Mini-Kosmos
Inhalt
1



1969
1971
1974
1977
1984
1988
1992
2001
2004
2012
2014
2016






1967 bis 2016

Was wir brauchen,
sind ein paar verrückte Leute;
seht euch an,
wohin uns die Normalen gebracht haben.


George Bernard Shaw    


1967 Songs of Leonard Cohen




Suzanne




Lenny und Marianne


Leonard Cohen kannst du nur verstehen, wenn du Hydra kennst.

Hier nimmt er Drogen, vergnügt sich in der Taverne, schreibt unsterbliche Songs, entdeckt die Liebe. Der junge Dichter sitzt an dieser göttlichen Kraftquelle, die sein Leben verändern wird, und blättert in dem Buch des Schriftstellers Henry Miller, der die Faszination der Insel Hydra in Worte fasst:

Dieser Fels lebt, ist eine göttliche Kraftquelle, die in Zeit und Raum schwebt und eine lange oder kurze Fermate der endlosen Schöpfungsmelodie bildet. Hydra war in dieser Melodie von einem großen Komponisten als Ruhepunkt geschaffen worden. Es ist einer jener göttlichen Ruhepunkte, die es dem Musiker, wenn er die Melodie wieder aufnimmt, ermöglichen, eine völlig andere Richtung einzuschlagen.

Als Leonard Cohen auf Hydra ankommt, leuchtet ihm das Kalkweiß der Kapitänshäuser entgegen vor dem grauen, hohen kahlen Fels. Das ägäische Licht kennt keinen Weichzeichner, es lässt alle Kanten scharf hervortreten. Cohen, der die Dunkelheit in seiner Seele spürt, verliebt sich in dieses Licht, und bald auch in die junge Norwegerin Marianne Ihlen, die ihm auf der griechischen Insel zur Gefährtin wird. "Die schönste Frau, die ich jemals sah."

Mit ihr und Freunden aus der Künstlerkolonie, die Hydra in den Sechzigerjahren für sich entdecken, trifft er sich bei "Katsikas", einem Kafenio am Hafen, das heute "Roloi" heißt, beschützt vom Uhrturm. An seine Mutter schreibt der Kanadier, noch kein Sänger, aber schon Dichter, wie sehr er die "musical voices" der Händler und der Esel schätze.

Heute ist Hydra nur noch im Winter, wenn feuchte Kälte in die Steinhäuser einzieht, Zuflucht für Einsamkeitssucher. Im Sommer liegen hier die Yachten reicher Athener und die Boote des maritimen Jetsets Rumpf an Rumpf. Die von strengstem Denkmalschutz bewahrten Häuser der Hydrioten kosten eher 1,5 Millionen statt 1.500 Dollar. So hat sich die Welt verändert, Cohen es geahnt, als er nach der Wende in seinem Album The Future 1992 der Postwende-Euphorie seinen Geschichtspessimismus entgegenschleudert: Ich habe die Zukunft gesehen; sie ist mörderisch ...



Vom Vater hat er das untrügliche Gespür für Anzüge geerbt, von der Mutter neben dem Gefühl unerschütterlicher Liebe eine Neigung zu Depressionen. 1934 in Montreal geboren, wächst er in den geordneten Verhältnissen eines wohlhabenden jüdischen Elternhauses in Montreal auf. Mit Energie verfolgt er sein Ziel, Schriftsteller zu werden. Cohen studiert Englische Literatur an der McGill University in Montreal, umgibt sich mit Dichtern wie Irving Layton und bringt 1956 seinen ersten Gedichtband heraus.

Er versucht dann sein Glück in New York, kehrt zurück, schreibt wie ein Besessener, trägt seine Gedichte zu Jazz Musik vor, aber die Unruhe da Wanderjahre blieb - nicht nur auf seinen nächtlichen Streifzügen durch die Straßen Montreals. Er zieht nach London, wo ihm seine Wirtin Mrs. Pullman täglich drei Romanseiten abfordert.
Und dann auf die Insel Hydra. Schreiben, Baden, spirituelles Suchen, sexuelle Revolution. Trotz seiner Muse Marianne zieht er weiter nach Havanna, wo in seine Mutter 1961 während der Kubakrise rettet. Wieder New York, 1967 sein erstes Album Songs of Leonard Cohen mit jenem Sound, der bis heute nachhallt.

Bei seiner Ankunft auf Hydra hat Cohen noch keine Melodien für seine Verse im Kopf, sechs Jahre werden noch bis zu seinem ersten Album vergehen. Der Gedichtband The Spice Box of Earth ver verkauft sich, Von einer kleinen Erbschaft kann er gut auf der Insel leben, für 1.500 Dollar kauft er ein weißes Häuschen.


Und wäre er nicht in einer Bank im verregneten London einem tief gebräunten Mann begegnet, der ihm erzählt, dass er in Griechenland gewesen sei, wer weiß, ob sich Cohen dann ohne zu zögern ein Flugticket gekauft hätte, um eine neue Richtung einzuschlagen, von der er damals gar nicht wusste, wohin sie führen wird. Hydra verspricht ihm Ruhe, Einsamkeit und Konzentration. Dabei helfen ihm auch die Drogen: "Ich habe einen Trip nach dem anderen genommen, saß auf der Terrasse in Griechenland und wartete darauf, Gott zu sehen. Fast immer hatte ich aber nur einen schlimmen Kater."
Den Nachdurst löscht er in seiner Lieblingstaverna "Douskos".







Als irgendwann der Müllmann bei ihm in der Küche sitzt und mit dem Kanadier Cohen im gebrochenen Englisch plaudert, weiß der, dass man den Fremden mit seinen Notizbüchlein akzeptiert hat.

Tassos dreht seinen Stock.Er hat die meiste Zeit seines Lebens im Kafenion am Hafen verbracht. Zuerst hinter dem Tresen, im Alter als Gast. Jeden Tag um vier nimmt er seinen Platz auf der Terrasse ein, neben den Stufen, die ins Dorf hinaufführen. Auf der anderen Wegseite war früher der Laden von Katzikas. An den zwei Tischen, die bei ihm vor der Tür standen, trifft sich in den Sechzigern eine Clique junger Maler und Schriftsteller aus dem Ausland.
"Wenn sie nicht bei mir saßen, dann saßen sie drüben bei Katzikas", sagt Tassos.
Sie sind auf den Spuren Henry Millers, der den "kahlen Felsen" in seinem Griechenlandbuch von 1941 erwähnt. Darin lobt er die kubistisch verschachtelten Häuser des Städtchens als Inbegriff einer fehlerfreien Anarchie.

Tassos ist 1961, im selben Jahr wie Cohen, in einem Fischerboot vom Peloponnes nach Hydra gekommen, um im Lokal seines Onkels als Kellner zu arbeiten. Die 300 Schafe des Vaters hatten nicht mehr gereicht, um ihn und seine fünf Geschwister zu ernähren. "Wir liefen barfuß hinter den Viechern her", sagt er. Später war Tassos der Wirt des Kafenions am Hafen.




Dimitris Gassoumis kommt jeden Morgen um elf, um die International Herald Tribune zu lesen. Tassos und Dimitris kennen sich fast fünfzig Jahre. Gassoumis’ Mutter stammt von Hydra, der Vater aus Kalifornien, wo Dimitris Kunst studiert hat. "Aber damit ließ sich kein Geld verdienen. Also sagte mein Vater: Fahrt nach Hydra, da ist das Leben billig, da kannst du malen." Heute hat Gassoumis ein wunderbares Haus mit steinernen Arkaden und hölzernen Decken, aus den Ritzen zwischen den Steinen rieselt leise der Sand. Gassoumis ist einer der letzten aus der Künstler-Clique, der große alte Mann.



Pantelis Lembetis - auch er trinkt seinen Kaffee noch bei Tassos. Pantelis ist der heimliche Hafenmeister von Hydra. Mit seinem langen Bart und den langen Haaren unter der Kappe erinnert er an die Piraten. In den schlechten Tagen der Insel lief er, zur Tatenlosigkeit verdammt, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Kai auf und ab. Doch als sich Ende der Sechziger die Jachten vor dem kleinen Hafen zu stauen beginnen, ist es Pantelis mit seinem winzigen roten Ruderboot, der für sie immer noch einen Anlegeplatz findet.


Wenn Pantelis keine Boote in die Nischen des Hafenbeckens lotste, dann saß er mit den jungen Leuten vor dem Laden von Katzikas.
"Wenn die Stimmung gut war, dann holte Leonardo seine Gitarre heraus und spielte uns was vor. Ich dachte immer: Mein Gott, der lernt das nie! Aber da hab ich mich wohl geirrt."
Jetzt hängt eine Fotografie des kanadischen Liedermachers nebenan in der Piratis-Bar mit der hölzernen Figur eines wilden Piraten und einem Wandgemälde von Dimitris Gassoumis, das die heldenhaften Hydrioten im Kampf zeigt.
Weiter oben, hinter dem Hügel, im Laden von Maria, wo die Häuser noch ein bisschen enger zusammenrücken und noch mehr Kringel kleiner Katzen in schattigen Schlupfwinkeln liegen, schimpft man über den Denkmalschutz.

"Wir dürfen nicht einmal ein Fenster auswechseln, ohne seitenweise Anträge zu stellen! Alles muss bleiben, wie es war. Und wer lohnt es uns? Niemand. Nicht einmal Leonardo kam zum Einkaufen." Obwohl sein Haus gleich um die Ecke liegt. "Die waren immer unten bei Katzikas."
Katzikas hatte alles, was ein Mensch zum Leben braucht: Brot, Konserven, Seife, Geschirr, getrocknete Bohnen, Petroleum.
"Was immer man kaufte in diesem Laden, es roch nach Petroleum", erinnert sich Dimitris Gassoumis. Kanisterweise schleppten es die Bewohner der Insel zu ihren Häusern, um ihre Lampen damit zu füllen. Als man 1962 Strommasten vor Cohens Haus errichtet, fürchtet der Dichter um jene Einfachheit, die ihn so inspirierte. Doch als er sieht, wie sich Vögel auf die Drähte setzen und zu zwitschern beginnen, stimmt er sein später weltberühmtes Lied an: Bird On A Wire

Doch nicht nur die Stille und der griechische Wein berauschen die Künstler, auch die Frauen spielen Hauptrollen im Amphitheater von Hydra. Schöne Frauen.

»Die schönsten Frauen der Welt waren hier, die Callas, Greta Garbo… Eines Tages kam wieder so eine sehr, sehr schöne Frau.« Es ist die Frau des Schriftstellers Axel Jensen. Sie versucht, sich in den vollgestopften Regalen von Katzikas Laden zurechtzufinden. Irgendwann steht einer der Jungs hinter ihr, die Gitarre in der Hand, und sagt: »Wir sitzen draußen. Setz dich doch zu uns.«

Marianne ist 22 Jahre alt, lebt seit zwei Jahren auf Hydra. Ihr Mann Axel Jensen hat sie wegen einer neuen Liebe gerade mit dem gemeinsamen, vier Monate alten Sohn Lille-Axel auf der Insel zurückgelassen. "Ich fühlte mich damals, als sei ich in zehntausend kleine Stücke zersprungen, die nur durch ein Klebeband zusammengehalten werden".
Cohen erweist sich als tröstender Freund, kümmert sich liebevoll um sie und ihren kleinen Sohn. "Meine Annäherung an Leonard erfolgte im Zeitlupentempo. Wenn er nicht so geduldig mit mir gewesen wäre – ich weiß nicht, ob wir jemals zusammengekommen wären." Als sie sich entschließt, nach Norwegen zurückzukehren, fährt Cohen sie den ganzen Weg von Athen bis Oslo mit dem Auto. "Das war der Moment, als es bei mir Klick machte. Ich verstand, dass dies mehr war als Freundschaft."
Nach einem einsamen Jahr in Norwegen kommt ein Telegram aus Montreal: "Have house. All I need is my woman and her son. Leonard." Die nächsten fünf Jahre leben Marianne, Leonard und Lille-Axel wie eine Familie zusammen – die meiste Zeit auf Hydra.

Und irgendwann kommt die Zeit, ein neues Lied anzustimmen:
»Come over to the window, my little darling. I’d like to try to read your palm…« Es heißt So Long Marianne und ist eines der schönsten Abschiedslieder, die die Welt je gehört hat.

So Long Marianne



"Er war so ein netter Junge!", sagt Dora Mores. Sie sitzt im Schatten eines Baumes vor dem Haus mit den Terrassen ihrer hängenden Gärten, die außerhalb des Städtchens bis ans Ufer reichen. Am Horizont geht gerade die Sonne unter.

"Sie haben sich immer gut benommen. Sonst hätte Charalampos sie auch rausgeschmissen."

Aber die Welt der Seichten und Schönen, die in den Sechzigern die Insel in die Gazetten aller Welt schleudert, ist nicht die Welt der Maler und Schriftsteller. Die sitzen an wackligen Tischen mit Sardellen und Feta, »und immer stand eine Gallone mit Demestica unterm Tisch!«, sagt Pantelis grinsend. "Das Leben war so einfach. Mit jedem Ouzo, den wir bestellten, brachte Katzikas einen Teller kleiner Fische", erzählt Valerie. "Und wenn wir nicht zahlen konnten, dann schrieben wir an. Manchmal vergingen Jahre, bis die Schulden beglichen wurden."
"Auch Leonard hat mal ein Bild gekauft", erinnert sich Dimitris Gassoumis.

Von Anthony Kingsmill. "Die beiden waren gute Freunde, und Anthony war ein ziemlich begabter Maler. Ein bisschen langsam vielleicht." Einmal hatten sie ihre Staffelei nebeneinander aufgestellt, und als Dimitris nach einigen Stunden fertig war, hatte Anthony noch keinen Strich getan. "Leonard jedenfalls hatte ihm ein Bild abgekauft, und als er dann einmal längere Zeit weg war und Anthony wieder Geld brauchte, hat er das Bild einfach ein zweites Mal verkauft. Eines Tages sitzen wir in einer Taverne, da kommt Leonard rein. Anthony neben mir wurde immer kleiner, rutschte fast unter den Tisch, aber ich habe ihn wieder hochgezogen, bis er aufgestanden ist und gesagt hat: Du, Leonard, ich bin bei dir eingebrochen und hab dein Bild noch mal verkauft! Leonard fing an zu lachen, er stand einfach da und lachte und lachte."

"Leonardo hing an Hydra", sagt Tassos. Auch als seine Musik weltbekannt war, zeiht es ihn noch oft auf die Insel: "Ich weiß nicht, was es ist, aber dieses Licht und mein Schreibtisch und die Küche… - es inspiriert mich jedes Mal."

Auch Marianne kommt immer wieder. Und Suzanne. Suzanne, von der die Hydrioten glauben, es sei jene Suzanne, die Leonard Cohen in seinem berühmtesten Lied besingt. Er hat sich gegen solche Vereindeutigungen stets gewehrt. Er sagt, es hätte "auch ein ganz anderer Name über dem Lied stehen können". Doch manchmal sieht man im goldenen Abendlicht unten am Hafen eine schöne Frau mit langem Haar, die zum Einkaufen herunterkommt. "Eine wunderschöne, wirklich wunderschöne Frau", sagt Tassos. »Ein bisschen melancholisch sieht sie manchmal aus", sagt Dimitris. Sie läuft die kurze Promenade entlang, die stolzeste Frau des Hafens, and the sun pours down like honey on our lady of the harbour… Auch sie kommt immer wieder her. Als wäre das die Heimat. Suzanne…




Cohen has explained the song several times, but never identified its subject. In the "Greatest Hits" notes he said it was written "in the midst of a bitter quarrel with a blonde woman". He later explained it on stage, captured on the live bootleg Montreux, 1976. He said he had written it in a room in New York’s Penn Terminal hotel.
"It was a terrible hotel room. The windows wouldn’t close. The radiator wouldn’t stop hissing. The faucet wouldn’t stop its mythological drip into the destroying porcelain sink. I was with the wrong woman as usual. But as your Eastern metaphysicians know, just as from the darkest mud blooms the whitest lotus, so from the brownest hotel room you occasionally get a good song."
It would be natural to assume, then, that the 'blonde woman' was Marianne. Yet he later recalled:
"I remember Marianne looking at my notebook, seeing this song and asking, 'Who’d you write this for?'" So many women, so many songs…





Winter Lady


Teachers


"Did my singing please you?"
"No, the words you sang were wrong"

"Who is it whom I address
Who takes down what I confess?
Are you the teachers of my heart?"
"We teach old hearts to rest"

"Oh, teachers are my lessons done?
I cannot do another one"
They laughed and laughed and said
"Well, child, are your lessons done?"
"Are your lessons done?"



One of us cannot be wrong

An Eskimo showed me a movie
he'd recently taken of you:
the poor man could hardly stop shivering,
his lips and his fingers were blue.
I suppose that he froze when the wind took your clothes
and I guess he just never got warm.
But you stand there so nice, in your blizzard of ice,
oh please let me come into the storm.





Master Song



I believe that you heard your master sing
When I was sick in bed.
I suppose that he told you everything
That I keep locked away in my head.
Your master took you traveling,
Well at least that's what you said.
And now do you come back to bring
Your prisoner wine and bread?

You met him at some temple, where
They take your clothes at the door.
He was just a numberless man in a chair
Who'd just come back from the war.
And you wrap up his tired face in your hair
And he hands you the apple core.
Then he touches your lips now so suddenly bare
Of all the kisses we put on some time before.

And he gave you a German Shepherd to walk
With a collar of leather and nails,
And he never once made you explain or talk
About all of the little details,
Such as who had a word and who had a rock,
And who had you through the mails.
Now your love is a secret all over the block,
And it never stops not even when your master fails.

And he took you up in his aeroplane,
Which he flew without any hands,
And you cruised above the ribbons of rain
That drove the crowd from the stands.
Then he killed the lights in a lonely Lane
And, an ape with angel glands,
Erased the final wisps of pain
With the music of rubber bands.

And now I hear your master sing,
You kneel for him to come.
His body is a golden string
That your body is hanging from.
His body is a golden string,
My body has grown numb.
Oh now you hear your master sing,
Your shirt is all undone.

And will you kneel beside this bed
That we polished so long ago,
Before your master chose instead
To make my bed of snow?
Your eyes are wild and your knuckles are red
And you're speaking far too low.
No I can't make out what your master said
Before he made you go.

Then I think you're playing far too rough
For a lady who's been to the moon;
I've lain by this window long enough
To get used to an empty room.
And your love is some dust in an old man's cough
Who is tapping his foot to a tune,
And your thighs are a ruin, you want too much,
Let's say you came back some time too soon.

I loved your master perfectly
I taught him all that he knew.
He was starving in some deep mystery
Like a man who is sure what is true.
And I sent you to him with my guarantee
I could teach him something new,
And I taught him how you would long for me
No matter what he said no matter what you'd do.

I believe that you heard your master sing
While I was sick in bed,
I'm sure that he told you everything
I must keep locked away in my head.
Your master took you travelling,
Well at least that's what you said,
And now do you come back to bring
Your prisoner wine and bread?






Ein Hörer entnimmt dem "Master Song" Folgendes :
Ein einsamer, verlassener Geliebter (Prisoner) ist vom früher gemeinsam polierten Bett verbannt, Master hat ihm ein Bett aus Schnee bereitet, der Prisoner liegt krank darnieder. Wenn die Geliebte zu ihm zurückkehrt, auch wenn sie Wein und Brot (Abendmahl?) bringt, wird er sie verschmähen.
War der Geliebte früher Masters Lehrmeister?
Hat er seine Geliebte dem Master freiwillig ausgeliefert, um diesem etwas zu lehren, was der bisher noch nicht begriff, nämlich dass sie immer Sehnsucht nach ihrem Geliebten haben wird, egal was Master sagt, oder was sie alles tut (etwa Oralverkehr: You kneel for him to come)?
Der Master, Archetyp des Technokraten, Machthabers und Kriegers (Deutscher Schäferhund mit Leder-Halsband samt Spikes). Gegensatz: Archetyp des poetischen Liebhabers, der Mensch, der den Geist erzeugt, den der Technokrat in Macht transformiert. Aber diesem fehlen wesentliche Punkte, wie etwa Zärtlichkeit oder Freiheit, die Geliebte kann nicht wirklich loskommen von jenem ehemaligen, nunmehr verratenen und verlassenen Geliebten. Selbst wenn sie zurückkehren wollte, es wäre zu spät. Sie hat das Wesentliche, das sie selbst früher besaß (she has been to the moon: der Mond als Symbol der Romantik), verraten und unwiederbringlich verloren.
Was hatte der poetische Liebhaber zu lehren?
Sind damit die Leute gemeint, die die sexuelle Revolution à la 'Suzanne' der 60er Jahre angestoßen haben, um dann Anfang der 70er Jahre psychisch zu verelenden und in Drogen und Selbstmord zu enden? Und hat nun ein anderer Typus jetzt das Heft in der Hand? Graf Porno und seine Groupies als Erben ..



PS
"McCabe & Mrs. Miller", der Anti-Western von Robert Altman aus der Welt der Spielhöllen und Bordelle

Altmann zerstört alle romantischen Vorstellungen von Heldentum der gängigen Western. Der Soundtrack zu dem Meisterwerk von 1971: Lieder von "Songs of Leonard Cohen". Am Ende des deprimierenden Films voller Untergang und Traurigkeit stirbt McCabe, angeschossen von Kopfgeldjägern im Schneechaos eines dreckigen kleinen Bergdorfes. Zeitgleich versinkt seine Liebe Mrs Miller im Opiumrausch, ihre Hoffnungen und Träume gleiten einmal mehr zurück in die Nussschale ihres bleichen, schmalen Körpers. Sie weiß: Wir werden alle sterben. Einsam und fremd, was auch Cohen weiß, der den Geschmack des Todes auf seiner Zunge und in seiner Musik hat.






Fortsetzung