Start
(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Otto Nagel



Parkbank am Wedding
1927

Otto Nagel aus Berlin (1894 - 1967), der wohl bedeutendste proletarische Maler im 20. Jahrhundert ...
Parkbank - das einzig erhaltene Gemälde aus dem Bilderzyklus „Aus dem Leben eines Großstadtmenschen“: Fast alle Farben sind mit einem stumpfen Grau gebrochen, aus der bedrückenden, bleiernen Umgebung heben sich die bleichen Gesichter der alten Menschen ab, die dasitzen - jeder allein mit seinem Elend, in seiner Verlorenheit und doch durch das gleiche Schicksal miteinander verbunden.
1926 stellt Otto Nagel im Sängerheim, einem Bierlokal in Wedding, seine aktuellen Bilder aus. Der Wedding ist inzwischen zu einem roten Arbeiterbezirk geworden, so dass es zum Ausstellungsort in der Weltbühne heißt: „Ein ungewöhnliches Milieu für Kunst. Das Publikum, Männer und Frauen vom Wedding, ernst, schweigsam, langsam die Bilder betrachtend. Sie sehen sich selbst an den Wänden, von einem der ihren gemalt: den Briefträger, die alte Frau im Spital, die Nutte vom Karree Nettelbeckplatz, den Idioten ‚Vater‘ von der Wach- und Schließgesellschaft, den Budiker von der Ecke. Ich stelle mir die Menschen, die im Sängerheim diese Bilder betrachten, in der Nationalgalerie vor. Sie gehen fremd, verwundert, ratlos von Bild zu Bild und gehen verdattert zur Tür hinaus. Sie dürfen ja hingehen, aber sie fühlen sehr schnell, dass sie nur geduldet sind“.
Trotz protokollarischer Schärfe entdeckt Nagel in seiner „sozialen Topografie“ Berlins verborgene Schönheiten, leise, diskrete Bildelemente. Die Farbe ist weder rauschhaft noch explosiv, sondern unauffällig, auf einen gemischten Grundton abgestimmt - adäquat dem bedrückenden Alltag: ein dumpfes Grau und düsteres Umbra, ein getrübtes Ocker, fahles Englischrot oder verwischtes Grün, ein gedämpftes Pariserblau. Und zugleich mit einem leisen Anflug von Wehmut und Resignation …
Seit den 1920er Jahren steht er für soziales Engagement und sucht Gestalt und Psyche des Menschen realistisch vielschichtig zu deuten. Der Arbeiter tritt nicht als amorphe Masse, sondern als individuell geformte Persönlichkeit hervor, in der sich zugleich ein Massenschicksal spiegelt. Im Arbeiterbildnis gelingt es Nagel, Elemente neuer geistiger Beziehungen zur sozialen Umwelt erlebbar zu machen. Mit wissenden Augen schaut


Lotte mit Puppe (1921) – es ist Nagels Tochter –

uns an. Dieses proletarische Kind hat Spielen nicht gelernt, wie einen Fremdkörper hält es die Puppe in der Hand.



Nach 1945 gehört Otto Nagel zu jener alten Realisten-Generation, die, geschult an der Malerei Max Liebermanns, im Osten Deutschlands in der Entdeckung der neuen Wirklichkeit zu Anregern für jüngere Künstler weden.

Mit seinen Selbstporträts kann sich Nagel in die Reihe großer Meister des 20. Jahrhunderts einordnen. Schon im ersten Selbstbildnis mit Hut , die Proletarierwohnung im Hintergrund, erreicht er mit seiner lapidaren Formensprache eine Tiefe des Ausdrucks. Hier tritt der Arbeiter - mit fragend-forderndem Blick - als Individuum und Künstler erstmals in die Malerei ein.





Kay Rasmus Nielsen

Auf der Rast im tiefen Wald


Der dänische Illustrator (1886 - 1957), ist, als er in Kalifornien stirbt, praktisch mittellos und vergessen. Vom Höhepunkt seiner Karriere als gefeierter Märchenillustrator ist er am Ende seines Lebens scheinbar in Vergessenheit geraten. Er gehört aber zu den Göttern des goldenen Zeitalters der Illustration neben solchen Unsterblichen wie Arthur Rackham, Walter Crane und Edmund Dulac.
Als Kind und Jugendlicher zeichnet er ständig, inspiriert von chinesischen Schnitzereien und japanischen Aquarellen, die der Vater seiner Mutter von seinen vielen Reisen mitbringt.
Als reifer Künstler zeigt Nielsens Stil den Einfluss vieler Kulturen und Epochen, vom Nahen Osten bis zum Art Déco, während er gleichzeitig eine höchst individuelle Handschrift bewahrt. Man könnte ihn als einen künstlerischen Wikinger bezeichnen, der die Beute vieler Länder in seine unverwechselbare skandinavische Landschaft einbringt.
Kay Nielsens Ruf als Künstler beruht weitgehend auf seinen Illustrationen für diese Märchenbücher. In Powder and Crinoline (1913), eine Sammlung von Märchen, die von Sir Arthur Quiller-Couch nacherzählt wurden, ist das erste dieser Reihe und East of the Sun and West of the Moon (1914), eine Sammlung von norwegischen Volksmärchen, die von den großen Volkskundlern Peter Chistien Ornsen und Jorgen Moe nacherzählt wurden, das zweite.
Viele sind der Meinung, dass dieses Buch Nielsens charakteristischstes, wenn nicht sogar sein größtes Werk enthält. Die Illustrationen sind nachdenklich, mit dramatischem Raum und starken Linien, die ein Gefühl der Bewegung erzeugen. Der tiefe nordische Himmel, den er abbildet, verleiht seinem Werk einen himmlischen Maßstab, der seinen Helden und Heldinnen eine mythische Wirkung verleiht. Die Zartheit und Eleganz der Illustrationen lässt die raue, volkstümliche Qualität der Geschichten völlig außer Acht, so dass man jede für sich genießen kann.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutet für Nielsen eine Unterbrechung seiner Karriere als Illustrator, so dass er sich dem Schauplatz seiner Kindheit zuwendet und beginnt, für die Bühne zu entwerfen. Nach dem Krieg illustriert Nielsen die Märchen von Hans Christian Andersen (1922), in denen sich die formale Sprache, die Phantasie von Andersens Bildern und die Rührseligkeit der Geschichten hervorragend mit der Kunst ergänzen. Es folgten Hänsel und Gretel: Geschichten der Brüder Grimm (1925) und Roter Zauber (1930), der sich als sein letztes großes Werk erweisen soll.
Die Bilder zeigen einen Künstler, der sich noch in der Entwicklung befindet; sie sind etwas weniger formal, zeigen vielleicht einen Einfluss der Volkskunst und verwenden mehr Farbe. In den späten 1930er Jahren reis Nielsen nach Kalifornien, um Bühnenbilder für eine Theaterproduktion zu entwerfen. Daraufhin arbeitet er in den Walt Disney Studios, wo er die Sequenz "Night on Bald Mountain" für den Filmklassiker Fantasia entwirft.







Emil Nolde



Herstmeer V
1910

Der leidenschaftliche, barbarische Maler aus Nordschleswig (1867 - 1956) unter den deutschen Expressionisten ist überzeugt, dass der brutalste Ausdruck das stärkste ist, er schreckte vor keiner urweltlichen Form, keiner ekstatischen Farbe zurück. Seine Farben sind grell, wild, sein Farbauftrag roh, seine Formen erinnern an primitive Holzplastik. Das Urweltliche, Mythische ist die Heimat der Bildfantasie Noldes. Diese Tatsache wird an seinen Gestalten, an seinen religiösen Bildern und auch in seinen Landschaften deutlich. Sein Zugriff ist wild und ungezügelt; es geht ihm darum, die dichteste Kraft des Ausdrucks zu erreichen. Klee nannte Nolde den "Dämon der unteren Region".

Meer im Abendlicht

Seine Aquarelle sind vergleichsweise sanft; die für manchen Betrachter so abstoßende Ausdrucksgewalt seiner Gemälde ist hier gedämpft. Mit virtuoser Technik aquarelliert er vor allem in kostbaren samten Farben Blumen und die Küstenstriche seiner Heimat.







Plinio Nomellini


Schichtarbeit

Der italienische Maler (1866 - 1943) übernimmt 1890 den Divisionismus, wird, nachdem er die Streiks der genuesischen Arbeiter 1891 ausgestellt hat, 1894 wegen Anarchismus verhaftet, aber freigesprochen und zum Mittelpunkt der Gruppo d 'Albano. Ab 1919 in Florenz, dann Atelier auf Elba, wo er sich auf Landschaftsmalerei konzentriert.







Eilert Adelsteen Normann



Der Eistransport


Der norwegische Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule (1848 - 1918) geht 1869 er an die Kunstakademie Düsseldorf, um Landschaftsmalerei zu studieren. 1870 heiratet er eine Rheinländerin und kauft in Düsseldorf ein Haus.
Er hat vollen künstlerischen Erfolg und entdeckt den Maler Gunnar Berg. 1887 zieht er nach Berlin. 1890/91 lässt sich Normann eine Villa am Sognefjord errichten. Bei einem Besuch in Norwegen 1892 sieht Normann eine Ausstellung mit Bildern des noch wenig bekannten Edvard Munch, dessen Begabung er erkennt. Auf seine Vermittlung kann dieser mehr als 55 Werke auf einer Ausstellung in Berlin zeigen. Die Ausstellung löst einen Skandal aus, da Munchs Werke am Hof und bei der Mehrzahl der Besucher Anstoß erregten. Nach wenigen Tagen wirde die Ausstellung geschlossen, was Normann vorausgesehen hat.
Kaiser Wilhelm II. trägt Normann seinen Einsatz für Munch nicht nach und bestellt auf seiner letzten Nordlandreise 1914 bestellt ein monumentales Bild des Lyngenfjords, das er aber wegen des Krieges nicht mehr erhält, ein Reeder kauft es Normann ab.


Fjord mit Mitternachtssonne

In Berlin richtet Normann eine Malerschule ein, und unterrichtet vornehmlich junge Damen, von einer bekommt er 1909 einen Sohn. Nach dem Tod 1911 seiner Frau, heiratet er die 35 Jahre jüngere Luise. 1910 lässt er sich durch einen norwegischen Bauunternehmer ein Haus in Deutsch-Wilmersdorf errichten, der mit seinem Geld nach Amerika abhaut, Normann gerät in Konkurs, aus dem er sich durch verstärkte Bilderproduktion befreit.
1917 zieht Normann aus Gesundheitsgründen nach Norwegen zurück, wo er nach längerer Krankheit 1918 an der Spanischen Grippe stirbt.
Normann benutzt eigene Fotografien als Vorlagen für seine Bilder. Seine Malweise verändert sich stark, wird unter dem Einfluss des Impressionismus immer flüchtiger und lückenhafter. Von den gedämpften Farben seiner frühen Schaffensperiode schwenkt er zu heftigen Zusammenstellungen leuchtender Farben um. Seit den 1890ern verwendet er die Spachteltechnik. Normann malt nun stereotyp viele, einander ähnliche Fjordlandschaften mit blauem Himmel, die sich gut an deutsche Touristen verkaufen.