Hyacinthe de la Pegna (1706-1772): Isle de la Corse (Maison Bonaparte, Ajaccio)

Aufzeichungen aus Korsika (2)
Zur Natur- & Menschenkunde
(Zweite Fassung - "Wandernde Schatten" S. 159ff)


159:


Gegen Abend, nachdem die letzten Besucher sich verlaufen hatten, begleitete ich Gerald zu dem ein Stück abseits der Ortschaft Seething ganz für sich am Rand einer Bauminsel stehenden Andromeda Lodge hinüber.

161:
Im Verlauf der nächsten vierzehn Tage - unser Abfugsdatum hatten wir auf den 30. August festgelegt - bin ich noch öfters nach Seething hinübergefahren ...

168:


... der vor uns wie aus dem Nichts heraufkommende Mündungsbogen der Themse deutlich abzeichnete, ein riesiger Drachenschweif, schwarz wie Wagenschmiere & geringelt quer durch die einbrechende Nacht. Einige Meilen folgten wir, dort wo die breite Wasserstraße nach Norden führt, ihrem Ufer & sahen wie draußen an der Küste die Straßenlichter von Chatham, Rochester, Sheerness & vielen anderen kleineren Orten angingen, & dann, fast genau unter uns, die von Gravesend, & weiter stromaufwärts die Lichter von Dartford & Woolwich & von London selber ...
Erst nachdem wir den Ärmelkanal & die Ränder Frankreichs hinter uns gelassen hatten, waren wir, auf südsüdöstlichem Kurs, wirklich eingetaucht in die Nacht. Irgendwo über der Picardie & den Ebenen der Champagne flogen wir dahin ...

171:


Um Mitternacht landeten wir in Lyon-Satolas [seit 2000 umbenannt in Lyon Saint-Exupéry]



173:


Zwischen drei und vier Uhr morgens flogen wir hoch über der ununterbrochenen, entlang der großen Verkehrsadern des Rhône-Tals sich reihenden Lichterkette nach Süden hinunter und über Marseille hinweg übers Meer hinaus.

174:

Bald tauchte die Insel Korsika vor uns auf, ein düsteres noch von Nachtschatten umfangenes Gebirge, das je näher wir kamen & je tiefer wir gingen, desto mächtiger aus der Tiefe aufwuchs zu uns. Ich hatte mit Douglas vereinbart, vor der Landung in Calvi, die ohnehin vor halb sechs nicht erfolgen konnte, einige Schleifen über die Insel zu ziehen & also jetrzt flogen wir quer über die, wie es in der lichtlosen Atmlsphäre schien, eben erst aufgworfenen Felsenmassen hinweg dem Tag entgegen bis fast an die italienische Küste & von dort aus, die nun aufgehende Sonne im Rücken, wieder nach Korsika retour.



Während wir unsere Kreise zogen, leuchteten ... die höchsten, zweieinhalb bis dreitausend Meter über dem Meeresspiegel sich erhebenden Gipfel auf, der Monte Cinto, der Monte Rotondo & der Monte d'Oro ...

175:


In einem weit ausholendem Bogen flogen wir noch einmal über das Meer & und dann, nord- und westwärts abdrehend, über die schmale, einer eigenen Miniaturinsel gleichende Landzunge des Cap Corse hinweg & über den Golf von St. Florent, zur Linken die unwegsame, Desert des Agriates genannte Wüste & bald darauf, etwas weiter in der Ferne, die stellenweise noch von Schatten durchfurchten Berge & Hügel der Balagne. Vor uns war schon die Landebahn des Flughafens von Calvi zu erkennen.





175:


Ich glaube, ich brauchte beinah drei Stunden, um die in Luftlinie allenfalls vierzig Kilometer ausmachende Strecke von Calvi nach Piana zurückzulegen...

177:


... daß ich oberhalb des Golfs von Galeria, wo die Straße ein Stück landeinwärts führt über den nur im Winter & Frühjahr Wasser führenden & jetzt einer Steinwüste gleichenden Fango-Fluß, Rast machen mußte in einer Wirtschaft, die zu einer kleinen Ansammlung mehr oder weniger verlotterter, auf meiner Karte überhaupt nicht verzeichneter Häuser gehört.



... ich nach einer weiteren, etwa einstündigen Fahrt über den Col de la Croix, um den Capo Paolo & durch die Felsenfestungen der Calanche das Hotel des Roges Rouges erreichte ...









180:
Es war gegen halb drei Uhr, als ich das Roches Rouges betrat, müde von dem langen Flug durch die Nacht & der Fahrt an der Küste herunter.

Roges Rouges heute
















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