W. G. Sebald-Handbuch




Das deutsche Gegenstück zu Saturn's Moons - auch Uwe Schütte ist wieder dabei (Wissenschaftliche Biographie, Carl Sternheim, Robert Walser, aglo-ameriksnische Rezeption) - und wie er schreiben alle Autoren klar, sachlich und gut lesbar.
Ein Nachschlagewerk für W. G. Sebald, der, wie die Herausgeber konstatieren, ein kanonischer Autor geworden ist; klar gegliedert behandelt es Leben, Schriften, Essays, wissenschaftliche Texte und Interviews. Wir finden eigene Kapitel über Parameter des Schreibens, Materialität und Medialität, Themen und Diskurse, Referenzen und Rezeption.
Allen Sebaldianern, die Fragen zu irgendeinem Thema haben, geben die Autoren schnell auffindbar umfassend Antwort - das Buch darf in keinem Bücherschrank neben Sebalds Werken fehlen!
Sehr lesenswert die Referenzen auf Kafka, Walser, Nabokov, Benjamin, Améry und Tripp.

Christian Hein (zu Sebalds Rezeption im deutsch-sprachigen Raum):
"Der schreibende Humanist Sebald wird mit ziemlicher Sicherheit immer dem von der Frankfurter Schule beeinflussten und politisch korrekten Intellektuellen den Rang beim Lesepublikum ablaufen. Erfreulich ist, dass sich der Fokus der Sebald-Forschung nach der anfänglichen Begeisterung für Trauma und Erinnerung langsam zu einer holistischeren Betrachtung seines Werks verschiebt. Publikationen wie Bettina Mosbachs Figurationen der Katastrophe oder Uwe Schüttes Internventionen nehmen das gesamte Œuvre unter die Lupe. Besonders im Fall der Internventionen wird auch der Mensch W. G. Sebald als nicht vom Werk zu trennendes Element zum Gegenstand der Untersuchung, was einen sehr viel intimeren Blick auf die Texte Sebalds gestattet und die bisherige Forschungsliteratur um wertvolle Einsichten bereichert".
Die Herausgeber:
"Zugleich sind Sebalds Texte durchdrungen von - philosophischen, ästhetischen, medien- und literaturtheoretischen Reflexionen, was ihm den Vorwurf eingebracht hat, selbst die Spuren für eine hermeneutische Auslegung seiner Texte zu legen - ein Vorwurf, der mit der Doppelqualifikation Sebalds zusammenhängt, der nicht nur Literat, sondern auch an der University of East Anglia lehrender Literaturwissenschaftler war. Marcel Reich-Ranicki prägte in diesem Zusammenhang den Terminus 'Germanistenprosa' und verkannte dabei das Innovative von Sebalds poetischem Verfahren, das Belesenheit und Gelehrtheit zwar zur Voraussetzung hat, sie aber auf eine gattungstypologisch nicht festzulegende und jedenfalls völlig 'ungermanistische' Weise in seinen Texten wirksam werden lässt" - wie wahr!
PS
Der Betreiber der Website kann seine Freude nicht verhehlen, dass diese umfänglich (S. 319) gewürdigt wird.



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