Was todt ist, das
bleibt todt. Aus lieben
kömmet Leben. Ich weiß nicht,
wer mir sagt, was? wie?
wo oder wenn? Ist nun
die Liebe nichts? als Alles?
Wasser? Feuer? Gut?
Böse? Leben? Todt?



Oberschelp ist Sebald erst spät begegnet. Noch die Nachrufe wurden unter De mortuis nihil nisi abgelegt, bei jedem der zahlreichen achtbaren aber nicht notwendigen Kollegen hätten sie kaum anders geklungen. Einer von ihnen hat sich unlängst in einem Zeitungsaufsatz als Pygmäe im Vergleich zu Kafka bezeichnet, daran ist für ihn sicherlich nichts Ehrenrühriges. Der Leser muß sich aber angesichts begrenzter Lebenszeit immer wieder entscheiden, ob er lieber den Riesen zum dritten oder den Zwerg zum ersten Mal treffen möchte. Der Unglaube mußte weichen, die Begeisterung ist geblieben. Sebalds Werke hat er kreisförmig immer wieder abgelesen, Erinnerungsnotizen über eine Wallfahrt nach Wertach aufgeschrieben und Zorn entwickelt gegen einen Joseph Quack den Bruchpiloten, der öffentlich an Oberschelps Verstand zweifelt.
Auslöser für die Kleinen Sebaldstücke war dann aber der Band "Verschiebebahnhöfe der Erinnerung" (Würzburg 2007) mit durchweg gelungenen Beiträgen, lediglich an einigen kleinen Ecken hat er den Eindruck, es inzwischen vielleicht besser zu wissen.

Neben ihm, auf Tuchfühlung gewissermaßen, Grillparzer, nahezu restlos vergreist

Zur Begegnung mit Sebald kam es dann unter Zwang, man hatte im Freundeskreis verabredet, Austerlitz zur gemeinsamen Besprechung zu lesen. Der Umschlag des anfänglichen Unbehagens in ungläubige Begeisterung schon nach kürzester Zeit zeigt das Stück Leaving Prague.
Zunächst war also ein gewisser Rückstau abzuarbeiten, auch verursacht durch die immer wieder auftauchende Behauptung, Sebald kenne keinen Humor. Oberschelp hatte dann jeweils wieder einzelne Stellen aus den Schwindel.Gefühlen gelesen oder auch die Moment musicaux und ratlos gegrübelt über die dunkle Unverständlichkeit des Menschengeschlechts. Im weiteren war der Plan dann, in ufernahen Nebenströmungen zu segeln, Heilige, Uhren, Empfangsdamen, Sehfehler, Tiere u.a., unter Vermeidung der Gefahren des Hauptstroms. Dann wurde der Lyrikband aus dem Nachlaß herausgegeben, die Ausstellung in Marbach wurde eröffnet.



Die meiste Zeit über ist es Dr. K. äußerst unwohl. Er leidet an Bedrücktheit und Sehstörungen.