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NJ 38
ALPHARD [9h28m -8°40']
α Hydrae

α Hydrae, Stern Alphard (arab. der Alleinstehende) ist der hellste Stern des Sternbildes Wasserschlange, er ist 180 Lichtjahre entfernt. Mitunter heißt er auch "Cor Hydrae" (im Sinne von "Drachenherz").





Karl May


Bei Lichte betrachtet,
erschreibt und inszeniert sich hier ein Mensch,
der aus jämmerlichen Verhältnissen stammt
und dem im Leben
zunächst vieles danebengegangen ist,
eine Traumexistenz,
mit der alles zum Besseren hin korrigiert wird.



Lügenbaron, Phantast, Humanist, Utopist, verkappter Schwuler



"Ich", Mays Autobiografie erscheint 1910, zwei Jahre vor seinem Tod. Vorbild Goethe: Dichtung und Wahrheit. May rechtfertigt sein Schriftstellerleben, indem er es logisch und schön schreibt. Er gibt ihm damit einen Sinn, den es nie hatte.
Welt klein: Villa an der Elbe, Schreibtisch, Orientteppiche, Bärentöter und Silberbüchse an den Wänden, Globus und ein ausgestopfter Löwe.
Welt groß: Hadschi Halef Omar, Winnetou, sächsische Polizei, Orient, Wilder Westen, Kaiserdeutschland vor dem Ersten Weltkrieg.

Heute: Naher Osten, Türkei - Wildes Kurdistan
Damals: Das deutsche Feuilleton greift an, May ein geborener Verbrecher, weil er behauptet: Ich bin Old Shatterhand! Diese Literatur sei der deutschen Jugend nicht zuzumuten.

May in seinem Schreibzimmer als Old Shatterhand kostümiert, Fotos für die Fangemeinde, den Bärentöter kann er kaum halten.

Was wissen wir über Karl May?

200 Millionen verkaufte Bücher, der Film "Der Schuh des Manitu": Parodie gefragter als das Original? Meistgelesener Schriftsteller deutscher Sprache, der am häufigsten übersetzte deutsche Schriftsteller (in 46 Fremdsprachen).
Sitzt jahrelang im Knast. Mehr als 100 Prozesse führt er in den letzten Lebensjahren.
Zwei Ehefrauen. Behauptet, 1200 Sprachen zu können - in einem Atemzug mit Richard Wagner zu nennen?

Er lebt in Zeiten des Turbokapitalismus, TBC, feuchte Wohnungen und 18-Stunden-Arbeitstag an der Tagesordnung. May stellt sich dem Kolonialismus entgegen, dem Abschlachten ganzer Völker (wie dem der Hereros in Namibia).
"Shakespeare gab es nicht. Ich bin Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand. Das kann man nachlesen. Doch der gewaltigste Dichter ist das Leben selbst", sagt der Sachse selbstbewusst.

Karl May, geboren 1842 in Ernstthal, gestorben 1912 in Radebeul.
Das 5. von 14 Kindern einer sehr armen Weberfamilie, von denen 9 in ihren ersten Lebensmonaten sterben. Der ehrgeizige Vater Heinrich August May will seinem einzig überlebenden Sohn Karl bessere Chancen verschaffen, als er selbst hatte; er zwingt den Jungen, ganze Bücher abzuschreiben und zum Selbststudium wissenschaftlicher Werke. Ab 1856 studiert May als Proseminarist am Lehrerseminar in Waldenburg, wo man ihn 1860 wegen Unterschlagung von sechs Kerzen hinauswirft, auf dem Gnadenweg Möglichkeit zum Weiterstudium in Plauen.

Ab 1861 Lehrer, u.a. an einer Fabrikschule in Altchemnitz. Laufbahn bereits nach wenigen Wochen beendet, als ihn sein Zimmergenosse wegen widerrechtlicher Benutzung fremder Sachen anzeigt: May hat dessen Taschenuhr zwar mit Erlaubnis im Unterricht benutzt, aber ohne Absprache mit in die Weihnachtsferien genommen, 6 Wochen Haft, als Vorbestrafter gestrichen aus der Liste der Lehramtskandidaten ...
2 Jahre Privatunterricht, komponiert und deklamiert. Ab 1864 Gaunereien zur Sicherung des Lebensunterhalts. Steckbrief wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei. 1865 4 Jahre Arbeitshaus, wegen guter Führung "besonderer Schreiber" des Gefängnisinspektors. Anlage einer Liste mit über 100 Titeln und Sujets für Schriftstellerkarriere. Nach Entlassung wieder Betrügereien und Diebstähle, Festnahme 1869, Flucht.
1870 Festnahme in Böhmen wegen Landstreicherei. Nennt falschen Namen, er komme von der Insel Martinique, sei Sohn eines reichen Plantagenbesitzers, habe seine Personalpapiere auf seiner Reise nach Europa verloren. Nach Identitätsfeststellung 1870 bis 1874 Zuchthaus Waldheim. Angeblich innere Wandlung, befördert durch Anstaltskatechet.
1874 Rückkehr ins Elternhaus, beginnt zu schreiben. 1874 oder 1875 erste Veröffentlichung.

Redakteur im Dresdner Verlag Münchmeyer, ab 1878 freier Schriftsteller, zieht mit Freundin Emma Pollmer nach Dresden.
1879 in Stollberg wegen Amtsanmaßung zu drei Wochen Arrest verurteilt: Bei Untersuchung der Todesumstände des trunksüchtigen Onkels von Emma als Beamter ausgegeben.
Mit der 1892 begonnenen Reihe 'Carl May’s Gesammelte Reiseromane' finanzielle Sicherheit und Ruhm.
Er versteigt sich mehr und mehr in die „Old-Shatterhand-Legende“. Behauptet, selbst Old Shatterhand zu sein und die Inhalte der Erzählungen tatsächlich erlebt zu haben, lässt sich von örtlichem Büchsenmacher die legendären Gewehre seiner Romanhelden anfertigen: Bärentöter, Silberbüchse und Henrystutzen. Verleger und Redakteure unterstützen die Legende, Leser folgen der Gleichsetzung von Icherzähler und Protagonist bereitwillig, richten unzählige Briefe an ihn, die er großteils beantwortet. Lesereisen, Vorträge.
Ab 1896 lässt sich May im Allgemeinen deutschen Litteratur-Kalender als Übersetzer aus dem Arabischen, Türkischen, Persischen, Kurdischen und verschiedenen Indianerdialekten, später auch aus dem Chinesischen anführen.
1895 Umzug in Villa Shatterhand in Alt-Radebeul (heute Karl-May-Museum).
Erklärt 1897 öffentlich, 1.200 Sprachen und Dialekte zu beherrschen, sei als Nachfolger Winnetous Befehlshaber über 35.000 Apachen. Führt Doktorgrad, ohne je promoviert oder auch nur eine Universität besucht zu haben.

1899 und 1900 bereist May den Orient - unterwegs zweimal Nervenzusammenbruch, Frau befürchtet, ihn einer Irrenanstalt zuführen zu müssen. Einbruch der grellen Realität in Mays Traumwelt?
Ab 1899 heftige Angriffe auf May in der Presse: Old-Shatterhand-Legende, religiöse Heuchelei, Unsittlichkeit, Vorstrafen ...
Diverse Gerichtsverfahren wegen unerlaubter Buchveröffentlichungen bis zu seinem Tod.
Erste Ehe mit


Emma Pollmer - Scheidung 1903

März 1903 Heirat mit


verwitweter Klara Plöhn.


1908 6-wöchige Amerikareise. Ab 1910 Plagiatsvorwürfe, gegen die May gerichtlich vorgeht. Vortragsreisen durch Deutschland und Österreich.
Beginn literarischeren Schreibens. Sein bisheriges Werk nennt er nachträglich 'Vorbereitung'. Verfasst komplexe allegorische Texte, will Menschheitsfragen (Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?) lösen, wird Pazifist.

Künstlerfreundschaft zu Sascha Schneider: Neue symbolistische Deckelbilder.
Kurz vor Tod: In Wien jubelnde Anerkennung 22. März 1912 für pazifistischen Vortrag "Empor ins Reich der Edelmenschen" auf Einladung der ersten Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.




Arno Schmidt vertritt in Sitara und der Weg dorthin von 1963 die These einer latenten Homosexulität Mays. Er verweist auf die penetrante Waffensymbolik, die Vorliebe für sadistische Szenen, auf die erotisch-liebevolle Darstellung der indianischen Edelmenschen, auf die Schilderung der nächtlichen oder gemeinsamen Ritte sowie auf die wiederholt auftretenden Transvestiten (Tante Droll, Hobble Frank oder Langer Davy). Die stetes wiederkehrenden Ringkämpfe zwischen den Männern seien verkappte Geschlechtsakte. Schmidt hebt die erotischen und phallischen Motive auf den Bildern Sascha Schneiders hervor, umso erstaunlicher, als Schneider seinen Freund May über seine homosexuelle Orientierung nicht im Unklaren gelassen habe.

Eine digitale Volltext-Ausgabe der Werke Karl Mays in der der Directmedia Publishing liegt seit 2004 vor.