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Chemnitz - 50°50'N 012°55'E




Chemnitzer sagen "Gams" (oder Rußgams) zu ihrer Heimatstadt, früher war sie mal für eine Generation (1953 bis 1990) eine Stadt mit 3 O: "Gorl-Morks-Schdodd".
Drittgrößte Stadt im Freistaat Sachsen am namensgebenden kurzen Fluss nördlich des Erzgebirges: im 2. Weltkrieg zerstören alliierte Bomber die Innenstadt fast total.
Das "sächsische Manchester" mit seiner über 200-jährigen Industriegeschichte ist noch immer Technologiestandort mit den Branchenschwerpunkten Automobil- und Zulieferindustrie, Informationstechnologie sowie Maschinen- und Anlagenbau. Chemnitz hat eine Technische Universität.



Bekannte Söhne der Stadt sind der Maler Karl Schmidt-Rottluff und der Schriftsteller Stefan Heym, berühmt-berüchtigt sind "dr Nischl", sprich der gigantische Karl-Marx-Kopf und die Aufmärsche von rechts. Größtes Jugendstilensemble Europas auf dem Kaßberg. Dort war auch der Stasi-Knast, durch den die DDR mit Westdevisen freigekaufte Häftlinge in den Westen schleuste, und das Landgericht, wo der Betreiber der Webseite als Schwurgerichtsvorsitzender u.a. 62 Verfahren gegen ehemalige DDR-Kollegen wegen Rechtsbeugung führte.



August 2018: Der Abend, an dem der Rechtsstaat aufgab.
Tausende Rechtsextreme ziehen durch Chemnitz, zeigen den Hitlergruß, greifen Gegendemonstranten und Journalisten an. Die Polizei ist unterlegen und lässt sie gewähren.

Aus der Soundanlage am Karl-Marx-Kopf dröhnt Techno, viele der Anwesenden sind offensichtlich betrunken, ein paar Männer strecken ihre nackten Hintern den Kameras entgegen. Tausende Rechte sind am Montagabend in Chemnitz dem Aufruf zu einem "Trauermarsch" gefolgt. Die meisten von ihnen sind junge Männer in dunkler Kleidung, einige Ältere mit schwer zu deutenden Fahnen sind unter ihnen.
Pro Chemnitz, mit drei Sitzen im Stadtrat vertreten, hat dazu aufgerufen. Seit Tagen nutzen Rechtsextreme den tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen, den in der Nacht zum Sonntag ein Syrer und ein Iraker niederstechen. Gewaltbereite Rechtsextreme begehen unter den Augen der wenigen Polizeibeamten Straftaten. Die Menge skandiert: "Hier regiert der nationale Widerstand", "Ausländer raus" und "Wir sind das Volk".
Der Sprecher der Chemnitzer Polizeidirektion räumt ein, dass die Polizei die Teilnehmerzahl unterschätzt habe, zu wenige Beamte seien vor Ort gewesen.
Arthur Ö. bemüht sich währenddessen mit einem Megafon, die rechten Horden unter Kontrolle zu halten. Er ist Mitglied der Heimattreuen Niederdorf, eines Vereins, der im Erzgebirge aktiv ist und an rassistischen Protesten teilnimmt. Schon zu Beginn der Kundgebung zeigen einige Teilnehmer den Hitlergruß. Redebeitrag reiht sich an Redebeitrag, bis die Dämmerung einbricht.
Nach der Ansprache verläuft der Marsch zunächst friedlich weiter. Die Menge skandiert: "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" Die Lage droht erneut zu eskalieren, als ein Böller auf die Polizei fliegt, der vermutlich die Rechten treffen sollte. Der Marsch zieht sich um den Chemnitzer Innenstadtring. Polizisten begleiten sie nur an der Spitze und am Ende. Dazwischen können die Neonazis über Hunderte Meter tun und lassen, was sie wollen. Die Polizei ist nur noch als Greiftrupp in besonders brenzligen Situationen wahrnehmbar, vor allem während der Abreise der Versammlungsteilnehmer.

Aber dann:
Am 3. September kommen 65.000 Besucher zum Konzert "#wirsindmehr", wo 6 Bands ein Zeichen gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt setzen. "Kraftklub", "Die Toten Hosen" u.a. sind dabei. Und: es Bleibt friedlich und entspannt!
Und:
Chemnitz wird Kulturhauptstadt Europas!

Da staunt Ihr?







Cottbus - 51°46'N 014°20'E


niedersorbisch Chósebuz, Stadt an der Spree in Brandenburg mit gut 100.000 Einwohnern, gilt als politisches und kulturelles Zentrum der Sorben in der Niederlausitz. Ihr Name ist von Chósebud abgeleitet, was „wachsamer Held“ bedeutet.




Die Spree (36m breit!) durchfließt die Stadt auf einer Strecke von 23 km. Nach Dresden sind es 90 km, nach Grünberg (Zielona Góra) und Berlin je 100 km.
Die Herren von Cottbus, fränkisches Adelsgeschlecht, herrschen von 1199 bis 1445. Dann steht Cottbus bis 1815 unter brandenburgischer Herrschaft, als die Stadt zum Königreich Sachsen kommt.
Der namhafte Schriftsteller und Weltreisende Fürst Pückler erschafft mit dem Landschaftspark um das Schloss ein Gartenkunstwerk von internationaler Bedeutung, den Branitzer Park, durch die meisterhafte Gruppierung der Gehölze, künstlerisch gelungene Ausformung des Reliefs und geschickte Wegeführung eine Art Galerie dreidimensionaler Landschaftsbilder.




1933 beginnen die Nazis, jüdische Mitbürger systematisch zu entrechten, zu diskriminieren, zu verfolgen und zu vernichten. In einer Cottbuser Tageszeitung erscheint der Boykottaufruf gegen Lebensmittelläden, sämtliche Büroräume jüdischer Rechtsanwälte, Niederlassungen jüdischer Ärzte und Tuchversandgeschäfte. Gleichzeitig läuft eine gewollte Auswanderungswelle, unter Zahlung der geforderten „Reichsfluchtsteuer“, einhergehend mit Zwangsenteignungen von Häusern, Geschäften und Fabriken.
Ab 1938 stellen die Zittauer Phänomen-Werken das Kettenfahrzeug ZKW für die Wehrmacht her, 1.000 Arbeiter produzieren monatlich etwa 150 Fahrzeuge. 1939 verlegen die Flugzeugwerke Focke-Wulf Teile ihrer Produktion nach Cottbus.
Ab 1957 wird das Gebiet um Cottbus wichtigster Kohle- und Energielieferant.









Celle - 52°38'N 010°05'E


Knapp 70.000 Einwohner, Kreisstadt des Landkreises Celle in Niedersachsen, südliches Tor zur Lüneburger Heide, Ort mit einer pittoresken Altstadt, einem Schloss im Stil der Renaissance und des Barocks im Urstromtal der Aller. 40 km bis Hannover, 65 bis Braunschweig und 120 nach Hamburg.



1705 vererbt der letzte Celler Herzog das Fürstentum Lüneburg an die hannoverschen Welfen. Als Ersatz für den Verlust als Residenzstadt erhält Celle zahlreiche Verwaltungseinrichtungen (Oberappellationsgericht, Zuchthaus, Landgestüt), es beginnt die Entwicklung zur Beamten- und Juristenstadt. Hartnäckige Anekdote: Die Bürger einst – vor die Wahl gestellt – holten lieber das Zuchthaus nach Celle als die angebotene Universität, um die Unschuld ihrer Töchter zu schützen.
1945 fliegen die Aliierten einen Luftangriff mit dem Ziel Bahnhofsanlagen. Die Bomber treffen massiv mehrere wartende Züge, in denen sich auch etwa 4.000 KZ-Häftlinge befinden, hunderte Menschen kommen ums Leben. Einem Teil der KZ-Insassen aus den Zügen gelingt die Flucht ins nahe Neustädter Holz, wo es in den darauf folgenden Tagen zur „Celler Hasenjagd“ kommt: SS-Wachmannschaften und Celler Bürger machen Jagd auf dieFlüchtlinge und erschießen die meisten von ihnen - dunkelstes Kapitel der Celler Stadtgeschichte.







Cloppenburg - 52°51'N 008°03'E


plattdeutsch Cloppenborg, Kreisstadt des Landkreises Cloppenburg in Niedersachsen mit knapp 35.000 Einwohnern im Oldenburger Münsterland zwischen Osnabrück (ca. 70km) und Oldenburg (ca. 40 km).



1803 wird die Stadt Teil des Herzogtums Oldenburg.
1938 stecken Cloppenburger Nazis während der Novemberpogrome die Synagoge in Brand.







Clausthal-Zellerfeld - 51°48'N 010°20'E




Die Stadt im Landkreis Goslar mit knapp 16.000 Einwohnern in Niedersachsen trägt den Titel Berg- und Universitätsstadt und Luftkurort.
Bonifatius soll hier im 8. Jahrhundert eine Zelle errichtet haben und Anfang des 13. Jahrhunderts gründen die Benediktiner ein Kloster, das der Papst 1433 wieder schließt.
1851 bis 1864 treiben Bergleute den 32 km langen Ernst-August-Stollen von der Ortschaft Gittelde am südlichen Harzrand vor. Dieser tiefste Wasserlösungsstollen des Harzes verläuft fast 400 m unter Clausthal und entwässert die Bergbaureviere rundum. 1924 schließen sich die Bergstädte Clausthal und Zellerfeld zusammen, Clausthal-Zellerfeld ist bis zu dessen Auflösung 1972 Kreisstadt des Landkreises Zellerfeld.
Im Deutschen Reich entsteht in unmittelbarer Nähe die drittgrößte deutsche Sprengstofffabrik, das Werk Tanne, das hauptsächlich TNT herstellt. 1944 bombardieren 129 US-Liberator-Bomber das Werk.
Clausthal-Zellerfeld ist besonders durch seine Technische Universität bekannt, ursprünglich reine Ausbildungsstätte für Berg- und Hüttenleute, heute eine Hochschule mit breit gefächertem Studienangebot vorwiegend technischer Natur.



Die im Dreißigjährigen Krieg aus Eichen- und Fichtenholz errichtete Marktkirche zum Heiligen Geist (größte erhaltene Holzkirche Europas, das Dach mit Blei gedeckt) ist sehr aufwändig saniert.

Den Flügelaltar der evangelischen St.-Salvatoris-Kirche gestaltet Werner Tübke, bekannt durch sein Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen. Der 1997 fertiggestellte Flügelaltar zeigt auf der Mitteltafel die Kreuzigungsszene, darunter die Grablegung Christi. Auf der linken Seitentafel Maria mit dem Kind, auf der rechten die Auferstehung Christi mit dem Engel des Todes. In der Passions- und Adventszeit bleiben die Flügeltüren des Altars geschlossen, man sieht das Paradies (ohne Adam und Eva, die ja den Garten Eden verlassen mussten) und eine Abendmahlsszene. Tübke selbst wollte mit seinem Alterswerk „ein Bild der Versöhnung und des Heils für die Nachwelt schaffen“.









Coburg - 50°16'N 010°58'E


Bayerische Stadt mit gut 41.000 Einwohnern in Oberfranken mit dem Beinamen Europastadt, Sitz des Landratsamtes. Über der Stadt thront die Veste Coburg, eine der größten Burganlagen Deutschlands.



Die Itz, die insgesamt 20 Brücken überspannen, durchfließt die Stadt, in sie mündet die Lauter, die sich mit dem Sulz- und Rottenbach vereinigt.

Die nächsten Großstädte sind Erfurt, 80 km nördlich, Würzburg, 90 km südwestlich, sowie Erlangen und Nürnberg, 75 bzw. 90 km südlich.
1353 erbt Markgraf Friedrich III. von Meißen aus dem Hause Wettin die Herrschaft Coburg. 1530 weilt Martin Luther ein halbes Jahr auf der Veste Coburg, weil er wegen der über ihn verhängten Acht nicht am Reichstag zu Augsburg teilnehmen kann. Zwischen 1586 und 1633 ist Coburg Residenz und Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg. 1735 abermals Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg-Saalfeld und ab 1826 von Sachsen-Coburg und Gotha.
In Coburg und Umgebung finden im 16. und 17. Jahrhundert mindestens 228 Hexenprozesse statt. 1858 Eisenbahnanschluss an die Werrabahn, was in den folgenden 60 Jahren den häufigen Besuch von Kaisern, Zaren, Königen und Fürsten ihrer Verwandtschaft in Coburg bewirkt. Unter der Regentschaft und dem Patronat des liberalen Herzogs Ernst II. ist Coburg um 1860 Zentrum der deutschen Nationalbewegung. 1918 tritt Herzog Carl Eduard zurück. In der ersten freien Volksabstimmung in Deutschland votieren 1919 über 88% der Wähler gegen den Zusammenschluss des Freistaates Coburg mit dem Land Thüringen, 1920 wird Coburg bayerisch.
Ab 1922 entwickelt sich die Stadt zur Nazihochburg. Die NSDAP erhält 1929 erstmals in einer deutschen Stadt bei Stadtratswahlen die absolute Mehrheit und Coburg verleiht 1932 als erste deutsche Stadt Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde, ab 1939 führt Coburg den Ehrentitel „Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands“, die Nazis deportieren und ermorden 64 jüdische Einwohner.
1945 wird Coburg Amerikanische Besatzungszone, während das thüringische Hinterland zur Sowjetischen Besatzungszone gehört, Coburg liegt bis 1989 im Zonenrandgebiet.
Größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler ist die HUK-Coburg mit rund 5.500 vor Ort tätigen Mitarbeitern, was die fünfthöchsten Gewerbesteuereinnahmen in Deutschland zur Folge hat.
1910 sind über 96 % der Bevölkerung Mitglied der evangelischen Landeskirche, 2019 sind nur noch 42,8 % evangelisch, 17,7 % römisch-katholisch und 39,5 % Sonstige.









Cochem - 50°09'N 007°10'E


Kreisstadt und größter Ort des rheinland-pfälzischen Landkreises Cochem-Zell und mit gut 5.300 Einwohnern kleinste Kreisstadt Deutschlands.



Stadtzentrum und Stadtteil Sehl befinden sich am linken Moselufer, Stadtteil Cond am rechten Moselufer, Stadtteil Brauheck auf der Eifelhöhe an der Bundesstraße 259.



Cochem ist schon zu Zeiten der Kelten und Römer besiedelt, bis zur französischen Besetzung 1794 kurtrierisches Territorium. 1815 ordnet der Wiener Kongress Cochem dem Königreich Preußen zu. Nach Errichtung der Skagerrak-Brücke 1927 kommen die Fischerorte Cond und Sehl 1932 zu Cochem. Die zweite Cochemer Moselbrücke gibt es seit 1993.



Die Reichsburg, seit 1978 im Besitz der Stadt, bleibt lange Ruine, ehe sie 1868 der Berliner Kaufmann Louis Fréderic Jacques Ravené kauft und im neugotischen Stil wieder aufbaut.



Die Winneburg, seit 1932 im Besitz der Stadt, errichtet von den Herren von Wunnenberg (später Winneburg), 1689 von französischen Truppen belagert, eingenommen und gesprengt, kauft 1832 Fürst von Metternich.

In Cochem endet der Cochemer Krampen, der windungsreiche Abschnitt der Mosel, der etwa 24 Kilometer flussaufwärts in Bremm seinen Anfang nimmt und einem Krampen (einer Klammer) gleicht.
Der Tourismus prägt Cochem, Schwerpunkte sind Reichsburg, Freizeitzentrum im Stadtteil Cond, der nahegelegene Wild- und Freizeitpark Klotten und Ferien- und Golfresort Ediger-Eller auf der Eifelhöhe. Der Weinbau ist in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig.
Hiervon sind besonders die Steillagen betroffen, wodurch sich das Landschaftsbild sehr gewandelt hat. Während auf vielen Hängen im Stadtgebiet bis in die 1980er-Jahre noch Reben wachsen, hat sich die Natur die meisten Weinbergslagen zurückerobert.
Der Kaiser-Wilhelm-Tunnel an der Eisenbahnstrecke Cochem - Ediger-Eller war bis 1985 mit 4,2 km der längste Tunnel Deutschlands.









Coesfeld - 51°57'N 007°10'E


gesprochen Koosfelt, Kreisstadt in Nordrhein-Westfalen im westlichen Münsterland mit gut 26.000 Einwohnern, etwa 35 km westlich von Münster. Bei Billerbeck entspringt die Berkel und fließt durch Coesfeld, wo man sie am Walkenbrückentor staut, um das Wasser zum größeren Teil als Umflut innerhalb der Wälle außerhalb des Rings um die Stadt zu führen.


Auf Ochse!


Coesfelder Schichten

Corona:


Journalist Manfred Götzke spricht in Coesfeld mit rumänischen Arbeitskräften: Mehrere Arbeiter hätten ihm berichtet, dass sie pro Monat 1.200 bis 1.300 € brutto verdienen. Davon abgezogen wird Geld für Unterkunft und Arbeitskleidung. Unterm Strich blieben demnach 600 bis 700 €. Dafür, so berichten ihm die Betroffenen, mussten sie an 6 Tagen pro Woche jeweils 10 bis 12 Stunden arbeiten, geradezu kriminelle Zustände.









Crailsheim - 49°08'N 010°04'E


gesprochen Kralse. Die Stadt mit gut 34.000 Einwohnern liegt beidseits der Jagst im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs, etwa 32 km von Schwäbisch Hall und 40 km von Ansbach entfernt. Die Crailsheimer Bucht hat die Jagst bei ihrem Austritt aus dem Keuperbergland ausgeräumt und fließt dann in den Kocher-Jagst-Ebenen weiter. Crailsheimer Hardt heißen die umrahmenden Berge, Teil der Frankenhöhe.
1376 schließen sich verschiedene Städte im Schwäbischen Städtebund gegen Kaiser Karl IV. zusammen, der sie hart auspresste, aufgrund seiner Raffgier auch „des deutschen Reiches Stiefvater“ genannt. Nach wechselseitigen Plünderungen und Brandschatzungen belagern die Städte erfolglos Crailsheim. Die Legende erzählt, dass die eingeschlossenen Crailsheimerinnen nach Monaten der zermürbenden Belagerung zu einer letzten List greifen, um die Stürmung der Stadt abzuwenden. Sie sammeln das letzte noch vorhandene Mehl, backen daraus die in ihrer Form unverkennbaren Horaffen (= „Horn offen“) und werfen sie über die Stadtmauer. Gleichzeitig bestieg die Bürgermeistersgattin mutig die Stadtmauer und zieht blank: Sie streckt den Angreifern ihr Hinterteil entgegen, dessen Konturen von unten, aus der Sicht der Belagerer, denen der Horaffen glichen. Die Reichsstädter erschrecken ob der Leibesfülle und fürchten, dass alle eingeschlossenen Crailsheimer so wohlgenährt wie des Bürgermeisters Gattin seien und es daher noch lange brauchen würde, die Stadt auszuhungern. Da die von den Städten eingesetzten Söldnerheere große Summen verschlingen, sieht man sich zum Abzug genötigt. Die Crailsheimer feiern seit damals den 3. Februar, an dem die Bäckerein den Schülern je einen Horaffen schenken.

1806 kommt Crailsheim ans Königreich Bayern, das die Stadt 1810 ans Königreich Württemberg abtritt.
Crailsheimer Nazis schänden die 1783 von zahlreichen jüdischen Einwohnern errichtete Synagoge beim Novemberpogrom 1938. US-amerikanische Luftwaffernangriffe zerstören 1945 die historische Innenstadt zu 95 %. 1973 schlägt man den Landkreis Crailsheim dem Landkreis Schwäbisch Hall zu.







Cuxhaven - 53°52'N 008°42'E



Die Stadt mit etwa 48.000 Einwohnern an der Mündung der Elbe in die Nordsee ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Niedersachsen. Der Fischereihafen zählt zu den größten in Deutschland. Große wirtschaftliche Bedeutung haben im Nordseeheilbad Cuxhaven der Kurbetrieb und Tourismus. Wahrzeichen Cuxhavens ist die Kugelbake. Das hölzerne Seezeichen markiert an der Elbmündung den Übergang von der Unter- zur Außenelbe und damit die Grenze für die Binnenschifffahrt. Sie ist auch Motiv des Wappens der Stadt.
Cuxhaven liegt an der nördlichen Spitze Niedersachsens und ist an zwei Seiten von Wasser umgeben.
Ab 1889 wird die Anlage der Hamburg-Amerika-Linie bedeutsam, von der nicht nur der Linienverkehr über den Atlantik führt, sondern 1891 auch auf der "Augusta Victoria" die erste Kreuzfahrt der Welt startet.
Im 1. Weltkrieg fliegen britische Luftstreitkräfte von provisorischen Flugzeugträgern aus und mit Unterstützung der Royal Navy den sogenannten Weihnachtsangriff am 25. Dezember 1914, um die Marinebasis in Cuxhaven und die Luftschiffe und Hangars auf dem Fliegerhorst Nordholz zu treffen. Wegen ungünstigen Wetters und vorzeitiger Entdeckung und Abwehr bleiben die Schäden gering.
1937 geht Cuxhaven von Hamburg an die preußische Provinz Hannover. Bis 1993 ist aber der Amerika-Hafen und das Steubenhöft hamburgisches Eigentum, und eine Revierwache der Hamburger Wasserschutzpolizei befindet sich noch immer in Cuxhaven.



In Cuxhaven existiert die größte Windkraftanlage der Welt.
Am Hafen befindet sich der sogenannte Windsemaphor „B/H“. Das Gerät aus dem Jahr 1884 zeigt den in die Nordsee ausfahrenden Schiffen die jeweiligen Windrichtungen und -stärken auf den Inseln Borkum „B“ und Helgoland „H“ an.
Die Wattflächen vor Cuxhaven gehören zu Nationalparks, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen, wo sich Brutbestände von Austernfischer, Rotschenkel, Silbermöwe und (in geringer Zahl) Sandregenpfeifer sowie einem Bestand von mehreren hundert Großen Brachvögeln befinden.
Die "Bürgermeister O’Swald II", letztes bemannte Feuerschiff in der Elbmündung ist noch seetüchtig, und fährt zu verschiedenen Festen an der Nordseeküste. Auf Wunsch können Brautleute die kleine Offiziersmesse auch als Standesamt nutzen.
Das einzige in Deutschland noch ganz aus Holz erhaltene Exemplar eines Gaffelschoners ist "Hermine", die am Schleusenpriel steht.
Die Hauptgeschäfte des Hafens sind RoRo-Verkehre, Neufahrzeug-Lagerung und -Verschiffung, Container-Umschlag sowie die Lagerung und der Umschlag von Anlagenteilen für Offshore-Windparks. Auch Großkomponenten wie Turmsektionen, Rotorblätter und Maschinenhäuser für Windenergieanlagen an Land werden umgeschlagen. Der Fährverkehr nach Helgoland – sowohl Personen- wie Wirtschaftsverkehr – findet von einem eigenen Terminal statt.









Düsseldorf - 51°14'N 006°47'E


Die Stadt am Rhein mit gut 645.000 Einwohnern ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr mit rund zehn Mill. Einwohnern, sie liegt auf Platz 6 der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Ende 14. bis 19. Jahrhundert ist die Stadt Regierungssitz des Herzogtums Berg, der Herzogtümer Jülich-Berg und Jülich-Kleve-Berg, des Großherzogtums Berg, sowie Residenz des Pfalzgrafen und Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Im Kaiserreich entwickelt sich Düsseldorf während der Hochindustrialisierung zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“.
Schon im April 1933 verbrennen Studenten „unerwünschte Literatur“, u. a. Heinrich Heines. Die Nazis verhaften, misshandeln oder töten zahlreiche Regimegegner.
Düsseldorf als Hauptstadt des Gaus Düsseldorf ist Sitz zahlreicher NS-Verbände - zu „Höhepunkten“ zählen die Propagandaschauen Reichsausstellung Schaffendes Volk (1937) und Entartete Musik (1938). 1938 brennen Düsseldorfer Nazis zwei Synagogen nieder, das „Judenreferat“ der Staatspolizeileitstelle verfolgt die jüdische Bevölkerung und organisiert die Deportation von fast 6.000 Juden aus dem Regierungsbezirk, die Nazis ermorden in den KZs über 2.200 Düsseldorfer Juden. 1944 befinden sich in etwa 400 Lagern Düsseldorfs rund 35.000 ausländische Zivilarbeiter, mehrere tausend Kriegsgefangene sowie KZ-Häftlinge, die Zwangsarbeit leisten.
Die alliierten Luftangriffe fordern bis 1945 mehr als 5.000 Tote, die Hälfte der Gebäude und alle Rheinbrücken sind zerstört, der Rest beschädigt. Im April 1945 versuchen einige Bürger die Festsetzung des Polizeipräsidenten zu erwirken, um die Stadt kampflos an die Alliierten zu übergeben. Der Putschversuch wird verraten, Gauleiter Florian lässt fünf Widerstandsmitglieder standrechtlich erschießen, die beiden letzten entkommen, sie erreichen die heranrückenden amerikanischen Streitkräfte, können die endgültige Zerstörung der Stadt abwenden.



Düsseldorf besitzt mehrere Rheinhäfen, viele Hochschulen, darunter die renommierte Kunstakademie Düsseldorf. Die Altstadt („längste Theke der Welt“), der Einkaufsboulevard Königsallee („Kö“), der Düsseldorfer Karneval, sind ebenso Anziehungspunkte wie zahlreiche Museen und Galerien sowie die Rheinuferpromenade und der moderne Medienhafen. Zahlreiche Hochhäuser, Kirchtürme, der 240 Meter hohe Rheinturm, Baudenkmäler und 7 Rheinbrücken prägen das Stadtbild. Bemerkenswert ist die große Anzahl ostasiatischer Einwohner.







Dachau - 48°16'N 011°26'E




Das KZ Dachau, erstes „offizielles“ Lager, neben Auschwitz verschafft der Stadt weltweite traurige Berühmtheit. Himmler wählt das frühere Munitinosfabrikgelände wählt aus, ohne den Gemeinderat zu informieren. Das KZ dient in den Anfangsjahren zur Inhaftierung und Abschreckung politisch Andersdenkender, ist Ausbildungsstätte der SS-KZ-Wachmannschaften. 1941 und 1942 erschießen diese Tauende sowjetische Kriegsgefangene.
Dachau liegt an der Amper und hat knapp 48.000 Einwohner. In der Latènezeit siedeln Kelten in der Umgebung von Dachau. Die Römer erobern 15 v. Chr. den Voralpenraum. 3 römische Straßen kreuzen sich bei der Straßenstation Ambra beim Ortsteil Würmmühle an der Amper und führen teilweise durch das heutige Stadtgebiet. Ab dem 12. Jahrhundert dient Dachau als Sommersitz für zahlreiche bayerische Fürsten.
Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Ort Heimat zahlreicher Künstler. Die Künstlerkolonie machte Dachau zur bedeutendsten Malerkolonie neben Worpswede in Deutschland außerhalb der großen Städte.
Dachau als Arbeiterstadt ist zu Zeiten der Münchner Räterepublik Hochburg der SPD, USPD und KPD. Als Rudolf Heß im Gasthaus "Hörhammer" für die NSDAP werben will, vertreiben ihn Gejohle und Pfiffe und die "Internationale". Bei der Reichstagswahl 1933 erreichen die Nazis gerade mal 24 % (Bayern 43!). Man ist stolz, eine rote Stadt zu sein.



Im April 1945 findet der "Dachauer Aufstand" statt, eine Widerstandsgruppe aus kurz vorher entflohenen KZ-Häftlingen, Dachauer Bürgern und Angehörigen des Volkssturms wollen das NS-Regime in der Stadt beenden und einen sinnlosen Abwehrkampf verhindern. Über Radiosender apellieren sie zum Widerstand gegen die Nazis. Etwa 25 Personen stürmen das Rathaus, entwaffnen Mitglieder der Gestapo. Die Waffen-SS schlägt den Aufstand nieder und richtet die Aufständischen hin.
Am nächsten Tag, dem 29. April 1945, marschiert die US-Armee zur Befreiung des Hauptlagers ein. Sie trifft völlig unvorbereitet auf den Todeszug aus Buchenwald, der neben dem Häftlingslager auf dem SS-Gelände steht und in dessen Waggons etwa 2.300 Leichen liegen. Nach diesem schockierenden Eindruck kommt es zu spontaner Selbstjustiz. Die US-Soldaten exekutieren SS-Männer, später "Dachau-Massaker" genannt.
Einen weiteren Tag später marschieren die Truppen in München ein, sie befreien nahegelegene Außenlager, unter den Häftlingen befindet sich Viktor Frankl, dessen späteres Buch … trotzdem Ja zum Leben über seine Erfahrungen in den Lagern Dachau und Auschwitz weltweite Bekanntheit erreicht. Häftlingstransporte, die sich in der Umgebung Münchens befinden, kommen frei.
Militärgerichte der US Army führen von 1945 bis 1948 in Dachau auf dem Gelände des KZ 489 Prozesse gegen Nazi-Kriegsverbrecher.



Bei der Kommunalwahl 2002 fäscht die CSU hundertfach Wahlzettel zugunsten ihrer Kandidaten. 2012 kommt es zu einem Mord im Amtsgericht Dachau, der landesweit Aufsehen erregt.
Dachau setzt sich mit seiner NS-Vergangenheit auseinander, ist ein Platz voller Mahnstätten und Erinnerungsorten, die jährlich über 1 Mill. Menschen aus In- und Ausland besuchen.







Dannenberg (Elbe) - 53°06'N 011°05'E




Stadt im Landkreis Lüchow-Dannenberg mit 8.200 Einwohnern im äußersten Osten Niedersachsens an der Jeetzel nahe deren Mündung in die Elbe.
Es ist der östlichste Landkreis Niedersachsens und mit gut 48.000 Einwohnern nach Einwohnerzahl kleinster Deutschlands sowie der am dünnsten besiedelte der alten Bundesländer. Kreisstadt und bevölkerungsreichster Ort im Landkreis ist Lüchow (Wendland), zweitgrößte Stadt ist Dannenberg (Elbe), der Name Wendland leitet sich von den Wenden (Polaben) ab, den slawischen Ureinwohnern.



Die Innenstadt Dannenbergs besteht im Kern aus einem einzigen Straßenzug. 1932 fasst man die Kreise Dannenberg und Lüchow zu einem Kreis zusammen.









Dresden - 51°03'N 013°44'E




Mehr als eine halbe Mill. Einwohner, Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen, nach Leipzig zweitgrößte Stadt in den Neuen Bundesländern.



Politisches Zentrum Sachsens mit bedeutenden Bildungs- und Kultureinrichtungen wie der Hochschule für Bildende Künste und der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber. Die an der Elbe gelegene Stadt, genannt "Elbflorenz" ist einer der ökonomisch dynamischsten Regionen in Deutschland mit über 780.000 Einwohnern. Innovationen und Spitzentechnologien wie Informationstechnik und Nanoelektronik sind ansässig und beliebter Touristenort. Wer Dresden besucht, wird sein Blaues Wunder erleben ...
Zwinger, Frauenkirche, Semperoper, Hofkirche und Residenzschloss sind Highlights. Der 1434 begründete Striezelmarkt ist einer der ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkte Deutschlands.









Dingolfing - 48°38'N 012°30'E




20.000 Einwohner hat die Kreisstadt des Landkreises Dingolfing-Landau in Niederbayern im Tal der Isar, die das Stadtgebiet von West nach Ost durchfließt. Ihr im Stausee gesammeltes Wasser treibt das Kraftwerk an und ist Naherholungsgebiet sowie Brutstätte für viele Wasservogelarten.
Bedeutendste Bauwerk und Wahrzeichen der Stadt ist die dreischiffige spätgotische Hallenkirche St. Johannes, deren ältester Teil von 1467 stammt.



Größter Arbeitgeber für Stadt und Umland ist BMW mit knapp 20.000 Arbeitnehmern, die jährlich etwa 360.000 Autos der 3er-, 4er-, 5er-, 6er- und 7er-Reihe herstellen, der weltweit größte von insgesamt 24 Produktionsstandorten, der Dingolfing zu einer der reichsten Gemeinden in Deutschland macht.









Dieburg - 49°54'N 008°50'E




Berühmt-berüchtigt durch die Hexenprozesse.
Unzählige Menschen finden den Tod auf dem Scheiterhaufen. Den Glöckner und Kupferschmied Lorenz Drach - den „Drachen zu Dieburg“ - lässt der Erzbishof 1603 in Aschaffenburg zusammen mit anderen Männern durch Vierteilung hinrichten. Wegen Verfolgung ihrer Frauen hatten Männer eine Schmähschrift verfasst, in der sie die Hexenprozesse des Erzbischofs anprangern. In Dieburg leben viele der Hexerei verdächtige Personen, das Volk ist aufgebracht. Zur Beruhigung der Einwohner führt die Kirche einen Hexenprozess gegen die Witwe von Martin Padt und lässt sie hinrichten. Auch ihre Mutter hat man 20 Jahre zuvor schon als Hexe verbrannt. Die Padtin benennt viele Menschen als angebliche Mitschuldige, es kommt zu einer Serie neuer Prozesse in Dieburg usw. Der Angeklagte Philipp Krämer sagt 1627 im Verhör aus, dass alle Zeugenaussagen gegen ihn falsch seien und der Glaube an Hexerei nichts als Aberglauben wäre. Dafür enthauptet man ihn und verbrennt seine Leiche. 1629 beginnt eine neue Prozesswelle gegen 21 Verdächtige, ganze Familien rottet die Inquisition aus.
Knapp 16.000 Einwohner hat Dibborsch, wie die Einheimischen sagen. 15 km östlich Darmstadts im Tal der Gersprenz nördlich des Odenwalds, einer der Standorte der Hochschule Darmstadt. 85 – 90 n. Chr. gliedern die Römer den Ort in die Provinz Obergermanien ihres Reiches ein und gründen um 125 n. Chr. die Civitas Auderiensium, deren Hauptort das heutige Dieburg ist.

Zahlreiche Kultgegenstände aus der Zeit, darunter ein bedeutendes Zeugnis des Mithraskultes, sind im Stadtmuseum zu besichtigen.







Dinslaken - 51°34'N 006°44'E




Überregionale Schlagzeilen:
1991 sickern 270.000 l Benzin aus einer gebrochenen Pipeline ins Erdreich. Bergarbeiter der Zeche Lohberg treten aus Protest gegen die Kohlepolitik der Bundesregierung 1.000 m unter Tage in den Hungerstreik, bald auch in weiteren Zechen der Region. 1996 brennen über 100 Tage Mahnfeuer, da die Kumpel der Zeche Lohberg-Osterfeld ihre Arbeitsplätze durch die restriktive Kohlepolitik gefährdet sehen, 2005 wird die Zeche geschlossen. Dinslaken-Lohberg ist bekannt für seine salafistische Dschihadistenszene.
Ab 1933 systematische Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung, die man 1935 offiziell von den Viehmärkten ausschließt. In der Reichspogromnacht zerstören Nazis Synagoge und jüdisches Waisenhaus, ebenso Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Bürger und schließen die jüdische Schule. Die Nazis vertreiben 35 Dinslakener Waisenkinder vor den Augen zahlreich versammelter Stadtbewohner gemeinsam mit einem ihrer Lehrer und Erzieher aus der Stadt mit einem Leiterwagen, den die ältesten der Kinder schieben müssen, ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt.



An diesen "Judenzug" erinnert die Skulptur des Dinslakener Künstlers Alfred Grimm.
Jüdische Männer im Alter unter 60 Jahren - viele von ihnen im 1. Weltkrieg hochdekorierte Soldaten - deportiert die SS ins KZ Sachsenhausen und Dachau.
Die Stadt Dinslaken mit knapp 70.000 Einwohnern am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen grenzt an Duisburg und Oberhausen und ist etwa 13 km von Wesel entfernt. Der Name erklärt sich aus den bis in die 1950er Jahre im Stadtgebiet vorhandenen Laken (Tümpel).
1816 fällt Dinslaken an Preußen, ab 1909 existiert ein Landkreis Dinslaken, August und Josef Thyssen gründen in Dinslaken eine oHG, 1914 fördert die Zeche Lohberg 27.000 Tonnen Kohle. Als Frankreich und Belgien 1923 das Ruhrgebiet wegen rückständiger Reparationszahlungen nach dem Versailler Vertrag besetzen, marschieren belgische Truppen in Dinslaken ein. Massenarbeitslosigkeit, die Stadt druckt eigenes Geld, Unruhen, insbesondere in Lohberg, politische Morde, die Zeche Lohberg kommt zum Erliegen.
Ab 1940 ist Dinslaken Ziel alliierter Bombenangriffe. Der Großviehmarkt, wenige Jahrzehnte vorher noch wirtschaftliches Standbein der Stadt, wird 1954 aus Rentabilitätsgründen eingestellt. Im selben Jahr eröffnet die Trabrennbahn, die heute einzige Halbmeilenbahn Deutschlands, 1959 wählt die Bundesversammlung Heinrich Lübke (Bundestagsabgeordneter des Kreises) zum Bundespräsidenten.
Die Industrie umwirbt ab den späten 1950er Jahren Gastarbeiter für Bergbau und Industrie: Banater Schwaben, Kroatiendeutsche, Itaiener, Griechen, Koreaner, Türken, Polen stömen in die Stadt.



Die Emschermündung in den Rhein







Dillingen an der Donau - 48°35'N 010°30'E




Große Kreisstadt und Verwaltungssitz des Landkreises im bayerischen Schwaben am Nordufer der Donau im Donauried, Augsburg ist rund 50 km entfernt. Das steinzeitliche Gräberfeld in Dillingen-Steinheim - eines der best erforschten in Mitteleuropa.
Während der Hexenverfolgungen spürt die Inquisition 65 Personen auf, die meisten Angeklagten überleben ihren Prozess nicht, Walpurga Hausmännin wird 1587 bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Seit 1803 ist Dillingen bayerisch.
1848 studiert die wohl bekannteste Person Dillingens Theologie in der Stadt an der Donau. Heute erinnert ein Rundweg durch die Stadt an das Wirken des umstrittenen Priesters und Hydrotherapeuten in Dillingen. Im Stadt- und Hochstiftmuseum existiert zudem eine Ausstellung über seine Heilerfolge und das Entstehen seiner Medizin. Jeder kennt ihn, Ihr auch?

Ihr habt ihn sicher erraten: Sebastian Anton Kneipp (1821 - 1897) Kaltwassertherapie betreibender Naturheilkundler, ein bayerischer römisch-katholischer Plagiateur und Priester. Schon der 11jährige muss beim Vater am Webstuhl oder als Viehhirte des Dorfes arbeiten, so arm ist die Familie. Sein Elternhaus brennt ab, seine Ersparnisse gehen verloren, er verlässt den Heimatort und wird Knecht. Spätestens seit 1846 leidet Kneipp an einer Lungenerkrankung, vermutlich Tuberkulose. Mit Wasserkuren wird er angeblich gesund. 1852 Priesterweihe. 1853 erste Anzeige wegen Kurpfuscherei, Kneipp hat eine cholerakranke Magd mit heißen Wickeln behandelt. 2 Gulden Buße. Ironischerweise stellt er auch dem Richter eine Kuranweisung gegen Gicht aus.




1854 wird Kneipp wegen „Gewerbebeeinträchtigung und Schädigung“ angeklagt. Als eine Choleraepidemie ausbricht, heilt er angeblich 42 Personen - sein Vater stirbt.
Kneipp verfasst 1860 "Meine Wasser-Kur" (ein Plagiat, das erst 1899 in der 65. Auflage auffliegt!). Kneipp bereist fast ganz Europa. Trotz aller Erfolge hören die Anfeindungen nie auf. Es kommt zu Brandstiftungen in Wörishofen. Die Leipziger Volkszeitung kritisiert Kneipp scharf, wirft ihm unter anderem Profitgier und Verwahrlosung der zur Pflege anvertrauten Kinder vor. 1896 bekommt er einen schnell wachsenden Tumor im Unterleib, er lehnt eine Operation ab und stirbt.







Demmin - 53°54'N 013°03'E


Inferno 1945: Wohl der größte Massensuizid deutscher Geschichte.
Die abziehende Wehrmacht sprengt die drei Brücken der Stadt hinter sich, um dem Gegner den Vormarsch zu erschweren. Obwohl die Demminer ihre Stadt an die Rote Armee kampflos übergeben, vergewaltigen die Rotarmisten Frauen und zünden Häuser an, wohl aus Rache für die Vergiftung ihrer Offiziere in der Adler-Apotheke: Familie Müller nimmt sich mit vergifteten Getränken das Leben und bietet diese auch eingeladenen sowjetischen Offizieren an, worauf einer von ihnen stirbt.
Aus Angst vor Gräueltaten und der Rache der Sieger kommt es vielfach - auch bereits im Vorhinein - zum Massensuizid, bei dem sich Einwohner und Flüchtlinge - fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern - erhängen oder in den Flüssen ertränken. Weit über 1.000 Menschen scheiden aus dem Leben. Genaue Zahlen sind nicht zu ermitteln, weil unzählige Flüchtlinge in der Stadt sind und unzählige Leichen in den Flüssen abtreiben. Bis in die 1950er Jahre hinein finden sich immer noch Reste verbrannter Menschen in den Trümmern. Ein großer Findling erinnert auf dem Stadtfriedhof an die Opfer:

Freitote, am Sinne des Lebens irre geworden.



Bis 2011 gibt es einen Landkreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Sein Gebiet geht dann größtenteils im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, zum kleineren Teil im Landkreis Vorpommern-Greifswald auf.
Die Hansestadt Demmin, eine Kleinstadt im östlichen Zentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit gut 11.000 Einwohnern, gehört zum Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Sie betont aber stets ihre Zugehörigkeit zu Vorpommern, Demmin ist 1818 bis 2011 Kreisstadt des gleichnamigen Kreises.



Peene, Trebel und Tollense, die drei Flüsse, die hier zusammenfließen. Die Peene kommt vom nahen Kummerower See und mündet in die Ostsee. Auf dem Fluss ist der Kummerower See und das Stettiner Haff per Schiff zu erreichen. In Anlehnung an das antike Zweistromland nennt man das Gebiet der Mündungen der drei Flüse touristisch gerne Dreistromland. Im nördlich gelegenen Waldgebiet Drosedower Wald und Woldeforst liegt das große Naturschutzgebiet Kronwald.
Zwei Prinzessinnen erbauen die Burg „Haus Demmin“ und geloben sich gegenseitig: "Dat Hus is din und min." Daraus ist der Name der Burg und damit der Stadt entstanden.
Wahr?
Von 1283 bis 1607 ist Demmin Mitglied der Hanse. 1648 bis 1720 gehört Demmin zu Schweden und danach zu Preußen. Dann kommen wieder die Schweden und dann wieder 1759 die Preußen. Acht Mal geht es hin und er. 1807 kommen die Franzosen, 1815 wird ganz Vorpommern Preußen zuerkannt.
Bei der Reichstagswahl 1933 erreicht die NSDAP fas 54 % der Stimmen. 1938 versammelten sich Tausende auf dem Marktplatz zu einer antisemitischen Kundgebung.
Den Großteil der historischen Innenstadt, insbesondere den Stadtkern, steckt die Rote Armee 1945 in Brand. Die DDR baut Demmin weitgehend neu auf.
Durch Demmin führt die B 110 zwischen Rostock und Anklam, die hier die Peene überquert. In Nord-Süd-Richtung kreuzt die B 194 zwischen Stralsund und Stavenhagen, Teil der Deutschen Alleenstraße, die Peene.







Düren - 50°48' N 006°29'E


Die im 2. Weltkrieg am schwersten zerstörte Stadt Deutschlands.
"Das Tor zur Nordeifel" nennt sich die von von der Rur durchflossene Stadt, mit rund 92.400 Einwohnern eine große Mittelstadt in Nordrhein-Westfalen am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln, Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises.



747 zur Zeit der Franken kommt Karl der Große in die Stadt, mit dem Annahaupt, Reliquie der Heiligen Anna, ist Düren Ziel vieler Pilger. 1944 zererstören Bomben der Alliierten Düren zu 99 %. Wirtschaftlich parägen die Stadt Branchen der Papier- und Metallverarbeitung, Elektromobilität.







Donauwörth - 48°43'N 010°47'E


1197 ist das Gründungsjahr des Deutschen Ritterordens. Eine seiner ältesten Niederlassungen steht in Donauwörth. König Friedrich II. übergibt ihren Hospitalbrüdern die Kapelle an der Donaubrücke. Als Komtur Heinrich von Zipplingen 1332 mit seinem ganzen Konvent nach Donauwörth zieht, vergrößert er Haus und Kapelle. Das Gebäude in seiner heutigen Form stammt von 1778 und beherbergt Kunstgalerie und Polizeiinspektion. Die Kommende Donauwörth gehörte zur Deutschordensballei Franken.
Die Kreisstadt Donauwörth mit gut 20.000 Einwohnern im schwäbischen Landkreis Donau-Ries (bis 1607 "Schwäbischwerd" - Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich) liegt im nördlichen Schwaben, an den Mündungen der von Norden kommenden Flüsse Kessel und Wörnitz sowie der von Süden kommenden Flüsse Zusam und Schmutter in die Donau.












Die Altstadt von Donauwörth liegt eingezwängt zwischen der Wörnitz und dem Schellenberg.
Zur Vorbereitung der Schlacht auf dem Lechfeld 955 entsteht die erste Donaubrücke. 1256 lässt der Wittelsbacher Herzog Ludwig II. in Schwäbischwerd seine Frau Maria von Brabant aus ungeklärten Motiven (als Ehebrecherin?) enthaupten. 1945 bombardiert die US-Luftflotte die Stadt zwei Mal. Bahnhof und Stadtzentrum sind nahezu eingeebnet, die Innenstadt zu etwa 3/4 zerstört. 2017 eröffnet ein neuer Donauhafen.



Die Reichsstraße, Kernstück der Stadt, ist im Heiligen Römischen Reich Teil der Straße zwischen den Reichsstädten Nürnberg und Augsburg und heute Teil der Romantischen Straße. Das repräsentative Fuggerhaus von 1539 mit seinem markanten Giebel bildet ihr westliches Ende, heute Landratsamt.









Detmold - 51°56'N 008°53'E


Stadt in Nordrhein-Westfalen mit ungefähr 75.000 Einwohnern, größte Stadt im Kreis Lippe mit dem Kz LIP. Das Deutsche Jugendherbergswerk hat hier seine Hauptverwaltung.
1468 bis 1918 ist Detmold die Residenzstadt der Fürsten zur Lippe, dann bis 1947 Hauptstadt des Freistaats Lippe, als es zum Bundesland Nordrhein-Westfalen kommt. 1932 bis 1972 ist die Stadt Sitz des Kreises Detmold.
Detmold liegt 30km östlich von Bielefeld und 100km südwestlich von Hannover an der Werre, in die Knochen- und Heidenbach münden.











Duderstadt - 51°31'N 010°15'E

Das Umland der Stadt im Landkreis Göttingen im südöstlichen Niedersachsen mit gut 20.000 Einwohnern im Untereichsfeld heißt seiner fruchtbaren Böden wegen seit dem Mittelalter "Goldene Mark". Durch die Stadt fließen Hahle und Brehme.









Bad Dürkheim - 49°28'N 008°10'E


"Dergem" nennen die Einheimischen ihr Stadt, eine Kur- und Kreisstadt am Rande des Pfälzerwalds in Rheinland-Pfalz, bekannt durch das Dürkheimer Riesenfass.



Nach Kaiserslautern sind es 30 km, nach Ludwigshafen und Mannheim je 20 km. Die Isenach, ein linker Nebenfluss des Rheins, die die Stadt durchfließt, entspringt im Pfälzerwald.
Die Römer haben zahlreiche Belege hinterlassen, wie ein großes Weingut mit Friedhof und Herrenhaus, eine Villa rustica und den Steinbruch Kriemhildenstuhl.
1798 bis 1814 ist Dürkheim französisch, 1815 österreichisch, dann bayerisch und ab 1945 gehört der Ort zu Rheinland-Pfalz.
Als 1951 die Gruppe 47 in der Stadt tagt, gewinnt Heinrich Böll für seine Kurzgeschichte "Die schwarzen Schafe" ihren Literaturpreis.
Hauptwirtschaftszweig in Bad Dürkheim, das gut 18.000 Einwohner hat, ist Weinbau und Salzgewinnung. Die Saline, Teil der Kuranlagen Bad Dürkheims, 330 m lang, ist eine der größten ihrer Art in Deutschland.