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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Nadiya Pankova

The Egg
Acryl auf Karton 2020

Nadiya Pankova (geboren 1985): Ukrainische Malerin, Tänzerin, Schauspielerin, Make-up & Body-Art-Künstlerin, Kinderlehrerin . Lieblingskunstformen: abstrakte Acrylmalerei und Körperkunst.
„Ich wollte Künstler werden, solange ich mich erinnere. Ich denke, dass das Geigenspielen in meiner Kindheit dazu beigetragen hat, dass ich mich leidenschaftlich mit der Kunst auseinanderzusetzen begann. Das Geigenspielen beeinflusste enorm meinen Kunststil. Ein Architekturstudium hilft mir, die richtige Struktur und Komposition für meine Bilder zu finden. Es war eine gute Basis für meine Entwicklung als Künstlerin“.
Schließe deine Augen. Einschlafen. Fiel in den Abgrund. Wir landeten auf einem weichen Federbett der Fantasie. Vergiss dein Alter, Geschlecht, Erfahrung, Gefühle, Gedanken ... und öffne deine Augen. Weit breit, sobald du kannst. Beginne jetzt mit dem Erstellen, lass deine Kreationen riesig, einfühlsam und kraftvoll sein. Mögen sie LEBEN. Dieser süße Elefant wurde von einer kleinen Maus erschreckt und versteckte sich um die Ecke. Er ist jedoch immer noch neugierig und neugierig darauf, was für eine Maus es gibt: Dieses Bild ist unseren kleinen und mutigen Entdeckern dieses riesigen Universums gewidmet.

Ihr einzigartiges Werk umfasst Akrylgemälde, digitale Zeichnungen, Body-Art, Performances, dekorative Objekte und grafische Designarbeiten. Sie nimmt an lokalen und internationalen Kunstprojekten teil, leitet die Kunst- und Bühnenbildwerkstatt für Kinder des deutsch-russischen Kulturvereins Brücken e.V., wo sie Zeichnung, Malerei und Komposition unterrichtet und mit ihren Schülern zusammen an Bühnenbildern für Amateurtheater arbeitet.
Pankovas Arbeiten bewegen sich zwischen figürlicher Kunst und Abstraktion und überraschen durch unkonventionelle Kompositionen und eindrucksvolle Farbpaletten. Die Künstlerin selbst beschreibt ihre Arbeitsweise als „abstrakt, expressiv und surrealistisch“ und findet ihre Inspiration im Orphischen Kubismus



Website der Künstlerin







Giovanni Paolo Pannini



Roma Antica
1755

Der italienische Maler (1691 - 1756) versammelt in einem phantasievollen architektonischen Capriccio eine Gesellschaft von Kunstfreunden, die eine Galerie gemalter Ansichten und Veduten des antiken Rom besuchen. Pannini zählt zu den bedeutendsten Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts und arbeitet lange Jahre in Rom. Das Gemälde gehört zu einer Serie von Bildern, die den französischen Gesandten Comte de Stainville an seine römische Zeit erinnern sollten.

Pannini bringt mit der Gegenüberstellung einen geläufigen Topos touristischer Reisebeschreibungen zu den Kunstwerken Roms auf die Leinwände. In Erinnerung an ihre Kavalierstour ist es für adlige Besucher üblich, Ansichten bekannter Monumente nach Hause zu bringen.



Gemäldegalerie mit Ansichten des zeitgenössischen Rom (1759) (groß)

Details









Als Vater der Vedute gilt der niederländisch-italienische Maler Gaspar van Wittel (1653 - 1736), der sein Leben großteils in Rom verbringt, wo er seine Erfahrungen an die italienischen Meister vermittelt. Durch ihn wurde die camera obscura als Arbeitsgerät in die italienische Vedutenmalerei eingeführt, der sich auch die Hauptvertreter der venezianischen Schule der Vedutenmalerei, Luca Carlevarijs, Canaletto, Francesco Guardi und Michele Marieschi bedienten. Zu den herausragenden Vertretern der Vedutenmalerei gehören auch Giovanni Battista Piranesi, Domenico Quaglio und Rudolf Wiegmann. Als einer der bedeutendsten Vedutenmaler des 19. Jahrhunderts gilt der Schotte David Roberts.



Eine Vedute (it. veduta Ansicht, Aussicht) ist die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes. Gemäß der Kunsttheorie ist Ziel die Wiedererkennbarkeit. Zweck solcher Stadtansichten ist, wichtige Monumente von historischer oder religiöser Bedeutung bzw. besondere Feierlichkeiten (Prozessionen, Erbhuldigungen etc.) zu verewigen.
Maßgeblich für den ungeheuren Erfolg dieses Genres ist der Italien-Tourismus der englischen Aristokratie, der im 18. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreicht; es war üblich, als „Souvenir“ von der Grand Tour nach Italien Bilder der römischen Antike oder der norditalienischen Städte, die man besucht hatte, nach England mitzunehmen.









Maxfield Parrish



Daybreak

sein wohl berühmtestes Bild, schafft der amerikansiche Künstler (1870 - 1966) für den Kunstdruckmarkt - es ist bis heute beliebt.
Während des Goldenen Zeitalters der Illustration verzaubern seine wunderschönen Kulissen und charmanten Figuren die amerikanische Öffentlichkeit. Viele Kinderbuchillustrationen sind bis heute populär. Um 1900 wechselt er von Illustrationen zu Ölgemälden, die mit ihren brillanten Farben und ihrer magischen Leuchtkraft bis weit in die 1940er Jahre sehr beliebt sind. Um diese magischen Effekte zu erzielen, trägt er zahlreiche Schichten dünnen, transparenten Öls im Wechsel mit Lack auf gestrecktem Papier auf, ein sorgfältiger Prozess, der sowohl eine hohe Leuchtkraft als auch außergewöhnliche Details erzielt.
Von 1930 bis 1960, wo er aufhörte zu malen, produziert er eine Reihe von Kalenderlandschaften, von magischer Qualität mit einem Fenster zu einer anderen Welt, was alle seine Arbeiten durchdringt.





Allan Paul

Der Tod kommt Öl auf Leinwand 2016

Müssen wir jetzt Angst haben? Sollen wir uns freuen? Der Tod ist ein heiterer Geselle. Tanz mit dem Tod! Vielleicht ist er auch nur einer, der uns abholt, weil wir selber nicht schaffenn zu gehen. In eine andere ungewisse Zukunft. Die Angst vor dem Tod ist die Angst vor dem Kontrollverlust. Aber wir sehnen uns genau danach. Nach Kontrollverlust. Endlich sich öffnen für die Hingabe an das Leben
Der Maler Paul aus Bielefeld (geboren 1875) glaubt, dass die visuelle Sprache sowie die ausgewählten Materialien und Technologien in einem Stück uns zugänglich sein sollten. Wild und expressionistisch sind seine Werke. Mit breiten Pinselstrichen oder dem Spatel bringt er Farben und Formen auf seine Leinwand, die ineinander verschwimmen, neue Strukturen bilden. Auf der Leinwand versuche er, sein Inneres nach außen zu bringen, dabei entwickeln sich seine Bilder erst beim Malen.
Begehren und Hingabe sind für Paul in einem Selbstbekenntnis zentrale Motive seines Künstlertums. Das mag flüchtig betrachtet auch für viele seiner Kollegen zutreffen und doch ist dieses Wechselspiel in seinem Fall von ganz besonderem Belang. Bei kaum einem anderen Künstler kennt man Arbeiten mit derart vielen offenkundig biografischen und seelischen Bezügen wie bei dem in Potsdam und Werder an der Havel arbeitenden Maler.
Fast schon paradox wirkt der Umstand, dass ausgerechnet in diesem havelländischen Landschafts- und Kulturparadies, inmitten der Schlösser, Seen und Parklandschaften, sich ein Malstil ausprägen konnte, dessen Hauptmerkmal ein wilder und geradezu anarchischer Bildaufbau ist. So überrascht nicht, dass die Arbeiten von Allan Paul häufig kontrastreich farbig und manchmal sogar bis an die Schmerzgrenze laut sind.
Bei vielen Bildern dampft aus jedem Pinselstrich Farbe etwas von den heftigen Gefühlen ab, mit denen sie beim Malen auf die Leinwand geschleudert wurde. Allan Pauls entfesselte Kunst ist aber weit weniger eine Reaktion auf das ihn umgebende Heute, sondern ihr gestalterisches Chaos liegt eher in der Allgegenwart des Gestern begründet.
Seine von ihm selbst als „Gefühlslandschaften“ titulierten expressiven Kreationen leben häufig aus der Erinnerung an vergangenes Leid und Ungemach. Kindheit und Jugend, angefüllt mit Übergriffigkeiten und psychosozialen Abgründen, haben deutliche Spuren hinterlassen und doch scheinen sie inzwischen, zumindest auf der Leinwand, wie durch eine Entgiftungskur bezwungen.



Webseite Allen Paul



Edgar Alwin Payne

Canyon de Chelly

Das Gebiet von Taos, New Mexico bis zum Grand Canyon, sind 20 Jahre wichtigste Inspirationen für den amerikansischen Landschafts- und Wandmaler Payne (1883 - 1947).







Max Pechstein

Doppelbildnis
1910

Max Pechstein (1881 - 1955) stammt aus Zwickau.
Nicht nur auf vielen Zeichnungen bleibt Lotte Kaprolat unerkannt, sondern sogar auf dem Doppelbildnis, mit dem Pechstein sie als seine, ihm zugehörige Frau präsentiert. Sich selbst und Lotte in bürgerlicher Kleidung darstellend, demonstriert er allein durch die gleichgearteten Hüte seine tiefe Verbundenheit mit ihr. Pechsteins Blick und die helle Farbgebung des Bildes vermitteln uns heitere Ausgeglichenheit und seelischen Einklang eines Liebespaares - diese im Bild zur Schau getragene Zusammengehörigkeit besiegeln sie 1911 mit Eheschließung!


1923/31 Tänzerin in einer Bar

Pechstein beschäftigt sich in seinem Werk mit verschiedenen Formen des Tanzes, wobei es ihm mehr um Bewegung als um die dargestellten Personen geht. Tanz in all seinen Ausprägungen inspiriert von jeher die Kunst, sei es zur Komposition dazu passender Musik oder zu Gemälden, mit denen sie diese besonderen Momente körperlicher Interaktion festhalten will.
Ein zeitgenössischer Kunstkritiker: "Tanz ist ein Symbol für den ganzen Pechstein". Auch auf Palau, wohin er auf der Suche nach Ursprünglichkeit reist, skizziert er indigene Tänze. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts sind Nietzsches Schriften prägend, der Wunsch, sich aus dem wilhelminischen Korsett zu befreien, ist überall zu spüren.


Knaben in der Brandung

Man sieht buchstäblich, wie sich die jungen Leute die Kleider vom Leib reißen, die für die engen Konventionen der Zeit stehen. Man will zurück zur Natur, zur Emotion. Die Expressionisten bringen sie in Farbe und Form zum Ausdruck, sind fasziniert vom bewegten Körper, den sie in vielen Bereichen studieren.

Die ersten Künstler, die den Expressionismus in Deutschland vertreten, schließen sich 1905 in Dresden zu einer Gruppe zusammen und wählen für ihre Vereinigung den Namen "Die Brücke": "Alle revolutionären und klärenden Elemente an sich zu ziehen, das besagt der Name Brücke" - schreibt einer von ihnen 1906. Den vier Gründern der Bewegung – Bleyl, Kirchner und Schmidt-Rottluff – schließen sich bald weitere Künstler an, so Max Pechstein, Otto Mueller und – vorübergehend – Emil Nolde. Im Werk dieses Künstlerkreises vereinigt sich der Einfluss von Munch mit dem von van Gogh, Gaugnin, Toulouse-Lautrec und Ensor. Anderes wirkt mit: die Begeisterung für die Kunst der Neger und Ozeaniens, die Faszination vor spätgotischen Holzschnitten. Den letzteren verdanken die Brücke-Künstler zweifellos die expressive Formvereinfachung, die harte Zeichnung auf so vielen ihrer Werke. Aber auch die Farbe strebt nach breiteren, stark leuchtenden Flächen. Obgleich ihre Palette der der Fauves nahekommt (von deren Schaffen sie interessiert Kenntnis nehmen), unterscheidet sie sich von ihr dadurch, dass die Farbakkorde meist schrill, hart und aggressiver sind – aggressiver noch als die von Vlaminck. In der Tat erklären sich die deutschen Maler nicht nur als Nonkonformisten im Bereich der Kunst, sondern revoltieren auch gegen die moralische Wertskala der bürgerlichen Gesellschaft. Wenn sie einen Akt malen, so begreifen sie ihn nicht nach dem Beispiel von Mattisse als eine schöne Form, als Vorwand für eine wundervolle Arabeske: sie betten ihn vielmehr in eine erotische Atmosphäre und verleihen ihm dadurch absichtlich etwas Provokatorisches. Um ihrer Empörung gegen die süßlichen Akte der akademischen Malerei Luft zu machen, veranstalten sie ihre eigenen Aktdarstellungen, wobei die zuweilen vor abstoßender Hässlichkeit nicht zurückschrecken.



Sein letztes Bild und krönender Abschluss: "Am Strand" 1954.
1952 kommt er gegen Ende seines Lebens an die Kieler Bucht und besucht das Ostseebad Strande – seine Erinnerungen daran hält der schwer erkrankte 73-Jährige zwei Jahre später auf der Leinwand fest: eine Reminiszenz an die See und an unbeschwertere Zeiten. Aus dem Nachlass des Künstlers ist es nun in die Kunsthalle zu Kiel gelangt, wo sich bereits zwei Gemälde Pechsteinss befinden.







Samuel John Peploe



Iona, Rough Day
Öl auf Leinen

Der schottische Maler (1871 - 1935) unternimmt ab 1901 zahlreiche Reisen in Nordfrankreich und zu den Hebriden mit seinem Freund John Duncan Fergusson. Inspiriert durch die dort herrschenden Lichtverhältnisse experimentiert er mit dem großzügigen Einsatz von Farben. Der Einfluss des schlichten Realismus der französischen Maler und der Glasgow School sind bezeichnend für seine Landschaftsbilder. Landschaftsmotive und Stillleben sind sehr stark von Manet beeinflusst und bestehen aus einer Kombination von zügigen Pinselstrichen mit Impastomalerei vor dunklen Hintergründen, bei denen starke Lichteffekte eine Rolle spielen.
Sein ganzes Leben ist Peploe stark beeinflusst durch die französische Malerei und obwohl er nicht besonders abstrakt malt, beeindrucken seine Bilder durch den großzügigen Gebrauch starker Farben, geradlinige Komposition und genaue Ausführung.
Bis 1906 weichen seine früheren Stillleben und Figurenbilder, die sich durch dunkle Hintergründe auszeichneten, helleren Farben, Grautönen und Rosatönen. Dies ist zum Teil auf den Umzug in ein neues, helleres Atelier am York Place zurückzuführen. In den nächsten fünfzehn Jahren behielt Peploe eine brillante Farbpalette bei und entwickelte einen reifen Stil, der Elemente von Cezanne, dem Jazz Age und Matisse enthielt. In den späten 1920er Jahren kehrte er zu einer klangvolleren, tonalen Malerei zurück, die immer noch von leuchtenden Farbakkorden belebt wurde, aber gewichtiger und kühler war. Frankreich befreit seine Palette, wie die fauvistischen Tafeln zeigen, die er in Royan (1910), Cassis (1911, 1913) und in Paris malt. Seine Stuido-Gemälde zeigen den Einfluss von Van Gogh und de Segonzac.
Peploe, der vor allem für seine Tulpenstillleben bekannt ist, hat ein breites Spektrum an Themen, darunter auch die Figurenmalerei und vor allem Landschaften.







Daria Petrilli

The Lady of the Red Ibis

Unerreichbar und wie losgelöst von dieser Welt wirken die Frauenfiguren in Daria Petrillis (geboren Rom 1970) Werken. Die Künstlerin bettet sie in ein märchenhaftes Jenseits, oft sind sie begleitet von ihren tierischen Gefährten. Sie tragen Kleider aus einer vergangenen Zeit oder blicken als blasse, viktorianische Schönheiten auf uns. Manche deuten mit langen Fingern ins Nichts und erinnern dabei an die Malereien des italienischen Manieristen Bronzino. In ihren außergewöhnlichen Arbeiten werden die Frauen zu mystischen Wesen, gekleidet in Muscheln und Blüten. Immer wieder sind sie umgeben von Flamingos, Papageien oder Gänsen, die wie Vorboten des Purgatoriums und nicht wie die des Garten Edens wirken. Petrilli: "Vögel geben für mich eine Art vorweltliche Dinglichkeit wieder, deshalb kommen sie so oft in meinen Werken vor". In "Lady of the Red Ibis" führt eine Frauenfigur sechs rote Ibisse an Schnüren um die langen Hälse durch eine Traumlandschaft, den Blick gesenkt und scheinbar in ihrer Bewegung erstarrt.

Dual Nature

Zwei identische Frauen blicken mit durchdringendem Blick aus dem Werk, eine in eine idyllische Waldlichtung gekleidet und eine in dramatisches Schwarz. Zwei gleichwertige Naturen.

Loneliness of an Anthurium

Die Flamingoblume spiegelt in ihrer Einsamkeit die der Protagonistin, während sich deren Gedanken zu Wolken formen.
Daria Petrilli überarbeitet bereits bestehende Bilder digital neu. Das Ergebnis ist von einer figurativen Symbolik, die an klassische Malerei erinnert. Die römische Künstlerin sagt über ihren Schaffensprozess: "Ich arbeite bestehende Fotografien um, indem ich sie mit digitalen Zeichnungen überschreibe. Ich schaffe eine Collage, das ist ein Triumph des Photoshop. Ich hätte auch klassische Mittel verwenden können, aber diese Art zu illustrieren wurde als persönliches Projekt geboren, in das sich niemand einmischen kann und das ich auf die unmittelbarste Art überhaupt entstehen lasse." Daria Petrillis Stil lässt die Grenze zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen. Sie geleitet mit ihrer einzigartigen Bildsprache in mythische Welten und lässt uns die Einsamkeit ihrer Protagonistinnen fast körperlich wahrnehmen. Die Künstlerin vollbringt den Balanceakt zwischen Renaissance und der subversiven Sprache des Pop Surrealismus.





Flower Pornography 1







Kusma Sergejewitsch Petrow-Wodkin



Knaben
1911

Ersten Kontakt mit Kunst hat der Russe Petrow-Wodkin (1878 - 1939) in früher Kindheit im Unterricht bei Ikonenmalern und einem Schildermacher.
Petrow-Wodkin gerät früh in Konflikt mit der russisch-orthodoxen Kirche, die seine Arbeit an einer Kapelle in Samara verwirft und als inakzeptabel zerstört.

"Der Traum" von 1910,
sein erstes bekanntes Werk, das heiße Diskussionen unter zeitgenössischen russischen Künstlern auslöst, Hauptkritiker Ilya Repin. Andere wichtige Werke dieser Zeit sind Knaben beim Spielen und



"Badendes rotes Pferd" von 1912, sein berühmtestes Werk - ein Symbol für die kommenden sozialen Veränderungen, es wird sofort zum Klassiker und gewissermaßen zum Markenzeichen des Künstlers. In dieser Phase verwendet Petrow-Wodkin ausgiebig eine Ästhetik der orthodoxen Ikone zusammen mit helleren Farben und ungewöhnlichen Kompositionen. Seine Werke werden oft als blasphemisch und erotisch angesehen.
1922 malt er das

Porträt der russischen Dichterin Anna Akhmatova.
In seinen früheren Jahren entwickelt er die "sphärische Perspektive": eine einzigartige Wendung, die die Zeichnung verzerrt. Er benutzt das ausgiebig in seinen Werken, auf die byzantinischen Perspektive zurückzuführen - einer umgekehrten Perspektive, die in der Ikonographie verwendet wird.
Später malt er Stillleben und Porträts und entfernt sich von seinen früheren Themen. Mit Hilfe der Sowjetregierung unternimmt er mehrere Reisen durch die Sowjetunion und produziert viele Werke zu didaktischen Zwecken.





Pablo Picasso



Guernica oder Die Schrecken des Krieges
1937

Pablo Picasso, der Maler aus Malaga (1881 - 1973)
1936 beginnt der Spanische Bürgerkrieg. Francos faschistische Truppen kämpfen unter ihrem Putschisten drei Jahre lang gegen die Zweite Spanische Republik, unterstützt vom faschistischen Italien und Nazi-Deutschland, das auch in Spanien Deutschlands Namen besudelt. Die Nazis schicken die Legion Condor, am 17. April 1937 macht das Geschwader die für Basken heilige Stadt Guernica dem Boden gleich - erster Angriff einer Luftwaffe auf Zivilbevölkerung ohne jegliches militärisches Ziel. Die am Rande der Stadt gelegene Rüstungsfabrik bleibt ebenso unversehrt wie zwei Kasernen in der Nähe. Zweck des Bombardements augenscheinlich die Demoralisierung der Zivilbevölkerung (was die Alliierten mit ihren Bombardements Ende des 2. Weltkriegs ebenfalls beabsichtigen) und, wie Oberbefehlshaber Hermann Göring später zugibt, Munitionstests der deutschen Luftwaffe. Dei Deutschen legen Gernika mit Spreng- und Brandbomben in Schutt und Asche und weitere Kampfflugzeuge setzen den Fluchtversuchen der Zivilbevölkerung ein tödliches Ende: 1.600 Bewohner - ein Drittel - verletzt oder getötet.

Als Picasso in Paris von der Gräueltat erfährt, ändert er seine ursprüngliche Bildidee (Komposition zum Thema „Maler und Modell“) und schafft stattdessen ein Mahnmal gegen dieses grausame Massaker. In weniger als einem Monat und nach hunderten von Skizzen ist das Werk (3,49 x 7,76 m!) vollendet. Im spanischen Pavillon der Weltausstellung in Paris gerät es zur Hauptattraktion der Millionen Zuschauer und schockiert die Besucher mit der schonungslosen Darstellung von Leid und Terror.
Um das Bild ranken sich viele Legenden: Als die Deutschen in den 1940er Jahren Paris besetzen, soll ein deutscher Offizier Picasso gefragt haben, ob er, Picasso, Guernica geschaffen habe. „Nein", ist Picassos Antwort, „das haben Sie gemacht.“

Nach der Weltausstellung geht das Werk auf Weltreise, die Einnahmen spendet Picasso für die Opfer des Bürgerkriegs. Dann kehrt es 1981 nach 40 Jahren nach Spanien zurück.

Die emotionale Kraft des Gemäldes kommt zum einen von seiner überwältigenden Größe: Das Werk hat die Abmessungen einer Hauswand. "Guernica" kann man nicht mit Distanz betrachten, man taucht vielmehr ein in die Handlung, die überlebensgroßen Figuren reißen einen förmlich mit.
Auf den ersten Blick scheint es überall um Tod und Sterben zu gehen. Erst sobald sich das Auge an das frenetische Treiben gewöhnt hat, werden Figuren deutlich. Ganz links eine Frau, den Kopf nach hinten gebeugt, vor Schmerz und Trauer schreiend, während sie den Körper eines toten Kindes hält. Schräg rechts über ihr Kopf und Körper eines großen, weißen Stieres - die einzig unverletzte und ruhige Figur inmitten des Chaos. Unterhalb von ihr liegt ein verwundeter oder toter Mann, sein Arm ist abgetrennt, in der verstümmelten Hand hält er ein zerbrochenes Schwert. Nur sein Kopf und seine Arme sind zu erkennen, den Rest des Körpers verdecken die sich teils überlappenden, teils verstreuten Fragmente anderer Figuren. In der Mitte des Gemäldes steht ein verängstigtes Pferd, mit weit aufgerissenem Maul, offenbar schreiend und von oben von einem Speer durchbohrt. Rechts drei weitere Frauen: Eine scheint in die Szene zu stürzen, den Blick auf die oben in der Mitte leuchtende, augenförmige Deckenlampe gerichtet; ihr Bein ist stark vergrößert, als würde es sie bei der Flucht behindern. Eine andere neigt sich aus dem Fenster eines brennenden Hauses, eine Lampe in ihrem langen, ausgestreckten Arm. Die dritte Frau scheint in einem brennenden Gebäude gefangen, vor Angst und Entsetzen schreiend. Die Gesichter leidverzerrt, ihre Augen seltsam entrückt, die Münder im Schrei geöffnet.



Picasso verwendet monochrome Farben, Grau, Schwarz und Weiß - die gleichen Farbtöne, in denen Zeitungen über die Gräueltat berichtet und Fotografen sie eingefangen haben. Das Muster in der Bildmitte verstärkt diese beinah dokumentarische Qualität, die die Illusion von Zeitungspapier erzeugt. Der scharfe Wechsel zwischen Schwarz-Weiß-Kontrasten über die gesamte Leinwand erzeugt zudem Dynamik und dramatische Intensität.
Auf den ersten Blick wirkt die Komposition des Gemäldes verwirrend und chaotisch, alles scheint in Bewegung zu sein. Der Raum ist nicht eindeutig auszumachen, einzelne Teile des Bildes überschneiden sich, wodurch Formen verdeckt und ihre Grenzen nur schwer erkennbar sind. Verzerrte und deformierte Körper, fragmentarische Formen - Stilelemente, die stark an Picassos kubistische Phase erinnern. Alles scheint sich in der Bildmitte ungeordnet zusammenzuballen, während scharfe Linien die zerstückelten Körper durchdringen und weiter aufsplittern. Tatsächlich gibt es jedoch eine übergeordnete visuelle Reihenfolge, ein kompositorisches Gleichgewicht: Picasso ordnet die Figuren in drei vertikalen Gruppen an, die sich alle in dieselbe Richtung bewegen, während er die Figuren in der Mitte in einem großen Dreieck aus Licht platziert.
Picasso: Er drücke darin seine „Abscheu vor der militärischen Kaste aus, die Spanien in ein Meer von Schmerz und Tod gestürzt hat“, und fügt später hinzu, es sei „nicht Sache des Malers, die Symbole zu definieren. Sonst wäre es besser, wenn er sie in vielen Worten ausdrücken würde. Die Öffentlichkeit, die das Bild betrachtet, muss die Symbole so interpretieren, wie sie sie versteht.“
Stier und Pferd sind häufige Motive Picassos. Sie gehören zum Ritual von Leben und Tod der spanischen Stierkämpfe, die Picasso bereits als Zehnjähriger zusammen mit seinem Vater besucht. Es liegt daher nicht fern, den Stier als den Ausdruck von (männlicher) Kraft, roher Gewalt oder gar als das unerbittliche Schicksal selbst zu deuten.
Vielleicht ist es aber genau diese Mehrdeutigkeit, das Fehlen historischer Details und die Tatsache, dass wir weiterhin brutale Kriege führen, was "Guernica" zu einem so zeitlosen Werk macht.
Ein ganz anderes Werk:



Stillleben mit Rohrstuhlgeflecht, 1912, Collage.
Das Bild stellt die damaligen Sehgewohnheiten auf die Probe, ebenso die Darstellungsweise des Rohrstuhlgeflechts selbst.
Ist es real, gedruckt oder gemalt? Wir wissen, es ist bedrucktes Wachstuch. Picasso integriert erstmals ein Massenprodukt, gedacht zum Bekleben von Stuhlsitzflächen, in eines seiner Bilder und kreiert die erste Collage. Indem er ein Objekt des realen täglichen Lebens in ein ansonsten traditionell ausgeführtes Ölbild auf Leinwand einbindet, erzeugt er optische Widersprüche. Die Gegenstände Pfeife, Krug, Glas, Messer und Zitrone scheinen also auf der Sitzoberfläche eines Stuhles auf einer Zeitung zu liegen bzw. zu stehen. „JOU“ lässt die Tageszeitung „Le Journal“ vermuten.
Wie Picasso mit den Sehgewohnheiten, Erwartungshaltungen des Betrachters spielt, verdeutlicht sich an der bloßen Wahl des Sujets. So war bei den Alten Meistern das Stilleben mit seinen Trompe-l’oeil Effekten dazu bestimmt, ihre Virtuosität und Meisterschaft zu demonstrieren. Picasso bezeugt dies einerseits, indem er in seinem Stillleben die revolutionären Errungenschaften des Kubismus präsentiert. Andererseits integriert er das Wachstuch, ein Massenprodukt der realen Welt, maschinell gefertigt, welches hier für den Trompe-l’oeil Effekt sorgt. Er präsentiert die Gegenüberstellung des Werkes eines Künstlers mit einem austauschbaren, kommerziellen Massenprodukt.


Les Demoiselles d’Avignon









Pisanello

Chiesa Sant' Anastasia: Fresko über der Kapelle der Pellegrini um 1435

Pisanello (1395 - 1455)
W. G. Sebald:
"Die nächstfolgenden Tage beschäftigte ich mich so gut wie ausschließlich mit meinen Nachforschungen über Pisanello, deretwegen ich mich entschlossen hatte, nach Verona zu fahren. Die Bilder Pisanellos haben in mir vor Jahren schon den Wunsch erweckt, alles aufgeben zu können außer dem Schauen. Nicht allein die für die damalige Zeit ungeheuer hoch entwickelte Realismuskunst Pisanellos ist es, die mich anzieht, sondern die Art, wie es ihm gelingt, diese Kunst in einer mit der realistischen Malweise eigentlich unvereinbaren Fläche aufgehen zu lassen, in der allem, den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zugesprochen wird. Es war diese, seit langem schon gehegte Zuneigung zu dem Maler Pisanello, die mich wieder in die Chiesa Sant' Anastasia führte, dort das Fresco anzusehen, das er über dem Eingang zur Kapelle der Pellegrini um das Jahr 1435 verfertigt hat. Die Kapelle der Pellegrini, im linken Seitenflügel der Kirche, existiert als solche heute nicht mehr...
Kaum ein Strahl Tageslicht durchdringt das Seitenschiff der Sant'Anastasia. Selbst mitten am hellsten Nachmittag herrscht hier die tiefste Dämmerung. Nur schattenhaft ist darum das Bildwerk Pisanellos über dem Torbogen der vormaligen Kapelle zu erkennen. Durch das Einwerfen von Tausend-Lire-Münzen in einen Blechkasten kann es aber illuminiert werden auf eine gewisse, manchmal sehr lang und manchmal sehr kurz erscheinende Zeit.

Dann ist deutlich zu sehen der heilige Georg, wie er im Begriff steht, gegen den Drachen auszuziehen, und Abschied nimmt von der Principessa.


Von der linken Hälfte des Gemäldes ist einzig das etwas verwaschene Untier erhalten mit zwei noch flügellosen Jungen aus seiner Brut. Einiges an Knochen und Gebein, Überreste der zur Befriedigung des Drachens geopferten Tiere und Menschen, liegen verstreut umher.

Die Leere, in die das Fragment ausufert, läßt aber nach wie vor das Entsetzen erahnen, das die Bewohner der palästinensischen Stadt Lydda der Legende nach damals erfüllt hat.

Eine eher nördlich anmutende Gegend erhebt sich, wie man der Art der Darstellung entsprechend sagen muß, in den blauen Himmel. Auf einem Meeresarm weist ein Schiff mit geschwellten Segeln als einziges Objekt der Komposition in die Ferne.

Sonst ist alles Gegenwart und diesseitig, das wellige Land, die gepflügten Felder, die Hecken und Hügel, die Stadt mit ihren Dächern, Türmen und Zinnen

und der Galgen, dessen baumelnde Gehenkte - ein beliebter Kunstgriff jener Zeit - der Szene eine eigene Lebendigkeit verleihen. Gebüsch, Gesträuch und Blattwerk sind auf das sorgfältigste gemalt und mit Liebe auch die Tiere, denen Pisanellos größte Aufmerksamkeit immer gegolten hat:

der landeinwärts fliegende Storch, die Hunde,

der Schafbock und die

Pferde der sieben Berittenen,

unter denen sich ein kalmückischer Bogenschütze befindet mit einem schmerzhaften Ausdruck der Intensität im Gesicht.

In der Mitte des Bildes die Principessa in einem Federkleid und San Giorgio, von dessen Rüstung das Silber abgeblättert ist, den aber der Glanz seines rotgoldenen Haupthaars noch umgibt.

Zum Erstaunen ist es, wie es Pisanello verstanden hat, den jäh heraustretenden, seitwärts schon auf die schwere blutige Arbeit abschweifenden männlichen Blick

des Ritters abzusetzen von der nur durch die geringfügigste Senkung der unteren Lidgrenze angedeuteten Beschlossenheit des weiblichen


Auges

In Verona ist er am Nachmittag seiner Ankunft vom Bahnhof über den Corso in die Stadt und dort so lang kreuz und quer durch die Gassen gewandert, bis er vor Müdigkeit in die Kirche zur heiligen Anastasia einkehrte. Nachdem er sich eine Zeitlang mit aus Dankbarkeit und Widerwillen gemischten Gefühlen in dem kühlen, halbdunklen Raum ausgerastet hatte, machte er sich wieder auf, und im Hinausgehen fuhr er noch der seit Hunderten von Jahren unter der schweren Last eines Weihwasserbeckens am Fuße einer der mächtigen Säulen ausharrenden Zwergenfigur mit den Fingern durch die marmornen Locken wie einem Sohn oder jüngeren Bruder.


Daß er das von Pisanello gemalte schöne Wandbild des heiligen Georg über dem Eingang zur Kapelle der Pellegrini angesehen hätte, dafür gibt es nirgends einen Anhaltspunkt. Belegt werden könnte jedoch, daß es Dr. K., als er wieder unter dem Portal an der Schwelle zwischen dem dunklen Innenraum und der Helligkeit draußen stand, einen Augenblick lang vorkam, als sei dort dieselbe Kirche Tor an Tor mit der gebaut, aus der er gerade getreten war, eine Verzweifachung, wie sie ihm aus seinen Träumen bekannt war, in denen auf eine furchterregende Weise alles beständig sich weiter und weiter aufspaltete.




Nachtrag

John Burnside schreibt zum Andenken an W. G. Sebald: "Anselm Kiefer sagt, er lasse sich nicht von großartigen, sondern von banalen Dingen inspirieren, von alltäglichen Fundstücken. Ähnliches schreibt Sebald über Pisanello, einen seiner Lieblingsmaler: Nicht allein die für die damalige Zeit ungeheuer hoch entwickelte Realismuskunst Pisanellos ist es, die mich anzieht, sondern die Art, wie es ihm gelingt, diese Kunst in einer mit der realistischen Malweise eigentlich unvereinbaren Fläche aufgehen zu lassen, in der allem, den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zugesprochen wird.
Diese Passage aus „All’estero“, einer Erzählung in „Schwindel. Gefühle“, das mir von all seinen Büchern das liebste ist, könnte als Beschreibung seines eigenen Werks dienen: Jedes Detail erhält nicht nur seine Daseinsberechtigung, sondern ist auch wesentlich für einen Prozess des Lesens, der in unserer Zeit ganz und gar einzigartig ist (Daniel Defoe oder Laurence Sterne hätten ihn wohl sofort verstanden).
Es klingt vielleicht verrückt, aber ich glaube, dieser Prozess ähnelt in gewissem Sinne dem Lesen von Tarotkarten, wenn jede Karte in ihrer Beziehung zu allen aufgelegten Karten neu interpretiert wird - oder wie der alte General in der dritten Erzählung von „Schwindel. Gefühle“ erklärt, dass sich, wenn er es recht überlege, zwischen der Logik des Sandkastens und der Logik des Heeresberichts ... ein weites Feld der undurchsichtigsten Gegebenheiten erstrecke. Kleinigkeiten, die sich unserer Wahrnehmung entziehen, entscheiden alles!
Doch diese Kleinigkeiten - all die wesentlichen Elemente, Hauptdarsteller und Komparsen - verblassen ständig in unserer Erinnerung und in der realen Welt, und das Bild, das sie einmal ergeben, die Geschichte, die sie erzählt haben, verschwindet vor unseren Augen."









Camille Pissaro

Selbstporträt
1873

Pissaro, geboren auf den Jungferninseln (1830 - 1903), aus einer marranischen Familie, einer der bedeutendsten und produktivsten Maler des Impressionismus, der einzige Maler, der in allen 8 zwischen 1874 und 1886 organisierten impressionistischen Ausstellungen ausstellte. Zentraler Künstler und Mentor innerhalb der Bewegung. Während die Impressionisten für ihre Darstellungen von Straßen in der Stadt und der Freizeit auf dem Land bekannt sind, malt Bilder des Alltags der französischen Bauern. Er ist fasziniert von ländliche Themen untersucht die Natur unter verschiedenen Licht- und Atmosphärenbedingungen und sucht immer wieder nach jüngeren, fortschrittlichen Künstlern als Kollegen, bei denen sich seine wissenschaftliche Farbtheorie sich als unverzichtbar erweist für Avantgarde-Maler.


Avenue de l’Opera, 1898







Hans Platschek



Komposition


Als Maler des Tachismus bzw. des Informel erfährt der Beliner Platschek (1923 - 2000) schon sehr früh Anerkennung. Doch als die abstrakte, automatistische Kunst des Informel sich international durchsetzte, hat er bereits sein Interesse für eine Neue Figuration angemeldet. Die Pop Art kritisiert er vehement als „Kunst des Konsums“. In den achtziger Jahren wendet er sich unter anderem dem Stillleben zu. Die Schwierigkeit, Platscheks Arbeiten in die vorherrschenden Strömungen der aktuellen Kunst einzuordnen, mag ein Grund dafür sein, dass er als Maler weniger Anerkennung finet denn als Publizist. "Denn die Schärfe seiner Essays hat viele erschreckt, die nur genießen möchten. Der Unmut, weil man aus dem Wohlbefinden gerissen wurde, übertrug sich auf die Bilder. Der Beifall wurde spärlicher."
Platscheks nur bei oberflächlicher Betrachtung als polemisch erscheinende Aufsätze machten ihn seit den 1960er Jahren über Deutschland hinaus einem kunstinteressierten Publikum bekannt. Seine Texte gelten vielen Kennern auch heute noch als von großer Frische und Klarheit gekennzeichnet. Platschek selbst wollte sich nie als Kunstkritiker bezeichnen lassen und äußerte sich zu seiner Doppelrolle so: „Es besteht nun einmal ein Unterschied darin, ob einer einen Kapitalisten einen Geier nennt oder ob er ihn als Geier malt; die Buchstäblichkeit und die Körperlichkeit der Malerei schieben eine solche Figur aus der politischen Ökonomie ab in die Zoologie.“
"Es ist noch nicht lange her, daß sich in der Kunstwelt die Akzente insofern verschoben haben, als plötzlich die Vermittlung in den Vordergrund rückte und kaum jemand auf die Produktion sah, es sei denn, auch sie gerierte sich als Vermittlung. Erst der Kurator, der Kunsthändler, der Documenta-Rat oder der Vorwortschreiber gab einer Kunst die endgültige Bestallung. Um Mißverständnisse zu vermeiden: man darf den Terminus Vermittlung nicht etwa mit Hegel oder nur mit Schleiermacher in Verbindung bringen, ihn also der Spekulation zurechnen. Denn im Kunstbetrieb hat er, handfest, den Sinn, der ihm von seiten der Grundstücksmakler oder der Heiratsbüros verliehen wird. So, als Makler, tritt der Kunstvermittler in Erscheinung, und die zitierten Sätze über den Hosenknopf und über die Kategorisierung der Praxis legen bloß, daß er seiner Rolle kaum gewachsen wäre, käme ihm nicht besagte Kunst zu Hilfe, die ihn, weil sie ihrerseits im Sozialen spekulativ lebt, zum Gärtner macht."

Selbstbildnis von Hans Platschek:
Die Selbstporträts kommen daher, daß man selber das billigste und geduldigste Modell ist. Ich hatte eine böse Geschichte, ich war drei Monate im Krankenhaus und hinterher habe ich diese Bilder gemalt: mit Krücke und mit Narbe. Nun hat man mir immer gesagt, der arme Mensch, der war krank und ist alt. Und da habe ich gesagt, als nächstes male ich Selbstbildnis mit abgeschnittenem Ohr. Märtyrer haben beim Bürgertum bessere Chancen als Kurzwarenhändler.
Auf dem Koppelschloß der SS stand während des Krieges „Unsere Ehre heißt Treue“. Da ich etwas gegen Krieg und Koppelschlösser habe, suche ich meine Ehre in der Untreue. Kunst soll laut Grundgesetz frei sein. Wenn man das wörtlich versteht, muß man jede Freiheit in Beschlag nehmen und alles probieren, wonach einem der Sinn steht. In den Sechzigern schrieb ich einmal, heute könne man keine Stilleben mehr malen. Seit Jahr und Tag male ich sogenannte Stilleben. Wie sagte Brecht? Wer auf mich baut, hat auf Sand gebaut.





Sigmar Polke



Reiherbild III




The Hunt for the Taliban and Al Qaeda

Sigmar Polke aus Niederschlesien (1941 - 2010)
2018 gründet die Tochter des Künstlers Anna Polke (* 1964), studierte Schauspielerin, eine Stiftung zur wissenschaftlichen Erforschung des Lebenswerkes ihres Vaters.
Auf dem Kunstmarkt werden bis zu rund 27 Millionen US-Dollar für seine Werke gezahlt. Nachdem um 2000 kaum noch Malerei von Polke auf dem Kunstmarkt angeboten wird, wendet sich der Handel seinen hinterlassenen, in der Regel von ihm zusätzlich überarbeiteten Fotoarbeiten zu.





Attilio Pratella

Pescatori sul molo
um 1900

Pratella (1856 - 1949) hat Atelier in Neapel und lässt sich für seine Arbeiten von den lebhaften Märkten der Stadt, den Kais mit den umliegenden Hügeln des Stadtteils Vomero und von Capri inspirieren. Seine Bilder zeigen oft Meeres- und Stadtansichten mit impressionistischen Ansätzen.







Dod Procter



Bill and Cat

Porträt des Sohns der Künstlerin.

Am Morgen


Die englische Künstlerin aus Hampstead Dod Procter (1890 - 1972)
1920 erhalten die Procters (Dod und ihr Mann) vom chinesischen Millionär Ching Tsong den Auftrag, den Kokine-Palast in Rangun zu dekorieren. Der Auftrag dauert ein Jahr und erfordert die Zusammenarbeit mit burmesischen, indischen und chinesischen Handwerkern, die oft Wandmalereien in beträchtlicher Höhe innerhalb des Palastes anfertigen. Ching Tsong ist jedoch von ihrer Arbeit unbeeindruckt und weigert sich, ihnen das vereinbarte Honorar zu zahlen oder eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, so dass die Procters Porträts von Einheimischen und Mitgliedern der britischen Kolonialverwaltung malen, um ein Einkommen zu erzielen. Sies entwerfen auch Designs für geätztes Kristall.
Nach Rückkehr konzentriert sich Dod Procter auf das Malen von Porträts, in der Regel von jungen Frauen. In den 1920er Jahren malt sie einzelne weibliche Figuren, manchmal nackt, manchmal in weich drapierter Kleidung. Ab etwa 1922 malt sie eine Reihe vereinfachter, monumentaler Bilder junger Frauen aus ihrem Bekanntenkreis.Typisch für diese Bilder ist das Volumen der Figuren, das sie durch den Einsatz von Licht und Schatten hervorhebt. The Back Bedroom (1926) und Girl on White (1923) sind kraftvolle, sorgfältig beobachtete Porträts junger Frauen. The Model, das Porträt einer jungen Frau, die tief in sich versunken ist, gilt als eines der besten Gemälde, die 1925 die Royal Academy zeigt. Modell ist die 16-jährige Tochter eines Fischers aus Newlyn, Cissie Barnes, die auch fünf Wochen lang jeden Tag für Procters bekanntestes Werk, Morning, Modell steht.
Als Royal Academy Morning auf der Summer Exhibition 1927 zeigt, wählt man es zum Bild des Jahres und Daily Mail kauft es für die Tate Gallery, wo es heute hängt. Procter verkauft für 300 Pfund, hätte aber das Zehnfache dieses Betrags erzielen können. Eine zweite, kleinere Version des Gemäldes, bekannt als Early Morning, befindet sich im Royal Pavilion in Brighton.
Öffentlichkeit wie Kritiker loben Morning für seinen "sinnlichen, aber düsteren Stil", der das "silberne Licht" West Cornwalls heraufbeschwöre. Frank Rutter, Kunstkritiker der Sunday Times, sagt 1927, Morning sei "eine neue Vision der menschlichen Figur, die auf die Erfindung eines Porträtstils des 20. Jahrhunderts hinausläuft" und "Sie hat anscheinend mit vollendeter Leichtigkeit jene vollständige Darstellung der Vision des 20. Jahrhunderts in Bezug auf die plastische Gestaltung erreicht, nach der Derain und andere vielgepriesene französische Maler seit Jahren getastet haben. " Trotzdem sieht man einige der Aktgemälde von Procter, die Morning auf seiner Tournee begleiten, an einigen Ausstellungsorten als ungeeignet an. 1929 - Virginal - ein junger weiblichen Akt, der eine Taube hält, die die Akademie lehnt das Gemälde ab.



"The Orchard"

In den 1930ern Jahren ändert sich Procters Malstil völlig. Werke wie The Orchard (1934), Sheila Among the Ferns (1935) und Kitchen at Myrtle Cottage (1935) zeigen die sorgfältige Ausführung und Beleuchtung ihrer früheren Arbeiten, jedoch ohne ihre früheren harten Linien und fest umrissenen Farbkörper. Ernest Procter stirbt unerwartet auf einer Reise 1935.
1938 zieht Procter nach Zennor in die Nähe ihrer Freundin, der Künstlerin Alethea Garstin. Ihre Bilder zeigen vor allem Porträts und Blumen. Garstins Einfluss ist in Procters Werk in der zweiten Hälfte ihrer Karriere deutlich zu spüren. 1942 Vollmitglied der Royal Academy. 1945 illustriert sie ein farbiges Frontispiz und Strichzeichnungen für eine Geschichte von Clare Collas, A Penny for the Guy. 1938 und 1946 besucht Procter Teneriffa, 1948 Basutoland und 1964 Tanganjika. In den 1950ern verbringt Procter zusammen mit Garstin einige Zeit auf Jamaika, wo sie hauptsächlich Kinderporträts malte.
Zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Tod gerat ihr Werk in Vergessenheit.







Thea Proctor

The Rose
1927

Abgesehen von zwei Jahren in Sydney 1912 bis 1914, arbeitet Thea Proctor (1879 - 1966) 1903 bis 1921 in London. Sie produziert Bleistiftzeichnungen, dekorative Aquarelle und Fächer, die von Conder und japanischen Holzschnitten beeinflusst sind. Rückkehr nach Sydney, entwirft eigene Kleidung, um ihre Individualität auszudrücken. Proctor bleibt unverheiratet, ist 1898 kurz mit Sidney Long verlobt, den sie in London kennengelernt hat.
Sie produziert Bleistiftzeichnungen, dekorative Aquarelle und Fächer, die von Conder und japanischen Holzschnitten beeinflusst sind. Entwirft eigene Kleidung, um ihre Individualität auszudrücken.







Ferdinand du Puigaudeau

Segelboote bei Sonnenuntergang Öl auf Leinwand

Der Franzose Ferdinand du Puigaudeau (1864 - 1930) malt viele bretonische Szenen und ist fasziniert von der Tradition der Begnadigung mit ihren Prozessionen und Ritualen, ebenso Malstudien bretonischer Frauen.







Mykola Pymonenko



Opfer des Fanatismus
1899

Das Bild schildert die Bestrafung eines jüdischen Mädchens durch die jüdische Gemeinde in Kremenets in der Ukraine (heute Provinz Ternopil) für ihre Beziehung zu einem orthodoxen Jungen und ihren Eintritt ins Christentum. Sie trägt ein Kreuz am Hals.
Der ukrainischer Maler (1862 - 1912) der Russischen Avantgarde Mykola Pymonenko schafft zahlreiche Genrebilder, ist Teilnehmer der Peredwischniki, einer Gruppe von Künstlern, vorrangig Malern, Vertretern des Realismus, die 1870 aus Protest gegen die Restriktionen der Kaiserlichen Kunstakademie Petersburg eine Genossenschaft gründen: die Genossenschaft der künstlerischen Wanderausstellungen.
Sein Vater ist Ikonenmaler.
In den 1890ern Teilnahme an Wandmalereien in der Kiewer Wladimirkathedrale, wofür er Orden der Heiligen Anna erhält.
Pymonenkos Malerei gilt als konservativ und akademisch.