Irgendwo

hinter Türkenfeld
eine Fichtenschonung
ein Tümpel im
Moor in dem
langsam das
Märzeis zergeht


(Gedichte aus dem Nachlass
S. 516)









Kalter Zug

Umgeben von deutschen
Müttern und eingezogenen
Söhnen mit der Bundesbahn
heimwärts. Das schiefe

Türmchen vor Landsberg
der Mord im Hotel Hahn
das Käsewerk Buchloe
die Irren von Kaufbeuren
die Fenster der Klosterschule
der Abgrund der Kindheit




Und im Finstern
die Röcke hebend
die heilige Elisabeth
vorsichtig über glühende
Pflugscharen schreitend

(Über das Land und das Wasser
S. 37)







Mit dem Zug auf der Heimfahrt von München
mit Wehrpflichtigen im Abteil über



Türkenfeld,



weiter über Landsberg, dort die JVA mit zwei Türmen,
wo Hitler in Festungshaft "Mein Kampf" schreibt,
(die JVA wird dann KZ-Zentrale der Region),
und Uli Hoeneß seine Strafe absitzt,
weiter über



Buchloe mit dem Käsewerk,



über Kaufbeuren mit der so genannten Irrenanstalt
wo Ärzte "lebensunwertes" menschliches Leben vernichten,

und der



Klosterschule

nach Sonthofen, wo Sebald



das Gymnasium

besucht und wo sein Vater in der



Nazi-Ordensburg

als Bundeswehr-Hauptmann Dienst tut.





Schließlich Bamberger Reminiszenzen an die



Heilige Kunigunde - die nämlich und nicht Elisabeth
(ihr wird das "Rosenwunder" zugeschrieben)
läuft im Bamberger Dom, um als des Ehebruchs Bezichtigte
ihre Unschuld zu beweisen, über glühende Pflugscharen ...





Der Mord im Hotel Hahn aber ist rätselhaft ...



Im Herbst 1944 beginnt die Organisation Todt in Türkheim Häuser und ein Außenlager (Frauen- und Männer) des KZs Dachau (Kaufering VI) für 2000 Häftlinge zu errichten, sie müssen unter elenden Bedingungen Zwangsarbeit zur unterirdischen Rüstungsproduktion verrichten, wobei Hunderte zugrunde gehen.
Zu Türkheim gehört das Kommando Türkenfeld, siehe