System der Wappenanordnung



Wir stehen vor der Türwand.
Links (d.h. heraldisch rechts) die Lehensländer der Krone: An erster Stelle Markgrafschaft Mähren, an zweiter Schweidnitz, als nächstes Schlesien und Oppeln; Troppau auf der rechten Seite in der Türnische.



Die Reihe der Lehensländer setzt sich auf der anstoßenden Wand fort: Markgrafschaften Bautzen und Sulzbach (Hauptstadt "Neuböhmens"), Burggrafschaft Magdeburg. Wir stehen vor der Hausmacht König Karls.
Und: Wir erkennen die Vorlage für die Fassade des Altstädter Brückenturms in Prag: Dort die Wappen des Reiches, Böhmen, Mähren, Luxemburg, Schweidnitz, Schlesien, Oberlausitz, Sulzbach und Niederlausitz. Wenn wir die neu hinzugekommenen Wappen vom Reich, von Görlitz und der Niederlausitz und das Familienwappen Luxemburg abziehen, sind wir beim Laufer Wappenfries.



Im Wappensaal herrscht der böhmische Löwe von der Höhe der Schlußsteine über seinen Hofstaat, betonend, was oben und unten ist.

Das Bild des Hl. Wenzel gegenüber der Tür in der Fensternische unterstreicht die Zugehörigkeit der symbolisierten Herrschaften zu Böhmen. Sein Attribut, das silberne Schild mit schwarzem Adler, der mit roten Flammen besteckt ist, macht die Lehnspflicht dem Herrscher gegenüber deutlich: Unterhaltet die Signalfeuer der Grenzwache! Im Sandsteinrelief ist das Schild Wenzels ersetzt durch Böhmens Wappen.

Wir wenden uns wieder der Türwand zu:



Die Wappen des Prager Erzbistums und der Bistümer Olmütz, Breslau und Leitomischl bilden jeweils eine Wappenallianz mit dem Familienwappen des Erzbischofs von Pardubitz und denen der Bischöfe von Wlašim (die Bezeichnung "radenyn" unklar), von Pogarell und von Draschitz in der unteren Reihe.



Ostseite:
Prag, Breslau Kuttenberg - alle drei Wappen in neuer Form.

Nun folgen rundum vorwiegend böhmische Adelsgeschlechter in zwei Reihen, die Herren in der oberen Reihe, die Ritter in der unteren. Ausnahme: Kostenblatt und Zinglheim (aber in der Beschriftung ausdrücklich erwähnt).


Für eine systematische - geographische - Anordnung sprechen die Wappen auf der Südseite:

Alle hier vertretenen Geschlechter wirken im Egerländer Raum beziehungsweise "Neuböhmen".
Bohuslaw III. von Schwanberg war Burgpfleger und Hauptmannnn, Russo von Lititz war es und Busek von Wellhartitz war des "Kaisers oberster Hauptmann in Bayern" usw.
Man könnte noch viel tiefer in die Anordnung der Wappen einsteigen, aber es dürfte schwierig sein, das mit Sicherheit gegebene System, dem alles zu Grunde liegt, zu erkennen. Mit großer Wahrscheinlichkeit stand bei Anordnung der Wappen der Italiener Bartolo de Sassoferato Pate, wofür sein Tractatus von 1335 spricht: "...de armis et insignis".



Wappen alphabetisch (Erläuterungen siehe unten)


Alt Tabor (Austi)

Amschelberg

Barchow

Bautzen

Beneschau

Bergau

Beskowitz

Biberstein

Biela

Bistum Breslau

Bistum Leitomischl

Bistum Olmütz

Böhmen

Bor?

Boskowitz

Breslau

Breznitz

Buschendorf

Cestic

Chiesch

Choustnik

Daschitz

Draschitz

Drahkow

Erzbistum Prag

Guttenstin

Hackenborn

Hasenburg

Hirschstein

Hoswarczin

Imlikau

Janowitz

Jekew

Kassylow

Klukowitz

Kolditz

Kostenblatt

Kowan

Krenowitz

Kuttenberg

Landstein

Leippa?

Leuchtenberg

Lititz

Magdeburg

Mähren

Maschau

Melnitz

Meseritz

Mezimosti

Michelsberg

Mladejowitz

Msene

Neuhaus

NN

NN

NN

NN

NN

NN

NN

Obrzistwi

Oppeln

Ossegg

Pabienitz

Pardubitz

Pernstein

Pflug

Plauen

Pnetluk

Podriebrad

Pogress

Poreschin

Prag

Radek?

Radenyn

Redhost

Riesenberg

Riesenburg

Ronaw

Rosenberg

Rziczan

Schaßlowitz

Schlesien

Schönburg

Schwanberg

Schweidnitz

Seeberg

Skvorec

Slawata

Stajitz

Stekna

Sternberg

Strakonitz

Sulowitz

Sulzbach

Talmberg

Tschachwitz

Taubenberg

Torgau

Troppau

Waldeck

Waldstein

Wartenberg

Welhartitz

Winterberg

Winteritz

Wonschow

Wyschehrad

Zampach

Zbraslawitz

Zimburg

Zinglheim

Zirotin



Erläuterungen

  Alttabor  
D(omi)ni de Ustye = Usti, deutsch Austi = Sezimo Usti bei Tabor?
Sezimovo Ústí (Alttabor), Stadt 4 km südlich von Tábor rechts der Lainsitz im Okres Tábor (7.300 Einw.).
Ab 1322 im Besitz einer Witigonen-Familie. Besitzer gewähren Jan Hus 1413 bis 1414 Unterschlupf. Stadt wird Zentrum der Hussiten, die sich hier Ende Februar 1420 sammeln. Die Stadt Sezimovo Ústí wird angezündet und niedergebrannt, die Hussiten ziehen nach Tábor.
1938 sucht die Maschinenbaufirma MAS nach einem neuen Standort. Die Wahl fällt auf Alttabor. Die Bauarbeiten beginnen 1939. Die Abwanderung von Arbeitskräften ins Deutsche Reich wegen des erhöhten Bedarfs der Kriegswirtschaft bringt 1941 den Bau ins Stocken. Die Leitung bemüht sich um den Einsatz jüdischer Arbeiter, die die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen sollen, 1941 beschäftigt der Betrieb 65 Juden. Sie sind in hohem Maße von ihrer Umgebung isoliert, aber nicht bewacht. 1941 finden Massendeportationen in Ghettos und Lager statt.
Unter ihnen Otto Brössler, ab 1937 Leiter der Betriebsgarage und der Autowerkstatt bei MAS, der 1939 als Schlosser nach Alttabor versetzt und im November 1942 mit seiner Familie im Ghetto Theresienstadt interniert wird. 1943 stirbt dort sein fünfjähriger Sohn. Seine Befreiung erlebt Brössler im KZ Mauthausen-Gusen. Er emigriert mit seiner Frau nach Israel.


  Amschelberg 
Hora = Kosová Hora (Amschelberg) bei Selčan
Kosová Hora (Amschelberg), Gemeinde 3 km östlich von Sedlcany im Okres Príbram (1.399 Einw.)
Besitzer bis zu den Hussitenkriegen die Herren von Amschelberg aus dem Hause der Wittigonen.
Von den während der deutschen Okkupation nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz verschleppten jüdischen Bewohnern überlebten nur wenige.


  Barchow 
Barhow = Barchow bei Pardubitz
Herren von Barchow gehören zum böhmischen Uradel, Ende des 16. Jht. ausgestorben.
Barchov (Groß Barchow, auch Groß Barchau), Gemeinde 8km südöstlich von Nový Bydžov im Okres Hradec Králové (300 Einw.).
Erste urkundliche Erwähnung 1398. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts bestehen zwei Festen im Besitz der Ritter von Barchov, 1412 stiftet Nikolaus von Barchov die Kapelle der Maria Magdalena auf der Prager Burg.


  Bautzen  
Marchion(atus) Budissin(ensis) = Markrafschaft Bautzen
Große Kreisstadt in Ostsachsen an der Spree (40.000 Einw.)
Seit der Steinzeit besiedelt. Spätestens 1213 Stadtrechte, 1240 Franziskanerkloster. Nach der Hochzeit des brandenburgischen Markgrafen Otto III. mit der Tochter des böhmischen Königs Wenzel I. 1243 kommt die Oberlausitz als Pfandbesitz zu den Askaniern, 1283 in ein direktes Reichslehen umgewandelt.
1320 stirbt die brandenburgische Linie der Askanier aus, Bautzen fällt zurück an Böhmen. 1346 unter Führung Bautzens der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, 1405 Handwerkeraufstand gegen den Rat der Stadt Bautzen, der erst durch Eingreifen des böhmischen Königs Wenzel IV. niedergeschlagen wird.
Während der Nazizeit sind viele politische Gegner, Sozialisten und Kommunisten, aber auch Zeugen Jehovas inhaftiert. Eine Fabrik dient als Schutzhaftlager für 500 deutsche und sorbische Hitlergegner. Auch in der Haftanstalt Bautzen II sind zahlreiche politische Gefangene interniert, wie der bekannte tschechische Journalist Julius Fučík. Direkt an der Spree gibt es ein Außenlager des KZ Groß-Rosen, in dem 1.000 bis 1.500 Häftlinge, überwiegend Juden, in der Rüstungsproduktion des Flick-Konzerns Zwangsarbeit verrichten.
Im Zweiten Weltkrieg erleidet die Stadt schwere Schäden. Am 26. April 1945 erobern die Deutschen in der Schlacht um Bautzen die wurde zurück.
Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Landesstrafanstalt ein Speziallager des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD) der sowjetischen Besatzungsmacht, wo vom sowjetischen Militärgericht Verurteilte untergebracht sind. Bei einer Gesamtbelegung von 27.300 Gefangenen und einer durchschnittlichen Belegung von ca. 6.500 Inhaftierten sind dort bis 1950 mindestens 3.000 Menschen ums Leben gekommen, nach Schätzungen weit mehr. Die Häftlinge starben an den Folgen von Hunger und Krankheiten. Mindestens 4.000 Bautzener Häftlinge werden in sowjetische Zwangsarbeitslager deportiert. Zahlreiche Regimegegner, z.B. die Schriftsteller Walter Kempowski und Erich Loest, waren in Bautzen inhaftiert.


  Beneschau  
D(omi)ni de Bencssw = Beneschau (Benessow) bei Tabor
Benešov (Beneschau) Stadt 37 km südöstlich von Prag, Hauptstadt des gleichnamigen Okres (16.500 Einw.).
Erste urkundliche Erwähnung 1226, im Besitz der Herren von Beneschau. 1246 gründet Prager Dompropst Tobias von Benešov, ein Onkel des späteren Prager Bischofs Tobias von Bechin, ein Minoritenkloster. 1327 fällt Beneschau an die Herren von Sternberg Das hochangesehene Herrengeschlecht der Beneschauer gehörten nicht nur in Böhmen, sondern auch in Mähren zu den vornehmsten Landherren. , deren Wappen bis heute das Stadtwappen von Beneschau ist. 1420 erobern die damals mehrheitlich deutsch besiedelte Stadt Hussiten und bennen sie nieder.
Während des Zweiten Weltkrieges wird die Stadt zeitweilig zwangsevakuiert, da die Waffen-SS in der Gegend von Neweklau den SS-Truppenübungsplatz Böhmen betreibt. Nach der deutschen Kapitulation wird der Truppenübungsplatz aufgelöst. Ab Mai 1945 kehren die ausgesiedelten Bewohner in ihre durch die Übungen verwüsteten Heimatorte zurück.


  Bergau
D(omi)ni de Berg(ow) = Bergau in Böhmen
Böhmisches Adelsgeschlecht, ein Zweig der Dynasten von Lobdeburg in Mitteldeutschland, die von Auhausen im Ries herstammen.
Otto von Bergau nimmt 1358 an einem Kreuzzug teil


  Beskowitz
Beskowyesz = Beskowitz in Böhmen
Die Beskowyesz sind ein Zweig des alten in Böhmen und Mähren begüterten und vormehmen Geschlechts der Vrhovist-Liebenitz. Beskowitz liegt in Böhmen imBerauner (Beroun) Kreis.


  Biberstein 
D(omi)ni de Pibiersteyn = Herren von Biberstein, Burg in der Lausitz
Die Bieberstein (oder Biberstein, tsch. Biberštejn), ein von Burg Bieberstein in der Markgrafschaft Meißen kommendes, in Böhmen mit Friedland seit 1278, und in Schlesien und den Lausitzen reich begütertes Adelsgeschlecht. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts bekleiden verschiedene Biebersteins bedeutende Ämter am Hof in Prag und in verschiedenen Ländern der Krone Böhmens, zuerst 1385/1400 Johann von Bieberstein als Rat König Wenzels.
Unter Karl IV: besitzt Friedrich von Biberstein, Herr von Friedland, die Feste Landeskron.


  Biela
Domini de Bielaa = Biela oder Bela bei Tetschen


    Bistum Breslau  
Ep(iscopo)i Wratislaw(ensis) = Bischöfe von Breslau
Im Lauf der Zeit erlangen die Bischöfe von Breslau die weltliche Macht über die Kastellanei Ottmachau, ab 1290 titulieren sie als „Fürstbischof“. Die Amtszeit des Bischofs Preczlaw von Pogarell heißt das „goldene Bistum“. Er stellt das Land unter die Oberlehnshoheit der Krone Böhmen.
Karl IV. ist als Bömischer König principalis patronus et dominus racione Wratislawensis ecclesiae et bonorum ispsius.


  Bistum Leitomischl 
Ep(iscop)i Leuthomislen(sis) = Bischof von Leitomischl
1344 errichtet Papst Clemens VI. eine eigene Kirchenprovinz für Böhmen und Mähren, Prag wird Erzbistum und Litomyšl Suffraganbistum. Erster Bischof war Johann Abt von Bruck (+ 1353). Ihm folgt Johann von Neumarkt, Elekt von Naumburg, der 1364 das Bitum Olmütz übernimmt. Sein Bistum erhält Albert von Sternberg, der 1368 Bischof von Magdeburg wird.
Die Bischöfe von Leitomischl sind Lehensleute der Böhmenkönige.
Heute ist Litomyšl Titularbistum der Römisch-Katholischen Kirche.


  Bistum Olmütz  
Ep(iscop)i Olomucensis = Bischöfe von Olmütz
1063 gründet Fürst Vratislav II. das Bistum Olmütz. Erster Bischof ist Johann I. von Breunau. Das Territorium des Bistums erstreckte sich über ganz Mähren. Es war nach Prag das dritte Bistum in Böhmen, zweites Bistum war Litomyšl.
Unter Karl IV. ist Johann von Wlassim bis 1364, dann Johann von Neumarkt, bisher Bischof von Leitomischl, Kanzler des Reichs.
Die Stadt Olmütz führt ab 1300 im Siegel den geschachten Adler der Markgrafen von Mähren.


  Böhmen 
Böhmen (tschechisch Cechy, lateinisch Bohemia) war eines der Länder der Böhmischen Krone. Heute bildet es als ehemaliges Königreich Böhmen mit Mähren und dem tschechischen Teil Schlesiens das Staatsgebiet Tschechiens. Historische Hauptstadt Böhmens ist Prag, seit 1918 die Hauptstadt der Tschechoslowakei bzw. Tschechiens. Landespatron Böhmens ist der heilige Wenzel, dem die Wenzelskrone gewidmet ist.
Der Helm mit schwarzem Flügel und flatternder Helmdecke (2. Schlussstein des Deckengewölbes) ist ein Festhalten der böhmischen Herrscher an dem schwarzen Adler, den sie früher als Wappen geführt haben.

Im 13. Jahrhundert beginnt in manchen Teilen eine intensive Besiedelung durch deutsche Siedler und Bergleute. Auch in vielen Städten Innerböhmens leben ab dem 12./13. Jahrhundert Deutsche und Tschechen zusammen.
Schon vor seiner Krönung zum König von Böhmen 1253 wird Ottokar II. Premysl 1251 Herzog von Österreich, 1261 Herzog der Steiermark, 1269 auch von Kärnten und Krain. Die premyslidische Herrschaft hat ihre größte Ausdehnung erreicht. In seiner Rivalität zu Polen unterstützt Ottokar II. Premysl die Eroberungen des Deutschen Ordens, zum Dank benennt der Orden Königsberg nach ihm. Im Machtkampf zwischen ihm und dem 1273 gewählten römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg besiegt dieser ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld.

Mit König Johann kommt 1310 die Dynastie der Luxemburger auf den böhmischen Thron.
1347 folgt ihm sein Sohn, der spätere Kaiser Karl IV., als König von Böhmen nach. Er bewirkt 1344 die Erhöhung des 973 gegründeten Bistums Prag zu einem Erzbistum, er löst Böhmen aus der Kirchenprovinz Mainz und bildet eine eigene Kirchenprovinz mit den Suffraganbistümern Olmütz und Leitomischl.
Zu jener Zeit ist Prag das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mitteleuropas. Das böhmische Königreich bildet das Zentrum der luxemburgischen Hausmacht und der imperialen Politik Karls IV. Benachbarte Territorien inkorporiert er zur Krone Böhmens. 1335 verzichtet Kasimir der Große von Polen auf Schlesien. Karl IV. betreibt ausgleichende Nationalitätenpolitik: Er schützt und fördert die Deutschen in Böhmen, verlangt von ihnen aber, dass sie ihre Kinder zweisprachig deutsch und tschechisch erziehen.
1378, in Karls Todesjahr, erreicht die deutsche Besiedlung Böhmens einen Höhepunkt. Schon ab dem späten 14. Jahrhundert geht die deutsche Sprache und Bevölkerung wieder zurück. Wirtschaftlich ist Böhmen unter den Luxemburgern eine der führenden Regionen Europas. Prag legt gleichzeitig mit dem Prager Kanzleideutsch Grundlagen der modernen deutschen Sprache und durch die Feder des religiösen Reformators Jan Hus Grundlagen der modernen tschechischen Sprache.

Wenzel und Sigismund, Söhne Karls IV: Wenzel, wie sein Beiname "Der Faule" verrät, kümmert sich wenig um die Regierungsgeschäfte, bekommt Probleme, nicht nur im Reich, wo ihn die Kurfürsten 1400 wegen Untätigkeit abwählen, sondern auch im eigenen Land, wo er sich gegen den Adel kaum durchsetzen kann. Zitate zu Sigismund:
Simon Winder: "Ein Mann, der zu lange mit Pilzen experimentiert hat oder mit einer Rockband unterwegs gewesen ist“. Papst Pius II: "Dem Wein zugetan, nach Liebe brennend, tausendfach des Ehebruchs bezichtigt; zum Zorn neigend, aber großzügig im Vergeben."
1402 bittet er seinen Bruder Sigismund um Hilfe, dieser wurde 1387 durch die Heirat mit Maria von Ungarn zum König von Ungarn gekrönt. Wenzel übergibt ihm die Verwaltung von Böhmen, verspricht ihm die Böhmische Krone nach seinem Tode, wenn er ihm im Gegenzug wieder zur Reichskrone, zur Kaiserwürde verhelfe.
Schon einmal hat Wenzel Sigismunds Hilfe in Anspruch genommen, 1395, als Wenzel sich gegen rebellierende Teile seines Adels durchsetzen muss, die sich unter seinem Cosin Jobst von Mähren zusammengeschlossen hatten. Nur mit der Hilfe von Sigismund konnte Wenzel sich in dieser Zeit gegen die Rebellen durchsetzen.
Sigismund kommt erneut nach Böhmen, übernimmt die Verwaltung des Landes, verhilft Wenzel aber nicht erneut zur Kaiserkrone, die Brüder streiten, Sigismund nimmt Wenzel 1402 fest. Der polyglotte Sigismund – neben Deutsch und Tschechisch spricht er Französisch, Latein, Ungarisch, Italienisch und „Slawisch“ – gilt als geschickter Verhandler, auf dessen Zusagen allerdings nicht immer Verlass ist.
Schock für den böhmischen Adel: Unter Wenzel hatten sie viele Freiheiten, schließen sich gegen Sigismund zusammen, um König Wenzel wieder einzusetzen.

Kumanen oder Kiptschaken kommen ins Spiel: Einst ein großes Stammesvolk in Osteuropa, christianisiert und meist Söldner. Sigismund heuert sie gegen den Adel an.
Anfang des 15. Jahrhunderts machen sich unter den 25 größeren weltlichen Fürstentümern, 100 kleineren Adelsherrschaften, 70 geistlichen Gebieten und 80 Reichsstädten beachtliche Fliehkräfte bemerkbar. Nicht umsonst ist Sigismund ständig unterwegs – und häufig knapp bei Kasse.
Jean de Montreuil: "Langsam bettelte er sich über Ferrara und Mantua bis nach Basel durch.“ Dort tagt seit 1431 ein Konzil, bei dem noch einmal die tiefen Verwerfungen jener Zeit zutage treten, die Sigismund auf dem vorhergehenden Konzil von Konstanz (1414–1418) einzudämmen half. Drei Päpste konkurrieren zeitweilig um das oberste Amt in der Kirche und ringen um politische Unterstützung.
Eine unrühmliche Rolle spielt Sigismund bei Verurteilung des böhmischen Theologen Jan Hus: Der Prager Gelehrte verbrennt in Konstanz auf dem Scheiterhaufen. Der König hat Hus freies Geleit zugesichert! Aufstände in Böhmen folgen, die sich zu den grausamen Hussitenkriegen ausweiten; sie verwüsten weite Teile des Reiches.
Honoré de Balzac setzt der leiblich-lüsternen Wanderhure des Konstanzer Konzils mit seiner Erzählung „Die schöne Imperia“ ein literarisches, Bildhauer Peter Lenk ein kolossales steinernes Denkmal im Konstanzer Hafen.

Am 5. November 1414 öffnet das Konstanzer Konzil seine Pforten, es wird die längste Kirchentagung aller Zeiten. Allein in den Bordellen sorgen 700 Prostituierte für das körperliche Wohl der Teilnehmer. Die Wahl Martins V. im November 1417 zum Papst beendet das Große Abendländische Schisma. 1437 entschläft Sigismund mit 69 Jahren, auf seinem Thron sitzend, im mährischen Znaim.
Mit ihm verabschieden sich die Luxemburger vom Kaiserthron, es folgen die Habsburger ...
Siehe zu HRR


  Bor?
Por = Haid (tsch. Bor) Kreis Tachau
1360 nimmt Karl IV. Dietrich von Portitz unter die Barone des Königreiches Böhmen auf und verleiht ihm das der Krone Böhmen heimgefallene Wappen des Albrecht von Leuchtenberg, im weißen Feld ein Pfau (... est legittime devoluta, puta Pavonem, sicut cum extensa cauda, ingenio Magistrali, in campo albo, pulchrius et venustius pingi seu figurari poterit ...).
Wir sehen tatsächlich im weißen Feld einen Pfau mit undeutlicher Beschriftung, Por oder Oor oder auch Bor. Handelt es sich um das Portitz-Wappen? Warum nicht vollständig beschriftet? 1334 führt auch das Geschlecht von Bor einen Pfau, der aber im Unterschied zu diesem einen Ring im Schnabel trägt. Es ist nicht festzustellen, ob unser Pfau das auch hat. Auf jeden Fall unterscheidet sich dieser, wenn die Kolororierung von 1939 stimmt, von dem Portritzer durch seine goldene Farbe. Dem Wappenbrief Karls können wir nämlich entnehmen, dass es sich bei der Verleihung des Portritz-Wappens um einen Pfau mit seinen natürlichen Farben handelte.
Bor (Haid) mit 4. 300 Einwohnern, Stadt im Okres Tachov 14 km südöstlich von Tachov (Tachau).
Das Kastell wird erstmals 1263 urkundlich als Bor (Haid) erwähnt und später zu einer Wasserburg erweitert wurde. Es bildete zusammen mit den Burgen Taus, Pfraumberg und Tachau einen Befestigungsgürtel entlang der Grenze zur Oberpfalz.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Stadt schwer beschädigt und die deutsche Bevölkerung vertrieben, die Fürsten enteignet.


  Boskowitz 
Domini de Boskowicz = Boskowitz/Mähren
Die Herren von Boskowitz (tsch. páni z Boskovic) - Namensgebend ist zunächst das Städtchen Boskowitz in Mähren, 1333 kam noch Schwarzenberg hinzu, von dem sich der Beiname "von Schwarzenberg" bzw. "von Czernahora" ableitet - sind ein mährisches Adelsgeschlecht.
Als Ahnherr wird „Bosco nobilis Moravie“ betrachtet.
Jaroslav von Boskowitz und Cernohora ist Sekretär des ungarischen Königs Matthias Corvinus sowie Oberstkämmerer von Mähren. Wegen angeblichen Verrats wird er 1485 auf dem Hohen Markt in Wien öffentlich enthauptet.
Mit Johann Černohorsky von Boskowitz, genannt "Šembera" erlischt 1597 das Geschlecht der Boskowitzer in männlicher Linie. Šembera einer der wohlhabendsten Adeligen in Mähren, Reichsfreiherr seit 1584, kaiserlicher Rat und Truchsess. In erster Ehe mit Sidonia Gräfin von Schlick auf Bassano und Weisskirchen († 1575) verheiratet, in zweiter Ehe mit Anna Kraiger von Kraigk. 1567 bis 1582 lässt er das Renaissance-Schloss in Butschowitz errichten.
Boskovice ist eine Stadt an der Bélá, 32 km Kilometer nördlich von Brün im Okres Blansko mit 11.600 Einwohnern.
Das Schloss erhält die Adelsfamilie Mensdorff-Pouilly, die bis zur Enteignung 1945 das Schloss besitzt nach der Samtenen Revolution 1989 zurück.
1848 beträgt der jüdische Bevölkerungsanteil 38 %. Vor 1938 leben in Boskowitz fast 400 Juden, die meisten ermorden die Deutschen in Konzentrationslagern. Der Jüdische Friedhof in Boskovice, im 16. Jahrhundert angelegt und der größte in Mähren, enthält etwa 2400 Grabsteine.


  Breslau 
Ciuitas Wratislaw(ensis)
Wroclaw (Breslau), Stadt im Südwesten Polens, mit 640.000 Einw. nach Warschau, Krakau und Lódz viertgrößte Stadt des Landes sowie Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien.
Die Region Schlesien findet erstmals bei Tacitus im Jahr 98 Erwähnung. Nach dem Tod des letzten Piastenherzogs Heinrich VI. im Jahr 1335 geht das Herzogtum als Erbland in Schlesien in den Besitz der Krone Böhmens. Der König von Böhmen setzt einen Landeshauptmann ein, der mit der Verwaltung des Gebietes betraut ist, der Bürgermeister von Breslau ist bis 1620 zugleich Landeshauptmann von Schlesien ist.

Bei der Reichstagswahl 1933 erhält die NSDAP 51,7% der abgegebenen Stimmen. Während der Reichskristallnacht 1938 legen SA-Trupps Feuer an die 1872 erbaute Neue Synagoge Breslau, die neben der Neuen Synagoge Berlin als eine der imposantesten Synagogen Deutschlands bekannt war. Die SA nimmt 2.000 jüdische Bürger in „Schutzhaft“ und verschleppt sie in Konzentrationslager, um sie zur Emigration zu nötigen und ihr Vermögen zu „arisieren“.
1941 beginnt die Deportation und Ermordung der verbliebenen Juden.
1944 ist die Stadt Ziel der ersten Luftangriffe der Alliierten, Adolf Hitler erklärt die Stadt zur „Festung“.
1945, nach dem Beginn der Weichsel-Oder-Operation der Roten Armee, fliehen rund 75% der Gesamtbevölkerung aus der Stadt, auf ihrer Flucht sterben tausende Menschen durch russischen Angriffe auf Flüchtlingstrecks und den kalten Winter. Bis zum Ende der Schlacht um Breslau am 6. Mai, zwei Tage vor der deutschen Kapitulation, kommen etwa 20.000 Zivilisten, 6.000 deutsche und 7.000 sowjetische Soldaten ums Leben. Kurz nach der Besetzung Breslaus durch sowjetische Truppen kommt es zu Übergriffen auf die deutsche Zivilbevölkerung, insbesondere zu einer Vielzahl von Vergewaltigungen.
Nach Kriegsende kehren viele Bewohner in die Stadt zurück, im Juli 1945 gibt es ungefähr 300.000 Deutsche in der Stadt, die Polen vertreibt. Aus Zentralpolen siedeln zahlreiche Menschen nach Breslau um.


  Breznitz 
Breznycz = Breznycz oder Preßnitz bei Strakonitz
Breznice (Bresnitz oder Preßnitz), Stadt in Südböhmen 15km südlich von Príbram an der Vlcava (3.600 Einw.). Der Ort lag auf dem Handelsweg "Goldener Steig", was auch die Bedeutung der Herren auf dem Prager Hof widerspiegelte.


  Buschendorf  
Bozoye = Boschejow
Wegen der gekreuzten Schwerter im Wappen darf man bei der Familie an ein Amt in richterlichen Funktionen denken.
Božejov (Boschejow), Flecken 9km südwestlich von Pelhrimov im Okres Pelhrimov (600 Einw.). Erste urkundliche Erwähnung des Ortes 1352.


  Cestic  
(Cestic, Brloh - Beschriftung fehlt)
Böhmischer Uradel mit Stammsitz Cestic im Prachiner Kreis (Písek), benannt nach der Burg Práchen.
Čestice, 885 Einwohner, (Tschestitz, früher Čestitz), Minderstadt, 6 km westlich von Volyne in Südböhmen im Okres Strakonice.
Aber auch die Brüder Glaubitz führten dieses Wappen (s. rechts). Sie waren mit dem Gericht in Glatz belehnt.


  Chiesch  
D(omi)ni de Chiss = Chiesch bei Luditz
Familie von Fünfhunden und Chiesch, die im 14. Jht. das Burggrafenamt in Prag inne hat.
Chyše (Chiesch), Stadt im im böhmischen Egerland am Fluss Strela (Schnella), 8km nordöstlich der Stadt Žlutice im Okres Karlovarský kraj (600 Einw.).
Von 1.126 Einwohnern im Jahr 1921 waren 1.046 Deutsche, die man nach Ende des Zweiten Weltkriegs vertreibt.


  Choustnik
(Choustnik -Beschriftung fehlt)
Whrscheinlich Herren von Choustnik, böhmisches Adelsgeschlecht, desssen Mitglieder bei König Karl IV. und Wenzel IV. hohe Ämter in Böhmen, der Grafschaft Glatz, in der Oberlausitz und in Schlesien bekleiden. Ein Choustnik soll 1158 an der Eroberung Mailands unter Kaiser Friedrich I. beteiligt gewesen sein und als erster die Mailänder Stadtmauer überwunden haben. Anlässlich der Wappenerteilung wird ihm deshalb eine Leiter im Familienwappen verliehen. Das Geschlecht stirbt im 15. Jht. aus.


  Daschitz 
Dasyc = Daschitz bei Pardubitz (?)
Wohl den Herren von Dasyc zuzurechnen, jenem berühmten Geschlecht, das im Lauf der Zeit in Böhmen und Mähren auftritt und im Besitz hoher Landesämter ist,
Dašice (Daschitz), Stadt mit 2300 Einwohnern 12 km östlich von Pardubice im Okres Pardubice am Fluss Loučná oberhalb der Einmündung der Lodrantka. 1318 erstmals als Besitz des ž von Dašice urkundlich erwähnt.


  Drahkow
Draknow = Drahkowa bei Teplitz-Schönau
Familie Drakhov


  Draschitz  
Drazycz = Draschitz bei Benatek a. d. Iser
Benátky nad Jizerou (Benatek a. d. Iser), Stadt im Okres Mladá Boleslav an der Iser (Jizera) mit 7.042 Einwohnern ca. 18 km südlich von Jungbunzlau.
Die Burg Dražice liegt zwei Kilometer nordöstlich von Benatek auf einer Anhöhe über dem rechten Ufer der Iser. Die vom Prager Burggrafen Řehník z Litovic (Gregor von Litowitz) Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete Burg wird 1264 erstmals als ‚castrum Drazicz‘ erwähnt. Sein Sohn, der Prager Bischof Johann IV. von Dražice, erweitert die Burg nach seiner Rückkehr aus Avignon nach dem Vorbild französischer Burgen, wobei er französische Baumeister einsetzt.
Burg und Herrschaft Dražice bleiben bis Ende des 13. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Dražice. Die Fmilie hat hohe Ämter inne als Oberstlandschreiber, Oberstkämmerer, Unterkämmerer.
Georg von Podiebrad zerstört 1448 die Burg.


  Erzbistum Prag 
Ar(chi)ep(iscop)i R(ra)ge(n)sis = Erzbischöfe von Prag
Arcibiskupství pražské bzw. Arcidiecéze pražská, größte Diözese der röm.-kath. Kirche in Tschechien, Bischofskirche St. Veit und erzbischöflicher Palast auf dem Prager Hradschin.
Bistum Prag 973 gegründet, umfasste Böhmen und Mähren mit Schlesien, Kleinpolen und das Tscherwener Land. Ende des 13. Jahrhunderts sind 2084 Pfarreien vorhanden.

1344 wird Bistum Prag Erzbistum mit den Suffraganbistümern Olmütz und Leitomischl, erster Erzbischof der seit 1343 amtierende Bischof Arnest von Pardubitz (1344 - 1364), der ab 1348 auch das Amt des ersten Kanzlers der Karlsuniversität bekleidet. Dann Johann Ocellus von Wlassim (164 - 1380). Auf Karls IV. Betreiben ernennt Papst Innozenz VI. den Prager Erzbischof 1365 zum Legatus natus.Während der Regierungszeit von Karls Sohn Wenzel IV. beginnt innerkirchliche Reformbewegung, verbunden acuh mit Kritik an den kirchlichen Institutionen.

Nach Gründung der Tschechoslowakei 1918 verliert das Erzbistum zehntausende tschechische Gläubige an die neu errichtete Tschechoslowakische Hussitische Kirche sowie durch zahlreiche Kirchenaustritte. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten enteignen diese 1948 die Besitzungen des Erzbistums, entheben Priester und Ordensleute, die sich dem politischen Einfluss entziehen, ihrer Ämter und internieren sie, die katholische Presse wird gleichgeschaltet. Seit der Samtenen Revolution von 1989 wird staatlicherseits das Verhältnis zum Vatikan auf eine vertrauensvolle Grundlage gestellt und die uneingeschränkte Religionsausübung verfassungsmäßig zugesichert. Der 1991 bis 2010 amtierende Erzbischof Miloslav Vlk erwirbt sich große Verdienste im Aussöhnungsprozess zwischen Tschechen und Deutschen.


  Guttenstin
(Guttenstein) Beschriftung fehlt
Andreas von Guttenstein, † 1224, böhmischer Geistlicher und Prager Bischof. Dauergast am königlichen Hof, 1211 Kanzler. Als er, "gestreng und seiner Natur nach unnachgiebig" das Bischofsamt übernimmt, versucht er, die kirchliche Macht durchzusetzen. Grund der Auseinandersetzungen zwischen König und Kirche ist vor allem die zur damaligen Zeit fortschreitende Reformation der Kirche im Westen Europas, in Böhmen sehen sich die Erbauer und Förderer der Kirche immer noch als deren Besitzer.
1216 geht er gezwungenermaßen nach Rom, wo er - in Böhmen gehasst und wegen seiner Kompromisslosigkeit für die päpstliche Kurie lästig - einsam stirbt.


  Hackenborn
D(omi)ni de Haccenborn = Herren von Hackenborn


  Hasenburg
D(omi)ni de Hasenburg = heutige Ruine Hawenburg bei Libochowitz
Der Hazmburk (Hasenburg) ist einer der markantesten Berge des Böhmischen Mittelgebirges, gekrönt von der Ruine der gotischen Burg Hazmburk. Die Silhouette des Berges gilt als das Wahrzeichen des Böhmischen Mittelgebirges. Hasenburg liegt ungefähr 10 km südlich von Lovosice (Lobositz).
Die Familie Hasenburg spielt in der Geschichte Böhmens eine hervorragende Rolle.
Die steilen Hänge des Berges sind Abrissflächen mehrerer Bergrutsche in den Jahren 1882, 1898, 1900 und 1939, die in Klapý Häuser und Straßen zerstören.


  Hirschstein
Hersteyn = Hirschstein
Böhmisches Adelsgeschlecht. Hirschstein, Burg bei Gibacht in der Nähe von Ronsperg.
1317 tauchen Pirkosch und Wilhelm von Hirstein in einer Urkunde auf, in der sie sich mit anderen Adligen gegen König Johann verschwören, was zum Bürgerkrieg führt. 1331 kommt die Burg durch Kauf von König Johann von Böhmen an das Erzbistum Prag, 1510 zerstört.


  Hoswarczin
Hosz
Familie Hoswracin. Bauliche Veränderungen verdecken den Namensrest.


  Imlikau
Gymlin = Jimlin
Jimlin ist ein Haken zum Aderlassen des Pferdes.
Ob ein Zusammenhang mit dem Ort und den Edeln zu Imgling bei Saaz besteht?
Ein Herr Jawisch von Gimlin stirbt 1346 in der Schlacht von Crecy.
Jimlíkov (Imlikau), Ortsteil der Stadt Nová Role (4.100 Einw.), 8km nordwestlich von Karlovy Vary am Fluss Rolava im Okres Karlovy Vary.
Zwischen 1359 und 1411 gehört der Ort zur Burg Elbogen.


  Janowitz
(Janovic) Beschriftung fehlt
Unter Karl IV. hat Janovsky von Janovitz sowohl Janovitz wie Hradesitz als Lehen inne. Peter von Janovitz ist 1353-61 Hofmeister des Königs. Janovice nad Úhlavou (Janowitz an der Angel), ihr Stammsitz, ist eine Stadt 8 km südwestlich von Klatovy im Okres Klatovy mit 2.225 Einwohnern.

In der Kirche findet sich ihr Wappen in Stein gehauen.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erlangt Bohuslaw von Janowitz die dortige Burg zurück.
Eine Synagoge und der jüdische Friedhof entstehen 1723. 1880 leben in der Stadt 58 Juden, während der deutschen Besetzung erlischt die jüdische Gemeinde, die Synagoge wird 1950 Feuerwehrhaus.


  Jekew
Gekew = Jekew
Die Familie ist identisch mit den Jekve.


  Kassylow
Kassylow = Kasejovic
Es soll eine Familie Kasejovic gegeben haben, die einen goldenen Esel im Wappen führte. Újezd u Kasejovic, ein kleines Dorf, 1,5 km nördlich der Stadt Kasejovice (erstmals 1264 urkundlich erwähnt) im Okres Pilsen-Süd mit 54 Einwohnern.


  Klukowitz
Klukowycz = Klukovitz bei Schlan
Die Familie dürfte sich aus dem freien Buügertum emporgearbeitet haben, Jesko und Johann sind 1342 Hofschenken Karls von Mähren.


 Kolditz 
D(omi)ni de Koldicz
Colditz (auch Kolditz) sächsisches, auch in Böhmen, Mähren und Schlesien angesiedelten Adelsgeschlecht.



Die Herren von Kolditz, ehemalige Reichsministerialen, sind seit dem 13. Jht. Gefolgsleute am Hofe der Markgrafen von Meißen und Lanfgrs,ebenos am Hof der Herzöge vn Schlesien Thüringen und Könige von Böhmen.
Der sächsische Junker Thimo I. von Colditz erbaut 1330 die Rosenburg in Graupen (Krupka). Thimo VIII., seit 1348 Hofmarschall und Kämmerer des Kaisers Karl IV., erlangt große Bedeutung. Er erwirb 1378 die Herrschaft Eilenburg, 1379 die Pfandschaft Pirna und 1382 Neuseeberg in Böhmen. Die treuen Dienste Thimos VIII. für den Kaiser bringen ihm reichen Besitz in Böhmen.
Nach dem Stammbaum des britischen Prinzen Charles, gehören die von Colditz mit zu seinen Vorfahren. So in der 16. Generation Dorothea von Colditz (* 1480 - † 1520), in der 17. Generation Johanna von Colditz und Thimo von Colditz († 1508) sowie in der 18. Generation Hans von Colditz.


  Kostenblatt 
D(omi)ni de Kostomlat = Ruine Kostenblatt bei Dux
Kostomlaty pod Milešovkou (Kostenblat, früher Kostenblatt) Gemeinde 7 km östlich Bílinas im Okres Teplice.
Die Burg Kostenblatt - ca. 10 km südöstlich von Duchcov (Dux) - gründen Anfang des 14. Jahrhunderts die Herren von Ossegg. 1333 geht sie mit einigen Dörfern als Lehen an Chotebor von Hirschstein über. Kaiser Karl IV. - seinerzeit noch Markgraf von Mähren - kauft die Burg 1335.


  Kowan
Cowayn = Kován
Kováň?


  Krenowitz
Cranwyz = Krenowitz, Kreis Benešov, mit Burgruine am Mastnik
Familie der Herren von Chrenowic-Fülstein, ein in hohem Ansehen stehendes Geschchlecht, das besonders in Schlesien im Besitz von Gütern und Ämtern war. Unter Karl IV. ist Albert von Krenowitz Hauptmann in Glatz.
Křenovice ist ein Ortsteil der Gemeinde Vojkov, die 20 km südwestlich von Benešov im Okres Benešov liegt.


  Kuttenberg 
Mons Chutnens(is) = Stadt Kuttenberg
Kutná Hora (Kuttenberg), Stadt 70 km östlich von Prag (20.000 Einw.).
Im 12. Jahrhundert als Bergmannssiedlung gegründet, entwickelt sich Ende 13. Jht. durch den Silberbergbau und die berühmte Prägung der Prager Groschen zu einer der lebhaftesten und wohlhabendsten Städte Böhmens, nach Prag die zweitgrößte Stadt, bis die Hussiten in den 1420er Jahren den Großteil der Bevölkerung ermorden. Danach verliert die Stadt ihre Bedeutung.
1944 richten die Nazis im Jesuitenkolleg die NPEA (Nationalpolitische Erziehungsanstalt - Napola) Böhmen ein.


  Landstein 
D(omi)ni de Lantsteyn = Burg Landstein zu Wittingau gehörig, bei Neuhaus
Páni z Landštejna, auch Landštejnové, böhmisches Adelsgeschlecht der Herren von Landstein, entstammt dem Geschlecht der Witigonen. Stammvater der Landsteiner ist Witiko IV. (auch Witiko von Klokoty), gestorben 1254. Erst nach Erwerb der Burg Landstein um 1250 nennen sich dessen Nachkommen von Landstein.
Bekanntester Vertreter des Geschlechts ist Wilhelm von Landstein († 1356). Nachdem König Johann von Luxemburg 1317 Wilhelms Burg Landstein überfiel, diese jedoch nicht einnehmen kann, beginnt er mit der Plünderung der umliegenden Dörfer. Unter König Johanns Sohn, Karl IV., mit dem er 1333 an den Verhandlungen mit Heinrich von Kärnten in Meran teilnimmt, steigert Wilhelm seinen politischen Einfluss. 1342 wird er Landeshauptmann von Mähren, 1348 bestätigt König Karl den Herren von Landstein sämtliche Freiheiten und Privilegien. 1350 gehört Wilhelm einer Delegation mit dem Auftrag an, in Bayern die Reichskleinodien des verstorbenen Kaisers Ludwigs des Bayern abzuholen. 1351 wird Wilhelm Prager Burggraf.
Als Heinrich II. von Neuhaus den alten Handelsweg, der seit ältesten Zeiten durch das Tal unterhalb der Burg Landstein führte und Böhmen mit Österreich und Italien verband, so verlegt, dass er durch Bistritz und Neuhaus führt, kommt es zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden Familienzweigen von Neuhaus und Landstein. Obwohl sich König Karl auf Bitten der Herren von Rosenberg um eine Befriedung zwischen den beteiligten Parteien bemüht, kommt es zu weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen. In einem Zweikampf mit Heinrich von Neuhaus tötet dieser Wilhelm.


  Leippa?
(Klenowe, Lipa, Zedwitz? Beschriftung fehlt)
Die Herren von Lipaa, Ranghohes Adelsgeschlecht in Böhmen.
Der älteste Ahnherr ist Burggraf von Glatz, der aus Zittau im Siedlungsgebiet der Sorben stammende Smil, 1216 verstorben. Heinrich von Zittau war Burggraf von Bautzen, 1252 verstorben. Ein Ulrich genannt „Ulmann“ ist 1313 Burggraf des Schlosses in Prag. Chval ist Herr der Burg Friedland und gilt als Gründer der Stadt und Burg Böhmisch-Leipa (Ceská Lípa).
Johann (Jan) von Leipa ist Oberstmarschall von Böhmen unter Karl IV.


 Leuchtenberg  
Langrauuie de Luthenberg = Landgrafen von Leuchtenberg in der Bayerischen Oberpfalz
Landgrafen von Leuchtenberg, Adels- und Herrschergeschlecht des Mittelalters. Ursprünglich in Leuchtenberg, später in Pfreimd ansässig. Ihr Einflussbereich geht weit über die Grenzen ihrer Heimat in der Oberpfalz hinaus, die Landgrafschaft Leuchtenberg ist zu ihrer Zeit das größte nicht-wittelsbachische und nichtgeistliche Territorium Bayerns.
Die Brüder Johann I. (1334–1407) und Ulrich II. (1344–1378) von Leuchtenberg machen gemeinsam mit Kaiser Karl IV. Reisen nach Avignon und Paris. Karl gestattet ihnen 1361 die Münzprägung in Rothenburg ob der Tauber und Bergwerksprivilegien in ihren böhmischen Lehen. Beide sind Friedensstifter und Kriegsherren an der Seite des Kaisers. 1379 wird Johann I. Obermarschall des Stiftes Passau, 1402 Pfleger in Niederbayern und Stifter von Kirche (1389) und Kloster St. Oswald (1396). 1388 verpfänden die Grafen von Hohenlohe die Stadt Crailsheim an die Landgrafen von Leuchtenberg, die es 1399 an die Burggrafen von Nürnberg verkaufen.


  Lititz
Domini de Lytyz = Lititz
Die Burg Litice nad Orlicí (Lititz) liegt in der Gemeinde Záchlumí, 7km westlich von Žamberk im Okres Ústí nad Orlicí. Die Přemysliden errichten im Zuge der Kolonisierung die Burg Ende des 13. Jahrhunderts. Karl IV. erwirbt unter den verpfändeten Königsburgen Lititz zurück.
Russo von Lititz war Hauptmann in Eger von 1343 bis 1372.
1371 geht Litice in den Besitz der Herren von Podiebrad und Kunstadt über, die dem Adelsgeschlecht der Herren von Kunstadt entstammen. 1389 erwirbt Bocek II. von Podiebrad weitere Ländereien um Litice und das Dorf Kunvald.
1948 enteignet der Staat den letzten Besitzer Karl Parish-Senftenberg, die Burg geht in staatlichen Besitz über, Parish-Senftenberg emigriert nach Kanada.


  Magdeburg 
Purg(ra)ui(us) Maydeb(ur)gen(sis) = Burggraf von Magdeburg
Der Erzbischof der Stadt ist wichtiger Vertrauter Karls IV. Dietrich von Portitz (1300 bis 1367) hat den Posten in Magdeburg seit 1361 inne. Nachdem er sich erfolglos um das Bistum Brandenburg beworben hat, geht er an den Hof König Karls, wo er aufgrund seiner Tüchtigkeit hochwillkommen ist. 1353 wird ihm das Bistum Minden und die Verwaltung des Finanzwesens im Königreich übertragen. Zum Dank für die erfolgreiche Arbeit befördert ihn der König zum Propst von Vyšehrad und obersten Kanzler des Landes; darüber hinaus bekommt er Schloss Parkstein auf Lebenszeit zu Lehen. Portritz hat an der Krönung Karls zum Kaiser 1355 wesentlichen Anteil, als Gesandter des Königs beeindruckt er Papst Innozenz VI. tief.
1361 erhebt ihn der Papst auf Wunsch des Kaisers gegen den Widerstand einiger Domherren zum Erzbischof von Magdeburg. Dort ordnet er die zerrütteten Finanzen und beendet den Bau des Doms.


  Mähren;  
Marchio Morauie = Markgraf von Mähren
Mähren - neben Böhmen und Schlesien das zweitgrößte hitorische Land Tschechiens - Anfang des 11. Jhts ein Land der Böhmischen Krone.

Seit 1031 verläuft die mährische Geschichte fast parallel zur Geschichte Böhmens. 1182 wird Mähren Markgrafschaft, nach dem Aussterben der Premysliden regiert bis 1437 das Haus Luxemburg. 1310 wird Johann von Böhmen neuer Markgraf (Luxemburger). Ihm folgt sein Sohn Karl IV., unter dem Mähren, (wie auch Böhmen), einen wirtschaftlichen und bildungstechnischen Aufschwung erlebt. Er regiert als Markgraf jedoch nur kurz und übergibt seinem Bruder Johann Heinrich 1349 den Titel. Während der Hussitenzeit bleiben die meisten mährischen Adligen dem katholischen Glauben und dem böhmischen sowie ungarischen König und späteren Kaiser Sigismund von Luxemburg treu.
Im Jahre 1905 beschließen die beiden stärksten Ethnien in Mähren (Deutsche und Tschechen) den "Mährische Ausgleich" (wonach die Landtagsabgeordneten der Deutschen und der Tschechen in ethnisch getrennten Wahlkreisen zu wählen sind). Die deutschsprachige Bevölkerung bleibt bis zu ihrer Vertreibung zahlenmäßig weitgehend intakt. Über ihre staatsbürgerlichen, kulturellen und sonstigen Rechte und deren Wahrung in der sog. Ersten Tschechoslowakischen Republik wird noch immer kontrovers geurteilt.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 und 1946 entlädt sich die während der Protektoratszeit unter den Nazis ständig gewachsene Spannung zwischen den tschechischen und deutschen Bevölkerungsteilen. Die Tschechen vertreiben die deutschmährischen Bürger wild über die Grenze nach Österreich und Deutschland. Heute leben noch etwa 49.000 Menschen, rund 0,4% der Gesamtbevölkerung in Tschechien, überwiegend Nachfahren der trotz Vertreibung im Land verbliebenen Deutschböhmen und Deutschmährer.


  Maschau 
Masczow = Masskow (Maschau bei Kaaden)
Maštov (Maschau), Stadt südlich von Kadan im Okres Chomutov in Tschechien (600 Einw.).
1191 beruft Johann Milgost, Herr auf Maschau, Zisterzienser-Mönche aus dem Kloster Waldsassen nach Maschau und stiftet ihnen Ländereien zur Gründung eines Klosters. Nach dauernden Streitigkeiten mit den Nachbarn und mit dem Geschlecht Milhost verlassen die Mönche wieder Maschau.
Bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts herrschen die Herren von Maschau, die nördlich der Stadt eine Burg erbauen. 1900 hat Maschau 1.170 Einwohner, davon 1.158 deutschsprachig und eine jüdische Gemeinde mit 97 Mitgliedern. Mit Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945 verliert der Ort seine Stadtrechte, die er 2007 zurückerlangt.


Melnitz
Melnycze = vielleicht Melnitz bei Klattau
Klattau (Klatovy), 37 km südlich von Pilsen.


  Meseritz 
Mezyzrecye = Großmeseritsch = Velké Meziříčí
Albrecht von Mezyzrecye ist Oberhofmeister; Peter, Propst von Prag und Wyssehrad ist Oberstkanzler bei Karl IV.
Velké Meziříčí mit 11.500 Einwohnern ist eine Stadt im Süden der Böhmisch-Mährischen Höhe ca. 40 km nordwestlich von Brünn.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1236. Burg und Schloss sind namensgebender Stammsitz des reichen und mächtigen, mährischen Dynastengeschlechtes der Mezericky, Herren von Lomnitz und Meseritz, als dessen Ahnherr Demetrius von Bukov im Brünner Gebiet bei Pernstein 1283 genannt wird. Mit Tas von Lomnitz, Oberlandrichter von Mähren, erlischt das Gesamtgeschlecht im Mannesstamm im Jahr 1600.
1945 kommt es in Velké Meziříčí zu einem Massaker an tschechischen Zivilisten bei dem 63 Menschen sterben. Verdächtiger ist der Hitlerjugend-Angehörige Rudolf Malik.


  Mezimosti
Mezymostye = Mezimosti bei Wittingau und Weseli


  Michelsberg
D(omi)ni de Michlsperg = Stammburg Michelsberg a. d. Iser
Böhmisches Adelsgeschlecht


  Mladejowitz
Mladyegew = Mladejowitz = Prachiner Kreis bei Pisek
Schloss, 14 km von Prag, früher Johann Wrabsky gehörend, 1467 reißen es die von Pisek und Wodnian nieder.


  Msene
Domin de Msseni = Msene bei Sobieslau
Die Mssene, so genannt nach ihrem Sitz Msene bei Budweis, sind Angehörige der Familie Riesenberg. 1262 ist Besitzer Puta, genannt Petřík von Riesenberg. Seine Nachfahren, z Mšeneho, halten den Ort bis 1362.
Am Hofe Karls IV spielen die Herren Gotfried und Bohunko von Mezne eine Rolle.
Nachdem 1790 das Mschenoer Wasser einem Direktor Linderung seiner Magenbeschwerden bewirkt hat, bewilligt 1796 Fürst Kinsky den Bau eines Bades. Heute bestehen noch die 1797 errichteten Hauptgebäude und Badehäuser.
Mšené-lázně (Mscheno), Gemeinde 11 km südwestlich von Roudnice nad Labem im Okres Litoměřice (1.800 Einw).


  Neuhaus 
D(omi)ni de Novadome = Neuhaus bei Budweis
Jindřichův Hradec (Neuhaus), Stadt in Südböhmen in unmittelbarer Nähe zur mährischen Grenze (21.500 Einw.) Bezirksstadt des gleichnamigen Bezirks.
Während Heinrichs I. von Neuhaus Zeit, Begründer des witigonischen Familienzweigs von Neuhaus, findet 1220 die Burg als „Novum castrum“ Erwähnung und der um die Burg liegende Ort ist 1223 die „Nova domus“. 1237 kommen Ritter des Deutschen Ordens in den Ort und bauen ein Spital (Domus hospitalis S. Marie Teutonicorum), ab 1269 ist eine Kommende der Deutschordensritter belegt. Während der Regentschaft Ulrichs II. halten sich der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein und der Dichter Ulrich von Etzenbach, einer der bedeutendsten Dichter deutsch-böhmischer Hofkultur, an seinem Hof auf. 1293 wird Neuhaus, dessen Einwohnerzahl durch die Zuwanderung tschechischer und deutscher Handwerker und Kaufleute rasch angestiegen ist, Stadt, 1294 ist eine jüdische Gemeinde belegt.
Mit dem Templerorden und den Minoriten zieht auch die Inquisition ein, die sich gegen die deutschen Waldenser wendet. Deren Aufstand erstickt Ulrich III. 1341 im dritten Kreuzzug.
Das Münchner Abkommen schneidet die mehrheitlich von Tschechen bewohnte Stadt 1938 bis 1945 politisch von ihrem mehrheitlich von Deutschen bewohnten Umland ab, das dem "Reichsgau Niederdonau" zugeschlagen wird, die Stadt bekommt einen deutschen Regierungskommissar.
1944 findet über der Stadt ein Luftkampf zwischen US-amerikanischen Bombern, die von Pardubice nach Italien zurückkehrten, und deutschen Flugzeugen statt. 4 US-Bomber und etwa 15 deutsche Jäger werden abgeschossen.
Die 1950 unter Denkmalschutz gestellte historische Innenstadt ist seit der Samtenen Revolution restauriert.


  NN
(Miličin, Smiřitz - Beschriftung fehlt)
Am wahrscheinlichsten das Wappen der Herren von Smiřitz


  NN
(Runowa-Mitrowitz - Beschriftung fehlt)
Möglich ist Runowa oder Mitrowitz


  NN
Unfertiges Wappen, das offenischtlich eine Doppelsichel darstellen soll.


  NN
(Kunstat-Podjebrad) = Mährische Familie
Die Kunstat gehören zu den vornehmsten Geschlechter Mährens und hatten höchste Ämter inne.


  NN
(Zwieretitz bei Prachatitz) Beschriftung fehlt
Wohl Zweig des hochangesehenen Herrengeschlechts der Markwatitze - hier der Zwiřetize. Sie hatten unter Karl IV. das Amt des Hofkammermeisters inne (Slus und Haßko von Zwiřetitz).


  NN
(Mirko? Petrowicz? Lisaw? Beschriftung fehlt)


  NN
(Rabenhaupt? Libstein? Beschriftung fehlt)


  Obrzistwi
Obrzystyc = Obrizistwi?


  Oppeln  
Duces Opoliensis=Herzöge von Oppeln
Das Herzogtum Oppeln (pol. Ksiestwo opolskie; tsch. Opolské knížectví) ist ab 1281 ein eigenständiges Herzogtum. Es regieren bis 1532 vom Oppelner Zweig die Schlesischen Piasten, die 1532 mit Herzog Johann II. erlöschen. Residenzstadt ist Oppeln. Bolko/Boleslaw II. unterstellt sich 1327 der Oberhoheit Böhmens, wodurch das Herzogtum Lehen der Krone Böhmen wird. Seine Schwester Anna von Schweidnitz (+ 1362 mit 23) heiratet 1353 Karl IV.

Opole (Oppeln), ca. 80km südöstlich von Wroclaw, 120.000 Einw., Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Opole an der Oder, historische Hauptstadt Oberschlesiens, Zentrum eines Gebiets der deutschen Minderheit, römisch-katholischer Bischofssitz, Universitäten, Kunst- und Musikschule.
Menschliche Spuren aus der Jungsteinzeit, vom Volk der Lugen Urnenfriedhöfe und römische Münzen finden sich, und hier verlief die Bernsteinstraße: Auf ihr gelangt Bernstein von der Ostsee in die Mittelmeerregion.
907 ist die Gegend im Machtbereich der Přemysliden. Im 13. Jht. kommen viele Menschen, vor allem aus Westeuropa in die Stadt, Deutsche, Flamen und Wallonen. Ab 1335 gehört Oppeln zum Königreich Böhmen.
Bei der „Reichskristallnacht“ 1938 zerstören die Nazis die Synagoge und reißen sie ab, zerstören jüdische Geschäfte, schikanieren und vertreiben Juden. 1944 erklären die Deutschen die Stadt zur Festung, Stadtkommandant wird Oberst Friedrich-Albrecht Graf von Pfeil. Anfang 1945 bringt die Armee einen Teil der deutschen Bevölkerung mit Zügen in das vermeintlich sichere Breslau. Man versucht vergeblich, die Stadt zu befestigen, es fehlt an Material und Arbeitskräften. Von Pfeil kann die Stadt nicht halten, er lässt die letzten verbliebenen Truppen aus der Stadt schaffen und alle Brücken im Stadtgebiet sprengen. Nachdem ihm Vorgesetzte wegen fehlender Panzersperren mit Degradierung drohen, erschießt er sich.
Im Januar 1945 nimmt die Rote Armee die Stadtteile östlich der Oder und im März 1945 das restliche Stadtgebiet ein. Etwa 60 % der Stadt sind zerstört, sie zählt nur noch 170 Einwohner.
Im April treffen erste "Repatrianten" aus den polnischen Ostgebieten ein, die Polen an die Sowjetunion abtreten muss. Gleichzeitig kehren Tausende deutscher Einwohner zurück. 1944 hatten die sowjetische Führung und die provisorische Regierung Polens in einem Geheimabkommen beschlossen, fast ganz Schlesien Polen zuzuschlagen. Polen vertreibt 1945/46 die Deutschen oder deportiert sie in Arbeitslager, entfernt systematisch die Spuren der deutschen Vergangenheit, verbrennt den Bestand vieler Bibliotheken, verbietet den öffentlichen Gebrauch des Deutschen, in den Schulen wird bis 1989 kein Deutsch gelehrt.


  Ossegg
Domini de Ossiek = Ossegg bei Dux mit Burg
Zisterzienser des bayerischen Klosters Waldsassen gründen 1192 in Maschau (siehe oben) bei Kaaden ein Kloster. Nach einem Streit zwischen dem Grundherrn und dem Konvent verlegen die Mönche das Kloster 1197 nach Ossegg auf die Güter des Magnaten Slavko, des Ahnherrn der Herren von Riesenburg.
Die Herren von Riesenburg aus dem Geschlecht der Hrabischitz sorgen mit zahlreichen Schenkungen für das Auskommen des Klosters. Slauko I. übereignet ihnen den Ort Ossegg, Haan mit der Siedlung Deutzendorf, Herrlich, Duban, Schönfeld bei Pfaffroda sowie Einnahmen aus dem Feld- und Weinanbau und Zollgebühren. Auch andere Mitglieder der Familie beteiligen sich im Laufe der Zeit mit Schenkungen von ganzen Dörfern oder Ländereien. Außerdem muss das Kloster keine Zölle zahlen.
1945 und 1946 werden die Mönche in das Kloster Raitenhaslach in Oberbayern ausgewiesen und das zweite Mal 1961 in das Kloster Langwaden im Rheinland. Bis zur Enteignung 1950 durch den tschechoslowakischen Staat dient das Kloster der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos als Jugenderziehungsheim, danach als Internierungszentrum tschechischer Priester und ab 1953 als sog. Altersheim für Ordensschwestern, die jedoch den Klosterbezirk nicht verlassen dürfen. Nach der politischen Wende 1991 gibt die Tschechische Republik den Zisterziensern die stark beschädigte Klosteranlage zurück, die sich um eine Instandsetzung bemühen. Nach der Versetzung des letzten verbliebenen Ordensmanns, Pater Charbel, in das Bochumer Kloster Stiepel schließt die Kirche das Kloster im Oktober 2008.
Die Stadt Osek (4.700 Einw.) liegt im Okres Teplice der nordböhmischen Region Ústecký kraj. Sie ist im 12. Jahrhundert am Fuß des Erzgebirges am Handelsweg "Böhmischer Steig" von Böhmen über Bílina nach Sachsen, heute "Alte Salzstraße", entstanden.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die deutschsprachige Bevölkerung größtenteils enteignet und vertrieben.


  Pabienitz 
(Pabyauycz - Beschriftung nicht mehr erhalten, Wappen verschwunden)
Pabienitz ist ein altes böhmisches Herrengeschlecht.
Es stammt aus dem Gegend von Pabienitz, einer Grundherrschaft bei Kuttenberg in Ostböhmen. Ihr seit 1510 geführter Namenszusatz Woracziczky stammt von einer kurzfristigen Ansässigkeit auf der Festung Woracicz bei Tábor.


  Pardubitz 
(Beschriftung zerstört)
Zwischen 1332 und 1340 gründet der Grundherr Ernst von Hostin die Stadt Pardubitz, nach der sich seine Söhne von Pardubitz nennen. Der älteste, Ernst von Pardubitz (1297–1364) ist der erste Erzbischof von Prag.
Die Stadt liegt gut 100 km östlich von Prag an der Einmündung der Chrudimka in die Elbe, ist Sitz einer Universtät und hat 90.00 Einwohner. Pardubice ist bekannt für die Pardubitzer Steeplechase (ein Pferderennen über 6.900 m, das als eines der weltweit härtesten Rennen gilt. Der Parcours ist berüchtigt für die Größe der Hindernisse, nur ein geringer Teil der startenden Pferde erreicht überhaupt das Ziel. In den 114 Rennen bis zum Jahre 2005 starben bisher über 50 Pferde).
Schloss Pardubice ist heute Museum und Galerie.


  Pernstein ? 
Pernstein-Medlow - Beschriftung fehlt
Die Herren von Pernstein, ursprünglich ein mährisches Adelsgeschlecht, erlangt später auch in Böhmen Bedeutung.
Nach der Familiensage sollen die Pernsteiner vom Köhler Věňav abstammen. Nachdem er einen wilden Auerochsen eingefangen hat, führt er diesen dem König vor und erlegt ihn mit einer Axt. Für diese Tat verleiht ihm der König ein Waldgebiet sowie das Wappen, das einen Auerochsen mit einem Nasenring darstellt.
Stephan ist Anfang der 1220er Jahre königlicher Burggraf auf der südmährischen Burg Maidenburg. Seine Söhne setzen die Kolonisierung des Gebiets entlang der Schwarzach fort und errichten die Burgen Pernstein, Auersperk, Zuberstein und Pysseletz. Die Namen der Burgen benutzen sie bzw. ihre Nachkommen als Namenszusätze.
Stephan IV. nennt sich nach der bei Nedvedice liegenden Burg Pernstein „von Pernstein“.
Nachdem Böhmen 1526 an die Habsburger übergegangen ist, bekleiden die Pernsteiner höchste Landesämter in Böhmen und Mähren. Mit Vratislav Eusebius von Pernstein erlischt das Herrengeschlecht 1631 im Mannesstamm.


  Pflugk  
Beschriftung fehlt
Wie das Geschlecht derer von Pflug zu ihrem Wappen gekommen ist:
Croco, der Nachfolger des ersten Böhmenkönigs Czech, ein gewaltiger Zauberer, hinterlässt bei seinem Tode 709 drei Töchter, namens Kascha, Tecka und Libussa, ebenfalls in allen Zauberkünsten wohl erfahren. Die jüngste, Libussa, gelangt zur Regierung und herrscht mild und löblich auf dem Wyschehrad zu Prag. Gleichwohl sind die Böhmen nicht lange mit dem Weiberregiment zufrieden, sie verlangen einen König.
Libussa läst also 722 das ganze Volk zusammenkommen und fragt, ob sie einen Fürsten haben wollen. Da sie einmütig ja sagen, Libussa: "Sehet dort hinter den Bergen bei einem kleinen Wasserfluss, der Bila heißt, liegt das Dorf Staditz, nicht weit davon ein Acker, 120 Schritt breit und lang, auf welchem euer Fürst mit zwei scheckigen Ochsen pflügt, der heißt Primislaus, der wird euere Hälse beugen, und sein Geschlecht wird euch 584 Jahre beherrschen."
Diese Weissagungen hatte sie von einer güldenen Kröte empfangen, in der ihr Hausgeist wohnte.
Hierauf erwählt sie 30 Mann, denen lässt sie ihren Reitschimmel ungezäumt vorführen und sagt: "Folget meinem Pferde nach, wo es hingeht, denn der Weg ist ihm gar wohl bekannt, vor dem Manne nun, wo es wird stehen bleiben, wiehern und auf die Knie fallen, da bleibt auch ihr stehen, denn der ist es, der euch beherrschen soll. Ihr werdet mir aber nicht eher glauben, bis ihr euern Fürsten auf einem eisernen Tische essen seht. Seid aber unterwegs ja friedlich, denn Zank auf dieser Reise wird euern Nachkommen nach 1000 Jahren schaden."
Die Gesandtschaft, welche dem Ross gefolgt, trifft auch richtig Primislaus an Ort und Stelle an, und da das Pferd sofort vor ihm auf die Knie sinkt, entdecken die Gesandten ihm Libussä Befehl und des Volkes Verlangen, worüber Primislaus ganz bestürzt ist. Endlich steckt er eine Rute in die Erde und spricht, es sei denn, dass diese grüne und blühe, sonst könne er es nicht glauben, spannt dann die Ochsen aus und sagt: "Gehet hin, wo ihr hin wollt."
Worauf aber Primislaus mit denselben einen gewaltigen Sprung in die Wolken tut, von dem die Ochsen nicht wieder zum Vorschein gekommen sind, die häselne Rute hat sogleich zu grünen, drei Zweige mit Blättern zu treiben und zu wachsen angefangen, auch in demselben Augenblick Früchte hervorgebracht, aus welchen später eine Haselstaude wurde, die noch heute beim Dorf Staditz steht und über welche Kaiser Karl IV. 1359 ein Privilegium an zwei Feldnachbarn des Primislaus gegeben hat, dass diese frei von allen Abgaben und Frohnen sein sollten (weil sie damals die einzigen gewesen, die Primislaus Glück gewünscht), dafür aber die Haselstaude zu pflegen und die Nüsse, welche sie trüge, nach Prag an die königliche Kammer abzuliefern hätten.
Dann wendet Primislaus den Pflug um, zieht ein Stück schimmlig Brot und Quark hervor, legt es auf den Pflug und bittet die Gesandten zu Gaste, welche sich um den Pflug herum auf die Erde setzen und sich mit Brot und Wasser verwöhnen lassen, dabei aber fleißig an Libussä Worte denken.
Nach geendigter schlechter Mahlzeit legen sie Primislaus das fürstliche Kleid an und ziehen ab gen Prag, wohin dieser seine Schuhe von Lindenbast zum Gedächtnis mitnahm, welche erst in den hussitischen Unruhen verloren gegangen sind.

Als sich nun dieser bäuerische Prinz dem Schlosse nähert, kommt ihm Libussa mit ihrem Frauenzimmer entgegen, führt ihn in ihr Zimmer, traktiert ihn mit Wildpret und Met und hält auch noch am selben Abend ihr Beilager mit ihm.
Deshalb hat sie Primislaus zum stets währenden Angedenken dieser wunderwürdigen Begebenheit seinem Enkel den Namen Pflug nebst dem Wappen gegeben, ihn auch mit ansehnlichen Gütern versorgt. Nach dem Tod Wenzels III. von Böhmen hat eine große Partei Ulrich Pflug zu Rabenstein 1306 zum König wählen wollen, sie sind aber nicht durchgedrungen, wohl aber hat später, als Herzog Johann der Lützelburger den böhmischen Thron bestieg, derselbe diesen Pflug, um ihn zu entschädigen, zu seinen obersten Kämmerer und in seiner Abwesenheit zu seinen Stellvertreter gemacht.

Die Pflugk, Pflug von Rabenstein oder Radecy von Radeč, böhmisches Uradelsgeschlecht.
Vom alttschechischen 'Zzar' stammt vermutlich der Begriff Pflugschar, ein Arbeitsgerät in der Landwirtschaft, als Glücks- und Friedenszeichen im Wappenbild der Pflugk.
In Böhmen ist das Geschlecht von Beginn des 14. Jahrhunderts bis Ende des 16. Jahrhunderts auf den Burgen Rabenstein an der Schnella und Burg Königswart im Egerland ansässig. Ulrich II. Pflugk von Rabenstein ist 1319 – 1341 Landes-Unterkämmerer im Königreich Böhmen, Burggraf von Pürglitz und Landhofmeister.


  Plauen 
D(omi)ni de Plawna = Herren von Plauen im Vogtland
Die Vögte von Plauen, ein nach ihrem Sitz in Plauen im Vogtland benanntes Adelsgeschlecht, sind eine abgezweigte Linie der Vögte von Weida. Nach der Gesamtsippe der Vögte ist das Vogtland benannt.
Die Grafen von Everstein (oder Eberstein) gründen ab etwa 1100 als Lokatoren den Dobnagau um Plauen. Ihr erster Burgsitz steht auf dem Dobenaufelsen im Syratal, dann errichten sie sich eine Stadtburg an der südwestlichen Ecke des Plauener Mauerrings, dessen Überrest das heutige Malzhaus ist. Die Ebersteiner belehnen Heinrich II. "den Reichen" († um 1209) aus dem Geschlecht der Vögte von Weida mit Plauen.
Im 14. Jahrhundert fallen sie jedoch den expansiven Bestrebungen ihrer Nachbarn, der Markgrafen von Meißen und der Könige von Böhmen, zum Opfer: Die Vogtlinien schließen teils gegeneinander zielende Bündnisse mit den beiden Nachbarn, so begibt sich das Haus Plauen 1327 unter böhmische Lehnsherrschaft, während die Vögte von Weida und die von Gera sich den Wettinern anschlossen. Im Vogtländischen Krieg von 1354 – 57 verlieren die Vögte von Weida, Gera und Plauen den Großteil ihres Besitzes an Kaiser Karl IV. und die Wettiner.


  Pnetluk 
(Puycelnek) = Pnetluk, Kreis Saaz
1250 tritt der Sohn des Elbogener Burggrafen Zvesta von Pnetluky, Sulislav, als Zeuge auf. Sulislaw von Pnetluk stirbt 1313 im Bann und bis 1382 sitzt ein Jeschek von Pnetluk auf der Burg Triebl.
Pnětluky (Netluk), 344 Einwohner, ist eine Gemeinde 14km südwestlich von Louny im Okres Louny. 1363 errichten die Herren von Pnetluky einen Herrenhof, sie halten den Besitz größtenteils bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts.


  Podiebrad  
D(om)ini de Podiebrad = Podiebrad bei Kuttenberg
Das böhmische Adelsgeschlecht von Podiebrad entstammt den Herren von Kunstadt. Nachdem Boček († 1373) durch Heirat an die Herrschaft Podiebrad gelangte, nennt er sich als erster "von Kunstadt und Podiebrad". Das bekannteste Mitglied des Podiebrader Familienzweigs ist der böhmische König Georg von Podiebrad, dessen Söhne zu Reichsgrafen und Grafen von Glatz erhoben wurden.
Mitglieder des Podiebrader bzw. Münsterberger Familienzweigs gehören im 14. bis 17. Jahrhundert zu den bedeutendsten politischen Persönlichkeiten im Königreich Böhmen. Ihren Besitzungen gehörten u. a. Podiebrad in Mittelböhmen sowie die ostböhmischen Herrschaften Litice, Nachod, Hummel, Gebietsteile des ehemaligen Klosters Opatowitz und Pardubitz.


  Pogress
Pogrol = Pourel = Pogress (z Pohořel)
(Beschriftung zerstört)
Preclavus von Pohořelé 1341 - 1376 Bischof von Breslau
Preczlav von Pogarell, der 20. Bischof von Breslau (1341-1376) und ab 1352 der Kanzler Karls IV. Die Epoche des Bischofs wird als "goldenes Zeitalter der Diözese Breslau" bezeichnet.


    Poreschin
Pozreczye = Poreschin in Südböhmen
Die Burg Pořešín liegt im gleichnamigen Dorf im Okres Český Krumlov in der Region Südböhmen.
Vermutlich gründet Bavor III. von Strakonitz um 1300 die Burg auf einem Felsvorsprung über der Maltsch. Um 1315 tauscht Bavor III. diese Burg mit der Burg Vitejovice bei Prachatitz, die bis dahin im Besitz der mit ihm verwandten Brüder Werner, Racek und Pribík war. Sie begründen das Geschlecht von Poreschin, das 1423 ausstirbt. Danach fällt Poreschin und die gleichnamige Burg als erledigtes Lehen an die Krone. (Oder Herren von Porzessin?)


  Prag  
Ciuitas P(ra)gensis = Stadt Prag
Prag, Hauptstadt der Tschechischen Republik, über 1,2 Mill. Einwohner.
Historische Hauptstadt Böhmens, bedeutende königliche und kaiserliche Residenzstadt im Heiligen Römischen Reich, besonders unter den Přemysliden, Luxemburgern und Habsburgern. 1230 wird Prag zur königlichen Stadt und im 14. Jahrhundert unter Karl IV. politisch-kulturelles Zentrum in Europa. Die Karls-Universität, gegründet 1348, erste Universität in Mitteleuropa. Über Jahrhunderte hinweg Begegnungsstätte tschechischer, deutscher und jüdischer Kultur.


Mit Jacques Austerlitz in Prag


  Radek
Sradku = z Rdku = Radek bei Zamosti in Böhmen (?) oder Myskuv Hrádek, Kreis Bunzlau


  Radenyn
(Beschriftung zerstört)
"radenyn" unter dem Wappen des Bischofs Johannes Očko Wlašim ist unklar, was das mit dem Ort zu tun hat: Besitzer? Das Wappen jedenfalls ist das der Wlašims. Oder Bezug zu Jenzenstein?


    Redhost
Zreydhost = Redhost, Kreis Raudnitz
Herrenfamilie ze Redhoste.
Ředhošt ist Ortsteil von Mšené-lázné im Bezirk Litoméřice etwa 30 km nördlich von Prag mit 209 Einwohnern.


  Riesenberg 
Domini de Rizenberg = Riesenberg bei Neugedein
Die Herren Ryzmberka bzw. z Riesenberka sind ein bedeutendes katholisches Adelsgeschlecht in Böhmen. Den Beinamen erhalten sie durch das Eigentum der Burg Riesenberg bei Neugedein.
Die gotische Burg Riesenberg (tsch. Rýzmberk) lässt König Ottokar II. Přemysl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts anlegen. Einer der ersten Besitzer ist 1279 Diepold Schwihau von Riesenberg. Die Burg dient der Bewachung des Passes am "Regensburger Steig", Hauptverbindung von Prag nach Regensburg. 1641 erobern und verwüsten die Schweden die Burg.
Die Burg Riesenberg ist Schauplatz im Roman Consuelo von George Sand.
Neben den Rosenbergern und Pernsteinern zählen die Riesenberger zu den reichsten Adelsfamilien Böhmens.
Kdyne (Neugedein) ist eine Kleinstadt mit 5.220 Einwohnern im Okres Domažlice nahe der deutschen Grenze, ca. 10 km nordöstlich von Furth im Wald.


  Riesenburg 
Rys(en)burc = Riesenburg bei Dux und Ossegg im Erzgebirge
Uradel in Böhmen, Anfang des 17. Jhts. ausgestorben. Bekannt durch Sezima Rašin von Riesenburg, Unterhändler in "Wallenstein" von Schiller.
Die Herren von Riesenburg, Begründer des Klosters Ossegg auf der Stätte ihrer alten Burg und Erbauer der Riesenburg von 1250 nahebei, haben ausgedehnten Besitz um ihren Stammsitz und auch in Mähren und Schlesien. Einer der letzten Inhaber der Riesenburg ist Borso von Riesenburg, Hofrichter und Hauptmann in Bayern und Egerland.


  Ronaw 
D(omi)ne de Ronaw = Ronaw bei Schweiditz
Ronau, Ronov, Rohnau, eine alte Adelsfamilie in Schlesien. Das mächtige, hochangesehene Geschlecht der Ronawe geht auf die Herrenfamilie von Lichtenberg zurück. Das Geschlecht war jahrhundertelang im Besitz höchster Ämter und Würden.
1358 Smilo von Ronaw
Reste der Burg Ronow, auch Burg Rohnau (poln. Zamek Trzciniec) befinden sich 200 Meter nördlich des Dorfes Trzciniec (Rohnau) auf einer Felskuppe am rechten Ufer der Lausitzer Neiße im polnischen Teil der Oberlausitz, Anfang des 13. Jahrhunderts durch die Linie von Sittaw (Zittau) aus dem Geschlecht der Hronovice errichtet.
Sie diente zum Schutz der Handelsstraßen zwischen Görlitz, Zittau und Friedland, die über den Marktflecken Hirschfelde verliefen.


  Rosenberg 
D(omi)ni de Rosenb(erg) = Herren von Rosenberg
Das Adelsgeschlecht der Herren von Rosenberg entstammt dem Geschlecht der Witigonen, das sich in vier Familienlinien verzweigte, die von Rosenberg, die von Krumau, die von Neuhaus und die von Landstein.
Im 15. Jahrhundert das einflussreichste Adelsgeschlecht in Böhmen. Namensgebend ist die Burg Rosenberg in Böhmen, die Wok von Rosenberg nach 1225 errichtet haben soll. Heinrich I. von Rosenberg, bis dahin auf der Burg Rosenberg residierend, verlegt seinen Sitz auf die Burg Krumau, die drei Jahrhunderte den Rosenbergern als Residenz dient, deren Familienmitglieder bedeutende königliche Landesämter bekleiden.
Im 15. und 16. Jahrhundert beherrschen die Rosenberger den größten Territorialkomplex in Böhmen. Zu ihren Ländereien gehörten u. a. Purschitz, Hohenfurth, Sobieslau, Lainsitz, Blankenberg, Zvíkov, Gratzen, Wittingau, Rosenberg, Strakonitz, Seltschan, Raudnitz, Bechin, Winterberg und Libeň. Weitere Ländereien hielten sie in Westböhmen, in Mähren und in Oberösterreich sowie in Schlesien Silberberg und Reichenstein. Sie engagieren sich im Landesausbau, gründen Klöster und Ortschaften und leisten einen großen Beitrag zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung Böhmens.
Andererseits ist das Geschlecht berüchtigt durch eine Vielzahl von Urkundenfälschungen und Legenden, um Ämter und Besitzeungen zu ergaunern.


    Rziczan
Das Wappen führt die mährische Familie Kawka von Rziczan.


  Schaßlowitz  
Domini de Czastolowitz = Kastolowitz bei Königgrätz a.d. Adler
Časlovice ein Ort, der vor dem Vertrag von Saint-Germain zu Österreich-Ungarn gehört und im Verwaltungsgebiet Böhmisch-Leipa lag. Im Deutschen Reich heißt der Ort Schaßlowitz, heute Častolovice.
Der Ort mit 1700 Einwohnern liegt südwestlich Rychnov nad Kněžnou etwa 30 km östlich von Hradec Králové (Königgrätz) am Zusammenfluss von Kněžná, Štědrý potok, Bělá und Wilder Adler. Der Ort erstreckt sich sowohl entlang der Flussläufe als auch an den Hängen der Mittelgebirgslandschaft, die das Elbtal von der Landschaft Orlicko trennt.
Das Schloss Časlovice liegt im Osten der Ortschaft.
Die ehemalige Wasserburg wird vermutlich im 13. Jahrhundert in einem sumpfigen Gebiet an der Wilden Adler errichtet. Ihr erster bekannter Besitzer ist 1342 Landrichter Puta d. Ä. von Schaßlowitz, mit dessen Sohn Puta d. J. das Geschlecht 1434 in männlicher Linie ausstirbt. Unter Karl IV ist Poto (Puta) von Czastolowitz Burggraf, Kammermeister und Hauptmann zu Frankenstein, zu Laausitz, Luxemburg und Brandenburg. Zu den nachfolgenden Besitzern gehören u. a. der böhmische König Georg von Podiebrad, dessen Sohn Heinrich d. Ä. von Münsterberg sowie Wilhelm II. von Pernstein.
Unter Franz Joseph von Sternberg-Manderscheid erlangt das Schloss kulturelle Bedeutung, wird zu einem Zentrum der Aufklärung. Verschiedene bauliche Änderungen finden bis 1948 statt, wo es verstaatlicht wird. Nach der politischen Wende wird es zusammen mit Schloss Zásmuky 1993 an Šternberková Phipps restituiert.


  Schlesien  
Duces Slesie = Herzöge von Schlesien
Das Herzogtum Schlesien entsteht 1138, wird von den Schlesischen Piasten regiert und besteht bis 1249, ab da entstehen durch viele eine ganze Anzahl Schlesischer Herzogtümer. 1335 verzichtet der polnische König Kasimir III. der Große endgültig zugunsten Böhmens auf die Lehenshoheit über Schlesien. Zur Zeit Karls IV. ist Boleslaw Herzog von Schlesien.
Schlesien, Region beiderseits des Ober- und Mittellaufs der Oder, erstreckt sich im Süden entlang der Sudeten und Beskiden und liegt zum größten Teil in Polen. Ein kleiner Teil im Westen der früheren preußischen Provinz Niederschlesien gehört zu Deutschland, ein südlicher Teil von Oberschlesien zu Tschechien.
Die seit Ende des 10. Jahrhunderts andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Böhmen und dem Königreich Polen um die Vormachtstellung beendet 1137 der Pfingstfrieden von Glatz, der eindeutige Grenzverlaufe festlegt. Nach dem Tod des polnischen Herzogs Boleslaw III. „Schiefmund“ 1138 zerfällt Polen in einzelne Teilgebiete. Schlesien fällt an den ältesten Sohn Wladyslaw, der das Herzogtum Schlesien begründet und Stammvater der Schlesischen Piasten wird.
Herzog Heinrich I. „der Bärtige“, seit 1201 an der Macht, fördert die Ansiedlung von Deutschen und Holländern ebenso wie Sohn Heinrich II. Unter ihren Nachkommen zerfällt das Herzogtum ab 1249 in zahlreiche Teilherzogtümer, deren Herzöge sich dem Königreich Böhmen zuwenden. König Karl IV. unterstellt Schlesien 1348 dem Heiligen Römischen Reich.
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939 wird auch das kleinpolnische Auschwitz Teil des Gaus Oberschlesien. Dort errichtet das NS-Regime sein größtes Vernichtungslager, Auschwitz-Birkenau, wo es etwa 1,5 Millionen Menschen, vor allem Juden aus Polen und anderen Teilen Europas sowie nichtjüdische Polen, ermordet. Außerdem gab es von 1940 bis 1945 das KZ Groß-Rosen mit zahlreichen Außenlagern und seit 1943 arbeitete die Oberbauleitung Riese im Eulengebirge.
1945 stellen die Alliierten das östlich der Oder-Neiße-Linie gelegene Gebiet unter polnische Verwaltung. Ein Teil der 4,5 Millionen Schlesier flieht vor der anrückenden Roten Armee. Ab dem Frühsommer 1945 organisieren polnischen Stellen die Vertreibung der Deutschen. Viele geflohene Schlesier kommen zunächst wieder zurück, werden aber dann endgültig vertrieben. Die Gesamtzahl von ca. 630.000 Todes- und Vermisstenfälle sind Ergebnis der Vertreibung der deutschen Bevölkerung.
Die DDR erkennt 1950, die BRD 1970 die Oder-Neiße-Linie als endgültige deutsch-polnische Staatsgrenze an.




  Schönburg 
D(omi)ni de Schonburg = Schönburg bei Glauchau
Die Schönburg kommen über Meißen und Lausitz nach Böhmen, wo sie unter Wenzel I. und Ottokar II. begütert waren. Sie erhalten Burg Birsenstein (Pürstein), um 1330 Burg Hassensein und um 1345 Egerberg.
Zum Wappen gibt es die folgende Story:
In der letzten Schlacht, die Karl der Große gegen den sächsischen Herzog Wittekind kämpfte, wurde er sehr bedrängt. Die meisten seiner Begleiter waren bereits gefallen, nur er allein widerstand dem Andrang der Feinde. Plötzlich traf ein mit starker Hand geschleudertes Felsstück seinen Schild. Der Schild zersprang und Karl hatte nur noch sein Schwert zur Verteidigung. Da erhob sich einer seiner gefallenen Gefährten und reichte ihm seinen Schild. Kaum hatte er sich damit gedeckt, nahte Hilfe und die Schlacht konnte gewonnen werden. Er konnte seinen Retter noch lebend ausfindig machen und erkannte ihn als einen Schönburg. Der führte bis dahin nur einen einfachen Silberschild ohne Kleinod. Karl berührte mit Ring-, Mittel- und Zeigefinger seiner rechten Hand die blutende Wunde und strich zweimal über das silberfarbene Schild, so dass es zwei rote Streifen zierten. Er sprach: "Schönburg, dies sei fortan dein Zeichen, dein Blut das Wappenkleinod deines Hauses."
Wohl im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts verlagern die Herren von Schönburg an der Saale ihren Herrschaftsschwerpunkt in den Raum um die Zwickauer Mulde und wechseltn in die Reichsministerialität über. Um 1170 gründen sie die Burg Glauchau. Hermann II. stiftet 1233 das Benediktinerinnenkloster Geringswalde, das bis zur Reformation als Grablege der Familie dient.
Jahrhundertelang bestimmten die Herren von Schönburg die Geschichte Südwestsachsens. Zu ihren Besitzungen gehören: Glauchau, Lichtenstein, Waldenburg und Hartenstein. Späater zerfällt die Familie in die Hauptlinien Glauchau, Waldenburg und Penig.
Die Herren von Schönburg zählten zu den Reichsständen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, und zu den Landständen der sächsischen Kurfürsten sowie der Könige von Böhmen.
Das Haus Schönburg prägte über viele Jahrhunderte Kultur und Wirtschaft in Teilen Südwestsachsens und Nordböhmens. 1945 wird die Familie entschädigungslos enteignet und vertrieben. Nach der Wiedervereinigung kehrt ein Zweig der Hartensteiner Linie ins Schönburger Land zurück und erwirbt Burg Stein in Hartenstein und das Alte Schloss in Penig.

Wichtige Persönlichkeiten au dem Hause Schönburg:
  • Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998), Jagdautor und Politiker (CDU), MdB (1990–1994)
  • Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein (* 1953), Unternehmer, Präsident des Verbandes der Deutschen Adelsverbände, Botschafter des Malteser Ritterordens in Bratislava
  • Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis (* 1960), geb. Gräfin von Schönburg-Glauchau, Unternehmerin (berühmtes Zitat: )
  • Christoph Graf von Schönburg-Glauchau (* 1962), Bundesfilmpreisträger 2005, Sound-Designer im Oscar-prämierten Film Das Leben der Anderen (2007)
  • Alexander Graf von Schönburg-Glauchau (* 1969), deutscher Journalist und Schriftsteller [Die Kunst des stilvollen Verarmens: Verlogen und oberflächlich. Schönburg ignoriert, dass Armut das Gegenteil von selbstbewusstem Konsumverzicht bedeutet. Armut heißt, es sich nicht aussuchen zu können. Von all den Zwängen, den fehlenden Entscheidungsspielräumen, Existenzängsten liest man bei A. v. S. so gut wie nichts. Stattdessen fordert er dazu auf, sich freudig, spielerisch in sein Schicksal zu fügen. Das ist stockkonservativ, zutiefst verlogen und zynisch bis ins Mark.]

  Schwanberg  
Domini de Swanberg = Schwanberg
Das aus Westböhmen im Siedlungsgebiet des westslawischen Stammes der Choden stammende Geschlecht der Herren von Schwanberg ist dort seit dem 13. Jahrhundert nachweislich und seit 1330 auf der namensgebenden Burg Schwanberg bei dem Ort Krasíkov ansässig. Von diesem Berg Schwan(en)berg, vermutlich ein alter Kultplatz des Svantovit aus vorchristlicher Zeit, führt das Geschlecht, das sich nach dem Namen des Berges und der Burg "von Schwanberg" nennt, im Wappen einen weißen Schwan mit goldenem Schnabel und goldenen Füßen.
Das Ministerialengeschlecht aus der Sippe der Burggrafen von Pfraumberg im Pilsener Kreis in Westböhmen erscheint mit Ratmir von Skrziwin, Landrechtskämmerer im Pilsener Kreis 1224–1247 erstmals.
Dessen Urenkel, 1306 Burggraf von Pfraumberg, erbaut vor 1330 die Burg Schwanberg bei Tepl im Elbogner Kreis in Westböhmen. Seine Nachkommen sind im 14. und 15. Jahrhundert in zahlreichen Linien verzweigt.
Bohuslaw III. war, wie eingangs ausgeführt, Burgpfleger und Hauptmann von 1358 bis 1372 in Eger.
Das Geschlecht stirbt 1659 aus.


   Schweidnitz
Dux Swidnicens=Herzog von Schlesien
Świdnica (Schweidnitz, poln. tsch.Svídnice), Stadt mit 58 000 Einwohnern in der województwo dolnosląskie (Woiwodschaft Niederschlesien) ist von 1291 bis 1807 Residenzort des Herzogtums Schweidnitz.
Das Herzogtum entsteht 1290/91, als Heinrich V. von Liegnitz, den im selben Jahr der böhmische König Wenzel II. zum Herzog von Breslau einsetzt, den südlichen Teil des Herzogtums Breslau seinem Bruder Bolko I. von Jauer schenkt. Zu dem Gebiet gehören die Städte Münsterberg, Frankenstein, Strehlen, Reichenbach und Schweidnitz. Dieser Herrschaftsbereich entspricht den späteren Herzogtümern Schweidnitz und Münsterberg. Residenzort ist neben Schweidnitz auch die Burg Fürstenstein.
Nach dem Tode Bolkos I. 1301 wird das Herzogtum 1308 aufgeteilt.
Herzog Bernhard II. († 1326) behält das verkleinerte Herzogtum Schweidnitz, Heinrich I. bekommt Jauer, das wieder selbständiges Herzogtum wird, nach dessen Tode 1346 jedoch abermals mit Schweidnitz vereinigt wird.
Der jüngste Bruder Bolko II. begründet 1321 das Herzogtum Münsterberg, dessen piastische Linie 1428 mit Herzog Johann erlischt.

Bolko II. stirbt 1368. Das Herzogtum Schweidnitz-Jauer erbt der 8jährige Wenzel IV., den sein Vater Karl IV. für volljährig erklärt. 1526 gelangt das Erbfürstentum Schweidnitz-Jauer zusammen mit der Krone Böhmen an die Habsburger und nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fällt es an Preußen, deren Verwaltungsreformen es 1807 auflösen.


  Seeberg
D(omi)ni de Zee . . . = Seeberg bei Eisenberg-Brüx
Deutschblütige Herrenfamilie von Seeberg (Zeberk), zur Zeit Karls IV. spielt eine Rolle am Hof Zdislaw von Seeberg.

Schloss Jezeří (Eisenbeg) liegt westlich von Niedergeorgenthal im Kreis Most in der Aussiger Region, am südlichen Hang des Erzgebirges in etwa 0,5 km Entfernung direkt oberhalb eines riesigen Braunkohlen-Tagebaus.
Die Herren von Ferbenz (Pány ze Rvenic) aus Ervénice (Seestadtl), die damals den Adelstitel von See oder „de Lacu alias de Aysemberg“ erhielten, errichten die ursprünglich gotische Burg „Eisenberk“ 1363 bis 1365, ab 1365 Besitzer ein Nevlas von See (Nevlas de Lacu alias de Aysemberg).


  Skvorec 
Milevic, Skvorec - Beschriftung fehlt
Škvorec, 1km südlich von Úvaly (Auwal) und ca. 25km östlich des Prager Stadtzentrums im Okres Praha-východ.
Die geadelte Prager Patrizierfamilie der Wolfram (Olbramovici) sind ursprünglich in Eger ansässig. Olbram Menhart ist seit 1356 Richter in der Prager Neustadt und 1373–1380 Burggraf auf dem Vyšehrad. Nachdem Menhart 1361 die Herrschaft Škvorec erworben hat, zeichnet er ab 1380 als Olbram Menhart von Škvorec. Nach Vaters Tod 1388 werden die Söhne Olbram, Paul und Wenzel Besitzer der Herrschaft Škvorec.
Olbram von Škvorec ist von 1396 bis 1402 (+) Erzbischof von Prag.


 Slawata  
(Lontkow? Maltitz? = Slawata?)
Die Slavatové z Chlumu a Košumberka sind ein Herrengeschlecht aus der Sippe der Gaugrafen von Leitmeritz, das mit comes Bleh, 1069–1108 zuerst erscheint. Sie erlöschen mit Karl Johann Slawata, welcher 1691 auf die Nachfolge als 6. „Regierer des Hauses Neuhaus“ verzichtet, als „Pater Felix a Santa Theresia“ in den Barfüsserorden der Karmeliten eintrat und als General des Karmeliten-Orden am 21. Juli 1712 in Rom verstirbt.

Heinrich (Jindrich) Slawata († Anfang 1599) ist Anhänger der Böhmischen Brüder sowie Onkel und Vormund des 1595 mit 12 Jahren zum Vollwaisen gewordenen Wallenstein, den er anschließend, gemeinsam mit seinem etwa gleichaltrigen Sohn Diviš, für zwei Jahre auf Koschumberg aufzieht, bevor er ihn auf die Lateinschule zu Goldberg im Herzogtum Liegnitz schickt.


 Stajitz
Stagycz = Stajicky von Stajec
Nachdem die Familie Stagytz untr Karl IV. nicht bekannt ist, muss an einen Scheibfehler für "Staditz" gedacht werden.


  Stekna
S(t)ecknye = Stekna östlich von Strkonitz
Die zu den Strakonitz in Beziehung stehende Herrenfamilie der Stekne (ze Stekne)


  Sternberg 
D(omi)ni de St(er)nberk = Burg Sternberg

Die Burg baut Jaroslav von Sternberg 1233 wieder auf. Die Herren, später Reichsgrafen Šternberkové oder ze Šternberku, bedeutendes Böhmisches Adelsgeschlecht aus der Sippe der Gaugrafen des Kaurzimer und Prachiner Kreises, das 1167 urkundlich zuerst erscheint.
Mitglieder der Familie nehmen seit dem 13. Jahrhundert wichtige königlich böhmische Landesämter ein, treten als bedeutende Mäzene und Gelehrte hervor, die die kulturelle Entwicklung Böhmens entscheidend mitprägen.


  Strakonitz 
D(omi)ni de Strakonitz = Stadt und Burg Strakonice in Südböhmen
Die Bawor ze Strakonic sind ein böhmisches Adelsgeschlecht, das 1404 erlischt.
Ihre Ursprünge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die Herren von Strakonitz, reich begütert nicht nur in der Nähe ihrer Burg Strakonitz, sondern weithin in Böhmen und Mähren, gehören zu den ersten Herrengeschlechtern Böhmens, stehen mit den vornehmsten Familien in Blutzusammenhang und spielen im 13. und 14. Jht. in der Geschichte Böhmens eine bedeutsame Rollee.
Bavarus de Strakonicz († 1167) lässt in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Burg Strakonice errichten und ist Landesältester in Böhmen. Dlugomil de Strakonicz, ist königlich böhmischer Mundschenk und Marschall. Bavor I. († 1260), höchster Kämmerer und Burggraf von Zvíkov, ist Anhänger des Königs PŤemysl Ottokar II. 1243 schenkt er einen Teil der Burg Strakonice dem Johanniterorden und trägt so zum Prestige des Geschlechts bei.
Bavor II. († 1313), höchster Marschall, bekommt als Zeichen der Verbundenheit Agnes, nichteheliche Tochter des Königs Ottokar II. PŤemysl zur Frau. Er erwirbt Schloss Blatná und PoŤešín und gründet Horaždovice.
Nikolaus († 1318) ist Großprior der Johanniterkommende Strakonitz.
Unter Karl IV. ist Wilhelm im Besitz eines Hofamts.

Strakonice, Stadt in der Region Südböhmische Region im Okres Strakonice, 52 km nordwestlich von Budweis mit 23.000 Einwohnern am Zusammenfluss von Otava und Volyňka.
Im 13. Jahrhundert beginnen die Strakonitz mit dem Bau der Burg.

Die Anlage vereint eine Adelsburg mit einer Johanniterkommende. Ab 1402 bis 1925 ist sie vollständig im des Johanniterordens.
In Strakonice lebt ab dem 16. Jahrhundert eine wohlhabende jüdische Gemeinde von Handelsleuten, Reste des Ghettos und ein jüdischer Friedhof sind erhalten, die Synagoge wird 1976 abgerissen.


  Sulowitz  
Sulewycz = Sulowitz bei Leitmeritz
Georg Kepler von Sulewitz nimmt in Rom an den Krönungsfeierlichkeiten teil.
Sulejovice ist ein Dorf im okres Litoméřice, hat ca. 700 Einwohner und liegt 54 km nordwestlich von Prag.


  Sulzbach  
Comitas Sulczpach = Grafschaft Sulzbach in der Oberpfalz
Sulzbach-Rosenberg, Stadt mit 19.500 Einwohnern im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach, etwa 50 km östlich von Nürnberg.
Burg und Stadt erlangen unter Karl IV., der 1349 Anna, die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf heiratet, zwischen 1353 und 1373 als Hauptstadt von "Neuböhmen" große Bedeutung. Dabei kommen ihr wie bereits im Früh- und Hochmittelalter die verkehrsgünstige Lage an der "Goldenen Straße" von Nürnberg nach Prag sowie die reichen Bodenschätze (Eisenerz) zugute.
Karl IV. macht sich verdient um die Stadt. An mindestens 89 Tagen stellt er auf der Burg Sulzbach Urkunden aus, der damit die Funktion einer Pfalz zukam. Karl lässt einen Kirchenneubau errichten

- hier sein Standbild an der Marienkirche - sowie die Burg ausbauen, bereichert das Spital und fördert den Bergbau. Doch sein Sohn Wenzel verpfändet die Grafschaft an Bayern. Durch den Landshuter Erbfolgekrieg geht sie 1505 an die pfälzischen Wittelsbacher.


  Talmberg 
Talber(g) = Talmberg, Thalenberg bei Kuttenberg
Das Herrengeschlecht Talmberkové oder z Talmberka (Talmberg, auch Thalenberg, Tallenberg) ist nach dem gemeinsamen Seerosenwappen gleichen Stammes mit den schlesischen Stosch (Adelsgeschlecht); von Augendecz; von Kaunitz; von Martinic; Richnowsky von Reichenau und den Czerncziczky von Thalenberg, deren gemeinsame Vorfahren von den Werschowitz, einem Zweig der PŤemysliden stammen sollen.
Stammvater ist Hrozniata von Auzicz, 1284 bis 1291 Burggraf des Schlosses in Prag.
Mit Dionys (Diwiss) genannt Jankowsky von Thalenberg, ab 1385 auf Jankow nördlich von Tabor, beginnt die ununterbrochene Stammfolge der Freiherrn von Thalenberg in Böhmen.
Von den Geschlechtern in Böhmen sind die Talmberger eines der geheimnisvollsten. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gehört ihnen die Burg Talmberg bei Ratais an der Sasau in Mittelböhmen. Sie nehmen wichtige Funktionen an böhmischen Gerichten wahr und dienen als Burggrafen.


  Taubenberg
Tubberk = vielleicht Tubenheim in der Lausitz?



  Torgau 
Turkow = Torgau
Die Herren von Torgau sind im 13. Jahrhundert ein brandenburger Ministerialengeschlecht mit überregionaler Bedeutung. Sie treten als Landvögte, Vögte, Vertraute der Könige und Fürsten, Zeugen, Bürgen, Grund- und Lehnsherren des 13. bis 15. Jahrhunderts auf.
Um 1204 ist Friedrich Udo der erste, der den Namen nach der Stadt Torgau an der Elbe führt. Die Stützung der Hegemonialmacht Karl IV. spiegelt sich in dem Handeln seiner Vertrauten wieder.
1350 befiehlt Karl IV. dem edeln Botho von Turgow, Fürst von Budissin und Görlitz, die Äbtissin und den Konvent des Zisterzienserfrauenklosters in Marienstern und Besitzungen zu schützen. Die von Torgau besitzen in der Zeit, als Karl IV. seinen Sitz 1373 bis 1378 an die Elbe nach Tangermünde verlegt, um dort mehr Einfluss zu gewinnen, mehrere Ortschaften in strategischer Lage in der Umgebung ihres Kaisers.
1394 Bodo, Herr auf Arnau, beim Landtag in Prag
Zur Nazizeit ist Torgau 1943 bis 1945 Sitz des Reichskriegsgerichts. Das Gerichte verhängt 1000 Todesurteile, die die Henker vollstrecken. Opfer waren u.a. Wehrdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Widerstandskämpfer und amerikanische Kriegsgefangene.
Torgau erlangt Ende des Zweiten Weltkrieges internationale Berühmtheit: Am 25. April 1945 treffen sich sowjetische und US-amerikanische Truppen an der Elbe bei der Stadt.
Von 1945 bis 1948 betreibt der NKWD die Speziallager 8 und 10 und 1964 bis 1989 gibt es in Torgau einen berüchtigten Geschlossenen Jugendwerkhof.


  Troppau  
Dux Opauie = Herzog von Troppau
Opava, 57.000 Einwohner, Stadt in der Troppauer Bucht am rechten Ufer der Oppa nahe der polnischen Grenze.
Zwischen 1260 und 1269 weist der böhmische König Ottokar II. PŤemysl seinem außerehelichen Sohn Nikolaus I. die Provinz Troppau zu, die zur Markgrafschaft Mähren gehört. Ein eigenständiges Herzogtum ist Troppau ab 1318. Nach vielen Besitzerwechseln fällt es nach der Schlacht am Weißen Berg 1622 an das Haus Liechtenstein. Residenzort ist die im Grenzgebiet zu Schlesien liegende Stadt Troppau, gegründet um 1200 im Zuge der deutschen Ostsiedlung.
Nachdem sowjetische Truppen 1945 die Stadt erobert haben, erden die deutschen Bewohner aufgrund der Beneš-Dekrete vertrieben; ein Großteil unter ihnen lässt sich in Bamberg nieder.


  Tschachwitz  
Czachowicz = abgegangene Burg in der Nähe von Krumau.
Čachovice liegt etwa 22 Kilometer südlich von Mladá Boleslav (Jungbunzlau). Wann dort das hölzernes Fort (heute Scheune auf einem Hügel) erbaut wurde, ist unbekannt, wohl in den Jahren, als das Dorf im Kapitel von Vyšehrad erwähnt wird (1088). Ursprünglicher Besitzter ist Herr Bedřich; Jesic z Čachovice, ist 1340 als sein letzter Nachkomme bekannt.


  Waldeck
Waldek = Waldeck
Eine Ruine zwischen Prag und Pilsen.
Zbyslav von Techebons Sohn Hase von Waldeck greift 1306 bis 1310 in den Kampf um den böhmischen Thron ein, wobei er zu den erklärten Gegnern des Rudolf III. von Habsburg gehört. Nach dessen Tod und der Machtübernahme durch Heinrich erkennt Hase von Waldeck seine Unfähigkeit, das Land zu regieren. Er schlägt sich auf die Seite der Adelsstände und übernimmt die Führung des böhmischen Adels, der die Ansprüche der Luxemburger unterstützt. Die Königin vertraut ihm seinen Sohn Wenzel, später Karl IV. an. 1318 und 1319 wird er zum höchsten Marschall ernannt. Später verliert er seine Posten an seinen Gegner Heinrich von Leipa und fällt als Befehlshaber des böhmischen Heeres, das Ludwig von Bayern unterstützt.


  Waldstein  
Walstayan = Waldstein, Wallenstein bei Turnau
Die z Valdštejna, altes böhmisches Herrengeschlecht aus der Sippe der Markwartinger (Markvartici) mit dem Stammhaus Burg Waldstein bei Turnau, mit Marchwart von Waldstein, camerarius, erstmals 1159 urkundlich erwähnt.
Berühmtestes Mitglied: Albrecht Wenzel Eusebius Freiherr von Waldstein, genannt Wallenstein.
Die von Waldstein haben umfangreiche Grundherrschaften in Böhmen und Mähren in Besitz und stellen seit dem 16. Jahrhundert Vertreter in der Landesregierung und -verwaltung. Nach der Wappenvereinigung mit den Herren von Wartenberg 1758 lautet der Name Reichsgrafen von Waldstein und Herren von Wartenberg.
Die Waldsteiner stammen aus dem Haus der Markwartinger. Mitglieder dieses im Norden und Nordosten Böhmens ansässigen, weitverzweigten Geschlechts sind einflussreiche Persönlichkeiten am Hof der Dynastie der Přemysliden in Prag.
Hauptsitze der Waldsteiner: Lomnitz, Stephanitz, Pirnitz, Groß Skal, Aujest, Hostinitz, Bílé Poličany, Miletin, Münchengrätz, Dobrowitz, Arnau, Böhmisch Hermannitz, Jettenitz und Dux. Der reichste Zweig waren vermutlich die mährischen Waldstein aus Pirnitz. Sie sind hohe Geistliche und Gelehrte, Militärs, Landeshauptleute der böhmischen Landkreise, stellen Beisitzer am Land- und Kammergericht und haben hohe Hofämter wie das des Kämmerers, Oberstrichters, Oberstmünzmeisters und Obersten Vorschneiders bis hin zum Amt des Oberstburggrafen und Statthalters des Böhmischen Königreiches inne.
Vermögen und Grundbesitz, welche die Familien seit dem Mittelalter in Böhmen und Mähren erworben haben, werden nach der Schlacht am Weißen Berg zumindest demjenigen Teil der Waldsteiner, die sich zum böhmischen Adel bekannten und dem protestantischen Glauben nahestanden, konfisziert und meist von Wallenstein aufgekauft. Noch heute halten Nachkommen des Geschlechts Schlösser in Tschechien oder prozessieren um deren Rückgabe. In Österreich gehören unter anderen die Jagdschlösser Schloss Karlslust und Idolsberg der Familie.
Der letzte Vertreter des Astes Pirnitz ist Zdenek von Waldstein auf Pirnitz († 1623), einer der reichsten mährischen Adligen seiner Zeit.
Die Letzten des Astes Dobrowitz sollen in Dresden unter mysteriösen Umständen vergiftet worden sein. Der einzige Sohn Heinrich wurde 18jährig ebenfalls in Dresden erschossen.
Ast Dux: Die Mitglieder waren große Liebhaber der Künste und Wissenschaft. Ab 1785 arbeitet für 13 Jahre Weltenbummler und Philosoph Giacomo Casanova auf Schloss Dux als Bibliothekar und verfasst den Großteil seiner literarischen Werke. Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, zählen zu den Gästen. Seine Waldstein-Sonate ist berühmt. Nach der Schlacht bei Kulm speisen auf Schloss Dux der russische Zar Alexander I. mit Bruder Konstantin Pawlowitsch Romanow, der preußischen König Friedrich Wilhelm III., der österreichische Kanzler Metternich, Fürst Schwarzenberg und Marschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz. Auch Frédéric Chopin war Gast. Der Duxer Zweig stirbt 1901 aus.
Ast Jettenitz: 1622 erwirbt Wallenstein das Schloss Jettenitz aus konfisziertem Besitz einer aufständischen Familie von der Böhmischen Kammer und verkauft es später an seinen Verwandten Adam von Waldstein; im 18. Jahrhundert geht es durch Heirat aus der Familie.
Der Ast Waldstein von Lomnitz und Hostinetz stirbt 1634 mit Wallenstein, aus.
Ast Stephanitz (Štepanice): Der letzte Vertreter stirbt 1427 in Prag bei dem Versuch, die Stadt für den polnischen Prinzen Sigismund von Korybut einzunehmen.
Die Waldsteiner haben Herrschaft und Schloss Münchengrätz von 1623 bis 1945 inne.
Hirschberg gehört bis heute den Grafen von Waldstein-Wartenberg mit der dazugehörigen Burg Kaja.

Angelus Waldstein, * 1931, eigentlich Karl Albrecht von Waldstein, nimmt bei Eintritt in den Benediktinerorden den Namen Pater Angelus an. Er ist 1981 bis 1997 Internats- und Schuldirektor der Benediktinerabtei Ettal. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, sind in dem Internat mindestens 30 Fälle sexuellen Missbrauchs, 24 Grenzüberschreitungen der Intimsphäre und über 100 Misshandlungen dokumentiert .
Angelus wechselt 2007 nach Wechselburg und übt bis 2012 im dortigen Kloster das Amt des Hausoberen (Prior) als Vertreter des Abtes von Ettal aus (der Pater ist aus der Schusslinie genommen, man nennt das "Wechselburgern").

Die 2010 offenbar werdenden Missstände in Ettal (die Mönche misshandeln zahlreiche Schüler und missbrauchen sie sexuell. Schüler berichten von Schlägen mit Bambusstock und anderen schmerzhaften Bestrafungen) ergeben, dass eine reflektierte und professionelle Internatspädagogik fehlte, es herrschte ein Normalitätsverständnis von Erziehung, das Körperstrafen als legitimes pädagogisches Mittel verstand. Die Pädagogik diente dazu, ein System der Unterdrückung aufzubauen und zu bewahren, mit dem der Wille der Schüler gebrochen werden und deren Anpassung an die vorgegebenen Regeln erreicht werden sollte. Die Ettaler Mönche formten die Schüler durch Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen. Sie setzten Züchtigungen gezielt als pädagogisches Mittel ein. Sexuelle Übergriffe waren spezifische Varianten der Gewalt.
Den sexuellen Missbrauch im Klosterinternat führen die Forscher auf das Fehlen einer reflektierten Einstellung der Patres zur eigenen Sexualität zurück, die der angstbestimmten Selbstkontrolle der Mönche überlassen worden sei. Dort, wo diese Kontrollen nicht funktionierten, bot das Internat genügend Möglichkeiten, sich an Schülern zu vergehen.
2016 verurteilt das Landgericht München einen Ettaler Religionslehrer und Mönch wegen Kindesmissbrauchs zu sieben Jahren Freiheitsstrafe.

Margarete von Waldstein-Wartenberg (Daisy Waldstein-Wartenberg, 1926-2017): 2007 in Tschechien Frau des Jahres.


  Wartenberg 
D(omi)ni de Wartenb(erg) = Wartenberg bei Böhmisch-Leipa
Die Herren von Wartenberg, böhmisches Herrengeschlecht aus der Sippe der Markwartinger (Markvartici), die im 13. Jahrhundert die Rollburg beim nordböhmischen Ort Wartenberg am Rollberg erbauen und nach der sich ein Zweig „von Wartenberg“ benannte, denen auch die Herren von Dietenicz, Le(w)mberg, Waldstein und Zwirzeticz angehören und das sich in zahlreiche Linien verzweigt.
Nach dem Erlöschen der Wartenberg im Namensträgerstamm übernehmen die Grafen von Waldstein deren Titel als Grafen von Waldstein-Wartenberg, siehe dort. Das Geschlecht war stets höchster Ämter und Landeswürden.
Der Burggraf des Prager Schlosses und königlich böhmischer Mundschenk Beness, genannt „der Große“ von Straz († 1294), auf Wartenberg führt als erster das Wappen der Herren von Wartenberg.
Die Wartenberg auf Kumburg nennen sich nach der Burg Kumburk bei Nová Paka. Sie erlöschen Anfang des 15. Jahrhunderts.
Die Wartenberg auf Kost (tsch. Kostští z Vartenberka) gehen auf einen Beness zurück und erlöschen Anfang des 15. Jahrhunderts.
Die Wartenberg auf Veseli sterben mit Machna 1438 aus. Er setzte Hassek Freiherrn von Waldstein zum Erben ein.
Wartenberg auf Tetschen: Kaiser Ferdinand II. enteignet Johann Georg von Wartenberg, 1617–1622 Mundschenk bei Friedrich V. dem „Winterkönig“, dem letzten evangelisch-lutherischen König von Böhmen, nach der Schlacht am Weißen Berg. Johann Georg stirbt als letztes Mitglied dieses Familienzweigs nach 1631 in Bamberg.


  Welhartitz 
D(omi)ni de Wilhartyz = Welhartitz
Die Páni z Velhartic sind ein böhmisches Adelsgeschlecht. Seine Ursprünge reichen bis ins 12. Jahrhundert, es stammt von den Vladiken von Bor und Zdouň ab. Der bekannteste Vertreter ist Bušek II. von Welhartitz, Kämmerer Kaiser Karls IV., und sein gleichnamiger Sohn, der die Stellung eines königlichen Hofmeisters und Marschalls innehatte.
Das Geschlecht erlischt offensichtlich 1390.


  Winterberg 
D(omi)ni de Wint(er)berg = Burg Winterberg in der Nähe von Strakonitz bei Prachatitz
Vimperk (Winterberg) ist eine Stadt im Okres Prachatice in der Südböhmischen Region mit 7.400 Einwohnern, 21 km von der deutschen Grenze entfernt.

Burkhart von Janowitz, Burggraf von Klingenberg, baut die Burg winterberg und benennt sich nach ihr. Die Familie beteut in Böhmen stets höchste Ehrenstellen und Landesämter.
Vimperk war ein Zentrum der böhmischen Glasindustrie.
1930 hat Winterberg 4.823 Einwohner, davon 1.185 Tschechen.


  Winteritz
Vyntyezrow = Burg Winteritz bei Kaaden
Winteritz, 8 km südlich von Kaaden, erstmals 1295 erwähnt, ist ein alter Adelssitz. Als erster Herr von Schloss Winteritz taucht 1295 ein Ritter Wulco auf. Wulkow von Wintierzow taucht in Urkunde von 1360 auf, wonach Karl IV. für seine treuen dienste der Kaiserin Anna täglich leistet, als Mitgift für dessen Tochter 200 Schock Groschen verspricht. Später erscheinen Ernst von Schönburg mit seinen Söhnen, die bis zum Anfang des 16. Jahrhundert auf Winteritz sitzen.
1930 hat Winteritz 406 Einwohner, davon 359 Deutsche.


  Wonschow 
Onsow = Wonschow
Das Geschlecht nennt sich von Onsow nach dem Ort Vonšov im Bezirk Ledeč, andere Glieder nach dem nahegelegenen Borovsko. Sie waren Oberstlandrichter und Oberstkämmerer in Böhmen.


   Wyschehrad   
Prepositus Wissegraden = Propst vom Stift Wyschehrad in Prag
Der Vyšehrad, einer der bekanntesten frühmittelalterlichen Burgwälle in Böhmen, liegt südlich der Prager Neustadt auf einem Hügel, der sich an der Mündung des Botič steil über dem rechten Ufer der Moldau erhebt. Als zweite Prager Burg der Přemysliden bereits im 10. Jahrhundert gegründet, wird er in der Romanik und Gotik mehrfach ausgebaut.
Nach einer alten Legende soll der Fels Sitz der ersten tschechischen Herrscher, vor allem der sagenhaften Fürstin Libussa, der Stammmutter der Tschechen, gewesen sein, die hier in einer Vision die Gründung Prags voraussah und der Stadt große Zukunft weissagte.
Karl IV. nutzt nicht nur die fortifikatorisch günstige Anbindung an die Befestigung der Prager Neustadt, sondern auch den von Karl immer wieder betonten Bezug auf den heiligen Wenzel und die Přemysliden. Die Burg ist auch der letzte Sitz seiner Mutter, der Königin Elisabeth, die 1330 hier verstirbt.
Innerhalb des Mauerrings lässt Karl nach dem Ausbau der Prager Burg auch hier einen neuen Königspalast errichten und die Kollegiatstiftskirche St. Peter und Paul 1364–1369 zu einer dreischiffigen Kirche mit Seitenkapellen umbauen. Der Kaiser bemüht sich auch, die kulturelle Tradition des Wyschehrads wiederaufleben zu lassen; er unterstützt die Schulen. In der Krönungsordnung bestimmt er den Wyschehrad zum Ausgangspunkt des Krönungszuges der böhmischen Könige, den Karl IV. selbst als Erster am 1. September 1347 unternimmt. Er führt von hier über den Viehmarkt, die Altstadt und die Karlsbrücke zum Hradschin.
Der Propst von Wyschehrad ist oberster Kanzler des Landes Böhmen. Als Pröpste und zugleich Kanzler unter Karl IV. treten auf Berthold, Burchaard, Dietrich, Johann und Wilhelm. Nach Karls Tod ist der Vyšehrad vor allem Priesterstadt, in der über 100 Geistliche etwa zehn oder mehr Sakralräume betreuen.




  Zampach 
Zampach = Burg Zambach oder Sandbach in der Nähe von Königgrätz
Erstmals 1309 erwähnt. 1354 im Besitz des Johann von Smojna, erobert Karl IV. die Burg. Im Dreißigjährigen Krieg zerstören sie schwedische und kaiserliche Truppen.
Žampach, eine Gemeinde mit 270 Einwohnern im Okres Ústí nad Orlicí, ca. 10 km südwestlich der Grenze zu Schlesien, entwickelt sich aus einer Ansiedlung bei der Burg Sandbach. Es wird erstmals 1513 erwähnt und gehört zur Herrschaft Sandbach, seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Pottenstein.



 Zbraslawitz  
Zbraslwycz = Zbraslawitz bei Kuttenberg
Zbraslavice im Bezirk Kutná Hora (Kuttenberg), Mittelböhmen, 1350 Einwohner, 20 km südwestlich Kutná Hora, erstmals unter Přemysl Otakar II. (1232-1278) erwähnt: "... eine Stadt ohne Mauern, nur ein mit Böschungen oder Hügeln befestigtes Schloss".
Erster bekannter Besitzer ist Rudolf von Zbrazlavice, 1260 als der Burggrafen der Prager Burg genannt. Wohl in seiner Zeit entsteht am Rand eines Felssporns, der von drei Seiten durch steile Abhänge geschützt ist, das befestigte Areal, das von einem Graben und Erdwällen umgeben ist. Während der Hussitenkriege residieren hier die Herren von Podolec, von deren Wappen sich das Ortswappen mit der Adlerkralle herleitet.
Zbraslawitz liegt am Schlesisch-Böhmischen Jakobsweg, der den polnischen Grenzort Krzeszów mit dem «Böhmisch-Bayrischen Jakobsweg» verbindet, der ab Prag via Český Krumlov und Passau nach Bayern führt.


  Zimburg
Cymburk = Burg Zimburg nahe Türnau
Das Wappenbild ist zerstört.
Hrad Cimburk (Burg Cimburk) ist eine Burgruine in Südmähren 4 km östlich von Koryčany im Okres Kroméříž.
In den 1330er Jahren vom mährischen Unterkämmerer Bernhard von Cimburg erbaut, der vorher auf einer Feste bei Trnávka (Türnau) siedelte, die er vor 1308 errichtet (die "alte Cimburg"). Die Herrschaft Alt Cimburg tauscht er um 1330 mit Heinrich/Jindrich von Leipa, einem Sohn des Heinrich von Leipa.
Die ursprünglich gotische Burg soll eine der schönsten Burgen Mährens und typisch für die Burgenarchitektur der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gewesen sein. Der langgezogene doppeltürmige Bergfried enthielt zahlreiche architektonischen Details. Seit 1994 will ein Verein einzelne Teile der Burg durch ehrenamtliche Arbeit retten.


 Zinglheim
D(omi)ni de Czyklhaym = Zinglheim
Die drei ähnlichen Wappen der Zinglheim, Stajitz und Chiesch lassen die Abstammung von einem Herrengeschlecht naheliegend erscheinen.
Heinrich von Zinglheim ist Oberstküchenmeister der Kaiserin.


 Zirotin  
D(omi)ni de Zi(roh)tyn
Zweig des Geschlechtes der Herren von Riesenburg, 1250 erstmals unter dem Namen Žirotín erwähnt, Besitzer Ratiboř von Žerotín, dem sein Sohn Jan nachfolgt. Während der Herrschaft von dessen Sohn Habart, der auch Panenský Týnec zum Markt erhebt und in der Dalimil-Chronik Erwähnung findet, entsteht vor 1290 die Burg.
In den Hussitenkriegen stehen die Žerotíns fest auf der kaiserlichen Seite.
Während des Dreißigjährigen Krieges zerstören 1639 die Schweden die Burg.
Žerotín (Scherotin oder Scherta) ist eine Gemeinde 11 km südöstlich von Louny im Okres Louny und hat 200 Einwohner.



Radio Prag 14.8.2010: Wie der böhmische Adel zu seinem schlechten Ruf kam


Liegt Böhmen am Meer oder am Himmel?

Während sich Polen und Deutsche über den Zweiten Weltkrieg ausgesöhnt haben, ist das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen nach wie vor getrübt. Zankapfel sind die Beneš-Dekrete, aufgrund deren die in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen nach 1945 kollektiv enteignet und gewaltsam vertrieben wurden. Wer heute nach Nordwestböhmen reist, findet eine geschundene, doch gemeinsame alte Kulturlandschaft vor. Endlich beginnen auch Tschechen, das vornationale Erbe wiederzuentdecken.

Wer kennt sie schon, die böhmischen Dörfer? Von «böhmischen Dörfern» pflegt man zu sprechen, wenn einem etwas in hohem Masse unverständlich erscheint. Das Wort geht zurück auf die deutschen Söldnerheere des Dreissigjährigen Krieges, die, als sie kreuz und quer durch Mitteleuropa zogen, Schwierigkeiten hatten, die Namen der Orte im damaligen Böhmen zu verstehen. «Böhmische Dörfer» heisst ein berühmter Band des Germanisten Jürgen Serke, der sich Mitte der achtziger Jahre auf Wanderung durch «eine verlassene literarische Landschaft» begab und die vergessenen Werke deutsch-böhmischer Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgrub, die im Raum des Tschechischen verschüttet waren. Die wirklichen böhmischen Dörfer aber sind blinde Winkel der Geschichte, Schauplätze eines finalen Kulturkampfs, der am Ende nur Verlierer hinterliess. Die Verstossung und Unterwerfung der Tschechen vor, die Vertreibung der (Sudeten-)Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zwangsansiedlung von Menschen aus dem Osten und der Kalte Krieg haben das böhmische Grenzland in ein Abseits driften lassen, aus dem es bis heute nicht herausgefunden hat.

Böhmen liegt am Meer, liest man in Shakespeares «Wintermärchen». Und tatsächlich: Kann man die weit ausschwingende Landschaft mit den Hügeln und Tälern, Wäldern und Fluren, Seen und Mooren in ihrer Verlassenheit besser beschreiben denn als stillen Ozean? Es ist ein ewiger Kindheitstraum, der sich hier auftut - mit Flüssen, die fliessen, wie sie wollen; mit Wäldern, die der Pilze nicht entbehren; mit Wegen, die im Spalier der Bäume stehen, und Häusern, in denen die einfachen Dinge wohnen.

Das wirkliche Meer aber ist die Geschichte, die in Wellen der Zerstörung über Böhmen hinweggerollt ist. Schon immer war die Region ein politisch labiler Bereich: angefangen bei der gescheiterten hussitischen Revolution (die der protestantischen Bewegung Luthers ein Jahrhundert vorangeht) über die Schlacht am Weissen Berg 1620, die Niederlage der protestantischen Union gegen die katholische Liga unter Habsburgs Führung bis zu den Verheerungen des Dreissigjährigen Krieges und der Rekatholisierung des Landes. Das 19. Jahrhundert sieht den deutsch-tschechischen Kulturkampf unter Joseph II. und den Aufstieg des tschechischen Nationalismus. 1918 folgen der Untergang der Donaumonarchie und die Gründung der Ersten Tschechischen Republik, die auf die kulturell heimatlos gewordene deutschsprachige Minderheit aus Gründen des Ressentiments kaum Rücksicht nimmt und sie zu grossen Teilen in die Arme der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins treibt. Dieser seinerseits macht sich zum willigen Vollstrecker von Hitlers Plänen, die Tschechoslowakei ein für alle Mal zu zerschlagen.

Die 1938 an der Münchner Konferenz von den Westmächten verratenen Tschechen wenden sich den Sowjets zu. Nach 1945 folgt zunächst die unglaublich brutale wilde, dann - unter dem Vorwand der Kollektivschuld und legitimiert durch die Beneš-Dekrete - systematische Vertreibung von fast drei Millionen Deutschen aus dem Sudetenland sowie die entschädigungslose Beschlagnahmung ihres Besitzes. Böhmen entleert sich, noch Jahre später werden verlassene Dörfer geschleift. Unter den Kommunisten wird die Erinnerung an den organisierten Hass zum Tabu. Es sind die Schriftsteller der Charta 77, die das begangene Unrecht wieder zum Thema machen. Seit der politischen Wende von 1989 schliesslich ist zwischen Deutschland und Tschechien ein politischer Prozess der Versöhnung angelaufen, ohne dass die Trauerarbeit die nötige emotionale Tragweite besässe. Da sind einerseits die deutschen Vertriebenenverbände, die nach der Wiedervereinigung auftrumpfen zu können meinen. Und da ist andrerseits die tschechische Seite, die sich nicht zuletzt aus Furcht vor möglichen Restitutionen weigert, sich von den Beneš-Dekreten zu distanzieren. So lässt sich das Unrecht, dass nach 1945 selbst aktive Hitler-Gegner vertrieben wurden, nicht aus der Welt schaffen.

Wer dieser Tage von Karlovy Vary (Karlsbad) aus durch Nordwestböhmen reist, wird von der fortdauernden Vergiftung der tschechisch-deutschen Beziehungen wenig spüren. Im Gegenteil wird ihm angesichts der unzähligen historisch bedeutsamen Städtchen, Schlösser und Klöster ein Licht aufgehen, wie lang diese Landschaft eine kulturelle Einheit war und wie kurz die nationalistische Sehweise greift, welche die Geschichte mythisiert und instrumentalisiert. So wurde noch Jahrhunderte später, 1918 und 1945, von tschechischer Seite das Recht auf nationale Selbstermächtigung begründet durch das Unrecht, das dem tschechischen Volk am Weissen Berg durch Habsburg und «die» Deutschen angetan worden sei - obwohl es diese Ausschliesslichkeitskategorien damals noch gar nicht gab. Die katholische Gegenreformation, durch den tschechischen Klerus durchgeführt, war nicht einfach antitschechisch, und in Sachen Religionsprotest gab es sehr wohl tschechische Verbindungen zur deutschen Reformation. Im Übrigen war die deutschsprachige Bevölkerung Böhmens auch unter den Habsburgern - abgesehen von der sprachlichen Nichtdiskriminierung - meist denselben politischen Pressionen ausgesetzt wie die tschechische.

In Karlsbad verkehrte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs beinahe alles, was in Europa Rang und Namen hatte. Geistesgrössen und Politiker trafen sich hier bei den heissen Quellen, die heilenden Wasser brachten die Menschen einander nahe in mondäner Melancholie. Goethe war da, Schiller und Herder, Brahms und Dvorák, Gogol und Turgenjew, Sissi und ihr Gatte Franz Joseph, Freud und Marx. 1819 werden hier unter der Regie Metternichs zwischen Österreich, Bayern, Sachsen und Preussen die berüchtigten Karlsbader Beschlüsse ausgehandelt, die den Burschenschaften und Universitäten strenge Zensurbestimmungen auferlegen.

Sieht man von zwei architektonischen Schandmalen aus der Zeit des Realsozialismus ab, trägt die in das tiefe Tal der Teplá sich einschmiegende Karlsbader Altstadt ganz das Antlitz des 19. Jahrhunderts. Ob Hotels, Thermen oder Kolonnaden, die Wiener Gründerzeitarchitektur mit ihrem Historismus und Jugendstil ist omnipräsent. Mittlerweile fast durchgehend renoviert, reiht sich Prachtfassade an Prachtfassade, die Gedenktafeln jagen sich. Das Architektenduo Hellmer und Fellner hat hier nicht nur, wie in so vielen Metropolen Ostmitteleuropas, das Stadttheater erbaut, sondern auch den Festsaal des Grand-Hotels Pupp, den Rundbau des Kaiserbades sowie zwanzig weitere Gebäude beigesteuert. Bei den Ostdeutschen war der Ort schon zu DDR-Zeiten beliebt, aber auch bei den Russen. Von deren alter Präpotenz kündet der klassizistische Klotz des Hotels Imperial hoch über der Stadt, während sich das neue Selbstbewusstsein in der prächtigen orthodoxen Kirche niederschlägt, die sich gegenüber an der Talflanke erhebt.

Goethe war 1785 erstmals da. Siebzehnmal wird er am Ende Böhmen bereist haben während insgesamt 1114 Tagen (verglichen mit 683 italienischen Tagen). Seine Aufenthalte waren, wie Johannes Urzidil schreibt, «nicht bloss ‹Badereisen›, sondern es waren Unternehmungen, die ihn mit einer neuen Welt bekannt machten, besonders auch mit der slawischen». Goethe erlebt Böhmen als «Kontinent im Kontinent», als originären Kultur- und Naturraum, dem er geologische und mineralogische Studien widmet, wie vor allem der Briefwechsel mit Graf Kaspar Sternberg belegt. Während Goethe in Kenntnis der Schreckensspur, die der religiöse Bürgerkrieg durch Böhmen gezogen hat, noch auf einen übernationalen Ausgleich der Kulturen hoffen darf, entflammt 1910 bei einer Ausgabe der «Ausgewählten Werke» des Grafen der Streit, ob Sternberg nun Tscheche oder Deutscher gewesen sei.

Nach Prag gelangt ist Goethe nie. Einen böhmischen Mythos hat er, der das Land vor allem in seiner habsburgisch-katholischen Prägung erfuhr, nicht erschaffen, doch ist in Böhmen eine Vielzahl von Texten entstanden, darunter neunzig Gedichte. Das berühmteste Stück ist die «Marienbader Elegie» von 1827, der Abgesang auf seine letzte, weitum als skandalös empfundene Liebe, jene zur 17-jährigen Ulrike von Leventzow, die er, 72-jährig, im Sommer 1821 in Marienbad mit ihrer Mutter kennen lernte. 1823 wird er über den Erzherzog Karl August von Weimar mit fürstlichen Angeboten (eine herrschaftliche Wohnung für Mama und 10 000 Taler Jahrespension für die Tochter) vergeblich um ihre Hand anhalten. War Goethe während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts noch die Verehrung einer supranational denkenden, meist zweisprachigen tschechischen Elite gewiss, ist die Breitenrezeption seines Werkes seit der Nazi-Besetzung empfindlich gestört.

Auch der in Prag geborene Rainer Maria Rilke, der letzte Troubadour Europas, der von Adelssitz zu Adelssitz zog, war eine Figur, die nationale Kategorien sprengt. 1919, in der Krise um die Niederschrift des «Malte Laurids Brigge», lernt er in Paris die Fürstin Marie von Thurn und Taxis kennen, die zur Mäzenin und mütterlichen Muse seines Werkes wird. Rilke war mehrfach bei ihr zu Gast auf dem böhmischen Lautschin, einem Schloss, das nach dem Krieg ebenfalls der Enteignung anheim fiel. Der alte böhmisch-deutsche Adel wurde nicht nur aus ethnischem Hass, sondern auch aus Gründen des Klassenkampfs vertrieben. Heute versucht der Urenkel, Karl Ferdinand von Thurn und Taxis, wenigstens den Besitz von


Winteritz bei Kaaden

wieder aufzubauen, für den er erfolgreich einen Restitutionsantrag gestellt hat. Während der Landwirtschaftsbetrieb wieder angelaufen ist, sind die beiden Schlösser nicht mehr als Ruinen, aus deren Fenstern und deren Dach Bäume wachsen. Als Zeichen der Hoffnung wurde auf dem Winteritzer Berg die 1685 entstandene, total zerstörte Barockkapelle renoviert. Daneben gedenkt ein Lapidarium der neunundsechzig deutschsprachigen Dörfer, die 1945 im Duppauer Gebirge der Errichtung eines Truppenübungsplatzes zum Opfer fielen. Beides verdankt sich den Anstrengungen der «Vereinigung der Freunde historischer Baudenkmäler Radonice-Vintíov», die 1991 gegründet wurde. In solchen Initiativen manifestieren sich ein gewachsenes regionales Selbstbewusstsein und eine Rückbesinnung auf das historische Erbe Böhmens jenseits der nationalen Verbiesterung.

Dass sich über Jahrzehnte hinweg keiner der heimatlosen deutschen Kultur im Böhmerland annehmen wollte, stellt eines der Desaster der Region dar. Mutwillige Zerstörung war das eine, systematische Vernachlässigung das andere - wobei das kommunistische Verdikt altdeutsche Schlösser ebenso traf wie tschechische Klöster. Erst das Ende des Kalten Krieges und die Perspektive auf Europa haben die Neuorientierung der Erinnerung beschleunigt. Was in Polen bereits weit fortgeschritten ist, kommt in Tschechien derzeit langsam und mühsam in Gang: die Pflege der Kultur derer, die 1945 «besiegt» wurden, die Erinnerung an das «Fremde», ohne welches das «Eigene» nicht gedacht werden kann.

Valeč (Waltsch) ist so ein Ort, der aus dem Nichts aufzutauchen beginnt. Auf der Landkarte Nordwestböhmens ein Fleck, möchte das 1358 erstmals erwähnte Städtchen an die ruhmreiche Tradition aus vornationaler Zeit anknüpfen, die es im 16. und 17. Jahrhundert zu einem Schmuckstück des Barock machte. Gerade war da noch das kurvige Auf und Ab der Landstrasse, als plötzlich eine Kirche sich erhebt, deren Dimensionen mit der Umgebung nichts zu tun zu haben scheinen. Eine halbe Ruine ist sie, genauso wie das hinter einem weitläufigen Park sich erhebende, in Renovation befindliche mächtige Schloss, zu dessen Füssen ein 300-Seelen-Dorf liegt, das einen schmucken, nur von ein paar wenigen Miniatur-Plattenbauten getrübten Eindruck macht.

Geht es nach den Plänen von Petr Sušanka und seiner Stiftung Valeč, soll der Ort 2014 nicht nur komplett rekonstruiert sein, sondern über eine neue Bevölkerungsstruktur verfügen, nicht zuletzt dank einer Fachuniversität, die hier für Handwerker eröffnet werden soll. Sušanka ist einer von vielen rührigen Bürgermeistern der Region Vlada, welche die europäischen Zeichen der Zeit erkannt haben und die Gegend aus dem kulturellen Vakuum der Nachkriegsepoche führen wollen, indem sie an die alte zweisprachige kulturelle Identität neu anknüpfen. Ohne EU-Gelder wird das nicht zu schaffen sein, doch räumt die Gemeinschaft in ihrer Kulturpolitik Grenzlandaktivitäten hohe Priorität ein.

Auch wenn die hochtrabenden Projekte Skepsis wecken (wie viele Landuniversitäten und «Barockperlen» verträgt Mitteleuropa?), die Voraussetzungen für eine Rekultivierung der böhmischen Landschaft stehen nicht schlecht. Noch ist die Reaktion der Bevölkerung verhalten. Einerseits misstraut man, der hohen Politik folgend, einer Renaissance deutscher Kultur, anderseits ist man dankbar für alles, was die eigenen lebensweltlichen Perspektiven verbessert. Von den deutschen Vertriebenenverbänden indes grenzt man sich lieber ab. Entscheidend sind wohl einstweilen das hohe Mass an Privatinitiative und der konsequent zweisprachige Ansatz aller Projekte.
«Heimat», schrieb der tschechische Schriftsteller Karel Čapek einmal, der 1917 auf Schloss Chyše in der Nähe von Valeč Hauslehrer war, «ist das Land der Kindheit - man braucht nicht dahin zurückzukehren, denn eigentlich hört man nicht auf, da zu leben.» Ganz so einfach ist es nicht: Böhmen muss diese Heimat erst wieder neu erfinden, um sie beiden Seiten, Tschechen wie Deutschen, lebbar zu machen. Bis es aber so weit ist, bietet der weite und hohe Himmel über dem Land ein Versprechen - er ist unteilbar.

Quelle: NZZ 2.8.2005






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