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(mit Vollbild F11 am schönsten!)






Magdalena Maatkare



Perle
Textil auf Karton. Holz unter Glas 2017

"Ich empfange meine Bilder auf einer höheren Bewusstseinsebene, in der feinstofflichen, geistigen Welt - während des Tanzes und der Meditation."
Magdalena Maatkare ist eine deutsche Künstlerin, geboren 1988 in Langenargen, lebt und arbeitet in Berlin und Paris, deren Collagen von der Textilkunst verschiedener senegalesischer, guineischer, ivorischer und anderer west- und südafrikanischer Kulturen inspiriert sind. Für sie ist Stoff ein Symbol für Kultur. Jede Kultur, beginnend mit dem Kern der Familie, hat ihren eigenen Stoff, der ihre eigenen Geschichten trägt. Da Maatkare in verschiedenen Kulturen aufgewachsen ist, steht das Thema Verbinden von Kulturen im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Von der kulturell bedeutungsvollen Motivik der Wax-Print-Stoffe westafrikanischer Kulturen (Senegal, Guinea, Elfenbeinküste u.a.) fasziniert, kreiert Maatkare in jedem ihrer Werke mit unzähligen Stoffpartikeln energetisch starke Farbexplosionen. Ihre Werke verbinden in einzigartiger Weise Malerei und Textilkunst.
2011 bis 2012 Stipendiatin des DAAD, 2009 bis 2013 Lehramt Germanistik und Romanistik, Master: Interkulturelle Studien. Deutschland und Frankreich, 2015 Schauspielerin in "Le Prénom" von Alexandre de la Pattelière, Lyon. 2016 Westafrika: Tanzreise und Kunst Senegal, Guinea, Elfenbeinküste, Burkina Faso. Tänzerin und Schauspielerin in Die Kleine Nachtrevue Berlin, 2019 Künstlerische Direktion Swiss Education Academy, Leysin, Schweiz

Die Webseite der Künstlerin









August Macke



Persiflage auf den Blauen Reiter
Aquarell 1913

Den persönliche Stil, zu dem er schließlich findet und den man heute als typisch für Macke empfindet, prägt die Beschäftigung mit der Wirkung des Lichts und die Verwendung reiner, leuchtender, harmonierender Farben. Die Gemälde wirken heiter und leicht, alles Tragische ist ihnen fremd. „Seine Bilder befriedigen die Sehnsucht nach positiven Bildern einer intakten Welt, dem Gleichklang des Menschen mit den Dingen, die ihn umgeben.“
Die Persiflage zeigt links von der Mitte Marc auf dem Kutschbock, Kandinsky rechts daneben vornehm in der Kutsche sitzend sowie rechts und links oben das Profil von Herwarth Walden. Rechts unten stellt sich Macke klein und unbedeutend dar. Das Bild ist bedeckt von fließenden Linien und Farbflecken und karikiert Kandinskys abstrakten Stil.









Markus Magenheim



John
Aquarell auf Papier 2018

"Ich möchte das Bild oder die Zeichnung einfach halten, um die innere Komplexität des Motivs nicht mit zu viel künstlerischem Schnickschnack zu zerstören."
Caput Mortuum ist ein Pigment aus der Gruppe des Eisenoxydrots, dessen Name ins Deutsche übersetzt "Totenkopf" bedeutet. Weshalb die mittelalterlichen Alchimisten, die Caput mortuum als erste gewinnen, dem roten Pulver diesen Namen geben, ist bis heute ein Rätsel geblieben. Eine Überlieferung besagt, dass die Farbe dem geronnenen Blut von Enthaupteten gleiche.
Für Magenheim hat die Farbe nichts an ihrem Faszinosum verloren, gleichwohl er mit mittelalterlichen Hinrichtungs-methoden nichts am Hut hat. Tatsächlich nutzt er für seine Porträts die hervorragenden Eigenschaften von Caput Mortuum, die einem menschlichen Antlitz gleichzeitig Tiefe und Dreidimensionalität verleihen. Dabei fokussiert er sich auf die Bereiche der dargestellten Personen, die Ausdrucksträger der inneren Befindlichkeit sind: Gesicht und Hände.
Markus Magenheim, geboren 1972, deutscher Maler und Zeichner, der hauptsächlich mit monochromen Aquarellen in Überlagerungstechnik arbeitet, die häufig der Ölmalerei vor-behalten ist. Seine Arbeit konzentriert sich darauf, Menschen darzustellen und den Teil ihres Gesichts einzufangen, der ihr inneres Universum ausdrückt oder enthüllt. Seine Motive zeigt er oft als Relief vor dem Hintergrund des gesamten negativen Raums, um die volle Aufmerksamkeit auf ihre einzigartigen Gesichter zu lenken.
Er studiert Kunst in Karlsruhe und Stuttgart. Wenn er auch die Arbeit mit Aquarellfarben bevorzugt, gehören Ölfarben und Graphit ebenso zu seinem Werkzeugkasten.
Obwohl er sein Schaffen nicht auf direkte Vorbilder gründet, bewundert er sowohl die großen Meister von Caravaggio bis Egon Schiele, als auch zeitgenössische figurative Maler und Malerinnen wie Stephen Conroy, Denis Sarazhin, Ali Cavanaugh oder Logan Maxwell Hagege. Einen besonderen Platz in seinem Herzen nehmen die neueren Amerikanischen Realisten um Grant Wood und Andrew Wyeth ein.
Webseite: Magenheim





René Magritte



Les Amants II
(Die Liebenden) 1928

Als Magritt 14 ist, nimmt sich die Mutter das Leben. In einer Nacht und ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen, stürzt sie sich in einen Fluss. Der junge Magritte bekommt die geborgene Leiche seiner Mutter zu sehen. Ihr Kopf ist mit dem Nachthemd, dass sie in jener Nacht trägt, umwickelt.



"Die Beschaffenheit des Menschen I": Verhältnis zwischen Objekt und Abbild.



Des Menschensohn, 1964

Das Bild wird Magritte-Ikone. Eines der am deutlichsten surrealistischen Gemälde, rätselhaft und beliebt. Beginnt als Selbstporträt.
Sein Freund, Berater und Gönner Harry Torczyner will ein Selbstporträt von ihm. Resultat: Anonymer Mann in Melone-Hut vor Mauer am Meer. Bewölkter Himmel. Des Mannes linke Seite im Schatten. Der Mann erscheint überdimensioniert, formal gekleidet, dunkelgrauer Anzug komplett mit Kragen und roter Krawatte. Dritter unterer Knopf der Jacke offen. Die Figur steht steif mit den Armen an seiner Seite, der linke Ellbogen der Figur falsch. Nur Torso des Mannes, wir können nur vermuten, dass er Beine hat. Am auffälligsten: Heller, grüner Apfel verdeckt Gesicht des Mannes, linkes Auge des Mannes kaum sichtbar, scheint durch die Blätter des Apfels zu spähen. Wir sind neugierig und frustriert über das Gesicht, das wegen der Position des Apfels nicht zu sehen ist. Wir müssen uns vorstellen, wie das Gesicht aussieht.
2 ähnliche Bilder:



"Der große Krieg auf den Fassaden": Frau nahe einer Seewand, Gesicht durch Blume verdeckt



"Man in a Bowler Hat": weitere Figur, die Bowler-Hut trägt, Gesicht von Vogel verdeckt.

Die Verbindung zwischen Apfel und Titel: bewusster Hinweis auf christliche Vorstellungen über die Versuchung Adams im Garten Eden und Fall der Menschheit?
Apfel und Bowlerhut wiederkehrende Motive. Zahlreiche Gemälde zeigen Äpfel.

"The Game of Mora"



"The Listening Room"



Paul McCartney,
Magritte-Enthusiast,
lässt sich von
"The Game of Mora"











für das Beatles-Label
und -Logo inspirieren.




Ein weiterer "berühmter" Apfel, eindeutig inspiriert von Magrittes Menschensohn ...

Der Künstler Norman Rockwell würdigt "Des Menschensohn", indem er 1970 das Gemälde "Mr. Apple" schafft.
Die Konzentration auf den Mann im Anzug mit verdecktem Gesicht hat die Phantasie von Millionen inspiriert, wohl Magrittes schönstes Kunstwerk.

Magrittes rätselhafte Bilder bringt man auch mit Traumdeutung und Psychoanalyse in Zusammenhang. Sigmund Freud hat zu den Themen gerade seine Theorie entwickelt und veröffentlicht. Magritte weigert sich vehement gegen jeden Deutungsversuch seiner Bilder. Salvador Dalí lässt er aus seiner Ausstellung rauswerfen, als der sich anbietet, ein Bild zu interpretieren.
Magritte ist kein exzentrischer Selbstdarsteller wie die Pariser Surrealisten, sondern nüchterner Ingenieur des Unmöglichen, er lässt den hellblauen Himmel über nächtlichen Landschaften leuchten, Äpfel vor Gesichtern schweben - und 1938 eine Lokomotive in einem Kamin auftauchen. Seine Absicht: die Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit sprengen.

Eine Versuchsanordnung, klar, kühl, effizient. Ein bürgerliches Interieur wie aus dem Katalog: Kamin, Spiegel, die Uhr, die eine Mittagsstunde anzeigt. Die Kerzenhalter aus Messing, die Wandtäfelung, der Dielenfußboden. Doch statt des Feuers dampft im Kamin eine Lokomotive.
Magritte gibt diesem Bild 1938 den Titel "Die durchbohrte Zeit". Er ist kein Magier, kein Selbst-Hypnotiseur wie seine Kollegen. Er ist der Anti-Surrealist unter den Surrealisten. Sein Pinsel vermeidet jeden überflüssigen Strich, jede Seelenspur, jedes persönliche Drama. Wie Schautafeln sehen seine Bilder aus, wie Lehrmittel, Anschauungsmaterial für höhere Schulklassen. "Meine Art zu malen ist ganz und gar banal", sagt er selbst. Er sei auch kein Künstler, auf diese Feststellung legt er Wert - sondern ein denkender Mensch, der malt.

Und tatsächlich: Wer Magritte sieht, kann ihn für einen Lehrer halten, einen Maschinenbauer, einen mittleren Angestellten. Ein schüchterner Mann mit steifem Mantel und steifem Hut, begleitet von einem Spitz namens Loulou. Seine Existenz - ein Abziehbild: Um sein Leben zu beschreiben, sagt er, wären schon 10 Zeilen "viel zu viel". Ein grauer Mann, geboren in einem grauen Land, in den Kohlenstaubwüsten des belgischen Bergbaugebiets Hennegau. Dort trifft er mit 14 auf einem Jahrmarkt das Mädchen Georgette, mit dem er bis zu seinem Tod verheiratet bleibt - "in der Geborgenheit eines gutbürgerlichen, geordneten Lebens", wie er betont.
Denn um die Ordnung der Dinge auf den Kopf stellen zu können, hilft nur: noch mehr Ordnung.











Eine Ordnung, die nicht nur Magrittes Tagesablauf bestimmt, sondern auch die Klarheit seiner Kompositionen, die Erkenn- und Lesbarkeit der Dinge. Die noch das Unwahrscheinlichste plausibel macht. Die jedes Paradox so aussehen lässt, als habe damit alles seine Richtigkeit. Die nicht die Wunder des Alltags vorführt, sondern die Alltäglichkeit des Wunders. Eine Ordnung, die auch unter den abenteuerlichsten Bedingungen noch intakt bleibt - wenn etwa zwei Stiefel sich in Füße verwandeln, eine Schlange in eine Kerze mündet oder eine Flasche in eine Möhre übergeht.
Anstelle der zufälligen Kollision der Dinge, die den meisten Surrealisten als Inbegriff der Schönheit gilt, setzt er die Verwandtschaft der Begriffe, die Logik und deren Umkehrung. Ersetzt in einem Bild den Nachthimmel durch einen Taghimmel, in einem anderen den Vogel im Käfig durch ein überdimensionales Ei, in einem dritten das Gesicht einer Frau durch deren nackten Körper. Oder eben, wie in der "Durchbohrten Zeit", den Rauch des Kaminfeuers durch den Dampf der Lokomotive.
Es sind einander fremde Welten, die Magritte per Analogie in diesem Bild verschmilzt: die Welt des Außen und die Welt des Innen. Die kalte Intelligenz der Technik und die Urkraft des Elements Feuer. Und vor allem: das gelernte Vertrauen in das Alltägliche - und das Gefühl, dass etwas damit nicht stimmt.
Die Bilder haben nichts Verschwenderisches, sondern die Sparsamkeit eines Epigramms, das nur verrät, was zum Verständnis der Idee nötig ist. Nichts Unwägbares ist ihnen eigen, sondern der penible Sprachwitz eines Linguisten-Stammtischs. Sie zielen nicht ins Offene, sondern auf "Probleme", deren Lösung, so der Künstler, "strikt vorherbestimmt" ist.
Magritte will das Denken malen - und nutzt dazu jene rigorose Grammatik, wie sie die Sprache auszeichnet. Wenn er seine berühmte Pfeife malt und sie mit der Bemerkung "Dies ist keine Pfeife" versieht, geht es ihm ja nicht um die Pfeife: Ebenso gut könnte er eine Zahnbürste darstellen. Es geht um die schlichte Erkenntnis, dass Bilder wie Wörter nur Zeichen sind, und man eine gemalte Pfeife nicht rauchen kann.
Und erst recht verwahrt er sich gegen die psychoanalytische Deutung seiner Objekte. "Ich glaube nicht an das Unbewusste und auch nicht daran, dass die Welt sich uns als ein Traum darstellt", sagt er."Ich hasse Symbole."
Er sei "Traditionalist", brüstet sich der Belgier provokativ, "ja Reaktionär". Mit den "-ismen" seiner Zeit oder dem "oberflächlichen intellektuellen Skandaleffekt" eines Picasso, könne er nichts anfangen: "Es gibt keinen Fortschritt", ist sein Credo. Ungegenständliche Kunst ist für ihn sinnlos wie "Küche ohne Kochen". Die amerikanischen Pop-Art-Künstler, die ihn später wegen seiner sachlichen Objektmalerei als Vorläufer feiern, wird er als beschränkt und "nicht sehr seriös" abtun. Und im Gegensatz zu Expressionisten, Futuristen oder Impressionisten, deren gewagte Farbgebungen Magritte wohl fremd bleiben, ist bei ihm der Himmel meistens ganz einfach hellblau.



Siehe auch W.G. Sebald und Magritte.
Immer wieder malt Magritte die gleichen Dinge: Wolken, die mal auf einer Flagge wehen, mal durch ein Auge ziehen, mal die Silhouette eines Vogels bedecken. Felsbrocken, die über dem Meer schweben, zwischen Bergen hängen oder ein Zimmer ausfüllen. Kugelförmige Schellen, die auf einer Mauer liegen, am Himmel baumeln oder auf dem Sitzkissen eines Lehnstuhls liegen.

"Meine Tastatur", sagt er, "ist eben ziemlich begrenzt." Immer wieder ordnet er seine alltäglichen Dinge zu Armeen identischer Prototypen: Malt Objekte, aber auch Menschen mit ihren immer gleichen Melonen auf den Köpfen und den immer gleichen, ausdruckslosen Gesichtern. Immer wieder kopiert er die eigene Kunst, malt Varianten und Repliken seiner Bilder, viele im - freilich auch leichter verkäuflichen - Kleinformat.

Das alles ist kein Vergnügen: Magrittes Bilder sind "hart, fast missmutig gemalt, ohne dass sich irdendwo ein Genuss des Malers beim Malen äußert". Und tatsächlich langweilt Magritte das Malen "wie alles andere": "Ekel erfasst mich, wenn ich meine Farben und meine Palette sehe und wenn ich denke, damit herumschmieren zu müssen." So wird ihm das Malen zur asketischen Übung. Er kasteit sich, versucht, jeden Spaß zu vermeiden. Sein spirituelles Ziel ist, "eine eher glanzlose Existenz bis zum Ende durchzuziehen". Hedonistische Modeinsignien wie "Jazz, Lederjacken usw. gehören zu den Dingen, die ich am meisten hasse". Seine einzigen Vergnügungen sind der tägliche Morgenspaziergang mit dem Hund und die regelmäßigen Schachnachmittage im Brüsseler "Greenwich Café".
So modelliert er sein Leben zum Martyrium der Gleichförmigkeit, zum Büßerhemd aus Gewohnheiten. "Ich bin um neun Uhr aufgestanden", notiert er eines Tages, "ich bin im Esszimmer und in der Küche etwas herumgegangen, ich habe einen Blick in den Garten geworfen. Um elf Uhr hat sich meine Frau, der nicht gut war, hingelegt. Ich habe an meiner Gouache gearbeitet, ein zweites Stückgut für meine Ausstellung. Um zwei ist Georgette aufgestanden, und ich habe das Essen zubereitet. Hinterher bin ich mit dem Hund weggegangen. Brr. Dann ging Georgette zu ihrer Schwester. Das ist mies, das ist finster. Ah, das ist zum Kotzen. Das ist widerwärtig, bedrückend, das Leben ist unerträglich."

Die Wiederkehr des Verdrängten, die der surrealistische Stichwortgeber Sigmund Freud postuliert, scheint auch Magritte einzuholen. Denn so kompromisslos seine kritische Distanz und so profan seine Gegenstände auch sind: Die bewusste Ausdruckslosigkeit seiner Malerei wie seines Alltags ("Die Künstler, die sagen, sie drückten sich aus, sind nicht ganz gesund") lässt sich durchaus als Demut lesen.

Eine Demut, die Höherem dient - dem Geheimnis, das hinter den Dingen steckt. Magritte nennt es das "Mysterium". Es ist Magrittes heiliger Gral: ein ungreifbares Faszinosum, das in seinem Sprachgebrauch so viel wie die Poesie eines Gegenstands meinen kann, oder den Schock des Erkennens, oder die unsichtbare Verwandtschaft der Dinge. Magrittes Mysterium wohnt nicht in der Transzendenz, sondern in den profanen Gegenständen des Alltags: "Denn alles in unserem Leben ist Mysterium." Und wie ein Mönch, der tagein, tagaus den Rosenkranz betet, nähert sich Magritte diesem Mysterium durch beständige Übung und Wiederholung.
"Ja, ich glaube an Gott", sagt er im Dezember 1965, keine zwei Jahre vor seinem Tod. Mit einer Einschränkung: "Statt Gott sage ich Mysterium."



Dies ist kein Magritte






Theodore Major



Industrial Dawn


Geboren 1908 in Wigan, englischer Künstler, der als großer Individualist der britischen Kunst gilt. Er besteht darauf, Autodidakt zu seine, obwohl er 1927 bis 1932 an der Wigan Art School studiert und dort 1930 bis 1950 unterrichtet, 1952 gründet er den Wigan Arts Club.
Er zeichnet Cartoons für die Daily Mail und den Manchester Guardian. Major ist bekannt für seine grimmigen Darstellungen von Straßen und Fabriken in Wigan, Bildern von Kindern, einsamen Seestücken, Akten und Albtraumvorstellungen.



"Das Bewusstsein des Betrachters zu stören und zu erweitern" ist erklärtes Ziel. Er lehnt es ab, Bilder zu verkaufen, "nicht an die Leute, die sie wollen, die Reichen" und hältt ungefähr 3.000 seiner Bilder vom Verkauf zurück und sagte, dass sie für gewöhnliche Menschen gemalt sind, nicht für Geld. Er nutzt sein Nachbarhaus als Galerie und lädt die breite Öffentlichkeit herzlich ein, seine Bilder kostenlos anzusehen.
Der Kunstkritiker und Schriftsteller John Berger beschreibt Majors Bilder als "unter den besten englischen Gemälden unserer Zeit". Major stirbt 1999.







Filipp Andrejewitsch Maljawin



Porträt der Tänzerin Alexandra Balashova (1887-1979)
1923.

Der 1869 in einer kinderreichen Bauernfamilie geborene Russe geht 1885 ins orthodoxe Kloster des Heiligen Panteleimon auf dem Berg Athos in Griechenland und lebt dort bis 1891 als Mönch. Er lernt und arbeitet in der klostereigenen Ikonenmalerwerkstatt. Als der Bildhauer Wladimir A. Beklemischew das Kloster besucht und Maljawins Arbeiten sieht, lädt er ihn zu sich nach Sankt Petersburg ein.
Ab 1892 besucht Maljawin als Gasthörer die Malereiabteilung der Petersburger Akademie der Künste. 1894, als der Maler Ilja Repin an der Akademie ein Atelier eröffnete, studiert Maljawin dort mit Künstlern wie Igor Grabar, Konstantin Somow und Anna Ostroumowa. 1900 reist er nach Frankreich, wo man sein Bild

"Lachen"

auf der Weltausstellung in Paris zeigt und mit einer Goldmedaille auszeichnet.
Nach seiner Rückkehr nach Russland lebt Maljawin hauptsächlich auf einem Hof nahe dem Dorf Axinjino bei Rjasan.



Nach der Oktoberrevolution zieht Maljawin 1920 nach Moskau. 1922 lässt er sich in Frankreich nieder. Viele seiner Arbeiten haben thematischen Bezug zu Maljawins russischer Heimat. In den 1930ern zieht er von Paris nach Nizza.

Selbstbildnis

Zu Beginn des 2. Weltkrieges, als die nazideutschen Truppen in Belgien einmarschieren, hält sich Maljawin in Brüssel auf. Die deutschen Besatzer nehmen ihn fest und beschudigen ihn der Spionage. Zu Fuß schlägt er sich in den Wirren des Krieges nach Nizza durch, was seine Gesundheit sehr strapaziert. Er stirbt in 1940 mit 71 in Nizza.







Edouard Manet



Das Frühstück im Grünen
1863

Er studiert die alten Meister im Louvre, lässt sich in Maltechnik und Motiven von Frans Hals, Diego Velázquez, Tizian Tintoretto, Francisco de Goya und Delacroix beeinflussen.


"Der Absinth-Trinker"

stößt auf Widerstände. Manet ist kein angepasster Künstler, weder an das Publikum, noch bei Kritikern oder bei seinen Kunst-Kollegen. Mit den Gemälden "Frühstück im Grünen" und


"Olympia"

löst er öffentliche Skandale aus. Er hält sich nicht an die zeitgenössischen Konventionen der Aktmalerei, die Nacktheit nur in Verbindung mit dem Göttlichen darzustellen erlauben. Der Pariser "Salon der Zurückgewiesenen" (Salon des Refusés) stellt die Gemälde 1863 und 1865 aus.
Dieser Salon entsteht auf Initiative Napoleons III., nachdem die Auswahlkriterien des "Pariser Salon" in die Kritik geraten. Dort entscheidet eine Jury über die Erlaubnis jedes einzelnen Bildes. Der Salon der Zurückgewiesenen bietet genau jenen Künstlern Platz, deren Werke die Jury abweist. Gerade dadurch aber erhalten viele dieser Werke besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Auch Manets Bilder gewinnen gesellschaftliche Beachtung und lösen Auseinandersetzungen aus, die weit über die Wirkungen der Werke des Pariser Salons hinausgehen.
Dichter Mallarmé, eine Freund Manets, meint: "Edouard Manet, und kein anderer ist das Haupt der impressionistischen Schule."
Dominic Ingres von der Kunstschule Ecole des Beaux-Arts ("der Salon") in Paris gilt dort als absolute Autorität und prägt die Kunstauffassung im Frankreich des 19. Jahrhundert. Er lehrt, das Wichtigste an einem Kunstwerk sei die Linie, Form und Farbe unbedeutend. Es entsteht Streit zwischen Ingres und Delacroix, für den Farben viel wichtiger sind als Zeichnungen.
Edouard Manet vollzieht als Erster endgültig den Bruch mit Ingres und seiner Lehre. Dadurch sieht ihn die Kunstgeschichte heute als Wegbereiter der Impressionisten, er selbst sich nicht, distanziert sich bewusst von Ausstellungen der Impressionisten. Allerdings nähert er sich ihrem Malstil an. Auch beeinflussen die jungen Impressionisten und Manet sich gegenseitig, z.B. im Gebrauch von hellen Farben und der Gewichtung auf die Effekte des Lichts.
Manet übernimmt den direkten, gewagten Pinselstrich in seine Maltechnik. Mit der Benutzung von Farben geht er ökonomisch um. Schwarz-, Grau- und Beige-Töne spielen eine große Rolle in seinen Bildern. Dazu benutzt er zusätzlich Grün, Gelb und nur wenig Blau- und Rottöne.
Seine Hauptmotive bleiben Menschen, aber er malt auch eine Reihe Bilder vom Meer. Auch dort ist das aktuelle Zeitgeschehen seine Vorlage.


Die Schlacht zwischen "U.S.S. Kearsarge" und "C.S.S. (Confederate States Ship) Alabama"

1980 entdeckt die französische Marine das Wrack der "Alabama" auf 59 m Tiefe.
Im Amerikanischen Bürgerkrieg greift 1864 die “Kearsarge” vor Cherbourg die “Alabama” an und versenkt sie. Edouard Manet erfährt vom Kampf der beiden Schlachtschiffe aus der Zeitung. Ein eher bizarrer Vorfall. Die Alabama, eine als Rahschoner getakelte Schraubensloop mit Dampfmaschine, gebaut im Auftrag der Konföderierten Staaten von Amerika („Südstaaten“) auf der Werft Laird Brothers in Birkenhead (England) unter dem Tarnnamen "Enrica" und 1862 in internationalem Gewässer bei den Azoren von der Marine der Südstaaten mit dem Namen "Alabama" in Dienst gestellt, hat die Aufgabe, Schiffe der Nordstaaten („Union“) im Nordatlantik und in der Karibik zu kapern oder zu versenken. Später dehnt sie ihre Kaperfahrten auf Südatlantik und Indischen Ozean aus. Insgesamt kapert oder versenkt sie 55 Schiffe der Union. Auf ihrer 2jährigen Kaperfahrt sieht sie nicht ein einziges Mal einen heimischen Hafen.
„Kearsarge“ stellt den jahrelang marodierenden Dampfsegler just vor der französischen Küste und versenkt ihn. Manet erkennt die Möglichkeit, ein modernes Historienbild zu malen, wie es Théodore Géricault mit dem skandalträchtigen „Floß der Medusa“ vorgemacht hat.
Manets Komposition beruht auf Augenzeugenberichten und schwelgt in exakten Details. Das Ereignis spielt sich im oberen Bilddrittel ab. In der Bildmitte dominiert stattdessen das grünblau-grauschwarze Meer. Die Indifferenz Manets gegenüber einem traditionell als „heroisch“ darzustellenden Ereignis ist bezeichnend für die neuartige Sicht des Großstädters, für den auch Nachrichten Teil seiner Unterhaltung darstellen.
Landschaft spielt in Manets Œuvre keine Rolle, es sei denn als Hintergrund der Freizeitvergnügen, wie sie die Impressionisten so gern festhalten. Insofern überrascht die Vielzahl der Marinebilder, die sich auf immerhin ein Zehntel des Gesamtwerkes summieren. Manet hat als 16jähriger zur See fahren wollen. Er fällt jedoch 2 Mal durch die Aufnahmeprüfung der Offiziersschule. Dazwischen liegt eine viermonatige Passage nach Brasilien, die dem zeichnerisch begabten Jüngling lebenslangen Respekt für die Seefahrt mitgibt.
Knapp ein Jahrzehnt später nimmt sich Manet erneut eines spektakulären Ereignisses auf See an, der Flucht des linksgerichteten Publizisten Rochefort aus politischer Gefangenschaft in einer französischen Überseekolonie mit einem Ruderboot.
Das Gemälde „Die Flucht des Henri Rochefort“ – in Format und Anlage dem „Kearsarge“-Bild auffallend ähnlich;

zwar füllt das Ruderboot die Bildmitte, doch wiederum ist das bewegte Meer der eigentliche Bildgegenstand. Das rettende Segelschiff dümpelt am oberen Bildrand. Zwischen beiden Gemälden entfaltet sich die zwar chronologische, gleichwohl hinsichtlich der malerischen Entwicklung diskontinuierliche Abfolge der Manetschen Marinebilder.
Drei Jahre nach dem „Kearsarge“-Schlachtenbild malt er die Erschießung des mexikanischen Kaisers Maximilian – wiederum ein „modernes Historienbild“ und erneut ein Skandal. Dem Bild liegt die Hinrichtung von Kaiser Maximilian, einem Bruder von Kaiser Franz Josef von Österreich, bei der Stadt Querétaro in Mexiko am 19. Juni 1867 zu Grunde.
Émile Zola: „Frankreich erschießt Maximilian“. Diese Botschaft versteht auch die kaiserliche Zensur und Mane darf das Bild 1869 auf Druck der Behörden nicht ausgestellen.
Die Soldaten geben die erste Salve auf die Verurteilten ab. Maximilian, mit mexikanischem Sombrero, steht zwischen zwei seiner Generale, rechts Miguel Miramón und links Tomás Mejía. Mejía ist schon von den Kugeln der unmittelbar vor ihm aufgestellten Soldaten getroffen. Die Soldaten tragen auf diesem Bild französische Uniformen, obwohl die wirkliche Exekution Mexikaner ausführten. Über eine Mauer beobachtet eine Gruppe Mexikaner das Geschehen. Groß in den Vordergrund gerückt, hantiert ein Offizier teilnahmslos mit seiner Waffe. Manet signiert das Bild unten links mit seinem Namen und dem Tag der Erschießung, nicht mit dem Datum der Fertigstellung des Bildes.
Manet kannte sicherlich "Die Erschießung der Aufständischen" von Francisco de Goya, dessen Bilder er bei seinem Besuch im Prado von Madrid gesehen hat. Doch die Darstellungsweise Manets weicht von jenem berühmten Bild deutlich ab: Aus der Nacht wird ein heller Sommertag, und die dramatisch bewegte, tiefenräumlich gestaffelte Szene Goyas weicht einer strengen, auf schmaler Raumbühne rechtwinklig organisierten, flächigen Struktur. So sind die Gewehre bildparallel, geradezu an den Delinquenten vorbeizielend ausgerichtet und auch die Mauer kann hier kaum als Kugelfang dienen, sondern bildet eine rückwärtige Raumbegrenzung parallel zur Leinwand. "Zu den Markenzeichen von Manets Kunst gehört die Rückführung des Dargestellten auf die Flächendimension".
Während der Mexikanischen Interventionskriege wird Maximilian 1864 auf Betreiben Kaiser Napoleons III. von Frankreich als Kaiser von Mexiko inthronisiert. Das politische Wagnis misslingt: Die legitime Regierung von Präsident Benito Juárez nimmt Maximilian gefangen, ein Kriegsgericht verurteilt ihn zum Tode.



Und endlich: "Blonde Frau mit entblößten Brüsten" (ca. 1878)









Abraham Manievich



Haus in den Bäumen







Jean Mannheim

Sunny Portrait
1905

Mannheim gehört seit seiner Ankunft 1908 und während seiner weiteren aktiven Karriere zu den führenden Porträtkünstlern in Südkalifornien. Zuvor hat er sich als populärer Porträtkünstler in den Städten Mendota und Decatur im Mittleren Westen etabliert, auch in Denver, wo er eine Reihe bedeutender Porträts fertigt, darunter Anna Wolcott, die Tochter eines US-Senators und des Gouverneurs. Zu den späteren bemerkenswerten Porträts gehören König Gillette, John Burroughs, William Wendt und


Albert Einstein.









Franz Marc

Blaues Pferd I
1911

Das Gemäld gehört zu den bekanntesten Bildern des Malers. Es ist Teil mehrerer Ausstellungen, die Wassily Kandinsky und Franz Marc unter der Bezeichnung "Der Blaue Reiter" 1911 bis 1914 der Öffentlichkeit präsentierten.



Sind Marcs frühe Werke noch dem naturalistischen Stil des Akademismus verhaftet, widmet er sich nach einem Parisbesuch 1907 dem Postimpressionismus unter dem Einfluss Gauguins und van Goghs. 1910 bis 1914 verwendet er Stilelemente des Fauvismus, Kubismus, Futurismus und Orphismus, trennt sich in seinem Werk jedoch nicht vollständig vom Gegenstand. In dieser Zeit entstehen seine bekannten Gemälde, die hauptsächlich Tiermotive zum Inhalt haben. Seine ersten abstrakten Gemälde wie


Kleine Komposition I

entstehen 1913/14.
Starke Kontraste der komplementären Farben, in der das Fohlen (Blaues Pferd I) steht, teilweise scharf voneinander abgegrenzt, beherrschen die Landschaft. Blau steht in der Farbtheorie Marcs und des Blauen Reiters für das geistige Prinzip. Marc dringt mit diesem Bild endgültig von der natürlichen „Erscheinungsfarbe“ zur „Wesensfarbe“ vor. Es bleibt zunächst unverstanden, wird belächelt oder sogar bespuckt. Durch seine Ausstellung im Lenbachhaus erlangt es größere Bekanntheit und gehört als beliebtes Poster- und Postkartenmotiv zu den am häufigsten reproduzierten Gemälden der jüngeren Kunstgeschichte.









Pompeo Mariani


Stürmische See
1925
Einer der bedeutendsten italienischen Maler des 19. Jahrhunderts, der in der renommierten Gruppe bürgerlicher Künstler, leidenschaftlich und elegant, um die Wende des 20. Jahrhunderts im schillernden Ambiente der Belle Epoque arbeitet, die ihre Kunst zum „Glaubensbekenntnis“ erheben. Seine Arbeit nimmt abwechselnd an Bekanntheit zu und ab, insbesondere nach seinem Tod unter mysteriösen Umständen 1927. Seine Kunst zeichnet sich durch eine subtile Sensibilität bei der Darstellung der Reflexion von Licht auf Wasser aus, die er zu verschiedenen Jahreszeiten und Tageszeiten malt, um hoch atmosphärische Effekte zu erzielen.







Albert Marquet



Le port d'Alger sous la brume
1943

Albert Marquet (1875 - 1947) französischer Maler, Mitbegründer des Fauvismus
Studiert mit 15 in Paris. Lernt Henri Matisse kennen, mit dem ihn lebenslange Freundschaft verbindet.
Sie arbeiten 1900 gemeinsam an den Dekorationen für den Grand Palais der Pariser Weltausstellung. 1905 stellt er im Pariser Salon d’Automne gemeinsam mit Maurice de Vlaminck, André Derain, Henri Matisse u.a. aus, was zu Skandal führt, der einen Kunstkritiker den Begriff „Fauvismus“ prägen lässt.
Ab 1906 ausgedehnte Reisen durch Frankreich, Deutschland, Russland und Skandinavien. 1940 bis 1945 Algier, danach Paris. Ilja Ehrenburg schildert den kleingewachsenen Maler als schlicht und bescheiden. "Die Annehmlichkeiten des Lebens waren ihm völlig gleichgültig." Er habe kommunistischen Ideen nahegestanden, jedoch von Politik nichts wissen wollen. "An seinen Bildern verblüfft die Kargheit der Ausdrucksmittel; sie sind schwierig in ihrer Einfachheit, kunstvoll in ihrer Herzenseinfalt. Ein wenig Grau, Blau und Grün – und die Welt lebt auf."







Henri Matisse



Rosenkranzkapelle in Vence
1951

Diese ist durch 4-jährige exklusive und harte Arbeit entstanden und sie ist das Resultat meines ganzen künstlerischen Schaffens. Ich sehe sie trotz der Unvollkommenheit als mein Meisterwerk an.





1947 beginnt er mit den Entwürfen für die Kapelle der Dominikanerinnen, die ihn während der nächsten Jahre fast ausschließlich beschäftigen. Das Projekt beruht auf der engen Freundschaft zwischen Matisse und Schwester Jacques-Marie alias Monique Bourgeois. Er stellt sie 1941 als Pflegerin und Modell an; 1946 tritt sie in das Dominikanerkloster ein und als sie sich dort wiedersehen, bittet sie Matisse um Rat für die Errichtung einer Kapelle. Im Dezember 1949 ist Grundsteinlegung, 1951 Einweihung durch den Bischof von Nizza.

Eine in der Welt einzigartige heilige Stätte: Vollständig von Henri Matisse entworfen und dekoriert, ein künstlerisches Juwel. Ein kleines Gebäude, von außen sehr einfach, weckt die Neugierde mit seinen bunten Fenstern. Im Inneren zeigt sich die Kapelle von ihrer ganzen Schönheit dank der Spiegelungen der Fenster auf dem Marmorboden und der drei Wandtafeln, dem Kreuzweg, der Jungfrau mit dem Kind und dem heiligen Dominik.



An der Ostseite, durch die wir die Kapelle betreten, ist der Kreuzweg dargestellt, die einzelnen Szenen nummeriert, die Kreuzigung selbst in der oberen Mitte, schwarz-weiß, wirkt auf den ersten Blick wie ein Comic. Wir müssen uns erst umdrehen, um das zu sehen.

Soll der Eindruck entstehen, dass wir die Kapelle durch die grausame Welt der Kreuzigung betreten, um sie im heiligen Raum hinter uns zu lassen, weil sich auf Altar und in Fenstern, im ganzen Raum der Kapelle aus Licht und Farben die mystische Gegenwart Gottes spiegelt?
Oder einfach nur ein Katholizismus ohne Verzierungen und Ornamente, eine katholische Kunst ohne Barock und Gegenreformation, ohne verwirrende Überfülle von Heiligen, Putten, Madonnen, die ein Atheist baut?
Wer glaubt, der schwebt im farbigen Sonnenlicht der Auferstehung, die mediterrane und darum naheliegende Einsicht des kränkelnden Malers Matisse, die er mit seiner Kapelle auf den Weg bringt. Wie ist dieses theologisch-ästhetische Konzept zu beschreiben, das Matisse in den Kunstwerken der Kapelle ästhetisch umsetzt? Im Brief, bei der Einweisung verlesen, steht der Satz: Je n'ai pas cherché la beauté, j'ai cherché la vérité.





Femme au chapeau



Le bonheur de vivre

Illustrationen zu James Joyce: Ulysses
















Anton Mauve



Brennholzsammler


Der führende niederländische Landschaftsmaler zum Ende des 19. Jahrhunderts Anton Mauve (1838 - 1888) geht mit 16 bei einem Tiermaler in die Lehre, wo besonders Schafe, aber auch Kühe und Pferde Mauves bevorzugtes Thema werden.
Durch seine Vorliebe für ganz schlichte Motive, die in grauen und feinblonden Silbertönen gehalten sind, gehört er als hervorragender Aquarellist dem Künstlerkreis der Haager Schule an. Im Oktober 1881 sendet er ihm den ersten Malkasten für Ölfarben und unterrichtet ihn drei Wochen in seinem Den Haager Atelier im Aquarellieren, was dem Genie jedoch nicht sonderlich liegt.
Van Gogh: "Und wenn Mauve hier ist, dann gehe ich, wohin Mauve geht." Anfang 1882 trennen sich jedoch ihre Wege, nicht zuletzt, weil Mauve unter depressiven Schüben leidet ("sie stünden einander diesbezüglich in nichts nach"). Mauve nimmt die Kontakte nicht wieder auf, da van Gogh inzwischen mit der Gelegenheitsprostituierten Clasien Hoornik („Sien“) zusammenlebt.
Er hat Vincent van Gogh, den Cousin seiner Gattin, an die Malerei herangeführt.







Meister Francke

Geißelung der heiligen Barbara
1424

Francke als Vertreter des sogenannten „weichen Stils“ strebt entgegen den früheren, eher starren Formen der Gotik nach anmutigeren, lieblicheren Ausdrucksformen. Diese Milde setzt Francke oft in spannungsvollen Kontrast zur rohen Gewaltdarstellung. Die Mimik und Gestik seiner Figuren ist ausgeprägt. Franckes Werk zeigt Ansätze zur Darstellung von räumlicher Tiefe und zeichnet sich durch die Verwendung kräftiger, prachtvoller Farben aus.







Hans Memling



Der Ursulaschrein
Ankunft in Köln, um 1489



Aus seinen Werken geht hervor, dass er sich unter oder nach Rogier van der Weyden gebildet hat. Er mildert jedoch dessen Herbheit und gibt seinen Figuren weniger gestreckte Formen. Trotz mancher Eckigkeiten und Magerkeiten zeigen sie anmutige Bewegung, und ihr zarter Seelenausdruck, ihre tiefe und wahre Empfindung fesseln den Beschauer mit großer Macht. Die naive Liebenswürdigkeit seines Erzählens, seine vollendete Meisterschaft in der Farbe und Modellierung, seine zarte Sorgfalt in der Behandlung stehen in seiner Zeit einzig da, weshalb ihn auch die Italiener besonders bevorzugen. Neben dem Schaffen religiöser Werke zeichnet sich Memling auch als ein wichtiger Erneuerer der profanen Porträtmalerei aus. Mehr als ein Drittel seines erhaltenen umfangreichen Werkes besteht aus Bildnissen dieser Gattung. Der Kunsthistoriker Dirk de Vos schließt aus dem Vergleich von Werkgruppen verschiedener zeitgenössischer Künstler, dass Memling – gestützt auf die Kunst des Jan van Eyck und des Rogier van der Weyden – die Basis für das Renaissancebildnis in den Niederlanden geschaffen hat.

Martyrium der Hl. Ursula

Eines seiner berühmtesten Gemälde:

Porträt einer alten Dame mit Haube (1470/75)

Memling hinterlässt ein umfangreiches Oeuvre, das ihm zu Lebzeiten großen Ruhm einträgt, und doch ist sein damaliger Ruhm nichts im Vergleich zu der Verehrung, die ihm die Romantiker entgegengebringen. Für sie ist er der "primitive Maler" schlechthin, die Verkörperung der Kunst von Brügge. Sie schmücken sein Leben mit Legenden, die der historischen Kritik nicht standhalten. Seine Bildnisse sind langweiliger und kraftloser als die Rogiers van der Weyden.



Den größten Erfolg erringt Memling mit dem berühmten Ursulaschrein. Darstellungen von kindlicher Naivität und blühender Fantasie - Testament einer vergehenden Epoche. Auf sechs Tafeln schildert er die Geschichte der Heiligen und ihrer 11.000 Begleiterinnen ab Ankunft in Köln bis zum Martyrium nach der Rückkehr aus Rom. Auf allen Stationen trägt Ursula dieselbe kunstvoll aufgesteckte Figur und einen weißen Mantel über einem blauen Gewand. Die Kleider die Jungfrauen sind rot, grün oder malvenfarbig. Sie alle fallen unter den Waffen der Hunnen. Aber wir sind so betört durch den buntfarbigen Schmelz der Farben, dass uns das Tragische des Geschehens gar nicht so recht zum Bewusstsein kommen will.



Memlings Weltenrichter

Auch Hanse liebt Kunst.
Angelo di Jacopo Tani, 1455 bis 1460 Geschäftsführer der Medici-Bank in Brügge, erteilt 1467 Hans Memling den Auftrag für ein Triptychon in der Michaelskapelle der Badia Fiesolana, die die Medici in Fiesole stiften. Das Triptychon sticht mit dem Schiff in See, Kurs Italien. Kurz nach dem Auslaufen kapert das Hanseschiff "Peter von Danzig" und bringt die Prise, darunter das Gemälde Memlings, nach Danzig. Reinhold Niederhoff, damaliger Bürgermeister von Danzig, schenkt es der Marienkirche, der rechtmäßige florentinische Eigentümer, Tommaso Portinari, bemüht sich vergeblich um Rückgabe. Trotz Intervention Herzogs von Burgund Karls des Kühnen, und des Papstes Sixtus IV. behält Danzig die Beute. Brügge allerdings leitet Schadenersatz an Tommaso Portinari.











Adolph Menzel

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci 1850–1852

Obwohl die Friedrich-Bilder nur einen recht kleinen Anteil an Menzels Gesamtwerk ausmachen, sind sie im öffentlichen Bewusstsein überproportional präsent, haben ihm den Ruf eines „Staatskünstlers“ eingetragen. Durch seine Arbeit an den Illustrationen zur Geschichte Friedrichs des Großen hat sich Menzel zum Friedrich-Experten entwickelt. Ab 1849 malt er eine Serie von Darstellungen aus dessen Leben, darunter das bekannte Flötenkonzert und die Tafelrunde in Sansscouci im Kreise Voltaires, Casanovas u. a. m. Mit solchen Bildern führt Menzel uns möglichst nah an die Lebenswirklichkeit des Preußenkönigs heran, vermeidet aber idealisierendes Heroentum.



Biedermeier umfasst die Kultur und Kunst des Bürgertums (Hausmusik, Innenarchitektur, Mode usw) wie die Literatur der Zeit, häufig als hausbacken und konservativ ettiketiert. Die Flucht ins Idyll und Private sind typisch, was Jean Paul 'Vollglück in der Beschränkung' und Johann Peter Eckermann 'eine reine Wirklichkeit im Lichte milder Verklärung' nennt.
Der erfundene, durch die Münchner Fliegenden Blätter ab 1855 geisternde Figur des Gottlieb Biedermaier, der dichtende schwäbische Dorflehrer mit einfachem Gemüt, dem seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen. Biederkeit, Kleingeist und eine unpolitische Haltung großer Teile des Bürgertums sind Ziele der Karikatur und des Spotts.
Jedenfalls steht Biedermeier für neue bürgerliche Kultur der Häuslichkeit und Betonung des Privaten, gewiss auch als gesellschaftliche Ruhephase.
Nach der Niederlage Napoleons in Waterloo und Verbannung des Kaisers setzen die Staaten den Wiener Kongress um, ordnen Europa neu mit dem Ziel der Restauration: Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Französischen Revolution. Die konservativen Monarchen Kaiser Franz I. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen verbünden sich.
Fürst Metternich, ein Rheinländer im Dienst des österreichischen Kaisers, setzt die Karlsbader Beschlüsse von 1819 durch, die jegliche politische Betätigung einschränken. Strenge Zensur für jede Art von Veröffentlichung inklusive Musikwerke. Bedeutende Literaten und Journalisten emigrieren.
Ohne die Karlsbader Beschlüsse ist Biedermeier nicht denkbar; außerhalb Deutschlands, Österreichs und Skandinaviens laufen die Dinge anders, dort existiert der Begriff nicht. Die politische Entmündigung führt je nach Disposition zur Flucht in religiöse Schwärmerei, Lebensüberdruss oder allgemeinen Weltschmerz und vor allem Rückzug in die heimelig-familiäre Idylle.
In der Malierei dominiert Genre- und Landschaftsmalerei, aber auch Porträt. Realistisch gehalten ähneln die Bilder oft Fotografien. Ergebnis ist Pseudo-Realismus, die Maler idealisieren und "verbessern" die Wirklichkeit. Die Aquarelltechnik erreicht sehr hohes Niveau.
Moritz von Schwind, Friedrich Gauermann, Eduard Gärtner, Adolph Menzel, Ludwig Richter, Carl Spitzweg, Joseph Kriehuber und Ferdinand Georg Waldmüller sind bedeutende Vertreter.
Siehe auch W. G. Sebald








Arseny Meshchersky



Brechendes Eis
Öl auf Leinen, 1856

Der russische Bauernsohn und Landschaftsmaler (1834 - 1902) zieht während seiner Ausbildung 1857 in die Schweiz, kehrt 1864 zurück, reist aber weiterhin viel und begleitet Großherzog Alexei Alexandrowitsch auf seiner Weltreise, 1876 Professor an der Akademie.


Segelboot auf dem Meer

1879 Lungenentzündung, ab 1886 12 Jahre Reisen in die Türkei, Griechenland, Italien und die Schweiz. Stirbt an Asthma.







Michelangelo



Die Erschaffung Adams
1682

Die Sixtinische Kapelle (ital. Cappella Sistina) unmittelbar nördlich des Petersdoms und mit diesem über die Scala Regia und Sala Regia verbunden, ist eine der Kapellen des Apostolischen Palastes. Dort findet das Konklave (Versammlung der Kardinäle zur Wahl des Bischofs von Rom, der als Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist) statt. Sie beherbergt einige der berühmtesten Gemälde der Welt. Ihr Name rührt von Papst Sixtus IV. her, der sie zwischen 1475 und 1483 erbauen lässt.
Goethe:Ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.

Michelangelo malt die Deckenfresken 1508 bis 1512 im Auftrag von Papst Julius II. Sie zeigen auf 520 m² Szenen aus der Genesis mit 115 überlebensgroßen Charakteren. Die Erschaffung Adams zeigt, wie Gott mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt. Weltbekannt und unzählbar oft reproduziert.



Versteckte Botschaft: Schöpfungsakt ist Akt unseres Vertands und nicht Gottes. Ungeheure ketzerische Vorstellungen, wo bleibt die Inquisition?







Amadeo Modigliani



Liegender Akt
1917

Sein Œuvre ist in Anbetracht seines frühen Todes mit 35 Jahren außerordentlich umfangreich: Er schafft mehr als 400 Gemälde, unzählige Zeichnungen und Aquarelle sowie etwa 25 Skulpturen. Seine Werke sind weit verstreut in den großen Museen der Welt, zahlreicher jedoch in kleinen und größeren Privatsammlungen zu finden.
Die enge Freundschaft mit dem rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi führte ihn in Paris zur Bildhauerei. Als Jugendlicher an Lungentuberkulose erkrankt, gibt er diese wegen der damit verbundenen Staubbelastung 1914 wieder auf. In den folgenden Jahren konzentriert er sich auf Porträts und weibliche Akte. Modigliani entzieht sich den gängigen, stilbildenden Kunstströmungen seiner Zeit und entwickelt eigenen, unverwechselbaren Stil, Außenseiter der Moderne.







Piet Mondrian

Broadway Boogie Woogie
1942/43

Die schwarzen Linien der 17 aus Europa mitgebrachten Bilder aus den Jahren 1935 bis 1940 wie 'Place de la Concorde`' – bezeichnet als transatlantische Bilder – kombiniert Mondrian nach seiner Ankunft in New York im Jahr 1940 mit farbigen Linien. Die schwarzen Streifen wie im neu begonnenen Gemälde 'Broadway Boogie Woogie' und dem rautenförmigen 'Victory Boogie Woogie' lockert er mosaikartig in die Primärfarben auf, wodurch sich der Eindruck von Rhythmus und Bewegung wesentlich steigert. Dies ist ihm möglich durch die amerikanische Erfindung des farbigen Klebebands in Form von gummierten Papierstreifen, er schiebt sie in den vorbereiteten Skizzen bis zur gewünschte Position hin und her.


Victory Boogie Woogie

Das Raster des Bildes zeigt das gradlinige, wie mit dem Lineal gezogene Straßenbild des New Yorker Broadway. Der Boogie-Woogie ist eine aus dem Jazz entstandene Klaviermusik, die den Jazzfreund und begeisterten Tänzer Mondrian inspiriert. Er hinterlässt das Bild unvollendet in seinem Atelier. Der Titel weist vermutlich auf den erwarteten Sieg der Alliierten im 2. Weltkrieg hin wie auf Mondrians Überwindung der früheren strengen Kompositionen zugunsten der neuen musikalischen Rhythmisierung des Motivs.








Claude Monet



Terrasse à Sainte-Adresse
1867

Das Gemälde deutet den Wandel von Monets Malstil an. Es zeigt eine Terrasse direkt am Ufer des Meeres, von der aus die Figuren eine Regatta beobachten können. Der sitzende Mann im Vordergrund ist der Vater Claude Monets. Das Bild wirkt schematisch, weil Monets Pinselführung nicht dieselbe Leichtigkeit besitzt wie bei seinen Pariser Werken oder denen, die später entstehen. Es geht jedoch in der Darstellung des Lichtes über seine bisherigen Werke hinaus, weil er die Schatten zum ersten Mal farbig malt. Außerdem sind die Blumen im Garten von Monet mit strahlenderen Farben gemalt, als dies im Realismus die Regel war. Er verwendet reines Rot, das durch weißes Licht und den Kontrast mit der Komplementärfarbe Grün besonders strahlend wirkt. Dabei bildet er jedoch nicht ihre natürliche Form ab, sondern stellt ihre Blüten allein mit Farbtupfern dar. Dieses Bild ist nicht mehr klar einer Stilperiode Monets zuzuordnen, jedoch steht es dem realistischen Frühwerk aufgrund der schematischen Wirkung noch näher als den impressionistischen Werken. Daneben fand Monet mit dem Bild zum Thema des Gartens, welches er in der Folge immer wieder aufgreift.







Peder Mørk Mønsted



Waldfluss
Öl auf Leinwand 1908

1859-1941, dänischer Landschaftsmaler, um die Jahrhundertwende international bekanntester Landschaftsmaler
Sohn eines wohlhabenden Schiffsbauers in Ostjütland. 1875 bis 1878 Studium Kunstakademie Kopenhagen. 1882 reist Mønsted über Deutschland nach Rom und Capri, wo ihn das mediterrane Licht, die Helligkeit des Sonnenlichts und das Leuchten der Farben beeindrucken. Nach finanziellem Engpass in der Schweiz kann er durch den Verkauf einiger Werke seine Reise nach Paris fortsetzen.
In den folgenden Jahren fast ununterbrochen Reisen: Italien, Frankreich, Monaco, Schweiz, Algerien, Griechenland (wo er 1892 ein halbes Jahr Gast der griechischen Königsfamilie ist, die er porträtiert), Ägypten, Spanien.
Besonders beliebt sind seine Werke bei englischen und amerikanischen Sammlern.
Trotz der vielen Reisen widmet sich Mønsted immer wieder der dänischen und skandinavischen Landschaft, die er meist völlig unberührt und menschenleer darstellt.







Walter Moras



Märkisches Dorf
1888

Moras' Malweise ist realistisch, geprägt von einem Hauch Melancholie, meist schlicht und kultiviert. Gelegentlich finden sich in seinen stimmungsvollen poetischen Bildern impressionistische Einflüsse. In späteren Jahren schafft er großformatige Herbstbilder, die durch ihre warmen Farbtöne bestechen. Gleiches gilt auch für seine Winterlandschaften, die sehr sorgfältig komponiert sind und im Schnee besonders subtile Tönungen aufweisen. Die Gemälde von Walter Moras sind bis heute beliebt und werden immer wieder auf Kunstauktionen gehandelt.



Die Entwicklung des 1856 in Rixdorf geborenen Malers ist wesentlich geprägt vo Hermann Eschke, in dessen Atelier er seine Ausbildung erhält und der ihm empfiehlt, vor allem auf der Insel Rügen und in Mecklenburg zu malen. Moras bereist Norwegen, Italien, Holland. Viele seiner Bilder entstehen im märkischen Umland von Berlin und später im Spreewald. Er gehört zu den naturnahen Landschaftsmalern, deren Schaffen mit der Blütezeit der Freilichtmalerei zusammenfällt. In Berlin malt er kaum, obgleich er zeitlebens Berliner bleibt und die Kunstwissenschaft ihn als „Berliner Maler“ führt.
Walter Moras heiratet 1882 Ida Baluschek. Aus der Ehe geht Otto Max Bruno Moras hervor, auch Maler, der aber nicht aus dem Schatten seines Vaters treten kann.







Otto Mueller



Zigeuner
1926/27

Sein Künstler-Glaubenssatz:"Es gibt auf der Welt überhaupt nichts Neues."
Muellers Zigeuner-Mappe mit 9 farbigen Lithografien von 1927 bildet den Höhepunkt seines Schaffens. Er besucht Spalato und Sarajevo, wo ihn Zigeuner aufnehmen und er unter ihnen lebt wie einer der Ihren. Sein zentrales Thema ist die Einheit von Mensch und Natur, die er in zahlreichen Aktdarstellungen in Landschaften auszudrücken versucht. In diesen Bildern stellt Mueller immer wieder Szenen aus dem Zigeunerleben dar.
Otto Mueller malt Zigeunerkinder, -mädchen, -frauen, -paare, -wagen, eine -adonna und Adam und Eva als Zigeuner. Er heiratet ein Mädchen, das ihm als Modell dient, weil es wie eine Zigeunerin aussieht. Gerhart Hauptmann porträtiert ihn als "Halbzigeuner" in "Till Eulenspiegel". Fast alle Kritiker erklären seine Begabung als Folge der Polarität seines Elternhauses: Vater preußischer Offizier, Mutter Zigeunerin. Er hat blauschwarzes Haar und gelbe Hautfarbe, reist Jahr um Jahr zu Zigeunervölkern auf den Balkan, zieht mit ihnen durchs Land, trägt ein Zigeuner-Amulett auf der Brust und gewöhnt sich sogar an die Lieblingsspeise der Zigeuner, den Speck, "obwohl er vorher nie Speck essen konnte", wie seine Schwester weiß.

Aber er ist mit Sicherheit weder Zigeuner noch Halbzigeuner. Zu diesem Resultat jedenfalls kommt die erste ausführliche Otto-Mueller-Biographie Oskar Lothar-Buchheims von 1963. Dass die braune Hautfarbe von Zigeunermädchen für den Maler Otto Mueller einfach verlockender gewesen sein könnte "als die Marzipanfarbe der üblichen Aktmodelle", schreibt Buchheim, "dieser Gedanke scheint den meisten Kunstausdeutern nicht gekommen zu sein".
Die Vorliebe Muellers für die Zigeuner ist also eine Wahlverwandtschaft, die sich künstlerisch sofort bezahlt macht, finanziell aber erst heute auf dem Kunstmarkt. Otto Muellers "Zigeunermappe" wird 1998 für 500.000 € auf deutschen Auktionen zugeschlagen.
Dass erst 33 Jahre nach dem Tode des Malers eine Biographie erscheint, hat vielerlei Gründe. Otto Mueller hat sich so gut wie nie über seine Arbeit, kaum über sich selbst geäußert. Er formulierte keine Theorie, er datiert fast keine seiner Graphiken. Er macht keine Experimente, seine letzten Bilder ähneln seinen ersten.
Biograf Buchheim mit einem Unterton von Bedauern: "Es gibt über ihn keine Anekdoten, keine Histörchen, keine spektakulären Sensationen - nichts." Otto Mueller weiß ziemlich von Anfang an, was er will: malen - und wie er es will, und dabei bleib er - bis zum Lebensende.
Natürlich geht es bei solcher Entschiedenheit nicht ohne Konflikte mit der Umwelt ab. Die Schule regulär zu absolvieren, misslingt, Vater Mueller, dessen ältester Sohn früh stirbt, hadert drastisch: "Warum musste der kluge Junge sterben und der dumme am Leben bleiben?" Die Münchner Akademie verlässt Mueller sofort wieder, als der damals wie ein Malerfürst geschätzte Franz von Stuck auch nur den Versuch unternimmt, eine Schülerarbeit Muellers zu korrigieren.
Im übrigen aber ist er nicht zum Revolutionär veranlagt und wünscht sich auch nicht, einer zu sein. Zwar schließt er sich der ersten und ältesten Malergruppe des deutschen Expressionismus an, der Dresdner "Künstlergemeinschaft Brücke", zu der Ernst-Ludwig Kirchner , Erich Heckel, Max Pechstein, zeitweilig Emil Nolde gehören - einige von ihnen malen eine Zeitlang in einem gemeinsamen, programmatischen Stil. Otto Mueller tut das nicht.



In seinem Lebenslauf fehlt sogar, was sonst Künstler-Biographien dramatisch macht: der Kampf um Durchbruch und Anerkennung. Während seines Studiums sorgen die Brüder Carl und Gerhart Hauptmann, Otto Muellers Adoptiv-Onkel, mit begütigenden Briefen an den Vater dafür, dass der monatliche Wechsel nicht ausbleibt - und der Sohn, Unikum unter allen Kunststudenten der Welt - bittet die Eltern, weniger Geld zu schicken!
Schon die ersten Bilder finden noch vor dem 1. Weltkrieg prominente Käufer, unter ihnen der Dichter Eduard Stucken, der 1922 ermordete Politiker Walther Rathenau und natürlich Onkel Gerhart Hauptmann. Noch aus dem Felde - Otto Mueller wird, trotz schwacher Lunge, 1916 eingezogen - organisiert er die Teilnahme seiner Bilder an Ausstellungen bis nach Zürich, er arbeitet weiter (nach Aktaufnahmen seiner ersten Frau) und bittet im übrigen um warme Handschuhe: "Wenn ich mir die Finger erfriere, ist der Schaden groß."
Die Professur in Breslau wird ihm lästig, weil er lieber reisen will - zu den Zigeunern auf dem Balkan. Seine erste Frau trennt sich von ihm, eine zweite Freundin kann er nicht heiraten, weil deren strenggläubiger Vater, Jude, die Ehe mit einem Arier verbietet. Die zweite Ehe, wiederum mit einem ausgesucht schönen Mädchen, missglückt, weil die erste Frau zeitweilig zu Otto Mueller zurückfindet. Eine dritte Ehe, auch diese kirchlich, schließt der Maler noch auf dem Sterbebett, geordnete Verhältnisse gehen ihm über alles.
Der Wertschätzung seines ansehnlichen Werks ist - weniger beim Publikum eher bei den Kunsttheoretikern - im Wege: Hunderte von nackten, gutgewachsenen Mädchen, die einzeln, zu zweien oder in Gruppen bis zu acht auf Wiesen sitzen, im Schilf stehen oder im Wasser, obendrein in natürlichen Farben, braune Haut in grünem Schilf, elegante Figuren in völlig ungenierten Posen.



Otto Mueller sieht Pferde nicht blau, wie Franz Marc , und das Wasser nicht rot, wie Emil Nolde, er spaltet keine Köpfe, wie Picasso. Er malt seine braunhäutigen Zigeuner in einer modernen Manier, die in Wirklichkeit 5.000 Jahre alt ist - in der Art ägyptischer Wandbilder , "mir vorbildlich, auch für das rein Handwerkliche".



Zigeunerpferd am schwarzen Wasser 1928







Edvard Munch

Der Schrei
1893

Sein berühmtestes Werk stellt ein grotesk verzogenes Menschengesicht in unrealistisch anmutenden grellen Farben dar. Umrahmt von einer Landschaft in intensiven Farben. Das Bild beruht auf einem Erlebnis des Künstlers, als er mit einigen Freunden eine Brücke überquert und spürt, wie ein lauter, schrecklicher und unendlicher Schrei die Natur durchdringt. Dieses Ereignis erfüllt ihn mit Angst und er drückt das in seinem Werk aus: einen unvergleichlichen Aspekt von Angst und Verzweifelung, aus den Tiefen seines Inneren.
Schon in jungen Jahren formuliert Munch eine Art Manifest für sich und andere Künstler in Kristiana. Er verkündet, dass seine Kunst mehr als ein Foto der Natur sein soll. "Eine Kunst, die aus den Tiefen unseres Inneren kommt. Die Kunst soll den Menschen bewegen und ein Ausdruck seines Lebens sein. Ein Leben, erfüllt mit Liebe, Leid und Gefühlen." An dieses Konzept hält er sich Zeit seines Lebens. Er will universelle Werte durch individuelle Werte ersetzen, indem er die tiefsten Gefühle eines Menschen auf seine Bilder malt und damit ausdrückt. Liebe, Angst, aber auch Tod sind in seinen Werken zu erkennen. Er will die persönlichen inneren Bilder, die ein Mensch in sich trägt, in seiner Kunst zeigen. Munchs Bilder sind vor allem Erinnerungsbilder. Die meisten seiner Bilder beruhen auf Erinnerungen an seine tragisch verlaufende Kindheit.
Er beschäftigt sich auch mit seinen Träumen und entwickelt durch damit einen eigenen Symbolismus. Ein anderes wichtiges Element in seiner Kunst ist der freie Umgang mit der Zentralperspektive.
Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche inspirieren ihn. Sein Interesse für Psychologie, Symbolismus, Erotik und den Tod, geben ihm viele Impulse für seine Werke. Tod, ab 1940 sind alle Selbstporträts des Künstlers Arbeiten von diesem Thema bestimmt.

Am "Kranken Kind" arbeitet er lange – auf der Suche nach dem ersten Eindruck und einem gültigen malerischen Ausdruck für das schmerzliche persönliche Erlebnis von Sophies Tod. Er verzichtet auf Raum und plastische Form und stößt zu einer ikonenartigen Kompositionsformel vor. Die grobe Stofflichkeit der Oberfläche weist alle Spuren eines mühsamen schöpferischen Prozesses auf. Die Kritik ist sehr negativ.
Das helle Gesicht des Mädchens mit feuerrotem Haar im Profil, umrahmt von einer durch ein weißes Kissen erzeugten Aureole, zieht unseren Blick vom ersten Moment an. Dieses Gesicht - anders als das übrige Bild - ist sehr klar erkennbar. Den Oberkörper stellt Munch aufrecht dar, als ob das Kind steht, tatsächlich lehnt es mit dem Rücken an dem großen Kissen. Unterleib und Beine sind unter einer Decke verborgen, auf der die rechte Hand des Mädchens liegt.
Die andere Hand verschmilzt mit der Hand einer Frau zu einer farbigen Einheit. Sie sitzt neben dem Mädchen und lässt ihren Kopf tief hängen, so dass wir nur seine Oberseite sehen, bedeckt von den streng gescheitelten, am Hinterkopf zu einem Knoten zusammengebundenen Haaren. Die Frau wirkt vollkommen entkräftet. Die ineinander liegenden Hände beider Figuren, genau auf der Mittelachse des Bilds, hält der Maler undeutlich, wir erkennen nicht, wer der beiden Frauen die Hand der anderen hält. Die Körperhaltungen legen nahe, dass es eher das Kind ist als umgekehrt. Schaut das Mädchen die zusammengesunkene Frau wirklich an?



Oder geht ihr verschleierter Blick über den Hinterkopf der Frau hinweg, verliert er sich in unbestimmter Ferne oder ist er auf ihr eigenes Innere gerichtet? Das Mädchen scheint sozusagen abwesend.
Ihr Blick veranschaulicht zwei Realitätsebenen, eine realen und eine visionären. Das todkranke Mädchen hat bereits Anteil an einer 'anderen Welt', einer anderen Realität. Die Dramatik des Bildes rührt nicht zuletzt von dieser 'Abwesenheit' her, dem Beginn einer Art Transzendierung des Mädchens. In die Realität des Krankenzimmers ist die Realität der Ewigkeit eingezogen.
Für die zusammengsunkene Frau bleibt diese Realität unsichtbar. Sie hat sich gänzlich ihrer Trauer überlassen und in sich selbst versenkt. Die Konstellation der beiden Figuren erinnert an die Szene des Nürnberger Meisters "Jesu Abschied von seiner Mutter Maria" (um 1500).



Das Bild zeigt jenen Augenblick, in dem Jesus von seiner Mutter Abschied nimmt, um nach Jerusalem zu gehen, wo ihn der Tod am Kreuz erwartet. Auch treffen sich die Blicke Jesu und Mariae nicht. Maria scheint mit ungerichtetem Blick Jesus nicht (mehr) wahrzunehmen. Dieser dreht sich auch bereits um und hat die ersten Schritte getan, wendet sich nur noch einmal um, wirft einen Blick zurück.
Es wird deutlich: Was wir auf Munchs Bild sehen, ist ein Abschied. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf demjenigen, der geht, sondern nicht weniger auf dem, der zurückbleibt. Das Mädchen, gewissermaßen schon 'im Weggehen' begriffen, können wir in gewisser Weise bereits als verklärt auffassen mit dem Lichtschein um ihr engelsgleiches, durchscheinendes Gesicht.
Und die gesichtslose Gestalt neben ihm, die sich an die Hand des Mädchens zu klammern scheint, ohne verhindern zu können, dass sie ihr genommen werden wird, dient - nicht zuletzt aufgrund ihrer 'Gesichtslosigkeit - als unmittelbare Identifikationsfigur für uns, die Betrachter. Nicht das bereits halb der anderen Welt zugehörige Mädchen scheint es zu sein, das am tiefsten leidet - ausgehend von der Szene des Abschieds Jesu von seiner Mutter könnte man sogar sagen, dass die begründete Hoffnung besteht, dass das Mädchen durch sein Leiden in eine bessere Zukunft gehen wird. Die verzweifelte, kraftlose Frau aber hat nicht diese Zukunft im Blick. Sie bleibt zurück. Sie muss das Mädchen gehen lassen und ohne es weiter leben. Dabei zeigt nicht zuletzt der Vergleich mit Maria die Tiefe des Leids, das die Zurückbleibenden quält: Nicht Maria wird es sein, die ans Kreuz geschlagen wird, aber ihr Leid ist nicht weniger tief, da ihr der Sohn genommen, vor ihren Augen gefoltert und getötet werden wird.
Tatsächlich nimmt kompositorisch die Figur der in sich zusammengesunkenen Frau gemeinsam mit der tiefen Dunkelheit hinter ihr innerhalb der Bildfläche nicht weniger, sondern mehr Raum ein als das Kind, sie ist unmerklich sogar bis auf die Mittelachse, also ins Zentrum des Bilds gerückt.
Wie sehr Munch gerade diese letzte Sicht auf das Erlebnis von Krankheit und Not in seiner eigenen Familie in diesem Bild verarbeitet, lässt nicht zuletzt ein Blick auf seinen Umgang mit dem Bild selbst, mit den Farben und der Leinwand, erahnen. Uwe M. Schneede:
"Vor dem Original in der Nationalgalerie Oslo empfindet man fast schmerzhaft den Furor, mit dem Munch die Leinwand mit Pinsel, Palettmesser und Pinselstiel geschabt und geritzt, neue Schichten aufgelegt und wieder gekerbt und zerkratzt hat. Die zerklüftete Bildoberfläche zeugt von Malträtierungen, die verwundete Farbhaut übermittelt die Erregtheit bei der Erinnerung an die Leiden."



Hinweis: Aus historischen Gründen kann es sich bei der Frau nicht um die Mutter Munchs und seiner älteren Schwester Sophie handeln. Sie stirbt bereits lang vor dem Mädchen, 1868, wie diese an Tuberkulose.





Takashi Murakami



LOTS, LOTS OF KAIKAI AND KIKI



International bekannt machen ihn Gemälde, die sich vornehmlich auf die Otaku-Subkultur beziehen, indem er deren Motive aus ihrem Zusammenhang herausnimmt und isoliert darstellt oder in andere Zusammenhänge einbringt. Medienwirksam ist der Auftrag, für den Taschenhersteller Louis Vuitton Entwürfe zu fertigen. Seitdem hinterfragt man Murakami als Künstler, andererseits ist er als Grenzgänger zwischen Kunst und Design oder Popkultur populär. Seine CD-Covers unterstreichen das. 2018 steuert er das Cover zum Debütalbum von Kids See Ghosts, einem gemeinsamen Projekt von West und Kid Cudi, bei.



Murakami selbst nennt seine Kunst Superflat. Damit bezieht er sich nur in einer von verschiedenen Dimensionen auf die in seinen Bildern fehlende Perspektive und Tiefe. In seinem Buch 'The Meaning of the Nonsense of the Meaning' formuliert er Superflat als philosophische Theorie über die japanische Kultur.







Andrei Mylnikov



Schweigen


Sommer