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1. Februar

Mozart KV 66 Dominicus-Messe

Odyssee 3, 243 - 275


Telemach erkundigt sich in Pylos bei seinem Gastgeber Mentor nach Agamemnon und Menelaos.
Mentors Bericht:
Während die Griechen vor Troja gekämpft haben, umgarnt Ägisthos Agamemnons Frau Klytämnestra mit süßem Geschwätz. Zuerst hört sie den Verführer mit Abscheu, ie wird ja auch von einem Sänger behütet, den Agamemnon zu ihrem Schutz bestellt hat. Ägisthos entführte den Wächter auf eine Insel und Klytämnestra in seinen Palast.

So schlimm geht es bei Mozarts in Salzburg nicht zu.
Ihr Hausherr und Familienfreund, Johann Lorenz Hagenauer, hat einen Sohn Cajetan, mit Klosternamen Dominicus, seit 1764 Novize, später Pater im Benediktinerkloster St. Peter. Für dessen Primiz im Oktober 1769 schreibt Amadé die Messe C-Dur, die deshalb Dominicus-Messe heißt. Mozart rechnet mit der großen Musikfreude Cajetans, Gloria und Credo legt er siebenteilig an.
Besonders eindrucksvoll sind im Gloria das "Qui tollis" (g-moll), der a-capella anhebende "Crucifixus"-Chor im Credo (c-moll) und die "Cum sancto spiritu"-Fuge im Gloria. Sogar Kadenzen hat der noch immer im Kindesalter (er ist 13!) stehende Komponist für die Solisten eingebaut.

KV 66: Credo







2. Februar

Mozart KV 66: Dominicus Messe

Odyssee 3, 276 - 302


Mentor, der Gastgebers Telemachs in Pylos, fährt in seinem Bericht über Agamemnon und Menelaos fort:
Er, Mentor, und Menelaos, enge Freunde, segelten in Flottille zusammen von Troja zurück. Beim Kap Sunion fiel der am Steuer auf Menelaos' Schiff stehende Lotse Phrontis plötzlich tot um. Menelaos begrub ihn und fuhr später weiter. Bei Kap Maleia geriet er dann in einen fürchterlichen Sturm, der die Flotte zerschlug und Menelaos nach Ägypten verschlug, wo er aber viel Gold und Schätze gewann.

Auch Mozarts Vater Leopold treibt es wieder um, er will gen Süden.
Amadés Te Deum, Ende 1769 kurz vor Beginn der Italienreise entstanden, Takt für Takt einem Te Deum von Michael Haydn nachgebildet und deshalb lange diesem zugeschrieben, übertrifft Haydns Werk aber in Gestaltung von Harmonik und Rhythmik, wiederum Beweis für das erstaunliche Können des Dreizehnjährigen. Mozart treibt den ausgedehnten Text radikal im Tempo voran und bewältigt ihn rein homophon-deklamatorisch, kurze Ruhepunkte gibt es nur an zwei Stellen, bei "Te ergo quae sumus" und "Miserere".
Die homophone Deklamation folgt der Prosodie des "Hymnus Ambrosianus", sie endet in einer Doppelfuge. Das in noch nicht sieben Minuten vorüberbrausende Stück ist rein chorisch und von mitreißender Geschlossenheit.
Im süddeutschen Raum hat der "Ambrosianische Lobgesang" zwar nicht jene pompösen Vertonungen wie in Frankreich, gehört aber dennoch zum festlichen Ritual.

KV 66







3. Februar

Mozart KV 67 Kirchensonate
Mozart KV 72a Kirchensonate

Odyssee 3, 303 - 336


Nestor erzählt seinen Gästen vom Mord, den Ägiosthos an Agamemnon begeht, wie der Mörder dann 7 Jahre über das goldgeschmückte Mykene herrscht, wie der Sohn Agamemnons, Orestes, Rache nimmt, Ägisthos und Klytämnestra tötet. Und genau an dem Tag, als sie bei der Bestattung der beiden ein Opfer bringen, kommt Menelaos zurück.
Am Ende rät Nestor dem Telemach, Sparta aufzusuchen, per Schiff oder auf dem Landweg, und dort Menelaos nach seinem Vater befragen.
Mentor/Athene erinnert schließlich daran, dass nun Schlafenszeit sei.

Als Amadé auf seiner Italienreise gemalt wird, gab es sicher eine andere Art von Unterhaltung als der zwischen Telemach und Nestor.

Im Januar 1770 in Verona gibt der Generalsteuereinnehmer Pietro Luggiati dem Maler Giambettino Cignaroli (1706-1770) ein Porträt Mozarts in Auftrag. Das aufgeschlagene Notenblatt ist Allegro KV 72a. An diesem Stück fallen die Synkopen und das sich aufschraubende Achtelmotiv im Bass auf.
Zwischen 1771 und 1780 schreibt Amadé insgesamt 17 einsätzige Kirchensonaten ("Sonate all’Epistola") in Sonatensatzform für eine Besetzung von üblicherweise zwei Violinen und einer Bassgruppe aus Orgel, Violoncello, Fagott und Violone für den Salzburger Domgottesdienst. Sie erklingen anstelle des gesungenen Graduale.
Die Es-Dur-Sonate (KV 67/41h) hebt sich von den übrigen Sonaten durch ihren kantablen Charakter ab, der ein langsameres Tempo impliziert. Die formale Anlage entspricht hier nicht dem Sonatenschema, sondern der kurzen zweiteiligen Arienform.

KV 67



KV 72a







4. Februar

Mozart KV 77 (73e) Rezitativ und Arie für Sopran "Misero me - Misero pargoletto"
Mozart KV 78 (73b) Arie für Sopran "Per pietà, bell' idol mio"
Mozart KV 88 (73c) Arie für Sopran "Fra cento affani"

Odyssee 3, 337 - 370


Als Telemach und Mentor/Athene in Pylos nach den Erzählungen Nestors auf ihr Schiff zum Schlafen gehen wollen, protestiert Nestor: Er wisse, was Gastfreundschaft sei, Telemach, der liebe Sohn eines so guten Freundes, dürfe keinesfalls an Deck seines Schiffes schlafen. Athene/Mentor will aber in jedem Fall auf das Schiff und Vorbereitungen für die Abfahrt treffen, er/sie wolle morgen früh zu den Kaukonen segeln. Nestor solle Telemach mit Ross und Wagen, begleitet von einem seiner Söhne, nach Sparta zu Menelaos schicken.

Auch Amadé ist wieder auf Reisen, er erobert Innsbruck, Rovereto, Verona, Mantua im Sturm. Am 23. Januar 1770 kommen er und Vater Leopold beim Grafen Firmian in Mailand an. Der zweirädrigen Sedia, einem nur zur Hälfte überdachten Pferdewagen, entsteigen zwei völlig durchfrorene Gestalten: "Der Wolfgangerl sieht aus als wenn er einen Feldzug getan hätte". Beide sind - wie Telemach im Hause Nestor - froh über die gepflegte Unterkunft im Augustinerkloster di San Marco mit Betten, die vorgewärmt werden.
Aber was kümmern Mozart Regen und Schnee - Italien atmet Musik, Heiterkeit, »Allegria«, deren beredtester Ausdruck seine Sprache selbst ist. Ob sie schwärmt, klagt oder flucht, immer ist sie Musik. Mozarts Ohr entgeht nicht, welche Ausdrucksmöglichkeiten an Empfindungen diese Sprache birgt.
Amadés in Mailand 1770 komponierte Werke KV 77, 78 und 88 zählen zu den Studienkompositionen, er schreibt sie für eine Soirée im März 1777 im Hause des Grafen. KV 77 "Misero me!" - "Misero pargoletto" enthält erstmals ein ausgedehntes Accompagnato-Rezitativ. Der A-Teil der Arie ist stark verkürzt, ihr Text stammt aus Metastasios "Demofoonte".
Alles dies Vorübungen des Vierzehnjährigen zu seiner ersten großen Opera seria Mitridate, re di Ponto.

KV 77



KV 78



KV 88







5. Februar

Mozart KV 80 Quartett Nr. 1 G-Dur "Lodi-Quartett"

Odyssee 3, 371 - 403


Als das Essen auf dem Opferplatz in Pylos beendet ist, steigt Göttin Athene wie ein Adler zum Himmel, für alle das Zeichen, dass die Götter Telemach wohlgesonnen sind.
In Nestors Palast schenkt dieser nochmals Wein an Verwandte und Freunde aus, spendet Athene einen Trunk und dann gehen alle schlafen. Telemach ruht auf auf der zierlich gebildeten Bettstatt in der tönenden Halle des Palastes. Morgen soll es weiter gehen.

Auch bei Mozarts geht es weiter, nach Rom.
Nicht weit von Mailand, 30 km im Südosten liegt Lodi. Hier schreibt Amadé "abends im wirtshaus" am 15. März 1770 sein erstes Streichquartett. Alle Sätze in G-Dur, es beginnt mit einem Adagio, es folgt ein Sonatensatz, sowie der zwei Jahre später hinzugefügte vierte Satz, ein Rondo alla francese. Alles trägt, durch die Kammermusik Sammartinis beeinflusst, divertimentohafte Züge.
(Hier an der Brücke von Lodi, in der Schlacht gegen Österreich, wird übrigens 16 Jahre später der Mythos über Napoléon geboren, in schwierigen Situationen voranzugehen oder auszuharren ...)

KV 80







6. Februar

Mozart KV 82 (73o) Arie für Sopran "Se ardire, e speranza"
Mozart KV 83 (73p) Arie für Sopran "Se tutti i mali miei"

Odyssee 3, 404 - 439


Pylos, Königspalast.

Früh am nächsten Morgen sammelt Nestor seine Söhne Echephron, Stratios, Perseus, Aretos, Thrasymedes und Peisitratos sowie seinen Gast Telemach um sich. Er verkündet, er wolle Göttin Athene ein Rind opfern. Er zitiert den Goldschmied und die Kameraden des Telemach herbei. Nestor gibt, als das Tier von der Weide geholt ist, dem Schmied Gold, mit dem er die Hörner des Rindes kunstreich überzieht.

Amadé aber opfert weiter der Muse, übt sich in Arien. Im April/Mai 1770 entstehen nach Metastasios "Demofoonte" KV 82 und 83. Am 25. April schreibt er an seine Schwester Nannerl aus Rom: "L’aria è finita…".

Der Sänger der Erstaufführung ist der Soprankastrat Giovanni Manzuoli. Kurz danach wollen Vater und Sohn nach Neapel aufbrechen, Amadé braucht Arienvorrat. Er tritt an gegen J. A. Hasse, dessen Koposition der Arie "Se tutti" hochberühmt ist.

KV 82



KV 83



Se ardire e speranza
(P. Metastasio, «Demofoonte», 1,13) Aria
TIMANTE
Se ardire e speranza
Dal ciel non mi viene,
Mi manca costanza
Per tanto dolor.

La dolce compagna
Vedersi rapire,
Udir ehe si lagna,
Condotta a morire,
Son smanie, son pene
Che opprimono un cor.
TIMANTE
Wenn mir nicht Wagemut und Hoffnung vom Himmel geschickt werden, dann fehlt mir die Standhaftigkeit, so großen Schmerz zu ertragen.
Meine süße Gefährtin geraubt zu sehen, ihre Klage zu hören, während sie zum Tode geführt wird, dies sind rasende Schmerzen und Peinigungen, die ein Herz bedrücken.

Se tutti i mali miei (P. Metastasio, «Demofoonte», II,6) Aria
DIRCEA
Se tutti i mali miei
lo ti potessi dir,
Divider ti farei
Per tenerezza il cor.

In questo amaro passo
Si giusto e il mio martir,
Che, se tu fossi un sasso,
Ne piangeresti ancor.

DIRCEA
Wenn ich dir alle meine Leiden sagen könnte, dann würde dein Herz aus Zärtlichkeit zerrissen werden. Auf diesem bitteren Gang sind meine Martern so wahrhaft, daß du, selbst wenn du ein Fels wärest, Tränen vergießen würdest.



7. Februar

Mozart KV 89 (73k) Kyrie für fünf Soprane
Mozart KV 89a (73r) Vier Rätselkanons

Odyssee 3, 440 - 463


In Pylos opfert Nestor der Göttin Athene ein Rind. Thrasymedes tötet das Tier mit einem Axthieb in den Nacken, die Kuh stürzt sterbend in den Sand. Alle beten, auch Euridike, Nestors Frau. Auf dem Scheiterhaufen verbrennt die Kuh, Nestor sprengt dunklen Wein darüber.


Amadé (am Klavier) und Thomas Linley (Violine) -
zwei gleichaltrige Wunderkinder treffen sich
in Florenz 1770 bei Familie Gavard des Pivets

Eine Sternstunde im grauen Alltag darf der Finanzverwalter des Großherzogs Leopold von der Toskana di Domenico Mattei mit seiner Familie erleben. Vater Leopold im Brief am 21. April nach Salzburg:In Florenz fanden wir einen jungen Engelländer, welcher ein Schüler des Berühmten Violinisten Nardini ist. dieser knab, welcher wunderschön spielt, in des Wolfg: Grösse und alter ist, kam in das Hauß der gelehrten Poetin Sgra Corilla, wo wir uns aus recommendation des Mr: Laugier befanden. diese 2 knaben producierten sich wechselweise den ganzen abend unter beständigen umarmungen. den anderen tag Ließ der kleine Engelländer, ein allerliebster Knab, seine Violin zu uns bringen, und spielte den ganzen nachmittag, der Wolfg. accompagnierte ihm auf der Violin. den tag darauf speisten wir bey Mr: Gavard dem Administratore der Grossherzog: Finanzen, und diese 2 knaben spielten den ganzen nachmittag wechselsweise, nicht als knaben, sonderen als männer! der kleine Tomaso begleitete uns nach Hause, und weinte die bittersten Thränen, weil wir den tag darauf abreiseten.

Mozarts frühe Kanons spiegeln sein Interesse an der Polyphonie wider, seit Jahrhunderten Lehrmaterial für Komponisten, eine besonders schwierige Aufgabe, die den unersättlich neugierigen Jungen Amadé begeistert, von dem sein früh einsetzendes fasziniertes Interesse an Arithmetik bekannt ist. In diese Kategorie fallen die vier Rätselkantons in Bologna, und das Kyrie, 1770 in Rom komponiert.
Die Zahl der Stimmen in den Rätselkanons geht bis zu neun, das Rätsel besteht darin, zu wissen, wann jede Stimme einsetzt. Im Kyrie für 5 Soprane ist der Komponist Mozart schwer erkennbar; es dient wohl vor allem Kompositionsstudien, der Erforschung der strukturellen Möglichkeiten.
Seine späteren Kanons, wir werden ihnen noch begegnen, sind Ausdruck von Mozarts Hang zum Fabulieren in Wort und Musik, so manches Mal sehr derb gefärbt.

Amadés Rätselkanon Nr. 4 wird in Pylos, wo Telemach beim Opfer anwesend ist, gesungen: Der vom Thebanischen Krieg singende Sänger fordert, ein anderer möge vom Trojanischen Krieg singen, aus dem König Nestor heil heimkehrte ...

Linley übrigens - der "Mozart" Englands - ertrank 1778 bei einem Bootsunfall im See von Grimsthorpe/Lincolnshire.

Kanons 89 und 89a







8. Februar

Mozart KV 85 (73s) Miserere

Odyssee 3, 463 - Ende


Nach dem Tieropfer in Pylos badet König Nestors spätgeborene Tochter Polykaste Telemach, salbt ihn mit glänzendem Öl. Dann schmausen sie vom Opferfleisch und Nestor lässt schönmähnige Rosse anschirren, damit Telemach seine Reise vollende. Peisitratos nimmt die Zügel. Sie übernachten in Pherä auf der Burg des Diokles, fahren frühmorgens weiter und als am nächsten Tag die Sonne sinkt, sind sie am Ziel.


Giovannio Battista "Padre" Martini

Wie die Nacht Telemachs in Pherä ist das Miserere eine Zwischenstation auf dem Weg zur Vollendung. Padre Martini ist nun Amadés wichtigster Partner in Bologna. Er unterweist Mozart in der Technik des strengen Satzes. Das Miserere ist in dieser Art komponiert, wenn auch mit lockerer Dissonanzbehandlung. Mozart vertont nur die ungeraden Verse des "Miserere".
Die achtsätzige Komposition des 50. Psalms entsteht Juli/August 1770. Der Verzicht auf die Sopranstimme und auf obligate Instrumente weist auf den ernsten Bußcharakter des Psalmtextes hin. Die einzelnen Sätze sind kurz und umfassen nur 8 bis 19 Takte. Auch die Alternatim-Praxis, wie sie traditionellem Brauch des Psalmodierens entspricht (wechselnder Vortrag eines liturgischen Abschnitts durch zwei verschiedene Klanggruppen) ist kennzeichnend für den Stil des Stückes.

KV 85



Miserere mei, Deus, secundum magnam misericordiam tuam.
Amplius, lava me ab iniquitate mea: et a peccato meo munda me.
Tibi soli peccavi, et malum coram te feci:
ut justificeris in sermonibus tuis, et vincas cum judicaris.
Ecce enim veritatem dilexisti:
incerta et occulta sapientiae tuae manifestasti mihi.
Auditui meo dabis gaudium et laetitiam: et exsultabunt ossa humiliata.
Cor mundum crea in me, Deus: et spiritum rectum innova, in visceribus meis.
Redde mihi laetitiam salutaris tui: et spiritu principali confirma me.
Libera me de sanguinibus, Deus, salutis meae: et exsultabit lingua mea justitiam tuam.

Erbarme dich meiner, Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit. Überdies wasche ab von mir meine Ungerechtigkeit und reinige mich von meiner Sünde. Gegen dich allein habe ich gesündigt und habe Böses vor dir getan: damit du gerechtfertigt wirst in deinen Reden und recht behältst, wenn du richten wirst. Siehe, denn du hast die Wahrheit geliebt: Ungewisses und Verborgenes deiner Weisheit hast du mir geoffenbart. Du wirst mich erhören und mir Freude und Fröhlichkeit geben: und die erniedrigten Gebeine werden frohlocken. Schaffe, Gott, in mir ein reines Herz: und erneuere in meinem Inneren die rechte Gesinnung. Gewähre mir die Freude über deine Gnade: und bestärke mich im rechten Geiste. Befreie mich, Gott, mein Heil, von meineer Abkunft: und meine Zunge wird deine Gerechtigkeit preisen.





9. Februar

Mozart KV 86 (73v) Antiphone Quaerite primum regnum dei

Odyssee 4, 1 - 27


Als Telemach und sein Begleiter Peisitratos in Sparta eintreffen, verabschieden sich gerade die frisch vermählten Kinder von ihrem Vater, König Menelaos. Seine Tochter Hermione hat er mit dem Sohn des Achilleus vermählt, seinen Sohn Megapenthes mit Alektors Tochter. Der Abschiedsschmaus des Hochzeitsfestes ist in vollem Gang, als die beiden fremden Besucher gemeldet werden.

In Bolgna ist zwar kein Hochzeitsschmaus im Gange, aber dort geschieht wieder ein Mozartsches Wunder. Zur kurzen Antiphone KV 86 - in nur einer halben Stunde komponiert - gibt es eine lange Geschichte, die Leopold an seine Frau und Amadés Mutter berichtet:
Er must nämlich den 9ten october nachmittag um 4 Uhr auf dem accademischen Saal erscheinen; alda gab ihm der Princeps accddemiae und die 2 Censores - die alle alte Capellmeister sind - in gegenwart aller Mittglieder eine antiphona aus einem antiphonario vor, die er in einem Nebenzimmer, wohin ihn der Pedellus führte und die thüre zuschloss, 4 Stimmig setzen muste. Nachdem er solche fertig hatte, wurde solche von den Censoribus und allen Capellmeistern und Compositoribus untersucht, und alsdann darüber Votiert, welches durch weis und schwarze Kugeln geschieht.
da nun alle Kugeln weis waren; so wurde er geruffen, und alle Klatschten bey seinem Eintritte mit den Händen und wünschten ihm glück; nachdem ihm vorher der Princeps accademiae im Nahmen der Gesellschaft die Aufnahme angekündigt hatte. Er bedankte sich, und dann war es vorbey. Herr Prinsechi und ich waren unteressen auf einer anderen Seyte des Saals in der accademischen Bibliotheck eingesperrt. alle verwunderten sich, daß er es so geschwind fertig hatte, da manche 3 Stunde mit einer Antiphona von 3 zeihlen zugebracht. N. B. du must aber wissen, daß es nichts leichtes ist, indem diese Art der Composition viele Sachen ausschlüssset die man nicht darinne machen darf, und das man ihm vorhero gesagt hat. Er hatte es in einer starken halben stunde fertig.

In Rom zeichnet Papst Clemens XIV. Amadé mit dem Orden vom Goldenen Sporn aus. Ob der Papst allerdings Zeit und Muße hatte, sich mit einem welschen Wunderkind näher zu befassen, erscheint zweifelhaft. Gerade mal ein Jahr war er in Amt und Würden, erst im 185. Wahlgang gewählt und nahezu nur mit den Jesuiten beschäftigt, die kurz darauf verboten werden - hartnäckig hält sich die Meinung, dass dieser mächtige Orden den Papst vier Jahre später vergiftete.

KV 86



Quaerite primum regnum
Dei et justitiam ejus:
Et haec omnia
adjicientur vobis.
Alleluja.

Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit: und dies alles soll euch zuteil werden, Alleluja.

PS
Was Leopold in seinem Brief allerdings verschweigt: Martini legte die von ihm verfasste exemplarische Fassung der Antiphon als Arbeit Mozarts der Jury vor ...





10. Februar

Mozart KV 74 Sinfonie Nr. 10 G-Dur

Odyssee 4, 28 - 66


Als Telemach und Peisistratos zufällig zur Hochzeitsfeier von König Menelaos' Tochter in Sparta eintreffen, spannt man die Rösser ab, versorgt sie im Stall mit Futter. Die Fremden selbst werden im hohen Palast des Königs empfangen, gebadet, gesalbt und bewirtet - Menelaos selbst reicht ihnen das für ihn, den König, bestimmte Stück Fleisch.

Mozart ist schon auf der Rückreise. Er kommt von Rom, hat viel gelernt, die Entwürfe zum König von Ponto dabei und das Konzept im Kopf.

In der G-Dur-Sinfonie, komponiert in Mailand im Dezember 1770, und wohl als dreisätzige Opernsinfonie für Amadés Opera seria Mitridate, Re di Ponto vorgesehen, fällt vor allem der ungewöhnliche Übergang vom 1. Satz Allegro zum 2. Satz auf. Nahtlos geht die rhythmische Bewegung der Oboen und mittleren Streicher in das nur durch einen Wechsel von Ton- und Taktart gekennzeichnete Andante über.

Ein anderer Wolfgang hat uns mit seiner Band eine zeitgemäße Interpretation vom 1. Satz geschenkt, Amadé wäre dabei gewesen!

KV 74: 1. Satz



KV 74







11. Februar

Mozart KV 74 b Arie für Sopran Non curo l'affetto

Odyssee 4, 68 - 107


Telemach und Peisistratos werden zum Abschiedsessen nach der Hochzeit in Sparta eingeladen; als Telemach seinem Begleiter zuflüstert, hier glänze alles so wie am Hof Gottes, hört das Menelaos. Er erzählt von seinen Reisen nach Ägypten, Äthiopien, Libyen und dem unendlichen Reichtum dort, wo er sein Vermögen gewann. Indessen habe ihm ein anderer heimlich seinen Bruder erschlagen durch die List eines heillosen Weibes. Aber wie sehr er auch das Schicksal aller Kriegsteilnehmer betrauere, einen aber am allermeisten: Odysseus.

Ähnlich wie Telemach wird auch Amadé auf seiner Italienreise bei manchem der Adligen gestaunt haben, deren Paläste Mozarts besuchen. Leopold lässt seinen Sohn Probestücke in Gegenwart einflussreicher Persönlichkeiten schreiben, um dessen kompositorisches Talent unter Beweis zu stellen. Hierzu gehört die Vertonung von Non curo l’affetto, ein Text von Metastasio aus "Demofoonte" (Akt I Szene 7) entstanden 1771 in Mailand oder Pavia.

KV 74 b



Non curo l'affetto
d'un timido amante
che serba nel petto
sì poco valor,

che trema se deve
far uso del brando,
ch' è audace sol quando
si parla d'amor.





12. Februar

Mozart KV 75 Sinfonie F-Dur

Odyssee 4, 108 - 146

Telemach in Sparta


Menelaos trauert um Odysseus und gedenkt dessen Vater Laertes, seiner Frau Penelope und des Sohnes Telemach. Da muss Telemach weinen und Menelaos erkennt ihn. Auch Helena, Menelaos' Weib, wegen der alles geschah, fällt die Ähnlichkeit von Telemach mit Odysseus auf.

Solche Überraschungen, wie Menelaos sie erlebt, finden sich auch musikalisch in der F-Dur-Sinfonie Amadés von 1771: die Eröffnung des Kopfsatzes durch Oboen mit verzierender Violinenbegleitung, die ungewohnte Stellung des kaum als solches zu erkennenden Menuetts vor dem langsamen Satz oder das einen Takt zu früh abbrechende Hauptthema des Finalsatzes ...

KV 75







13. Februar

Mozart KV 87 (KV 74 a) Mitridate, Re di Ponto

Odyssee 4, 147 - 168

Sparta, im Palast des Menelaos


Peisistratos gibt Telemach zu erkennen. Dieser, sagt Peisistratos, habe keinen mehr, der ihn gegen die Freier schütze und fragt, ob Menelaos Näheres zu des Odysseus Verbleib wisse.

Wie bei den griechisches Gastmählern, die einem genauen Ritus unterliegen, gibt die Opera seria in Bezug auf Personenhierarchien, Anzahl und Aufbau der Arien ein starres Regelwerk vor. Amadé schreibt Mitridate, Re di Ponto in nur fünf Monaten als Auftragswerk zur Eröffnung der Mailänder Opernsaison am Teatro Regio Ducale 1770/71 - für einen kaum bekannten 14-jährigen Komponisten eine herausragende Ehre.
Das Libretto stammt von V. A. Cigna-Santi und basiert auf Jean Racine.
Wie immer entledigt sich Mozart auf ausgezeichnete Weise der wahrlich nicht einfachen Aufgabe - er hat sich nach den Wünschen der Sänger zu richten - und dennoch gelingt ihm eine individuelle Charakterzeichnung der Protagonisten auf weit überdurchschnittlichem Niveau. In der Handlung der Oper geht es - wie auf Ithaka - um Freier.
Titelfigur ist König Mitridates VI. Eupator (132-63 v.Chr.), König von Pontus; während eines Feldzuges gegen die Römer, lässt er seine junge Verlobte Aspasia, in Ninfea auf der Krim in der Obhut seiner Söhne Sifare und Farnace zurück. Er verbreitet die Nachricht von seinem Tod, um diese auf die Probe zu stellen, die um die Gunst der Verlobten ihres Vaters buhlen. Als Mitridate zurückkehrt, beginnen die Verwicklungen. Aspasia ist hin- und hergerissen zwischen ihren Pflichten gegenüber Mitridate und ihrer aufrichtigen Liebe zu Sifare. Mitridate vermutet, sie habe ihn mit Farnace betrogen, er lobt Sifare für seine Loyalität. Aspasia und Sifare versichern sich gegenseitig ihrer Liebe, wollen sich aus Pflichtbewusstsein trennen. Farnace verrät sie. Mitridate stellt Aspasia auf die Probe, indem er sie auffordert, sich nicht für ihn, sondern für einen seiner Söhne zu entscheiden. Aspasia offenbart ihre Liebe zu Sifare, woraufhin Mitridate sie und seine Söhne zum Tode verurteilt. Sifare drängt Aspasia, sich mit Mitridate zu versöhnen und ihn zu heiraten. Doch sie lehnt ab, und so beschließen die Liebenden, gemeinsam zu sterben. Aspasia will sich vergiften. Farnace will auf Aspasia verzichten und stattdessen dem Pfad der Ehre folgen. Mitridate stürzt sich in sein Schwert, um den Römern nicht in die Hände zu fallen. Er lobt Sifares Loyalität, verzeiht Aspasia und gibt dem Paar seinen Segen und vergibt auch Farnace. Alle stimmen in den Chor des Widerstandes gegen die römische Tyrannei ein.
Die musikalische Versinnbildlichung der Verzweiflung Aspasias in deren zweiter Arie Nel sen mi palpita lässt bereits das Genie des reifen Mozart erkennen.

KV 87: Ouverture



KV 87: 1. Aria "Al destin, che la minaccia"



KV 87: 4. Aria "Nel sen mi palpita"



1. Aria
ASPASIA
AI destin, che la minaccia,
Togli, oh Dio! quest' alma oppressa,
Prima rendimi a me stessa
E poi sdegnati con me.
Come vuoi d'un rischio in faccia,
Ch'io risponda a'detti tuoi?
Ah conoscermi tu puoi
E 'l mio cor ben sai qual è.

Entreiße die bedrückte Seele Dem Schicksal, das ihr droht.Gib mir erst den Frieden wieder Und zürne dann mit mir. Wie soll ich Deinen Worten Antwort geben, Wenn mich noch Gefahr umgibt? Ach, Du kennst mein Herz

4. Aria
ASPASIANel sen mi palpita dolente il core;
Mi chiama a piangere il mio dolore;
Non so resistere, non so restar.
Ma se di lagrime umido ho il ciglio,
E solo, credimi, il tuo periglio
La cagion barbara
Del mio penar.

Schmerzlich pocht im Busen mir das Herz, Mein Leid zwingt mich zum Weinen. Ich weiß nicht standzuhalten, kann nicht bleiben. Feucht von Tränen sind die Wimpern Nur um Deinetwillen, glaube mir. Deine Gefahr nur ist allein





14. Februar

Mozart KV 90 Kyrie d-moll

Odyssee 4, 169 - 188

Telemach in Sparta


Menelaos erzählt von seiner engen Freundschaft zu Odysseus und von dessen Leiden. Und alle müssen weinen.

Das Kyrie in d-Moll ist ein kontrapunktischer vierstimmiger a-cappella-Chorsatz, in dem Amadé verschiedene Soggetti durchimitiert. Er beginnt dabei erst kanonisch und geht dann zu freierer Polyphonie über. In Form und Textur steht das Stück in der Tradition der Vokalmusik des 16. Jahrhunderts, während es in der Harmonik den Konventionen des 18. Jahrhunderts entspricht.

KV 90



a cappella
1) in der Ära ab dem späten 16. Jahrhundert Kompositionsweise für mehrstimmige kirchliche Vokalensembles mit fakultativer Instrumentalbegleitung
2) ab dem 19. Jahrhundert Chormusik ohne Instrumentalbegleitung

kanonisch, Lied mit zeitlich versetzten Stimmen

Kontrapunkt, die Kunst oder Technik, Gegenstimmen zu gegebenen Tonfolgen zu erfinden, die sowohl einen vertikal (harmonisch) sinnvollen Zusammenklang ergeben als auch eine horizontal-lineare (melodisch) sinnvolle Eigenständigkeit aufweisen

Polyphonie, Mehrstimmigkeit

Soggetto (ital. Subjekt, Gegenstand), in der Musik eine charakteristische Tonfolge, die auftritt als Kopfmotiv in Chorälen; eine Art `Kleinstidee`, die im Verlaufe des Chorals eventuell wieder gebraucht wird.





15. Februar

Mozart KV 99 (63a) Kassation B-Dur

Odyssee 4, 189 - 215

Telemach in Sparta


Peisistratos gedenkt seines vor Troja gefallenen Bruders Antilochos, den er nicht mehr kennen gelernt habe. Menelaos beendet das Trauern, indem er dazu auffordert, lieber das Mahl zu genießen, man habe morgen genug Zeit, alles zu besprechen.

Die Musik Mozarts entspricht der Aufforderung von König Menelaos: Carpe diem! Amadé komponiert 1769 in Salzburg die siebensätzige Kassation für zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Bass, in deren 6. Satz ein ländlerartiges, sehr kurzes und durch schlichte Schönheit auffallendes Menuett mit Trio erklingt. Diesem lässt der Komponist einen Schlusssatz folgen, der sich durch einen zweimaligen überraschenden Wechsel zwischen einem geschärften Allegro im 3/4-Takt und einem kantablen Andante im 6/8-Takt auszeichnet.

Kassation ist ein schillernder Begriff: Datenschutzgerecht werden unter ihm Akten vernichtet (in Österreich skartiert), in der Justiz hebt die nächsthöhere Instanz ein Urteil auf (es "kassiert" das Vorurteil), in der Musik ist Kassation (auch Cassation, Cassatio, Cassazione) ein musikalischer Gattungsbegriff.

KV 99







16. Februar

Mozart KV 97 (73m) Sinfonie D-Dur

Odyssee 4, 216 - 243

Telemach in Sparta


Helena, die Frau von Menelaos, gibt, weil alle so traurig sind, in den Wein ihrer Gäste ein Wundermittel, das sie aus Ägypten mitgebracht hat: Damit vergisst man jeden Kummer. Dann erzählt sie von Odysseus' Heldentaten im Trojanischen Krieg.

Wer Amadés Musik hört, bedarf Helenas Wundermittel nicht: die Musik Mozarts lässt uns allen Kummer vergessen.

Seine Sinfonie KV 97 enststeht 1770 in Rom (zusammen mit Sinfonie KV 95, deshalb heißen die Sinfonien "Zwillingssinfonien" - sie haben sogar dieselbe Tonart ...)
Ein exaltierter Kritiker nennt den ersten Satz "Essay von Orchestergeräuschen“ mit prunkvollem Charakter, dem 2. Satz spricht er attraktive Schein-Naivität zu, und im Satz 4 sieht er Geister am Werk: „Gespenstisch ist die Vorwegnahme einer Passage im 1. Satz von Beethovens 7. Sinfonie, nicht nur des Themas wegen, sondern auch wegen seiner ebenfalls sofortigen Wiederholung in Moll. Beethoven kann dieses unveröffentlichte Werk nicht gekannt haben. Wir müssen also entweder an einen erstaunlichen Zufall glauben oder annehmen, dass sie beide von einem Werk eines uns unbekannten Dritten inspiriert wurden.“

KV 97







17. Februar

Mozart KV 118 (74 ) La betulia liberata

Odyssee 4, 244 - 264

Telemach in Sparta


Helena erzählt ihren Gästen von Odysseus' Taten im Trojanischen Krieg:
Odysseus verkleidete sich und schlich unerkannt ins Innere der Stradt Troja. Auch ihr, Helena gegenüber, die ihn als einzige erkannte, fand er Ausflüchte. Erst als sie ihn gebadet, gesalbt, eingekleidet und bei den Göttern geschworen hatte, ihn nicht zu verraten, vertraute er ihr seinen Plan an. Als er dann viele Trojaner erschlug und ihre Weiber wehklagten, frohlockte sie:
Ihr Sinn hatte sich wieder der Heimat zugewandt. Sie beweinte den Jammer, den Aphrodite geschaffen hatte, als sie aus dem Vaterland entführt wurde, weg von ihrer Tochter und ihrem Ehemann Menelaos.

Wie Odysseus sich in das belagerte Troja mit dem hölzernen Pferd einschmuggelt, so schleicht Judith aus ihrer belagerten Heimatstadt Betulia in das Lager des Feldherrn Holofernes und haut ihm mit dem Schwert den Kopf ab.

Zu seinen Lebzeiten ist die Auftragskomposition Amadés für den Musikliebhaber Giuseppe Ximenes de Principi d'Aragona von 1771 nie erklungen. Als Zeugnis von Mozarts frühreifer Fähigkeit, festumrissene Charaktere eindrucksvoll durch seine Musik zu zeichnen, bleibt das Oratorium immer noch hörenswert und bedeutsam. Judiths Partie ist ungemein anspruchsvoll, sowohl, was den Stimmumfang als auch die gestalterische Dramatik angeht.

KV 118: Overtura



KV 118: 5. Aria



KV 118: 8. Aria



5. Aria
GIUDITTA
Del pari infeconda
d'un fiume è la sponda
se torbido eccede,
se manca d'umor.

Si acquista baldanza
per troppa speranza,
si perde la fede
per troppo timor.

Gleich unfruchtbar ist das Ufer des Flusses, sei es überschwemmt, sei es ausgedörrt. Übermäßige Hoffnung führt zu Anmaßung, und der Glaube stirbt, wo die Furcht überwiegt.

8. Aria
GIUDITTA
Parto inerme, e non pavento;
sola parto, e son sicura;
vo per l'ombre, e orror non ho.

Chi m'accese al gran cimento
m'accompagna e m'assicura;
L'ho nell'alma, ed io lo sento
replicar che vincerò.

Ich gehe unbewaffnet und ohne Furcht; Ich gehe allein, aber sicher; ich gehe durch das Dunkel, doch fürchte ich mich nicht. Der mich antrieb zu dieser großen Prüfung, begleitet und beschützt mich: ich trage ihn in meinem Geist und höre ihn sagen, daß ich siegreich sein werde. mit großer Sorgfalt, und doch gibt es keinen Zweifel an ihrer Tugend! Sie verspricht nichts und gibt uns doch Hoffnung! Wie könnte der Urheber dieses Wunders solch ein Wesen mißachten?





18. Februar

Mozart KV 108 (74d) Regina Coeli

Odyssee 4, 265 - 289

Telemach in Sparta


Menelaos bestätigt die Erzählung Helenas, lobt den vortrefflichen Odysseus, solch einen Mann gebe es nicht noch einmal. Wie er auch jenen Akt mit dem hölzernen Ross gewagt und gewonnen habe. Irgendein Dämon, so weiter Menelaos, habe Helena dazu gebracht, drei Mal um das hölzerne hohle Ding herumzugehen und die Griechen bei ihrem Namen zu rufen. Um ein Haar hätten sie geantwortet, dem Antiklos habe Odysses mit Gewalt den Mund zuhalten müssen, bis Göttin Athene endlich Helena hinweggeführt habe.

Um eine andere Himmelsgöttin geht es in Mozarts KV 108.
Im Mai 1771 vertont Amadé die marianische Antiphon erstmals, drei Fassungen der Himmelkönigin insgesamt gibt es von ihm. Sie alle sind reich instrumentiert, dem höchsten Kirchenfest des Jahres, Ostern, angemessen. In Italien hat er den neapolitanischen, konzertanten Kirchenstil genau studiert, von dem KV 108 geprägt ist. Das ausgedehnte Final-Alleluja vereinigt Chor und Soli zu fest-fröhlichem Ausklang.

KV 108



Regina coeli, laetare,
alleluja.
Quia quem meruisti portare,
alleluja,
resurrexit sicut dixit,
alleluja.

Ora pro nobis Deum,
alleluja.

Königin des Himmels, freue dich, Alleluja, denn du bist würdig, ihn zu tragen, Alleluja, er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Alleluja. Bitte Gott für uns, Alleluja.







19. Februar

Mozart KV 109 (74e) Litaniae de Beata Maria Virgine (Lauretanae)

Odyssee 4, 290 - 305

Telemach in Sparta bei König Menelaos und seiner Frau Helena


Telemach schlägt vor, schlafen zu gehen. Helena läßt ihm und Peisistratos ein komfortables Nachtlager vorn im Palast bereiten.

In Loreto ist ein intensiver Marienkult entstanden, 1587 approbiert der Papst die Litanei zu Ehren Mariens, die im Jahrhundert Mozarts als volkstümliche Andacht sich großer Beliebtheit erfreut.
Mozart vertont sie zwei Mal, die erste Komposition stammt von 1771, Salzburg. Der Kyrie-Ruf des Allegros am Anfang gerät bei Amadé mehr zur festlichen Intonation denn als Bitte um Erbarmen. Das anschließende Sancta Maria in F-dur, wo Solisten und Chor zu den Anrufen Mariens alternieren, gestaltet er in lyrischen, fast volkstümlichen Melodien. Das Vivace mit den Regina-Anrufen ist fast tänzerisch-heiter, der Schlusssatz von tiefer Ausdruckskaft.

KV 109:



I. Kyrie
Kyrie eleison. Christe eleison. Kyrie eleison.
Christe, audi nos. Christe, exaudi nos.
Pater de coelis, Deus, miserere nobis.
Fili, redemptor mundi, Deus, miserere nobis.
Spiritus sancte, Deus, miserere nobis.
Sancta Trinitas, unus Deus, miserere nobis.

II. Sancta Maria
Sancta Maria, ora pro nobis.
Sancta Dei genetrix, sancta Virgo virginum, ora pro nobis.
Mater Christi, mater divinae gratiae, mater purissima, mater castissima, ora pro nobis.
Mater inviolata, mater intemerata, ora pro nobis.
Mater amabilis, mater admirabilis, ora pro nobis.
Mater Creatoris, mater Salvatoris, ora pro nobis.
Virgo prudentissima, virgo veneranda, virgo pracdicanda, ora pro nobis.
Virgo potens, virgo clemens, virgo fidelis, ora pro nobis.
Speculum justitiae, sedes sapientiae, ora pro nobis.
Causa nostrae laetitiae, ora pro nobis.
Vas spirituale, vas honorabile, vas insigne devotionis, ora pro nobis.
Rosa mystica, turris Davidica, ora pro nobis.
Turris eburnea, domus aurea, foederis arca, janua coeli, stella matutina, ora pro nobis.

III. Salus infirmorum
Salus infirmorum, refugium peccatorum, consolatrix afflictorum, ora pro nobis.
Auxilium christianorum, ora pro nobis.

IV. Regina angelorum
Regina angelorum, ora pro nobis.
Regina patriarcharum,regina prophetarum, ora pro nobis.
Regina apostolorum, ora pro nobis.
Regina martyrum, ora pro nobis.
Regina confessorum, regina virginum, ora pro nobis.
Regina sanctorum omnium, ora pro nobis.

V. Agnus Dei
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, parce nobis, Domine.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, exaudi nos, Domine.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.






20. Februar

Mozart KV 73 (75 a) Sinfonie Nr. 9 C-Dur

Odyssee 4, 305 - 331

Telemach im Königspalast in Sparta


Am nächsten Morgen kommt Menelaos an das Bett Telemachs und fragt ihn nach dem Grund seines Besuchs.
Telemach erzählt von seiner Plage mit den Freiern und forscht nach seinem Vater Odysseus.

Vermutlich 1772 entsteht die Sinfonie KV 73 in Salzburg. An den Beginn setzt Amadé einen schnellen Ritornellsatz, das Andante gestaltet er gesanglich, vor das Rondo-Finale setzt er später ein kurzes Menuett dazu. Und genial: Im Andate ersetzt Mozart die Oboen durch Flöten. Dies schafft eine originale Stimme in der Größe von 28/29 mit den Violinen.
Der junge, stetig reifende Amadé schenkt uns heitere Musik für den Tag, auch Telemach, Peisistratos und Menelaos ...

Mozart KV 73 (75 a) Sinfonie Nr. 9 C-Dur:



Ritornellform: Aufteilung in Tutti- und Soloabschnitte. Prinzipiell eröffnet den Satz ein Ritornell des Orchesters, es folgt eine oft kontrastierende Episode des Soloinstruments. Das Orchester nimmt das Ritornell in mehreren Umbildungen, oft verkürzt, wieder auf, abwechselnd mit virtuosen Solopassagen.





21. Februar

Mozart KV 111 Ascanio in Alba

Odyssee 4, 332 - 363

Telemach in Sparta


Menelaos ergrimmt über die Freier, wünscht den starken Odysseus herbei, der den Freiern ihren Spass schnell und gründlich verderben würde. Ihn selbst, so Menelaos weiter, hätten auf der Rückfahrt von Troja nach Sparta die Götter 20 Tage auf der Insel Pharos, weit draußen vor der Nilmündung festgehalten. Er lag gefangen in einem sicheren Hafen, und weil nie günstiger Wind zum Weitersegeln kam, gingen die Vorräte zur Neige.



Erzherzog Ferdinand und Prinzessin d'Este

Erzherzog Ferdinand war auch ein Freier, 14. Kind der Kaiserin Maria Theresia, seine Partie mit Prinzessin D'Este wurde aber auf diplomatischem Wege geklärt, getreu dem Wahlspruch Bella gerant alii, tu felix Austria nube. Der Siebzehnjährige soll mit Maria Beatrix von Este, einziger Tochter des Fürsten von Modena, vermählt werden - er ist mit ihr schon seit seiner frühesten Kindheit verlobt und sie soll das Fürstentum erben. Für diese Feierlichkeit komponiert Mozart - auf Vermittlung des Mailänder Generalgouverneurs Graf Firminan - eine "Serenata teatrale" nach dem Libretto des Hofpoeten Parini: es ist die in die antike Mythologie übertragene Darstellung der "Hochzeit des Jahres". Mozart war mit Mitridate schon erfolgreich gewesen, und jetzt schreibt der junge Meister wie immer in Eile (das Libretto kommt sehr spät) das eigentlich unspielbare Stück aus der Zeit des Odysseus. Es findet größeren Beifall als Hasses (Hasse: "Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen!") Hauptstück für die Hochzeit. Ascanio in Alba wird noch fünf Mal aufgeführt. Leopold und Wolfgang Mozart sind ein zweites Mail mit eigener Kutsche gen Italien gefahren.

Wunderbar sicher und wirkungsvoll gestaltet Amadé den lyrischen Charakter der idyllischen Szene und die gewünschte Festlichkeit. Ein Kunstwerk von Schönheit, Eigenart und besonderem Reiz.

Leider geht Mozarts Plan nicht auf. Das Werk hat dem Publikum gefallen, der Erzherzog wird sich gewogen zeigen, doch Maria Theresia stellt sich quer: Sie schreibt dem Sohn, sich von »unnützen Leuten, die in der Welt als Bettler herumlaufen«, zu distanzieren.
Der Italien-Traum ist aus, die enttäuschten Künstler landen wieder in der Salzburger Realität, wo Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo nach dem Tod von Erzbischof Sigismund von Schrattenbach die Regentschaft übernimmt; er ist der letzte, ihn vertreiben 1800 die Franzosen ...
Die Ehe zwischen Ferdinand Karl und Maria Beatrice verläuft übrigens glücklich. 1780 vertreibt aber Napoleon auch ihn und seine Familie aus der Lombardei; sie gehen nach Wien.

KV 111: Overtura



KV 111: 16. Aria Ah, di si nobil alma



KV 111: 22. Aria Al mio ben mi veggio avanti



KV 111: 32: Terzetto Più sacro nodo



16. Aria
ASCANIO
Ah di sì nobil alma
Quanto parlar vorrei.
Se le virtù di lei
Tutte saper pretendi
Chiedile a questo cor.

Solo un momento in calma
Lasciami, o Diva,
Lasciami e poi di tanti pregi suoi
Potrò parlarti allor.

22. Aria>
ASCANIO
Al mio ben mi veggio avanti
Del suo cor sento la pena
E la legge ancor mi frena.
Ah si rompa il crudo laccio
Abbastanza il cor soffrì.

Se pietà dell'alme amanti
Bella Diva, il sen ti move,
Non voler fra tante prove
Agitarle ognor cosi.

32. Terzetto
ASCANIO
Che bel piacer io sento
In si beato dì.
SILVIA
Numi! Numi! Che bel momento
Come si bel contento
II mio timor finì.
ASCANIO, SILVIA E ACESTE
Più sacro nodo in terra
Più dolce amor non è
Ouanto pietosa Dea.


Handlung
Göttin Venus erscheint mit Gefolge und Sohn Ascanio in Alba. Venus erklärt Ascanio, er solle hier regieren. Ascanio fragt nach Silvia, einer Nymphe. Der Priester Aceste ist mit Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt. Dem Hirten Fauno gegenüber gibt Ascanio sich als Fremder aus. Er erklärt Fauno, er wolle hier bleiben. Aceste teilt den Hirten mit, dass heute der Sohn des Aeneas sich mit Silvia vereinen werde. Silvia verrät, dass sie schon lange das Bild eines jungen Mannes vor sich sehe, den sie liebe. Der Priester: dieser Jüngling ihrer Träume sei unzweifelhaft Ascanio. Venus verspricht ihrem Sohn, dass hier im Tal bald eine neue Stadt, Alba, entstehen werde. Silvia erkennt Ascanio sofort als den Fremden ihrer Träume. Fauno weist "den Fremden" an, über die Hochzeit und die zukünftige Stadt zu berichten. Silvia denkt, der Fremde sei nicht Ascanio und ist tief betrübt, schickt sich aber in ihr Schicksal. Bei der Hochzeit vereint Venus die Liebenden
Ascanio in Alba ist eine typische Allegorie, in der Ascanio für den Erzherzog, Venus für Maria Theresia steht, die Braut Beatrice, symbolisiert durch die Silvia, muss zuerst eine Prüfung bestehen.





22. Februar

Mozart KV 112 Sinfonie Nr. 13 F-Dur

Odyssee 4, 364 - 393

Telemach in Sparta


Menelaos erzählt dem Telemach weiter, wie es ihm auf der Insel Pharos vor Ägypten erging.
Am Strand traf er die Halbgöttin Eidotha. Sie erklärte ihm, dass der ägyptische Gott Proteus sie festhalte. Wenn er diesen überliste, könne er von ihm den richtigen Kurs und alles, was zu Hause passiert sei, erfahren.

Wie Menelaos von Proteus den Kurs erfährt, so hat Mozart in Italien alles Wichtige fürs Komponieren gelernt.
Amadé schreibt schon dort Stück für Stück. Seine Sinfonie Nr. 13 F-Dur, KV 112, 1771 in Mailand entstanden, steht im strengen Sonatensatz, ein monothematisches Andante und ein von Jagd-Motivik geprägtes Finale im Gigue-Rhythmus.
Das Allegro klingt, wenn es die Mozartband spielt, wie heute - und wie immer: nach Amadé ...

KV 112: 1. Allegro



KV 112: 2. Andante



KV 112: 3. Menuetto Trio



KV 112: 4. Molto Allegro (Rondo)







23. Februar

Mozart KV 113 Divertmento Nr. 1 Es-Dur

Odyssee 4, 394 - 424

Telemach in Sparta


Menelaos erzählt dem Telemach von seinen Erlebnissen auf der Rückfahrt von Troja. Am Strand der ägyptischen Insel Pharos verriet ihm die Halbgöttin Eidothea, wie er den Meergott Proteus überliste:
Kurz nach der Mittagsstunde steige Proteus aus dem Meer und ruhe in einer Grotte inmitten floßfüßiger Robben. Dorthin werde sie ihn am nächsten Morgen mit drei seiner tapfersten Genossen führen. Proteus zähle seine Robben und lege sich dann mitten unter sie zum Schlummer. In diesem Moment sollten sie sich sich auf ihn stürzen und ihn festhalten, wie sehr er sich auch wehre. Wenn er aber ein Wort sage, sollten sie von ihm ablassen und ihn befragen.

Solch schwierigen Tricks wie bei Proteus muss Amadè bei seinem zweiten Italienaufenthalt nicht anwenden, um inspiriert zu werden. Mozart verwendet jedenfalls seitdem - wie erstmals im Divertimento Nr. 1 - Klarinetten. Dort stellt er sie zusammen mit den Hörnern den Streichern gegenüber.

KV 113







24. Februar

Mozart KV 110 (75b) Sinfonie Nr. 12 G-Dur

Odyssee 4, 425 - 461

Telemach in Sparta


Nachdem die Halbgöttin Eidothea mit Menelaos, so erzählt dieser weiter, am Strand von Pharos vereinbart hat, ihn am nächsten Morgen zur Grotte abzuholen, sprang sie zurück ins Meer.
Am nächsten Morgen tauchte Eidothea wieder auf, brachte vier Robbenfelle und hüllte Menelaos und seine drei Gefährten am Strand ein. Der Gestank der Robben hätte sie beinahe umgebracht, die Göttin strich ihnen Ambrosia unter die Nase.
Die Robben kamen, lagerten sich um sie, mittags kam der Greis Proteus, zählte die Robben und legte sich unter sie.
Als er eingeschlafen, stürzten sie sich auf ihn. Er verwandelte sich in einen Löwen, Pardel, Drachen, Eber und Wasserfall. Sie hielten ihn trotzdem fest. Endlich war er ermüdet und begann zu reden.

So muss es auch in Mozarts Ohren geklungen haben, als er die Symphonie in G-Dur (KV 110). fertig gestellt hat. Amadé unterschreibt

Sinfonia dell Sgr. Cavaliere Amadeo Wolfg. Mozart in Salisburgo nel Juglio 1771

Die Sinfonie atmet einen neuen Geist. Nicht nur vom Umfang, sondern auch von der außerordentlichen Sorgfalt her, mit der Mozart jede Stimme ausarbeitet, unterscheidet sich dieses Orchesterwerk von allen vorausgegangenen. Der Baß dient nicht mehr allein als harmonisches Fundament, sondern greift als souverän gesetzte Stimme in ein musikalisches Geschehen ein, das vom kontrapunktisch strukturierten Eigenleben der Mittelstimmen geprägt wird.

Wie es dem alten Proteus in den Ohren geklungen hat, demonstriert Straribacher und seine Mozartband - unüberhörbar: Grandios!

KV 110: 1. Allegro



KV 110: 2. Andante



KV 110: 3. Menuetto



KV 110: 4. Allegro (Mozartband)







25. Februar

Mozart KV 136 (125a) Divertimento F-Dur

Odyssee 4, 462 - 483

Telemach in Sparta


Menelaos erzählt weiter von seinen Erlebnissen auf Pharos vor Ägypten.
Er und seine Männer haben mit dem Trick Eidotheas den Proteus zwischen seinen Robben überwunden. Der alte Gott redet mit ihnen.
Menelaos fragt, warum er ihn hier festhalte und wie er endlich nach Hause gelange.
Es sei, so Proteus, Ratschluss von Zeus und den anderen Götter gewesen, weil er schneller als die anderen Schiffe heimsegeln wollte. Nun müsse er zuerst den Nil hinauffahren und mit Opfern alle Sterblichen sühnen.

Auch Mozart muss durch die Salzburger Zeit - er fügt sich, schreibt Sinfonien und Divertimenti, sucht individuelle Audrucksmöglichkeiten, die eigene Musiksprache. Sein Divertimento KV 136, von Menuhin, Staribacher und Greenberg kongenial gespielt, lässt uns die Bandbreite dieser Musik tief empfinden.

KV 136: 1. Allegro



KV 136: 2. Andante



KV 136: 3. Presto







26. Februar

Mozart KV 126 Il sogno di Scipio

Odyssee 4, 484 - 511

Telemach in Sparta


Menelaos erzählt weiter von seinen Erlebnissen auf der Insel Pharos. Gott Proteus erzählte ihm über die Rückfahrt der anderen Griechen:
Nur zwei Heerführer seien umgekommen, einer lebe gefangen, mittten im Meer.
Aias habe zu sehr damit geprahlt, als er den Göttern zum Trotz sich in einem Sturm rettete. Poseidon spaltete erzürnt mit seinem Dreizack den gyräischen Fels und der Teil der Klippe, auf dem Aias saß, versank im Meer, Aias ertrank in der salzigen Flut.

Amadé sitzt an der Kurzoper II sogno di Scipione, einer Serenata drammatica, gedacht zur Aufführung in der Salzburger Residenz des Fürstbischofs für dessen Priesterjubiläum. Als Schrattenbach stirbt und Nachfolger Colloredo auf den Plan tritt, arbeitet Mozart flexibel und schnell die Serenata um und ändert ihre Widmung.
Der Vertonung des Librettos von Metastasio - den Stoff hat er von Cicero - entledigt sich Mozart mehr mit Routine als mit künstlerischem Gestaltungswillen. Der Landesfürst bedankt sich mit der Ernennung des Jungkomponisten zum - nunmehr besoldeten - fürsterzbischöflichen zweiten Kapellmeister.

Die Overtüre leitet nach einem markanten D-dur-Allegro im wiegenden, von Oboen und Flöten bestimmten Andante in die erste Szene über. Im schrecklichen Traum des römischen Feldherren Scipio wird um Erkenntnis gerungen, Geist und Seele als unsterblich vorgeführt. Scipio - wie Telemach und Amadé - wird zur Entscheidung gedrängt: Er will - wer nicht? - im Hímmel bleiben ...
Constanza führt die Klippe an: sie allein sei beständig (bei Aias war Poseidon stärker!) ...

KV 126: Ouverture



KV 126: 9. Aria Biancheggia in mar lo scolio



Aria CONSTANZA

Biancheggia in mar lo scoglio,
Par che vacilli, e pare
Che lo sommerga il mare
Fatto maggior di sé.

Ma dura a tanto orgoglio
Quel combattuto sasso;
E 'l mar tranquillo e basso
Poi gli lambisce il piè.





27. Februar

Mozart KV 135 Lucio Silla

Odyssee 4, 512 - 537

Telemach in Sparta


Und weiter berichtet Gott Proteus, so erzählt Menelaos, ihm von der Heimkehr der Griechen:
Seinen, des Menealaos', Bruder Agamemnon habe bei Kap Maleia ein Sturm überfallen, er sei weit abgetrieben worden, dann aber endlich ans heimatliche Ufer gelangt, das er mit heißen Tränen begrüßte. Ein Späher verriet dem Ägisthos seine Ankunft. Dieser Kriminelle richtete zum Schein ein Gastmahl zum Empfang des Agamemnon, bei dem er ihn und sein gesamtes Gefolge erschlug.

Italien wartet auf Amadé. Mailand bestellt eine Oper zum nächsten Karneval. Im Oktober 1772 verabschieden sich Leopold und Sohn zum drittenmal von Frau und Schwester, treffen zehn Tage später in Mailand ein.
Es ist ehrenvoll für den jungen Mozart, in der Karnevals-Spielzeit 1772/73 die erste der beiden traditionellen Opern zu komponieren. Mozart wird für die Dauer seines Aufenthalts in Mailand eine möblierte Wohnung und für seine künstlerischen Bemühungen (»virtuose fatiche«), zu denen außer der Komposition noch die Probenarbeit und die musikalische Gesamtleitung zählen, ein zwar anständiges, aber nicht glänzendes Honorar geboten.
Für die gesamte Vorbereitungszeit bleiben knappe drei Monate. Schließlich muss noch die Titelrolle umbesetzt werden, der Tenor erkrankt.
Aus Amadés Brief: Nun hab noch 14 stuk zu machen, dann bin Ich fertig, treulich kan man das Terzet und Duetto für 4 stück rechnen. Ich kan ohnmöglich viell schreiben, dan ich weiß nichts, und zweitens weiß ich nicht wass ich schreibe, indem ich nun immer die gedanken bey meiner opera habe, und gefahr laufte, dir anstatt worte eine ganze Aria herzuschreiben.

Unter diesen Bedingungen bleibt nur Staunen über das hohe Niveau von Text, Musik und Ausführung.

Thema ist die moralische Wende des Diktators Lucio Silla, der die Braut des Helden Cecilio begehrt.
Als dieser sich mit dem Schwert gegen den unsittlichen Antrag Sillas wehrt, wird er dem Kerker und schließlich dem Tod überantwortet. In letzter Minute entlässt der Tyrann Cecilio samt Geliebte in die Freiheit. Amadé dramatisiert die unheilschwangeren Stimmungen und menschlichen Leidenschaften mit überraschend neuen musikalischen Wendungen. An diesem Premierenabend des 26. Dezember 1772 erahnt man, wohin die weitere Reise des Sechzehnjährigen gehen wird: weg von künstlichen Konstruktionen hin zu lebendigen Situationen, mit den dramatischen Konflikten der Personen auf der Bühne die nicht weniger dramatische Verstrickung des Menschen mit sich selbst und anderen aufzuzeigen. Der Mord an Agamemnon ein klassisches Bespiel ...



KV 135: Ouverture



KV 135: 11. Aria A se il crudel periglio



Aria GlUNIA
Ah se il crudel periglio
Del caro ben rammento
Tutto mi fa spavento
Tutto gelar mi fa.

Se per si cara vita
Non veglia l'amistà
Da chi sperare aita
Da chi sperar pietà?





28. Februar

Mozart KV 175 Konzert für Klavier

Odyssee 4, 538 - 560

Telemach in Sparta


Menelaos, so erzählt er Telemach, fing bitterlich zu weinen an, als er von Proteus den Mord an seinem Bruder Agamemnon erfahren muss. Der Gott ermutigte ihn aber, sich zu beeilen, vielleicht treffe er den Mörder dann noch an, wenn Orestes ihn nicht schon erschlug.
Von Odysseus wisse er nur soviel: Er werde von der Nymphe Kalypso mit Zwang auf ihrer Insel festgehalten. Er habe weder Ruderer noch ein Schiff, um von dort weg zu kommen.

Wie Odysseus bei Kalypso, so fühlen sich Vater und Sohn Mozart im ungeliebten Salzburger Dienst gefangen, den sie entsprechend halbherzig leisten. Die Hoffnung auf eine Festanstellung in Italien hat sich zerschlagen und auch der Versuch Leopolds im Sommer 1773, bei der Kaiserin etwas zu erreichen: erfolglos.
Amadé geht in dieser Zeit, wo unzählige geistliche Werke, Divertimenti, Streichquartette, Klaviersonaten und Symphonien entstehen, unbeirrt den Weg des Neuerers. Die späte Pubertät des jungendlichen Kapellmeisters hat in gesellschaftlich geregelten Bahnen zu verlaufen, seinen 'Sturm und Drang' erlebt er um so hörbarer in seiner Musik. Sein Bewegungsdrang, der ihn oft "im Zimmer wie ein Hund in Flöhen" gehen lässt, sucht nach einem Ausweg, weg von Salzburg.
Aus dieser Zeit stammt das erste selbständig verfasste Klavierkonzert KV 175. Im Vordergrund steht der Dialog zwischen Klavier und Orchester. Außergewöhnlich für damals ist die nicht selbstverständliche Besetzung mit Streichern, je zwei Oboen, Hörnern, Trompeten sowie Pauken.

Mozart hat für sein erstes eigenes Konzert eine lang anhaltende Vorliebe. Dort zeigt er ambitionierten Zugriff nicht nur in der Wahl der 'brillanten' Tonart D-dur und großer Orchesterbesetzung, sondern vor allem in der meisterhaften und originellen Handhabung der Form, im ausbalancierten Wechselspiel zwischen Solo und Orchester, in der Orchestrierung (besonders des Andante ma un poco Adagio) und in der Art, wie er musikalische Gedanken zueinander in Beziehung setzt. Der unkonventionellste Satz ist zweifellos das Finale, ein Sonatensatz, der das Werk mit einer überraschenden, halb ironischen Kombination 'gelehrter' und 'galanter' Stilelemente krönt. Amadé beginnt mit einem kanonisch geführten Hauptthema, es folgt eine tänzerisch-synkopierte Überleitung und ein ganz buffonesker Seitensatz.
Später ersetzt er übrigens den 3. Satz durch ein faszinierendes Allegretto grazioso (KV 382)

KV 175



buffonesk, von Buffo (ital: komisch, witzig) = in Oper und Operette Tenor (Tenorbuffo) oder Bass (Bassbuffo), der in dem Stück aufgrund seiner Rolle für die Komik zuständig ist