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Warendorf - 51°57'N 008°E



Man kennt die Stadt von den jährlichen Hengstparaden. "Warnduorp" sagen die Einheimischen zu ihrer Stadt, der Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im nördlichen Nordrhein-Westfalen mit gut 37.000 Einwohnern.
Warendorf liegt an der Ems im östlichen Münsterland. Diesen Teil der Westfälischen Tieflandsbucht prägt intensive, wenn auch relativ kleinteilige landwirtschaftliche Nutzung: Äcker, Wiesen, Weiden, kleine Wäldchen und Wallhecken, man nennt es „Münsterländer Parklandschaft“.
Die nächste Großstadt ist das 30 km westlich gelegene Münster.
Bis heute haben täuferische Kirchen weltweit eine in die Millionen gehende Zahl von Anhängern und traditionelle Täufergruppen wie die Amischen, Mennoniten und die Hutterer gehören zu den am schnellsten wachsenden christlichen Gemeinschaften.



Was sind ihre Konzepte und woher kommen sie?
Täufer (früher auch Wiedertäufer oder Anabaptisten genannt) hängen einer radikalreformatorisch-christlichen Bewegung an, die im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in den deutsch- und niederländischsprachigen Teilen Europas entsteht, oft als linker Flügel der Reformation bezeichnet. Wir Deutschen nehmen sie meist als historisches Phänomen der Reformationszeit wahr, da abgesehen von den Mennoniten die Täufer durch Verfolgung und Assimilationsdruck aus dem deutschsprachigen Raum verschwunden sind.



Wichtige Konzepte sind die Nachfolge Christi, die Kirche als Bruderschaft und die Gewaltlosigkeit. Ihr Denken und Verhalten begründen sie ganz aus der wortgetreuen Auslegung des Neuen Testamentes. Sie fordern Glaubensfreiheit, Trennung von Kirche und Staat, teilweise Gütergemeinschaft und Absonderung von der Welt. Die Obrigkeit und Amtskirche verfolgen die Täuferbewegung vor allem in den ersten beiden Jahrhunderten ihrer Existenz heftig.
3 Hauptwurzeln der Bewegung sind die Zürcher Reformation, die radikale Reformation um Karlstadt und Thomas Müntzer und das spiritualistisch-endzeitlichen Milieu von Straßburg. 1525/26 breiten sich die täuferischen Lehren innerhalb der ersten 5 Jahre ungemein rasch in Mitteleuropa aus, nach Schätzung sind 1530 etwa jeweils ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland katholisch, lutherisch und täuferisch.
1533 breitet sich in Münster und Warendorf die Täuferbewegung aus, die 1534 für eine Woche die Macht in der Stadt übernimmt, was Bischof Franz von Waldeck beendet. Vier täuferische Apostel und die Warendorfer Rädelsführer verurteilt er zum Tode, lässt sie auf dem Marktplatz durch das Schwert hinrichten und die Leichen der „Apostel“ an den vier Stadttoren aufs Rad legen. Die Täuferbewegung hält sich bis ins 17. Jahrhundert hinein im Untergrund.



Hauptgrund der Verfolgung der Täufer ist also weder ihr Lebenswandel noch ihre Haltung zu den tatsächlich vorhandenen Aufstands- und Widerstandsbewegungen des 16. Jahrhunderts, sondern ihre grundsätzliche Haltung zur weltlichen Obrigkeit. Da die Täufer mit Verweis auf die Bergpredigt den Eid ablehnen, weigern sich die meisten Täufer, die damals üblichen Lehens- bzw. Gehorsamseide gegenüber der Obrigkeit abzulegen. Auch ihre die weitverbreitete Haltung, dass wahre Christen wegen des christlichen Gewaltverzichts weder als Richter, Soldaten noch Scharfrichter tätig sein, ja nicht einmal irgendein öffentliches Amt ausüben dürften, weil letztlich jedes öffentliche, weltliche Amt mit der Androhung oder dem Vollzug irgendeiner Art von Gewalt (z. B. gerichtliche und polizeiliche Strafen) zusammenhänge, macht sie in den Augen sowohl der katholischen als auch der lutherischen und reformierten Obrigkeiten und Theologen verdächtig, zumindest prinzipiell den Umsturz der herrschenden Verhältnisse anzustreben – auch wenn die meisten Täufer nachweislich ein völlig passives und zurückgezogenes Leben führen. Die Verwicklung einzelner täuferischer Theologen in den Bauernkrieg und das Täuferreich von Münster bringt die ganze, sehr uneinheitliche Täuferbewegung unter Generalverdacht.
1802 kommt Warendorf unter preußische Oberherrschaft.
Bis 1941 besteht ein bedeutende jüdische Gemeinde. Die Nazis deportieren und ermorden Gemeindemitglieder, die bis dahin noch nicht aus Deutschland vor der NS-Diktatur geflohen sind.









Wartburgkreis - 50°53'N 010°13'E

Namensgeberin des Kreises mit 120.000 Einwohnern in Thüringen ist die Wartburg - obwohl die zu Eisenach gehörige Burg seit 1998 (Ausgliederung Eisenachs!) nicht mehr im Kreisgebiet liegt. Wie kaum eine andere Burg Deutschlands ist die Wartburg mit der Geschichte Deutschlands verbunden - wenn auch die immer wieder kolportierte Geschichte des sagenhaften Sängerkrieges Fiktion ist.
Wahr aber ist: 1211 bis 1227 lebt Elisabeth von Thüringen auf der Burg. 1521/22 versteckt sich hier Martin Luther als Junker Jörg und übersetzt das Neue Testament in nur 11 Wochen ins Deutsche.



1817 findet auf Einladung der Jenaer Urburschenschaft anlässlich des 300. Jahrestages des Thesenanschlags Martin Luthers und im Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig auf der Burg das erste Wartburgfest statt, das zweite im Revolutionsjahr 1848. Und unser großer Goethe weilt mehrfach auf der Wartburg, wo er sich vor Ort mit ihrer Geschichte vertraut macht und Zeichnungen der Burg fertigt. 1793 veranlasst er Wetterbeobachtungen und -aufzeichnungen, ihn beeindrucken Landschaft, Mineralogie, Wettergeschehen und Baudetails.
Wahr ist auch: Die Nazis wollen die Wartburg zu einem Kulturmittelpunkt des Reiches zu machen, das Kreuz auf dem Burgturm ersetzen sie durch ein Hakenkreuz - Proteste aus der Bevölkerung führen aber zur Entfernung bereits nach einem Monat. 1939 gründen 13 evangelische Landeskirchen auf der Wartburg das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ - die verschwundenen Akten des „Entjudungsinstituts“ werden erst 1990 der Öffentlichkeit bekannt!
Für Ludwig II. von Bayern ist die Wartburg Vorbild für sein Schloss Neuschwanstein. Schloss und Burg ähneln sich nicht nur aus einigen Blickwinkeln in der Silhouette, auch der Festsaal ahmt die Wartburg nach.Die Wartburg ist auch vielfach literarischer Schauplatz, am bekanntesten durch Richard Wagners Tannhäuser, und dass sich viele Legenden um sie ranken, ist selbstverständlich ...

Der Wartburgkreis erstreckt sich entlang des Mittellaufes der Werra und der hessisch-thüringischen Landesgrenze. Er umschließt nahezu vollständig Eisenach, die im Norden von West nach Ost in das Kreisgebiet ragt. Nachbarkreise sind im Norden Unstrut-Hainich-Kreis, im Osten Kreis Gotha, im Südosten Kreis Schmalkalden-Meiningen, im Süden und Südwesten der hessische Kreis Fulda und im Westen die hessischen Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis.

Der Wartburgkreis entsteht durch Zusammenlegung der Kreise Eisenach, Bad Salzungen, Bad Langensalza und mehrerer Gemeinden. Seit 1998 ist Bad Salzungen die Kreisstadt.







Wiedenbrück - 51°50'N 008°18'E

1802 wird Wiedenbrück Kur-Hannover zugeschlagen, 1807 fällt die Stadt an das Königreich Westphalen. Das Amt Reckenberg mit Wiedenbrück wird nach dem Wiener Kongress an Preußen abgetreten und 1816 der neuen Provinz Westfalen zugeordnet. Ab 1816 ist die Stadt Sitz des nach ihr benannten Kreises Wiedenbrück.
1940 beschlagnahmt die Regierung alle Bronzeglocken, damit deren wertvolles Metall der Rüstungsindustrie zufallen. 1970 wird Wiedenbrück mit der benachbarten Stadt Rheda und weiteren Gemeinden zur neuen Stadt Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen. 1973 entsteht der neue Kreis Gütersloh, der Sitz der Kreisverwaltung verbleibt noch bis 1997 in Wiedenbrück.









Wegscheid - 48°36'N 013°47'E




2015 wird Wegscheid aufgrund der Grenzlage zu Österreich ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland.
Das ehemalige KFZ-Kennzeichen WEG gehörte 1956 bis 1974 zu Wegscheid, das heute eine Marktgemeinde im niederbayerischen Landkreis Passau ist und sich dessen Hauptkennzeichen PA mit Passau teilt. In der Gegend sind Fahrzeuge auch noch mit VOF, DEG, FRG und PAN bestückt.
Wegscheid mit gut 5.550 Einwohnern liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald an der österreichischen Grenze und an der B 388, welche ins 33 km entfernte Passau und in Gegenrichtung ins 21 km entfernte Rohrbach (Oberösterreich) führt. Nach Hauzenberg sind es 17 km und nach Waldkirchen 24 km. Der Ort in 720 m Höhe am Osthang des Ponzau-Berges bietet eine weite Rundsicht.



Gegründet ist Wegscheid an einem wichtigen Handelsweg von Passau nach dem südlichen Böhmen.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blüht die Leinenweberei in Form von Heimarbeit. Man stellt Kissen, Bordürenröcke, Teppiche, Damasttücher und Madrastücher her. Der Unernehmer Fenzl beschäftigt 1820 bis 1907 zeitweise 700 bis 800 Weber in Wegscheid und Umgebung. Bis zum Winter 1941 stellt die Webereigenossenschaft rund 60.000 Meter Leinen für die Wehrmacht her. Ende 1956 erhalten von 70 Mitgliedern nur noch 40 Aufträge, ein Jahr später nur noch 20.
Seit 1830 hat der Schmuggel, das sogenannte „Schwärzen“ über die Grenze eine große Bedeutung, das das hohe Preisgefälle zum nahen Mühlviertel einerseits und hohe Einfuhrzölle nach Bayern andererseits begünstigen.
2017 bestehen in der Gemeinde 1350 Arbeitsplätze und 122 landwirtschaftliche Betriebe. Die Zahl der Auspendler war um 890 Personen größer als die der Einpendler. Von der Gemeindefläche sind 3172 ha landwirtschaftlich genutzt.









Weilburg - 50°29'N 008°16'E




Die ehemalige Residenzstadt im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg mit knapp 13.000 Einwohnern liegt zwischen Westerwald und Taunus. Jahrhundertelang Residenz des dem Haus Nassau entstammenden Adelsgeschlechts. Die Regenten von Nassau-Weilburg errichten dort das heute stadtbildprägende Schloss mit angegliederter Parkanlage.
Weilburg liegt oberhalb der Mündung der Weil in die Lahn, die die Stadt schlangenförmig durchfließt. Frankfurt und Koblenz sind 50 km entfernt.
Jahrhunderte lang prägt das Haus Nassau-Weilburg die Geschichte der Stadt. Mit ihren Schlossbauten machen sie Weilburg zu einer am vollständigsten erhaltenen Kleinresidenz des Absolutismus.



1827 stiftet Sergeant Trapp des 1. Infanterieregiments der Herzoglich Nassauischen Armee, Kameraden zum Mord an dem 18jährigen Kadetten Vigelius an. 48 wollen das Verbrechen am 7. Dezember 1827 in Weilburg gemeinschaftlich begehen. Der Anstifter lockt seine Kameraden mit der Aussicht auf eine angebliche große Geldsumme, die das Opfer bei sich tragen soll. Trapps wahres Motiv ist nicht Geldgier, sondern gekränkter Stolz und frustrierter Ehrgeiz. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Sergeant ist erbost darüber, dass ein neuer herzoglicher Erlass ihm und anderen bewährten Unteroffizieren den bisher möglichen Aufstieg zum Offizier verwehrt. Um das Offizierskorps zu professionalisieren und zu modernisieren, soll es sich in Zukunft allein durch die Angehörigen der „gebildeten Stände“ ergänzen. Im Militär Karriere machen können demnach nur noch die Söhne des Adels und des reichen Bürgertums.
Trapp fühlt sich als eine Art „Modernisierungsverlierer“, das Opfer ein „Modernisierungsgewinner“. Trapp fühlt sich auch durch Vigelius’ arrogantes Verhalten gedemütigt. Indem er das Verbrechen aber als Raubmord tarnt, verliert die Tat ihren vordem gedachten Charakter als politisches Fanal. Als erster sticht Trapp auf den arglosen Vigelius ein, der gegen die Überzahl der Angreifer chancenlos ist. Die grässlich verstümmelte, ausgeplünderte Leiche findet man tags darauf.
Bald fällt der Verdacht auf Trapp und seine Mitverschworenen. Weil ihnen kein Geständnis zu entlocken ist, misshandelt man sie im Zuchthaus Diez schwer. Einige von ihnen sterben oder begehen Selbstmord. Die Urteile des Kriegsgerichts gegen die überlebenden 37 Beteiligten ergehen im Frühjahr 1832: Enthauptung von Trapp und drei weiteren Rädelsführern, Zuchthausstrafen für die übrigen Soldaten.



1977 läuft im Fernsehen unter dem Titel "Der Weilburger Kadettenmord" ein eindrucksvoller Film über das Verbrechen.
1866 annektiert Preußen die Stadt Weilburg mit dem gesamten Herzogtum Nassau.
1933 bis 1938 emigriert die Mehrheit der Juden oder zieht in größere Städte. Von 1937 an ist ihnen das Betreten des Schlossgartens verboten. Im Weilburger Tageblatt erschienen aggressiv-antisemitische Artikel. Beim Novemberpogrom 1938 beschädigen die Nazis das letzte verbliebene jüdische Geschäft sowie Wohnungen schwer, 1942 deportieren sie ihre letzten jüdischen Mitbürer in Vernichtungslager.
Im 2. Weltkrieg sprengt die Wehrmacht sämtliche Weilburger Brücken.
Weilburg ist Kreisstadt des Oberlahnkreises von 1867 bis 1974, als der neue Landkreis Limburg-Weilburg entsteht, dessen Kreisstadt Limburg ist.









Weiden i.d.OPf. - 49°40'N 012°09'E




Weiden in der Oberpfalz in Ostbayern mit knapp 43.00 Einwohnern, 100 km östlich von Nürnberg und 35 km westlich der Grenze zu Tschechien, liegt an der Schnittstelle der Naturräume Oberpfälzer Hügelland und Vorderer Oberpfälzer Wald. Die Tallandschaft der Waldnaab prägt das Landschaftsbild.



Gelegen am Schnittpunkt der Goldenen Straße und der Magdeburger Straße, zweier bedeutender Handelsstraßen, entwickelt sich Weiden in der Oberpfalz schon bald als Handels- und Umschlagplatz. Seit 1989 profitiert Weiden von der Deutschen Wiedervereinigung und der Öffnung der Grenze zu Tschechien, was Weiden auis seiner Randlage befreit.









Wesel - 51°40'N 006°37'E




Bei der Hansestadt in Nordrhein-Westfalen am unteren Niederrhein mit rund 60.000 Einwohnern, Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, münden Lippe und Wesel-Datteln-KanaI in den Rhein.
Unter preußischer Herrschaft beginnt 1681 der Ausbau der Stadt zur Festung Wesel, sie bleibt bis ins 20. Jahrhundert militärisch geprägt und ist aufgrund ihrer strategischen Bedeutung im 2. Weltkrieg von starken Zerstörungen betroffen. Das ehemalige Glacis der Festung Wesel - heute Grünanlage. Wesel ist eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands.
Düsseldorf ist 50 Km, Köln 85 km, die Grenze zu den Niederlanden 25 km entfernt. Im Norden und im Westen jenseits des Rheins liegt die vergleichsweise dünn besiedelte Landschaft des unteren Niederrheins. Im Süden bildet der Wesel-Datteln-Kanal die Grenze zur Stadt Voerde. Der Kanal ist Grundlage für die betriebenen Häfen, den Rhein-Lippe-Hafen Wesel, den Städtischen Rheinhafen Wesel und den Staatlichen Schutzhafen Wesel.



Vermutlich existierte im rechtsrheinischen Gebiet des späteren Wesel ein Wachposten, als sich das Römische Reich im 1. Jahrhundert v. Chr. an den Niederrhein mit dem Militärplatz von Vetera im linksrheinischen Gebiet des späteren Xanten ausdehnt.
Am 12. August 1730, eine Woche nach seinem gescheiterten Fluchtversuch, begegnet Kronprinz Friedrich, später Friedrich der Große, auf Festung Wesel seinem Vater, dem Soldatenkönig, der ihn infolge eines heftigen Wortwechsels umbringen will. Nur das Dazwischentreten des Kommandanten verhindert die Tragödie.
1805 tritt Preußen Wesel an Napoléon ab. Die Franzosen kerkern 1813/1814 148 Studenten des Priesterseminars Gent in der Zitadelle ein, von denen 35 ums Leben kommen. 1815 erlangt Preußen seinen vormaligen Besitz zurück.








Wolfenbüttel - 52°10'N 010°32'E




Die niedersächsisch Kreisstadt mit gut 52.000 Einwohnern liegt an der Oker zwischen Harz und Heide 12 km südlich von Braunschweig und 60 km ost-südöstlich von der Landeshauptstadt Hannover. Die Oker nimmt oberhalb bei Halchter die von Osten kommende Altenau auf. Südlich der Stadt befindet sich der Oderwald.
Bis 1753 bleibt Wolfenbüttel Residenzstadt des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Sommer 1764 hält sich Casanova, der venezianische Schriftsteller und Abenteurer, in der Herzog-August-Bibliothek auf, um Material für seine Iliade (Dell’ Iliade di Omero tradotta in ottava rima) zu sammeln, deren erster Band im Jahr 1775 erscheint. In seinen Memoiren: „Ich kann diese acht Tage zu den glücklichsten meines Lebens zählen“.
Als Bibliothekare wirken Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing, der hier das Drama Nathan der Weise verfasst, daher bezeichnet man Wolfenbüttel auch als Lessingstadt.

Zwischen 1590 und 1620 sind 114 Prozesse wegen Zauberei aktenkundig: 97 Frauen und 17 Männer. Man verbrennt 50 Menschen und enthauptet 3, der Frauenanteil liegt bei 90 %. 1667 stirbt in Wolfenbüttel Justus Oldekop, einer der bekanntesten Gegner der Hexenverfolgung.
Wolfenbüttel gilt als eine der ältesten und beständigsten Garnisonen im norddeutschen Raum. Von den ehemals neun großen Bastionen, trifft man im Stadtbild Reste: Am Stadtgraben die Bastion „Corneliusberg“, am Rosenwall „Joachimsberg“. Direkt hinter den Pavillonbauten des Gymnasiums im Schloss liegt ein Gewölbe, das Parkhotel am Kaffeehaus ist auf der Bastion „Karlsberg“ errichtet, im Bereich des Philipsberges liegt die JVA.



In Wolfenbüttel hat sich infolge der vergleichsweise geringen Kriegsschäden ein nahezu geschlossenes historisches Stadtbild erhalten.









Wangen im Allgäu - 47°41'N 009°50'E


Die Stadt im Südosten Baden-Württembergs mit gut 27.000 Einwohnern und frühere Reichsstadt, 1938 bis 1972 Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, seit 1973 eingegliedert in den Landkreis Ravensburg, liegt am Rand des Westallgäus am nördlichen bzw. westlichen Ufer der Oberen Argen, die sich südlich mit der Unteren Argen vereinigt und als Argen südöstlich von Langenargen in den Bodensee mündet.



1286: Wangen Reichsstadt - das der Adler für das staufische und die Lilie für das fränkische Kaisertum verdeutlichen im Stadtwappen noch heute diesen Status.

In Wangen treffen sich die Straßen von Ravensburg, Lindau, Leutkirch und Isny. Der Fernhandel über die Alpen fördert die Entwicklung der Stadt.
1803 verliert Wangen den Status einer Reichsstadt und kommt zum Kurfürstentums Bayern, 1810 zum Königreich Württemberg.
Anfang der 1930er ist Wangen eine Hochburg der katholischen Zentrumspartei. Der mit 95 % wiedergewählte Bürgermeister Fritz Geray und die örtliche Tageszeitung Argen-Bote treten der antijüdische Propaganda entgegen. Trotzdem bringen die Nazis die Stadt unter ihre Kontrolle, Oppositionelle verbringen sie ins KZ Heuberg. Im November 1944 stellen sie ein Volkssturmbataillon auf, um die Wangener Gegend zu verteidigen. Im April 1945 beziehen Reichsstatthalter von Württemberg, Wilhelm Murr, und andere hohe Funktionäre von NSDAP, SS und Gestapo auf der Flucht vor der heranrückenden Front in und um Wangen Quartier. Am 28. April flüchten sie, der Wehrmacht-Kommandeur desertiert, Wangen wird kampflos den Franzosen übergeben.
Nach dem 2. Weltkrieg kommt die Stadt zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 in Baden-Württemberg aufgeht.









Wittlich - 49°59'N 006°53'E




Wittlich an der Lieser mit knapp 19.500 Winwohnern, Kreisstadt des rheinland-pfälzischen Landkreises Bernkastel-Wittlich und einer stattlichen villa rusica aus der Römerzeit, ist die Stadt mit dem ersten deutschen Jugendgefängnis (von 1912), wo 1974 der RAF-Terrorist Holger Meins an einem Hungerstreik stirbt.

Der Filmemacher zeigt 1968 auf einer Protestveranstaltung an der TU Berlin den dreiminütigen Dokumentarfilm 'Wie baue ich einen Molotow-Cocktail?', Kult bei RAF und Terroristen. 1972 verhaftet ihn die Polizei zusammen mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe nach einer Schießerei. Am 13. September 1974 beginnt Meins seinen 3. Hungerstreik, am 9. November wiegt er - bei einer Größe von 1,83 - noch 39 kg. Sein Verteidiger fordert die Zulassung eines Vertrauensarztes vom verantwortlichen Richter, der das ablehnt. Wenige Stunden später stirbt Meins.



Zur Beerdigung kommen über 5.000 Menschen. Otto Schily: „Hinrichtung auf Raten“. RAF-Mitglied Birgit Hogefeld: „Das Bild des toten Holger Meins werden die meisten, die es kennen, ihr Leben lang nicht vergessen, sicher auch deshalb, weil dieser ausgemergelte Mensch so viel Ähnlichkeit mit KZ-Häftlingen, mit den Toten von Auschwitz hat.“ 1975 verüben RAF-Terroristen Morde und Geiselnahmen in Stockholm, sie nennen sich „Kommando Holger Meins“.



Aufgrund von Missernten (1846/47), zwingendem Militärdienst, schlechten Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten, Mangel an Arbeit, hohen Steuern und Benachteiligung vieler Moselwinzer nimmt seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Auswanderung zu. Ziele: Amerika, Russland, Rumänien oder Algerien. Nur der Mittelstand kann sich das leisten, da Auswanderung mit hohen Kosten und Absicherung verbunden ist. 1840–1871 wandern 2.133 Wittlicher nach Übersee aus.
Dann nimmt die Industrialisierung rapid zu.
Anfang der 1930er Jahre bestehen relativ starke rechts-nationale Gruppierungen - an der Spitze die NSDAP-Ortsgruppe. 1933 beginnt der Boykott jüdischer Geschäfte und Praxen. Um der Öffentlichkeit ihre Loyalität zu beweisen, lässt die Wittlicher Synagogengemeinde wenige Tage nach dem Boykott im „Wittlicher Tageblatt” eine Erklärung veröffentlichen:

Wittlich, 5.April. “Die Synagogengemeinde Wittlich beklagt aufs tiefste, daß in ausländischen Zeitungen gegen das deutsche Volk und seine Regierung eine Greuelpropaganda entfesselt wurde. Wir weisen die Lügenpropaganda auf das energischste zurück. Wir sind davon durchdrungen, daß die deutschen Juden in ihrer geschichtlichen und gefühlsmäßigen Verbundenheit mit dem deutschen Volke gewillt und entschlossen sind, an dem Aufbau und Aufstieg des Vaterlandes mit allen Kräften mitzuarbeiten."

Es kommt wiederholt zu antisemitischen Angriffen, zumeist Schmierereien an Hauswänden; die Nazis denunzieren „arische“ Käufer in jüdischen Geschäften öffentlich als „Judenknechte“. Immer mehr Unternehmen in jüdischem Besitz geben auf bzw. werden „arisiert“.
In der Pogromnacht 1938 verwüsten vermutlich aus Trier angereiste SS- und einheimische SA-Leute die Inneneinrichtung der Wittlicher Synagoge. 1939 muss die jüdische Kultusgemeinde alle gemeindeeigenen Gebäude und Grundstücke an die Wittlicher Kommune veräußern. Die letzten in Wittlich verbliebenen Juden pfercht die Verwaltung ghettoartig in zwei „Judenhäusern“ bis zu ihrer Deportation zusammen.









Witzenhausen - 51°20'N 009°51'E




Witzenhausen mit gut 15.000 Einwohnern, die Kleinstadt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis etwa 25 km östlich von Kassel ist bis 1974 Kreisstadt.
Bekannt ist die Stadt alsKirschenanbaugebiet, es gilt als das größte Europas. Jedes Jahr wählen die Witzenhausener bei der Kesperkirmes eine Kirschenkönigin. Im Stadtgebiet mündet die Gelster in die Werra. Werraabwärts fließt der Wilhelmshäuser Bach ebenfalls in die Werra.
1945 interniert die US-Armee (im Rahmen der Operation Overcast für die Raketenentwicklung in den USA) Wernher von Braun und weitere 120 Spezialisten der Heeresversuchsanstalt Peenemünde für knapp drei Monate in Witzenhausen, um sie anzuwerben.









Winsen (Luhe) - 51°20'N 009°51'E




Winsen (Luhe), Kreisstadt des Landkreises Harburg in Niedersachsen mit rund 36.500 Einwohnern in der Nordheide, liegt zwischen Lüneburger Heide und dem Winsener Abschnitt der Elbmarschen an der Luhe zwischen Lüneburg (20 km) und Hamburg (30 km).
Herzog Ernst ‚der Bekenner‘ von Braunschweig-Lüneburg führt auf Druck der Stadtbevölkerung 1526 die Reformation ein. Die Mönche müssen ihr Kloster 1528 verlassen und nach Lüneburg Kloster gehen, von man sie auch wieder vertreibt.



1792 wird der berühmteste Sohn der Stadt, Johann Peter Eckermann, geboren. Nach Kinder- und Jugendjahren in seiner Heimatstadt gelangt er 1823 nach Weimar als Mitarbeiter und Vertrauter Goethes, dessen 9 letzten Lebensjahre er als „strahlender Schatten“ begleitet. Die „Gespräche mit Goethe“ sichern ihm einen festen Platz in der Literaturgeschichte. Im Wiener Kongress 1814 kommt Winsen zum Königreich Hannover.
1933 postiert sich der Kreisbildwart der NSDAP vor dem einzigen jüdischen Geschäft und fotografiert die Kundschaft. Im Zuge der Namensänderungsverordnung müssen die Winsener Juden ab 1939 die zusätzlichen Vornamen Sara beziehungsweise Israel annehmen. Die Nazis deporieren die letzten 8 jüdischen Einwohner Winsens, darunter Bernhard Stern. Seine Frau Elsa Stern, von den Nazis als „Halbjüdin“ eingestuft, begleitet ihren Mann in Lager und Tod. Am Ende des 2.Weltkriegs nehmen die Briten die Stadt ein.
2016 wird die 1889 erbaute MTV-Turnhalle zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Ein Bewohner gesteht, sie angezündet zu haben. Unter den Einwohnern löst die Zerstörung ihrer Turnhalle Entsetzen und Trauer aus.
Unvergesslich: Als der Betreiber der Website seinen Militärdienst ableistet, müssen wir in der "Lage Rot" die Angreifer aus dem Osten stoppen und in Winsen an der Luhe auflaufen lassen und mit einer 20 kt-Atombombe vernichten (1966!); was mit den Einwohnern geschehen sollte, sagen die Offiziere uns nicht.









Weilheim i. OB. - 47°50'N 011°08'E




Weilheim in Oberbayern mit knapp 23.000 Einwohnern ist Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Weilheim-Schongau im Pfaffenwinkel im Oberland. Es liegt eingebettet im Alpenvorland zwischen München im Norden und Garmisch-Partenkirchen im Süden. Durch die Stadt fließt die Ammer, ein linker Nebenlauf der Isar.
Unter Drusus gelangt das Gebiet in römische Hand. 200 n. Chr. bauen die Römer die „Via Raetia“ über den Brennerpass nach Augsburg. Die Römerstraße verläuft über Weilheimer Gebiet. Um 476 ziehen sich die Römer zurück und die Bajuwaren kommen in die Gegend.
Ab ausgehendem 16. Jahrhunderts blüht das Kunsthandwerk in Weilheim, allen voran bis ins 18. Jahrhundert die Weilheimer Bildhauerschule. Ab 1611 existiert ein Trifthof an der Ammer für die Holztrift, wo man Baumstämme zu Flößen verbindet, um sie auf dem Wasserweg in die Amper zu bringen.
In Lichtenau, 3,5 km südwestlich der Erdfunkstelle Raisting, liegt die Satelliten-Bodenstation Weilheim des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.









Wolmirstedt - 52°15'N 011°38'E


Wolmirstedt im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt mit knapp 12.000 Einwohnern an der Ohre, 14 km nördlich von Magdeburg wird im Süden vom Mittellandkanal durchquert, im Osten reicht es bis an die Elbe.



1945 besetzen US-Truppen die Stadt und übertragen sie der Sowjetischen Besatzungszone. Bis 1994 ist Wolmirstedt Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. 2007 schließt sich der Ohrekreis mit dem Bördekreis zum Landkreis Börde zusammen.









St. Wendel - 49°28'N 007°10'E


Eines Tages klopft ein junger Mann namens Wendelin in Trier an die Tür eines reichen Mannes und bettelt um ein Stück Brot. Der Reiche: "Ein junger und kräftiger Bursche soll sich sein Brot nicht erbetteln, sondern dafür arbeiten." Er schickt Wendelin fort, seine Schweine zu hüten. Demütig nimmt dieser den niederen Dienst an. Zu den Schweinen kommt bald auch das andere Herdenvieh: Schafe, Kühe und Rinder ...
Man kann das so interpretieren: Aus einem religiös geprägten Land stammend, wo es normal ist, einen Pilger gastfreundlich aufzunehmen, sieht sich Wendelin mit einer Haltung konfrontiert, die nicht gerade von Hilfsbereitschaft oder Rücksichtnahme zeugt. Er stößt auf eines der Kernprobleme der Epoche: Der Zusammenbruch des Römischen Reiches und der bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden Zivilisation sowie die Eroberung durch die Franken, die noch keine eigene Zivilisation haben, lassen eine Atmosphäre der Rücksichtslosigkeit und Gewalt entstehen. Mord und Totschlag auch im engsten Familienkreis sind an der Tagesordnung, Kampf um Macht und Reichtum scheint die einzige Maxime des Handelns zu sein...
So ähnlich fängt das Märchen vom Heiligen Wendelin an, nach dem St. Wendel heißt, weil er dort angeblich begraben ist.
Es ist Kreisstadt des gleichnamigen saarländischen Landkreises mit etwa 26.000 Einwohnern, 36 km nordöstlich von Saarbrücken. St. Wendel an der Blies gehört jahrhundertelang zu Verdun, weil dessen Bischof es Mitte des 7. Jahrhunderts kauft. Vermutlich lebt um dieselbe Zeit Wendelin hier, auf dessen Verehrung sich nach seinem Tode ausgedehnte Wallfahrten entwickeln. Ab 1798 gehört der Kanton St. Wendel zum Arrondissement Saarbrücken. 1816 erhält Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Verdienste in den Befreiungskriegen gegen Napoleon die Kantone St. Wendel, Grumbach und Baumholder zugewiesen. Preußische Truppen aus Saarlouis schlagen die Mini-Revolten der Bevölkerung nieder, 1834 verkauft der Herzog das Land an Preußen.



Die ab 1898 in St. Wendel errichtete Niederlassung der Societas Verbi Divini (SVD) bildet über 500 Ordensbrüder und -priester aus. Die Nazis enteignen das Missionshaus, 1941 bis 1945 ist es Napola (Elite-Internatsoberschule für den nationalsozialistischen Führungsnachwuchs). Weil St. Wendel gemäß Versailler Vertrag im Saargebiet und damit unter Völkerbundverwaltung bleibt, sind - anders als im Reichsgebiet - Oppositionelle wie jüdische Mitbürger vor der Naziverfolgung vorerst verschont, was sich 1935 aufgrund des Anschlusses ans Deutsche Reich ändert. Aus Angst vor Verfolgung flüchten die meisten der 136 jüdischen Bürger ins Ausland. In der Reichskristallnacht 1938 zerstören die Nazis die 1902 neu errichtete Synagoge und später ermorden sie etwa 50 jüdische Bürger St. Wendels.









Worms - 49°38'N 008°22'E




Worms im südöstlichen Rheinland-Pfalz am linken Rheinufer, deutscher Vertreter im Most Ancient European Towns Network (Arbeitskreis der ältesten Städte Europas), wetteifert mit Augsburg, Trier und Kempten um den Titel der ältesten Stadt Deutschlands. Bekannt als Nibelungen- und Lutherstadt und für seinen Dom, neben dem Mainzer und dem Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome, ist Worms (jiddisch Wermajze) ein Zentrum aschkenasisch-jüdischer Kultur in Deutschland.
Die Stadt hat etwa 84.000 Einwohner und liegt in der Oberrheinischen Tiefebene. Mainz ist 40 km, Ludwigshafen 20 km entfernt. Im nördlichen Stadtgebiet mündet die Pfrimm, in den südlichen Stadtteilen der Eis- und Eckbach in den Rhein. Jenseits des Rheins und der Ebene schließt sich der Odenwald an.
Seit augusteischer Zeit (ab 31 v. Chr.) gehört Worms und sein Umland zum römischen Herrschaftsgebiet. Bis etwa 85 n. Chr. existiert hier ein Militärstützpunkt. Die Zivilsiedlung namens Borbetomagus wird Hauptort der Civitas Vangionum.
829 und 926 finden Reichstage des Frankenreiches in Worms statt, als die Stadt eines der karolingischen Machtzentren ist. Nach dem Untergang der Salier 1125 verbinden sich die Staufer mit der Stadt. 1184 räumt Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt umfangreiche Freiheitsrechte ein, was als Begründung des Reichsstadtstatus gilt. Mit dem Reichstag 1521 zu Worms, wo Luther seine reformatorischen Schriften gegen Kaiser Karl V. verteidigt, wird Worms zu einem Zentrum und Experimentierfeld der Reformation. Von 1792 bis 1814 gehört Worms zur 1. Französischen Republik und zum 1. Kaiserreich, seit 1815 zum Großherzogtum Hessen als Teil der Provinz Rheinhessen.

1933 zählt die Stadt gut 1.000 Juden, die mehrheitlich nach dem Machtantritt der Nazis wegziehen oder emigrieren. Die jüdische Gemeinde hatte in Worms eine herausragende Stellung, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine der bedeutendsten im Heiligen Römischen Reich. Es entsteht eine berühmte Talmudschule, 1034 wird eine Synagoge eingeweiht, der noch erhaltene jüdische Friedhof, der älteste in Europa, besteht seit 1059. Trotz ihrer privilegierten Stellung ermordet 1096 das Kreuzfahrerheer des1. Kreuzzugs alle Juden, die sich nicht der Zwangstaufe unterziehen oder stattdessen Selbstmord begehen. Während des 2. Kreuzzuges können sich die wiederangesiedelten Juden rechtzeitig in Sicherheit bringen.
1615 vertreiben die Wormser die Juden erneut aus der Stadt. 1848 erlangen die 800 Juden in Worms bürgerliche Gleichstellung mit den Christen. Die Nazis zerstören 1938 die Synagoge während der Novemberpogrome, deportieren die in Worms verbliebenen rund 300 Juden in Konzentrationslager, was nur wenige von ihnen überleben.
2 alliierte Bombenangriffe zerstören 1945 die Stadt weitgehend. Die Innenstadt baut man größtenteils in modernem Stil wieder auf.









Wolfhagen - 51°20'N 009°10'E


2019 ermordet ein Rechtsterrorist den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke vor seinem Wohnhaus im Ortsteil Istha.



Er hat viel gesehen. Mehr als jeder andere in seiner hessischen Heimat. 1557 erscheint das erste Buch über Brasilien, ein Land, von dessen Existenz man in Europa erst seit 50 Jahren eine vage Ahnung hat.
Die wahrhaftige Historia und Beschreibung eines Landes der wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser
Noch immer tobt die Auseinandersetzung darüber, was von Hans Stadens Buch zu halten ist. Mitverantwortlich für sein Menschenfresserbuch zeichnet Johannes Eichmann, alias Dr. Dryander, Professor für Mathematik und führender Mediziner seiner Zeit. Dryander steht für wissenschaftliche Reputation, verfasst das Vorwort und begründet, warum die Geschichte „wahrhaftig“ sei. Weil es nämlich Dinge zwischen Himmel und Erde gebe, von denen der einfache Zeitgenosse keine Ahnung habe, der Wissenschaftler aber schon. Außerdem kenne er den Vater Hans Stadens und verbürge sich für den guten Ruf des Jungen.
Wie geriet der unter brasilianische Menschenfresser? Höchstwahrscheinlich kämpft Hans Staden als Landsknecht im schmalkaldischen Krieg - als „Büchsenschütze“ gesuchter Experte. Vor allem Deutsche haben einen europaweiten Ruf und verdienten gut, fast doppelt so viel wie einfache Seesoldaten. Staden geht 1547 nach Lissabon, ein Gastwirt vermittelt ihn auf ein portugiesisches Schiff mit Kurs Brasilien. Sie kapern maurische Schiffe, er sieht fliegende Fische an Deck klatschen, das Elmsfeuer leuchten und erreicht Brasilien. Vor Paraiba duellieren sie sich mit einem französischen Segler, der ihnen den Großmast zerschießt.1550 zurück in Lissabon bricht er zum Rio de la Plata auf, Ziel: das Gold Perus. Schiffbruch.
Staden wird Kommandant einer kleinen Artilleriestellung bei São Vicente.
Auf einem Jagdausflug geschieht es: „Als ich nun so durch den Wald ging, erhob sich auf beiden Seiten des Weges großes Geschrei, wie es bei den Wilden üblich ist.“ Männer umringen ihn, die Haare in der Mitte des Kopfes geschoren. Sie tragen Pflöcke in der Unterlippe und in den Wangen, um den Hals hängen weiße Muschelscheiben, die nackten Leiber bemalt, ein Arm rot und einer schwarz, und mit Federn beklebt. Sie schlagen und stechen ihn, werfen ihn zu Boden, reißen ihm die Kleider vom Leib. Nackt und blutend führen sie Hans Staden in ein Dorf. Ihr Plan: aufessen.



Warum sie es nicht tun? Obwohl Staden angeblich oft mitansieht, wie sie Gefangenen den Schädel einschlagen, dass „das Hirn heraussprang“, sie zerteilen und braten? Staden führt es auf seinen Gottesglauben zurück. Vielleicht waren sie aber auch nicht ganz so wilde Menschenfresser. Die Tupinamba sind mit den Franzosen verbündet, die versuchen, in Portugiesisch-Brasilien Fuß zu fassen. Staden gibt sich hartnäckig als Franzose oder wenigstens deren Freund aus. Und am Ende sind es tatsächlich Franzosen, die ihn für „Messer, Äxte, Spiegel, Kämme im Wert von fünf Dukaten“ freikaufen. Staden reist zurück nach Hessen, wo er 1576 in der nach ihm benannten Stadt an der Pest stirbt.
Im dortigen Regionalmuseum wird die europaweit größte Präsentation über Staden präsentiert.
Wolfhagen, Kleinstadt mit etwa 13.000 Einwohnern und historischem Fachwerkkern im nordhessischen Landkreis Kassel, trägt seit 2019 den Beinamen „Hans-Staden-Stadt“. Sie liegt in Nordhessen im äußersten Westen des Naturparks Habichtswald am Mühlenwasser, einem Zufluss zur Erpe, die Wolfhagen nordöstlich passiert; in das Mühlenwasser münden Duse- und Limeckebach.
Seit dem 7. Jahrhundert christianisieren iro-schottische Mönchen die Gegend. Wahrscheinlich weiht der heilige Bonifatius um 752 die Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg ein.
Zwischen November 1918 und Februar 1919 verwaltet ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauern-Rat die Stadt. Vor dem Krieg wird in der Gemarkung die Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalt Muna eingerichtet, deren Bestand an Munition noch Ende März 1945 4000 t beträgt, die die Wehrmacht beim Herannahen der Alliierten in mehreren Schüben sprengt. Während der Novemberpogrome 1938 brennen Nazis die Synagoge nieder, zerstören Kultgegenstände der Gemeinde und verwüsten den jüdischen Friedhof sowie das Schulhaus. Zahlreiche Juden können Wolfhagen noch verlassen, andere ermorden die Nazis. 1942 werden zehn Juden aus dem Kreis Wolfhagen mit dem Sonderzug D-57 in die Vernichtungslager Majdanek und Sobibor verschleppt.
Nach Kreigsende ghört Wolfhagen zu Hessen. der Landkreis Wolfhagen wird 1972 aufgelöst und dem Landkreis Kassel zugeordnet. WOH ist seit 2013 wieder zugelassen.









Wasserburg a. Inn - 48°04'N 012°14'E




Wasserburg am Inn mit etwa 13.000 Einwohnern im oberbayerischen Landkreis Rosenheim liegt 55 km östlich Münchens. Die Bonderheit seiner Lage: Die Altstadt liegt auf einer vom Inn fast vollständig umflossenen Halbinsel, erreichbar nur über eine schmale Landzunge.
Das Gesundheitswesen pägt die Stadt sehr. Das Inn-Salzach-Klinikum versorgt ganz Südostbayern mit seinen Leistungen im Bereich Psychiatrie und Neurologie. Zusammen mit der Triamed Kreisklinik und zahlreichen Gesundheitseinrichtungen sind weit über 1.500 Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. Die Anzahl der Fachärzte ist für ein Mittelzentrum weit überdurchschnittlich.
Der Landkreis Wasserburg am Inn mit dem Kennzeichen WS und dem Sitz des Landratsamtes Wasserburg existiert bis 1972. Er umfasste die historischen Gebiete der früheren Grafschaft Haag, seit 1838 als bayerisches Landgericht organisiert und mit den freisingischen Teilen des Landgerichtes Erding erweitert, und des Landgerichtes Wasserburg. 1939 wird aus dem Bezirksamt der Landkreis Wasserburg am Inn. Der Behördenleiter heißt Landrat. WS ist seit 2013 wieder erhältlich.









Waldshut-Tiengen - 47°38'N 008°15'E


"Waldshuet-Düenge" - so sprechen die Einheimischen den Namen der Doppelstadt im Südwesten Baden-Württembergs unmittelbar an der Schweizer Grenze aus - ist Kreisstadt des Landkreises Waldshut mit etwa 24.000 Einwohnern. Waldshut-Tiengen liegt am Hochrhein, den das Kraftwerk Albbruck-Dogern hier deutlich aufstaut. Seine nördlichen Ortsteile ragen in den südlichen Schwarzwald hinein. Waldshut liegt 2 km westlich der Einmündung der Aare in den Rhein, Tiengen nahe der Einmündung der Wutach in den Rhein und daneben sind noch Steina und Schlücht zu nennen, die im Stadtgebiet in die Wutach münden. Daher bezeichnete man Tiengen früher auch als „Viertälerstadt“.



1918 konstituiert sich in Waldshut ein bürgerlich geführter Arbeiter- und Soldatenrat. Der Einzug der Franzosen entmachtet 1945 das lokale NS-Regime. 1975 entsteht die Große Kreisstadt Waldshut-Tiengen.
In der Reichspogromnacht schänden die Nazis die Synagoge und kurz darauf den alten jüdische Friedhof. 1945 hissen die Tiengener die weißen Fahrnen zu spät, sodass überfliegende Flugzeuge vermutlich noch mit Widerstand rechnen. Ein Vater geht mit seinem Sohn den anrückenden Truppen nach Waldshut entgegen, um sich zu ergeben, man nimmt sie als als Geiseln. Aufgrund des Widerstandes üben die französischen Besatzer Vergeltung: alle Häuser müssen unverschlossen bleiben, die Franzosen requirieren und vergewaltigen. Die höheren Dienstgrade verlangen Zimmer.
Heute bieten die beiden Kernstädte ein breites Spektrum für Konsumenten. Es finden regelmäßig Markttage statt, beliebt sind auch große Flohmärkte. Die Innenstadt von Tiengen sowie die Kaiserstraße in Waldshut sind seit den 1980ern Fußgängerzonen, sie verfügen über ein im Verhältnis zur Stadtgröße außergewöhnliches Einzelhandelsangebot, wobei vor allem Cafés, Mode und Bijouterie überwiegen, was auf dem ausgeprägten Schweizer Einkaufstourismus beruht.









Wittmund - 53°34'N 007°47'E


Wittmund, Kreisstadt des gleichnamigen ostfriesischen Landkreises mit knapp 21.000 Einwohnern an der Harle im Nordwesten Niedersachsens liegt zwischen Aurich und Jever. Bis zur Küste sind es 15 km, nach Norden hin stößt der Stadtteil Carolinensiel direkt an die Nordseeküste.
Vom Schiffsanleger Harlesiel verkehrt die Fähre zur Nordseeinsel Wangerooge. Die Harle entspringt und mündet im Stadtgebiet.
Für einen passionierten Angler gibt es nichts Schöneres, als zu angeln. Gerade im Urlaub hat man Zeit, den Kopf wieder frei zu bekommen und in völliger Ruhe an der Harle zu sitzen, der Pose (der Schwimmer!) zuzuschauen und die Gedanken schweifen zu lassen.



Die Geest rund um Wittmund zählt zu den frühesten Siedlungsräumen Ostfrieslands. Funde von ältesten Feuerstein-Artefakten datieren aus der Altsteinzeit.
Eine Deichlinie im frühen Mittelalter verläuft von Bensersiel ins heutige Watt (um die untergegangenen Orte Westbense und Otzum) nach Südosten. Zwischen Neuharlingersiel und Altharlingersiel schneidet sie die heutige Küstenlinie. 1362 zerstört die Marcellusflut diese Linie, es entsteht die Harlebucht und Nebenbuchten, das Wasser stößt bis Wittmund vor. Es kommt zu Grenzstreitigkeiten zwischen Jever- und Ostfriesland im neugewonnen Land. Erst 1743 kommt ein Vertrag zustande. Die Grenzlinie heißt Goldene Linie, weil man sie auf den Karten mit Gold zeichnet.
1894/95 ist die Landgewinnung weitgehend abgeschlossen. Nur beim Bau des Harlesiels - 1956 - entsteht noch ein kleiner Polder. Durch die Eindeichungen von 1800 bis heute müssen die Sielhafenorte jeweils vorverlegt werden: Carolininensiel - Friedrichsschleuse - Harlesiel. Stadtteile, die nach und nach der Harlebucht abgerungen wurden, liegen auf einem betimmten Untergrund, wie etwa Carolinensiel und die unmittelbar südlich gelegenen Groden, die im Harlingerland so heißen, sonst Poldern.
1744 fällt Ostfriesland an Preußen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelt sich Wittmund für mehr als ein Jahrhundert zum Mittelpunkt des ostfriesischen Pferdehandels, Die Wittmunder verkaufen Pferde bis nach Süddeutschland, Belgien, Frankreich und Italien.



Der französische Revolutionskrieg bis 1795 und der Friede von Basel begünstigen die ostfriesische Schifffahrt, unter neutraler preußischer Flagge fahrend. Davon profitiert der Hafen- und Sielort Carolinensiel als Umschlagplatz, der einen enormen Aufschwung verzeichnet. Nach den Napoleonischen Kriegen fällt Wittmund mit dem gesamten Ostfriesland ans Königreich Hannover, 1866 wieder an Preußen. Einige Tage nach der Novemberrevolution - sie nimmt nur wenige Kilometer von Wittmund entfernt, auf der Schillig-Reede vor Wilhelmshaven, ihren Anfang - entsteht in Wittmund 1918 ein Soldatenrat.
Bei der Reichstagswahl im März 1933 erringt die NSDAP im Kreis Wittmund 71 %, zusammen mit der DNVP kommt sie auf 86 %! Juden sehen sich zunehmender Verfolgung ausgesetzt, was sie zur Emigration veranlasst. Die Jüdische Gemeinde löst sich nach den Pogromen schnell auf. 1940 erklärt der Kreisoberinspektor Wittmund für „judenfrei“.



Nach dem 2. Weltkrieg nimmt der Landkreis große Zahlen Heimatvertriebener und Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf. Wittmund wird wieder Garnisonstadt und setzt auf Tourismus.



Allgemeinbildung: Was ist noch langweiliger als angeln?
Antwort







Würzburg - 49°48'N 009°56'E


Schönster Pfarrhof Europas?



Überall Zeichen weltlicher Macht der katholischen Kirche, die hier Berge an Eigentum anhäuft, gegen Andersgläubige wütet und Antisemitismus sät.
Wie geschickt sie es anfängt, zeigt exemplarisch etwa die Zeit unter Barbarossa. Seine Kaiserpolitik ist Kirchenpolitik: die "Wiederherstellung der Hoheit des römischen Kaisertums zu seiner früheren herrlichen Kraft"· versteht er als Wiedergeltendmachen der von den Päpsten bestrittenen Ansprüche auf Vormacht und Vorherrschaft über die Reiche der Christenheit; die Neukräftigung der kaiserlichen Gewalt im Innern des Reiches soll die unangefochtene Alleinherrschaft des Kaisers über die Reichskirche und ihre Befreiung von der päpstlichen Bevormundung wiedererlangen. Muss er sich gegen das Papsttum erst in langem Kampfe durchsetzen, so steht ihm sehr bald die Reichskirche zu Diensten.

Bis heute beherrscht die Festung Marienberg hoch über der Stadt alle Blicke nach oben, wo der mächtige weltliche Herrscher, Fürstbischof Konrad II. von Thüngen, als Landesherr residiert. Der Rat der Stadt führt mit ihm politische Auseinandersetzungen, die 1525 während des Bauernkriegs eskalieren, als sich aufständische Bauern vor der Stadt sammeln und mit den Würzburger Bürgern gegen den Bischof verbünden. Natürlich hält die Festung Marienberg der Belagerung und den Angriffen stand. Der Bischof droht der Stadt mit Zerstörung, was die Bürger demoralisiert. Außerhalb der Stadt vernichten Landsknechte des Georg Truchsess von Waldburg-Zeil das Bauernheer, das ihr treuloser militärische Führer Götz von Berlichingen verlassen hat, und töten innerhalb zweier Stunden 8.000 Bauern. Als die Truppen des Bischofs zum Angriff auf die Stadt übergehen, endet der Aufstand der Bürger in totaler Niederlage und Unterwerfung.
Als guter Christ kerkert der Bischof die Anführer des Aufstands – unter ihnen alle Würzburger Ratsherren – in den Verliesen seiner Festung ein, foltert und bestraft sie grausam.

Auch den berühmten Künstler Tilman Riemenschneider nimmt er 2 Monate in Kerkerhaft, wo ihn der hencker hart gewogen und gemartert hat. Dafür, dass der Bischof dem Künstler die Hände brechen lässt, gibt es keine Beweise. Aber er muss immerhin die Hälfte seines Vermögens zahlen, um freizukommen. Danach erhält er nie mehr einen größeren Auftrag.
Würzburg, kreisfreie bayerische Stadt in Unterfranken, Sitz der Regierung von Unterfranken, Sitz des gleichnamigen Bistums und geistlicher Mittelpunkt Mainfrankens, wichtige Universität - mit rund 128.000 Einwohnern ist die Großstadt am Main 7.-größte Stadt Bayerns.
Schon im Mittelalter ist sie bedeutendes wirtschaftliches, geistliches und hoheitliches Zentrum. Bis zur Industriellen Revolution bleibt ihre überregionale Bedeutung hoch. Es entsteht ein eindrucksvolles Stadtbild, vergleichbar mit herausragenden mitteleuropäischen Altstädten wie Krakau.



Seit 1981 ist die Würzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz im UNESCO-Weltkulturerbe. Selbstredend residieren auch hier die Fürstbischöfe, christliche und weltlichen Herrscher immerhin bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803, der ihre Herrschaft beendet, die Residenz sowie Franken werden kurfürstlich bayrischer Besitz. 1806 bekommt Bayern Tirol und Ferdinand III. von Habsburg das Großherzogtum Würzburg zugesprochen. Napoleon bezeichnet die Residenz bei einem Besuch gleichermaßen spöttisch wie respektvoll als „schönsten Pfarrhof Europas“.
Mit der Julius-Maximilians-Universität, die in der Tradition der 1402 gegründeten Hohen Schule steht und damit die älteste Universität Bayerns ist, zählt Würzburg zu den klassischen deutschen Universitätsstädten. Etwa 40.000 Studenten und weitere Hochschulangehörige prägen das städtische Leben.



Auch bei der Hexenverfolgung spielen die christlichen Herrscher Würzburgs eine führende Rolle. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ist weit über Würzburg hinaus bekannt als Gegenreformator. Der Hexenverfolger lässt mehr als 260 Menschen wegen Hexerei oder Zauberei hinrichten.

1819 beginnen in Würzburg die Hep-Hep-Unruhen und breiten sich im ganzen Deutschen Bund aus.
1643 hat Bischof Johann Philipp von Schönborn alle Würzburger Juden vertrieben und Niederlassung verboten. Erst 1802 endet die fast 1.000 Jahre dauernde Herrschaft der katholischen Bischöfe über die Stadt. 1803 erlaubt der Rat der Familie des Bankiers Moses Hirsch als ersten Juden wieder die Ansiedelung. 1813 gewährt der bayerische König mit dem Judenedikt die rechtliche Gleichstellung der Juden.

Der Deutsche will euch ferner nicht,
Ihr habt euch schlecht betragen,
Ihr leistet keine Bürgerpflicht,
helft keine Last uns tragen,
Ihr zeiget weder Ehr noch Muth,
kauft gerne das gestohlne Gut
drum ruft des Volkes Stimme laut:
Fort mit dem Juden – ausgehaut!

Viele alteingesessene christliche Würzburger betrachten, wie die Strophe zeigt, diese Entwicklungen mit tiefem Misstrauen und stellen einen Zusammenhang zwischen dem Niedergang der mittelalterlichen Kirchenherrschaft und dem Aufstieg der Juden her. Sie sprechen den neuen Mitbürgern ab, sich für soziale Belange der Bürgerschaft einzusetzen. Ihre Vermögen gelten traditionell als durch Wucher und Betrug, nicht durch eigene harte Arbeit erworben. Hirsch, der seine Geschäfte im Auftrag der bayerischen Staatskrone zu deren Finanzierung tätigt, ist eine besondere Reizfigur: Er kauft 1803 den Ebracher Hof, bis dahin Wohnsitz der Äbte des Klosters Ebrach. Sein ältester Sohn Jakob Hirsch, der dort eine Privatbank gründet, kauft im selben Jahr bei Auktionen Juwelen, die aus ehemaligen Kirchengeräten stammen. Dies gilt frommen Katholiken als Frevel. Ein antijüdisches Pamphlet von 1813 behauptet, Juden hätten sich bei den Versteigerungen als Bischöfe verkleidet, um Christen zu verhöhnen.

Man sieht die Juden als Profiteure der damaligen Säkularisation von Kirchengütern, die mit dem Verkauf an sie als entweiht gelten. Man fürchtet – entgegen den Fakten, da nachweislich viele gemeinnützige, nicht konfessionelle Stiftungen von Juden initiiert sind –, sie würden ihr Geld dem Handelskreislauf entziehen und nur bedürftige Mitjuden unterstützen. Sie gelten als Nutznießer und Drahtzieher der Herrschaft Napoleons. 1816 und 1817 verstärkt die allgemeine Hunger- und Wirtschaftskrise und Notlage vieler Deutscher die Neigung zu verschwörungstheoretischen Erklärungen.
Zeugenbericht 1819:
„Plötzlich wurde ein alter Professor Brendel bemerkt, der kurz vorher zugunsten der Juden geschrieben hatte. Es hieß, er habe dafür von ihnen eine Dose voll Dukaten bekommen. Bei seinem Anblicke erscholl aus dem Munde der Studenten der unsinnige Ruf, Hep-Hep!‘, mit dem pöbelhaften Zusatz, Jud‘ verreck! Brendel wurde verfolgt und mußte sich retten.
Den Tumult benutzten brotneidische Kaufleute, welche erbittert darüber waren, daß jüdische Konkurrenten den Kaffee um einige Kreuzer billiger verkauften, und einige andere, welche etwas gegen einen geadelten jüdischen Kapitalisten Hirsch hatten. Eine leidenschaftliche Wut bemächtigte sich der Bevölkerung. Sie erbrach die Kaufläden der Juden und warf die Waren auf die Straße. Und als die Angegriffenen sich zur Wehr setzten und mit Steinen warfen, steigerte sich die Erbitterung bis zur Raserei. Es entstand eine förmliche Judenschlacht wie im Mittelalter, es kamen Verwundungen vor, mehrere Personen wurden getötet.
Etwa vierzig Bürger hatten sich an diesem Judensturm beteiligt. Militär mußte zur Dämpfung der Erbitterung herbeigeholt werden, sonst wären die Juden niedergemetzelt worden. Tags darauf stellte die Bürgerschaft die Forderung an die städtische Behörde, daß die Juden Würzburg verlassen sollten. Und sie mußte sich fügen. Mit Trauer verließen etwa vierhundert Juden jeden Alters die Stadt und lagerten mehrere Tage in den Dörfern unter Zelten, einer trüben Zukunft entgegensehend.“
Zeitgenössische Regierungsakten, Zeitungsberichte und die Würzburger Chronik ergänzen und korrigieren diese Darstellung in einigen Details. Hunderte von Menschen ziehen randalierend durch die Würzburger Innenstadt. Die Angriffe richten sich vor allem gegen jüdische Geschäftsinhaber. Man verprügelt sie, zerstört ihre Läden, Warenlager und Wohnhäuser. Man wirft Fensterscheiben eingeworfen, plündert Auslagen, demoliert Fassaden, reißt Firmenschilder ab. Entgegen einer verbreiteten Meinung beteiligen sich an diesen Ausschreitungen keine Studenten.
Am Folgetag greift man auch Ordnungskräfte an. Ein Stadtpolizist, der das Wohnhaus des Bankiers Hirsch schützen soll, erschießt den judenfeindlichen Würzburger Kaufmann Josef Konrad. Daraufhin eskalieren die Unruhen zu bürgerkriegsartigen Zuständen. Die Bürgerschaft verlangt die sofortige Ausweisung aller Juden. Ein Schuhmacher erschießt einen Wachsoldaten. 1821 bringt man Ritualmordgerüchte gegen Juden in Umlauf und 1826 hängt man eine als Jude ausstaffierte Puppe auf.
Anonymes Schreiben:
„Der Jude als nächster Verwandter der bayerischen Finanzkammer darf im ganzen Königreich ungehindert seinen strafbaren Wucher mit dem armen gedrückten Bürger treiben, während der Bürger bei einer konstitutionellen Regierung in Friedenszeiten Kriegssteuer zahlen muß… warum dies alles? Antwort: Weil Schurken und Juden verschwistert den Zügel der Regierung führen… Mit Feuer, Dolch und Schwert sind wir fest entschlossen, uns von dem jüdischen Ungeziefer zu reinigen und es würde mir sehr leid tun, wenn Euer Wohlgeboren diesem meinem Warnungsbrief nicht Genüge leisten werden, indem die Ihrige Behausung ohne Rettung in einen Aschehaufen verwandelt werden wird.“
Tendenziöse Presseberichte machen die Würzburger Unruhen in ganz Deutschland bekannt und wirken wie ein Aufruf zur Nachahmung. Es folgen Tumulte und Angriffe auf die Juden in Bamberg, Bayreuth, Regensburg, Pottenstein, Hollfeld, Ebermannstadt und vielen weiteren oberfränkischen Ortschaften. Polizei greift erst spät ein und schützt die Betroffenen nicht ausreichend. Die Welle der antijüdischen Empörung greift auf Hessen, die Oberpfalz, Baden und das Rheinland über. In Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg und ihrer Umgebung sind die Ausschreitungen besonders heftig. Auch im überwiegend protestantischen Preußen folgen. Verkündung der Karlsbader Beschlüsse 1819 - innerhalb eines Monats danach sind die Hep-Hep-Unruhen beendet.

1895 entdeckt Wilhelm Röntgen im Physikalischen Institut der Universität Würzburg die Röntgenstrahlung und erhält dafür 1901 den ersten Nobelpreis für Physik. 1918 bildet sich ein Arbeiter- und Soldatenrat. 1919 besteht für 3 Tage die Würzburger Räterepublik, Herrschaft des Rätekommunismus.
1941 deportieren die Nazis erstmals jüdische Bürger. Würzburg spielt eine wichtige Rolle bei der Aktion T4, bei der SS-Ärzte und -Pflegekräfte mehr als 100.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen systematisch ermorden. Zentrale Figur ist Werner Heyde, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Würzburg.
Am 16. März 1945 zerstören die Alliierten mit einem Bombenangriff die Stadt zu 80 %. 1963 verkündet Oberbürgermeister Zimmerer den Wiederaufbau für abgeschlossen.
Die frommen Würzburger rekonstruieren Kirchen der Altstadt, jedoch nur wenige Bürgerhaus-Ensembles und Traditionsinseln.









Westerwaldkreis - 50°33'N 007°52'E


Im Westerwaldkreis mit gut 200.000 Einwohnern bringt der Betreiber der Website so manche harte Stunde während seines Wehrdienstes, stationiert in Koblenz, nicht nur singend zu. Der Kreis im nördlichen Rheinland-Pfalz erstreckt sich über den Westerwald nordöstlich von Koblenz und ist dünn besiedelt. Größere Flüsse sind Nister, Wied und Sayn, die schon wenige Kilometer nach der Quelle das Kreisgebiet verlassen.



Sitz der Kreisverwaltung ist Montabaur. Der Landkreis entsteht 1974 aus den Landkreisen Unter- und Oberwesterwaldkreis. 1866 annektiert Preußen das Gebiet und gleidert es in die drei Landkreise Unterwesterwaldkreis (Sitz in Montabaur), Oberwesterwaldkreis (Sitz in Bad Marienberg) und Westerburg in der Provinz Hessen-Nassau.
Eine Wiedereinführung des Alt-Kennzeichen MT (Montabaur) und WEB (Westerburg) lehnt Landrat Schwickert vehement ab, er sieht das WW-Kennzeichen als starkes Zeichen der Identifikation mit der ganzen Region:
"Eine Wiedereinführung würde die alten Gräben zwischen dem ehemaligen Oberwesterwaldkreis (WEB) und dem früheren Unterwesterwaldkreis (MT) wieder aufreißen“.









Weißenburg i. Bay. - 49°02'N 010° 58'E


Weißenburg in Bayern mit über 18.000 Einwohnern im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist Sitz des Landratsamtes. Die Altstadt zählt zu den beeindruckendsten Stadtkernen und Denkmalensembles der Region. Ausgehend von einer römischen Siedlung um das Kastell Biriciana – der Limes liegt nur wenige Kilometer entfernt – entsteht die Stadt um einen karolingischen Königshof, erhält im frühen 14. Jahrhundert den Status einer Freien Reichsstadt, den sie bis 1802 behauptet. Die weitgehend erhaltene Stadtmauer, das gotische Rathaus, die Stadtkirche St. Andreas und das Ellinger Tor prägen das historische Stadtbild.
Weißenburg liegt in Altmühlfranken südöstlich von Ansbach, durch die Stadt fließt die Schwäbische Rezat, im Süden verläuft die Fossa Carolina. 4 Kilometer südlich von Weißenburg fließt die Altmühl vorbei. Die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Weißenburg und Treuchtlingen lenkt sie nach Süden um. Die Stadt liegt im Naturpark Altmühltal und in der Weißenburger Bucht und ist Namensgeberin der Weißenburger Alb. Im Osten liegt der Albtrauf mit mit der Wülzburg.



Um die Mitte des 2. Jahrhunderts ersetzen die Römer das Holz-Erde-Kastell durch ein gemauertes Steinkastell 3,1 ha groß. Um 253 zerstören Alemannen Kastell und Vicus. Das Kastell belegte durchgängig die Ala I Hispanorum Auriana (1. Spanische Kavallerie-Einheit Auriana). Die in Weißenburg bezeugte Cohors IX Batavorum equitata milliaria exploratorum (9. Batavische teilberittene Aufklärungskohorte, 1.000 Mann stark) war im zweiten im Osten gelegene Holzkastell stationiert.



1983 erscheint der Jugendroman "Feuer am Limes", der in Biriciana zur Zeit des römischen Kaisers Decius spielt und handelt vom versteckten Römerschatz.
Weißenburg verdankt seine Berühmtheit der kriminellen Energie eines römischen Meisterdiebs. Durch Weißenburg beziehungsweise Biriciana verläuft gegen Ende des Römischen Reiches die Front im Kampf mit den Germanen. Im Kastell liegt nur eine Notbesatzung. Unsichere Zeit für Zivilisten, große Zeit für Diebe.
Porf. Seidel: "Was wir hier haben, ist ein Plündererschatz. Da hat einer vorher schon abgegriffen". Ein römischerDieb ohne Skrupel, weswegen der Schatz bis heute der spektakulärste römische Fund in Deutschland ist.
1979 erweitert ein Lehrer aus Weißenburg sein Spargelbeet. Er stößt er auf Metallgefäße und Teile eines eisernen Klappstuhls, die er zunächst für Gerümpel hält. Als er beim weiteren Abtiefen andere Bronzegefäße und Statuetten findet, wird ihm schnell klar, was da fast 2.000 Jahre versteckt lag. 1980 einigen sich Finder und Staat auf den Kaufpreis einigen. Gleichzeitig gründet man das Römermuseum Weißenburg, wo die 114 Einzelstücke ausgestellt sind: Silberne Votivbleche, Bronzestatuetten und -gefäße, Paraderüstungsteile und Eisengerät. Der Bestand legt nahe, dass es sich größtenteils um das Inventar eines Tempels handelt, was die Geschlossenheit des Fundes und die Götterstatuetten und Votivbleche nahelegen. Offenbar versteckte der Dieb man im Angesicht einer unmittelbaren Gefahr die kostbaren Gegenstände vor anrückenden Feinden.





Fast ebenso spektakulär sind die Römischen Thermen, die bemerkenswerteste Relikte des römischen Kastells und Vicus Biriciana an der Peripherie der Stadt. Sie zählen zu den wenigen, die auf germanischem Boden erhalten sind, 1977 entdeckt und 1983 zum Museum ausgebaut.
Der erste Bau entsteht um 90 n. Chr. zeitgleich mit dem Kastell als einfaches Reihenbad. Bei Erweiterung um 130 n. Chr. kommen Warmbad (Caldarium), zwei Laubäder (Tepidarien), ein rundes Schwitzbad (Sudatorium), ein Kaltbad (Frigidarium) und eine mit einer Portikus umgebene Basilika sowie Feldschmiede hinzu. Um 180 entsteht eine dritte Thermensanlage vom Ringtypus 65 * 42,5 m, deutlich größer und luxuriöser, um 230 im Zuge der Alamanneneinfälle beschädigt und aufgegeben.
Die Feuerungsstellen betrieben Sklaven tags und nachts mittels Holz und Holzkohle. Die Heißluft strömte in die zu erwärmenden Räumlichkeiten.
Das Caldarium an der Südseite, in dem eine Raumtemperatur von 32 °C herrschte, hatte 3 durch eine „Schildkröte“ (testudo alvei = schildkrötenförmiger bronzener Metallkessel über dem Heizkanal) beheizte Warmwasserbecken (ca. 20–30 °C) und einen durch Hypokausten erwärmten Fußboden. Mit nur 40 cm Wassertiefe war es nur für knietiefes Waten, nicht aber zum Schwimmen geeignet.
Die Tepidarien 1 und 2 waren durch Luftschächte mit den Heizungsräumen (praefurnia) verbunden. Auch dort schürten Sklaven in den kleinen Gruben vor den Luftschächten das Feuer und die heiße Luft floss ab in die beiden Laubäder. Schätzungsweise rodeten die Römer ca. 1 ha Wald pro Jahr für den Betrieb. Von der "neuen Sauna" mit Hypokaustenheizung aus der 3. Bauphase ist der Fußboden original erhalten. Die Basilika war ursprünglich ein freier Platz (palaestra), in der 2. Bauphase ein Säulengang (porticus) und in der 3. eine Turnhalle, wo die Badegäste zu gymnastischen Übungen zusammenkamen. Mittendurch führten zwei Abwasserkanäle, wo man allerlei Alltagsgegenstände fand (Haarnadeln, Parfümflakons, Keramik).
Die Feldschmiede diente zur Herstellung von Nägeln, Klammern, Haken und Beschlägen.



1806 kommt Weißenburg zum Königreich Bayern. 1972 werden die Landkreise Weißenburg und Gunzenhausen sowie die Stadt Weißenburg zum Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vereinigt.
1918 weilt Charles de Gaulle, der spätere französische Präsident, als Kriegsgefangener auf der Wülzburg.
1945 wirft ein Bomber vom Typ Boeing B-17 („Fliegende Festung“) der US-Army Air Forces, der den Anschluss an seine Staffel verloren hatte, seine für das benachbarte Ellingen bestimmte Bombenlast (1.800 kg Splitterbomben) auf den Süden Weißenburgs ab.
1946 bis 1947 werden während des Weißenburger Pogromprozesses 57 Personen verurteilt (wegen der Treuchtlinger Pogrome), darunter der damalige Weißenburger Bürgermeister Michael Gerstner.
Aus dem Sudetenland und Schlesien lassen sich etwa 6.000 Heimatvertriebene in Weißenburg nieder.









Wetzlar - 50°33'N 008°30'E


Die Stadt in Mittelhessen und ehemalige Reichsstadt mit etwa 53.000 Einwohnern, 1689 bis 1806 Sitz des Reichskammergerichtes, ist Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises und Hochschulstadt. Wetzlar liegt am Zusammenflusses von Dill und Lahn. Südlich der Lahn liegt der Taunus, nördlich der Lahn und westlich der Dill der Westerwald, Siegen 50 km, Marburg 40 km und Frankfurt/M. 60 km entfernt.
Eisenverarbeitung hat eine rund 2.500-jährige Tradition. Unmittelbar an der östlichen Stadtgrenze befand sich eine zivile römische Siedlung. Hohenstaufenkaiser Friedrich Barbarossa baut, um die Wetterau als Reichsland zu sichern, hoch über Wetzlar die Reichsburg Kalsmunt weiter aus.

1285 kommt der „falsche Kaiser“ Dietrich Holzschuh, genannt Tile Kolup, nach Wetzkar und gibt sich als Friedrich II. aus (der seit 1250 tot ist!). Er wird als Zauberer, Ketzer und Gotteslästerer zum Flammentod verurteilt und am nächsten Tag hingerichtet.
1772 ist Johann Wolfgang Goethe am Reichskammergericht als Praktikant. Seine glücklose Romanze mit Lottte während dieser Zeit ist Stoff für seinen Erstlingsroman „Die Leiden des jungen Werther“, mit dem er Wetzlar weltweit bekannt macht -


das "Lotte-Haus" in der Lotte-Straße erinnert noch heute daran.

1810 kommt Wetzlar zum Großherzogtum Frankfurt, nach dem Wiener Kongress zu Preußen.
Die Industrialisierung Wetzlars beginnt mit der Schiffbarmachung der Lahn durch Schleusen um 1850. Ab 1887 werden nach und nach Erzbergwerke in Wetzlar stillgelegt, nur kurz unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg. Das Optische Institut Carl Kellners ist Keimzelle für eine optische und feinmechanische Industrie mit Weltruf mit Unternehmen wie Leitz, (Leica), Hensoldt (heute Carl Zeiss) u.a.
Von 132 Juden, die 1933 in Wetzlar wohnen, deportiert die Hälfte die Gestapo in Vernichtungslager. Im 2. Weltkrieg ist die Stadt als Industrieschwerpunkt (Eisenwerke, optische Industrie) das Ziel schwerer Bombenangriffe.