Dokus



Törn 2018






S C I L L Y    I S L A N D S





Wer kennt schon die Silly-Islands?
Alle meine - auch die weitestgereisten - Freunde schütteln den Kopf, außer Schwager Michael: Er ist mit seiner Maschine auf St Mary's Airport schon gelandet, "eine ziemlich kurze Piste", wie er meinte ...
Mehr als 800 Wracks – aus über 1.000 Jahren Geschichte – liegen bei den Scillys auf Grund. Die 140 Inseln und 90 Felsen vor der Südwestspitze Englands sind eine navigatorische Herausforderung (Nebel, Gezeiten), die den vielen Schiffen zum Verhängnis wurde.
Die Inselgruppe - nur fünf sind bewohnt - liegt gut 24 sm südwestlich von Land’s End im Atlantik, nahe dem Westende des Ärmelkanals.

"The Emperor of the Scillys", Augustus Smidth, hat nicht nur Galionsfiguren der Wracks gesammelt, sondern auch den wunderbaren Abbey Garden auf Tresco Island angelegt, wo er sie ausstellte und wo sie bis heute zu bestaunen sind.

1804 in London in eine wohlhabende Hertfordshire-Familie geboren, erlebt er in seiner Juend zwei schwere Unglücke: Sein älterer Steifbruder stürzt tödlich vom Pferd und seine Mutter stribt bei einer Parisreise.
Nach einem Studium erwirbt Smith in Hertfordshire als Philanthrop Verdienste. Er tut alles, um die Bildungsstandards zu verbessern, eröffnet mehrere konfessionslose Schulen mit eigenen Geld.

antippen: groß

1834 pachtet Augustus Smith vom Herzog von Cornwall die Scilly Islands für 20.000 £ und verschafft sich damit den quasi-aristokratischen Titel 'Lord Proprietor'.

Für die Leute von Penzance waren die Scillys Mitte des 19. Jahrhunderts eine Ansammlung von 365 Inseln, eine für jeden Tag des Jahres, bewohnt von Schmugglern, Piraten und anderem Gesindel. 6 Inseln bewohnt, mehr Wracks als Bäume. Einzige ehrliche Tätigkeit war Lotsen, Fischen oder Ackerbau. Es gab aber wenig Lotsen, die Einwohnerschaft war zu faul, um auf Fischfang zu gehen, die Bauern produzierten lediglich ein paar Körbe Frühkartoffeln, etwas schimmelige Gerste und Schweine wie Whippets (magere Hunde), nur langsamer und wilder. Die Scillonnians lebten ständig am Rande einer Katastrophe, schienen aber unfähig, etwas ernst zu nehmen.
Als Augustus Smidth 1834 auf den Scillys ankommt, türmen sich dunkel um ihn die Inseln, es fehlen Recht, Religion, Bildung, Nahrung, sauberes Wasser; kriminalisierte Einwohner, verarmt und unterdrückt. Gigantisches Meer, grauenhftes Wetter, überall Chaos. Unvorstellbarer Hunger, schlimme Krankheiten: Genau solch einen Platz hat Augustus gesucht.

Smith verbessert die Lebensbedingungen der Insulaner. Neben dem Bau eines neuen Kais in Hugh Town auf St. Mary's pflanzt er Stechginster und Bäume, um die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu schützen. Er lässt auf den fünf Hauptinseln Schulen bauen und führt die Schulpflicht (30 Jahre vor dem Festland!) ein.

Mit einigen Entscheidungen handelt sich Lordproprietor Smith aber auch Ärger ein: 1855 etwa verlegt er zehn verarmte Bewohner der Insel Samson (Bryher) in gesündere Gegenden und verwandelt die Insel in einen Wildpark (der Hirsch mochte den Lebensraum nicht und entkam).

Die meisten männlichen Absolventen seiner Schulen fuhren zur See.



Smith selbst lebt in Tresco Abbey und legt die berühmten Gärten an. Er heiratet nie, man nimmt aber an, dass er mit mehreren seiner weiblichen Bediensteten Kinder zeugte. Eine enge Beziehung und lebenslange Korrespondenz verbindet ihn mit Lady Sophia Tower, einer verheirateten Frau und Tochter des 1. Earl Brownlow, die ihn oft auf Tresco besucht.

Das Anwesen erbt sein Neffe Thomas Algernon Smith-Dorrien-Smith, dessen Nachkommen bis heute Pächter von Tresco sind.

1857 bis 1865 ist Smith Parlamentsmitglied und 1857 bis 1862 Präsident der Royal Geological Society of Cornwall und der Royal Institution of Cornwall.

Smith stirbt 1872 in Plymouth. Ein hohes Steinmonument auf dem Friedhof der St. Mary's Old Church auf St Mary's erinnert an seine Verdienste um die Scillys.





Llewellyn, der bekannte Segelautor, 1948 auf Tresco geboren, Urgroßneffe von Augustus Smith, hat 2005 dessen wunderbar illustrierte Biografie verfasst.
Und: Er schrieb die Fortsetzung zum "Rätsel der Sandbank"

Den Tresco Garden erschafft Smith Anfang des 19. Jahrhunderts, ein Mann unabhängiger Mittel und eines ebenso unabhängigen Geistes, dem die Abgeschiedenheit der Insel Tresco hervorragend ins Zeug passt.
Schnell erkennt er die Segnung der Inseln mit dem wundervoll milden Klima - deren Ufer der Golfstrom unspült, der für eine nahezu frostfreie Umgebung sorgt. Hier kann er einen exotischen Garten erschafffen wie nirgendwo auf dem britischen Festland.

Vor tausend Jahren steht ein Benediktinerkloster auf der Insel, von dem lediglich ein paar Ruinen übrig sind, genug, um Smiths Phantasie zu fesseln. Trotz ihres milden Klimas peitschen oft salzhaltige Atlantikstürme die Inseln; deshalb muss er vor allem Schutzgürtel zu schaffen.

Schnell findet Smith zwei Baumarten, salzresistent und schnellwüchsig: die Pinus radiata und Cypressus macrocarpa, beide aus Kalifornien. Und er nutzt geschickt den einheimischen Ginster, um die Setzlinge zu schützen.
Mit dem Schutzgürtel wachsen Garten und Smiths gärtneriches Wissen, er wird anerkanntner Gartenfachmann, korrespondiert mit anderen einflussreichen Gärtnern wie etwa Sir William Hooker von Kew Gardens. Abbey Garden und die Pflanzensammlung wachsen schnell.
Ein besonderes Glück ist, dass dieselbe Familie seit fünf Generationen den Garten kontinuierlich und engagiert pflegt und jede Generation ihren Beitrag leistet.
Trotz des freundlichen Wetters gibt es aber auch Katastrophen. Die erste im Dezember 1929, als ein fünftägiger Sturm 600 alte Bäume vernichtet, darunter viele im Schutzgürtel. In unserer Zeit verursachen der große Schnee von 1987 und der Hurrikan von 1990 immense Schäden.

Und jedes Mal wird der Garten restauriert, neu bepflanzt und neu geplant. Dies war nur möglich durch die Hingabe von Gärtnern und Besitzern.
Der Garten beschäftigt neun Gärtner. Und jedes Jahr verbringen drei Studley College Trust Gartenbaustudenten zwölf Monate im Garten und arbeiten mit der Gartenmannschaft.

Vallhalla

Neben seinem gärtnerischen Engangement sammelt Smith Galionsfiguren und andere Artefakte aus den vielen Wracks rund um die Inseln. Galionsfiguren sind Schnitzereien, die den Schiffsbug verzieren, ihr Zweck und ihre Bedeutung sind unklar, aber es sind schöne und evokative Objekte - traurige Erinnerung an untergegangene Schiffe und Seeleute.
Die Valhalla-Kollektion umfasst 28 Galionsfiguren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Seglern und Dampfschiffen sowie Namenstafeln, Heckdekorationen, Rettungsringe, Anker. Darunter finden sich Gegenstände, u. a. Waffen, aus dem schrecklichen Untergang der Schiller von 1875 (siehe weiter unten) und ein schönes Bronzegewehr vom Wrack der Associatlon, die 1707 sank.

Neu ist die Holzschnitzerei vom Heck des Wracks der HMS Colossus, gesunken 1793, eine 3,30 Meter hohe Statue.

Augustus Smith

Schaut mal rein

Die Einwohner der Scillys (ca. 2.200) heißen "Scillonians", man bezeichnet damit aber auch Sachen, die von dem Archipel stammen.

Eigentümer des größten Teil des Grundbesitzes ist der


Herzog von Cornwall (im Jahr 2018 Prinz Charles)

Tourismus und Landwirtschaft - vor allem die Produktion von Schnittblumen - sind wichtigster Teil des Erwerbslebens.