poseidon zu opfern und zu beten.
Und Athene betet:
Höre mich, Poseidon, du Erdumgürter! Verwirf nicht
Unser frommes Gebet; erfülle, was wir begehren!
Nestorn schmücke vor allen und Nestors Söhne mit Ehre;
Und erfreue dann auch die ändern Männer von Pylos
Für ihr herrliches Opfer mit reicher Wiedervergeltung!
Mich und Telemachos laß heimkehren als frohe Vollender
Dessen, warum wir hierher im schnellen Schiffe gekommen!

2 Jahrtausende später vertont Amadé das passende Gebet zum Heiligen Geist, der kommen möge, um in den Herzen der Gläubigen das Feuer der Liebe zu entzünden, über alle Sprachgrenzen hinweg.

Die mit Oboen, Hörnern, Clarini und Pauken reich besetzte Antiphon folgt einem Text aus der Pfingstsonntagsmesse. Gegliedert in Soli und einen blockhaften Chorsatz mit kontrastierenden Themen steht sie ganz in der Tradition der Salzburger Kirchenmusik. Ein schönes Beispiel für die solenne Pracht der Wiener Kirchenmusik vor den Restriktionen Joseph II.

Die Missa brevis KV 49 ist Amadés früheste überlieferte Messe, er schreibt sie in Wien. Wieder überrascht die Fähigkeit des Zwölfjährigen, mit dem Problem der textreichen Sätze fertig zu werden. Im Gloria löst er es durch motivische Verwandtschaft aller melodischen Bildungen, eine Technik, die er in seinen späteren Salzburger Messen zur Meisterschaft entwickelt.

KV 47 Veni Sancte Spiritus

KV 49 Missa brevis





26. Januar

Mozart KV 48 Sinfonie Nr. 8 D-Dur

Odyssee 3, 62 - 101


Endlich fragt Nestor die Neuankömmlinge in Pylos nach dem Woher und Wohin, ob sie etwa Seeräuber seien. Telemach stellt sich vor und erkundigt sich nach dem Verbleib seines Vaters Odysseus.

Kurz vor der Rückreise Leopold Mozarts und seiner beiden Kinder von Wien nach Salzburg entsteht die "Wienerischste Sinfonie" Amadés. Das Werk besticht durch dynamische und harmonische Überraschungseffekte. Überraschendes Finale mit einer - wie in Leopold Mozarts etwa gleichzeitig komponierten "Neuen Lambacher Sinfonie" - hektischen Gigue

KV 48 Sinfonie Nr. 8 D-Dur



27. Januar

Mozart KV 42 (35 a) Grabmusik (Passionskantate)

Odyssee 3, 102 - 134


Pylos. Und Nestor erzählt vom Leid der Achaier vor Troja. Er zählt die Gefallenen im neunjährigen Krieg auf:
Aias, Achilleus, Patroklos, sein eigener geliebter Sohn Antilochos. Odysseus habe alle Listen des Kriegs erfunden, er, Nestor sei sich immer einig gewesen mit ihm. Nach der Eroberung Trojas aber habe das Verhängnis begonnen.

Und Amadé betet am "Heiligen Grab" seiner Salzburger Kirche im Gedenken an das Leiden Christi. In der Passionskantate für Sopran, Bass, gemischten Chor, Orchester und Orgel entspinnt sich ein Dialog zwischen Seele (Bass) und Engel (Sopran), wobei Mozart die Bassarie im Stil einer "Aria agitata", die Sopranarie lyrisch vertont. Das Werk ist reich an barocken Wendungen und Affektdarstellungen mit einer streng an den Text gebunden Form.

KV 42



Und natürlich:

Congratulations!!!

Am 27. Janaur 1746

wurde unser Wunderkind



Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart

in Salzburg geboren!


28. Januar

Mozart KV 45 Sinfonie Nr. 7 D-Dur

Odyssee 3, 135 - 164


Menelaos und Agamemnon, so erzählt Nestor in Pylos weiter, hätten sich entzweit. Menalaos forderte die Griechen auf, über das Meer nach Hause zu schiffen. Agamemnon wollte noch bleiben und Hekatomben opfern. Im Heer brach ein wilder Streit los und am nächsten Morgen stach ein Teil in See, die andere Hälfte blieb mit Agamemnon.
In Tenedos opferten die, die sofort los gesegelt waren, neuer Streit brach aus. Odysseus wollte es mit Agamemnon nicht verderben und segelte zurück, er Nestor, sei weitergefahren. Telemach lauscht aufmerksam.

Ob einer der Griechen auch solche Furcht vor Trompeten hatte?

Im Januar 1768 in Wien komponiert Amadé die viersätzige Sinfonie KV 45. Sie ist erstmalig mit Pauken und Trompeten besetzt, er hat seine Angst überwunden:
"Fast bis in sein 10tes Jahr hatte er eine unbezwingliche Furcht vor der Trompete, wie man ihm eine Trompete nur vorhielt, war es eben so viel, als wenn man ihm eine geladene Pistolle aufs Herz setzte, Papa wollte ihm diese kindische Furcht benehmen, und befahl mir einmal trotz seines Weigerns ihm entgegen zu blasen, aber mein Gott! hätte ich mich nicht dazu verleiten lassen, Wolfgangerl hörte kaum den schmetternden Ton, ward er bleich und begann zur Erde zu sinken" schreibt Hoftrompeter Johann Andreas Schachtner in einem Brief.

Der schönen Musik (mit Ausnahme des Menuetts) sind wir schon begegnet in der Opernsinfonie am Anfang von La finta semplice KV 51 (siehe 21. Januar); Mozart hat sie

KV 45 Sinfonie Nr. 7 D-Dur



29. Januar

Mozart KV 76 (42a) Sinfonie

Odyssee 3, 165 - 185


Pylos. Nestor fährt fort in seinem Bericht:
Diomedes und Menelaos schlossen sich der Flotte an, in Lesbos besprachen sie den Kurs, ob nördlich oder südlich an Chios vorbei. Gott habe das Zeichen gegeben, man solle geradewegs Euböa ansteuern, nachts war man vor Geraistos, opferte dem Poseidon. Am vierten Tag landete Diomedes in Argos, er, Nestor segelte bei bestem Wind durch bis Pylos. Daher wisse er nichts vom Schicksal der anderen.

So uneins wie die Griechen nach Trojas Niederlage sind bei dieser Sinfonie die Fachleute, was Entstehungszeit (wohl 1767) als auch Autorenschaft angeht. Die einen argumentieren mit satztechnischen Detailuntersuchungen, die anderen mit auffallender stilistischer Reife des Menuetts.
Wir glauben an Amadés Urheberschaft.

Mozart KV 76 (42a) Sinfonie



30. Januar

Mozart KV 43 Sinfonie Nr. 6 F-Dur

Odyssee 3, 186 - 224


Nestor erzählt in Pylos seinem Gast Telemach, was er sonst noch in Erfahrung gebracht hat:
Die Myrmidonen und Philoktetes sind angekommen, Idomeneus ist in Kreta gelandet, der Meuchelmörder Ägisthos ist bestraft und umgebracht worden. Diese Tat, wirft Telemach ein, wolle er sich zum Vorbild nehmen, um die Freier zu strafen.
Nestor spricht ihm Trost und Hoffnung zu, vielleicht erscheine Odysseus doch noch. Und: Nie sei jemand von Göttin Athene je so geliebt worden, wie Odysseus - und sollte das bei Telemach auch so sein, hätten die Freier keine Chance.

Wie der junge Telemach sich an Vorbildern orientiert, so auch Mozart, den die Göttin der Muse sicher über alles geliebt hat. Zu dieser Zeit ist es vor allem Johann Sebastian Bachs Sohn Johann Christian Bach, an dem er sich orientiert.

Ende des Jahres 1767 erkrankt der kleine Amadé in Wien an den Blattern. Kurz davor schreibt das Genie seine erste viersätzige Sinfonie. Dem 2. Satz Andante sind wir schon einmal begegnet: es ist eine Orchesterfassung des Duetts Natus cadit, atque Deus aus dem im Frühjahr desselben Jahres entstandenen Apollo et Hyacinthus KV 38 (siehe 19. Januar). Im Finale unterstreicht Jagd-Motivik den pastoralen Charakter der Tonart F-Dur.

KV 43 Sinfonie Nr. 6 F-Dur



31. Januar

Mozart KV 36 (33i) Rezitativ und Arie (Licenza) für Tenor
Mozart KV 70 (61c) Rezitativ und Arie (Licenza) für Sopran

Odyssee 3, 225 - 242


Telemach in Pylos lässt seinem Pessimismus wieder freien Lauf, er glaubt nicht mehr an eine Heimkehr des Vaters.

Auch der Jubeldichter für den Erzbischof von Salzburg ist verzweifelt: Als er seine Gedanken formen will, wird er schwach, bis ins Land der Etrusker fliegt er hin und erfährt, es sei besser zu schweigen. Und er schweigt.
Mozart nicht.

Zwischen 1765 und 1769 komponiert der kleine, 10jährige Amadé die beiden Rezitative und Arien zu Ehren des Fürsterzbischofs Sigismund von Schrattenbach. Beide Werke zeichnen sich durch hohes Pathos aus. Auch die Umsetzung der wenig musikablen Inhalte der Texte in den typischen Affektgestus der Seria-Arie sind bemerkenswert.

Der Textdichter ist unbekannt, Amadé hätte sich bei den Formulierungen die Feder gesträubt ...

Bei seiner Wahl 1753 hatte der aus Franken stammende Schrattenbach kein Glück gehabt. Der sittenstrenge, romtreue, fleißige, geschäftstüchtige, diplomatische gelernte Theologe wurde erst am 13. Wahltag und in der 50. Abstimmung mit elf von zwanzig Stimmen gegen Graf Thun, Bischof von Gurk, gewählt. Graf Thun war ausgesprochen verhasst bei den Untertanen, aber auch Schrattenbach war keineswegs beliebt. Er selbst betrachtete seine Wahl als vom Heiligen Geist.
Das Salzburger Hofdiarium meldet: "letzliche war die Licenza in Einem recitatif und ein Aria, So welche Musique darüber der Junge Mozard Wolfgang, Sohn des hiesigen Vice Capelmeisters und bewunderungswürdige Knab von 10 jahr, in dem Instument Ein Vollkommener Meister, auch erst von England hier ankommen, zu iedermans bewunderung componiert hat"

KV 70 (61c) Rezitativ und Arie (Licenza) für Sopran

Rezitativ
A Berenice e Vologeso sposi
Apparve al fin aurora
Di contentezza e pace.
Luce assai più festiva e più vivace,
Ch'oggi nacque di nuovo,
A me si rappresenta
In Sigismondo prence
E mi rammenta il mio dover
Di raccontar le lodi
Di questo di solenne.
lo lo previdi,
E volendo formar il mio concetto,
Deboli troppo i sensi miei trovai.
Confuso dunque e in fretta io mi portai
Del pegaso su le ale
Sin alla etrusca sponda
Da quella musa celebre e faconda,
A domandar soccorso.Ma non bastante anche essa
A soddisfar le mie richieste ansiose,
In questi pochi accenti a me rispose:
Virtù, ehe di lodare il ciel istesso
La cura ed il potere a se ritiene,
Solo ammirar tacendo a noi conviene.

Arie
Sol nascente in questo giorno,
Deh! perdona al tenue ingegno,
E ammirarti io vo' tacendo,
E ammirando io tacerò.

Del tuo lustro chiaro e degno,
Di virtù si rare adorno,
La grandezza io non comprendo,
E a dover spiegar non so.

Dem bräutlichen Paar Berenice und Vologeso erschien zuletzt die Morgenröte voller Zufriedenheit und Frieden. Ein viel festlicheres und lebhafteres Licht, das heute erneut geboren wurde, zeigt sich mir im Fürsten Sigismund und erinnert mich an meine Pflicht, den Lobpreis zu künden zu diesem festlich-hohen Tag. Ich sah es voraus, und in der Absicht, meinen Gedanken zu formen, fand ich meine Sinne zu schwach. Verwirrt also und eilig begab ich mich auf den Flügeln des Pegasus bis zu den Gegenden der Etrusker, um von dieser gefeierten und fruchtbaren Muse Hilfe zu erbitten.

Aber auch sie war nicht in der Lage, meine unruhig suchenden Wünsche zu erfüllen, und antwortete mir mit diesen wenigen Andeutungen: Die Tugend, die zu lobpreisen der Himmel selbst sich Sorge und Fähigkeit vorbehält, ziemt uns nur, schweigend zu bewundern.

Du an diesem Tag aufsteigende Sonne, ach, vergib dem geringen Geist. Und ich will dich schweigend bewundern, und in Bewunderung will ich schweigen. Die Größe deines klaren und würdigen Glanzes, der geschmückt ist durch so seltene Tugenden, kann ich nicht umfassen, und ich weiß sie nicht nach Schuldigkeit zu erklären.