|
Was todt ist, das |
|
Oberschelp ist Sebald erst spät begegnet. Noch die Nachrufe wurden unter De mortuis nihil nisi abgelegt, bei jedem der zahlreichen achtbaren aber nicht notwendigen Kollegen hätten sie kaum anders geklungen. Einer von ihnen hat sich unlängst in einem Zeitungsaufsatz als Pygmäe im Vergleich zu Kafka bezeichnet, daran ist für ihn sicherlich nichts Ehrenrühriges. Der Leser muß sich aber angesichts begrenzter Lebenszeit immer wieder entscheiden, ob er lieber den Riesen zum dritten oder den Zwerg zum ersten Mal treffen möchte.
Der Unglaube mußte weichen, die Begeisterung ist geblieben. Sebalds Werke hat er kreisförmig immer wieder abgelesen, Erinnerungsnotizen über eine Wallfahrt nach Wertach aufgeschrieben und Zorn entwickelt gegen einen Joseph Quack den Bruchpiloten, der öffentlich an Oberschelps Verstand zweifelt. |
|
| Neben ihm, auf Tuchfühlung gewissermaßen, Grillparzer, nahezu restlos vergreist |
|
|
Zur Begegnung mit Sebald kam es dann unter Zwang, man hatte im Freundeskreis verabredet, Austerlitz zur gemeinsamen Besprechung zu lesen. Der Umschlag des anfänglichen Unbehagens in ungläubige Begeisterung schon nach kürzester Zeit zeigt das Stück Leaving Prague.
|