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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Franz Radziwill



Die Schönheit des Alleinseins
1948

Der deutsche Maler (1895 - 1983) nimmt in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeposition ein. Sein Zentrales Thema ist das Spannungsverhältnis von Natur und Technik. Stilistisch orientiert er sich an den Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts, erste Arbeiten zeigen sich beeinflusst von Vincent van Gogh, Edvard Munch und Marc Chagall.
Vita und Werk von Franz Radziwill werden kontrovers debattiert.
Sein Œuvre umfasst ein expressionistisches Frühwerk, ein magisch-realistisches Hauptwerk und ein symbolistisches Spätwerk. Während der NS-Zeit gehört er der NSDAP an, ist 1933 bis 1935 Lehrender an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab 1937 gelten viele seiner Frühwerke als „entartet“.
1915 bis 1918 Sanitätssoldat, Karl Schmidt-Rottluff gibt dem jüngeren Kollegen den Rat, zum Malen in das Fischer- und Bauerndorf Dangast zu reisen, nachdem er dort selbst mit Erich Heckel und Max Pechstein von 1907 bis 1912 die Sommermonate verbringt. 1923 Übersiedlung dorthin. In Gedichten und lyrischer Prosa setzt er einen Neuanfang. Das dörfliche Leben in unmittelbarer Nähe zur Natur der Wattenmeerregion liefert ihm die Impulse für einen stilistischen Richtungswechsel, der mit dem intensiven Selbststudium Alter Meister einhergeht. 1927/1928 Dresden, um sich mit den Originalen von Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus zu befassen. Otto Dix stellt Atelier zur Verfügung und porträtiert Radziwill wenig schmeichelhaft.

Radziwill, der sich selbst als Proletarier der Kunst oder Arbeiter der Malerei bezeichnet, fühlt sich von den Vorstellungen eines nationalen Sozialismus angezogen und sympathisiert mit dem linken NSDAP-Flügel.

1934 beginnt Radziwill das umstrittene, später weitergemalte Bild mit dem ursprünglichen Titel 'Revolution', später 'Dämonen', auf dem ein erschlagener SA-Mann auf der Straße liegt. Im ursprünglichen Zustand fehlen die Erhängten, die Gespenster, zwei Spruchbänder und die Aufschrift auf der Fassade „Im Lichte der Staatsideen oder der eine bringt den anderen um“.

In der NS-Zeit wird das Bild nicht ausgestellt und bei Radziwills Entlassung aus dem Lehramt spielt es eine Rolle, vermutlich, weil nach dem sog. Röhmputsch 1934 der linke Flügel der SA diskreditiert ist. Außerdem wirkt der erschlagene SA-Mann wenig heroisch und eher bemitleidenswert.
Radziwill kehrt nach Dangast zurück und übernimmt die Funktion eines NSDAP-Kreiskulturstellenleiters im Kreis Friesland und den eigens für ihn geschaffenen Posten eines Ortsgruppenpropagandaleiters in Dangast. 1939 bis 1941 ist Radziwill Soldat an der Westfront, bis 1945 Luftschutzpolizist und im Volkssturm.
Brief des expressionistischen Malers und Direktors der Hochschule für Bildende Künste Berlin Karl Hofer: "Breker lässt auch mich indirekt bestürmen, aber diese Entnazifizierung scheint mir wirklich nicht möglich, obwohl er zum Unterschied von den Schweinehunden Nolde und Naziwill (gemeint ist Radziwill) sich anständig und hilfsbereit verhalten hat."
Nach dem traumatischen Erlebnis des 2. Weltkriegs widmet sich Radziwill religiösen Themen. Sein künstlerisches Anliegen ist der Gegenentwurf zu einer materialistisch orientierten Gesellschaft, wie er sie im Deutschland der Nachkriegszeit erlebt. Er plädiert für radikales Umdenken und erneuertes Verständnis von Religion im Sinne von Pazifismus, Grenzen des Wirtschaftswachstums und Bewahrung der Natur. Sein Spätwerk kreist um die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis und die unabsehbaren Gefahren grenzüberschreitender Experimente.
1947 Heirat mit der Schriftstellerin Anna Inge Rauer-Riechelmann, eine Tochter.
Als Vertreter einer gegenständlichen Malerei bleibt Radziwill nach 1945 im Abseits. Das Werk "Die Schönheit des Alleinseins", das einen einsamen Schlittschuhläufer im Hafen zeigt, nimmt darauf Bezug.
Ab 1950 Reisen in die DDR, er lehnt aber Übersiedlung ab. Radziwill engagiert sich für den Erhalt seiner Wahlheimat als Künstlerort und kämpft als Umweltaktivist für den Naturschutz. Mit der Rückkehr des Realismus in die Gegenwartskunst erfährt sein Werk eine Renaissance. Anfang 1964 3 Monate Ehrengast in der Villa Massimo, anschließend bereist er Griechenland.

Die Klage Bremens von 1946.
Das Bild im Bremer Rathaus zeigt die zerstörte Hansestadt nach dem 2. Weltkrieg.
Haus





Raffael

Die Sixtinische Madonna
1512



Wenn den italienischen Maler Raffael (1483 - 1520) auch verschiedenartigste Einflüsse formen, kann von wahllosem Eklektizismus keine Rede sein. Zwar eignet er sich in kürzester Zeit eine erstaunliche Bildung an, bleibt aber gleichzeitig immer ein spontan schaffender Künstler, und was man mit Recht als seinen Klassizismus bezeichnet, ist der glückliche Ausdruck einer harmonisch veranlagten Persönlichkeit. Sein erster Lehrer Perugino beeinflusst ihn wesentlich. Formal noch diesem verhaftet, zeigen schon seine ersten Arbeiten eine außergewöhnliche Frische der Empfindung, die seiner ausgeglichenen Natur entspricht.


Vision eines Ritters

Mit 'Vermählung Mariae' wandelt er das Vorbild Peruginos ab zu stärkerer Geschlossenheit der Komposition und belebt es durch ein feines Gefühl für leise Abweichungen von der Symmetrie. In Florenz befasst er sich zwischen 1504 und 1508 mit Leonardos Schaffen und macht sich dessen Dreieckskomposition zu eigen:



Maria mit dem Kinde und dem Johannesknaben

Als der Papst 1508 auf Fürsprache Bramantes, seines Onkels, Raffael nach Rom ruft, ist die Stadt in gewaltigem Umbruch. Julius II, seit dem Mittelalter der erste Papst, der sich wieder in Vorstellungen des römischen Imperiums bewegt, wünscht eine seinen Träumen angemessene Kunst um sich zu sehen. Rom braucht als Mittelpunkt der allgemeinen Erneuerung Bauwerke, die seine Mission zum Ausdruck bringen: eine neue Basilika des heiligen Petrus und einen neuen vatikanischen Palast. Gleich Bramante und Michelangelo glaubt Raffael sich dazu berufen, Werke zu schaffen, die den päpstlichen Plänen entsprechen. Er soll die "Stanzen" im Vatikan ausmalen, die Gemächer Julius' II. In der 'Camera della Signatura' entstehen 1509 bis 1511 drei große Fresken: Der Triumph der Religion, Die Schule von Athen und



Der Parnass

Außerdem neben einigen anderen Darstellungen die allegorischen Rundbilder der Theologie, Philosophie, Poesie und Gerechtigkeit im Gewölbe. Das sicherlich im Kreise von Gelehrten erstellte Bildprogramm repräsentiert das Wissen und die Erkenntnisse der Zeit, die humanistischen und Wertungen im Denken und Glauben sowie gegenüber der Schöpfung und dem menschlichen Leben. An diese großartig gelungenen Bilder, die ein goldenes Zeitalter angekündigen, reihen sich dramatische Szenen in der



Stanze d'Elidoro

Rafael hat die künstlerischen Impulse aus der Berührung mit der antike vollauf verarbeitet, antwortet hier auf die von Michelangelo und dem Kolorismus und der Helldunkel-Malerei Venedigs ausgehenden Anregungen.
Ohne Unterlass nimmt Raffael neue Eindrücke auf, um sie zu verarbeiten. Der religiösen Malerei gibt der Künstler neue Ausdrucksmöglichkeiten mit seiner überirdischen Sixtinischen Madonna.
Unter den Portraits gibt es faszinierende künstlerische Experimente, etwa die Stufenleiter der Grautöne auf dem Bildnis des Grafen Castiglione. Rafael versteht es hier vortrefflich, Menschen zu charakterisieren und Atmosphäre zu veranschaulichen.







Neo Rauch



Neue Rollen
, Öl, 2005

Das Innere einer gutbürgerlichen Behausung: ein Jahrmarkt, ein Welttheater. Im linken Bildraum proben bierselige Burschenschaftler den Aufstand, man tanzt auf dem Tisch und schwenkt die rote Jakobiner-Mütze.
Seitenwechsel
Eine strenge Mutter konfrontiert einen wohl-gescheitelten Knaben mit einem von einer Naturgewalt - oder doch von Kinderhand? - zerstörten Modell. Ermahnung oder Unterweisung, Katastrophe als Lehre?
Unter einem Baldachin (die Nachtwache Rembrandts lässt grüßen) öffnet sich der hintere Bildteil. Eine Laienspielgruppe versucht sich an einem neuen Stück, Adoleszente studieren in legerer Freizeitkleidung neue Rollen ein. Kulissen hier: Bücherschrank und Guillotine.
Willkommen in der Welt von des Malers aus Sachsen Neo Rauch (geboren Leipzig 1960). Ihr Erschaffer ist Vertreter der Neuen Leipziger Schule, die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist.
Mit umtriebigen Galeristen ist Leipzig, vor allem das Kunstzentrum Leipziger Baumwollspinnerei Hotspot des internationalen Kunstmarktes in den 2000ern geworden. Das Betrachten der Bilder Rauchs kann "jene wilde Schwermut" auslösen, von der Ernst Jünger schreibt. Es ist dieselbe ungesteuerte Sinneswahrnehmung, ein Geruch, eine Farbe, eine Situation, die uns an glückliche Kindertage erinnert. Rauchs Leinwände sind wie Laboratorien. In ihnen experimentiert er mit dem Wahnsinn des Alltäglichen. Da ist sein eigentümliches Personal, wie aus einer anderen Zeit entsprungen. Herausgeputzt in Uniformen oder höfischem Gewand, in jugendlichem Outfit oder im Dresscode der 60er, beharren diese Figuren auf ihren somnambulen Verrichtungen, so als gebe es eine höhere Macht, die deren Tun einen Sinn verleiht. Es ist der Stoff des Traumhaften, aus dem seine Arbeiten gewebt scheinen. Und so wie der Traum seiner eignen Logik folgt, lässt Rauch sich von seinen Bildern leiten.
Dann der Skandal 2019.


Der Anbräuner

Die aggressive Karikatur zeigt einen auf dem Nachttopf sitzenden Maler, der mit seinen aus dem After hängenden Exkrementen eine weibliche Figur auf die Leinwand zeichnet. Diese Figur zeigt den Hitlergruß, darunter stehen die riesigen Initialen W.U., der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich, der den Leipziger Künstler 2019 in einem Zeitungsartitel unter dem Titel "Auf dunkler Scholle" scharf attackiert, der ihn schon früher als Salonmaler bezeichnet und seine Gemälde als Ausdruck eines schwülstigen Historismus gedeutet hat. Neben diesem Bild hat Rauch auf jeden weiteren Kommentar zur Ullrichs Kritik verzichtet.
In Ullrichs Buch "Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust" von 2016 erscheint Neo Rauch als "Siegerkünstler", wie Georg Baselitz oder Damien Hirst wichtiger Akteur und Profiteur der neofeudalen Machtstrukturen in der heutigen Kunstwelt.
Ullrich schreibt, dass heute "rechts gesinnte Künstler als letzte Verteidiger der Kunstfreiheit auftreten" würden. Er stellt Neo Rauch in eine Reihe mit einem unbekannten Maler: Sebastian Hennig. Dieser Hennig sei ein dumpfer Chauvinist und nationalistischer Kulturverächter, zudem für Pegida aktiv und habe Björn Höcke für ein Buch interviewt. Diesen in den 90er-Jahren zum Islam konvertierten, neubekehrten Muslim und Picasso-Verächter nennt Ullrich in einem Atemzug mit Neo Rauch, obwohl dieser niemals politisch aktiv war. Er äußerst sich zwar immer wieder kritisch zum Zeitgeschehen, aber ohne für eine bestimmte politische Gruppierung Partei zu ergreifen.
Von seiner provokanten Meinung, der Schriftsteller Uwe Tellkamp sei ein "Wiedergänger Stauffenbergs" hat sich Neo Rauch distanziert. Er habe sich nicht präzise genug ausgedrückt, er habe andeuten wollen, dass Tellkamp von seinem Charakter her die Zivilcourage gehabt hätte, eine Bombe in Hitlers Hauptquartier zu platzieren. Es sei ihm keinesfalls darum gegangen, die demokratisch verfasste Bundesrepublik mit der Nazi-Diktatur zu vergleichen.
Rauchs Bilder sind rätselhafte Dystopien und apokalyptische Szenarien. Seine Bildwelt ist von einer leuchtend opaken Farbigkeit geprägt und zeigt Figuren in sich überlappenden Räumen und Zeiten. Der Stil durchdringt den sozialistischen Realismus, ist aber auch von Pop Art und Comic beeinflusst. Konzeptionell steht das Werk dem Surrealismus nahe und ist als magischer Realismus einzuschätzen. Nicht selten erträumt Rauch seine Sujets. Man sagt den Bildern Eigentümlichkeit, Suggestivität und Zeitlosigkeit nach, andere porträtieren ihn als Vertreter des deutschen Neokonservatismus.







Odilon Redon

Schutzgeist der Gewässer
1878

Der Südfranzose Redon (1840 - 1916) wächst inmitten der Trostlosigkeit einer flachen, kargen und beunruhigenden Landschaft auf. Diese liefert ein ständiges Angebot an unangenehmen Bildmaterial während seines gesamten Lebens.
Gefragt nach seinen bevorzugten künstlerischen Themen: "Meine Monster. Ich glaube, dass ich dort meine persönlichste Nachricht hinterlassen habe." Redons Darstellungen von Monstern sind Ergebnis seiner lebhaften Phantasie, aber sie verdanken auch viel seinem Wissen über die Naturwissenschaften und insbesondere den neuen Evolutionstheorien von Charles Darwin, der erstmals eine Verbindung zwischen dem Mensch und unseren tierischen Vorfahren aufbaut.
Der enthauptete oder körperlose Kopf, der abgetrennte Kopf - oft frei schwebend und manchmal sogar auf das Auge reduziert - er verkörpert den sinnbildlichen Wunsch, sich von den Fesseln der gewöhnlichen, alltäglichen Welt zu befreien und durch Erforschung von Träumen und Subjektivität einen höheren Bewusstseinszustand zu erreichen.




Cabilan







Rembrandt van Rijn



Die Nachtwache
1642

Ein Bild als Krimi. Eine Mordanklage in Öl. Der Maler als kleines Selbstporträt im Zentrum.

31 Geheimnisse

1 Holändische Miliz
2 Theater
3 Ort
4 Ereignis
5 Timing
6 Benennung
7 Licht
8 Italienische Verbindung
9 Kommissionäre
10 Frans Banninck Cocq
11 Mann in Schwarz
12 Höhenunterschiede
13 Einladende Hand
14 Herausforderung des Handschuhs
15 Qualen der Hölle
16 Willem van Ruytenburgh
17 Schatten von Banninck Cocqs Hand
18 Soundtrack
19 Militärsatire
20 Militärsatire - Schütze
21 Eichenblätter
22 Militärsatire - Zielender
23 Zwei Frauen
24 Mariekes Kleid
25 Marita
26 Huhn
27 Trennung
28 Dreizehn Lanzen
29 Rembrandts Selbstporträt
30 Jakob de Roy
31 Vom Reichtum zum Lumpen

Nach Da Vincis "Mona Lisa" und dem "Letzten Abendmahl" sowie Michelangelos Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle das viertberühmteste Gemälde der Welt - und eine weltweit einzigartige Anklage, 3.63 m x 4.37 m groß. Das Bild ist Rembrandts "j'accuse" an die Adresse der 34 Verschwörer, die er porträtiert - und von da an ging's bergab mit dem Maler.
Das Bild stellt Leute unter einem Trimphbogen in Amsterdam dar, die in das Komplott zum Mord an Piers Hasselburg verwickelt sind.





Im Porträt 'Jan Six' übernimmt der 26 Jahre jüngere Rembrandt viele Vorstellungen von Franz Hals. Hals muss Rembrandt den Blick dafür eröffnet zu haben, dass es möglich ist, auf dem Umweg über die körperliche Erscheinung unmittelbar zu der Seele eines Menschen vorzustoßen.
Wer war dieser Niederländer Rembrandt (1606 - 1669) ?
Weder Umwelt noch künstlerisches Erbe erklären seine Erscheinung. Wo liegen die Voraussetzungen für die Kunst dieses Müllersohns aus Leiden? Wir wissen es nicht, und werden es nicht wissen. Mit seinem Werk entfernt er sich weit von seinen Zeitgenossen. Worauf beruht die Bewunderung, die alle Gemälde erwecken? Genau genommen auf dem, was er von keinem Meister übernehmen kann, selbst nicht von denen, die ihm formale oder thematische Anregung liefern wie etwa Dürer. Dieses ganz Neue ist nicht nur sein Gefühl innigster Verbundenheit mit allen seinen Mitmenschen, die er gleichsam in sich selbst wiedererkennt, sondern es sind völlig neue Ausdrucksmittel von einer Vehemenz, wie sie nur der Sprache der Propheten eigen ist, ein Vokabular, das ein Novum in der Malerei darstellt, ein Licht, das mit dem Licht des Tages nichts gemein hat.



Rembrandt hat recht, wenn er empfiehlt, seine Bilder aus einem gewissen Abstand zu betrachten, damit man über die Merkwürdigkeit seiner heftigen Faktur nicht erschrecke, die der glatten Ausführung im Stile Zeit so gänzlich zuwiderläuft. Lange Zeit erlebt er Verwunderung, sogar Ärger. Aber seitdem er die 'Nachtwache' geschaffen hat, ist er nicht mehr gesellschaftsfähig, dafür sorgen die porträtierten Angeschuldigten. Und Rembrandt, freier denn je, seitdem der Erfolg ihn verlassen hat, verschuldet, vereinsamt, rastlos forschend, geht dem Höhepunkt seiner künstlerischen Entwicklung entgegen, seinem Spätwerk.
Schaut Euch den Film aus ARTE an, bildet auch Eure eigene Meinung - ganze Bibliotheken haben Kunsstkritiker geschrieben über das Bild, geforscht, geforscht ...
Eine detaillierte und sehr umfängliche Beschreibung findet sich in Wikipedia, die aber leider kaum auf die politische Brisanz des Bildes eingeht.






Wieso feuert der Schütze mitten in der Gruppe? Warum versteckt Rembrandt ihn so gut hinter den Hauptfiguren? Rembrandt versteckt nicht nur ihn, sondern auch seine Tat. Der Mündungsfeuer ist kaum zu sehen... es wird wie zufällig vom hellen Hut des Offiziers verdeckt. Zudem ist der Attentäter eine von nur zwei Figuren, die von links nach rechts zielen. Alle andere auf dem Bild streben von rechts nach links oder zumindest ins Zentrum. Die zweite Figur ist der Mann mit der Lanze, der scheinbar auch wie zum Angriff in diese Richtung zielt.
Auch drei weitere Figuren sind merkwürdig. Der Mann im Hintergrund zwischen den beiden Offiziere hat eine Hand unter dem Gewehrlauf des Attentäters. Er schaut zudem etwas perplex und man könnte seine Hand unter dem Lauf als Geste deuten, den Gewehrlauf wegzuschlagen. Und ganz rechts, der Mann in schwarz, der so deutlich mit dem Finger zeigt - meint er vielleicht den Attentäter? Oder zeigt er an ihm vorbei in die Luft? Und schließlich haben wir noch das kleine Selbstbildnis von Rembrandt im Hintergrund (blau umrandet), wie ein Zeuge lugt er in die Szene, als gäbe es heimlich etwas zu beobachten.



Saul und David

Noch ein Krimi, in dem es um Macht, Intrigen, Krieg und Liebe geht. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Königshauses und Gründung einer neuen Dynastie. Als das Volk Israel einen König als Anführer verlangt, schickt Gott den Propheten Samuel, um Saul zum König zu salben. In der Bibel wird schnell deutlich, dass Sauls Herrschaft nicht von Dauer sein wird. Als König hört er nicht auf Samuel und bringt Gott selbst ein Brandopfer dar - ein Verstoß gegen den priesterlichen Dienst. Nach einem erfolgreichen Feldzug vernichtet er nicht die gesamte Beute, so wie Gott es ihm befohlen hat. Er behält die kostbaren Stücke für das Volk zurück; er widersetzt sich Gottes Befehl.
Historisch ist wenig von Saul bekannt. Wie lange er herrscht ist unklar. Seine Herrschaft trägt zur wirtschaftlichen und militärischen Entwicklung Israels bei, worauf David aufbauen kann. Denn nachdem Gott Saul verworfen hat, soll Samuel David aus Betlehem zum neuen König salben. Die Konkurrenz der beiden ist unausweichlich: auf der einen Seite Saul, der vom Volk legitimierte König, auf der anderen Seite David, der unter Gottes Schutz steht. David kommt als Musiker an den Hof von König Saul und spielt auf der Leier spielt, wenn „ein böser Geist“ Saul verstört. Davids Sieg über den Philister Goliat verbreitet sich im ganzen Land. David ist beliebt unter den Kriegern, im Volk, sogar Sauls Kinder lieben ihn und die Frauen auf den Straßen singen: „Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend“
Saul ist eifersüchtig. Mehrfach versucht er, David mit dem Speer zu töten, spinnt ntrigen, um den Konkurrenten auszuschalten: Er fordert als Brautpreis für seine Tochter Michal die Vorhäute von 100 Philistern - in der Hoffnung, dass David im Kampf stirbt. Doch David ist erfolgreich, heiratet Michal und Saul erkennt, dass Gott auf Davids Seite ist.
David hat keine andere Wahl, als zu fliehen. Sauls Kinder Jonatan und Michal hintergehen ihren Vater und helfen David bei der Flucht, der sich in der Wüste versteckt, von Ort zu Ort zieht und in Höhlen lebt. Saul bezahlt Spitzel, lässt 85 Priester in der Stadt Nob töten, weil ein Priester David hilft. David befragt Gott. Gott sagt ihm etwas über seine Beziehung zu Saul, dem Verworfenen. David, ansonsten beileibe kein Pazifist, weigert sich , auf Mordversuche mit Mordversuchen zu reagieren. Die Möglichkeit dazu hat er mehrfach. Das erste Mal in einer Höhle, in der David sich versteckt und Saul seine Notdurft verrichtet; das zweite Mal, als Saul im Lager bei seinem Heer schläft und David sich unbemerkt von den Kriegern an ihn heranschleichen kann. Obwohl seine Männer David zureden, den Verfolger endlich umzubringen, verschont David Saul.
An seinen Händen soll kein Blut kleben, kein Makel sein. An der finalen Schlacht, in der Saul und sein Sohn Jonatan sterben, ist David nicht beteiligt.





Anatomie des Dr. Tulp, siehe W.G. Sebald

Rembrandt, einer der größten europäischen Künstler: Er schuf ungefähr 300 Gemälde, 300 Radierungen und 2.000 Zeichnungen.







Pierre-August Renoir



MIt Familie Monet im Garten in Argenteuil
1874

Der Franzose Renoir (1841 - 1919 )verbringt mit Monet, Sisley und Manet die Sommer der 1870er gemeinsam. Aus dieser Zeit stammt das Gemälde mit Familie Monet (Von Manet gibt es eine eigene Interpretation des gleichen Themas. Beide, Manet und Renoir, stellen ihre Staffeleien nebeneinander auf und malen die gleiche Szene).

Mit 13 Jahren hatte Renoir eine Lehre als Porzellanmaler angetreten und mit 15 dies so gut beherrscht, dass ihm die Manufaktur anspruchsvolle Malarbeiten anvertraut, die sonst den erfahrenen Porzellanmalern vorbehalten waren.
Gustave Courbet und Díaz de la Peña ermuntern ihn, stets nach dem Leben und dem Modell zu malen. Seine Erfahrungen im Freien wirken sich auch auf seine Atelierbilder aus. Renoir liebt es, gesellschaftliche Anlässe darzustellen und Lebensfreude in Bilder umzusetzen. Trotz der Bewegungen der dargestellten Personen wie bei



"Tanz im Moulin de la Galette" und der Ausgelassenheit integriert er kleine Stillleben.


Richard Wagner

Nach dem Aufenthalt 1881 in Italien orientiert er sich stark an Raffaels Fresken und an Jean-Auguste-Dominique Ingres, es beginnt die Ingres-Periode oder auch trockene Periode. Renoir beginnt sich von Grund auf neu zu orientieren,wendet sich vom Spontanen ab und dem Klassizismus zu.
1883 schöpferische Krise. Arbeit kulminiert in



"Die großen Badenden" von 1887, in das er Jahre an Vorstudien investiert und das eine Fülle kunsthistorischer Zitate enthält.
Trotz Krankheit malt er unaufhörlich weiter, schafft noch Werke wie Venus Victrix, Die große Wäscherin (1917) und Mutter und Kind (1916). Er hinterlässt rund 6.000 Werke: Landschaftsbilder, Stillleben, Porträts von Erwachsenen und Kindern, Aktbilder, Bilder vom Tanzvergnügen und vom Familienleben.







Jusepe de Ribera

Die heilige Agnes
1641

Dem Spanier Ribera (1591 - 1652) gelingt die Darstellung liebreizendster Jungfräulichkeit. Die strenggläubige Christin Agnes soll mit 13 verheiratet werden. Dies lehnt sie entschieden ab, da sie Jungfräulichkeit gelobt hat. Zur Strafe schickt man sie in ein Bordell, um sie gewalttätig zu entehren. Auf wundersame Weise bekleidet ein Engel sie mit einem Tuch und ihr Haupthaar wächst so lang, dass es ihren gesamten Körper bedeckt. Aus Zorn darüber schlägt man ihr den Kopf ab.
Ribera, neben Caravaggio der bedeutendste Naturalist der neapolitanischen Malerschule, ist noch energischer als dieser, sein Helldunkel von höchster Kraft. (Wegen Nachdunkelung haben viele Bilder den ursprünglich großen koloristischen Reiz eingebüßt.) Besonders zieht ihn die Darstellung des Entsetzlichen und Grauenerregenden an, am wirksamsten sind seine Marterbilder, etwa


Marter des heiligen Bartholomäus.

Mit diesem Bild erwirbt Jusepe de Ribera die Stelle eines Hofmalers beim Herzog von Osuna, Vizekönig zu Neapel.
Nach biblischer Überlieferung ist Bartholomäus ein Jünger Jesu und einer der zwölf Apostel. Der Legende nach soll er als „Zeuge Christi“ in Indien, Mesopotamien und Armenien das Matthäusevangelium gepredigt und das Martyrium erlitten haben. Astyages, ein Bruder des armenischen Herrschers Polymios, soll den Befehl gegeben haben, ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen und ihn anschließend kopfunter zu kreuzigen. Nach späteren Legenden sei der Sarg mit seinem Leichnam an der Insel Lipari bei Sizilien angespült worden, wo man ihn auch bestattet und über seinem Grab eine Kirche errichtet habe, die 831 die Sarazenen zerstörten.
Kaiser Otto II. ließ die angeblichen Gebeine 983 nach Rom bringen, wo sie seither in San Bartolomeo all’Isola aufbewahrt werden. Darauf wurde Bartholomäus zum Patron vieler deutscher Kirchen. Die angebliche Hirnschale kam unter Kaiser Friedrich II. 1238 in den Frankfurter Kaiserdom.
Die Kunst hat die Legende vielfachj verarbeitet und in jüngerer Zeit findet sich neue Darstellungen des Apostels, so etwa die großformatige Ölmalerei des Leipziger Malers Aris Kalaizis, die in Konfrontation mit Darstellungen des Heiligen am Kaiserdom St. Bartholomäus 2014/2015 entstand.
Auch Brustbilder von alten, knochigen Einsiedlern, Heiligen, Philosophen usw. malt Ribera mit Vorliebe und glänzt durch anatomische Genauigkeit.
Jusepe de Ribera, der älteste der großen Maler des spanischen Barock, verbringt den größten Teil seines Lebens und seine gesamte Karriere in Italien (ist aber sehr stolz auf seine spanischen Wurzeln, außerdem ist Neapel im 17. Jahrhundert spanisches Territorium). Während dieser Zeit ist die Stadt eine Hochburg intellektueller und künstlerischer Aktivitäten, in der die größten Künstler, Philosophen, Schriftsteller und Musiker des Jahrhunderts leben, zumindest bis die große Pest von 1565 die Hälfte der Stadtbevölkerung auslöscht. Durch das Leben und Arbeiten in Neapel ist Ribera sicher immer von aktueller Kunst und wohlhabenden Gönnern umgeben.

Der blinde Isaac segnet Jakob







Gerhard Richter

Studentin



Einflüsse bezieht der sächsische Maler (geboren Dresden 1932) aus der Pop Art, dem Abstrakten Expressionismus, aber auch Neo-Dada und Fluxus. Seine Bilder Gerhard Richter erzielen auf dem Kunstmarkt Höchstpreise.



In der ersten Hälfte der 1960er kooperiert er in gemeinsamen Ausstellungen mit Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner. Mit ihnen kreiert er den Kapitalistischen Realismus, der den Sozialistischen Realismus, die offizielle Kunstdoktrin der damaligen sozialistischen Länder, ironisieren soll und die westliche Konsumgesellschaft kritisch reflektiert. 1968 besetzt er mit Günther Uecker die Kunsthalle Baden-Baden. Uecker: „Auch Museen können Wohnorte sein.“
Kooperation mit Blinky Palermo, mit dem ihn ab 1962 Freundschaft verbindet. 2009 Zusammenarbeit mt Alexander Kluge. Zwei gemeinsame Veröffentlichungen.



2012 gestaltet Richter die Ausgabe "Die Welt" vom 5. Oktober als Künstlerausgabe.





Das saarländische Benediktinerkloster Tholey erneuert die Fenster seiner Abteikirche, eines der ältesten, frühgotischen Kirchengebäude Deutschlands und Teil des wohl ältesten Klosters in Deutschland, größtes Vorhaben seiner Art in Europa, bei dem die Klosterbrüder 2020 einen Coup landen: Gerhard Richter, teuerster lebender Künstler gestaltet 3 Kirchenfenster.

Die Afghanin Mahbuba Maqsoodi setzt sich mit ihren Entwürfen um die restlichen 31 Fenster durch, die sie mit unzähligen Personen bevölkert. Und nun Richtert abstrakte Bilder im Chor? Die Mönche: Bei Darstellung des Göttlichen sei Abstraktion besser.



Richters Werk 724-4

In Rot-Blau und Gelb ziehen sich die wieder und wieder gespiegelten Ausschnitte über die volle Länge der über 9 Meter hohen Glasflächen. In den strikten Symmetrien wiederholen sich Formen, scheinen figürlich, sind es aber nicht. Bruder Wendelinus Naumann: "Wenn man länger darauf schaut, versucht der Kopf, diesen Symmetrien immer wieder Näherungen zu geben. Und dann entdeckt man Gesichter. Sie gibt es gar nicht, aber es gibt sie doch."
Kirche als Galerie? Ein Gotteshaus ist ein Gesamtkunstwerk. Jedes einzelne Werk soll im Zusammenspiel mit den anderen zum Lob Gottes beitragen. Dies zu ermöglichen, zu kuratieren, ist Aufgabe der Kirchenleitung. Ein künstlerischer Dialog zwischen der Muslimin Maqsoodi und dem "Suchenden" Richter über christliche Themen wäre doch spannend gewesen. Satanssturz und Richter-Fenster sich einfach gegenüberstehen zu lassen, ist schade.
Richter erklärt die Fenster zu seiner "letzten Werknummer". Die Besucher kommen eben nicht zur Frühmesse, wenn das erste Licht des Tages durch das bunte Glas auf den Altar fällt. Sie werden zu gesonderten Besuchszeiten kommen. Bleibt das Ansinnen der Mönche, mit den Kunstpilgern ins Gespräch zu kommen, frommer Wunsch? Wer für Richter kommt, bleibt nicht unbedingt für den heiligen Theobert.

Der Film soll angelehnt an Richters Biografie sein:



Siehe auch Gerhard Richter





Max Rimböck


Gebirgslandschaft mit Burgruine
1934

Der bayerische Maler (1890 - 1956) ist nicht nur eine Hauptfigur im "Tiger Jussuf ", dem Hörspiel Günter Eichs, sondern auch ein deutscher Bildnis- und Landschaftsmaler aus Passau, dder in München tätig ist. Er erregt bereits mit 11 bis 16 in der Kunstwelt wegen seines Talentes großes Aufsehen.
Mit 13 ist er in der Alten Pinakothek zu finden, um Tizians ,,Madonna mit Kind“ zu kopieren. 5 Jahre später beginnt er sein Studium an der Kunstakademie, unternimmt mehrere Reisen durch Europa und tritt der Münchner Künstlervereinigung bei. Sein Oeuvre ist vielseitig: von Porträts und Landschaften über Historienbilder bis hin zu Heiligendarstellungen. Rimböck mag den abstrakten Stil seiner Zeitgenossen nicht. Er widersetzt sich den neuen Kunstströmungen und wird sich nach seinen eigenen Worten ,,immer bewusster, dass die Hauptaufgabe der Kunst darin bestehen sollte, den Menschen Freude zu bereiten“. Diese Freude liegt für ihn im lmpressionismus, bei dem er sich für leuchtende Farben und ansprechende Motive entscheidet.

Frauenakt, 1914







József Rippl-Rónai

Meine Großmutter
1894

Der erste große Erfolg des ungarischen Malers (1861 - 1927) des Symbolismus und Spätimpressionismus, des Wegbereiter der Moderne in der ungarischen Malerei, ist "Meine Großmutter" bei einem Salon de Champ-de-Mars, was ihm Akzeptanz und Aufnahme in die Künstlergruppe Nabis bringt, er wird Nabi hongrois. Nach der symbolistischen, farbreduzierten, „schwarzen“ Periode und vier weiteren Richtungen kommt er zu einem eigenen Stil.
Er malt nicht nur, sondern entwirft auch Alltagsgegenstände. Seine und die seiner französischen Boudrion ausgeführten Stickereien gewinnen einen Preis bei der Pariser Weltausstellung, er gestaltet Glasfenster in Budapest usw.
In seinen verschiedenen künstlerischen Phasen – nach der symbolistischen, farbreduzierten, „schwarzen“ Periode werden noch vier weitere abgegrenzt – geht es ihm immer darum, nicht sich an eine Gruppe oder Schule anzupassen, sondern einen eigenen Stil zu entwickeln und diesen Unterschied zu pflegen. Sein Ziel ist es, ein großer Künstler zu werden, das kann er nur mit Originalität erreichen.
1896 beauftragt Graf Tivadar Andrássy Rippl-Rónai, den Speisesaal und das gesamte Mobiliar seines Palastes in Budapest zu entwerfen. Auf diese Weise wird er auch im Bereich der angewandten Kunst tätig und entwirft Glasfenster, Möbel, Porzellan, Gläser und Gobelins.
Im Jahr 1890 verließ er Paris und kehrte nach Ungarn zurück, wo er sich in seiner Heimatstadt Kaposvár niederlässt. Zunächst malt er hier intime Interieurs, dann entwickelt er seinen charakteristischen "Maiskorn"-Stil, bei dem er leuchtende Farben und kleine Pinselstriche verwendet, die die winzigen Farbflecken deutlich hervortreten lassen. 1912 wird sein Werk auf der Internationalen Kunstausstellung in Amsterdam mit einer Silbermedaille ausgezeichnet; zwei Jahre später gewinnt er in Wien eine Goldmedaille mit dem Porträt von Maillol. 1925 wird sein Werk mit der belgischen Rittermedaille des Leopold-Ordens geehrt. Noch im selben Jahr erhält er eine Einladung der Uffizien in Florenz, einen Beitrag zu deren weltberühmter Sammlung von Selbstporträts zu leisten.
Er malt nicht nur, sondern widmet sich, wie seine Kollegen, auch der angewandten Kunst und entwirft Alltagsgegenstände. Die von ihm entworfenen und von seiner französischen Lebenspartnerin und späteren Frau Lazarine Boudrion ausgeführten Stickereien gewinnen einen Preis bei der Pariser Weltausstellung. 1912 erhält er einen Auftrag für Glasfenster im Neubau des Ernst-Museums, ebenfalls in Budapest, der Entwurf wird 1912 auch auf der Sonderbundausstellung in Köln gezeigt. Die von ihm entworfenen Glasobjekte entstehen in Zusammenarbeit mit dem Glasbläser Friedrich Zitzmann in Wiesbaden.







Diego Rivera



The Firestone Self-Portrait
1941
Die spanischen Widmung lautet: „Ich habe mein Porträt für die schöne und berühmte Schauspielerin Irene Rich gemalt und es war im Januar 1941 in der Stadt Santa Barbara in Südkalifornien. Diego Rivera.“



Diego Riveras (1886 - 1957) Bilder, mit seiner Frau Kahlo wohl der bedeutendste und bekannteste mexikanischen Maler, zieren unzählige Wände und Fresken in mexikanischen und amerikanischen Museen oder Regierungsgebäuden.
Seine Erfahrungen auf seinen Europareisen fließen in seine riesigen Wandbildern ein.


Epos des mexikanischen Volkes

Abendmahl an der Wall Street


Der Mensch am Scheideweg/Der Mensch kontrolliert das Universum, Detail mit Lenin-Porträt


Detail der Nordwand des Hofes im Detroit Institute of Arts


Die Ankunft des Hernan Cortez in Veracruz

Maler und Färber (Tarasca-Kultur)







Thomas William "Tom" Roberts



Scheren der Böcke
Öl auf Leinwand auf Kompositionstafel 1890

Der in England geborene australische Künstler (1856 - 1931), Mitglied der Heidelberger Schule (auch genannt australischer Impressionismus), reist 1881 nach Europa, um seine Ausbildung fortzusetzen, und kehrt 1885 nach Hause zurück, "vorbereitet mit dem, was das Neueste in der Kunst war". Am besten ist er für seine "nationalen Erzählungen" bekannt - unter ihnen Shearing the Rams. Das Bild basiert auf einem Besuch einer Schafstation in Brocklesby im Süden von New South Wales und zeigt die Wollindustrie, Australiens erste Exportindustrie und Grundnahrungsmittel des ländlichen Lebens. Einige Kritiker sind der Meinung, dass dies keine hohe Kunst sei. Aber viele Australier können sich mit dem Thema identifizieren. Ein moderner Rezensent: "Roberts setzt seine formale Kunstausbildung ein und übersetzt die klassische Statue in die muskulösen Arbeiter des Scherschuppens"







Tom Roberts malt aber auch Porträts und vollendet 1903



The Big Picture, die berühmteste Darstellung des ersten australischen Parlaments.









Theodore Robinson



La Débâcle
Öl auf Leinwand 1892

Beispiel für Robinsons ausgereifte Arbeit während dieser Zeit in Frankreich
Der amerikanische Maler Theodore Robinson (1852 - 1896) ist für seine impressionistischen Landschaften bekannt. Einer der ersten amerikanischen Künstler, der den Impressionismus in den späten 1880ern aufgreift, Giverny besucht und enge Freundschaft mit Claude Monet entwickelt. Viele seiner Werke sind Meisterwerke des Impressionismus.
Während der 1879er malt er in einer realistischen Weise, locker, aber noch nicht impressionistisch; oft bildet er Personen in ruhigen häuslichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten ab.
Für die nächsten 8 Jahre Giverny, das unter dem Einfluss von Claude Monet Zentrum der impressionistischen Malerei ist. Monet bietet Robinson Ratschläge an und ebenso erbittet er die Meinung Robinsons über seine eigenen fortschreitenden Arbeiten.
Robinson malt dort einige seiner besten Arbeiten, Landschaft bei unterschiedlichem Wetter, gemalt unter freiem Himmel, manchmal mit Frauen in ruhigen Haltungen.
1892 Rückkehr nach USA, malt Kanalszenen.



Auch eine Reihe von Bootszenen im Riverside Yacht Club, einige seiner besten Arbeiten.
Obwohl sein Ruf als bedeutender amerikanischer Impressionist wächst, hegt Robinson Zweifel über die Qualität seiner Arbeit.







Vera Rockline

Selbstporträt
1921 1933

Vera Nikolaïevna (1986 - 1944) ist 38 Jahre jung, als sie in Paris - auf dem Höhepunkt ihres Ruhms und Erfolgs - Selbstmord begeht.
Tochter eines Russen und einer Französin, heiratet Rockline, sie verlassen 1919 Russland und wandern 1921 nach Frankreich aus.
Ein Kunstkritikerin bezeichnet die Serie ihrer künstlerischen Aktbilder als "Symphonie des Fleisches". Nach Kubismus und Impressionismus entwickelt sie einen eigenen Stil, etwas zwischen Courbet und Renoir. 1927 zieht sie ins Quartier de Montparnasse. Finanzielle Unabhängigkeit und Veränderung ihres Kunststils fallen zusammen. Ihre Arbeiten nähern sich dem Impressionismus, bekommen eine weichere Farbpalette mit Pinselstrichen im Renoir-Stil. Sie konzentriert auf weibliche Akte.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts fast vergessen, findet 2002 eine große Ausstellung ihrer Arbeiten statt: "Elles de Montparnasse", die ihre Werke zusammen mit denen von Tamara de Lempicka, Marie Laurencin, Hannah Orlova, Sonia Delaunay und Natalia Goncharova zeigt. 2008 erzielt das Gemälde

"Card Players" von 1919

bei Christie's in London 2 Mill. Pfund.







Christian Rohlfs



Dorfstraße in Ehringsdor
1893

Im Werk deutschen Malers Rohlfs (1849 - 1931) spiegeln sich mehrere relevante Zeitströmungen wider, beginnend mit der naturalistisch-historistischen Akademiemalerei der 1870er, Prominenz aber erlangt er in den beiden bedeutenden Stilrichtungen seiner Epoche, Impressionismus und Expressionismus, wird so zum „Nestor der deutschen Moderne.“ Mit Bildern zwischen etwa 1885 und 1900 zählt er zu den großen deutschen Impressionisten, während seine Hinwendung zum Pointilismus anno 1902/03 wohl eher als Experiment zu betrachten ist. Als einer der wichtigsten Maler des Expressionismus, entwickelt er diesen - eine Zeit lang mit Emil Nolde zusammenarbeitend - in einer selbständigen Form. Nach einer durch ruheloses Suchen und auch durch persönliche Krisen geprägten Übergangsperiode, in der er sich vermehrt figürlichen und biblischen Motiven sowie dem Holz- und Linolschnitt zuwendet, gewinnt er die abgeklärte Heiterkeit, die sein Alterswerk der letzten zwei Jahrzehnte zu neuen Höhepunkten führt. Die Farbe ist der bedeutendste Ausdrucksträger seiner Bilder, vor allem von lichtdurchfluteten Landschaften und Blumenstillleben, deren Materialität wie durch einen ätherischen Schleier aufgelöst erscheint. Gleich Nolde bevorzugt auch er zunehmend die Arbeit auf Papier, wohl aus praktischen Gründen und hauptsächlich unter Verwendung von Tempera als Farbe. Damit wird er zum unübertroffenen Meister des expressiven Blumenbilds.







Carl Rottmann



Nemea
1850

1830–33 malt der bayerische Maler (1797 - 1850) für die westlichen Arkaden des Münchner Hofgartens 28 Fresken von Landschaften und Orten in Italien.
Bald nach Einsetzung seines Sohnes Otto als König von Griechenland (1833) beschließt Ludwig I., die Ausmalung der Hofgartenarkaden mit einem Zyklus griechischer Landschaften von Schauplätzen der klassischen griechischen Geschichte fortzusetzen. Das dient einer politischen Apologetik: Bei den Zeitgenossen, insbesondere der politischen Klasse Bayerns, soll der Zyklus Verständnis wecken für Ludwigs Griechenlandschwärmerei, die Wiege der klassischen Bildung. Im Lichte der Befreiung kurz zuvor (1827) von der 400-jährigen osmanischen Herrschaft sollen die Fresken um Sympathie für das bayerische Engagement beim Aufbau des neuen griechischen Staates werben, was hohe finanzielle Belastungen mit sich bringt.
Zur Vorbereitung unternimmt Rottmann 1834–1835 eine 12-monatige Studienreise durch Griechenland. Hauptstationen: Nauplia, Korinth, Athen, Tiryns, Mykene, Nemea, Sparta, Theben, Chalkis auf Euböa sowie die Inseln Delos und Naxos.
Das Land, das Rottmann vorfindet, ist durch die Fremdherrschaft heruntergekommen, gezeichnet von den Auseinandersetzungen des 6 1/2-jährigen Befreiungskampfes. Die Ruinen antiker Architektur sowie die kriegsbedingten Zerstörungen stehen im krassen Gegensatz zu der idealisierten Antike, die Ludwig I. und andere Zeitgenossen pflegen.
"… nichts geringeres als eine Bildungsreise der Augen, eine Kontemplation geschichtlicher Größe vor den Schauplätzen einer grandios kargen, vom Meer und Himmel umspielten Natur … ein romantisches, melancholisch stimmendes Denkmal, das er auf das alte Griechenland errichtet, indem er das neue Hellas als eine den urwüchsigen Kräften der Natur ausgesetzte, verlassene Bühne der Weltgeschichte schildert."
Nach München zurückgekehrt entstehen bis 1850 23 Gemälde, die die Neue Pinakothek (als einziger Künstler erhält Rottmann einen eigenen Raum) austellt. Anlässlich ihrer 150-Jahr-Feier richtet man 2003 in der Neuen Pinakothek einen neuen Rottmann-Saal ein (den alten zerstört 1944 ein Bombenangriff).







Franz Roubaud



Prinzregent Luitpold und seine Schwester Adelgunde von Modena-Este auf den Priener Schären
1913

Adelgunde ist die Frau von Erzherzog Franz V. von Österreich-Este, letzter regierender Herzog von Modena-Este, der 1859 abdanken muss. Er stirbt 1875 und Adelgunde wird, als ihr Bruder Luitpold 1886 die Regentschaft in Bayern übernimmt, als „Tante Modena“ die graue Eminenz bei Hofe, hat großen Einfluss auf ihren Bruder und übernimmt alle familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen einer ersten Dame im Staat, besonders ab 1889 nach dem Tode der Königinmutter Marie. Die bayerischen Minister beäugen Adelgunde als gefürchtete Persönlichkeit misstrauisch. Nebenbei fördert sie auch den Einfluss des Wiener Hofes in München. Sie stirbt 1914, 2 Jahre nach Prinzregent Luitpold.
Der russische Maler Franz Roubaud (1846 - 1910) ist bekannt als Schlachtenmaler und mit seinen Bildern aus dem Leben des Kaukasus.







Henri Rousseau



Die schafende Zigeunerin
1897

Realität bei Rousseau (1844 - 1910) nicht abbildhaft, vielmehr Traum. Die einzelnen Elemente seiner Bilder sind idealisiert und vereinfacht. Sie treten unverbunden und überraschend nebeneinander. Der Hintergrund ist genauso scharf gesehen und klar gezeichnet wie der Vordergrund. Die Figuren erscheinen in frontaler Sicht oder in strengem Profil. Rousseau liebt klare Konturen, harte Kontraste ohne Übergänge. Er verwendet leuchtende Kontaktfarben ohne Schatten, doch ist seine Palette reich an farblichen Nuancen.

Ein anderer Moment der Farbgebung Rousseaus sowohl für die neusachliche wie surrealistische Malerei eines Magritte oder Tanguy wichtig: der sparsame, überlegte, beinahe anonyme Farbauftrag, der sorgfältig die Pinselspuren verbirgt und keine Handschrift verrät. Jede Eitelkeit des Machens ist Rousseau fremd.







Peter Paul Rubens



Die vier Paradiesflüsse
um 1615

Vier Personifikationen der vier Weltteile lagern hier, zu Paaren gruppiert, mit ihren jeweiligen Hauptströmen:

Europa, begleitet von Flussgott Donau

Asien mit Ganges

Amerika mit dem Rio de la Plata

Nil umarmt Afrika

Eine neue Interpretation sieht in den Figuren der Flüsse eine Allegorie der vier
großen Ströme des Alten Orients bzw. der vier Paradiesesströme. Rubens gehört zu den Künstlerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die reich ist an genialen Malern. Neben dem flämischen Maler Rubens (1577 - 1640) sind das Caravaggio, Poussin, Velazquez oder Rembrandt. Etwa 3.000 Gemälde umfasst Rubens Gesamtwerk, die von ihm selbst oder aus seiner leistungsfähigen Werkstatt stammen, in der Assistenten an bis zu 20 Werken gleichzeitig arbeiten.
Rubens gilt als Virtuose der Verwandlung. Wie kaum ein Zweiter sucht er Inspiration in den Werken anderer Künstler und erfindet seine Kunst dabei in radikaler Weise immer wieder neu.
Zur Ausbildung eines angehenden Künstlers im Abendland gehörte es seit eh und je, bereits existierende Werke, etwa die seines Meisters, zu kopieren. Während es im Bereich der orthodoxen Ostkirche allein darum ging, die als heilig erachtete Ikone möglichst genau zu replizieren, sollte sich der Lehrling im westlichen Europa allmählich von seinen Vorbildern lösen und auf dem Weg zur Meisterschaft seine eigenen Themen, Kompositionen und seinen eigenen Stil entwickeln. Dieser Prozess ist bei Rubens besonders gut nachzuvollziehen. Zu Beginn seiner Antwerpener Lehrjahre kopiert Rubens vielerlei Vorlagen wie etwa Kupferstiche von Hendrick Goltzius. Schon hier zeigt sich seine Begabung, sich Motive anzueignen, diese aber zugleich geistreich zu verwandeln.
Von 1600 bis 1608 lebt er in Italien als Hofmaler der kunstliebenden Herzöge von Gonzaga in Mantua. Bei Studienaufenthalten in Venedig, Rom, Florenz, Mailand und Genua kann er sich intensiv mit der Kunst der Antike sowie der italienischen Malerei der Renaissance und der Gegenwart vertraut machen. In Venedig studiert Rubens vor allem die Malerei von Tizian und Tintoretto , von denen er Bildaufbau und Kolorit übernimmt. Immer wieder übt er sich in anatomischen Studien, indem er Skulpturen abzeichnet wie die Laokoon-Gruppe und den Apoll von Belvedere im Vatikan oder die Statuen Michelangelos für die Medici-Gräber in Florenz. Rubens Rezeption von Caravaggios Grablegung Christi in der römischen Kirche Santa Maria in Vallicella, für die er auch eigene Werke schuf, zeigt exemplarisch, wie er sich das Thema, die Gesamtkomposition und einzelne Figuren aneignet und zugleich verwandelt.
Sein weltgewandtes Auftreten führt dazu, dass die Mantuaner Herzöge und später die Habsburgern ihn auf diplomatische Missionen an die Höfe von Madrid, Paris und London senden. Auch diese Reisen nutzt der Meister, um die jeweiligen königlichen Gemäldegalerien zu besuchen und sich einen Vorrat an Bildideen anzulegen. Zu dieser Zeit ist Rubens bereits ein Star: Geadelt vom spanischen wie vom englischen König, reich und begehrt, bildet er in seiner Werkstatt zahlreiche Maler aus, von denen die begabtesten wie Anthonis van Dyck oder Jacob Jordaens wiederum die Kunst von Rubens verwandeln, um es zu eigener Meisterschaft zu bringen.







Johannes Ruff

Schloss Bronnen im Donautal
1835



Im ehemaligen Café Littéraire, im "Roten Turm" neben dem Hotel Storchen gelegen (im Aquarell von Ruff der hohe Bau mit dem gelben Schild) versammeln sich gerne die jungen Intellektuellen Zürichs. Noch 1859 schlägt Gottfried Keller einem Aargauer Journalisten diesen Treffpunkt vor, "wo er nachmittags zuweilen hingehe".
In den 1840ern wird Gottfried Keller, dem Wirtshausleben sehr zugetan, sozusagen in flagranti ertappt. Ruff, der Schweizer Maler (1813 - 1886) zeigt den Streit zwischen ihm und dem Kupferstecher Lukas Weber. Die Freunde sind auf dem Weg nach Hause - sinnigerweise bricht der Streit vor dem Café Frieden aus, das gegenüber dem Bauschänzli nicht weit vom Café Littéraire liegt. Während Weber ruft: "Du Hägel bruchst mir nid de wolfeil Wii vorzha will du guete vergebe zsuffe überchunst", zetert Keller: "Wenn me nu na Schwerter trage thät i wett is denn scho zeige ihr Herrgottsdunner!". Die herbeieilende Polizei wittert eine Falle und meint: "Chum ä weg dass git sunst wieder öpis it Säuzitig." (Gottfried Keller erzählt 1847 die Szene selbst in seinem "Traumbuch":)
Ich schlenderte heute Vormittag über den Fischmarkt. Weber, der Kupferstecher, lief mir nach und forderte mich auf, einen Frühtrunk zu nehmen. Ich hatte ihn vor vielen Wochen einmal in einer Kneipe, als wir in später Nacht ziemlich warm waren, verhöhnt, dass er immer sauren Wein söffe, was ihn fürchterlich aufbrachte, so dass wir uns ziemlich laut zankten beim Nachhause gehen und er mir endlich einen Stoss gab, dass ich auf den Hintern purzelte, worauf ich wütend auf und ihm an den Kragen sprang. Die Freunde fuhren zwischen uns, die Polizeier und Nachtwächter umringten uns - kaum aber hatte mich Einer dieser Letzteren erkannt, so schrie er seinen Gesellen zu: Fort mit uns! Das ist einer von den "Freien Stimmen", da werden wir in dem Saublatt herumgezogen! worauf sie sämtlich sich zurückzogen und uns ungeschoren liessen. Ich bin nämlich stark verdächtigt, Mitarbeiter jenes Spott- und Schmähblattes zu sein, was mich nicht sehr freut.







Jacob van Ruisdael



Die Bleichen bei Haarlem
Öl auf Leinen, ca. 1670

(W. G. Sebald Die Ringe des Saturn S.102f)

Ich bin
daher in einer ziemlich schlechten Verfassung gewe-
sen, als ich am nächsten Vormittag im Mauritshuis
vor dem beinahe vier Quadratmeter großen Gruppen-
porträt
Die anatomische Vorlesung des Dr. Nicolaas Tulp
stand. Obzwar ich eigens wegen dieses Bildes, das
mich in den nächsten Jahren noch viel beschäftigte,
nach Den Haag gekommen war, gelang es mir in mei-
nem übernächtigten Zustand auf keine Weise, ange-





sichts des unter den Blicken der Chirurgengilde aus-
gestreckt daliegenden Prosektursubjekts irgendeinen
Gedanken zu fassen. Vielmehr fühlte ich mich, ohne
daß ich genau gewußt hätte warum, von der Darstel-
lung derart angegriffen, daß ich später bald eine
Stunde brauchte, bis ich mich vor Jacob van Ruisdaels
Ansicht von Haarlem mit Bleichfeldern einigermaßen wie-
der beruhigte.
Die gegen Haarlem sich hinziehende
Ebene ist aus der Höhe herunter gesehen, von den
Dünen aus, wie im allgemeinen behauptet wird, doch
ist der Eindruck einer Schau aus der Vogelperspektive
so stark, daß diese Seedünen ein richtiges Hügelland
hätten sein müssen, wenn nicht gar ein kleines Ge-
birge. In Wahrheit ist van Ruisdael beim Malen
natürlich nicht auf den Dünen gestanden, sondern auf
einem künstlichen, ein Stück über der Welt imaginier-
ten Punkt. Nur so konnte er alles zugleich sehen, den
riesigen, zwei Drittel des Bildes einnehmenden Wol-
kenhimmel, die Stadt, die bis auf die alle Häuser über-
ragende St. Bavokathedrale kaum mehr ist als eine
Art Ausfransung des Horizonts, die dunklen Buschen
und Gehölze, das Anwesen im Vordergrund








und das lichte Feld, auf welchem die Bahnen der weißen Lein-
wand auf der Bleiche liegen und wo, soviel ich zählen
konnte, sieben oder acht kaum einen halben Zenti-
meter große Figuren bei ihrer Arbeit sind.

Der Niederländer Ruisdael (1628 - 1682) stellt das angesehene Gewerbe des Bleichens von Leinen, das den Wohlstand der Stadt Haarlem mit begründete, dar.
Im goldenen Zeitalter der niederländischen Landschaftsmalerei herrscht in Europa seit Mitte des 16. Jahrhunderts eine Klimaabkühlung, die sogenannte "kleine Eiszeit", die für die Niederlande auf Grund der angreifbaren Topografie von großer Bedeutung ist. Meteorologie und Wetterphänomenene sind Leitthema der niederländischen Kultur in dieser Zeit.
Die Wolken unterstreichen die Weite der Landschaft und lassen Sonnenlicht nur stellenweise durch, bestimmte Bildpartien erscheinen in hellem Licht. Auf die Darstellung dieser Kumuluswolken vewendet der Künstler große Sorgfalt.
Die Bleichen Haarlems lagen, wie historische Ansichten zeigen, unmittelbar vor den Toren der Stadt. Ruisdael platziert sie zu Gunsten einer vollständigen Stadtsilhouette in größerer Entfernung. Der Blick fällt von Nordwesten auf die Stadt. Dominantes Gebäude ist die St.-Bavo-Kirche, zu erkennen sind außerdem das Rathaus, links die Bakenesser Kerk, rechts die Nieuwe Kerk und mehrere Windmühlen.

In der rechten unteren Ecke auf dem Dünenweg sitzt ein Künstler mit weißem Kragen, der auf einem Blatt Papier skizziert, und vor ihm steht eine Person, sie macht mit ihrer rechten Hand eine ausladende Geste.
Die von der Sonne gebleichten Tücher erzeugen in jener Zeit bei den Menschen die Vorstellung der Gott zu verdankenden Reinheit der Seele. Für Jan Luiken, den Dichter, bezieht sich das Bild auf die Bibel (Offenbarung 19,8 - Menschen mit weißer Kleidung).







Philipp Otto Runge



Petrus auf dem Meer
Öl auf Leinwand, 1806/07

Gleich darauf forderte Jesus die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Die Hülsenbeckschen Kinder 1805/06

Eines der bekanntesten Gemälde des deutschen Malers Runge (1777 - 1810), wo er drei Kinder beim Spielen abbildet und zwar vor dem Zaun, in freier Natur. Hinter dem exakt ausgerichteten Zaun wuchern Pflanzen. Links ragen Sonnenblumen ins Bild, rechts sehen wir das Sommerhaus der Familie Hülsenbeck in Eimsbüttel, damals noch ein Dorf vor der Stadt. Dazwischen öffnet sich der Blick auf die Türme der Hamburger Hauptkirchen. Friedrich Hülsenbeck ist der Kompagnon Daniel Runges, des Bruders des Malers. Wir befinden uns auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern und werden so in ihre Erlebniswelt versetzt. Der Jüngste umklammert blindlings ein Blatt der Sonnenblume, während er seine Augen staunend aufreißt. Der Ältere umfasst den Griff der Deichsel und schwingt energisch seine Peitsche, während das Mädchen bereits verantwortlich mit seiner rechten Hand dem Kleinen ein Zeichen gibt. Runge führt uns drei Entwicklungsstadien der Kindheit buchstäblich vor Augen, nämlich Kleinkind, frühe Kindheit und späte Kindheit.







John Peter Russell

Vincent van Gogh
1886

Das Porträt hängt im Museum in Amsterdam.



Während seines 7-jährigen Studiums in Frankreich besucht der australische Maler (1858 - 1930) eine Malschule in Paris, wo er Vincent van Gogh trifft und Freundschaft mit ihm schließt.



1888 zieht er auf die Insel Belle-Île, wo er seinen Wohnsitz, genannt „Le Chateau Anglais“, hat erbauen lassen.



Van Gogh schätzt Russells Schaffen, und nach seinem ersten Sommer in Arles im Jahr 1888 schickt er 12 Gemälde an ihn, um über den Fortschritt seiner Arbeit zu informieren. Auch Monet arbeitet oft mit Russell auf Belle-Île zusammen und beeinflusst seinen Malstil. 1897 und 1898 besucht ihn Henri Matisse auf Belle-Île, Russell führt ihn in die impressionistische Malweise ein und macht ihn mit den Werken van Goghs vertraut, der zu dieser Zeit noch ziemlich unbekannt ist.

1922: A Felice Souvenir of Macks Island, New Zealand:

„lost impressionist“: John Peter Russell - der unbekannte Große des Impressionismus.
Obwohl Australier, steht er mit der dortigen Hauptströmung, der sogenannten „Heidelberger Schule“, kaum in Verbindung. Der Schwerpunkt seines Wirkens liegt in Europa, speziell Frankreich.
Dank des väterlichen Erbteils ist er finanzieller Sorgen enthoben und geht nach London, wo er sich an der Slade School of Fine Art einschreibt. Danach studiert er mehrere Jahre in Paris. Zu seinen Mitstudenten dort gehören Henri de Toulouse-Lautrec, Émile Bernard und Vincent van Gogh; mit letzterem freundet er sich an, und 1886 soll er ihn auch porträtieren. Er zieht auf die bretonische Belle-Île, errichtet dort seinen „Le Chateau Anglais“ genannten Wohnsitz, um welchen herum sich mit der Zeit eine kleine Künstlerkolonie bildet.
Russell ist vermögend genug, um zu seinem eigenen Vergnügen zu malen, was ihn der Sorge enthebt, an Ausstellungen teilnehmen und Bilder verkaufen zu müssen, denn der Ausstellungsbetrieb von London und Paris ist ihm ein Greuel.
Von Monets oszillierender Malweise läst sich Russell beeinflussen - es heißt sogar, Monet habe einige der russellschen Darstellungen des Meeres über seine eigenen gestellt.

Pecheur sur falaise(1900)

Als Marianna 1907 stirbt, zerstört Russell in seiner Verzweiflung 400 seiner Aquarelle und Ölbilder, ein gewaltiger Verlust, den insbesondere Rodin betrauert.
In Sydney, wo er sich später - nach einer zweiten Ehe - endgültig niederlässt, malt er zahlreiche Aquarelle von Hafenszenen in der Watson Bay. Russells leichte und farbenfrohe Arbeiten müssen sich vor anderen impressionistischen Großen nicht verstecken, und Liebhabern dieser Richtung öffnen sie mit Sicherheit das Herz.


Brigham's Creek with Mount Egmont Beyond







Gustav Rydberg



Vinterlandskap med hästfora
1868

Der schwedischer Landschaftsmaler Rydberg (1835 - 1933) der Düsseldorfer Schule reist im Sommer nach Schonen, seine Heimat in Südschweden, um Landschaften zu malen.