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1984

1984 Various Positions

If it be Your Will

Cohens Hinwendung zu religiösen Themen erreicht im 1984 nach einer längeren Pause erschienenen Album Höhepunkte. "If It Be Your Will" hat Cohen selbst als seinen besten Song bezeichnet. Von den Selbstzweifeln der frühen Alben ist weniger zu spüren.



If it be your will, that I speak no more
And my voice be still, as it was before
I will speak no more, I shall abide until
I am spoken for, if it be your will

If it be your will, that a voice be true
From this broken hill, I will sing to you
From this broken hill
All your praises they shall ring
If it be your will, to let me sing

From this broken hill
All your praises they shall ring
If it be your will, to let me sing

If it be your will, if there is a choice
Let the rivers fill, let the hills rejoice
Let your mercy spill
On all these burning hearts in Hell
If it be your will, to make us well

And draw us near and bind us tight
All your children here, in their rags of light
In our rags of light, all dressed to kill
And end this night, if it be your will
If it be your will
Ist es dein Wunsch, dass ich verstumme
Und meine Stimme schweigt, wie es war,
Werde ich verstummen und schweigen bis
Ich erlöst bin, so du es willst.

Ist es dein Wunsch, dass eine Stimme wahr spreche,
Singe ich zu dir von diesen Hügeln.
Von diesen Hügeln
Aller Lobpreis erklinge
Wenn du wünschst, dass ich singe.

Von diesen Hügeln
Aller Lobpreis erklinge
Wenn du wünschst, dass ich singe.

Ist es dein Wunsch, wenn du es vermagst
Lasset die Wasser fließen, die Berge erklingen.
Deine Gnade überwalle
All die Herzen in der Hölle dösen
Wenn es dein Wunsch ist, uns zu erlösen.

Nimm uns auf und halte uns dicht
Deine Kinder all, im Tuch aus Licht.
Wir im Engelsgewand in der strahlenden Tracht
Ist es dein Wunsch, beende die Nacht.
Wenn du es wünscht.



Dance me to the end of Love
















1) Anspielung auf Bathseba, die Frau Urijas, die David ihm ausgespannt hat
2) Anspielung darauf, dass zur Strafe Davids Reich nach seinem Tod in zwei Teile zerbrach
3) Anspielung auf Dalilah, die Samson seine langen Haare abschnitt,
in denen das Geheimnis seiner übermenschlichen Kraft lag


Und als das Jahr um war, zur Zeit, da die Könige ins Feld zu ziehen pflegen, sandte David Joab und seine Knechte mit ihm und ganz Israel, damit sie das Land der Ammoniter verheerten und Rabba belagerten. David aber blieb in Jerusalem. Und es begab sich, dass David um den Abend aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt. Und David sandte hin und ließ nach der Frau fragen und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Eliams, die Frau Urias, des Hetiters? Und David sandte Boten hin und ließ sie holen. Und als sie zu ihm kam, schlief er bei ihr; sie aber hatte sich gerade gereinigt von ihrer Unreinheit. Und sie kehrte in ihr Haus zurück. Und die Frau ward schwanger und sandte hin und ließ David sagen: Ich bin schwanger geworden.
Zur Strafe Davids zerbrach das Reich nach seinem Tod in zwei Teile.

John Cale Brüssel 1992:

"Hallelujah", das meistgecoverte Lied der Welt: Über drei Jahrzehnte ändert Leonard Cohen immer wieder die Verse. Was sich dahinter verbrigt, recherchiert Rose-Maria Gropp 2017 in ihrem Blog - und viele Leser helfen mit

1988 schreibt Cohen zusammen mit Jennifer Warnes und Bill Elliott das Lied der Bernadette:



Hallelujah 1988

Und am 17. Mai 2010 singt Lenny

People, I didn’t come to Lörrach (da fand das Konzert statt!) to fool you

Bob Dylan hat "Hallelujah" 1988 gecovert



Das schrieb die Süddeutsche zu Cohens Tod:

Seinen bekanntesten Song konnte Cohen selbst irgendwann nicht mehr hören.
Hommage an ein vernichtend hoffnungsvolles Lied.


Es ist schwer, sich von Gemeinplätzen fernzuhalten in diesem Jahr. Hält man sich von ihnen fern, ist nicht viel zu sagen. Der Tod ist eine Sache der Sprachlosigkeit.
Spricht man doch - es kann angemessen sein. Man könnte sagen "Leonard Cohen ist gestorben", man könnte sagen "Einer der größten Musiker unserer Zeit", man könnte ihm irgendwelche Wünsche und Dankesbezeugungen mit auf dem Weg geben. Man könnte versuchen, seine Bedeutung einzuordnen, seine großen Songs aufzählen, die üblichen Geschichten erzählen. Doch zum Glück kann zuweilen Musik übernehmen, da, wo man nichts sagen will oder kann: Sondern hören.
Das Lied, das in diesem Moment wohl viele hören, sein bekanntestes, meist zitiertes, ist "Hallelujah".
Es ist, auch das ist tröstlich, ein zugleich vernichtendes und hoffnungsvolles, ein in seinem Ernst humorvolles Lied. "The fourth, the fifth, the minor fall and the major lift," dazu die Akkorde F - G - Am - F, je nach Version, und die rhetorische, fast alberne Frage: "But you don't really care for music, do you?"
Es heißt, Cohen selbst habe 80 Strophen geschrieben. Der Song wurde so oft gespielt, dass Cohen im Juli 2009 im Guardian darum bat, "Hallelujah" doch bitte eine Weile nicht mehr zu covern. "Ich habe gerade eine Rezension des Filmes 'The Watchmen' gelesen," sagte er, "und der Rezensent schrieb 'Can we please have a moratorium on Hallelujah in movies and television shows?'. Und es geht mir nicht anders. Es ist ein guter Song, aber zu viele Leute singen ihn."
Dabei hatte es fünf Jahre gedauert, den Song zu schreiben - und 15, bis er berühmt wurde. Das Album, auf dem "Hallelujah" war, "Various Positions", wollte Sony nicht einmal veröffentlichen. Sie fanden es nicht gut genug. Erst Jeff Buckleys Version machte das Lied berühmt; Buckley, der es nicht als eine Hommage an Gott sah, sondern als "das Hallelujah des Orgasmus". Als eine "Ode an das Leben und die Liebe." Er zweifelte so sehr an seiner Version, dass er hoffte, Cohen würde sie niemals hören (ein Wunsch, der wohl unerfüllt blieb).

Es wurde viel geschrieben über die Vermischung christlicher und sexueller Bilder im Song, darüber, wie in Cohens Fassung Delilah Samsons Locken abschneidet. "She tied you to her kitchen chair, she broke your throne and she cut your hair". Aber eigentlich ist es der Küchenstuhl, der die biblische Szene in die Gegenwart versetzt, und das Lied wird wohl noch gegenwärtig sein, wenn es schon eine Weile keine Küchenstühle mehr gibt. Und bis dahin?
"Ich glaube nicht, dass ich jemals unter den Sternen verweilen werde. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Lorbeerkranz haben werde. Ich glaube nicht, dass Geister erotische Botschaften in mein warmes Haar flüstern werden. Ich werde nie eine anmutige Art finden, einen braunen Lunchbeutel auf einer Busfahrt zu tragen. Ich werde zu Beerdigungen gehen, und sie werden mich an nichts erinnern", schrieb Cohen in seinem Buch "Beautiful Losers".
In vielen Dingen hatte er recht, in manchen nicht. Er weilt jetzt unter den Sternen. Es wird noch viele Coverversionen von "Hallelujah" geben. Viele Beileidsbekundungen, echte und leere. Cohen war immer für beides, für das Hässliche und das Schöne, das Hohe und das Profane. Vielleicht ist sein Tod ein Anlass, ein Zeichen zu setzen - für die Schönheit und gegen die Herrschaft des Geschwätzes, das alles hässlich macht. Das liegt letztlich in der Gewalt der Hörenden.
Denn um eine rhetorische Frage zu beantworten, "But you don't really care for music, do you?" Doch, tun wir. Wer nicht?



Fortsetzung