Leute

... ein ziemlich obskurer deutscher Schriftsteller namens Konrad Bayer, der sozusagen einer der jungen Surrealisten der Nachkriegszeit war, die von der berühmten Gruppe 47 unterdrückt worden waren - und der sich dann das Leben nahm. Er hatte nur ein paar sehr kleine Dinge geschrieben, darunter ein Buch mit dem Titel "Der Kopf von Vitus Bering", und darin gab es eine Fußnote, die sich auf einen deutschen Botaniker und Zoologen des achtzehnten Jahrhunderts namens Georg Wilhelm Steller bezog, der zufällig dieselben Initialen hat wie ich, und der zufällig an einem Ort geboren wurde, den meine Mutter besuchte, als sie schwanger war, im Jahr 1943, als sie von Bamberg, das im Norden Bayerns liegt, in die Alpen hinunterfuhr, wo ihre Eltern lebten, weil die Bomber immer stärker kamen. Sie konnte nicht über Nürnberg fahren, was die normale Route ist, weil Nürnberg in dieser Nacht gerade angegriffen worden war und in Flammen stand. Also musste sie die Stadt umfahren. Und sie blieb in Windsheim, wie der Ort heißt, wo eine Freundin von ihr ein Haus hatte.

(Interview W.G.Sebald, The New Yorker, 3.9.2001)

Solche plötzlichen, beinahe epiphanischen Erkenntnismomente finden sich des Öfteren auch in Sebalds Erzähltexten. In anderen Interviews leitet er seine Bricolage mit Texten, Fotos und sonstigen Dokumenten aus seiner spielzeuglosen Nachkriegskindheit ab oder verortet den Beginn seiner Schriftstellerei so exakt wie abstrus in der fränkischen Kleinstadt Windsheim, in dem sich seine mit ihm schwangere Mutter 1943 während der Bombenangriffe auf Nürnberg aufgehalten habe: Den Anstoß zu seiner ersten größeren literarischen Veröffentlichung Nach der Natur habe dann die Entdeckung gegeben, dass der Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller 1709 in Windsheim geboren sei und zudem die gleichen Initialen wie W. G. Sebald trage. Es ist an solchen Stellen schwer zu entscheiden, ob Sebald sein literarisches Werk noch kommentiert oder es bereits weitererzählt.

Auf ungeheur dünnem Eis S. 272f.

Steller entdeckt ihn als erster: Ein Vogel, der nur in Nordamerika beheimatet ist. Der Nebel reißt auf: Backbord voraus eine hohe Insel, Alaska! Amerika!

Sie sind über Land gekommen, Tausende Kilometer durch lichte Wälder, sumpfige Weiten, gequält von Kälte, gezeichnet von Entbehrungen. Von St. Petersburg bis an den Pazifik, 14.000 Kilometer. Bauen Schiffe, segeln los, Kurs Ost.

Steller, 32, der Forscher aus Franken brennt darauf, sofort an Land zu gehen, die Insel mit dem steilen Berg zu erkunden. Kein Europäer vor ihnen hat diese Weltengegend je betreten. Vitus Jonassen Bering, 60, verbietet den Landgang. Der Käpt'n aus Dänemark ist am Ziel, er hat Sibirien erkundet, den Seeweg von Asien nach Amerika entdeckt - Beringstraße heißt die Meerenge heute. Er will nur Trinkwasser bunkern, dann Anker lichten und zurück: "Für ein paar Kräuter an Land gefährden wir nicht das Leben unserer Matrosen". (Und 1736 hat der deutsche Professor Müller dem Dänen Bering streitig gemacht, als erster die Beringstraße durchfahren zu haben: schon 80 Jahre zuvor tat das Semjon Deschnjow, ein russischer Pelztierhändler).

Steller geht doch noch an Land.

49 Jahre später erzählt ein alter Indianer auf der Aleuteninsel Kay Island einem russischen Kapitän: "Ich war ein Junge, als ein Schiff in die westliche Bucht einfuhr. Wir rannten alle fort. Erst als das Schiff wegsegelte, kehrten wir wieder zurück zu unserem Vorratsraum in der Grube."

Der Schwarzkopfhäher, den Steller gesichtet hat, heißt nach ihm: Cyanocitta stelleri, so, wie noch viele andere Tiere und Pflanzen ...



Georg Wilhelm Steller
1709 bis 1746




Georg Wilhelm Steller ist der erste deutsche Naturwissenschaftler, der unter dem dänischen Kapitän Vitus Bering (1681-1741) während der 2. Kamtschatka-Expedition den Boden Alaska betrat.

Neben einigen Tieren, z. B. der Scheckente (Polysticta stelleri), dürfte wohl die Seekuh als das berühmteste Fundstück Stellers gelten. Steller entdeckte diese Tiere bei seinem Zwangsaufenthalt auf der Bering-Insel im August 1742. Bereits 1786, 44 Jahre später, galt die Seekuh durch menschliche Beihilfe als ausgestorben. Alle Arbeiten Stellers wurden posthum publiziert. Zu seinen herausragenden Werken zählt de bestiis marinis (1751 auf Lateinisch, 1753 auf Deutsch veröffentlicht). Stellers Catalogus Plantarum intra sex horas in parti Americae septentrionalis juxta promontorium Eliae observatarum anno 1741 die Iulii sub gradu latudinis 59 stellt die erste Liste der Pflanzen Alaskas dar und beinhaltet 150 verschiedene Arten. Diesen Katalog hat Steller innerhalb von 10 Stunden an Land zusammengestellt: ein Zeugnis dafür, dass Steller zum einen ein leidenschaftlicher und zum anderen ein extrem effektiver Sammler und Beobachter der Natur war. Andere ebenfalls äußerst interessante Texte von Steller sind zum einen die Beschreibung von dem Lande Kamtschatka (1774) und natürlich Stellers Tagebücher.

Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.



Während seiner Forschungsreise legt er mindestens 20.000 km zurück. In Botanik, Zoologie, Mineralogie, Ethnologie und Pflanzenheilkunde ist er seiner Zeit weit voraus. Zahlreiche Tiere sind nach ihm benannt. Universelle Bildung und enormer Fleiß, Unerschrockenheit und Tapferkeit, Genauigkeit und Glaubwürdigkeit des wissenschaftlichen Werks machen ihn zum herausragenden Naturforscher seiner Zeit. Hydrodamalis gigas, das nach ihm benannte Wesen, ist ausgestorben und er fast vergessen, in tragischer Weise der Möglichkeit beraubt, die Früchte seiner übermenschlichen Anstrengung zu ernten. Auch existiert kein Bild von ihm . . .
Am 10. März 1709, einem Sonntag, geboren, erblickt er zunächst nicht das Licht der Welt. Die Hebamme erklärt ihn für tot. Eine Freundin der Mutter nimmt den Säugling vom Leichenbrett, bearbeitet ihn mit warmen Tüchern, nach einer halben Stunde tut er seinen ersten Schrei und erblickt dann doch noch das Licht der Welt.
Am 12. November 1746 in Tjumen/Westsibirien erliegt Steller im Hause zweier deutscher Wundärzte dem hitzigen Fieber. Der Lutheraner wird außerhalb der Friedhofsmauern beerdigt, Räuber legen die Leiche frei, man begräbt ihn zum zweiten Mal; wenig später überschwemmt der Fluss Tura das Grab.
Zwei Mal ist er Hunderte von Kilometern zurückgeschickt worden. Man beschuldigt ihn, die Bevölkerung Kamtschatkas aufgewiegelt zu haben.
Fürsorglichkeit, praktische Vernunft, ärztliches und seelsorgerisches Können des fränkischen Forschers haben der Besatzung der "St. Peter", während eines langen Winters auf einer menschenleeren Insel gestrandet, das Überleben gesichert.









Georg Wilhelm Steller, eigentlich Stöller, geboren in




Freie Reichsstadt

als viertes Kind des Kantors am Gymnasium und Organisten der Stadtkirche und seiner Frau Loysa Susanna, studiert nach dem Besuch des Windsheimer Gymnasiums als Stipendiat Theologie in Wittenberg. Als Abiturient hat er eine Rede über den Nutzen der Physik nebst Bemerkungen über Donner und Blitz gehalten.

Als seine Heimatstadt nach einem Großbrand das Stipendium streicht, ist Georg Wilhelm die ungeliebte Theologie los, geht nach Leipzig, Jena und Halle, wo er Lehrer an der lateinischen Schule des Waisenhauses wird und Vorlesungen über Botanik hält. 1734 legt er sein Examen als Arzt ab. Da er kaum Chancen auf eine Karriere in Preußen sieht, geht er nach Russland, wird Wundchirurg im russischen Heer - während des Polnischen Erbfolgekriegs ist eine Einheit in Danzig stationiert. Unter der Bedingung der freien Überfahrt übernimmt er die Verpflichtung, einen Transport kranker und verwundeter Russen nach St. Petersburg zu begleiten, gegen Ende des Jahres 1734 läuft das Schiff in den Hafen von St. Petersburg ein. Mit Hilfe des deutschen Inspektors des botanischen Gartens wird er Arzt im Hause des ehemaligen Erzbischofs von Nowgorod, Feofan Procopowitsch.







Erzbischof Feofan Prokopowitsch

wird Stellers Gönner, führt ihn in die gelehrten Kreise der Stadt ein. 1737 zum Adjunkten der Naturwissenschaften der Petersburger Akademie der Wissenschaften ernannt, wird Steller im gleichen Jahr als Mitglied der Großen Nordischen Expedition Professor Johann Georg Gmelin unterstellt und nach Kamtschatka geschickt. Kurz vor der Abreise aus Sankt Petersburg heiratet er die lebenslustige Witwe des deutschen Sibirienforschers Daniel Gottlieb Messerschmidt Brigitte Helene, geborene Böckler, aber schon auf dem Weg nach Sibirien – in Moskau – trennt sich das Paar wieder. Er schreibt sehnsuchtsvolle Briefe aus Sibirien, und die Frau, umgeben von Verehrern und Liebhabern, bittet um – Geld.
Begleitet vom Maler Johann Christian Berckhan und dem Studenten Alexei Gorlanow setzt Steller Anfang März die Reise fort, erreicht Ende März Irkutsk. Fehlende Transportmöglichkeiten, Proviantmangel und Rückstände in der Soldzahlung verzögern die Weiterreise um ein Jahr. Steller nutzt das zu Exkursionen, bereist Juli bis September 1739 das Baikalgebiet. Seine botanischen Aufzeichnungen stellt er zum Manuskript "Flora Irkutiensis" zusammen, wo er 1152 Pflanzennamen auflistet. Im März 1740 setzt Steller seine Reise auf dem Fluss Lena bis nach Jakutsk und auf dem Landweg bis nach Ochotsk fort. Dort trifft er Vitus Bering, den Kommandeur der 2. Kamtschatkaexpedition, den in russischen Diensten stehenden dänischen Seeoffizier.
Nach mehrwöchiger Schiffsreise treffen Steller und seine Begleiter am 20. September 1740 auf der Halbinsel Kamtschatka ein. Steller nimmt Stepan Krascheninnikow, einen Studenten, den Johann Georg Gmelin und Gerhard Friedrich Müller mit detaillierten Instruktionen von Jakutsk nach Kamtschatka gesandt hat, in seine Gruppe auf. Krascheninnikow hat seine geographischen, naturkundlichen und ethnologischen Beobachtungen aufgezeichnet und regelmäßig berichtet. Steller bereist im Winter 1740/41 den Südteil der Halbinsel Kamtschatka, wo er das Leben der Ureinwohner (Itelmenen und Korjaken) studiert. Im Februar 1741 erreicht Steller ein Schreiben Berings, er möge ihn anstelle des zurückgetretenen Expeditionsarztes auf der geplanten Fahrt nach Amerika zu begleiten, Steller sagt nach anfänglichem Zögern zu.

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Am 15. Juni 1741 verlässt die Flottille "St. Peter" (mit Bering und Steller) und "St. Paul" die Awatscha-Bucht. Nach etlichen navigatorischen Problemen erreicht "St. Peter" Alaska, wo es am 30. Juli 1741 vor der St.-Elias-Insel (Kayak) zum Eklat kommt: Bering verweigert Steller an Land zu gehen, Bering will lediglich Frischwasser aufnehmen. Erst als Steller schwört, dafür zu sorgen, dass Bering und seine Offiziere sich nach ihrer Rückkehr an höherer Stelle für diese Verweigerung würden rechtfertigen müssen, gibt der Kommandeur nach und Steller betritt als erster europäischer Naturforscher Alaska - er spottet: "Man sei wohl hergekommen, um amerikanisches Wasser nach Asien zu bringen".
Dennoch bleiben Steller nur 10 Stunden für seine Erkundungen, was immerhin ausreicht, um etwa 160 Pflanzenarten zu dokumentieren. Die Einheimischen verstecken sich aus Furcht vor den Fremden tief im Wald ...

(Zu Berings und Stellers Seereise sie ihr Logbuch )





Während der stürmischen Rückreise strandet "St. Peter" am 16. November 1741 auf der (später so genannten) Beringinsel, wo Bering am 8. Dezember 1741 verstirbt. Steller: "Er starb eher an Hunger, Kälte, Durst und Gram als an Skorbut oder einer anderen Krankheit." Bering folgen viele Crewmitglieder nach in den Tod. Steller erweist sich im neunmonatigen Überlebenskampf als Meister improvisierter Überlebenstechniken. Er und der schwedische Leutnant Waxell organisieren ein halbwegs geordnetes Lagerleben. Die 46 Überlebenden bauen endlich aus den Resten der "St. Peter" und angeschwemmtem Treibholz ein neues Fahrzeug, verlassen nach zehnmonatigem Aufenthalt am 14. Aug. 1742 die Insel und erreichen am 6. September 1742 Peter und Pauls Hafen (Petropawlowsk-Kamtschatskij) in Kamtschatka.





Steller, der erste und einzige Wissenschaftler, der jemals dieses nach ihm benannte Tier lebend sah, beschreibt während des Überlebenskampfes auf der Beringinsel die Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas oder Rhytina stelleri oder borealis). Kurz danach rotten Pelztierjäger sie aus.
Am 14. August 1744 verlässt unser unermüdlicher Forscher mit einer in 16 Kisten verpackten Sammlung Kamtschatka, Ziel St. Petersburg. Im Frühjahr 1745 stellen ihn die Behörden in Irkutsk unter die Anklage, die Völker Ostsibiriens gegen die russische Herrschaft aufgewiegelt und Waffen unter sie verteilt zu haben. Freispruch aus Mangel an Beweisen, Weihnachten 1745 zieht er weiter, mitten hinein in den sibirischen Winter, erkrankt schwer, rettet sich mit letzter Kraft nach Tjumen, wo er am 23. November 1746, erst 37jähring, stirbt.


Und heute? Fast vergessen ist der grandiose Naturforscher ...

In seiner großen Liebe zur Natur und den Menschen, seiner Leidenschaft, sie zu erforschen, hat er ihre Schönheit erkannt, beschrieben, lässt uns in seinen Tagebüchern und Schriften daran teilhaben.

Stellers Diarium: Den 22 Dec 1737. reiste abends um 3 Uhr aus Sankt Peterburg mit meiner Frau Liebsten, unserer kleinen Tochter... auf 3 Schlitten mit 4 Pferden... So beginnen die Aufzeichnungen der neun Jahre dauernden abenteuerlichen Reise, wiederentdeckt in St. Petersburg. Auf mehr als 330 Seiten eröffnen sie ganz neue Einblicke in Stellers Charakter, bringen eine Fülle unbekannter Beobachtungen.

Auf der Rückfahrt strandet die "St. Peter" am 4. November 1741 im Sturm auf der später nach Bering benannten Insel nahe Kamtschatka. ... Schlitten, lauffer, fuchsfalle von uns gefunden, ein Stuk von einem flos... und Ruder..., so ohne Zweiffel aus Kamtschatka abgetrieben... ein Stuk von dem Korb wo sie in Kamtschatka fische Verwahren..., schreibt Steller in der jetzt ebenfalls in St. Petersburg aufgefundenen Tagebuchkladde. Es gibt kein Bildnis von ihm. Einzig sein eng beschriebenes Tagebuch, kenntnisreich und mit Ironie geschrieben, sind erhalten. Es sind Zeugnisse eines großartigen Forschers.

Eine ausführliche Biografie Stellers fehlt. Drei Manuskripte gibt es: Catalogus plantarum intra sex horas, Mantissa plantarum minus aut plane incognitarum und Catalogus seminum anno 1741 in America septemtrionale (Der von Gmelin in seiner "Flora Sibirica" erwähnte Catalogus plantarum Americae von Stellers Hand, der mit den genannten Manuskripten nicht identisch sein kann, harrt der Entdeckung)

Manuskripte am Ende des Lebens,
geschrieben auf einer Insel im Eismeer,
mit kratzendem Gänsekiel und galliger Tinte,
Verzeichnisse von zweihundertelf
verschiedenen Pflanzen,
Geschichten von weißen Raben,
seltsamen Kormoranen und Seekühen,
eingebracht in den Staub
einer endlosen Registratur,
sein zoologisches Meisterwerk,
de bestiis marinis,
Reiseprogramm für die Jäger,
Leitfaden beim Zählen der Pelze,
nein, nicht hoch genug war der Norden.

Stellers Tagebuch

Sie tragen Stellers Namen:


Riesenseeadler
(Steller's Sea Eagle)

Seinen großen, leuchtend gelben Hakenschnabel setzt der Riesenseeadler geschickt bei der Nahrungsbeschaffung ein. Manchmal bedroht er mit seinem Schnabel andere Seeadler, um an deren Beute zu kommen. Seine tödlichste Waffe sind die langen, scharfen Krallen der Fänge. Drei der vier Krallen sind nach vorne und eine nach hinten gerichtet. Auf Jagd kann er so seine Beute wie mit einer Zange ergreifen und festhalten.


Diademhäher
(Cyanocitta stelleri)

Der Wappenvogel der kanadischen Provinz British Columbia, auch Schwarzkopfhäher genannt, dessen Aussehen je nach Verbreitungsgebiet variiert, ist ein amerikanischer Singvogel. Er imitiert den Ruf des Rotschwanzbussards nach, um andere Vögel von Futterplätzen zu vertreiben. Wie die meisten Rabenvögel hält er Futter mit dem Fuß fest und hämmert es mit dem dem Schnabel auf.


Scheckente
(Polysticta stelleri)

Das Männchen dieser Tauchentenart ist farbenreich, das Weibchen dunkelbraun gescheckt, ihre Stimmen sind für gewöhnlich leise. Die Scheckente nistet in der Tundra Sibiriens, in Finnland ist sie meist Winter- und Frühjahrsgast, an der nördlichen Ostsee eher selten. Ihre Nahrung sind wirbellose Tiere. Sie fühlt sich in dichten Schwärmen wohl, in denen alle zur gleichen Zeit dasselbe tun.



Stellerscher Seelöwe
(Eumetopias jubatus)

51 Kolonien dieser Tierart gibt es entlang der asiatischen und nordamerikanischen Pazifikküste, die größten befinden sich auf den Aleuten und den Kurilen. Der Stellersche Seelöwe ist der größte Vertreter der Ohrenrobben. Zwischen Männchen und Weibchen besteht ein ausgesprochener Größenunterschied. Die Bullen erreichen Längen von über 3 m und ein Gewicht von 1100 kg, die Kühe sind 2,4 m lang und maximal 300 kg schwer. Bis zu 180 m tief taucht der Seewöwe und ernährt sich fast ausschließlich von Fischen. Die Bullen suchen sich Plätze entlang der Küste. In erbitterten Kämpfen, die oft schwere Verletzungen zur Folge haben, verteidigen sie diese gegen ihre Geschlechtsgenossen. Sobald die Kühe an Land kommen, entscheidet die Stelle ihres Landgangs, welchem Harem sie angehören werden.


Stellers Seekuh
(Hydrodamalis gigas)

Die ausgestorbene Seekuh des nördlichen Pazifiks beschreibt Steller als erster, zu seiner Zeit gab es noch etwa 2.000 Exemplare. Pelztierjäger erschlagen das vermutlich letzte Tier 1768, heute existieren noch einige Skelette. Die Kenntnisse über die Art beruhen auf den akribischen Beschreibungen Stellers. Das Tier war bis 8 Meter lang und bis zu 10 Tonnen schwer, mit in Anpassung an die weiche Seetang-Nahrung völlig zurückgebildeten Zähnen, das Tier zerrieb die Algensie zwischen zwei hornigen Kauplatten, die den Gaumen auskleideten. Nach Stellers Beschreibungen und heutigen Erkenntnissen scheint die Seekuh eine geringe Reproduktionsrate gehabt zu haben, was ihre rasche Ausrottung begünstigte.
Einst bewohnte sie die Küsten des nördlichen Pazifiks von Mexiko über die Aleuten bis Nordjapan.


Cryptochiton stelleri
(engl: Gumboot chiton)

Cryptochiton stelleri, oder Giant Western Firey Chiton, ist die größte Art der Käferschnecken, bis 36 cm lang und mehr als 2 kg schwer. Er lebt an der Küste des nördlichen Pazifischen Ozeans und der Halbinsel Kamtschatka. Ein Weichtier, bei dem die acht Schalenplatten vom Rücken nach unten verlaufen. Wattwanderer nennen ihn "wandering meatloaf."
Crytopchiton (griechisch) bedeutet 'verborgener Chiton', weil seine Platten, das Merkmal der Käferschnecken, unsichtbar sind. Die Molluske klammert sich an Felsen, kratzt Algen und Riesentang mit einer Raspelzunge und Querreihen durch Magnetit gehärteter Zähne ab. Cryptochiton stelleri wird über 40 Jahre alt und hat kaum natürliche Feinde.



S. 31f.
Steller war sich so sicher, dass er nach Sibirien beordert werden würde, dass er es sich zur Aufgabe machte, alles über das Land zu erfahren, was er konnte. Den Winter über besuchte er häufig das Haus von Dr. Daniel Messerschmidt, der sieben Jahre lang die sibirische Wildnis erforscht hatte. Dr. Messerschmidt war Ende fünfzig, launisch und exzentrisch; die Strapazen der arktischen Reisen hatten seine Gesundheit ruiniert, er war Opfer einer tiefen Melancholie. Als er nach St. Petersburg zurückkehrte, lehnte er alle Angebote für eine weitere Anstellung ab und lebte mit seiner heißblütigen jungen Frau Brigitte, die von Bekannten als "eine lebhafte, wilde Frau, die das genaue Gegenteil von ihm war" beschrieben wurde, in Dunkelheit und Armut.

Brigitte war nur ein Jahr älter als Steller, von deutscher Bauernherkunft, großknochig und drall und voll animalischer Vitalität. Ihr praller, warmer Körper war immer feucht von Schweiß, und feuchte Puderflecken klebten an ihrem Hals und zwischen ihren Brüsten, die das tief ausgeschnittene Mieder schamlos enthüllte. Sie war ruhelos und unglücklich mit ihrem mürrischen Ehemann, den sie geheiratet hatte, um eine gesellschaftliche Stellung und Luxus zu erlangen, und der sie mit seinem freudlosen Dasein langweilte. Der attraktive blonde Besucher bot ihr die Chance auf die ersehnte Abwechslung. Während Steller über den abendlichen Manuskripten des Doktors brütete, hockte sie auf der Armlehne des Stuhls neben ihm, flirtete mit den Augen über der Ausbreitung ihres bemalten Fächers und glättete sein widerspenstiges Haar mit einer stark parfümierten Hand. Stellers ungepflegtes Äußeres hatte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Frauen. Er kümmerte sich nie um Perücke oder Puder, sein zerknitterter langer Mantel war aufgeknöpft, die Taschen quollen über mit Notizbüchern und botanischen Utensilien; und Brigitte war entschlossen, ihn zu besitzen und zu zähmen. Steller konnte ihrer verführerischen Anziehungskraft nicht widerstehen, und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich tief verliebt. Als Dr. Messerschmidt im folgenden Frühjahr starb, sprachen sie von Heirat, aber Steller konnte mit dem mageren Gehalt eines Adjunkten keine Frau ernähren, und es wurde beschlossen, die Heirat zu verschieben, bis er einen lukrativeren Auftrag für Berings Expedition erhielt.

Komm, flüstert er
ihr in der Verzweiflung
ins Ohr, komm mit mir
nach Sibirien als meine
eigene Frau, und hört schon
die Antwort: Wohin
Du auch gehst,
geh ich mit Dir.

S. 133f.
Erinnerungen an die vergangenen zehn Jahre schossen Bering durch den Kopf: der herzzerreißende Sechstausend-Meilen-Treck durch Sibirien, die ständigen Schikanen der Akademie, die Weigerung der Admiralität, ihm die nötigen Befugnisse zu erteilen, die endlosen Frustrationen, Enttäuschungen und Verzögerungen, die zu dieser letzten Katastrophe geführt hatten. Er hatte versucht, die ihm zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, aber in seinem fortgeschrittenen Alter waren seine Kräfte der ihm auferlegten zusätzlichen Belastung nicht gewachsen gewesen. Nun erwartete er das Ende "mit Gelassenheit und ernsthafter Vorbereitung auf sein Ableben, das kam, während er noch im vollen Besitz seiner Vernunft und seiner Sprache war."
Sein Bett war eine kleine Vertiefung im Boden seines unterirdischen Unterschlupfs, und der lose Sand rieselte zwischen den Pfosten hindurch und an den Seiten hinunter in den Hohlraum. Nach und nach bedeckte er seine Füße, dann seine Beine und schließlich seine Oberschenkel, bis er halb begraben lag wie der Rumpf des Petrus. Als Steller versuchte, den Sand zu entfernen, öffnete der Kapitän Kommandant seine Augen und seine Stimme schien von sehr weit her zu kommen. "Lass mich in Ruhe", murmelte er. "Je tiefer ich in der Erde liege, desto wärmer ist es mir; nur der Teil von mir, der über der Erde ist, leidet unter der Kälte." Er starb am achten Dezember zwei Stunden vor Tagesanbruch, und sein Leichnam musste exhumiert werden, um ihn würdig zu bestatten.

Er wurde mit den Riten der lutherischen Kirche auf einem Hügel mit Blick auf den Strand und sein Schiffswrack beigesetzt. "Sein Leichnam wurde an einer Planke festgebunden", schrieb Waxell, "und in den Boden gestoßen." Ein grobes Holzkreuz wurde über dem Grab errichtet Grab errichtet, und die Insel erhielt Berings Namen.



Steller-Denkmal Bad Windsheim