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1. Juni

Mozart KV 344 (336b) Zaide. Deutsches Singspiel (Fragment)

Odyssee 11, 138 - 169


Odysseus erzählt weiter von seinen Erlebnissen im Hades.

Nachdem er der Seele seiner Mutter vom Schafblut zu trinken gab, erkennt sie ihn und fragt nach seinem Schicksal.

Ein Spötter wie Osmin im deutschen Singspiel Amadés kann jemanden wie Odysseus nur für einen Narren halten, wie er in seiner Arie es tut.

1799 findet Constanze Mozart im Nachlass ihres Mannes das Fragment von 1780, das später unter dem Titel Zaide herausgegeben wird.
Mozart will mit der Geschichte eines Christen, der zusammen mit der bevorzugten Haremsdame vergeblich aus den Fängen eines Sultans zu fliehen versucht, die damalige Begeisterung für Türkenstücke bedienen. Das Textbuch ist verloren, Amadé verliert das Interesse an dem Stück, es bleibt Fragment und Vorläufer für Die Entführung aus dem Serail.

KV 345: Arie "Wer hungrig bei der Tafel sitzt" Beginn 32:15)



OSMIN
Wer hungrig bei der Tafel sitzt
und schmachtend Speis' und Trank nicht nützt,
mag selbst sein Glück nicht machen.
Er ist fürwahr ein ganzer Narr.
Wer soll nicht drüber lachen? Ha... ha!

Wer schnatternd über Kälte lärmt
und sich bei naher Glut nicht wärmt,
mag selbst sein Glück nicht machen.
Er ist fürwahr, etc.

Wer winselt, jammert, schreit und flucht,
und was er hat, erst ängstlich sucht,
mag selbst sein Glück nicht machen.
Er ist fürwahr, etc.


2. Juni

Mozart KV 366 Idomeneo, Rè di Creta

Odyssee 11, 170 - 203


Odysseus im Hades.

Die Seele seiner Mutter erzählt von Ithaka. Penelope warte auf Odysseus, Telemach bestelle sein Erbe und sein Vater Laertes komme aus Kummer über das Schicksal seines Sohns nicht mehr in den Palast, er schlafe winters bei den Knechten, sommers im Freien. Sie selbst sei aus Kummer über das Geschick ihres Sohnes Odysseus gestorben.


Autoskript

Odysseus/Idomeno und seine Gefährten: Der Chor der schiffbrüchigen Seeleute fleht zu Poseidon/Neptun.
Idomeno ist die große Wende in Amadés Leben.
Am 5. November 1780 sitzt Mozart in der Kutsche nach München. Der schlecht gefederte Postwagen holpert dermaßen über die hartgefrorenen Fahrrinnen, dass Mozart die halbe Reise auf beide Hände gestützt verbringt, um sein Hinterteil einigermaßen heil in die Isarstadt zu bringen. Für keinen der Passagiere ist an Schlaf während der Nachtfahrt zu denken, gegen Mittag trifft er übernächtigt, aber glücklich in der Residenzstadt ein.

Hier hält der ehemals in Mannheim residierende Kurfürst Karl Theodor Hof, mit ihm ist das Mannheimer Orchester übergesiedelt, an der Isar weht ein neuer Wind. Mozart soll Idomeneo als dreiaktige Opera seria neu komponieren.
Bei Vorbereitung und Durchführung beweist Mozart sein hohes stilistisches und technisches Vermögen. Er besteht auf Überarbeitung des Textes im Sinne seiner musikalischen Dramaturgie, Wünsche, denen Verfasser Varesco immer unwilliger nachkommt. Mozart nimmt eigenmächtig eine Reihe von Kürzungen vor, um den dramatischen Fluß zu gewährleisten. Er diskutiert mit dem Orchester kompositions- und spieltechnische Fragen, gibt Ballettmeister und Bühnenbildner notwendige Tips.
Der bangende Leopold ermahnt den "verlorenen Sohn" brieflich, sich die Gunst der maßgebenden Leute in München zu erhalten und auf seine Gesundheit zu achten. Als Vater und Schwester aus Salzburg zur Hauptprobe anreisen, treffen sie einen überarbeiteten, aber zutiefst befriedigten und der Obhut des Vaters entwachsenen Amadé an.
Am 29. Januar 1781 erklingt die Oper, als tosender Beifall aus Saal und Orchester einsetzt, sieht Leopold Mozart: Sein Sohn hat den Schritt in eine Welt getan, in die ihm der 61jährige Vater nicht mehr folgen kann.

Die Beschränkungen, welche die Gepflogenheiten einem Komponisten 1780 auferlegen, nimmt Mozart als Herausforderung an. Sein Vokabular umfaßt nun italienische und französische Elemente, er zeigt den Kosmopoliten, der seine Reiselektionen gelernt hat.
Die wichtigste Errungenschaft: Seine musikalischen Sprache verselbständigt sich vom Librettotext, eine Emanzipation nicht im Sinne von Entfernung oder Verleugnung der Dichterworte, sondern Reflexion des Textes mit muskalischen Mitteln.
Hans Neuenfels auf der Spur in das Unterbewusstsein der Mozartschen Figuren entdeckt hinter der bunten Barockfassade der Opera seria wahre Albtraumszenen eines tödlichen Vater-Sohn-Konflikts.

KV 366: Ouvertura



KV 366: Coro "Pietà!", Recicativo, "Aria Vedrommi intorno"



KV 366: Aria "Se il padre perdei"



Handlung

Idomeneo erzählt die Geschichte des gleichnamigen Königs von Kreta, dessen Sohn sich in die Tochter seines Feindes Triamon verliebt hat. Nach etlichen Intrigen und Verwicklungen mahnt schließlich ein Orakelspruch den König, diese Liebe anzuerkennen, worauf dieser den beiden Liebenden großmütig seinen Thron überläßt.

Coro

CORO VICINO
Pietà! Numi, pietà!
Aiuto oh giusti Numi!
A noi volgdte i lumi...

CORO LONTANO
Pietà! Numi, pietà!
II ciel, il mare, il vento
Ci opprimon di spavento...

CORO VICINO
Pietà Numi, pietà.
In braccio a cruda morte
Ci spinge l'empia sorte...

Recitativo
IDOMENEO
Eccoci salvi alfin.
Oh voi, di Marte,
E di Nettuno all'ire,
Alle vittorie, ai stenti
Fidi seguaci miei,
Lasciatemi per poco
Qui solo respirar, e al ciel natio
Confidar il passato affanno mio.

Tranquillo è il mar, aura soave spira
Di dolce calma, e le cerulee sponde
II biondo Dio indora, ovunque io miro,
Tutto di pace in sen riposa, e gode.
Io sol, io sol su queste aride spiagge
D'affanno, e da disagio estenuato
Quella calma, oh Nettuno, in me non provo,
Che al tuo regno impetrai.

Oh voto insano, atroce!
Giuramenlo crudel! ah qual de' Numi
Mi serba ancora in vita,
Oh qual di voi mi porge almen aita?

Aria
IDOMENEO
Vedrommi intorno
L'ombra dolente,
Che notte, e giorno:
Sono innocente
M'accennerà.

Nel sen trafitto,
Nel corpo esangue
II mio deliuo,
Lo sparso sangue
M'additerà.

Qual spavento,
Qual dolore!
Di tormento
Questo core
Quante volte
Morirà!

Chor der schiffbrüchigen Seeleute
CHOR IN DER NÄHE
Erbarmen! Götter, Erbarmen! Gerechte Götter, helft! Wendet uns eure Blicke zu ...
CHOR IN DER FERNE
Erbarmen! Götter, Erbarmen! Himmel, Meer und Sturm werfen uns mit Entsetzen nieder...
CHOR IN DER NÄHE Erbarmen! Götter, Erbarmen! Einem grausamen Tod in die Arme treibt uns das bösartige Schicksal...


Pantomime

(Neptun erscheint auf dem Meer. Er gibt den Winden ein Zeichen, sich in ihre Höhlen zurückzuziehen. Das Meer beruhigt sich allmählich. Idomeneo erblickt den Meeresgott und ruft seine Macht an. Neptun richtet einen finsteren und bedrohenden Blick auf ihn und taucht in die Wellen zurück.)
Rezitativo
IDOMENEO Endlich sind wir gerettet. Ihr, meine treuen Gefährten, wenn Mars und Neptun tobten, im Sieg und in der Not, lass mich hier ein wenig Atem schöpfen und dem heimatlichen Himmel mein überstandenes Leid anvertrauen. Still ist das Meer, ein sanfter Wind atmet süße Ruhe, und der blonde Gott färbt die bläulichen Gestade golden: wohin ich blicke, ist alles in Frieden geborgen und glücklich. Nur ich, o Neptun, nur ich, erschöpft von Leid und Kampf an diese wilde Küste geworfen, verspüre diese Ruhe nicht in mir, die ich von deinem Reich erflehte. Unbedachtes, grässliches Gelübde, grausamer Schwur! Ach, wer von euch Göttern steht mir im Leben bei, wer von eucht bringt mir wenigstens Hilfe?
Arie
IDOMENEO Schon sehe ich, wie der schmerzerfüllte Schatten mich Tag und Nacht umschwebt. »Ich bin unschuldig«, wird er mir bedeuten. Mit durchbohrter Brust und blutlosem Körper wird er an mein Verbrechen, an das vergossene Blut mich gemahnen. Welch Entsetzen, welch ein Schmerz! Wie oft soll vor Qual dieses Herz noch sterben?
Aria
ILIA
Se il padre perdei,
La patria, il riposo,
Tu padre mi sei,
Soggiorno amoroso
È Creta per me.
Or più non rammento
L'angoscie, gli affanni,
Or gioia e contento,
Compenso a miei danni
Il cielo mi diè.

Wenn ich den Vater verlor, die Heimal, den Frieden, so bist du mir jetzt Vater, und liebevolle Bleibe ist mir Kreta. Jetzt denke ich nicht mehr an die Ängste und Qualen, jetzt gab mir der Himmel zum Ausgleich für meine Leiden Freude und Glück.



3. Juni

Mozart KV 349 (367a) Die Zufriedenheit "Was frag ich viel nach Geld und gut"
Mozart KV 351 (367b) Lied "Komm, liebe Zither"

Odyssee 11, 204 - 224


Odysseus wollte im Hades seine Mutter umarmen - vergeblich. Sie weist ihn auf die Eigenschaften der Toten hin: nur ihre Seele schwebe wie ein Traumbild dahin. Dann verabschiedet sie sich.

Alles das, was Amadé in seinem Lied über die Zufriedenheit besingt, das fehlt den Seelen im Hades, denen Odysseus begegnet. Agamemnon drückt es am deutlichsten aus: Lieber der kleinste Knecht auf Erden als Herrscher im Totenreich ...

Mozart komponiert in München zwei Lieder mit Mandolinenbegleitung 1780 für den Hornisten Martin Lang; dieser wirkte bei den Aufführung des Idomeneo zu Beginn des Jahres 1781 mit. Der Text für KV 349 stammt von Johann Martin Miller aus dessen "Siegwart Eine Klostergeschichte" von 1777. Mozart komponiert für KV 349 sowohl eine Klavier- als auch eine Mandolinenbegleitung.

Alle Lieder Mozarts erzeugen schon nach wenigen Takten eine ganz eigene Stimmung, hinter der Serenade von der Zither kündigt sich schon Don Giovanni an ...

KV 349



KV 351



KV 349

Was frag' ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin!
Gibt Gott mir nur gesundes Blut,
So hab' ich frohen Sinn
Und sing' aus dankbarem Gemüt
Mein Morgen- und mein Abendlied.

Und uns zuliebe schmücken ja
Sich Wiese, Berg und Wald,
Und Vögel singen fern und nah,
Dass alles widerhallt;
Bei Arbeit singt die Lerch' uns zu,
Die Nachtigall bei süßer Ruh.

Und wenn die gold'ne Sonn' aufgeht,
Und golden wird die Welt,
Und alles in der Blüte steht,
Und Ähren trägt das Feld,
Dann denk' ich: Alle diese Pracht
Hat Gott zu meiner Lust gemacht.

Dann preis' ich laut und lobe Gott
Und schweb' in hohem Mut
Und denk': Es ist ein lieber Gott
Und meint's mit Menschen gut!
Drum will ich immer dankbar sein
Und mich der Güte Gottes freu'n.

KV 351

Komm, liebe Zither, komm, Du Freundin stiller Liebe,
Du sollst auch meine Freundin sein.
Komm, dir vertrau' ich
Die geheimsten meiner Triebe,
Nur dir vertrau' ich meine Pein.
Sag' ihr an meiner Statt,
Ich darf's ihr noch nicht sagen,
Wie ihr so ganz mein Herz gehört;
Sag' ihr an meiner Statt,
Ich darf's ihr noch nicht klagen,
Wie sich für sie mein Herz verzehrt.


4. Juni

Mozart KV 368 Rezitativ und Arie für Sopran

Odyssee 11, 225 - 259


Odysseus erzählt weiter von seinen Begegnungen mit den Seelen im Hades.

Es kamen nach der Reihe lauter Seelen von Frauen.
Da ist zuerst Tyro. Als sie am Strom Enipeus, den sie liebte, spazieren ging und einschlief, kam Poseidon und schwängerte sie im Schlaf. Danach verkündete er ihr, sie werde herrliche Kinder gebären. Sie solle sie aufziehen, ihn aber keinsfalls benennen. Tyro gebar Pelias und Neleus. Pelias wurde Beherrscher der iaolkischen Fluren, Neleus in Pylos. Ihrem Mann schenkte Tyro noch die Söhne Äson, Pheres und Amythaon.

In all die Klagen von Timante können die Seelen der toten Frauen im Hades auch einstimmen ...
Vieles spricht dafür, dass Mozart die große Bravourarie auf den Text Metastasios Demofoonte (Akt I, Szene 4) "Ma, che vi fece, o stelle" - "Sperai vicino al lido" für Elisabeth Wendling, der ersten Elettra in Idomeneo, schreibt. Wunderbar die enge Konnexität von Text und Musik ...

KV 368



TIMANTE
Ma che vi fece, o stelle,
La povera Dircea, che tante unite
Sventure contro lei? Voi, che inspiraste
I casti affelti alle nostr'alme; voi,

Che al pudico imeneo foste presenti,
Difendetelo, o numi; io mi confondo.
M'oppresse il colpo a segno,
Cie il cor mancommi, e si smarri l'ingegno.

Sperai vicino il lido,
Credei calmato il vento;
Ma trasportar mi sento
Fra le tempeste ancor.

E da uno scoglio infido
Mentre salvar mi voglio,
Urto in un altro scoglio
Del primo assai peggior.

TIMANTE
Aber was hat denn, ihr Sterne, die arme Dircea gegen euch verbrochen, daß ihr so viel Unheil gegen sie versammelt? Ihr, die ihr unseren Herzen die reinen Gefühle eingegeben habt, ihr, die ihr bei unserer reinen Hochzeit anwesend wart, ihr mögt sie schützen, ihr Götter! Doch ich bin verwirrt. Mich hat der Schicksalsschlag so sehr niedergedrückt, dass das Herz stockt und mein Geist sich verwirrt. Ich hoffte das Gestade schon nahe, ich glaubte den Wind schon beruhigt, doch jetzt fühle ich mich von neuem in die Stürme hinausgetragen. Und während ich mich von einer tückischen Klippe retten will, pralle ich auf eine andere, die noch viel schlimmer ist als die erste.

5. Juni

Mozart KV 341 (368a) Kyrie D-Moll

Odyssee 11, 260 - 291


Weiter begegnete ihm, so setzt Odysseus seine Erzählung bei den Phäaken fort, im Hades die Seele von Antiope.

Sie schenkte Zeus zwei Söhne: Amphion und Zethos, die Gründer von Theben. Dann kommt die Seele von Alkmene, Amphytrions Weib, die zusammen mit Zeus Herakles zum Sohn hat, und die Seele dessen Frau, Megare. Weiter sieht er Epilaste, des Ödipus Mutter, die sich unwissend ihm, der den Vater gemordet, vermählt und dann erhängt, als alles ruchbar wird.
Er sieht Chloris, Neleus' Frau, dem sie die Kinder Nestor, Perklymenos und Pero schenkte. Neleus will seine Tochter nur dem geben, der König Iphikles Rinder aus Phylakes Auen entführt; Teiresias schafft es, nachdem er dem Iphikles alle Göttersprüche enthüllt.

Ob das Kyrie im Hades ertönte, als Odysseus dort weilte und ob das sogenannte "Münchner Kyrie" - Mozarts längstes Kyrie für gemischten Chor und Orchester (über 7 Minuten!) - wirklich dort zur Zeit des Idomeneos um 1781 entstand, ist nicht aufklärbar.
Amadé legt es dreiteilig an und gliedert es nicht streng thematisch. Den fast durchgehend homophonen Chorsatz kontrastiert er mit einem schillernden sinfonisch besetzten Orchesterpart.

KV 341



Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.

Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.


6. Juni

Mozart KV 370 (368b) Quartett

Odyssee 11, 298 - 327


Odysseus trifft, so erzählt er weiter auf Korfu den Phäaken, viele weibliche Seelen im Hades.
Leda, Tyndareos' Lagergenossin, die diesem die Söhne Kastor und Polydeukes gebar, denen Zeus gestattet, dass sie einen Tag leben und einen Tag tot sind. Dann Iphimedia, die bei Poseidon ruhte und ihm zwei Söhne gebar: Otos und Epialtes; sie erschlug des Zeus' Sohn mit Leda noch als Knaben. Phädra, Prokris und Ariadne. Weiter Maira und Klymene und die schändliche Eripyle.

Amadé komponiert 1781 in München das Oboenquartett F-Dur - Vorläufer seiner späten Quartette. KV 370 zeichnet sich durch die Dominanz der Oboe aus, die die Funktion der ersten Violine übernimmt und dem Werk einen konzertanten Charakter verleiht. Mozart schreibt das Quartett für Friedrich Ramm, dieser bekommt an vielen Stellen Gelegenheit, sein virtuoses Können als Oboist - wie Christoph Hartmann vom Ensemble Berlin - zu zeigen. Dem reich verzierten Ende des Allegros folgen im sehr kurzen Adagio Oboen-Melismen über zartem Streicherklang. Im abschließenden Rondo präsentiert Amadé Varianten des eingängig tänzerischen Themas aus dem ersten Satz und im Mittelteil eine rhythmische Besonderheit:
Die Streicher begleiten im Grundrhythmus des 6/8-Taktes das Solo der Oboe im 4/4-Takt.

KV 370 Satz 2



KV 370 Satz 3



Melisma: Tonfolge oder Melodie, die – im Gegensatz zur Syllabik - auf einer Silbe gesungen wird

7. Juni

Mozart KV 369 Szene und Arie für Sopran "Misera, dove son!"
"Ah! non son io che parlo"

Odyssee 11, 328 - 353


Odysseus schließt in Korfu bei den Phäaken seinen Bericht mit dem Besuch im Hades.

Die Fürstin Arete ergreift nach langem staunenden Schweigen der Zuhörer das Wort. Sie fordert zu Geschenken an Odysseus auf. König Alkinoos bittet dann Odysseus, noch bis morgen zu bleiben, damit er die Geschenke herrichte.


Antonio Pietro Metastasio - Hofdichter (poeta Cesareo) in Wien

Sie alle, die Seelen der Toten im Hades, haben die Szene und Arie Fulvias auf den Lippen, die singt von den griechischen Gestaden, die so reich an tragischen Geschehnissen sind ...
KV 369 gehört in die Zeit des Idomeneo (München 1781). Amadé wählt wiederum einen Text Pietro Metastasios aus 'Ezio' (Akt III, Szene 12). "Misera, dove son!" - "Ah, non son io che parlo" ist von bemerkenswerter Knappheit gekennzeichnet.

KV 369



FULVIA
Misera, dove son! L'aure del Tebro
Son queste ch'io respiro?
Per le strade m'aggiro
Di Tebe e d'Argo; o dalle greche sponde
Di tragedie feconde,
Le domestiche Furie
Vennero a questi lidi,
Della prole di Cadmo e degli Atridi?
Là d'un monarca ingiusto
L'ingrata crudeltà m'empie d'orrore;
D'un padre traditore
Qua la colpa m'agghiaccia;
E lo sposo innocente ho sempre in faccia.
Oh immagini funeste!
Oh memorie! oh martiro!
Ed io parlo, infelice, ed io respiro?

Ah! non son io che parlo,
E il barbaro dolore,
Che mi divide il core,
Che delirar mi fa.

Non cura il ciel tiranno
L'affanno in cui mi vedo:
Un fulmine gli chiedo,
E un fulmine non ha.

Ich Elende, wo bin ich? Sind dies die Lüfte des Tiber, die ich atme? Irre ich in den Straßen von Theben und Argos umher? Oder sind von den griechischen Gestaden, die so reich an tragischen Geschehnissen sind, die heimischen Furien des Cadmier- und Atridengeschlechts zu unseren Stranden gelangt? Hier erfüllt mich eines ungerechten Monarchen undankbare Grausamkeit mit Schaudern! Die Schuld des verräterischen Vaters läßt mich erstarren. Und den unschuldigen Bräutigam habe ich stets vor Augen. Oh, leidvolle Bilder! Oh Erinnerungen! Oh Qual! Und ich spreche noch, ich Unglückliche, und ich atme noch?

Ach, nicht ich bin es, die hier spricht. Es ist der furchtbare Schmerz, der mir das Herz zerreißt, der mich rasen macht. Den grausamen Himmel kümmert der Schmerz nicht, in dem ich mich befinde. Ich wünsche mir von ihm einen Blitzstrahl, doch er gewährt mir keinen.


8. Juni

Mozart KV 361 (370a) Serenade (Gran Partita)

Odyssee 11, 354 - 384


Odysseus auf Korfu bei den Phäaken.
Alkinoos hat ihn gebeten, noch bis morgen zu bleiben, er versichert ihm, dass sie Odysseus Glauben schenkten, er sei kein Betrüger, wie es derer so viele gäbe:
Du erzählst, wie der Sänger, mit kluger Kunst die Geschichte
Alles achaischen Volkes und dein eigenes bitteres Schicksal.
Odysseus solle, die Nacht sei lang, weiter von Ilion und seinen Gefährten erzählen - wenn es sein müsse, bis zum Morgengrauen.
Odysseus:
Reden hat seine Stund', und seine Stunde der Schlummer. Aber er werde weiter erzählen.

Auch Mozart wird seine Lebensreise fortsetzen, erst nach Wien und dann nach innen, in die Welt seiner Operngestalten, denen er das Bekenntnis zum Mensch-Sein bedingungslos abverlangt.

Er überzieht seinen Urlaub in München vom erzbischöflichen Dienst in Salzburg um fast zwei Monate. Seine Erfolge in München stimmen den 25jährigen euphorisch, bis der Marschbefehl Colloredos kommt.
Dieser ist zu einer Repräsentationstour nach Wien aufgebrochen und benötigt dort seine musikalische Visitenkarte: Mozart. Amadé folgt dem Ruf: Wien! Die kulturelle Weltstadt war stets sein Traumziel. In diesen Traum, bald Trauma, stürzt er sich vorbehaltlos. Am 16. März 1781 trifft er dort ein.
Die Serenade B-Dur Nr. 10 für zwölf Bläser und Kontrabass ist eine seiner ersten Kompositionen in Wien.

Amadés Hauptthema mit sinfonischem Duktus prägt das Largo, Umfang und marschartiger Charakter des folgenden Menuetts festigen diesen Duktus. Ins Zentrum stellt er drei langsame Sätze: Ein von Klangschönheit und Empfindsamkeit geprägtes Adagio und eine ebenfalls im Adagiotempo gehaltene Romanze mit feierlichem Ton gruppiert er um ein Menuetto, dem er wie bereits beim ersten Menuett zwei kontrastierende Trioteile anschließt. Im Variationensatz bringt Mozart den Farbreichtum der großen Bläserbesetzung voll zur Geltungv und im als Rondo gestalteten stürmischen Finalsatz nimmt Amadé Anklänge an die "alla turca"-Mode der Zeit auf.

KV 361




9. Juni

Mozart KV 372 Allegro einer Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 11, 385 - 415


Odysseus erzählt weiter von seinen Begegnungen im Hades.

Die Seele Agamemnons kommt, umgeben von den Seelen, die wie er in Ägisthos' Haus den Tod fanden. Weder Poseidon noch fremde Männer, erzählt er, hätten ihm den Tod gebracht, vielmehr Ägisthos und sein unseliges Weib. Man habe ihn zum Gastmahl eingeladen und wie der Stier an der Krippe sei er erschlagen worden. Seine Gefährten seien wie Schweine am Schlachttag gestötet worden.

Ganz so brutal geht die Wende in Österreich nach Maria Theresias (1717 -1780) Tod nicht zu, im Gegenteil. Wien steht im Zeichen der Reformpolitik Josephs II.

Mit dem barocken Prunk ist es vorbei, der Volkskaiser stellt den Infrastrukturausbau unter das Gemeinwohl. Krankenhäuser statt Adelspaläste, Straßenbeleuchtung statt Glanzparaden, freie Presse statt Repression. Den Adligen kommt eine neue Rolle zu.
Was das höfische Leben an repräsentativem Glanz vermissen läßt, beansprucht nun der Adel, um seinen Stellenwert im Gesellschaftsleben zu demonstrieren. Die Regierungsämter muss man sich mit den Bürgern teilen. Schon seit Maria Theresias Zeiten streben sie aus allen Teilen Deutschlands dem Zentrum der Donaumonarchie zu. Verwaltung und wirtschaftliche Animation erfordern eine personalintensive Zentralverwaltung, Wien wird Beamtenstadt, das Bürgertum zum machterhaltenden Faktor.
Von Konflikten ist in der Stadt, wo eine Hand die andere wäscht, wenig zu spüren. Zwar blockt Kaiser Joseph II. den Einfluß der Kirche ab, stellt die Jesuiten kalt, bei der barocken Ausgestaltung ihrer Kirchen ist er großzügig. Mozart schließt innerlich in Wien schnell mit dem Kapellmeister von Salzburg ab.
Zeichen dafür ist etwa das Fragment einer Sonate in B-Dur (65 Takte), datiert in den März 1781. Amadé bricht die Arbeit während der Komposition des Allegro-Satzes ab. Grund: Streit mit Fürsterzbischof Colloredo. Er untersagt die öffentliche Aufführung in Wien, für Mozart ist die Komposition damit hinfällig.

KV 372




10. Juni

Mozart KV 373 Rondo für Violine

Odyssee 11, 415 - 446


Odysseus erzählt in Korfu von seinem Hadesbesuch.

Agamemnons Seele berichtet von seiner Ermordung durch Ägisthos und Klytemnästra. Agamemnon hört im Sterben Kassandra jämmerlich schreien, als Klytemnästra sie über ihm niederschlägt. Agamemnon warnt Odysseus vor den Frauen. Er solle nicht alles mit seinem Weibe besprechen. Penelope aber sei wahrlich und ganz und gar rechtschaffen. Odysseus drohe sicher kein Mord.


Rudolph Joseph Graf von Colloredo-Waldsee (1706 - 1788)
Reichsvizekanzler des Heiligen Römischen Reichs.
Maria-Theresia mißbilligte seine Leidenschaft für Frauen,
sein Glücksspiel und seine Verschwendungssucht.
Trotz Klugheit war er faul und hatte mangelnde
Kenntnisse in Staatsangelegenheiten.

Ganz so wild wie in Mykene bei Agamemnon und Klytemnästra ging es in Wien nicht zu, obwohl Graf Colloredo auch kein Kind von Traurigkeit war.

Am 2. April 1781 schreibt Amadé in Wien das Rondo C-Dur für Violine und Orchester, ein Einzelstück. Zusammen mit dem Geiger der Hofkapelle Antonio Brunetti, der mit von Salzburg nach Wien kam, führen sie es bei einem Konzert im Hause des Reichsfürsten Rudolph Joseph Colloredo auf, Vater ihres Dienstherren, des Salzburger Erzbischofs (der Mozart einen Monat später entlässt und demütigt).
Das virtuose Allegretto grazioso verklingt nach einer auskomponierten Kadenz mit Mozartschem Witz im plötzlichen Piano. Souverän verwendet der Komponist die Erfahrnungen, die er auf seiner Italienreise mit der dortigen Violinkunst gesammtelt hat.

KV 373




11. Juni

Mozart KV 379 (373a) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 11, 445 - 476


Odysseus erzählt den Phäaken weiter vom Hades und seiner Begegnung mit Agamemnos Seele.

Agamemnon gedachte Penelope, wie sie zum Kampf auszogen und ihr Knäblein an der Brust lag. Nun sitze er wohl schon im Kreise der Männer. Seine, Agamemnons Frau, habe ihn vor der Umarmung des Sohnes erschlagen. Odysseus solle heimlich mit seinen Männern in Ithaka anlegen, den Weibern sei nicht zu trauen. Agamemnon erkundigt er sich nach seinem Sohn Orestes. Odysseus weiß nichts.
Dann kommen noch die Seelen von Achilleus, Patroklos, Antilochos, Aias, der Odysseus wegen seiner kühnen Tat, in den Hades zu fahren, lobt.

Zur Untermalung der Begegnungen im Hades schreibt Mozart KV 379.
Die zweisätzige G-Dur-Sonate vom 7. April 1781 leitet Amadé deshalb mit einem ausgedehnten Adagio ein.
Die 1781 in Wien entstandene Gruppe von Violinsonaten (KV 376-380) bildet auf diesem Gebiet einen Höhepunkt in Mozarts Schaffen. Sie dokumentiert in ihrer großen Heterogenität das Experimentieren Mozarts mit Formen und Stilen. Jeder Sonate dieser Gruppe legt er ein spezifisches formales und dramaturgisches Konzept zugrunde. KV 379 ist geprägt von der Zurücknahme der Mittel. Und erinnert das Allegro an Konstantin Weckers beste Musik?

KV 379




12. Juni

Mozart KV 374 Rezitativ und Arie für Sopran "A questo seno deh vieni" "Or che il cielo a me ti rende"

Odyssee 11, 477 - 509


Odysseus erzählt, wie er im Hades erklärte, warum er dorthin gefahren sei.

Er sei wegen Teiresas im Hades, ob dieser nicht wüsste, wie er zurückkäme nach Ithaka. Dann wendet er sich an Achilles, er sei glücklicher als jeder andere und solle sich nicht wegen seines Todes grämen.
Achilles widerspricht. Lieber wäre er der einfachste Knecht auf Erden anstatt hier Herrscher der abgeschiedenen Seelen. Er erkundigt sich nach Orest und nach Peleus, Odysseus aber weiß nichts. Dann erzählt Odysseus vom Sohn des Agamenon Neptolemos.


Joseph II (1741 bis 1790)

Der neue Kaiser Joseph II. toleriert die Freimaurer aus Tradition, seitdem sich sein Vater Franz I. zu ihnen bekannt hat. In Wien haben sich die Stände arrangiert. Es fehlt an Zündstoff für revolutionäre Bewegungen, aber es ist ein um so nahrhafterer Boden für Intrigen. Es fällt Mozart schwer, die diffizilen Mechanismen einer Gesellschaft zu durchschauen, die sich dermaßen liberal gebärdet.

Amadé komponiert das Rondo "A questo seno deh vieni" - "Or che il cielo a me ti rende" für den Soprankastraten Franceso Ceccarelli (ein enger Freund der Familie Mozart), Uraufführung am 8. April 1781 in der Akademie des Ritterordens im Deutschen Haus in Wien bei Fürst Colloredo, wo Mozart an der Bedienstetentafel spreist. Der Text stammt von Giovanni de Gamerras 'Simano nel Mogol' (Akt III, Szene 7). Mozart in einem Brief über das Essen im Deutschritterordenshaus:
Um 12 uhr zu Mittage - leider für mich ein bischen zu frühe - gehen wir schon zu tische - da speisen die 2 Herrn Herrn leib und Seel kammerdiener, H: Controleur, H: Zetti, der zuckerbakker, 2 herrn koche, Ceccareli, Brunetti und - meine Wenigkeit - NB: die 2 herrn leibkammerdiener sitzen oben an - Ich habe doch wenigstens die Ehre vor den köchen zu sitzen - Nu - ich denke halt ich bin in Salzburg.

KV 374



ZEIRA
A questo seno
Deh vieni, idolo mio. Quanti timori,
Quante lagrime, oh Dio!
Costi alla sposa tua! Dunque tu vivi!

Oh contento! Oh certezza!
Oh premio! Oh speme! Oh amor! Numi clementi!
NeH'offrirmi, pietosi, un si bei dono,
Tutto il vostro rigore io vi perdono.

Or che il cielo a me ti rende
Cara partc del mio cor,
La mia gioia, ah, non comprende
Chi non sa ehe cosa è amor.

Sono all'alma un grato oggetto
Le sue barbarc viccnde,
Ed in sen dolcc discende
La memoria del dolor.

Ach komm an diese Brust, mein Angebeteter. Wieviel Ängste, wieviel Tränen, o Gott, kostest du deiner Braut! Also du lebst!

O Glück! O Gewißheit! O Preis! O Hoffnung! O Liebe! Ihr gütigen Götter! Da ihr mir barmherzig ein so schönes Geschenk gewährt, verzeihe ich euch alle eure Härte.

Jetzt, da der Himmel dich mir wieder gibt, du teurer Teil meines Herzens, kann meine Freude nicht verstehen, der nicht weiß, was Liebe ist.

Dem Herzen sind die furchtbaren Wechselfälle ein willkommener Gegenstand, und in der Brust sinkt süß die Erinnerung an den Schmerz herab.


13. Juni

Mozart KV 359 (KV 374 a) Zwölf Variationen G-Dur über das Lied "La Bergère Célimène" für Klavier und Violine

Odyssee 11, 510 - 532


Odysseus gibt seinen Bericht über Neptolemos wider, wie er ihn dessen Vater Agamemnon im Hades erzählte.

Er sei bei den Kämpfen der tapferste und immer an vorderster Front gewesen. Und er habe Neptolemos kaum halten können, der mit ihnen furchtlos ins hölzerne Pferd gekrochen sei, das Epios gebaut hatte. Alle anderen hätten vor Aufregung gezittert und geweint, Neptolemos nie, er wollte sofort auf die Trojaner los.

Ob der Sänger bei den Phäaken auf Korfu ein ähnliches Lied wie das von Célimène spielte?

Jeder in Frankreich und ein Reisender wie Mozart kennt das erstmals 1703 in Druck erschienene Lied "La Bergère Célimène". Amadé komponiert die Zwölf Variationen in G-Dur über das Lied von der Sennerin im Juni 1781 in Wien.

KV 359




14. Juni

KV 352 (374c) Acht Variationen für Klavier über den Marsch aus "Les Mariages Samnites"

Odyssee 11, 533 - 562


Odysseus erzählt den Phäaken weiter vom Hades.
Agamemnons Seele schwebt hinweg, nachdem er gehört hat, dass sein Sohn unverletzt von Troja abgefahren sei.
Andere Seelen stehen noch trauernd da: Nur Ajas Seele ist abgewandt, weil er Odysseus zürnt wegen des Sieges im Streit um die Wehr des Achilleus, den er bereut, weil Ajas dabei umkam.

Wie Odysseus sich mit der Vergangenheit der Verstorbenen konfrontiert sieht, so Amadé mit der Planung seiner Zukunft, die aber gleichfalls eng mit der Vergangenheit verknüpft ist.
Dem moralischen und geistigen Anspruch der meist lateinischen Dramen, die er noch bei den Universitätsveranstaltungen in Salzburg gesehen hatte, ist Mozart in Wien längst entwöhnt. Die aus biblischen und antiken Legenden zurechtphilosophierten Allegorien haben ihn auf der Suche nach dem Menschen und seinen Empfindungen nicht viel weitergebracht.
Wandertruppen, die in Wien gastieren, greifen mit ihren Stücken ins Leben. Amadé begegnet Shakespeare, Lessing, Goethe. Singspiele beeindrucken ihn nachhaltig.
Die Spielstätten, allen voran das Burgtheater, unterhalten eigene Ensembles und ein breitgefächertes Repertoire. Die Bühne drückt den gesellschaftlichen Umbruch aus, der traditionelle Autoritäten in Frage stellt, neuen Idealen den Weg bahnt.

Mozart - weder zum Revolutionär geboren noch zum Rebellen erzogen, sein Selbstbewußtsein definiert sich seit seiner jüngsten Kindheit über den Vater, gibt dessen Abwesenheit die Chance, sich seiner Individualität bewußt zu werden, aber auch der Abhängigkeit von autoritären Instanzen, die ihn als bürgerlichen Musiker in die Untertanenpflicht nehmen.
Wenn er diese verweigert, kann das wirtschaftlichen Ruin bedeuten und Verstoß gegen das väterliche Programm.
Er beginnt mit Klavierunterricht.
Die Variationen KV 352 verbinden pianistisch-pädagogische Absichten mit Virtuosität. In den 1781 komponierten Acht Variationen über das damals sehr beliebte Chorstück "Dieu d’amour" aus André-Ernest-Modeste Grétrys Oper 'Les Mariages Samnites' spiegelt sich ein Nachklang jener Eindrücke wider, die Mozart von der französischen Opéra comique empfangen hat. Dafür spricht vor allem die lebhafte 4. Variation, ein von Trillern begleiteter Marsch.
In der 1. Variation formt Mozart mit Unterstützung des Basses das Thema um. In der 2. verbindet er die motivische Weiterbildung mit Sechzehnteln und in der 3. arbeitet er mit Oktaven, färbt die Harmonik chromatisch ein und lässt überraschend den verminderten Septakkord erklingen. In Nr. 4 intoniert Amadé einen Marsch mit Terzen, den quasi Trommelwirbel und Piccoloflöten in langen Trillern begleiten. Nach der 5. voller kammermusikalischer Intimität (Minore) verfolgt die 6. mit der Kreuzung der Hände mehr pianistisch-pädagogische Ziele. Die 7.(Adagio) ist ein Gesang im Mannheimer Gout. Die letzte Variation läßt beschwingt im 3/8-Takt die gelungene, jeglichen Virtuosenzierats abholde Folge ausklingen.

KV 352




15. Juni

Mozart KV 376 (374d) Sonate F-Dur für Klavier und Violine

Odyssee 11, 563 - 592


Odysseus erzählt in Korfu bei den Phäaken weiter vom Hades, Ajas habe dort nicht mit ihm reden wollen.

Er trifft weiter die Seelen von Minos, Orion, Tityos, an dessen Leber die Geier hackten (er hatte sich an Leto vergriffen) und Tantalos: mitten in einem Teich bis ans Kinn im Wasser stehend und doch dürstend, und immer wenn er sich bückt, entschwindet das Nass. Sobald er sich aber streckt zu den saftigen Früchten über ihm: Birnen, Granten, Feigen, Äpfeln, Dattlen - schnellt der Wind die Zweige empor.??


Sisiphos, Ixyon und Tantalos

??Wie Odysseus vom Hades seine Geschichten erzählt, so schreibt Amadé weiter an seinen Violinsonaten (KV 376-380), wahrhaftige Höhepunkt in Mozarts Schaffen. Der dreisätzigen F-Dur-Sonate gibt Mozart einen galanten, aber nicht bravouröser Gestus, klassiches Modell der Kammersonate mit ihrem spezifisch formalen und dramaturgischen Konzept.

KV 376




16. Juni

Mozart KV 377 (374e) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 11, 592 - 614


Odysseus erzählt von seinen Begegnungen im Hades.

Er sieht Sisyphos und dessen Mühsal, immer und immer wieder den jedes Mal erneut herabrollenden Fels auf den Berg hinaufzuwälzen. Dann erblickt er Herakles, den Bogen in der Hand haltend, als wolle er immer noch schießen. Sein Wehrgehenke glänzt golden, mit Bildern von Schlachten, Getier und Schreckenswerk.

An die Erscheinung des Herakles erinnert Amadés Sonate in F-Dur von 1781, die Mozart als glanzvolle Konzertsonate anlegt. Ungewöhnlich ist der Mittelsatz: Variationen. Auch diese grandiose Sonate gehört zur Gruppe KV 376-380.




17. Juni

Mozart KV 380 (374a) Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 11, 615 - Ende


Odysseus erzählt den Phäaken, wie er im Hades Herakles traf.

Herakles vergleicht sich mit Odysseus. Auch ihm sei böses Verhängnis auferlegt worden. Er habe sogar den Höllenhund aus dem Hades geholt. Obwohl er gern noch andere Seelen getroffen hätte, verlässt Odysseus aus Furcht vor Persephoneia den Hades. Sie legeen ab; erst treibt sie die Strömung des Okeanos, dann günstiger Fahrtwind fort.


Midori Seiler -
Tochter einer japanischen Pianistin und
eines bayerischen Pianisten

Wie Herakles die letzte Seele im Hades in Gestalt des Herakles traf, so komponiert Amadé mit der Sonate in Es-Dur Schluß- und Höhepunkt der 1781 in Wien entstandenen Gruppe von Violinsonaten (KV 376-380), die auf diesem Gebiet Herausragendes in Mozarts Schaffen bildet. Mozart stellt die technischen Schwierigkeiten der Sonate KV 380 in den Dienst einer brillanten Wirkung - die meisten Dilettanten sind - und waren damit überfordert.
Im ersten Satz führt Amadé immer neue Gedanken ein, führt sie durch und ergeht sich in leidenschaftlichen harmonischen Sequenzen. Im Andante, das diesem kräftig pathetischen und virtuosen Satz folgt, führt Mozart einen neuen, seltsam spannenden Gedanken durch, der schließlich in einen überraschenden Ausbruch eines finsteren und strengen Pathos ausmündet – es ist der Höhepunkt jener schmerzverhüllten Stimmung, die diesen g-Moll-Satz zu einem der ergreifendsten Trauerstücke des ganzen Bandes macht. Das den Bann lösende Schlußrondo, inhaltlich der leichteste Satz des Werkes, ist typisch für Mozarts damalige Behandlung der Form: breite, mehrgliedrige Themen, das erste Seitenthema in der Dominante, wie beim Sonatensatz, das zweite, diesmal in Moll, ebenfalls breit ausholend und in seinem leidenschaftlichen Trotz auf den Mittelsatz zurückweisend; schön ist die zögernde Art, wie Amadé den Rückweg ins Hauptthema findet.

KV 380: Allegro und Andante



KV 380: Rondo (Allegro)




18. Juni

Mozart KV 375 Serenade Nr. 11 für Bläser Es-Dur

Odyssee 12, 1 - 30


Odysseus erzählt den Phäaken bis tief in die Nacht weiter von seinen Irrfahrten.

Vom Hades fahren er und seine Gefährten zurück zur Insel Aiaia, wo Kirke wohnt. Sie errichten einen Scheiterhaufen, um den Leichnam Elpenors zu verbrennen und zu bestatten. Auf das Grab pflanzen sie sein schöngeglättetes Ruder, so wie es sich seine Seele im Hades gewünscht hat.
Kirke kommt mit ihren Mägden herbei, bewirtet die Seefahrer reichlich mit Brot und Wein. Sie verspricht, ihnen morgen früh, wenn sie in See stechen, den Kurs anzusagen. Odysseus und seine Gefährten laben sich den ganzen Tag an der Fülle des Fleisches und süßen Weins.

Mozart ist ebenfalls getrieben auf seinen Reisen - heim zur Musik.

Im Komponieren verneint er das Widersprüchliche nicht, er nutzt es als kompositorische Substanz. Eben das ist der eigentlich künstlerische Prozess, er entdeckt die Sprache der Musik und ihre dialektische Dimension.
Immer wieder dreht sich in Amadés Kopf das Kaleidoskop der vielfältigen Eindrücke, die er im Spiegel der Musik zusammenfallen lässt, um stets neue Abbildungen seiner Lebensempfindung hervorzurufen: Die Empfindungen eines im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Reise-Lebens.

Zentrales Motiv bei Mozarts Sozialisation ist die Vernunft. Vater Leopold führt diesen Begriff bei den Ermahnungen des Sohnes - auch brieflich - so oft im Munde, dass er für den Sohn zur dogmatischen Glaubensgröße werden muss. Abstrakt, denn welches Kind kann Vernunft als Handlungsprinzip begreifen? Kinder sind nicht vernünftig, und die Welt, die Amadé reisend erlebt, erst recht nicht.
Schon frühkindliche Erfahrung: Unterwegssein; was stetige Veränderung der Umgebung, rasante Abfolge immer neuer Eindrücke und vieler Widersprüchlichkeiten heißt. Kaum an die harte Kutschbank gewöhnt, sitzt er schon im weichen Audienzsessel bei Fürstens - nach Stallknecht- und Kutschergeruch im nächsten Augenblick parfümierte Küsse der Salondamen. Von lärmenden Schmuddelkindern zu in Kostüme gezwängten adligen Zöglingen, ein großer, von Selbstsicherheit und Omnipotenz strotzender Vater als devoter Bittsteller bei Hofe.
So sehr Vater sich um sein Wunderkind gesorgt, ihn vor dem Zubettgehen fest in seine Arme geschlossen hat, so wenig hatte das Kind Geborgenheit und Ruhe, um zu sich selbst zu kommen. Soziales Lernen im Umgang mit Gleichaltrigen ist ihm weitgehend verwehrt geblieben, keine Schule. Oft genug empfindet der Sohn seine Abhängigkeit von der Instanz Vater, immer unverzichtbar, aber schmerzhaft.
Amadé Mozart sucht in der Musik nach Möglichkeiten, seine als Sammelsurium von Widersprüchen erfahrene Welt in eine eigene Ordnung - die der Töne - zu bringen.

Eines Tages steht er von der Bedienstetentafel auf, um den ungeliebten Dienst beim Fürsterzbischof Colloredo zu quittierten. Häufig als Akt der Rebellion interpretiert, entspringt der Schritt vielmehr der Angst, mit dem Dienstherrn wieder nach Salzburg zurückkehren, die Wiener Hoffnungen für immer begraben zu müssen. Deshalb erduldet er nach dem Abschiedsgesuch über einen Monat lang die Schmähungen und Repressionen des Fürsterzbischofs weiter, bis es zum berühmten Fußtritt in Mozarts Allerwertesten (nicht umgekehrt, wie häufig kolpotiert) kommt.

Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! - das ist also die Art die Leute zu bereden, sie an sich zu ziehen schreibt er im Juni 1781 an den Vater. daß man aus angebohrner dumrnheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzerey dem Herrn gar kein Hort sagt. Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstauen, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern gibt - das ist also der Hof wo ich dienen soll - an welchem man Jemand, der um etwas schriftlich einkommen will, anstatt daß man ihm die Übergebung zuwege bringt, ihn also behandelt? - ich habe drey Memorial gemacht; habe sie 5 mal übergeben, und sind mir allzeit zurückgeschlagen worden. -

ich machte also ein anders Memorial worinn ich ihm entdekte, daß ich schon bereits 4 Wochen eine bittschrift in bereitschaft hätte - für dieses memorial bekamm ich die entlassung meiner dienste auf die schönste art von der Welt. - denn wer weis ob es nicht auf befehl des Erzbischofs geschehen ist?


Garf Arco (mit 13)

Von Tag zu Tag wird Mozarts Musik vollkommener. In der Serenade KV 375 wendet er den traditionellen Serenadencharakter in einen intimeren Kammerton um. Er behandelt die Instrumente stets solistisch, nicht thematisch paarweise, ordnet die Sätze symmetrisch-zyklisch in zwei schnelle Ecksätze - den Kopfsatz in Sonatensatzform, der Schlusssatz als Rondo - und zwei Menuette um einen langsamen Mittelsatz, der durch steten Klangfarbenwechsel, Ineinandergreifen der Stimmen und einen empfindsamen Ton eine einzigartige Wirkung entfaltet.

KV 375



Der Hofmaler Josphe Hickel spielt übrigens die Serenade zu Mozarts Namenstag als
Überraschung mit und eben dieser Hickel malt 1783 Mozart im Profil mit roter Jacke.


19. Juni

Mozart KV 448 (375a) Sonate D-Dur für zwei Klaviere

Odyssee 12, 31 - 58


Odysseus erzählt weiter von seinen Irrfahrten.

Als seine Gfährten sich auf der Insel Aiaia zum Schlafen gelegt haben, kommt Kirke zu Odysseus, nimmt seine Hand und legt sich zu ihm. Odysseues erzählt ihr, was er erlebt hat und sie prophezeit dann:
Zuerst gelange er zu den Sirenen. Dort solle er seinen Männern die Ohren mit Honigwachs zustopfen und sich selbst an den Mast binden lassen. Er könne dann den Sang der Sirenen hören, um deren Gestade viele Gebeine modernder Leichen gehäuft lägen. Wenn er losgebunden werden wolle, sollten die Gefährten ihn noch fester fesseln. Danach gebe es zwei Passagen, sie überlasse es ihm, welche er wähle.

Mozart muss Geld verdienen mit Musikunterricht für adlige Damen - sicher manchmal ebenso schwer, wie an den Sirenen sicher vorbeizusegeln.

Bereits 1771 hat Amadé in seinem Konzert für zwei Klaviere Es-Dur KV 365 (siehe 16. Mai) die Kompositionsweise für zwei Tasteninstrumente erprobt. KV 448 vom November 1781 ist Amadés einzige Sonate für zwei Klaviere, ein ausgesprochen virtuoses Werk, das vom technischen Anspruch seinen Konzerten gleichzusetzen ist, er komponiert es für seine Schülerin Barbara von Auernhammer. Beide Partner sind absolut gleichberechtigt, durchdringen einander musikalisch und spielen sich die melodischen Einfälle gegenseitig zu, alles äußerst routiniert.

KV 448




20. Juni

Mozart KV 382 Konzert-Rondo für Klavier

Odyssee 12, 59 - 100


Odyssus' Bericht geht weiter, er erzählt, was ihm Kirke in der Nacht vor dem Ablegen voraussagt.
br> Die Weiterfahrt nach den Sirenen gehe an überhängenden glatten Felsen mit hoher Brandung vorbei, die 'Irrende' heißen. Nur das Schiff 'Argo' habe es bisher als einziges geschafft, sie zu passieren, weil Here ein Freund des Jason war. Es gebe dort zwei Felsen und eine Höhle, wo die furchtbar bellende Skylla hause, mit 12 Füßen und sechs überlangen Hälsen und entsetzlichen Köpfen. Sie fische sich Delphine, Seehunde und noch größeres Meeresgetier. Kein Schiff sei heil vorbeigekommen.

Ob Mozart die Wiener Jahre heil übersteht?
Er wohnt jetzt im Haus von Fridolin Weber. Dieser und seine Tochter Aloysia (in die Amadé sich einst in Mannheim verliebt hatte - inzwischen verheiratet mit dem Hofschauspieler Joseph Lange) haben an der Wiener Hofburg Anstellung gefunden.
Die alte Madame Weber war so gütig mir ihr haus zu offriren - da habe ich mein hüpsches Zimmer; bin her dienstfertigen Leuten, die mir in allen, was man oft geschwind braucht, und - wenn man allein ist nicht haben kann - an die hand gehen.


Antonio Salieri (1750 - 1825)

Der Untermieter ist nur selten zu Hause. An den Vormittagen unterrichtet er seine Schülerinnen, die er zur Sicherung seiner Existenz - und Reputation, so es sich um Gräfinnen handelt - annehmen muss. Nachmittags ist er regelmäßiger Gast der Wiener Aristokratie, für die er am Abend gegen gutes Honorar in geschlossenen Akademien oder öffentlichen Soireen aufspielt.
Mozarts Konzerttätigkeit, die ihm der Fürsterzbischof ehedem verboten hat, kommt wieder zum Blühen - nur der Kaiser hält sich in der Protektion des jungen Komponisten, der ihm etwas zu unkoventionell ist, vornehm zurück. Er bescheidet sich mit seinem Hofmusikus Antonio Salieri, dem 32jährigen Italiener.

Neun Jahre nach der Fertigstellung seines ersten selbst komponierten Klavierkonzerts Nr. 5 KV 175 (siehe 28. Februar), für das Mozart eine lang anhaltende Vorliebe hat, gibt Amadé diesem im März 1782 einen neuen Schlusssatz. Er wählt ambitioniert die brillante Tonart D-dur und große Orchesterbesetzung (Streicher, Oboen, Hörner, Trompeten und Pauken), handhabt die Form meisterhaft und originell worin er bereits seine vorklassischen Vorbilder übertrifft: im ausbalancierten Wechselspiel zwischen Solo und Orchester, in der Orchestrierung (besonders des Andante ma unpoco Adagio) und in der Art, wie er die musikalischen Gedanken miteinander in Beziehung setzt. Der unkonventionellste Satz ist zweifellos das Finale, ein Sonatensatz, der das Werk mit einer überraschenden, halb ironischen Kombination »gelehrter« und »galanter« Stilelemente krönt. Er beginnt mit einem kanonisch geführten Hauptthema, gefolgt von einer tänzerisch-synkopierten Überleitung und einem ganz buffonesken Seitensatz. Das Spiel mit verschiedenen Stilhaltungen und getäuschten Hörerwartungen bestimmt den Verlauf des ganzen Satzes. Der Meister hat uns ein ungemein pointiertes Werk hinterlassen, mit dem wir genussvoll und sicher zwischen den Kritikern und Virtuosen hindurchschiffen, wie Odysseus zwischen Skylla und Charybdis ...
Mit einhelliger Empörung erblicken Kritiker darin eine Kapitulation des Künstlers vor dem Geschmack des Wiener Publikums - merkwürdigerweise sogar Alfred Einstein, obwohl er dieses Stück zutreffend als »ein kleines humoristisches Wunderwerk« bezeichnet.
Amadé schickt es seinem Vater, welches ich zu dem Concert ex D gemacht habe, und welches hier so grossen lärm macht. - dabey bitte ich sie aber es wie ein kleinod zu verwahren - und es keinem Menschen (...) zu spiellen zu geben. - ich habe es besonders für mich gemacht - und kein Mensch als meine liebe schwester darf es mir nachspiellen.



KV 382




21. Juni

Mozart KV 229 (382a) Kanon "Sie ist dahin", KV 230 (382b) Kanon "Selig, selig alle"

Odyssee 12, 59 - 100


Odyssus erzählt weiter von Kirkes Vorhersage in der Nacht vor dem Ablegen.
Nach Skylla lauere Charybdis. Dreimal am Tag schlürfe sie in der Strasse von Messina das dunkle Gewässer ein und dreimal speie sie es wieder aus, er solle ihr nicht zu nahe kommen, sondern sich dicht unter Skylla halten. Man solle die Ungeheuer fliehen und nicht mit ihnen kämpfen.
Dann komme er nach Sizilien. Helios weidet dort seine Rinderherden und Göttinen pflegen die Weide.

In dieser Nacht singt für Kirke und Odysseus eine Nachtigall, deren Tod Ludwig Heinrich Christoph Hölty in seinem Gedicht beklagt (KV 229).

Und am Grab Elpenors ertönt der Kanon KV 230, nach Höltys "Elegie beim Grabe meines Vaters".

Ursprünglich waren die Kanons KV 229 und 230 untextiert. Das Gedichtfragment Höltys "Auf den Tod einer Nachtigall", mit dem der Kanon nach Mozarts Tod im Verlag Breitkopf & Härtel unterlegt wird, harmoniert inhaltlich perfekt mit dem Klagegestus des chromatisch absteigenden Sextgangs zu Beginn des Stücks KV 229.
In KV 230 ist besonders auffallend die expressive Melodieführung, mit der Amadé das Anfangssoggetto gestaltet.

KV 229



KV 230



Sie ist dahin, die Sängerin,
die Maienlieder tönte!
Sie, die durch ihr Lied
Den ganzen Hain, ach! verschönte,
Sie ist dahin, ach! sie ist dahin!
Ach! wenn ihr Ton mir in die Seele hallte!
Wenn ich am Bach dort im Abendgolde,
Wenn ich dort wallte!
Wenn ich dort auf Blumen lag,
Wenn ich auf Blumen wallte.
Sie, die Maienlieder tönte,
Deren Lied ertönte,
Die den ganzen Hain
Durch ihr Lied verschönte.
Sie ist dahin, die Sängerin,
Sie ist dahin!



Selig, alle selig sie,
Die im Herrn entschliefen!
Auch selig, selig, Freund bist du!
Engel brachten dir den Kranz, riefen;
Und du gingst zu Gottes Ruh.



22. Juni

Mozart KV 231 (382c) Kanon "Leck mich im Arsch"

Odyssee 12, 136 - 164


Kirke gibt Odysseus weitere Verhaltensregeln für die Heimfahrt:
Wenn Odysseus die Rinder- und Schafherden von Helios auf Sizilien nicht schone, werde Schiff und Mannschaft verderben, er selbst spät, im Elend und allein heimkehren.
Am nächsten Morgen legen sie ab, Kirke schickt günstiges Wetter, sie können ohne zu rudern bei gutem Wind segeln. Odysseus gibt die Anweisungen Kirkes weiter an seine Crew. Bei den Sirenen sollen sie ihn fesseln, nur ihm allein sei es erlaubt, sie zu hören. Wenn er sie um Befreiung anflehe, um so fester sollen sie ihn binden.

Der sechsstimmige Chor von 1782 drückt Mozarts Stimmung im Hinblick auf den kaiserlichen Hof (und häufig die Haltung der Crew zu ihrem Skipper Odysseus) aus, dessen Zurückhaltung gegenüber dem jungen Komponisten anhält. Amadé rettet sich in die Attitüde trotziger Überheblichkeit:
Wenn mich der kayser haben will, so soll er mich bezahlen - denn die Ehre allein, beym kayser zu sevn, ist mir nicht hinlänglich. - wenn mir der kayser 1000 fl giebt, und ein graf aber 2000. - so mach ich dem kayser mein Kompliment und gehe zum grafen. - versteht sich auf sicher.

Doch weder hier noch dort vermag Mozart richtig Fuß zu fassen; als unruhiger Wanderer zwischen den Welten strebt er doch nur einer zu: der Welt des Theaters.
Der von Mozart für diesen Kanon vorgesehene Text "Leck mire den Arsch" erscheint seiner Frau Constanze zu ausgelassen, als sie das Stück nach seinem Tod dem Verlag Breitkopf & Härtel für eine Veröffentlichung überlässt, man ersetzt also den Text durch ein unverfänglicheres "Nichts labt mich mehr".

KV 231



Leck mich im A… g’schwindi, g’schwindi!
Leck im A… mich g’schwindi! Leck mich, leck mich, leck mich, leck mich, leck mich.
Leck mich, leck mich, leck - g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
G’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
Leck mich im A… g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
G’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
Leck mich im A… g’schwindi, g’schwindi! Leck im A… mich.
Leck mich im A… g’schwindi!
Leck mich.



23. Juni

Mozart KV 394 (383a) Fantasie mit einer Fuge für Klavier

Odyssee 12, 195 - 200


Odysseus berichtet den Phäaken von seiner Begegnung mit den Sirenen.
Als sie sich ihnen nähern, tritt plötzlich bleierne Flaute ein. Die Mannschaft birgt die Segel, rudert, Odysseus knetet kleine Stücke Wachs in der Sonne und verklebt damit den Freunden die Ohren. Sie binden ihn stehend am Mast fest.
Mit ihrem hellen Gesang versuchen die Sirenen, Odysseus zu locken, sie wüssten alles, was geschah und geschehen werde, er solle zu ihnen kommen und dann beglückt weiterfahren. Er gibt seinen Freunden zwinkernd Zeichen, ihn loszubinden. Die aber legen sich um so mehr in die Riemen, Eurylochos und Perimedes binden ihn fester; als man nichts mehr hört, lösen sie die Stricke und und entfernen das Wachs aus ihren Ohren.

Constanze, die spätere Frau Mozarts und Schwester Aloysia Webers, ist wie Odysseus vom Singen der Sirenen in Mozarts Fugen für Klavier fasziniert.
Mozart lernt die Kompositionen Bachs und Händels im Hause seines Freundes und Gönners Baron Gottfried van Swieten kennen.
Amadé über Constanze und KV 394 in einem Brief vom 20. April 1782: weil sie mich nun öfters aus dem kopfe fugen spiellen gehört hat, so fragte sie mich, ob ich noch keine aufgeschrieben hätte? – und als ich ihr Nein sagte. – so zankte sie mich recht sehr daß ich eben das künstlichste und schönste in der Musick nicht schreiben wollte; und gab mit bitten nicht nach, bis ich ihr eine fuge aufsezte, und so ward sie

KV 394






24. Juni

Mozart KV 401 (375e) Fuge für Klavier zu vier oder zwei Händen

Odyssee 12, 201 - 233


Odysseus erzählt von Skylla und Charybdis.

Auf der Weiterfahrt vernehmen sie plötzlich fernes Getöse, sehen Nebel und gewaltige Wogen. Vor Schreck hören die Freunde zu rudern auf, er macht ihnen Mut, schlimmer als bei Polyphem könne es nicht werden. Sie sollten schnell rudern, der Steuermann solle weg vom Nebel auf den anderen Fels zuhalten. Von Skylla sagt er nichts, um sie nicht zu ängstigen, er selbst mißachtet den Rat Kirkes, bewaffnet sich mit zwei Lanzen und steigt aufs Vordeck. Aber nirgends ist Skylla zu sehen, so angestrengt er auch späht.

Ebenso angestrengt, wie Odysseus nach Skylla späht, mühen sich Forscher um die Fuge Fuge g-moll, ein Fragment Amadés, von Stadler ergänzt, und bringen Einiges ans Licht:
Wann ist sie entstanden (nach Handschriftenvergleich wohl 1773)?
Ist der ungemein dicht und streng gearbeitete Satz für eine zwei- oder vierhändige Wiedergabe gedacht?
Das zunächst abwärts-, dann aufwärtsstrebende zweitaktige Thema ist eng mit Bachs Thema der Fuge in b-moll des »Wohltemperierten Klaviers« I und dem ersten Kontrapunkt der »Kunst der Fuge« verwandt. Die ernste, ganz im alten Stil geschriebene Fuge, die auch chromatische Kontrapunkte einführt, zeichnet sich in Analogie zu manchen barocken Kompositionen durch einen zentrierten, um eine Mittelachse gruppierten Aufbau aus; denn in Takt 46 (die exakte numerische Mitte ist wegen der ergänzten Schlußtakte nicht zu bestimmen) lässt Mozart das Thema in der Tenorstimme erstmals in der Umkehrung erklingen und verwendet von nun an in den weiteren Durchführungen beiderlei Gestalt, um am Ende wieder zur Originalform zurückzukehren.

KV 401



KV 401 (Orgel)




25. Juni

Mozart KV 400 (372a) Erster Satz einer Sonate für Klavier

Odyssee 12, 234 - 259


Odysseus erzählt, wie sie die Enge zwischen Skylla und Charybdis durchqueren.

Charybdis sorgt für gewaltige Ströme und Wirbel, indem sie das Wasseer einsaugt und wieder auspeit, die Brandung schäumt an beiden Felsufern empor. Blankes Entsetzen erfasst sie. Als sie in Todesangst zu Charybdis hinschauen, angelte sich Skylla sechs der stärksten Gefährten durch die Luft und frisst sie auf.


Sophie und Constanze Weber

?Befand Mozart bei Sophie und Constanze sich auch zwischen Skylla und Charybdis?

Den Fragment gebliebenen Satz KV 400 von 1782 ergänzt Stadler, von Amadé stammt Exposition und Durchführung. In der Mitte der Komposition findet sich eine g-Moll-Passage, in der Mozart mit Constanze und deren Schwester Sophie musikalische Wechselrede hält, wie er eigenhändig vermerkt.

KV 400




26. Juni

Mozart KV 119 (382 h) Arien "Der Liebe himmlisches Gefühl"
KV 440 (383h) "In te spero, o sposo amato"

Odyssee 12, 260 - 293


Odysseus gelangt, wie er den Phäaken erzählt, dann zu Helios' lieblicher Insel Sizilien.
Schon von weitem hört man das Geblöke der Schafe und Brüllen der Rinder. Odysseus muss an des Teiresias' und der Kirke Mahnung denken, Helios' Insel zu meiden. Er befiehlt, an Teiresias' Weissagung erinnernd, weiterzufahren.
Eurylochos wendet ein, Odysseus sei schrecklich, eisenhart und ohne Mitgeühl für die müden und hungrigen Gefährten. Sie sollen nicht an Land gehen dürfen, um sich zu stärken, auch noch eine gefährliche Nachtfahrt bewältigen, wo Sturm drohe? Man wolle an Land gehen, ein Mahl einnehmen und dann gestärkt weiterfahren.

Wie Teiresias und Kirke den Odysseus zur Meidung von Sizilien drängen, so Vater Leopold seinen Sohn, die Finger von Constanze zu lassen.

Bei KV 119 ist alles ungewiss. Amadé vertont zu unbekannter Zeit den Text eines unbekannten Dichters. Nur der Klavierauszug hat sich erhalten, daher ist die Besetzung der Begleitung nicht genau feststellbar. Die Arie hat Anklänge an die Entführung aus dem Serail, könnte aber auch als Einlegearie zu anderen Singspielen gedacht gewesen sein. Jedenfalls ist Mozart zu der am wahrscheinlichsten Zeit der Komposition, 1782, sehr in Constanze Weber verliebt.
Auch KV 440 schreibt Mozart um diese Zeit, den Text entnimmt er - wie so oft - aus Metastasios Demofoonte (Akt I, Szene 2). In te spero, o sposo amato setzt er nur für Gesangsstimme und Bass. Das Lied, wie sein Text dartut, entsteht in der Zeit der größten Bedrängnis der Brautleute, gewidmet ist es Per la mia cara sposa.

KV 119



KV 440



Der Liebe himmlisches Gefühl
Ist nicht an unsre Macht gebunden.
Ein einz'ger Blick entscheidet viel,
Noch hat mein Herz ihn nicht gefunden;
Ich wart', ich wart' mit Zuversicht.

Wenn die Natur mich lieben heißt,
Wird dieses Herz schon selbst empfinden.
Umsonst beschäftigt sich mein Geist,
Nur sie kann Herzen wohl verbinden,
Nur sie, die Klugheit kann es nicht.

KV 440 (P. Metastasio, «Demofoonte»)
DIRCEA
In te spero, o sposo amato,
Fido a te la sortc mia.
E per te, qualunqu sia,
Sempre cara a me sarà.

Pur che a me nel morir mio
Il piacer non sia negato
Di vantar ehe tua son io,
Il morir mi piacerà.

Auf dich hoffe ich, geliebter Gatte, dir vertraue ich mein Schicksal an. Und nur deinetwegen wird es mir, was es auch sein mag, teuer sein.
Wenn mir bei meinem Tode die Freude nicht versagt wird, mich die Deine zu preisen, so sterbe ich zufrieden.


27. Juni

Mozart KV 383 Arie für Sopran "Nehmt meinen Dank, ihr holden Gönner!"

Odyssee 12, 294 - 324


Odysseus erzählt weiter von seiner Irrfahrt:
Er steht vor Sizilien und die Gefährten wollen unbedingt anlegen. Odysseus läss sie schwören, dass keiner ein Rind oder ein Schaf an Land erschlage. Sie landen in einer Bucht, wo es Wasser gibt und richten ihr Nachtmahl. Dann gedenken sie trauernd der von Skylla gefressenen Kameraden und schlafen ein. Zur Zeit der dritten Nachtwache kommt ein füchterlicher Sturm, im Morgengrauen verholen sie das Schiff in eine Grotte und Odysseus bittet sie wieder, alle Rinder und Schafe zu schonen, es seien des Gottes Helios' Herden, man habe noch genug Proviant, und sie gehorchen.

Ebenso wie die Gefährten des Odysseus sich - vorerst - in ihr Schicksal fügen, so hält es auch Mozart.
Er deckt den Musikbedarf der vornehmen Gesellschaften in Wien und schwimmt zeitweise in einer Strömung mit, die ihn finanziell über Wasser hält, seinen künstlerischen Anspruch jedoch absinken lässt. Seine Lieder gehen über heitere, melancholische Literaturpflege nicht hinaus, wie es die Salons jener Zeit erwarten. Ihre Empfindsamkeit beruht auf dem Ideal der Selbstbescheidung, die keine Konflikte kennt. Von Nehmt meinen Dank, ihr holden Gönner! ist der Textdichter unbekannt, Amadé schreibt die Arie für Aloysia Lange, geb. Weber, seine künftige Schwägerin, in die er sich in Mannheim verliebt hatte.
Zu welcher Veranstaltung das Lied erklang, ist unbekannt.

KV 383



Nehmt meinen Dank, ihr holden Gönner!
So feurig, als mein Herz ihn spricht,
Euch laut zu sagen, können Männer,
Ich, nur ein Weib, vermag es nicht.
Doch glaubt, ich werd' in meinem Leben
Niemals vergessen eure Huld:
Blieb' ich, so wäre mein Bestreben,
Sie zu verdienen, doch Geduld!

Von Anbeginn war stetes Wandern
Der Musen und der Künstler Los:
Mir geht es so, wie allen andern,
Fort aus des Vaterlandes Schoß
Seh' ich mich von dem Schicksal leiten.
Doch glaubt es mir, in jedem Reich,
Wohin ich geh' zu allen Zeiten
Bleibt immerdar mein Herz bei euch.


28. Juni

Mozart KV 384 Die Entführung aus dem Serail

Odyssee 12, 294 - 324


Der Bericht von Odysseus über den Landgang in Sizilien geht weiter:

Einen ganzen Monat tobt Sturm aus Süd und Ost, an Weiterfahrt nicht zu denken. Der Vorrat geht zur Neige, sie fangen Fische und jagen Vögel. Odysseus wandert landeinwärts, an einer windstillen Stelle betet er zu den Göttern, sie mögen ihm doch den Heimweg weisen, dann schläft er ein.

Eurylochos aber hetzt die Gefährten auf:
Hört mein Wort jetzt an, ihr meine Genossen im Unglück!
Wohl ist jeglicher Tod den armen Sterblichen furchtbar,
Doch ist Hungers sterben das jämmerlichste Verhängnis.
Auf denn, und treibt die besten von Helios' Rindern zum Opfer
Für die Unsterblichen her, die den weiten Himmel bewohnen.

Kommen wir einst zurück in Ithakas heimische Fluren,
Lasst uns Helios ohne Verzug einen stattlichen Tempel
Baun und darein ihm geben viel und herrliche Gaben,
Doch beschließt er im Zorn um die hochgehörneten Rinder,
Uns zu verderben im Schiff, und ihm willfahren die Götter,
Lieber mit einmal schluck' ich die Flut und lasse das Leben,
Als langsam zu verschmachten dahier auf einsamer Insel"

Hatte Mozart auch zwischen Verhungern und Ertrinken zu wählen?

Im Hause Thun - die Gräfin ist eine Gönnerin Amadés - treffen sich Hofbeamte, Amateure, Kunstliebhaber. Unter ihnen der Musiksammler van Swieten sowie Graf Orsini-Rosenberg - Mozart hat ihn in Florenz als Staatsminister von Maria Theresia kennen gelernt. Jetzt ist er Intendant des Hoftheaters und hat über Wohl und Wehe des Wiener Opernbetriebes zu entscheiden. Nach seiner Intervention beim Kaiser erhält Amadé endlich den Auftrag für ein Singspiel. Am 12. Juli 1782 wird nach einiger Verzögerung am k. u. k. National-Hoftheater Die Entführung aus dem Serail aufgeführt.

Ist die Entführung mit Mozarts biografischer Situation (Heiratspläne mit Constanze Weber und dem daraus resultierenden Zerwürfnis mit seinem Vater) verknüpft?
Wo sich der Librettist Stephanie noch auf die allegorische Überbedeutung der Bühnenhandlung von Gut und Böse beschränkt, interessieren Amadé die handelnden Figuren als Menschen. Er, auf seinen Reisen in stets neuen Situationen, hat Verständnis für die Not der vier Europäer, die es an einen fremden Ort im Nahen Orient verschlagen hat. Hier, wo andere Sitten herrschen, stellen sie ihre eigenen in Frage, Mozart lässt sie ihre Empfindungen stets neu überprüfen. Dank der Einsicht des Bassa kommen sie mit heiler Haut, aber verwundeten Herzen davon.

Mozart haucht den anämischen Theaterfiguren blutvolles Leben ein. Wenn Constanzes Kummer nicht ruhen kann, so bringt ihn Amadé mit Sechzehntelbewegungen in den Bratschen, synkopenhaften Brechungen in den Violinen und aufbegehrenden Koloraturen in Bewegung. Mozart sprengt die Grenzen der Gattung Singspiel durch eine von Schauspielern nicht mehr zu bewältigende Virtuosität in den Gesangspartien und eine komplexe Tiefenstruktur der musikalisch-dramaturgischen Anlage. Constanzes Arie Traurigkeit ward mir zum Lose in der von Mozart für seelische Notlagen reservierten Tonart g-Moll gemahnt mehr an die Opera seria als an das Singspiel, ebenfalls die Person des Osmin, die erst auf Mozarts Initiative hin von einer typischen, der Opera-Buffa-Tradition angehörenden Dienerfigur zur charakterlich vielschichtigen Hauptperson des Singspiels wird. Die Zustimmung des Wiener Publikums ist einhellig.

KV 384





Solche hergelaufne Laffen,
Die nur nach den Weibern gaffen,
Mag ich für Teufel nicht;
Denn ihr ganzes Tun und Lassen
Ist, uns auf den Dienst zu passen,
Doch mich trügt kein solch' Gesicht.
Eure Tücken, eure Ränke,
Eure Finten, eure Schwänke
Sind mir ganz bekannt.
Mich zu hintergehen,
Müsst ihr früh aufstehen,
Ich hab auch Verstand.
Drum, beim Barte des Propheten!
Ich studiere Tag und Nacht,
Ruh nicht, bis ich dich seh töten
Nimm dich, wie du willst, in acht.

Singt dem grossen Bassa Lieder,
Dem grossen Bassa Lieder,
Töne feuriger Gesang,
Und vom Ufer halle wider,
Vom Ufer halle wider
Unsrer Lieder Jubelklang.
Weht ihm entgegen,
Kühlende Winde.
Ebne dich sanfter,
Wallende Flut.
Singt ihm entgegen,
Fliegende Chöre,
Singt ihm der Liebe
Freuden ins Herz.

Welcher Kummer herrscht
in meiner Seele.
Seit dem Tag,
da ich mein Glück verloren!
0 Belmonte! Wo sind die Freuden,
Die ich sonst an deiner Seite kannte!
Banger Sehnsucht Leiden,
Wohnen nun dafür
In der beklemmten Brust.
Traurigkeit ward mir zum, Lose,
Weil ich dir entrissen bin.
Gleich der wurmzernagten Rose,
Gleich dem Gras im Wintermoose
Welkt mein banges Leben hin.
Selbst der Luft darf ich nicht sagen
Meiner Seele bittern Schmerz.
Denn unwillig ihn zu tragen,
Haucht sie alle meine Klagen
Wieder in mein armes Herz.

Martern aller Arten, aller Arten
Mögen meiner warten,
Ich verlache Qual und Pein.
Nichts, nichts
Soll mich erschüttern,
Nur dann würd' ich zittern,
Wenn ich untreu,
Untreu könnte sein.
Lass dich bewegen,
Verschone mich,
Des Himmels Segen
Belohne dich!
Doch dich rührt kein Flehen,
Standhaft, sollst du sehen,
Duld' ich jede Qual und Not.
Ordne nur, gebiete,
Drohe, strafe, wüte,
Zuletzt befreit mich doch der Tod.

Bassa Selim lebe lange,
Ehre sei sein Eigentum!
Seine holde Stirn umschwebe
Jubel, Freude, Glück und Ruhm!
Und sein hoher Scheitel prange
voll von Jubel und von Ruhm.



29. Juni

Mozart KV 403 (385c) Sonate C-Dur für Klavier und Violine

Odyssee 12, 352 - 383


Und Odysseus erzählt weiter von Trinakria:

Die Gefährten stimmmen Eurylochos zu. Sie schlachten die Rinder, opfern und braten das Fleisch an Spießen. Odysseus erwacht - auf dem Weg zur Anlegestelle riecht er schon den Opferrauch. Er beklagt sich in seinem Morgengebet zu Zeus, dass die Götter ihm zum Fluche den grausamen Schlummer geschickt hätten.
Die Botin Lampetia aber stieg zu Gott Helios hinauf und dieser flehte zu den Göttern um Rache für seine erschlagenen Rinder.


Pellegrino Tibaldi

Ob Mozart auch der Schlaf beim Komponieren von KV 403 überfiel?

Amadé plant, die Violinsonate Constanze, die er 1782 heiratet, zum Geschenk zu machen. Leider führt Mozart nur das Andante und Allegretto pour ma très chère Epouse aus, den Finalsatz hinterlässt er als Fragment - nach Mozarts Tod wird er ergänzt ...

KV 403




30. Juni

Mozart KV 389 (Anhang 384) Duett für zwei Tenöre "Welch ängstliches Beben"

Odyssee 12, 384 - 414


Odysseus erzählt weiter, was auf Trinakria geschah.

Von Kalypso hörte Odysseus später, dass Zeus dem Sonnengott Helios versprach, Odysseus' hurtiges Schiff mit einem flammenden Blitz zu treffen und es mitten auf dem dunklen Meer zu zertrümmern.

Die Gefährten verspeisen sechs Tage lang das Fleisch der geschlachteten Rinder, Odysseus schilt sie, am siebten Tag legt sich der Wind, sie liassen das Schiff zu Wasser, heißen Segel und gewinnen das offene Meer. Als sie ohne Landsicht sind, ziehen dunkle Wolken und Westwind mit Regen auf. Wanten und Rigg brechen, der stürzende Mast erschlägt den Steuermann, der über Bord fällt.

Odysseus hatte ähnliche Stimmungen wie Belmonte vor dem Serail.
Amadé komponiert KV 389 1782 in Wien als Duett zwischen Belmonte und Pedrillo für die Oper Die Entführung aus dem Serail als Vorspann zur Befreiungsszene.
Zitat aus dem Köchelverzeichnis: "Unter dem musikalischen Nachlaß Mozart's befanden sich auch verschiedene Brouillons aus seiner Oper »Die Entführung aus dem Serail«. Bei wiederholt vorgenommener Revision sämmtlicher Manuscripte schien das vorliegende Duett zwischen Belmont und Pedrillo mir historisch zu interessant, um nicht endlich der Vergessenheit entrissen zu werden. Es war ursprünglich bestimmt, kurz vor der Befreiungsscene in besagter Oper benutzt zu werden. Der Componist legte es jedoch später auf die Seite, und schaltete dagegen einen kurzen Dialog und die bekannte Romanze Hmoll ein...
- Höchst wahrscheinlich rührt der Text, oder doch ein Theil desselben, von Mozart selbst her, namentlich die komischen Reime im Gesänge Pedrillo's, worin der Componist bekanntlich eine große Fertigkeit besaß..."

KV 389



BELMONTE
Welch ängstliches Beben,
Welch sehnliches Streben,
Welch feurig Verlangen
Zittert durch mein ganzes Blut!
Wie vom Sturm daher geschleudert,
Furcht' und hoff ich Tod und Leben.
O! wer kann mir Ruhe geben,
Ach! wer lindert meinen Schmerz?

PEDRILLO
Alles ruhig, alles stille,
Jeder liegt auf seinem Ohre,
Und die Wach' ist schon hinein.

BELMONTE
Ha! so komm, sie zu erretten,
Denn geängstet wie in Ketten
Schlägt mein krankes Herz für sie.
Komm, laß uns eilen
Sie zu erretten,
Bester Pedrillo!

PEDRILLO
Nicht so gschwinde,
Nur nicht so hitzig,
Ach, nur gemach.
Erst sing' ich mein Liedchen,
Hm, hm, hust' ich darein.
Dann hol' ich die Leiter,
Husch, husch! sind wir hinein.

BELMONTE
Zaudre nicht länger,
Laß mich sie befrein.

PEDRILLO
Ach, nur gemach!
Lieber Herr, das kann nicht sein.
Ha! jetzt ist es Mitternacht.
Stellen Sie sich auf die Wacht
Dort im Rosmaringesträuche,
Damit niemand uns beschleiche.

Nun, du liebe Mutter Nacht,
Nimm mich unter deinen Mantel,
Geht es schief mit unserm Handel,
Husch ich wie ein Blitz davon.
Sollte man uns attrapieren,
Ging es an ein Strangulieren,
Hülf gar kein Kapitulieren.

Weh, o weh, des Bassa Wache!
O wie schrecklich seine Rache!
Weh, o weh, wir wär'n dahin,
Gut, daß ich so tapfer bin!