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Odyssee
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1. Juli

Mozart KV 388 (384a) Serenade "Nacht Musique"

Odyssee 12, 415 bis Ende


Odysseus erzählt weiter, wie Zeus sie für die Tötung der Rinder des Sonnen-gottes Helios auf Trinakria bestrafte.

Das Schiff zerbrach, der Sturm spülte seine Genossen über Bord, sie ertranken, Odysseus alleine gelang es, mit dem ochsenledernen Rahfall Kiel und Mast zu einem Rettungsfloß zusammenzubinden. Der Westwind drehte auf Süd, trieb ihn zurück zu Skylla und Charybdis. Er kann sich im Geäst eines Feigenbaums festklammern, wie eine Fledermaus hängt er dort und wartet, dass die Flut kentert. Als das Floß zurückgetrieben kommt, lässt er sich fallen und paddelt mit den Händen fort. Neun Tage treibt er auf dem Meer - den Rest, wie er auf Korfu bei den Phäaken strandet, hat er schon erzählt.

Zum - vorläufigen - Ende der Irrfahrt auf Korfu spielen wir die "Nacht Musique" Mozarts mit der angemessenen Dramaturgie „durch Nacht zum Licht“ von c-moll zu C-Dur - wohl sicher erst in der Tonartenästhetik des 18. Jahrhunderts ihr zugeschrieben. Formal reduziert Amadé seine 1782 in Wien komponierte Serenade KV 388 auf vier Sätze:
Ein Allegro im Sonatensatz mit breitem Spektrum an thematischem Material eröffnet die Serenade. Im Andante-Satz knüpft Amadé an den empfindsamen Charakter des Seitensatzes an, im Menuett und Trio arbeitet er mit streng kanonischer Führung und steigert den Kanon im Menuett zu einem Doppelkanon im Trio.

So genau wissen wir nicht, für wen und welchen Anlass Mozart die Serenade komponiert. Möglicherweise für die Hauskapelle des Fürsten Alois Joseph Liechtenstein vor ausgesuchtem Kreis von Kennern und Liebhabern. Der musikalische Gesamtcharakter will sich der Vorstellung festlicher Unterhaltungs-Freiluftmusik keinesfalls fügen. Sie steht im Gegensatz zu seinen anderen Serenaden im düsteren c-moll, Tonart der Gegensätze und aggressiven Unisonos und lyrischen Wendungen, wobei hier — zumal im ersten Satz — die finsteren Momente durchaus überwiegen (Odysseus in Seenot!).
Der zweite Satz ist im Ton freundlicher, er steht in Es-dur, doch ist der musikalische Satz derart dicht gearbeitet, dass ungeteilte Aufmerksamkeit zum Verständnis notwendig ist (Odysseus im Feigenbaum).
Ungewöhnlich sind Menuett und Trio, bewußt kontrapunktisch gestaltete Stücke, was Mozart in den Satzüberschriften »Menuetto in canone« und »Trio in canone al roverscio« unmißverständlich anmerkt. Im Schlusssatz, einem Variationensatz, löst Mozart erst in der letzten Variation die Musik vom schweren c-moll und endet in strahlendem C-dur. Mozart hat das Werk später zum Streichquintett KV 406 (516b) umgearbeitet.

KV 388




2. Juli

Mozart KV 385 Sinfonie Nr. 35 "Haffner"-Sinfonie

Odyssee 13, 1 - 30


Totenstill ist es im Saal des Königspalastes auf Korfu, als Odysseus mit seinem langen Bericht der Irrfahrten zu Ende ist, alle horchen schweigend noch wie entzückt ...

Alkinoos unterbricht die Stille, spricht seine Hoffnung aus, dass auf der Weiterfahrt zur heimatlichen Insel Odysseus keine Stürme verwehen mögen, Kleidung und Gold liege für den Helden bereit und ein jeder solle ihm noch ein dreifüßiges Geschirr mit Becken schenken.

Am nächsten Morgen eilen sie alle zum Schiff, Alkinoos selbst staut die Gaben sorgfältig unter den Ruderbänken. Dann opfern sie Zeus und nehmen ein Abschiedsmahl.

Wieder trägt Mozart festliche Musik bei zum Abschiedsmahl. Sinfonie Nr. 35 vom März 1783 ist die ursprünglich anlässlich einer Festlichkeit der befreundeten Familie Haffner sechssätzig konzipierte Serenade (daher ihr Name Haffner-Sinfonie), die Amadé für die Aufführung reduziert auf eine viersätzige Sinfonie, indem er Marsch und Menuett aussondert.
(Die "Erste Haffner-Serenade" schreibt Mozart 6 Jahre früher zum Polterabend der Schwester Sigmunds, siehe 16. April)


Sigmund Haffner d. J. Edler von Imbachhausen (1756 - 1787)

 Dem originären Anlass entsprechend komponiert Mozart den ersten Satz festlich - sein Freund Sigmund Haffner wird geadelt; die Mittelsätze hält er serenadenhaft. Die Sinfonie beschliesst der Komponist mit einem triumphalen, schwungvollen Finale.

KV 385



Hört Euch auch andere Interpreten an, Sir Neville Mariner, Christoph von Dohnány, James Levine u.v.a.!
Welche Unterschiede, Gegensätze! Das soll das gleiche Werk sein?
Ja, alle vier Interpretationen ergeben das Eine: Mozarts Genie!
Und jede weitere Interpretation wieder, immer wieder.


3. Juli

Mozart KV 408 (385a) Marsch Nr. 2

Odyssee 13, 31 - 63


Des Odysseus' Aufenthalt in Korfu geht zu Ende.

Er bittet Alkinoos, ihn ziehen zu lassen, dankt für Gastfreundschaft und Geschenke. Sie spenden den Göttern einen Schluck Wein und Odysseus verabschiedet sich von Arete. Dann schreitet er über die Schwelle.

Dazu ertönt die Abzugsmusik Mozarts.

1782 schreibt Amadé in Wien drei Märsche für Orchester KV 383e, 385a und 383F. Der Verleger Johann Anton André vermutet, Mozart habe sie wahrscheinlich als Zwischenspiel für seine damaligen musikalischen Akademien geschrieben.
KV 408 ist Auf- und Abzugsmusik zur sogenannten "Zweiten Haffner-Serenade", die Mozart anlässlich der Nobilitierung des Salzburger Freundes und Gönners Sigmund Haffner d. J. in großer Eile komponiert und nach Salzburg schickt. (Ein Jahr später arbeitet er diese Serenade zur "Haffner-Sinfonie" um - die "Erste Haffner-Serenade ist KV 250)

KV 408




4. Juli

Mozart KV 402 (385e) Andante und Fuge A-Dur für Klavier und Violine

Odyssee 13, 64 - 95


Odysseus reist von Korfu ab.

Alkinoos sendet den Herold, um Odysseus von der Burg abzuholen, Arete schickt ihm drei Dienerinnen, eine bringt Rock und Mantel, die andere eine Lade und die dritte Essen und Roséwein. Auf dem gerämigen Ackterdeck bereiten sie Odysseus ein Lager, auf dem er sich bettet.
Dann nehmen die Ruderer ihre Plätze ein, werfen die Fastmacher vom Poller los und legen ab. Odysseus fällt in einen totenähnlichen Schlaf. Schnell glleitet das Schiff durch die rauschende See, um den kampferprobten und leidgeprüften Helden in seine Heimat zu bringen.
Der Morgenstern geht auf, in der Dämmerung nähern sie sich ihrem Ziel.

Odysseus' Heimweg wird, wie die Komposition von Amadé, unterbrochen. Das Fragment der Violinsonate datiert aus dem Jahr 1782. Möglicherweise zählt es zu einer von Mozart geplanten Sammlung von Violinsonaten für seine Frau Constanze, die er im selben Jahr heiratet. Das einleitende Andante hat Mozart vollendet, eine sich daran anschließende Fuge zur Hälfte ausgeführt. Das Fragment weist Bezüge zu seiner in diesem Jahr verstärkten Beschäftigung mit älteren Kompositionen auf, allen voran denen Johann Sebastian Bachs.

KV 402




5. Juli

Mozart KV 397 (385g) Fantasie für Klavier d-moll

Odyssee 13, 96 - 125


Die Phäaken landen auf Ithaka in der Najadenbucht, ein durch zwei vorspringende Klippen vollkommen geschützter Naturhafen, durch zwei Felsdurchlässe mit dem Land verbunden.
Mit Schwung setzen die Ruderer das Boot auf den Strand, heben den schlafenden Odysseus von Bord und legen ihn im Sand nieder, seine Geschenke verstecken sie abseits unter einem Ölbaum.
Dann legen sie ab und fahren zurück.

Die Mischung aus Trauermusik, Seufzervorhalten, Brillanz und freundlich-heiterer Melodie am Ende der Klavierfantasie Amadés drückt exakt die Emotionen aus, die in Odysseus toben: der König, allein, leidgeprüft, unerkannt, nach Jahrzehnten, von keinem bemerkt, im Schlaf im Morgengrauen, auf der eigenen Insel ausgesetzt ...

Franz Schubert ist von diesem Werk begeistert, er verwendet es in seiner "Leichenfantasie" (nach Schiller).
Die nur fragmentarisch überlieferte (ergänzt von A. E. Müller) d-Moll-Fantasie schreibt Amadé 1782 in Wien. Er leitet sie im Charakter einer Trauermusik präludienartig mit auf- und absteigenden Akkordbrechungen in Moll ein (Beethovens "Mondschein-Sonate" lässt grüßen), bringt im nachfolgenden Adagio das zentrale Thema, eine leidvolle Melodie, deren Seufzervorhalte bald zu gesteigerter Bewegung führen. Äußerst brillant die drei toccatenartigen Prestokadenzen, den Coda setzt er in freundlich-heiterer Dur-Tonart.

KV 397




6. Juli

Mozart KV 399 (385i) Klaviersuite C-Dur

Odyssee 13, 125 - 158


Die Phäaken, nachdem sie den schlafenden Odysseus am Strand auf Ithaka gebettet haben, auf der Rückfahrt nach Korfu.
Poseidon sinnt noch immer auf Rache. Er beschwert sich bei Zeus, dass Odysseus so reich beschenkt heimkehrt. Zeus erlaubt Poseidon, sich nach Belieben zu rächen.
Poseidon will aber auch die Phäaken bestrafen, damit sie es künftig lassen, Fremde zu geleiten. Zeus schlägt vor, das Ruderboot kurz vor der Heimkehr in eine Felsklippe zu verwandeln.


Mozarts "Reiseklavier"

All diese Konflikte spiegelt Mozarts Klaviersuite in C-Dur wieder - er ist in einer ähnlichen Situation in Wien.
Die Suite aus dem Jahre 1782 bleibt unvollendet und erinnert an G. F. Händel. Amadé eröffnet mit einer französischen Ouvertüre in strahlender C-Dur mit plötzlichen dynamischen Kontrasten. Daran schließt er eine dreistimmige Fuge (Allegro), eine Allemande in der traditionellen komplementär-rhythmischen Sechzehntelbewegung an, die sich durch harmonische Fülle auszeichnet, und eine Courante im doppelten Kontrapunkt. Von der Sarabande in Moll sind lediglich fünf Takte notiert.

KV 399




7. Juli

Mozart KV 414 (386a) Konzert für Klavier A-Dur

Odyssee 13, 159 - 192


Poseidon erwartet das heimkehrende Schiff der Phäaken vor Korfu. Der Meeresgott schlägt es mit der flachen Hand, verwandelt es zu Stein.

Die Phäaken an Land sind ratlos. Soeben sahen sie noch die heimkehrende Ruderbarke und plötzlich ist sie verschwunden: an ihrer Stelle eine bootartige Klippe.


Pondikonisi (Mäuseinsel), das vor Korfu in Stein verwandelte Schiff der Phäaken



König Alkinoos erinnert sich der vom Vater gehörten Weissagung, dass Poseidon den Phäaken zürne, weil sie jeden sicher in seine Heimat geleiten. Deshalb werde einst der Meeresgott eines ihrer stattlichen Schiffe im dunkelwogenden Meer verderben und rings um die Stadt ein hohes Gebirge ziehen. Alkinoos überzeugt die Phäaken, vom Begleitdienst zu lassen und dem Meeresgott 12 Stiere zu opfern.

Odysseus erwacht am Strand von Ithaka, weiss nicht, wo er ist. Göttin Athene hat ihn unkenntlich gemacht, damit keiner weiss, wer er sei ...



Bei Mozarts Klavierkonzerten KV 413, 414 und 415 handelt es sich um die ersten ihrer Gattung, die er speziell für das Wiener Publikum komponiert. Weder zu leicht, noch zu schwierig, sondern "angenehm in die Ohren" (so in seinem Brief vom 28.12.1782) müssen die im Winter 1782/83 entstandenen Werke sein, die sowohl mit großem Orchester als auch in kleiner Quintett-Besetzung spielbar sind.

Den Kopfsatz von KV 414 komponiert Amadé spielerisch-virtuos, daran schliesst er ein schlichtes Andante an, (zu Beginn zitiert er eine Ouvertüre des kurz zuvor verstorbenen J. C. Bach). Erst nach diesem solistischen Einstieg nimmt Mozart das Gespräch zwischen Klavier und Orchester auf. Den Finalsatz wertet er - typisch für Mozarts Wiener Zeit - auf.

KV 414




8. Juli

Mozart KV Anh. 25 (386a) Sineds Bardengesang auf Gibraltar

Odyssee 13, 193 - 220


Ithaka.

Odysseus, der König, erkennt weder die weithin geschlängelten Pfade noch die felsigen hochaufragenden Berge oder uralten Bäume auf seiner Heimatinsel...

Er springt auf, fragt jammernd, wo er gelandet sei, wo er seine reichen Geschenke verbergen könne. Er verwünscht die Phäaken, die ihn in einem fremden Land ausgesetzt haben. Er überprüft die Geschenke auf Vollzähligkeit, ob sie ihm nichts gestohlen haben. Alles da. Odysseus schleicht wehklagend den Strand entlang ...


"Black Dick" Viscount Admiral Lord Richard Howe
Victor of the Glorious 1st of June in 1794
later 1st Lord of the Admiralty

Zum Standbild Mozarts Bardengesang auf Gibraltar ...

Für Amadé ist der Text zu schwülstig. Ende 1782 komponiert, bleibt das Werk unvollendet.

Vorgeschichte:
1782 verfasst der Jesuit N. C. Michael Denis, Professor am Theresianum in Wien, Übersetzer Ossians und Nachahmer Klopstocks, ein Poem auf die Heldentat des englischen Admirals Howe (»the black Dick«), dem die Verproviantierung der seit Jahren von Spaniern und Franzosen belagerten Feste Gibraltar und damit die Aufhebung der Blockade gelang. Mozart erinnert sich bei der Komposition des Bendaschen Melodramstils.

Am 28. Dezember 1782 an den Vater: "... zugleich arbeite ich an einer Sache die sehr schwer ist, das ist an einen Bardengesang vom Denis über gibraltar; — das ist aber ein geheimnüs, denn eine ungarische Damme will den Denis diese Ehre erweisen."

Amadé erfasst ein Missbehagen an der Dichtung: "die ode ist erhaben, schön, alles was sie wollen — allein — zu übertrieben schwülstig für meine feine ohren . . .," er legt die Komposition beiseite.

KV 386a



O Calpe! Dir donnert's am Fuße,

Doch blickt dein tausendjähriger Gipfel
Ruhig auf Welten umher.
Siehe! Dort wölket sich hinauf,
Über die westlichen Wogen her,
Wölket sich breiter und ahnender auf.
Es flattert, o Calpe! Segelgewölk!
Flügel der Hilfe!
Wie prächtig wallet die Fahne Britanniens,
Deiner getreuen Verheißerin!
Calpe! Sie wallt! Aber die Nacht sinkt!
Sie deckt mit ihren schwärzesten,
Unholdsten Rabenfittichen Gebirge,
Flächen, Meer und Bucht und Klippen,
Wo der bleiche Tod des Schiffers,
Kiele spaltend, sitzt.
Hinan!

Aus tausend Rachen heulen Stürme.
Die Fluten steigen an die Wolken,
Zerplatzen stürzend über Felsen.
Schon treiben von geborst'nen Schiffen
Der Feinde Trümmer auf den Wogen.
Hinan! Hinan!


Schlacht vom 1. Juni 1794
Die Flaggschiffe im Gefecht, links Queen Charlotte, rechts Montagne.


9. Juli

Mozart KV 412 (386 b) Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 D-Dur

Odyssee 13, 221 - 252


Odysseus zurück in Ithaka, das er aber nicht erkennt.

Athene begegnet ihm in Gestalt eines Jünglings, Odysseus fragt ihn, was für ein Land das sei.
Der Jüngling/Athene antwortet, es sei ein sehr fruchtbares Land, wo Korn und Wein wachse, das Ziegen und Rinder nähre, Rosse gediehen hier aber nicht. Der Ruhm Ithakas sei bis Troja gelangt.

Zur Schilderung Athenes von der schönen Insel Ithaka steuert Amadé sein Hornkonzert D-Dur mit volkstümlich-eingängigen Themen bei. Mit dem Konzert hat Mozart sich einen festen Platz im Repertoire der Hornisten gesichert, auch wenn es kein Original ist. Nur der Eröffnungssatz stammt von Mozart, der Finalsatz von seinem Schüler Franz Xaver Süssmayr, der jedoch einen Entwurf seines Lehrers zugrunde legt. Ein langsamer Mittelsatz fehlt.

KV 412





Ithaka

KONSTANTINOS KAVAFIS ( 1863 - 1933)
Wenn du zur Fahrt aufbrichst nach Ithaka,
so bete, dass ein weiter Weg es werde
voller Umschwünge, voller Einsichten.
die Lästrygonen oder die Kyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht.
Dergleichen triffst du nie auf deinem Weg,
solang dein Denken hoch bleibt und erlesne
Erregung dir an Geist und Körper rührt.
Den Lästrygonen oder den Kyklopen,
dem wütigen Poseidon wirst du nicht begegnen,
wenn du sie nicht in deiner Seele schleppst,
wenn deine Seele sie nicht vor dich stellt.

So bete, dass ein weiter Weg es werde.
Mögen der Sommermorgen viele sein,
wo du - oh wie mit Dank, oh wie mit Freude! -
einfährst in Häfen; die du siehst zum ersten Mal.
Mögest du halten an den Handelsplätzen
Phönikiens und schöne Ware kaufen:
Perlmutter und Korallen, Ebenholz und Amber
und jede Art erregende Duftflüssigkeit.
Mögest du gehn in viele Städte nach Ägyptenland,
damit du lernst - und lernst von Eingeweihten.

Behalte stetig Ithaka in deinem Geist.
Die Ankunft dort ist deine Vorbestimmung.
Doch haste mit der Reise nimmermehr.
Besser, sie daure vieler Jahre Lauf,
und auf der Insel ankerst du als Greis,
an allem reich, was auf dem Wege du erwarbst,
niemals erwartend, dass dir Reichtum schenke Ithaka.

Ithaka schenkte dir die schöne Reise.
Zu ihm allein bist du hinausgefahren.
Verlange andre Gaben nicht von ihm.

Findest du´s arm, Ithaka trog dich nicht,
so weise, wie du wurdest, so erfahren,
erkanntest du nun wohl, was Inseln wie Ithaka bedeuten.



PS
Skipper und admiral der Odyssee 2006 hielt sich nicht an die Vorgaben Kafakis' -
erlitt in Ithaka eine Quadrizeps-Sehnenruptur und musste ausgefolgen werden ...





10. Juli

Mozart KV 407 (386 c) Quintett Es-Dur

Odyssee 13, 253 - 286


Odysseus ist hocherfreut, als ihm der Jüngling/Athene erklärt, er sei auf Ithaka. Er lässt sich aber nichts anmerken. Er habe auf Kreta auch schon von diesem Land gehört. Dort habe er den hurtigen Orsilochos erschlagen, weil dieser ihm die troische Beute rauben wollte. Dann hätten ihn die Phöniker auf sein Flehen hin nach Pylos oder Elis bringen sollen, Stürme hätten sie hierher verschlagen, wo sie ihn abgelegt hätten, dann seien sie weiter nach Sidonia geschifft.

Mit dem Hornquintett begleitet Mozart die Lügengeschichte von Odysseus. Er schreibt es für seinen Freund Ignatz Leitgeb (auch Leutgeb). Die sehr selten anzutreffende Besetzung, zwei Bratschen und Violoncello, zeichnen das Werk ebenso aus wie die konzertante Verarbeitung des Horns, obwohl dieses ohne die modernen Ventile spieltechnisch noch sehr eingeschränkt war. Mit der dreisätzigen Anlage des Werkes folgt Amadé der konventionellen Tempo- und Tonartenfolge. Im Allegro spielen sich Horn und Violine ein Mollthema zu, es folgt ein serenadenhaftes Andante mit sanfter Kantilene, mit der Mozart mit typischem Hornruf das Rondo einleitet.

KV 407




11. Juli

Mozart KV 387 Streichquartett Nr. 14 G-Dur

Odyssee 13, 287 - 315


In Ithaka tischt Odysseus der Göttin wieder eine - seiner vielen - Lügengeschichten auf; sie lächelt und verwandelt sich aus einem Jüngling in eine Frau. Gibt sich zu erkennen und rügt ihn, dass Odysseus es seit seiner Jugend nicht lassen könne, lügnerische Reden zu führen.
Sie sagt ihm voraus, was er noch alles auf Ithaka erleben werde. Er solle unerkannt bleiben und schweigend jegliche Schmach und Gewalt seiner Feinde ertragen.
Sie sei, antwortet Odysseus der Göttin, schwer zu erkennen; er wisse wohl, dass sie ihm schon damals hold war, als die Griechen vor Troja Krieg führten.


Joseph Haydn (1732 - 1809) - Kaiserquartett

Führt Mozart in den Haydn-Quartetten mit dem anderen Komponisten, seinem geschätzten Lehrer und Freund eine ähnliche Diskussion wie Odysseus mit Göttin Athene?

Das in Wien am 31. Dezember 1782 komponierte Quartett in G-Dur, Haydn gewidmet, ist das erste des Zyklus KV 387, 421, 428, 458, 464, 465. Mozart handhabt souverän die Techniken Haydns, aber auch Händels und Bachs, er findet in den sechs Werken sehr unterschiedlichen Charakters zu neuem, eigenen Stil und großer Anerkennung in Wien.
Mit dem Quartett KV 387 eröffnet Amadé den Zyklus und stellt die wesentlichen Elemente seines neuen Stils vor: Mit der extrovertierten rhetorischen Themenentwicklung im Kopfsatz erfüllt er Haydns Ideale, der bemerkenswerte Finalsatz mit seiner Verschmelzung von Fugen- und Sonatenform weist auf die Jupiter-Sinfonie voraus.

KV 387




12. Juli

Mozart KV 413 (387a) Konzert Nr. 11 F-Dur für Klavier und Orchester

Odyssee 13, 316 - 348


Athenes und Odysseus' Dialog, als er in Ithaka erwacht.

Odysseus: Er habe die Göttin seit Troja nicht mehr gesehen bis zu dem Zeitpunkt, als sie ihn auf der Phäaken- Insel in die Stadt geführt habe. Er fragt sie beschwörend, ob er nach all den Irrfahrten wirklich in Ithaka gelandet sei?
Athene: Er sei ein behutsamer Mann, von scharfem Verstand und besonnen. Jeder andere würde sofort nach Frau und Kindern suchen, er aber zweifle, bis er alles wirklich mit eigenen Augen gesehen. Sie habe sich nicht mit Poseidon anlegen wollen, aber immer gewusst, dass er am Ende heimkehre. Sie werde ihm jetzt Ithaka zeigen.
Athene bedeutet ihm, dass sie hier in der Dexia-Bucht seien, unterhalb der Höhle der Najaden.

Und Mozart zeigt den Wienern nicht nur in den Streichquartetten seinen neuen Stil, sondern auch in der Trias der Klavierkonzerte KV 413, 414 und 415, die ersten ihrer Gattung, die Mozart speziell für das Wiener Publikum komponiert. Weder zu leicht, noch zu schwierig, sondern "angenehm in die Ohren" (Mozart in einem Brief vom 28.12.1782) sollen die im Winter 1782/83 entstehenden Werke sein, die sowohl mit großem Orchester als auch in kleiner Quintett-Besetzung spielbar sind.
Die Besonderheiten des Klavierkonzerts KV 413 (387a):
Der 1. Satz beginnt im 3/4-Takt, üblichweise nimmt Mozart für den Kopfsatz gerade Taktarten. Im 3. Satz im ungewöhnlichen Tempo di Menuetto lässt der Komponist das Klavier nach dem Orchester-Beginn bereits während der Überleitung in einem überlappenden Einsatz hinzutreten. Das leise Ende im pianissimo findet im Klavierkonzert KV 415 eine Entsprechung.

KV 413




13. Juli

Mozart KV 415 (387b) Konzert Nr. 13 C-Dur für Klavier und Orchester

Odyssee 13, 349 - 381


Athene zeigt Odysseus seine Insel Ithaka, sie schiebt den Nebel weg vor dem waldigen Gipfel des Neriton.

Odysseus erkennt und küsst die heimatliche Erde, spricht ein Dankesgebet zu den Najaden, versteckt seine Geschenke in der heiligen Grotte, Göttin Athene setzt einen Fels vor den Eingang. Dann beraten beide über die Ermordung der Freier, die Penelope dauernd umwerben, von denen sie, voll Kummer, jedem zum Schein Hoffnung macht.

Zum Rundblick über die traumhaft schöne Insellandschaft Ithakas spielt Amadé sein C-Dur-Klavierkonzert, das letzte der Trias der Klavierkonzerte KV 413, 414 und 415. Mozart besticht mit Heiterkeit, besonders im Rondo. Zweimal aber trübt er den Frohsinn (Odysseus denkt an die Freier und Penelope), wenn er überraschend Adagio-Abschnitte einsetzt, die einen Affektwechsel von C-Dur ins trübe c-Moll mit sich bringen.

KV 415




14. Juli

Mozart KV 404a Sechs dreistimmige Fugen

Odyssee 13, 382 - 416


Odysseus, zurück auf Ithaka, bittet Göttin Athene um Hilfe bei seinem Kampf gegen die 300 Freier.
Damit niemand Odysseus erkennt, verwandelt Athene ihn in einen kleinen, unansehnlichen, alten, glatzköpfigen, trübäugigen Bettler. Dann schickt sie Odysseus zu seinem getreuen Sauhirten Eumaios bei der Quelle der Arethusa, wo er warten soll, bis sie seinen Sohn Telemach aus Sparta in Lakedaimon zurückgerufen hat.


Johann Sebastian Bach           Wilhelm Friedemann Bach

Auch wenn Mozarts Urheberschaft nicht eindeutig ist, hören wir das Werk KV 404a mit Begeisterung. Der Komponist richtet drei Fugen aus dem "Wohltemperierten Klavier", jeweils eine aus der "Orgelsonate II" und der "Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach sowie eine Fuge von Wilhelm Friedemann Bach für Streichtrio ein.

KV 404a




15. Juli

Mozart KV 416 "Mia speranza adorata" - "Ah, non sai, qual pena sia" Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester

Odyssee 13, 416 - Ende


Athene plant mit Odysseus auf Ithaka die Heimkehr auf seine Burg.

Odysseus fragt die Göttin, warum sie Telemach nicht gesagt habe, dass er, sein Vater heimkehre. Soll dieser etwa auch sich verirren auf dem Meer und Leiden erdulden?
Athene beruhigt Odysseus: Sie wache stets über Telemach, selbst wenn junge Leute ihm auflauerten. Dann berührt die Göttin Odysseus mit ihrem Stab, er verwandelt sich in einen zerlumpten Greis. Sie hängt ihm noch ein kahles Hirschfell und einen garstigen Ranzen um, dann entschwindet sie nach Sparta ...

Auch Mozart spürt, wie schwer es ist, anzukommen. Seine in Wien erworbene Freiheit verkehrt sich in Zwang. Das Buhlen um die Gunst seiner Auftraggeber, das reibungslose Funktionieren als Genius der Salons, die unaufhörliche Kunstproduktion ermüdet und beängstigt ihn. Unruhe ergreift ihn, er denkt zurück an die Reisen mit dem Vater.

Das Zimmer am Graben, das er seit September 1781 bewohnt, gibt er auf, um mit Constanze, der jüngsten Webertochter, fernab familiärer Querelen im "Roten Säbel" unterzukommen. Mit der "Entführung" startet Mozart eine neue Offensive gegen die Konventionen einer Gesellschaft, deren Beharrungsvermögen ihm nun erst recht zuwider ist.
Dem Wohnungswechsel werden in den nächsten zwei Jahren fünf weitere folgen, immer stehen die Reisekoffer bereit für einen Auslandsauftrag, der diesem ewigen Umsichselbstdrehen ein Ende bereiten würde.

Vor lauter Verpflichtungen und Kompositionsaufträgen weiß Mozart oft nicht, wo ihm Kopf und Herz stehen. Gewiß, wie sie auch alle heißen, Gräfin Thun, Baronin von Waldstätten, van Swieten, Graf Kaunitz - alle schätzen den höflichen Galan, den witzigen Unterhaltungskünstler, dessen bezaubernde Musik dem Ambiente ihrer Gesellschaft einen Anstrich größter Kunstbeflissenheit verleiht, sehen in ihm den virtuosen Klavierspieler und Lebenskünstler. Und er fügt sich in seine Rolle bis zur Selbstverleugnung.
Wie geht es dem Menschen Mozart? Der tanzt bis zur Besinnungslosigkeit im absurden Maskenball des gesellschaftlichen Lebens.

Ich kann wohl sagen, daß ich ein recht glücklicher und unglücklicher Mensch bin! — unglücklich seit der Zeit da ich Euer Gnaden so schön frisirt auf dem Ball sah! - denn - meine ganze Ruhe ist nun verloren! — nichts als Seufzen und Aechzen! — die übrige Zeit, die ich noch auf dem Ball zubrachte, konnte ich nichts mehr tanzen — sondern sprang — daß soupee war schon bestellt — ich aß nicht — sondern ich fraß — die Nacht durch anstatt ruhig und sanft zu schlummern — schlief ich wie ein Ratz, und schnarchte wie ein Bär! - und (ohne mir viel darauf einzubilden) wollte ich Fast darauf wetten daß es Euer Gnaden à proportion eben auch so gieng! — Sie lächeln? — werden roth? — o ja — ich bin glücklich?

Nein, glücklich ist er nicht.
… diesen Abend muß ich noch für meine schwägerin Lange ein Rondò fertig machen, welches sie Samstag in einer großen Academie auf der Mehlgrube singen wird.

Mia speranza adorata - Ah, non sai, qual pena schreibt er für Aloysia Lange, der Text der Komposition vom Januar 1783 stammt aus Gaetano Sertors 'Zemira'. In die Aufführungen dieser Oper im Januar und März 1783 im Wiener Burgtheater wird KV 416 als Einlagearie eingefügt.
Mozart fühlt mit.

KV 416



GANDARTE
Mia speranza adorata!
Ah, troppo e a noi l'ira del ciecl f'unesta!
L'ultima volta è questa,
Ch'io ti stringo al mio seno! Anima mia,
lo più non li vedrò.
(a Sarubes)Deh, tu l'assisti,
Tu per me la consoli.
(a Zemira)Addio, Zemira,
Ricordati di me!
(a Zama)
Senti...
(a Zemira)Che vedo!
Tu piangi, o mio tesoro! Oh, quanto accresce
Quel pianto il mio martir!
Chi prova mai
Stato peggior del mio!
Addio per sempre, amata sposa, addio!

Ah non sai qual pena sia
II doverti, oh Dio, lasciar,
Ma quel pianio, anima mia,
Fa più grave il mio penar.
(a Akbar)Deh, m i lascia ... oh fier momento!
(a Zemira)Cara sposa!... Ah, ch'io mi sento
Per l'affanno il cor mancar.
A quai barbare vicende
Mi serbaste avversi Dei!
Dite voi se i casi miei
Non son degni di pietà.

GANDARTE
Du meine angebetete Hoffnung,
ach zu sehr sehr schwebt über uns
der düstere Zorn des Himmels!
Dies ist das letzte Mal,
daß ich dich an meine Brust drücke. Mein Leben,
ich werde dich nicht Wiedersehen.
(zu Sarabes)

Ach, steh du ihr bei,

du tröste sie für mich.
(zu Zemira)

Leb wohl Zemira.
Erinnere dich an mich.
(zu Zama)

Höre...
(zu Zemira)
Was sehe ich!
Du weinst, o mein Kleinod. Ach wie vermehren
diese Tränen meine Qual!
Wer ist je in einem schlimmeren
Zustand gewesen als ich?
Leb wohl für immer, geliebte Braut, leb wohl!

Ach mein Gott, du kennst die Qual,
dich verlassen zu müssen, nicht.
Aber diese Tränen, du mein Leben,
machen meine Leiden noch schwerer.
(zu Akbar)

Ach laß mich ... O grausamer Augenblick!
(zu Zemira)
Teure Braut... Ach wie fühle ich
vor Schmerz mein Merz stocken!
Welch grausames Geschick
habt ihr für mich bestimmt, ihr feindlichen Götter?
Sagt doch, ob mein Unglück
nicht des Mitleids würdig ist.


16. Juli

Mozart KV 435 (416b) Arie "Müsst ich auch durch tausend Drachen"

Odyssee 14, 1 - 31


Odysseus bei seiner Heimkehr auf Ithaka.

Er steigt auf die waldige Höhe, wo ganz oben der Sauhirt selbständig ein Stallgehege für die Schweine gebaut hat. 12 Koben mit je 50 Muttersauen, die Eber müssen draußen bleiben. An den Schweinen tun die Freier sich gütlich, sie schlachten eines nach dem anderen. 360 waren noch übrig. Als die scharfen Wolfshunde Odysseus bemerken, stürzen sie sich kläffend auf ihn. Er lässt sich fallen und wirft seinen Stecken weg.

Auch Mozarts Situation spitzt sich zu. Ein Leben lang ist er das Objekt von höchstem Lob und grimmigstem Tadel gewesen, nie aber das Subjekt von Liebe. Die Herzensgüte der Mutter und die Selbstaufopferung des Vaters gehören in eine andere Kategorie. Manche Verehrerpost liest sich als Liebesbezeugung. Doch all dies gilt nicht ihm, sondern seinem Genius.
In Constanze findet er eine Partnerin, die sein von Kindheit an ungestilltes Bedürfnis nach Geborgenheit teilt. Als zweitjüngste Tochter der Familie Weber steht sie unter der Fuchtel einer Mutter, die mit ihren Töchtern stets lieblos umgeht und aus jeder Heirat ihren eigenen Gewinn zu ziehen weiß. Constanze flieht zu Mozart, der sich über die väterlichen Gnehmigung hinwegsetzt und am 4. August 1782 Constanze Weber heiratet.

Vorher schreibt er:

Müsst ich auch durch tausend Drachen,
Die mit aufgesperrtem Rachen
Lieschen Tag und Nacht bewachen,
Eine blut'ge Bahn mir machen.
Drohte mir mit Schwert und Speer
Auch ein ganzes Ritterheer,
Stritt ich ihnen Lieschen ab,
Oder sank ins frühe Grab.

Will man Güter, Blut und Leben,
Für mein Lieschen, ich will's geben.
Lüstet's euch nach meinem Gut,
Oder fordert ihr mein Blut,
Hier ist Gut, ist Leben,
Doch mein Lieschen lasset mir.


Leopold Mozart

Liebster, bester vatter! — ich muß sie bitten, um alles in der Welt bitten; geben sie mir ihre einwilligung daß ich Meine liebe konstanze heyrathen kann. — glauben sie nicht daß es um des heyrathen wegen allein ist - wegen diesen wollte ich noch gerne warten. - allein ich sehe daß es meiner Ehre, der Ehre meines Mädchens, und meiner gesundheit, und gemüths zustand wegen unumgehlich nothwendig ist. — Mein herz ist unruhig, mein köpf verwirrt - kann man da was gescheides denken und arbeiten?

Mozarts Lieschen aus dem Drachengedicht von einem unbekannten Autor ist Constanze, das Lieschen Odysseus', der sich statt 1000 Drachen 4 Wolfshunden gegegenübersieht, ist Penelope.

Mozart vollendet die Arie für Tenor KV 435 nicht.

KV 435




17. Juli

Mozart KV 446 (416d) Musik zu einer Pantomime

Odyssee14, 32 - 61


Odysseus, von Athene in einen alten Bettler verwandelt, liegt von des Sauhirten Hunden umstellt auf dem Boden. Dieser eilt herbei, verjagt die Hunde mit Schreien und Steinen und redet Odysseus an:

Um ein Haar hätten seine Hunde ihn zerrissen, als wenn er nicht schon genug Ärger hätte. Er warte auf seinen König, von dem keiner weiß, ob er noch lebt oder schon tot ist. Er, der Sauhirte müsse für andere die Schweine mästen.
Dann bittet er den Alten in seine Hütte, bereitet ihm aus Reisig und Schafffell ein Lager.
Odysseus bedankt sich für die Gastfreundschaft und Eumaios, der Schweinehirt erinnert daran, dass Gäste unter dem besonderen Schutz Gottvaters Zeus stehen. Zwar klein, doch gerne gegeben, heißt es in seinen Kreisen.

Nach einer Faschingspantomime war Odysseus sicher nicht zumute.

Mozart an den Vater:
Ich glaube wir werden die lezten faschings Täge eine Compagnie Masque machen, und eine kleine Pantomime aufführen; - aber ich bitte sie, verrathen sie uns nicht.
Und kurz darauf, im März 1783: wir haben am fasching Montag unsere Compagnie Masquerade auf der Redoute aufgeführt — sie bestund in einer Pantomime, welche eben die halbe stunde, da ausgesezt wird, ausfüllte. — Meine Schwägerin war die Colombine, ich der Harlequin, Mein schwager der Piero, ein alter tanzmeister (Merk) der Pantalon. ein Maler (grassi) der Dottore. — Die Erfindung der Pantomime, und die Musick dazu war beydes von mir. — der tanzmeister Merk hatte die güte uns abzurichten, und ich sag es ihnen wir spielten recht artig. — ... — Die verse, wenn sie schon Knittelverse sind, könnten besser seyn; das ist kein Product von mir. — der schauspieller Müller hat sie geschmiert.

KV 446



Die Aufschriften der ersten kurzen Stücke lauten: Pantalon und Columbine zanken sich. — Der Doctor kommt. — Pantalon macht Ceremonien — stellt ihn der Colombine zum Manne vor. — Columbine ist traurig. — Pantalon thut ihr schön — sie ist bös — er wieder gut — sie böse — er auch böse usw.


18. Juli

Mozart KV 398 (416 e) Sechs Variationen F-Dur für Klavier

Odyssee14, 61 - 88


Odysseus als Bettler bei Eumaios, dem Schweinehirten, der von seinem Herrn König Odysseus erzählt.

Odysseus habe ihn treulich geliebt und mit allem versorgt. Doch er sei umgekommen, wie das ganzes Geschlecht der Helena umkommen musste. Er sei mit Agamemnon in den Krieg gegen Troja gezogen. Der Schweinehirt schlachtet zwei Ferkel, brät sie am Spieß und reicht sie mit Wein seinem Gast.
Sie könnten nur Ferkel essen, an den Schweinen labten sich die Freier, denen das Unrechte ihres Tuns wenig bewußt sei.

"Salve Tu, Domine" würde Eumaios König Odysseus zurufen, wüsste er, wer der alte Bettler wirklich ist.

Über diese Arie aus einer Oper Paisiellos improvisiert Amadé im März 1783 Mozart in einem Konzert. Für uns alle fixiert er das wenig später. Ins Zentrum des Werkes stellt er die ausdrucksvoll zu spielende Moll-Variation Nr. 4. Von Variation zu Variation steigert Mozart die Virtuosität. Der Variationszyklus mutiert zunächst zur Fantasie, schließlich zum Klavierkonzert. Bemerkenswert sind drei Rahmenkadenzen, von denen die letzte ein wahres Feuerwerk pianistischer Virtuosität entfacht.

KV 398




19. Juli

Mozart KV 417 Konzert für Horn Nr. 2 Es-Dur

Odyssee 14, 89 - 120


Eumaios, der Schweinehirt, ezählt dem Bettler/Odysseus weiter, wie die Freier dessen Hab und Gut verprassen:

Sein Herr sei rundum der reichste Fürst. Auf dem Festland besitze er je 12 Rinder-, Schaf-, Ziegen-, Schweine- und 11 Ziegenherden, die wackere Leute hüten. Und jeder Tag müsse jeder ein Tier aus der Herde an die Freier abführen, er selbst als Schweinhirt den fettesten Eber.

Odysseus isst schweigend das Fleisch, trinkt gierig den Wein und sinnt auf Rache gegen die Freier. Er fragt Eumaios nach dem Namen dessen, der angeblich im Kampf für Agamemnon umgekommen sei, vielleicht wisse er etwas von ihm, er sei weit herumgekommen in der Welt.

Drei vollständige Hornkonzerte (KV 417, 447 und 495) schreibt Amadé. Der Finalsatz von KV 417 von 1783 erweist sich zur Begleitung der Schilderung von Eumaios mit seiner charakteristisch aufsteigenden Quarte als echte Jagdmusik.

Mozart inspirierte das Spiel des befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb zur Komposition seiner konzertanten Werke für Horn. Er folgt dem schematischen Formaufbau knapper Sonatensatz, Kantilene und Finalsatz, meist in Rondoform und prägt sie durch Jagdassoziationen.

KV 417 I Allegro Maestoso





KV 417 II Andante



KV 417 III Rondo



Die Original-Widmung an Leutgeb (auf dem Autoskript) lautet übrigens:
Wolfgang Amadé Mozart hat sich über den Leitgeb Esel, Ochs, und Narr, erbarmt zu Wien den 27. May 1783


20. Juli

Mozart KV 421 (417 b) Streichquartett Nr. 15 d-Moll

Odyssee 14, 121 - 147


Bettler/Odysseus unterhält sich mit Eumaios dem Schweinehirten.

Dieser erklärt ihm, dass oft Landstreicher daherkämen und so täten, als wüssten sie etwas vom verschollenen Fürsten, um von der trauernden Gattin bewirtet zu werden. Er solle flink so ein Märchen erfinden, um sich ein Gewändlein zu verdienen. Er sei sich sicher, dass sein Fürst längst tot sei, was ihm tiefsten Schmerz bereite, er sei der gütigste Herr gewesen, ihm trauere er mehr nach als seinen eigenen Eltern. Er nenne keine Namen, er nenne ihn Trauter, auch wenn er weit weg sei.

Auch Haydn war ein Trauter Amadés.
Und auch Mozart ist - wie der Hirte Eumaios - emotional aufgewühlt in seinem Quartett.

Wie im Haydn-Modell setzt Mozart das einzige Moll-Quartett an zweite Stelle des Zyklus. Satztechnisch eher schlicht, eröffnet er es in d-Moll, Mozarts Tonart für Schwermut, Schmerz und Leiden, Raum für expressive Emotionalität, die sich auch im ungewöhnlichen Umfang der Themen von über zwei Oktaven zeigt. Überraschende Kontraste bietet uns der Komponist im dritten Satz: Ein schroffes Menuett mit ganz wienerisch-serenadenhaftem Trio. Unvermutet beendet Mozart sein Quartett mit einem Variationen-Satz über ein Siciliano in D-Dur.

KV 421



(Nach Constanze komponierte ihr Mann das Quartett während ihrer ersten Entbindung am 17. Juli 1783)


21. Juli

Mozart KV 418 "Vorrei spiegarvi, oh Dio" "Ah conte, partite" Arie für Sopran

Odyssee 14, 148 - 180


Bettler/Odysseus - unerkannt - schwört dem Eumaios, dass Odysseus bald, und zwar beim nächsten Neumond noch in diesem Jahr erscheine. Er werde alle züchtigen, die sein Weib und seinen Sohn gering achteten.

Eumaios glaubt ihm nicht. Er fordert den Alten auf, seinen Wein auszutrinken, sie sollten von etwas anderem reden. Noch schlimmer stehe es nämlich um den Sohn seines Fürsten, der verrückt geworden sei und nach Pylos ging, um nach dem Vater zu forschen.

Ähnlich dramatisch wie bei dem Gespräch zwischen dem Bettler und dem Schweinhirten geht es in der Arie Clorindas zu.
Mozart 1783 an seinen Vater:
die opera il curioso indiscreto vom Anfoßi ist vorgestern Montags zum erstenmale gegeben worden. - es gefiel gar nichts als die 2 arien von mir. - und die 2:te, welche eine Bravour arie ist, musste wiederhollet werden.


Aloysia Lange geb. Weber

1783 schreibt Amadé drei Arien (KV 418, 419 und 420) als Einlagen zu Pasquale Anfossis Oper 'Il curioso indiscreto'. (Uraufführung 30. Juni 1783 im Burgtheater), die Sopran-Arien für Aloysia Lange nach einem unbekannten Libretto. Den Originaltext hat er bereits in KV 178 (417 e) nur mit Klavier vertont.

KV 418



CLORINDA
Vorrei spiegarvi, oh Dio!
Qual è l'affanno mio;
Ma mi condanna il fato
A piangere e tacer.
Arder non può il mio core
Per chi vorrebbe amore
E fa che cruda io sembri,
un barbaro dover.

Ah conte, partite,
Correte, fuggite
Lontano da me.
La vostra diletta
Emilia v'aspetta,
Languir non la fate,
E degna d'amor.
Ah stelle spietate!
Nemiche mi siete. (Mi perdo s'ei resta, oh Dio!)
Partite, correte,
D'amor non parlate,
È vostro il suo cor.

CLORINDA Ich möchte Euch erklären, o Gott, welcher Schmerz mich bewegt. Doch das Schicksal verurteilt mich, zu weinen und zu schweigen. Mein Herz darf nicht glühen, für den, der Liebe möchte, und eine grausame Pflicht läßt mich hart scheinen. Ach Graf, geht weg, lauft, flieht, weit weg von mir. Eure geliebte Emilia erwartet Euch. Lasst sie nicht schmachten, sie ist der Liebe wert. Ach erbarmungslose Sterne! Ihr seid mir feindlich. (Ich vergehe, wenn er bleibt, o Gott!) geht, lauft, sprecht nicht von Liebe, ihr Herz ist Euer.


22. Juli

Mozart KV 178 (417e) "Ah, spiegarti, oh Dio" Arie für Sopran und Klavier A-Dur

Odyssee 14, 180 - 210


Eumaios erzählt dem von ihm bewirteten Alten (in Wahrheit Odysseus) von Telemach, der ihm Sorge bereite.

In ihm hoffte er einst an Leib und Seele den Vater wieder zu schauen. Aber ein Gott oder Mensch habe ihm den Sinn betört: er ist gen Pylos gefahren, um nach dem Vater zu forschen; unterdessen legten sich die Freier zu Schiff in einen Hinterhalt und werden mit ihm den letzten Sprößling vom uralten Stamme des Akrisios vertilgen.

Dann fordert er den Greis auf, sein eigenes Leiden zu erzählen, wer er sei und was ihn nach Ithaka brachte.
Wieder tischt Odysseus eine seiner - vielen - Storys auf:
Er könnte leicht ein ganzes Jahr lang von seinem Leid erzählen.
Er sei Sohn des Nebenweibs eines reichen Kreters. Sein Vater Kastor habe ihn aber gleichberechtigt wie seine Söhne erzogen. Nach dessen Tod hätten die Söhne um das Erbe gelost, er habe Weniges und eine Behausung bekommen.

"Ah, spiegarti, o Dio" ist vermutlich die erste Fassung von der Einlage-Arie KV 418 (siehe 21. Juli) zu Pasquale Anfossis Oper "Il curioso indiscreto".

KV 178



CLORINDA
Ah! spiegarti, oh Dio, vorrei
Quel desio, ehe il cor m'affana;
Ma la sorte mi condanna
A tacer e sospirar.

Nol consente il crudo amore,
Ch'io mi strugga ad altra face;
Del suo barbaro rigore,
Conte mio, non ti lagnar.

CLORINDA Ach, enthüllen, o Gott, möchte ich dir die Sehnsucht, die mein Herz quält; doch das Schicksal verurteilt mich zum Schweigen und Seufzen. Die grausame Liebe vergönnt es mir nicht, mich nach einem anderen Liebeslicht zu sehnen. Über eine so grausame Strenge klagt nicht, mein Graf.


23. Juli

Mozart KV 419 "No, che non sei capace" Arie für Sopran und Orchester

Odyssee 14, 211 - 242


Bettler/Odysseus erzählt dem Eumaios seine Story weiter:

Er habe ein wohlhabendes Weib gefunden und sei der geborene gute Kämpfer gewesen, Haus- und Feldarbeit habe ihm nicht gelegen. Neunmal sei er im schnellen Ruderboot gegen unbekannte Stämme gezogen und mit reicher Beute heimgekehrt. Beim Krieg gegen Troja seien Idomeneus und er als Führer der Schar von Kreta ausgewählt worden. Im zehnten Jahr des Krieges eroberte man Priamos' Feste und zog zu Schiff heimwärts, dabei verschlug ein Gott die Griechen.

Die Arie KV 419 ist die zweite Einlage (nach Arie KV 418, siehe 21. Juli) zu Pasquale Anfossis Oper 'Il curioso indiscreto' für Aloysia Lange, aufgeführt im Juni 1783 im Burgtheater in Wien. Diese Eifersuchts-Szene als Bravour-Arie fügt man im zweiten Akt in die 7. Szene ein.

KV 419



CLORINDA No, che non sei capace
Di cortesia, d'onore
E vanti a torto un core
Ch'arde d'amor per me.
Vanne: t'aborro ingrato,
E più me stessa aborro,
Che t'ho un istante amato,
Che sospirai per te.

CLORINDA Nein, daß du zu Höflichkeit und Ehrenhaftigkeit nicht fähig bist und dich zu Unrecht eines Herzens rühmst, das in Liebe zu mir brennt! Heb dich hinweg! Ich verabscheue dich, Undankbarer, und mehr noch verabscheue ich mich selbst, die dich einen Augenblick liebte und um dich seufzte.


24. Juli

Mozart KV 420 "Per pieta, non ricercate" Arie für Tenor und Orchester

Odyssee 14, 243 - 280


Bettler/Odysseus setzt seine Story fort, die er dem Eumaios auftischt.

Er sei nur 1 Monat zuhause in Kreta geblieben, dann habe er neuen Mut gefasst, 9 Schiffe ausgerüstet und sei zum Nil gefahren. Nach einwöchigem Abschiedsfest segelten sie mit Nordwind nur 5 Tage und ankerten in der Nilmündung. Seine Mannschaft aber missachtete sein Verbot, an Land zu gehen, bis alles ausgekundschaftet sei. Sie plünderten das ägyptische Land, nahmen Frauen und Kinder gefangen und erschlugen die Männer. Ein wohlgerüstetes Heer kam, tötete viele von ihnen und die anderen versklavten sie. Er selbst habe sich ergeben und dem ägyptischen König die Kniee geküsst, der ihn begnadigte und aufnahm.


Valentin Adamberger

Dort in Ägypten am Nil - oder sonst irgenwo auf einer der vielen Stationen seiner Odyssee - hat der König von Ithaka oft diesen Text intoniert.

Die Rondo-Arie "Per pieta, non ricercate" (die dritte nach KV 419, siehe 23. Juli) als Einlage zu Pasquale Anfossis Oper 'Il curioso indiscreto' von 1783 im Burgtheater schreibt Amadé für Valentin Adamberger, vorgesehen
im zweiten Akt, Szene 4. Ein Brief Mozarts belegt, dass sie auf Salieris Veranlassung nicht aufgeführt wird. Valentin Adamberger, erster Belmonte der Entführung aus dem Serail, ist einer der beliebtesten Tenöre der Zeit in Wien.

KV 420



IL CONTE
Per pietà, non ricercate
La cagion del mio tormento,
Si crudele in me lo sento,
Che neppur lo so spiegar.

Vo pensando... Ma poi come?
Per uscir... ma ehe mi giova
Di far questa o quella prova,
Se non trovo in che sperar!

Ah, tra l'ire e tra gli sdegni
Della mia funesta sorte,
Chiamo solo, oh Dio, la morte
Che mi venga a consolar.

IL CONTE DER GRAF Um Himmels willen forscht nicht nach der Ursache meiner Qual. Ich fühle sie so grausam in mir wüten, daß auch ich sie nicht erklären kann. Ich gehe mit Gedanken um ... Doch wie denn? Um einen Ausweg zu finden ... Doch was hilft's mir, diesen oder jenen Versuch zu machen, wenn ich nichts finde, worauf ich hoffen könnte. Ach, zwischen Zorn und Unmut über mein finsteres Schicksal rufe ich, mein Gott, nur den Tod heirbei, der kommen möge, mich zu trösten.


25. Juli

Mozart KV 429(468a) Kantate "Dir, Seele des Weltalls"

Odyssee 14, 281 - 313


Bettler/Odysseus erzählt - unerkannt - dem Eumaios sein angebliches ägyptische Abenteuer, wo er 7 Jahre blieb und Güter sammelte. Dann kam ein phönikischer Betrüger, der ihn nach Libyen lockte, wo er ihn verkaufen wollte. Zeus schickte ein Gewitter, das Schiff sank und die Besatzung ertrank. Er selbst rettete sich an den Mast klammernd.

Sind die Freimauer ein Strohhalm, an die sich Mozart klammert?

Mozart sucht im Kreis seiner Gönnerin Gräfin Thun die Bekanntschaft mit dem Hofrat Joseph von Sonnenfels, der in seinen »Briefen über die Wienerische Schaubühne« für ein bürgerliches Theater eintritt, dessen Stoffe die Identifikation des Zuschauers mit dem Schicksal der Bühnenfiguren fern jeder heroisch-erhabenen Gebärde gewährleisten soll.
Mozart erinnert sich an die Pariser Gespräche im Haus der Madame d'Epinay, debattiert mit Sonnenfels über ästhetische und weltanschauliche Fragen und die abzuleitenden Forderungen an die Kunst. Forderungen, die der Freimaurer Sonnenfels aus seinem Glauben an die Weltordnuiig des Guten zieht, aus der brüderlich-menschlichen Gesinnung, die weder nach Konfession noch Stand fragt. Dieses idealistische Weltbild entspricht Mozarts Verständnis von Humanität mehr als jene christliche Heilslehre, deren Dogmen er so unheilvoll als Disziplinierungsmittel seiner irdischen Vorgesetzten erlebt hat. Mozart sucht Befreiung, nicht Erlösung; Güte, nicht Gnade.

Dem Freimaurertum begegnet Amadé zu dieser Zeit in Wien auf Schritt und Tritt, seine Repräsentanten nehmen Schlüsselpositionen in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft ein. Als Mozart am 14. Dezember 1784 in die Loge »Zur Wohltätigkeit« aufgenommen wird, knüpft er daran die Hoffnung, mit der neuen Lobby auch an entsprechende Aufträge heranzukommen.

Die Kantate Dir, Seele des Weltalls für Tenor, dreistimmigen Männerchor und Orchester ist Fragment. Von Mozart selbst stammt nur eine zweiteilige Partiturskizze, der dritte Teil bricht nach 17 Takten ab. Die Kantate stellt eine Hymne an die Sonne dar, wohl für eine öffentliche Feier der Freimaurer geschrieben.

KV 429



Dir, Seele des Weltalls, o Sonne,
sei heut' das erste
der festlichen Lieder geweiht!
O Mächtige! ohne dich lebten wir nicht;
von dir nur kommt Fruchbarkeit, Wärme und Licht!
O Sonne! o Mächtige!
O Seele des Weltalls, etc.

Arie (Tenor)
Dir danken wir die Freude,
daß wir im Frühlingskleide
die Erde wieder seh'n;
daß laue Zephiretten
aus süßen Blumenketten
uns Duft entgegenweh'n.

Dir danken wir,
daß alle Schätze spendet
und jeden Reiz verschwendet
die gütige Natur,
daß alle Lust erwachet
und alles hüpft und lachet
auf segenvoller Flur.

Mozart muss ein gespenstisches Ritual über sich ergehen lassen: Er zieht seine Schuhe aus und legt alle metallischen Gegenstände ab, knöpft sein Hemd auf, damit die linke Brust frei liegt. Er wird in eine dunkle Kammer gesperrt, in der sich Särge und menschliche Überreste stapeln – Knochen und Totenköpfe. Mozart erschrickt. Gruseliger Schauer und erste Zweifel überkommen ihn.
Ein sogenannter „schrecklicher Bruder“ jagt ihm noch mehr Angst ein. Dann lässt er den eingeschüchterten Mozart wieder allein in der finsteren Gruft. Stunden vergehen.
Dann werden ihm auch noch die Augen verbunden. Er wird durch ein Stiegenhaus auf und ab geführt, bis er endgültig die Orientierung verliert. Blind wie ein Maulwurf vernimmt Mozart ein dreimaliges Klopfen, womit für ihn um Einlass in die Loge gebeten wird. Die Tür öffnet sich und er wird in den Raum geführt. Er hört Stimmen. Von hinten und von vorn. Ellenlange Texte werden verlesen. Er weiß nicht, wie ihm geschieht.
Plötzlich spürt er einen Stich bei seinem Herzen. Mozart zittert. Er ahnt nicht, dass ihm ein Dolch an die Brust gesetzt wird. Eine schreckliche Stimme flüstert in sein Ohr: „Schwöre bei deinem Tod, dass du die Geheimnisse der Freimaurerei niemals verraten wirst.“ Mozart schwört. Endlich wird ihm die Augenbinde abgenommen. Nach Stunden der Dunkelheit wird er von gleißendem Licht geblendet. Es ist der hell erleuchtete, nach Osten ausgerichtete Altar der Loge. Auf ihm liegen Bibel, Zirkel und Winkelmaß. Mozart ist „erleuchtet“. In der Freimaurerei gilt der Tod als bester Freund des Menschen. Als Logenbruder ist Mozart auferstanden - wenn auch nur symbolisch.



26. Juli

Mozart KV 432 (KV 421 a) "Così dunque tradisci" "Aspri rimorsi atroci" Rezitativ und Arie für Bass und Orchester

Odyssee 14, 314 - 345


Bettler/Odysseus erzählt Eumaios von seinem (angeblichen) Schiffbruch mit dem betrügerischen Phöniker auf der Reise nach Libyen. Am zehnten Tag sei er ans Land der Thesproten geworfen worden, der König habe ihn gepflegt und dort habe er auch von Odysseus gehört. Der sei nach Dodona gegangen, um zu erfahren, wie er nach Ithaka gelange. Das Schiff sei schon segelfertig gewesen, um Odysseus dorthin zu bringen. Ihn, den Alten, brachte man dann nach Dulichion, unterwegs aber raubten sie ihn aus und legten auf Ithaka an.

Die Antike, ob in der Odyssee oder beim Scherbengericht über Themistokles, ist allgegenwärtig ...

Für Ludwig Fischer schreibt Amadé "Così dunque tradisci" - "Aspri rimorsi atroci". Ihm schneidert er später auch die Rolle des Osmin in Die Entführung aus dem Serail auf den Leib. Der Text zu KV 432 stammt aus Pietro Metastasios 'Temistocle' (Akt III, Szene 8).

KV 432



SEBASTE
Cosi dunque tradisci,
Disleal principessa ...
Ah, folle! ed io
Son d'accusarla ardito!
Si lagna un traditor d'esser tradito!
II meritai. Fuggi, Scbaste... Ah! dove
Fuggirò da me stesso? Ah! porto in seno
Il carnefice mio. Dovunque io vada,
Il terror, lo spavento
Seguiran la mia traccia;
La colpa mia mi starà sempre in f'accia.

Aspri rimorsi atroci,
Figli del fallo mio,
Perche si tardi, oh Dio!
Mi lacerate il cor?

Perché, funeste voci
Ch'or mi sgridate appresso,
Perché v'ascolto adesso,
Ne v'ascoltai fin or?

SEBASTE So also hast du mich verraten, treulose Prinzessin ... Ah, Wahnsinn! Und ich erkühne mich, sie anzuklagen! Ein Verräter beklagt sich, daß er verraten wird! Ich habe es verdient! Flieh, Sebaste... Ach, wohin soll ich vor mir selbst fliehen? Ah! In meiner Brust trage ich meinen Mörder. Wohin ich auch gehe, der Schrecken, das Grauen folgen meinen Spuren. Meine Schuld wird mir stets im Gesicht geschrieben stehen.
Herbe, entsetzliche Gcwissensqualen, Kinder meines Unglücks, warum, o mein Gott, zerfleischt ihr so spät erst mein Herz?
Weshalb, ihr unheilvollen Stimmen, die ihr jetzt bei mir scheltet, weshalb vernehme ich euch jetzt, und habe euch bis jetzt nicht vernommen?




27. Juli

Mozart KV 428 (421 b) Streichquartett (Nr. 16) Es-Dur

Odyssee 14, 345 - 375


Bettler/Odysseus erzählt von seiner (angeblichen) Flucht vom Schiff der thesprotischen Männer, die ihn im Schiff vor Ithaka festbanden und das Abendbrot einnahmen. Götter hätten ihn losgebunden, er sei mit seinem Kleiderbündel auf dem Kopf davongeschwommen und unter Gestrüpp an Land gekrochen, wo sie ihn nicht fanden. Sie fuhren davon.

Eumaios bedauert ihn, bezichtigt ihn aber der Lüge, was er da über Odysseus erzählte.

Ist das Quartett Mozarts die Interpreation der Märchen von Odysseus durch den Schweinehirten Eumaios?

KV 428 ist aus dem Zyklus der Quartette, die Joseph Haydn gewidmet sind. Mit diesem dritten der "Haydn"-Quartette bricht Mozart mit mancher Konvention: Er konterkariert die heiter-festliche Konnotation der Tonart Es-Dur durch spröde Themenköpfe und scheinbare harmonische Unentschlossenheit. Das ironische Spiel mit der Hörerwartung, gepaart mit äußerster formaler Knappheit, rückt dieses Werk am meisten in die Nähe Haydns.

KV 428




28. Juli

Mozart KV 422 "L'oca del Cairo" Dramma giocosa per musica (Fragment)

Odyssee 14, 376 - 408


Eumaios kommentiert die Story des Bettlers/Odysseus. Ein ätolischer Mann habe ihn einmal so getäuscht, dass er von Odysseus nichts mehr hören wolle. Dieser habe ihm weisgemacht, den Odysseus bei Idoneus Schiffe reparieren gesehen zu haben, dieser werde bald hier sein.

Weil das ungläubige Herz vom Schweinehirten so hartnäckig die Rückkehr des Odysseus' leugnet, schwört er ihm, dass Odysseus kommt. Seinen Lohn, den Mantel und Leibrock, wird er erst verlangen, wenn er da ist; denn so entblößt er sei, mit einem Märchen möchte er sich nichts verdienen, er hasse Lügner bis auf den Tod. "So höre denn, was ich dir bei Zeus, bei diesem deinem gastlichen Tische und bei dem Herde des Odysseus schwöre: wann dieser Monat abgelaufen ist, wird er eintreten in sein Haus und die Frechen züchtigen, die es wagen, sein Weib und seinen Sohn zu beschweren." - "O Greis, ich werde dir so wenig den Lohn für deine Botschaft zu entrichten haben, als Odysseus nach Hause zurückkehrt. Fasele nicht, trinke ruhig deinen Wein und sprich von etwas anderem. Deinen Eid laß gut sein! Von Odysseus hoffe ich nichts mehr."

Eine andere Lügengeschichte aus dem Orient: 'L'oca del Cairo' ...

Nach dem großen Erfolg der "Entführung" regt der General-Spektakel-Direktor Graf Orsini-Rosenberg eine neue italienische Opernproduktion für das Wiener Nationaltheater an, für die der Librettist des 'Idomeneo' Giambattista Varesco das Textbuch schreiben soll. Mozart erkennt nach anfänglicher Begeisterung die Schwächen des Librettos, 'Die Gans von Kairo' (L'oca del Cairo) bleibt bis auf ein vollständig instrumentiertes Terzett mit einleitender Arie und Skizzen zu sechs anderen Musiknummern unvollendet. (Die erste konzertante Aufführung des Fragments findet übrigens erstmals 1860 in Frankfurt/Main statt)

KV 422: "Ho un pensiero"



CHICHIBIO
Ho un pensiero nel cervello
Onde fo la conclusione,
Che Biondello in battello
Quella torre vuol scalar.
AURETTA
Senti il mio ch'è ancor più bello:
Tu sei pur, o fanfarone,
L'asinello, pazzarello,
Che per l'aria vuol volar.
CHICHIBIO
Obbligato, obbligato!
Ma cerchiamo quella chiave.
AURETTA
lo ben l'approvo.
AURETTA, CHICHIBIO
Ma ove sia, chi potria
In cent'anni indovinar?
AURETTA
A temer le guardie abbiamo!
CHICHIBIO
Se d'Astolfo il corno trovo,
Son chi sono, con quel suono
Quelle guardie vuo' scacciar.
AURETTA, CHICHIBIO
Ma ad un corno non pensiamo,
Già col tempo se 'l ritrova;
Or pensiamo a quel che giova
Altri e noi a consolar.

CHICHIBIO Ich habe einen Gedanken im Kopf, aus dem ich schließe, daß Biondello jene Türme mit dem Boot überwinden will. AURETTA So hör' den meinen, der noch schöner ist: du bist doch, du Aufschneider, ein Eselchen, ein dummes, das durch die Lüfte fliegen will. CHICHIBIO Sehr verbunden,sehr verbunden! Doch suchen wir den Schlüssel! AURETTA Damit bin ich einverstanden. AURETTA, CHICHIBIO Doch wo er ist, wer könnte das in hundert Jahren erraten? AURETTA Zu fürchten haben wir die Wächter! CHICHIBIO Wenn ich das Hörn des Astolfo finde, ich bin nun mal der, der ich bin, will ich mit seinem Klang die Wachen verjagen. AURETTA, CHICHIBIO Doch an ein Horn denken wir nicht, das findet sich schon mit der Zeit; denken wir nun an etwas, was uns und andere aufheitert.

Nr. 6 Finale
CALANDRINO
Su via putti, presto, presto!
Impiantate i cavalletti,
E le travi
Colle chiavi
Rassodatele a dover!
BIONDELLO
Capomastro, siate lesto,
Solo un'asse vi s'assetti
Senza chiassi,
Purch'io passi
Senz'avervi da cader.
LAVINA
Corri, corri, Celidora!
Qui si suda, e si lavora
Per la nostra libertà.
CELIDORA
Bravi, bravi, allegramente!
Già vi manca poco o niente,
E contento ognun sarà.
TUTTI
A quel vecchio maledetto,
Mostreremo i fichi freschi;
E quel conte Lionetto
Con gran naso resterà.
Se la godremo
Poi questa sera
E rideremo
In verità.
CELIDORA, LAVINA
Ma se il Marchese ci arriva addosso?
TUTTI
A nostre spese
Si riderà!

AURETTA (freltolosa)
Miei signori, oh guai!
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO
Cosa dici? Che mai fu?
AURETTA, CHICHIBIO
Il padrone è già sortito,
Il Marchese non c'è più.
CALANDRINO
Sara forse andato in fiera
A comprare qualche cosa
Per Lavina sua sposa;
Qui venir non penserà.
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO
Ma, se pur venirci pensa
Poiche il diavol non fa festa,
Io scommetto la mia testa
Ch'ognun mal la passerà.
CHICHIBIO
Andiamo spiando
Auretta mia
Per ogni via
Della città.
AURETTA
Andiam! Se a caso
Qui 'l caccia il vento
In un momento
Saremo qua.
DON PIPPO
(da sè, di lontano)
Corpo di Satanasso!
Cosa vuol dir quel chiasso?
Che diavol si lavora?
Che gente è quelta li?
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO
(sottovoce)
Ma il ponte non va avanti,
Pur gl'uomini son tanti,
Travaglian più d'un'ora.
Che gente e questa qui?
DON PIPPO
(verso la porta della rocca)
Fuora, guardie della rocca,
Collo spiedo, e colla rocca,
Ite meco, e quei bricconi
Siate preste ad arrestar!
AURETTA, LAVINA, CELIDORA, CHICHIBIO, BIONDELLO, CALANDRINO
Viene laguardia!
CELIDORA, CHICHIBIO
Ah, siam traditi,
Siamo spediti!
CELIDORA, LAVINA, AURETTA
Ahimè! ahimè!
TUTTI
Non c'è più tempo,
Non c'è ragione,
Andar prigione
Convien affé!

DON PIPPO
lo sono offeso!
La mia Eccellenza
La prepotenza
Soffrir non de', no!
(alle ragazze)
E voi pettegole,
La pagherete,
V'accorgerete
Dopo il suppé!
LAVINA
Io cercavo il cardellino
Che di gabbia mi fuggi.
CELIDORA
Ascoltavo un canarino
Il cui canto mi rapì.
DON PIPPO
Voi tacete, siete pazze
Questa e tutta falsità!
TUTTI GLI ALTRI
Non han colpa le ragazze,
Tu sei pazzo già si sa.
DON PIPPO
Su via, guardie, li prendete,
In prigion li conducete,
Ed ognun si pentirà.
TUTTI GLI ALTRI
Se voi guardie vi movete
Il bastone proverete,
Ed ognun si pentirà.
DON PIPPO
Alto, all'armi o miei soldati!
Orsù via, venite a' fatti,
Si vedrà chi vincerà.
TUTTI GLI ALTRI
Resteranno minchionati,
A restar saremmo matti.
TUTTI
Si vedrà chi vincera.

6. Finale
CALANDRINO Auf denn, Kinder, schnell, schnell! Errichtet die Gerüste, und befestigt die Balken mit den Ankern, wie es sich gehört.
BIONDELLO Baumeister, geschwind, legt nur ein Brett darüber, ohne Lärm, damit ich hinübergelange, ohne zu fallen.
LAVINA Laufe, laufe, Celidora! Hier schwitzt und arbeitet man für unsere Freiheit.
CELIDORA Bravo, bravo, nur frisch voran! Schon fehlt nicht mehr viel oder gar nichts, bis ein jeder zufrieden ist.
ALLE Dem vermaledeiten Alten werden wir es schon zeigen, und der Graf Lionetto zieht dann mit einer langen Nase ab. Diesen Abend werden wir genießen und mal richtig lachen.
CELIDORA, LAVINA Doch wenn der Marquis uns überrascht?
ALLE Wird man auf uns're Kosten lachen.
AURETTA (eilig) Meine Herrschaften, welch Unheil!
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO Was sagst du da? Was war denn los?
AURETTA, CHICHIBIO Der Herr ist schon ausgegangen, der Marquis ist nicht mehr da.
CALANDRINO Vielleicht ist er auf den Markt gegangen, um etwas für Lavina, seine Braut, zu kaufen; er denkt gar nicht daran, hierher zu kommen.
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO Aber wenn er doch kommen sollte, weil der Teufel nicht ruht, verwette ich meinen Kopf, dass es jedem übel ergehen wird.
CHICHIBIO Gehen wir, meine Auretta, um in jeder Straße der Stadt nachzuschauen.
AURETTA Gehen wir! Wenn zufälligerweise der Wind ihn hierher wehen sollte.
DON PIPPO (zu sich, aus der Ferne) Schockschwerenot! Was bedeutet dieser Lärm? Was zum Teufel wird hier gearbeitet? Was für Leute sind das?
CELIDORA, LAVINA, BIONDELLO, CALANDRINO (atemlos) Und mit der Brücke gehts nicht voran, obwohl's der Männer viele sind, sie mühen sich schon über eine Stunde. Was für Leute sind das hier?
DON PIPPO (zur Tür der Burg gewandt) Heraus, Wächter der Burg, mit Spießen und Lanzen, kommt mit mir, und haltet jene Gauner auf!
AURETTA, LAVINA, CELIDORA, CHICHIBIO, BIONDELLO, CALANDRINO Die Wache kommt!
CELIDORA, CHICHIBIO Ach, wir sind verraten! seien wir flink!
CELIDORA, LAVINA, AURETTA O weh, o weh!
ALLE Jetzt ist keine Zeit mehr, es gibt kein Ausweichen mehr, ins Gefängnis heißt es jetzt geh'n.
DON PIPPO Ich bin beleidigt worden! Meine Hoheit darf keine Anmaßung dulden, nein. (zu den Mädchen) Und ihr, ihr schwatzhaften, werdet dafür büßen. Ihr werdet es schon merken nach dem Souper.
LAVINA Ich suchte nach dem Stieglitz, der aus dem Käfig mir entfloh.
CELIDORA Ich hörte einem Kanarienvogel zu, dessen Gesang mich hinriß.
DON PIPPO Ihr schweiget, ihr seid verrückt, das ist alles nur Falschheit.
DIE ANDEREN Die Mädchen haben keine Schuld, du bist verrückt, das weiß man ja.
DON PIPPO Auf denn, Wachen, ergreift sie, führt sie ins Gefängnis, und ein jeder wird bereuen.
DIE ANDEREN Wenn ihr euch, Wachen, bewegt, werdet ihr den Stock fühlen, und ein jeder wird's bereun.
DON PIPPO Auf, zu den Waffen, o meine Soldaten! Auf denn, geht endlich zu Taten über.
DIE ANDEREN Sie werden gefoppt sein, wir wären ja dumm, wenn wir blieben.
ALLE Wir werden ja sehen, wer siegt.


29. Juli

Mozart KV 423 und 424 Duo für Violine und Viola

Odyssee 14, 409 - 441


Bei Eumaios.

Die Gesellen des Schweinehirts kommen mit den Schweinen zurück, aus den Koben ertönt gewaltiges Grunzen. Eumaios lässt für seinen Gast ein fettes Schwein schlachten, und das zerlegte Fleisch am Spieß braten. Der Schweinehirt bringt das übliche Opfer den Göttern und reicht Odysseus/dem Bettler den unzerschnittenen Rücken.
Odysseus:
Möge dich, guter Eumaios, Zeus so lieben wie du mich, der in solcher Gestalt zu dir kam, geehrt hast.

Michael Haydn, so besagt eine Anekdote, konnte eine Auftragskomposition für Bischof Colloredo über sechs Duos nicht vollenden. Nun fertigt Amadé 1783 die beiden Duos für Violine und Viola für Haydn. Tatsächlich fügen sich die Duos sowohl stilistisch wie auch tonartlich in die Reihe der vier Haydnschen Duos ein. In den Mittelsätzen erreicht Mozart eine besondere klangliche Dichte: die zarte Legato-Begleitung der Viola im Stil des gehenden Basses im Adagio von KV 423 sowie die volltönende Violabegleitung im Siciliano-Rhythmus des Andante cantabile von KV 424.

KV 423



KV 424




30. Juli

Mozart KV 430 (424a) "Lo sposo deluso" Opera buffa (Fragment)

Odyssee 14, 442 - 471


Alle gehen zu ihrem Lager, gesättigt von Brot und Fleisch, um zu schlafen. Eine schlimme mondlose Nacht mit Westwind und Regen bricht an und Odysseus prüft den Hirten Eumaios, ob der ihm den eigenen Mantel gäbe.

Er/Bettler wird gesprächig, schiebt es auf den genossenen Wein. Gemeinsam mit Odysseus und Menelaos lagen sie vor Troja auf der Lauer.

Odysseus muss sich im Märchenerzählen nicht mehr üben, wohl aber der Opernkomponist Mozart.

Seine beiden umfangreichen Fragmente L'oca del Cairo KV 422 (siehe 28. Juli) und Lo sposo deluso liefern Anschauungsmaterial. Bereits lange zuvor — 1774/75 — hat er eine Opera buffa, La finta giardiniera (siehe 18. März), für das Münchener Hoftheater komponiert. Nach dem Erfolg der Entführung im Jahre 1782 tritt der Direktor des Kaiserlichen Hoftheaters, Graf Orsini-Rosenberg, an Mozart mit der Bitte heran, eine Opera buffa für Kaiser Joseph II. zu komponieren, der wie Haydns Gönner Fürst Esterhazy die Opera buffa der Opera seria vorzieht. Mozart ist entzückt, besonders da die neue italienische Truppe den Wienern ungemein gefällt.

Im Mai schreibt er an seinen Vater, dass er noch immer nach einem geeigneten Libretto suche, nachdem er schon mehr als hundert gelesen habe. Ein gewisser Abate da Ponte habe ihm zwar eines versprochen, aber er arbeite gegenwärtig für Salieri, und so sei es unwahrscheinlich, dass er seine Zusage einhalten werde.

Der Untertitel vom getäuschten Bräutigam "La rivalità di tre donne per un solo amante" verrät den Inhalt der Handlung zur Genüge. Für keine der beiden Opern bekommt er einen Zusachlag. All diese scheinbar fruchtlose Arbeit lässt Mozart jedoch wertvolle Erfahrungen machen, die ihm drei Jahre später bei der Komposition von Nozze di Figaro zugute kommten sollen. Dieser absolute Höhepunkt in der Operngeschichte ist nach wie vor ein unerklärtes Wunder, aber es finden sich zumindest Hinweise und Andeutungen in Musik und Handlung der Fragmente.

Mozarts und da Pontes Kenntnis von Paisiellos 'Re Teodora' und Bianchis 'Villanella rapita' könnte sie zu der Einsicht geführt haben, dass es bei der Oper im Grunde um Menschen und eine kritische Sicht der Gesellschaft und nicht um die Aneinanderreihung komischer Situationen geht. Außerdem lernt Mozart ständig mehr über das Theater, das er in Wien eifrig besucht, und somit auch über menschliche Verhaltensweisen.

Uraufgeführt wirde das Fragment, von dem zwei Akte erhalten sind, übrigens am 28. Februar 1929 in Gotha mit einem deutschen Text von Adalbert Schremmer.

KV 430



PULCHERIO
Ah, ah, che ridere!
Voi siete sposo?
BOCCONIO
Che c'è da ridere, quale stupor?
Le frecce amabili del Dio bendato
m'hanno ferito, piagato il cor.
PULCHERIO
Povera giovane! Scusate amico!
Un sposo antico ritroverà.
BOCCONIO
Séguiti, séguiti, ch'è verità!
BETTINA, DON ASDRUBALE
Cervel più stolido, no, non si dà.
PULCHERIO
Povera giovane, mi fa pietà.
BOCCONIO
Ma lei mi secca; ehe cosa vuole?
Lei sprechi altrove le sue parole;
Con più chiarezza s'ha da parlar?
PULCHERIO
Bell'orologio! bello, bellissimo!
E quest'anello è pur ricchissimo:
Sara di Francia, cosi mi par.
BOCCONIO
O Francia, o Tunisi, lo lasci stare!
(Costui qua viene per criticare
E già la bile saltar mi fa).
PULCHERIO
Signor, correte subito,
a sposa arriva già.
BOCCONIO
Finitela, sbrigatevi!
I miei brillanti qua!
DON ASDRUBALE
Amico, io parlo chiaro:
Se più civil non siete,
La sposa annoiarete,
Disordin vi sarà.
BOCCONIO
Andate tutti al diavolo.
Presto la spada qua!
BETTINA
Se ora non mi date
Io sposo a genio mio,
gran chiasso,
signor zio,
La sposa troverà.
BOCCONIO
Nipote del demonio...
Presto la spada qua!
PULCHERIO
Se voi non la finite,
Se voi non vi sbrigate,
Se incontro non le andate,
la sposa griderà!
BOCCONIO
Che seccature orribili!
Uomini incivilissimi
Servi maledettissimi,
Presto la spada qua!

PULCHERIO Ach, wie komisch! Ihr seid verlobt?
BOCCONIO Was ist daran komisch? Was erstaunt Euch daran? Cupidos Liebespfeile haben mich getroffen, haben mein Herz verwundet.
PULCHERIO Die arme junge Frau! Vergebt mir, Freund! Einen Bräutigam von beträchtlichem Alter wird sie vorfinden.
BOCCONIO Fahrt fort, es ist ja die Wahrheit.
BETTINA, DON ASDRUBALE Ein noch beschränkteres Gehirn, nein, das gibt es nicht.
PULCHERIO Die arme junge Frau! Ich habe Mitleid mit ihr!
BOCCONIO Und Ihr fallt mir lästig; was wollt Ihr eigentlich? Vergeudet sonstwo Eure Worte; muß ich noch deutlicher sprechen?
PULCHERIO Eine sehr schöne Uhr! Schön! Sehr schön! Und dieser Ring ist doch überaus kostbar: Er dürfte aus Frankreich sein, will mir scheinen.
BOCCONIO Entweder aus Frankreich oder Tunis, laßt ihn liegen! (Dieser Mensch kam hierher, um zu kritisieren, und mir läuft gleich die Galle über).
PULCHERIO Herr, beeilt Euch, schnell! Die Braut kommt gleich an
BOCCONIO Macht Schluss, beeilt euch, meine Diamanten her!
DON ASDRUBALE Freund, ich will ein offenes Wort sprechen: wenn Ihr Euch nicht etwas gesitteter verhaltet, werdet ihr der Braut lästig fallen, und Eure Ordnung wird gestört werden.
BOCCONIO Schert euch alle zum Teufel! Schnell, mein Schwert her!
BETTINA Wenn Ihr mich nicht augenblicklich dem Bräutigam meiner Wahl zuführt, Herr Oheim, welch großen Lärm findet die Braut hier vor!
BOCCONIO Teufelsweib! Schnell, mein Schwert her!
PULCHERIO Wenn Ihr damit nicht Schluß macht, wenn Ihr Euch nicht beeilt, wenn Ihr ihr nicht entgegengeht, wird die Braut Euch eine Szene machen!
BOCCHONIO Was für schreckliche Quälgeister! Menschen ohne jedes Benehmen! Vermaledeite Diener! Schnell, mein Schwert her! Aria
EUGENIA Nacqui all'aura trionfale Del Romano Campidoglio, E non trovo per le scale Chi mi venga ad incontrar? Ah, son qual furia delirante, Quest'ingiuria non sopporto E al Tarpeo vuo' sull'istante Per le poste ritornar.
EUGENIA Geboren bin ich in der triumphalen Aura des römischen Kapitols, und niemand finde ich auf der Treppe vor, der mir bei der Ankunft entgegenkommt? Ach, ach, ich bin wie eine rasende Furie! Diesen Schimpf kann ich nicht ertragen und werde augenblicklich mit der Eilpost zum Tarpejischen Felsen zurückkehren!


31. Juli

Mozart KV 434 (480 b) Terzett "Del gran regno delle amazzoni"

Odyssee 14, 472 - 502


Odysseus in Bettlergestalt erzählt erfundene Geschichten von Troja.

Es sei einmal eiskalt gewesen, da habe er seinen Mantel Gefährten überlassen. Als er in der dritten Nacht Wache ging, weckte er den schlafenden Odysseus, er sei kurz vor dem Erfrieren. Odysseus sprang auf, ruft, er habe einen Traum gehabt, sie seien zu wenige so weit weg von den Schiffen. Einer möge Agamemnon bei den Schiffen um Hilfe bitte. Tos warf seinen purpurfarbenen Mantel ab, läuft zu den Schiffen; in dessen Mantel habe er, der Erzähler, dann warm bis Sonnenaufgang geschlafen.

Ähnliche Tricks hätte Mozart nötig gebraucht, um in Wien an einen Kompositionsauftrag für eine Opera buffa zu kommen.

Das Fragment KV 434 stammt aus der Zeit, in der Mozart nach einem ihm zusagenden Opernlibretto sucht. Del gran regno delle amazoni liegt in doppeltem Entwurf vor. Amadé vertont im Terzett die erste Szene eines Librettos Giuseppe Petrosellinis (Il Regno delle Amazzoni).

KV 434



POLIPODIO
Del gran regno delle amazzoni
Ecco il sito ho ritrovato;
Questo è il fiume rinomato;
Ecco il monti del Perù!
VILLOTTO
In quest'anno il vento zef'firo
Sofl'ierà maltina e sera:
Dunque il grano a primavera
Presto verrà su.
CAVAGLIERE
Per amor di Livia cara
Son qui giunto all'improvviso:
Que' bei sguardi, quel bel viso,
Ah potessi vagheggiar.
POLIPODIO
Son le amazzoni gran donne!
VILLOTTO
Che almanacco! ehe portenti!
POLIPODIO, VILLOTTO, CAVAGLIERE
Belle teste! bel talenti!
No, di più non si può far.

POLIPODIO Den Ort des großen Amazonenreichs, hier, ich habe ihn gefunden; dies ist der berühmte Fluß; dies die Berge von Peru.
VILLOTTO In diesem Jahr weht der Zephyr am Morgen und am Abend: also wird die Saat des Frühlings bald sprießen.
CAVAGLIERE Weil ich die teure Livia liebe, bin ich unerwartet hierher gekommen: Schönere Augen, ein schöneres Antlitz kann ich mir nicht vorstellen.
POLIPODIO Große Damen sind die Amazonen!
VILLOTTO Welch ein Almanach! Welch ein Wunder!
POLIPODIO, VILLOTTO, CAVAGLIERE Schöne Köpfe! Schöne Talente! Schöneres ist nicht möglich.