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NJ 71
ALTAIR [19h51m +8°52']
α Aquilae

Altair (gesprochen Al-ta-ir) oder Atair, der hellste Stern im Sternbild Adler und zwölfthellster Stern am Nachthimmel, ist 17 Lichtjahre entfernt. Zusammen mit Wega und Deneb bildet er das Sommerdreieck.

Größenvergleich Altair - Sonne






Bohuslav Lobkowicz - Bohuslav Hasištejnský z Lobkovic -
gelehrter "böhmischer Ulysses"

Ego me Germanum esse et profiteor et glorior



Wer in Prag die Vlašská hinaufgeht, um zur Šporkova 12 zu gelangen, wo Austerlitz aufwuchs , kommt an der Stadtresidenz derer von Lobkowitz vorbei.
Dort im Garten dahinter - das Palais ist Sitz der Deutschen Botschaft in Tschechien - wird im August 1989 Weltgeschichte geschrieben, als Tausende Bürger der so genannten Deutschen Demokratischen Republik, die Reisen in ein verbotenes Land als Republikflucht unter schwere Strafe stellte, Zuflucht suchen vor dem Zugriff ihrer Republik, Palais und Gelände für Wochen besetzen, bis der Außenminister der anderen deutschen so genannten Bundesrepublik ihnen die Genehmigung ihrer Ausreise verkündet: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." - der Rest des Satzes geht im frenetischen Beifall der Republikflüchtigen unter.

1417 versucht Kaiser Karls IV. schandbarer Sohn Wenzel der Faule (als römisch-deutscher König wegen Unfähigkeit abgesetzt, von dessen großem Herrschaftsbereich als böhmischer König aber der Wappensaal im Wassersschloß auf der Pegnitzinsel in Lauf beredtes Zeugnis ablegt - 1419 trifft ihn beim Fenstersturz von Prag vor Schreck der Schlag, er stirbt!), die Burg Hassenstein zu erobern.




Die Veste liegt nahe des Grenzübergangs der Handelsstraße von Kaaden nach Zwickau im böhmischen Erzgebirge. Der Burgherr Heinrich von Plauen auf Petschau, sein gleichnamiger Vetter, Ordensritter Heinrich, beide im Bunde mit den Raubrittern Boresch von Riesenburg und Tista von Pfraumberg und dem Burgvogt Liderius Horek, verteidigen die Burg erfolgreich, bis Nikolaus Chudy von Lobkowicz dem böhmischen König zu Hilfe kommt: Die Einnahme der Burg gelingt, Nikolaus wird erblich mit ihr belehnt, Heinrich eingekerkert.



Auf der neu ausgebauten Europastraße 442 von Žilina nach Karlovy Vary zweigt kurz nach Komotau nördlich der weithin sichtbaren Kühltürme eine schmale Straße zum Städtchen Misto ab, wo tief im Wald versteckt sich dieses Kronjuwel der böhmischen Erzgebirgsburgen 627 Meter über dem Meer auf einem steilen Urkalkfelsen erhebt.

Den geräumigen Burgplatz - wir erreichen ihn über eine hölzerne Brücke durch ein Tor, säumt linker Hand die äußere, mit drei Bastionen verstärkte Ringmauer. Zwei Gedenktafeln erinnern an Goethes Besuch 1810; unter dem Burgplatz ein mächtiges Gewölbe.

Durch ein weiteres Tor gelangen wir in den innersten Hof: Palas mit Kapelle und Stiegenturm, auf der höchsten Felsenkante der mächtige Bergfried. Am schönsten ist der Blick von seinen Zinnnen im Abendlicht: rundum einsam-ruhiges Erzgebirge, im Süden Egertal mit Braunkohlekraftwerk Tušimice.





1461 wird Bohuslav Lobkowicz auf Burg Hassenstein geboren, wo er 1510 auch stirbt. Früh verliert er seine Eltern, mit 14 beginnt er das Studium der antiken Geschichte und Rechte in Bologna, später auch in Ferrara, erregt in seiner Jugend durch sein Talent größtes Aufsehen. In Bologna lernt er Peter Schott, später Domherr von Straßburg kennen, mit dem er engen Kontakt pflegt.
Promoviert kehrt er 1481 zurück, zusammen mit seinen Brüdern kümmert Bohuslav sich um die Bewirtschaftung der Burggüter, wird königlicher Sekretär im Staatsdienst und wirkt auf Burg Karlstein. Besonderes Interesse hat er an der Geschichte des Altertums. 1490 startet er von Venedig zu einer 15-monatigen Reise nach Kreta, Zypern, Rhodos, Konstantinopel, Troja, Smyrna, Ephesus, Palästina, Ägypten, zu den Nilkatarakten, auf den Ätna und nach Karthago - man nennt ihn den "böhmischen Ulysses".

Bohuslav Lobkowicz von Hassenstein ist für kurze Zeit Kabinettssekretär am Hof des Ungarnkönigs Wladislaus in Budapest, kehrt dann aber auf seine Burg zurück, wo er eine bedeutende Sammlung von Büchern und Handschriften anlegt: die berühmte Lobkowitzsche Familienbibliothek - heute auf Schloss Nelahozeves (Luther und Melanchthon benutzen sie), und ein einsames, ganz Gelehrsamkeit und Dichtung gewidmetes Leben führt. Er heiratet auch nicht, Frauen hält er für verzärtelt und ungelehrt.
Er schreibt, obwohl er Böhme ist, nie in in tschechischer Sprache, die er als barbarisch bezeichnet, sondern auf Latein, gehört zu den gelehrtesten Männern seiner Zeit.
Alle ihm zugänglichen Bücher und Handschriften kauft er unter Aufwendung großer Mühe mit beträchtlichen Summen Geldes zusammen. Sein Ruhm dringt in die Lande, zweimal wird er vom Domkapitel in Olmütz zum Bischof gewählt, ohne aber vom Papst bestätigt zu werden. Ein reger Briefwechsel verbindet ihn mit räumlich weit entfernten Geistern. Bohuslav Lobkowicz auf Burg Hassenstein genießt zu Lebzeiten schon Ruhm, die volle Würdigung erhalten seine Werken erst lange Zeit nach seinem Tode.
Und heute? Nicht einmal ein Gedenkstein bezeichnet den Ort, wo der bedeutende Dichter, Gelehrte und Humanist einst lebte ...

Von Ignác Cornova erscheint 1808 in Prag eine Monografie über den Weltweisen auf dem Hassenstein:








De pudore
Cum pudeat Veneris coram mortalibus, ut quid
non pudet ante Deum caelicolasque suos?

E Graeco ad improbum
Fallit te speculum; nisi falleret, improbe, foedam
non faciem toties in speculo inspiceres.

In praeposteros
Noscere cum terram, caelos cupiamus et aequor,
nos ipsos quare noscere negligimus?





Eingangstor
Über der flachgedeckten Durchfahrt das Zimmer des Pförtners, das durch die Schießscharten Licht bekommt. Die Rückwand des Raums ist aus Holz; über eine Holztreppe gelangt man aus dem Innenhof zu dem kleinen Portal in der Westwand, das auch mit dem Wehrgang der Außenmauer verbunden ist. Falls der Feind ins Innere gedrungen war, kann er aufgrund der fehlenden Rückwand aus Stein keinen Stützpukt gegen die Burg errichten



Kapelle
Anfang 14. Jht; sie besteht aus dem Längsschiff mit Rippen-Kreuzgewölbe und viereckigen Presbyterium. Der Triumphbogen, der die Räume trennt, aus Sandstein in gotischer Form.
Anfang des 15. Jahrhundert Einbau eines Treppenhauses in die verstärkte Südwand, über das man vom Schiff zur herrschaftlichen Empore über dem Eingang und zum neuen Flügel des Palas gelangt, der aus dem Verbindungsbau zwischen Kapelle und altem Palas entstand.





2. Batterie-Turm
Auf der Spitze des Walls ist die zum Inneren der Burg offene Bastion mit abgerundeter Ecke errichtet, in der sich eine große Scharte für schweres Geschütz befindet. Es bestreicht die Vorburg und den Zugang; daneben kleinere Scharten für Handfeuerwaffen.









Alter Palas
Errichtet zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf einem Felsvorsprung, in den ein Keller gehauen ist. Der Palas hat die Form eines viereckigen Turms mit sorgfältig bewehrten Ecken aus Sandsteinquadern mit je einem flachgedeckten Raum im Erdgeschoss und in jeder Etage. Sie sind mit Innentreppen verbunden. Nach der Belagerung der Burg im Jahr 1418 ist der Palast so beschädigt und statisch gestört, dass er mit drei mächtigen Stützpfeilern abgestützt werden muss, die mit vielen Balken ins Mauerwerk des Palastes verankert sind. An der inneren Ecke ein Abtritterker, seine Ableitung über dem Fuße des Pfeilers zu sehen. Die Treppe im Turm ist durch Fenster mit Sitzflächen in den Nischen beleuchtet.







Ego me Germanum esse et profiteor et glorior
Ich bekenne und bin stolz darauf, Deutscher zu sein
















Die "Atair" ist seit 1987 eines von drei Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg.