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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Carlos de Haes



Tileworks in the Principe Pio Mountains


In den 1870ern konzentriert sich de Haes vermehrt auf die Landschaften der Pyrenäen und der Sierra de Guadarrama in Kastilien. Außerdem reist er in Gebiete, die bis dahin spanische Künstler ignorierten, und malt mit dicken Pinselstrichen auf kleinem Format Landschaften in Aragón, Elche und auf Mallorca. Durch seinen eigenen Stil einer realistischen Landschaftsdarstellung als Kontrast zur vorherrschenden Romantik gehört er schon bald zu den bekanntesten und einflussreichsten Landschaftsmalern des Landes. Er etabliert die Plein-Air-Malerei und ist der Überzeugung, nur letzte Korrekturen im Atelier durchzuführen.






Logan Maxwell Hagege



A Song at Sunset


Logan Maxwell Hageges Gemälde weisen alle Merkmale seiner klassischen Kunstausbildung an einer Akademie in Südkalifornien auf, einem modernen Atelier, in dem die Schüler jahrelang ihre Fähigkeiten verfeinen und lebende Modelle zeichnen und malen.
Aus den Abweichungen vom strengen Realismus schöpft das Werk des Künstlers Kraft und Vision aus der berauschenden Mischung von Natur und Vorstellungskraft. Eine Kraft, geboren aus Beobachtung, Erinnerung und kreativer Inspiration. Einer der geschicktesten künstlerischen Erzähler der moderne Geschichte eines unheimlich schönen Wüstenlandes.
Hageges ausgereifter Stil, den er als "stilisierten Realismus" bezeichnet, macht ihn zum Meister des geometrischen Designs, in dem die Krümmung wogender Wolken Winkel und Kanten mildern. Diese Wolken ahmen oft die Formen der Figuren im Vordergrund nach und erstellen visuelle Roadmaps für uns, indem sie das Design und die Erzählung jeder Komposition ergänzen.
In Hageges Gemälden sehen wir die Elemente einer Region und ihrer Bewohner, die der zufälligen Betrachter nicht bemerkt. Seine Beherrschung des Lichts ist farben- und formentreu, wie sie in der Natur existieren, was er auf das Wesentliche reduziert, um ihre Komplexität zu enthüllen und zu feiern. Den Künstler geleitet eine innere Stimme, die von einer Art künstlerischer Alchemie spricht, in der der Künstler Reinheit und Perfektion der Natur - in Farbe - für die Ewigkeit malt. Ein Hagege-Bild ist unverkennbar, genauso wie es kein Äquivalent für die hervorgerufenen Emotionen gibt.
"Es ist meine Vision von der Welt; hier beginnt sie und dort endet sie."



Reist viel, um seine Inspiration zu kultivieren und die Beziehung zu seinen Figuren und zur Kultur des Landes zu vertiefen. Er erstellt Feldstudien vor Ort in Arizona, wo die Landschaft - in Form von roten Klippen, hoch aufragenden Wolken und Himmel über dem Himmel - zu seinen Führern gehört.



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Karl Hagemeister



Wellen im Sturm
1915

Karl Hagemeister ist Zeit seines Lebens mit dem märkischen Havelland verbunden.
In seinem Geburtsort Werder an der Havel verbringt er - abgesehen von seinen künstlerischen Anfängen in Weimar und seinen zahlreichen Studienreisen, u.a. nach Rügen, Italien, Holland, Brüssel und Paris - sein Leben. Hier gelingt ihm ein Leben im Einklang mit der Natur und findet er die idealen Bedingungen für seine künstlerische Ausrichtung. Die Mark Brandenburg mit ihren vielen Seen, Sumpfgebieten und weiten Wiesenlandschaften ist zwischen 1878 und 1881 auch mehrfach der gemeinsame Studienort von Karl Hagemeister und seinem Wiener Künstlerfreund Carl Schuch. In den Sommermonaten 1878 und 1881 arbeitet er mit Carl Schuch in Ferch am Schwielowsee und 1880 in Kähnsdorf am Seddiner See. In den folgenden Jahren malt Hagemeister weniger reine Landschaftsbilder und versucht sich an Figürlichem. Mägde und Bäuerinnen aus den umliegenden Dörfern dienen ihm als Modelle.
Obwohl er zeit seines Lebens zu vielen Künstlern Kontakt pflegt, bleibt er immer ein wenig der urwüchsige Außenseiter, der seine Inspiration aus einer Welt schöpft, die den meisten seiner Zeitgenossen verschlossen blieb. Jahre des einsamen, intensiven Naturstudiums und die Loslösung von der malerischen Auffassung seiner bis dahin wegbestimmenden Zeitgenossen. Es ist bezeichnend für den Künstler, dass er seine Idee, seine malerische Intuition und seinen vollkommen eigenständigen, unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck rein aus der Naturbeobachtung des lokalen märkischen Raumes entwickelt. Sein Leben und Denken ist tief vom Naturgedanken des Impressionismus durchdrungen. Auf einzigartige Weise entwickelt sich Karl Hagemeister zu einem der wichtigsten Wegbereiter der modernen Landschaftsmalerei und zugleich zu einer ihrer markantesten Künstlerpersönlichkeiten.
Karl Hagemeister um 1884: "... das Licht, das ewig wechselt" verdeutlicht die Intention des Malers, Naturphänomene darzustellen - schnell, getreu gezeichnet: etwas nicht Fassbares, ja Unbeständiges in seiner Form- und Farbgebung aufzuzeigen, wie Licht, Wind oder Wolken. Es sind die Gedanken eines noch Suchenden, der wie viele moderne Künstler seiner Zeit das unmittelbare Skizzieren in der Natur als bildwürdiges Sujet begreift.
Die Freundschaft Hagemeisters mit Schuch geht in die Brüche, als er 1884 sein Bild Austern schafft. Die Austern, ähnlich denen Manets, wirken abstrakt impressionistisch im Gegensatz zu der Art, in der Schuch und Hagemeister vorher realistisch malten. Darüber entsteht unter den Freunden ein Streit über die richtige Malweise. „1883 war ich mit Schuch in Paris und ich erkannte, daß nicht die Tonigkeit die Hauptsache für die Bilder sei, sondern das Licht, das ewig wechselt.“
Während dieser Jahre mit Schuch ist die Berührung mit der aktuellen europäischen Kunst weitaus größer als es den heimischen Berliner Professoren möglich war; besonders die Schule von Barbizon hat großen Einfluss auf Hagemeister.
Am Ende des 19. Jahrhunderts beginnt Hagemeiser, sich mit der Fotografie zu beschäftigen. Er nutzt diese neuen technischen Möglichkeiten für die künstlerische Umsetzung seiner Bilder. Ab 1884 enstehen eigene Fotoplatten.
In der havelländischen Region um Potsdam lebt Hagemeister als anspruchsloser Jäger und als Fischer und vor allem als Maler. Er kam nicht wie viele seiner Künstlerkollegen aus der Stadt in die Natur, sondern er lebt in und von der Natur. Die enge Naturverbundenheit zeigt sich auch darin, dass er zu allen Jahreszeiten direkt in der Landschaft malt und zeichnet: selbst im tiefen Winter und häufig mit einer selbstgebauten Staffelei aus Ästen, die er nach dem Gebrauch zusammengeklappt im Strauchwerk versteckt. Hagemeister stellt auch seine Farben selbst her und beginnt mit großen Ölpastellkreidebrocken zu malen. In den Werken, die jetzt entstehen, dominieren wieder Sujets aus der Natur. Aber auch in seinen Stillleben ist Hagemeisters Naturverbundenheit stärker spürbar. Hagemeister versteht sich nie als Lehrer, aber er weist auch nie jemanden ab, der seinen künstlerischen Rat sucht. In diesen Jahren unterhält Hagemeister auch einen regen Briefwechsel mit Lovis Corinth.
Über die Jahre ergibt sich für Hagemeister immer wieder die Gelegenheit, das eine oder andere Bild bei einer Ausstellung zu zeigen. U.a. im Münchener Glaspalast 1888, Ausstellungen der Berliner Secession 1891 und 1893. Aber erst im Herbst 1912 anlässlich einer großen Kollektivausstellung der Galerie Heinemann in München wird Hagemeister in ganz Deutschland bekannt. Die Allgemeinheit konnte sich anhand von 87 Gemälden, Pastellen und Zeichnungen einen umfassenden Überblick über Hagemeisters künstlerischer Entwicklung und Spannbreite seines Werkes verschaffen. 1913 wird ihm vom bayerischen König die Goldmedaille auf der XI. Internationalen Kunstausstellung in München verliehen . 1908 bis 1915 sind für den Künstler Aufenthalte in Lohme auf Rügen von großer Bedeutung. Hier entstehen große Wellenbilder - oft bei Windstärke 10 - und die ausdrucksstarken Buchen am Steilhang werden zum Motiv. Die Arbeitsweise ist schnell und sehr kraftvoll nach einer Phase der intensiven Aufnahme von Stimmung, Licht und Farbtönen. 2020/2021 veranstaltet das Museum eine Sonderausstelung: "Karl Hagemeister ...das Licht, das ewig wechselt". --->






Franz Hals



Das Porträt der Familie Campen


Das Bild zeigt den reichen Kindersegen des Ehepaares van Campen: Nicht weniger als 14 Kinder umgeben die Eltern. Das Familienoberhaupt mit einem Lederhandschuh, Symbol für Status und Wohlstand. Die Ehefrau blickt liebevoll zu ihrem Mann, der wiederum uns anschaut. In einer intimen Geste hat sie die Rechte auf den Oberschenkel ihres Mannes gelegt, mit der Linken weist sie stolz auf die Nachkommenschaft.
Der Holländer Frans Hals gilt als einer der bedeutendsten Porträtmaler in der Geschichte der europäischen Malerei. Besonders sein expressiver Pinselstrich, der skizzenhaft und genialisch hingeworfen scheint, erweckt den Eindruck, als habe Hals seine künstlerische Idee unmittelbar auf die Leinwand gebracht. Der Haarlemer Meister nimmt entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Gruppenbildnissen, sowohl von öffentlichen Gruppen wie Schützengilden als auch von privaten Familienporträts. Das Bild der Familie Campen war ursprünglich mit fast 4 m doppelt so breit, es ist in zwei Hälfte geteilt: Die eine befindet sich im Toledo Art Museum in Ohio, die andere im Kunstmuseum Brüssel. Das Rätsel, wer es wann und warum teilte, ist nicht gelöst.


Versammlung der Offiziere der Kloevenirsdoelen in Haarlem

Wie kaum ein anderer versteht es Franz Hals, die besondere Eigenart einer Person oder einer Gruppe von Menschen kühn, geschickt und entschieden herauszuarbeiten, ihre physische Gegenwart und Existenz im Raum uns deutlich zum Bewusstsein zu bringen. Mehr noch als Karel von Mander, sein erster Lehrer, scheint Rubens ihm seine schöpferischen Fähigkeiten, seine Vitalität und die in der Malerei so seltene Heiterkeit vermittelt zu haben.
Das Porträt, das selbst bei den großen Italienern immer etwas Feierliches an sich hat, verliert bei Hals jede falsche Ehrwürdigkeit. Die Distanz zwischen Maler und Modell ist beseitigt. Ein unmittelbares Vertrauensverhältnis ist an ihre Stelle getreten, das jedoch nie die Grenze einer guten Freundschaft überschreitet. Was kümmern ihn seelische Komplikationen, verborgene Geheimnisse! Dieser Sanguiniker ist seinem Temperament nach ein Bruder des Haarlemer Bogenschützen, der Zigeunerin, der fröhlichen Kellnerin, der Possenreißer, nicht aber des Philosophen - obwohl er Descartes porträtiert hat.

Kolorist aus Liebe zum Licht, zu den Stoffen und dem Reichtum all dessen, was unter der Sonne ist, glückt es diesem geborenen Maler, so wie er gerne alle Mitglieder einer Schützengilde, einer Familie vereinigt, auch zwischen den Details, den Materien eine geheime Sympathie zu erwecken, ohne den Eindruck von Gedrängtheit oder Disharmonie hervorzurufen. So stark ist seine Unbekümmertheit und Selbstsicherheit, dass er in kluger Erkenntnis die Klippen zu vermeiden weiß, an denen seine Nebenbuhler und unzähligen Nachahmer scheitern, die weder seinen Geschmack, noch die intuitive Begabung für die Anwendung der malerischen Mittel besitzen.
Seine Gruppenporträts stellen die aller Vorgänger weit in den Schatten. Wie niemand zuvor versteht Hals es, mit meisterhafter Sicherheit in meist pastosen Farben 10 oder 20 Personen ins Bild zu setzen, sie zu kleiden, zu beleuchten, sie zu vereinigen und an ihrem Vergnügen sein Vergnügen zu finden.
Ebenso trifft er bei den Bildnissen einzelner Personen auf Anhieb den charakteristischen Ausdruck, die richtige Haltung, den entsprechenden Rhythmus, ohne jemals in die Effekthascherei oder Banalitäten der Bolognesen oder eines Caravaggio zu verfallen. Seinem unerschöpflichen Einfallsreichtum, belegt etwa durch


Malle Babbe, auch Hexe von Haarlem genannt

ist es möglich, alle technischen Probleme gleichsam spielend zu lösen. Er kennt sehr wohl seine Grenzen und versucht deshalb niemals, Fähigkeiten zu entwickeln, die ihm versagt waren. Nachlassende Kräfte des Auges und der Hand sowie materielle Sorgen werfen ihre Schatten auf die Alterswerke.







Christian Heinrich Hanson

Elfen mit Blütengirlande
ca. 1830

Der Maler ist dem deutschen Klassizismus zuzurechnen. Viele seiner Bilder entstehen in Italien (1828 bis 1832 ansässig in Rom).





Erich Heckel



Flusslandschaft mit Brücke und Zug
1905

Am 7. Juni 1905 gründen Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Frilz Bleyl und Emst Ludwig Kirchner die Künstlergruppe „Die Brücke". Es ist die Geburtsstunde des deutschen Expressionismus. Heckel: "Wir haben natürlich überlegt, wie wir an die Öffentlichkeit treten könnten. Eines Abends sprachen wir auf dem Nachhauseweg wieder davon. Schmidt-Rottluff sagte, wir könnten das „Brücke“ nennen - das sei ein vielschichtiges Wort, weil es zwar kein Programm bedeute, aber gewissermaßen von einem Ufer zum anderen führe.“
Eine Dampfeisenbahn überquert eine Biücke. Die üppig-weißen Rauchschwaden der Lokomotive hinterlassen am Himmel eine Wolkenspur und erzeugen so einen Eindruck von Dynamik. Der Blick des Malers ist Richtung Südosten auf die Dresdner Marienbrücke gerichtet. Weitere spezifische Gebäude am Ufer vemachlässigt er, denn eine realistische, detailgetreue Darstellung interessiert ihn nicht. Vielmehr ist seine Stadtansicht die freie malerische Übersetzung eines flüchtigen Moments, ganz im Sinne der lmpressionisten.
Mobilität und Geschwindigkeit: Die Eisenbahn ist weltweit wichtiges Instrument für den industriellen Fortschritt im späten 19. Jahrhundert und ein ebenso beliebtes Motiv bei Künstlern dieser Zeit. Die „Biücke“-Künstler entwickeln mit Darstellung von Bahntrassen, Bahnhöfen, fahrenden Zügen, Brücken, Stadt- und Schwebebahnen in Holzschnitten, Zeichnungen und Gemälden ein eigenes Genre, das zu dem wichtigen expressionistischen Themenrepertoire der modemen Stadt zählen wird. Finanziert mit öffentlichen Mitteln wie bürgerlichen Aktiengesellschaften, ist die Eisenbahn zugleich Katalysator der Industrialisierung und Sinnbild der neuen Mobilität eines erstarkten Bürgertums. Erich Heckels Vater arbeitet als Ingenieur bei den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Die Familie zog daher berufsbedingt 1903 nach Dresden. Da der 20-jährige Erich Heckel kurz vor dem Abitur steht, bleibt er alleine in Chemnitz und genießt seine Eigenständigkeit. Er besucht das gleiche Gymnasium wie zuvor der etwas ältere Emst Ludwig Kirchner und kurz danach der jüngere Karl Schmidt-Rottluff, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. Ein Jahr später studieren beide Architektur in Dresden.





Ulrich Heemann



Minaco 03
Auf Leinwand, Holz 2009

"Vergänglichkeit ist ein wichtiges Thema in meiner Kunst und erzeugt eine ganz eigene Ästhetik. Für mich sind meine Fotografien Beweise und Wahrheit, auch wenn man diesen Aspekt des Mediums in letzter Zeit in Frage stellt."
Heemann ist ein erfahrener Künstler, dessen Arbeiten seit über 30 Jahren einen beeindruckenden Umfang umfassen - von Porträts über Abstracts, Malerei bis hin zu Fotografie - und zeigen technische Kompetenz, engagierten Fokus und eine gewagte künstlerische Vision.
Website des Künstlers (dort könnt Ihr Euch auch sein Buch downloaden!)



Die Tänzerin Alina tanzt mit ihrem Rucksack, bedeckt mit roten und weißen Tüchern in einer weichen Lehmmasse. Gleich 8-mal ist sie dort in vielgestaltiger Form zu sehen! Sie kommuniziert auf sehr verschiebenen Ebenen mit sich selbst. Mal abweisend, mal Annäherung suchend. Mal abwartencl beobachtend, mal erotisch vital. Ein Fries aus der Vergangenheit kommt in den Sinn!





Johann Salomon Hegi

gross

Kathedrale von Mexiko-Stadt, 1851


Zócalo, zentraler Platz von Mexiko-Stadt, an dessen Nordseit die Kathedrale steht.
In seiner Mexiko-Zeit weilt Hegi meist in Veracruz und schafft Zeichnungen und Aquarelle aus dem Alltag der mexikanischen Provinz. Seine Arbeit sind abwechslungsreiche Landschaften und Städtebilder.
In "Logis in einem Landhaus" beschäftigt sich W. G. Sebald u.a. mit Gottfried Keller. Er schreibt:

"Betrachtet man genau die Zeichnungen, die Johann Salomon Hegi von dem einundzwanzigjährigen Keller gemacht hat, die im Schlaf gesenkten Lider, die langen Wimpern und die ungemein sinnlichen Lippen, so mag man Benjamin wohl zustimmen, wenn er schreibt, daß die Vorstellung solcher zweigeschlechtlicher Häupter so nahe wie nichts anderes an dies Dichterhaupt heran(führt)."

Ein paar Illustrationen Hegis zu Gottfried Kellers Züricher Novelle "Der Landvogt vom Greifensee" 1877:









Christian Ludwig Classen, Gründer des Männerchors Schaffhausen mit Sohn

Alltagsszenen aus Mexiko:












Paul César Helleu



Madame Helleu an ihrem Sekretär sitzend
1900

Helleu ist bekannt für seine Porträtbilder der berühmten und schönsten Frauen der Belle Époque und für die von ihm entworfene


Deckenausmalung des Grand Central Terminal in New York

Er geht gegen den Willen seiner verwitweten Mutter 1876 nach Paris um an der École des Beaux-Arts, unter dem Salon-Realisten Jean-Léon Gérôme (1824–1904) zu studieren. Helleu etabliert sich in den 1890ern als erfolgreicher Maler der Reichen und Schönen des Boulevard Saint-Germain. Seine Ehefrau, Alice Guérin (* 1874), ist seine Muse und bevorzugtes Modell.







Rudolf Hellgrewe



Ansicht Kilimandscharo zur Deutschen Kolonialzeit

In 1885/1886 reist Hellgrewe, der wohl bekannteste Kolonialmaler nach Ostafrika, wo u. a. das Bild des Kilimandscharo entsteht.
Seine sonstigen Motive findet er vor allem in der märkischen Landschaft, deren Schönheit er als erster entdeckt. Schnell wird er zum „Maler märkischer Seen und Sonnenuntergänge“ und erreicht große Popularität. Dieser Erfolg verleitet ihn – schon um der steten Nachfrage gerecht zu werden – in späteren Jahren immer wieder zu fast identischen Wiederholungen seiner Motive.



Märkische Landschaft am Waldsee, 1860







Ferdinand Hodler



Das mutige Weib
1886

Ab 1885 entstehen Bilder im von Hodler entwickelten, Parallelismus genannten Stil. Damals diskutiert man den „Leib-Seele-Parallelismus“ unter dem Einfluss der Schriften Wilhelm Wundts stark. Hodler sieht, wie die Natur sich in parallelen Mustern organisiert: die Baumstämme im Wald, die symmetrischen Linien des menschlichen Körpers, die symmetrische Opposition von Tag und Nacht, Mann und Frau. Auch von der ständigen Konfrontation mit Sterben und Tod seit seiner Kindheit, von typisch schweizerischen Anschauungen und von der Natur ist sein Schaffen stark beeinflusst.
Zunehmend finden seine Arbeiten Anklang, Zustimmung und positive Resonanz für seine „schweiztypischen Gestaltungsarten“, zum Beispiel mit "Das mutige Weib", bei dem man ihm seine bevorzugte Ausrichtung, die Verbindung von Naturalismus und Schönheitsprinzip, bestätigt. Aber er erntet auch harsche Kritik, Ablehnung von Werken, Ausschluss bestimmter Bilder und handfeste Behinderung der Ausstellung seiner Werke, was in mehreren seiner Schaffensperioden zu schweren öffentlichen Auseinandersetzungen bis hin zur Stilisierung eines sogenannten „Falls Hodler“ führt, worin sich besonders die konservative Presse in einzelnen Schweizer Regionen hervortut.
Hodler führt ein erbittertes Ringen darum, die Welt, wie sie ist, zu verstehen und sein eigenes Weltbild in der Kunst auszudrücken. Kompromisslose Wahrheitsliebe gegenüber der Natur und der menschlichen Schönheit ist sein Ziel. „Ich setze die Wahrheit über die Schönheit – ich kann nicht anders“, schreibt er 1883 an einen Musikerkollegen. Beginnend mit dem Bildnis "Die Nacht" schafft Hodler mehrere Werke, die in diesem Sinne Signale und Wirkungen seiner Auseinandersetzung mit Natur, Schönheit und geschichtlichen Werten sind. Hodlers späte, expressionistisch anmutende einfache Landschaftsgemälde machen ihn auch zu einem der bedeutendsten Maler der Alpenlandschaft.
1884 begegnet er Augustine Dupin, Modell, die er 1909 auf dem Totenbett zeigt.

1889 Heirat mit Bertha Stucki, 1891 geschieden.



"Die Nacht" zeigt beide Frauen. Mit dem Gemälde, das die Motive Schlaf, Tod und Sexualität thematisiert, gelingt Hodler der Durchbruch. Die Ausstellung des Bildes im Musée Rath in Genf wird zwar in letzter Minute verhindert und das Gemälde als sittenwidrig verurteilt. Aber eine daraufhin privat organisierte Ausstellung wird ein grosser Erfolg. Es folgen Ausstellungen und Ehrungen in Paris, München, London, Berlin, Wien und Venedig.
Wie Meilensteine markieren Hodlers 113 Selbstbildnisse seine Entwicklung als Mensch und Künstler. Sie zeugen von der Suche nach Identität, nach gesellschaftlichen und persönlichen Werten, sie sind Ausdruck seiner Proteste, seiner Hartnäckigkeit und sind oft ein deutlicher Spiegel seiner seelischen Verfassung. Angefacht durch seinen Selbsterhaltungstrieb bei den immer wieder zu führenden Auseinandersetzungen mit der eigenen Aussenwelt gelingt es ihm, sich selbst als Beispiel einer Haltung in Szene zu setzen.
Deutschland schließt Hodler 1914 aus fast allen Künstlervereinigungen aus, als er einen Protestbrief gegen den Beschuss der Kathedrale von Reims durch die deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg unterschreibt.







Adolf Hölzel

Studie zum Gekreuzigten
1910



Einem Journalisten fällt in einer Galerie ein kleines Krippenbild auf. Harmonisch, farbig, abstrakt - es stammt von Adolf Hölzel. Der Künstlername, dem Schreiber bisher unbekannt, erweckt seine Aufmerksamkeit, da das Bild aus einer Zeit stammt, wo abstraktes Malen kein Thema ist. Er forscht weiter und findet heraus:
Hölzel konnte es nicht leiden, wenn man ihn als Maler der Religion betitelte. Sein Zugang zur Religion war nicht übers Malen. Hölzels Intention war analytischer Natur, die Ordnung der Farben, der Komposition, der Bildaufbau. Eine der wenigen Arbeiten zur Religion ist im Kirchenraum der Pauluskirche in Ulm, erbaut bis 1910, zu sehen. Architekt Theodor Fischer ist befreundet mit Hölzel und bittet ihn, den Altarraum zu gestalten.


Studie zum Gekreuzigten 1910

Es ist das einzige Wandbild von Hölzel. Der monumentale Christus am Kreuz. Bemerkenswert ist bei genauem Hinschauen, dass er ungewöhnliche farbige Striche, Konturlinien einsetzt, die aus der Ferne allerdings flächig wirken.
Die Kunsthistorikerin Karin von Maur überschreibt 2003 ihre Monografie über Adolf Hölzel: "Der verkannte Revolutionär".
Denn dass neben der Dresdner "Brücke" und dem "Blauen Reiter" in München auch ein Kreis um den Direktor der Stuttgarter Akademie zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich die moderne Kunst beeinflusst habe, sei vielen nicht bekannt. Die Einschätzung hat sich nicht wesentlich verändert. Adelbert Schloz-Dürr, Pfarrer der Pauluskirche: „Es ist eine Schande, wie mit Hölzel umgegangen wird.“
Als der Österreicher 1906 als geachteter Landschaftsmaler und Repräsentant der Münchner Schule aus der Künstlerkolonie Dachau nach Stuttgart kommt, hat er ein Gemälde von revolutionärer Bedeutung im Gepäck - ein Zusammenspiel aus Formen und Farben: "Komposition in Rot 1".



Hölzel gehört neben Kandinsky zu den Mitbegründern der Abstraktion.
Hölzel hat den Naturalismus, den Impressionismus hinter sich gelassen: Seine Christusfigur hat eine strenge symmetrische Struktur, geometrische Grundformen bestimmen den Körper, der Kopf trägt ikonenhafte Züge. In diversen Vorstudien, Zeichnungen und Ölbildern hat sich Hölzel perfektionistisch vorbereitet. Das lässt sich alles spannend nachvollziehen.
Aber wo ist das Schattendreieck hinter dem Kreuz geblieben?
Das ist die Wunde Hölzel. Ende der 1960er läst man die Garnisonskirche zur Pauluskirche entmilitarisieren. Die Leinwandbilder des Pferdemalers Christian Speyer an den Chorseiten kommen weg, der über dem Alter einschüchternde Luther-Vers „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ ersetzt eine Malerei Klaus Arnolds. Hölzels Christus soll klarer, heller wirken, und so kommen die Maler und decken das Dreieck zu. Das Dreieck sollte aber nicht nur die christliche Dreieinigkeit symbolisieren, sondern in seiner pyramidalen Form auch die Auferstehung. Jedenfalls hatte sich Hölzel gewiss etwas dabei gedacht.
Gibt es einen Weg zurück? „Ich hätte einen Farbtopf bereitstehen“, sagt Pfarrer Schloz-Dürr, der „sehr darunter leidet“, dass der Hölzel-Christus damals so misshandelt wurde. „Wäre man mit einem Kandinsky so umgesprungen?“ Für die Denkmalpfleger freilich ist dieser Prozess im Sinne auch einer „Restaurierungsethik“ abgeschlossen.







Karl Hofer

Die Gefangenen
1933



Seine Malerei nimmt vor 1933 kassandrahafte, prophetische Züge an. „Sie wundern sich“, schreibt er 1947, „daß in meinem Werk viel Vorahnung des Kommenden sich findet. Der Künstler ist eben ein Seismograph, der das Unheil vorausregistriert. Nicht nur bei mir findet sich diese Erscheinung“. Er erahnt das kommende Unheil und schafft magische Metaphern wie "Die Gefangenen", die die Entwürdigung und Entindivualisierung des Menschen thematisieren.



Die Bedeutung Hofers für die deutsche Malerei der Nachkriegszeit liegt in seinem Beharren darauf, dass die Antinomie von figurativer und abstrakter Malerei unsinnig sei; ihm erscheint die „Wertunterscheidung von gegenständlich und ungegenständlich als eine sinnlose Absurdität.“ Die geschichtliche Entwicklung hat aus dem Deutsch-Römer Hofer einen „desillusionierten Idealisten“ werden lassen: Gerade „die Insistenz in der Litanei dieses persönlichen Stils hat Hofer seinen unverrückbaren Platz in der deutschen Malerei zwischen den Kriegen gegeben. Da war ein Mensch, der mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen begann; und dann war es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlug.“ (Werner Haftmann)







Ludwig von Hofmann

Weiblicher Halbakt
1894

Hofmanns in über 60 Jahren Schaffenszeit entstandene Werke verbinden Elemente des Symbolismus mit Jugendstil, sind aber auch von anderen künstlerischen Bewegungen seiner Zeit vom Historismus bis zur Neuen Sachlichkeit beeinflusst, er ist Vorreiter der Bewegung Neues Weimar.



Im Kriegsjahr 1916 wechselt Hofmann nach Dresden als Professor an die Kunstakademie. In diese Zeit fällt die Ausgestaltung des Lesesaals der Deutschen Bücherei in Leipzig (1919). Mit Marcus Behmer schafft er Illustrationen für bedeutende Werke der Dichtkunst, beispielsweise für die Odyssee-Übersetzung Leopold Zieglers oder das Hirtenlied von Gerhart Hauptmann.
Zu Hofmanns Bewunderern und Sammlern seiner Werke gehören die österreich-ungarische Kaiserin Elisabeth, der Banker und Mäzen August Freiherr von der Heydt, der Verleger Rudolf Mosse sowie die Kunsthistoriker Wölfflin und von Bode. Rainer Maria Rilke widmet Hofmann 1898 den (von Zeichnungen Hofmanns inspirierten) Gedichtzyklus „Die Bilder entlang“. Hofmann hat bereits vorher Rilkes Gedichtzyklus „Lieder der Mädchen“ mit Illustrationen versehen. Auch Thomas Mann bewundert Hofmann und verarbeitet Eindrücke von Hofmanns Werk in seinem Roman „Der Zauberberg“ in den Schneevisionen Castorps.



Bis zu seinem Tod hängt das 1914 gekaufte Bild "Die Quelle" in seinem Arbeitszimmer - eben ein Schwuler ...
Die Zeit ab 1945 beachtet Hofmann wie viele Jugendstilkünstler kaum, sein Wirken gerät in Vergessenheit. Seit den 1990er Jahren ist eine vermehrte Auseinandersetzung mit seinem Werk durch die kunsthistorische Wissenschaft und durch Ausstellungen zu verzeichnen.
Seinerzeit gehört er zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das „Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern“ dem Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug.







Katsushika Hokusai



Die große Welle vor Kanagawa
1830-1832

Eines der weltweit bekanntesten Werke der japanischen Kunst mit zahlreichen Nachbildungen in Europa. Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Berg", Debussys Komposition "La Mer" und Tobias Stengels "Die Woge" beruhen darauf. Hokusai fertigt diesen Holzschnitt, der zu den berühmtesten graphischen Werken der Welt zählt, mit ca. 70 an.
Er zeigt drei von Edo kommende Boote in einer Welle vor der Küste Kanagawas im Stadtbezirk von Yokohama und vor der Kulisse des Fuji. Das dunkelblaue Wasser der schweren See umschließt die zerbrechlichen Boote, die pfeilschnell das Wellental durchqueren. Die Fischer kauern in den Booten, über die jeden Moment die Welle hereinbricht. Hokusai spielt gekonnt mit der Perspektive. Japans höchster Berg erscheint als kleiner dreieckiger Hügel, den die ansteigende Welle umschließt. Der Maler ist für seine Landschaftsabbildungen berühmt, die er mit seiner Palette von Indigo und Preußisch blau schafft.
Hokusai macht den Begriff Manga populär, der noch heute für japanische Comics verwendet wird. Zitat auf seinem Totenbett: "Hätte der Himmel mir weitere fünf Jahre geschenkt, wäre ich ein großer Maler geworden."
Hokusai ist der weltbekannteste japanische Künstler. Dass er in seiner Heimat nicht so eine große Bekanntheit genießt, hängt mit seiner Stilrichtung des Ukiyo-e zusammen, die eher als Volkskunst galt. Auch bildet er wenige japanische Sujets ab, während sein Werk von der traditionellen japanischen Kano-Schule und von chinesischer und niederländischer Landschaftsmalerei geprägt ist.
Auf seiner Suche nach Wissen kommt Hokusai schon früh mit westlicher Kunst in Berührung und eignet sich schnell (traditionell nicht-japanische) künstlerische Techniken wie die Ein-Punkt-Perspektive an.
Es ist schwer zu beschreiben, welchen enormen Einfluss diese zufällige Begegnung auf die weitere Kunstgeschichte hat. Sie führte Hokusai zu einem völlig neuen Stil des Ukiyoe, der bis heute in der japanischen Kunst nachhallt. Und, was Hokusai nicht wusste, sein neuer Stil sollte in die westliche Kunst zurückkehren und deren Zukunft direkt beeinflussen. Im Laufe seines langen Lebens arbeitet Hokusai mit einem rastlosen, unaufhörlichen Schaffensdrang. Obwohl er häufig (und nicht ohne Stolz) pleite ist, lehnt er nie einen Auftrag ab, sei es für einen angesehenen Verleger oder ein Bordell. Er vermarktet sich selbst mit purer Genialität, genießt schon zu Lebzeiten Ruhm. Nach vorsichtigen Schätzungen beläuft sich sein Gesamtwerk auf 30 000 Werke. Heutzutage sind ihm viele Menschen - Leser und Künstler gleichermaßen - zu Dank verpflichtet, weil er den Manga als Kunstform erfindet. Wir neigen auch oft dazu, ihn als einen (wenn nicht sogar den) "klassischen" japanischen Künstler zu betrachten - eine Tendenz, die es zu überdenken gilt. Zu seiner Zeit war die Kunst von Hokusai radikal anders und sehr unjapanisch. Es ist nur eine der seltsamen Wendungen des Schicksals, dass die französischen Impressionisten (und darüber hinaus) fälschlicherweise glauben, Hokusais ursprünglicher Stil repräsentiere die gesamte japanische Kunst.







Hans Holbein d. J.



Die Gesandten
1533

2002 klärt uns Wissenschaftshistoriker John David North auf. Er hat die Globen und die beiden Sonnenuhren, den Quadranten und das Torquetum genau untersucht und herausgefunden: All diese Instrumente bezeichnen Ort und Zeit der dargestellten Szene, nämlich den 11. April 1533, zwischen 3 und 4h nachmittags in London. 1533 fällt der Karfreitag auf den 11. April, und Christus stirbt im Alter von 33 Jahren nachmittags um 3h am Kreuz. Im Bild taucht an mehreren Stellen immer wieder der Winkel von 27° auf, so u. a. im aufgeschlagenen Gesangbuch, im Arithmetikbuch, in der polyedrischen Sonnenuhr und im Torquetum.
Der Totenschädel ist im Winkel von 27° zur unteren Kante des Bildes gestreckt.

27 ist die dritte Potenz von 3, der Zahl der heiligen Dreifaltigkeit, 33= 3 × 3 × 3 = 27. Der Sonnenstand in der ersten Todesstunde Christi um 4h nachmittags beträgt 27°.
Und 1900 löst Mary Hervey das Jahrhunderte alte Rätsel der abgebildeten Personen: Sie identifiziert sie als Jean de Dinteville (links), und Georges de Selve (rechts), mit 17 bereits Bischof.
Eine der herausragenden Arbeiten Holbeins, die detailgetreue Wiedergabe von Personen und Attributen wie Bekleidung und Ausstattung sind ihm vorrangig. Das Regal mit zwei Etagen führt Gegenstände und Themen an, für die sich Dinteville und Selve gleichermaßen interessierten: astronomische und mathematische Messinstrumente, theologische, geographische und musikalische Attribute. Es kennzeichnet die Dargestellten, wenn nicht als Humanisten, so doch mindestens als Liebhaber der Wissenschaften und Repräsentanten einer hochgestellten Bildungsschicht. Darüber hinaus beansprucht die Malerei kraft ihres realistischen Darstellungspotenzials einen Platz im Kanon der klassischen Wissenschaften, der septem artes liberales.
Verstörende und immer noch ungeklärte Details: das matt silbrig glänzende Kruzifix links oben und ...

der zum Anamorph verzerrte Totenschädel, wahrscheinlich einer Vanitas-Symbolik zuzuschreiben, zugleich unterstreicht er als Augentäuschung die malerischen Fähigkeiten. Das Kruzifix könnte in Zeiten der Religionskonflikte auf den heilsgeschichtlichen Kern der christlichen Botschaft zur Einheit des Christentums mahnen.

Wenn man von der Horizontalen in einem Winkel von 27° vom rechten Bildrand her auf das Bild des Schädels herabschaut, löst sich die Anamorphose des schräg im Bildvordergrund stark verzerrt dargestellten Totenschädels zu einer normalen Ansicht auf. Blicken wir von diesem Punkt aus im Winkel von 27° nach oben, kreuzt eine vom Auge ausgehende gedachte Linie erst die astronomischen Instrumente, dann das linke Auge Dintevilles und schließlich das hinter einem grünen Vorhang fast verborgene Kruzifix am linken oberen Bildrand. Die Anamorphose ist Anweisung an uns.



Das aufgeschlagene Gesangbuch: Tenor-Stimmbuch Johann Walters Eyn geystlich Gesangk Buchleyn mit den Luther-Liedern „Kom heiliger geyst“ und „Mensch wiltu leben seliglich“ (Worms 1525).

Das 400-seitige Buch: "Eyn newe unnd wolgegründte Underweysung aller Kauffmanss Rechnung in dreyen Büchern : mit schönen Regeln un vragstucken begriffen" (kurz „Die Kaufmannsrechnung“) von Peter Apian, gedruckt 1527 in Ingolstadt.


Jean de Dinteville (1504-1555) stammt aus französischem Erbadel, der Herren von Polisy und Verwalter von Troyes und Anne du Plessis. Als sein Vater Premier Maître d'Hotel des Thronfolgers François (späteren Franz I.) ist, dient Jean bis 1514 als Echanson (Mundschenk) der königlichen Kinder. 1527 Gouverneur von Bar-sur-Seine. Mutmaßlich wird er an Stelle seines Vaters Mitglied des Michaelsordens, dessen Kette und Medaillon er trägt. Jean gilt als ausgewiesener Kenner der Astronomie und Mathematik und begeisterte sich für technische Innovationen wie einen neuartigen Kompass. 1531 im diplomatischen Auftrag des Königs in London, kurz Botschafter am Hofe Heinrichs VIII. Wegen Hofintrigen Emigration nach Venedig, stirbt 1555 nach Jahren schwerer Lähmung unverheiratet und ohne Nachkommen.


Georges de Selve (1508-1541) französischer Bischof 1528 bis 1541, Gesandter, Botschafter, Humanist und Übersetzer. Stammt aus geadelter Kaufmannsfamilie. Hochgebildet, nimmt - trotz seiner Jugend - schwierige diplomatische Aufgaben wahr. Auf ausdrücklichen Wunsch Franz I. übersetzt Selve 1530 Plutarch. Lernt Hebräisch.
Holbein stellt die Freunde als Melancholiker dar, das Alter Selves geht aus dem Schnitt des Buches hervor, auf den er sich stützt. Aetatis suae 25






1523 lernt Holbein den berühmten Humanisten Erasmus von Rotterdam kennen, es entsteht das erste und vielleicht eindrucksvollste Portrait dieses Mannes.



Erasmus empfiehlt Holbein an seine Freunde in England, 1526 begibt er sich zum ersten Mal in dieses Land. Noch vor seiner Abreise schafft er das Bild einer jungen Frau.

Wir lesen: Lais Corinthiaca. Griechische Hetäre, tätig in Korinth im 4. Jahrhundert v. Chr. Legendär der Lohn für ihre sexuellen Gefälligkeiten (Diognes durfte kostenlos). Sie ist aber nicht nur wegen ihrer Schönheit und ihrer Preise berühmt, sondern auch wegen ihrer Konversation und ihres Charmes. Im Alter lässt der Lohn nach und sie verfällt dem Alkohol. Holbein aber bildet Dorothea Offenburg ab, eine Dame mit recht unstetem Lebenswandel. Das glatte, ausdruckslose Gesicht steht vor dem Hintergrund eines grünen Vorhangs; das von Schlitzen durchbrochene Gewand ist rot und hellbraun. Die Hände sind, wie immer bei Hohlbein, wundervoll gezeichnet.
In London entsteht wohl sein berühmtestes Gemälde: die zwei französischen Diplomaten, ein Repräsentationsbild in Lebensgröße und ganzer Figur, mit Fug und Recht als vollkommen zu bezeichnen. Holbein gestaltet Wesen und Aussehen der Menschen mit einer solchen Intensität nach, mit einer so "richtigen" Zuordnung des Details, dass die persönliche Gegenwart eines dieser Menschen wohl kaum einen stärkeren Eindruck hervorrufen könnte.

Holbeins Frau und Kinder

Ende 1543 rafft die Pest Holbein auf der Höhe des Ruhms dahin. Mit ihm wird die Zukunft der deutschen Malerei begraben, die von nun an nur noch Epigonen und vereinzelte gute Talente hervorbringt, aber für Jahrhunderte in der europäischen Malerei keine besondere Rolle mehr spielt.













Tora Vega Holmström

Mademoiselle Leah


1914 erhält sie die Aufforderung, einige Arbeiten auf der „Baltischen-Ausstellung“ in Malmö zu zeigen. Ihr lebendiger Stil und teils gewagte Farben rufen heftige Reaktionen hervor und gelten als „unweiblich“. Kritik, die sie lange Jahre verfolgt. Ihre Gemälde zeigen Themen wie Mutter und Kind, die Bäuerin aus Südschweden oder allgemein Menschen und weisen auf eine große soziale und politisch-aktuelle Anteilnahme. Neben profanen menschlichen Darstellungen fertigt sie aber auch religiöse Kompositionen, Stillleben und Landschaften, letztere vor allem aus Schweden.











Winslow Homer



The Life Line
1884

Im Sommer 1883 hält sich Homer in Atlantic City (New Jersey) auf, wo er Seenotretter beobachtet. In „The Life Line“ überrascht seine neue, kräftige Art des Malens. Das Gemälde kauft Catherine Lorillard Wolfe für $2.500, was nicht unbeachtet bleibt, zumal es die erste amerikanische Arbeit ist, die sie in ihre Sammlung aufnimmt. Das zweite Gemälde „Undertow“ (Sog) ist ebenfalls ein großer Erfolg, als Homer es 1887 in der National Academy zeigt.





Edward Hopper



Ground swell
1939

Der Blick auf den Hudson River weckt bei Hopper Begeisterung für Boote und Rennyachten. Mit 15 baut er sich ein kleines


Cat Boat (Radierung, 1922)

Und neben Booten ist sein Lieblingsmodell Josephine Verstille Nivison (genannt „Jo“), seine Frau.









Zur systematischsten Erklärung der Philosophie seiner Kunst schreibt Hopper 1953: Große Kunst ist der äußere Ausdruck eines Innenlebens des Künstlers, und dieses Innenleben wird zu seiner persönlichen Vision der Welt führen. Keine Anzahl geschickter Erfindungen kann das wesentliche Element der Vorstellungskraft ersetzen. Eine der Schwächen der abstrakten Malerei ist der Versuch, die Erfindungen des menschlichen Intellekts durch eine persönliche, einfallsreiche Konzeption zu ersetzen. Das Innenleben eines Menschen ist ein weites und vielfältiges Reich und beschäftigt sich nicht nur mit anregenden Arrangements von Farbe, Form und Design. Der in der Kunst verwendete Begriff Leben ist etwas, das man nicht verachten darf, denn er impliziert alles Dasein, und das Prinzip der Kunst besteht darin, darauf zu reagieren und es nicht zu unterschlagen. Die Malerei muss sich vollständiger und weniger unrealistisch mit Lebens- und Naturphänomenen auseinandersetzen, bevor sie wieder großartig werden kann.



Ein anderes Zitat:
Ich bin Realist und reagiere auf natürliche Phänomene. Schon als Kind fiel mir auf, dass das Sonnenlicht auf dem oberen Teil des Hauses anders ist als auf dem unteren Teil. Das Sonnenlicht auf dem oberen Teil des Hauses löst eine Art Begeisterung aus. Wissen Sie, in ein Bild gehen viele Gedanken, viele Impulse ein – nicht nur einer. Das Licht ist für mich ein wichtiges Ausdrucksmittel. Ich gehe aber gar nicht besonders bewusst damit um. Ich glaube, das Licht ist für mich eine natürliche Ausdrucksweise. Das Sonnenlicht auf den Gebäuden und den Figuren interessiert mich mehr als irgendein Symbolismus.
Gott (Hopper) muss ein Seemann sein.
Der folgende Film Gustav Deutschs erweckt 13 Gemälde Hoppers zum Leben: Die 13 Stationen erzählen von der Schauspielerin Shirley und ihrem Lebenspartner, dem Fotografen Stephen. Schauplatz der Auseinandersetzung ist Amerika: das Amerika der Depressionsjahre, der Kriegsjahre, der McCarthy-Ära, der Rassenkonflikte und Bürgerechtsbewegungen, betrachtet durch die Augen, Gefühle und Reflexionen von Shirley und im Spiegel von 13 baulich rekonstruierten Gemälden Edward Hoppers.







Karl Hubbuch

Lissy im Café
ca. 1930

Hubbuch ist am ehesten als Vertreter des Verismus und der „Neuen Sachlichkeit“ einzuordnen. Seine neorealistische Kunst vervollkommnet er aber weniger offenkundig politisch als seine Kollegen Grosz oder Dix. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk beginnt erst nach seinem Tod.