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Jena - 50°56'N 011°35'E



Jena, thüringsche Universitätsstadt an der Saale mit etwa 112.000 Einwohnern.
Die Uni, gegründet 1558, besuchen ca. 17.000 Studenten. Jena, ein Zentrum der Optik- und Feinmechanikindustrie rund um das Unternehmen Carl Zeiss, in der DDR ist das Kombinat mit etwa 60.000 Mitarbeitern seinerzeit das größte Kombinat. Nach der Wende wandelt sich die Stadt vom Industrie- zum Bildungs- und Wissenschaftszentrum. Das 159 m hohe Bürohochhaus Jentower ist 1972 das höchste Hochhaus Deutschlands (heute: mit 259 m der Commerzbank Tower in Frankfurt am Main).

1523 beginnt die Reformation mit dem radikalen Theologen Martin Reinhardt, den die Stadt 1524 vertreibt. 1525 zerstören Bauern und Stadtbewohner das Karmelitenkloster und verwüsten das Dominikanerkloster. 1536 vertreibt der Landesherr die Juden aus Jena (wie auch aus anderen thüringischen Städten) – ausgelöst durch die Reformation und ihrer von Martin Luther radikal antisemitischen Ausrichtung, siehe Luther Meiser Mörder.
1672 bis 1690 ist Jena Hauptstadt des Fürstentums Sachsen-Jena, 1691 kommt die Stadt zu Sachsen-Eisenach und 1741 bis 1920 zu Sachsen-Weimar-Eisenach.
Der Rückgang des Weinbaus, der Studentenzahl und des Buchdrucks lässt die Wirtschaft im 18. Jahrhundert niedergehen. Unter Herzog Carl August und seines Ministers Johann Wolfgang Goethe gewinnt der neue Geist Weimars auch auf Jena Einfluss und führt eine zweite Blütezeit der Universität herbei. 1794 schließt Goethe Freundschaft mit Friedrich Schiller, 1789 Professor, er wohnt bis 1799 in Jena. 1794 werden Johann Gottlieb Fichte, 1798 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling berufen, 1801/07 lehrt Georg Wilhelm Friedrich Hegel hier, so dass Jena Hauptort der deutschen idealistischen Philosophie wird, wo auch August Wilhelm Schlegel, seine Frau Caroline Böhmer-Schlegel-Schelling, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Clemens Brentano und Friedrich von Hardenberg die literarische Richtung der älteren Romantik pflegen.

Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Goethe

Am 14. Oktober 1806 besiegt Napoleon die preußischen und sächsischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Die Doppelschlacht nordwestlich von Jena fügt Stadt und Universität schwere Schäden zu. In Jena regt sich gegen Napoleons Herrschaft starker Widerstand, besonders unter den Studenten, die 1813 in Scharen in das Lützowsche Freikorps eintreten.

Ferdinand Hodler: Auszug der Studenten in den Freiheitskrieg 1813 Aula Uni Jena 1908

1815 gründen die Studenten die Urburschenschaft, die die Farben Schwarz-Rot-Gold als Zeichen der angestrebten Einheit eines demokratisierten Deutschen Bundes führt. Das Wartburgfest 1817 geht im Wesentlichen von der Universität Jena aus, es erregt das Misstrauen konservativer deutscher Regierungen, denen der Mord an August von Kotzebue durch den Theologiestudenten Karl Ludwig Sand 1819 willkommenen Anlass zu verstärkten Repressalien bietet. Der eingesetzte Kurator schränkt die Pressefreiheit ein und löst die Burschenschaft auf.
Carl Zeiss inzwischen weltweit berühmt - wesentlicher Impuls für den Aufstieg ist die Zusammenarbeit mit dem Glaswerk Otto Schott. 1886 fertigt die Firma das zehntausendste Mikroskop an und macht es dem Bakteriologen Robert Koch zum Geschenk.


Der Burgkeller um 1900: Burschenschaft Arminia

Die Burschenschaft steht in direkter Nachfolge der Urburschenschaft.
In der Arbeiterschaft der großen Werke Zeiss und Schott finden SPD und KPD in der Zeit der Weimarer Republik starken Zulauf, während die konservativen Parteien und die NSDAP die schlechtesten Wahlergebnisse in Thüringen erreichen.



Mit der Machtergreifung Hitlers beginnt die Diskriminierung und Verfolgung aller politischen und humanistischen Kräfte in Jena. Die Nazis vertreiben viele missliebige Wissenschaftler von ihren Posten ins KZ Buchenwald. Die Universität mutiert zu einem Ideologie-Produzenten von Rassismus (Lehrstuhl für Sozialanthropologie) und Antisemitismus (Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben). 1942 bis 1945 deportieren SS und SA Juden vom Westbahnhof aus in die Gettos und Vernichtungslager des Ostens und ermorden sie. Etliche Juden begehen Selbstmord.
In Chirurgischer und Frauenklinik führen Ärzte in großem Umfang Zwangssterilisationen durch und liefern Patienten in Euthanasie-Anstalten aus. Tausende Zwangsarbeiter sind in den Jenaer Rüstungsbetrieben beschäftigt und in einem Außenlager des KZ Buchenwald müssen bis zu 1.000 Häftlinge im Reichsbahnausbesserungswerk Zwangsarbeit leisten.
Die alliierte Bombenangriffe verursachen schwere Schäden und Totalzerstörungen, sie vernichten einen Großteil des Stadtzentrums völlig. 1946 demontiert die UdSSR 1946 Zeiss und Schott zu 94 % und bringt über 300 Spezialisten aus beiden Werken in die UdSSR, um die Werke dort neu aufzubauen. Beim Volksaufstand vom 17. Juni 1953 kommt es zu Streiks und Protesten von etwa 30.000 Bürgern der Stadt gegen Maßnahmen der DDR-Regierung. Am 18. Juni 1953 richten die Sowjets den Schlosser Alfred Diener hin. Er hat mit zwei Delegierten der Kohlearbeiter im Büro des Ersten Sekretärs der SED-Kreisleitung die Forderungen der Demonstranten vorgetragen.
1969 Geburt von Sahra Wagenknecht. Ab den 1970er Jahren wird Jena Zentrum der DDR-Opposition. Am 4. November 1989 erlebt die Stadt beim Bürgerforum mit rund 40.000 Teilnehmern die größte Demonstration der Stadtgeschichte.
Zwischen 1995 und 1997 ereignen sich in Jena Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund, wobei sich 2011 herausstellt, dass NSU seit der Jahrtausendwende terroristisch aktiv ist.







Jüterbog - 52°N 013°04'E



Im Juni 2019 kommt es auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz zum größten Waldbrand Brandenburgs seit den 1970er Jahren. Insgesamt brennen rund 750 ha Land. Der Brand dauert mehrere Tage. Als besonders problematisch erweisen sich die mit Munitionsresten verseuchten Böden, die es der Feuerwehr unmöglich machen, bestimmte Flächen des betroffenen Gebietes zu betreten.
In der Zeit des Nationalsozialismus müssen Rechtsreferendare 1933 bis 1939 einen Ausbildungsabschnitt zentral im eigens hierfür auf dem Gelände des Neuen Lagers eingerichteten Gemeinschaftslager Hanns Kerrl ableisten: Schätzungsweise rund 20.000 junge Juristen, darunter auch Sebastian Haffner und Karl Carstens, schulen die Nazis als Pflichtprogramm während ihrer Ausbildung 8 Wochen im Sinne ihrer Ideologie geschult. Die Perestroika-Reformen und ein Staatsvertrag zwischen DDR und UdSSR führen bereits im Mai 1989 zum Abzug der 32. Garde-Panzerdivision „Poltawa“. 1994 verlässt der letzte Soldat die Region.



1993 ensteht der Landkreis Teltow-Fläming.







Jever - 53°34'N 007°5'E

Wie das Land, so das Bier ...
Wenn Du Jever googelst, kommen 2 Fundstellen bei Wiki: Bier und Stadt. Hier gehts um die niedersächsische Kreisstadt mit etwa 14.000 Einwohnern des Landkreises Friesland, die das internatinal bekannte Bier braut. Inoffiziell heißt Jever Marienstadt, was auf Fräulein Maria, die letzte Herrin von Jever, verweist. Während ihrer Herrschaft erhält Jever 1536 Stadtrechte. Die Jeveringer heißen Jeveraner. Das Bier schmeckt jeversch. Jever liegt im Jeverland, dem nordöstlichen Teil der ostfriesischen Halbinsel in der Nähe der Nordseeküste, rund 15 Kilometer westlich Wilhelmshavens.
Jever ist von einigen miteinander verbundenen Tiefs umgeben, die der Entwässerung der tiefer gelegenen Flächen hinter dem Deich dienen. Im Verbund münden alle Tiefs über das Hohenstiefer Sieltief in Horumersiel in die Nordsee.




1667 kommt Jever zum Fürstentum Anhalt-Zerbst, wo die männliche Erbfolge gilt. So teilen sich 1797, nach dem Tod des letzten männlichen Erben die anderen anhaltischen Fürstentüme das Land unter sich auf. Das Jeverland jedoch geht aufgrund seines Sonderstatus als Kunkellehen an die nächstfolgende Erbin, die russische Zarin Katharina II., eine Schwester des letzten Zerbster Fürsten, über, Jever wird „über Russland regiert“, 1807 kommt es mitsamt Ostfriesland als Département Ems-Oriental an das Königreich Holland und 1810 mitsamt Holland direkt zum Kaiserreich Frankreich. Nach dem Sturz Napoleons kehrt Jever in den Besitz der russischen Krone zurück, die es 1818 an das Großherzogtum Oldenburg abtritt.
Nach dem 1. Weltkrieg wandelte sich das bis dahin liberale politische Klima der Stadt, weil Lehrer Hempel mit seinem völkischen Extremismus und antisemitischen Asichten starken Einfluss auf die jeversche Oberschicht gewinnt. 1920 kommt es zur Gründung einer Ortsgruppe des rassistischen und antisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, den der Freistaat Oldenburg verbietet. Zu seinen 34 Mitglieder gehören ausschließlich bekannte Bürger, Beamte, Lehrer des Mariengymnasiums und der Direktor des städtischen Lyzeums. Auch das ehemals liberale Jeversche Wochenblatt stellt sich ganz in den Dienst der deutschvölkischen Bewegung. 1931 stattet Adolf Hitler der Stadt einen Besuch ab und spricht in der Landwirtschaftshalle vor rund 4.000 Zuhörern. Bei den Reichstagswahlen 1933 wählen 73 % die Nazis (60 % NSDAP, 12,6 % Deutschnationale Volkspartei), Reichsdurchschnitt 52 %.
Kurz vor Weltkriegsende will die NSDAP-Kreisleitung Jever trotz der aussichtslosen militärischen Lage gegen die anrückenden alliierten Kräfte verteidigen.Im Mai 1945 versammeln sich rund 2.000 Jeveraner vor dem Schloss und protestieren gegen die sinnlose Verteidigung der Stadt. Mutige Bürger hissen die weiße Fahne auf dem Schlossturm, entwaffnen die NSDAP-Kreisleitung und erreichen die Aufgabe weiterer sinnloser Verteidigungsmaßnahmen.
Nach Verfassungsbeschwerden werden 1980 die Landkreise Ammerland, Friesland und Wittmund in ihrer bisherigen Form wiederhergestellt.
Das Friesische Brauhaus hat 270 Arbeitsplätze. Im Stadtgebiet produzieren Windkraft-, Biogas- und Photovoltaikanlagen Elektrizität, 2016 übertrifft die Produktion den Gesamtbedarf des Stadtgebietes um mehr als 50 %.







Jülich - 50°55'N 006°21'E



Gulik (niederländisch) oder Juliers (französisch) mit etwa 33.000 Einwohnern im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen, an der Rur grenzt im Norden an Linnich, im Nordosten an Titz, im Südosten an Niederzier, im Süden an Inden und im Westen an Aldenhoven. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste der 16 deutschen Länder, Landeshauptstadt ist Düsseldorf, einwohnerreichste Stadt Köln.
1794 bis 1814 gehört Jülich als Juliers im Département de la Roer zu Frankreich. 1815 wird die Stadt preußische Festungs- und Kreisstadt. In den 1920er besetzen französische und belgischen Truppen die Stadt. 1944 zerstören britische Bomber (Operation Queen) Jülich als Haupthindernis bei der Einnahme des Rheinlandes binnen 20 Minuten zu 97 %. Im Dezember 1944 erreichen amerikanische GIs das Westufer der Rur gegenüber von Jülich. Nach dem Ende der Kämpfe ist die Stadt praktisch unbewohnt und völlig zerstört.



Bedeutung hat Jülich vor allem durch das weltweit bekannte Forschungszentrum und den zur FH Aachen gehörenden Campus Jülich. Der Nobelpreisträger Peter Grünberg ist 32 Jahre Mitarbeiter am Forschungszentrum Jülich und arbeitet auch im Ruhestand bis zu seinem Tod 2018 als Gast an dem nach ihm benannten Peter Grünberg Institut. Das heutige Forschungszentrum ist ursprünglich als Standort für die inzwischen stillgelegten und rückgebauten Kernreaktoren MERLIN (FRJ-1) und DIDO (FRJ-2) errichtet. Neben dem Forschungszentrum befindet sich eine Wiederaufarbeitungsanlage. Forschungsreaktor: Insider gehen an die Öffentlichkeit
Jülich ist Station der Jakobspilger.



1997 stellt IBM eine kommerzielle Festplatte her, die den GMR-Effekt nutzt. Der Riesenmagnetowiderstand (giant magnetoresistance) basiert auf einem magnetoresistiven Effekt und ist in Strukturen zu beobachten, die aus sich abwechselnden magnetischen und nichtmagnetischen dünnen Schichten mit einigen Nanometern Schichtdicke bestehen. Er bewirkt, dass der elektrische Widerstand der Struktur von der gegenseitigen Orientierung der Magnetisierung der magnetischen Schichten abhängt, und zwar ist er bei Magnetisierung in entgegengesetzte Richtungen deutlich höher als bei Magnetisierung in die gleiche Richtung.
Ihn entdeckt Peter Grünberg, wofür er 2007 den Nobelpreis bekommt.