... seeking only peace and friendship ...






Dem Universum ruft er aus der suprasolaren Raumsonde in zackigem Offizierskommandotonfall zu, dass die Erdenbewohner nur Frieden und Freundschaft suchen ...

Ursprünglich heißt die Familie Václavik, in die Kurt Josef 1918 in Niederösterreich geboren wird. Ob er das Jurastudium abgeschlossen hat, ist unsicher, er bestreitet auch eine Mitgliedschaft im NS-Studentenbund (NSDStB) und in der SA, die auf seiner Wehrstammkarte verzeichnet sind. Die deutsche Wehrmacht beruft den Reserveoffizier der österreichischen Kavallerie

Kurt Josef Waldheim

1938 ein, er nimmt an der Besetzung des Sudetenlandes teil, absolviert einen Offizierlehrgang in Potsdam, nimmt am Westfeldzug, der Besetzung Frankreichs und dem Russlandkrieg teil, die Orden Eisernes Kreuz II. Klasse und die Ostmedaille zieren seine Uniform. Ab 1942 ist er Dolmetscher in der italienischen Gebirgsdivision in Pljevlja, Montenegro, die gemeinsam mit der 12. Armee Deutschlands gegen jugoslawische Partisanen kämpft und mit den Ustascha den Staat "Unabhängiges Kroatien" gründet.

Danach wird Waldheim zur 'Kampfgruppe Westbosnien', Hauptquartier Banja Luka beordert. Nach dem Vergeltungsfeldzug gegen Titos Partisanen verleiht ihm das Ustascha-Regime den Orden der Krone König Zvonimirs in Silber mit Eichenlaub für tapferes Kämpfen unter feindlichem Feuer.
Danach ist der Offizier, inzwischen Oberleutnant, im Generalstab der 12. Armee in Nordgriechenland, Verbindungsoffizier der italienischen 9. Armee in Albanien, Offizier 01 des Generalstabs für Spezialaufgaben in Athen (Stabsbesprechungen, Feindlageberichte, Berichte über Verhöre von Kriegsgefangenen, Kriegsverbrechen, Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager), Ordonnanzoffizier 03 in der Heeresgruppe E, weitere Orden: Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern, I. Klasse mit Schwertern. In einem Studienurlaub von drei Wochen wird er Dr. jur. (Dissertation: Die Reichsidee bei Konstantin Frantz).

Nun beginnt Waldheims diplomatische und politische Karriere:
1947 Sekretär von Außenminister Karl Gruber, Diplomat in Paris, Toronto und New York, ständiger Beobachter und Botschafter bei der UNO, Außenminister Österreichs (in dieser Zeit Weisung, die Botschaft zu schließen und keine Flüchtlinge aufzunehmen - die Botschafter Rudolf Kirchschläger während des Prager Frühlings ignoriert), UN-Generalsekretär, Bundespräsident (Einreiseverbot in die USA, internationale Isolation). "Waldheim-Affäre": Aufdeckung der genauen Kenntnisse Waldheims von NS-Kriegsverbrechen, Verschleierung und Verharmlosung seiner Vergangenheit im Nazi-Reich.

2007 stirbt der 88-Jährige.




Der Artikel, der von den in Bosnien vor fünfzig Jahren von den Kroaten im Einvernehmen mit den Deutschen und Österreichern durchgeführten sogenannten Säuberungsaktionen handelte, begann mit einer Beschreibung einer von Milizmännern der kroatischen Ustascha offenbar zu Erinnerungszwecken aufgenommenen Photographie, auf der die in bester Stimmung sich befindenden, teilweise in heroischen Posen sich präsentierenden Kameraden einem Serben namens Branco Jungić mit einer Säge den Kopf abschneiden. Ein zweites, spaßeshalber gemachtes Photo zeigt dann den bereits vom Leib getrennten Kopf mit einer Zigarette zwischen den vom letzten Schmerzenslaut noch halb offenen Lippen. Ort dieser Handlung war das an der Sava gelegene Lager Jasenovac, in dem allein siebenhunderttausend Männer, Frauen und Kinder ums Leben gebracht wurden mit Methoden, die selbst den Fachleuten aus dem Großdeutschen Reich, wie sie gelegentlich im engeren Kreis geäußert haben sollen, die Haare zu Berg stehen ließ. Sägen und Säbel, Äxte und Hämmer und eigens in Solingen zum Halsabschneiden gefertigte, an den Unterarm zu schnallende Ledermanschetten mit feststehendem Messer waren, nebst einer Art von primitivem Quergalgen, an welchem die zusammengetriebenen volksfremden Serben,

Juden und Bosniaken reihenweise wie Krähen und Elstern aufgehängt wurden, die bevorzugten Hinrichtungsinstrumente. Unweit von Jasenovac, in einem Umkreis von nicht mehr als fünfzehn Kilometern, gab es noch die Lager von Prijedor, Stara Gradiška und Banja Luka, in denen die kroatische Miliz, im Rücken gestärkt von der Wehrmacht und in der Seele von der katholischen Kirche, auf ähnliche Weise ein Tagwerk vollbrachte ums andere. Dokumentiert ist die Geschichte dieses jahrelang währenden Massakers in fünfzigtausend von den Deutschen und den Kroaten 1945 zurückgelassenen Akten, die bis heute, so der Autor des 1992 verfaßten Artikels, aufbewahrt sind im Bosanske Krajine Archiv von Banja Luka, das untergebracht ist, oder war, in einer vormaligen k. & k. Kaserne, in der 1942 die Nachrichtenzentrale der Heeresgruppe E ihr Hauptquartier hatte. Ohne Zweifel ist man dort seinerzeit einigermaßen im Bilde gewesen über das, was in den Ustascha-Lagern vor sich ging, ebenso wie über die unerhörten Dinge, die sich ereigneten beispielsweise im Verlauf der gegen die Tito-Partisanen gerichteten Kozara-Kampagne, bei der allein zwischen sechzig- und neunzigtausend Menschen durch die sogenannten Kriegshandlungen, durch Hinrichtungen beziehungsweise infolge von Deportationen um ihr Leben gekommen sind. Die weibliche Bevölkerung von Kozara wurde nach Deutschland gebracht und dort größtenteils in dem über das gesamte Reichsgebiet sich ausdehnenden Zwangsarbeitssystem verschrottet. Von den zurückbleibenden Kindern, dreiundzwanzigtausend an der Zahl, hat die Miliz die eine Hälfte an Ort und Stelle ermordet, die andere zur Verschickung nach Kroatien an verschiedene Sammelpunkte getrieben, und von diesen wiederum waren nicht wenige, noch ehe die Viehwaggons die kroatische Hauptstadt erreichten, an Typhus, Erschöpfung und Angst zugrunde gegangen. Von denen, die sich noch am Leben befanden, hatten viele das Pappdeckeltäfelchen mit den Personalangaben, das sie am Hals trugen, vor Hunger zerkaut und somit in der äußersten Verzweiflung den eigenen Namen ausgelöscht.

Später wurden sie dann in kroatischen Familien katholisch erzogen, zur Beichte geschickt und zur ersten heiligen Kommunion. Wie alle anderen auch haben sie in der Schule das sozialistische Einmaleins gelernt, haben einen Beruf ergriffen, sind Eisenbahnarbeiter, Verkäuferinnen, Werkzeugschlosser oder Buchhalter geworden. Was für Erinnerungsschatten aber in ihnen herumgeistern bis auf den heutigen Tag, das weiß niemand. Im übrigen ist an dieser Stelle noch anzumerken, daß in der damaligen Zeit unter den Nachrichtendienstoffizieren der Heeresgruppe E ein junger Wiener Jurist gewesen ist, der in erster Linie befaßt war mit dem Konzipieren von Memoranden, betreffend die aus humanitären Erwägungen heraus dringlichst in die Wege zu leitenden Umsiedlungen, für welche verdienstvollen Schreibarbeiten er von dem kroatischen Staatsoberhaupt Ante Pavelić die silberne Medaille der Krone König Zvonomirs mit Eichenlaub entgegennehmen durfte. In den Jahren nach dem Krieg soll der schon zu Beginn seiner Laufbahn so vielversprechende, verwaltungstechnisch überaus versierte Offizier aufgestiegen sein in verschiedene hohe Ämter, unter anderem sogar in das des Generalsekretärs der Vereinten Nationen. In dieser letzteren Eigenschaft ist es angeblich auch gewesen, daß er, für allfällige außerirdische Bewohner des Universums, eine Grußbotschaft auf Band gesprochen hat, die jetzt, zusammen mit anderen Memorabilien der Menschheit, an Bord der Raumsonde Voyager II die Außenbezirke unseres Sonnensystems ansteuert.

(Die Ringe des Saturn S. 119ff)









Die Enkel fragten ihre Großväter, was sie getan, was sie gedacht und wo sie gewesen waren in den Jahren des Anschlusses an Hitlers Reich von 1938 bis 1945. Es war mit Verspätung jene schmerzhafte Selbstbefragung, die im Westen Deutschlands vor und während der Studentenrevolte in den Sechzigern eingesetzt hatte.
Für den Bundespräsidenten Kurt Waldheim sind es harte Jahre im Amt. Er gilt als "einsamer Mann" in der Wiener Hofburg, dem Präsidentensitz. Kaum ein Staatsoberhaupt oder Regierungschef will ihn besuchen, ihn empfangen. Als Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß anruft und Waldheim nach München einlädt, sagt der schnell zu. Als sich herausstellt, dass der Mann am Telefon nicht Strauß sondern der Kabarettist Ottfried Fischer ist: Blamage.
Bis zu seinem Tode steht er auf der "Watchlist" der USA, auf die ihn der US-Justizminister im April 1987 setzt: Waldheim ist die Einreise in die USA versperrt. 1986 recherchiert "profil" Waldheims Vergangenheit, stößt auf seine Wehrstammkarte. Waldheims erste Reaktion: Leugnen. Dann: "Ich habe meine Pflicht erfüllt, so wie hunderttausende Österreicher auch. Es handelt sich um eine groß angelegte Verleumdungskampagne. Sie werden nichts finden. Wir waren anständig."
Der Fall erinnert nicht wenig an jenen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, dessen Vergangenheit als NS-Marinerichter in Kombination mit seinem ungeheuerlichen und fatalen Ausspruch ("Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein") seinen Rücktritt vom Amt des Stuttgarter Regierungschefs erzwang.










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