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Am schönsten von allen dünkte mich an jenem Nachmittag ein Bild von Pietro Paolini, der in Lucca gelebt und gearbeitet hat im siebzehnten Jahrhundert. Es zeigt vor einem tiefschwarzen, nur gegen die linke Seite in ein sehr dunkles Braun übergehenden Hintergrund eine vielleicht dreißigjährige Frau. Sie hat große, schwermütige Augen und trägt ein nachtfarbenes, von dem sie umgebenden Dunkel nicht einmal ahnungsweise sich abhebendes, also eigentlich unsichtbares und dennoch mit jeder Falte und Verwerfung des Stoffes gegenwärtiges Kleid. Um ihren Hals liegt eine Kette von Perlen. Mit dem rechten Arm umfaßt sie schützend ihre kleine Tochter, die, seitwärts, zum Bildrand gewendet, vor ihr steht, dem Betrachter aber ihr ernstes Gesicht, auf dem eben erst die Tränen getrocknet scheinen, zukehrt in einer Art stummer Herausforderung. Das Mädchen hat ein ziegelrotes Kleid an, und rot gekleidet ist auch die kaum drei Zoll große Soldatenpuppe, die sie uns entgegenhält, sei es zur Erinnerung an ihren ins Feld gezogenen Vater, sei es zur Abwehr unseres bösen Blicks. Lange habe ich vor diesem Doppelporträt gestanden und in ihm, wie ich damals glaubte, das ganze unergründliche Unglück des Lebens aufgehoben gesehen.
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