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Köln - 50°56'N 006°57'E

2016 gerät die Stadt in die interntionalen Schlagzeilen:
In der Silvesternacht 2015/2016 begehen Gruppen junger Männer vornehmlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum im Bereich von Hauptbahnhof und Dom zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauen. In vielen Fällen verüben sie sowohl Sexual- als auch Eigentums- und Körperverletzungsdelikte, was ca. 1.200 Strafanzeigen zur Folge hat. 290 Verdächtige, von denen 37 verurteilt, 6 wegen sexueller Nötigung. Polizei und Bundespolizei wird vorgeworfen, die Lage nicht unter Kontrolle gehabt und in ersten Berichten beschönigend dargestellt zu haben.



Kölle (kölsch), mit rund 1,1 Mill. Einwohnern bevölkerungsreichste Kommune Nordrhein-Westfalens und viertgrößte Stadt Deutschlands, zählt vor allem wegen des bedeutenden Kölner Doms und weiterer mittelalterlicher Baudenkmäler, einer über 2000-jährigen Stadtgeschichte, bedeutsamer Veranstaltungen sowie ihres kulturellen und kulinarischen Erbes zu den wichtigsten Reisezielen in Europa. Die Stadt liegt am Rhein, die Region Köln/Bonn hat gut vier Mill., das rheinische Bevölkerungszentrum der Metropolregion Rhein-Ruhr etwa 10 Mill. Einwohner.
Gegründet in römischer Zeit unter dem Namen Oppidum Ubiorum und 50 n. Chr. als Colonia Claudia Ara Agrippinensium zur Stadt erhoben. Die günstige Lage am Rhein mit der Querung bedeutender West-Ost-Handelsstraßen und dem Sitz weltlicher sowie insbesondere kirchlicher Macht trägt im Heiligen Römischen Reich zur überregionalen Geltung Kölns bei. Heute ist die Stadt Sitz des Erzbistums Köln, der größten römisch-katholischen Diözese Deutschlands, bis 1803 Sitz des Kurfürstentums Köln.
Als Wirtschafts- und Kulturmetropole besitzt Köln internationale Bedeutung. Die Stadt zählt zu den wichtigsten Standorten der Chemie- und Automobilindustrie und beherbergt Firmensitze und Produktionsstätten von Automobilmarken wie Ford und Toyota sowie Chemiekonzerne wie Lanxess. Köln ist eine Karnevalshochburg und gilt als führendes Zentrum des weltweiten Kunsthandels.
An der Uni studieren 50.000 Studenten, an der TH 25.000 Studenten.
Bahnhof Eifeltor gehört zu den größten Containerumschlagbahnhöfen Europas, dazu kommen 4 Binnenhäfen und der Flughafen Köln/Bonn.
Die Kölner Bucht, in der Köln liegt, ist eine trichterförmige, durch den Rhein geprägte Flusstallandschaft zwischen den stufenartig ansteigenden Hängen des Bergischen Landes und der Eifel unmittelbar nach Austritt des Rheins aus dem Rheinischen Schiefergebirge. Diese geschützte, günstige Lage beschert der Stadt ein mildes Klima.
1880 betreibt nach 632 Jahren der König von Preußen und deutsche Kaiser den Abschluss des Baus des Kölner Doms – zumindest weitgehend, und heute häufen sich wegen der Schäden im 2. Weltkrieg und der Umwelteinflüsse die Reparaturen, die vermutlich nie abzuschließen sind. Der Dom bleibt „ewige Baustelle“ - Heine 1844: Er ward nicht vollendet – und das ist gut. Denn eben die Nichtvollendung macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft – und protestantischer Sendung.


Dä kölsche Boor en Iser

Der Kölnische Bauer in Eisen ist das Kölner Kriegswahrzeichen und eines der künstlerisch ambitioniertesten Nagelbilder. Kriegsnagelungen sind Aktionen in Österreich-Ungarn und im Deutschen Kaiserreich, bei denen während des 1. Weltkriegs gegen eine Spende ein Nagel in ein dafür aufgestelltes hölzernes Objekt eingeschlagen wird. Das ab 1915 massenhaft einsetzende Phänomen geht von der Nagelung der Skulptur eines Wehrmanns in Eisen in Wien aus. An den Nagelungen beteiligen sich im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen mit feierlichem Charakter breite Bevölkerungskreise. Parallel dazu finden in Schulen unter Beteiligung von Schülern Schulnagelungen statt. Die eingenommenen Gelder dienen der Unterstützung von Kriegsopfern, wie Hinterbliebenen und Verwundeten. Die propagandistische Wirkung ist bedeutend, da sie Patriotismus und Gemeinschaftsgefühl der Menschen ansprechen und so zur Stärkung der Heimatfront beitragen.
Köln stellt den Boor 1915 vor dem Gürzenich (Festhalle im Zentrum) auf, heute befindet er sich im Kölnischen Stadtmuseum. Bis 1919 betragen sie Spendeneinnahmen 1,5 Mill. M.



1917 wählen die Kölner Konrad Adenauer erstmals zum Kölner Oberbürgermeister.
Bei der Reichstagswahl von 1933 erzielt die NSDAP 30 %, die Nazis entlassen Adenauer 1933 aus seinem Amt. Ende Mai 1942 ist Köln erstes Ziel eines Angriffs mit über 1.000 Bombern, 1943 bombardieren nachts Maschinen der Royal Air Force und tags Bombern der USAAF die Stadt, die Flächenbombardements zerstören die Innenstadt zu über 90 Prozent und beschädigen den Dom schwer. Die Einwohnerzahl von Köln sinkt von 772.000 auf 104.000 (erst 1959 erreicht die Bevölkerungszahl wieder den Stand von 1939). Die Nazis ermorden im Zuge der Endphaseverbrechen Januar bis März 1945 1.800 in- und ausländische Widerstandskämpfer und etwa 8.000 jüdische Kölner.
Der Zensus 2011: 12 % Muslime. DITIB-Zentralmoschee mit 35 m hohe Kuppel, 2 55 m hohe Minarette, frei zugänglicher Innenhof, Platz für 1.200 Personen. Eröffnung 2018 in Anwesenheit von Recep Tayyip Erdogan.



2015 leben hier 198.819 Ausländer, 37 % mit Migrationshintergrund, von den unter 18-Jährigen haben 88.321 Personen oder 52 % Migrationshintergrund.







Karlstadt - 49°58'N 009°46'E




In Karscht am Mee wohnen etwa 15.000 Karschter Flaak. Die Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Main-Spessart (Kfz-Kennzeichn MSP) am Main liegt rund 30 km nördlich von Würzburg im mainfränkischen Weinbaugebiet. Die meisten Einwohner pendeln nach Würzburg oder in das ca. 18 km entfernte Lohr am Main.

Der Weinbau hat nur noch geringe wirtschaftliche, aber hohe kulturelle Bedeutung. Er ist er für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart weiterhin wichtig. Lagen sind der Roßtal und Im Stein.
Andreas Bodenstein ist hier 1485 geboren. Der römisch-katholische Theologe und Priester, Hochschullehrer sowie Reformator ist in seiner Person und seinem unsteten bzw. dynamischen Leben eine maßgebliche Verbindungsgestalt zwischen der Wittenberger Reformation (Martin Luther) und den sächsischen (Thomas Müntzer) und schweizerisch-oberdeutschen Vertretern der Radikalen Reformation (Kaspar Schwenckfeld) bzw. des Täufertums (Felix Manz, Konrad Grebel). Im Alter von nur 13 Jahren immatrikuliert er sich an der Universität Erfurt. 1505 an der Uni Wittenberg MA, 1510 Priesterweihe und Doktor der Theologie.
Auf dem Rückweg 1511 nach Karlstadt überfallen ihn Räuber und verletzen ihn schwer. Habilitation Wittenberg, nennt sich „Dr. Karlstadt“, Beginn der tiefen Freundschaft zu Georg Spalatin.
1512 promoviert er Martin Luther. 1515 Rom- bzw. Italienfahrt, in Siena zum Doktor beider Rechte (Doctor iuris utriusque) promoviert. 1515 und 1516 Schreiber an der Kurie in Rom, gerät mit seinem Landesherrn in Konflikt, weil er seinen Italienaufenthalt entgegen der Absprache deutlich ausdehnt. Tritt Rückreise erst an, als der amtierende Propst ihm Inhaftierung androht.
Zunächst Gegner der Hinwendung Luthers zur Theologie des Augustinus von Hippo, entwickelt Bodenstein sich später zum Anhänger dieses Reformators. Außerdem beeinflussen ihn Schriften Johanns von Staupitz und der Mystik Johannes Taulers. 1519 Leipziger Disputation: Luther, Melanchthon und Karlstadt gegen den papsttreuen Theologieprofessor Johannes Eck. Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg ist Karlstadt wichtigster Protagonisten der Wittenberger Bewegung.
Durch seine Heirat mit Anna von Mochau 1522 bezeugt er den Bruch des Zölibats, sie haben 7 Kinder. Als Luther Karlstadt kritisiert, zieht der sich auf ein Gut bei Wörlitz zurück und betreibt Landwirtschaft. 1523 Pfarrer von Orlamünde, wird beinahe von einem Bauernführer vor den Toren Rothenburgs erschlagen, weil er sich gegen den gewaltsamen Aufruhr ausspricht. Unstete Wanderschaft durch verschiedene oberdeutsche Städte, Ostfriesland und Straßburg. 1541 Pesttod.







Kronach - 54°29'N 009°3'E

Einmalige Besonderheit der seit 1633 jährlich in Kronach stattfindenden Schwedenprozession: Die Frauen schreiten wegen ihrer Tapferkeit bei der Verteidigung der Stadt den Männern voran.
"Gronich" (ostfränkisch), Kreisstadt mit etwa 17.000 Einwohnern des oberfränkischen Landkreises Kronach am Fuße des Frankenwaldes, wo Haßlach, Kronach und Rodach zusammenfließen.



Geburtsstadt Lucas Cranachs d. Ä., verfügt sie mit der Festung Rosenberg über eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen Deutschlands. Auf zwei Geschossen präsentiert das heutige Museum auf der Festung 4 Gemälde Lucas Cranachs d. Ä. und zahlreiche Werke Tilman Riemenschneiders und Adam Krafts und einen Einblick in die Kunst Frankens.
Das Stadtbild prägen die fast ganz erhaltene Altstadt mit Sandstein- und Fachwerkhäusern, Stadtmauern, Toren, Türmen und Gewölbekellern. Kronach liegt an der Burgenstraße, der Bier- und Burgenstraße und der Bayerischen Porzellanstraße.



Auf die Zeit der Belagerungen geht auch der Spitzname der Kronacher als „Kroniche Housnküh“ (Kronacher Hasenkühe) zurück. Da Angreifer die Stadt nicht direkt einnehmen können, versuchen sie die Bewohner auszuhungern, schneiden sie von Nahrungs- und Wasserversorgung aus dem Umland ab. Legende: Die Kronacher lassen das letzte lebende Tier, einen weiblichen Hasen, frei auf der Stadtmauer herumlaufen, um so einen großen Nahrungsvorrat in der Stadt vorzutäuschen. Die Schweden brechen die als sinnlos erachtete Belagerung ab.


„Kroniche Housnkuh“

Feline von der Festung ist heute das Maskottchen der Stadt.
1803 zwangweise Auflösung des Hochstifts Bamberg, Übertragung seiner Territorien an Bayern. 1806 startet Napoleon und sein Heer von hier aus seinen Feldzug gegen Preußen. Im 1. Weltkrieg ist Festung Rosenberg Offiziersgefangenenlager, wo 1917 zeitweise der französische Hauptmann Charles de Gaulle, späterer Staatspräsident Frankreichs, sitzt. Nach zwei erfolglosen Fluchtversuchen Verlegung ins Lager Ingolstadt und später auf die Wülzburg.
Die Nähe zur innerdeutschen Grenze und Eingliederung einer großen Zahl von Heimatvertriebenen prägen die Nachkriegszeit.
Kronachs Wirtschaft ist mittelständisch geprägt.









Kempten (Allgäu) - 47°44'N 010°19'E




Ereignis, das ältere Einwohner erinnern:
Im April 1945 besetzen US-Truppen die Stadt und befreien über 4.000 Zwangsarbeiter und politische Häftlinge. Nazi-Bürgermeister Brändle, maßgeblich an der Judenverfolgung in Kempten beteiligt, versucht in einer Mönchskutte(!) auf einem Fahrrad vor den Truppen zu fliehen, sie erwischen ihn. Noch im April 1945 schreibt Brändle in einer Allgäuer Tageszeitung mit der Überschrift „Wird Kempten verteidigt?“, er werde Kempten beim Ankommen der fremden Truppen nicht verlassen und bis zum Schluss weiter kämpfen. Die Amerikaner führen den Kemptenern ihren Oberbürgermeister noch einmal vor und fahren ihn auf einer LKW-Pritsche in seiner Mönchskutte mit einem Gebetbuch in der Hand durch die Stadt.
Bemerkenswert:
Die Todesanzeige 1953 der Stadt Kempten charakterisert Brändle als hilfsbereite und pflichtbewusste Person. Und am Tag der Beisetzung flaggt das Kemptener Rathaus halbmast. August Fischer, früherer NSDAP-Funktionär und dann parteiloser Oberbürgermeister, überbringt bei seiner Beisetzung den Dank der Stadt und ein Blumengebinde, vgl. Wikipedia
Deutschlandweite Schlagzeilen:
- Sitz der türkischen rechtsextremen Gruppierung „Graue Wölfe“, die Gastarbeiter gründen.
- Schüsse im Zug. 2014 kommt es im Zug Alex auf dem Weg nach Kempten bei Kaufbeuren zu einer Schießerei zwischen zwei Kriminellen und Beamten. Die Polizei riegelt das Bahnhofsareal ab und stoppt den Bahnverkehr. Der Ältere der Kriminellen schlägt und schließt mit der entwendeten Dienstwaffe auf den Bundespolizeibeamten ein, flüchtet dann ans andere Zugende, wo ihn ein LKA-Beamter stoppt. Der jüngere Täter, zur Fahndung wegen einer Haftstrafe ausgeschrieben, springt aus dem Zug: tot. Der ältere Täter springt ebenfalls aus dem Zug: schwer verletzt.
- Koksskandal. 2014 Verhaftung des Leiters der Drogenfahndung Armin N., nachdem seine Ehefrau die Polizei alarmiert hat. Er hat sie gewürgt, zu sexuellen Handlungen gezwungen und ihr mit Umbringen gedroht und flieht stark alkoholisiert mit Antidepressiva im Blut im Pkw. Polizeibeamte finden in seinem Spind etwa 1,85 Kilogramm Kokain im Marktwert von über 250.000 €, das er angeblich zu Übungszwecken dort aufbewahrt. Der seit 2000 als Leiter der Drogenfahndung tätige Beamte ist selbst kokainsüchtig und konsumiert das Rauschmittel regelmäßig, vor allem für BDSM-Aktivitäten mit seiner Frau. 2009 soll es Auffälligkeiten wegen Körperverletzung und Alkoholmissbrauch bei Armin N. gegeben haben. Später räumt er ein, das gelagerte Kokain sei für private Zwecke bestimmt gewesen. Das Landgericht Kempten verurteilt den 53-Jährigen zur Haftstrafe von 6 1/2 Jahren und ordnet Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Prozessbeobachter kritisieren, die Strafe sei im Vergleich zu ähnlichen Fällen zu niedrig, die Herkunft des Kokains ungeklärt. Der Verdacht auf Mafiakontakte sei nicht ausgeräumt, auch die Nachlässigkeit mit beschlagnahmten Drogen sei nicht abgestellt. Nach Festnahme des Fahnders begeht der leitende Oberstaatsanwalt, der angeblich Armin N. das Kokain zur Verfügung stellte, Suizid.
1998 nimmt die Polizei den Mafioso und Auftragskiller Giorgio Basile der Mafiaorganisation ’Ndrangheta am Hauptbahnhof fest. Davor versucht ein italienischer Clan eine Schreibkraft als Spionin in die Staatsanwaltschaft einzuschleusen, was man rechtzeitig entdeckt. 1992 schreibt "Der Spiegel" über die Mafia umfangreich, auch über die Herkunft der kriminellen Strukturen. Im Bericht „Die Mafia spricht Schwäbisch“ vom März 2014 berichtet die Süddeutsche Zeitung über mafiöse Strukturen der ’Ndrangheta, Camorra und Cosa Nostra in Schwaben. Mit dem Eintreffen zahlreicher italienischer Gastarbeiter aus dem Gebiet um Adrano in Sizilien sei in den 1950er und 1960er Jahren in Schwaben, insbesondere in Kempten, ein Zentrum dieser Organisationen in Süddeutschland entstanden. 1992 haben Kemptener Ermittler 130 mutmaßliche Mafiosi im Visier. In den 1980er und 1990er Jahren verhaftet die Kripo zahlreiche Mafiamitglieder. Nach einer Razzia verkündet der Präsident des bayerischen LKAs, dass die Region um Kempten nicht nur als Rückzugsgebiet für organisierte Kriminelle diene, denen es in Italien zu riskant geworden sei, mittlerweile sei die Region Drehscheibe für den mitteleuropäischen Drogenhandel. Alles zu spät? Die Mafia hat im Allgäu längst kriminelle, weitestgehend unentdeckte Strukturen aufgebaut. So soll es bei zahlreichen Gastronomen in Kempten zu regelmäßigen Schutzgelderpressungen kommen. 2016 findet man den ermordeten Bruder eines in Kempten ansässigen, italienischstämmigen Gastronomen. Die auf kriminelle Strukturen spezialisierte Journalistin Petra Reski erklärt im Fall des Drogenfahnders: „Wer 1,6 Kilo Kokain hat, muss ganz nah an der Quelle sein. Und diese Quelle ist die 'Ndrangheta.“ 2018 berichtet die Allgäuer Zeitung von der Freilassung von Armin N. „wegen einer erfolgreichen Drogentherapie und guter Führung“.
David G. kommt aus einer christlich geprägten Familie, mit 18 konvertiert er zum Islam, lernt Arabisch, sein Vorbild ist der deutsche Salafist Pierre Vogel. Zunehmend distanziert von der deutschen Kultur lehnt er Demokratie ab und wirbt für Scharia. Er radikalisiert sich, 2013 verwehrt ihm die Polizei die Ausreise in die Türkei. Im September gelingt ihm die Flucht über eine Grüne Grenze in Bulgarien. Im Dezember ist er bereits in einem Terrorcamp an der türkisch-syrischen Grenze, um sich für den „Heiligen Krieg“ vorzubereiten. Im Januar 2014 Meldungen über den Tod des Mannes, wahrscheinlich in der Nähe von Aleppo.
Der 1992 geborene Erhan A., mit 2 aus der Türkei eingewandert, leidet an Schuppenflechte und hat regelmäßig mit Mobbing seiner Mitschüler zu kämpfen. Trotz erfolgreichen Abiturs und Studiums an der Hochschule radikalisiert er sich, der Verfassungsschutz beobachtet ihn. Erhan A. propagiert seinen Glauben zunächst durch regelmäßiges Beten in Richtung Mekka auf öffentlichen Plätzen, die Polizei erteilt ihm während der Allgäuer Festwoche Platzverbot. Erhan sucht Kontakte zu gleichgesinnten Personen, verbreitet zielgerichtet islamistische Medienpropaganda. Er versucht mehrfach die Ausreise nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen, zu Pierre Vogel pflegt er intensiven Kontakt. Die Behörden entziehen Pass und erteilen Ausreiseverbot. Er schafft es bis in die Türkei, türkische Beamte nehmen ihn an der syrischen Grenze fest, bringen ihn zurück nach Deutschland. 2014 bezeichnet ihn die Presse als „bekanntesten Islamisten Deutschlands“, Erhan im Interview der Süddeutschen Zeitung: „Ich würde sogar meine eigene Familie töten, wenn sie sich gegen den Islamischen Staat stellt.“ Im Oktober 2014 schiebt ihn die bayerische Landesregierung im Eilverfahren in sein Geburtsland Türkei ab und teilt im August 2016 mit, Erhan A. sei tot.



Kempte (schwäbisch) mit über 70.000 Einwohnern im Allgäu im Regierungsbezirk Schwaben - eine der ältesten Städte Deutschlands, da sie schon die Antike in einem schriftlichen Dokument nennt. Die Kemptner sprechen eher schwäbischen als Allgäuer Dialekt. Kempten liegt am Grenzgebiet zu den österreichischen Bundesländern Tirol und Vorarlberg.
Jahrhundertelanges Nebeneinander zweier Stadtkerne prägen das Stadtbild: Einmal die sogenannte Stiftsstadt der Fürstabtei Kempten, zum anderen die Reichsstadt Kempten. In der Hochschule Kempten sind fast 6.000 Studierende eingeschrieben, eine der größten Fachhochschulen in Bayern. Kempten liegt an den Ufern der Iller, etwa 35 km nördlich von Oberstdorf, nach München sind es 110 km. Die Medien sprechen gelegentlich von Kempten als Hauptstadt des Allgäus, als Allgäu-Metropole oder Illerstadt.
Geograf Strabon bezeugt 18 n. Chr. die keltische Polis Kambodounon. Im 3. Jahrhundert wird Kempten durch Verlegung des Donau-Iller-Rhein-Limes zur römischen Grenzstadt. Es entsteht eine ummauerte spätrömische Kastellsiedlung, wo eine Abteilung der 3. Italischen Legion stationiert ist.
Reformation und Bauernkriege bringen das katholische Kloster vor den Toren der Reichsstadt mit eigener Siedlung, bestehend aus Bediensteten, Zünften und Bauern, in eine schwierige Situation. Nach Entwicklung zu einer protestantischen Reichsstadt ist die Situation zwischen Reichsstadt und Kloster sehr angespannt.
Im Bauernkrieg plündern Bauern das Kloster. Fürstabt Sebastian von Breitenstein ersucht auf der Flucht vor ihnen um Asyl in der Reichsstadt, das ihm der Bürgermeister gewährt. Er nutzt die Situation aus, um den Fürstabt zur Abtretung seiner verbliebenen Rechte über die Reichsstadt zu bewegen: Er lässt den Abt so lange nicht aus der Reichsstadt frei, bis dieser seine Rechte 1525 für 30.000 Gulden an die Bürger verkauft. Der Weg für den Wechsel zur Reformation ist geebnet. 1530 unterzeichnet Kempten die Confessio Augustana.
Die Bürger entfernen sich aber immer mehr von Martin Luther und nähern sich Zwingli an. Der Rat lässt die Bürger über die Bilderfrage abstimmen, es kommt zum Bildersturm in der St.-Mang-Kirche. Zwinglis Anhänger übermalen die Fresken und zerstören die Ausstattung.

Dem slowenischen Reformator und Anhänger Martin Luthers Primož Trubar, der 1553 als Prediger in die St.-Mang-Kirche kommt, gelingt es, die konfessionellen Spannungen zu mindern.
Im 30-jährigen Krieg gehören katholische Fürstabtei und evangelische Reichsstadt den einander feindlich gesinnten Konfessionsparteien an und unterstützen ihre jeweiligen Bündnispartner bei der Bekämpfung ihres Nachbarn. So zerstören 1632 die Schweden das Kloster auf Anstiftung der Reichsstadt. Zwei Pestzüge lassen die Bevölkerung von 6.000 vor dem Krieg auf 900 im Jahre 1635 zusammenbrechen.
1775 ist Kempten Schauplatz eines der letzten Hexenprozesse in Deutschland. 1802 marschieren bayerische Truppen ins Allgäu ein, vollziehen Mediatisierung der Reichsstadt und Säkularisation der Fürstabtei und schließen beide dem bayerischen Staatsgebiet an. Die Verwaltung vereinigt Reichs- und Stiftsstadt, die kulturellen und gesellschaftlichen Folgeprobleme sind aber noch im 20. Jahrhundert zu spüren.
Im Nationalsozialismus entwickelt sich in der Stadt mit zwei Kasernen eine große Garnison. Die Nazis errichten ein KZ-Außenlager des KZs Dachau für 1.000 bis 2.000 Häftlinge, die bei Messerschmitt in der Flugzeugherstellung Zwangsarbeit verrichten müssen. In einem weiteren Außenlager sind bis 1.000 Zwangsarbeiter und 500 KZ-Häftlinge untergebracht, die für Helmuth Sachse KG arbeiten müssen, wichtigster Zulieferer für BMW. Die Nazis verlagern die Produktion kriegswichtiger Teile nach Kempten, da Großstädte wie München durch Luftangriffe eher bedroht sind als das ländlichere Allgäu.
In Kempten sind so gut wie alle Baustile vertreten. Neben Romanik, Gotik, Renaissance und Barock finden sich auch Mischformen und moderne Architekturelemente. Stadtbildprägend sind vor allem die Türme der Kirchen. Ein neueres Gebäude ist der 13-stöckige Allgäu Tower mit seiner spiegelnden Glasfassade, zu den technischen Sehenswürdigkeiten gehört die König-Ludwig-Brücke, die einzige ihrer Art in Deutschland



Im Jahre 2016 erbringt Kempten ein Bruttoinlandsprodukt von 3,6 Milliarden €. Das BIP pro Kopf: 53.4 € (Bayern: 44.2 €/ Deutschland 38.2 €). Kempten gilt als „Wirtschaftslokomotive“ mit einem Marktbereich von 500.000 potenziellen Kunden, wozu Personen aus dem Allgäu und Baden-Württemberg sowie den Gebieten Vorarlberg und Tirol gehören.
Der international operierende Logistikdienstleister Dachser hat seinen Geschäftssitz in Kempten.









Kelheim - 48°55'N 011°52'E


2011 Sensation: Fund des Sciurumimus albersdoerferi (Eichhörnchen-Nachahmer)
- heute Herzstück des paläontologischen Museums in Solnhofen. Das Raubsaurierbaby stammt aus dem Schamhauptener Subarchipel, dem auch Painten, der Markt 10 km nördlich von Kelheim, angehört. Die Tatsache, dass der Paintner Dino in einer Lagunenlandschaft lebte, erklärt seinen weltweit besterhaltenen Zustand: 151 Millionen Jahre alt!
Dieses einzige bekannte Exemplar von Sciurumimus ist ein juveniles Individuum von rund 72 cm Länge und einem etwa 8 cm langen Schädel. Es handelt sich um ein frisch geschlüpftes Jungtier; adulte Tiere erreichen weit größere Maße. Allosaurus-Jungtiere etwa sind in einem vergleichbaren Entwicklungsstadium mit 42 cm deutlich kürzer und erreichen ausgewachsen eine Länge von über 7 m. Alttiere von Sciurumimus dürften durchaus eine Körperlänge von 5 m und mehr besessen haben, sofern es bei dieser Gattung keine Inselverzwergung gab.
Gut zu erkennen ist die für Theropoden ungewöhnliche Dentition (Bezahnung). Der Kopf ist, verglichen mit dem Rest des Körpers, relativ groß und weist sehr weite Nasenöffnungen auf. Die vordersten vier Zähne des Oberkiefers sind ungekerbt, die restlichen 33–35 oberen Zähne sind rückseitig deutlich gezackt und weisen stark nach hinten. Damit unterscheiden sie sich deutlich von der üblichen Bezahnung der Tetanurae. Eine mögliche Erklärung ist, dass es in einem bestimmten Entwicklungsstadium zu einem Zahnwechsel und Austausch mit beidseitig gezackten Zähnen kam. Wahrscheinlich ernährten sich Jungtiere von anderer Nahrung als die Erwachsenen. Der große Kopf mit den vergleichsweise großen Augen weist ein Kindchenschema auf.



Die Befreiungshalle überragt von ihrem Bergsporn aus die niederbayerische Kreisstadt Kelheim an Donau, Altmühl bzw. Main-Donau-Kanal mit etwa 17.000 Einwohnern: Rundblick.
Die Stadt liegt am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Mündung der Altmühl in die Donau, kurz hinter der Stelle, wo die Donau die Fränkische Alb durchquert.



Im 30-jährigen Krieg besetzt das schwedische Heer von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar 1633 Kelheim als wichtige Durchgangsstation beim Versuch der Schweden, Regensburg zu erobern. Das Heer teilt sich, um Regensburg auf beiden Ufern der Donau von Süden und von Norden her zu anzugreifen. Das Übersetzen von Truppen, Kanonen und Nachschub aufs andere Donauufer ist mit der vorhandenen Fähre gut zu bewerkstelligen, die 60 Pferde gleichzeitig übersetzen kann. Aber schon 1634 erobern die bayerischen Truppen die Stadt zurück.
Im Hafen Kelheim werden wasserseitig 542.000 t und bahnseitig 103.000 t Güter umgeschlagen, ab Kelheim abwärts ist die Donau Bundeswasserstraße.



Kelheim liegt an der „Straße der Kaiser und Könige“ von Frankfurt am Main bis Budapest.
Und Kelheim liegt auch an diesen Radwegen: - Deutscher Limes-Radweg, folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.
- Internationaler Donauradweg, führt vom Ursprung der Donau in Donaueschingen bis zu deren Mündung ins Schwarze Meer. Er ist ca. 2845 km lang und berührt dabei die Länder Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien.
- Altmühltalradweg. Beginnend in Rothenburg ob der Tauber führt er entlang der Altmühl ca. 250 km nach Kelheim.



Heil Euch, wack’re Männer, muth’ge Krieger,
Die errungen Ihr den Heldenkranz,
Heil Euch, treue Teutsche, tapf’re Sieger!
Ewig währet Eurer Thaten Glanz.

Dumpf und finster hatt es uns umgeben,
Und kein Teutschland gab es damals mehr;
Ihr doch schwangt auf’s Neue es zum Leben,
Siegreich ragt es wieder hoch und hehr!

Dass die Zwietracht schmählich uns gekettet,
Dies vergessen werde nie und nie,
Dass die Eintracht uns allein gerettet,
Die der Heimath Ruhm und Sieg verlieh.

Durch der Zeiten weite Ferne schlinge
Immer sich der Eintracht heilig Band,
In des Teutschen Seele sie durchdringe,
Unbesiegt bleibt dann das Vaterland.

König Ludwig I. von Bayern (1786 - 1868, abgedankt 1848) lässt die Befreiungshalle im Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege in den Jahren von 1813 bis 1815 errichten und dichtet selbst den Einweihungsgesang für vierstimmigen Männerchor zur feierlichen Eröffnung am 18. Oktober 1863, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig.
Der mächtig wirkende Rundbau aus Kelheimer Kalkstein ruht auf einem dreistufigen achtzehneckigen Sockel. 18 Strebepfeiler, jeweils gekrönt von Statuen als Allegorien der deutschen an den Schlachten beteiligten Volksstämme: Franken, Boehmen, Tyroler, Bayern, Oesterreicher, Preussen, Hannoveraner, Maehren, Sachsen, Schlesier, Brandenburger, Pommern, Mecklenburg, Westphalen, Hessen, Thueringer, Rheinlaender, Schwaben.



Das Innere der Halle ein großer Kuppelsaal, das ein Opaion im Scheitel der Kuppel erhellt. Vor den Nischen, die die Namen der Schlachten der Befreiungskriege tragen, stehen jeweils zwei Siegesgöttinnen, die sich die Hände zum feierlichen Reigen reichen, Verweis auf die Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes und Bekenntnis zum politischen Status quo, dem fürstenstaatlichen Föderalismus in Deutschland.

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal (auch Ludwigskanal oder „Alter Kanal“), erbaut 1836 bis 1846, ist die 172,4 km lange Wasserstraße zwischen der Donau bei Kelheim und dem Main bei Bamberg, im weiteren Sinne Teil der schiffbaren Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Mit Überquerung der Europäischen Hauptwasserscheide nimmt das ehrgeizige Bauvorhaben eine besondere Stellung ein. 100 Schleusen, teilweise in den Flüssen Altmühl und Regnitz, bewältigen einen Höhenunterschied von 264 Metern (80 m Aufstieg von der Donau und 184 m Abstieg zum Main).





Im historischen Umfang und mit einigen Funktionen ist der Kanal weitgehend erhalten.



Teil 2
Er beginnt an der Abzweigung aus der Donau in Kelheim mit Schleuse 1. Nördlich von Beilngries beginnt ein 65 km langer Abschnitt, wo der Kanal noch heute Wasser führt und die meisten Bauwerke erhalten sind.





Karl der Große lässt 793 die sogenannte Fossa Carolina errichten. Diese Verbindung, damals noch mit Dämmen und Rollen statt Schleusen, verband die Altmühl mit der Schwäbischen Rezat bei Treuchtlingen, das wird schon kurz nach seinem Bau wieder aufgegeben.
1846 findet die feierliche Enthüllung des Kanaldenkmals am Erlanger Burgberg statt.
Meist ein Pferd zieht die Schiffe im Stillwasserkanal, an den Flüssen bis zu drei Pferden.
Die wirtschaftliche Bedeutung sinkt zusehends, sind sowohl die zunehmende Verbreitung der Eisenbahn als auch die fast zeitgleich errichtete und streckenweise parallel zum Kanal verlaufende Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg der Ludwig-Süd-Nord-Bahn verantwortlich. Ein anderer wesentlicher Grund: Zwischen Rhein und Donau war kein durchgehender Schiffsverkehr möglich war. Rhein und Donau befahrende Schiffe sind zu breit für den Kanal und die eigens für den Kanal gebauten Schiffe hatten für Main und Donau einen zu großen Tiefgang.
Bereits in den 1890er Jahren kommen Ideen für einen neuen, größeren Main-Donau-Kanal auf, des sollte aber bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dauern.
1950 findet die endgültige Stilllegung des Kanals statt, aus den Treidelpfaden werden idyllische Wander- und Radwege.









Kaufbeuren - 47°53'N 010°37'E


1949 verurteilt das Landgericht Augsburg 4 Angehörige des Anstaltpersonals und den Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren und Irsee, Dr. Valentin Faltlhauser, Psychiater, wegen Anstiftung zur Beihilfe zum Totschlag zu einer Haftstrafe von drei Jahren.
Bis August 1941 schickt Falltlhauser über 600 Patienten zur Ermordung in die Gaskammern der NS-Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim. Dann wendet er neue Tötungsmethoden an: Er lässt die Patienten verhungern oder mittels Luminaltabletten und in Einzelfällen bei Kindern durch Morphin-Scopolamin-Injektionen ermorden. Von 1939 bis 1945 sterben unter diesen Umständen zwischen 1.200 und 1.600 Patienten, darunter etwa 210 Kinder.
Auf einer Konferenz 1942 im bayrischen Innenministerium referiert Faltlhauser über seine Erfahrungen. Es ergeht der Hungerkost-Erlass, Faltlhauser und Hermann Pfannmüller – 1930 Oberarzt und stellvertretender Direktor in Kaufbeuren unter Valentin Faltlhauser – sind die Protagonisten dieser Maßnahme.
1954 (wegen angeblicher Haftunfähigkeit) begnadigt, stirbt Faltlhauser 1961 84-jährig in München: Mein Handeln geschah jedenfalls nicht in der Absicht eines Verbrechens, sondern im Gegenteil von dem Bewußtsein durchdrungen, barmherzig gegen die unglücklichen Geschöpfe zu handeln, in der Absicht, sie von einem Leiden zu befreien, für das es mit den heute bekannten Mitteln keine Rettung gibt, also als wahrhaft und gewissenhafter Arzt zu handeln.“

"Beira" nennen die Einheimischen ihre Stadt, im Mittelalter hieß sie Buron. Die Stadt mit etwa 44.000 Einwohnern am nordöstlichen Rand des bayerischen Allgäus ist vollständig vom Landkreis Ostallgäu umgeben und liegt etwa in der Mitte zwischen München und Lindau. "Tor ins Allgäu" nennt sich die Stadt an der Wertach. Wenige Kilometer nordwestlich liegt das Kloster Irsee.
Dynamit AG, vormals Alfred Nobel u. Co. baut zur Nazizeit 1939 im nordöstlich gelegenen Waldgebiet eine Munitionsfabrik auf und setzt Zwangsarbeiter aus einer Außenstelle des KZs Dachau ein. Aus einem anderen KZ-Außenlager müssen zwischen 300 und 600 Häftlinge für BMW in Zwangsarbeit Ersatzteile für Rüstungsgüter herstellen.



Im ehemaligen Benediktinerkloster Irsee - der Heiligen Maria geweiht! - wird 1849 eine „Kreisirrenanstalt“ eingerichtet, wo Ärzte während der Nazizeit Tötung „lebensunwerten Lebens“ organisieren.
1996 stellt die Münchener Künstlerin Beate Passow im Vorraum des ehemaligen Leichenhauses das großformatige Triptychon "möchte ich Sie noch höflichst bitten, mir folgende Fragen zu beantworten ... das mir fehlt" aus.

Passow kombiniert drei von Tätern gemachte Fotografien von Opfern mit Auszügen aus dem Briefwechsel zwischen Valentin Faltlhauser und Georg Hensel, der von 1939 bis 1946 Oberarzt in der Kinderheilstätte Mittelberg bei Oy im Allgäu ist und Tbc-Versuche an behinderten Kindern in Irsee durchführt.









Bad Kissingen - 50°12'N 010°05'E

1991 fährt W. G. Sebald nach Bad Kissingen und Steinach, wie er in "Die Ausgewanderten" schreibt, um den dortigen Judenfriedhof zu besuchen.



Das bayerische Staatsbad ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises mit etwa 23.000 Einwohnern. Die Kurstadt liegt in Mainfranken, im Tal der Fränkischen Saale, am südöstlichen Rand der Rhön.
Seit dem 18. Jahrhundert in Konkurrenz zu Karlsbad und Baden-Baden zum Weltbad ausgebaut, besitzt Kissingen den ältesten Kurgarten und das größte Ensemble historischer Kurbauten Europas, entstanden unter der Ägide der bayerischen Herrscher Ludwig I. (1825–48) und Prinzregent Luitpold (1886–1912). Zudem ist sie der älteste Gradierstandort Europas und besitzt den ältesten bestehenden Golfplatz Bayerns.
Beim Gradieren verdunstet Sole über Dornzweigen und greinigte Salzteilchen kommen in die Luft und erzeugen ein gesundheitsförderndes Mikroklima. Sonne und Wind konzentriert setzen die Verunreinigungen der Sole, bestehend aus Kalk oder Gips ab und bilden den Dornstein. Die Salzgewinnung ist seit 1968 eingestellt, das Gradierwerk spielt aber eine wichtige Rolle bei der Soleinhalation.
Trotz der allgemeinen Verlagerung des Kurgastprofils von Adel und gehobenem Bürgertum auf Sozialgäste hat der Kurort mit seinem durch die Belle Epoque geprägte Ortsbild weithin seinen mondänen Charakter bewahrt und ist Hauptort der traditionellen Bayerischen Bäderregion, mit insgesamt fünf Kurbädern: Bocklet, Brückenau, Neustadt und Königshofen. 16 km südöstlich Kissingens liegt Frankens ältester Weinort Hammelburg.
1525 versammeln sich in Kissingen viele wütende Bauern, bekommen Unterstützung durch Pfarrer Johannes Wüst. Ihr Zorn richtete sich gegen Fürstbischof Konrad II. von Thüngen, der zeitweise nach Heidelberg flieht. Sie verwüsten die Kloster Hausen, Aura, Frauenroth und Schloss Aschach. Konrad II. schlägt den Aufstand und lässt Pfarrer Johannes Wüst enthaupten.
1611 fällt ein Drittel der Kissinger Bevölkerung der Pest zum Opfer.
1866 kommt es in der Schlacht bei Kissingen zu einem verbissen geführten Gefecht zwischen bayerischen und preußischen Truppen, auch mitten im Ort.
1874 entgeht Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, der mehrmals in Kissingen zur Kur weilt, nur knapp einem Anschlag des Böttchergesellen Eduard Kullmann. Motiv: Bismarcks Kampf gegen die katholische Kirche im Kulturkampf.

Der 1. Weltkrieg beendet schlagartig die Belle Epoque. Mit Niedergang des Königreichs Bayern, des Deutschen Kaiserreichs, der Habsburgermonarchie und des Russischen Kaiserreichs, mit der deutschen und russischen Revolution, Kommunismus und neuen Republiken.
1942 verweigert Pallottinerpater Franz Reinisch in der Manteuffel-Kaserne den Fahneneid auf Hitler, diesr lässt ihn im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermorden.
1925 zählt die jüdische Gemeinde zu den 10 größten jüdischen Gemeinden in Bayern. 1925 wird der jüdischen Friedhof geschändet, die Täter nicht ermittelt. 1930 findet ein antisemitischer Marsch von NSDAP-Mitgliedern zur Synagoge statt. 1933 erste Verhaftungen und Hausdurchsuchungen gegen Juden. 1935 schlagen 2 SS-Leute den 74-jährigen Wilhelm Wittekind zusammen, die Täter bleiben ungestraft.
1934 ruft die „Schwimmbadaffäre“ Proteste im In- und Ausland hervor, als Oberbürgermeister Dr. Max Pollwein am örtlichen Schwimmbad ein Schild aufstellen lässt, das Juden den Eintritt zu der Badeanlage verweigert. 1935 blättert im Kurgarten eine aus Kurgästen bestehende Menschenmenge demonstrativ in Ausgaben der antisemitischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ und wenige Tage später stellen Unbekannte Schilder auf, die Juden den Zutritt zum Kurgarten untersagen. Jüdischen Kurgästen werden eigene Kurhäuser zugewiesen, die durch Schilder deklarieren müssen, dass sie ausschließlich Juden beherbergen. Jüdische Kurgäste bekommen in den Kuranlagen eigene Sitzbänke zugewiesen. 1938 Novemberpogrome: SA-Männer setzen die Synagoge in Brand, die anwesende Feuerwehr löscht den Brand nicht. Die SA-Sturmführer von Brückenau, Hammelburg und Bad Kissingen vereinbaren in geheimer telefonischer Absprache, ihre Stürme ortsvertauscht einzusetzen. Nach der Demolierung ihrer Häuser, Geschäfte und Wohnungen Deportation und Ermordung von Juden in Izbica und Theresienstadt, was das Ende der Jüdischen Gemeinde ist.
Nach dem 2. Weltkrieg bekommt Bad Kissingen einen Spitznamen von den Amerkanern: analog zu L.A. (für Los Angeles) B.K. (sprich: bikey).
Bekannte Kurgäste: Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, Theodor Heuss und Franz Josef Strauß; Schriftsteller Theodor Fontane und Leo Tolstoi; Komponisten Gioachino Rossini und Richard Strauss; Maler Max Liebermann und Adolph Menzel; Modeschöpfer Heinz Oestergaard; Architekt Walter Gropius; Archäöloge Heinrich Schliemann; Erfinder und Geschäftsleute Alfred Nobel, Graf Zeppelin und Ketchup-Fabrikant Henry John Heinz.









Bad Kreuznach - 49°51'N 007°52'E

Die rheinland-pfälzische Kur- und Kreisstadt mit etwa 51.000 Einwohnern ist Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Bad Kreuznach 14 km südsüdwestlich von Bingen. Die Stadt liegt an der Einmündung des Ellerbachs in den Unterlauf der Nahe.
Um 58 v. Chr. entsteht ein römischer Vicus, der Sage nach benannt nach dem Kelten Cruciniac, der den Römern einen Teil seines Landes für die zu errichtende Versorgungsstation zwischen Mainz (Mogontiacum) und Trier (Augusta Treverorum) überlässt. Der Ort lag an der Römerstraße von Metz (Divodurum) über den Saarübergang bei Dillingen-Pachten (Contiomagus) und den Vicus Wareswald bei Tholey nach Bingen (Bingium).
Kleine Fluchtäfelchen aus Blei aus dem Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. zeigen, dass zu dieser Zeit Vollbürger aus Italien, Kelten aus Gallien, Spanien und den Alpengebieten, Griechen, Thraker, Kleinasiaten, Syrer und Angehörige anderer orientalischer Völker in der Siedlung wohnen mit Berufen wie Kupferschmied, Färber und Holzhändler. Fluchtäfelchen sind kleine religiöse Inschriftenträger. Auf die Metallstücke ritzte man Verwünschungen, Liebeszauber, erfahrene Diebstahldelikte und ähnliches, rollte sie zur Bindung des Zaubers zusammen oder vernagelte sei, um sie in paganen Tempeln zu hinterlassen oder an rituellen Plätzen zu vergraben. Die Götter sollten die angesprochene Person verfluchen oder bestrafen.
Aus dem Jahr 234 stammt ein gigantischer, in seinen Abmessungen von 81 × 71 m nördlich der Alpen einzigartiger und ebenso luxuriöser Palast im Stil einer Peristylvilla, welche alleine im Erdgeschoss 50 Räume umfasst. Nahe bei der „Heidenmauer“ gefundene Spolien (lat. spolium: Beute, Raub, dem Feind Abgenommenes) wiederverwendete Bauteile und andere Überreste von Reliefs oder Skulpturen, Friese und Architravsteine, Säulen- oder Kapitellreste aus Bauten älterer Kulturen) lassen darauf schließen, dass es ein Mercurius- und Maia-Heiligtum (altitalische Göttin) und ein damit verbundenes gallo-römisches Provinztheater gab. Auch der Kybele-Kult (im ganzen römischen Reich verbreiteter Mysterienkult, Kybele die große Göttermutter vom Berg Ida, die man zusammen mit ihrem Geliebten Attis ursprünglich in Phrygien und später in Griechenland, Thrakien und Rom verehrt) ist in der Siedlung belegt. Eine Inschrift und Ziegelplatten bezeugen, dass dort eine Vexillation (Abteilung) der Legio XXII Primigenia stationiert war.
Kaiser Valentinian I. lässt im Zuge von Grenzsicherungsmaßnahmen gegen die immer wieder von jenseits des Limes in das römische Reich einfallenden germanischen Stämme der Alemannen 370 ein Auxiliarkastell errichten. Im 371 entstandenen Reisebericht „Mosella“ von Ausonius schreibt er von der Überquerung des nebeligen Flusses „Nava“ (Nahe) an einer neu ummauerten alten Siedlung („vicus“). Ausonius lokalisiert eine verlustreiche Schlacht (ein „Cannae“) der Gallier in der Nähe dieser Siedlung.
In einer Handschrift von Hans Sachs ist die Zeile eines Liedes des Minnesängers Tannhäuser erhalten: „vur creuczenach rint auch die na“. Eine frühe Bekanntheit der Stadt belegt „eyn Magus unnd wunderseltzamer Gauckler auß dem Niderland“, der auf dem Kreuznacher Markt eine scheinbare Köpfung und andere Zaubertricks vorführt. 1279, in der Schlacht bei Sprendlingen entsteht die Legende des Michel Mort. Der Kreuznacher Metzger soll auf Seiten der Sponheimer Truppen gegen die Truppen des Erzbischofs von Mainz gekämpft haben. Als Graf Johann I. von Sponheim-Kreuznach in Bedrängnis gerät, zieht Michel Mort die Lanzen der Feinde auf sich und rettet so durch seinen Tod den Grafen.
1457 ziehen während der Kinderwallfahrtsbewegung auch 120 Kinder aus Kreuznach auf ihrem Weg zum Mont-Saint-Michel durch Wissembourg.
1507 tritt Magister Faust die Stelle des Rektors an der Kreuznacher Lateinschule an. Aufgrund von Pädophilievorwürfen flieht er nur kurze Zeit später aus der Stadt.
Ein Zeitzeuge berichtet vom Besuch Napoleon Bonapartes: „So wohlgelaunt ist er vielleicht in wenigen Teutschen Städten empfangen worden, als hier“.



1808 schenkt Napoleon die beiden Kreuznacher Salinen seiner Lieblingsschwester Pauline. An seinem Russlandfeldzug 1812 nehmen auch Kreuznacher teil.
Durch den Wiener Kongress kommt Kreuznach zur Provinz Niederrhein im Königreich Preußen, ab 1822 Rheinprovinz.
1843 heiratet Karl Marx in Kreuznach und verfasst hier auch wesentliche Teile seiner Schrift "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie".
Bad Kreuznach wird nach Entdeckung des Radongehalt in der Kreuznacher Sole 1912 zu einem „Radiumheilbad“. Radoninhalation dient als natürliches Schmerzmittel bei rheumatischen Erkrankungen.
Im 1. Weltkrieg wird Kreuznach Sitz des Großen Hauptquartiers von Kaiser Wilhelm II., bis 1930 besetzen französische Truppen Stadt und Rheinland.
1958 einigen sich in der Stadt Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer auf eine Institutionalisierung der besonderen Beziehungen beider Länder, was 1963 in den Élysée-Vertrag mündet.









Kiel - 50°14'N 011°20'E


Kieler Woche ... Kieler Sprotten
Kiel Canal heißt er international, der Nord-Ostsee-Kanal, eröffnet 1895, meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. An seinem Endpunkt liegt Kiel: Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins an der Kieler Förde, knapp 250.000 Einwohner, nördlichste Großstadt Deutschlands, bedeutender Marinestützpunkt.
Jeder kennt die Kieler Sprotten: lokale kulinarische Spezialität.
Die erste Kieler Woche findet 1882 statt, entwickelt sich zum weltweit bekannten Segelsportereignis und einem der größten Volksfeste Deutschlands.
ThyssenKrupp Marine Systems größte deutsche Werft, drei Hochschulen.





Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee.
1918 beginnt mit dem Kieler Matrosenaufstand eine Revolution, die zum Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution führt, innerhalb weniger Tage ganz Deutschland erfasst und den Grundstein für die Weimarer Republik legt.
In Kiel erstarkt - wie in ganz Deutschland gegen Ende der Republik (und wie heute wieder!) die braune Brühe: Übergriffe gegen Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten.
Kiel wird 1936 zum Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe; das NS-Regime hält seine antisemitischen Maßnahmen im Verborgenen, um die Weltöffentlichkeit nicht negativ gegen Deutschland zu stimmen. Danach gehts weiter: in der Reichspogromnacht Kieler Synagoge zerstört, Deportation und Ermordung der Juden.
Alliierte Bomber zerstören 1939 - 1945 Kiel als wichtigen Kriegsmarinestützpunkt und Sitz dreier Großwerften zu fast 90 Prozent; mit 350 versenkten Schiffen ist die Kieler Förde größter Schiffsfriedhof der damaligen Zeit.









Kempen-Krefeld - 51°22'N 006°25'E


1956 bis 1974 hat der Landkreis in Nordrhein-Westfalen mit etwa 266.000 Einwohnern das Unterscheidungszeichen KK, seit 2015 ist es im Kreis Viersen wieder verfügbar. Der Kreis Kempen-Krefeld liegt im Westen von Nordrhein-Westfalen, als man aus ihm 1975 den Kreis Viersen bildet. Er gehörte zum Regierungsbezirk Düsseldorf. Durch das Kreisgebiet fließen Rhein, Niers, Nette und Schwalm. Die Wirtschaft im Kreis Kempen-Krefeld war vielseitig. Neben Textilindustrie ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig.









Kaiserslautern - 49°27'N 007°46'E


FC K pleite, der viermalige deutsche Meister:



Lautre sagen die Einheimischen zu iher rheinland-pfälzischen Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern, der Industrie- und Universitätsstadt am nordwestlichen Rand des Pfälzerwalds. Die Kaiserslautern Military Community mit rund 50.000 Militärangehörigen und Zivilisten ist der weltweit größte US-Militär-Stützpunkt außerhalb der USA (sie sind bei der Einwohnerzahl nicht berücksichtigt). Die starke Präsenz der Amerikaner hängt mit dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein Air Base in Ramstein-Miesenbach, etwa 10 km westlich von Kaiserslautern, sowie mit weiteren Einrichtungen von US Army und US Air Force im Raum Kaiserslautern zusammen.
Die Amerikaner sind für Stadt und Kreis Kaiserslautern bedeutender Wirtschaftsfaktor, die lokale deutsche Wirtschaft und Verwaltung hat sich auf die Amerikaner als Kunden, Konsumenten und Mieter eingestellt. Unter den Ami-Soldaten und ihren Angehörigen hat sich die Bezeichnung K-Town durchgesetzt. So sind manche Straßenschilder der US-Armee damit bezeichnet.



Mitte des 12. Jahrhunderts lässt Friedrich I. Barbarossa die um 1.100 errichtete Burg zu einer Pfalz erweitern. Mitte des 19. Jahrhunderts wird die nun zum Königreich Bayern gehörende Stadt Mittelpunkt des Pfälzischen Aufstands; zugleich entwickelte sie sich dank zahlreicher Firmengründungen in der Textilbranche, der Metallindustrie und dem Maschinenbau neben Ludwigshafen zum bedeutendsten Industriestandort der Pfalz.

Römische Straßendämme und Reste der „via regalis“ erhalten, der Heerstraße von Metz nach Mainz, die etwa parallel der heutigen B 40 verläuft.
Die Nazis deportieren die meisten der noch in Kaiserslautern lebenden Deutschen jüdischen Glaubens 1940 in das südfranzösische Camp de Gurs. Nur wenigen gelingt die Flucht, viele starben an Hunger und Krankheiten. Im August 1942 stellen die Behörden Transporte der Überlebenden in die Gaskammern von Auschwitz und Lublin-Majdanek zusammen. Von den 90 Juden, die 1939 noch in Kaiserslautern leben, ermorden die Deutschen nach Deportation mindestens 78.









Klötze - 52°38'N 011°10'E


Die Stadt im Altmarkkreis Salzwedel 40 km nordöstlich von Wolfsburg in Sachsen-Anhalt hat etwa 10.000 Einwohner. Die Purnitz durchquert sie in Richtung Norden. Die Ohre durchfließt die westlichen Ortschaften der Stadt.



1994 Landkreis Klötze aufgelöst.
Seit 2000 Mikroalgen-Produktionsanlage des französischen Roquette-Konzerns.









Konstanz - 47°40'N 009°11'E




Die größte Stadt am Bodensee mit etwa 85.000 Einwohnern, Kreisstadt des Landkreises Konstanz, liegt an der Grenze zur Schweiz in Baden-Württemberg. Zwei Hochschulen. Konstanz liegt am Ausfluss des Rheins aus dem oberen Seeteil direkt an der Grenze zum Kanton Thurgau. Die Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen ist mit Konstanz zusammengewachsen, so dass die Staatsgrenze mitten zwischen einzelnen Häusern und Straßen hindurch verläuft. Bei gutem Wetter kann man die Alpen sehen. Die Konstanzer Altstadt und die westlich anschließenden Stadtteile sind die einzigen Gebiete Deutschlands, die südlich des Seerheins, auf der „Schweizer Seite“, liegen. Meersburg ist durch die rund um die Uhr verkehrende Autofähre bei 15-minütiger Überfahrt mit Konstanz verbunden.
Die Römer erobern unter Kaiser Augustus das Gebiet um den Bodensee kurz vor der Zeitenwende, fortan gehört es zur Provinz Raetia. 2003 findet man Spuren einer mächtigen spätrömischen Festungsanlage, des Kastells Constantia, mit Mauer und achteckigem Zwischenturm aus dem 4. Jahrhundert am Münsterplatz. Es dient primär der Verteidigung gegen plündernde Alamannen und der Kontrolle des Rheinübergangs. Die unweit der Festung gelegenen römischen Badeanlagen, die ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert stammen, sind ungewöhnlich groß für diese Zeit.
Im mittelalterlichen Deutschland liegt Konstanz am Weg über die Bündner Alpenpässe nach Italien, so dass es vom immer mehr aufblühenden Fernhandel im Mittelalter profitiert.
1414 bis 1418 Konzil von Konstanz. Die Wahl Martins V. 1417 einzige Papstwahl nördlich der Alpen. Gleichzeitig wird das abendländische Schisma von 1378 durch die Absetzung der Gegenpäpste und die Hinrichtung des tschechischen Reformators Jan Hus beendigt.
Bis 1806 ist Konstanz österreichisch, dann bis 1952 badisch.
In der Reichspogromnacht 1938 stecken SS-Leute die Synagoge in Brand.
1939 wird Georg Elser verhaftet, als er versucht, in die Schweiz zu fliehen. Elser hat zuvor in München eine Bombe platziert, um Adolf Hitler zu töten, doch ist dieser dem Attentat durch Zufall entgangen. 1940 deportieren die Nazis 110 jüdische Konstanzer ins KZ Gurs nach Südfrankreich und ermorden sie in Riga, Izbica und Theresienstadt.
Ab 1952 gehört Konstanz zum neuen Bundesland Baden-Württemberg, 2001 Eröffnung der Mevlana-Moschee, die etwa 3.000 Muslime haben ein ein eigenes Gebetshaus mit einem 35 m hohen Minarett, einem der höchsten in Deutschland.









Koblenz - 50°21'N 007°36'E




"Kowelenz" nennen die Einwohner ihre Stadt am Rhein mit etwa 115.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz und Sitz des Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau, des RheinMoselCampus der Hochschule Koblenz, des Bundesarchivs, des BAAINBw (früher Bundeswehrbeschaffungs ("bestechungs")-amts) - eine der größten technischen Behörden Europas.

Der Betreiber der Webseite hat in Koblenz seinen Grundwehrdienst und auf Ehrenbreitstein den Treueeid auf die Bundesrepublik geleistet. Wunderbar waren die Kameradschaft mit den Bergleuten aus dem Ruhrgebiet, unsere Ausflüge auf Rhein, Mosel und Lahn, in die Eifel und den Hunsrück und die Härteübungen im Westerwald - und der für einen Franken völlig neue Humor der Rheinländer ...











Bad Kötzting - 49°10'N 012°51'E


Die Stadt im Oberpfälzer Landkreis Cham mit etwa 8.000 Einwohnern ist ein staatlich anerkanntes Kneippheilbad. Sie Stadt liegt am nördlichen Fuße des Kaitersberges im Norden des Bayerischen Waldes. Schwarzer Regen, zum langgestreckten Blaibacher See aufgestaut, und Weißer Regen, vereinigen sich zum Regen.

Ende des 2. Weltkrieges setzt sich Schmiedemeister Wolfgang Stöger zusammen mit anderen Bürgern für kampflose Übergabe des Ortes an die anrückenden US-Truppen ein. SS-Männer ermorden ihn bei Schönbuchen.
Der Landkreises Kötzting wird 1972 aufgelöst und dem Landkreis Cham Regierungsbezirk Oberpfalz zugeschlagen.



Der Pfingstritt zu Bad Kötzting zählt zu den größten berittenen Bittprozessionen der Welt und geht auf das Gelöbnis 1412 zurück. In Steinbühl, etwa 7 km von Kötzting entfernt, liegt ein Mann im Sterben und bittet um die Sterbesakramente. Der Pfarrer sieht sich außerstande, ohne Schutz dorthin zu gelangen. Kötztinger Burschen geben ihm das Geleit. Nach der glücklichen Rückkehr geloben alle, den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. Also ziehen jedes Jahr am Pfingstmontag oft bis zu 1.000 Reiter, betend auf ihren Pferden und in Waidler-Trachten, hinaus durch das Zellertal bis nach Steinbühl.



In den Bad Kötztinger Waldfestspielen kommen Mundartfassungen von Klassikern wie Goethes Faust, Georg Büchners Woyzeck, Shakespeares Drama Macbeth u. a. zur Aufführung.









Krumbach (Schwaben) - 48°15'N 010°22'E


Die Stadt mit etwa 13.000 Einwhnern liegt im Süden des bayerisch-schwäbischen Landkreises Günzburg, im Tal der Kammel, einem Nebenfluss der Mindel, die in die Donau mündet, etwa in der Mitte zwischen Ulm, Augsburg und Memmingen.
Bis 1933 hat das Dorf Hürben beziehungsweise die Stadt einen vergleichsweise hohen Anteil an jüdischen Bürgern in Bayern, die man 1938 alle zuchst ins Günzburger Gefängnis bringt. Ein paar können auswandern oder ziehen in andere Städte, die letzten 16 deportieren und ermorden die Nazis.



Bis 1972 ist Krumbach Kreisstadt des Landkreises Krumbach. In der Stadt befinden sich Automobilzulieferbetriebe, Lackfabrik, Anlagenbau und Verfahrenstechnik, Webereien, Wachswarenfabriken, Teppichbodenwerk, Online-Druckerei und eine bekannte Silbermanufaktur.









Kitzingen - 49°44'N 010°10'E


Die historische Weinhandelsstadt am Main mit etwa 22.000 Einwohnern liegt im Maindreieck 20 km südwestlich von Würzburg inmitten des Weinbaugebiets Franken in Unterfranken und ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Kitzingen als Brückenstadt hat heute vier Straßen- und eine Eisenbahnbrücke über den Main, was für eine Stadt dieser Größenordnung außerordentlich selten ist.
Ihre sagenhafte Gründungsgeschichte:
Als Hadeloga, die Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell im Jahr 745 eines Sommertages auf der Terrasse des Schlosses ihres Bruders König Pippins des Kurzen auf dem Schwanberg steht und ins Maintal zu ihren Füßen schaut, ist sie so angetan von der Lieblichkeit der Landschaft, dass sie beschließt, ein Kloster zu gründen. Sie übergibt ihren Schleier dem Wind, der ihn nach Westen ins Tal trägt. Da, wo der Schleier zu Boden fällt, will sie das Kloster errichten. Schäfer Kitz findet den Schleier am Strand des Mains an einem Weinstock hängend. Dort erbaut Hadeloga das Kloster und nennt es zu Ehren des Schäfers Kitzingen.


1482 versammeln sich in Kitzingen die Abgesandten der fränkischen Fürsten, der Bischöfe von Würzburg und Bamberg, des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg und der Freien Reichsstadt Nürnberg. Ziel: der weit verbreiteten Weinpanscherei einen Riegel vorschieben. Das Kitzinger Weingesetz von 1482 gilt seinerzeit vom Bodensee bis Sachsen.
Eine wahre Geschichte am Rande.
Der Betreiber der Webseite vertrat als junger Staatsanwalt um die 1970er Jahre in der dortigen Gegend eine Anklage gegen Weinpanscher. Sie hatten strafbarerweie gesundheitsschädliche Frostschutzmittel beigemischt, die den Geschmack aber positiv beeinflussten. Das Gericht verurteilte die Winzer antragesgemäß und ordnete die Vernichtung des gepanschten Weins an. Im Jahr darauf lud mich das Gericht netterweise zu seinem Sommerfest eingeladen und es gab nicht wenig wunderbar süffigen Frankenwein. Als ich diesen beim Abschied nochmals lobend hervorhob, erklärte der zuständige Asservatenverwalter: "Sehn's, traurig, wenn wir den vernichtet hätten ..."

1525 schließen sich die mit Obrigkeit und Kirche unzufriedenen Bürger Kitzingens den aufständischen Bauern an und unterstützen sie mit mehreren Fähnlein und Geschützen, in der Stadt verwüsten sie das Kloster. Nach der Niederlage der Bauern hält Markgraf Kasimir, dessen Grausamkeiten ihm den Beinamen Bluthund einbrachten, sein furchtbares Strafgericht über die Stadt: Er lässt 58 Männer, die als Rädelsführer galten, blenden und aus der Stadt jagen.
Im gesamten Markgrafentum führen die Fürsten die lutherische Konfession ein, Kitzigen wird insgesamt protestantsich, eine Blütezeit, besonders im Bereich der Bildung und des Schulwesens beginnt. Der 1511 geborene berühmteste Sohn der Stadt


Paul Eber

steigt zu einem der einflussreichsten Persönlichkeiten der Reformation auf.
1544 löst Markgraf Georg Friedrich I. das Benediktinerinnenkloster auf und wandelt es in ein adeliges Damenstift um.
1629 endet das "evangelische Jahrhundert" mit der Rekatholisierung. 1.000 Bürger und 20 Ratsherren der Stadt, die dem Protestantismus nicht abschwören, müssen die Stadt verlassen. 1814 ist Kitzingen endgültig bayerisch. Viele jüdische Weinhändler forcieren die Bedeutung Kitzingens als Weinhandelsstadt, die jüdische Gemeinde wächst und errichtet 1883 eine repräsentative Synagoge im typischen neo-maurischen Stil. Die Nazis zerstören sie 1938 während der Novemberpogrome und verschleppen 1942 76 Kitzinger Juden und ermorden sie in den KZs.



Kitzingen ist Zentrum der Fastnachtsforschung in Deutschland, sie wird im Deutschen Fastnachtmuseum und und der Deutschen Fastnachtakademie, einer gemeinnützigen Stiftung Bund Deutscher Karneval betrieben. Das Museum beherbergt die größten Fachsammlungen ihrer Art.









Kulmbach - 50°06'N 011°27'E




Die Stadt am Main, 20 km nördlich von Bayreuth mit etwa 26.000 Einwohnern ist bekannt für ihre Brauerei, die Plassenburg mit dem Deutschen Zinnfigurenmuseum (größte Zinnfigurensammlung der Welt) und wegen der Kulmbacher Bratwurst. Sie ist Kreisstadt des oberfränkischen Landkreises Kulmbach. Am westlichen Stadtrand die Quellflüsse des Mains, der Rote und Weiße Main.
Nicht nur der berühmte Theologe und Reformator Ludwig Agricola ist hier geboren, auch Thomas Gottschalk wächst in Kulmbach auf und meine Vorfahren waren Burgprediger auf der Plassenburg.
Dank der günstigen Lage an den Alt- und Geleitstraßen nach Bamberg, Nürnberg, Eger, Hof und Leipzig blüht der Handel in der Stadt.
Als Markgraf Carl Friedrich Alexander sein Markgraftum Brandenburg-Bayreuth wegen seiner Geliebten Lady Elizabeth Craven an seinen Vetter, den König von Preußen verkauft, wird Kulmbach 1791 preußisch, die Plassenburg Lager für französische Kriegsgefangene. 1810 kommt Kukmbach zu Bayern. Die Nazis richten auf der Plassenburg die Reichsschule der deutschen Technik ein. Während des Novemberpogroms gehen sie gegen den jüdischen Viehhändler Karl Strauß vor, der angeblich ein „rassenschänderisches” Verhältnis unterhielt; der betroffenen „Arierin“ hängen sie ein Schild mit folgender Aufschrift um den Hals: „Ich artvergessenes Schwein habe mit dem Juden Karl Strauß Rassenschande getrieben, obwohl ich verheiratet bin”. Danach eskortieren SS-Angehörige sie unter den Augen einer mehrhundertköpfigen Menschenmenge durch die Straßen Kulmbachs.

Das wichtigste Bauwerk, die Plassenburg, eine der größten Festungsbauten der Renaissance in Deutschland, ist auch Ursprung der Sage von der Weißen Frau.
Kunigunde, Witwe des Grafen Otto von Orlamünde, verliebt sich in Albrecht den Schönen, Sohn des Nürnberger Burggrafen. Dieser lässt verbreiten, er würde sie heiraten, wenn nicht vier Augen im Wege stünden. Gemeint sind seine Eltern gemeint, die die Verbindung ablehnen. Kunigunde aber bezieht das auf ihre zwei Kinder, ein Mädchen zwei und ein Junge von drei. Sie sticht den Kindern mit einer Nadel in den Kopf und tötet sie.

Und dacht, die Kindlein, die ich hätt'
Werden gewiss die Augen sein,
die mich berauben des Buhlen mein!
Und wurd' das Weib so gar betört,
Dass sie ihre eigen Kinder ermördt,
Und jämmerlich ihres Lebens beraubt,
Dass sie es mit Nadeln in ihr Haupt
Stach in ihre Hirnschal,
Die zart und weich überall.

Albrecht sagt sich daraufhin von ihr los. Kunigunde unternimmt eine Pilgerfahrt nach Rom und erlangt vom Papst die Vergebung ihrer Sünde, mit der Auflage, ein Kloster zu stiften und dort einzutreten. Zur Buße rutscht sie auf Knien von der Plassenburg ins Tal von Berneck und gründet das Kloster Himmelkron, wo sie als Äbtissin stirbt.









Kusel - 49°32'N 007°24'E




Die Kreisstadt mit etwa 6.000 Einwohnern des gleichnamigen Landkreises liegt am Kuselbach im Südwesten von Rheinland-Pfalz im Nordpfälzer Bergland, genannt Musikantenland.
1794 besetzen französische Revolutionstruppen den Ort. Unter Androhung der Todesstrafe müssen die Einwohner Kusel innerhalb einer Stunde räumen. Das war die Strafe, denn Kusel hatte einige Bürger, in Metz als Geiseln festgehalten, mit Geld versorgt, das sich als gefälscht herausstellte. 1816 kommt Kusel zum Königreich Bayern. 1969 wird Kusel Sitz der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Kusel, die 2018 in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan aufgeht.
Etwa vier km nordwestlich liegt die größte Burgruine Deutschlands, Burg Lichtenberg. In der Anlage befindet sich das Musikantenland-Museum. Im Heimatmuseum ist Fritz Wunderlichs Leben dokumentiert, der in Kusel geboren ist.









Kyritz - 52°57'N 012°24'E


Die Stadt mit dem Beinamen "an der Knatter" in der Priegnitz mit etwa 9.300 Einwohnern liegt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten Brandenburgs. Der Nebenarm der Jäglitz treibt die früher zahlreich knatternden Wassermühlen an, von denen nur noch eine existiert, die Knatter ist verrohrt.

1488 braut man erstmals das Kyritzer Bier namens „Mord und Totschlag“, heute in Klosterbrauerei Neuzelle.
1806 bis 1814 steht die Stadt unter französischer Besatzung. 1807 erschießen napoleonische Soldaten den Kyritzer Kämmerer Johann Carl Friedrich Schulze und den Kaufmann Carl Friedrich Kersten standrechtlich vor den Toren der Stadt, um ein Exempel zu statuieren.
Zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig pflanzen die Kyritzer 1814 auf dem Marktplatz vier Eichen, von denen noch heute eine als „Friedenseiche“ steht.

1817 bis 1952 ist Kyritz Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz.
Prignitz war NS-Hochburg. 1938 zerstören die Kyritzer den jüdischen Friedhof. Die Kyritzer Nazis deportieren und ermorden mindestens sieben Söhne und Töchter der Stadt in den KZs Auschwitz, Sobibor und Theresienstadt. 1945 werden in der Nähe 48 jüdische Häftlinge, die die SS aus dem KZ Bergen-Belsen nach Theresienstadt verlegen will, bei einem Luftangriff getötet. Prost: "Mord und Totschlag".
1942 versteckt die Familie Dräger den aus Hamburg stammenden jüdischen Rechtsanwalt Steigerwald und seine Frau. Nach der Befreiung ist er Polizeipräsident von Kyritz und der Ostprignitz.
Am 2. September 1945 verkündet Wilhelm Pieck die Bodenreform in der SBZ im Gasthof "Zum Prignitzer". Die Stadt wählt er, weil es rundum große Gutsbetriebe gibt, Piek verlangt eine schnelle schnelle und rücksichtslose Enteignung der "Junker", wie man ihre Besitzer nannte.



1952 wird Kyritz Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, seit 1990 im Bundesland Brandenburg. Die Kyritzer Festtage mit Segelregatta und Bootskorso finden seit 1970 statt.

2010 wird dieses bundesweit erste Denkmal enthüllt, das den Opfern der Zwangskollektivierung im so genannten Sozialistischen Frühling in der DDR gewidmet ist.

Kyritz an der Knatter ist Heimatort der Detektiv- und Comicfigur Nick Knatterton und hier spielt ein Teil der Handlung des Lustspiels "Pension Schöller".