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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Thomas Fearnley



Wasservögeljagd
1828

Thomas Fearnley, geboren 1802 in Fredrikshald und gestorben 1842 in München, ein norwegischer Maler.
Ein Prospekt von Kopenhagen erwirbt ihm die Gunst von Kronprinz Oskar, dem späteren König. Reisen durch Norwegen und Schweden, 1829–30 Dresden, im Salzburgischen und München, 1832-1835 Italien, dann Schweiz, wo er sich hauptsächlich in der Darstellung der Gletscher versucht, Paris, um über die Niederlande und London in seine Heimat zurückzukehren. Hier wird vorzüglich Romsdalen mit seiner eigentümlichen Natur Gegenstand seiner Studien.



1840 heiratete Cecilia Catharine Andresen, Tochter seines Förderers, des Bankers Nicolai Andresen (Gründer der Andresen Bank). Im Herbst 1841 geht das Paar zur Geburt seines einzigen Kindes, Thomas Nicolay Fearnley (wird norwegischer Schiffsmagnat) nach Amsterdam. Er stirbt, nachdem er nochmals England, die Schweiz und Holland bereist hat.







Conrad Felixmüller



Kinderbewahranstalt
1924

In kalter, winterlicher Landschaft steht die Kinderbewahranstalt von Klotzsche, vor deren Bretterzaun ein kleines Mädchen. Die Spuren im Hintergrund zeigen: das Kind hat ausgetretene Pfade verlassen, entfernt sich ohne Spielgefährten oder Erzieher vom abweisend wirkenden Haus, in dem ein Ort abschreckender Unterdrückung zu erkennen ist, an dem Kinder ohne Liebe, aber mit Schlägen aufwachsen.
Felixmüller ist einer der schärfsten Beobachter im 20. Jahrhundert. Wie kaum ein Zweiter rückt der Dresdner Künstler den Menschen in den Mittelpunkt seines vielfältigen Schaffens. Vom Krieg gebrochene Soldaten, Arbeiter in ihren Fabriken, eng aneinandergeschmiegte Liebespaare: Selten kommt der Betrachter dem Glück, Leid und Alltag der Menschen so nahe wie auf Felixmüllers Bildern. Im Zentrum steht der zweifelnde, hoffende, an sein Leben sich klammernde Mensch.

Felixmüller gilt als Wunderkind. Beeinflusst von den „Brücke“-Malern und Kubismus prägt der politisch engagierte Künstler in den 1920er Jahren den Stil der Neuen Sachlichkeit. Während der Nazi-Diktatur sind seine Werke verschmäht, doch kann sich Felixmüller mit Hilfe von Sammlern über Wasser halten.

Sein Bilder verhehlen klare politische Aussage – Revolution, Kommunismus, Pazifismus – selten. Er versammelt in jenen Jahren viele Künstler zu Lesungen und politischen Diskussionen in seinem Dresdner Atelier.

Inmitten von Industrielandschaften entstehen Invaliden oder arbeitende Kinder wie der Zeitungsjunge. Felixmüller verleiht ihnen tiefe Würde: „Diese Menschen sind Tragödie, schön, groß und voller Demut“.
Das alles umfassende Chaos der Weltkriege und der Weimarer Republik, die Orientierungslosigkeit einer be-schleunigten Moderne und die Ve-hemenz des Fortschritts transformieren sich in der Hand Felixmüller zu Bildern, in der die Kraft des Menschen und seine bloße Präsenz Anlass zu Hoffnung geben.



Schaubudenboxer











Nikolai Iwanowitsch Feschin



Portrait T.A.Popovoy
1917

Nikolai Iwanowitsch Feschin, geboren 1881 in Kasan und verstorben 1955 in Santa Monica/USA, ist ein russischer bzw. US-amerikanischer Künstler, Maler, Schriftsteller, Grafiker, Bildhauer, Vertreter des Impressionismus und der Modernen Kunst, bekannt für seine Porträtbilder und Motive amerikanischer Ureinwohner. Wegen seiner Herkunft als "der tatarische Maler" bezeichnet. Er schafft mehr als 2.000 Werke, die größte Sammlung befindet sich im Museum der Schönen Künste von Tatarstan (Kunstgalerie "Hazine") im Kasaner Kreml.
Feschins Vater ist Holzschnitzer, der Altäre gestaltet, wobei ihm sein Sohn ab 11 unterstützt. Mit 13 Jahre besucht Nikolai die Kunstschule von Kasan, eine Außenstelle der Kaiserlichen Kunstakademie. Aufgrund seines Talents zum Studium in Sankt Petersburg zugelassen, Sibirienreise 1904, von Landschaft und deren Bewohnern fasziniert.
1909 ausgezeichneter Hochschulabschluss, bereist mit Stipendium Kunstzentren Europas. 1910 Goldmedaille der Internationalen Kunstausstellung in München. Kunstmaler und Lehrer in Kasan. 1913 Heirat mit Alexandra Belkowitsch, Tochter des Direktors der Kunstschule, 1933 geschieden.
1923 Emigaration nach New York, wegen Tuberkuloseerkrankung Übersiedlung nach Taos/New Mexico. Begegnung mit Kultur der Ureinwohner, von der Landschaft fasziniert, wo die besten Werke der amerikanischen Periode entstehen. Danach bis zu seinem Tod in Südkalifornien.







Anselm Feuerbach

Selbstbildnis




Das monumentale (3 auf 6m) Hauptwerk "Das Gastmahl des Plato" vollendet er 1869. Im "Symposion" unersucht Platon das Wesen des Eros. Anselm Feuerbach richtet all seine Anstrengungen darauf, das Subjektive aus seinem Schaffen zu verbannen und klassischen ldealen nachzustreben.
Das in kühlen, marmornen Farben gehaltene Bild zeigt eine festliche Zusammenkunft im Haus des Tragödiendichters Agathon, der gerade einen Preis für ein Stück erhalten hat, was er mit seinen Freunden feiert. Während sie in ein ernstes Gespräch vertieft sind, tritt von links ein lauter und lebensfroher Zug auf die Bühne: Der trunkene Jüngling Alkibiades mit seinem bacchantischen Gefolge will sich in die Schar der Gratulanten einreihen. Agathon heißt ihn mit vornehmer Geste willkommen.
Bei der antikischen Architekturkulisse und den Wandmalereien orientiert sich Feuerbach an pompejanischen Fresken. Er verwendet große Mühen auf dieses Werk, mit dem er die Zwiespältigkeit des menschlichen Lebens veranschaulichen will. Die Welt der Denker trifft unvermittelt auf die Welt der Sinnenfreuden. Feuerbach konfrontert Maß und Uberschwang miteinander.



Die Sage der Amazonen ( groß) überliefert uns Homer. Unter Führung ihrer


Königin Penthesilea

kommen die Amazonen dem trojanischen König Priamos zu Hilfe, den die Griechen unter Führung von König Menelaos von Sparta angreifen. Achilles tötet Penthesilea, der sich in die sterbenden Amazone verliebt. Entgegen den Bräuchen, nach denen Leichname der Feinde den Aasfressern zu überlassen sind, übergibt Achilles Penthesilea an die Trojaner.
Feuerbach zeigt keine Schlacht im eigentlichen Sinn. Wenngleich die zwei großen, gegenläufigen Bewegungsrichtungen aufeinanderprallende Schlachtordnungen suggerieren, sind die Figuren nur in Einzelszenen addiert. Die links im Hintergrund heransprengende Amazonenschar greift zwar eine weiter rechts befindliche Gruppe Männer an, doch die Zwecklosigkeit dieser Attacke ist daraus ersichtlich, dass es sich bei den Männern nur um Verwundete handelt. Auch wenn diese Szene inhaltlich sinnlos wirkt, hat sie doch formale Funktion: Sie leitet die Bewegungsszene im Hintergrund ein, die sich noch in den Wolken fortsetzt und im rechts davonrasenden Pferd ausklingt. Der Geier im linken Teil durchbricht die Bewegungsrichtung. Einzige Ruhepol im rechten Bilddrittel: Ein Schimmel beugt sich über die Leiche einer Frau.
Rechts neben der Rückenfigur erkennen wir Amazonenkönigin Penthesilea. Anders als die meisten gefallenen nackten Amazonen trägt Penthesilea ein kostbares Gewand und hat. Mit der Linken sucht sie Halt an einem älteren Krieger. Sie stützt sich auf ihren Schild, ihr Sturz weist auf die Niederlage der Amazonen hin.

Die Gruppe der zwei Männer neben Penthesilea ist ein weiteres Hauptmotiv des Gemäldes. Ein älteren Mann im Schuppenhemd trägt den verwundeten Jüngling mit Wolfsfell, das als Trophäe der Wolfsjagd alle Männer im Bild tragen, vom Schlachtfeld.

Nächste bildbeherrschende Figur rechts von den zwei Männern: Eine Amazone erhebt auf dem Rücken eines schräg ins Bild ragenden Schimmel die Streitaxt. Eine zurückgedrängte Kriegerin behindert sie, der Schlag gilt dem Krieger, der ihre Kampfgefährtin bedrängt.
Zur Zusammenstellung fällt die Zahl 7 ins Auge: Zweimal 7 weibliche gegen 7 männliche Figuren, 7 verschiedene Aktionen, 7 im Kampf stehende und 7 außer Gefecht gesetzte Amazonen.
Die Pose des Künstlers auf dem Selbstbildnis wirkt distanziert und stolz. Der 44-Jährige ist sich seines Könnens bewusst, hat er doch zwei seiner Hauptwerke vollendet. Platos Symposion und Die Amazonenschlacht.
Dieses Selbstbewusstsein stellt er dar. Die Kleidung schlicht, aber sehr gepflegt. Der Hintergrund lenkt von nichts ab, sondern lässt Gesicht und Erscheinung des Künstlers ganz in unserem Fokus stehen. Die klassischen Gesichtszüge Feuerbachs wirken noch heute attraktiv und in seiner Art, Haar und Bart zu tragen, erscheint er aristokratisch.







Paul Gustav Fischer



Der Maler im Freien


Der dänische Maler (1860 - 1934) malt in seinen frühen Gemälden Stadtansichten. Nach einem Aufenthalt in Paris 1891 bis 1895 wird seine Farbpalette reicher und heller. 1890 bis 1910 bringen ihm seine Szenen aus den Straßen europäischer Städte viele Erfolge. Nach dem Beispiel Carl Larssons malt er später fröhliche Genreszenen und Aktbilder in Naturumgebung. Er schafft auch Plakate, inspiriert von Théophile Steinlen und Henri de Toulouse-Lautrec.
Er beschäftigt sich auch mit der Fotografie, die er oft als Vorlage für seine Bilder nutzt.







Jean Fouquet

Diptychon von Melun
um 1450

Ihren ersten und zugleich bedeutendsten namentlich bekannten Künstler findet die Loireschule in der Touraine: Jean Fouquet. Er lernt er bei den Niederländern, die Herzog von Berry an den Hof von Melun gezogen hatte, an jenes Märchenschloss, das später sein Neffe Karl VII. übernimmt, als er "König von Bourges" wird. Als einer der ersten französischen Künstler reist der junge Fouqué nach Italien.

Sein frühestes erhaltenes Werk ist das Porträt des Hofnarren Gonella, dessen Entstehung noch vor der Italienreise anzunehmen ist. In der Stilanalyse zeigt es die intensive Auseinandersetzung mit der Porträtkunst der niederländischen Meister, etwa Jan van Eycks. Wie die Portraits der Flamen weist das Bildnis des Narren einen geradezu überspitzten Realismus auf.
Zurückgekehrt erhält Fouquet zahlreiche Aufträge von Würdenträgern des Hofes. Es entsteht das Portrait von


Kanzler Guillaume Juvénal des Ursins

Das Bild stellt den etwa sechzigjährigen betenden Stifter in Dreiviertelansicht in einem roten Gewand dar, wie es König Karl VII. auf dessen Porträt trägt. Der Kanzler hält seine Andacht eher stolz denn demütig in einem repräsentativen goldgetäfelten Raum. Eine Geldtasche am Gürtel erhöht den Eindruck der Pracht, die ihn umgibt. Auf den beiden reich verzierten antikisierenden Pilastern der Täfelung tragen als Kapitelle ausgearbeitete Bären, die Wappentiere der Juvénal-Familie, den Wappenschild. Das Kissen, das vor dem Stifter ein Missale oder Stundenbuch trägt, zeigt die Farben seiner Familie: Gold, Weiß und Rot.
Der König von Frankreich im steifen dicken Überrock, nicht in der traditionellen Profilansicht, sondern mit schräg dem Beschauer zugewendeten geröteten Gesicht. Das übrigens recht verdrießlich wirkt. Die Nachwelt will in dem Bildnis ein vernichtendes Urteil Fouquets über den König sehen. Ist diese Bildinterpretation eher vom negativen Urteil der Rezipienten über Karl VII. geprägt? Oder ist das Bild unvoreingenommenes historisches Dokument, realistischer und nicht idealisierend? Die rechte Wange des Königs ist angeschwollen und zeigt bereits die Auswirkung der Unterkiefergeschwulst, an der der König starb.

Das schönste Bildnis ist das, wo Étienne Chevalier und sein Patron, der heilige Stephanus dargestellt sind. Es bildet den linken Flügel des Diptychons von Melun, auf dessen rechten Flügel Maria mit dem Kind zu sehen ist. Fouquet gibt der Madonna die Gesichtszüge der Agnes Sorel, der Geliebten Karls VII., deren Testamentsvollstrecker der Schatzkanzler ist. Über ihrem Antlitz mit der kindlichen Stirn, der kleine Nase und dem winzigen Mund und über ihren berühmten schönen Busen liegt ein ideales perlmuttschimmerndes Licht, der Thron ist von Engeln umrahmt.

Fouquets Werk gilt als eigenständige Synthese der französischen Maltradition, der italienischen Frührenaissance und des niederländischen Realismus. Besonders die perspektivischen Konstruktionen, die Lichtführung und die historische Genauigkeit seiner Bilder erweisen Fouquet als einen der bedeutendsten Maler seiner Zeit. Zahlreiche Erwähnungen in der frühen Kunstliteratur und in Dokumenten geben von dem hohen Ansehen Auskunft, das Fouquet sowohl in Frankreich als auch in Italien genoss. Die Zahl der erhaltenen Buchmalereien übertrifft die der Tafelbilder deutlich, siehe auch Berlin.





Donald Hamilton Fraser RA



Loose Spinnaker
1996



Frasers Malstil erinnert an Nicolas de Staël und zeichnet sich dadurch aus, dass er mit einem Spachtel dicke, helle Farbe aufschichtet, um einen collageartigen Effekt zu erzielen. Die Landschaften sind noch klar erkennbar, bilden aber dennoch abstrakte, fast traumartige Farbfelder. Fraser fertigt auch Kreide- und Lavierzeichnungen von Tänzern an, die in ihrem Stil mit seinen Gemälden kontrastieren und seine vielfältigen Talente hervorheben.
Fraser: "Ein Künstler sucht sich nicht wirklich aus, welche Art von Bildern er malt. Er malt das, was in ihm ist. Es ist eine Art Imperativ."
An der Royal Academy of Arts wird Fraser 1985 zum Full Royal Academician (RA) ernannt. An der Royal Academy ist er 1992 bis 1999 Ehrenkurator.
1983 entwirft Fraser vier Gedenkbriefmarken für England, mit denen man den 14. März als Commonwealth-Tag des Commonwealth of Nations feiert.







Lucian Freud

Selbtbildnis
2010



Im Kunsthistorischen Museum Wien hängen die Werke des 2011 verstorbenen Lucian Freud 3 Monate in unmittelbarer Nachbarschaft von Rubens, Rembrandt, Tizian. Ein Ritterschlag, den der Künstler nicht mehr erlebt. Er verstirbt über den Vorbereitungen der Ausstellung.
Das Selbstbildnis zeigt den Künstler vollkommen nackt – bis auf die offenen Stiefeln an den Füßen als Schutz vor Bodensplittern –, hässlich, zumindest erbarmungswürdig. Lucian Freud ist gnadenlos mit sich.

Freud und Wien, das war immer schon eine komplizierte Angelegenheit. Immer wieder bemühen sich diverse Häuser der Stadt vergeblich um den Künstler. Nur einmal gibt er nach und entleiht einige Blätter in eine Ausstellung zeitgenössischer britischer Zeichenkunst. Überzeugend dürfte zuletzt auch gewirkt haben, dass sich im Kunsthistorischen Museum jene Werke im Original befinden, an die er Erinnerungen noch aus Berliner Kindertagen besitzt.
Seine Familie – der jüngste Sohn Sigmund Freuds, der Architekt Ernst Freud, ist nach Studium und Heirat in Berlin sesshaft geworden – lebt in den Zwanzigern nahe dem Tiergarten in der Regentenstraße. Zwei Jahreszeitenbilder von Pieter Breughel hängen dort als Reproduktionen an der Wand: "Jäger im Schnee" und "Die Heimkehr der Herde". Der Großvater hat sie dem Enkel als Geschenk aus Wien mitgebracht. Die Originale befinden sich nun in einem Nachbarsaal der Ausstellung.

Ein Kreis schließt sich. 1933 muss die Familie unter dem Druck der Nazis aus Berlin nach Großbritannien emigrieren. Der damals zehnjährige Lucian spricht fortan nicht mehr Deutsch. Vier Tanten sterben in Konzentrationslagern.

Der Künstler selbst malte über Jahre an einem Werk. So auch am letzten, einem unvollendet gebliebenen Porträt von Dawson zusammen mit seinem Hund Eli.
Die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum zieht den großen Bogen und beginnt mit dem ersten Selbstporträt des gerade 21-Jährigen von 1943.

Ernst blickt der junge Mann den Betrachter an: das ovale Gesicht, die lange Nase, der schmale Mund, die hohe Stirn - die Ähnlichkeit mit dem Großvater ist unverkennbar. Freud bedient sich damals noch eines feinen Zobelhaarpinsels, jedes Detail erscheint akribisch genau. Der junge Künstler steigert dadurch die Beklommenheit im ganzen Ausdruck. Erst in den 1950ern wechselt er zu den groben Schweineborstenpinseln, die seine später typisch lockere Malweise befördern sollen, die Fleischlichkeit seiner nackten Modelle nochmals betont.
Das Porträt wird zu Freuds besonderem Sujet, ja seinem Element, das erweist sich schon mit den ersten Bildern. Auf seine Art betreibt er ebenfalls Analyse, ist Psychologe. Doch spiegelt sich in der Darstellung von Freunden, Nachbarn, Geliebten, eigenen Kindern, seiner selbst auch die eigene Verfassung, spielt die besondere Beziehung herein. Allein neun der 43 nun gezeigten Werke sind Selbstporträts. Besonders berühren die Bildnisse seiner Frauen:



die schwangere Kitty Garman, die er 1951 bald nach Vollendung des Gemäldes verlässt,



Lady Caroline Blackwood, die Guinness-Erbin, mit der er ein Jahr später nach Paris durchbrennt, und schließlich



1960/61 Bernadine Coverly kurz vor der Geburt der gemeinsamen Tochter Bella. Der Blick des Malers umfängt sie zwar mit großer Zärtlichkeit, doch wird sein unnachgiebiges Interesse an Inkarnat, Lagerung der Körperglieder, Verteilung von Masse genauso sichtbar. Bald schon beginnt er seine Akte Nacktporträts zu nennen. Mit diesem Terminus definiert er einen neuen Bildtypus für sich. In ihrer Unnachgiebigkeit machen die Porträts Lucian Freud weltberühmt. Wer heute über figurative Malerei spricht, kommt an seiner Kunst nicht mehr vorbei.



Benefits supervisor sleeping, 1995

Modell war die rund 125 kg schwere Sue Tilley, genannt Big Tilly, Angestellte in einem Londoner Arbeitsamt, die mehrere Wochen für Freud auf der Couch posiert. Die Financial Times brachte das Bild auf dem Titelblatt. Freud verkauft das Gemälde 2008 für fast 34 Mill. Dollar an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch. 2015 verseigert es Christie’s in New York für büer 56 Mill. Dollar, der höchste Preis, der bisher für ein Bild von Lucian Freud in einer Auktion zu erzielen war.



Die ganze Welt kennt ihre Brüste. Heerscharen von Kunstinteressierten haben ihr in den Bauchnabel geguckt. Selbst Museumsmuffeln ist ihr gewaltiger Körper vertraut – seit dem Auktionsrekord von 2008, als Christie’s Lucian Freuds Akt „Benefits Supervisor Sleeping“ für 33,6 Millionen Dollar versteigerte. Noch nie hatte das Werk eines lebenden Künstlers so viel eingebracht.
Fünf Jahre später, an einem sonnigen Morgen, öffnet das Aktmodell die Tür zu ihrem kleinen Apartment im Londoner East End. Bekleidet. Sue Tilley trägt ein weites schwarzes Gewand über der Hose, die wuscheligen dunklen Haare hat sie hochgesteckt, trägt glitzernde Ballerinas an den Füßen. Eine 56-Jährige ganz ohne Falten, die viel lacht.
Freud nahm nicht jeden. Mick Jaggers Exfrau Jerry Hall soll er rausgeschmissen haben. „Big Sue“ wollte er haben. Eine barocke, lebenslustige Frau, städtische Angestellte. Tilleys bester Freund hatte sie zusammengebracht, Leigh Bowery, eine schillernde Figur des Londoner Nachtlebens, Modedesigner und schwuler Dandy, der selber Freud-Modell war: Sein kahler Eierkopf, sein wuchtiger Körper sind auf etlichen Bildern zu sehen. „Leigh hatte beschlossen, dass ich Modell sitzen sollte.“ Und wenn Bowery etwas beschloss, war es Befehl. Da war er, so Tilley, dem Künstler ziemlich ähnlich.
Der Anfang war schrecklich: Stundenlang musste sie auf dem harten Boden des von Farbschichten überzogenen Londoner Ateliers liegen, „eine Tortur“. Zuerst dachte sie, das hält sie nicht durch, dann riss sie sich zusammen. Immerhin durfte sie sich an Kissen lehnen. „Die strotzten vor Dreck.“ Tilley hat’s gern aufgeräumt, so wie in ihrer Wohnung, wo wir auf einem kleinen Sofa mit einem Haufen Kissen und roter Decke sitzen, mit Blick auf Andy Warhol, einer ihrer Helden.
So hat sie sich, obwohl sie „nicht der Nudisten-Typ“ ist, vor dem Künstler nackt ausgebreitet und sich von ihm die Brüste zurechtruckeln lassen. Pragmatisch, hat sie sich gesagt, ein Arzt starrt einen ja auch nackt an. Allerdings nicht mit solcher Ausdauer wie Freud. Er war ein eigenwilliger moderner Künstler alter Schule: Er malte realistisch, nicht nach Fotovorlagen, sondern live und sehr genau. Neun Monate lang, drei Tage die Woche, fuhr Tilley nach Holland Park, den feinen Londoner Stadtteil. Das einzige Modell, für das Freud je sein altes Haus verließ, war die britische Königin.
Nein, bequem war das Leben als Freud-Modell nicht, aber so intensiv und anregend, dass es darüber einen ganzen Dokumentarfilm gibt. „Gruelling but delightful“, fasst ein Modell darin die Erfahrung zusammen. Auch Freuds eigene Kinder – die bei ihren Müttern aufwuchsen – ließen sich nackt malen von ihm. Bella, die Modedesignerin, Esther Freud und Rose Boyt, beide Schriftstellerinnen, haben erzählt, wie sie ihren Vater dabei erst richtig kennengelernt haben.
Es gab für Freud nichts Wichtigeres als die Kunst, dahinter musste alles andere, auch die Familie, zurückstecken. Bis zu seinem Tod hat er Tag und Nacht gearbeitet, Sue Tilley kam für ein Porträt immer abends nach der Arbeit, für ein anderes am Wochenende und an ihren freien Tagen. Mal döste sie oder ließ die Gedanken schweifen, oft unterhielten sie sich. So böse lästerte Freud über seinen Bruder Clement, dass sie sich nicht mehr einkriegten vor Lachen, dann wieder sprach er von seiner Mutter, die er in den letzten Jahren seines Lebens immer wieder malte. „Er war sehr traurig, als sie starb.“ Freud, der sich selbst fast allen Journalisten verweigerte, berichtete aus den fünf Zeitungen, die er täglich las, sie erzählte ihm kleine Geschichten vom Amt. Er war neugierig, brennend an Liebesgeschichten interessiert, weil er sich selber dauernd verliebte. Auch in Modelle. Für Tilley dagegen hatte die intime Situation nichts Erotisches, nie hätte sie sich verguckt in den Meister. „Ein Albtraum.“ Sie wusste zu gut, wie er mit Frauen umging.
Von der Psychoanalyse hielt Freud nichts. Dabei tat er im Grunde nichts anderes als sein Großvater, blickte den Menschen tief in die Seele, war der Wahrheit auf der Spur. Nur dass er seine Beobachtungen in Bilder statt Worte fasste. „Und er sah alles!“ Auch wenn Tilley mal ein Shampoo mit ganz leichter Tönung benutzt hatte. Da hat er geschimpft, jede Veränderung war strengstens verboten. Was auch sein Gutes hatte, wie sie kichernd erzählt: Endlich hatte sie mal eine Entschuldigung, keine Diät machen zu müssen. Und Freud hat seine Modelle immer gut gefüttert, sogar selbst bekocht.
Aber sie musste aufpassen, was sie sagte. Wenn sie den Hummer lobte, den er ihr servierte, kredenzte er ihn danach jeden Tag. Pur, ohne Brot. Freud, der so hager war wie Tilley opulent, lehnte Kohlehydrate ab, um fit zu bleiben. „Ich liiiebe Kohlehydrate,“ erklärt Tilley.
Trotzdem, sein Eigensinn gefiel ihr, seine Widersprüchlichkeit. Dass er so großzügig wie geizig sein konnte, sie in die teuersten Restaurants einlud und dann seine Freundin anrief, wenn Sue ging, sie solle schnell kommen, in Sues Parkuhr stecke noch Geld für eine Stunde.
Nach dem spektakulären Aktionsrekord ihres Aktes bekam Sue Tilley nicht nur unlautere Angebote von der Schmuddelpresse (die sie alle ablehnte), sondern wurde gern als Aschenbrödel porträtiert, das ein langweiliges Angestelltenleben lebte, bis der große Künstler sie in die Welt der Bohème einführte. Dabei war sie dort längst als Muse zu Hause. Sie gehörte zum Inventar des legendären polysexuellen Nachtclubs Taboo ihres Freundes Leigh Bowery. Ein Abend, an dem sie nicht umkippte, so Tilley, war ein schlechter Abend. Aber am Morgen stand sie wieder auf und ging zur Arbeit.
Die hatte sie sich selbst ausgesucht. Kunst auf Lehramt hatte sie studiert, aber sich zu Tode gelangweilt. „Customer service manager“ nennt sich ihr heutiger Posten als Abteilungsleiterin beim Arbeitsamt in einem ungemütlichen Teil des Londoner Nordens. Sie macht keine große Philosophie daraus, es ist ihr Job, er gefällt ihr, damit verdient sie ihr Geld. Vier Tage die Woche, damit genügend Zeit bleibt, um das Leben zu genießen, Freunde zu treffen, auf dem Bett Schundromane zu lesen, im Bus Gesprächen zu lauschen.
Freuds fleischiges Modell zu sein, hat sie berühmt, nicht reich gemacht. Auf mehreren Bildern hat er sie verewigt – eins davon, eine eher düstere Lithografie, hängt in ihrem Wohnzimmerchen. Nach der spektakulären Auktion wurde sie bestürmt, ob es sie nicht ärgere, gerade mal 20 Pfund am Tag für stundenlanges Stillliegen gekriegt zu haben (im Laufe von vier Jahren arbeitete sie sich auf 33 hoch). Sue Tilley zuckt mit den Schultern. Sie habe es doch nicht wegen des Geldes getan! „Freud war der amüsanteste Mensch, der mir je begegnet ist.“
Als Tilley Mitte der 90er Jahre für das berühmte Gemälde auf Freuds Couch lag, war Leigh Bowery gerade an Aids gestorben. Das ist es, was sie selbst vor allem in dem Porträt sieht: ihre große Traurigkeit. Ein paar Jahre danach hat sie ein Buch über den Freund geschrieben.
Nein, sie ist nicht der Typ, der irgendwas bereut. Das Leben scheint für sie wie eine große Wundertüte zu sein, aus dem immer mal wieder was rausfällt, womit sie überhaupt nicht gerechnet hat, worüber sie sich umso mehr freut. „Die Dinge, die mir passieren, sind so bizarr! Praktisch jede Woche widerfährt mir was. Wahrscheinlich weil ich es zulasse.“
Das Einzige, was die Frohnatur bedauert: kein Tagebuch geführt zu haben. „Dann hätte ich das Buch schreiben können, das Martin Gayford 2010 veröffentlichte“: „Mann mit blauem Schal“ (auf Deutsch im Piet Mayer Verlag). Ein spannender Bericht über die anderthalb Jahre, die der Kunstkritiker für zwei Porträts saß. Etwas eitel findet Tilley es. „Aber es hat viele Erinnerungen zurückgebracht.“
Freuds Porträt von Gayford ist eines der wenigen, auf dem der Dargestellte freundlich guckt. Der Künstler war erbarmungslos. Wer ihm Modell saß, musste nicht nur Zeit, Geduld und Stillhaltevermögen mitbringen, sondern auch eine satte Portion Mut und Uneitelkeit. Nicht schmeicheln wollte er mit seiner Malerei, sondern erstaunen, so hat er erklärt, „verstören, verführen“.
Wer weiß, was Sigmund Freud gesagt hätte, wenn Lucian sich bei ihm auf die Couch gelegt hätte.



Siehe auch Frank Auerbach







Caspar David Friedrich

Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (1. 4.1820)

Ausgemachte Sensation in den Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden 2020: Die Restaurierung von Capar David Friedrichs Meisterwerk bringt Erstaunliches zu Tage. Wer Friedrichs Bild im Dresdner Albertinum kennt, der romantisch, aber von den Farben her irgendwie ein wenig düster in Erinnerung. Eben diese Düsternis, da sind sich die Experten einig, ist komplett vom Meister nicht so gewollt, sondern legte sich über die Jahrhunderte als eine Art Patina auf das Bild.
2 Jahre lang bemüht sich ein Expertenteam. "Nachdem das Bild gründlich gereinigt war", so ihr Sprecher, "sehen wir deutlich leuchtendere Farben als bisher." Die eigentliche Sensation verbirgt sich aber in einem Detail: "Auf einem eher kleinen Bildausschnitt zeigt sich, dass Caspar David Friedrich das ursprüngliche Werk übermalt hat."

Disput unter den Experten: die neuen Farbschichten abtragen, oder besser an Ort und Stelle lassen? Sie bringen das Bild unter strenger Geheimhaltung in ein mit hochmodernen Computerscannern ausgestattetes Labor in Belgien und lassen es röntgen. Sensationellen Ergebnis: ein Bierglas!
"Wir waren zunächst völlig perplex und haben an einen Fehler der Technik geglaubt ... Wir haben in einem norddeutschen Archiv bisher unbeachtete Briefe Caspar David Friedrichs gefunden", erläutert der Kunstprofessor. "Daraus geht hervor, dass der Künstler damals recht knapp bei Kasse ist und nach einträglichen Auftragsarbeiten sucht. Aus einer Randnotiz ist erkennbar, dass er in Verhandlung mit einer Brauerei steht, die ein Werbemotiv bei ihm in Auftrag gegeben hat."
"Zwei Männer in Betrachtung eines Bieres" heißt das Ursprungsbild, findet aber keinen Gefallen bei den Auftraggebern, worauf der Meister einfach die entscheidende Stelle übermalt und den Titel des Bildes ändert.
Damit sind jetzt auch einige Fragen geklärt, die Kunstwissenschaftler schon seit Jahren beschäftigen. Denn die Blickachse der beiden Männer gibt schon lange Rätsel auf. Sie schauen eben nicht direkt auf den Mond, sondern auf einen Punkt darunter. Jetzt ist geklärt, warum.
Nachtrag: Chefexperte ist Prof. Pirmas Balandis von der Universität Vilnius.

Lange verkennen die Menschen die Qualität Caspar David Friedrichs - heute ist er einer der populärsten Künstler Deutschlands. Weitaus begabter, als seine Bilder vermuten lassen, schafft er zahlreiche rasch hingeworfene Aquarelle nach Erscheinungen des Himmels und der Wolkenbildung. Im Atelier arbeitet er mit ungewöhnlichem Fleiß in einer glatten Manier weite Landschaften aus: Meeresküste, Wiesen seiner Heimat, Täler des Riesengebirges, Motive aus dem Harz und von der Insel Rügen, Kreuze auf Bergen, Bäume, Klosterruinen...
Sein Freund Kersting hinterlässt uns sein Bildnis vor der Staffelei in einem kahlen, nüchternen Atelierraum. In seiner Art unmodern geworden, stirbt er in Not und Elend. Erst die Nachwelt hat das Unrecht wieder gut gemacht und die Bedeutung seines Genies erkannt.
Der bedeutendste Künstler der deutschen Frühromantik, leistet einen originären Beitrag zur modernen Kunst, indem er in revolutionärer Weise den Bruch mit Traditionen der Landschaftsmalerei von Barock und Klassizismus vollzieht. Der Themen- und Motivkanon dieser Bilder vereinigt Landschaft und Religion vorzugsweise zu Allegorien von Einsamkeit, Tod, Jenseitsvorstellungen und Erlösungshoffnungen. Friedrichs von Melancholie geprägtes Welt- und Selbstverständnis ist exemplarisch für das Künstlerbild in dieser Epoche der Romantik. Der Maler macht mit seinen Werken bei weitgehend unbekannten Bildkontexten sinnoffene Angebote, die uns mit seiner angesprochenen Gefühlswelt in den Deutungsprozess einbeziehen.



In Greifswald beschäftigt er sich intensiv mit der


Klosterruine Eldena

einem zentralen Motiv des gesamten Werkes, als Symbol des Verfalls, der Todesnähe und des Untergangs eines alten Glaubens.


Der einsame Baum

Mit der Eiche als Motiv im Zentrum der Dorflandschaft steht Friedrich in ikonografischer und literarischer Tradition des Barock und der Dresdner Maler seiner Zeit. Vorbilder sind Domenichino und Claude Lorrain, im 18. Jahrhundert Jacob Isaacksz, van Ruisdael und Jens Juel sowie Anfang des 19. Jahrhunderts Johann Christian Klengel. In der Literatur preist Ludwig Gotthard Kosegarten 1798 die Eiche als „Baum Gottes“ und ein Gedicht Christian Friedrich Daniel Schubarts stellte 1786 einen solchen Baum als nationales Freiheitssymbol dar.
Aufregung in Bottrop-Kirchhellen: Das Telefon steht nicht still, jemand postet im Internetforum "Wald und Holz", Förster Volker Adamiak sei am Wochenende in Berlin verhaftet worden. Er habe mit einem roten Edding Punkte auf das Bild "Der einsame Baum" von Caspar David Friedrich in der Alten Natinalgalerie Berlin gemalt und den Baum so zur Fällung ausgezeichnet.
Als Sicherheitsbeamte ihn festnehmen wollen, schlägt er um sich und schreit: "Der Baum ist nicht verkehrssicher! Der Baum ist nicht verkehrssicher!" Skandal -->



Das Bild von 1822, auch "Dorflandschaft bei Morgenbeleuchtung" oder "Eine grüne Ebene" oder "Harzlandschaft" hängt in der Berliner Nationalgalerie mit seinem Pendant "Mondaufgang am Meer".



Ein religiöer Interpret sieht in der Dorflandschaft das irdische Leben, mit Hinweisen auf Transzendenz. Die Verbindung zum Überirdischen stellen die Spiegelungen des Himmels im Teich und die fernen Kirchen her. Baumstumpf und Ruine einer Burg sind Symbole der Vergänglichkeit. Eine historische Interpretation ordnet den hintereinander geschichteten Raumzonen entwicklungsgeschichtlichen Sinn zu. Das nicht kultivierte Sumpfgebiet verkörpert die vorgeschichtliche Zeit der Menschheit, die Eiche Symbol des vorchristlichen Heidentums sowie der germanischen Vorzeit und in die Ebene erstreckt sich die durch menschliche Arbeit gestaltete Natur.
Eine etwas andere historische Deutung erkennt in den Raumzonen historische Epochen, nennt sie Urzustand der Menschheit, harmonisch geselliges Zusammenleben und christliches Mittelalter. Symbole wie die teilweise entlaubte Eiche und die Ruine zeigen die Vergänglichkeit der Epochenzeit an. Wieder eine Variation: Die Spiegelung der menschlichen Geschichte in der zeitgenössischen politischen Realität. Restauration, die nur im Dialog mit der Altdeutschen Tracht im Pendant Mondaufgang am Meer plausibel ist. Oder einfach Kulturlandschaft, die der Mensch in Jahrhunderten umgestaltet hat, die Eiche als Sinnbild des Geschichtlichen, als Zeichen für die in die Gegenwart hinein reichende Vergangenheit.
Oder persönliche, familiäre Bezüge? Im Vordergund die Kompilation der Landschaft nördlich von Pfarrhaus und Gutshaus in Breesen. Eine Wiese mit einer einzelnen Eiche und einem Weiher mit einer Eichengruppe. In die Tiefe des Bildes entwickelt sich die Erzähl- und Sehnsuchtslandschaft, Friedrichs Schwester Dorothea zuzuordnen, die im mecklenburgischen Pfarrhaus bis 1808 lebt.
Einigkeit herrscht darüber, beide Bilder zusammen zu denken. Die Tageszeiten verbinden sich mit der menschlichen Geschichte und der zeitgenössischen politischen Realität oder erzählen vom Tod geliebter Menschen und Abschied von einer vertrauten Landschaft. Beide Gemälde gelten nach dem 'Mönch am Meer' und der 'Abtei im Eichwald' als bedeutendstes Bildpaar in Friedrichs Werk.
Mit der Eiche als Motiv im Zentrum der Dorflandschaft steht Friedrich in ikonografischer und literarischer Tradition des Barock und der Dresdner Maler seiner Zeit. Vorbilder sind Domenichino und Claude Lorrain, im 18. Jahrhundert Jacob Isaacksz, van Ruisdael und Jens Juel sowie Anfang des 19. Jahrhunderts Johann Christian Klengel. In der Literatur preist Ludwig Gotthard Kosegarten 1798 die Eiche als „Baum Gottes“ und ein Gedicht Christian Friedrich Daniel Schubarts stellte 1786 einen solchen Baum als nationales Freiheitssymbol dar.



Nachtrag 1): Chefexperte ist Prof. Pirmas Balandis von der Universität Vilnius, was wörtlich aus dem Litauischen übersetzt heißt: "erster April". Habt Ihr den Scherz erkannt? Falls nicht, hier die Richtigstellung: Caspar David malt natürlich keinen Bierhumpen, sondern nur einen Mond, und diesen betrachten seine beiden Wanderer seit eh und je. Ob sie nach dieser Betrachtung noch einen heben, kann die Wissenschaft nicht sagen.



Nachtrag 2):
Und was war mit dem Förster?
2. Aprilscherz: In der Nationalgalerie verhaftet die Polizei keinen Förster.
Förster Volker Adamiak geriet in die Schlagzeilen, weil er in Bottrop viele alte Buchen fällt. Begründung: Verkehrssicherung. Der BUND-Bottrop bittet in einem Brief um Stellungnahme, die Adamiak verweigert. Deshalb postet ein Spaßvogel, er sei am Wochenende in der Nationalgalerie Berlin verhaftet worden. Er habe mit einem roten Edding Punkte auf das Bild gemalt und den Baum so zur Fällung ausgezeichnet.



Zwei Männer in Betrachtung des Mondes







Alexandra Fröhling



Der Weg durchs Mittelalter
Acryl, Öl auf Holz 2017

"Mich interessieren und bewegen Fragmente vergangener Epochen. Sie strahlen Vergänglichkeit und Melancholie aus."
Alexandra Fröhling ist 1968 in Hamburg geboren, wo sie auch heute als freischaffende Künstlerin tätig ist, interessiert an der Kunst und dem Arbeiten in frühzeitlichen Techniken. Die Höhlenmalerei von Lascaux, Wandmalereien in italienischen Katakomben aus dem 5 Jh. vor Chr. oder Mosaike aus Ägypten begeistern sie. Die Künstlerin recherchiert in antiken Landkarten und Büchern und lässt diese Inspiration in ihre Werke einfließen. Sie kreiert Malereien und Collagen, die geheimnisvoll anmuten und aus einer vergangenen Epoche zu stammen scheinen.
Alexandra Fröhling kombiniert in ihren Werken Materialien wie Paste, Ölkreide, Blattgold, Pigmente und Acrylfarben in Erdtönen oder kalkigem Weiß. Schichtweise erschafft sie elegante und ästhetische Welten, deren Bruchstellen und Aussparungen sie bewusst offen lässt. Ihre antik anmutenden Werke laden den Betrachter auf eine mentale Reise in vergangene Zeiten ein.



Regen über der Rennstrecke

Die Webseite der Künstlerin.