(Nach der Natur S. 10ff)

Wenig bekannt ist über das Leben des


Matthaeus Grünewald
von Aschaffenburg


Von seiner Person wissen wir wenig und von seinem Schaffen haben wir womöglich nur einseitige Kenntnis, ein authentisches Bild von ihm existiert nicht - um so mehr ist sein Leben, wie kaum ein anderes, umflort von Mythen.
Sebald lehnt sich eng an die Forschungen Zülchs an - er zitiert aus dem von einem gewissen Philipp Fürchtegott Reemtsma gesponsortem und diesem gewidmeten Werk ganze Passagen nahezu wörtlich.
Der Kunsthistorikers Walther Karl Zülch forscht ab 1911 über diesen wohl bedeutendsten Maler der europäischen Renaissance, der gleichzeitg "Wasserkunstmacher" ist. Zülchs Ergebnisse sind nicht unumstritten, zumindest aber lösen sie den Konflikt um die Monogrammierung auf.

Wer aber ist der Künstler , dessen - im Vergleich zu anderen - überschaubares Œuvre alle noch so genialen Zeitgenossen übertrifft? Die nachweisebare Tätigkeit dieses Zauberers der Emotionen, eigenwillig und unabhängig, des Magiers des Lichts und der Farbe, währt nicht länger als 25 Jahre.






Der erste Bericht über den Maler
in der
teutschen Academie des Joachim von Sandrart
aus dem Jahr1675 beginnt mit dem Verweis, der Autor
wisse nicht einen Menschen bey leben,
der über die ruhmwürdige Hand eine Schrift
oder mündliche Nachricht geben könne.
Dem Zeugnis Sandrarts dürfen wir trauen,
denn ein Bildnis in einem Würzburger Museum
hat ihn bewahrt, zweiundachtzigjährig,
hellwach und von seltener Klarheit des Blicks.





Als Schuljunge entdeckt Joachim, geboren 1606, bei dem Künstler Uffenbach Zeichnungen eines lange verstorbenen Meisters. Aus dem aufgeweckten Knaben wird der "der deutsche Vasari", ein hoch angesehener, weitgereister Maler und Kenner, Kunstschriftsteller von Rang.
Sandrart verfolgt die Spuren des alten Meisters weiter, seine "Meldungen" machen kunstgeschichtlich Epoche, sind zu wesentlichen Teilen das Fundament des heutigen Wissens um unseren Künstler. Die Kehrseite der unschätzbaren Verdienste Sandrarts ist die Namensgebung. Hieß er Mathis Nithardt/Neithart/Gothart oder Grünewald? Der wohlklingende Name Grünewald besticht, wird geläufig - bis heute. Über den Namen Grünewald zu einer historisch beglaubigten Person vorzudringen, ist unmöglich, diskutiert wird bis heute, ob man sich von diesem Namen nicht ganz verabschieden soll.
Meinungsstand:
- Der Grünewald Sandrarts ist in Wahrheit Mathis Neithart
- Grünewald gibt es tatsächlich
- Grünewald und Mathis kennen sich, sind gar befreundet, arbeiten miteinander
- Mathis (oder umgekehrt) gibt vor, der andere zu sein

























Im Chicagoer Art Institute
hängt das Selbstbildnis eines unbekannten
jungen Malers, das im Jahre 1929 aus Schweden
in den Frankfurter Kunsthandel kam.
Das kleine Ahorntäfelchen zeigt
einen kaum Zwanzigjährigen
in einer engen Stube am Fenster.
Hinter ihm, auf einem in der Perspektive
nicht ganz richtigen Bord, Farbnäpfe,
ein Reibstift, eine Muschel und ein kostbares
Venezianer Glas mit einer durchsichtigen Essenz.
Ein schön geschnitztes beinernes Messer
hält der Maler in seiner Hand und schneidet
die Reißfeder, um alsbald weiterzuzeichnen
an dem Akt einer Frau, welcher vor ihm
neben dem Tintenfäßchen liegt.
Durchs Fenster zu seiner Linken sichtbar
ist eine Landschaft mit Berg und Tal
und dem Band eines Wegs. Dieser sei,
philosophiert Zülch, der Weg in die Welt,
und kein anderer sei ihn gegangen
als der spurlos verschwundene Mann,
dem seine Nachforschung gilt und dessen Kunst
er in dem anonymen Bild zu erkennen vermeint.
Die Bewandtnis mit der Signatur M. N.
über dem Rahmen des Fensters sei die,
daß sich der in den Archiven entdeckte,
durch eigene Arbeit sonst aber nicht nachweisliche Maler
Mathis Nithart hinter dem Namen Grünewald verberge.
Darum die Initialen M. G. und N. auf dem Schnee-
Altar in Aschaffenburg, darum die durch den Unterschied
des Alters besonders merkwürdige Identität
des jungen Malers mit dem Isenheimer
von Pfeilen durchbohrten Sebastian.
Und in der Tat geht die Figur des Mathis Nithart
in den Dokumenten der Zeit in einem Maß
in die Grünewalds über, daß man meint,
der eine habe wirklich das Leben
und zuletzt gar den Tod
des anderen ausgemacht.
Eine Röntgenaufnahme der Sebastianstafel
bringt hinter dem elegischen Porträt
des Heiligen nochmals dasselbe Gesicht
zum Vorschein, das Halbprofil
in der endgültigen Übermalung nur
um ein winziges weiter gewendet.
Hier haben zwei Maler in einem Körper,
indessen verletztes Fleisch ihnen beiden gehörte,
ihre Natur ausstudiert. Zuerst hat Nithart
aus dem Spiegel sein eigenes Bildnis
gefertigt, und Grünewald hat es dann
mit großer Liebe, Genauigkeit und Geduld
und einem bis in die blauen Bartschatten
hineingehenden Interesse an der Haut
und am Haar seines Genossen übermalt.
Das dargestellte Martyrium ist die
noch an den Wundrändern spürbare
Repräsentation einer Männerfreundschaft,
schwankend zwischen Entsetzen und Treue.
Nicht auszuschließen, daß Nithart,
der auch Wasserkunstmacher gewesen ist,
in späteren Jahren der Verwechslung seiner Person
mit dem zunehmend leutscheuen Isenheimer
Meister Vorschub geleistet hat, daß er
vielleicht das Zwischenglied war
zwischen ihm und der ihm durch sein Unglück
unzugänglich gewordenen Welt. Um 1527,
etwa zwölf Jahre nach der Arbeit im Elsaß,
ist Nithart von Frankfurt, wo er das Leben
Grünewalds noch eine Zeitlang geteilt
haben muß, nach Halle gegangen,
um für die berühmten Salzquellen
der Stadt eine Wasserkunst anzulegen,
ein hochkompliziertes Mühlen- und
Röhrensystem so wie das am Main
zu Aschaffenburg, das ein herrliches
Räderwerk war und Schaustück.
Es heißt aber, daß Nithart in Halle
nimmer viel ausgerichtet und oft
die Wohnung gewechselt habe. Im Sommer
des achtundzwanziger Jahrs ist er in eine tiefe
Depression versunken, und dann scheint der Tod
schnell an ihn herangetreten zu sein.
Der Frankfurter Magistrat verordnet
nach Eintreffen der Nachricht vom Ableben
Nitharts die Registrierung des Hausrats
in seinem Atelier. Die lange Liste umfaßt
eine Ansammlung verschiedenster Dinge
Der Nachlaß ist in Wahrheit der zweier Männer,
ob aber Grünewald, der Erfinder der Farben,
die Vorliebe des abgewichenen Freundes
für einen bunten Aufzug geteilt hat,
wissen wir nicht zu sagen.



Mathis Gothart-Nithart oder Mathis Nithart-Gothart soll um 1475/1480 in Würzburg geboren und am 31. August 1528 in Halle an der Saale gestorben sein. Wo und bei wem er die Malerei erlernte, wissen wir nicht. Manche Frühwerke deuten auf eine Anwesenheit in Nürnberg um 1500 hin, ist aber urkundlich nicht nachweisbar. In Mainzer Vikariatsakten ist 1505 erstmals "meister Mathis" mit einem "famulus" in Aschaffenburg bezeugt. Seitdem soll er dort gewohnt und vermutlich als Hofbeamter dem Mainzer Erzbischof Jakob von Liebenstein und dessen Nachfolger Uriel von Gemmingen gedient haben, ab 1509 mit technischen Aufgaben (Wasserkunstmacher) betraut.
Prozessakten und Testament, die wichtigsten Grünewalddokumente, sind im Zweiten Weltkrieg im Stadtarchiv Frankfurt verbrannt. Den Isenheimer Altar soll er zwischen 1512 und spätestens 1516 geschaffen haben.






Mit liecht in grau und schwarz
habe Matthaeus die äußeren Flügel
des von Dürer gefertigten Altars
von der Himmelfahrt Mariae
in dem Prediger Closter zu Frankfurt gemahlt
und also ungefehr 1505 gelebet.
Außer einem Johannes mit zusammengeschlagenen Händen,
dessen er, Sandrart, als er seiner Zeit in Rom
des Papsts Contrafät machte, ansichtig wurde,
sei dies mit Gewißheit alles, was nicht verschollen
von der Arbeit des Aschaffenburger Malers,
von dem ihm sonst nur bewußt, daß er sich meistens
in Maynz aufgehalten, ein eingezogen
melancholisches Leben geführt und
übel verheurathet gewesen.



Etwa 1516 tritt Mathis als Hofmaler in den Dienst des Erzbischofs von Mainz. Als Oberster Kunstbeamter in der Residenzstadt Halle an der Saale ist er für die Überwachung von Bauvorhaben zuständig. Als Wasserkunstmacher soll er die Wasserleitung von Haibach zur Stiftskirche in Aschaffenburg planen und den Bau überwachen.





Wasserkunstmacher Grünewald - spezialisierter Handwerker

Eremit Paulus sitzt neben seiner Quelle:
Ein abgebrochenes, roh der Länge nach gespaltenes Aststück mit ausgefaultem Kernholz dient als Rinne, sie lenkt das Wasser in ein kleines, laienhaft konstruiertes Auffangbecken, das aus einigen an- und ineinander geschobenen Sandsteinplatten besteht. Dazwischen staut und beruhigt sich das Wasser, um es bequem schöpfen zu können und dann gurgelnd durch eine ausgebrochene Ecke der vordersten Platte abzufließen.
Das Detail vom Isenheimer Altar ist der augenzwinkernde Kommentar des eingeweihten Spezialisten auf die im Dunkeln liegenden Anfänge des Wasserbauwesens.

Ähnliche praktische Alltagserfahrungen eines Wasserbaumeisters prägen zudem die Gestaltung der seit langem trocken gefallenen Zisterne auf Grünewalds Stuppacher Madonna: Dort ist genau dargestellt, wie das Austrocknen - offenbar zusammen mit ins Mauerwerk eingedrungenen Pflanzenwurzeln - zum unterschiedlichen Absinken der sorgfältig behauenen Randsteine führt.
Zu allen Schaffensphasen des Meisters finden sich in authentischen Grünewald-Dokumenten Belege für seine Tätigkeit als - modern gesprochen - Wasserbauingenieur. Der Totenschein 1528 bezeichnet ihn als "maler adder wasserkunstmacher".
Unter Wasserkunst versteht man damals - und noch lange danach - alles Wissen und alle manuellen Fertigkeiten, die notwendig sind, um Wasser zu heben, zu leiten oder es sich in anderer Art dienstbar zu machen. Des Weiteren tragen einzelne technische Anlagen und Geräte, deren Herstellung dieses spezifische Können erfordert (etwa alle Arten von Pump-, Saug- und Hebewerken, aufwendige Rohrleitungen und Brunnen) die Bezeichnung "Wasserkünste", ebenso wie alle durch Wasserkraft, das heißt über Mühlwerke, angetriebenen "Maschinen". Wichtiges Einsatzgebiet solcher Pumpen ist der Bergbau, wo sie zur "Sumpfung", d. h. Entwässerung der Stollensohle dienen.

Der spätmittelalterliche Wasserkunstmacher ist kein eigenen Berufsstand, sondern in der Regel ein technisch besonders begabter Zimmermann, der sich - ähnlich wie der Schiffsbauer - über die üblichen Aufgabengebiete des Handwerks hinaus spezialisiert hat. Ob Grünewald sein Können im Verlauf einer regelrechten Lehre erwirbt oder ob es ihm nach und nach aus seinem familiären Umfeld zuwächst, ist ungeklärt. Zeituntypisch wäre ein solcher Prolog der eigentlichen Ausbildung zum Maler jedenfalls nicht. Dieses Wissen nutzt er wiederholt für das malerische Schaffen, etwa zur Steigerung des dramatischen Ausdrucks seiner Kreuzigungsbilder: Es erscheint als ein Widerspruch - aber es ist die betont rohe Machart, in der seine Kreuze aus billigsten Hölzern eilig zusammen gezimmert sind, was seine Achtung vor dem Zimmererhandwerk, seinen Regeln und Idealen, am klarsten offenbart. Kein anderen Maler hat die Handwerksgerechtigkeit und daneben zugleich die ökonomischen Seiten der Herstellung dieser Marterwerkzeuge (geringer Arbeitsaufwand, niedrige Kosten, leichter Transport) gleichermaßen konsequent durchdacht und im Blick gehabt.

Im obigen Bild besteht nicht mehr aus einem Stück, sondern aus zwei separaten, relativ kurzen Holmen. Dafür ist besonders billiges Holz verwendet, das untere Ende dieser Prügel ist mit dem Beil zu einem unregelmäßigen, leicht konisch auslaufenden Vierkant zurechtgehauen. Die Konstruktion des Kreuzes erreicht unter dem Gewicht des daran hängenden Körpers volle Stabilität - konsequent verzichtet der Maler auf die Fußstütze für den Gekreuzigten. Dürfen wir über das Makabre dieses nüchtern, mit lapidarer Sachlichkeit geschilderten Details urteilen?
Auch andere bedeutende Maler haben sich neben der eigentlichen künstlerischen Berufung intensiv mit praktischen Fragen des Wasserbaus und des Ingenieurwesens auseinandergesetzt. Da ist Leonardo Da Vinci, oder Francesco di Giorgio Martini oder da sind die Zeichner des "Mittelalterlichen Hausbuchs", und weiter der Münchener Bildschnitzer Erasmus Grasser, dem seine Fähigkeiten als Wasserkunstmacher zu einer langen Karriere am Hof der Herzöge von Bayern verhelfen.
1510 beschließt das Mainzer Domkapitel, die am Brunnenzug der oberhalb Bingens gelegenen Burg Klopp notwendig gewordenen Arbeiten an »meister Mathys meiern« zu vergeben. 1517 wird Grünewald zur offiziellen Besichtigung des umgebauten Aschaffenburger Marktbrunnens herangezogen. 1523 könnte ihn sein Ruf als Wasserkunstmacher noch einmal ins Eisass geführt haben, nach Zabern, in einen Steinbruch.






Im Frühjahr 1525 ritt Grünewald
durch Aprillicht und Schauer
nach Windsheim, wo er
in der Werkstatt Jakob Secklers
ein kleines Gesprenge aus Weinlaub
und verschiedenen Vögeln
in Arbeit gegeben hatte.
Während Seckler die letzte Hand
an die Sache legte, geriet Grünewald
ins Gespräch mit Barthel und Sebald Beham,
Kupferstecher und Zeichner aus Nürnberg,
die, am 12. Jänner als gottlose Maler
verhaftet und wegen Ketzerei
aus ihrer Heimatstadt ausgewiesen,
vorläufig bei dem Windsheimer Meister logierten.
Die Brüder erzählten auf Spazierwegen
hinaus in die noch fehlfarbenen
Felder und bis tief in die Nacht
von dem in Nürnberg gewesenen Thomas Münzer ,
der jetzt durch Schwaben nach dem Elsaß,
in die Schweiz und den Schwarzwald gegangen sei,
die Erhebung ausrichten. Denn die sechste
Posaune sei im Schwange, und es müsse
der arme Buchstabe ausgelassen werden
aus dem Maul. Klirrend komme
ein großes Pfingstfest,
die Füllung der Wasser
rücke vor, sprudelnd
vereinigten sich die Planeten
im Haus der Fische, der rote
Stern trete in Konjunktion
mit dem Saturn, dem Zeichen
der Bauern, und ein phantastisches
Feuer leuchte dann auf, wenn
in dieser nächst vermuteten Zukunft
ein notiger Hudler erkennbar werde
als der Messias Septentrionalis.
Grünewald sagte, einmal, zur Zeit
seiner Kindheit, er sei sechs oder
sieben gewesen, habe der Pauker
von Niklashausen mit Versprechung
irdischen Glücks für die Ärmsten
das Volk aufgerührt. Fünfzigtausend
seien ihm täglich zugezogen, sein Bethaus
habe sich angefüllt mit riesigen Schätzen,
und das sei eine Zeit so gegangen,
und dann habe man ihn zum Schauspiel
des Pöffel in Würzburg geröstet.
Ich seh schon, fuhr er fort,
unter dem Regenbogen, den ihr überm Land
aufgehen seht, die Reiter
hervorrücken aus ihrem Lager.
Bruder, sprach er, wie sie entlang
der Windsheimer Wälder gingen,
ich weiß, der alte Rock reißt,
und fürchte mich
vor der Neige der Zeit.
Mitte des Mai, Grünewald
war mit seinem Gesprenge
in Frankfurt zurück, war
das Korn weiß zur Ernte,
zog die geschärfte Sichel
durch das Leben eines Heers von fünftausend
in der sonderbaren Schlacht von Frankenhausen ,
in der kaum ein Reisiger fiel,
die Leiber der Bauern aber
zur Hekatombe sich türmten,
weil sie, als wären sie wahnsinnig,
sich weder zur Wehr setzten
noch anschickten zur Flucht.
Als Grünewald am 18. Mai
diese Nachricht erreichte,
ging er nicht mehr außer Haus.
Er hörte aber das Augenausstechen,
das lang noch vorging
zwischen dem Bodensee
und dem Thüringer Wald.
Wochenweis trug er damals
eine dunkle Binde
vordem Gesicht.





Um 1526 scheidet Mathis aus dem Hofdienst, lässt sich in Frankfurt am Main nieder, aus Sympathien zu den rebellierenden Kräften des Bauernkrieges? Er verdient seinen Lebensunterhalt als Seifenmacher, wohnt im Haus Zum Einhorn beim Seidensticker Hans von Saarbrücken. 1527 siedelt er wieder nach Halle über, und verstirbt vor dem 1. September 1528.



Die Alternativ-Biografie Grünewalds

Er wird um 1480 in einem Dorf in der Nähe von Aschaffenburg geboren, das wahrscheinlich mit dem Buchstaben N beginnt. Über seine Jugend ist nichts bekannt. Um 1500 taucht er als Geselle des Malers Hans Fyoll in Frankfurt a. M. auf, ist aber auch wahrscheinlich Schüler Dürers. 1503 malt Grünewald den


Lindenhardter Altar

1504 oder 1505 entsteht die


Münchner Verspottung.

1505 ist Grünewald im Dienst des Mainzer Erzbischofs. Aus dieser Zeit stammen die


Basler Kreuzigung

und die



Standflügel des Helleraltars

für die Dominikanerkirche in Frankfurt. Arbeiten im Auftrag des Domkapitels: der missglückte Kaminbau im Aschaffenburger Schloss (1510/1511) sowie Bau eines Brunnens auf der Burg zu Bingen (1510). Grünewalds Tätigkeit als Hofmaler endet etwa 1512 mit dem Auftrag für den Hochaltar in Isenheim.
1512 geht er nach Frankfurt und heiratet eine 18-jährige Jüdin, leistet den Bürgereid und kauft das Haus zum Löwenstein in der Kannengießergasse am Dom. Im Jahre 1516 ist der Isenheimer Altar Altar vollendet, Grünewald bewirbt sich vergeblich um das städtische Holzmesser-Amt in Frankfurt, weil der Erzbischof Albrecht von Brandenburg nicht ihn, sondern Mathis Gothart als Hofmaler bestellt hat.
1519 vollendet Grünewald den Mariaschneealtar in Aschaffenburg. Grünewald kommt in wirtschaftliche Schwierigkeiten, wird mehrfach verklagt, die finanzielle Lage spitzt sich zu, als seine Frau 1523 dem Wahnsinn verfällt. Er verkaufte 1527 sein Haus und verlässt mit seinem kleinen Kind die Stadt, taucht 1529 auf Burg Reichenberg im Odenwald wieder auf. Grünewald stirbt zwischen 1531 und 1532.











Mit dem Maler zu Pferd,
manchmal auch auf dem Karren
zuoberst sitzt ein neunjähriges Kind,
das eigene, wie er mit Verwundrung
bedenkt, in der Ehe mit Anna gezeugte.
Es ist ein sehr schöner Weg, dieser letzte,
im September des Jahrs 1527, dem Wasser entlang
durch die Täler. Die Luft bewegt das Licht
zwischen den Blättern der Bäume, und von den Anhöhn
sehen sie auf das ringsum ausgebreitete Land.
Bei der Rast an den Steinen lehnend,
spürt Grünewald in sich sein Unglück
und das des Wasserkünstlers in Halle.
Wie die Stare treibt der Wind uns
zum Flug zur Zeit der Einkehr
der Schatten. Was bleibt, bis zuletzt,
ist die aufgetragene Arbeit. Im Dienst der Familie
Erbach in Erbach im Odenwald wendet der Maler
die noch übrigen Jahre an ein Altarwerk,
Kreuzigung abermals und Beweinung,
die Entstellung des Lebens geht langsam
vonstatten, und stets zwischen dem Blick
des Auges und dem Anhub des Pinsels
legt Grünewald jetzt eine weite
Reise zurück, unterbricht auch viel öfter,
als er sonst gewohnt, den Fortgang der Kunst,
um sein Kind in die Lehre zu nehmen
in der Werkstatt und draußen im grünen Gelände.
Was er selbst dabei lernte, ist nirgends berichtet,
nur daß das Kind im Alter von vierzehn Jahren
aus unbekannter Ursach auf einmal
gestorben ist und daß der Maler es
nicht um viel überlebte. Späh scharf voran,
dort siehst du im Grauen des Abends
die fernen Windmühlen sich drehn.
Der Wald weicht zurück, wahrlich,
in solcher Weite, daß man nicht kennt,
wo er einmal gelegen, und das Eishaus
geht auf, und der Reif zeichnet ins Feld
ein farbloses Bild der Erde.
So wird, wenn der Sehnerv
zerreißt, im stillen Luftraum
es weiß wie der Schnee
auf den Alpen.



















Da, wo von Straßburg die große Heerstraße
zur burgundischen Pforte, dem Zug
der Vogesen nach Süden folgend,
den aus dem Gebweiler Quertal
tretenden Lauterbach kreuzt,
liegt das Dorf Isenheim.
Hier erwarben die regulierten
Chorherrn, deren legendäre Ordensgeschichte sich
auf den Anachoreten Antonius den Eremiten zurückschreibt,
der im Jahr 357 der thebaischen
Wüste sein Leben verließ,
von den Murbacher Kluniazensern
um 1300 Grund und Boden,
um ein Antoniterspital zu begründen
zur Remedur des im gesamten
Abendland grassierenden Antoniusfeuers,
einer Infektion des Blutes, die
zu einem Abfaulen der Glieder führte
und neben der Lepra zu den fürchtigsten
Krankheiten des Mittelalters gehörte.















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