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1. Mai

Mozart KV 275 (272b) Missa brevis

Odyssee 9, 82 - 115


Odysseus berichtet in Korfu weiter von seiner Odyssee:
9 Tage verbläst sie der Sturm, am 10. landen sie im Land der Lotophagen. Ihre drogenhaltigen Lotosfrüchte lassen die Späher ihre Heimat vergessen, sie wollen dort bleiben und weiter Lotos geniessen. Mit Gewalt muss Odysseus sie ins Schiff zerren und die Anker lichten.
Sie gelangen ins Land der Kyklopen. Ohne zu pflanzen, zu säen oder zu ackern leben diese in Grotten rundum in den Bergen, ein jeder für sich.

Die Kurzmesse komponiert Amadé 1777 in Salzburg. Das Kyrie schreibt er ausschließlich in der Grundtonart und kompensiert das durch Liedhaftigkeit und vielfältige Variationen in der Harmonik. Auch im Gloria stellt er die Harmonik ganz in den Vordergrund. Im Credo, als Ritornelle angelegt, lässt Mozart das Orchester dominieren. Auffällig ist der unkonventionelle Tanzbass im Sanctus. Der längste und auch der expressivste Satz ist das Agnus Dei, Höhepunkt dieser Messe. Auch ihn beherrscht das Orchester.

KV 275


Text siehe 14. April


2. Mai

Mozart KV 309 (284b) Sonate für Klavier

Odyssee 9, 116 - 192


Odysseus erzählt weiter von den Kyklopen:
Gegenüber dem Kyklopenland läuft seine Flotte mit 12 Schiffen in den Scheitel einer vollkommen geschützten Bucht auf einer unbewohnten Insel bei Nacht ein. Sie gehen an Land und schlafen bis zum Morgen. Dann erlegen sie 109 Ziegen und verspeisen sie, die Ziegen leben dort in großer Zahl.
Tags darauf fährt er mit seinem Schiff hinüber zum Land, um zu erkunden, wer da wohne. In einer Grotte am Meer haust ein Riese und versorgt seine vielen Schafe.

Wie für Odysseus das Abenteuer bei den Kyklopen einen tiefen Einschnitt bedeutet, so auch bei Mozart das Jahr 1777.
Vater und Sohn planen seit langem den Ausbruch aus Salzburg. In Begleitung seiner Mutter verlässt Amadé am 28. September die Salzachstadt Richtung München. Dass der 20jährige ohne den Vater reist, ist nicht etwa dessen Vertrauensbeweis, sondern Folge der Querelen mit dem Chef: Colloredo gehen diese "Bettelreisen" und Überheblichkeiten Leopold Mozarts im Gewand untertänigster und gehorsamster Katzbuckelei auf die Nerven. Der Domkappellmeister erhält keinen Urlaub, der zutiefst gekränkte Vater muss den Sohn allein ziehen zu lassen.
Bei der Abreise hat Mutter Reisefieber, dem Nannerl kommt ein Erbrechen, der Vater verfällt in Depressionen, und Mozart triumphiert! Am liebsten schwänge er sich selbst auf den Kutschbock, um der Salzburger Misere und der Umklammerung des Vaters zu entfliehen.
Amadé ist frei.
In München der erste Dämpfer. Der bayerische Kurfürst hat keine Vakanz. Amadé verletzt das ständige Mißtrauen des Vaters in seine ernsthaften Bemühungen um eine lukrative Beschäftigung.
Voll zum Ausbruch kommt der Vater-Sohn-Konflikt in Mannheim, wo Amadé und Mutter am 30. Oktober ankommen.

Kurfürst Karl Theodor hat es verstanden, mit der Verpflichtung bedeutender Musiker wie Johann und Carl Stamitz seinen Hof zum wichtigsten Musikzentrum Europas werden zu lassen. Ihr Kompositionsstil beeinflußt die gesamte europäische Musikwelt. Gleichzeitig können die Hofkompositeure mit dem Hoforchester über einen der bedeutendsten Klangkörper in Europa verfügen. Bei seinem Kapellmeister Christian Cannabich ist Mozart nun ständiger und ebenso willkommener Gast.
Er gibt etliche Konzerte bei Hofe, wird zum Musiklehrer der fürstlichen Kinder. Die erhoffte Berufung zum Kammerkompositeur aber bleibt aus. All das unter dem Tenor des Vaters: "Es stunde halt zu erwarten!"
Unter der bigotten Moral des Vaters, berechtigt in jener Welt machtorientierter Pragmatiker und heuchelnder Protegés, deren erstes Gebot Anpassung heißt und in deren Systematik das Kind Mozart erbarmungslos hineinerzogen ist, wird es Amadé immer bewusster: Das Verhängnis, mit seiner Kunst den Adel erfreuen und die Eltern ernähren zu müssen.
Aus einem Brief an den Vater: Das ist mir nun eins; denn das ist allerweil ein ding, ob ich den dreck fresse, oder der Papa ihn scheis - Nu, so kann ich doch das ding nie recht sagen! ich habe sagen wollen, es ist ein ding ob der Papa den dreck scheist, oder ich ihn fresse! - iezt laß ichs lieber seyn, ich sehe es schon; es ist umsonst.


Christian Cannabich

Amadé komponiert dennoch unermüdlich. Die Rahmensätze der Sonate KV 309 schreibt er 1777 in Augsburg und vollendet sie einen Monat später in Mannheim. Zentrum der Sonate ist der nachkomponierte Mittelsatz, dessen Charakter Mozart mit Rose Cannabich, der Tochter des kurfürstlichen Musikdirektors vergleicht. Die motivische Ökonomie dieses Satzes zeigt, dass Mozart sich perfekt an den Mannheimer Geschmack anzupassen vermag. Durch leichte Veränderungen gewinnt er dem einprägsamen Anfangsmotiv zahlreiche Facetten ab.

KV 309




3. Mai

Mozart KV 301 (293a) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 9, 193 - 230


Odysseus erzählt in Korfu weiter von den Kyklopen:
Er wählt zwölf der tapfersten Gefährten aus, die anderen sollen am Ufer warten, das Schiff bewachen. In der Grotte finden sie eine stattliche Schafzucht, Molke, Milch und Käse. Die Gefährten rieten, nur Käse, Zicklein und Lämmer mitgehen zu lassen und und schleunigst zurück zu segeln. Odysseus will - ihr Verhängnis - den Bewohner der Höhle sehen.

1777 bahnt sich in Mannheim das Verhängis zwischen Vater Leopold und Sohn Amadé an. Geld und Ehre, die Vater Leopold von Brief zu Brief anmahnt, formen sich in Wolfgangs Ohren zur penetranten Dissonanz. Amadé hat in der Welt mehr erfahren, als man ihm zutraut und schöpft aus dieser Erfahrung mehr als die Erkenntis, dass Anpassung und Gehorsam auf goldenen Boden gründen. Die väterliche Dauerermahnung beanwortet der 22jährige Künstler mit Ironie:

Ich johannes Chrisostomus Amadeus Wolfgangus sigismundus Mozart giebe mich schuldig, daß ich vorgestern, und gestern - auch schon öfters - erst bey der nacht um 12 uhr nach haus gekommen bin; und daß ich von 10 uhr bis zur benennten stund beim Canabich, in gegenwart und en Compagnie des Canabich, seiner gemahlin und dochter, Herrn schazmeister, Raam, und Lang, oft und -- nicht schweer, sondern ganz leichtweg gereimmet habe: und zwar lauter Sauereyen, nemmlich, vom Dreck, scheissen und arschlecken und zwar mit gedancken, woarten und -- aber nicht mit wercken. ich hätte mich aber nicht so gottloß aufgeführt, wenn nicht die Rädl-führerin, nemlich die sogenante lisel - Elisabeth Cannabich - nicht gar so sehr darzu annimiret und aufgehezt hätte; und ich muß bekennen daß ich ordentlich freude daran hatte, ich bekenne alle diese meine sünden und vergehungen von Grund meines herzen, und in der hofnung sie öfter bekennen zu dürfen, nimm ich mir kräftig vor, mein angefangenes sündiges leben noch immer zu verbessern; darum bitte ich um die heilige dispensation, wenn es leicht seyn kann; wo nicht, so gilt es mir gleich, denn das spiell hat doch seinen fortgang.

Anfang 1778, über ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung seiner im Kindheitsalter komponierten Violinsonaten, wendet sich Amadé wieder dieser Besetzung zu. Die Sonate G-Dur, ursprünglich für Flöte konzipiert, arbeitet er um, die Satzfolge behält er bei: Dem galanten Allegro con spirito folgt ein Allegro. Eine Neuerung ist die nunmehr gleichberechtigte Rolle von Violine und Klavier.

KV 301




4. Mai

Mozart KV 294 Rezitativ und Arie für Sopran: "Alcandro, lo confesso" "Non so d'onde viene"

Odyssee 9, 231 - 255


Odysseus beim Kyklop:
Er trug eine mächtige Ladung
Trockenes Scheiterholz, das er zum Mahle gespaltet,
Und in der Höhle stürzt' er es hin, da krachte der Felsen;

Und wir erschraken und flohn in den innersten Winkel der Höhle
Aber er trieb in die Kluft die fetten Ziegen und Schafe
Alle zur Melke herein; die Widder und bärtigen Böcke
Ließ er draußen zurück in des Vorhofs tiefem Gehege.
Hochauf schwang er und setzte den mächtigen Block vor den Eingang,
Fürchterlich groß! die Gespanne von zweiundzwanzig starken
Und vierrädrigen Wagen, sie schleppten ihn nicht von der Stelle,
Jenen gewaltigen Fels, den das Ungeheuer emporhob.
Setzte sich drauf und melkte die Schafe und meckernden Ziegen
Alles, wie es der Brauch, und die Säuglinge legt' er ans Euter.
Ließ von der weißen Milch die Hälfte gerinnen und setzte
Sie zum Trocknen hinweg in dichtgeflochtenen Körben,
Und die andere Hälfte verwahrt' er in weiten Gefäßen.
Machte er Feuer an und sah uns stehen und fragte:
Fremdlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Geschäft, oder kreuzt ihr ohne Bestimmung
Hin und her auf der See, wie landumirrende Räuber,

Die das Leben wagen, um bei Fremden zu plündern?

Mozart aber begegnet (nach dem ersten handfesten erotischen Erlebnis kurz vorher in Augsburg mit seinem Bäsle Maria Anna Thelda - eine erfrischend unkomplizierte Lustspielerei, die - wenn auch nur postalisch - noch über Jahre weitergehen wird) in Aloysia Weber, der fünfzehnjährigen Tochter des Bassisten und Kopisten Fridolin Weber einem Mädchen, dessen Reize und vortrefflicher Gesang seine Leidenschaft entbrennen lassen.
Die überschwengliche Verehrung für Aloysia trifft die Geliebte und Künstlerin gleichermaßen.
Im Februar 1778 komponiert Amadé für sie KV 294. Am 12. März 1778 singt Aloysia Weber die Arie in einer Akademie bei Cannabich - großer Beifall. Mozart bezeichnet die Arie als die beste, die Aloysia Weber hat, sie passt ihr wie ein Kleid auf den Leib.

KV 294



CLISTENE

Alcandro, lo confesso,
Stupisco di me stesso. Il volto, il ciglio,
La voce di costui nel cor mi desta
Un palpito improvviso,
Che lo risente in ogni fibra il sangue.
Fra tutti i mici pensieri
La cagion ne ricerco, e non la trovo.

Che sarà, giusti dei! questo ch'io provo?

Non so d'onde viene
Quel tenero affetto,
Quel moto che ignoto
Mi nasce nel petto,
Quel gel che le vene
Scorrendo mi va.

Nel seno a destarmi
Si fieri contrasti
Non parmi che basti
La sola pietà.

Ich gesteh's, Alcandro: ich staune über mich selbst. Das Antlitz, die Miene, die Stimme dieses Mannes erregen in meinem Herzen ein unwillkürliches Beben, welches das Blut in allen Adern fühlt. In allen meinen Gedanken forsche ich nach dem Grund, aber ich finde ihn nicht. Was wird es sein, gerechte Götter, was mir widerfährt?

Ich weiß nicht, woher jenes zärtliche Gefühl kommt, jene unbekannte Regung, die in meiner Brust entsteht, jener Kälteschauer, der mir durch die Adern läuft. Dass sich in meinem Herzen so furchtbar widerstreitende Gegensätze erheben, dafür scheint mir nicht das bloße Mitleid Grund genug zu sein.


5. Mai

Mozart KV 296 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 9, 256 - 293


Odysseus berichtet weiter von den Ereignissen in der Höhle des Kyklopen:
Nachdem er dem Kyklopen erzählte, dass sie schiffbrüchige Griechen aus dem Heer des Agamemnon auf der Heimfahrt von Troja sind, bittet er um Gnade und eine kleines Gastgeschenk, der Kyklop lehnt ab, ergriff zwei seiner Gefährten, zerschmettert sie wie junge Hunde am Boden und frisst sie mit Haut und Haaren auf.

Den schwärmerischen Plänen Wolfgangs, mit der Familie Weber nach Italien zu reisen, um seine Geliebte dort zum Star zu machen, tritt Vater Leopold mit aller Entschiedenheit entgegen. Statt Italien fasst Mozart nun Paris ins Auge. Er sieht ein, dass jene Zeit des geistigen und gesellschaftlichen Umbruchs in Europa die uneingeschränkte Anteilnahme des modernen Komponisten verlangt.
Wenige Tage vor seiner Abreise aus Mannheim wird die Sonate KV 296 unmittelbar nach Fertigstellung im März 1778 bei einer so genannten Akademie aufgeführt.

Ganz ungewöhnlich ist die dreisätzige Anlage des Werkes.

KV 296




6. Mai

Mozart KV 297b (Anh 9) Sinfonia concertante

Odyssee 9, 294 - 333


Odysseus erzählt den Phäaken in Korfu weiter vom menschenfressenden Kyklopen:
Kaum hat er die zwei Gefährten verspeist und reichlich Milch dazu getrunken, da schläft er, lang hingestreckt, schon ein. Zu töten wagen sie ihn nicht, denn vor der Höhle hat der Riese einen mächtigen Fels gewälzt, den sie nicht hätten beiseite zu schieben vermocht. Am nächsten Morgen frisst er nochmals zwei und treibt dann seine Herde auf die Weide.
Er, Odysseus, habe einen Plan gehabt. Er haut von der Keule des Kyklpen ein klafterlanges Stück ab, glättet es, spitzt es an und härtet es im Feuer. Sie losen 5 Leute aus, die ihm den Spieß ins Auge drehen müssen.

Während Odysseus auf die Tötung des Kyklopen sinnt, flammt in Mozarts Zeit der alte Streit zwischen Österreich und Bayern um die Vormachtstellung im Reich wieder auf. Die ersten Wellen revolutionären Gedankenguts von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit schwappen aus Amerika nach Europa über.
Und in Mozarts Seele und Familienleben geht es auch bergab ...

Gestern Monntag den 23.ten nachmittag um 4 uhr sind wir gott lob und danck glücklich hier angekommen; wir sind also 9 täg und 1/2 auf der Reise gewesen, wir haben geglaubt wir können es nicht aushalten. ich hob mich mein lebetag niemahl so ennuirt. sie können sich leicht vorstellen was das ist. wenn man von Mannheim und von so viellen lieben und guten freunden wegreiset, und dann zehnthalb Tage, nicht allein ohne diese gute freunde, sondern ohne menschen, ohne eine einzige Seele, mit der man umgehen oder reden könnte, leben muß.

Amadés Mutter sitzt immerhin mit im Wagen - er ignoriert sie schlichtweg. Die Fahrt nach Paris wird für beide zur Tortur: Mozart verlässt Mannheim unter Tränen, von Meile zu Meile bewusster, dass Reisen Abschiednehmen heißt, und dass seine Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe mit dem gesellschaftlichen (väterlichen) Erfolgsauftrag unvereinbar ist. Mutter Mozart empfindet schmerzhaft ihre Situation als fünftes Rad an diesem Reisewagen, der sie von ihrem Leben, ihren Freunden, ihrem Mann, ihrer Tochter - und ihrem Sohn - immer weiter wegbringt.

Paris empfängt die Reisenden von seiner unwirtlichsten Seite. Durch ein Gewirr von übelriechenden Gassen und vorbei an Hauseingängen, die zu öffentlichen Aborten verkommen sind, finden die völlig erschöpften Salzburger endlich zu ihrem düsteren Zweibettzimmer im Gasthof »Lion d'argent«.

Für den Musikdirektor Legros komponiert Amadé im April 1778 eine Symphonie concertante, KV 297b (Anhang 9), aufgeführt wird sie nicht.
Mozart erkennt: Paris hat nicht auf ihn gewartet. Er selbst ist weder erfahren noch gewandt genug, um im richtigen Moment die richtigen Leute mit dem richtigen Maß an Unterwürfigkeit oder Überheblichkeit für sich einzunehmen. Sein Selbstbewußtsein ist schwer angeschlagen, seine Schwierigkeiten wachsen sich allmählich zur Persönlichkeitskrise aus.

Den Kopfsatz der konzertanten Sinfonie stellt Amadé mit dem Solistenquartett sowohl en bloc als auch solistisch gegen das Orchester. Die zehn Variationen des volkstümlichen Themas im Finale grenzt Mozart jeweils durch einen Tutti-Refrain formal ab.

Inzwischen vegetiert Amadés Mutter in Verlassenheit vor sich hin:
Ich size den ganzen tag allein in zimmer wie in arest, welches noch darzue so dunckel ist und in ein kleines höffel geth das man den ganzen tag die Sohn nicht sehen kan, und nicht einmahl weis was es vor ein weiter ist, mit hartter miehe kan ich bey einen einfahlenten liechten etwas weniges stricken, und für dises zimmer müssen wier das Monat 30 liver bezahlen, der eingang und die stiegen ist so öng das es ohnmöglich wehre ein Ciavier hin auf zu bringen, der wolfgang mues also ausser haus bey Monsieur le gro Componieren weill dorth ein Ciavierist, ich sehe ihme also den ganzen tag nicht, und werde das reden völlig vergessen. meine kost von trater ist auch Superb für 15 Sol zu mitag bekomme ich 3 speisen, erstlich eine Supen mit Krutter [Croutons] die ich nicht mag, 2ten ein bröckel schlechtes fleisch 3ten etwas von einen kalbsfus in einer schmuzigen brihe, oder eine stein harte leber.

KV 297b




7. Mai

Mozart KV Ballettmusik zur Pantomime Anh. 10 (299b)

Odyssee 9, 334 - 374


Odysseus erzählt weiter von seinem Plan gegen den menschenfressenden Kyklopen:
Als Polyphem am Abend zurückkommt mit seiner Herde, frisst er wiederum zwei der Griechen auf. Odysseus reicht ihm eine Schale mit Rotwein, der besonders nach Menschenfleisch munde. Dem Kyklopen schmeckt er gut, dreimal muss Odysseus nachschenken. Als der Kyklop nach Odysseus' Namen fragt, antwortet der: "Niemand".
Aus Dank für den guten Wein gelobt der Kyklop, Niemand als letzten zu fressen. Schwer vom Wein sürzt er hin, Schlaf überwältigt ihn; er muss speien: Wein und Menschenfleischbrocken würgt er hervor.

Für Amadé bleiben die Tage in Paris ebenfalls weiter glücklos.
Der Pariser Ballettchef (1727-1810) Noverre stellt ihm den Auftrag für eine Oper in Aussicht.

In Mozarts einzigem Ballett, das auch unter Schäfern spielt, kommt nicht Odysseus, aber Amor frei.
Mozart und Noverre lernen sich 1773 in Wien kennen. Während seines insgesamt unglücklichen Parisaufenthalts 1778 zählt der damalige Compositeur et Maître des ballets der Pariser Académie Royale zu seinen wenigen Hoffnungsträgern. Noverre allerdings, der sich als Protégé seiner Schülerin Königin Marie Antoinette Intrigen seiner Pariser Kollegen ausgesetzt sieht, ist in seinen Möglichkeiten auch begrenzt.
Der junge Komponist speist oft mit Noverre, die Oper kommt nie zustande, doch Mozart genießt den Vorzug, für Noverre ein Ballett schreiben zu dürfen. "Das Ballett ist Abbild und Sprache der Seele", schreibt Jean Georges Noverre in seinen Lettres sur la danse von 1760. Mozart tanzt gern und hatte mit 11 sogar Ballettunterricht.
Am 9. Juli 1778 teilt Mozart seinem Vater den Tod der Mutter mit. Er schreibt weiter:

...daß er vielleicht ein neues machen wird - er hat just einen halben Ballet gebraucht, und da machte ich die Musique dazu - das ist, 6 Stücke werden von andern darin seyn, diese bestehen aus lauter alten miserablen französischen arien; die Sinfonie, und Contredanse, überhaupt halt 12 Stücke werde ich dazu gemacht haben - Dieser Ballet ist schon 4mahl mit größtem beyfall gegeben worden - ich will aber izt absolument nichts machen, wenn ich nicht voraus weiß was ich dafür bekomme, denn dies war nur ein Freundstück für Noverre.

Die Uraufführung der Balettmusik zur Pantomime "Les petits riens" findet am 11. Juni in der Grand Opera im Anschluß an Piccinnis "Le finte gemelle" statt. Mozarts Name erscheint nirgends. Die Musik verschwindet. 1872 taucht sie wieder auf, weniger als 12 Stücke könnten wirklich von Mozart sein.

KV 229b: Andantino



KV 229b: Gavotte gracieuse



KV 229b: Pantomime



KV 229b: Gavotte



Inhalt:
1. Bild: Der als Vogel verkleidete Amor kommt kraft seiner Macht frei, nachdem ihm ein Mädchen ein Flötenständchen gebracht hat. Amor wird überlistet und in einen Käfig gesperrt.
2. Bild: Blindekuhspiel. Eine maskierte Schäferin führt einen verliebten Schäfer in Fesseln mit sich. Als es dem Schäfer gelingt, die Schäferin zu demaskieren, folgt dem Streit die Versöhnung.
3. Bild: Amor führt zwei Schäferinnen einen schönen Schäfer zu, in den sich beide verlieben. Der vermeintliche Schäfer entpuppt sich als Mädchen, das erst durch das Entblößen seiner Brust die Schäferinnen über Amors List aufklärt. Ein ländliches Paar wird einem städtischen gegenübergestellt. Nach wechselseitiger Annäherung kehren beide Paare in ihren Lebensbereich zurück.


8. Mai

Mozart KV 310 (300d) Klaviersonate a-Moll

Odyssee 9, 375 - 413


Odysseus schildert in Sparta die Blendung des Polyphem.
Wie die Gefährten dem Riesen die glühende Ölbaumknüttelspitze ins Auge bohren, daran drehen und wie dieser vor Schmerzen tobt, mit Zetergebrüll die andern Kyklopen ruft. Sie drängen sich um die Höhle und wollen wissen, was ihm geschah.
Da antwortet Polyphem:
"N i e m a n d würgt mich arglistig ihr Freunde!"
"Wenn dir denn keiner Gewalt antut in der einsamen Höhle: Gegen Schmerzen, die Zeus dir schickt, ist kein anderes Mittel: Flehe zu deinem Vater, dem Meerbeherrscher Poseidon!"
So sprachen die Kyklopen und gingen.

Polyphem hat den Verlust seines Augenlichts zu beklagen, Mozart den plötzlichen Tod seiner Mutter. Die a-moll Sonate, ein düsteres Werk, entsteht 1778 in Paris, wo Amadé unter mangelndem Erfolg leidet. a-Moll steht für Hoffnungslosigkeit. In den Rahmensätze verlässt Mozart den Mollbereich nur selten. Auch mit dem Zusatz "maestoso" verhindert er eröffnenden Allegro das Aufkommen heiterer Geläufigkeit.
Im 1. Satz ist die Symbolik "es geht abwärts" unüberhörbar in der Begleitstimme, die immer weiter nach unten geht bis zum Tiefstpunkt, während die Melodie weiterhin ihr marschiges Thema durchzieht.

Selbst den lyrische 2. Satz in F-Dur trübt der Komponist durch eine ausgedehnte Mollpassage. Rastlos gibt er sich im abschließende Presto - auch dieses endet nicht - wie Odysseus' Abschied von Polyphem - nicht in versöhnlichem Dur, die Verzweiflung ist wieder zu hören.

KV 310 1. Allegro maestoso, 2. Andante cantabile con espressione, 3. Presto



KV 310 2. Andante cantabile con espressione



KV 310 3. Presto




9. Mai

Mozart KV 354 (299 a) Zwölf Variationen für Klavier

Odyssee 9, 414 - 445


Odysseus schildert in Sparta die Blendung des Polyphem.
Polyphem, ächzend vor Qual, nimmt blind den Stein von der Pforte und tastet die Schafe ab, damit keiner entwischt. Odysseus erzählt, wie er je drei große Widder zusammen- und je einen der Gefährten unter das mittlere Tier bindet. Er selbst klammert sich unter den trefflichsten Bock der Herde. Sorgsam betastet der Wütrich, von Schmerzen gefoltert, den Rücken der Schafe.

Dramatisch geht es auch beim Wettstreit 1781 am kaiserlichen Hof in Wien zu, wo Mozart seine Variationen KV 354 gegen seinen Konkurrenten Muzio Clementi spielt.
In den Zwölf Variationen für Klavier Es-Dur aus dem Jahr 1778 variiert Amadé Melodien aus der Romanze "Je suis Lindor" von Antoine-Laurent Baudron aus Beaumarchais’ 1775 uraufgeführter Komödie "Le Barbier de Séville". Er mischt virtuose und lyrische Elemente: Technisch schwierige Figuren wie Oktavtremoli in beiden Händen oder lauffreudige Presto-Passagen stellt er klangschönen Ruhepunkten im Moll-Teil und im weitausladend verzierten Molto adagio gegenüber.

KV 354




10. Mai

Mozart KV 299 (297c) Konzert für Harfe und Flöte

Odysseus in der Höhle des Kyklopen.


Polyphem klagt seinem Lieblingsbock, unter dem Odysseus hängt, sein Leid.

Aber dieser Niemand sei noch nicht entronnen. Wenn der Bock ihm sagen könnte, wo der sich versteckt, würde er ihn zerschmettern und sein Hirn hierhin und dorthin verspritzen. Die Gefährten gelangen zum Schiff, nehmen die Schafherde mit, stechen in See und Odysseus schmäht mit lautem Rufen vom Meer aus Polyphem, das sei die Strafe von Zeus und den übrigen Göttern!

Ein ähnliches Gefühl wie Odysseus berschleicht Mozart oft in Paris.

Er sieht sich genötigt, seiner kränkelnden Mutter und seinem Vater zuliebe für Geldeinnahmen zu sorgen, die er sich vom Klavier- und Kompositionsunterricht der nur mäßig begabten zehnjährigen Tochter des Herzogs de Guines verspricht.

Der Vater recherchiert sofort und gibt Weisung:
suche die Freundschaft des Duc de Guines zu erhalten, und sich bei ihm in Credit zu setzen, ich habe oft in zeitungen gelesen, er gilt alles am Königlichen Hofe, da itzt die Königin schwanger ist, so werden dann bey der Geburth grosse Festivitäten seyn, da könntest du etwas zu thun bekommen, so dein Glück machen könnte, da in solchen Fällen wird alles geschehen, was die Königin nur verlangt.

Amadé tut, was zu tun ist: Er schreibt dem Herzog ein Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299). Zwei Instrumente, die Mozart nie recht mag, aber der Duc ist nun mal ein leidenschaftlicher Flötist, und sein Töchterchen spielt "magnifique die Harpfe". So entsteht ein Werk, das zwar den Solisten reichlich Gelegenheit gibt zu brillieren, aber ebenso die Lustlosigkeit des Komponisten spüren läßt.

KV 299




11. Mai

KV 297 (300a) "Pariser Sinfonie"

Odyssee 9, 480 - 521


Die Griechen fliehen vor dem Kyklopen.
Polyphem reißt einen Felsbrocken vom Gipfel und schleudert ihn in Richtung ihres Schiffs. Die aufgwühlte See wirft das Boot ans Ufer zurück, Odysseus stößt es mit einer langen Stange vom Land ab und sie rudern wie wild.
Und dann ruft Odysseus zu Polyphem hinauf:
Sollte dich einst von den sterblichen Menschen
Einer fragen, wer dir dein Auge so schändlich geblendet,
Sag' ihm: Odysseus, der Sohn Laertes', der Städteverwüster,
Der in Ithaka wohnt, der hat mein Auge geblendet!


Polyphem antwortet, es sei ihm geweissagt worden, er werde durch Odysseus sein Augenlicht verlieren. Er habe einen herrlichen Kriegshelden erwartet und nicht so einen elenden Wicht und Weichling, der ihm Wein eingiesst und dann sein Auge ausbrennt.

Dann lädt der Kyklop Odysseus ein: er wolle ihn herrlich bewirten und ihm sicheres Geleit bei Poseidon, seinem Vater beschaffen.

Mozart ebenfalls in einer Grenzsituation.

Die Logik einer Welt, die dem Aufbegehrenden - wenn überhaupt - erst dann Gehör schenkt, wenn er sich in der Anpassung bewährt hat, lässt Mozart zweifeln: an sich und an jener spätfeudalistischen Gesellschaft, die ihn offenbar als Musiklieferanten nur benötigt, um auf dem Vulkan der bürgerlichen Revolution ihrem Ende entgegenzutanzen.
Im Salon der Madame d'Epinay, wo er den Enzyklopädisten begegnet, denkt er nach über die gesellschaftliche Funktion des Künstlers.

Um Anerkennung ringend, geht Mozart auf den Geschmack des Pariser Publikums ein:
Die Sinfonie Nr. 31 D-Dur ("Pariser") beginnt mit dem "premier coup d’archet" - dem rauschenden Unisono Forte-Einsatz des Orchesters. Zudem setzt Amadé neue Klangfarben ein - er verwendet erstmalig Klarinetten. Uraufgeführt wird das Werk im Juni 1778 in Paris im Rahmen der Concerts spirituels, der ersten öffentlichen Konzertreihe.
Im selben Jahr komponiert Mozart für noch eine weitere Aufführung als Ersatz für den ursprünglichen einen schlichteren, kürzeren Mittelsatz.

Mutter und Sohn sind im April in eine andere Wohnung gezogen. Das neue Zuhause lag zwar zentraler, doch der angeschlagenen Gesundheit der beiden waren die kalten Zimmer nicht zuträglich. Die vernachlässigte Mutter, die kaum noch Ansprache hat, befallen Hör- und Sprachstörungen. Ihr eingeschränkter Bewegungsraum läßt sie erlahmen, und schließlich verabschiedete sich die nutzlos Gewordene ins Delirium.

Amadé erwähnt in den ersten Zeilen seines Briefs an seinen Vater die schwere Erkrankung der Mutter, beschreibt dann seinen Erfolg mit der "Pariser", räsoniert über Voltaires Tod, spricht von seinem Anspruch auf eine gutbezahlte Konzertmeisterstelle, empfiehlt seine Mutter dem Allmächtigen.

Tatsächlich war diese seit drei Stunden tot.

An einen Freund der Familie, Bullinger, schreibt er:


Allerbester freund!
für sie ganz allein.

Trauern sie mit mir, mein freund! - dies war der Trauerigste Tag in meinem leben - dies schreibe ich um 2 uhr nachts - ich muß es ihnen doch sagen, meine Mutter, Meine liebe Mutter ist nicht mehr! - gott hat sie zu sich berufen - er wollte sie haben, das sähe ich klar - mithin habe ich mich in willen gottes gegeben - Er hatte sie mir gegeben, er konnte sie mir auch nehmen. Ich bin der Meynung daß sie hat sterben müssen - gott hat es so haben wollen, ich bitte sie unterdessen um nichts als um das freundstück, daß sie meinem armen vatter ganz sachte zu dieser trauerigen nachricht bereiten.

Leopold Mozart will den Sohn nach Salzburg zurückzuholen. Schulden, ständige ständige Nachfragen der Salzburger, lassen den Vater für eine Wiedereinstellung in Salzburg intervenieren.
Amadé flehte den Vater an, ihn nicht der groben, lumpenhaften und liederlichen Hofmusike auszusetzen, Mozart drehte den Spiess um, verglich seinen Vater mit Odysseus!

Sie haben sich mit den graf stambock und überhaupt mit der ganzen affaire meisterlich wie ein ulißus gehalten - fahren sie nur so fort - lassen sie sich nicht überführen - absonderlich seyen sie auf ihrer hut wenn sie etwa mit der geschopften gans zu reden kommeten - ich kenne sie. seyen sie dessen versichert - sie hat zucker und honig in Maul, in kopf und in herzen aber Pfeffer - es ist ganz natürlich, daß die ganze sache noch in weiten feld ist, und daß mir viele sachen müsten zugestanden werden, bis ich mich dazu entschliessen könnte, und ich doch, wenn auch alles in richtigkeit seyn würde, doch lieber wo anderst seyn möchte, als zu salzbourg - doch ich darf nichts besorgen, es würde mir schwerlich alles zugestanden werden - denn es ist gar viell -.
doch es ist nichts unmöglich - ich würde, wenn alles in Ordnung und richtigkeit seyn würde kein bedencken tragen - nur um das vergnügen zu haben, bey ihnen zu seyn — doch, wenn mich die salzburger haben wollen, so müssen sie mich und alle meine Wünsche befriedigen — sonst bekommen sie mich gewis nicht.


Mozarts Wille, sich vom höfischen Beamtentum zu emanzipieren und als freier Künstler ebenso frei komponieren zu können, ist erwacht.

KV 297




12. Mai

Mozart KV 306 (300 l) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 9, 522 - Ende


Polyphem tobt, scheudert einen riesigen Fels nach ihnen, die Flutwelle wirft das Schiff hinüber zum jenseitigen Ufer, und wie wild rudern die Gefährten. Als Odysseus von weiter draußen wieder nach dem Wüterich ruft, bitten ihn seine Leute, das zu lassen. Er lässt sich nicht beirren.

Polyphem betet zu seinem Erzeuger Poseidon, dieser solle verhindern, dass Odysseus je heimkehre, oder wenn, dann spät, unglücklich und ohne Gefährten. Dann wirft er einen Fels nach ihrem Schff.

Sie aber stoßen bei der Insel gegenüber zur Flotte, teilen die Beute, Odysseus opfert den Widder, der ihn gerettet, Gott Zeus.

Am Abend laben sie sich an Fleisch und Wein und am nächsten Morgen legten sie ab.

Für Mozart ist die Pariser Zeit ebenfalls zu Ende.

Er verlässt die Seine-Stadt am 26. September 1778; dabei hat er als Werbegeschenk die sechs der bayerischen Kurfürstin Maria Elisabeth gewidmeten Violinsonaten (KV 301 siehe 3. Mai), er hofft auf eine Anstellung in München.

Die letzte Sonate KV 306 markiert zweifellos einen Höhepunkt in Amadés Schaffen für Violine und Klavier: Es handelt sich um eine groß angelegte, dreisätzige Konzertsonate. Sie erinnert an seine Violinkonzerte.

KV 306




13. Mai

Mozart KV 315f (Anhang 56) Konzert für Klavier und Violine

Odyssee 10, 1 - 33


Odysseus erzählt am Hofe des Königs Alkinoos in Korfu weiter von den Geschehnissen auf seiner Irrfahrt.

Sie kamen dann zur Insel des Aiolus namens Aiolia.

Dieser hatte seine 6 Töchter mit seinen 6 Söhnen verheiratet. Einen Monat lang bewirtet er die Griechen und will alles wissen, was geschehen war. Zum Geleit gibt er Odysseus in einem Schlauch aus dem Fell eines 9jährigen Stiers den Zug lautbrausender Winde mit; denn Aiolus war von Zeus als König der Winde eingesetzt.

Sie segeln mit günstigem Wind weiter und haben die Leuchtfeuer Ithakas schon in Sicht, da überkommt Odysseus - er steht 9 Tage und Nächte ununterbrochen am Ruder - der Schlaf.

Auch Mozart landet in einer neuen Welt.

Nachdem er Paris im September verlassen hat, rechnet man in Salzburg mit seinem Eintreffen zu Neujahr 1779. Die Aussicht auf diese Endstation lässt den Reisenden säumen. In Straßburg verweilt er auf Kredit und gegen den Willen des Vaters über drei Wochen, während deren er zweimal auftritt. So kategorisch ihm der Vater befiehlt, Mannheim auf dieser Reise auszulassen, so unbeirrt steuert der Sohn darauf los.

Der Vater tobt, der Sohn genießt in Mannheim die Herzlichkeit der Freunde.
Sein potentieller Auftraggeber Kurfürst Karl Theodor ist nach München umgezogen, wohin ihm das Orchester gefolgt ist. Intendant des Nationaltheaters und Ansprechpartner ist Freiherr von Dalberg, der das Theater des neuen bürgerlichen Deutschlands repräsentiert (vier Jahre später wird er Schillers »Räuber« uraufführen).
Das höfische Repräsentierschauspiel hat ausgedient, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, verschafft sich neues bürgerliches Selbstbewußtsein mit deutschnationalen Tönen Gehör. Als moralische Anstalt hat das Theater den Menschen über seine geistige und gesellschaftliche Abhängigkeit aufzuklären, in ihm jene Sittlichkeit heranzubilden, die Freiheit nicht mehr als aristokratisches Privileg versteht, sondern als Voraussetzung für eigenverantwortliches, vernünftiges Handeln.

Zu den größten Verlusten der Kunst zählt, dass Amadé sein Klavierkonzert KV 315f vom November 1778 nicht vollendet hat.

Wilby oder Levin legten Ergänzungen des Fragments vor. Ein Wagnis ...




14. Mai

Mozart KV 316 (300b) Rezitativ und Arie für Sopran

Odyssee 10, 34 - 77


Odysseus weiter in seinem Bericht: Ithakas Küsten in Sicht!

Die Gefährten flüstern miteinander, dass Odysseus wohl Gold und Silber von Aiolus im Schlauch versteckt habe. Egal wohin Odysseus komme, er gewinne immer die Liebe und Achtung aller Menschen. Sie öffnen den Schlauch, mit einem Mal entsausen die Winde und treiben sie über das Meer weit weg von der Heimat, zurück auf die Insel Aiolia. Odysseus will sich erst ins Meer stürzen, bleibt dann aber an Bord.
Als sie Aiolus um Hilfe bitten, jagt der sie fort: Ihm sei nicht erlaubt, einem Mann zu helfen, der selbst von den Göttern gehasst werde.

Und traurig fahren sie weiter.

Mozart geht es in Mannheim ähnlich wie Odysseus vor Ithaka: Gegenwind. Aus dem Angebot Dalbergs an den dreiundzwanzigjährigen Komponisten, die »Semiramis« zu vertonen, wird nichts. Der Theaterprinzipal hat kein Geld, Amadé will eine Oper ohne Sänger doch nicht so recht gefallen, und zuletzt: Ihn erreicht ein Brief aus Salzburg mit der apodiktischen Aufforderung: Bei dem Empfang dieses wirst du reisen!

Die "erschröckliche Todesangst", auch noch den Sohn zu verlieren und vor dem Erzherzog als Lügner dazustehen, zwingt den Vater zu erpresserischen Maßnahmen. Minuziös rechnet er dem Sohn seine Schulden vor, die er gefälligst in Salzburg abzuverdienen habe, beschuldigt ihn der allerverdammlichsten und boshaftesten gedanken, den für dich so besorgten Vater in Schand und Spott zu setzen, und droht mit seinem Ableben.

Begonnen hat Mozart "Popoli di Tessaglia!" - "Io non chiedo, eterni Dei" schon in Paris, vollendet im Januar 1779 in München. Als Bravour-Arie stimmt Amadé sie vollkommen auf die stimmliche Fähigkeit und Person Aloysia Webers ab. Die Szene entstammt Ranieri de’ Calzabigis "Alceste" (Akt I, Szene 2).

Mozart in einem Brief an Aloysia: Ich muss gestehen, dass diese scena die beste ist, die ich in meinem Leben gemacht habe. Die Singstimme konkurriert immer wieder mit den konzertierenden Instrumenten Oboe und Fagott, wird in höchste Lagen hinaufgetrieben. Die gesamte Arie ist in ihrer Form steigernd angelegt, verzichtet auf konventionelle Da-capo-Teile.

KV 316



ALCESTE
Popoli di Tessaglia!
Ah mai più giusto fu il vostro pianto.
A voi non men che a questi
Innocenti fanciulli Admeto è padre.
Io perdo l'amato sposo,
E voi l'amato re;
La nostra sola speranza,
La nostro amor e'invola
Questo fato crudel.
Né so chi prima in sì grave sciagura
A compianger m'appigli
Del regno, di me stessa, o de' miei figli.
La pietà degli Dei
Sola ci resta a implorare, a ottener.
Verrò compagna, alle vostre preghiere,
Ai vostri sacrifizi;
Avanti all'ara una misera madre,
Due bambini infelici,
l'ulto un popolo in pianto
Presenterò cosi.
Forse con questo spettacolo funesto,
In cui dolente gli affetti,
I voti suoi dichiara un regno,
Placato all'in sarà del ciel lo sdegno.

lo non chiedo, eterni Dei,
Tutto il ciel per me sereno,
Ma il mio consoli almeno
Qualche raggio di pietà.

Non comprende i mali miei,
Né il terror, che m'empie il petto,
Chi di moglie il vivo affetto,
Chi di madre il cor non ha.

Ich verliere den geliebten Gatten, und ihr den geliebten König. Unsere einzige Hoffnung, den Gegenstand unserer Liebe raubt uns ein grausames Geschick. Ich weiß nicht, wen ich in so großem Unglück zuerst zu beweinen habe, das Reich, mich selbst oder meine Kinder. Es bleibt uns nur übrig, das Mitleid der Götter zu erflehen. Ich komme als Gesellin eurer Gebete und eurer Opfer. Vor dem Altar werde ich eine arme Mutter, zwei unglückliche Kindchen, das ganze Volk in Tränen vorweisen. Vielleicht wird durch dieses traurige Schauspiel, in dem ein trauerndes Königreich seine Gefühle und seine Wünsche offenbart, endlich der Zorn des Himmels besänftigt sein. Ich verlange nicht, ihr ewigen Götter, daß der ganze Himmel für mich heiter sei. Doch meinen Kummer tröste wenigstens ein Strahl von Erbarmen. Es versteht nicht meine Leiden und den Schrecken, der mir die Brust füllt, der nicht die lebhafte Liebe der Gattin, der nicht das Herz der Mutter hat.

15. Mai

Mozart KV 365 (316a) Konzert für zwei Klaviere

Odyssee 10, 78 - 124


Nach weiteren 6 Tagen kommt die Flotte des Odysseus zur laistrygonischen Feste namens Telepylos (Bonifacio). Die Gefährten laufen in den sicheren Hafen zwischen himmelsanstrebenden Felsen ein, der innen durch zwei überlappende Felsklippen am enggeschlossenen Eingang absolut ruhig und geschützt ist.

Odysseus selbst macht sein Schiff draußen fest und schickt Leute an Land zu Erkundung. Sie gehen zur Stadt und treffen die Tochter des Laistrygonen Antiphates. Diese weist sie zum Palast ihres Vaters, wo sie seine Frau treffen, groß wie ein Berg. Sie erschrecken. Der herbeigerufene Antiphates frisst sofort einen auf, und als die anderen fliehen, erhebt sich Geschrei und die Laistrygonen schleudern überall von den Klippen Steine auf die unten liegenden Schiffe, zertrümmern Leute und Boote; andere Gefährten spiessen und fressen sie auf.

Mozart wird zwar nicht mit Steinen beworfen, aber der Drohbrief des Vaters bewirkt, dass er sich auf den Weg macht - in einer Kutsche des Reichsprälaten Cölestin Angelprugger, den er in Mannheim kennen lernte, fährt er den Neckar entlang nach Heilbronn und weiter über Schwäbisch Hall, Dinkelsbühl nach Kaisheim bei Nördlingen, wo er bis Weihnachten als Gast des Reichsprälaten im Kloster wohnt.

Auf der Post in München, wo Mozart am zweiten Weihnachtstag eintrifft, liegt ein weiterer erboster Brief des Vaters, der seinen trotzigen Zorn erweckt.
Die erpresste Heimkehr nach Salzburg in die Obhut dieses Vaters, der in allem recht behielt und gegen dessen Lebensanschauung kein Argument als das von Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz Bestand hat - wird für den erfolglosen Amadé zum Alptraum werden.
Er schiebt die Rückkehr noch zwei Tage hinaus, aus Augsburg lässt er sein Bäsle anreisen, dem Vater lügt er Tränen der Betrübnis vor.

Leopold Mozart

An Silvester 1778 schreibt Mozart ihm:
... da ist kein sterblicher auf den gantzen Erdboden der nicht manchemal träumet! - allein, lustige träume! - ruhige träume, erquickende, süße träume! - das ist es; - träume, die, wenn sie wircklich wären, mein mehr traueriges als lustiges leben, leidentlich machen würden.

In seinem Es-Dur-Konzert von Anfang 1779, das Amadè für sich und seine Schwester schreibt, verarbeitet er musikalische Eindrücke, die er in Mannheim (dynamische Kontraste) und Paris (die Form des Gruppenkonzerts) gewonnen hat. Mozart nutzt die drei konzertierenden Klangkörper – die beiden Klaviere und das um zwei obligate Fagotte erweiterte Orchester – zu einem Wechselspiel der musikalischen Gedanken. Schon der 1. Satz besticht gerade in seiner Regularität durch die raffinierte Verschränkung der vielen Motive und Themen. Auch im idyllischen 2. Satz mit seinem innigen Dialog der Klaviere zu dezent begleitendem Orchester weist die selbständige Rolle der sechs Bläser auf ihre konzertierende Funktion in späteren Klavierkonzerten (seit KV 450) voraus.

KV 365




16. Mai

Mozart KV 327 Missa "Krönungsmesse"

Odyssee 10, 125 - 177


Odysseus erzählt weiter vom Überfall der Läystrogonen in der Bucht von Bonifacio und von der Fortsetzung der Irrfahrt.

Er kappt blitzschnell mit seinem Schwert die Landleinen, sie rudern los; die übrigen Schiffe sinken.
Sie kamen zur Insel Aiaie der schöngelockten Kirke, machen in einer ruhigen Bucht fest. Zwei Tage und Nächte liegen sie mutlos am Strand, von Anstrengung und Kummer entkräftet.
Auf seinem Erkundungsgang über das Land erlegt Odysse einen kapitalen Hirsch.

Zwei Jahre muss Mozart nun aushalten in Salzburg, Jahre demütigender Wiedergutmachung der Reiseschulden, des Ungehorsams und der Verfehlung gegen das Gebot der Vaterliebe.
Den Salzburgern bringt der Weitgereiste Verachtung entgegen.
Seiner schöpferischen Kraft vermag der seelische Druck nichts anzuhaben. So besinnlich die Empfindungen vieler seiner Kompositionen auch sind, sie spiegeln doch deutlich Erregung und seelische Spannungen des Genies, dem die Welt zu klein geworden ist. Die Sehnsucht, äußere und innere Grenzen zu überfliegen, manifestiert sich in so mancher Melodie, die Begleitstimmen drängen in ihrem Gestus zur Erfüllung dieser Sehnsucht.

Im März 1779 komponiert Amadé die "Krönungsmesse", Mozarts beliebteste. Ihr Beinamen, der aus späterer Zeit stammt, rührt von der das gesamte Werk dominierenden fanfarenhaften Motivik her. Das Gloria setzt er erstmals in Sonatensatzform. Der Kontrast zwischen Orchester und Vokalstimmen prägt diesen Satz, der sich zum Schluss hin in eine C-Dur-Fanfare der Gesamtbesetzung steigert. Im Credo lässt Mozart zunächst den Chor den Text auf ein Bläsersignal-Motiv deklamieren, das sich weiterhin instrumental durch den Satz zieht, immer wieder den Glauben befestigende Worte in Erinnerung rufend. Im Agnus Dei spannt das Dona nobis pacem einen Bogen zum Kyrie. Es endet in großem Jubelgesang, begleitet von Trompeten-Fanfaren.

Mozart KV 327




17. Mai

Mozart KV 329 Kichensonate in C-Dur

Odyssee 10, 178 - 209


Odysseus erzählt bei den Phäaken von den Abenteuern auf Kirkes Insel.

Die Gefährten staunen über den riesigen Hirsch. Sie laben sich an Fleisch und Wein, am nächsten Tag erzählt Odysseus, sie seien nicht am Festland, sondern auf einer Insel gelandet, aber es sei völlig unbekannt, wo sie eigentlich sind.
Sie teilen sich in zwei Gruppen, eine führte Odysseus, eine Eurylochos; ihn trifft auch das Los, als erster zur Erkundung loszuziehen.

Odysseus, als er Kirkes Insel erkundet, hörte sicher Mozarts Musik aus der Ferne...

Amadé schreibt für den Salzburger Domgottesdienst bis 1780 insgesamt 17 einsätzige Kirchensonaten ("Sonate all’Epistola") in Sonatensatzform für die Besetzung von üblicherweise zwei Violinen und einer Bassgruppe aus Orgel, Violoncello, Fagott und Violone, die anstelle des sonst gesungenen Graduale erklingen.
Die Sonate KV 329 von 1779, zusammen mit der "Krönungsmesse" KV 317 (siehe 16. Mai) zu Ostern im Dom uraufgeführt, hat den größten Umfang und die reichste Besetzung. Mozart lässt das Violoncello den Streichersatz in weitgehend obligater Führung auffächern.

KV 329




18. Mai

Mozart KV 146 (317b) Arie "Kommet her, ihr frechen Sünder"

Odyssee 10, 210 - 243


Auf der Insel der Zauberin Kirke.

Die Gruppe findet in einem Tal ihr Haus. Es springen zahme Bergwölfe und Löwen auf sie zu, umstreichen sie und wedeln mit dem Schwanz: Kirke hat die Tiere verzaubert.

Drinnen webt singend Kirke ein großes Gewand.

Auf des Polites Vorschlag rufen sie alle nach der Schönen, die kommt und sie einlädt. Nur Eurylochos ahnt nichts Gutes, er tritt nicht mit ein. Kirke bewirtet sie gut, mischt ihnen Zaubertrank unter die Speise und verwandelt sie alle in Schweine.

Hat Kirke etwa "Kommet her, ihr frechen Sünder" gesungen?

Die drei Strophen schreibt Amadé im Frühjahr 1779, vielleicht verwendet er die Arie als Einlage in ein deutsches geistliches Oratorium; die Begleitung mit einem durch eine Viola erweiterten Kirchentrio spricht dafür.

Beim Komponisten selbst hat das Lied nicht viel gefruchet, er ist zur Gegenpartei, den Freimaurern abgedriftet ...

KV 146



Kommet her, ihr frechen Sünder,
seht den Heiland aller Welt!
Sprecht, ist gegen seine Kinder
je ein Vater so bestellt?
Jesus leidet tausend Qualen,
bis er selbst den Geist aufgibt,
um am Kreuz die Schuld zu zahlen,
die der tolle Mensch verübt.

Kommet, seht Mariam eben
an dem Fuß des Kreuzes an!
Kann es eine Mutter geben,
die so zärtlich lieben kann?
Ach! mit Tränen muß sie sehen,
wie ihr Sohn am Kreuze stirbt,
und sie läßt es doch geschehen,
daß der Mensch sein Heil erwirbt.

Danket nun für solche Liebe,
so der Mutter als dem Sohn,
und verschreibt auch eure Triebe
lebenslang zu ihrem Lohn;
treffet einen Bund mit ihnen,
stets im Lieben treu zu sein,
und hinfüro eure Sinnen
bloß zu ihrem Dienst zu weih'n.


19. Mai

Mozart KV 318 Sinfonie (Ouvertüre)

Odyssee 10, 244 - 276


Auf Kirkes Insel.

Eurylochos kommt völlig geschockt zurück, kann erst gar nicht reden.

Odysseus bewaffnet sich und befiehlt Eurylochos, ihn zum Haus der Zauberin zu führen. Dieser hat panische Angst; so geht Odysseus allein.

So entschlossen wie Odysseus losgeht, so bestimmt beginnt mit einem Paukenschlag die Sinfonie KV 318 G-Dur. Bei ihr bedient sich Amadé mit drei ineinander übergehenden Sätzen der Form der italienischen Ouvertüre, vielleicht hat er sie auch als solche im wörtlichen Sinne konzipiert (man nennt "Thamos" sowie "Zaide"). Mozart folgt der Form der Ouvertüre, bezieht aber auch sinfonische Elemente ein. Der letzte Satz wiederholt nicht bloß den ersten, sondern variiert ihn, indem er die Reihenfolge der Themen in der Reprise umkehrt: So erklingt zunächst das Seitenthema und anschließend das Hauptthema als effektvoller Abschluss.

KV 318




20. Mai

Mozart KV 319 Sinfonie Nr. 33 Es-Dur

Odyssee 10, 277 - 306


Unterwegs auf Kirkes Insel begegnet dem Odysseus Hermes.

Er gibt ihm genaue Tips, wie Kirke die Leute verzaubert:
Sie rühre ihr Gift in Weinmus; wenn sie dann Odysseus mit ihrem mächtigen Stabe berühre, solle er sie mit seinem Schwert zu erwürgen versuchen. Sie werde ihn dann in ihr Bett rufen und er solle es besteigen.

Dann reißt Hermes noch das Zauberkraut namens Moly aus, schwarzwurzelig und milchig weiß blühend, und gibt es Odysseus.


Hexenkraut Circaea lutetiana

Mozarts Menuett ist die Begeleitmusik für den Verzauberungsversuch Kirkes an Odysseus.

Ursprünglich hat, den Salzburger Gewohnheiten entsprechend, die Sinfonie KV 319 in B-Dur vom Juli 1779 nur drei Sätze. Später ergänzt Mozart das Werk durch eben das Menuett für eine Aufführung in Wien zur Viersätzigkeit. Alle drei ursprünglichen Sätze stehen in Sonatenform, weisen thematische Verwandtschaften auf. Mozart fängt ihre Durchführung mit neuen Ideen an, weniger mit einer Veränderungen früherer Themen. Bezeichnend ist zudem die sparsame Bläserbesetzung, durch die vor allem der zweite Satz fast kammermusikalisch wirkt.

KV 319




21. Mai

Mozart KV 320 Serenade "Posthorn-Serenade"

Odyssee 10, 307 - 335


Odysseus bei Kirke.

Odysseus geht hin und ruft Kirke, und sie empfängt ihn, führt ihn zu ihrem Thron, mischt ihm Gift im goldenen Becher. Als sie ihn mit ihrem Stab berührt, zieht er sein Schwert und droht sie zu erschlagen. Sie umfasst seine Knie und fragt ihn, ob er Odysseus sei, den Hermes ihr schon immer angekündigt habe. Dann lädt sie ihn auf ihr Lager ein.

Dort gehen Odysseus die dunklen Ahnungen des Andantino der Serenade durch den Kopf.

Die "Posthorn-Serenade" stellt einen Höhepunkt in der Werkgruppe der Finalmusiken dar. Ihren besonderen Reiz erhält sie durch die Instrumentation: Amadé setzt die Bläser teils umspielend begleitend, teils solistisch ein; anstatt der Violine konzertieren z. B. Flöte, Oboe und Fagott über einem Orchestertutti. Ebenfalls solistisch tritt ein Posthorn hinzu, das durch seine typischen Signalfiguren im zweiten Trio des sechsten Satzes der Serenade ihren Beinamen gibt. Die Struktur des Werkes ist symmetrisch: Das Rondeau wird von zwei langsamen Sätzen, zwei Menuetten und den beiden Ecksätzen umrahmt.

Die Sätze 1, 5 und 7 existieren auch als Sinfonie D-Dur; die Sätze 3 und 4 als Sinfonia concertante G-Dur.

KV 320




22. Mai

Mozart KV 334 (320b) Divertimento "Musique vom Robinig"
Mozart KV 445 (320c) Marsch

Odyssee 10, 336 - 375


Die Einladung der Zauberin Kirke.

Odysseus tut empört: Erst verwandle sie seine Gefährten in Schweine und nun wolle sie mit ihm ins Bett steigen. Kirke schwört, ihm nichts zu tun; Odysseus besteigt mit ihr das Lager.

Vier ihrer Mägde bereiten ihm ein luxuriöses Bad, Kirke bringt einen prächtigen Bademantel und eine Schaffnerin Essen. Odysseus aber sitzt sinnend da.

Mozart liefert passende Musik zur Kirkeszene.

"Musique vom Robinig" nennt Amadé sein Divertimento Nr. 17 in D-Dur mit obligatem Hörnerpaar vom Sommer 1779.

Maria Aloisia von Robinig, Tochter des Eisenhändlers Georg Joseph Robinig von Rottenfeld, ist eine Familienfreundin der Mozarts, sie hat 1774/75 in Begleitung von Nannerl die Münchner Tage der Finta giardiniera (siehe 18. März) mitgemacht. Wenn das spätere Lodron-Divertimento das Salzburgerische, die Harmonie von Stadt, Landschaft und der frohen Menschen mit Humor und Witz ins Musikalische transfiguriert, so tut das Robinig-Divertimento das mit Zärtlichkeit, im Bildnis einer schönen Frau, der der Schatten leichter melancholischer Anwandlung nicht fehlt: das Andante, ein Thema mit sechs Variationen. Die Mischung des Kammermusikalischen und Konzertanten ist bei Mozart zur Vollkommenheit gediehen; vor der Ernsthaftigkeit des Quartetts schützt er sich entweder durch die süße Sinnlichkeit, wie sie am reinsten das abschließende Rondo ausspricht, oder durch eine Hinneigung zum Ländlerischen in den Menuetten. Der Andante-Satz A-dur ist ein Konzertsatz für die Violine, in der das Soloinstrument alles Persönliche ausspricht und die Begleitung doch nicht zum Nichtssagenden herabsinkt. Ein zierlicher Marsch bildet Eingang und Ausklang.

KV 334



KV 445




23. Mai

Mozart KV 364 (320d) Konzertante Sinfonie für Violine und Viola

Odyssee 10, 375 - 405


Kirke auf ihrer Insel. Sie will, dass Odysseus ihr Lager teilt.

Odysseus will aber erst seine Gefährten sehen. Kirke verwandelt sie wieder in Menschen und schickt Odysseus zu seinem Schiff, er solle es aufs Land ziehen und dann seine Gefährten mitbringen.

Die Erfahrungen von Mannheim und Paris von Monumentalität und Größe haben Amadés Praxis der Orchesterbehandlung revolutioniert. Mit seiner Sinfonia concertante Es-Dur vom Sommer 1770 erfüllt er die Salzburger Nachfrage nach der beliebten Zwittergattung aus Concerto grosso, Solokonzert und Symphonie für die Vielzahl hervorragender Instrumentalisten der Hofkapelle. In dieser Sinfonie versteht es Mozart, Solisten und Tutti einander anzunähern. In der langen Exposition des Allegro maestoso gibt er dem Tutti eine deutlich wichtigere Funktion. Mit ebenso großer Sorgfalt entwickelt Mozart die Klangfarbe: Der Solo-Bratschist muss sein Instrument zur besseren Vermischung mit dem solistischen Partner einen Halbton höher stimmen. Der subtile Registerunterschied zeigt sich besonders im c-Moll-Andante, wo die Bratsche die Geigen-Kantilene variierend wiederholt.
Amadé gelangt zu künstlerischer Reife. Unvergessbar, wenn im ersten Satz die Oboen der tiefernsten Wendung der Streicher antworten, sie gleichsam aufhellen; oder wenn später Hörner und Oboen zum Pizzicato der Streicher dialogisieren.

KV 364




24. Mai

Mozart KV 321 Vesperae de Dominica

Odyssee 10, 406 - 445


Odysseus auf der Insel der Zauberin Kirke, Aiaie.

Die Gefährten warteten schon ungeduldig am Schiff.
Odysseus lässt das Schiff aufs Land ziehen, die Güter und Vorräte in Höhlen verwahren. Als sie alle zu Kirkes Wohnung gehen wollen, warnt sie Eurylochos: Kirke werde sie alle in Schweine verwandeln. Bei den Kyklopen hätten sie auch wegen der Waghalsigkeit von Odysseus die Gefährten verloren.
Da hätte Odysseus ihm um ein Haar den Kopf abgehauen. Die Gefährten halten ihn ab und schlagen vor, Eurylochos beim Schiff zurücklassen.

Aus Odyssee und Psalmen tönt der Sound der Alten, Mozart vertont ihn.

Zwei Vespern komponiert Amadé für den Salzburger Dom, KV 321 als auch KV 339.

Vesperae de Dominica ist liturgisch falsch, richtig wäre Vesperae solennes de Confessore (wie KV 339). Im Aufbau mit den Psalmen und dem Canticum Magnificat folgen beide Vespern einer strengen liturgischen Ordnung. Die einzelnen Psalmen sind in sich selbständig, bilden aber einen feststehenden Zyklus. Mozart schreibt Psalm 112 in der italienisch-süddeutschen Tradition kontrapunktisch im stile antico, die anderen Sätze, vor allem Psalm 116, freier im stile moderno. Die aufeinander folgenden Psalmen 110 und 111 wirken gegensätzlich. Das Magnificat verweist in Tonart und Gestalt auf die ersten Sätze zurück.

KV 321



I. Dixit Dominus
Dixit Dominus Domino meo: sede a dextris meis, donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum, Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion: dominare in medio inimicorum tuorum. Tecum principium in die virtutis tuae, in splendoribus sanctorum: ex utero ante luciferum genui te. Juravit Dominus et non poenitebit eum: Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech. Dominus a dextris tuis confregit in die irae suae reges. Judicabit in nationibus, implebit ruinas; conquassabit capita in terra multorum. De torrente in via bibet: propterea exaltabit caput. Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.
II. Confitebor Confitebor libi Domino, in toto corde meo, in consilio justorum, et congregatione. Magna opera Domini, exquisita in omnes voluntates ejus. Confessio et magnificentia opus ejus: et justitia ejus manet in saeculum saeculi. Memoriam fecit mirabilium suorum; misericors et miserator et justus: escam dedit timentibus se. Memor erit in saeculum testamenti sui: Virtutem operum suorum annuntiabit populo suo. Ut det illis hereditatem gentium: opera manuum ejus veritas et judicium. Fidelia omnia mandata ejus: confirmata in saeculum saeculi, facta in veritate et aequitate. Redemptionem misit Dominus populo suo: mandavit in aeternum testamentum suum. Sanctum et terribile nomen ejus: initium sapientia timor Domini. Intellectus bonus omnibus facientibus eum: laudatio ejus manet in saeculum saeculi. Gloria Patri, etc.
III. Beatus vir Beatus vir qui timet Dominum: in mandatis ejus volet nimis. Polens in terra erit semen ejus: generatio rectorum benedicetur. Gloria et divitiae in domo ejus: et justitia cjus man« in saeculum saeculi. Exortum est in tenebris lumen rectis: misericors, et miserator, et justus. Jucundus homo qui miseretur et commodat; disponet sermones suos in justitia; quia in aeternum non commovebitur. In memoria aeterna erit justus: ab auditione malanon timebit. Paratum cor ejus sperare in Domino, non commovebitur donec despiciat inimicos suos. Sit nomen Domini benedictum, ex hoc nunc et usque in saeculum. Dispersit, dedit pauperibus: justitia ejus manet in saeculum, in saeculum saeculi: cornu ejus exaltabitur in gloria. Peccator videbit, et irascetur, dentibus suis fremet et tabescet: desiderium peccatorum pcribit. Gloria Patri, etc.
IV. Laudate pueri Laudate pueri Dominum: laudate nomen Domini. Sit nomen Domini benedcitum, ex hoc nunc et usque in saeculum. A solis ortu usque ad occasum, laudabile nomen Domini. Excelsus super omnes gentes Dominus, et super coelos gloria ejus. Quis sicut Deus noster, qui in altis habitat, et humilia respicit in coelo et in terra? Suscitans a terra inopem, et de stercore erigens pauperem. Ut collocet eum cum principibus, cum principibus populi sui. Qui habitare facit sterilem in domo, matrem filiorum laetantem. Gloria Patri, etc.
V. Laudate Dominum Laudate Dominum omnes gentes: laudate eum omnes populi. Quoniam confirmata est super nos misericordia ejus: et veritas Domini manet in aeternum. Gloria Patri, etc.
VI. Magnificat Magnificat anima mea Dominum, et exsultavit Spiritus meus in Deo salutari meo. Quia respexit humilitatem ancillae suae: ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes. Quia fecit mihi magna qui potens est, et sanctum nomen ejus. Et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum. Fecit potentiam in brachio suo: dispersit superbos mente cordis sui. Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles. Esurientes implevit bonis: et divites dimisit inanes. Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordia suae. Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini ejus in saecula. Gloria Patri, etc.

I. Dixit Dominus Der Herr sprach zu meinem Herrn: setze dich zu meiner Rechten: bis daß ich deine Feinde als Schemel dir zu Füßen lege. Das Zepter deiner Macht streckt der Herr durch Sion aus: zu herrschen inmitten deiner Feinde. Bei dir war die Herrschaft am Tag deines Anfangs im Glanz der Heiligen: vor dem Morgenstern, dem Frühtau gleich, habe ich dich gezeugt. Der Herr hat geschworen und es hat ihn nicht gereut: du bist der Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech. Der Herr zu deiner Rechten: am Tage seines Zorns wird er Könige zerschmettern. Er wird über die Völker zu Gericht sitzen, er häuft die Toten; er wird die Häupter vieler auf der Erde zertrümmern. Aus dem Bach am Wege trinkt er: deswegen wird er sein Haupt erheben. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
II. Confitebor Ich will Dich aus meinem Herzen preisen, Herr: im Kreise der Gerechten und in der Versammlung. Groß sind die Werke des Herrn: hervorragend für alle, die ihm willens sind. Bekenntnis und Kraft ist sein Werk: und seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, Hin Denkmal seiner Wunder hat er aufgerichtet, der barmherzige und gerechte Erlöser: Speise gibt er denen, die ihn fürchten. Er schenkt ihnen den Erbteil der Heiden: die Werke sei"« Hände sind Wahrhe,t und Gerechtigkeit. Beständig sind alle seine Gebote: sie stehen fest auf immer und ewig: sie sind gefestigt auf Wahrheit und Recht. Der Herr hat seinem Volk Erlösung gebracht: er vertraute ihm auf ewig seinen Bund an. Sein Name ist heilig und ehrfurchtsgebietend: der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn. Rechte Einsicht haben alle, die danach handeln: sein Lobpreis dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, etc.
III. Beatus vir Glücklich ist der Mann, der den Herrn fürchtet: der seine Gebote eifrig befolgt. Seine Nachkommen werden auf Erden mächtig sein: das Geschlecht der Rechtfertigen wird gesegnet. Ruhm und Wohlstand ist in seinem Haus: und seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ein Licht ist in der Dunkelheit für die Rechtfertigen aufgegangen: der Liebevolle, der Barmherzige und der Gerechte. Angenehm ist der Mensch, der sich erbarmt und hilft, der seine Worte nach dem Rechte ordnet: deshalb steht er auf ewig unverrückbar. Das ewige Gedenken wird gerecht sein: vor böser Rede braucht er sich nicht zu fürchten. Sein Herz ist bereit, auf den Herrn zu hoffen, er ist standhaft, bis er auf seine Feinde niederschaut. Er verteilt, gibt den Armen: seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.Sein Horn ragt hoch in Ruhm. Das sieht der Sünder und wird wütend, knirscht mit den Zähnen und vergeht: der Wunsch der Bösen wird zunichte. Ehre sei dem Vater, etc.
IV. Laudate pueri Lobet ihr Kinder den Herrn: lobet den Namen des Herrn. Der Name des Herrn sei gepriesen: von nun an bis in Ewigkeit. Erhaben über alle Völker ist der Herr und über den Himmel ragt sein Ruhm. Wer ist wie unser Gott, der in der Höhe thront und auf das Geringe im Himmel und auf der Erde herabsieht? Der von der Erde den Schwachen hebt und der aus dem Schmutz den Armen trägt. Um ihm bei Fürsten einen Platz zu geben, bei Fürsten seines Volkes. Der die Kinderlose als frohe Mutter ihrer Kinder im Hause wohnen läßt. Ehre sei dem Vater, etc.
V. Laudate Dominum Lobet den Herrn alle Lande: lobet ihn alle Völker. Denn seine Barmherzigkeit ist befestigt über uns: und die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, etc.
VI. Magnificat Hoch preiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland. Denn er hat angeschaut die Niedrigkeit seiner Magd: siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir getan, der mächtig ist und dessen Name heilig ist. Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Er übet Macht mit seinem Arme und zerstört, die hoffärtigen Geistes sind. Die Mächtigen stürzt er vom Throne und erhöhet die Demütigen. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern und die Reichen läßt er leer ausgehen. Er nimmt sich Israel, seines Knechtes, an, eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie er zu unsern Vätern gesprochen hat,zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Ehre sei dem Vater, etc. Vom Sonnenaufgang bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt.



25. Mai

Mozart KV 321 Vesperae de Dominica

Odyssee 10, 406 - 445


Odysseus auf der Insel Aiaie der Zauberin Kirke.

Die Gefährten warten schon ungeduldig am Schiff.

Odysseus liäst das Schiff aufs Land ziehen, die Güter und Vorräte in Höhlen verwahren. Als sie alle zu Kirkes Wohnung gehen wollen, warnt sie Eurylochos: Kirke werde sie alle in Schweine verwandeln. Bei den Kyklopen hätten sie auch wegen der Waghalsigkeit des Odysseus die Gefährten verloren.
Da hätte Odysseus ihm um ein Haar den Kopf abgehauen. Die Gefährten halten ihn ab und schlagen vor, Eurylochos beim Schiff zurücklassen.

Aus Odyssee und Psalmen tönt der Sound der Alten, Mozart vertont ihn.
Zwei Vespern komponiert Amadé für den Salzburger Dom, KV 321 als auch KV 339.
Vesperae de Dominica ist liturgisch falsch, richtig wäre Vesperae solennes de Confessore (wie KV 339 siehe Datum -->). Im Aufbau mit den Psalmen und dem Canticum Magnificat folgen beide Vespern einer strengen liturgischen Ordnung. Die einzelnen Psalmen sind in sich selbständig, bilden aber einen feststehenden Zyklus. Mozart schreibt Psalm 112 in der italienisch-süddeutschen Tradition kontrapunktisch im stile antico, die anderen Sätze, vor allem Psalm 116, freier im stile moderno. Die aufeinander folgenden Psalmen 110 und 111 wirken gegensätzlich. Das Magnificat verweist in Tonart und Gestalt auf die ersten Sätze zurück.

KV 321



I. Dixit Dominus
Dixit Dominus Domino meo: sede a dextris meis, donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum,
Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion: dominare in medio inimicorum tuorum.
Tecum principium in die virtutis tuae, in splendoribus sanctorum: ex utero ante luciferum genui te.
Juravit Dominus et non poenitebit eum: Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech.
Dominus a dextris tuis confregit in die irae suae reges.
Judicabit in nationibus, implebit ruinas; conquassabit capita in terra multorum.
De torrente in via bibet: propterea exaltabit caput.
Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto.
Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.
II. Confitebor
Confitebor libi Domino, in toto corde meo, in consilio justorum, et congregatione.
Magna opera Domini, exquisita in omnes voluntates ejus.
Confessio et magnificentia opus ejus: et justitia ejus manet in saeculum saeculi.
Memoriam fecit mirabilium suorum; misericors et miserator et justus: escam dedit timentibus se.
Memor erit in saeculum testamenti sui: Virtutem operum suorum annuntiabit populo suo.
Ut det illis hereditatem gentium: opera manuum ejus veritas et judicium.
Fidelia omnia mandata ejus: confirmata in saeculum saeculi, facta in veritate et aequitate.
Redemptionem misit Dominus populo suo: mandavit in aeternum testamentum suum.
Sanctum et terribile nomen ejus: initium sapientia timor Domini.
Intellectus bonus omnibus facientibus eum: laudatio ejus manet in saeculum saeculi.
Gloria Patri, etc.
III. Beatus vir
Beatus vir qui timet Dominum: in mandatis ejus volet nimis.
Polens in terra erit semen ejus: generatio rectorum benedicetur.
Gloria et divitiae in domo ejus: et justitia cjus man« in saeculum saeculi.
Exortum est in tenebris lumen rectis: misericors, et miserator, et justus. Jucundus homo qui miseretur et commodat; disponet sermones suos in justitia; quia in aeternum non commovebitur.
In memoria aeterna erit justus: ab auditione malanon timebit.
Paratum cor ejus sperare in Domino, non commovebitur donec despiciat inimicos suos.
Sit nomen Domini benedictum, ex hoc nunc et usque in saeculum.
Dispersit, dedit pauperibus: justitia ejus manet in saeculum, in saeculum saeculi: cornu ejus exaltabitur in gloria.
Peccator videbit, et irascetur, dentibus suis fremet et tabescet: desiderium peccatorum peribit.
Gloria Patri, etc.
IV. Laudate pueri
Laudate pueri Dominum: laudate nomen Domini.
Sit nomen Domini benedcitum, ex hoc nunc et usque in saeculum.
A solis ortu usque ad occasum, laudabile nomen Domini.
Excelsus super omnes gentes Dominus, et super coelos gloria ejus.
Quis sicut Deus noster, qui in altis habitat, et humilia respicit in coelo et in terra?
Suscitans a terra inopem, et de stercore erigens pauperem.
Ut collocet eum cum principibus, cum principibus populi sui.
Qui habitare facit sterilem in domo, matrem filiorum laetantem.
Gloria Patri, etc.
V. Laudate Dominum
Laudate Dominum omnes gentes: laudate eum omnes populi.
Quoniam confirmata est super nos misericordia ejus: et veritas Domini manet in aeternum.
Gloria Patri, etc.
VI. Magnificat
Magnificat anima mea Dominum, et exsultavit Spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae: ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est, et sanctum nomen ejus.
Et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo: dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis: et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordia suae.
Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini ejus in saecula.
Gloria Patri, etc.
I. Dixit Dominus
Der Herr sprach zu meinem Herrn: setze dich zu meiner Rechten: bis daß ich deine Feinde als Schemel dir zu Füßen lege. Das Zepter deiner Macht streckt der Herr durch Sion aus: zu herrschen inmitten deiner Feinde. Bei dir war die Herrschaft am Tag deines Anfangs im Glanz der Heiligen: vor dem Morgenstern, dem Frühtau gleich, habe ich dich gezeugt. Der Herr hat geschworen und es hat ihn nicht gereut: du bist der Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech. Der Herr zu deiner Rechten: am Tage seines Zorns wird er Könige zerschmettern. Er wird über die Völker zu Gericht sitzen, er häuft die Toten; er wird die Häupter vieler auf der Erde zertrümmern. Aus dem Bach am Wege trinkt er: deswegen wird er sein Haupt erheben. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
II. Confitebor
Ich will Dich aus meinem Herzen preisen, Herr: im Kreise der Gerechten und in der Versammlung. Groß sind die Werke des Herrn: hervorragend für alle, die ihm willens sind. Bekenntnis und Kraft ist sein Werk: und seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, Hin Denkmal seiner Wunder hat er aufgerichtet, der barmherzige und gerechte Erlöser: Speise gibt er denen, die ihn fürchten. Er schenkt ihnen den Erbteil der Heiden: die Werke sei"« Hände sind Wahrhe,t und Gerechtigkeit. Beständig sind alle seine Gebote: sie stehen fest auf immer und ewig: sie sind gefestigt auf Wahrheit und Recht. Der Herr hat seinem Volk Erlösung gebracht: er vertraute ihm auf ewig seinen Bund an. Sein Name ist heilig und ehrfurchtsgebietend: der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn. Rechte Einsicht haben alle, die danach handeln: sein Lobpreis dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, etc.
III. Beatus vir
Glücklich ist der Mann, der den Herrn fürchtet: der seine Gebote eifrig befolgt. Seine Nachkommen werden auf Erden mächtig sein: das Geschlecht der Rechtfertigen wird gesegnet. Ruhm und Wohlstand ist in seinem Haus: und seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ein Licht ist in der Dunkelheit für die Rechtfertigen aufgegangen: der Liebevolle, der Barmherzige und der Gerechte. Angenehm ist der Mensch, der sich erbarmt und hilft, der seine Worte nach dem Rechte ordnet: deshalb steht er auf ewig unverrückbar. Das ewige Gedenken wird gerecht sein: vor böser Rede braucht er sich nicht zu fürchten. Sein Herz ist bereit, auf den Herrn zu hoffen, er ist standhaft, bis er auf seine Feinde niederschaut. Er verteilt, gibt den Armen: seine Gerechtigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.Sein Horn ragt hoch in Ruhm. Das sieht der Sünder und wird wütend, knirscht mit den Zähnen und vergeht: der Wunsch der Bösen wird zunichte. Ehre sei dem Vater, etc.
IV. Laudate pueri
Lobet ihr Kinder den Herrn: lobet den Namen des Herrn. Der Name des Herrn sei gepriesen: von nun an bis in Ewigkeit. Erhaben über alle Völker ist der Herr und über den Himmel ragt sein Ruhm. Wer ist wie unser Gott, der in der Höhe thront und auf das Geringe im Himmel und auf der Erde herabsieht? Der von der Erde den Schwachen hebt und der aus dem Schmutz den Armen trägt. Um ihm bei Fürsten einen Platz zu geben, bei Fürsten seines Volkes. Der die Kinderlose als frohe Mutter ihrer Kinder im Hause wohnen läßt. Ehre sei dem Vater, etc.
V. Laudate Dominum
Lobet den Herrn alle Lande: lobet ihn alle Völker. Denn seine Barmherzigkeit ist befestigt über uns: und die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, etc.
VI. Magnificat
Hoch preiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland. Denn er hat angeschaut die Niedrigkeit seiner Magd: siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir getan, der mächtig ist und dessen Name heilig ist. Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Er übet Macht mit seinem Arme und zerstört, die hoffärtigen Geistes sind. Die Mächtigen stürzt er vom Throne und erhöhet die Demütigen. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern und die Reichen läßt er leer ausgehen. Er nimmt sich Israel, seines Knechtes, an, eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie er zu unsern Vätern gesprochen hat,zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Ehre sei dem Vater, etc. Vom Sonnenaufgang bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt.


26. Mai

Mozart KV 330 (330h) Sonate für Klavier

Odyssee 10, 478-507


Odysseus seit einem Jahr bei Kirke.

Am Abend fleht Odysseus zu Kirke, ihn nach Hause zu entlassen.
Kirke ist überraschenderweise einverstanden. Dann verkündet sie ihm: Sie müssten erst zum Hades segeln. Odysseus weint lang und fragt Kirke, wer sie dorthin geleite. Kirke: Er solle sich darum nicht kümmern, ein sanfter Nordwind trage sie ans Ziel.

Amadés Klaviersonate KV 330 entsteht ebenfalls mit Verzögerung.
Manche meinen, sie sei in Paris 1778, andere in Wien 1783 komponiert worden. Im F-Dur-Andante singt Mozart für Kirke und Odysseus ein Lied zum Abschied - leicht melancholisch, Daniel Barenboim spielt es in Berlin im November 1989 als Begrüßungslied für die Bürger der DDR, die nach 28 Jahren Mauer endlich frei sind.
Im abschließenden Allegretto reiht Mozart, wie im 1. Satz, eine Fülle melodischer Einfälle aneinander.

KV 330




27. Mai

Mozart KV 337 Missa solemnis

Odyssee 10, 508 - 537


Kirkes Segelanweisungen zum Hades:

Wo am niedrigen Gestade Eschen wachsen und der Pyriphlegeton in des Acherons Schlund hinabstürzt und sich mit des Kokytes Flut vereint, dort soll er an Land gehen, eine viereckige Grube graben und für die Toten opfern. Beim Schafopfer kommen dann die Scharen der Toten. Die Gefährten sollen schnell die Schafe schlachten, Odysseus mit gezogenem Schwert die Toten vom Blut abhalten und zwar so lange, bis er Teiresias, den Seher, befragt hat.

Mozarts Salzburger Zeit verdüstert sich ebenfalls.
Seine letzte Messe entsteht im März 1780. sie ist gegensätzlich zur Krönungsmesse (KV 327, siehe 16. Mai) angelegt. Das Kyrie entbehrt einer Reprise. Im Benedictus, traditionell solistisch vertont, überrascht uns Amadé mit einer Chorfuge und im Agnus Dei mit einem koloraturenreichen Sopransolo.

KV 337

28. Mai

Mozart KV 338 Sinfonie Nr. 34

Odyssee 10, 538 - Ende


Bald, so weiter die Segelanweisung von Kirke für den Hades, werde der Seher erscheinen.

Am Morgen reicht die Nymphe Odysseus Gewand, Mantel und Leibrock. Odysseus weckt seine Gefährten. Elpenor, ein schlichtes Gemüt, hat weinschwer auf Kirkes Dach in der Kühle geschlafen, ist schlaftrunken aufgesprungen, taumelt vom Dach und bricht sich das Genick. Kirke ist zum Schiff vorausgeeilt, sie hat ein weißes und ein schwarzes Opferlamm dabei. Die Gefährten sind über das Ziel schockiert.

Die Musik Mozarts, insbesondere das Allegro vivace, gibt Stimmung und Gedanken der ablegenden Segler wieder: traurig über den Abschied, ängstlich vor dem Hades und voller Hoffnung auf die Rückkehr ...

In der 1780 komponierten Sinfonie Nr. 34 C-Dur überrascht Amadé im 1. Satz durch wiederholten Wechsel von Dur- und Moll-Partien, durch die raschen Veränderungen von schmerzlichem Ausdruck zu sprühendem Witz sowie durch die kühne Harmonik. Im lyrischen Andante, dessen Hauptthema sich durch eine Doppelschlagfigur auszeichnet, dominieren - lediglich durch Fagotte gestützt - die Streicher. Mit lebhaften freudigen Achtelbewegungen verabschiedet sich Amadé im Finale.

KV 338




29. Mai

Mozart KV 339 Vesperae solennes de confessore

Odyssee 11, 1 - 32


Odysseus bei den Phäaken erzählt von seinen Irrfahrten.

Er legt in Gozo, der Insel der Zauberin Kirke nach einjährigem Aufenthalt ab. Kirke schickt sanften Landwind, an der Mündung des Stromes Okeanos, wo die Kimmerer hausen und ewige Nacht herrst, gehen sie an Land. Sie bereiten das Opfer vor, Odysseus hebt mit dem Schwert eine viereckige Grube aus, bringt Opfer für alle Toten, und gelobt ein weiteres in Ithaka: ein Kalb und für Teiresias den stattlichsten Widder.

Araham opfert Isaak 1000 Jahre vor Odysseus und 2600 Jahre später bekräftigt man im Salzburger Dom: ein Gott wird über die Völker zu Gericht sitzen, die Toten häufen und die Häupter vieler auf Erden zertrümmern.

Mozart komponiert 1780 auf einen langen Text mit der geforderten erzbischöflichen Kürze: Kaiser Joseph II. hat umfängliche liturgische Reformen verordnet, die Fürstbsichof Colloredo eifrig umsetzt: mit der Entfaltung operhaft musikalischen Prunks ist es vorbei - mit Mozarts Kirchenmusik in Salzburg auch, es ist seine letzte Arbeit in diesem Metier.
Um so bewundernswerter die Fülle der textausdeutenden, prägnanten Einfälle auf engstem Raum. KV 339 ähnelt KV 321 (siehe 24. Mai).

Das Confitebor tibi beginnt Amadé mit einer lang aufsteigenden Unisono-Choralintonation. Erst im Mittelteil des Satzes erteilt Mozart den Solisten das Wort. Dieser Satz gehört in seiner phantasievollen Freiheit der Gestaltung, seiner machtvollen Beweglichkeit zu jenen Stücken, von denen Einstein sagt, niemand kenne Mozart, der nicht solche Sätze von ihm kenne. Wie in der Vesperae de Dominica (siehe 24. Mai) schreibt Mozart auch hier Laudate pueri im stile antico, er treibt die Strenge der Polyphonie noch weiter.
Das Andante ma un poco sostenuto, ein Sopran-Arioso mit abschließendem Chor, gehört in seinem schwebenden Klangzauber, seiner berückenden Kantabilität und Poesie zum Schönsten Mozartscher Vokalkunst: ein Siciliano, dessen pastoraler Charakter Amadé durch ein Solofagott noch unterstreicht.

KV 339




30. Mai

Mozart KV 378 (317d) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 11, 33 - 80


Odysseus vor dem Hades.

Er schlachtet die zwei Schafe, das Blut entströmt in die Grube und viele Seelen der Verstorbenen kommen herauf, umdrängen die Grube mit gramvollen Geschrei. Als erster erscheint Elpenor, dessen Leiche sie unbestattet auf Kirkes Insel zurückgelassen haben. Er bittet Odysseus, wenn er zur Insel Aiaia zurückkomme, ihn zu verbrennen, ein Grabmal zu errichten mit einem Ruder, das er geführt, obenauf; Odysseus verspricht es.

Elpenor singt das Andantino der Sonate KV 378 auf den eigenen Tod und seine Erinnerung an sein Leben unter den Gefährten.

Die Sonate B-Dur komponiert Mozart 1779 nach seiner traurigen Rückehr von Mannheim in Salzburg, der erste Satz sehr glänzend, der letzte, mit dem Intermezzo vor der Wiederkehr des Rondothemas, sehr salzburgerisch; dazwischen ein gefühlter langsamer Satz, mit dem Amadé halb zurückblickt auf Johann Christian Bach, halb vorwärts auf die Entführung aus dem Serail.

1781 gibt er diese und noch 5 andere Sonaten heraus und widmet sie der Klavierspielerin Josepha von Aurnhammer.
Die Sonate in B-Dur ist reich an neuen Gedanken und Spuren des großen musikalischen Amadés. Er findet immer knappere, dabei vollsaftigere und blühendere melodische Formeln, die Beziehung der beiden Instrumente gestaltet er stärker und intimer.

KV 378




31. Mai

Mozart KV 390 (340c) An die Hoffnung. Lied "Ich würd'"
Mozart KV 391 (340b) An die Einsamkeit. Lied "Sei du mein Trost"
Mozart KV 392 (340a) Lied "Verdankt sei es dem Glanz"


Odyssee 11, 81 - 137


Odysseus vor dem Hades.
Nach Elpenor kommen die Seele seiner Mutter, die Seele von Antikleia und schließlich die Seele des Sehers Teiresias. Er weissagt Odysseus: Er solle, wenn er in Sizilien landet, die Rinder des Sonnengottes Helios schonen, spät werde er allein auf fremden Schiff nach Ithaka zurückkehren, dort werde er übermütige Freier treffen, an diesen Rache nehmen. Dann soll er zu Männern segeln, die nie Salz in ihre Speise tun, solle opfern und heimkehren, wo ihn ein sanfter Tod in Frieden hinweg nehmen werde.

Odysseus sucht, als er die Weissagung des Teiresias vernimmt, Trost in verschwiegener Traurigkeit ...

Ein unterschätzter Aspekt in Mozarts Gesamtschaffen sind die kleinen intimen Stücke für eine Singstimme mit Klavier. Sie alle setzen durch ihre Mannigfaltigkeit in Erstaunen. Die kleinen Schilderungen sind Zeugen des Augenblicks einer stillen Begegnung zwischen Amadé und - oft mittelmäßgiger - Lyrik. Die Lieder KV 390, 391 und 392 entnimmt er Johann Timotheus Hermes’ Roman "Sophiens Reisen".

Vielfältig spricht aus den Gedichten die seelische Situation von Mozart in dieser Zeit - kurz vor dem Bruch mit Salzburg - und nimmt er nicht Schubert vorweg?

KV 390



Ich würd' auf meinem Pfad mit Tränen
Oft hin zum fernen Ende seh'n,
Säh' ich nicht Kenner meiner Leiden
So mitleidsvoll am Wege steh'n.
Den Sonnenbrand, der mich entkäftet,
Den Blitz, der meinem Scheitel droht,
Den sieht mein Freund und tritt mir näher
Und ruft: "Ich kenne deine Not."
Zwar schmerzt es mich, daß er den Jammer
Mit ansieht und, zur Hälfte schwach,
Nichts weiter kann, als mit mir trauern.
Doch ruft mein Herz: "Er weint dir nach."
Dann brech' ich mutig durch die Dornen:
"Er sieht mich bluten," sprech' ich dann.
Und wenn ich einst, verblutet, falle,
Dann sag' er: "Der stieg felsenan."

KV 391



Sei du mein Trost, verschwiegene Traurigkeit!
Ich flieh' zu dir mit so viel Wunden,
Nie klag' ich Glücklichen mein Leid:
So schweigt ein Kranker bei Gesunden.

O Einsamkeit! Wie sanft erquickst du mich,
Wenn meine Kräfte früh ermatten!
Mit heißer Sehnsucht such' ich dich:
So sucht ein Wandrer, matt, den Schatten.

Hier weine ich. Wie schmähend is der Blick,
Mit dem ich oft bedauert werde!
Jetzt, Tränen, hält euch nichts zurück
So senkt die Nachttau auf die Erde.

O daß dein Reiz, geliebte Einsamkeit!
Mir oft das Bild des Grabes brächte:
So lockt des Abends Dunkelheit
Zur tiefen Ruhe schöner Nächte.



KV 392



Verdankt sei es dem Glanz der Großen,
Daß er mein Nichts mir deutlich zeigt.
Mich hat er nie zurückgestoßen,
Denn mich hat niemals er erreicht.

Ich sah viel Kleine näher geh'n
Und blieb in meinem Zirkel steh'n.
Soll mir des Größern Unmut zeigen,
Ich sei nur eine Kleinigkeit:

O Unschuld! dann lehr' du mich schweigen
Und gib mir Unerschrockenheit
Und präge mir sanfttröstend ein,
Es sei nicht Schande, klein zu sein.

Ich würd' auf meinem Pfad mit Tränen
Oft hin zum fernen Ende seh'n,
Sah' ich nicht Kenner meiner Leiden
So mitleidsvoll am Wege steh'n.

Den Sonnenbrand, der mich entkräftet,
Den Blitz, der meinem Scheitel droht,
Den sieht mein Freund und tritt mir näher
Und ruft: "Ich kenne deine Not!"

Dann brech' ich mutig durch die Dornen
- «Er sieht mich bluten!», sprech' ich dann;
Und wenn ich einst, verblutet, falle,
Dann sag' er: «Der stieg felsenan!»

Sei du mein Trost, verschwieg'ne Traurigkeit!
Ich flieh' zu dir mit so viel Wunden,
Nie klag' ich Glücklichen mein Leid:
So schweigt ein Kranker bei Gesunden.

O Einsamkeit! Wie sanft erquickst du mich,
Wenn meine Kräfte früh ermatten!
Mit heißer Sehnsucht such' ich dich
So sucht ein Wand'rer, matt, den Schatten.

O daß dein Reiz, geliebte Einsamkeit,
Mir oft das Bild des Grabes brächte!
So lockt des Abends Dunkelheit
Zur tiefen Ruhe schöner Nächte.