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1974

1974 New Skin for the Old Ceremony

Chelsea Hotel No. 2

Die Abbildung nackter, geflügelter Figuren stammt aus dem alchemistischen Werk Rosarium philosophorum. Prüde USA-Bürger empfinden sie als anstößig und Cohen ersetzt das Titelbild durch ein Foto von sich.
Das besungene Hotel Chelsea # 2 ist seit 2011 geschlossen - nach einer bewegten Geschichte.
Jahrzehntelang ist das Hotel in Manhattan Magnet für Künstler und Kaputte.
1978 stirbt die die 20-jährige Nancy Spungen auf Zimmer 100 durch eine 12,5 Zentimeter lange Klinge eines Jagdmessers im Bauch. Wenig später greift man ihren Freund auf den Fluren auf - schreiend, weinend, fluchend, flehend, offensichtlich auf Drogen: Sid Vicious, Punk-Superstar und ehemaliger Bassist der englischen Band Sex Pistols.
Kaum ein anderes Hotel ist so häufig auf den Titelblättern internationaler Medien zu finden. Und kein zweites Hotel ist so berüchtigt für seine Gäste und ihre Exzesse.
Bob Dylan lebt für vier Jahre in Zimmer 211 und schreibt Songs.







Leonard Cohen:
"Das "Chelsea" gehört zu jener Sorte Hotels, in die man um 4 Uhr morgens mit einem Zwerg, einem Bären und vier Ladys im Schlepptau einchecken kann, ohne dass es jemanden stört". Er hat auf einem der Zimmer kurzen aber offenbar denkwürdigen Sex mit der Rockerin Janis Joplin.




Als Joplin sich danach wieder anzieht, sagte sie lakonisch "Was soll's, wir sind hässlich, aber wir haben die Musik". Cohen zitiert den Ausspruch in seiner Ballade. Später erklärt Cohen, dass, wenn er die Ballade rezitiert, dies indiskret gewesen sei und er sich gerne bei Joplins Geist entschuldigen würde.

Das Rosarium Philosophorum ist ein wichtiges alchemistische Werk von Ende 14. Jahrhundert, bestehend aus einer Zitatsammlung alchemistischer Autoritäten, hat es und wenn ja, welchen Bezug auf die Songsammlung?

1973 reist Cohen nach Ausbruch des Jom-Kippur-Kriegs nach Israel und tourt durch den Sinai, wo er vor israelischen Armeeeinheiten auftritt. Cohen war so überwältigt, dass er sich danach sofort auf einen Stein in die Ecke setzte und das berühmte Lied „Lover Lover Lover“ schrieb.





Lover Lover Lover





And may the spirit of this song
May it rise up pure and free
May it be a shield for you
A shield against the enemy

In der letzten Strophe ermutigt er die israelischen Soldaten.
Und die israelischen Musiker erzählen, was für ein bescheidener Mensch Cohen war. Er besteht darauf, mit ihnen und den israelischen Soldaten im Schlafsack im Dreck zu schlafen und nicht in einem sauberen Zelt oder Zimmer, was immer für Leonard Cohen eingerichtet war.
Im Album "New Skin for the Old Cerenomy“ wird - neben „There Is A War“ mit lebendig sprühendem Folk - im Somg „A Singer Must Die“ die pure Melancholie gefeiert. Allein Cohens sonore Stimme, die immer irgendwie klingt, als fänden die Aufnahmen in leergefegten verrauchten Eckkneipen mit einer ordentlichen Dröhnung kanadischen Roggenwhiskeys statt, verleiht den meisten dieser Songs eine dunkle getragene Wirkung.
„Lover Lover Lover“ landet nur hierzulande in den Hitparaden, warum? Der Song ist eine Ausnahmeerscheinung auf dem Album, und gern wird es als Liebeslied interpretiert, was es aber nicht ist.
Cohen: „Back in 1973 I had the opportunity to observe the grace and the bravery of many Israeli soldier at the front, in the Sahara desert and in the Suez. After I came back from that invigorating and depressing experience, I wrote this song called ‚Lover, lover, lover, lover, lover, lover…'
Ist das Stück einer ernsthafte Erwähnung wert?
Der charismatische Berufsmelancholiker bringt sicher bald wieder ein neues Album heraus, mit verschwurbelter Epik rund um gescheiterte Liebe, düstere Seelen und was die Welt noch so an Brüchigem zu bieten hat. Keiner konnte dies schließlich besser als er.
Ein Hörer;
"Manchmal ist es ganz gut, wenn man nicht weiß, was sich ein Songwriter beim Komponieren gedacht hat… Mir hat das Lied immer gefallen, aber ich habe es eher als spirituelle Klage verstanden – „I want a face that’s fair this time, I want a spirit that is calm“...







Who by Fire




Glen Hansard schätzte Leonard Cohen, den er auch kennengelernt hatte, sehr. Nach Cohens Tod fiel dessen Lieblingsgitarrist Javier Mas, mit dem er über Jahre auf Tour gewesen war, in ein tiefes Loch. Glen Hansard fragte ihn kurz entschlossen, ob er nicht auf seine Tour mitgehen wolle - und Javier Mas sagte zu; in den letzten Jahren haben sie viele gemeinsame Konzerte gegeben - und Glen Hansard spielt immer mindestens einen Cohen-Song - wie hier bei der wunderbaren Studiosession im Gewandhaus zu Leipzig.





Fortsetzung