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ALNAIR [13h56m -47°17']
ζ Centauri



Alnair (arab. der Helle) ist Stern ζ im Sternbild Zentaur in dessen südlichem Bereich und 382 Lichtjahre entfernt. Sein Alter wird auf 40 Millionen Jahre geschätzt.





Gottfried Keller

1819 - 1890, Schweizer Dichter und Politiker.
Lehre in München (Landschaftsmaler), Studium in Heidelberg der Geschichte und Staatswissenschaften, Berlin Ausbildung Theaterschriftsteller.
Romane und Novellen, Der grüne Heinrich, Die Leute von Seldwyla.
1855 zurück in Zürich - brotlos, 1861 Ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich. Nach 10 Jahren nur noch Schriftsteller. Bedeutender Vertreter des bürgerlichen Realismus.

W. G. Sebald Logis in einem Landhaus nach S. 112, 113





Und außer und zwischen diesen fünf, sechs Buchstaben ist nichts als hier und da eine Skizze von einer gleichfalls


Betty überschriebenen Pforte zu einem ummauerten Gärtchen,


ein Betty-Spiegel,


ein Betty-Zimmer und


eine Betty-Uhr und daneben noch


ein Sensenmännchen und daneben noch


ein anderes Knochengerippe, das auf der Fidel spielt,


ein Totenglöckchen und


eine Art winziges Wappen, in dem man, durch das Vergrößerungsglas, etwas erkennen kann, das aussieht
wie ein von Nadeln durchbohrtes Herz.

Die Kunst des Schreibens ist der Versuch, das schwarze Gewusel, das überhand zu nehmen droht, zu bannen im Interesse der Erhaltung einer halbwegs praktikablen Persönlichkeit. Lange Jahre hat Keller sich dieser schweren Bemühung unterzogen, obwohl er früh schon wußte, daß sie letztendlich nichts verschlug. Der »ziemlich melancholische und einsilbige Amtsmann«, der zum Schluß seines Romans sagt, daß nichts mehr die Schatten aufhellen kann, die seine ausgeplünderte Seele erfüllen, ahnt bereits, daß auch die beste Anordnung der Buchstaben und Sätze und die Großzügigkeit, die er gegen seine Geschöpfe bewies, auf die Dauer kaum etwas vermögen gegen das Gewicht der Enttäuschung. Seine Laufbahn überblickend fühlt er, daß dies alles »kein Leben hieß und so nicht fortgehen könne«. Er spricht von einer neuen Gefangenschaft des Geistes, in die er geraten sei und brütet, wie er herauskommen könne aus ihr, aber so ausweglos erscheint ihm seine Lage, daß bisweilen und immer vernehmlicher, wie er sagt, sich der Wunsch in ihm regt, nun gar nicht mehr da zu sein.

Lässt man sich ein auf den großen, blauen, einmal gefalteten Papierbogen, den Keller im Frühjahr 1855 in Berlin auf allen vier 'Seiten' in allen Richtungen aus allen Perspektiven mit allen Mitteln vollschrieb und -zeichnete, beginnt der Boden zu schwanken.
Ist es überhaupt eine Schreibunterlage?
Was wurde auf ihr (nicht) geschrieben?
Wie vermitteln sich Leben, Schreibunterlage und Schreiben?
Warum bewahrte Keller das nach seinem Tod als Ms.GK8b in der Zentralbibliothek Zürich archivierte Dokument einsamer Vergeblichkeit ein Leben lang auf?
Was 'bedeutet' der Wirbel der Zeichen, Zahlen, Worte, Bilder?
Ist es ein psychologisches, psychiatrisches, biographisches, literarisches, künstlerisches Dokument? écriture automatique, Triebabfuhr, kolossale Kritzelei à la Heinrich Lee, chinesischer Tempel à la Veit/Emanuel (in den "Drei gerechten Kammmachern"), Parergon, Paralipomenon, Palimpsest, dispositif, différance, désir, Prätext, Metatext, Subtext, Werk??
Wie lesen???
Was lesen????

"Guten Morgen, Maler! Haben der Maler wohl geruht?"
Mit diesem Ausruf begrüßt die Familie seines Onkels Heinrich Lee in Gottfried Kellers Roman Der grüne Heinrich zum Frühstück, als ihn seine Mutter nach dem frühen Schulverweis auf das Landgut des Oheims schickt. Landschaftsmaler will er werden. Inspiriert hat ihn der Maler Salomon Geßner (1730-1788), vor allem dessen Brief über Landschaftsmalerei: Ich liebte sogleich diesen Mann, der ebenfalls ein hoffnungsloser Schüler gewesen, indessen er auf eigene Faust schrieb und künstlerischen Beschäftigungen nachhing.
Bereits in der ersten Woche seines Aufenthaltes ernennt sein Onkel Heinrich zum "Hofmaler".

Wenig bekannt ist, dass Gottfried Keller in frühen Jahren ebenfalls Maler werden wollte. Heroische Landschaften, aber auch skurrile Skelette, Totenköpfe oder geschwänzte Teufel bevölkern seine Bildwelt. Der Dichter kann sich jedoch erst entfalten, nachdem der Maler gescheitert ist. Die Art und Weise, mit der Keller sein intensives Verhältnis zur Natur, seine beklemmenden Seelenzustände und seinen kritischen Blick auf Politik und Religion visuell zum Ausdruck bringt, hinterlässt deutliche Spuren in seiner Literatur.

Künstlerische und persönliche Identitätssuche, radikale Brüche, Rebellion gegen Autoritäten und existenzielle Konflikte in der Familie, Freundschaften und unerwiderte Liebe spielen eine große Rolle.
Keller, im Alter von fünfzehn Jahren von der Schule verwiesen, fasst den festen Entschluss, Landschaftsmaler zu werden. Mit der literarischen Figur des Malers Heinrich Lee beleuchtet Keller sich selbst. Die Entscheidung haat ihre Quelle ebenfalls in seinem spirituellen Natur- und Weltverständnis. Bei aller dichterischen Freiheit – Keller selbst verweist stets auf den fiktionalen Charakter des Romans – , viele Entwicklungen im Grünen Heinrich entsprechen den realen Gegebenheiten in Kellers Leben, über die er in Briefen, Tagebüchern, Skizzen- und Studienbüchern berichtet.
Auch einige der Frauenfiguren, etwa die Mutter, Anna oder Dortchen Schönfund, gehen dementsprechend auf real existierende Frauen aus seinem Leben zurück.

Die zweijährige Ausbildung beim dilettantisch arbeitenden Zürcher Kupferstecher Peter Steiger verläuft enttäuschend. Auch nach einem mehrmonatigen intensiven Naturstudium beim Schweizer Maler Rudolf Meyer gelingt es ihm nicht, sich als bildender Künstler zu etablieren.
Keller versucht nun, seinen Traum vom Malen durch einen Studienaufenthalt in der damaligen Kulturmetropole München zu verwirklichen, wo sich viele Kunstschaffende unter König Ludwig I. an Werken der italienischen Renaissance orientieren. Hier werden die klassizistisch-romantische Naturauffassung der Deutsch-Römer und die Stimmungslandschaften Carl Rottmanns vorbildhaft. Aber auch in München kann Keller trotz seiner künstlerischen Fähigkeiten keine Verkäufe erzielen, verbringt seine Tage planlos und zechend mit seinen Schweizer Künstlerfreunden. Desillusioniert kehrt er in seine Geburtsstadt Zürich zurück und findet ab 1843 schließlich zur Literatur.

Kopfweide 1835

Eberjagd (Der Pfaffe) um 1836

Föhre 1836





An der Siehl 1837

Staubbach 1838

Uferlandschaft mit Angler 1841

Landschaft mit Gewitterstimmung 1841

Heroische Landschaft 1841/42

Sommerlandschaft am Zürichsee 1849