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1. April

Mozart KV 212 Kirchen-Sonate

Odyssee 6, 186 - 222


Odysseus, gestrandet auf Korfu.

Nausikaa stellt sich vor, bietet ihm Kleidung und Essen an, ruft ihre Mädchen. Odysseus ist im Land der Phäaken gelandet. Die Mädchen sollen ihm Kleidung geben, er soll sich baden und salben. Er schickt die Mädchen fort, weil er sich schämt.

Dass Mozart und sein Vater ihren ungeliebten Dienst in Salzburg nur halbherzig verrichtet hätten, ist Amadés Musik nicht anzumerken. 1775 schreibt er die B-Dur-Sonate. Sie arbeitet mit fünf verschiedenen Themen und Motiven.
Vater Mozart kümmert sich jetzt vor allem um die Verlagsgeschäfte und die weitere Protektion seines Sohnes. Unter Mozarts Händen entstehen unzählige geistliche Werke, Divertimenti, Streichquartette, Symphonien und ein erstes Klavierkonzert (siehe 28. Februar ->), er geht unbeirrt seinen Weg als Neuerer.




2. April

Mozart KV 213 Divertimento

Odyssee 6, 223 - 253


Odysseus kommt langsam an in Scheria/Korfu.
Er badet im Fluss, wäscht sich das Salz von der Haut und zieht die Kleider an, die ihm die Mädchen hingelegt haben. Göttin Athene macht ihn höher von Wuchs, voller, schenkt ihm Locken, er setzt sich an das Ufer des Meeres, strahlend vor Schönheit und Reiz.
Nausikaa sagt ihren Mädchen, das wäre der richtige Mann für sie, wenn der Fremdling doch bliebe. Dann heißt sie ihm Speise und Trank geben. Odysseus isst und trinkt voller Begier, seit langem hat er nichts mehr gehabt. Nausikaa lädt die Wäsche auf, spannt an, will zurück in die Stadt.

Mozart ist angekommen in der frühen Meisterschaft bei Beherrschung des kammermusikalischen Satzes. Zwar sind die Divertimenti in der thematischen und melodischen Erfindung einfacher gehalten als seine Kammermusik für Streicher. Dies hat aber vor allem mit den technischen Einschränkungen der Blasinstrumente zu tun - ein Mangel, den Mozart durch größeren klanglichen Abwechslungsreichtum aufwiegt.
Regelmäßig schreibt Amadé 1775 und 1777 ein Divertimento. Nach dem Anstellungsvertrag des Oboisten der Salzburger Hofkapelle, Joseph Fiala, hat dieser "auf Verlangen bey der Tafel eine Musique mit blasenden Instrumenten erfolgen zu lassen", es liegt nahe, in Mozarts Salzburger Bläserdivertimenti solche Tafelmusiken zu sehen. Wann und zu welchen besonderen Anlässen, seine fürsterzbischöfliche Durchlaucht dem Verlangen nach derartiger Umrahmung der Tafel mit blasenden Instrumenten Ausdruck zu verleihen geruhten, ist unerforscht.
Der bloße Verdacht, bei Mozarts Bläserdivertimenti könne es sich um Tafelmusiken, Gebrauchsmusik handeln, ist ihrer Rezeption nicht bekommen, sie sind - leider - selten zu hören. Denn Mozart schreibt in seinen Divertimenti kunstvolle kammermusikalische Sätze, insbesondere in den langsamen Sätzen, in denen er die Fagotte aus der Unisono-Führung löst und ihnen eigene melodische und thematische Aufgaben zuweist. In KV 213 ist die "Contredanse en Rondeau" eine wunderbare Erweiterung des tänzerischen Elementes.

KV 213




3. April

Mozart KV 216 Konzert für Violine

Odyssee 6, 254 - 288


Nausikaa lädt Odysseus in den Palast ihres Vaters ein.
Er solle ihrem Gespann folgen bis in die Stadt. Diese sei von einer Stadtmauer umgeben, an deren beiden Seiten je ein Hafen liege. Die Einfahrt sei verengt durch die vielen Schuppen der dort liegenden Schiffe. Beim Poseidontempel finde er den Markt und die Werft. Die Phäaken seien bekannte Schiffsbauer.

Nausikaa will nicht mit ihm, diesem herrlichen Mann, gesehen werden, damit keine falschen Gerüchte entstehen. Nausikaa träumt - zum Adagio Amadés - von dem ans Ufer gespülten Fremden.
Zu Beginn des ersten Satzes von KV 216 erinnert der Komponist an Amintas Arie Aer tranquillo aus dem kurz zuvor entstandenen Dramma per musica Il re pastore KV 208 (siehe 29. März ->).
Aus einem Brief eines Sohnes an seinen Vater: "zu guter lezt spiellte ich die lezte Cassation aus den B von mir. da schauete alles gros drein, ich spiellte als wenn ich der gröste geiger in Ganz Europa wäre." "daß sie bey Abspielung deiner letzten Caßation alle groß darein geschauet, wundert mich nicht, du weist selbst nicht wie gut du Violin spielst...", anwortet stolz Vater Leopold seinem genialen Sohn Amadeus, der den Wunderkinderschuhen entwachsen ist. In einem anderen Brief schreibt Amadé: "auf die Nacht beym soupee spiellte ich das strasburger-Concert. es gieng wie öhl. alles lobte den schönen reinen Ton." Die Zitate sind Beweis für die große Rolle, die Violine zu dieser Zeit in Mozarts Aktivitäten als ausübender Künstler spielt. Die Andeutung des Vaters besagt weiter, dass Wolfgang seit frühester Kindheit in aller Welt als »Clavierist« bekannt ist, viele Leute überrascht sein Talent als Geiger. (Der Beiname "Straßbourger" geht aus der Verarbeitung des gleichnamigen, damals sehr beliebten Liedes im Rondeau-Finale hervor.)

KV 216








4. April

Mozart KV 218 Konzert für Violine in D

Odyssee 6, 289 - 315


Odysseus auf Korfu/Scheria.

Nausikaa erklärt ihm eine Stelle in einem Pappelgehölz, dort soll er am Gartenhaus bei der Quelle im Schatten eine Weile warten. Dann in die Stadt zum Palast des Alkinoos gehen, durch den Vorhof und sogleich in die innere Wohnung am Thron ihres Vaters, des Königs, vorbei zur Mutter, ihre Kniee umfassen und sie anflehen. So kann er getrost mit seiner Heimkehr rechnen.

Im zweiten D-Dur-Konzert Amadés von 1775 ist - ebenso wie im vorhergehenden G-Dur (KV 216, siehe 3. April ->) - die Bezeichnung und Anlage der Schlusssätze (jeweils Rondeau) französischen Ursprungs. Eine Besonderheit dieses Konzerts ist die dynamische Bezeichnung, auf die Mozart sonst wie auch in den späteren Klavierkonzerten weitgehend verzichtete.

KV 218




5. April

Mozart KV 219 Konzert für Violine in A

Odyssee 6, 316 - Ende


Nausikaa nimmt wieder die Zügel und fährt der Stadt der Phäaken zu. Ihre Mägde und Odysseus folgen zu Fuß. In dem Hain setzt sich Odysseus nieder. Er betet zur Göttin Athene - sie zeigt sich, aus Angst vor Poseidon, noch nicht:
Höre, des Ägiserschütterers Tochter, Nimmerbesiegte!
Höre mich endlich einmal, da du vormals nimmer mich hörtest,
Als der gestadumstürmende Gott mich zürnend umherwarf!
Lass mich vor diesem Volk Barmherzigkeit finden und Gnade!

Mit seinem bekanntesten Violinkonzert in A-Dur beendet Amadé die Serie seiner 5 Solokompositionen für Violine. Technisch wie musikalisch sehr anspruchsvoll. Im Rondo alla turca vermischt Mozart die damals moderne orientalische Militärmusik mit der abendländischen und verwendet ein weiteres Mal eigenes thematisches Material (aus seiner früheren Ballettmusik Le gelosie del seraglio KV 135a).
Seelisch geht es Mozart ähnlich wie Odysseus. Salzburg will er verlassen, er hat hier keine Chance, was ihm bewusst ist - aber er muss eine günstige Gelegenheit abwarten ...

KV 219




6. April

Mozart KV 220 (196b) Missa brevis "Spatzenmesse"

Odyssee 7, 1 - 36


Odysseus in der Hauptstadt von Korfu/Scheria.

Nausikaa fährt mit ihrem Pferdegespann im Palast ihres Vaters, des Königs Alkinoos, vor; ihre Brüder spannen die Pferde ab und tragen die Wäsche in die Kammer. Nausikaa wird von ihrer treuen Magd Eurymedusa versorgt.

Göttin Athene macht Odysseus unsichtbar, als er in die Stadt der Phäaken geht, sie zeigt sich ihm als junges Mädchen. Odysseus fragt sie nach dem Weg zu Alkinoos' Palast. Das Mädchen/Athene führt ihn. Er solle niemanden ansprechen, die Phäaken seien fremdenfeindlich, sie kümmerten sich um nichts anderes, als schnelle Schiffe zu bauen.
Amadé lässt es die Spatzen von den Dächern pfeiffen: Odysseus ist bald zuhause!
Im Sanctus seiner Missa brevis und im "Hosanna" des Benedictus vewendet Mozart in der Violine charakteristische tschirpende Vorschlagsfiguren, die an Vogelgezwitscher erinnern, deshalb der Beinamen des Werks. Durch die Instrumentation mit Trompeten und Pauken gewinnt die Komposition einen festlichen Charakter, sie wird zur "Missa brevis et solemnis". Mozart vernachlässigt die Kontrapunktik zugunsten homophoner Chordeklamation. Das Dona nobis pacem nimmt das Thema des Kyrie zum ersten Mal in Mozarts Messenkomposition wieder auf. Mozart hat das Werk in München 1775 (Aufführung der Finta giardiniera) komponiert, seine etwas unpersönliche Kürze ist auffallend. Das Benedictus-Quartett ist der schönste Satz der Messe.

KV 220 (Text siehe --> 14. März)




7. April

Mozart KV 222 (205a) Offertorium de tempore "Misericordias Domini"

Odyssee 7, 37 - 77


Odysseus auf Korfu.

Er geht staunend durch die Häfen und Versammlungsplätze der Stadt. Am Palast verabschiedet sich das Mädchen/Athene. Vorher erzählt sie noch die Stammesgeschichte des Königshauses. Odysseus soll kühn hineingehen und sich an Arete, die Frau von König Alkinoos, wenden. Sie sei überall hoch geachtet, entscheide sogar oft die Zwiste der Männer. Wenn sie ihm gewogen sei, könne er mit Sicherheit heimkehren.
Misericordias Domini cantabo in aeternum - Die Barmherzigkeit des Herrn will ich besingen in Ewigkeit - dies nimmt sich Odysseus vor, wenn er am Hofe des Phäakenkönigs vorsprechen wird, um ihn gewogen zu stimmen für die Hilfe bei der Rückkehr in die Heimat.

Und wir hören staunend in Amadés Geigen die Weise aufleuchten, die in Beethovens Freudenmelodie der Neunten Symphonie erklingt. Sollte der Spätere, der sich in seinen letzten Lebensjahren mit Problemen der Fuge befasste, Mozarts Motette gekannt haben?
In München 1775 wünscht sich Kurfürst Maximilian III. - selbst tüchtiger Musiker - vom 19jährigen Komponisten der La finta giardiniera eine kontrapunktische Komposition. Eilig schreibt Amadé das Offertorium de tempore im strengsten Stile antico nieder, eines der kompliziertesten Stücke polyphoner Kunst, das wir von ihm kennen. Der Text besteht nur aus fünf Worten. Die Kontrastierung von zwei gegensätzlichen Themenkomplexen ist ein wahres Schaustück satztechnischer Virtuosität. Dem harmonisch-homophon gehaltenen Misericordias Domini stellt Mozart das in immer neuen kontrapunktischen Kombinationen erscheinende Cantabo in aeternum gegenüber. Das Ganze entfaltet so etwas wie einen strengen Jubel, weitab von aller neapolitanischen Konvention.


Padre Martini

Mozart schickt das Werk am 4. September 1776 an Padre Martini nach Bologna, wobei er die Entstehungsgeschichte erzählt und die eilige Niederschrift hervorhebt und die Uraufführung vom 5. März 1775 erwähnt:
"Pochi giorni avanti la mia partenza di là, [Monaco] desiderava S : A : Elettorale di sentire qualche mia Musica in contrapunto: ero adunque obligato di scriver questo Mottetto in f retta per dar Tempo à copiar il Spartito per sua Altezza, ed à cavare le Parti per poter produrlo la prossima Domenica sotto la Messa grande in tempo del Offertorio."

KV 222




8. April

Mozart KV 284 (205 b) Klaviersonate D-Dur "Dürnitz-Sonate"

Odyssee 7, 98 - 132


Endlich kommt Odysseus in Korfu zum Palast von König Alkinoos, den Homer so beschreibt:
Gleich dem Strahle der Sonn' und gleich dem Schimmer des Mondes
Blinkte des hochgesinnten Alkinoos prächtige Wohnung.
Eherne Wände liefen an jeglicher Seite des Hauses
Tief hinein von der Schwelle, gekrönt mit blauem Gesimse.
Eine goldene Pforte verschließt die innere Wohnung;
Silbern waren die Pfosten, erhöht auf eherner Schwelle,
Silbern das Kranzgesims, und golden der Ring an der Pforte.
Hunde von Gold und Silber standen zur Seite der Pforte,
Welche Hephästos selbst mit hohem Verstande gebildet,
Dort des hochgesinnten Alkinoos Haus zu bewachen,
Unvergänglicher Art und jung für ewige Zeiten.
Drinnen reihten sich Sessel um alle Wände des Saales
Tief hinein von der Schwelle, und Teppiche deckten die Sessel,
Fein und zierlich gestickt, der Weiber künstliche Arbeit.
Allda saßen stets der Phäaken hohe Beherrscher
Festlich bei Speis' und Trank und schmausten von Tage zu Tage.
Goldene Jünglinge standen auf schönerfundenen Sockeln
Ringsumher und hielten in Händen brennende Fackeln,
Um den Gästen im Saale beim nächtlichen Schmause zu leuchten.
Fünfzig Weiber dienten im weiten Palaste des Königs,
Diese bei ihren Mühlen mahlten gelbes Getreide,
Jene saßen und webten und drehten emsig die Spindel,
Anzuschaun, wie die Blätter der hohen wehenden Pappel;
Selbst geschmeidiges Öl wohl glitte vom dichten Gewebe.
Denn gleichwie die Phäaken vor allen übrigen Männern
Hurtige Schiffe zu lenken verstehn, so siegen die Weiber
In der Kunst des Gewebes; denn ihnen hatte Athene
Künstlicher Werke Geschick verlieh'n und kluge Erfindung.
Außer dem Hofe liegt ein Garten, nahe der Pforte,
Eine Huf ins Gevierte, mit ringsumzogener Mauer.
Allda streben die Bäume mit laubigem Wipfel gen Himmel,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlich gesprenkelter Äpfel.
Diese tragen beständig und mangeln des lieblichen Obstes
Weder im Sommer noch Winter; vom linden Weste gefächelt,
Blühen die Knospen dort, hier zeitigen schwellende Früchte,
Birnen reifen auf Birnen, es rötet sich Apfel an Apfel,
Traube auf Traube erdunkelt, und reif schrumpft Feige auf Feige.
Allda prangt auch ein Feld, von edlen Reben beschattet.
Einige Trauben dorren auf weiter Ebne des Gartens,
An der Sonne verbreitet, und andere schneidet der Winzer,
Andere keltert man schon. Hier stehen die Herling' in Reihen,
Dort entblühen sie erst, dort bräunen sich leise die Beeren.
An dem Ende des Gartens sind immerduftende Beete,
Voll balsamischer Kräuter und tausendfarbiger Blumen.
Auch zwei Quellen sind dort: die eine durchschlängelt den Garten,
Und die andere gießt sich unter die Schwelle des Hofes
An den hohen Palast, allwo die Bürger sie schöpfen.

So wortreich und souverän Homer den Palast auf Korfu schildert, so abwechslungsreich gestaltet Amadé 1775 seine Klaviersonate und führt die gesamte Palette der damals technischen Besonderheiten wie Kreuzen der Hände, Oktavgänge und Tremoli vor. Mit dieser Sonate übertrifft er ihre fünf Vorgänger an Virtuosität und Länge. Der erste Satz könnte ein Klavierauszug einer Symphonie sein. Der letzte Satz ist einer von nur zwei Variationssätzen in Mozarts Sonatenœuvre. Im pianistischen Glanz kehrt Amadé sich vom Privaten ab, wendet sich mit orchestraler Bravour nach außen und nutzt alle Effekte des neuen Hammerklaviers aus. Zwölfmal verändert Mozart im Finale ein anmutig gavotte-artiges Thema und ist verschwenderisch in der Wahl seiner technischen Mittel.
Der kurbayerische Freiherr Thaddäus von Dürnitz, Widmungsträger, ist ein Münchner Musikliebhaber.

KV 284




9. April

Mozart KV 238 Konzert für Klavier

Odyssee 7, 134 - 177


Odysseus, von Göttin Athene unsichtbar gemacht, begibt sich in Korfu in den Königspalast, wo die Fürsten opfern, und dort geradewegs zu Alkinoos und Arete. Als Athene ihn sichtbar macht, verstummt alles, staunend sehen sie den Fremdling an, der sagt:
Sie sollen sich seiner erbarmen, schon lange duldet er im Elend fern von seinen Lieben. Dann setzt er sich in die Asche am Herd.
Der älteste der phäakischen Fürsten, Echeneos, bitte Alkinoos, den Fremdling mit an den Tisch zu holen und ihm Wein einzuschenken. Zeus selbst wache über die Hilfeflehenden. Alkinoos lässt seinen Lieblingssohn Laodamas aufstehen und bittet Odysseus neben sich, dem König, Platz zu nehmen. Odysseus wird Wasser für die Hände gereicht, dann Speise und Trank, an denen er sich labt.

Beleitmusik zum Auftritt des Odysseus im Palast bei Alkínoos ist das Klavierkonzert in B-Dur, Amadé verzichtet auf glanzvolle Effekte, alle drei Sätze enden in piano - ein einmaliger Fall in den Klavierkonzerten. Das Konzert hat er für sich selber geschrieben. Im zweiten Satz ersetzt er die üblichen Oboen durch Flöten, die dem Satz seine besondere Klangfarbe verleihen. Das Finalrondo ohne Takt- und Tempowechsel lockert Mozart durch die verschiedenartigen Themen auf.

KV 238: Allegro



KV 238: Andante un poco Adagio



KV 238: Rondeau. Allegro




10. April

KV 239 Serenade "Serenata notturna"

Odyssee 7, 178 - 206


Alkinoos bringt in seinem Palast auf Korfu einen Toast auf Zeus aus und beruft für morgen eine Versammlung ein. Dort soll der Gast erneut bewirtet, die Götter mit Opfern versöhnt und die Heimreise des Fremdlings besprochen werden. Oder sei dieser etwa ein Gott?

Nach diesem Toast beim Bankett im Königspalast spielt Amadé zur Abendunterhaltung der adeligen Gäste seine Serenata notturna von 1776, die etwas Besonderes ist. Mit der Besetzung fängt es an: Mozart koppelt zwei Streichergruppen (die eine solistisch, die andere chorisch) an das Vorbild des barocken Concerto grosso; keine Bläser - dafür aber Pauken! - bezieht er zusätzlich ein. Doch nur scheinbar vervierfacht der Komponist damit die Standardbesetzung. In Wahrheit handelt es sich um eine "Echo"-Komposition, in dem die Musik des "Hauptorchesters" das andere Orchester als Echowirkung imitiert.
Und nicht zuletzt gewinnt die Serenata notturna in D-dur KV 239 ihren Charme durch den häufigen registerartigen Wechsel zwischen Solo- und Tutti-Effekten der beiden Streichergruppen, wobei Amadé im Mittelsatz diese Kompositionstechnik plakativ ausspielt (Menuett: Tutti, Trio: Solo).
Das für Mozartsche Rondeaus so charakteristische Finale erinnert schon in seiner Refrainanlage an das Vorbild der französischen Vaudevilles der Opera comique: Auf die launig verzierte Melodie eines Vorsängers (Soloquartett) fällt das Tutti aller Beteiligten fröhlich antwortend ein.

KV 239

11. April

KV 242 Konzert für drei Klaviere "Lodron-Konzert"

Odyssee 7, 207 - 232


Im Palast von Alkinoos, König auf Korfu.
Odysseus bittet, erst in Ruhe essen zu dürfen. Hunger sei die hündischste aller Begierden, man vergesse alles darüber, selbst Leid und Trauer. Er bittet darum, ihn eiligst morgen früh in seine Heimat zu senden. Er sehne sich so nach seinen Gütern, Knechten und seinem hohen Palast, dass er für deren Anblick sterben würde. Alle sind dafür, den Fremdling heim zu senden. Alle gehen dann, um der Ruhe zu pflegen, bis auf Alkinoos und Arete; die Mägde räumen den Tisch ab.

In Salzburg hat ebenfalls jemand einen Sonderwunsch:
Die aus einer dort bekannten Familie stammende Gräfin Antonia Lodron bestellt für sich und ihre beiden Töchter, Aloisia und Josepha, ein Konzert für drei Klaviere bei Amadé. Sowohl die Gräfin als auch die dreizehnjährige Aloisia sind - im Gegensatz zur elfjährigen Josepha - fähige Klavierspielerinnen. Ihr äußerst simpel gestalteter Klavierpart dient daher lediglich zur harmonischen Stütze.
(Mozart arbeitet das Konzert später für zwei Klaviere um, ohne dabei die innere Struktur verändern zu müssen.)

KV 242: Allegro



KV 242: Adagio



KV 242: Rondo




12. April

Mozart KV 243 Litaniae de venerabili altaris sacramento

Odyssee 7, 233 - 269


Im Köngispalast von Korfu, Odysseus mit dem Königspaar Arete und Alkinoos allein.
Arete hat Odysseus' Kleider erkannt und befragt ihn.
Odysseus berichtet:
Ein Dämon müsse ihn nach einem Schiffbruch, bei dem alle seine Gefährten ertranken und er sich an den Kiel des zerschmetterten Schiffes klammerte, in der zehnten Nacht auf die Insel der Nymphe Kalypso verschlagen haben. Unsterblichkeit habe sie ihm versprochen, nimmerverblühende Jugend. Er habe stets Tränen nach seiner Heimat vergossen, sieben lange Jahre, und im achten bietet Kalypso ihm plötzlich die Heimfahrt an. Am 18. Tage seiner Floßfahrt erblickt er die hohen Berge dieses ihres Landes mit Freude.

Die Litanei KV 243 ist die letzte, die Amadé nach KV 109 (siehe 19. Februar -->), 125 und 195 (siehe 17. März -->) in Salzburg 1776 komponiert. Die Sakramentslitaneien KV 125 und 243 verehren die Eucharistie. Litaniae de venerabili altaris sacramento gliedert Mozart in neun Sätze, er erzeugt eine besondere Wirkung vor allem durch den Kontrast von sehr klangvollen Teilen und gregorianischen Melodien. Das Pignus futurae gloriae komponiert Mozart als große Doppelfuge. Nicht nur Salzburg, sondern auch Augsburg und andere Orte führen das Werk auf.
Der liedhaft-fromme Beginn des Kyrie lässt die Welt des späten Ave verum vorausahnen. Solisten und Chor alternieren. Bei den ersten Anrufen steigert sich der Chor zum forte, dem piano die Miserere-Bitten antworten. Im Schlußteil kehrt Amadé zur weichen Melodik des Anfangs zurück und rundet den Satz ab. Archaisch monumental gestaltet er den kurzen g-moll-Chor zum Johanneswort Verbum caro factum est. Durch die Betonung der ersten Silbe gewinnen die Miserere-Chorrufe fast dramatische Eindringlichkeit. In düsterem c-moll-Unisono intoniert der Chor das Tremendum, das Amadé blockartig-ernst zu dunkler Bläsergrundierung thematisch einheitlich entfaltet, einer der Ausdruckshöhepunkte des Werkes. Der Chor intoniert die gregorianische Weise des Pange lingua, das Fronleichnamshymnus, die sakramentale Stärkung der Sterbenden damit eindringlich vor Augen stellend. Pignus futurae komponiert Mozart als Doppelfuge.
Diese letzte Litanei Amadés zeigt besonders eindringlich sein Streben zu einheitlichen Formkomplexen statt bloßer Reihung und bereitet offenkundig seine Symphonien vor.

KV 243



I. Kyrie eleison.
Christe, audi nos.
Christe, exaudi nos.
Pater de coelis, Deus,
miserere nobis.
Fili, redemptor mundi, Deus,
miserere nobis.
Spiritus sancte, Deus,
miserere nobis.
Sancta Trinitas, unus Deus,
miserere nobis.

II. Panis vivus
Panis vivus,
qui de coelo descendisti,
miserere nobis.
Deus absconditus et Salvator,
miserere nobis.
Frumentum electorum,
miserere nobis.
Vinum germinans virgines,
miserere nobis.
Panis pinguis et deliciae regum,
miserere nobis.
Juge sacrificium,
oblatio munda,
miserere nobis.
Agnus absque macula,
miserere nobis.
Mensa purissima,
angelorum esca,
miserere nobis.
Manna absconditum,
miserere nobis.
Memoria mirabilium Dei,
panis supersubstantialis,
miserere nobis.

III. Verbuni caro factum
Verbum caro factum,
habitans in nobis,
miserere nobis.

IV. Hostia sancta
Hostia sancta,
calix benedictionis.
Mysterium fidei,
miserere nobis.
Praecelsum et venerabile sacramentum,
miserere nobis.
Sacrificium omnium sanctissimum,
miserere nobis.
Vere propitiatorium
pro vivis et defunctis,
miserere nobis.
Coeleste antidotum
quo a peccatis praeservamur,
miserere nobis.
Stupendum supra omnia miracula,
miserere nobis.
Sacratissima Dominicae
passionis commemoratio,
donum transcendens
omnem plenitudinem,
memoriale praecipuum
divini amoris,
divinae affluentia largitatis,
miserere nobis.
Sacrosanctum et augustissimum mysterium,
pharmacum immortalitatis,
miserere nobis.

V. & VI. Tremendum
Tremendum ac vivificum sacramentum,
miserere nobis.
Panis omnipotentia
verbi caro factus,
incruentum sacrificium,
miserere nobis.
Cibus et conviva,
miserere nobis.Dulcissimum convivium,
cui assistunt angeli ministrantes,
sacramentum pietatis,
vinculum caritatis,
miserere nobis.
Offerens et oblatio,
miserere nobis.
Spiritualis dulcedo
in propria fonte degustata,
refectio animarum sanctarum,
miserere nobis.

VII. Viaticum
Viaticum in Domino morientium,
miserere nobis.

VIII. Pignus
Pignus futurae gloriae,
miserere nobis.

IX. Agnus Dei
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi,
parce nobis, Domine.
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi,
exaudi nos, Domine.
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi,
miserere nobis.

I. Kyrie Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser. Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.

II. Panis vivus Brot des Lebens, das du herabgestiegen bist vom Himmel, erbarme dich unser. Verborgener Gott und Heiland, erbarme dich unser. Weizen der Auserwählten, erbarme dich unser. Wein, der Jungfrauen fruchtbar macht, erbarme dich unser. Nahrhaftes Brot und Wonne der Könige, erbarme dich unser. Immerwährendes Opfer, lautere Gabe, erbarme dich unser. Lamm ohne Fehl, erbarme dich unser. Reinstes Mahl, Speise der Engel, erbarme dich unser. Verborgenes Manna, erbarme dich unser. Andenken an die Wundertaten Gottes, überirdischer Vater, erbarme dich unser.

III. Verbum caro factum Fleischgewordenes Wort, das du in uns wohnst, erbarme dich unser.

IV. Hostia sancta Heilige Hostie, Kelch des Segens, Geheimnis des Glaubens, erbarme dich unser. Erhabenes und verehrungswürdiges Sakrament, erbarme dich unser. Allerheiligstes Opfer, erbarme dich unser. Wahrhaftes Versöhnungsmittel für die Lebenden und die Toten, erbarme dich unser. Himmlisches Gegenmittel, durch das wir vor Sünden bewahrt werden, erbarme dich unser. Wunder über alle Wunder, erbarme dich unser. Feier zum Gedächtnis an das allerheiligste Leiden unseres Herrn, Opfergabe, welche übersteigt alle Fülle, hervorragendes Andenken an die Liebe Gottes, Überfluß göttlicher Gnade, erbarme dich unser. Sakrament und erhabenstes Geheimnis, Arznei der Unsterblichkeit, erbarme dich unser.

V. & VI. Tremendum Schreckliches und doch lebenspendendes Sakrament, erbarme dich unser. Brot, Allmacht, des Wortes Fleisch gewordenes, unblutiges Opfer, erbarme dich unser. Speise und Gast, erbarme dich unser. Lieblichstes Mahl, bei dem dienende Engel aufwarten, erbarme dich unser. Sakrament der Frömmigkeit, Band der Liebe, darbringendes und dargebrachtes Opfer, geistliche Süße, an der Quelle selbst gekostet, erbarme dich unser. Erquickung der heiligen Seelen, erbarme dich unser.

VII. Viaticum Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, erbarme dich unser.

VIII. Pignus Unterpfand künftigen Ruhmes, erbarme dich unser.

IX. Agnus Dei Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich unser. Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich unser. Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, gib uns Frieden.





13. April

Mozart KV 246 Konzert für Klavier "Lützow-Konzert"

Odyssee 7, 270 - 297


Odysseus im Palast auf Korfu, abends bei Arete und Alkinoos.
Am 18. Tag also, so erzählt Odysses weiter, habe ein Orkan sein Floß zerschmettert und eine Woge ihn selbst, der schwimmend im Meer kämpfte, beinahe auf eine Klippe geworfen. Er konnte sie umschwimmen und in der Flußmündung das rettende Ufer erreichen, wo er ohnmächtig in den Sank sand. Er habe eine ganze Nacht unter dem Gestrüpp geschlummert, sei erst gegen Abend des nächsten Tags aufgeweckt, habe ihre Tochter Nausikaa und die anderen Mädchen erblickt, sie angefleht. Sie erquickten ihn mit Wein und Speise, er badet und erhät diese Gewänder.

1776 komponiert Amadé in Salzburg das Klavierkonzert C-Dur. Er stimmt es spieltechnisch auf die eher begrenzten Fähigkeiten seiner Widmungsträgerin ab. Antonia Gräfin Lützow, die Frau des Salzburger Festungskommandanten, wird unterrichtet von Leopold Mozart. (Abbé Vogler versuchte diesen Mangel an Virtuosität in einer seiner Konzertdarbietungen offenbar durch Schnelligkeit wettzumachen, wie Mozart am 17. Januar 1778 berichtet: "das erste Stuck gieng Prestißimo das Andante allegro und das Rondeau wahrlich Prestißißimo".)

KV 246






14. April

Mozart KV 262 (246a) Missa longa

Odyssee 7, 298 - Ende


Auf Korfu bestimmt der König der Phäaken, Alkinoos, die Heimfahrt des Odysseus auf den nächsten Tag - wie weit sie auch sei, das ferne Euböa sei eine Tagesreise entfernt, wenn er ihn auch gern als Schwiegersohn sähe. Die Mägde bereiten Odysseus ein prächtiges Nachtlager im Saal, wo er im schöngebildeten Bett wunderbar schlummert.

Im Traum in der Ferne hört Odysseus die lange Messe Mozarts.
Amadé komponiert im Sommer 1775 die Missa longa in C-Dur. Ihre Besetzung gleicht der einer großen Sinfonie, der Komponist ersetzt die tiefen Trompeten durch Hörner. Im Kyrie stellt er am Beginn zwei Themen mit einer orchestralen Expedition vor, es ist in Sonatensatzform angelegt, Mozart verschränkt sinfonischen Instrumentalstil mit alter Vokalpolyphonie. Im Credo reizt er die Sonatensatzform mit einem hinausgezögerten Einsatz der Reprise aus.
Mozart baut das Credo fünfteilig auf. Im Anfangsteil lässt er in straffem Dreiertakt Solisten und Chor antiphonisch korrespondieren. Mit dem innigen Et incarnatus-Quartett fängt Amadé den Adagio-Teil an, der in dem Crucifixus-Chor in c-moll kulminiert, welcher thematisch mit dem Et incarnatus verwandt ist und damit theologisch den Zusammenhang von Geburt und Tod Christi unterstreicht. Bei Et resurrexit setzt wiederum das Allegro-Tempo ein. Als vierten Abschnitt duettiert Mozart bei Et in spiritum eine lyrisch strömende Episode im Dreiertakt von Solosopran mit dem Chor. Mit einer mächtigen Fuge beschließt er den ausgedehnten Satz. Im ausdrucksvollen Benedictus unterbricht Mozart die kantablen Soli ständig durch Hosanna-Rufe des Chores. Im ernsten Agnus Dei unterstreicht er durch die flehentlichen Miserere-Rufe die Bitte um Erbarmen, ehe er mit dem Dona nobis pacem zügig zum Final-Tempo kommt. Und mit dem fünffachen Repetitionston und dem anschließenden Quintsprung abwärts in die Tonika setzt Amadé den energischen Schlußpunkt.

KV 262: I. Kyrie, II Gloria



KV 262: III. Credo



KV 262: IV. Sanctus, V. Benedictus, VI. Agnus Dei



Kyrie
Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.

Gloria
Gloria in excelsis Deo.
Et in terra pax
hominibus bonae voluntatis.
Laudamus te.
Benedicimus te.
Adoramus te.
Glorificamus te.
Gratias agimus tibi
propter magnam gloriam tuam.
Domine Deus,
Rex coelestis,
Deus Pater omnipotens.
Domine Fili unigenite,
Jesu Christe.
Domine Deus,
Agnus Dei,
Filius Patris.
Qui tollis peccata mundi,
miserere nobis.
Qui tollis peccata mundi,
suscipe deprecationem nostram.
Qui sedes ad dexteram Patris,
miserere nobis.
Quoniam tu solus Sanctus,
tu solus Dominus,
tu solus Altissimus,
Jesu Christe.
Cum Sancto Spiritu
in gloria Dei Patris.

Credo
Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem,
factorem coeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.
Et in unum Dominum Jesum Christum,
Filium Dei unigenitum.
Et ex Patre natum
ante omnia saecula.
Deum de Deo,
lumen de lumine,
Deum verum de Deo vero.
Genitum, non factum,
consubstantialem Patri,
per quem omnia facta sunt.
Qui propter nos homines
et propter nostram salutem
descendit de coelis.
Et incarnatus est
de Spiritu Sancto
ex Maria Virgine,
et homo factus est.
Crucifixus etiam pro nobis:
sub Pontio Pilato
passus et sepultus est.
Et resurrexit tertia die
secundum scripturas.
Et ascendit in coelum:
sedet ad dexteram Patris.
Et iterum venturus est cum gloria,
judicare vivos et mortuos:
cujus regni non erit finis.
Et in Spiritum Sanctum,
Dominum et vivificantem:
Qui ex Patre Filioque procedit.
Qui cum Patre et Filio simul
adoratur et conglorificatur:
qui locutus est per Prophetas.
Et unam sanctam catholicam
et apostolicam Ecclesiam.
Confiteor unam baptisma
in remissionem peccatorum.
Et exspecto resurrectionem mortuorum.
Et vitam venturi saeculi.
Amen.

Sanctus
Sanctus, Sanctus, Sanctus
Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt coeli et terra
gloria tua.
Osanna in excelsis.

Benedictus
Benedictus qui venit
in nomine Domini.
Osanna in excelsis.

Agnus Dei
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi:
miserere nobis.
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi:
dona nobis pacem.


15. April

Mozart KV 248 und 247 Marsch und Divertimento

Odyssee 8, 1 - 45


Alkinoos, der König der Phäaken, und Odysseus.
Sie gehen am nächsten Tag in Korfu auf den Markt beim Hafen und der Werft, und setzen sich. Währenddessen lädt Athene in Gestalt des königlichen Herolds die Phäaken zur Versammlung auf den Markt, auf dem sich bald dicht gedrängt Menschen versammeln.

Alkinoos spricht:
Dieser Fremdling, den er nicht kenne und der um Hilfe flehe, solle nach Hause geleitet werden. Antinoos befiehlt, ein Schiff zu Wasser zu lassen, die Versammlung soll 52 gute junge Ruderer auswählen, die sich vor der Abfahrt noch stärken.

Dann lädt Antinoos die Fürsten und den Sänger Demodokos auf seinen Palast, um den Fremdling vor seiner Abfahrt noch gehörig zu bewirten.
Und hierzu spielt wieder Amadé auf: Seinen Marsch und das Divertimento. Mozart komponiert es 1776 zum Namenstag der Gräfin Antonia Lodron - deshalb heißt es auch Erste Lodronische Nachtmusik (nach der Gräfin hat sich übrigens "Ensemble Lodron" in München genannt, das mit seinen Kammermusik-Aufführungen begeistert).
Das Divertimento zeichnet sich durch hohen musikalischen Anspruch und virtuose Anforderungen an die erste Violine aus.
Ins musikalische Zentrum des F-Dur-Divertimentos KV 247 setzt Mozart die beiden langsamen Mittelsätze, das Andante in romanzenartigem Duktus, das Adagio als Sonatenhauptsatz, dazu den Marsch KV 248, ebenso in F-Dur als Auf- und Abzugsmusik.
Für die Gräfin Maria Antonia Lodron, geborene Antonia Maria Josepha Felicitas Komtesse Arco - zweite Frau des Erbmarschalls Ernst Maria Joseph Johann Nepomuk Graf Lodron (1716 - 1779), wegen seiner Korpulenz auch "Graf Baucherl" genannt - und ihre Töchter Louise und Giuseppina (Pepperl) hat Mozart auch das Konzert in F-Dur für drei Klaviere KV 242 (siehe 11. April -->) geschrieben.
Die Salzburger Lodrons sind kunst- und musikfreudige Mäzene, in deren Haus, einem Mittelpunkt adeliger Geselligkeit, viel musiziert wird. Um die Lodrons zu besuchen, hat Amadé vom Tanzmeisterhaus, der Wohnung der Mozarts, nur einige Schritte zu ihrem Palast zu gehen, der am Mirabellplatz liegt (heute Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Mozarteum).



KV 248



KV 247




16. April

Mozart KV 249 und 250 (248b) Marsch und Serenade (Haffner-Serenade)

Odyssee 8, 46 - 82

Odysseus - noch immer auf Korfu bei den Phäaken.

Im Hafen ziehen die Ruderer das Schiff ins tiefe Wasser, setzen Mast und Segel und hängen die Riemen in ihre ledernen Wirbel. Als sie darauf zum Schloss des Alkinoos kommen, wimmeln die Säle schon vor Gästen. Alkinoos lässt 12 Schafe, 8 Schweine und 2 Rinder schlachten für das Gastmahl. Herold Pontonoos führt den blinden Sänger herzu, hängt die Harfe zu seinen Häupten und der Sänger singt nach dem Mahle seine 4 berühmten Lieder (über den Inhalt des vierten erfahren wir nichts).
Sein erstes Lied erzählt vom Streit des Achilles mit Odysseus am festlichen Mahle der Götter, und wie Agamemnon sich freute über den Zwist, eine eigne Erfindung des Sängers, die Ilias schweigt sich aus. *)
*) Der Heerführer der Griechen, Agamemon, freute sich, weil ihm geweissagt worden war, wenn sich die Besten streiten, werde er den Krieg gewinnen - eine Selbsttäuschung, weil damit ein wesentlich späterer Streit gemeint war (der bekannte zwischen Achill und Agamemnon). Odysseus und Achill haben sicher darüber gestritten, wer von beiden der Bessere ist ...

Zum großen Abschiedsessen mit Gesang für Odysseus passen trefflich Marsch KV 248 und Haffner-Serenade KV 250 des 20jährigen Amadé. Die achtsätzige Serenade, Mozarts umfangreichste und mit 13 Instrumenten auch seine reichstbesetzte, schreibt er 1776 für einen besonderen Anlass: den Polterabend des Salzburgers Franz Xaver Anton Späth und seiner Braut Maria Elisabeth Haffner, einer der vier Töchter des 1772 verstorbenen Bürgermeisters Sigmund Haffner.
Dem Anlass gemäß bringt Mozart sein ganzes musikalisches Können ein, und ihm gelingt der Druchbruch in seiner Komponistenlaufbahn. Auf den obligatorischen Marsch folgen die allein ihrer Länge nach alles bisherige überragenden 8 Sätze.
Mit dem Eröffnungsallegro erinnert Mozart an große Ouvertüren; nach weit ausholender Einführung (Allegro maestoso) beginnt er mit dem wuchtigen Sonatensatz frischester Erfindung, dann schließt er drei Konzertsätze (Andante - Menuetto - Rondeau) mit teilweise außerordentlich virtuosem Soloviolinpart an, wobei allein das quirlige Rondeau über 450 Takte mißt. Mit dem witzigen und charmanten Menuetto galante (mit auffällig unsymmetrischem Trio in Moll) führt er zurück zum symphonisch konzipierten zweiten Teil der Serenade. Ein naives Andante-Thema legt er dem durchkomponierten Variationssatz zugrunde; nur gelegentlich, aber dann um so eindringlicher, bricht ein bitterer, elegischer Unterton in die scheinbare Harmlosigkeit ein. Die Achtsätzigkeit bringt Amadé durch Integration eines dritten Menuetts zustande. Hier gliedert Mozart noch ein zweites Trio an das Menuett. Das Finale übertrifft alles Bisherige, es ist - sogar ohne die verlangten Wiederholungen! - noch umfangreicher als der unerhört lange vierte Salz.
In wahrhaft festlichem Gewand beschließt Mozart sein erstes großes Orchesterwerk, in dem höchstes technisches Vermögen und musikalisches Genie eine vollkommene Einheit bilden, er schenkt uns eine Stunde vollkommenster Musik.

KV 249



KV 250



Siegmund Haffner d. Ä., Handelsunternehmer und reichster Mann der Stadt Salzburg - nach ihm ist in der Salzachstadt die Siegmund-Haffner-Gasse benannt - war in vielen Ehrenämtern dort tätig. Der einzige Sohn Haffners und Bruder der Braut hatte die Hochszeitsmusik bei Mozart bestellt; das Gartenhaus, in dem der Polterabend stattfand, steht noch. Siegmund Haffner der J. wird uns später nochmals begegnen.

17. April

Mozart KV 251 Divertimento (Septett)

Odyssee 8, 131 - 185


Abschiedsbankett in Korfu.
Odysseus wird traurig, weint im Verborgenen, nur Alkinoos merkt etwas.
Die Phäaken gestalten zu Ehren des Fremdlings Sportwettkämpfe, von denen er zuhause berichten soll; es gibt je einen Sieger im Faustkampf, Ringen, Springen und Laufen. Dann fordern sie Odysseus zum Wettkampf heraus, der sich erst ziert. Euryalos reizt ihn besonders, als er ihm unterstellt, wohl nur ein einfacher Skipper oder Kaufmann zu sein. In seiner Jugend sei er, sagt der Fremdling Odysseus, einer der besten gewesen.

Im Juli 1776 schreibt Amadé das Divertimento, ein Septett. Er widmet es seiner Schwester Nannerl. Ganz dem französischen Stil verpflichtet, fügt Mozart eine Oboe hinzu und bevorzugt gravitätische Punktierungen.

KV 251




18. April

Mozart KV 252 (240a) Divertimento

Odyssee 8, 186 - 233


Odysseus in Korfu.

Odysseus, immer noch unbekannter Fremdling, greift sich einen Stein, schwerer und wuchtiger als der der Phäaken und schleudert ihn weiter als alle anderen.
Dann fordert er die Phäaken heraus, er nehme es mit jedem in jeder Kampfart auf, selbst im Bogenschießen. Darin sei nur Philoktet besser gewesen, als sie vor Troja gekämpft hätten. Den Speer werfe er auch weiter als jeder andere, nur im Wettlauf könne ihn wohl einer besiegen, er sei vom Kampf mit dem Sturm auf dem Wasser noch entkräftet.

"Die Katze lässt das Mausen nicht", das Thema passt, auch Odysseus lässt nicht vom Prahlen mit seiner Kraft. Amadé hat das Volkslied verwendet im Finale seines Divertimentos in Es-Dur vom Januar 1776. Mozart experimentiert. Einem langsamen Kopfsatz Andante mit unbeständiger Harmonik und Dynamik und geprägt von der ersten Oboe folgt ein Menuett mit Walzeranklängen als zweiter und ein weiterer Tanzsatz, eine eher getragene Polonaise, als dritter Satz. Im Menuett hebt Mozart die Hörner solistisch hervor, in der Polonaise Oboen und Fagotti im Wechsel. Den Finalsatz schreibt er schnell und spritzig.

KV 252




19. April

Mozart KV 253 Divertimento in F-Dur

Odyssee 8, 234 - 265


Wettkampf mit den Phäaken auf Korfu.

Alkinoos bedankt sich für das Angebot des Fremdlings und erklärt, die Phäaken seien vor allem hurtige Läufer und treffliche Schiffsbauer, liebten den Schmaus, den Tanz und die Laute, Schmuck, warme Bäder und Ruhe. Er fordert die Tänzer auf, zum Spiel des Demodokos einen Reigen aufzuführen, den Odysseus bestaunt.

Zu dem flotten Divertimento in F-Dur, das Amadé im August 1776 schreibt, ist gut Tanzen. Ungewöhnlich beschränkt Mozart die formale Anlage auf drei Sätze. Der Kopfsatz, ein Andante als Variationensatz, ist der umfangreichste. Ihm folgen ein Menuett mit Trio und ein energisch-schneller Finalsatz mit schwungvoller Coda.

KV 253




20. April

Mozart KV 254 Divertimento (Trio) für Klavier, Violine und Violoncell

Odyssee 8, 266 - 302


Abschiedsessen für Odysseus in Korfu.

Nach dem Tanz singt der Sänger Demodokos sein zweites Lied. Er singt von des Hephaistos Frau Aphrodite und ihrer Liebe zu Ares und davon, wie Hephaistos sie beide in der Falle am Pfuhl angeschmiedet hat.

"Hier spielt das Klavier", sagte Hephaistos, tobte und rächte sich.
Mit dem "Divertimento" überschriebenen Trio in der Besetzung Klavier, Violine und Violoncello schreibt Amadé den Vorläufer der Gattung Klaviertrio. Das Allegro assai und das Rondo im Tempo di Menuetto umrahmt er mit einem langsamen Satz. Die drei Instrumente agieren noch nicht wie in späteren Klaviertrios gleichberechtigt, da das Klavier dominiert und Mozart den begleitenden Streichern eher klangfüllende und kolorierende Aufgaben zuweist; das Violoncello folgt dabei fast ausschließlich dem Bass des Klaviers.

KV 254




21. April

Mozart KV 255 Rezitativ und Arie (Rondo) für Alt "Ombra felice" - "Io ti lascio"

Odyssee 8, 303 - 266


Odysseus bei den Phäaken.

Der Sänger Demodokos singt in seinem zweiten Lied davon, wie Hephaistos im rasenden Eifer die Götter anruft:
Vater Zeus, und ihr andern, unsterbliche selige Götter!
Kommt, hier etwas zu sehn, - den lächerlich schändlichen Frevel:
Wie mich lahmen Mann die Tochter Zeus' Aphrodite
So auf immer beschimpft und herzt den Bösewicht Ares;
Weil er schön und grade zu Fuß ist, aber ich selber
Lahme seit der Geburt! Doch keiner ist schuld an der Lähmung,
Als die Eltern allein! O wär' ich nimmer geboren!
Aber schaut sie euch an, wie lieb beisammen sie liegen
In meinem eigenen Bett! Das Herz zerspringt mir beim Anblick!
Küftig möchten sie wohl so nicht einen Augenblick liegen!
Wie verbuhlt sie auch sind, sie werden nicht wieder verlangen,
So zu ruhn! Allein ich halte sie fest in der Schlinge,
Bis der Vater zuvor mir alle Geschenke zurückgibt,
Die ich als Bräutigam gab für das schamlos äugelnde Mädchen!
Seine Tochter ist schön, allein unbändigen Herzens!


Die Götter aber machten Witze und lachten laut, nur Poseidon setzte sich für Ares ein. Nachdem er für alles bürgte, ließ Hephaistos die Ehebrecher los und diese suchten schnell das Weite.

Amadé komponiert 1776 in Salzburg die Abschiedsarie Aphrodites, die einzige für eine Altstimme in Mozarts Werk. "Ombra felice!" - "Io ti lascio" schreibt er für den Altkastraten Francesco Fortini. Mozart verwendet dafür die Rondoform, eine Anregung, die er durch die Vertonung des gleichen Textes von Johann Christian Bach ("der Londoner Bach") von 1774 erhält, deren Refrainthemen Mozart nur leicht verändert übernimmt. Der Text Mozarts erster echter Konzertarie stammt aus einem Libretto zu 'Arsace' von Giovanni di Gamerra.
Konzertarien komponiert Mozart von frühester Jugend bis in sein letztes Lebensjahr. Obwohl von hoher Qualität, sind sie wenig bekannt; von vornherein für kammermusikalische, nicht für Operdarbietungen bestimmmt, werden es Pathosszenen, Schauplätze heftigster Emotionen oder Szenen der Verzweiflung, des Abschieds usw. "Ombra"-Szenen gehören zum Typus des heroischen Gestus mit Beschwörungen des "Schattens" heldischer Ahnen. Hierhin gehört KV 255.

KV 255

ARSACE
Ombra felice!
Tornerò a rivederti. Apri i bei lumi,
E consola, deh, almeno in questo istante
Con un pietoso sguardo il fido amante.
Porgimi la tua destra, un pegno estremo
Del tuo affetto mi dona.
Ah, che la mia costanza or m'abbandona.

Io ti lascio, e questo addio
Se sia l'ultimo non so.
Ah, chi sa, bell'idol mio,
Se mai più ti rivedrò.
Vengo, oh ciel! deh laseia, oh pene!
Per te sol, mio ben, pavento,
Il più barbaro tormento,
Giusti Dei, chi mai provò!

Glücklicher Schatten! Ich werde zurückkommen, um dich wiederzusehen. Öffne deine schönen Augen! Ach tröste wenigstens in diesem Augenblick mit einem mitleidsvollen Blick den treuen Geliebten. Reich mir deine Rechte. Gib mir ein letztes Unterpfand deiner Liebe. Ah, daß mich meine Standhaftigkeit jetzt verläßt! Ich verlasse dich, und ich weiß nicht, ob dieses Lebewohl nicht das letzte ist. Ach, wer weiß, meine schöne Angebetete, ob ich dich jemals Wiedersehen werde. Ich komme... O Himmel! ... Ach, laß ... O Schmerz! Nur für dich allein, mein Liebes, bin ich in Furcht... Wer hat schrecklichere Qualen durchgemacht, gerechte Götter!


22. April

Mozart KV 256 Arie für Tenor "Clarice cara mia sposa"

Odyssee 8, 367 - 399


Abschiedsparty für Odysseus in Korfu bei Alkinoos, König der Phäaken.

Nach des Sängers zweitem Lied tanzen Halios und Laodamas mit einem roten Ball ein kustvolles Ballett, dann fordert Alkinoos seine 12 Fürsten auf, dass jeder dem Fremdling ein Geschenk, nämlich Mantel und Leibrock und ein Talent Gold überreicht.

Dazu singt "im angemessenen Tempo ein großer Schwätzer" die Einlagearie Clarice cara mia sposa für die Salzburger Aufführung von Niccolò Piccinis 'L’astratto ovvero il giocatore fortunato'. Amadé komponiert eine konventionelle Buffa-Arie. Die Vorgabe In tempo comodo d’un gran ciarlone verweist auf den typischen Charakter des Capitano der Commedia dell’arte, der hier in Achteltriolen fast durchgängig plappert - eine sängerische Glanzleistung! Nur der Vater Clarices unterbricht ihn von Zeit zu Zeit, was der Komposition den Anklang an eine Scena verleiht.

KV 256

CAPITANO
Clarice cara
Mia sposa dev'essere
Per la magnetica
Virtù simpatica,
Voglio convincermi
Colla grammatica,
Colla retorica,
Logica e fisica,
La matematica
Non può l'allar.

DON TIMOTEO
Piano per carità ...

CAPITANO
Se in questa musica
Non sian unisoni
Tritoni e dissoni,
Vuo' fulminar.
Dell'arte medica
Con lutti i recipi,
Con mille cabale
Dell'aritmetica,
Degli avvocati
Con tutti gli et caetera,
Voi lo vedrete.
Voi lo sapete.
Saprò trionfar.
DON TIMOTEO
Caro signor Dottore, lasciate almen
Ch'anch'io vi dica una ragion ...

CAPITANO
Con carte esatte,
Con nautica bussola
D'un cor amabile
La cinosura
Certa e sicura
Saprò ritrovar.
Se mi diceste
Che cosa impossibile,
Quel vostro petto
Di tigre inflessibile
Con un fendente
Vorrei spalancar.

DON TIMOTEO
Molto tenuto io sono
Alle finezze sue;
Ma cospettaccio!

CAPITANO
Ma se poi facile Siete e pieghevole,
Cento bucefali
Vuo' che s'attacchino,
E Salamanca, Firenze e poi Tunesi,
Londra,Berlin, Roma,
Torino e Padova,
Amsterdam, Montpellier,
Livorno e Genova,
Vuo' testimoni Dell'inclito merito
Della mia bella,
Dell'impareggiabile Sposa adorabile
Del celeberrimo
Dottor giuridico, Medico, fisico,
Che tutto il mondo
Vedrem stupefar.

CAPITANO Die liebe Clarice muß meine Braut werden, sie, die anziehend ist wie durch magnetische Eigenschaften. Ich will mich überzeugen. Mit der Grammatik, mit der Rhetorik, mit der Logik und Physik, mit der Mathematik kann es nicht fehlgehen.
DON TIMOTEO Sachte, um Gottes willen ...
CAPITANO Wenn in dieser Musik keine Unisoni, Tritoni und Dissonanzen sind, dann will ich wettern. Durch die ärztliche Kunst mit allen Rezepten, mit tausend Listen der Arithmetik, mit allem et celera der Advokaten, Ihr werdet es sehen, Ihr werdet es erfahren, werde ich zu triumphieren wissen.
DON TIMOTEO Mein lieber Herr Dottore, lasst auch mich wenigstens Euch etwas Vernünftiges sagen.
CAPITANO Mit genauen Karten, mit einemn Seemannskompass weiß ich die Wege eures liebenswürdigen Herzens gewiß und sicher herauszufinden. Wenn Ihr mir sagen würdet, die Sach sei unmöglich, so möchte ich Eure wie die eines Tigers unbeugsame Brust mit einem Degen aufreißen.
DON TIMOTEO Ich bin Eurer Gefälligkeit sehr verbundcn, doch zum Donnerwetter...
CAPITANO Doch wenn Ihr keine Schwierigkeiten macht und nachgiebig seid, dann will ich, dass hundert wilde Pferde Euch angreifen, und ich will Salamanca, Florenz, dann Tunis, London, Berlin, Rom, Turin und Padua, Amsterdam, Montpellier, Livorno und Genua zu Zeugen anrufen für das ruhmreiche Verdienst meiner Schönen, der unvergleichlichen, anbetungswürdigen Braut des beruhmten Doktors der Rechte der Medizin, der Physik, von dem wir sehen, dass er die ganze Welt, in Staunen versetzt.


23. April

KV 257 Missa ("Große Credo-Messe")

Odyssee 8, 400 - 432


Odysseus wird in Korfu weiter verwöhnt.

Alkinoos lässt den Fremden reich beschenken, Euryalos, der ihn povoziert hat, überreicht Odysseus zur Versöhnung sein wertvolles Schwert aus Eisen, Silber und Elfenbein, Alkinoos einen schönen goldenen Pokal, der Tag neigt sich ...

Abends werden die Götter verehrt.
Amadé komponiert hierzu im November 1776 die Große Credo Messe KV 257. Sie erklingt zur Bischofsweihe des Grafen von Spaur im Salzburger Dom. Formal steht sie zwischen Missa brevis und Missa longa, sie ist eine Mischung aus beiden Gattungen. Mozart verzichtet gänzlich auf Fugenkompositionen. Das Credo legt er dafür in einem großen sinfonischen Satz an. Den Schlussteil, dem Stil eines Opera-buffa-Finales vergleichbar, erneuert er; ebenso ein Novum ist die stringente Verbindung einzelner Sätze .

KV 257




24. April

KV 258 Missa brevis "Spaur-Messe"

Odyssee 8, 433 - 459


Odysseus in Korfu.
Arete, die Königin, läßt ihm ein Bad heiß machen und bringt ihm eine schöne Lade für seine Geschenke, die Mägde baden den Fremden, Odysseus geht zu den zechenden Männern, an der Pforte steht Nausikaa, ihr bewundernder Blick ruht auf Odysseus.


Joseph Graf von Spaur

?Angeblich schreibt Mozart die Spaur-Messe zur Konsekration von Friedrich Franz Joseph Graf von Spaur, dem späteren Domdechant von Salzburg, andere Quellen besagen, das sei die Messe KV 257 (siehe 23. April).
Gelegentlich trägt die Missa brevis KV 258 den Beinamen 'Piccolomini-Messe'.

KV 258


(Text siehe 14. April)


25. April

KV 259 Missa brevis (Orgelsolo-Messe)

Odyssee 8, 460 - 498


Odysseus in Korfu.
Nausikaa und Odysseus verabschieden sich voneinander. Odysseus spendiert dem Sänger Demodokos ein gutes Stück Schweinefleisch und bittet ihn dann, ein Lied vom hölzernen Pferd zu singen, durch das Troja fiel.

Die Griechen feierten die Eroberung Trojas ebenfalls mit einem Gottesdienst.
Die Orgelsolo-Messe KV 259 ist die kürzeste Messe Mozarts. Der erste Teil des Agnus Dei wirkt mit seiner pizzicato begleiteten Violinmelodie wie eine Serenade.
Amadé schreibt die Messe für das Fest der Unschuldigen Kinder am 28. Dezember 1776. Die Sängerknaben müssen im Salzburger Dom den Sopran- und Alt-Part singen. Im Benedictus-Quartett setzt er die Orgel solistisch ein. Die Kürze des Ganzen, von Collordeo gefordert, ist radikal. Die Violinkantilene im Agnus Dei lässt uns die Arie Porgi amor aus Figaros Hochzeit vorausahnen.

KV 259




26. April

KV 271 Konzert für Klavier (Jeunehomme-Konzert)

Odyssee 8, 499 - 520


Letzer Abend des Odysseus in Korfu.
Der Sänger singt ein drittes Lied vom Kampf der Griechen gegen Troja:
Wie sie zum Schein ablegten, das hohle Pferd hinterlassend, wo sich die tapfersten griechischen Kämpfer verbargen. Wie die Tojaner beratschlagten, ob man das Pferd spalte, oder von der Zinne stürze oder als Sühneopfer einweihe. Und der Sänger erzählt davon, wie die Kämpfer aus dem Bauche des Pferdes hervorstürzen, die stolze Festung nehmen und wie Odysseus und Menelaos sich dem Kampf Mann gegen Mann stellen.

Mitsuko Uchida spielt zum Lied des Sängers. Die Salzburger Zeit Mozarts geht - wie der Kampf der Griechen vor Troja - langsam zu Ende.
Sein letztes Solokonzert für Klavier dort ist KV 271. Er schreibt es im Januar 1777 für die französische Pianistin Louise-Victoire Jenamy (aufgrund eines Lesefehlers fungiert es als „Jeunehomme-Konzert“), Tochter des berühmten Tanzmeisters Jean-Georges Noverre. Amadé erschließt dem Genre ungeahnte Dimensionen der musikalischen Form und des Ausdrucks. Neuland betritt er mit dem unvermuteten Einsatz des Solisten im Nachsatz des Kopfthemas im 1. Tutti sowie an anderen unüblichen Stellen und nach der Kadenz im 1. Satz; mit dem Instrumentalrezitativ, der Molltonart (c-Moll) und einer an Vokalmusik gemahnenden Gefühlstiefe im 2. Satz; mit dem schier endlosen Rondo-Finale (467 Takte), in dem ein Menuett in der ungewöhnlichen Tonart As-Dur als Mittelteil auf die Widmungsträgerin verweist; und schließlich mit motivischen Verwandtschaften zwischen allen drei Sätzen.
Man traut seinen Ohren nicht: Alles ist plötzlich anders, neu, großartig und unerwartet, Troja ist von den Griechen erobert und der Olymp der Genies durch Anmadé ...

KV 271




27. April

KV 287 (271b) Divertimento "Zweite Lodronische Nachtmusik"

Odyssee 8, 520 - 549


Odysseus hört in Korfu das Lied vom hölzernen Pferd.
Nach des Sängers drittem Lied vergießt Odysseus lang bittere Tränen, er verbirgt es wieder, nur König Alkinoos bemerkt es. Alkinoos bittet den Sänger zu schweigen, der Fremdling sei so traurig. Er fordert alle zur Heiterkeit auf und wendet sich dann an Odysseus, der ihm eine ehrliche Antwort geben soll.

Beim Namenstag der Gräfin Antonia Lodron geht es heiter zu, weil Amadé, wie schon 1776 (siehe 15. April) nun auch 1777 der Gräfin ein Divertimento zu ihrem Namenstag schreibt. KV 287 zeichnet sich - wie KV 247 - durch hohen musikalischen Anspruch und virtuose Anforderungen an die erste Violine aus.
Im B-Dur-Divertimento überlässt Mozart in den langsamen Sätzen die Führung zumeist der ersten Violine, die in Kantilenen und ziselierten Figuren schwelgt.

KV 287




28. April

KV 267 (KV 271 c) Vier Kontretänze

Odyssee 8, 550 - Ende


Odysseus beim Abschiedsfest auf Korfu.
Antinoos fragt ihn nach Namen, Herkunft und Heimatort. Dies müssten die Ruderer wissen, die ihn ja dorthin bringen sollen. Poseidon zürne den Phäaken, weil sie die Schiffe geleiten. Der Meeresgott, heißt es, werde dereinst eines ihrer Schiffs zerschmettern, wenn es von einem Geleit zurückkomme. Dann will Alkinoos noch wissen, wo der Fremde überall gewesen sei und was er dort erlebt habe. Und warum er so traurig werde bei den Geschichten von Troja.

Offensichtlich können auch Mozarts Kompositionen Odysseus nicht aufheitern.
Im Karneval 1777 komponiert Amadé die 4 Kontretänze. Dabei tritt er aus dem gewöhnlichen Prinzip des Solo-Tutti-Wechsels heraus und macht die Grundform dadurch undeutlicher. Auch in der Instrumentation wählt Mozart den eher ungewöhnlichen Weg, dem Fagott nicht seinen gewohnten Rahmen als Bassinstrument, sondern eine Melodiefunktion zuzuweisen.

KV 267




29. April

KV 270 Divertimento

Odyssee 9, 1 - 36


Odysseus in Korfu erklärt sich.
Er lobt den Sänger; es gäbe nichts Schöneres, als einem Sänger beim Festmahl zu lauschen.
Wo soll er bei seiner eigenen Geschichte anfangen?
Er sei Odysseus, komme von Ithaka mit dem Berg Neriton, östlich davon liegt Same und Dulchin, westlich Zykonthos. Ihn habe Kalypso und Kirke festgehalten, sich beide ihn als Gemahl wünschend. Keiner gelang es, sein standhaftes Herz zu bewegen. Immer habe er sich nach den Seinen gesehnt.

Das Divertimento in B, das Amadé 1777 komponiert, erklingt bei so manchem Festmahl.
Den Kopfsatz präsentiert Mozart als streng gegliederten Sonatensatz mit zwei kontrastierenden Themen. Im Andantino verbindet er Liedform und Rondo-Elemente; den nach nach dem Menuett folgenden Finalsatzal konzipiert er als Rondo in symmetrisch geschlossener Bogenform.

KV 270




30. April

KV 271a (271i) Konzert für Violine

Odyssee 9, 37 - 81


Odysseus erzählt in Korfu den Phäaken weiter von seiner traurigen Heimfahrt:
Von Ilion vertreibt ihn der Wind zur Stadt der Kikonen, er verheert sie und tilgt deren Männer; Frauen und Schätze teilen sie sich. Andere Kikonen bekämpfen sie, nach erheblichen Opfern segeln sie weiter. Zwei Tage Meltemi in Sturmstärke peitschen sie weiter, dann kommt schönes Wetter, bei Kap Maleia aber verschlägt erneut Flut, Strom und Meltemi sie weit fort von Kythere.

Nicht ganz sicher ist, ob Odysseus das Eine oder Andere wirklich erlebt hat. Ebenso unsicher ist, ob Amadé das Konzert Nr. 7 D-Dur für Violine und Orchester tatsächlich komponierte. Jedenfalls stammt es vom Sommer 1777 und alle Solisten auf der Welt spielen es seit Jahrhunderten eifrig als Mozarts Werk.

KV 271 a