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1. Dezember

Mozart KV 560 Kanon "O du eselhafter Peierl"

Odyssee 22, 330 - 360


Und weiter geht der Kampf mit den Freiern.
Der Sänger Phemios, die Harfe in den Händen, überlegt in Todesangst, ob er sich durch das Pförtchen retten oder die Knie des Odysseus umfassen soll. Er wirft sich vor Odysseus nieder.
"Erbarme dich meiner! Du selbst bereutest es, wenn du den Sänger erschlagen hättest, der Götter und Menschen mit seinem Lied erfreut. Ich bin der Lehrling eines Gottes, und wie einen Gott will ich dich im Gesange feiern! Dein Sohn kann es mir bezeugen, daß ich nicht freiwillig hierherkam, daß sie mich gezwungen haben, zu singen!"
Odysseus hebt das Schwert - und zögert.
Telemach springt herzu:
"Halt, Vater, verwunde mir diesen nicht, er ist unschuldig; auch den Herold Medon, wenn er nicht schon von den Hirten oder dir ermordet ist, lass uns verschonen; er hat mich schon als Kind im Hause so sorglich gepflegt und wollte uns immer wohl."

Für Johann Nepumuk Peierl, der in die Falle gelaufen und singt, was ihm Mozart mit der Komposition von KV 559 vorschreibt, folgt das Lob: O du eselhafter Pleierl - auf der Rückseite desselben Blatts. Auch Philip („Liperl“) Jacob Martin ist Trink- und Kegelfreund, mit beiden treibt er gern derbe Späße - daher sind 'Peierl' und 'Martin' austauschbar.

KV 560a


O du esehafter Peierl
O du Peierlischer Esel!
Du bist so faul
Als wie ein Gaul
Der weder Kopf noch Haxen hat.
Mit dir ist gar nichts anzufangen,
Ich seh dich noch am Galgen hangen.
Du dummer Gaul,
Du bist so faul
Du dummer Peierl
Du bist so faul
Als wie ein Gaul.
O lieber Freund, ich bitte dich,
O leck mich doch geschwind im Arsch!
Den Arsch petschier ich dir.

Peierl! Nepomuk! Peierl! verzeihe mir!
O du eselhafter Martin ...

petschieren = versiegeln, zusiegeln. Im übertragenen Sinn = blamieren, oder geschlechtlich verkehren ("Josefine Mutzenbacher")



2. Dezember

Mozart KV 561 Kanon "Bona nox, bist a rechta Ox"

Odyssee 22, 361 - 392


Telemach hat Eurykleia herbeigeholt.
Sie findet ihren Herrn unter den Leichen wie einen Löwen stehen, der Stiere zerrissen hat, dem der Rachen und die Brust von schwarzem Blute triefen und dessen Auge funkelt.
Frohlockend jauchzt die Schaffnerin, denn der Anblick war groß und fürchterlich.
"Freue dich, Mutter, aber jauchze nicht: kein Sterblicher soll über Erschlagene jubeln! Diese hier hat das Gericht der Götter gefället, nicht ich. Jetzt aber nenne mir die Weiber des Palasts: welche mich verachtet haben, und die, welche treu geblieben sind."

Um ein Haar hätte Eurykleia auch so einen derben Kanon angestimmt im Anblick der Leichen - wie sich doch die Gefühle der Menschen in zwei Jahrtausenden gewandelt haben ...
Weil er heute zu den beliebtesten Kanons gehört, wird der Text des vierstimmigen Kanons KV 561 Bona nox, in dem Amadé in der Art kindlicher Reimspiele den Gute Nacht-Gruß in verschiedenen Sprachen miteinander vermischt (die derben Redewendungen entnimmt Mozart einem seiner berühmt-berüchtigten "Bäsle-Briefe" wortgetreu) in den modernen Kanonsammlungen häufig durch jugendfreie Formulierungen ersetzt.

KV 561


Bona nox!
Bist a rechta Ox;
Bona Notte, liebe Lotte;
bonne Nuit, pfui, pfui;
Good Night, good Night,
heut müßma noch weit;
gut Nacht, gute Nacht,
scheiß ins Bett, dass' kracht;
gute Nacht, gute Nacht,
schlaff fei g'sund
und reck den Arsch zum Mund.


3. Dezember

Mozart KV 562 Caro, bell'idol mio Kanon für 3 Singstimmen

Odyssee 22, 393 - 433


Telemach ruft Eurykleia herbei.
Sie finden Odysseus, umringt von erschlagenen Toten, blutbesudelt und staubbedeckt. Als die alte Schaffnerin laut jubeln will, warnt Odysseus sie:
"Sünde wär's, über tote Feinde offen zu jauchzen".
Dann soll sie ihm die Weiber, die unsträflich blieben und die, die ihm Unehre bereitet hätten.

Den Text des Kanons KV 562 "Caro, bell’ idol mio" entnimmt Amadé der Kanonsammlung des langjährigen italienischen Vizekapellmeisters am Wiener Kaiserhof Antonio Caldara. Mozart behält die Dreistimmigkeit aus Caldaras Vorlage bei, entscheidet sich bei der Wahl der Tonart aber statt für das g-Moll Caldaras für A-Dur.

KV 562


Caro, bell'idol mio
non ti scordar di me,
ah no, non ti scordar di me!
Tengo, tengo sempre desio,
d'esser vicino, vicino a te,
vicino a te!

Mein teurer, schöner Abgott, vergiss mich nicht! Vergiss mich nicht! Immer werde ich den Wunsch haben, bei dir zu sein.


4. Dezember

Mozart KV 562c Vierstimmiger Kanon C-Dur für 2 Violinen, Viola und Bass

Odyssee 22, 434 - 464


Odysseus befragt Eurykleia nach den Weibern.
"Von diesen 50 Weibern haben sich 12 von euch abgewendet und weder mir noch Penelope gehorcht."
"Schicke mir die 12 treulosen Mägde herunter."
Zitternd erscheinen die Dienerinnen.
"Traget nun die Leichname hinaus und heißet die Weiber Hand anlegen. Dann lasset sie die Sessel und Tische mit Schwämmen säubern und den ganzen Saal reinigen. Wenn dies geschehen ist, führt mir die Mägde hinaus zwischen Küche und Hofmauer und machet sie alle mit dem Schwerte nieder, dass ihnen der Mutwill ausgetrieben wird, dem sie sich mit den Freiern überlassen haben!"
Wehklagen und Weinen unter den Weibern, aber Odysseus treibt sie zum Werke und herrscht sie an, bis sie die Toten hinausgetragen, Sessel und Tische gesäubert, den Estrich reingeschaufelt und den Unrat vor die Türe geschleppt haben.
Dann führen die sie zum Palast hinaus, zwischen Küche und Hofmauer.
Telemach: "Diese schändlichen Weiber, die mein und meiner Mutter Haupt verunehrt haben, sollen keines ehrlichen Todes sterben"

Der 1782 komponierte Kanon KV 562c bildet einen Sonderfall. Während untextierte Kanons meist Übungszwecken dienten oder Entwürfe sind, schreibt Amadé hier Canone à due Violini, Viola e Basso vor, so dass dieser Kanon von vorneherein auf die Klangwirkung angelegt ist.
Klagegesang der unzuverlässigen Mägde des Odysseus?

KV 562c




5. Dezember

Mozart KV 562e = Anhang 66 Trio für Violine, Viola, Violoncell

Odyssee 22, 465 - Schluss


Die 12 unehrlichen Weiber sollen gerichtet werden.
Telemach knüpft von Pfeiler zu Pfeiler das Küchengewölbe entlang, ein ausgespanntes Seil, und bald hängen die Mägde, mit der Schlinge um den Hals, alle 12 nebeneinander, wie ein Zug Drosseln im Netze und zucken nur noch eine kurze Weile mit den Füßen in der Luft.
Jetzt werden dem boshaften Ziegenhirt Melanthios Nase und Ohren abgeschnitten, die Scham ausgerissen und den Hunden vorgeworfen, Hände und Füße abgehauen. Das Werk ist vollendet.
Hierauf befiehlt Odysseus der Schaffnerin Eurykleia, Glut und Schwefel auf einer Pfanne zu bringen und Saal, Haus und Vorhof zu durchräuchern. Davor bringt sie ihrem königlichen Herrn Mantel und Leibrock.
"Du sollst mir, lieber Sohn und unser aller Herr, nicht mehr so mit Lumpen bedeckt im Saale dastehen, du, die herrliche Heldengestalt!"
Odysseus aber lässt die Kleider noch liegen und heißt die Alte an ihr Geschäft gehen. Während diese nun den Saal und das ganze Haus durchräuchert, ruft sie auch die treu gebliebenen Dienerinnen herbei. Sie drängen sich um ihren geliebten Herrn, heißen ihn mit Freudentränen willkommen, drücken ihr Angesicht auf seine Hände und können sich mit Küssen nicht ersättigen. Odysseus aber weint und schluchzt vor Freuden.

Nur 100 Takte sind erhalten von Mozarts Fragment KV 562e.
Der Streichtrio-Satz ist vermutlich in Anknüpfung an das Es-Dur-Divertimento KV 563 angelegt und Ende 1789 oder später komponiert. Ob Amadé sich in seiner Satzanlage jedoch auch am Modell des Divertimento orientiert oder aber an den Vorgaben eines Streichquartetts, ist unklar. Schon die ersten Takte nehmen sofort gefangen, umso mehr ist es zu bedauern, dass Amadé das Fragment nicht beendet hat ...

KV 562 e




6. Dezember

Mozart KV 601 Vier Menuette
Mozart KV 602 Vier Deutsche Tänze

Odyssee 23, 1 - 31


Die Irrfahrt Amadées - wie die des Odysseus - nähert sich ihrem Ende ...
Die vom Kaiser erbetene Oper Così fan tutte, Uraufführung 1790 in Wien, und La clemenza di Tito Uraufführung am 6. September 1791 in Prag, finden wenig Resonanz.
Dazwischen Tänze, allein 10 an der Zahl komponiert in Wien am 5. Februar seines Todesjahres 1791 (KV 501 bis 603 und 611): Heute je 4 Menutte und 4 Deutsche Tänze.
Selbst leidenschaftlicher Tänzer, äußerte Mozart seinem Freund Michael Kelly gegenüber einmal, seinem Geschmack liege der Tanz näher als Musik, und einmal schreibt er seinem Vater, bei einem häuslichen Ball sei von 6 bis 7 Uhr (aber 7 Uhr morgens!) getanzt worden. Zuerst tanzt ein einzelnes Paar ein Menuett, dann eine Gruppe die Kontretänze und schließlich kommen die Deutschen Tänze für alle. Besondere Effekte gelingen dem schalkhaften Genie mit der Pickelföte und Leier, letztere ein mittelalterliches Instrument, das sich besonderer Beliebtheit bei den Schäferspielen an Marie Antoinettes Hof erfreute. Die Dreh-, Bauern- oder Radleier (auf Englisch lautmalerisch "hurdy-gurdy") ist ein bootförmiger Kasten mit 2 Saiten, die ein kolophoniertes Scheibenrad in Schwingung versetzt - dazu eventuell eine Bassseite in unveränderlicher Tonhöhe wie im Deutschen Tanz.
Gut 50 Gruppen Tänze komponiert Mozart, alle wirklich zum Tanzen gedacht.

Zum Tanzen ist es auch der alten Schaffnerin Eurykleia zu Mute, sie stürmt ins Zimmer der schlafenden Penlope, um ihr die Rückkunft von Odysseus und den Tod der Freier zu melden - und wird von der ungläubigen Penelope für verrückt erklärt.

KV 601





KV 602




7. Dezember

Mozart KV 564 Trio

Odyssee 23, 32 - 68


Eurykleia hat Penelope geweckt, die alles noch immer nicht glauben kann.
Als sie die Einzelheiten von Eurykleia hört, meint sie, ein Gott habe die Freier erschlagen. Odysseus sei ferne und nicht mehr am Leben.

Am 27. Oktober 1788 komponiert Amadé das Trio G-Dur für Klavier, Violine und Violoncell. Wir merken, dass dieses sein letztes Trio ursprünglich als Klaviersonate konzipiert war: Während in den vorangehenden Trios Mozart die drei Instrumente gleichrangig ausbalanciert hat, dominiert im Trio KV 564 das Klavier: Der erste Satz beginnt mit einem Klavierthema in Sexten, den Seitensatz spielen in Exposition und Reprise die Streicher. Im Andante verarbeitet Mozart in sechs Variationen ein liedhaftes Thema, das sich zunehmend imitatorisch verdichtet. Den Abschluss des Trios bildet ein Rondo mit einem markanten Hauptthema.

KV 564




8. Dezember

Mozart KV 568 Zwölf Menuette

Odyssee 23, 69 - 103


Penelope kann alles noch immer nicht glauben.
Die Schaffnerin erzählt, wie sie dem Bettler die Füße wusch und die Narbe erkannte. Penelope, vor Furcht und Hoffnung zitternd, steigt endlich hinab. Ohne ein Wort zu reden, setzt sie sich Odysseus gegenüber: bald glaubt sie ihn zu erkennen, bald kommt er ihr fremd vor.
Telemach tadelt die Mutter:
"Böse Mutter, wie kannst du so unempfindlich bleiben? Welch anderes Weib, wenn ihr Gatte nach so viel Jammer im zwanzigsten Jahre heimkehrt, würde sich so gebärden! Hast du ein Herzen von Stein?"

Mozart, selbst ein begeisterter Tänzer, schreibt sein ganzes Leben Menuette sowie Deutsche, Ländlerische und Kontretänze für den Ballsaal. Mit seiner Ernennung zum "k. k. Kammerkompositeur" 1788 bekommt er die Aufgabe, auch Tanzmusiken für die Wiener Redoutenbälle, die vom Kaiser geförderten Maskenbälle für alle Volksschichten, zu komponieren. In den zwölf Menuetten KV 568 experimentiert Mozart weniger mit der für die Tanzbarkeit unabdingbaren Periodik als in den frühen Salzburger Menuetten, sondern konzentriert sich vielmehr auf satztechnische Finessen und eine originelle Instrumentation.

KV 568




9. Dezember

Mozart KV 570 Sonate für Klavier Nr. 17 B-dur

Odyssee 23, 104 - 140


Penelope sitzt Odysseus stumm gegenüber.
Penelope erklärt ihrem Sohn, Odysseus und sie hätten geheime Erkennungszeichen, die allein sie wüssten.
Odysseus erklärt Telemach, jetzt tue anderes not. Sie hätten die edelsten Jünglinge der Insel und der Nachbarschaft erschlagen, was tun wir?
Die Hirten, alles, was im Hause ist, sollen ein Bad nehmen und sich schmücken, der Sänger solle einen Reihentanz aufspielen, dass man meine, sie feierten weiter. Das Gerücht von der Ermordung der Freier solle nicht eher bekannt werden, bevor sie ihre Besitzungen auf dem Land erreicht hätten.


Was könnte Penelopes Stimmung besser ausdrücken als das Adagio der Klaviersonate Mozarts in B-dur?
Mozart beherrscht das Anliegen der Komponisten Ende des 18. Jahrhunderts souverän, die polyphone Kunst der alten Meister mit dem zeitgenössischen modernen "galanten" Stil zu verbinden. Hauptschwierigkeit ist dabei, die komplexe Technik des Kontrapunkts in einen eleganten, unkompliziert klingenden Satz zu kleiden.
Vorbildhaft gelingt das Amadé in seinen beiden letzten Sonaten aus dem Jahre 1789. In der Durchführung des ersten Satzes von KV 570 wartet Mozart mit kontrapunktischen Finessen wie dem Vertauschen von Haupt- und Nebenstimme (doppelter Kontrapunkt) auf.

KV 570




10. Dezember

Mozart KV 575 Quartett Nr. 21 D-Dur "1. Preußisches"

Odyssee 23, 141 - 172


Odysseus organisiert, wie es nach dem Freiermord weiter gehen soll.
Bald ertönt das ganze Haus von Harfenspiel, Gesang und Tanz. Draußen glauben alle, Penelope habe sich einem Freier vermählt. Athene macht Odysseus wieder schöner, er setzt sich zu Penelope.
"Seltsame Frau, die Götter haben dir doch ein fühlloses Herz verliehen; kein anderes Weib wird so hartnäckig ihren Gatten verleugnen, wenn er im zwanzigsten Jahre nach so viel Trübsal heimkehrt. So wende ich mich denn an dich, Eurykleia, Mütterchen, dass du mir irgendwo mein Lager bereitest; denn diese hier hat ein eisernes Herz in der Brust!"

Mozart ist auf einem ähnlichen seelischen Tiefpunkt wie Odysseus.
Im April 1789 steht der Reisewagen seines Schülers und Logenbruders Fürst Karl Lichnowsky vor seiner Tür. Er soll ihn nach Berlin begleiten, man versichert ihm, Friedrich der Große interessiere sich für ihn, was Amadé allerdings wenig kümmert.
Über Prag geht die Reise nach Dresden, wo er bei Hofe sein Klavierkonzert in D-Dur (KV 537) zum besten gibt. Dort interessiert sich nur die Kurfürstin für ihn, nach einer Woche reist Wilhelm Hässler aus Erfurt an, um "dem großen Mozart zu zeigen, dass letzterer, so stark er auf dem Piano ist, doch nicht Orgel spielen könne."
Mozarts Fazit über Hässler: er hat nur Harmonie und Modulationen vom alten Sebastian Bach auswendig gelernt, und ist nicht im Stande eine fuge ordentlich auszuführen - und hat kein solides Spiel.
In Leipzig greift Amadé zum erstenmal in die Tasten jener Orgel, von welcher aus der große Bach seine unsterbliche Musik in die Welt hinausklingen ließ.
Nachdem er vier Staunden gespielt hat, setzt er sich nachmal ans Klavier und phantasiert vom dunklen Mollthema (KV 475) zum strahlenden Es-Dur seiner frühen Variationen (KV 354).
In Berlin muss er eine Woche auf Audienz bei Hofe warten. Von dort kommt er ohne Geld, aber mit dem Auftrag des Preußenkönigs für je 6 Klaviersonaten und 6 Quartette in der Tasche zurück.
Er beginnt sofort mit der Arbeit - die finanziellen Nöte der Mozarts steigen dennoch stets weiter.

Im Juni hat er das "1. Preußische Quartett" fertig. Dass er sich dem Instrument des Königs - dem Cello - besonders zuwenden soll, ist für Mozart besondere Herausforderung, das Cello ist im Quartett normalerweise nicht das stimmführende, sondern das Bassinstrument.
In KV 575 bedenkt Mozart es am meisten, ganz besonders kommt es im Trio des Menuetts zur Geltung. Und im Finale wechselt Mozart in der Stimmführung durch die Instrumente hindurch, was für die die harmonische Fortschreitung absolut ungewöhnlich ist.
Eine der herrlichsten Mozart-Modelodie erklingt im Andante, sie ist schon angeklungen im Lied vom Veilchen (KV 476)...

KV 575




11. Dezember

Mozart KV 588 Così fan tutte: Ouverture - Terzettino "Soave sia il vento"
        "Oh, Ciel!" - Finale

Odyssee 23, 173 - 204


Odysseus mit Penelope.
Sie befiehlt Eurykleia, ihm das Bett außerhalb des Schlafgemachs zu bereiten.
Odysseus erklärt, sein Bett vermöge kein Sterblicher zu verrücken. Er selbst habe es um einen Olivenbaum gezimmert. Wer es anders gestellt hat, der müsste den Ölbaum von seiner Wurzel getrennt haben.

Die Krankheit Constanzes macht Amadé angesichts ihrer Schwangerschaft Sorgen. Das wenige zur Verfügung stehende Geld gibt die Famlie für Medikamente aus. Der Verzweifelte schickt einen langen Brief an Puchberg, der seine Hoffnungslosigkeit dokumentiert:
Gott! Ich bin in der Lage, die ich meinem ärgsten Feinde nicht wünsche. Und wenn Sie, bester Freund und Bruder, mich verlassen, so bin ich Unglücklicher unschuldigerweise samt meiner armer kranken Frau und verloren. Schon letztens, als ich bei Ihnen war, wollte ich mein Herz ausleeren, allein ich hatte das Herz nicht! Und hätte es noch nicht. Nur zitternd wage ich es schriftlich. Würde es auch schriftlich nicht wagen, wenn ich nicht wüsste, dass sie mich kennen, meine Umstände wissen und von meiner Unschuld, meine unglückselige höchst traurige Lage betreffend, gänzlich überzeugt sind.
O Gott! anstatt Danksagungen komme ich mit neuen Bitten! Anstatt Berichtigung mit neuem Begehren! Mein Schicksal ist leider, aber nur in Wien, mir so widrig, dass ich auch nichts verdienen kann, wenn ich auch will. Ich habe 14 Tage eine Liste für Subskriptionskonzerte herum geschickt und da steht der einzige Name Swieten!
... Nun kommt es bloß auf Sie, an einziger Freund, ob Sie mir noch 500 Gulden leihen wollen oder können? Ich biete, bis meine Sache entschieden ist, Ihnen alle Monate 10 Gulden zurückzuzahlen. Dann welches längstens in einigen Monaten vorbei sein muss, Ihnen die ganze Summe mit beliebigen Interessen zurückzuzahlen.
Sie wissen nun alles, nehmen Sie nur mein Zutrauen zu Ihnen nicht übel und bedenken Sie, dass ohne Ihre Unterstützung die Ehre, die Ruhe und vielleicht das Leben ihres Freundes und Bruders zugrunde geht und vielleicht das Leben . . .
Mozart ist hier am Tiefpunkt seiner Verzweiflung angelangt. In seinem Stolz muss das Eingeständnis einer materiellen und seelische Not, von der nur

Puchberg weiß, unerträglich gewesen sein.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt nimmt derselbe Mozart die Komposition seiner scheinbar leichtesten, unbeschwertesten Oper in Angriff: Così fan tutte!
Die scheinbare Oberflächlichkeit des Librettos, das ebenfalls aus da Pontes Feder stammt, stand lange Zeit der Beliebtheit dieser Oper im Wege. Bei näherem Hinschauen offenbaren sich seelische Abgründe und ein in Mozarts Gesamtwerk einzigartiges, psychologisierendes Raffineinent. Trotz ihres unverhohlenen Zynismus und einer an seelische Grausamkeit grenzenden Handlung bleibt Cosí für die Kenner eines der reinsten Juwele der Opernkunst sowie ein wichtiger Schlüssel zu Mozarts Welt.

Die Uraufführung findet im Januar 1790 mit nur geteiltem Erfolg statt. Kurz darauf stirbt Kaiser Joseph II., Mozarts und Da Pontes mächtigster Gönner. Da Ponte, dessen ausschweifender Lebenswandel die Wiener schockiert, hält es für angebracht, sich aus dem Staub zu machen. Er flieht nach Triest. Sein Priesterstand hält ihn nicht davor zurück, eine junge Engländerin zu heiraten, mit der er sich schließlich über London nach Amerika einschifft.
Noch vor Jahresende reist auch Haydn nach England ab. Mozart sagt ihm:
Papa! Sie sind nicht für die große Welt erzogen und reden zu wenig Sprachen.
Worauf ihm Haydn erwidert: Aber meine Sprache versteht man in der ganzen Welt.
Sie verabschieden sich unter Tränen. Mozart bleibt in Einsamkeit zurück. Die finanzielle Rettung Mozarts - für den Augenblick - kommt vom Wiener Hof: Der Kaiser hat ihn mit "Così fan tutte" beauftragt.

Da Ponte richtet die Spitze seiner Feder auf zwei Liebespaare, deren männliche Hälften die Treue ihrer Frauen auf die Probe stellen. Es kommt, wie es kommen muss (das Singspiel heißt auf deutsch: "So machen sie's, oder: Die Schule der Liebehaber"), die Frauen geben ihren vermeintlichen Liebhabern nach, das Experiment ist geglückt, man ist enttäsucht.
Und - Koninzidenz - das Eifersuchtsthema beherrscht auch Mozatrs Privatleben. Mit Grund? Constanze steht in Baden kurz vor einer Entbindung, dennoch bahnt sich eine Beziehung zu Mozarts Schüler


Franz Xaver Süßmayr

an, das Kind stirbt unmittelbar nach der Geburt.
Und am 20. Februar stirbt der Kaiser, die Hoffnung auf eine mögliche feste Stelle bei Hofe schwindet.

Mozarts Kunst, mit seiner Musik die Personen niemals zu denunzieren, sondern immer um Verständnis für auch noch die aberwitzigste Handlung zu werben, macht aus dem Stück eine veritable comédie humaine, bei der die ernsten Anteile wie etwa Fiordiligis Ringen um Standhaftigkeit oder Ferrandos Verzweiflung mindestens so prominent sind wie die szenischen und musikalischen Slapsticks. Ob in dem lyrischen Terzett "Soave sia il vento", in der gespielten Sterbeszene der "Albaner", ob in Dorabellas exaltierter Verzweiflungsarie "Smanie implacabile" oder Fiordiligis hinreißendem Rondo "Per pietà ben mio perdona" - Mozarts Musik schafft die jeweils adäquate Atmosphäre und gibt den Personen ihre unverwechselbare Identität.
Die Hoftrauer um den toten Kaiser macht der Oper den Garaus.

KV 588 Ouverture



KV 588 Terzettino "Soave sia il vento"



KV 588 Ciel



KV 588 Finale (1:54:27)




12. Dezember

Mozart KV 588a Ouverture und drei Kontretänze
KV 589 2. Preußisches Streichquartett in B-dur
KV 589a/Anh. 68 Streichquartett B-Dur

Odyssee 23, 173 - 204


Odysseus hat die Prüfung Penelopes bestanden und sein einmaliges Bett erklärt.
Weinend umarmt sie den Gatten, er solle nicht zürnen. Sie habe ständig gefürchet, irgendein schlauer Betrüger könnte sie täuschen. "Jetzt, nachdem du mir genannt hast, was kein Sterblicher außer dir und mir und unserer alten Pförtnerin Aktoris wußte: jetzt ist mein hartes Herz besiegt und überzeugt!"

Constanze macht wegen ihres labilen Gesundheitszustands eine Kur nach der anderen in der Thermalstadt Baden, dem mondänen und entsprechend teuren Kurort . . .
Der Schein ist zu wahren. Amadés Briefe an seine Frau sagen viel über seine zärtlichen Gefühle aus, beinhalten aber auch einige auf seine Eifersucht zurückführende Befürchtungen: Konstanze ist damals erst 27 Jahre alt.
Des neuen Kaisers Leopold II. Krönung findet am 9. Oktober 1790 in Frankfurt statt. Obwohl er nicht geladen ist, unternimmt Amadé die Reise auf eigene Kosten und hofft, dort neue Kontakte knüpfen zu können.

Leider stellt man ihm erst nach Beendigung der Feierlichkeiten ein Theater zur Verfügung, als die illustren Gäste schon die Stadt verlassen. Er spielt u. a. sein zwei Jahre zuvor komponiertes Klavierkonzert Nr. 26, von nun an "Krönungskonzert" genannt. Zurück in Wien steigert er sich in einen wahren Schaffensrausch. In Erfüllung seiner Amtspflichten schreibt er nun zahlreiche Deutsche Tänze, Menuette und Kontretänze, die den Empfängen bei Hofe Glanz verleihen sollen.
Um verschiedenen Aufträgen nachzukommen, entwirft zwei kuriose Kompositionen: die "Fantasie für eine Orgelwalze KV 608" sowie das "Adagio und Rondo für Glasharmonika KV 617". Er vollendet seine letzten zwei Streichquartette KV 593 und 614 und sein letztes Klavierkonzert Nr. 27.
Auch währends des außergewöhnlich strengen Winters 1790/91 lässt der Druck des Elends nicht nach. Einem Freund, der sich eines Tages darüber wundert, Mozart und Constanze in ihrer Wohnung tanzend zu finden, erklärt er: Wir wärmen uns auf, weil wir frieren und uns kein Brennholz leisten können.
Und Constanze erwarten erneut ein Kind!

Bei KV 588a, der Ouverture und den drei Contretänzen ist bis heute die Urheberschaft Mozarts zweifelhaft - dennoch herrliche Musik. Mozart begeistert der Contretanz, Vorgänger des Walzers, und wie kein anderer spielt er mit mit Form, Instrumentation und Klängen im Rahmen dieses Tanzes. KV 588a soll im Januar 1790 entstanden sein.
Im B-Dur-Quartett KV 589 hebt Mozart die Rolle des Cellos - das Instrument Friedrich d. Gr. - im Vergleich zu KV 575 nur noch zu Beginn und partiell in den folgenden Sätzen hervor, wo es jeweils die Themen einführt. Im Menuett mit einem Trio, das völlig unüblich fast die doppelte Länge des Menuetts aufweist, ist das Cello wieder in seiner etablierten Rolle als Bassinstrument angelangt.
Das unvollendete Quartett KV 589a vom Mai 1790 fällt in die Zeit der Preußischen Quartette (KV 575, 590).

KV 588a



KV 589



KV 589a




13. Dezember

Mozart KV 590 "3. Preußisches Quartett" F-Dur

Odyssee 23, 231 - 284


Penelope umarmt Odysseus.
Sie gehen dann schlafen und Odysseus erzählt ihr von den Weissagungen im Hades und dass ihr Leidensweg noch nicht zu Ende sei ...

Eigentlich umfasst der Kompositionsauftrag des Preußen-Königs sechs Streichquartette, mit dem F-Dur-Quartett KV 590 bricht die Reihe ohne erkennbaren Grund ab.
In diesem letzten Quartett vom Juni 1790 steigert Mozart seine zunehmende thematische Minimierung fast ins Extreme, verarbeitet das vorhandene Material jedoch umso kunstvoller.

KV 590




14. Dezember

Mozart KV 593 Quintett D-Dur

Odyssee 23, 285 - 309


Penelope und Odysseus haben sich viel zu erzählen...
Die halbe Nacht vergeht den Gatten unter gegenseitiger Erzählung des unendlichen Elendes, das sie beide in den zwanzig verflossenen Jahren erduldet. Auch im Palaste begibt sich alles zur Ruhe.

Das Streichquintett D-Dur entsteht im Dezember 1790 "auf eine sehr thätige Aneiferung eines Musikfreundes", wie Mozarts Verleger mitteilt; wer dieser Gönner Mozarts war, ist nicht bekannt.
Der erste Satz beginnt mit einer Larghetto-Einleitung, gefolgt von einem Allegro mit beschwingtem Thema, das Amadé durchführungsartig verarbeitet und dessen Varianten an die Stelle eines zweiten Themas treten. Nach einem Wiederaufgreifen der langsamen Einleitung endet der Satz auffallend abrupt.
Ein rezitativartiges Frage-Antwort-Spiel von Violine und Cello dominiert mit ausdrucksvoller Melodik den Adagio-Satz. Das kontrapunktisch angelegte Menuett mit einem heiteren Trio als Mittelteil verdeckt seinen Dreiertakt durch metrische Verschiebungen. Im Finalsatz entwickelt Mozart zwei kontrastierende Themen in kontrapunktischen Spielarten und mit chromatischer Melodik weiter; der Satz schließt mit einer beschwingten Coda.

KV 593




15. Dezember

Mozart KV 594 Adagio und Allegro für eine Orgelwalze

Odyssee 23, 310 - 341


Odysseus erzählt Penelope seine Odyssee.
Von den Kikonen, Lotesessern, vom Kyklopen, von Aiolos, von den Läystrygonen, von Kirke und vom Hades, von den Sirenen, von Charybdis und Skylla, wie seine Gefährten die Rinder des Helios erschlugen, von Kalypso und den Phäaken.


Im Dezember 1790 - er hat mit dem Werk im Oktober auf seiner Frankfurtreise begonnen - komponiert Amadé für das "Kunstcabinet" des Grafen Joseph Deym das Adagio und Allegro für eine mechanische Walze in einem Musikautomaten in einer Art Mausoleum, das Deym im Gedenken an den im Juli 1790 gestorbenen Feldmarschall Gideon Freiherr von Laudon einrichtet. Mozart umrahmt mit zwei trauerzugartigen Adagioteilen den schnellen Mittelsatz, der durch einen Wechsel des Tongeschlechts nach Dur und betonte Rhythmik kontrastiert und an die Taten des verstorbenen Kriegshelden und die Odyssee erinnern soll. Bekanntheit erlangt das Werk vor allem durch verschiedene Klavierfassungen.
Die Musikautomaten sind Kunstwerke der Feinmechanik, dem Komponisten fällt die Rolle zu, den Instrumenten tönendes Leben einzuhauchen, indem er Musikstücke bearbeitet oder Originalkompositionen schafft. Graf Deym, der sich Joseph Müller nennt, ist immer auf der Suche nach neuen Attraktionen für sein Kunstkabinett und findet in Mozart einen solchen Komponisten. Dass diesem die Komposition nicht leicht fällt, er es nur des Geldes wegen macht, erklärt der Brief vom 3. Oktober 1790 (an Constanze): "ich habe mir so fest vorgenommen, gleich das Adagio für den Uhrmacher zu schreiben, dann meinem lieben Weibchen etwelche Ducaten in die Hände zu spielen; that es auch - war aber, weil es eine mir sehr verhasste Arbeit ist, so unglücklich, es nicht zu Ende bringen zu können “
Und später: "ja, wenn es eine große Uhr wäre und das Ding wie eine Orgel lautete, da würde es mich freuen; so aber besteht das Werk aus lauter kleinen Pfeifchen, welche hoch und mir zu kindisch lauten"
Zwar ist Amadé kein grundsätzlicher Gegner mechanischer Musik, doch war ihm die betreffende Spieluhr, die nur Pfeifen mit hohen Tönen hat, zur Wiedergabe seiner Musik nicht geeignet. Beide im Abstand von nur drei Monaten ausgearbeiteten Trauermusiken auf Laudon (KV 594 und KV 608) stellen, sowohl inhaltlich als auch technisch, zwei Varianten über ein Thema dar. Auf Grund der gleichen Tonart, dem fast identischen Tonumfang und der gleichen Spieldauer von 8 Minuten, ist davon auszugehen, dass er KV 594 und 608 für ein und denselben Automaten schreibt. Während die erfolgreiche Verwendung von KV 608 im Laudon-Mausoleum aus zahlreichen zeitgenössischen Berichten hervorgeht, liegt über Bestimmung und Aufführung von KV 594 kein Hinweis vor. Mozart muss für diese beiden Kompositionsaufträge seine musikalischen Vorstellungen sowohl zeitlichen Zwängen als auch einem durch das Orgelwerk vorgegebenen Tonumfang unterordnen, was ihm zuwider gewesen sein dürfte. (Der Musikautomat mit der originalen Walze ist seit 1821 verschollen.)

KV 594




16. Dezember

Mozart KV 595 Konzert für Klavier Nr. 27 B-Dur

Odyssee 23, 342 - Schluss


Odysseus schläft ein nach seiner langen Geschichte.
Als er erwacht, sind Aktionen angesagt:
Was die Freier verprasst haben, das wird er sich mit Raub und Gaben, die er aus der Fremde mitbrachte, reichlich ersetzen. Er werde zu seinem Vater gehen. Penelope soll sich in die Frauengemächer zurückziehen.
Odysseus, Telemach und die beiden Hirten eilen im Frühnebel unerkannt durch die Stadt.

Am 5. Januar 1791 komponiert Amadé sein letztes großes Klavierkonzert.
Genial: Kein anderer Konzertsatz bringt so viele Modulationen auf engstem Raum. Außerdem verarbeitet er das Hauptthema auf höchst erfindungsreiche Weise.
Mozart selbst spielt es in einer Akademie des Klarinettisten Bähr am 4. März im Konzertsaal des Herrn Jahn in der Himmelpfortgasse, sein letzter Konzertauftritt.
In seiner ganz unangestrengten, mild glänzenden Schönheit wirkt das Konzert wie eine Zusammenfassung seiner Klavierkompositionen der Jahre 1785 und 1786, über der ein leichter Schreier von Melancholie und Resignation liegt.
(Die Themen des Rondos übrigens verwendet Mozart in der bald darauf komponierten "Sehnsucht nach dem Frühling" und in den Frühlingsliedern) .

KV 595




17. Dezember

Mozart KV 599 Sechs Menuette

Odyssee 24, 1 - 34


Der Spuk der toten Freier: Hermes führt ihre Seelen zur Aphodeloswiese.
Sie treffen dort die Seele von Achilleus, Patrokolos, Antilochos, Ajas, Agamemnon. Achilleus und Agamemnon erinnern sich an die Kämpfe vor Troja.

Als "k. k. Kammerkompositeur" schreibt Amadé weiter Tanzmusiken für die Wiener Redoutenbälle, wo Maskenbälle fürs ganze Volk stattfinden.
Am 23. Januar 1791 komponiert er 6 Menuette, die ersten eines beliebten Zyklus, den er später geschlossen herausgibt.
Wie unglaublich produktiv Mozart in seinen letzten Lebensjahren war, zeigen neben solch großen Schöpfungen wie Zauberflöte und La clemenza di Tito, Requiem, Klavierkonzerte und Klarinettenkonzerte die vielen kleineren Werke, wie diese Tänze.
Hier treffen wir auf das ganze Wunder der mozartschen Orchestrierung. Jedes Menuett und Trio beschränkt sich auf zwei Perioden zu je acht Takten, aber darin offenbart sich ein außerordentlicher Reichtum an Klangfarben und Rhythmen. Alle Instrumente sind völlig gleichberechtigt. Die Instrumentierung ist so reich wie bei Brahms und doch so überaus durchsichtig. Selbst in den späten Symphonien findet sich nichts Derartiges und nur wenig in Cosi fan tutte und in der Zauberflöte. Mozart scheint das vergleichsweise leichtgewichtige Medium der Tanzmusik benutzt zu haben, um darin zu experimentieren. So gibt er uns eine Vorstellung davon, wie eine Mozart- Symphonie des Jahres 1792 geklungen hätte.
In Nr. 3 von KV 599 erhält Amadé den punktierten Rhythmus abwechselnd mit den Violinen, Bässen und Bläsern aufrecht. Das Trio von Nr. 4 ist ein Dialog für Oboe und Fagott, in den sich am Ende die Geigen auf köstliche Weise einschalten. In Nr. 5 haben die zweiten Violinen und das Fagott eine ostinato-Figur; auf die Jagdhörner im Trio antwortet ein Atemhauch aus dem Elysium. Einzigartig in der Besetzung ist das Trio von Nr. 6: die Streicher füllen den Hintergrund aus, während die Hauptpassage aus zwei Takten der Pauken, dann Fagotten, Oboen, Flöten und Piccolo besteht, die kanonisch einsetzen und ein wunderbares Klanggewebe schaffen.

KV 599 I



KV 599 II



KV 599 III



KV 599 IV



KV 599 V



KV 599 VI




18. Dezember

Mozart KV 611 Ein Deutscher

Odyssee 24, 35-70


Agamemnons Seele schildert die Totenfeier Achilles':
Als Zeus den Kampf vor Troja um seine Leiche durch Sturm und Regen beendet, tragen die Griechen ihn weinend zum Lager. Plötzlich schallt es schaurig über das Meer, in wilder Flucht stürmen die Griechen zu ihren Schiffen.
Nestor kann sie zurückhalten und überzeugen:
Es ist der Klageruf von Achilles' Mutter Thetis, der sie so erschreckt, sie war mit den Nymphen dem Meer entstiegen. 17 Tage und Nächte beweinen die Griechen den göttergleichen Achilles, besingen dessen ruhmreiche Taten, am 18. Tag verbrennen sie ihn, schichten dann einen Grabhügel auf für die Urne am Hellespontoskap, weithin sichtbar für alle Vorüberfahrenden auf dem Meer.

Amadé in seinem Element: Komposition von Tänzen. KV 611, ein deutscher Tanz, bietet ihm die Möglichkeit, volkstümliche Elemente kunstvoll anzuwenden, so verwendet er in der Instrumentation von KV 611 mit dem programmatischen Titel "Die Leyerer" eine Drehleier.

KV 611




19. Dezember

Mozart KV 614 Quintett

Odyssee 24, 71 - 120>


Die Seele Agamemnons erzählt von der Bestattung Achilleus'.
Und davon, was Agamemnon geschah durch Ägisthos' Hand und des schrecklichen Weibes.
Und Hermes führt die Seelen der toten Freier herzu, unter ihnen Amphimedons Seele, den Agamemnon fragt, woran er gestorben sei.

KV 614, das Streichquintett Es-Dur vom April 1791, ist Amadés letztes großes Kammermusikwerk. Das Andante ist ein Mozartwunder, entstanden "auf eine sehr thätige Aneiferung eines Musikfreundes" nach Mitteilung von Mozarts Verleger. Wer dieser Gönner Mozarts ist, wissen wir nicht. Charakteristisch ist hier die heiter-volkstümliche Grundstimmung sowie die intensiven motivischen Verbindungen der Sätze untereinander. Das zweiteilige Hauptthema dominiert nicht nur die Entwicklung des lebhaften ersten Satzes (Allegro). Nach einem liedhaften Andante als Variationssatz erscheinen abgewandelte Motive des Hauptthemas wieder im Menuett, dessen Mittelteil ein Trio mit ausgeprägtem Ländler-Charakter bildet. Auch das Finale (Allegro), das die verschiedenen Formideen Sonate, Rondo und Fuge verbindet, greift die Motivik des ersten Satzes auf und entwickelt sie in vielfachen Varianten mit kontrapunktischen Elementen. Ideenreiche Variationen des graziös schreitenden Themas, manches Mal orchestrale Klangfarben, alles Mozart par excellence ...
Im Allegro des Finales, glückliche Symbiose aus Rondo und Sonate, lösen erst die letzten Takte die harmonische Spannung des Themas in der Kadenz.

KV 614




20. Dezember

Mozart KV 616 Andante für eine kleine Walze

Odyssee 24, 121 - 146


Die Seele Amphimedons erzählt, wie Penelope die Freier hinhielt.

Das Andante KV 616 wird zuerst als Rondo für Klavier gedruckt.
Tatsächlich aber schreibt es Amadé auf Bestellung des Grafen Joseph Deym für sein "Kunstcabinet" in Wien. Er notiert es in drei Systemen im Violinschlüssel und trägt es am 4. Mai 1791 in sein Werkverzeichnis ein. Ab Takt 83 schlägt Mozart eine Kürzung eine kleinere Spielwalze vor. Formell stellt das Andante eine Mischung aus Rondo-, Sonaten- und dreiteiliger Liedform dar. Später entsteht noch eine Bearbeitung für Violine und Klavier.

KV 616




21. Dezember

Mozart KV 594 Adagio und Allegro für eine Orgelwalze
            KV 617 Adagio und Rondo

Odyssee 24, 146 - 185


Die Seele Amphimedons erzählt Agamemnons Seele von der Rückkunft Odysseus', vom Bogenschießen und vom Freiermord.

Amadé hasste Musikautomaten. Und doch schrieb er mit KV 594 ein Meisterwerk, das es nirgends in der Originalfassung zu hören gibt, Triumph des Geistes über die Materie, und natürlich Broterwerb. Der unter dem Pseudonym Müller nach Wien zurückgekehrte Graf Joseph Deym von Strítež (er hatte einen Duellgegner getötet) betreibt ein Wachsfigurenkabinett, in dem er ein Mausoleum für den Eroberer Belgrads (1789), Gideon von Laudon einrichtet: "Mit Schlag jeder Stunde lässt sich eine Trauer Musique hören, und wird alle Woche eine andere seyn. Diese Woche ist die Composition von Hrn. Kapellmeister Mozart."

Das ausdrucksvolle, chromatisch klagende Adagio flankiert ein lebhaftes, kontrapunktisch verschränktes und militärisch anmutendes Allegro, vollendeter Sound für einen Feldmarschall aus Wachs in seinem Glassarg.
Eine Quelle von 1799: "Man hört alle Stunden eine durch den unvergeßlichen Tonkünstler Mozart eigends dazu komponierte passende Trauermusik, die acht Minuten lang dauert, und an Precision und Reinigkeit alles übertrifft, was man bey dieser Art von Kunstwerken je schickliches anzubringen suchte." Müller-Deym besitzt u. a. die Totenmaske Kaiser Josephs II - und soll bald auch Mozarts nehmen ...
Wie der Feldmarschall Belgrad eroberte, so kehrte Odysseus als Sieger heim. Amphimedon: "ein böser Dämon führte ihn von irgendwoher zum Hof". Als Bettler verkleidet muss er sich erst von den Freiern verhöhnen (Adagio) lassen.
Allegro: Telemach befiehlt - gegen den scharfen Protest der Freier - dem Bettler, er solle den Bogen des Odysseus nehmen. Odysseus spannt, was keiner vermochte, den Bogen und schießt den Pfeil durch das Öhr sämtlicher Äxte, seine nächsten Pfeile treffen die Freier. Odysseus, Telemach und ihre Getreuen richten ein furchtbares Blutbad an, (Adagio) als erster stirbt König Antinoos.

Wie sich Odysseus an seine letzten Taten macht, so ist das Adagio und Rondo c-Moll für Glasharmonika, Flöte, Oboe, Viola und Violoncello KV 617, Mozarts letztes Kammermusikwerk. Er schreibt es im Mai 1791 für die gefeierte Glasharmonika-Virtuosin Marianne Kirchgäßner. Am 18. August desselben Jahres spielt sie das Werk und behält es anschließend in ihrem Tournee-Repertoire.

Marianne Kirchgeßner wird am 5. Juni 1769 in Bruchsal geboren, mit vier erkrankt sie an Blattern und erblindet. Mit elf kommt sie zu dem Karlsruher Kapellmeister Schmittbauer, der sie an der Glasharmonika ausbildet. Bereits 1791 startet sie eine mehrjährige Konzertreise, auf der sie in Wien Amadé kennen lernt. Mozart verlangt in dem Werk virtuoses Können, indem er neben zahlreichen Modulationen schwierig zu spielende Sequenzen wie Vorschlagsnoten oder Akkorde in weiter Lage fordert. Im Jahr 1799 wird das Werk als Klavierquintett veröffentlicht.
Für Kirchgeßner komponiert Mozart auch das Adagio KV 356/617a.

KV 594



KV 617


Marianne Kirchgeßner besucht während ihrer Tourneen 1792 Prag, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg und Magdeburg. Zweieinhalb Jahre wohnt sie bis 1796 in London und unternimmt weitere Konzertreisen nach Hamburg, Kopenhagen, Danzig, Königsberg und Petersburg. 1800 lässt sie sich in Gohlis bei Leipzig nieder, setzt ihre Tourneen fort, wo sie im Sommer 1808 Johann Wolfgang von Goethe in Karlsbad begegnet. Sie kommt im selben Jahr bei einem Postkutschenunfall in Schaffhausen ums Leben.




22. Dezember

Mozart KV 595 Klavierkonzert Nr. 27 B-dur

Odyssee 22, 186 - 218


Die Seele Amphimedons hat Agamemnons Seele von Penelope und vom Freiermord erzählt. Agamemnon ist hoch des Lobes für Penelope.

In Ithaka sind die vier Wanderer zum Meierhof des greisen Laërtes gekommen. In der Mitte, von Wirtschaftsgebäuden umringt, das Wohnhaus. Hier aßen und schliefen die Knechte, die ihm das Feld bestellten. Eine alte Sizilierin pflegt den alten Mann. Odysseus schickt Telemach und die Hirten ins Haus, er selbst will aufs Feld hinausgehen, um den Vater zu treffen.

Die Bässe grummeln, langes Streichervorspiel ...
Klavier solo ...
Wie die Unsterblichen Amadé süßen Gesang für Oper, Orgel, Chor, Konzert und Kammermusik verliehen, so gaben sie den Menschen höchstes Preisen für Penelope, die ihrem Jugendgemahl ewige Treue hielt.
Mozarts Klavierkonzert - er spielt es selbst bei seinem letzten Konzertauftritt am 5. März 1791 - ist der Gipfelpunkt einer unglaublichen Meisterschaft und Ausdruckskraft. Unangestrengte, mild glänzende Schönheit über allem, manch ein Zuhörer vermeint leichte Schleier von resignativer Melancholie herauszuhören, andere sehen allenthalben Optimismus und Hoffnung, erinnern daran, dass er nur wenige Tage später Komm lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün komponierte (3. Satz Klavierkonzert Thema).
Alfred Brendel, kongenialer Interpret seiner Musik: "Die Vollkommenheit dieser Ordnung, die Sicherheit dieses Formensinns ist fast außermenschlich. Lasst uns daher das Menschliche dieser Musik nie ganz aus dem Auge verlieren... Die Unantastbarkeit von Mozarts Form sei stets aufgewogen durch die einzigartige Tastbarkeit seines Klanges, das Wunder seiner Klangmischungen, die Bestimmtheit seiner Energie, den lebendigen Atem, das Herzklopfen, die unsentimentale Wärme seines Gefühls."

Odysses, ebenfalls beim Erledigen letzter Dinge in der Heimat, macht sich auf, seinen Vater Laertes zu begrüßen.
Ob dieser ihn nach so langer Zeit der Abwesenheit noch kennt?

Mozart KV 595




23. Dezember

Mozart KV 620 Die Zauberflöte

Odyssee 24, 219 - 255


Odysseus trifft seinen Vater beim Dornensammeln.
Er tut so, als halte er ihn für einen armen, überarbeiteten Knecht.

Die Szene auf Ithaka erinnert an den Beginn der "Zauberflöte".
Kurz nach Vollendung von "La Clemenza di Tito" schafft Mozart mit der "Zauberflöte" sein letztes Bühnenwerk.

Am 7. März 1791 um acht Uhr Uhr früh holt Immanuel Schikaneder, der Direktor des Freihaustheaters auf der Wieden, Mozart aus dem Bett und erklärt ihm: "Mein Freund und Bruder [Schikaneder ist ebenfalls Freimaurer], wenn du mir nicht zu Hilfe kommst, bin ich verloren! Ich brauche Geld". Mozart bricht in Lachen aus: "Und deswegen kommst du zu mir, Bruderherz! Du hast dich in der Tür geirrt! Schikaneder will ihn um eine neue Oper für sein Theater bitten. Es wird die Zauberflöte sein.
Glaubwürdige, später von einem Schauspieler aus Schikaneders Truppe kolportierte Anekdote? Sie ist jedenfalls typisch für die Art, wie Mozart von einem Augenblick zum anderen von tiefster Betrübnis in ausgelassene Fröhlichkeit verfallen konnte. Am Ende eines besonders düsteren Winters flößt ihm im Frühling 1791 die Aussicht, zum ersten Mal eine Märchenoper zu schreiben, neue Kraft ein.

Er begeistert sich für "Die Zauberflöte" mehr als für irgendeine seiner vorangegangenen Opern. Den freimaurerischen Idealen immer mehr zu getan, zieht er in diesem Werk eine philosophische Summe, den späteren Bühnenwerken Wagners vergleichbar. Da Constanze Anfang Juni mit dem kleinen Karl wieder nach Baden gefahren ist, kann sich Mozart vollkommen seinen neuen Vorhaben widmen. Er arbeitet eng mit dem Schikaneder zusammen, der den Text schreibt und in dessen Theater am 30. September 1791 die Uraufführung astattfindet.

Die "Teutsche Oper" in zwei Akten steht in der Tradition der Wiener Kasperl- und Zauberoper, weist jedoch in ihrer Vielschichtigkeit weit über deren Grundidee - Sieg der Liebe über vielerlei Gefahren - hinaus, wie auch über die Grenzen der deutschsprachigen Gattung Singspiel. Auf der Kontrastfolie von böser Nachtwelt und guter Sonnenwelt gestalten Freimaurer-Ideen wie ägyptische Mysterien und Zahlensymbolik (3 Prüfungen, 3 Knaben, 3 Damen etc.) das Werk, wobei die Ebenen von hoher und niedriger Kunst, Sarastro-Priestertum und Papageno-Kasperliade, in genialer Weise verbunden sind.
Im Zuge der Französischen Revolution wird die "Zauberflöte" sowohl im Sinne der Progressiven als auch der Konservativen als "Befreiung durch die Weisheit einer besseren Gesetzgebung" interpretiert und gilt bis heute als "Menschheitsstück" und "Weltanschauungsdrama", in all seinem Facetten-reichtum dramaturgisch nicht leicht zu fassen.
Die Liebenden der Zauberflöte, Tamino und Pamina, verfolgen kein individuelles Glück mehr, sondern streben einer Glückseligkeit entgegen, die auf dem brüderlichen Miteinander aller Menschen gründet. Für dieses hohe moralische Ziel steht (Freimaurer-)Tempel der Weisheit, hier findet nur Eingang, wer die Prüfungen besteht.
Sarastro, Patriarch, ist Verwalter dieser Moral, sein Humanisierungsprogramm, kennt durchaus Mittel der Drohung und Strafe. Sein Sklave Monostatos bekommt sie ebenso zu spüren wie Papageno, der sich mit dem Glück, Papagena lieben zu dürfen, begnügt.

KV 620 Ouverture



KV 620 Der Vogelfänger bin ich ja



KV 620 Dies Bildnis ist bezaubernd schön




24. Dezember

Mozart KV 620 Die Zauberflöte

Odyssee 24, 256 - 301


Odysseus hat seinen Vater als Knecht angesprochen.
Er fragt ihn nach seinem Herrn und ob dieses Land wirklich Ithaka sei. Er habe in seiner Heimat vor langer Zeit einen Mann aus Ithaka beherbergt, den Sohn von König Laërtes.
Laërtes, mit Tränen in den Augen:
"Du bist in dem Land, nach welchem du fragst. Aber es wohnen mutwillige, frevelhafte Menschen darin. Der Mann, welchen du suchst, ist nicht mehr da. Wie lang ist es her, dass dein unglücklicher Gastfreund, mein Sohn, dich besucht hat? Denn er ist es gewesen, mein armer Sohn, der jetzt vielleicht irgendwo im tiefen Meeresgrunde liegt oder dessen Fleisch die wilden Tiere und die Raubvögel verzehrt haben. Aber wer und woher bist denn du, wo ist dein Schiff, wo sind deine Genossen? Oder kamst du auf einem gedungenen Fahrzeug als Reisender und bist allein an unserm Ufer ausgestiegen?"

Auch Mozarts Zauberflöte beginnt - völlig untypisch - in einer ähnlichen Situation wie Odysseus' Rückkehr zu seinem Vater.
Mozarts dialektisiert in der Zauberflöte das humanistische Lebensideal auf zwei Ebenen: der mystisch-vergeistigten und der lebensbezogenen, buffohaften. Auch zuletzt noch verweigert er sich einer Moral, die den Widerspruch von Ideal und Wirklichkeit, von individuellem Anspruch und gesellschaftlicher Verpflichtung aufheben will.
Den verherrlichten Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stellt er die Realität gegenüber. Die sozialen Unterschiede zwischen den Volksfiguren Papageno/Papagena und den Eingeweihten bleiben erhalten, und Pamina wird an den Rand des Selbstmords getrieben, bevor man sie in die Welt der Männer einlässt.

Die Zauberflöte — Mozarts populärste Oper - gibt auch die größten Rätsel auf. Was ist das für ein Land, über dem drei Knaben schweben, während im Unterholz eine listige Schlange ihr Unwesen treibt, gar nicht weit entfernt von einem Tempel der Weisheit? Wer ist gut, und wer ist böse? Mozarts Zeitgenossen finden sich in dieser Welt zurecht, sie entdecken im Libretto Hinweise auf die Freimaurerei, auf ihre Vorstellungen vom alten Ägypten und auf die damit verbundene Mysterienkultur. Hintergründe, die in den letzten beiden Jahrhunderten weitgehend in Vergessenheit geraten sind.
Lest "Jan Assmann: Die Zauberflöte" - er bringt uns Oper und Mysterium nahe, öffnet Augen und Ohren für eine Oper, die wir längst zu kennen glaubten!

KV 620 Wie? wie? wie?



KV 620 Köngin der Nacht



KV 620 Die Strahlen der Sonne




25. Dezember

Mozart KV 620 Die Zauberflöte

Odyssee 24, 302 - 329


Odysseus - unerkannt - fabuliert wieder, als er Laertes erzählt, er sei Eperitos aus Alybas.
Sturm habe ihn ans hiesige Gestade getrieben, wo sein Schiff vor Anker liege. Fünf Jahre sind's, seit Odysseus seine Heimat verlassen habe.
Dem alten Laërtes wird es Nacht vor den Augen, mit beiden Händen streut er sich Erde auf sein schneeweißes Haupt.
Jetzt stürzt Odysseus auf seinen Vater zu, umarmt ihn unter Küssen und ruft: "Ich selber bin es, Vater, ich selbst, nach welchem du fragst! Im zwanzigsten Jahre bin ich in die Heimat zurückgekommen. Trockne deine Tränen, gib allem Jammer Abschied, denn ich sage dir's kurz: alle Freier habe ich in unserem Palaste erschlagen!"
Laertes will ein Zeichen, ob es wirklich sein Sohn Odysseus ist.

"Der Fall Zauberflöte": Helmut Perl bringt in seinem Buch einen Aspekt einer ganz anderen Dimension tiefschürfend mit vielen neuen historischen Details ins Spiel. Perl interpretiert das Libretto völlig neu im Zusammenhang mit der Zeit- und Geistesgeschichte des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts. Damit erweisen sich Komponist und Librettist als engagierte Vertreter einer radikalen Ausprägung der Spätaufklärung. Basis der Oper ist die Ideologie des Geheimordens der Illuminaten, zu dessen Wiener Organisationen Mozart in enger Verbindung stand. Wegen der rigorosen Zensur müssen die Autoren des Werkes die eigentliche Botschaft der Oper in eine tarnende Handlung einkleiden: Die „Zauberflöte" ist allegorisches Theater, bei dem die Personen der Handlung die beiden unversöhnlich einander gegenüberstehenden Mächte Klerus und Illuminaten verkörpern.

KV 620 O Isis und Osiris 1:18:24



KV 620 Soll dich, Teurer, nicht mehr sehen? 1:20:57

KV 620 Ein Mädchen oder Weibchen 1:23:51


26. Dezember

Mozart KV 621 La Clemenza di Tito

Odyssee 24, 330 - 364


Rührend und erdverbunden die Schilderung Homers, wie Odysseus sich dem Vater gegenüber ausweist. Er zeigt eine Narbe, verweist auf die Bäume, die der Vater dem Kinde einst geschenkt: 13 Birn-, 10 Apfel- und 40 Feigenbäume; 50 Reihen Reben, frühe und späte verschiedener Sorten.
Der Vater umarmt den Sohn, ist von Sinnen vor Freude, ruft, wieder zu sich kommend: "Ihr Götter lebt noch!"

Im Sommer 1791, während der Arbeit an der "Zauberflöte", komponiert Mozart im Auftrag der böhmischen Stände für die Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen die Oper "La Clemenza di Tito", Uraufführung im Sepzember in Prag.
Am 18.August hat Mozat Wien verlassen, Ziel Prag. Er komponiert im Reisewagen, während Constanze, immer noch kränkelnd, nach Baden gefahren st.
In der Nähe seines Theaters hat Schikaneder ein hölzernes Gartenhaus errichen lassen; dort kann Mozart, während ihm die bereits probenden Säner ständig zur Verfügung stehen, letzte Hand an seine Oper legen.

Der höfische Anlass der Komposition, aber auch die aufklärerische Humanitätsidee spiegeln sich im Sujet der Oper wider, einer Verherrlichung der Milde des Herrschers gegenüber den Intrigen menschlicher Leidenschaften. Mit der Komposition des Librettos von Pietro Metastasio stellt sich Mozart nach "Idomeneo" überraschend wieder in die Gattungstradition der Opera seria, aber er lockert die strenge formale Abfolge des dramatischen Aufbaus in der Neugestaltung der Textvorlage durch den sächsischen Hofdichter Caterino Mazzolà auf. Seine neuen Ensemble- und Finalszenen unterbrechen die traditionelle Funktionsverteilung von Rezitativ und Arie. Mozart setzt bewusst die unterschiedliche Arienausformung zur differenzierten Zeichnung der inneren Konflikte ein, es entsteht eine subtile musikalische Gestaltung von oft klassizistisch anmutender Einfachheit. In der Zeit nach Mozarts Tod ist "La Clemenza di Tito" eine der beliebtesten Opern von Amadé, sie gerät aber bald in Vergessenheit, um erst im 20. Jahrhundert wieder häufiger aufgeführt zu werden.

KV 621 Ouverture



KV 621 Deh prende un dolce amplesso



Deh, prendi un dolce amplesso,
Amico mio fedel;
E ognor per me lo stesso
Ti serbi amico il ciel.

Nimm diesen Kuss zum Pfande Der treusten Liebe, Freund! Wie sehnt mich's nach dem Bande, dass enger uns vereint.

siehe auch La Clemenza di Tito


27. Dezember

Mozart KV 621 La Clemenza di Tito

Odyssee 24, 365 - 407


Nachdem Laertes gebadet, gesalbt und das Essen gerichtet ist, kommen der alte Knecht Dolios und seine Söhne müde vom Feld zurück, die Mutter hat sie gerufen, und stehen still im Gemach und staunen. Odysseus lädt sie zum Essen ein, Dolios lobt die Götter, segnet den Heimgekehrten und will wissen, ob es Penelope schon wisse, was Odysseus bejaht.

Mozart arbeitet bereits an der Zauberflöte, unterbricht die Arbeit für das Requiem und noch im selben Monat braucht Prag für die Krönung von Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen dringend eine Festoper.
Antonio Salieri hat aus Terminnot das Angebot der Prager ausgeschlagen, Mozart übernimmt die Aufgabe.
Inhalt:
Vitellia, die Tochter des ehemaligen Kaisers Vitellius, hasst Titus, weil er sie nicht zur Gattin erwählt hat. Sie überredet ihren Geliebten Sextus, an einer Verschwörung gegen seinen Freund tellzunehmen. Von Annius erfährt sie, dass Titus aus Gründen der Staatsräson seiner Liebe zu Berenice, einer Jüdin, entsagt hat.
Vitellia schöpft Hoffnung. Annius trifft sich mit Sextus und bittet ihn um die Hand seiner Schwester Servilia, die ihm dieser zusagt. Das Volk begrüsst den siegreichen Kaiser auf dem Forum. Dieser bittet Sextus zu dessen Entsetzen um die Hand seiner Schwester Servilia. Annius will auf seine Braut verzichten, doch diese gesteht dem Kaiser, dass sie nur Annius liebe (Ah, perdona al primo affetto).
Hochherzig gibt Titus Servilia ihrem Geliebten zurück, während Sextus zu den Verschwörern eilt.
Publius teilt Vitellia mit, dass der Kaiser sich entschlossen habe, sie zu heiraten. Verzweifelt versucht Vitellia, die Verschwörung aufzuhalten, doch es ist zu spät. Das Kapitol steht in Flammen. Sextus zögert noch, den Mord auszuführen. Im nächtlichen Rom verbreitet sich aber die Nachricht, dass der Kaiser tot sei. Annius berichtet Sextus, der sich töten will, dass nicht der Kaiser, sondern ein Römer, der eine ähnliche Toga trug, getötet worden sei. Vitellia rät zur Flucht, doch Annius will sich dem Gericht stellen.
Sextus wird durch Publius verhaftet und vom Senat zum Tod in der Arena verurteilt (Tu fosti tradito). Titus kann nicht glauben, dass sein Freund ihn verraten hat. Tief erschüttert lässt er Sextus vorführen. Dieser bekennt dem Kaiser seine alleinige Schuld und Reue, ohne aber den wahren Grund zu nennen, weil er Vitellia schonen will. Nachdem Sextus wieder abgeführt worden ist, bedenkt Titus die Sinnlosigkeit eines Herrschertums, das nur auf Tyrannei gegründet ist. Vitellia hat sich, nachdem auch Servilia und Annius umsonst um Gnade für den Verurteilten gebeten haben, entschlossen, Titus zu gestehen, dass sie selbst die Tat geplant hat. Als die Verurteilten schon zum Tod geführt werden sollen, fällt sie dem Kaiser zu Füssen und bekennt ihre Schuld. Titus ist bewegt und begnadigt die Verschwörer. Das Volk jubelt dem gütigen Herrscher zu.
Die Geschichte des Kaisers Titus ist bereits mehrfach vertont: wie sich der Herrscher seinen Verschwörern gegenüber gnädig zeigt, ja sogar auf seine eigene Liebe verzichtet, um jene glücklich zu machen.
Amadé bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Der materielle Druck und die Sorge um die Familie zwingen Mozart trotz Krankheit (und Reisestrapazen) zum Aufbruch nach Prag. Constanze und Franz Xaver Süßmayr, den Mozart mit der Komposition der Rezitative beauftragt hat, begleiten ihn.
Was in Wien begonnen wurde, wird während der dreitägigen Fahrt fortgesetzt, kurz vor der Premiere in Prag ist es vollendet.
Mozarts Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Die Ahnung des nahenden Todes lässt ihn immer schwermütiger werden.
Der Erfolg der Titus-Premiere am 6. Dezember ist mäßig.
Verständlich, denn der Komponist hat jetzt nur noch die Zauberflöte im Kopf, die er noch in Prag wieder in Arbeit nimmt.
Die Arbeitsüberlastung dieser letzten Tage und die anstrengende Rückreise nach Wien werden ihm endgültig das Leben kosten.
Jeder Blick aus dem Reisewagen ist ein unbewusstes Abschiednehmen von dieser vorbeieilenden Welt, die er nie richtig zu fassen vermochte und der er schließlich selbst fremd wurde. Was ihm bleibt, sind die Freimaurerideale einer besseren Welt, auf die er nun seinen Glauben an das Leben stützt.
Der höfische Anlass der Komposition, aber auch die aufklärerische Humanitätsidee spiegeln sich im Sujet der Titus-Oper wider, einer Verherrlichung der Milde des Herrschers gegenüber den Intrigen menschlicher Leidenschaften. Mit der Komposition des Librettos von Pietro Metastasio stellt sich Mozart nach Idomeneo überraschend wieder in die Gattungstradition der Opera seria.
Amadé lockert aber die strenge formale Abfolge des dramatischen Aufbaus dieser Gattungstradition auf, der sächsische Hofdichter Caterino Mazzolà gestaltet die Textvorlage in Mozarts Sinn neu. Die Ensemble- und Finalszenen unterbrechen die traditionelle Funktionsverteilung von Rezitativ und Arie. Mozart setzt die unterschiedliche Arienausformung bewusst zur differenzierten Zeichnung der inneren Konflikte ein, eine subtile musikalische Gestaltung von oft klassizistisch anmutender Einfachheit entsteht. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war La Clemenza di Tito eine der beliebtesten Mozartopern, geriet aber bald in Vergessenheit, um erst im 20. Jahrhundert wieder häufiger aufgeführt zu werden.


Ständetheater Prag Uraufführung Titus 6. Sept. 1791

Anstatt nach Rache zu dürsten wie die Verwandten der Freier auf Ithaka, lässt Titus in Rom Gnade walten.
Der programmatische Inhalt der Titus-Oper, der das Bild des edlen, zur Vergebung bereiten Kaisers zeichnet, soll Leopold II. als Motto vor Augen gehalten werden:
Inmitten bösartiger Intrigen, ja selbst angesichts des Verrates durch seinen Jugendfreund Sesto beharrt der römische Kaiser auf der Herrschertugend der Großmut (ital. clemenza „Großmut“, „Verzeihung“).

KV 621 Ouverture



KV 621 Atto I



Recitativo
VITELLIA
Ma chè? sempre l'istesso,
Sesto, a dirmi verrai? So che sedotto
fu Lentulo da te; che i suoi seguaci
son pronti già; che il Campidoglio acceso
darà moto a un tumulto. Io tutto questo
già mille volte udii: la mia vendetta
mai non veggo però. S'aspetta forse
che Tito a Berenice in faccia mia
offra d'amor insano
l'usurpato mio trono, e la sua mano?
Parla, di', che s'attende?
SESTO
Dio!
VITELLIA
Sospiri?
SESTO
Pensaci meglio, oh cara,
pensaci meglio. Ah, non togliamo in Tito
la sua delizia al mondo, il padre a Roma,
l'amico a noi.
VITELLIA
Dunque a vantarmi in faccia
venisti il mio nemico? e più non pensi
che questo eroe clemente un soglio usurpò
dal suo tolto al mio padre?
Che mi ingannò, che mi sedusse, (e questo
è il suo fallo maggior) quasi ad amarlo?
E poi, perfido! e poi di nuovo al Tebro
richiamar Berenice! Una rivale
avesse scelta almeno
degna di me fra le beltà di Roma:
ma una barbara, Sesto,
un'esule antepormi, una regina!
SESTO
Ah, principessa,
tu sei gelosa.
VITELLIA
Io!
SESTO
Sì.
VITELLIA
Gelosa io sono,
se non soffro un disprezzo?
SESTO
Eppur...
VITELLIA
Eppure non hai cor d'acquistarmi.
SESTO
Io son...
VITELLIA
Tu sei
sciolto d'ogni promessa. A me non manca
più degno esecutor dell'odio mio.
SESTO
Sentimi!
VITELLIA
Intesi assai.
SESTO
Fermati!
VITELLIA
Addio.
SESTO
Ah, Vitellia, ah, mio nume,
non partir! Dove vai?
Perdonami, ti credo, io m'ingannai.

Duetto
SESTO
Come ti piace imponi:
regola i moti miei.
Il mio destin tu sei;
tutto farò per te.
VITELLIA
Prima che il sol tramonti,
estinto io vo' l'indegno.
Sai ch'egli usurpa un regno
che in sorte il ciel mi diè.
SESTO
Già il tuo furor m'accende.
VITELLIA
Ebben, che più s'attende?
SESTO
Un dolce sguardo almeno
sia premio alla mia fé!
VITELLIA,
Fan mille affetti insieme
battaglia in me spietata.
Un'alma lacerata
più della mia non v'è.
ch'io mi lagni, oh crudele!..

Rezitativ VITELLIA Doch wie? Sextus, immer dasselbe kommst du mir zu sagen? Ich weiß, daß du Lentidus überredet hast, dass seine Getreuen schon bereit sind, dass das brennende Kapitol einen Aufruhr entfachen wird. All das habe ich schon tausendmal gehört; meine Rache hingegen sehe ich noch nicht. Vielleicht erwartet man, dass Titus vor meinen Augen Berenice in falscher Liebe meinen Thron und seine Hand anbietet? Sprich, sag, was wartet ihr? SEXTUS Oh Gott! VITELLIA Du seufzt! SEXTUS überleg es besser, Teure, Überleg besser. Ach, nehmen wir in Titus nicht der Welt die Freude, Rom den Vater, uns den Freund. Finde in den alten Geschichten seinesgleichen, wenn du es kannst. Erfinde einen großzügigeren Helden und einen milderen. Unnütz, verloren, sagt er, ist ein Tag, an welchem er nicht jemanden glücklich gemacht hat. VITELLIA Du kamst also, um mir ins Gesicht meinen Feind zu loben? und du bedenkst nicht mehr, dass dieser gütige Held einen Thron beansprucht, den sein Vater dein meinen entrissen hat? Dass er mich betrog, dass er mich (und das ist sein schlimmstes Vergehen) fast dahin brachte, ihn zu lieben. Aber eine Barbarin, Sextus, eine Verbannte, mir, einer Königin, vorzuziehen! SEXUS Ach, Prinzessin, du bist eifersüchtig. VITELLIA Ich! SEXTUS Ja VITELLIA Ich bin eifersüchtig, wenn ich eine Beleidigung nicht dulde? SEXTUS Und doch ... VITELLIA Und doch hast du nicht das Herz, mich zu erobern. SEXTUS Ich bin ... VITELLIA Du bist von jedem Versprechen frei. Mir fehlt es nicht an einem würdigeren Vollstrecker meines Hasses. SEXTUS Hör mich an! VITELLIA Ich hörte genug. SEXTUS Bleib! VITELLIA Leb wohl. SEXTUS Ach Vitellia, ach meine Göttin, geh nicht fort! Wohin gehst du? Verzeih mir, ich glaube dir, ich irrte mich. Duett SEXTUS Wie es dir gefällt, so befiehl es: Lenke meine Gefühle. Du bist mein Schicksal; Alles werd' ich für dich tun. VITELLIA Ehe die Sonne untergeht, Will ich, daß der Unwürdige vernichtet sei. Du weißt, dass er ein Reich beherrscht, Das der Himmel mir bestimmte. SEXTUS Dein Zorn entflammt mich schon. VITELLIA Nun gut, was wartet man noch? - SEXTUS Wenigstens ein holder Blick Sei der Lohn für meine Treue! BEIDE Tausend Gefühle zugleich liegen In mir in wildem Kampf. Eine gequältere Seele Als die meine gibt es nicht.

Sestetto con Coro
SESTO
Tu, è ver, m'assolvi, Augusto;
Che piangerà l'errore,
Furchè memoria avrà.
TITO
Il vero pentimento,
Di cui tu sei capace,
Val più d'una verace
Costante fedeltà.
VITELLIA, SERVILIA, ANNIO
Oh generoso! oh grande!
E chi mai giunse a tanto?
Mi trae dagli occhi il pianto
L'eccelsa sua bonità.
TUTTi (senza Tito)
Eterni Dei, vegliate
Sui sacri giorni suoi,
A Roma in lui serbate
La sua felicità
TITO
Troncate, eterni Dei,
Troncate i giorni miei,
Quel dì che il ben di Roma
Mia cura non sarà.
TUTTI E CORO (senza Tito)
Eterni dei, vegliate
Sui sacri giorni suoi,
A Roma in lui serbate
La sua felicità.

SEXTUS Es ist wahr, du vergibst mir, Herr, Doch mein Herz vergibt mir nicht, Das bereuen wird den Fehler, Solange es Erinnerung hat. TITUS Die wahre Reue, Derer du fähig bist, Gilt mehr als aufrichtige Dauerhafte Treue. VITELLIA, SERVILIA, ANNIUS Oh, Großmütiger! Oh Großer! Und wer gelangte je so hoch? Seine erhabene Güte läßt die Tränen Aus den Augen fließen. ALLE (ohne Titus) Ewige Götter, wachet Über seine heiligen Tage, In ihm bewahret Das Glück Roms. TITUS Beendet, ewige Götter, Beendet meine Tage, Dann, wenn das Gedeihen Roms Nicht mehr meine Sorge sein wird. ALLE (ohne Titus) Ewige Götter, wachet Über seine heiligen Tage, In ihm bewahret Das Glück Roms.

KV 621 Finale


28. Dezember

Mozart KV 621 La Clemenza di Tito

Odyssee 24, 408 - 438


In Ithaka hat sich inzwischen das grausame Verhängnis, das die Freier getroffen hat, herumgesprochen.
Von allen Seiten her drängen sich jetzt die Blutsverwandten der Gefallenen nach dem Palaste des Odysseus, wo sie an einer abgelegenen und abgesonderten Stelle des Hofes die Leichname der Ihren aufgeschichtet finden. Unter lauten Wehklagen, worin sich Drohungen mischen, tragen sie die Toten hinaus und bestatten sie; die anderswo herstammen, werden auf schnellen Fischerkähnen in ihre Heimat gesandt.
Dann versammeln sich die Anverwandten der Freier auf dem Markte, wo Eupeithes, Vater von Antinoos - des ersten, der von Odysseus' Pfeile gefallen - spricht.
"Freunde, gedenket an das mannigfaltige Unglück, das der Mann, den ich vor euch verklage, über Ithaka und die Nachbarstädte gebracht hat! Vor zwanzig Jahren entführte er uns so viele und so tapfere Männer auf seinen Schiffen, verlor die Schiffe, verlor die Genossen. Endlich allein wieder heimgekehrt, hat er die edelsten Jünglinge unseres Volksstamms erschlagen. Auf denn, ehe sich der Verbrecher hinüber auf die Pelopsinsel nach Pylos oder Elis rettet; folget ihm nach, ergreifet ihn! Wir könnten sonst vor Schmach die Augen nicht wieder aufschlagen"

Ständetheater Prag (Uraufführung La Clemenza di Tito) , Leopold II.

Antonio Salieri hatte das Angebot des Prager Impressarios Domenico Guardasoni aus Terminnnot ausgeschlagen, eine Oper zur Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen zu schreiben, daher beauftragen die böhmischen Stände seinen Kollegen Wolfgang Amadeus Mozart. Wie immer schreibt er unter großem Zeitdruck die Opera "La Clemenza di Tito". Sogar im Reisewagen auf der Fahrt von Wien nach Prag arbeitet er an der Oper; das Libretto Pietro Metastasios zu dieser Oper ist nicht weniger als 40mal vertont worden.

KV 621 Non più di fori, Che del ciel, che degli Dei


VITELLIA
Non più di fiori
Vaghe catene
Discenda Imene
Ad intrecciar.
Stretta fra barbare
Aspre ritorte
Veggo la morte
Ver me avanzar.
Infelice! qual orrore!
Ah, di me che si dirà?
Chi vedesse il mio dolore,
Pur avria di me pietà.
CORO
Che del ciel, che degli Dei
Tu il pensier, l'amor tu sei,
Grand'Eroe, nel giro angusto
Si mostrò di questo dì.
Ma, cagion di maraviglia
Non è già, felice Augusto,
Che gli Dei chi lor somiglia,
Custodiscano così.

VITELLIA Um aus Blumen Anmutige Ketten zu flechten, Steige Hymenaeus Nicht herab. Gebunden in grobe, Rauhe Fessel, Sehe Ich den Tod Sich nähern. Unglückliche! Welch ein Schrecken! Ach was wird man von mir sagen? Wer meinen Schmerz sähe, Hätte doch Mitleid mit mir. CHOR Dass du des Himmels, dass du der Götter Sorge, du ihre Liebe bist, Großer Held, zeigte sich im engen Kreis Dieses Tages. Doch Grund. sich zu wundern Ist es nicht, glücklicher Herrscher, Dass die Götter den so beschützen, Der ihnen so ähnlich ist.


29. Dezember

Mozart KV 621 La Clemenza di Tito

Odyssee 24, 439 - 471


Die Verwandten der Freier sinnen auf Rache.
Da kommen Phemios der Sänger und der Herold Medon.
Medon:
"Männer von Ithaka, was Odysseus vollbracht, das hat er, ich kann es euch beschwören, nicht ohne den Ratschluss der Unsterblichen vollendet. Ich selbst habe den Gott gesehen, der ihm in Mentors Gestalt immer zur Seite war und bald dem Odysseus das Herz kräftigte, bald umhertobend im Saale die Besinnung der Freier zerrüttete. Das Werk dieses Gottes ist es, daß sie sterbend übereinandertaumelten."
Dann ergreift Halitherses das Wort:
"Ihr selbst seid schuld an allem, was geschehen ist. Warum waret ihr so träge, warum habt ihr meinen und Mentors Rat nicht befolgt und habt eure üppigen Söhne nicht im Zaume gehalten, als sie Tag für Tag hingingen, dem abwesenden Manne sein Gut verprassten und unwürdige Forderungen an seine Gemahlin richteten, als käme er nimmermehr zurück?"
Getümmel und Zwiespalt. Die Mehrheit stimmt Medon und Halitherses zu. Die anderen gehen vor die Stadt, machen sich auf, mit Eupeithes an der Spitze, den Tod des Sohnes und der andern Freier zu rächen.

Der Inhalt von La Clemenza di Tito ist programmatisch für die Krönung eines neue Königs:
Inmitten bösartiger Intrigen und selbst des Verrates durch seinen Jugendfreund Sesto beharrt der römische Kaiser auf der Herrschertugend der Großmut (lat. clementia „Milde“, ital. clemenza „Großmut“, „Verzeihung“). Musik und Libretto halten durchweg eine hohe emotionale Spannung ohne Ruhepausen der Handlung oder abschweifende Intermezzi aufrecht.
Das Bild des edlen, zur Vergebung bereiten Kaisers soll Leopold II. als Leitbild vor Augen gehalten werden.
Am 6. September 1791 wird die Oper im Prager Ständetheater uraufgeführt.

KV 621 Ma, che giorno è mai questo?


TITO
Ma che giorno è mai questo? al punto stesso che assolvo un reo, ne scopro un altro?
E quando troverò, giusti Numi, un'anima fedel? Congiuran gli astri cred'io, per obbligarmi a mio dispetto a diventar crudel. No: non avranno questo trionfo.
A sostener la gara, già m'impegnò la mia virtù. Vediamo, se più costante sia l'altrui perfidia, o la clemenza mia:
Olà: Sesto si sciolga: abbian di nuovo Lentulo, e suoi seguaci e vita, e libertà: sia noto a Roma, ch'io son lo stesso, e ch'io tutto so, tutti assolvo, e tutto oblio.
No. 26 - Sestetto con coro
SESTO
Tu' e ver, m'assolvi, Augusto;
Ma non m'assolve il core,
Che piangerà l'errore,
Finché memoria avrà.
TITO
Il vero pentimento,
Di cui tu sei capace,
Val più d'una verace
Costante fedeltà.
VITELLIA, SERVILIA, ANNIO
Oh generoso! oh grande!
E chi mai giunse a tanto?
Mi trae dagli occhi il pianto
L'eccelsa tua bontà.
TUTTI e CORO
Eterni Dei, vegliate
Sui sacri giorni suoi,
A Roma in lui serbate
La sua felicità.
TITO
Troncate, eterni Dei,
Troncate i giorni miei,
Quel dì che il ben di Roma
Mia cura non sarà.

Aber was ist das für ein Tag? Zu gleicher Zeit, da ich einen Schuldigen freispreche, entdecke ich einen anderen? Und wann werde ich, gerechte Götter, eine treue Seele finden? Es verschwören sich die Sterne, glaube ich, mich wider Willen zu zwingen, grausam zu werden. Nein: sie werden diesen Triumph nicht haben. Um den Kampf zu gewinnen, setzte ich schon meine Tugend ein. Wir werden sehen, ob die Treulosigkeit der anderen stärker isl oder meine Güte: Wohlan: befreit Sextus: von neuem sollen Lentuis und seine Gefährten Leben und Freiheit haben: Rom soll erfahren, dass ich derselbe bin und dass ich alles weiß, allen vergebe und alles vergesse.
SEXTUS Es ist wahr, du vergibst mir, Herr, Doch mein Herz vergibt mir nicht Das bereuen wird den Fehler, Solange es Erinnerung hat.
TITUS Die wahre Reue, Derer du fähig bist, Gilt mehr als aufrichtige Dauerhafte Treue.
VITELLIA, SERVILIA, ANNIUS Oh, Großmütiger! Oh Großer! Und wer gelangte je so hoch? Seine erhabene Güte lässt die Tränen Aus den Augen fließen.
ALLE Ewige Götter, wachet Über seine heiligen Tage, In ihm bewahret Das Glück Roms.
TITUS Beendet, ewige Götter, Beendet meine Tage, Dann, wenn das Gedeihen Roms Nicht mehr meine Sorge sein wird. ALLE
Ewige Götter, wachet Über seine heiligen Tage, In ihm bewahret das Glück Roms.


30. Dezember

Mozart KV 622 Konzert für Klarinette

Odyssee 24, 472 - 513


Odysseus und seine Getreuen bereit zum letzten Gefacht. Athene tritt vor Zeus:
"Herr der Götter, willst du die ruhigen Einwohner Ithakas durch Krieg und Zwietracht züchtigen, oder gedenkst du den Streit beider Parteien im Frieden beizulegen?"
Zeus will, dass Odysseus nach seiner Rache König bleibt auf Ithaka. Die Ermordung der Freier solle aus dem Geist getilgt werden, unter allen soll Liebe, Einigkeit und Wohlstand herrschen.
Ganz im Sinn von Gottvater Zeus.

Am 13. Oktober 1791 lädt Amadé Salieri ein, Figaros Hochzeit zu hören.
Es war kein Stück, welches ihm nicht ein Brao oder Bello entlockte schreibt der Constanze. Dieser Bericht spricht Bände über die tatsächlichen Beziehungen zwischen Mozart und Salieri. Aber selbst angesichts der notorischen Eifersucht des Italieners wird man schwerlich glauben können, dass er - laut Legende - wenige Tage später imstande gewesen sein sollte, seinen Rivalen zu vergiften.
Am 15. Oktober holt Mozart Constanze aus Baden zurück.
In diese Zeit fällt die Komposition seines großartigen Klarinettenkonzerts KV 622, Gegenstück zu dem zwei Jahre zuvor entstandenen Klarinettenquintett KV 581.
Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch. Er schafft es jedoch, die Kleine Freimaurerkantate KV 623 zu vollenden,, die am 18. November zur Einweihung des Tempels "Zur gekrönten Hoffnung" unter seiner Leitung erklingt.
Die Arbeit am Requiem ist fortgeschritten. Dank der Aufträge und seiner letzten Erfolge scheint sich seine finanzielle Lage endlich etwas zu verbessern. Am 20. November wird Mozrat bettlägerig. Er wird nicht wieder aufstehen.
KV 622, sein einziges Klarinettenkonzert, schreibt er für seinen Freund Anton Stadler, der dieses Instrument nicht nur eindrucksvoll beherrscht, sondern es auch technisch weiterentwickelt hat zu einer Mischung aus Klarinette und Bassetthorn, es entsteht die vier Halbtöne tiefer klingende Bassettklarinette. Das Instrument ist wenig verbreitet, Amadé fertigt auch eine Zweitfassung für die traditionelle A-Klarinette an.

Das Thema jeden Satzes stellt Mozart zunächst im Piano vor, ehe er es aus seiner Schüchternheit löst und entwickelt. Besonders im 2. Satz erfüllt Mozart die Forderung seiner Zeitgenossen, dass ein Musiker auf seinem Instrument singen müsse, indem er ein lyrisches, kantables Motiv komponiert. Die noch junge Klarinette entwickelt sich dadurch zum Anwalt des "in Liebe zerflossenen Gefühls - so ganz der Ton des empfindsamen Herzens." (Schubart)

KV 622




31. Dezember

Mozart KV 626 Requiem

Odyssee 24, 514 bis Ende


Odysseus mit seinen Getreuen beim letzten Gefecht.

"Welch ein Tag, ihr Götter", ruft Laërtes, "einen Wettkampf der Tapferkeit beginnen Vater, Sohn und Enkel!"
Die Lanze des Laërtes trifft Eupeithes, durchbohrt die Wange, der Vater des Antinoos rasselt mit seinen Waffen tot in den Staub. Odysseus und Telemach und ihre Genossen wüten mit Schwert und Lanze.
Plötzlich ruft Athene:
"Lasst ab, ihr Ithaker, vom unseligen Kriege!"
Entsetzen ergreift die Herangekommenen, sie fliehen. Odysseus stürzt nach. Doch des Zeus Blitz schlägt in den Boden, Athene selbst bebt zurück.
"Sohn des Laërtes, jetzt lass ab vom Kampf, bezähme dein Herz!"
Athene selbst erneuert zwischen Odysseus und den Häuptern der Stadt den Bund des ewigen Landfriedens.
Das Paar Penelope/Odysseus verlebt lange glückliche Jahre. Erst in später Zeit erfüllt sich an Odysseus, was ihm einst Tiresias in der Unterwelt von seinen letzten Schicksalen geweissagt hat.

Mozart beendet seine Reise ebenfalls endgültig. Auf dem Sterbebett arbeitet er am Requiem KV 626.
Nachdem Don Giovanni und die Freier überwunden sind und Odysseus in Raserei verfällt, rücken die Zurückgebliebenen zum Schußsextett zusammen und geben ihrer Erleichterung Ausdruck, mit dem Leben davongekommen zu sein.

Dies irae?


Lacrimosa-Autograph

Die Ereignisse haben sich überschlagen.
Constanze hat einen weiteren Sohn zur Welt gebracht, der bis 1844 leben wird. Von den sechs Kindern, die sie in neun Jahren gebar, haben nur zwei überlebt. Franz und der 1784 gebogene Karl.

Die Arbeit an der "Zauberflöte" ist bereits in vollem Gange, als ein geheimnisvoller Mann Amadé besucht, der eine Totenmesse als Auftrag eines anonymen Aristokraten bestellt. Seit der Romantik ranken sich um die Erscheinung des unheimlichen Fremden zahlreiche Legenden, wonach dieser in Mozarts Leben wie die Statue des Komturs als Todesbote auftaucht. Das bizarre Ereignis trägt rätselhafte Züge. Mozart, dessen Gesundheit nicht zuletzt aufgrund seiner übermäßigen schöpferischen Produktion stark angegriffen ist, wird aufs heftigste erschüttert. Er nimmt den mysteriösen Auftrag an, der Fremde bietet ihm ein fürstliches Honorar.
Bote war Sohn des Wiener Bürgermeisters (dessen laut zeitgenössischen Zeugnissen finsteres Äußere Mozart erschrecken musste), Auftraggeber Graf Walsegg-Stuppach (der das Werk dem Andenken seiner im Februar 1791 verstorbenen Gattin widmen und als dessen Autor gelten wollte - zur damaligen Zeit gang und gäbe). Im Komponieren dilettierende Adelige schrecken nicht davor zurück, ihre Namen unter die bei bekannten Musikern bestellten Werke zu setzen, um sich dann als deren Schöpfer feiern zu lassen.
Mozart lässt alles Andere stehen und liegen, um sich sofort an die Arbeit zu machen. Doch bald schon hat ihn der Auftag für "La Clemenza di Tito" erreicht.
Mozart dirigiert seinen Don Giovanni am 2. September in Prag, vier Tage später leitet er die Uraufführung von "La Clemenza", die nur einen Achtungserfolg erlebt (die illustren Gäste sind zu sehr mit den gesellschaftlichen Aspekten der Festaufführung beschäftigt).

Und in Wien hat die Zauberflöte auf ihn gewartet (Uraufführung 30. September).
Mozart greift zu Medikamenten, mit Tränen in den Augen verlässt er Prag, das er nicht mehr wiedersehen wird.

Mozart todkrank.
Seine Hände und Füße schwellen an, er ist teilweise gelähmt. Sophie, Constanzes jüngere Schwester, näht "ihm einen schönen Schlafrock, daß, wenn er aufstehe, er gut versorgt sein möchte". Am 4. Dezember sagt er Sophie: "Ich habe ja schon den Totengeschmack auf der Zunge, und wer wird denn meiner liebsten Constanze beistehen, wenn Sie nicht hierbleiben?"
Mozart versucht, am Requiem zu arbeiten, gibt seinem Schüler Süßmeier Anweisungen, so dass dieser später eine ergänzte, den Vorstellungen des Meisters entsprechende Fassung des Werkes veröffentlichen kann.
Mozart verfasst den Eröffnungssatz des Introitus (Requiem aeternam) mit allen Orchester- und Vokalstimmen. Vom Kyrie und dem größten Teil der Dies-irae-Sequenz sind die Gesangsstimmen und Bass fertig, und sonst einige wichtige Orchesterpartien skizziert. Das Lacrimosa bricht im 9. Takt ab. (Vor kurzem wurde eine Skizze für eine Amen-Fuge entdeckt, die offenbar die Sequenz nach dem Lacrimosa beenden sollte).
Sanctus, Benedictus und Agnus Dei fehlen.
Dann intoniert Amadé mit kaum wahrnehmbarer Stimme eine Arie aus der Zauberflöte.

Konstanze ist erneut leidend. Der Zustand des Sterbenden verschlechtert sich beängstigend. Sophie eilt zur benachbarten Kirche, um einen Priester zu holen. Dieser lässt lange auf sich warten - wohl wegen des schlechten Wetters; womöglich aber auch wegen Mozarts Zugehörigkeit zur Freimaurerei, die allgemein bekannt ist. Der Arzt kommt spät am Abend, verordnet kalte Umschläge.
Mozart verliert das Bewusstsein. Eine Stunde vor Mitternacht am 5. Dezember 1791, hört sein Herz auf zu schlagen.

Wolfgang Amadeus Mozarts Trauergottesdienst hält man in einer Kapelle des Wiener Doms ab. Die Zeremonie dauert nur kurz, wenige Trauergäste sind zugegen: einige Freimaurer, van Swieten und ... Salieri. Constanze immer noch leidend, fehlt. Vielen sind wegen der Schneestürme, die über die Stadt fegen, zu Hause geblieben.
Niemand folgt dem Sarg bis zum fünf Kilometer vor Wiens Mauern gelegenen Friedhof. Man weiß bis heute nicht, an welcher Stelle Mozart begraben ist.

Seiner Witwe Constanze Mozart ist verständlicherweise daran gelegen, das unvollständige Werk abzuschließen, um die zweite Hälfte der Kaufsumme zu erhalten. Sie beauftragt daher andere Komponisten, meist Schüler oder Kollegen Mozarts. 1792 wird mit der von Süßmayr gefälschten Unterschrift Mozarts das Manuskript dem Boten des anonymen Auftraggebers übergeben.

Formal ist das Requiem in der Art einer barocken Kantaten- oder Nummernmesse angelegt. Mozart verwendet als Tonart d-Moll und setzt zwei Bassetthörner ein, was für eine Totenmessen seiner Zeit unüblich war. Vor allem im Kyrie, einer Doppelfuge, und im Introitus arbeitet er mit Material aus Werken von Händel und Michael Haydn.
J. A. Hiller, Leiter des Gewandhausorchesters und Thomaskantor, überschreibt seine Requiempartitur mit "opus summum viri summi" (das höchste Werk eines höchsten Mannes).
Das Werk etabliert sich bald überall zur förmlichen "Staatskomposition", Jean Paul rühmt in einem Brief den Gegensatz zwischen "Mozartischen Donnerwolken" und "Nachtigallengesang". Es erklingt bei unzähligen Totenfeiern, etwa für Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin und viele anderen Musiker.
Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang, geboren im Todesjahr seines Vaters, 1791, Klaviervirtuose, Mitbegründer des Lemberger Musikvereins, leitet am 5. Dezember 1826 eine Aufführung des Requiems aus Anlass des 35. Todestages seines Vaters in der


Lemberger St. Georgs-Kathedrale ...

Mozarts letzte Lebensjahre fallen in eine der aufregendsten Zeiten der europäischen Geschichte:
Wien ist mehr als jede andere europäische Metropole ein Brennpunkt, in dem die exponiertesten Positionen der rivalisierenden Mächte in Staat und Kirche und deren Protagonisten aufeinander treffen. Mozart ist durch dieses ideen- und geistesgeschichtliche Umfeld weit mehr geprägt als bisher angenommen. Als Mitglied zweier freidenkerischer Logen und in seinen Werken bezieht er zu den aktuellen Ereignissen explizit Stellung.
Vom bereits erwähnten Helmut Perl stammt auch "Der Fall Mozart". Perl wertet dort eine Vielzahl bislang unbekannter historischer Dokumente aus und setzt sie zu den Daten von Mozarts Biografie in Beziehung. Resultat ist nicht nur ein gänzlich veränderter Blick auf die "Geheimnisse" von Leben und Werk (insbesondere seine letzte Opern), sondern auch ein völlig neues Bild des Komponisten Mozart als gesellschaftlich engagiertem Künstler.

Constanze erhält vom Kaiser eine Pension, weiß Mozarts Manuskripte gut zu verkaufen und heiratet bald wieder. Ihre beiden Söhne scheinen ohne Nachkommen geblieben zu sein. Karl erwarb mit dem Ertrag der Pariser Aufführungen von Figaros Hochzeit einen Landsitz am Ufer des Comer Sees ...

KV 626



1.REQUIEM
Requiem aeternam dona eis,
Domine,et lux perpetua luceat eis.
Te decet hymnus,
Deus, in Sion,
et tibi reddetur
votum in Jerusalem.
Exaudi orationem meam,
ad te omnis caro veniet.
Requiem aeternam dona eis,
Domine,et lux perpetua luceat eis.

KYRIE
Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.
2. Dies irae, dies illa
Solvet saeclum in favilla,
Teste David cum Sibylla.
Quantus tremor est futurus,
Quando judex est venturus
Cuncta stride discussurus.
3. Tuba mirum spargens sonum
Per sepulcra regionum
Coget omnes ante thronum.
Mors stupebit et natura
Cum resurget creatura
Judicanti responsura.
Liber scriptus proferetur
In quo totum continetur,
Unde mundus judicetur.
Judex ergo cum sedebit
Quidquid latet apparebit,
Nil inultum remanebit.
Quid sum miser tunc dicturus,
Quem patronum rogaturus,
Cum vix justus sit securus?

1. REQUIEM Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. O Gott, dir gebührt ein Loblied in Sion, dir erfülle man sein Gelübde in Jerusalem. Erhöre mein Gebet; zu dir kommt alles Fleisch. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.
KYRIE Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
2. Tag der Rache, Tag der Sünden, Wird das Weltall sich entzünden, wie Sibyll und David künden. Welch ein Graus wird sein und Zagen, Wenn der Richter kommt, mit Fragen Streng zu prüfen alle Klagen.
3. Laut wird die Posaune klingen, Durch der Erde Gräber dringen, alle hin zum Throne zwingen. Schaudernd sehen Tod und Leben sich die Kreatur erheben Rechenschaft dem Herrn zu geben. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Treu darin ist eingetragen Jede Schuld aus Erdentagen. Sitzt der Richter dann zu richten, Wird sich das Verborgne lichten; Nichts kann vor der Strafe flüchten. Weh! Was werd ich Armer sagen? Welchen Anwalt mir erfragen, Wenn Gerechte selbst verzagen?



Franz Josef von Wallsegg (1763 - 1827)
Ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, des Reichsgrafen Franz von Paula Anton Josef von Wallsegg (die Mutter war schon früher verstorben) heiratet Franz Josef mit 16 die junge Maria Anna von Flammberg. Die Grafen von Wallsegg residieren auf dem Hohen Markt in Wien, auch in Schottwien und Klamm. Im südlichen Niederösterreich iegt Schloss Stuppach. Als Graf Franz Josef von Wallsegg 1786 die Nachfolge seines Vaters antritt, übersiedelt er auf Wunsch seiner jungen Gattin von der Burg Klamm nach Schloss Stuppach, wo sie ein repräsentativeres Leben in Form eines eigenen "Hofstaates" zelebrieren.
Franz von Wallsegg, Musikliebhaber und Dilettant, hat in Stuppach eine Gruppe von Musikern um sich gesammelt, mit denen er Konzerte veranstaltet, er dirigiert und komponiert auch selbst. Mit seinen kompositorischen Leistungen aber ist er nicht immer glücklich. Anton Herzog, Lehrer an der Patronatsschule in Klamm, berichtet, dass Franz Werke zeitgenössischer Komponisten kaufte, diese abschrieb und von seinen Musikern den Kompositeur erraten liess.
Oft wurde von diesen, wenn auch mit einem leisen Lächeln, Graf Wallsegg als Tonsetzer bezeichnet ...
Als seine 21-jährige Gattin stirbt und er eine Totenmesse für sie aufführen will, bestellt er anonym über Mittelsmänner das berühmte Requiem bei Mozart. Sein großes Haus in Wien verkauft er und lebt zurückgezogen auf Schloss Stuppach, wo er verstirbt; mit seinem Tod erlischt das Geschlecht.
Mozarts Requiem hatte er unter seinem Namen am 14. Dezember 1793 im Neukloster in Wiener Neustadt aufgeführt, ohne zu wissen, dass es bereits am 2. Januar 1793 im Jahn-Saal in Wien seine Uraufführung erlebt hatte.

Dona eis requiem!