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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Jean-Auguste-Dominique Ingres

Philibert Rivière
1804/05



Ehefrau Marie-Françoise und Tochter Caroline Rivière.
Er gilt als einer der bedeutendsten französischen Porträtisten des 19. Jahrhunderts.
Wir haben uns aus der unendlichen Zahl der Bilder des Jean-Auguste-Dominique Ingres exemplarisch Famile Rivière herausgegriffen.
Philibert Rivière sitzt mit übergeschlagenem Bein entspannt in einem Empirefauteuil, den Blick aufmerksam uns zugewendet. Die linke Hand ist - der Pose seines Kaisers Napoleons folgend - vor der Brust in den dunkelbraunen Rock geschoben; die geknöpfte, sandfarbene culotte (Kniebundhose) und eine elegant geschlungene Krawatte vervollständigen seine Bekleidung. Im Hintergrund arrangiert Ingres ein Stillleben auf dem Tisch, was den ehemaligen Verwaltungsbeamten als literarisch und künstlerisch interessierten Menschen ausweist: die Werke Rousseaus, ein Notenheft mit Namen Mozart und Raffaels Madonna della Sedia. Sie ist das künstlerische Bekenntnis des Malers zur italienischen Renaissance: Ingres zitiert Raffael als programmatisches Vorbild.

Marie-Françoise Rivières, Pendant zum Bildnis ihres Ehemannes, beeindruckt mit den virtuos wiedergegebenen kostbaren Stoffe. Wir haben ein ovales Gemälde vor uns, das die Komposition wesentlich mitbestimmt. Madame hat einen Kaschmirschal à la mode um ihre Schultern gelegt, sie ist in ein schlichtes Kleid aus weißem Satin gekleidet und ruht so auf den blausamtenen Polstern eines Diwans, dass der linke Rand des Bildovals ihre Oberschenkel überschneidet. Ingres setzt sie vor einen schwarzen Hintergrund, der keinerlei Angaben über Ort und Raumtiefe zulässt. Zahlreiche Linien nehmen die ovale Form des Rahmens auf: Der Kaschmirschal führt in einem großen Oval um den Oberkörper der Frau.
Die Gesamtkomposition hat für Ingres auch einen höheren Stellenwert als die korrekte anatomische Abbildung: Der Künstler überlängert den rechten Arm deutlich, der durch seinen Verlauf die Komposition ovaler Teilformen im Oval des Rahmens vollendet, da er nur so seine kompositorische Pflicht erfüllt. Zu nennen sind hier außerdem die scheinbar knochenlosen, gerundeten Finger; auch Mittel- und Zeigefinger beider Hände verlängert der Maler so, dass sie die Kompositionslinien weiterführen.







Für das Porträt Carolines, der 13-jährigen Tochter (die 1807, ein Jahr nach diesem Porträt stirbt) wählt Ingres ein anderes Bildformat, ein Hochrechteck, das oben ein flacher Korbbogen schließt. Der Maler stellt die Dreiviertelfigur der jungen Frau vor einen landschaftlichem Hintergrund. Ihr groß und rund gebildeter Kopf und die obere Kontur ihrer Hermelinstola nehmen die Wölbung des oberen Bildabschlusses auf. Die fast streng zu nennende Komposition gliedert Ingres mit dem freien Rhythmus geschwungener, ornamentaler Linien: das Oval des Kopfes, die Kontur von Unterarm, Brust und Nacken, vor allem die verschlungene Stola. Auch im Porträt Carolines hat das Spiel der Linien Vorrang vor der korrekten Wiedergabe perspektivischer und anatomischer Verhältnisse: Die gegenläufige Linie des Halses, die im Verhältnis zum Kopf durchaus unnatürlich wirkt, offenbart Ingres’ Vorliebe für einen harmonischen Bildaufbau, der ihm wichtiger ist als Naturtreue. Die fast monochromen Landschaftsstreifen von Buschwerk und Himmel lassen eine dunkle Hintergrundfolie entstehen, vor der sich die Figur in ihrer Flächigkeit abhebt. Darin erweist Ingres der Porträtmalerei des Quattrocentro seine Reverenz.














Georges Innes



Altweibersommer
1894

Die Stilrichtung des Tonalismus entsteht, als amerikanische Künstler beginnen, Landschaften in einem übergreifenden Ton farbiger Atmosphäre oder Dunst zu malen. Während der späten 1890er nennen sie ihre Werke tonal. Zwei führende Maler dieser beiden Richtungen sind James McNeill Whistler und George Inness. Die Popularität des Impressionismus und der europäischen Modernen Kunst überschatten bald den Tonalismus.







Ipuki



Frau des Ipuki/Tischler


Links die trauernde Witwe vor der Mumie, rechts die Tischler.
Die Bilder (ca. 1350 bis 1.300 v. Chr.) stammen aus der Grabkammer (TT181) der altägyptischen Bildhauer Nebamun und Ipuki. Nebamun hat wahrscheinlch Ipukis Witwe geheiratet.
Diese altägyptischen Maler entwickeln gewisse Konventionen oder besser Gesetzmäßigkeiten der Bildgestaltung. Götter, Könige und berühmte Verstorbene stellen sie zum Zeichen ihrer Überlegenheit größer dar als die übrigen Personen. Um Vollständigkeit zu erreichen, verbinden sie bei menschlichen Körpern Vorder- und Seitenansicht miteinander, bei Gebäuden Grundriss und Vorderansicht. Bei Darstellungen von Handlungen kann es vorkommen, dass wichtige Gegenstände, die nach den Gesetzmäßigkeiten der herkömmlichen Perspektive zumindest teilweise dem Blick des Betrachters verborgen bleiben müssten, ganz in Erscheinung treten.
Mit seiner "Bedeutungsperspektive" wählt der Künstler die Größe des Darzustellenden nach dessen Bedeutung.
Nur ein vom Tode auferstandener Ägypter könnte uns vielleicht erklären, aufgrund welcher mythologischen Ideenverbindungen, aus welcher magischen Absicht heraus Menschen in Profilansicht nur ein Auge besitzen (dem visuellen Eindruck entsprechend, warum dieses Augen aber in Vorderansicht erscheint - während eine konsequente Abstraktionen zur Darstellung von zwei Augen führen würde). Vielleicht könnte er uns auch sagen, warum die Menschen stets zwei linke beziehungsweise rechte Füße besitzen, während die Künstler doch ansonsten bemüht sind, möglichst genau die charakteristischen Eigenheiten festzuhalten. Es ist allerdings nicht sicher, dass er uns dies erklären könnte, denn unzweifelhaft befolgt die große Masse der Künstler nach ersten Anfängen die einmal geschaffenen Gesetzmäßigkeiten einfach deshalb streng weiter, weil Vorfahren Vorbilder sind.







Susanne Isakovic




"Der Affe in Dir ist schön: Wir kommunizieren und repräsentieren uns selbst mit dem Gesicht. Es ist der Stellvertreter des ganzen Körpers."

links: Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet Acryl, Öl auf Leinen, 2012. Nach langen Recherchen und zahlreichen Skizzen, Photographien und einigen Studien vor Ort entsteht dieses Portrait eines Affen im Zoo. Zwei Monate später bricht diese Affengruppe aus dem Zoo Hannover aus.

rechts: Solange du zweifelst, kannst du den Weg nicht finden Acryl, Öl auf Leinen, 2014

Susanne Isakovic ist Erzieherin Kunst und Biologie: "Ich bin eine Berliner Künstlerin im Bereich Malerei und Zeichnung. Das klassische Genre der Portraitmalerei wird durch die Verwendung von Collagen und Stickerei von mir ergänzt. Die Stickerei wird als typisch weibliches Klischee von mir genau aus diesem Grund in die Kunst erhoben und ist als ironisches Element meiner Arbeit zu verstehen. Ich verberge meine Rolle nicht. Die Collage ist eine Verbundenheit zu meiner zweiten Heimat. Ich verwende ausschließlich Bonbonpapier aus dem Ostblock. Diese spezielle Ästhetik ist Teil meiner Herkunft. Mein Vater ist aus Bosnien-Herzegowina. Gleichzeitig verwende ich dieses spezielle Papier symbolisch als etwas Besonderes, schwer zu erlangendes kostbares überteuertes Material der Werbeindustrie. Es dient mir als Verweis auf unsere aktuelle kulturelle Entwicklung."
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