Über das Land und das Wasser S. 7


Schwer                          zu                         verstehen                         


Schwer zu verstehen
ist nämlich die Landschaft,
wenn du im D-Zug von dahin
nach dorthin vorbeifährst,
während sie stumm
dein Verschwinden betrachtet.
WindsheimLindenhardtAschaffenburgFrankfurtamMainWürzburgErlangen (Nach der Natur S. 29,37,7,10,13,8) WindsheimLindenhardtAschaffenburgFrankfurtamMainWürzburgErlangenWindsheimLindenhardtAschaffenburgFrankfurtamMainWürzburgErlangen (Nach der Natur S. 29,37,7,10,13,8) WindsheimLindenhardtAschaffenburgFrankfurtamMainWürzburgErlangen











Das Schlüsselwort in der zweiten Zeile ist >nämlich<. Eine Begründung wird gegeben, ein unsichtbares Ich erklärt dem Reisenden Du, warum die Landschaft so >schwer zu verstehen< ist. Weil du im Zug sitzt - so scheint es zu sagen -, weil du die Landschaft ziellos durcheilst, >von dahin/nach dorthin< fährst, nicht aussteigst und eingehst in sie, sie zum Sprechen bringst: deshalb, >nämlich<, bleibt die Landschaft >stumm<, und deshalb steht es schlecht um dich. Die Landschaft sieht dich verschwinden, weil der Zug dich davonträgt; aber was sie stumm betrachtet - >dein Verschwinden< ist zugleich mehr, ist poetische Metapher für den Untergang der Menschheit, für ihre Selbstauflösung, die mit der industriellen Revolution und ihrem Symbol, der Eisenbahn, längst begonnen hat.
(Jakob Hessing, Gesellenstücke, nach Uwe Schütte, Figurationen S. 28)