home


NJ 73
DENEB [20h41m +45°17']
α Cygni

α Cygni (lat. des Schwans), Deneb (arab. Schwanz), ist der hellste Stern im Sternbild Schwan und ca. 3.200 Lichtjahre entfernt. Er bildet zusammen mit Wega und Altair das Sommerdreieck.

Deneb ist einer der hellsten Sterne: er hat 300.000-mal die Leuchtkraft der Sonne, in einer Minute erzeugt er mehr Licht als diese in einem Monat.

Denebs Radius liegt schätzungsweise beim 200-fachen der Sonne.





Gerhard Richter

geboren 1932 in Dresden. Maler, Bildhauer und Fotograf. 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke sind auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers.




Lesende


Portrait Liz Kertelge


Tisch


Neger




Wirtschaftswunderzeit

Das Bild hängt wieder über dem Esstisch, und Frau Z. ringt mit sich, ob es dort bleiben soll. Weil alles so ungewöhnlich ist. Das Bild und seine Geschichte. Irgendwann zu Beginn des Jahrtausends hatte sie es gekauft, es waren noch D-Mark-Zeiten. Wieviel sie bezahlt hat? „Keine Ahnung, vielleicht zwei-, dreihundert.“ Erst jetzt weiß sie: Es ist ein frühes Gemälde von Gerhard Richter, dem größten deutschen Maler der Gegenwart, der „Guardian“ nennt ihn den „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Und sie weiß auch: Das Bild zeigt das Hüttenwerk Rheinhausen.

Frau Z. hat sich entschieden: Am heutigen 1. Dezember 2012 steht das Bild in Berlin zur Auktion. Aber, und das ist der zweite Teil der Geschichte: Es ist kein normaler Richter, sondern ein neu entdecktes Werk aus der Frühphase des Meisters. Richter erkennt die Urheberschaft an, verweigert jedoch die Aufnahme in den Werkkatalog, sprich: die eigene offizielle Anerkennung. Zur Versteigerung steht die verstoßene Kreation eines Genies.

Frau Z. führt eine Galerie an der Hamburger Peripherie.
Um die Jahrtausendwende arbeitet Frau Z. als Handwerkerin. In ihr Geschäft kommen öfter Leute, die etwas zu verkaufen haben. Inzwischen denkt sie oft darüber nach, wer ihr damals diese düstere Industrielandschaft vor dem träge dahinfließenden Fluss mit den dunklen Kähnen angeboten hat. Sie kann sich nicht mal mehr an das Gesicht erinnern.
Vor zwei Jahren hat sie die Richter-Ausstellung im Hamburger Bucerius-Forum besucht. „Ein großartiges Erlebnis, fabelhafte Bilder. Der Mann ist ein Genie!“
Ihr dämmerte trotzdem noch nichts, auch nicht, als sie auf der Rückseite ihres Bildes eine handschriftliche Adresse findet: „Gerd Richter, Hüttenstraße 71, Düsseldorf“, dazu eine Jahresangabe: 62. Gerd ist nicht Gerhard und Richter ein Allerweltsname – alss sie entdeckt, dass Richter sich bis weit in die Sechziger Gerd nannte, wird ihr ganz anders. Erst recht, als sie erfährt, wie Richter in frühen Jahren signierte: Er ritzte unauffällig in die Leinwand. Frau Z. rennt zum Bild, unten rechts findet sie den Namenszug „G. Richter“. „Und da“, sie formuliert es malerisch, „ist mir die Farbe aus dem Gesicht gefallen.“ Frau Z. mailt das Bild an Dietmar Elger, der in Dresden das Gerhard-RichterArchiv betreut und Assistent des Malers war. Ja, der Meister könne sich erinnern, an das Bild damals in Düsseldorf, kurz nach seinem Weggang aus Dresden. Aber das waren andere Zeiten, eine Phase der künstlerischen Orientierungssuche, deshalb kann eine Aufnahme in den offiziellen Werkkatalog leider, leider nicht erfolgen.

Einerseits stammt das Bild zweifelsfrei von der Hand des Meisters, andererseits akzeptiert er es nicht mehr. Typisch Gerhard Richter, ist der gebürtige Dresdner doch berühmt für den Rigorismus, mit dem er sein Werkverzeichnis drastisch bereinigt und auch die Arbeiten aus der Zeit vor seinem Weggang aus der DDR nicht gelten lässt. 1962, da war er 30, verbrannte Richter im Hof der Düsseldorfer Akademie einen Großteil seiner frühen Bilder zusammen mit Ateliermüll. Dem Autodafé fielen mindestens 60 Werke zum Opfer. Die Industrielandschaft aber entkam.

Was fängt man an mit einem verstoßenen Gemälde? Frau Z. hängt das Bild wieder über den Esstisch, überlegt hin und her. Einerseits ist es ein echter Richter. Wen wird es in Zukunft interessieren, ob der Meister es mochte?

Ein Londoner Auktionshaus taxiert den Wert auf 250 000 €, aber das ist nicht ihre Welt. „Da bekommen Sie einen englischen Vertrag und haben es mit Leuten zu tun, die sie nicht kennen.“ An diesem Punkt kommt die Berliner Galerie Bassenge ins Spiel.
Bei der Auktion in Grunewald wird sie diskret in den hinteren Reihen Platz nehmen, wo keiner sie kennt. Was sie erwartet? Die Erfahrungswerte mit verstoßenen Werken lebender Genies sind begrenzt. Bassenge hat einen Einstiegspreis von 150 000 € angesetzt, aber wenn sich zwei schwerreiche Richter-Fans gegenseitig hochbieten, kann es leicht über eine Million werden.

Klar, Frau Z. freut sich auf das viele Geld, aber wehmütig ist ihr doch. Da hatte sie jahrelang einen echten Richter zu Hause und wusste es nicht. Vielleicht kauft sie sich ja einen Druck von Richters „Schweizer Alpen“ und hängt ihn über den Esstisch. Sie ringt noch mit sich.



Schweizer Alpen


Heidi Kuhn


Strip


Studentin


Domplatz Mailand


Abstraktes Bild






St. Gallen