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(mit Vollbild F11 am schönsten!)




Francis Bacon



Studie für ein Selbstporträt - Triptychon
1973

Bacons (1909 - 1992), geboren in Dublin, Meisterwerk: Eine brutal ehrliche Prüfung der Wirkung von Alter und Zeit auf Körper und Geist. Eines seiner persönlichsten Werke. Und doch auch eines der am wenigsten experimentellen und konventionellen Gemälde. Er hat Speck angesetzt, die Müdigkeit des Alters und die Komplikationen des Ruhms führen ihn zu einer Einschätzung, die er auf seine Arbeit zu übertragen versucht.
Aufgebaut mit sehr ebenen und glatten Pinselstrichen aufgebaut, meist braune, creme, weiße und schwarze Farben, außer um die Gesichter. Er sitzt mit gekreuzten Beinen, die Hände um die Knie. Er hat nie einen Spiegel für diese Arbeiten verwendet und behauptet, dass er den Anblick seines eigenen Gesichts gehasst habe, vor allem von nah, und immer mehr, je älter er wurde. Im linken und mittleren Panel haben sich große Teile des Kopfes aufgelöst oder fehlen. Er zitiert Jean Cocteau, der sagte: Ich sehe jeden Tag in den Spiegel, da kann ich den Tod bei der Arbeit zusehen.‘

In den 1970ern verliert er viele seiner Freunde, 1971 nimmt sich sein langfristiger Liebhaber George Dyer das Leben.
Bacon setzt sich vornehmlich mit der Darstellung des deformierten menschlichen Körpers in eng konstruierten Räumen auseinander. Bekannt sind seine Papstbilder, Kreuzigungsdarstellungen und Porträts seiner engsten Freunde. Die ungeschönten Figuren und gewagten Darstellungen sind oftmals grotesk und emotionsgeladen. Er habe „in Serien“ gedacht, wobei er sich normalerweise über einen längeren Zeitraum hinweg auf ein einziges Subjekt konzentriert und dieses häufig in Form eines Triptychons oder Diptychons ausgeführt habe. Seine Arbeiten sind Sequenz oder Variation eines einzelnen Motivs.

1944 gelingt ihm der Durchbruch als Künstler mit dem Triptychon "Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung". Seit Mitte der 1960er beschäftigt er sich mit Porträts von Freunden und Trinkgefährten. Ab den 1970ern wird Bacons Kunst zunehmend düster, nach innen gerichtet, setzt sich mit dem Lauf der Zeit und Tod auseinander.
Francis Bacon malt erst 1956 sein erstes Selbstporträt und 1958 schließlich das zweite. In den folgenden Jahrzehnten befasst er sich mehr und mehr mit dem menschlichen Körper und porträtiert seine engen Freunde und sich selbst. Bacon malt die Porträts oft als Triptychen, da er jedes Bild in ständiger Veränderung sah. „Ich sehe Bilder in Serien. Ich vermute ich könnte über das Triptychon weit hinausgehen und fünf oder sechs nebeneinander stellen, halte aber das Triptychon für eine ausbalancierte Einheit.“ Diese Tafeln setzt er in einzelne Rahmen, da er die Verbindung innerhalb der Bilder, welche der Betrachter automatisch aufbaut, dadurch zu hinterfragen und zu unterbinden versucht. Auffällig bei den Selbstporträts, aber auch den Porträts allgemein, sind die Kreise, Schraffuren und Ovale welche das Gesicht des Dargestellten dominieren. Es ist ein weiterer Versuch Bacons, den Betrachter von traditionellen Porträts zu distanzieren und das Illustrative zu vermeiden. Auch fällt es dem Gegenüber dadurch schwer, einen Ruhepol in dem Gesicht ausfindig zu machen. Stets wandert der Blick umher und folgt den geometrischen Formen. Gleichzeitig gliedern diese Formen aber auch das Gesicht, was durch die jeweilige Farbigkeit verstärkt wird. „Weil ich immer hoffe, die Leute so umzuformen, dass ihre Ausstrahlung deutlich wird; ich kann sie nicht wörtlich abmalen“. Das Zitat lässt erkennen, dass es ihm auch nicht um die Wiedergabe der äußeren Erscheinung einer Person ging, sondern um dessen Ausstrahlung. Bacon gibt uns in diesen Gesichtern Hinweise, wo Nase, Augen, Mund oder Haare zu finden sind, lässt sie uns aber nicht definitiv erkennen. Das Porträt soll die Gefühle wiedergeben, welche der jeweils abgebildete Mensch charakterisiert und welcher er oft empfindet. So vereint er unterschiedliche Gefühle und Emotionen, mit der jeweiligen körperlichen Umsetzung, in einem Bild.



Ungeachtet seiner existentialistischen Einstellung war Bacon höchst charismatisch, einnehmend, belesen und wortgewandt, wie aus den Interviews und Gesprächen mit David Sylvester hervorgeht. Der Kunstkritiker Robert Hughes beschreibt ihn als den unfehlbarsten und lyrischsten englischen Künstler des 20. Jahrhunderts, bezeichnet ihn neben Willem de Kooning als einer der einflussreichsten Maler der beunruhigenden menschlichen Figur in den 1950ern.







Ernst Barlach

Aus einem neuzeitlichen Totentanz

Die Lithografie erscheint 1916 in der pazifistischen Zeitschrift "Der Bildermann". Verleger und Galerist Paul Cassirer macht zum Kriegsausbruch selbst Erfahrungen im Kriegsdienst und Lazarett, die zu seiner kriegsfeindlichen Gesinnung beitrugen.
Barlach (1870 - 1938), geboren in Wedel, lässt die Gestalt des Todes als dämonischen Riesen erscheinen, der mit erhobenen Armen einen Schmiedehammer über die sterblichen Überreste der Menschen rasen lässt und auch noch die letzten Knochen zertrümmert. Zeichen der abgelaufenen Lebenszeit: Sense und Sanduhr nebeneinander auf dem Boden. Die Krähen als Unheilsbotschafter begleiten den Tod bei seiner Tat und verdüstern die Szenerie noch einmal. Wie Georg Heyms Gedicht "Der Krieg" stellt Barlach den Krieg als große unbekannte Gestalt dar, die ihren Schrecken während der Dämmerung verbreitet.

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerwälder, daß die Flamme brenne mehr.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht

Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.

Barlach greift in der Grafik das Traditionsmotiv des Totentanzes auf. Als Kunstform, die Bild und Text miteinander verbindet, erlangt die Totentenzthematik bereits im ausgehenden Mittelalter große Bekanntheit und mit den beiden Weltkriegen erlebt das Motiv eine Renaissance. Klassisch sind mehrere menschliche Gestalten aus der damaligen Ständeordnung zu sehen, die von tanzenden oder springenden Skeletten als Personifikation des Todes umringt sind. Über die Jahrhunderte verändern sich Komposition und Auslegung des Themas, aber die warnende Grundaussage bleibt: Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Alter, Geschlecht und Stand.


Selbstbildnis



Ernst Barlach: Der Schauplatz seiner Dramen





Georg Baselitz

Die große Nacht im Eimer


Baselitz, geboren in Sachsen 1938.
1963 beschlagnahmt die Staatsanwaltschaft das Bild wegen Unsittlichkeit, der Strafprozess endet 1965 mit Rückgabe des Bildes.
Es zeigt eine masturbierende Figur. Klaus Gallwitz: „Die Gestalt, die vom Körperbau an einen Jungen erinnert, steht mit gespreizten Beinen da und hält mit der linken Hand einen überdimensionierten Phallus. Sie schaut am Betrachter vorbei.“ Die schmächtige Figur steht im extremen Kontrast zur überbetonten Männlichkeit: „Die Gesichtsform, wie der Oberkörper mit informellen Pinselzügen bedeckt, hat außer den Augen und einem großen Ohr, keine weiteren physiognomischen Züge.“
Die Sujets bleiben in den Bildern ohne Kontext und vermitteln in Farbigkeit und malerischer Auffassung Zustände ihrer Auflösung. Baselitz selbst nennt seine Farbtöne „zermanscht“ und erklärt später diese Frühphase in seinen Arbeiten als „Pubertätsschlamm“.
Weiter mit Weltsicht eines Weltkünstlers





Antonio Basoli



Veduta portico Santa Maria dei Servi
1836 (Bologna).

Der italienischer Maler, Innenarchitekt, Bühnenbildner und Graveur (1774 - 1848) ist hauptsächlich in Bologna tätig.
1801-1803 malt er Fresken an einigen Orten im Friaul, darunter die Casa Muratori in Triest und einen Palast in Spilimbergo. 1818 Reise nach Mailand in das Atelier des wichtigsten Bühnenbildners der Scala, von dem sich Basoli für viele Bühnenbilder inspirieren lässt.
Basolis Alphabet







Vanessa Bell

Duncan Grant, erkältet


Wer die Vanessa-Bell-Ausstellung in der Dulwich Picture Gallery betritt, dessen Blick fällt auf das Bild mit Duncan Grant vor einen Spiegel, der ein Handtuch um den Kopf gewickelt hat. Der Moment wirkt intim und verschämt, wie eine domestizierte Umkehr der Venus vor dem Spiegel.
Wenige Besucher wissen, wie skandalös Bilder und Leben ihrer Schöpferin waren.
Vanessa Bell (1879 - 1961), geboren London, lebt in offener Ehe mit dem Kunstkritiker Clive Bell, macht Nacktfotos von ihren Freunden und Kindern und hat eine Affäre mit Duncan Grant (der schottische Maler, der eigentlich überwiegend mit Männern schläft). Ihre progressive Einstellung gegenüber freier Liebe und ihre allgemeine Weltoffenheit machen sie zur "bodenständigen, domestizierten Göttin" der queren Szene von Bloomsbury.

Vanessa Stephen, geboren in London als älteste Tochter des angesehenen Wissenschaftlers Leslie Stephen und der Muse der Präraffaeliten, Julia Stephen, und wächst hier auf. Bereits in jungen Jahren, so schreibt die Künstlerin, versucht sie, die spießige viktorianische Einöde im Hause ihrer Eltern zu durchkreuzen. Zum Beispiel versteckt sie regelmäßig Familienerbstücke und zwingt ihren Bruder, ihr zu helfen, den protzigen Kronleuchter im Foyer abzuhängen. 1904, nach dem Tod ihrer Eltern, zieht sie mit Schwester Virginia (links, von Vanessa gemalt - die spätere Schriftstellerin Woolf) in den Londoner Stadtteil Bloomsbury und lebt dort nach ihren eigenen Vorstellungen.
Ein Jahr später gründet Bell die legendäre Künstlergruppe Friday Club, die von ihren Reisen nach Paris inspiriert worden ist. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören über die Jahre einige der einflussreichsten Maler Großbritanniens. Bell macht sich mit ihrer Vorliebe für künstlerische Kollektivarbeiten und ausgefallene Dinner-Partys einen Namen. In Bloomsbury verkehren die Schwestern im selben Kreis wie der Schriftsteller E. M. Forster, der Ökonom John Maynard Keynes, natürlich auch Kunstkritiker Clive Bell und der Schriftsteller Leonard Woolf - die beiden zukünftigen Ehemänner der Schwestern.




Um weitere viktorianische Grundsätze wie Keuschheit und Treue abzuschütteln, führen die Schwestern eine offene Ehe, jede von ihnen hat Liebhaber. Obwohl sie zu Beginn des ersten Weltkriegs nicht mehr zusammenleben, bleiben sie enge Freunde und lassen sich nie scheiden.
1918 zieht Bell mit ihren beiden Söhnen sowie Duncan Grant, Bloomsburys schwulem Frauen-schwarm, und seinem bisexuellen Liebhaber David Garnett nach Charleston/Sussex. Trotz Grants Präferenz für Männer kommen sie sich sowohl als Freunde wie als Liebhaber näher und führen eine familiäre Dreiecksbeziehung. Als Bell ihre Tochter Angelica bekommt - ihr drittes Kind - zieht Clive Bell (links, von Vanessa gemalt) sie gemeinsam mit ihren beiden älteren Brüdern wie sein eigenes Kind auf. Angelica heiratet später Garnett, was aber selbst Grant und Bell mit ihrer offenherzigen Einstellung einen Schritt zu weit geht. Die Beziehung entwickelt sich zu einem permanenten Streitthema zwischen Angelica und ihrem biologischen Vater.










Neben der Malerei ist Bell auch leidenschaftliche Designerin der Gestaltung und Dekoration ihrer Häuser. Sie lässt trotzdem ihre häuslichen Aufgaben nicht unter ihrer Kunst leiden: Vielmehr betrachtet sie ihre Rollen als Mutter, Liebhaberin und Hausfrau als verschiedene Facetten ihrer Künstlernatur und passt all ihre Rollen an ihr kreatives Leben an. Dabei nutzt sie allerdings auch jede Gelegenheit, um den Idealen vergangener Jahrhunderte eine Absage zu erteilen, wenn sie ihren eigenen Überzeugungen widersprachen.
Auch ihre künstlerischen Arbeiten sind Absage an die viktorianische Weiblichkeit, die bornierte Sicht auf Schönheit und die konventionellen Vorstellungen von Familie. Dieselben vehementen Überzeugungen übertragen sich auch auf ihre politischen Ansichten. Bell ist ein Leben lang entschiedene Pazifistin und bezeichnete das sinnlose Töten im 1. Weltkrieg als "Idiotie." In Briefen wettert Bell gegen die sozialen Sitten und die Wertevorstellungen der Oberschicht, in die sie geboren wurde. Sie verhöhnt die "respektablen Reichen" und ihre Vorstellungen von einem "konventionellen Zuhause."

Bell übernimmt Elemente von Modigliani, Sargent und Matisse und verwandelt sie mit ganz eigenem Duktus in die raue Verspieltheit einer Malerin, in deren Augen Malerei nicht vom Leben zu trennen ist, sondern mittendrin stattfindet. Allein mithilfe ihrer Farben und Linienführung stellt uns Bell die Stimmung ihrer Motive in schwungvollen blaugrünen Pinselstrichen dar. In einem Porträt von Virginia zeigt sie uns in einem einzigen verschwommenen Farbstrich die depressive Gedankenverlorenheit ihrer Schwester.

Hat unsere Zeit große Fortschritte gemacht, was die Sicht auf Frauen betrifft? In unserer Gesellschaft ist es nach wie vor so, dass man die Arbeit im Haushalt als intellektuell minderwertig, Mutterschaft als schädlich für die Karriere und Weiblichkeit als Bürde betrachtet.

Umso interessanter ist es, dass einige eindrucksvollsten Motive Vanessa Bells die mit Abstand häuslichsten und "weiblichsten" sind, etwa das Gemälde "Oranges and Lemons" von 1914, das Bells Freude zeigt, als Grant ihr einen Strauß Blumen schenkt.



Oder ihr 1935 entstandenes Werk "Interior with the Artist's Daughter", das ihre Tochter Angelica beim Lesen in der Familienbibliothek zeigt, eine der markantesten Arbeiten von Bell, weil es zeigt, wie sie den Wert der minderwertig angesehenen Arbeit als Mutter und Hausfrau durch ihre Kreativität erhöht. Bell vermittelt weder den Eindruck, als wäre sie eine Mutter, die die Zeit findet, sich künstlerisch zu betätigen, noch als wäre sie eine Künstlerin, die Zeit findet, Mutter zu sein. Sie ist beides zur selben Zeit und mit großem Erfolg. Sie stirbt 1961
In Priya Parmas Roman "Vanessa and her Sister" von 2014 ist die Zeit zwischen 1905 und 1912 in der Form eines Tagebuchs auf beschrieben (Vanessa Bell hat selbst kein Tagebuch geschrieben).
Im Film "The Hours" von 2002 stellt Miranda Richardson die Künstlerin dar.
Rezeption In dem Film Carrington (1995) wird Vanessa Bell von Janet McTeer dargestellt, in The Hours (2002) von Miranda Richardson. Priya Parmas Roman Vanessa and her Sister (2014) nimmt die Zeit zwischen 1905 und 1912 in der Form eines Tagebuchs auf, das Vanessa Bell selbst niemals geschrieben hat.







George Bellows



Blue Morning
Öl auf Leinwand, 1909





Der amerikanische Maler, Zeichner und Fotograf (1882 - 1925) geht 1904 nach New York, Studium an der New York School of Art. Hervorragender Techniker mit einem selbstbewussten, malerischen Stil. Schafft Bilder von Clubkämpfen, Straßenkindern, die im East River schwimmen, der Ausgrabungsstätte der Pennsylvania Station, sowohl progressive wie konservative Kritiker loben ihn.
AB 1910 unterrichtet er an der Art Students League , Heirat mit Emma Story, 2 Töchter. Nach 1910 gibt Bellows den für seine frühen Arbeiten charakteristischen urbanen Realismus und die dunkle Farbpalette auf, malt Landschaften, Seestücke und Porträts. Sein Stil ändert sich mit Erforschung der Farbtheorien von Hardesty Maratta und Denman Ross und später des kompositorischen Systems der dynamischen Symmetrie von Jay Hambidges.
On the Trail of George Bellows and the Ashcan Artists







Jean Georges Béraud



Le Boulevard St. Denis, Paris


Jean Béraud (1848 - 1935) französischer Maler und Graphiker
Geboren in Sankt Petersburg, Sohn des Bildhauers Jean Béraud, der hier beruflich tätig ist. 1853, nach dem Tod des Vaters, kehrt die Familie nach Paris zurück. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg entscheidet er sich für eine künstlerische Ausbildung, besucht die École des Beaux-Arts und bezieht ein Atelier im Künstlerviertel Montmartre.
1897 sekundiert er seinem Freund Marcel Proust. Man trifft sich im Wald von Meudon. Begleitet von zwei Sekundanten, dem Maler Jean Béraud und dem Fechtmeister Gustave de Borda.

Prousts Widersacher, der gut 15 Jahre ältere Dichter und Kritiker Jean Lorrain, ein extravaganter, offen homosexuell lebender Dandy, hat es gewagt, Prousts Erstling „Freuden und Tage“ hämisch zu besprechen und in einem perfiden Halbsatz zu insinuieren, dass Proust mit seinem jungen Freund Lucien Daudet, Sohn des hoch angesehenen Schriftstellers Alphonse Daudet, mehr als eine nur freundschaftliche Beziehung pflege. Als Homosexueller will Proust auf keinen Fall gelten, und so wählt er eine Reaktion, die besonders viril erscheinen soll.
Zwei Homosexuelle treten sich gegenüber, von denen einer keiner sein will. Proust schießt zuerst, doch die kraftlose Kugel versinkt zwei Meter vor Lorrains Füßen im Waldboden. Lorrain antwortet, wie es sich gehört, und feuert zurück. Zielwasser scheint er keines getrunken zu haben, sodass seine Kugel ihr Ziel weit verfehlt. Die Sekundanten stellen fest, dass die Angelegenheit damit zu den Akten gelegt werden kann. Gut für die Weltliteratur, dass auch Jean Lorrain ein schlechter Schütze war.
Seine Karriere beginnt Béraud als Porträtmaler.

Retour de l'enterrement
Das Bild von 1876 bringt für Jean Georges Béraud den Durchbruch. Es zeigt eine Trauergesellschaft nach der Beerdigung in entspannter Atmosphäre. Während sich ein Mann eine Zigarre anzündet, sind andere Personen ins Gespräch vertieft. Die Straßenszene bildet den Auftakt für zahlreiche ähnliche Motive. Seine Darstellungen der Champs-Elysées, der Hallen, von Montmartre oder der Seineufer sind detailgetreue Abbildungen des Pariser Alltagslebens während der Belle Époque. Der Stil seiner Malerei bewegt sich zwischen akademischer Malerei und Impressionismus. Während die meisten Impressionisten dem turbulenten Paris entfliehen und die Landschaft der Umgebung malen, findet Béraud in seinem Freund Édouard Manet und in Edgar Degas Vorbilder, zu deren Motiven ebenfalls die Darstellung des vitalen Stadtlebens gehört.
Ab 1890 wendet sich Béraud auch religiösen Themen zu. Die Gemälde erinnern an niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Bild von 1891, lebensnahe Umsetzung eines traditionellen Bildthemas, einer biblische Szene, in der die dargestellten Personen zeitgenössische Kleidung tragen, löst einen Skandal aus.

La Madeleine chez le Pharisien

Und so steht's geschrieben in der Heiigen Schrift:
Es bat Jesus aber einer der Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Alabastergefäß mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.
Da aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen wird ihn mehr lieben? Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er mehr geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt? Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!


Selbstbildnis, ca. 1909





Richard Bergh



Nils Kreuger


Wenn die Bilder des Schweden Berghs (1858 - 1919) aus den 1880ern eher realistisch sind, seien es Porträts von Freunden und Kollegen, so sind die Werke aus den 1890ern repräsentativ für die schwedische Nationalromantik, so z. B.


Riddaren och Jungfrun







Émile Bernard

Die blaue Kaffeekanne
1888

Der Französischer Maler, Grafiker, Kunsttheoretiker und Romanautor (1868 - 1941), der Freund Gauguins und van Goghs.
Um 1880 sucht er gemeinsam mit Gauguin nach einer unerhört neuen Bildsprache.
Doch Bernard fliegt nur für eine kurze Weile auf dem Fortschrittspfeil dieser Moderne mit. Seine Bilder von sauber sortierten Bretoninnen oder von Stillleben mit Orangen und Kaffeekanne illustrieren, wie Gauguin, Bernard und andere im idyllischen Künstlerort Pont-Aven die Kunst nach dem Impressionismus neu aufstellen. Auf ihren Bildern fügen sie in klar konturierten Farbflächen zusammen, was unter den Händen von Claude Monet und anderen Impressionisten zum Farbgestöber verflog - eine Wirklichkeit, die es nur noch als flüchtigen Sinneneindruck zu geben schien.

Emile Bernard macht den Symbolismus, jene Kunst, die Mensch und Natur als einen Hallraum großer Gefühle und noch größerer Sehnsüchte inszeniert. Bernards vergeistigte Bilder stellen genau jene Synthese des letzten Sinns vor Augen, der in der Epoche von Industrie, Geld und Kolonialismus verloren geht. Bernards Moderne erweist sich von Anfang an als Zukunftstraum, der sein Material aus Vergangenheiten bezieht, und den folgerichtig Künstler als konservativen Rebellen.







Meister Bertram von Minden

Grabower Altar
1383

Spätgotischer Flügelaltar und Hauptwerk Meister Bertrams, geboren in Westfalen (1340 - 1415), einer der ältesten vollständig erhaltenen Flügelaltare Norddeutschlands, erst 1902 als Werk von Meister Bertram identifiziert. Zum Altar gehören 79 Schnitzfiguren sowie 24 einzelne Tafelbilder. Der Altar ist vor allem für den ausführlichen Schöpfungszyklus berühmt, bei mittelalterlichen Altären einzigartig und erinnert in seiner umfassenden theologischen Programmatik an die großen Portale der gotischen Kathedralen Frankreichs. Schöpfung und alttestamentliche Geschichte sind nahtlos mit der Menschwerdung Gottes in Christus verknüpft. Die Geburt Jesu Christi ist eingeordnet in einen umfassenden Heilsplan Gottes.
Die Bilder: Erschaffung Adams und Evas, Baum der Erkenntnis, Verkündigung an Maria, Geburt Christi, Anbetung der Heiligen Drei Könige.
Weitere Tafeln:



Stifter des Altars sollen Bertram Horborch, zwischen 1366 und 1396 Bürgermeister von Hamburg, und sein Bruder, Theologieprofessor Wilhelm Horborch aus einer alten Hamburger Ratsherrenfamilie sein.
Der Grabower Altar Exempel für die bildnerische Gestaltung in der Zeit der Gotik:
Auf dem Gebiet der Tafelmalerei ist jede Einteilung nach lokalen oder nationalen Schulen mehr oder weniger willkürlich. Die gegenseitige Beeinflussung der Kunstzentren nimmt - vor allem dank der engen Beziehungen zwischen den einzelnen Fürstenhöfen - im 14. Jahrhundert Ausmaße an, die lange Zeit nicht wieder erreicht werden. Wie der mittelalterliche Roman, ist auch die gotische Malerei - selbst die religiöse - im allgemeinen eine höfische Kunst. Fürsten und Liebhaber der Kunst geben illuminierte Handschriften, Altarbilder oder den Bau prunkvoller Schlosskapellen in Auftrag. Die Beziehungen dieser Mäzenen erstrecken sich über ganz Europa. Sie schicken Künstler auf Reisen; Neuheiten verbreiten sich rasch, der Geschmack verfeinert sich überall fast gleichmäßig. In der Folge besitzt die Mehrzahl der zwischen 1360 und 1400 entstandenen Kunstwerke internationalen Charakter.
Die reichen Klöster nehmen an der Entwicklung teil, lassen sich von Italien und Paris anregen. Selbst auf die Hansestädte wirkt das ein, wie das Schaffen und des urtümlichen Meister Bertrams beweist.





Joseph Beuys



Fettecke, 1982
Der deutsche Aktionskünstler, Bildhauer, Medailleur, Zeichner, Kunsttheoretiker, Professor geboren Kredfeld (1921 - 1896): Als er im Frühjahr auf eine Leiter steigt und 5 kg Butter in eine Zimmederdecke seines Ateliers im Raum 3 der Düsseldorfer Kunstakademie klebt, schafft Joseph Beuys sein bekanntestes Kunstwerk: In fünf Meter Höhe schmiegt sich „Die Fettecke“ an den Putz der Wände. Aber nicht für immer. Richtig bekannt wird die Arbeit erst durch ihre Zerstörung wenige Monate nach Beuys’ Tod 1986. Ein Hausmeister der Kunstakademie entfernt den schon lange ranzig gewordenen Brotaufstrich und Beuys’ langjähriger Atelierleiter Johannes Stüttgen, dem der Künstler das Werk vermacht, klagt wegen Eigentumsverletzung. Der Prozess endet in zweiter Instanz mit einem Vergleich, und das Land Nordrhein-Westfalen, unter dessen Hoheit die Kunstakademie steht, zahlt Stüttgen 40.000 DM Schadenersatz.
Fett spielt eine besondere Rolle im Schaffen von Joseph Beuys. Er macht den Flugzeugabsturz im 2. Weltkrieg in einem Schneesturm über der Krim zum Mythos. Hätten Tataren ihn nicht mit Fett eingerieben und in Filz eingewickelt, dann hätte er schwerverletzt nicht überlebt. Fett und Filz werden so fester Bestandteil seines symbolträchtigen Vokabulars. Er schätzt das Fett insbesondere für „seine absolute Flexibilität“ und „seine Anfälligkeit gegenüber Temperaturschwankungen“, denn Kälte und Wärme sind ihm wichtig als Prinzipien in der Plastik. Fett könne man „mit Wärme bearbeiten, dann verfließt es sozusagen völlig. Dann kann man es aber wieder erkalten lassen und in eine Form bringen.“ Man könne es einfach in einen Raum hineinwerfen oder aus seiner „chaotisch zerstreuten, energieungerichteten Form“ eine „Nike von Samothrake modellieren“.
Ausgerechnet die Zerstörung eines Kunstwerks ist es auch, die Beuys 1973 ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt. Damals befindet sich eine von ihm bearbeitete Babybadewanne aus der Sammlung des Verlegers Lothar Schirmer im Schloss Morsbroich. Die Ausstellung ist noch nicht aufgebaut, als der SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath im Schloss ein Fest feiert. Die Teilnehmer erkennen die mit Pflastern, Fett und Mullbinden versehene Badewanne nicht als Kunst, sondern als praktisches, aber schmutziges Gefäß zum Geschirrspülen. „Och, dat alte Ding“, hieß es da, „dat kön wer doch schön saubermachen“, und dann schrubbt man kräftig. Das Gericht spricht Schirmer ebenfalls 40.000 DMark Schadenersatz zu, und Beuys erhält die Badewanne zurück, um sie neu zu bearbeiten. So bedauerlich die Zerstörung der Fettecke ist, so öffnet sie doch immerhin der Öffentlichkeit die - vielleicht ungläubigen - Augen dafür, dass Kunst nicht in Marmor gemeißelt auf einem Sockel stehen muss, sondern ebenso als verletzlicher Klumpen in einer Zimmerecke hängen kann.

Schreiende Selbstüberhöhung?
Der bekannte Kunstkenner und Autor Thwaites (1909 - 1981), in den 1970er Jahren Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks sowie Seminarleiter an der Düsseldorfer Kunstakademie, sieht Kunst als Spiegel der Erlebniswelt einer jeden Epoche. Gute Künstler sind für ihn diejenigen, die diese Wirklichkeit wahrhaftig und originell interpretieren. Andere - für ihn Kopisten und Epigonen - kritisiert er scharf wie Joseph Beuys, in dem er keinen Künstler, sondern einen demagogischen Verführer der Jugend sieht, den er sogar mit Adolf Hitler vergleicht. Beuys betreibe wie Adolf Hitler eine Ästhetisierung der Politik.
In den 1980er Jahren ist Beuys’ Verarbeitung des Nationalsozialismus ein wichtiges Thema unter den Kunsthistorikern in den USA. Unter anderen widersprechen Benjamin Buchloh, Thomas McEvilley, Frank Gieseke und Albert Markert der insbesondere in Joseph Beuys’ Umkreis vorherrschenden Meinung, dieser habe als einziger Künstler seiner Generation die Nazizeit nicht verdrängt. Buchloh sieht Beuys’ Verhalten, insbesondere dessen Stilisierung und Mythisierung des Flugzeugabsturzes über der Krim im 2. Weltkrieg (alles als erlogene Story widerlegt!) - , als ein Indiz dafür, dass der Künstler sich den Verdrängungsprozessen der Nachkriegszeit angeschlossen und sich mit deren „neurotischen Konditionen arrangiert“ habe.
Kunstkritiker Hans Platschek nimmt den kommerziellen Erfolg der 1970er und 1980er Jahre zum Anlass, die Ernsthaftigkeit des politischen Anspruchs der Beuysschen Sozialen Plastik in Frage zu stellen. Platschek hält Beuys in seinem Buch "Über die Dummheit in der Malerei" vor, „soziale Verhältnisse nur für seine Zwecke zu instrumentalisieren und tatsächlich den kapitalistischen Kunstmarkt besonders gut mit einem metaphysisch aufgeladenen Angebot zu bedienen.“ Beuys spreche, so Platschek, mit Erfolg vornehmlich ein saturiertes bürgerliches Publikum an. „Er liefert, Metaphysiker im Supermarkt, das Überirdische frei Haus.“ Mit seinem „Ansinnen, politische Zustände als Magie, die Warenwelt als Stilleben und soziale Verhältnisse als Bastelmaterial zu nehmen“, habe Beuys, ein Bedürfnis nach vermeintlicher Tiefsinnigkeit bedienend, „im Westen auf den Märkten Furore gemacht.“


vor dem Aufbruch aus Lager I

In Beuys’ Werk und Denken liegt ein Geflecht von Ganzheitsvorstellungen vor, dessen unsystematische Offenheit dem herkömmlichen Ganzheitsbegriff aus Stimmigkeit und Kohärenz entgegensteht. Der Entwurf einer Einheit aus Werk und Leben ist vom konventionellen Kunstbegriff nicht gedeckt.
Nicht nur Beuys macht die körperliche oder seelische Verletzung des Menschen, zum Leitmotiv seines Werkes - angesichts der schweren existenziellen Verletzungen durch Krieg, Vertreibung und Nachkriegszeit nicht verwunderlich.
Die Selbstverstümmelung van Goghs und die Tradition des Surrealismus mögen das Ihre dazu getan haben. Im Werk von Beuys taucht die Wunde thematisch in geballter Form auf. Seine eigene Geburt am 12. Mai 1921 bezeichnet er in seinem Lebenslauf als "Ausstellung einer mit Heftpflaster zusammengezogenen Wunde. Wenn man sich geschnitten hat, sollte man das Messer verbinden und nicht die Wunde", lautet ein paradoxer Aphorismus von Joseph Beuys. Das Paradoxon löst sich leicht auf, wenn man es als medizinische Weisheit liest, der zufolge die Ursachen zu heilen sind und nicht die Symptome.
Einen Schritt weiter geht Beuys in seinen beiden skulpturalen Arrangements im Lenbachhaus, die die Wunde von Körper und Geist in Bezug auf Geburt und Tod thematisieren. Da ist das Objekt


"Badewanne", eine Säuglingsbadewanne,

Der Künstler beklebt sie mit mit Heftpflaster und Mull. Sie soll die Geburt als Zusammenstoß eines höchst verletzlichen Körpers mit einer harten und festen Welt symbolisieren. Und so tritt dem neugeborenen Leben die Gefahr der Sterblichkeit oder auch nur der Verletzung oder der Gefährdung früh in Gestalt der strahlend weißen, harten, emaillierten Oberfläche der Wanne gegenüber. Dem oben erwähnten Paradoxon folgend, mindert Beuys' Heftpflaster und Mull das Gefährdungspotenzial.



Wand an Wand mit der Badewanne stehen im Lenbachhaus zwei Leichenbahren aus der Anatomie. Der Künstler gibt ihnen den poetischen Titel "zeige deine Wunde", was neutestamentarische Dimensionen hat. Er erinnert einerseits an die Worte Christi aus der Bergpredigt, die darauf abzielen, auf demütige Weise das Gegenteil von dem zu tun, womit man sonst durchs Leben kommt. Es ist der Aufruf, seine Wunden zu zeigen und sie nicht zu verstecken, aus der Verletzung eine Stärke zu machen. Die andere Assoziation, die mit dem Titel einhergeht, ist die Geschichte des Jesujüngers Thomas, der den auferstandenen Christus an seinen Wundmalen erkennen will. Die Aufforderung, seine Wunde zu zeigen, ist ein eher rüder Appell eines Ungläubigen.





Albert Bierstadt



The Rocky Mountains, Lander’s Peak
1863

In den romantisch-verklärten Arbeiten Bierstadts, des amerikanischen Malers deutscher Herkunft (1830 - 1902) ändert er oft um des Effektes willen Details und liebt dramatische Lichteffekte. Er steht in der Tradition der in Europa üblichen akademischen Landschaftsmalerei. Hierbei malt der Künstler Landschaften nicht schlicht ab, sondern komponiert in akademischer Manier - und bestimmte Landschaftstypen lösen im Menschen nach Überzeugung der abendländischen Maltradition bestimmte Emotionen bei uns aus. In dieser Tradition arbeitet auch Bierstadt.
Der in Solingen Geborene lässt sich in Deutschland ausbilden (beim Cousin seiner Mutter, dem Maler Johann Peter Hasenclever) und kehrt dann in die USA zurück, wo er 1859 mit dem Landvermesser Frederick W. Lander nach Westen reist und viel von dem, was er sieht, skizziert und dann in Ölgemälde verwandelt. Er malt sie auf übergroße Leinwände, die Rocky Mountains, das Yosemite Valley und romantisierte Indianerstämme.



Sturm in den Rocky Mountains, Mount Rosalie (1866), ein in der Nähe gelegener Berg erhält den Namen Mount Bierstadt.
Oberst Frederick W. Lander hat vom US-Innenministerium den Auftrag, eine Planwagenstrecke nach Kalifornien auszukundschaften. Bierstadt studiert vor allem Gegenden in Colorado und Wyoming und bringt eine Vielzahl an Skizzen, Fotografien und indianischen Artefakten mit nach Hause. Er bezieht ein Atelier in Manhattan, wo er seine neuen Bilder des amerikanischen Westens ausstellt und bald berühmt wird.
1863 unternimmt er in Begleitung des Schriftstellers Fitz Hugh Ludlow, dessen Frau Rosalie Osborne er noch im selben Jahr heiraten soll, eine Reise durch die Rocky Mountains, das Yosemite Valley, durch Oregon zum Columbia River bis an die Küste des Pazifischen Nordwestens Amerikas; der Schriftsteller veröffentlicht über diese Reise später ein Buch. Das Ehepaar baut sich eine Villa namens Malkasten, in Gedenken an den Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf, bei Irvington am Hudson River.

1867 begibt sich Bierstadt in Begleitung seiner Frau zu einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt nach Europa, wo er bereits zu großer Berühmtheit gelangt ist. Zwei seiner Bilder - The Rocky Mountains, Lander’s Peak (1863) und Storm in the Rocky Mountains, Mount Rosalie (1866) werden in London Königin Victoria vorgestellt. Die Meinung der Kritiker ist allerdings geteilt. 1868 stellt er seine Werke in der Königlichen Akademie der Künste Berlin aus.
Von 1871 bis 1873 lebt er mit seiner Frau in Kalifornien, bereist noch einmal den Westen und Kanada und besucht die Bahamas, wo seine Frau, die an Schwindsucht erkrankt ist, des milden Klimas wegen wohnt. Auf all diesen Reisen entstehen mehrere hundert Skizzen für spätere Ölbilder. Bis in die 1880er reist der äußerst produktive Bierstadt noch durch Nordamerika und schafft Auftragsarbeiten u.a. für die amerikanische Regierung.







Fritz Bleyl

Die Knieende
Bleistift auf braunem Velin um 1905

Der deutsche Architekt und Maler (1880 - 1966), geboren in Zwickau: Im Schaffensrausch der Gründungszeit "Die Brücke" entsteht diese Zeichnung, sie zählt zu den sogenannten "Viertelstundenakten". Diese schnellen Arbeiten der "Brücke"-Künstler dienen nicht nur der gegenseitigen Anregung, sondern häufig zur Umsetzung in das Medium Druckgraphik. Bis auf wenige Ausnahmen zerstören die Künstler viele dieser Zeichnungen selbst, die sie nicht als eigenständige Werke, sondern als Vorstufen ansahen. Die "Knieende" steht dem Holzschnitt Kirchners sehr nahe.


Holzschnitt "Knieender Akt"







Anna Katarina Boberg



Fischerboote im Hafen


Die schwedische Künstlerin Anna Boberg (1864 - 1935), verheiratet mit dem bekannten Architekten Ferdinand Boberg, ist die Tochter des Architekten Fredrik Wilhelm Scholander und Enkelin von Axel Nyström. Boberg, eine vielseitig künstlerisch tätige Person beschäftigt sich mit Keramik und Textilien (u. a. "Pfauenvase" für Rörstrand), Malerei, Bühnenbild und Schriftstellerei, obwohl aus einer Künstlerfamilie stammend, Autodidaktin.
1887 beginnt sie ernsthaft zu malen, hauptsächlich mit Aquarellfarben, 1888 erste Ausstellung. In den 1890ern malt sie auch "Tapisserien", Ölgemälde auf rauer Leinwand, die an gewebte Wandteppiche erinnern. Diese Wandteppiche" wurden als Wanddekoration unter anderem im Hotel Rydberg ausgestellt, Wanddekorationen für das Wallenberg Grand Hotel Saltsjöbaden.
Entwirft Glas für die Glashütte Reijmyre sowie Textilarbeiten. Autorin und Bühnenbildnerin für Wilhelm Stenhammars Oper Tirfing von 1898.
Während einer Reise nach Nordschweden und Norwegen mit ihrem Mann 1901 ist Boberg fasziniert von der grandiosen Landschaft und Natur Nordnorwegens, insbesondere der Lofoten. In den folgenden 33 Jahren malt sie vor allem die Landschaften und Menschen der Lofoten, oft im Winter. 1903 stellt sie ihre Lofotenbilder zum ersten Mal in Stockholm aus, Reaktionen gemischt.







Arnold Böcklin



Die Lebensinsel
1888

1880 besucht Arnold Böcklin, geboren in Basel (1827 - 1901), Richard Wagner in seiner Villa in Posillipo bei Neapel. Während Josef Rubinstein am Klavier aus der „Götterdämmerung“ spielt, wird den beiden Herren Tee serviert. Wagner hat Böcklin eingeladen, weil er ihn um Entwürfe zu Bühnenbildern für seinen, gerade im Entstehen begriffenen „Parsifal“ bitten will.
Nach einigen Wortgefechten mit Wagners Frau Cosima, drückt Böcklin seinen Ärger über ihre Aufforderung, Pflanzen zur Dekoration auf Gipfel zu malen, wo diese überhaupt nicht mehr wachsen, auf die Frage Wagners, „Von Musik verstehen Sie wohl nicht viel?“ so aus: „Hoffentlich mehr als Sie von der Malerei!“
1888 entsteht "Die Lebensinsel", entspanntes Gegenbild zur Toteninsel, von der 4 Versionen erhalten sind - die 5. im 2. Weltkrieg vernichtet. Die Lebensinsel: ebenfalls eine kleine Insel, allerdings mit ausgelassen badenden Göttern und einigen Schwänen im Vordergrund, auf der Insel eine Gruppe einander im Reigen zugewandter Menschen und verschiedenartiger Baumbewuchs vor sommerlichem Wolkenhimmel.



Wir haben die Totensinsel mit dem Segelboot passiert, Kaiser Wilhelm II. besaß eine Version.
Die Toteninsel, eine trauerzypressenbestandene Insel, entstanden zwischen 1880 und 1886 und das wohl bekannteste Werk des Malers, das eine vielfältige und andauernde Wirkungsgeschichte hat und zugleich eines der wichtigsten Werke des Symbolismus ist. Der Titel stammt nicht von Böcklin, sondern von seinem Kunsthändler Gurlitt.
In die Felsen der steil aus dem Meer emporragenden Insel sind Nischen als Grabkammern eingelassen. Ein Nachen steuert auf die Insel zu, in dem sich eine schneeweiß verhüllte stehende Gestalt, ein schneeweißer Sarg und ein Ruderer befinden. Die beiden Figuren wirken weiblich.
Im Lauf der Zeit existieren mannigfache Spekulationen über ein reales Vorbild der dargestellten Insel. Unbestätigt ist die Patenschaft der Insel Sveti Ðorde vor der Küste Montenegros. Die dritte Version des Gemäldes erwirbt Adolf Hitler, der das Werk bewunderte. Er hängt es zunächst im Berghof auf, ab 1940 in der Reichskanzlei.
Die vierte - vernichtete - Version kauft Heinrich Baron Thyssen und hängt sie in seiner Berliner Bankfiliale auf, es gibt von ihr nur noch eine Schwarzweiß-Fotografie.



Das Bild ist stark autobiographisch geprägt, das Thema Tod spielt in Böcklins Leben als auch in seinen Werken immer eine bedeutende Rolle. Er verliert 8 seiner 14 Kinder; er erkrankt an Typhus und erleidet einen Schlaganfall. Ab der dritten Version versah Böcklin eine der Grabkammern in den Felsen mit seinen Initialen.
In seinem Selbstporträt ist der fiedelnde Tod ebenfalls anwesend.

Die morbide Atmosphäre der Toteninsel begründet schnell eine große Popularität im Fin de siecle, die bis heute anhält. Einige sehen im Bild den Abgesang auf die europäische Kultur an der Schwelle zum technisierten 20. Jahrhundert. Die Bilder haben großen Einfluss auf spätere Maler, es gibt bis heute unzählige Neuinterpretationen.



Max Reger: Vier Tondichtungen nach A. Böcklin, op 128
1. Der Einsiedler, vor einem Marienbilde, geigend
2. Spiel der Wellen
3. Die Toteninsel
4. Bacchantenfest









Peter August Böckstiegel

Conrad Felixmüller
1914

Es ist eines der beeindruckendsten Porträts dieser Zeit, das Conrad Felixmüller breitbeinig und Pfeife rauchend vor einer wild geblümten Tapete als selbstbewussten Künstler zeigt.
Der deutsche Maler, Grafiker und Bildhauer Peter August Böckstiegel, geboren Westfalen, (1889 - 1951), gilt als Vertreter des Westfälischen Expressionismus
Er wächst als fünftes von 6 Kindern in Arrode (Westfalen) in einer Kleinbauern- und Leineweberfamilie in einfachsten Verhältnissen auf. 1903 beginnt er eine Maler- und Glaserlehre im benachbarten Bielefeld. 1909 besucht er das Folkwang-Museum in Hagen, wo Werke von Paul Gauguin, Paul Cézanne, Édouard Manet, Auguste Renoir, Auguste Rodin und Anselm Feuerbach ausgestellt sind. Im gleichen Jahr wird er Mitglied der Bielefelder Künstlergruppe „Rote Erde“.
Er findet schon früh zu seinem eigenen Stil. Vincent van Gogh beeindruckt ihn sehr.

Zu Beginn des Jahres 1915 wird Böckstiegel zum Kriegsdienst eingezogen. Am 1. Januar dieses Jahres vollendete er das Bild "Abschied", das ihn und seine Verlobte Hanna vor einem leuchtend gelb-orangen Hintergrund zeigt. Während Böckstiegel aufrecht stehend in beiden Händen und im Mund Pinsel hält, schmiegt sich Hanna an ihn, wobei ihr Gesicht in grünen und gelben Tönen gehalten ist. Im Krieg muss er als Landsturmmann dienen, behält aber die Möglichkeit, nebenher künstlerisch zu arbeiten. In den Jahren 1916 bis 1919 ist er in Russland, Rumänien und in der Ukraine eingesetzt. Ein englisches Schiff bringt ihn und seine Kameraden im März 1919 von Nykolajew am Schwarzen Meer zurück nach Deutschland.
1917 schließt er sich mit Conrad Felixmüller, Bernhard Kretzschmar, Otto Lange und Constantin von Mitschke-Collande zur „Gruppe 1917“ zusammen, deren Werke nun gemeinsam mit denen der „Brücke“-Künstler gezeigt werden.
1919 gründet sich die Dresdner Sezession Gruppe 1919, zu deren Mitgliedern Conrad Felixmüller, Otto Dix, Otto Schubert, Gela Foster, Otto Lange, Lasar Segall, Constantin von Mitschke-Collande, Wilhelm Heckrott, Hugo Zehder und als auswärtiges Mitglied Oskar Kokoschka gehörten. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg im März schließt Böckstiegel sich der Gruppe an. Im Juli 1919 heiratet er seine Verlobte Hanna Müller. Eine deutliche Zäsur erfährt sein Schaffen in der Zeit des „Dritten Reiches“. Zwar ist Böckstiegel nicht mit einem Ausstellungsverbot belegt, jedoch werden seine Werke zur „entarteten Kunst“ erklärt, abgehängt, zurückgewiesen, beschlagnahmt oder gar zerstört. 1933 wurden sein Gemälde Bauernkind mit Äpfeln zunächst aus der Dresdner Gemäldegalerie und anschließend weitere Werke von anderen Museen aus den Sammlungen entfernt. 1937/1938 werden über 100 seiner Werke beschlagnahmt und, soweit sie nicht gegen Devisen im Ausland verkauft werden können, auf dem Hof der Berliner Hauptfeuerwache verbrannt.
Bei der Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945 werden sein Atelier und über 1.000 seiner Werke, Plastiken, Gemälde, Zeichnungen, Druckstöcke und Radierplatten vernichtet. Böckstiegel selbst entgeht dem Bombardement nur knapp, nachdem er zuvor versucht hat, Teile seines Werkes auszulagern. Er kehrte mit seiner Familie zurück in sein Elternhaus nach Werther, das den Krieg unbeschadet überstanden hat. Er baut es aus, um sich ein neues Atelier und eine dauerhafte Bleibe zu schaffen.
Im Jahr 1947 wird Böckstiegel Erster Vorsitzender der „Westfälischen Sezession 1945“.


Westfälisches Bauernpaar



In den Jahren 1948 und 1949 porträtiert er meist unter der Überschrift „Stumme Anklage“ eine Reihe von durch Krieg, Not, Flucht und Vertreibung gezeichneten Flüchtlingen, die nach Westfalen gekommen und bei den Bauern seiner Nachbarschaft untergebracht worden sind. 1949 kehrt Böckstiegel nach Dresden zurück. Er besucht mit seinem Sohn die Ruine des vormaligen Wohnsitzes und birgt aus dem verschütteten Keller beschädigte Plastiken und einen Teil der Fragmente. 1951 stirbt er in Arrode.







Richard Parkes Bonington



Blick auf die Lagune bei Venedig
1827

Trotz seiner Schaffenszeit von nur knapp 10 Jahren legt der englische Künstler (1802 - 1828) mit seiner Maltechnik des Aquarellierens neue Maßstäbe an, die ihn in Frankreich 1824 zum Preisträger beim Salon werden lässt. Mit seiner Technik und Art der Darstellungsweise und dem Kontakt zu wesentlichen Köpfen der École wird er Mitwegbereiter für die spätere Schule von Barbizon.
In einem Brief an Théophile Thoré zieht Delacroix 1861 seinen Hut vor dem Frühverstorbenen, der gleichwohl über 400 Gemälde und Zeichnungen hinterlässt. Im Aquarellieren, für Briten damals eine noch neue Kunst, habe Bonington erstaunliche Fähigkeiten besessen. Bei aller meisterhaften Strenge und Präzision zeige er in der Pinselführung eine zumindest in der Gegenwartskunst einzigartige Leichtigkeit, die seine Werke zu einer Art von Diamanten mache, die jedes Auge entzücke und jedem Auge schmeichele.
Boningtons historische Gemälde zeichnen sich durch das sorgfältige Studium zeitgenössischer Vorlagen aus.



Allerdings gibt es heute auch Stimmen, die trotz ihrer Sympathie für Bonington vor einer buchstäblich romantischen Verklärung, also Überschätzung warnen.







Pierre Bonnard

Plakat "France Champagne"
1891

Französchicher Maler, Grafiker, Illustrator, Plakatgestalter, (1867 - 1947), entwirft Möbel und Bühnendekorationen, als Plakatentwerfer der große Wegbereiter der modernen europäischen Plakatkunst.

Letztes Selbstbildnis 1945







Paris Bordone

Die Übergabe des Rings an den Dogen
um 1534/35.

Italienischer Maler der venezianischen Schule (ca. 1500 - 1571), bringt in seinen zahlreichen Porträts, von denen die weiblichen besonders gelungen sind, mit der Pracht und dem Reichtum des Kolorits eine bezaubernde Wirkung hervor, in seinen großen Historienbildern ist er oft bunter und härter. Mit "Überreichung des Ringes durch den Fischer" bringt ein Werk hervor, das in Komposition und dem satten Glanz des Kolorits zu den ersten Meisterwerken der venezianischen Schule gehört.
Bordone erzählt uns die Legende von der Stillung des Seesturmes 1340. Der Fischer überbringt dem Dogen den Ring des Heiligen Markus als Beweis für die Wundertat des Bischofs von Myra.

Die Seeleute, die damals mit ihren Schiffen über das Meer fuhren, spannten große Segel auf und die Kraft des Windes trieb ihr Schiff von Hafen zu Hafen. Aus dieser Zeit stammt die Story, wie Nikolaus, der Bischof von Myra, zu ihrem Schutzpatron geworden ist und Markus der von Venedig.
Ein schwer mit den Schätzen des Orients beladenes Schiff auf dem Mittelmeer Kurs Konstantinopel. Sturm kommt auf, türmt die Wellen zu Bergen. In halber Höhe zerbirst ein Mast. Wie wild hauen die Männer mit Beilen und Äxten die Taue durch, eine Woge reißt den Mast hoch auf, er schlägt ein Loch in die Bordwand. Der Käptn schreit dem dem Sturm entgegen: "Sankt Nikolaus, Sankt Nikolaus! Bitte für uns!" "Sankt Nikolaus! Bitte für uns!" schrein die Matrosen. Plötzlich steht mitten auf dem Schiff ein Mann, den sie nie zuvor gesehen haben.
Der Wind flaut ab.Wie ein zerzauster Vogel treibt das Schiff auf dem Meer. "Bringt mir den Mann her, der uns gerettet hat!" Doch so sehr die Seeleute auch suchen, sie finden ihn nicht. Tags darauf fest im Hafen von Myra. Kapitän und Steuermann danken in der Kirche Gott für die Rettung. Am Altar steht der Bischof: Der Mann, der ihnen auf dem Meer so wunderbar geholfen hat. Er gibt ihn seinen Ring mit. Die Geschichte verbreitet sich überall unter den Seeleuten und Nikolaus wird Patron aller Seeleute und Schiffer.



Venus, Mars und Cupid ca. 1560
Cupid, der neuntinnerste und einer der kleinsten der 27 bekannten Monde des Planeten Uranus, benannt nach Cupido, einer Gestalt aus Shakespeares Tragödie 'Timon von Athen'. Cupid oder Cupidus andere Bezeichnung für den Liebesgott Amor aus der Römischen Mythologie (entspricht dem griechischen Eros).







Hieronymus Bosch

Garten der Lüste nach 1500

Über den niederländischer Maler ist wenig bekannt (um 1450 - 1516).
Lasst Eure Augen kreisen über der Hölle (rechts) und dem Paradies (links) - und ihr werdet ununterbrochen Neues entdecken (zoomt ran, holt euch im www und hier Detailausschnitte!) auf dem Triptychon, von denen das "enfant terrible" der niederländischen Maler noch zwei weitere geschaffen hat: Das "Heuwagentriptychon" und "Die Versuchung des hl. Antonius".
Der Versuch, Licht in die unheimliche und burleske Welt des Hieronymus Bosch zu bringen, dürfte vergeblich sein: Unerklärliches Phänomen, Malerei wie Person, über die man so gut wie nichts weiß.
Bei seinen Werken interessiert in erster Linie das "Was", also das Thema und erst in zweiter Linie das "Wie". Aber auch das "Was" bleibt in vielen Fällen ein Rätsel. Manche sehen in ihm einen Bußprediger und Moralisten, andere einen Mystiker. Bosch sieht und malt unbestreitbar eine Welt voller Ungeheuer, aber es sind keine Ungeheuer, die die Vernunft einschläfern, sondern diese ungeheuerlichen Missgeburten besitzen eine Logik, die unserem Menschenverstand zuwiderläuft, Boschs Welt ist die Welt Satans, des Affen Gottes, und nicht die Welt verniedlichter Teufelchen.
Seine Malweise verschmäht die Koketterie der schönen Farben und des Oberflächenschmelzes. Die Farbtöne sind hell, die Vorliebe für Rosa ist deutlich ausgeprägt. Bosch lässt Sphären kreisen, indem er die Farben fast wie nach einer wissenschaftlichen Lichttheorie abstuft. Zahlreich sind bei ihm Aktdarstellungen, die aber trotz sehr gewagter Stellungen nichts Sinnliches haben. Dünn, schemenhaft in der Farbe, wirken sie nur als Umriss und Gebärde, die - wie eine Formel - charakterisieren, ohne zu individualisieren. Charakteristisch ist auch seine Vorliebe für Spitzen, Stacheln und hagere Gestalten.
Die eindrucksvollste Szene auf dem Mittelbild des Gartens der Lüste - mit seinen symbolischen Früchten und Eiern, einer Kristallkugel, in der ein Liebespaar miteinander spielt - ist wohl der runde Teich, in dem nackte Frauen baden und um den auf verschiedenen Tieren reitende Menschen kreisen.
Den Inhalt auch nur einer der Tafeln zu beschreiben, würde Stunden kosten ...







Eugène Boudin



Strand von Trouville
1867

Eugène Boudin [dt. Blutwurst!] :
Der französischer Maler (1824 - 1898), Vorläufer des Impressionismus und einer der ersten Freilichtmaler, Sohn eines Hafenlotsen, lernt Kunstmaler aus der Gegend kennen und stellt ihre Bilder in seinem Laden aus. Mit 22 arbeitet er ausschließlich als Maler.
Mit einem Stipendium der Stadt Le Havre studiert er ab 1851 in Paris. Studienreisen führen ihn nach Flandern, Südfrankreich, Venedig und vor allem immer wieder in die Bretagne - wenn er auch stets seiner Heimat Normandie treu bleibt. Nach 1850 entsteht auf der Ferme Saint-Siméon in der Nähe von Honfleur eine kleine Künstlerkolonie, wo Boudin sich mit befreundeten Malern, wie Gustave Courbet, Eugène Isabey, Johan Barthold Jongkind, Claude Monet, Constant Troyon u. a. trifft und die er zum Malen in der freien Natur anregt.







Adolphe William Bouguereau

Durst


Der französische akademische Maler und Traditionalist (1825 - 1905) greift in seinen realistischen Genrebildern mythologische Themen auf und interpretiert klassische Sujets modern, wobei er den Schwerpunkt auf den weiblichen Körper legt. In den Aktdarstellungen, die sich auf klassisch-griechische Vorbilder bzw. deren römische Kopien stützen, versucht Bouguereau dennoch die „Ur-Bilder“ zu verlebendigen. So verstärkt er bei der

Geburt der Venus, 1879

die Bewegungen des Körpers und betont die Schwünge der Hüften noch etwas mehr als es beim Vorbild - der Aphrodite von Kyrene - der Fall ist. Das Ergebnis dieser kleinen Änderungen, die die erotische Ausstrahlung der Venus erhöhen, kommt beim Publikum gut an und gleichzeitig ist er dank des antiken Vorbildes über jegliche moralisierende Kritik erhaben.
Im Laufe seines Lebens erfreut er sich in Frankreich und den Vereinigten Staaten großer Beliebtheit, man bedenkt ihn mit zahlreichen offiziellen Auszeichnungen und er erzielt hohe Preise für seine Werke. Die impressionistische Avantgarde schmäht ihn als Inbegriff des Salonmalers seiner Generation. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fallen Bouguereau und seine Kunst in der Öffentlichkeit in Ungnade, was auf einen veränderten Geschmack zurückzuführen ist. In den 1980ern führt das wiedererwachte Interesse an der Figurenmalerei zu einer Wiederentdeckung von Bouguereau und seinem Werk. Im Laufe seines Lebens schafft Bouguereau 822 bekannte Gemälde, wobei der Verbleib vieler Bilder bis heute unbekannt ist.
Zu seinen Sujets sagte er, er würde niemals einen Krieg malen - wohl aber unter Umständen den Krieg als allegorische Figur. Was seine perfektionierte, realistische Maltechnik betrifft, so erklärt er einmal, das Geheimnis, ein guter Maler zu sein, liege darin, „Farbe und Linie als dieselbe Sache zu sehen“. Mit dieser Aussage hebt er sich von den akademischen Hardlinern ab, für die die Linie stets den Vorrang vor der Farbe besaß.
Edgar Degas und andere avantgardistische französische Maler verachteten Bouguereaus berühmtes technisches Markenzeichen, die hochglanzpolierte Oberfläche seiner Leinwände, und lehnten solche „geleckte“ Werke als Bouguerurée ab. Eines seiner bekanntesten Gemälde:

Nymphen und Satyr

Es galt 40 Jahre lang als verschollen, weil sein Besitzer es für anstößig hielt und wegsperrte.
412 Bilder auf YouTube





Penleigh Boyd

Selbstbildnis
1920

Theodore Penleigh Boyd (1890 - 1923), australischer Künstler, seine Eltern Arthur Merric Boyd (1862–1940) und Emma Minnie Boyd (geb. Beckett) sind bekannte Künstler dieser Zeit, zu seinen Brüdern gehört der Keramiker Merric Boyd (1888–1959) und der Schriftsteller Martin Boyd (1893–1972). Sein Sohn Robin Boyd (1919–1971) ist ein berühmter und einflussreicher Architekt, Pädagoge und sozialer Kommentator, und seine Neffen Arthur Boyd, Guy Boyd und David Boyd sind ebenfalls prominente Künstler.
Penleigh Boyd ist als Landschaftsmaler mit besonderen Lichteffekten bekannt.







Eugen Bracht



Abenddämmerung am Toten Meer


Den deutschen Landschafts- und Historienmaler Eugen Felix Prosper Bracht (1842 - 1921) prägt 1861 prägt der Landschaftsmaler Oswald Achenbach. Nach seinem Konkurs als Wollhändler in Berlin motiviert seine Frau Maria Deurer ihn, sich wieder der Malerei zuzuwenden.
1876 Karlsruhe. Bracht thematisiert die kargen Landschaften der Ostseeküste und der Lüneburger Heide.
1882 Dozent für Landschaftsmalerei an der Berliner Kunstakademie.
Als Brachts Vorgesetzter und Freund Anton von Werner 1892 eine Edvard Munch-Ausstellung vorzeitig schließen lässt, gehörte Bracht zu jenen 70 Künstlern, die dagegen protestieren.







Frank Bramley



Kingdom Of Heaven
(1891)

Frank Bramley RA, britscher Maler (1857 - 1915) des Spätimpressionismus und wichtiger Vertreter der Newlyn School, einer Künstlerkolonie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Frank Bramley studiert 1873 - 1882, in diesem Jahr reist er nach Venedig und bleibt dort bis 1884. Nach seiner Rückkehr nach England zieht er nach Newlyn und schließt sich der Newlyn School an, einer dort ansässigen Künstlerkolonie. Er gründet 1885 zusammen mit anderen Künstlern den New English Art Club.


A Hopeless Dawn

Mit diesem Gemälde gelingt Bramley 1888 der endgültige Durchbruch. In dem Werk verknüpft der Künstler emotionale und narrative Elemente und durch die Kombination von natürlichen und künstlichen Lichtquellen schafft er besondere Beleuchtungsverhältnisse, die die Dramatik der Szene noch erhöhen. 1891 heiratet er in Newlyn die Künstlerin Katherine Graham.







Georges Braque



L'Estaque
1906 (Ehemaliges Fischerdorf bei Marseille)

Französischer Maler, Grafiker und Bildhauer (1882- 1963); mit Pablo Picasso Mitbegründer des Kubismus. 1909 bis 1914 arbeiten die beiden bei der Entwicklung des Kubismus zusammen. 1912 nehmen sie Collagenelemente in ihre Gemälde auf und experimentieren mit der Technik des Pappcollé. Braque leistet im 1. Weltkrieg Armeedienst, verwundet; ab 1917 enge Freundschaft mit Juan Gris.
Mitte der 1920er Entwurf des Dekors für zwei Ballette von Sergei Diaghilev. 1931 erste gravierte Pflaster, beginnt mit mythologischen Motiven. 1954 Buntglasfenster für die Kirche von Varengeville. In den letzten Lebensjahren hindert ihn Krankheit, weitere Großaufträge zu übernehmen, stirbt 1963 in Paris.







Rudolph Brèsdin

La Comédie de la Mort
1854

Französischer Grafiker, Wegbereiter phantastisch-visionärer Darstellungsformen der Romantik, deshalb manchmal auch "Protosurrealist" (1822 - 1885)
Seine erstes erfolgreiches Werk: Eine Phntasielandschaft mit Bäumen, Niederungen und Dickichten, Dämonen und Phantomen, Vögelschwärmen, Rattenköpfen, der Boden übersät mit menschlichen Knochen und Wirbeln, Rippen und Schädeln, knorrige Weiden, Skelette, ihre Arme hochwerfend und eine Siegeshymne singend, während Christus zum Himmel fliegt, der mit kleinen Wolken übersät ist. Ein nachdenklicher Einsiedler, den Kopf zwischen seinen Händen. In den Nischen einer Grotte stirbt ein Bettler erschöpft von Entbehrungen und Hunger, auf dem Rücken liegend, die Füße in Richtung des Teichs ausgestreckt.
Brésdin hat eine besondere Beziehung zum Makabren und zur Melancholie. Komödie des Todes: Oxymoron. Ist vielleicht die Beziehung zu Rose Cécile Maleterre gemeint, mit der Brèsdin "in Sünde" bis zu ihrer Heirat 1865 lebt, als sie bereits vier Kinder haben?

Baigneuses dans la montagne, 1865







Gerald Leslie Brockhurst

Marlene Dietrich


Der englische Maler und Radierer (1890 - 1978) ist am bekanntesten für seine kleinen geätzten Drucke schöner, idealisierter Frauen, für die seine erste und zweite Frau Modell stehen.
Besucht 1913 Frankreich und Italien und untersucht Künstler des 15. Jahrhunderts wie Piero della Francesca, Botticelli und Leonardo da Vinci genau, sie haben bleibenden Einfluss auf ihn.
1919 in London und ab den 1930ern erfolgreiche Karriere als Porträtkünstler, mit bemerkenswerten Darstellern wie Merle Oberon und Marlene Dietrich sowie der Herzogin von Windsor.



In New York City wird Brockhurst mit einer Reihe von Gesellschaftsporträts sowohl berühmt als auch reich. 1958 tritt er als Gast-Herausforderer in der TV-Panel-Show To Tell The Truth auf.









Brüder von Limburg

Les Très Riches Heures du duc de Berry

Die Kunst des 15. Jahrhunderts ist größtenteils Sakralkunst an. Von nun an spielen Mäzene eine entscheidende Rolle. Der berühmteste der damaligen Zeit ist Herzog Johann von Berry in seinen 7 Schlössern, wo er unendliche Schätze zusammenträgt.
Für ihn arbeiten die 3 Brüder Limburg aus den Niederlanden (ca. 1385 - 1416). Ihr erster Auftrag: Buchmalerei eines Stundenbuchs. Das Ergebnis begeistert den Herzog dermaßen, dass er ihnen ein weit ambitionierteres Projekt anvertraut, das Très Riches Heures-Stundenbuch, das Meisterwerk mittelalterlicher Buchmalerei schlechthin.
Das Werk bleibt unvollendet, als die Brüder 1416 - ebenso wie ihr Auftraggeber - an einer Seuche sterben. Fertig stellt es 1485 Jean Colombe.



Eine Falknerszene: Die Pferdeprozession geht zur Jagd, geführt vom Falkner. Er hält in der rechten Hand den langen Stock, mit dem er Bäume und Sträucher schlägt, um Wild aufzujagen. Auf der Faust trägt er zwei Vögel, an seinem Gürtel einen vogelförmigen Köder, der mit Fleisch garniert ist, um die Falken zur Rückkehr zu locken. Hunde bgleiten die Prozession, die Wild aufjagen oder das Erlegte apportieren sollen. Auf ihrem Pferd tragen drei Reiter je einen Vogel, wahrscheinlich Sperber.



Im Hintergrund landwirtschaftlichen Arbeiten im Monat August: Ein Bauer mäht das Feld, ein zweiter sammelt die Garben, während ein dritter sie auf einen Karren lädt, den zwei Pferde ziehen. In der Nähe baden Leute in einem Fluss oder sonnen sich.
Oben Château d'Étampes, das der Herzog gekauft hat. Hinter den Stadtmauern der viereckige Bergfried und Guinette-Turm, der noch vorhanden ist.
Die Arbeit der Brüder von Limburg gerät- da zumeist unzugänglich - bis ins 19. Jahrhundert hinein in Vergessenheit. Dennoch setzen sie Maßstäbe für die nächsten Malergenerationen, auch über die aussterbende Gattung der Miniaturmalerei hinaus.
Ein 4., bis dahin unbekanntes Buch aus der Hand der Brüder wird 2013 im Archiv der Adelsfamilie Castelnau wiederentdeckt.









Pieter Brueghel



Der Sturz des Ikarus
1558

Maler der Niederländischen Renaissance (ca. 1515 - 1569). Anders als meist sonst in der bildenden Kunst, stellt Brueghel nicht den Moment dar, da Ikarus im Begriff ist, der Sonne zu nahe zu kommen, sondern auf den ersten Blick öffnet sich eine bis zum Horizont reichende Landschaft mit Sonnenuntergang. Ikarus sucht man am Himmel vergebens. Doch: Rechts stürzt er ins Wasser, mit seinen nackten, strampelnden Beinen eine eher unglückliche Figur. Über ihm ein paar fliegende Federn...
Dädalus spart Bruegel ganz aus, weit mehr Bedeutung haben in dem Gemälde andere Personen. Er hält sich eng an Ovid: Diese (Dädalus und Ikarus) sah jemand, während er mit zitternder Angelrute Fische fing, oder ein Hirte, der sich auf seinen Stab oder ein Bauer, der sich auf seinen Pflug stützte, und staunte und glaubte, dass solche, die ihren Weg durch die Lüfte nehmen könnten, Götter seien.
Der Angler sitzt unten am Wasser, der Hirte ist in der Mitte platziert, der Bauer bestellt seinen Acker, allen gemeinsam aber ist, dass sie dem Sturz des Ikarus keinerlei Aufmerksamkeit zollen. Der Hirte schaut zwar zum Himmel, aber an der Stelle, wo er hinaufblickt, ist Ikarus nicht abgestürzt. Die christliche Allegorie wird deutlich: Der Hirte (lat.: pastor) blickt auf zu Gott, Ikarus - der mit seinem Flug zum Himmel Gott versucht hat - stirbt in lächerlicher Pose. Und eine weitere Figur aus Dädalus' Vorgeschichte ist gegenwärtig: Vor seiner Verbannung nach Kreta hat er seinen begabten Schüler Talos umgebracht. Athene aber rettete ihn und verwandelte Talos in einen Vogel, der dicht am Boden fliegt und seine Eier in Hecken legt, denn er fürchtet die Höhe, des einstigen Sturzes gedenkend. Der Vogel ist bei Bruegel ein Rebhuhn, es sitzt beim Angler auf einem Ast.
Landschaft und das typische Segelschiff zeigen: Bruegel hat den Mythos ganz in seine Zeit gesetzt. Warum aber lässt er die Sonne untergehen und Ikarus an fast entgegengesetzter Stelle abstürzen? Zitat seines Freundes Ortelius: Unser Bruegel malt viele Dinge, die man gar nicht malen kann. In seinen Werken ist oft mehr an Gedanken als an Malerei. Brueghel hat Ikarus sechs Stunden durch das Universum stürzen lassen.


Das schattige Ufer taucht auf
eines Sees, die Fläche des Wassers,
die Bänder der Felsen und
in der obersten Höhe das bunte
Gefieder des Drachens, Ikarus,
segelnd inmitten der Ströme
des Lichts. Unter ihm teilt sich
die Zeit, der Rheingletscher
in zwei mächtige Arme,
ragen die Churfirsten auf,
erhebt sich das Säntisgebirge,
Kreideinseln, hell
in der Eisflut glühend.
Neigt sich sein Aug denn,
stürzt er jetzt ab,
hinein in den See,
wird sich, wie auf Brueghels
Gemälde, das schöne Schiff,
der pflügende Landmann, die ganze
Natur irgendwie abwenden
vom Unglück des Sohns?
Mich führen die Fragen
über die Grenze. Am Arlberg
ziehet ein Wetter herauf.
Ich seh hinab in das Tal,
und mir schwindelt die Seele.
Wieder ein Sommer vergangen.
Und wie Efeu hänget, schrieb Hölderlin,
astlos der Regen herunter. Moosrosen
wachsen auf den Alpen. Avignon waldig.
Über den Gotthard tastet das Roß.

W. G. Sebald




William Carlos Wiliams

According to Brueghel
when Icarus fell
it was spring

a farmer was ploughing
his field
the whole pageantry

of the year was
awake tingling
near

the edge of the sea
concerned
with itself

sweating in the sun
that melted
the wings’ wax

unsignificantly
off the coast
there was

a splash quite unnoticed
this was
Icarus drowning








Die Gestalt des Ikarus ist in der europäischen Kultur immer wieder Anreger und Gegenstand künstlerischer, wissenschaftlicher und technischer Schöpfungen.
Ikarus (lateinisch Icarus, griechisch Íkaros) ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Dädalus, die König Minos beide als Strafe für den Ariadnefaden im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen hält. Da Minos die Seefahrt kontrolliert, erfindet Daedalus Flügel für sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an ein Gestänge heftet. Vor dem Start schärft er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Feuchte des Meeres beziehungsweise die Hitze der Sonne zum Absturz führen. Nachdem sie Samos und Delos zur Linken und Lebinthos zur Rechten passiert haben, wird Ikarus übermütig und steigt so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmilzt, die Federn lösen sich, er stürzt ins Meer. Daedalus, verzweifelt, kommt sicher in Sizilien an, benennt das Land zur Erinnerung an sein Kind Ikaria. Er errichtet einen Tempel für Apollon und hängt seine Flügel als Opfer für den Gott hinein. Deutung des Mythos: Absturz und Tod des Übermütigen sind die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne.






About suffering they were never wrong,
The Old Masters; how well, they understood
Its human position; how it takes place
While someone else is eating or opening a window or just walking dully along;

How, when the aged are reverently, passionately waiting
For the miraculous birth, there always must be
Children who did not specially want it to happen, skating
On a pond at the edge of the wood:
They never forgot
That even the dreadful martyrdom must run its course
Anyhow in a corner, some untidy spot
Where the dogs go on with their doggy life and the torturer’s horse
Scratches its innocent behind on a tree.

In Breughel’s Icarus, for instance: how everything turns away
Quite leisurely from the disaster; the ploughman may
Have heard the splash, the forsaken cry,
But for him it was not an important failure; the sun shone
As it had to on the white legs disappearing into the green
Water; and the expensive delicate ship that must have seen
Something amazing, a boy falling out of the sky,
had somewhere to get to and sailed calmly on.

(W. H. Auden)












Joan Brull Vinyoles



Traum
1905

Der katalanische Maler des Symbolismus (1863 - 1912) studiert in Barcelona und arbeitet als Kunstkritiker für die katalanische Zeitschrift Joventut („Jugend“).
Brulls Frühwerk ist realistisch. Später malt er hauptsächlich traumhafte, verträumte Frauengestalten sowie Frauen- und Mädchenporträts, daneben Landschaftsbilder. Als Landschaftsmaler wird er der Schule von Olot zugeordnet. Er stirbt 1912 in Barcelona.







Heinrich Bürkel



Wirtshaus im Gebirge
ca. 1860

Deutscher Maler des Biedermeier, hauptsächlich Landschaften und Darstellungen aus dem Volksleben der Alpen (1802 - 1869).
Man begrüßt neue Gäste vor dem Wirtshaus, wo bereits zahlreiche feiernde Bauern versammelt sind. Im Hintergrund ein Tanzboden, im Baumschatten eine kleine Blaskapelle.


Bettleranfall an italienischer Poststation









Nadja Buttendorf

Necklace
2017

Nadja Buttendorf, geboren Dresden 1984, arbeitet als Visual Artist und lebt in Berlin, Gründungsmitglied des Cyborg e.V.s, Verein zur Förderung der kritischen Begleitung der Verschmelzung von Technik und Mensch, spezialisert auf kybernetische Verbesserungen des menschlichen Körpers, z. B. post-humaner Schmuck und Manikür-Kreation, die den menschenlichen Körper verändern und erweitern.